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Politisches Intrigenspiel

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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprĂĽnglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Ăśberfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Sal'jil
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Re: Politisches Intrigenspiel

#11

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:04

Sal'jil erwiderte Namiks prüfenden Blick und analysierte dessen Gesichtszüge auf ähnliche Weise. Einige Augenblicke standen beide Tajik dort und studierten den jeweils Anderen. Wenngleich Namiks Motiv in Angst und Sorge begründet war, war seine Frage dennoch berechtigt, stellte der Gesandte fest. Sicherlich hatte Namik auch schon andere Verbrechen begangen und...ja dieser Mann hätte es vermutlich verdient im Kerker für seine zahlreichen Vergehen zu büßen. Doch bei diesem Unternehmen galt es ein höheres Ziel zu lösen, vielleicht würden sie ihn nach dem Mord gefangen nehmen können. Denn der Meister liebt seine Folterkammer so sehr..., überlegte Sal'jil.

In Sal'jils Gesicht zeigten sich während dieser Überlegungen keinerlei Regungen, denn er verstand sein Handwerk und wusste, dass man seinem Gegenüber nichts verriet. Zudem unterstreichte er seine gleichgültige Miene mit einer monotonen, ausdruckslosen Stimme.
"Ich garantiere dir vollkommene politische Immunität für den Auftrag. Der Mord dient dem Wohle des Reiches und dir droht dafür keine Strafe. Du hast mein Wort... ", er machte eine kurze Pause und nickte Namik anerkennend zu. Doch schnell wandelte sich seine Freundlichkeit und fiel in das bekannte Muster zurück. "Oder traust du etwa einem Edelmann nicht, Namik al-Nadeem?“

Der Hofmagier hielt sich eine Hand vor den Augen, da ihm die Sonne augenblicklich blendete. Dabei fiel ihm auf, dass der Turban sich etwas verschoben hatte, da ein StĂĽck des Stoffbandes von der Schulter herab hing. Mit einem stillen Fluchen setzte der Tajik die Kopfbedeckung in die richtige Position, nahm das abgefallene Stoffband und schnĂĽrte den Turban wieder ordentlich zu. Nach der Prozedur ordnete er an:

"Wenn du jetzt nichts dagegen hast würde ich nun gerne hineingehen“. entgegnete Namik. Sein Ton erlaubte keine Widerworte, doch Sal'jil ließ auch keine Zeit zu antworten, sondern redete einfach auf seinen Gegenüber ein: „Es ist heiß, ich hab Hunger und brauche ein Bad. Diese ganzen Strapazen waren zu anstrengend. Ich muss von diesem verfluchten Dreck waschen, vom abscheulichen Gestank und den Anblick von ekelhaften Weibsbildern und erbärmlichen Bettlern. Wahrlich, ihr Menschen vom niederen Volk könnt euch einfach nicht benehmen. “ Mit den Worten ließ er Namik stehen und ging einfach weg, ohne auf eine Antwort oder Reaktion von ihm zu warten. Für einige Zeit war Sal’jil hinter der Fassade des Torbogens verschwunden und unterhielt sich dort mit dem Hauptmann der Wache.

Schließlich trat Sal’jil wieder ins Blickfeld von Namik und rief ihm zu: „Es wird Zeit…“
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Namik al-Nadeem
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Re: Politisches Intrigenspiel

#12

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:04

Die offenbar mit Bedacht gewählten Worte des Mannes beruhigten ihn keineswegs und er fühlte wie seine Bedenken zunahmen. Sal'jil versicherte, dass dessen Taten dem Reich zu Gute kommen würde und Namik stellte sich die Frage, wen er mit dem „Reich“ meinte. Den Kalifen oder tatsächlich die Bevölkerung des Reiches? Auch wenn ihn diese Frage ernsthaft beschäftigte und auf der Zunge lag, behielt er diese für sich. Er wollte nicht sonderlich moralisch wirken - vielleicht, weil er mit einer solchen Einstellung in seiner Position lächerlich wirkte. "Oder traust du etwa einem Edelmann nicht, Namik al-Nadeem?“ Im Prinzip war es völlig gleich ob er ein Edelmann oder ein einfacher Bauer gewesen wäre. Das Resultat wäre höchstwahrscheinlich das selbe gewesen: Traue niemals jemanden, weder deiner Familie noch irgendwelche anderen Menschen, nur der Gilde. Eine einfache und doch äußerst bedeutsame Regel und doch hatte er keine andere Wahl als Sal'jil zumindest scheinbar zu glauben. Es war gefährlicher sich den inzwischen angenommenen und reichlich bezahlten Auftrag zu verweigern als einfach dieses Risiko einzugehen. Er war mittendrin und konnte nicht einfach der Sache de Rücken zu kehren. „Nun, ganz davon abgesehen, dass ich Euch nicht wirklich kenne, werde ich euch wohl glauben müssen.“ murmelte er vor sich eingestehend hin. Sal'jil beklagte sich plötzlich - nachdem er sich anmutig wie nur möglich sein Turban gerichtet hatte - über die angeblich mühsame Reise, welche er hinter sich hatte. Natürlich musste auch in dieser scheinbar endlos gesprochenen Aussage eine offensichtliche Beleidigung seinesgleichen her. Er wollte antworten, doch bevor im klar wurde, was er entgegnen wollte, kehrte der Gelehrte ihm den Rücken zu und marschierte mit voller Anmut auf das Tor zu, verschwand für einen Moment hinter der Fassade. Namik nutzte nochmals den Augenblick um sich umzusehen. Sein von der unbarmherzigen Sonne beeinträchtigter Blick wanderte über die reichlich bewachte Mauern des eindrucksvollen Bauwerkes und innerlich wurde ihn bewusst, dass kaum ein Mensch, welcher nicht zum direkten Gefolge des Kalifen gehörte, soviel Einblick genießen durfte wie er selbst. Sein Blick wanderte wieder zu Sal’jil, der sich zeigte und Namik bedeutete ihn zu folgen. Er überwand die kaum bemerkenswerte Entfernung zwischen ihnen mit nur einige Schritten. „Dann führe mich bitte zu den Kalifen.“ Namik bemerkte wie durch den Eingang des Palastes mit recht hastigen Schritten sich ein Mann näherte. Der Mann schien körperlich gepflegt und auch die Kleidung, auch wenn diese ihn als offensichtliche Dienerschaft des Palastes auswies, wirkte nicht unbedingt heruntergekommen, sondern sauber. Der Diener verbeugte sich unterwürfig vor Sal'jil, beachtete Namik nicht wirklich. "Mein Herr, ihr seid bereits zurück. Ich hoffe, Eure Reise verlief angenehm? Kann ich etwas zu Euren Wohlbefinden tun?" Namik betrachtete die Unterwürfigkeit des Dieners mit hochgezogener Braue und fragte sich, ob dieser sich nicht innerlich verzerrte während er Sal'jil beinahe den Staub der Wüste von den Stiefel leckte. Sal'jil hatte wohl nicht übertrieben, was seinen Stand und Ansehen hier im Palast betraf.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#13

