Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

Auf dem Grunde der Skallischen See, mehr als siebentausend Meter unter dem Meeresspiegel, liegt in stiller Dunkelheit die Weltenbibliothek. Jeder, der den Willen und den Mut dazu hat, darf hier in den Schriften stöbern oder sich in der Magie unterrichten lassen.
Intermagische Akademie
Uralte SchĂ€tze der Weisheit, ja, das gesamte Wissen ĂŒber diese Welt liegen an diesem Ort verborgen, gehĂŒtet von der Göttin Xerzai. Der Weg in ihr Reich erfordert allerdings ein mutiges Herz. Es ist zu vermuten, dass die ganze Anlage sich frĂŒher ĂŒber Wasser befunden hat und erst vor einigen hundert Jahren versank, vielleicht versenkt wurde, um das Wissen der alten Hochkulturen zu schĂŒtzen.
Benutzeravatar
Yeriel Iolanthe
Zweitcharakter
BeitrÀge: 10
Registriert: Do 6. Okt 2016, 09:31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: [ externes Bild ]

Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#1

Beitrag von Yeriel Iolanthe » Sa 4. MĂ€r 2017, 22:25

Wie Yeriel ihr hilfloses Dasein bisweilen verfluchte.
Gefesselt an die goblinische Konstruktion eines Rollstuhls wurden bereits einfachste TÀtigkeiten zu Herausforderungen oder gar Unmöglichkeiten.
Normalerweise hatte sie fĂŒr solche FĂ€lle einen Diener dabei, doch ihr neuer Helfer war eindeutig noch nicht so gut zurechtgeschliffen wie die Goblindame, die sie frĂŒher immer begleitet hatte. Atri war ein Staubteufel, der am liebsten ĂŒberall herumstreunte.
Ausserdem schien der DĂŒsterling sich nie gĂ€nzlich entscheiden zu können, ob er sie wegen ihrer Gehbehinderung verachten, oder wegen ihrer kĂŒhlen Art und der unheimlichen Gabe fĂŒrchten sollte. Und deshalb war es oftmals ein wahrer Kraftakt, den jungen Kerl unter ihren Fittichen zu halten. So war er auch an diesem Tag irgendwo in dem riesigen GemĂ€uer am Grund des Meeres verschwunden, vermutlich um Ratten und Schaben zu jagen.
Die Lichtalbin seufzte genervt auf und versuchte sich nach dem heiss begehrten Buch zu recken, das nur etwa zwei Köpfe ĂŒber ihr im Regal thronte. Jeder andere hĂ€tte problemlos danach greifen können, doch ihr blieb es versagt.
Nur ihr eiserner Stolz liess es nicht zu, dass sie laut fluchte, obwohl sie im Inneren brodelte. Stattdessen liess sie sich mit wĂŒtend funkelnden Augen in den unbequemen Stuhl zurĂŒcksinken und ballte die FĂ€uste.
Oril und seine Priester seien verdammt!

Im nÀchsten Moment hörte sie das Echo eiliger Schritte und ihr Kopf wirbelte herum.
Hatte jemand ihre verzweifelten Versuche beobachten können?
Ihr Blick verdĂŒsterte sich, als sie einen grossgewachsenen Mann den Regalreihen entlang auf sich zukommen sah.
Yeriel war erst seit wenigen Wochen an der Akademie und noch immer fand sie sich in dem verwinkelten GebĂ€udekomplex schwer zurecht. Die steinernen GĂ€nge glichen einer dem anderen, nur die staubigen BuchrĂŒcken gaben Aufschluss darĂŒber, in welcher Abteilung man sich gerade aufhielt. So kam es nicht wenig vor, dass sie die Orientierung verlor oder plötzlich von einer Treppe ĂŒberrascht wurde.
Ein Blick auf die magisch schimmernden Stalaktiten an der Decke, welche je nach Tageszeit leicht ihre Farbe verĂ€nderten, liess sie zusammenzucken. In nur wenigen Minuten begann der Nekromantieunterricht bei Madame vom Felsenschlund und sie konnte UnpĂŒnktlichkeit nicht ausstehen – Yeriel im Grunde genommen ja auch nicht!
Der Mann war nun beinahe auf ihrer Höhe angelangt und offensichtlich war er ebenso in Eile. Im Grunde interessierte er sie nicht und hÀtte sie eine andere Möglichkeit gehabt, hÀtte sie ihn einfach ignoriert.

„Könnt Ihr mir einen Gefallen tun?“, fragte sie deshalb, wobei sie ihm ein LĂ€cheln schenkte, das ihre kĂŒhlen Augen jedoch nicht erreichte. Dabei hatte sie ihren Blick herausfordern auf ihn gerichtet.
War er einer derjenigen, die sich voller Schadenfreue ĂŒber ihre Misere lustig machten? Oder einer, welcher alles stehen und liegen liess, um der armen Frau zu Hilfe zu eilen? Und dann gab es ja auch noch die Sorte, welche einfach Augen und Ohren verschloss und schnell an ihr vorbeihastete.
Er schien ihr entfernt bekannt vorzukommen, war er in einem ihrer Kurse oder ein ebenso hÀufiger Besucher der Bibliothek wie sie selbst?
Immerhin hatte er angehalten und schaute sie fragend an.
Yeriel nutzte die Chance: „Mit einem Griff nach dem grĂŒnen Umschlag dort könnt Ihr mir eine Menge weiteren Frust ersparen.“
Das besagte Buch trug den freundlichen Titel: „Verflucht nochmal – FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen“.
Zuletzt geÀndert von Yeriel Iolanthe am So 5. MÀr 2017, 07:41, insgesamt 1-mal geÀndert.
Avatar: ©sharandula.deviantart.com

Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
BeitrÀge: 436
Registriert: Mi 22. Feb 2017, 12:46
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Souvagner
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#2

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 5. MĂ€r 2017, 00:43

Dave blieb stehen und musterte die Frau die ihn angesprochen hatte. Sein Gesicht war eine fast ausdruckslose Maske almanischen Hochadels. Was immer er dachte, war hinter dieser Maske verborgen.

Einzig und allein die kurz hochgezogene Augenbraue deutete eine Frage an.

Es fĂŒhlte sich irgendwie seltsam, so von der Albin gemustert zu werden. Was machte er denn normalerweise mit seinen HĂ€nden?

Dave bewertete die Frau in einem Sekundenbruchteil.

Ihre Haut war so hell und blass wie Milch. Selten in ihrem Leben hatte Sonne ihre Haut berĂŒhrt. Ihr Haar war schneeweiß und reichte ihr weit ĂŒber die Schultern. Ihre stahlblauen Augen schauten ihn herausfordernd an.

Aristokratische GesichtszĂŒge mit einer ebenmĂ€ĂŸige Nase und hohen Wangenknochen. Schlanke, zarte Finger. Was sie mit den Fingern wohl alles anstellen konnte?

Ihre Körperhaltung hatte etwas Katzenhaftes, verfĂŒhrerisch und gefĂ€hrlich zugleich. Nein verbesserte sich Dave, ihr geschmeidiger, schlanker Körper glich nicht einfach dem einer gewöhnlichen Katze.

Sie war eine Raubkatze.
Sie wirkte auf ihre eigene besondere Art elegant, geschmeidig und tödlich.

Dave konnte das Muskelspiel unter der glatten, weißen Haut ihres Hales und Oberkörpers sehen.

Der Magier kannte keine Person die er mit der Albin hĂ€tte vergleichen können. Sie war außergewöhnlich, eine Frau die es nicht nötig hatte sich zu schminken oder mit teuren Roben zu schmĂŒcken. Selbst in einem Jutesack hĂ€tte die Frau umwerfend ausgesehen.

Wie er sie dort so sitzen sah, war er fasziniert von ihrer Anmut. Sein Blick wurde fĂŒr einen Sekundenbruchteil weich und schmiegte sich an ihren Körper. FĂŒr den Bruchteil eines Moments gönnte er sich das Verlangen nach Liebe, ZĂ€rtlichkeit und Geborgenheit.

Er schenkte er ihr ein flĂŒchtiges angedeutetes LĂ€cheln, nahm das gewĂŒnschte Buch aus dem Regal, schaute kurz auf den Einband und reichte es ihr.

"Bitte - interessante Wahl", sagte er schlicht und freundlich.

Benutzeravatar
Yeriel Iolanthe
Zweitcharakter
BeitrÀge: 10
Registriert: Do 6. Okt 2016, 09:31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#3

Beitrag von Yeriel Iolanthe » Do 9. MĂ€r 2017, 22:53

„Ich habe Euch nicht um Eure Meinung, sondern allein um einen Gefallen gebeten“, konterte Yeriel ungerĂŒhrt und ihr kĂŒhler Blick hĂ€tte wohl die meisten Leute zurĂŒckweichen lassen. Keinesfalls jedoch den Almanen, welcher ihr mit freundlicher Höflichkeit begegnete.

Nichts desto trotz nahm sie den alten, ledernen Einband mit einem dankenden Nicken entgegen und legte ihn behutsam auf ihren Schoss. Sein Gewicht fĂŒhlte sich beruhigend an und gleichzeitig schienen ihr die Worte aus dem Buch heraus verheissungsvoll zuzuflĂŒstern. Gerne hĂ€tte die Lichtalbin die Seiten aufgeschlagen, einen tiefen Atemzug genommen und durch diese blosse kleine Geste einen ersten Eindruck von dem Werk erhalten.

Weder war dies aber die passende Situation fĂŒr solcherlei vertrĂ€umte Gesten, noch der richtige Zeitpunkt. Bereits jetzt wĂŒrde sie verspĂ€tet in den Unterricht hineinplatzen und sich damit die dĂŒsteren Blicke von Madame vom Felsenschlund einhandeln, welche sich nur eines tadelnden Kommentares enthielt, da sie die junge Frau um ihre Gehbehinderung bedauerte.

„Ihr scheint in Eile zu sein, ich möchte Euch nicht weiter aufhalten“, wandte sich Yeriel an den Almanen, wĂ€hrend sie den goblinischen Rollstuhl mit Hilfe ihrer HĂ€nde an den grossen, dĂŒnnen RĂ€dern in Bewegung setzte. Obwohl gĂ€nzlich unbequem, war das GefĂ€hrt leicht gebaut und gut zu lenken.
Da der Mann sich jedoch nicht anschickte geschwind seiner Wege zu gehen, zuckte sie gelassen mit den Schultern und rollte neben ihm den Gang entlang ohne das Wort ein weiteres Mal an ihn zu richten.

In Gedanken blĂ€tterte sie bereits durch das Buch auf ihrem Schoss, dessen Erkenntnisse sie gierig zu verschlingen gedachte. Vielleicht wĂŒrde es endlich die Antwort auf die Frage bereithalten, welche sie schon einige Jahre quĂ€lte. Obwohl sie es weder sich selbst noch einer anderen Person eingestehen wollte, wurde sie von einer anhaltenden Unruhe gequĂ€lt, welche sie dazu drĂ€ngte, nach einer Lösung fĂŒr ihr immerwĂ€hrendes Dilemma zu suchen.
Im Grunde war sie nicht nur in der intermagischen Akademie gestrandet, um ihre MagiefĂ€higkeiten zu vertiefen, sondern auch um von dem gewaltigen Wissensschatz zu profitieren, der in den Tiefen des Meeres seit hunderten von Jahren von der Göttin Xerzai gehĂŒtet wurde.

Sie tauchte erst aus ihren Gedanken hervor, als die GĂ€nge breiter wurden und an den teilweise abgetretenen Steinfliesen zu erkennen war, dass hier ein regelmĂ€ssigerer Betrieb herrschte als in der BĂŒcherabteilung.
Ihr stiller Begleiter war noch immer neben ihr und Yeriel fragte sich unwillkĂŒrlich, wo sein Ziel liegen mochte. Bevor sie sich jedoch dazu herablassen konnte ihn danach zu fragen, entschied sie, dass es sie im Grunde gar nicht wirklich interessierte. Er war einer unter vielen, eine Unterhaltung mit ihm völlig ĂŒberflĂŒssig.

Schliesslich hatte Yeriel ihr Ziel erreicht und kam vor einer schweren, schwarzen HolztĂŒr mit alten Symbolen zum Stehen. Der Gang fĂŒhrte weiter durch die Akademie und entliess seine BenĂŒtzer in unterschiedliche SeminarrĂ€ume, aus welchen monotones Gemurmel, Wasserrinnsale oder der Geruch nach verbranntem Stoff hervordrangen.
"Nun denn, hier trennen sich wohl unsere Wege. Gehabt Euch wohl", sagte sie noch zu dem Almanen, dann drĂŒckte sie mit krĂ€ftigem Griff die Klinke herunter und öffnete die TĂŒr nach Innen.
Siebzehn Paar neugieriger Augen und ein vorwurfsvolles Paar mit hochgezogener Braune blickten ihr entgegen.
"Lady Iolanthe und der Herr von Hohenfelde. Schön, dass Sie beide uns auch noch mit Ihrer Anwesenheit beehren. An der Seite sind noch PlÀtze frei", sie wies einmal quer durch den Raum.

Yeriel liess sich ihre Überraschung nicht anmerken, als sie auf einen Tisch zurollte und ein aufmerksamer Kommilitone den dort befindlichen Stuhl beiseiteschob.
"Nun wenden Sie sich bitte wieder ihrer Aufgabe zu", sofort legte sich das leise Gemurmel, das bei dem Erscheinen der VerspÀteten aufgekommen war, und die Studenten widmeten sich den toten Nagetieren, die die junge Nekromantin vor ihnen auf den Tischen erkennen konnte.
"Ich weiss, dass Sie bereits mehr Erfahrung damit haben Zombies zu erschaffen, FrÀulein Iolanthe. Doch wie Sie wissen, sind die Studierenden alle auf einem unterschiedlichen Niveau. Deswegen habe ich Ihnen ein etwas interessanteres Exemplar mitgebracht", mit einem befehlsgewohnten Wink beorderte sie einen WiedergÀnger heran, welcher der jungen Frau ein noch gut erhaltenes Exemplar eines TotenkopfÀffchens vor die Nase legte.
"Vielleicht könnten Sie sich zusĂ€tzlich noch dem Herrn von Hohenfelde annehmen. Er interessiert sich fĂŒr die KĂŒnste der Nekromantie", setzte sie noch hinzu, bevor sie davonmarschierte, um die Erfolge und Misserfolge der restlichen SchĂŒler mit trockenen Kommentaren zu beantworten.