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:04

Der Diener, welcher auf den Namen Tulef hörte, war ein etwas kleinerer Mann, vielleicht 1.65m groß. Da er gebückt ging, und den Blick die meiste Zeit auf den Boden richtete, wirkte er deutlich kleiner. Seine Statur war nicht sonderlich stattlich. Er sah recht schwächlich aus, aber nicht mager, sondern eher gebrechlich, was bereits an der Altersschwäche lag. Denn der Diener war etwa Mitte 40 und würde nicht mehr lange leben. Sein Gesicht war vollständig rasiert und hat ein einfaches Tuch über den Kopf. Auffällig war, dass der kleine Mann viel schwitzte und sich ständig kratzte. Beim Letzteren handelte es sich um einen unangenehmen Tick. Während Sal’jil über ihn nachdachte, bemerkte er, dass er eigentlich nichts über den alten, untergesetzten Mann wusste. Hatte er Familie oder Kinder? Er hatte den Mann auf jeden Fall noch nie mit seiner Familie gesehen. Und sowas wie Urlaub gab es bei der Dienerschaft des Kalifen nicht.

Sal'jil tat wie so häufig, zunächst so, als ob er den kleinen Mann nicht bemerkt hätte. Gekonnt ignorierte er ihn einige Augenblicke, indem er seinen Blick seelenruhig in die Ferne richtete. Damit offenbarte er den Rang des Dieners. Danach wandte er sich an seinen Untergebenen und befahl ihm, was mit Namik passieren sollte: "Geleite diesen Mann in eine Kammer die seiner würdig ist. Im Keller haben wir noch einige leer stehende Stuben. Oberdiener Ftaihif wird wissen, welche angemessen ist".
„Ja, mein Herr“, nickte Tulef kurz.

Sal’jil bemerkte eine gewisse Überraschung in den Gesichtszügen des Auftragsmörders, sodass er möglichen Fragen entgegenkam.
"Namik, warte dort auf mich. Ich werde dafür sorgen, dass man dir eine Speise zukommen lässt. Wenn irgendwas ist, kannst du jederzeit nach Tulef rufen“, er zeigte abfällig auf Tulef, der sich gerade wie wild kratzte. „Er gehorcht aufs Wort“, lachte er. Ich habe zwar nichts für diese Leute übrig, aber ich bin - bei Kargon - kein schlechter Gastgeber.

* * * * *
Vorübergehend trennten sich die Wege der beiden Gefährten. Denn Sal’jil hatte zunächst persönlich einige Dinge mit dem Kalifen zu klären, bevor er Namik in den Auftrag einweisen konnte. Und wer schlug schon die Gastfreundschaft eines Gesandten des Kalifen ab?
Richtig: Niemand.

„Meister“, begrüßte Sal’jil den Kalifen als er den Audienzsaal betrat. Sal’jil wurde von einer der Wachen eskortiert, mehr wegen der Etikette, als aus Notwendigkeit, denn man vertraute Sal’jil inzwischen.
„Ich habe die Gilde aufgesucht von der ihr gesprochen habt und einen Delinquenten gefunden. Er wird sich meinen Anordnungen fügen. Einer der zentralen Fragen ist jedoch, wie wir diesen Mann hineinschmuggeln, ohne dass unsere Absichten bekannt werden.
Und seid Ihr sicher, dass Azur Ftaihifs Dämonie ihn nicht schützen wird?“


Der Kalif sah müde und geistesabwesend aus. Er schaute Sal’jil gedankenverloren an. Seine Augen waren glasig, sein Blick wie hinter einem Schleier gefangen. Er war zwar alt, aber bereit zum Wohle des Reiches einzutreten. Einen Dämonenbeschwörer auf dem Thron verhieß nichts Gutes. Das wusste auch Sal’jil, denn obwohl die Dämonologie ein Geschenk der Mondalben war und im Allgemeinen von den Tajik hochgeschätzt wurde, hatte es schon lang keinen Sultan mehr gegeben, der sich offen dafür aussprach neue Dämonen zu beschwören, um sie auf den Sklavenmarkt zu verkaufen oder im Krieg gegen die Allianz einzusetzen. In Radschistan gab es zwar noch niedere Dämonen und Dschinns aus den alten Zeiten, aber ihre Zahl war bis jetzt noch verschwindend gering. Azur Ftaihif hatte jedoch die Vision von einem riesigen Dämonenheer, welches er befehligen wollte und der Sultanssohn war sich sicher den Krieg im Norden, so für die Vereinigung zu entscheiden. Inzwischen verloren die Tajik an der Ostfront zahlreiche gute Krieger und Kriegselefanten und Azur Ftaihif folgte der Parole „Endlich in die Offensive zu gehen“.

Kalif hingegen antwortete darauf: „Kargon schützt unsere Mission. Er schützt das Reich und er wird nicht zulassen, dass dieser Mann Sultan wird. Mit Kargons Segen und einer guter Strategie sollten wir seine Dämonie besiegen können…aber nichts desto trotz, welche Wahl haben wir? Wir müssen etwas tun. Selbst wenn es heißt, dass wir diesen Mann töten müssen und das Reich vermutlich in einen Bürgerkrieg stürzen werden“, er machte eine Pause und wiederholte dann deutlich dramatischer: „Wir müssen es tun“.

* * * * *
Sal’jil verbrachte noch den ganzen Abend beim Kalifen, ging mit ihm alle Details durch und verließ schließlich mit einem Lageplan der Totenstadt, der Bauskizze des Palasts und weiterhin einer weiteren Rolle Pergament mit Notizen den Audienzsaal des Kalifen. Sein Kamel Murak war bereits zum Aufbruch gepackt. Morgen Vormittag hatte der Hofmagier noch vor entspannt zu frühstücken, ehe sie dann gegen Mittag aufbrechen würden.

Mit den Händen voller Schriftrollen durchquerte Sal’jil die Räume des Palasts und erreichte schließlich Oberdiener Ftaihif, den er fragte, wo sie Namik einquartiert hätten. Ftaihif zeigte ihm den Weg zu einem schäbigen Kellergewölbe mit kargem Mobiliar. Durch das Kellerloch fiel nicht besonders viel Licht und die Kammer von Namik wirkte insgesamt nicht sehr einladend, eher wie eine Gefängniszelle, als ein Wohnraum. Es war zudem unangenehm feucht und kalt.
Sal’jil klopfte an der Türe und bemerkte, dass sich Namik auf der anderen Seite mit jemandem unterhielt. Als er nach längerem Warten kein „Herein“ hörte, kam er einfach hinein und sah Tulef zu Namiks Linken sitzen, mit dem er sich unterhielt.

Eifrig legte Sal’jil die Schriftrollen auf den einzigen Tisch des Raumes, zog den Tisch an die beiden Stühle heran, wo sich Tulef und Namik hingesetzt hatten und vertrieb daraufhin den untergesetzten Diener. „Verschwinde jetzt – wir haben Wichtiges zu erledigen“, sagte Sal’jil zu Tulef.
Der Diener verlieĂź sofort den Raum und lieĂź die Beiden allein.
„Ich hoffe das Essen hat geschmeckt?“, fragte Sal’jil, während er sich auf den frei gewordenen Platz hinsetzte. „Hat sich Tulef gut um euch gekümmert?“
Nach einer Pause, in der Sal’jil seinen Gegenüber Zeit zum Antworten ließ, beschwor er nochmal den Zauber "Schmackhafter Wein" (Grad 1 der Beschwörungsmagie), bot seinen Gast ein Becher Wein an und meinte zuguterletzt: „Nun, dann kommen wir jetzt zum wesentlichen Teil.“
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Re: Politisches Intrigenspiel

#14

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:04

Namik bemerkte, dass Sal'jil zunächst den Bediensteten nicht beachtete und wechselte den Blick zwischen den beiden Personen hin- und her. Er meinte bereits, seinen Gegenüber eventuell darauf hinweisen zu müssen, dass der Befehlsempfänger ihn angesprochen hatte, als der überhebliche Magier sich schließlich gnädig erwies und auf diesen einging. Innerlich schüttelte Namik über dieses unglaubliche Verhalten den Kopf - wie so oft in den letzten Stunden. Die Anweisungen Sal'jil´s verwunderte ihn etwas, da er annahm, dass man ihm direkt zum Kalifen führen würde. Das bedrückende Gefühl, welches ihn bereits seit Stunden plagte, wich einer wohltuenden Erleichterung. Dem Kalifen gegenüberzutreten war eine Sache für sich. Ihm wäre sicherlich ein Fehler im Umgang mit dem jeweiligen Machthaber unterlaufen und wenn man den Erzählungen anderer Bewohner von Danos glauben schenken konnte, war der Kalif äußerst einfallsreich wenn es darum ging seine Untertanen zu züchtigen bis diese uneingeschränkte Unterwürfigkeit bewiesen. Das wollte Namik unter keinen Umständen herausfordern. Die Tatsache, dass man ihm einen Raum im untersten Stockwerk zuwies, verwunderte Namik keineswegs. Erneut wollte wohl Sal'jil seinen Gegenüber aufzeigen, dass er nichts von ihm hielt. Auf Sal'jil´s Anmerkung nickte Namik lediglich und versuchte nicht auf das etwas abfällig wirkende Lachen einzugehen. Natürlich gehorchte der Bedienstete auf jedes Wort - aber dieses Tatsache war angesichts dessen, dass man ihm bei Verweigerung eines Befehls wahrscheinlich disziplinieren würde, weder amüsant noch unterhaltsam und er bedachte diesen kurzweilig mit einem mitleidvollen Blick. Nachdem Sal'jil sich von den beiden Männern entfernt hatte, sorgte Tulef mit schlichten Anweisungen dafür, dass Ansari durch einen anderen Knecht in einer der großzügig angelegten Ställe untergebracht wurde und führte anschließend Namik in den besagten Aufenthaltsraum im unterirdischen Stockwerk des Palastes. Eigentlich hatte Namik erwartet, dass sie um dieses zu erreichen wenigstens die prachtvolle Eingangshalle des Palastes durchqueren müssten, aber selbst das blieb ihm verwehrt und sie nutzten einen schäbigen, dennoch reichlich bewachten Seiteneingang nahe der Ställe, welche augenscheinlich von Bediensteten genutzt wurde. Zunächst schwiegen beide Männer. Namik, weil er das Gefühl hatte, man führte ihn geradewegs zu einer Kerkerzelle und Tulef vermutlich, weil er ohnehin nicht viel sprach. Sie erreichten die Kammer. Die Einrichtung war noch schäbiger als erwartet und erinnerte an die Schlafkammer - wenn man diese so nennen wollte - innerhalb der Kanalisation in Danos. Sal'jil wollte sich wohl auf seine Art und Weise bedanken, dass man ihm in eine dermaßen schäbige Umgebung empfangen hatte. Er musste verächtlich schnauben als er sich umblickte. „Na, da gibt sich aber jemand sehr viel Mühe seinen Unmut zu zeigen.“ Tulef bedachte ihn für einen Moment mit einem erstaunten Blick, räusperte sich dann nur verlegen und verließ eilig den Raum. Namik machte es sich seufzend auf einen der zerbrechlich wirkenden Stühle bequem und ließ - angetrieben aus purer Langeweile - die Klinge seines Dolches ständig auf der Oberfläche des Tisches um seine eigene Achse kreisen und dachte dabei über die derzeitigen Geschehnisse nach. Es dauerte nur einige Minuten bis Tulef erneut den Raum betrat, diesmal ein reich gedecktes Silbertablett in den leicht zittrigen Händen. Dieses stellte er behutsam vor Namik auf den Tisch und der Geruch von köstlicher Hühnersuppe stieg Namik in die Nase und brachte seinen Magen zum Knurren. Tulef entfernte sich wieder vom Tisch. „Kann ich noch etwas für Euch tun?“ Namik, welcher schon die würzige Brühe mit dem knusprigen Brot zu sich nahm, schaute zu ihm auf. „Ja, leistet mir bitte Gesellschaft.“ Er deutete auf den Stuhl neben sich. Er wollte nicht alleine speisen, denn dies würde seine innere Unruhe nur verstärken. Tulef wollte zunächst widersprechen, fügte sich allerdings dem Wunsch des Mannes im Wissen es handelte sich schließlich um ein Gast seines Meisters und nahm vorsichtig Platz. Namik bedachte den Untergebenen mit einem prüfenden Blick. Der Mann schien seinen Blick von seiner Mahlzeit nicht lösen zu können. „Habt ihr heute schon etwas gegessen?“ Tulef runzelte die Stirn und räusperte sich. „Ich….nun….wisst Ihr…heute ist viel zu tun. Die Bediensteten speisen aber in einer Stunde.“ , gab dieser unsicher zurück und Namik vermutete schon, dass er vor heute Abend sicherlich keine Mahlzeit zu sich nehmen würde. Es war grausam wie man teilweise hier mit den Bediensteten umging. Namik brach sein Brot und reichte es ihm. „Hier…“ Völlig überfordert schüttelte Tulef zunächst den Kopf, gab aber schließlich nach nachdem Namik es ihm beinahe in die Hand drückte. Die Schüssel mit der Suppe schob er in die Mitte. „Sonst schmeckt es nicht.“ meinte Namik mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