Einen Augenblick lang wirkte die Lichtalbin genervt.
Hatte Madame vom Felsenschlund sie gerade beauftragt einen Neuling zu hĂŒten?
"Was könnt Ihr denn bereits?", fragte sie nur mit halber Aufmerksamkeit den Almanen, den die Professorin zu ihr beordert hatte.
Yeriel nahm an, dass er noch am Anfang seiner Ausbildung stand und sich womöglich nicht fĂŒr bestimmte Zauber entscheiden konnte und deshalb Entscheidungshilfe benötigte.
Ihr Unmut verflog jedoch rasch, als ihr Interesse sich auf den Leichnam fokussierte. Er konnte noch nicht lange verstorben sein und wirkte frisch. Sein brÀunlichgraues Fell war nicht abgestumpft und der Verwesungsgeruch hatte noch nicht eingesetzt.
Der Mann an ihrer Seite schien bereits in Vergessenheit geraten zu sein.
Avatar: ©sharandula.deviantart.com

Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
BeitrÀge: 436
Registriert: Mi 22. Feb 2017, 12:46
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Souvagner
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#4

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Fr 10. MĂ€r 2017, 10:31

Auf den unwirschen Kommentar der Albin hin verzog Dave keine Miene. Seinem Gesicht war weiterhin keine GefĂŒhlsregung zu entnehmen.

Weshalb die Frau so abweisend ihm gegenĂŒber reagierte, obwohl er sie höflich behandelt hatte, entzog sich seiner Kenntnis.

Da sie ihn nicht persönlich kannte, fĂŒhlte er sich auch nicht persönlich angegriffen. Es war mĂŒĂŸig sich ĂŒber ihren Ton zu ereifern oder ihm ĂŒberhaupt Beachtung zu schenken.

Im Gegenteil, der Magier schlussfolgerte, dass sie ihm gegenĂŒber weder unhöflich noch schroff sein wollte, sondern die Frau war einfach nur verbittert.

Sie ließ ihren Unmut ĂŒber ihre Situation an jedem aus, der gerade zugegen war. Einem weidwunden Tier gleich, das verzweifelt um sich biss. Nun hatte es eben ihn getroffen, aber wenn es ihr dadurch ein wenig besser ging, sei es drum.

Nicht jeder konnte ein derartiges Schicksal in stoischer Ruhe ertragen oder sich gar damit abfinden.

Wie sollte man das auch, wenn man den Rest seines Lebens an so ein Konstrukt gekettet war, um sich ĂŒberhaupt eigenstĂ€ndig fortbewegen zu können?

Zudem saß sie in einer Bibliothek und konnte bestenfalls auf die oberen BĂŒcherrĂŒcken schauen, anstatt nach ihnen greifen zu können. Sie hatte quasi die Karotte vor der Nase hĂ€ngen – ohne allein abbeißen zu können. Da war Frust vorprogrammiert.

Hilfspersonal wĂ€re in ihrem Fall angebracht, allerdings versagte sich Dave einen Kommentar dieser Art, da er weder wusste ĂŒber welche finanziellen Mittel die Albin verfĂŒgte, noch ob sie vielleicht genau dafĂŒr viel zu stolz war.

`Allerdings wĂ€re Hilfspersonal in der Bibliothek wirklich wĂŒnschenswertÂŽ, grĂŒbelte der Magier.

Die BĂŒcherregale waren gewaltig und nicht jede Person hatte seine KörpergrĂ¶ĂŸe. Selbst er musste sich nach den oberen BĂŒchern strecken. Man musste nicht einmal wie die Albin körperlich eingeschrĂ€nkt sein, es reichte völlig aus, wenn man zu klein war.

Einen Moment dachte er dabei an seinen besten Freund Pavo. Er hÀtte in diesen heiligen Hallen des Wissens ganz Àhnliche Probleme wie die Albin.

„Ihr scheint in Eile zu sein, ich möchte Euch nicht weiter aufhalten“, wandte sich die Frau an ihn.

Dave nickte knapp als BestÀtigung.

Er war seiner kollegialen Verpflichtung ihr zu helfen und seiner „guten Erziehung“ nachgekommen. Mehr konnte er nicht fĂŒr sie leisten, wenn sie keinen Wert darauf legte.

Der Magier machte sich auf den Weg in den Unterrichtsraum. Die schweigsame Albin blieb an seiner Seite, was ihn zwar verwunderte, aber kein Grund fĂŒr ihn war, die Situation zu hinterfragen.

Schließlich waren sie beide aus dem gleichen Grund hier – sie wollten sich magisches Wissen aneignen. FĂŒr diese offensichtliche Antwort, musste er seinen Atem nicht mit einer unnĂŒtzen Frage verschwenden.

"Nun denn, hier trennen sich wohl unsere Wege. Gehabt Euch wohl", Ă€ußerte die Albin ihm gegenĂŒber, als sie ihr scheinbar gemeinsames Ziel erreicht hatten.

Die Frau öffnete die TĂŒr und siebzehn andere SchĂŒler starrten sie an. Als wĂ€re dies nicht schon unangenehm genug gewesen, schaute Madame vom Felsenschlund sie vorwurfsvoll an und schalt sie ganz zu Recht fĂŒr ihr zu spĂ€tes Erscheinen zum Unterricht.

Dave murmelte eine Entschuldigung an Madame vom Felsenschlund gerichtet und nahm den ihm zugewiesenen Platz ein.

Einen Augenblick spĂ€ter, vermutlich als Bestrafung fĂŒr ihr gemeinsames zu spĂ€tes Erscheinen im Unterricht, „verdonnerte“ Madame vom Felsenschlund Lady Iolanthe dazu ihn in Sachen Nekromantie anzulernen.

Frei nach dem Motto, wenn sie schon gemeinsam zu spÀt kommen, sollen sie auch das versÀumte gemeinsam nachholen.

Lady Iolanthe ließ sich dazu herab, einen kurzen Moment genervt dreinzuschauen. Dave gönnte Madame vom Felsenschlund diese Genugtuung nicht. Er nahm die Zuteilung als SchĂŒler der Albin mit Gelassenheit und ohne offensichtliche Reaktion hin.

Kaum hatte Madam vom Felsenschlund Tierleichen verteilt, richtete sich die ganze Konzentration der Albin auf den kleinen Kadaver vor ihr.

Nun scheinbar hatte sie das gleiche Problem wie der Großteil seiner Verwandten. Kadaver, Leichen und der Tod ĂŒbten mehr Faszination auf sie aus, als lebende Personen. So waren die meisten Nekros nun einmal veranlagt - mit Herz und Blut dem Tod und Untoten verschrieben. Dave kannte es eigentlich nicht anders.

Allerdings war er auch genau aus diesem Grund hier. Dave wollte erfahren was es mit dieser Liebe zum Morbiden auf sich hatte.

Zwischen seinem Beruf, seiner Passion und der Nekromantie lagen Welten, auch wenn sie sich gegenseitig in die HĂ€nde spielten.

Er sorgte fĂŒr die Leichen, Nekromanten wie sein Bruder schufen daraus Sklaven, Personal oder ewige Haustiere.

Auch wenn sie an Lebenden kein Interesse zu haben schien, immerhin war die Frau neben ihm eine Augenweide die er stumm genießen konnte. Unterhalten musste er sich schließlich nicht mit ihr.

Wobei er davon ausging, dass sie auf unnötige Konversation eh keinen Wert legte.

"Was könnt Ihr denn bereits?", fragte sie ihn halb in Gedanken.

„Nichts“, antwortete Dave schlicht, freundlich und ehrlich.

Seine Antwort bezog sich rein auf die Nekromantie. Eine ErlĂ€uterung seiner anderen magischen FĂ€higkeiten hielt er fĂŒr unnötig.

Benutzeravatar
Yeriel Iolanthe
Zweitcharakter
BeitrÀge: 10
Registriert: Do 6. Okt 2016, 09:31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#5

Beitrag von Yeriel Iolanthe » So 12. MĂ€r 2017, 18:16

„Nichts?“, nun hatte er tatsĂ€chlich doch noch ihre Aufmerksamkeit erhascht, als sie sich mit verwundert hochgezogener Augenbraue von dem tierischen Leichnam abwandte.
„Wollt Ihr damit andeuten, dass Ihr ĂŒber keine nekromantische Begabung verfĂŒgt? Oder konntet Ihr Euch bloss noch nicht dazu ĂŒberwinden, den Pfad der Nekromantie zu beschreiten?“
Yeriel fragte sich ernsthaft, was der Kerl in der Akademie wollte, wenn er noch nicht einmal eine grundlegende Ausbildung genossen hatte. Es war nicht ĂŒblich, die ersten Magiegrade etliche Meilen unter dem Meeresspiegel zu erlernen, weit von der nĂ€chsten Zivilisation entfernt.
Ausserdem hatte ihn Madame vom Felsenschlund einen „von“ genannt, demzufolge besass er höchstwahrscheinlich eine wohlhabende Familie, welche bestimmt fĂŒr einen privaten Lehrer aufkommen konnte.
Unmerklich schĂŒttelte sie das Haupt ĂŒber sich selbst.
Was interessierte sie sich fĂŒr seine Abstammung?
Die Professorin hatte ihr aufgetragen sich seiner anzunehmen und nichts Anderes war ihre Aufgabe.
„Was fasziniert Euch am Tod?“, fragte Yeriel ihn und bei dieser Frage musste sie ihr Interesse nicht einmal heucheln, „oder aus welchem Grund seid Ihr sonst hier?“

Ihre Augen huschten einmal durch den Raum und beobachteten die Kommilitonen in ihrem Tun. TatsÀchlich krabbelten bereits einige Kakerlaken herum, wÀhrend der Leib einer Ratte bloss seltsam zuckte, wÀhrend die Magierin dahinter sich verkrampft zu konzentrieren versuchte.
Ein amĂŒsiertes LĂ€cheln stahl sich auf Yeriels Lippen, als die junge Almanin sich schliesslich völlig entmutigt auf ihren Stuhl zurĂŒckfallen liess und auf ihrer Lippe herumkaute.
Da fixierte die Lichtalbin selbst den Körper des kleinen Nagetiers, fokussierte sich vollkommen auf den untoten Leib, bevor sie die Augen schloss.
Sie konnte ihre Magie spĂŒren und mit ihr die Seelen, welche immer anwesend waren. Manche bekam sie mit ihrem Geist zu fassen, andere wiederum waren schlĂŒpfrig wie ein nasser Fisch.
Es war ein Leichtes fĂŒr Yeriel, die kleine Ratte wiederzuerwecken. Es war wie ein Sog, der plötzlich von dem toten Leib auszugehen schien und die sich windende Seele einfach in sich verschluckte.
Mit einem Quietschen sprang das belebte Tier urplötzlich auf die Beine. Die Magierin hinter dem Tisch kreischte entsetzt auf, und fiel vor Schreck rĂŒckwĂ€rts von ihrem Sitzplatz. Yeriels Mundwinkel zuckten verrĂ€terisch, doch als sie sich wieder zum Herren von Hohenfelde umwandte, war ihre Miene ausdruckslos wie zuvor.
Avatar: ©sharandula.deviantart.com

Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
BeitrÀge: 436
Registriert: Mi 22. Feb 2017, 12:46
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Souvagner
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#6

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 12. MĂ€r 2017, 19:53

"Eure Frage bezog sich rein auf die Nekromantie. Ich bin Geistmagier. Nekromantie ist eine Form der Geistmagie, folglich könnte ich sie erlernen und wirken, aber bis jetzt ĂŒbe ich sie nicht aus", antwortete Dave höflich.

Über die Frage was ihn am Tod faszinierte oder weshalb er hier war dachte er einen Moment lang nach.

"Ich bin hier um zu ergrĂŒnden, was andere an der Nekromantie fasziniert. Da die Seele an sich unsterblich ist, muss der Reiz körperlicher Natur sein. Vermutlich sind einigen Personen Kadaver lieber, als lebende Geschöpfe", erklĂ€rte Dave schlicht und musterte dann das Treiben im Klassenraum.

Als seine GesprĂ€chspartnerin und heutige Lehrerin die Augen schloss und sich konzentrierte, wartete Dave einen Moment ab und ihr dann in den Äther. Er schirmte sich allerdings schĂŒtzend ab, da er die anderen Personen weder kannte, noch ihnen grundlos Vertrauen entgegenbrachte.

Er wollte einfach nur neugieriger weise zuschauen, was die einzelnen MitschĂŒler so bei ihren Seelen-Fang-Versuchen im Äther trieben. Und natĂŒrlich wollte Dave wissen, was die Albin im Äther gerade tat.

Dave nahm die Seelen ebenso problemlos wahr wie die Albin, allerdings auf seine eigene Art und Weise. In welcher Form Lady Iolanthe die Seelen sah, entzog sich seiner Kenntnis. Die Frau aus Neugier auszulesen verkniff er sich tunlichst. Dies kam einem mentalen Angriff gleich.

Er selbst hatte letzten in einem Cafe ziemlich ungehalten darauf reagiert, als eine fremde Magierin ihn genauer unter die Lupe nehmen wollte.