* * * * *
Das Eis war gebrochen und sie sprachen bei der gemeinsamen Mahlzeit miteinander. Namik erfuhr nicht nur, dass Sal'jil ein solches Verhalten nicht dulde würde, sondern auch, dass der Mann vor Jahren seine Frau verloren hatte. Sein einziger Sohn lebte in Totenstadt und kümmerten sich nicht um dessen Wohlbefinden, während seine jüngste Tochter am Fieber starb. Im Grunde genommen hatte dieser Mann niemanden der sich um ihm kümmerte. Obwohl Tulef erzählte und auch seine Dienste hier auf gewisse Art und Weise als erniedrigend befand, wenn nicht sogar sein derzeitiges Dasein beklagte, wagte er es nicht einmal annähernd über Sal'jil oder gar dem Kalifen ein schlechtes Wort zu verlieren. Die Unterhaltung war dermaßen intensiv, dass weder Namik noch Tulef das Klopfen an der Tür vernahmen. Erst nachdem Sal'jil den Raum betrat schaute Namik zu diesem überrascht auf, während der ältere Mann hastig aufsprang, das gebrauchte Geschirr beinahe panisch zusammenräumte und mit einem leisen „Verzeiht, mein Herr.“ auf dem dem schnellsten Wege den Raum verließ. Namik hatte noch nicht einmal die Gelegenheit ergreifen können, ihm noch einige, aufmunternde Worte mitzugeben oder sich wenigstens zu verabschieden. Sein Blick verweilte noch einen Moment auf die Tür, welche der Diener leise hinter sich schloss. Anschließend betrachtete er Sal'jil. „Danke, die Mahlzeit war recht angenehm.“ beantwortete er Sal'jil´s Frage und ergriff zugleich die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass dieser seinen Bediensteten in Zukunft mehr wert schätzte. „Tulef war ausgesprochen hilfreich, danke der Nachfrage. Er ist ein tüchtiger Mann, Sal'jil. Ihr solltet ihn nicht schlecht behandeln.“ ,bat er unbewusst mehr als das er verlangte. Obgleich Namik Wein nicht sonderlich mochte, nahm er den herbeibeschworenen Becher gefüllt mit süßlicher Flüssigkeit entgegen, stellte diesen aber entschieden beiseite. „Danke.“ Seine Aufmerksamkeit gehörte nun vollends dem Magier. Schließlich würde Namik endlich die Umstände und das Ziel seines Auftrages erfahren.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#15

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:05

Sal'jil ignorierte die Bemerkung Namiks zu Tulef. Der Magier hatte keinerlei emotionale Beziehung zu Tulef, und sah sich nicht verpflichtet sich irgendwelche Gedanken ĂĽber einen niederen Diener zu machen.

"Uns erreichte vor zwei Tagen die Nachricht, dass Sultan Bayezid II. verstorben ist, an einem Herzleiden, wie man sich sagt. Nach der Erbfolge wird nun sein Sohn Azur Ftaihif zum nächsten Sultan von Radschistan.
Der Kalif ist sich aber sicher, dass Azur eine große Gefahr für das Reich darstellt. Azur Ftaihif will diesen Krieg endlich beenden und dazu bereit jegliche Mittel anzuwenden...er ist sogar bereit mit den Dämonen zu paktieren und versprach ihnen große Landgewinne, wenn sie die Vereinigung in diesem Krieg unterstützen. Doch noch nicht genug: Jeder Bauer und jeder Bürger soll zu den Waffen gerufen werden. Problematisch wird es dadurch, dass die Truppen nicht mehr versorgt werden können, der Handel und die Landwirtschaft nur noch in den Händen von Frauen und Kindern sein wird und das Reich somit seinem Ende entgegensteuern wird. Wir wären somit nur noch von der Versorgung durch die Garu Ashi abhängig, die momentan aber im Seekrieg gegen die Inselbewohner bereits am Rande ihrer Kapazitäten gelangt sind.
Azur Ftaihif ist zu radikal! Ein solcher Krieg kann nicht auf diese Art und Weise gewonnen werden. Die Allianz hat sich im Osten in den Gnomenfestungen verschanzt und ein Erfolg ist nur mit großen Truppenverlusten zu verzeichnen. Es ist unsere Pflicht einzugreifen! Azur Ftaihif zu stoppen, um das Reich zu schützen und uns vor der drohenden Zerstörung zu bewahren. Wir haben bereits Alternativen gründlich durchdacht und sind uns sicher: Wir müssen ihn töten, das ist der einzige Weg,
" beendete Sal'jil seinen Vortrag.

"So kommst du ins Spiel", Sal'jil nahm einen Schluck Wein und machte eine eindrucksvolle Illusion des Palasts in Miniaturgröße. Sie war Ebenbild dessen wie Sal'jil den Palast zuletzt in Erinnerung hatte. Selbst die Menschen dort bewegten sich und man hörte, wie sich Leute unterhielten.