Lady Iolanthe einfach danach zu fragen verkniff er sich ebenso, obwohl es ihn brennend interessierte. Die Wahrnehmung anderer Magier interessierte ihn stets, aber Lady Iolanthe machte nicht den Eindruck als wÀre sie an einem Erfahrungsaustausch interessiert, was Dave bedauerte.

Auf der anderen Seite hatte er auch etwas zu verbergen.
Wobei, er saß in einer Klasse von zukĂŒnftigen Nekromanten.

Gute und edle Motive waren ihm bei der AusĂŒbung von Nekromantie völlig fremd und noch nie untergekommen. NatĂŒrlich mochte es Nekros geben, die eine andere Motivation hatten, als kostenloses, treues Dienstpersonal. Zum Beispiel die VerbrechensaufklĂ€rung. Aber diese Nekros waren ihm tatsĂ€chlich dermaßen zuwider, dass er es als körperlichen Ekel empfand.

FĂŒr alle anderen Nekromanten hatte er nur UnverstĂ€ndnis ĂŒber.

Allerdings war er hier um genau dass abzubauen. Er wollte sie verstehen und dazu musste er ihr Wirken begreifen.

Der Unterschied zur Bewertung einer Person die sich der Nekromantie bediente lag in ihrer Motivation und in der Art der Wesen, welche sie erschuf. Wer sich ein Heer von willenlosen WiedergÀnger und Zombies schuf um abhÀngige Werkzeuge zu erschaffen, war anders einzustufen, als jemand der einen Ghul schuf. Dieses Wesen hatte einen freien Willen.

Die Motive der Nekromantie welche in seiner Familie Zuhause Anwendung fanden, waren meist niederer Natur. Willige, abhĂ€ngige, gebundene WĂ€chter. Wer wĂŒrde schon seinen Herrn verraten, wenn er bei dessen Ableben ebenfalls wieder den Tod fand?

Andere sehnten sich nach dem ewigen Leben, wieder andere wollten ganz eigene Schöpfungen kreieren. Das jemand seine Magie anwandte um eine viel zu frĂŒh aus dem Leben gerissene Person mit all ihren FĂ€higkeiten zurĂŒckzuholen, war ihm bei noch keinem Nekromanten untergekommen.

Leben durch magischen Lebensraub zu erhalten, dass hatte er einst am eigenen Leib erfahren. HÀtte sein Bruder seinen eigenen Leibdiener nicht bestohlen, wÀre er heute nicht in diesem Unterricht anwesend.

Zudem hatten sich die Nekros meist von der Priesterschaft und den Volk den Vorwurf anzuhören mit ihrer Magie gegen die natĂŒrliche Ordnung zu verstoßen. Ainuwar selbst musste Nekromantie ablehnen. Die Frage war nur, warum beteten so viele Nekromanten Ainuwar an? Ein Paradoxon.

Von daher sollte kein Nekromant ĂŒber seinen Beruf richten, sie alle waren keinen Deut besser als er.

DarĂŒber hinaus stellte schon der Umgang mit den Körpern der Toten hĂ€ufig ein schweres Verbrechen, zumindest aber ein gesellschaftliche geĂ€chtetes Verhalten dar. Da konnte er sich mit jedem Nekomanten die Hand geben. Assassinen und Nekromanten hatten nunmal keinen guten Ruf.

Wo er so ĂŒber die ganze Angelegenheit nachdachte, fiel ihm doch ein Punkt ein, der ihn am Tod interessierte.

Das EndgĂŒltige.

Das war es was er in seinem Beruf stets zu bedenken hatte. Das was er abwĂ€gen musste. Sprach er einen Auftrag aus, erteilte er einen Tötungsbefehl, dann gab es bei einem Fehler keine Wiedergutmachung. Das ĂŒbte einen gewaltigen Reiz aus.
Vielleicht erging es Nekromanten Ă€hnlich, sie waren Herrscher ĂŒber Leben und Tod. Sie durch ihre Magie, er durch sein Wort.

Dave musterte neugierig die sphĂ€rische Erscheinung von Lady Iolanthe und prĂ€gte sich ihre Seelenfarben ein. FĂŒr ihn war dies das wahre Gesicht einer Person, ihre Astralfarben.

Anhand ihrer Farben wĂŒrde er sie unter tausenden von Seelen sofort wiedererkennen. Das war seine besondere FĂ€higkeit. Er konnte sich Personen gut merken und sie sehr schnell im Äther ausfindig machen. Die passenden, dazugehörigen Gedanken des Unterbewusstseins ausgelesen wenn eine Person schlief - schon wusste man, wo sich auch deren Körper befand. Es war eine Spurensuche, aber wenn man wusste wie es funktionierte, ging es mitunter schnell.

Hier war eine Suche allerdings nicht nötig, da seine Lehrerin direkt neben ihm saß. Die Farben der Albin gefielen ihm. Sie passten zu ihrem optischem Äußeren, empfand Dave.

Sein mentaler Blick wanderte fĂŒr einen Moment zu Madame vom Felsenschlund um sich ihre Farben einzuprĂ€gen. Er wollte sich nicht noch einmal so ein Schnitzer wie heute leisten. Falls sie ihn irgendwann einmal mental kontaktieren sollte, wollte er die Frau sofort erkennen. Nichts wĂ€re peinlicher, als seine Lehrerin nicht zu erkennen und somit zu brĂŒskieren.

Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Lady Iolanthe zu.

Der Magier beobachtete wie die Albin die tote Ratte wieder belebte, halb vom Äther, halb vom Klassenraum aus.

Der kleine Kadaver verband sich wieder mit seiner Seele und die Ratte sprang quietschend auf. Zeitgleich sprang die Almanin hinter ihrem nun nicht mehr ganz so toten Versuchstier auf und kreischte lauter als die Ratte quiekte. Ein seltsames GerÀusch-Duett, dass den Erfolg der Albin untermalte.

Dave versteckte sein Grinsen ĂŒber den Streich hinter seiner Kapuze indem er den Kopf senkte und sein Gesicht somit in Schatten hĂŒllte. Er verließ den Äther und kehrte vollstĂ€ndig in seinen Körper zurĂŒck.

Als sich die Albin zu ihm umwandte, musterte er sie mit dem selben Gesichtsausdruck wie sie ihn.

"Nun ich bin bereit zu lernen, schlagt bitte etwas vor", bat er Lady Iolanthe höflich.