"Unser Vorgehen: Du wirst mir in den Palast folgen. Ich war bereits einige Male Gast beim Sultan und der Hauptmann der Palastwache kennt mich", Sal'jil deutete auf die Pforte zum Haupteingang. "Du wirst dich als mein Diener ausgeben und nach außen hin diesen Schein wahren. Ich werde dir unterwegs die höfische Etikette beibringen. Wegen deines respektlosen, erbärmlichen Verhaltens wird dir sonst niemand abkaufen, dass du mein Diener wärest."

"Wenn wir erst einmal drinnen sind, wird es schwieriger. In den Gemächern und im Audienzsaal des Sultans ist das Aufgebot des Wachmannschaft natürlich besonders groß. Wir müssen den Sultanssohn daher an einem Punkt treffen, wo er nur von wenigen Wachen begleitet wird, oder es im allgemeinen schwer für die Wache ist Überblick zu bewahren. Beispielsweise, wenn er eine Rede an das Volk hält oder wenn er den Tempel zum Beten aufsucht."

"Dein Auftrag ist klar: Den Sultanssohn töten, koste es was es wolle. Wenn du erfolgreich bist, erhälst du deinen Anteil. Ich überlasse dir diese Bauskizze des Palasts und den Lageplan der Totenstadt für alle Fälle."
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Re: Politisches Intrigenspiel

#16

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:05

Es verärgerte Namik, dass Sal'jil seine Anmerkung nicht beachtete. Die Gedanken innerer Ratlosigkeit wie er selbst den Mann bedenklichen Alters unterstützen konnte wurden dennoch beiseite geschoben. Die Nachricht, dass Sultan Bayezid II. aus dem Leben geschieden war, hatte ihn bisher nicht erreicht. Namik dachte sich bereits, dass aller Voraussicht nach das gemeine Volk seines Landes es auch nicht erfahren würden bis dessen Nachfolger die Herrschaft übernommen hatte. Er runzelte die Stirn als Sal'jil von Bedrohung sprach. Er ahnte nicht - nein, seine Vorstellungskraft reichte nicht aus - um zu ahnen, worauf sein Gegenüber hinaus wollte. Nicht eher als Sal'jil aussprach, dass der Sohn des Sultan Bayezid II. sterben müsste, realisierte Namik das Offensichtliche. Er musste schwer schlucken, da seine Kehle trocken wurde. Seine Gedanken rasten um diese eine, hingegen alles meinende Aussage. Der Mord eines Mitgliedes der Sultansfamilie und zeitgleich an die höchste, staatliche Autorität vermochte ihm zunächst unmöglich. Seine blau-grünfarbenen Augen strahlten plötzlich eine Unsicherheit aus. „Das ist…..Hochverrat…“ , meinte er kaum hörbar in der Befürchtung einer der Bediensteten könnte sie hören. „Wenn das auf irgendeinen Grund - weiß Kargon welcher - schiefgeht wird nicht nur mein Kopf rollen.“ Im nächsten Moment fragte er sich ob sein Meister von diesen Auftrag wusste, musste allerdings folglich feststellen, dass dieser definitiv nicht Mitwisser dieser politisch schwerwiegenden Entscheidung war. Namik konnte nicht einschätzen, ob die „Blüte des Nachtschattens“ sich auf einen solchen Auftrag - einen bedeutenden Mord, den es in der weitreichende Geschichte seiner Gilde bisher noch nicht gegebenen hatte - eingelassen hätte. Seine Gedanken wurden unterbrochen von der faszinierenden, beschworene Erscheinung des gesamten Wohn- und Repräsentationsbau des Sultans. Diese unglaubliche Originalität, diese Lebendigkeit, welcher in der Illusion zu erkennen war, verschlug Namik letztendlich doch die Sprache. In seinen vorher unsicheren Blick, lagen augenblicklich Erstaunen, Faszination und Bewunderung. Insgeheim bewunderte er mittlerweile den Magier und seine außerordentliche Fähigkeiten, welche er heute morgen noch verächtlich „kleine Kunststückchen“
nannte. Nachdem Namik aufmerksam dessen Vorhaben lauschte, stieß er missmutig den Atem aus. „Na, der Plan ist sicherlich ganz nach Eurem Geschmack, nicht wahr?“ Namik konnte sich bereits vorstellen, dass Sal'jil dieses kleine Rollenspiel durchaus zunutze machen würde, um ihn zu erniedrigen und dies wäre noch nicht mal seitens seines vorübergehenden Meisters unprofessionell - im Gegenteil - es wäre einfach der erbarmungslosen Realität entsprechend. Außerdem wäre es sicherlich die Antwort auf seine Unverschämtheiten, welche er bereits dem jungen Magier entgegen gebracht hatte, aber auch dies - seines Erachtens - zu Recht.„Allerdings wäre es nicht gerade vorteilhaft für Euch und Eure Gesundheit, wenn das Attentat misslingt. Obgleich Azur Ftaihif im Glauben sei, dass meine Person diesen Anschlag allein geplant hat und ausschließlich auch aus diesem Grund in Eure Dienste eingetreten ist, wird er zornig genug sein, Euch ebenfalls für euren sogenannten Dienster zu bestrafen. Die Frage ist, ob Ihr bereit dafür seid, für einen Plan, welcher der Herr Kalif hier sich dermaßen viel Mühe gegeben hat - geht ja auch im Zweifelsfall nicht um sein erbärmliches Leben - zu sterben?“ Er wusste nicht warum er Sal'jil diese Frage stellte. Dessen Erläuterung zur derzeitigen Lage seines Landes hätte eigentlich ausreichen müssen, um zu verdeutlichen, dass dieser Schritt mehr als notwendig war. Die Tatsache hingegen, dass der Kalif in seiner eigensüchtigen Art diesen jungen Mann eventuell in den Tod oder schlimmer in die Folterkammer des Palastes trieb, erzürnte ihn etwas und dabei fragte er sich ernsthaft und stillen Wortes ob der verzogene Sohn eines berühmten Magiers tatsächlich dermaßen naiv war, dass er dieses Risiko schlichtweg übersah oder ob seine Hingabe zu seinem Heimatland dermaßen weitreichend war, dass er dieses Opfer bereit war zu geben. „Wer weiß noch von dem Plan?“

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Re: Politisches Intrigenspiel

#17

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:05

Namiks Reaktion ĂĽberraschte den Hofmagier. Er hatte nicht erwartet auf moralische Bedenken bei einem Mann zu stoĂźen, den man zum Morden bezahlte. Mehr noch, der Mann wagte es ihn des Hochverrats zu beschuldigen! Was denkt er sich!

"DU WAGST ES...," schrie Sal'jil, doch beruhigte sich augenblicklich wieder. Er atmete kurz ein. Ein Mann ohne Überzeugung war nicht viel wert: Das wusste Sal'jil. Denn Sal'jil erkannte die Unsicherheit und den Zweifel in Namiks Augen. Es war nun Sal'jils Aufgabe, Namik von der Notwendigkeit eines Mordes an den Sultanssohn zu überzeugen. "Dieser Mann stellt eine Gefahr für alle dar. Nicht nur für den Adel, sondern auch für die Menschen, die du kennst. Er wird euch suchen in den Kanälen, er wird euch jagen und irgendwann wird er euch finden". Sal'jil wandte einen kleinen Trick an und wirkte den Zauber "Stimmung übertragen", womit er das Gefühl der Angst an Namik übertrug und somit die Schilderung intensiver machte.
"Wenn er euch hat, werdet ihr in den Krieg geschickt. Einen sinnlosen Krieg, indem ihr euer Leben lassen werdet und euer Dasein ein Ende finden wird. Glaubt nicht, er könnte euch nicht finden. Er wird alle rekrutieren, alle Männer zu den Waffen holen, selbst die Alten und Verkrüppelten, dessen bin ich mir sicher", und wenn du das immer noch nicht begriffen hast, dann ist dir auch nicht mehr zu helfen, dachte sich Sal'jil zu Ende. Sal'jil seufzte theatralisch und fuhr weiter fort.
"Ich handle zum Wohl des Reiches. Nicht für irgendeine Adelsfamilie, nicht für die Erbfolge und schon gar nicht für den Sultan. Nennt mich großzügig, oder gar selbstlos, doch wenn das Reich fällt, wird alles wofür wir Tajik stehen, vernichtet werden. Kargon wird unser Handeln bestärken."

Sal'jil hörte Namiks Worten weiter zu. Ging auf seine Aussage, dass der Plan ganz nach seinem Geschmack wäre, nicht weiter ein und antwortete, als Namik fertig war.
"Wenngleich du Recht hast, dass der Plan des Kalifen große Risiken auch für mich birgt. Ich meine mit Verlaub, es ist sein Befehl, aber ich habe mich noch nie großartig um Befehle geschert. Ich hatte mir darüber bereits Gedanken gemacht und einen Alternativplan ausgearbeitet, von dem der Kalif nichts weiß, bei dem ein Scheitern des Attentats nicht auf mich zurückfallen wird. Demgemäß würden wir uns in der Hauptstadt trennen und du wirst dich zum Palast alleine durchschlagen müssen. Es gibt da mehrere denkbare Optionen, obschon...", Sal'jil stockte ein wenig, da er merkte wie Namik bei den Schwall an Wörtern abschaltete und nicht mehr zuhörte. "Oder was meinst du dazu?", fragte Sal'jil und bemerkte erst nach dem Beenden der Frage, was er gesagt hatte.

Warum frage ich einen Untergebenen nach seiner Meinung? Er hat doch eh nichts Wissenswertes beizusteuern, was du nicht schon bedacht hast. Das Denken ist bei ihm so weit entwickelt, wie bei einem Esel, er wird nur fürs Töten bezahlt. Dennoch... Sal'jil schüttelte den Kopf und rettete sich aus dieser misslichen Lage. "Ich meine, stimmst du mir zu?", fragte Sal'jil derweil er immer noch ein wenig verwirrt darüber war, warum er den Meuchelmörder nach seiner Meinung gefragt hatte. Zweifelsohne war es Respekt und Vertrauen, was sich dort langsam in Sal'jil aufbaute. Doch diese weitreichende Erkenntnis war Sal'jil nicht bewusst. Er schob es auf die Wirkung des Weines und ignorierte diesen Zwischenfall vorerst.
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Re: Politisches Intrigenspiel