Benutzeravatar
Yeriel Iolanthe
Zweitcharakter
BeitrÀge: 10
Registriert: Do 6. Okt 2016, 09:31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#7

Beitrag von Yeriel Iolanthe » Di 28. MĂ€r 2017, 21:43

Ein Geistmagier?
Yeriel antwortete darauf nichts.
Sie war hier, um diese Form der Magie auszubilden. Oftmals verwĂŒnschte sie ihr Volk, das ihr die Geistmagie aufgedrĂ€ngt hatte. Sie waren schuldig, dass sie niemals eine vollwertige Nekromantin sein könnte. Weder Fisch noch Vogel, gefangen zwischen den beiden Magieformen. Immerhin hatte sie sich vorgenommen, beide perfekt zu beherrschen, soweit ihr dies möglich wĂ€re.
Ein wenig beneidete sie den Mann neben sich, der das volle Potenzial seiner FĂ€higkeiten auskosten konnte.
„Nun, ich könnte tatsĂ€chlich behaupten, dass GesprĂ€che unter Lebenden oftmals ĂŒberflĂŒssiger Natur sind. Und dass Kadaver nicht sinnlos widersprechen oder das Gesicht verziehen, wenn sie ihre Anweisungen erhalten“, antwortete Yeriel oberflĂ€chlich und schien damit seine Vermutung zu bestĂ€tigen, dass Nekromanten ihre WiedergĂ€nger mit Vorliebe als Sklaven hielten.

TatsĂ€chlich empfand sie den Umgang mit Toten als wesentlich einfacher. Sie musterten sie nicht unverhohlen wegen ihrer körperlichen SchwĂ€che und sie musste keine peinlichen GesprĂ€chspausen aushalten, wenn das GegenĂŒber nicht wusste, wie es sich ihr gegenĂŒber zu verhalten hatte. Auch gehorchten ihr die auferstandenen Tiere wortlos und sie musste nicht andauernd autoritĂ€re StĂ€rke beweisen, wie es bei der DĂŒsterling Atri der Fall war.
Gleichzeitig verspĂŒrte sie jedoch auch eine Faszination darin, einem toten Körper einen Hauch von Leben zurĂŒckzugeben, was eindeutig das schönere GefĂŒhl war, als aus der Welt entrissen zu werden.

Manchmal fragte Yeriel sich, ob sie auch dieses Interesse fĂŒr die Nekromantie entwickelt hĂ€tte, wenn sie keine Todesahnungen wahrgenommen hĂ€tte.
Anfangs wollte sie nur wissen, was es mit diesen plötzlich auftretenden Erfahrungen auf sich hatte, die sie als Jugendliche Ă€ngstigten. So hatte sie begonnen in BĂŒchern zu schmökern, was sich als Lichtalbin als schwierig herausstellte und auch nicht geduldet wurde. Doch dann hatte sie eine Abhandlung zur Nekromantie in die Finger bekommen, einen zerfledderten dĂŒnnen Band, der ihr endlich Aufschluss darĂŒber gab.
Von diesem Augenblick an hatte ihr Interesse neuen Aufschwung erhalten. Dass Nekromantie in ihrem Volk verpönt war, tat dem keinen Abbruch, sondern verstÀrkte im Gegenteil wohl eher noch ihre Neugier.
So hatte sie im Verborgenen begonnen die verbotenen KĂŒnste zu erlernen und hatte es ohne das Wissen ihrer Eltern nach Nebreszko geschafft, wĂ€hrend ihre Familie sie im Studium der Geistmagie in Alessa meinte.

Doch dann war sie aufgeflogen und Orils Fluch hatte sie getroffen.
Yeriel jedoch blieb der Nekromantie treu.
Sie war noch jung und teilweise handelte sie aus Trotz und GekrÀnktheit heraus. Doch gleichzeitig war die Nekromantie ein Teil von ihr geworden.
Nicht immer liebte sie ihre FĂ€higkeit, denn den qualvollen Tod einer noch so flĂŒchtigen Begegnung wahrzunehmen war eine grĂ€ssliche Erfahrung.
Einige Jahre verspĂŒrte Yeriel deshalb eine boshafte Genugtuung, wenn sie Seelen, die bereits nahe beim Äther verweilten und nur fĂŒr albische Nekromanten noch erreichbar waren, wieder in einen Körper zerren konnte. Sie empfand es als Rache dafĂŒr, dass sie stĂ€ndigen Todesahnungen ausgesetzt war. In ihren depressiven Phasen war Yeriel keine angenehme Zeitgenossin und bescherte ihren Nachbarn wortwörtlich AlbtrĂ€ume.

Erst nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatte, verflĂŒchtigten sich ihre depressiven Stimmungen. Sie erkannte aufs Neue den Wert ihres Tuns. In vielerlei Hinsicht war die Magie praktisch. Ihre stummen tierischen Diener waren ihr zu Willen oder liessen sich fĂŒr gutes Geld verkaufen. Gleichzeitig erkannte sie die breite Nachfrage der Lebenden nach GesprĂ€chen mit den Verstorbenen. Zum einen liess sich daraus Kapital schlagen, und zum anderen gab es tatsĂ€chlich seltene Momente, in denen selbst die gefĂŒhlskĂŒhle Lichtalbin ergriffen eine TrĂ€ne wegblinzeln musste.
Inzwischen waren ihre Faszination und ihre RachegelĂŒste dem Pragmatismus und einer Freude an ihrem Können gewichen. Warum sollte sie auf ihre Begabung verzichten, wenn sie ihr in die Wiege gelegt wurde?
Ausserdem
 hatte sie damit sogar die Aufmerksamkeit einer Gottheit erlangt – und wer konnte das schon von sich behaupten?!

Yeriel nickte und ĂŒberlegte einen Moment.
„Ihr könnt also den Nexus betreten, wenn Ihr Geistmagier seid. Ich schlage vor, dass wir uns gemeinsam auf die Suche nach dem kleinen Kerl hier begeben. Allzu weit kann die Seele noch nicht gekommen sein, der Leichnam ist noch frisch. Ausserdem bleiben die meisten Toten in der NĂ€he ihrer Gebeine, solange diese noch nicht zu Staub zerfallen sind.
Manche klammern sich noch an das Leben, andere mĂŒssen zuerst ihre Orientierung wiederfinden“
, sie warf Davard einen prĂŒfenden Blick zu und kontrollierte, ob ihre AusfĂŒhrungen ihn womöglich langweilten. Seine Miene war undurchdringlich, weshalb sie schliesslich einfach fortfuhr.
„Ich weiss nicht, ob alle Nekromanten dies auf dieselbe Weise erleben. Doch als ich diese Magierichtung wenig beherrschte, war es nicht immer leicht, die lebenden und die toten Seelen zu unterscheiden. Inzwischen erkenne ich sie jedoch problemlos. Umso lĂ€nger ich die Nekromantie ausĂŒbte, desto klarer begannen sie sich von den anderen abzuheben. Sie klingen dumpf, als wĂ€ren sie unter einem Vorhang verborgen“, erklĂ€rte sie.

Yeriel unterhielt sich nicht oft mit anderen Magiern. Sie hatte zwar bereits gelesen, dass es unterschiedlichste Arten gab, den Nexus und die Seelen wahrzunehmen, doch keine konkrete Vorstellung davon, wie das aussehen mochte.
„Es ist auch möglich, einen falschen Geist in einen Leichnam zu bannen, doch stellt sich dieser dann noch um einiges widerspenstiger an. Manchmal stossen die Körper danach auch die Seele ab und sie wird wieder ins Jenseits katapultiert. Oder das Wesen kommt nicht mit seiner HĂŒlle klar und verhĂ€lt sich völlig irrational, wenn der Magier es sich selbst ĂŒberlĂ€sst.“
In der Zeit als es ihr Freude bereitete, die Seelen zu plagen, hatte sie dies öfters ausprobiert. Doch inzwischen empfand sie es fĂŒr alle Beteiligten als angenehmer, nach dem richtigen Seelenwesen Ausschau zu halten.
„Also
 noch Fragen? Oder seid Ihr bereit, Herr von Hohenfelde?“, fragte Yeriel und ein spöttischer Klang schwang in ihrer Stimme mit.