#18

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:05

Der vorübergehende Wutausbruch seines Gegenübers ließ ihn zunächst verstummen. Er erwiderte Sal'jil´s Blick und las in dessen Augen, dass er erzürnt über diese Behauptung war. Offensichtlich war er ein Mann der Ehre und der Treue und dieses ausgesprochene Wort war wahrscheinlich aufgrund seiner Reaktion eine Beleidigung sondergleichen. Namik konnte es nicht wirklich nachvollziehen, aber er respektierte es in diesen Moment. Im Grunde genommen war er beinahe dazu bereit sich für diese Worte zu entschuldigen als Sal'jil sich unglaublich und vor allem unerwartet schnell wieder fing und seine gewohnte disziplinierte Haltung wahrte. Erstaunlich schnell wie Namik für sich stillschweigend befand. Sal'jil berichtete ihm von den drohenden Gefahren, welche sich anbahnten sofern man nicht Azur Ftaihif unmittelbar beseitigte. Alsbald und während der Magier noch sprach überkam ihn unerwartet ein ausgeprägtes Gefühl der Beklommenheit. Ihm wurde klar, dass Menschen hier sterben würden und das Kinder ihre Väter in einen Krieg verlieren würden, welcher es einfach nicht wert war. Seine Bruderschaft war ebenfalls in Gefahr. Azur Ftaihif würde sie ausmachen, sie unterwerfen und dann für sein Heer missbrauchen und selbst wenn es einige seiner Brüder oder Schwestern gelingen würde, diesen Krieg zu überleben, würde man diese anschließend sicherlich hinrichten lassen. Namik war überzeugt davon, dass sich dies tatsächlich so abspielen würde und daher musste er gemeinsam mit dem Magier handeln. Er schwieg, hielt dennoch Sal'jil´s Blick stand. Das Sal'jil einräumte, dass er dieses eigene Risiko nicht aus übertriebener Treue seines Kalifen gegenüber einging, verwunderte Namik dann doch etwas. Offensichtlich war Sal'jil tatsächlich besorgt um sein Heimatland und war bereit ein gefährliches Spiel zu spielen um dieses und dessen Bewohner zu schützen und dies passte aus irgendeinem Grund nicht wirklich in das Bild, welches Namik von dem Magier hatte. Andererseits überraschte Namik es nicht, da dieser Mann etwas anders war als alle anderen Männer die er bisher traf. Er war facettenreich und man konnte ihn einfach nicht in eine bestimmte Kategorie Mensch einordnen…halt unberechenbar. Das Sal'jil bereits einen weiteren Plan zur Ermordung von Azur Ftaihif ausgearbeitet hatte, verwunderte ihn dann doch. Zumal der Kalif nach dessen Aussage nichts davon wusste. Während Sal'jil sprach, nahm Namik beiläufig die Informationen auf, doch musste eigene Gedanken nachgehen, welche vor allem darauf ausgelegt waren, wie er unentdeckt in die Gemächer des Sultans eindringen konnte und vor allem auch gesund wieder hinaus. Immerhin war der Sultan von ausschließlich hervorragend ausgebildeten Leibwächter umgeben und würde vermutlich auch keinen Schritt ohne diese machen. Die unerwartete Frage seines Gegenübers ließ ihn überrascht aufblicken und sein zuvor abschweifender Blick verfing sich erneut in seinen. Auf eine Frage war er nicht vorbereitet und er musste sich räuspern, bevor er zu einer Antwort ansetzen konnte, doch er kam nicht dazu. Sal'jil suchte offensichtlich nur eine Bestätigung nicht seine Meinung und wirkte dabei dermaßen verwirrt, dass Namik zweifelnd eine Augenbraue hob. „Hmm….“, meinte er und betrachtete seinen Gegenüber eindringlicher. „Zunächst würde ich vorschlagen, dass wir nach und nach kleine Schritte gehen. Es wird nichts bringen, bereits hier einen umfangreichen Plan festzulegen, da sich wahrscheinlich ohnehin die eine oder andere Situation ergeben wird, welche deinen Plan zunichte macht. Zugegeben, ich zerbreche mir ebenfalls jetzt schon den Kopf über die Ausführung des Attentates selbst und dabei sind wir noch nicht mal unbeschadet in Totenstadt angekommen. Zunächst besorgen wir mir passende Kleidung, welche auch einen Bediensteten würdig sind und wir brauchen eine Geschichte. Totenstadt ist nicht um die Ecke und wir werden gewiss auf Reisende, wenn nicht gar auf Menschen deines Standes treffen und demnach natürlich auch ihren Bediensteten. Ich werde wahrscheinlich nicht dazu kommen mit ihnen zu sprechen, aber dennoch möchte ich vorbereitet sein, wenn man mich fragt wie lange ich in deinen Diensten bin und ähnliches. Unsere Erzählungen sollten sich nicht voneinander unterscheiden sonst schöpft jemand Verdacht. Außerdem musst du mir einige grundlegende Dinge erklären. Ich bin nicht darin unterrichtet jemanden….zu dienen.“ Das Wort kam ihn etwas schwer über die Lippen und irgendwie fühlte er sich in seinen eigenen Stolz verletzt. „Sofern wir Totenstadt erreichen, nehmen wir uns je nach Plan, den du nachgehen willst ein Zimmer in einem Gasthaus und da werden wir alles weitere planen. Es wird sicherlich einfacher sein, wenn du mich in den Palast begleitest und wir da ganz in Ruhe auf eine passende Gelegenheit warten. Außerdem ist es förderlich wenn ich alle Ecken, Winkel und Gänge des Palastes kennenlerne. Nichts ist gefährdender für diesen Auftrag als fehlende Orientierung. Aber wie bereits gesagt, bin ich der Überzeugung, dass wir diese Überlegungen Vorort nachgehen sollten, oder was meint Ihr?“ Ihm war bewusst, dass diese Frage durchaus von Bedeutung war. Sal'jil sollte nicht das Gefühl bekommen, er würde diese Vorgehensweise vorraussetzen, denn Namik schätzte ihn eitel genug ein schon allein aufgrund dieser Tatsache sich nicht darauf einzulassen und schlimmsten Falls trotzig sein Ding durchzuziehen.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#19

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:05

Sal'jil kam nicht drumherum festzustellen, dass er Namiks Vorgehensweise zustimmte, indem er dabei mit dem Kopf nickte. Dass Namiks Denken so stark von der Logik geprägt war, faszinierte den Hofmagier. Gleichermaßen verlieh Sal'jil seine Körpersprache eine plötzliche Offenheit, nachdem Namik aber beendet hatte, nahm er die übliche kontrolliert-selbstbewusste Haltung an.

"Kleidung kann ich dir morgen früh zu teilen. Es gibt tatsächlich ein paar schöne Stücke hier. Unsere Diener müssen hier keine dreckigen Lumpen, wie deine Kleidung, tragen. " Obwohl Namik in seinen Ausführungen schon derartiges angedeutet hatte, war es dem Magier wichtig, die Notwendigkeit Namiks Benehmen zu ändern noch ausdrücklich zu betonten. Sal'jil überlegte kurz wir er die nächsten Sätze rhetorisch verpacken konnte und fuhr dann fort. "Darüber hinaus ist es ab jetzt unausweislich meinen Befehlen zu gehorchen, " Sal'jil betonte dies mit seinen Händen, um seine Entschiedenheit auszudrücken. "Für einen Mann deines...Standes ist es nicht begreifbar. Doch gibt es Formalia und Etikette bei den Wohlhabenden und Adligen, die ein wesentlicher Bestandteil sind. Bei der Nicht-Berücksichtigung wird schnell deutlich, dass etwas nicht stimmt und es gibt genug Informanten in Totenstadt, die für den Sultan arbeiten. Er hat seine Spione überall...
Ich betone ausdrücklich deine aufsässige Art abzulegen, denn diese ist in meiner Gesellschaftsschicht außerordentlich anmaßend und destruktiv...mit Sicherheit kann dadurch das Attentat in Bedrängnis kommen, auffliegen oder scheitern. Es ist unabdingbar zum Wohl des Reiches. Für all die Frauen und Kinder und tüchtigen Menschen, die uns Beiden vermutlich wichtiger sind, als uns im Moment bewusst ist. "

Erneut wandte er den Zauberspruch "Stimmung ĂĽbertragen" an und erzeugte damit ein GefĂĽhl des Vertrauens und des Respekts bei Namik. "Es ist in deinem Interesse und glaub mir, dass auch ich ein Herz fĂĽr deinesgleichen habe."