Die Lichtalbin fixierte mit ihren Augen fĂŒr einen Moment den Kadaver des Totenkopfaffen, bevor sie die Lider senkte und in den Nexus eintauchte.
Sofort meinte sie das Vibrieren körperlich wahrzunehmen, als sie ihre Wahrnehmung darauf fokussierte. Um sich herum konnte sie die Seelen ihrer Mitstudenten als verschwommene Formen erkennen, gerade so, als wĂŒrden sie aus Rauch bestehen. Doch dies war nicht das Besondere an ihnen, gab ihnen doch bloss Yeriels Verstand dieses Aussehen, um sie in ihrer eigenen Wahrnehmung fassbarer zu machen. Es waren die KlĂ€nge, welche jeden Geist von den anderen unterschieden. WĂ€hrend ein Schemen von einem tiefen Brummen begleitet wurde, das den Raum um ihn herum in Bewegung versetzte, hĂŒpfte eine andere Seele in einer schnellen Melodie im Staccato an ihr vorbei, und ein dritter Schatten erinnerte sie hingegen wieder an das Rauschen eines Bergbaches. Kam ihr eine Seele allzu nah, konnte sie die Schwingungen als sanfte BerĂŒhrung empfinden.

Davard von Hohenfelde war neben ihr erschienen und sie registrierte nebenbei seinen Seelenklang, welcher an die ruhigen Töne einer Trombone erinnerte.
Dann verlor die Albin jedoch keine Zeit. Es war das Echo des Totenkopfaffen, dem sie zu folgen hatte. Es war, als wĂŒrde man einer bekannten Melodie folgen durch die verwinkelten Gassen einer Stadt. Nur dass der Affe sich nicht weit entfernt hatte. Er turnte durch den Nexus und hinterliess dabei eine dumpfe keckernde Lautfolge.
Yeriel wartete ab, ob ihr Begleiter seine Seele ebenfalls erkennen wĂŒrde, bevor sie sich auf ihre Magie zu konzentrieren begann, die den Sog entfesselte, ausgehend von dem toten Körper auf dem Tisch. Sie konnte beobachten, wie der schattenhafte Schemen verzweifelt zu entkommen versuchte, das Keckern wurde lauter, und wurde von einem Kratzen begleitet, als wĂŒrden Krallen ĂŒber den Boden schaben. Die Seele war agil, versuchte sich zu entwinden, doch ein Entkommen war sinnlos. Es sah aus, als wĂŒrde der Rauch in einen Strudel hineingezogen, der unaufhaltsam zum Kadaver fĂŒhrte, um dann von ihm verschluckt zu werden. Augenblicklich verstummte das dumpfe Keckern, als Yeriel in die materielle Welt zurĂŒckkehrte und beobachtete, wie der Totenkopfaffe sich wie betĂ€ubt aufrappelte und das Fell durchschĂŒttelte. So lange sie ihm keine Befehle gab, verhielt er sich wie ein gewöhnliches Tier, das jedoch keine Nahrung benötigte, sondern von ihrer Magie gespeist wurde.

„Aaah Lady Iolanthe, wie ich sehe, haben Sie die Aufgabe gemeistert. Ein schönes Kerlchen. FĂŒr nĂ€chste Woche habe ich Meerestiere bestellt, vielleicht wird das eine neue Herausforderung fĂŒr Sie darstellen!“, begeisterte sich Madame vom Felsenschlund.
„Und Herr von Hohenfelde? Welche Erfahrungen konnten Sie sammeln?“, wandte sie sich schliesslich prĂŒfend an den Geistmagier.
„Ich wĂŒrde mich freuen, Sie wieder einmal hier begrĂŒssen zu dĂŒrfen
 vielleicht jedoch etwas pĂŒnktlicher.“

Schliesslich klatschte sie in die HĂ€nde.
„FĂŒr heute ist die Lektion beendet. Verfahren Sie wie ĂŒblich mit Ihren Kadavern und WiedergĂ€ngern. Und lesen Sie bis nĂ€chste Woche das fĂŒnfte und sechste Kapitel des 13. Bandes von Mirabella Tiefenthal der Siebten zur Thematik „Konservierung und Aufbewahrung von untoten Meereslebewesen“."
WĂ€hrend die anderen SchĂŒler ihre BĂŒcher einpackten und die unbelebten Tiere auf einem Tisch im Raum ablegten, wandte sich Yeriel dem Totenkopfaffen zu.
„Hiermit gehörst du dem Herren von Hohenfelde. Befolge seine Anordnungen und mache mir keine Schande.“
Dann packte sie ihre Sachen zusammen und legte das Buch der FlĂŒche auf ihren Schoss, wĂ€hrend der Totenkopfaffe begann sein Fell zu lausen, so lange er von seinem neuen Besitzer keine genaueren Anweisungen erhielt.
Avatar: ©sharandula.deviantart.com

Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
BeitrÀge: 436
Registriert: Mi 22. Feb 2017, 12:46
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Souvagner
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#8

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mi 29. MĂ€r 2017, 08:32

Dave musterte Lady Iolanthe auf ihren Kommentar bezĂŒglich Konversation.

"Mein Bruder wĂŒrde Euch uneingeschrĂ€nkt zustimmen, ein Kadaver leistet absoluten Gehorsam. Deshalb der Begriff - Kadavergehorsam. Persönlich wĂŒrde doch etwas differenzieren. Ein reiner Befehl ist auszufĂŒhren, da habt Ihr völlig Recht. Ein tatsĂ€chliches GesprĂ€ch oder eine Diskussion lebt jedoch davon, Meinungen auszutauschen. Dazu bedarf es unterschiedlicher Ansichten, jedenfalls wenn es interessant werden soll. Ist dieses GesprĂ€ch lehrreich, oder wenigstens erheiternd, dann war es nicht ĂŒberflĂŒssiger Natur", antwortete Dave höflich.

Auf die Feststellung hin, dass er als Geistmagier den Nexus betreten konnte, musste sich Dave ein Schmunzeln verkneifen. WĂŒrde er genau jene FĂ€higkeit verlieren, hĂ€tte er ein gewaltiges Problem.

Betreten konnte er den Nexus jederzeit, nur mit dem wieder verlassen, da hatte er manchmal so seine Schwierigkeiten. Vermutlich waren seine Empfindungen da etwas Lady Iolanthe gleich, sie kommunizierte lieber mit Toten, aus den von ihr genannten GrĂŒnden.