Sal'jil lieĂź nun Zeit, damit Namik antworten konnte. Zwischendurch erwiderte Sal'jil immer wieder etwas, doch nichts Bedeutendes mehr, sodass sicher der Hofmagier nach ein paar Minuten mit folgenden Worten verabschiedete: "Ich gehe zu Bett. Ich wĂĽnsche eine angenehme Nacht. Ich habe Tulef befohlen, dass er vor deinem Zimmer schlafen soll. Falls also etwas ist, kannst du ihn jederzeit rufen."
Der Avatar ist der Ausschnitt aus einem alten Gemälde von Leon Gerome (1824-1904).

"Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart". (Johann Wolfgang von Goethe)

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Re: Politisches Intrigenspiel

#20

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:06

Namik empfand zwar nicht, dass man seine Kleidung als “Lumpen” hätte bezeichnen können, aber Sal'jil´s Ansichten waren teilweise ohnehin nicht nachvollziehbar für ihn. Er musste freudlos grinsen über dessen unangebrachte Bemerkung. Es brachte einfach nicht. Offenbar konnte Sal'jil nicht anders als seinen Gegenüber in irgendeiner Form zu erniedrigen oder zu beleidigen. Stillschweigend beschloss er, dass er sich definitiv nicht an diesem kindischen Spiel beteiligen würde. Lediglich das Tippeln seiner Finger auf der Tischplatte zeugten von seiner wachsenden Ungeduld. Außerdem war ihm durchaus bewusst, dass es sinnvoll war, bereits jetzt seine Rolle als zukünftige Bediensteter zu akzeptieren und vor allem einzustudieren. Solche anmaßenden Aussagen würden die nächsten Tage wahrscheinlich zu einem Bestandteil des Alltages werden und er musste wohl oder übel lernen damit umzugehen und sich zusammen zu reißen. Seine Augen funkelten Sal'jil trotzdem wütend an und verrieten seine aufkeimende Wut, doch Sal'jil schien darüber großzügig hinwegzusehen. Die darauffolgenden Belehrungen über Etikette und Gesellschaftsschichten machten es nicht unbedingt besser. Namik musste sich dermaßen zusammenreißen um Sal'jil nicht in seine Schranken zu weisen. Einen momentlang bereute Namik, dass er nicht sonderlich viel, nein, im Grunde genommen gar nichts über die ach so feine Gesellschaft der Adligen wusste obwohl doch seine Familie mütterlicherseits dieser angehörte. Wenn seine Mutter noch leben würde, hätte sie ihm sicherlich grundlegende Dinge wie angemessenes Verhalten gelehrt. Es versetze ihn ein Stich in sein Herz als er an sie und ihre unglaublich würdevolle und in ihren damaligen Umfeld völlig deplazierte Art und Weise dachte. Sie benahm sich anders als die anderen Menschen. Stets das Haupt stolz gehoben, eine aufrechte Körperhaltung und eine gewählte Ausdrucksweise - so blieb sie ihm in Erinnerung. Eine wunderbare, einzigartige Frau. Mit betrübten Gemütszustand verdrängte er seine Erinnerungen und konzentrierte sich auf die Gegenwart. Er konnte es zwar nicht erklären, doch irgendwie fühlte er sich seltsam. Seine Empfindungen schienen in Sal'jil´s Gegenwart unbeständig und äußerst wechselhaft zu sein. Er hatte plötzlich ein unglaubliches Gefühl und keine Kontrolle mehr. Etwas griff nach seinem Inneres und schlagartig hatte Namik das Gefühl er würde Sal'jil länger kennen als es tatsächlich der Fall war. Er musste schwer schlucken als er merkte, wie der Kloß in seinem Hals drohte anzuschwellen. Völlig widersprüchlich zu seinem Verstand verspürte er das Bedürfnis Sal'jil seine Empfindungen und seinen Trauer mitzuteilen und dies wiederum bereitete ihm Sorgen. Er wollte nur noch weinen und er war seine Selbstbeherrschung unglaublich dankbar, dass sie ihn nicht im Stich ließ. Dementsprechend mied er den Augenkontakt mit dem Magier und suchte sich verschiedene Anhaltspunkte im Raum, welche er betrachtete, während er dessen Worte folgte. Nach eigener Aussage hatte Sal'jil das Bedürfnis Menschen seiner Gesellschaftsschicht zu schützen. Eine Tatsache, welche Namik zunächst kaum Glauben schenken konnte und wollte. Zumindest sprachen dessen Worte bisher eine andere Sprache und doch überkam ihn erneut das Gefühl Vertrauens. Sal'jil schien viel imposanter und selbstbewusster zu wirken und Namik glaubte gewissermaßen dessen Worte. Mittlerweilen hatte er sich unter Kontrolle und konnte seinen Gegenüber wieder in die Augen blicken. „Ja, ich verstehe. Lass uns morgen darüber sprechen. Ich bin müde.“ Dieser eigentliche Vorwand um sich der Anwesenheit des Magiers zu entziehen um seine Gefühle wieder Herr zu werden, bewahrheitete sich in den Moment als er ihn aussprach. Er war tatsächlich müde. Namik musste die Stirn runzeln als Sal'jil etwas beiläufig erwähnte, dass Tulef vor seiner Kammer nächtigen würde. Ihm war durchaus bewusst, dass der Bedienstete sicherlich nicht damit beauftragt wurde ihm zu bewirten, sondern darauf zu achten, dass sich Namik nicht aus seiner zugeteilten Kammer, welche mehr und mehr einer Gefängniszelle glich, entfernte. Innerlich musste er mit de Kopf schütteln. Wie konnte dieser Mann annehmen, dass ein einfacher zumal völlig unbewaffneter Diener ihn überhaupt aufhalten könnte. Er ersparte auch hier sich unnötige Diskussionen und Unterstellungen. „Ja, dass wünsche ich dir….Euch auch, Sal'jil.“ Er wartete einen Augenblick bis dieser anschließend den Raum verließ. Er wusch sich mit kühlem Wasser aus einem von Tulef bereitgestellten Krug und legte sich anschließend zu Nachtruhe. Die Ereignisse des vergangenen Tages ließen ihn noch lange in Gedanken verweilen bis er schließlich nach gefühlten Stunden einschlief und sich gewissermaßen wünsche nicht mehr aufzuwachen.

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