Er hielt sich lieber unter Seelen auf, aus Ă€hnlichen GrĂŒnden. Man sah Personen in ihrer reinen, astralen Form. Wenn man sich mitteilte, dann frei von LĂŒge - höchstens Verschweigen kam vor. Man musste sich in astraler Form weder um sein Aussehen oder irgendeine Etikette sorgen. Man war einfach sein ureigenstes Selbst, ohne weltliche Belastungen.

Logisch betrachtet, gab es keinen Grund wenn man einmal im Nexus verweilte, diesen schnellstmöglich zu verlassen und wieder ins Diesseits zurĂŒckzukehren. Absolut sachlich, neutral betrachtet gab es kaum GrĂŒnde ĂŒberhaupt im Diesseits zu verweilen.

Das Gedankenspiel schob Dave schleunigst beiseite, da es ihn schon öfter in Schwierigkeiten gebracht hatte. Er dachte kurz an seine Familie, seinen Hund und sein Pferd. Gute GrĂŒnde ab und an doch mal im Diesseits vorbeizuschauen. Oder hier die Akademie und der Unterricht, dass waren ebenfalls Dinge die Spaß machten.

Dave musterte die Lichtalbin kurz von der Seite. Wie lange hatte er nachgegrĂŒbelt?
Er hÀtte sich besser konzentrieren sollen!

Wie er das hasste, wenn er manchmal mit den Gedanken abdriftete.
Das war sein persönliches Problem bei Unterhaltungen die verbal von statten gingen.

Was er bei solchen Unterhaltungen gerne getan hÀtte, war gekonnt antworten.
Was er wirklich tat, war nur antworten wollen.

Dann fiel ihm natĂŒrlich schlagartig nichts ein. Dann fiel ihm ein, dass er eindeutig zu lange mit der Antwort gewartet hatte um jetzt noch antworten zu können, ohne wie ein völliger Volltrottel da zu stehen.

Also sage er meist nichts, wenn möglich verdrĂŒckte er sich - ging einfach und ließ sein GesprĂ€chspartner stehen.

Aus dem Grund dachten auch viele Bekannte seines Bruders oder andere Personen, er wÀre ein arroganter Arsch, aber in Wahrheit hatte er einfach nicht das Maul aufbekommen, wie so oft.

Dave rief sich bewusst die Worte der Lichtalbin in Erinnerung und hörte ihr wieder aufmerksam zu. Bei Iolanthes ErklĂ€rung ĂŒber ihre Wahrnehmung wurde er hellhörig.

"Sie klingen dumpf fĂŒr Euch? Ihr nehmt sie also ĂŒber GerĂ€usche wahr? Interessant. Nun ich sehe Personen im Nexus in ihren astralen Farben. Ich sehe also ihre Seele, ihre Urenergie in einer Art Lichtform. Licht ist auch nicht schlicht weiß, sondern setzt sich aus verschiedenen Farbnuancen zusammen. Diese Farben sind kein Abbild der lebenden Person, sondern eine leuchtende Kugel - wie eine Minisonne.

Eine lebende Person hat ein Band zu ihrem Körper ins Diesseits.
Eine tote Person hat dieses Band nicht mehr.

Eine gerade verstorbene Person hat noch den sichtbaren Hauch eines Bandes dass sie hinter sich herzieht wie einen Rattenschwanz - Ihr wĂŒrdest es vermutlich einen Nachklang nennen.

Eine andere mir bekannte Wahrnehmungsform der Seelen ist, sie zu erspĂŒren und zwar mit der eigenen Seele. Die Energie der fremden Seele nimmt man dann Ă€hnlich wahr wie ein herannahendes Gewitter. Dies fĂŒhlt man hier ja ebenfalls. Nur ist diese Wahrnehmung wesentlich feiner. Man weiß, wer tot ist und wer nicht. Er fĂŒhlt sich anders an. Ich kann es leider nicht gut beschreiben, da es nicht meine Art der Sicht der Dinge ist. Zudem habe es nur einmal im Verbund miterlebt, es war fĂŒr mich eine befremdliche, sehr abstrakte Erfahrung"
, erklÀrte Dave freundlich.

"Ich vermute dass einige Tote sich im Nexus wohler fĂŒhlen, als sie sich im Körper gefĂŒhlt haben. Und in einen fremden Körper möchte vermutlich niemand verbannt werden. Die anderen von Euch aufgezeigten Probleme sind mir seit meiner Kindheit bekannt, dennoch oder gerade deshalb - Danke fĂŒr Eure ausfĂŒhrliche Information", antwortete Dave.

Auf die Frage ob er bereit wÀre nickte er zustimmend.

"Bereit Euch zu folgen...", schmunzelte er kurz.

Dave wartete ab und ließ Iolanthe den Vortritt. Sie schloss beim Übergang in den Nexus die Augen, stellte er verwundert fest. Vielleicht war es so fĂŒr die Lichtalbin angenehmer. Er selbst hingegen ließ die Augen offen. Allerdings "sah" er im Nexus, seine Lehrerin neben ihm hörte. Vermutlich war dies von ihm einfach eine dumme, körperliche Angewohnheit, denn um im Nexus sehen zu können, benötigte er keine körperlichen Augen. Er nahm seinen Körper schließlich nicht mit.

Einen winzigen Augenblick spĂ€ter folgte er Lady Iolanthe in den Nexus. Sie verharrte kurz und er spĂŒrte dass sie ihn "taxierte". Dave musterte sie seinerseits und wartete ab. Schon machte sich die Lichtalbin daran, der Lichtkugel - der Seele des kleinen Affen zu folgen.

WĂ€hrend die Lichtalbin die kleine Seele verfolgte, verfolgte Dave sie. Irgendwie war es erfreuend und lehrreich zugleich.

Als sie die Seele eingefangen hatte, folgte der nicht ganz so angenehme Teil. Die Seele wehrte sich, aber Lady Iolanthe entfesselte den unnachgiebigen Sog der Nekromantie, der die Seele zurĂŒck in das tote Fleisch des Kadavers zwang.

Alles Meckern und Wehren war vergebens und dann verstummte die Seele, so schnell wie er es von Zuhause kannte. Das Werk war vollendet - die Seele war dahin zurĂŒckgefĂŒhrt worden, woher sie vor einiger Zeit stammte. Ob ihr dass nun gefiel oder nicht, nun danach fragte schließlich auch niemand.

Dave löste sich ebenfalls vom Nexus, aber brauchte einen Moment lĂ€nger als Lady Iolanthe. Der Magier musterte das Äffchen. Im selben Moment sprach ihn schon Madame vom Felsenschlund an.

"Einige höchst interessante Erfahrungen Madame vom Felsenschlund, allerdings nicht allein die Nekromantie betreffend. ZukĂŒnftig werde ich pĂŒnktlich erscheinen, seid Euch dessen versichert", gab Dave höflich zurĂŒck.

Madame vom Felsenschlund beendete den Unterricht. Die anderen SchĂŒler machten sich daran einzupacken und ihre Versuchstiere auf einem Tisch abzulegen.

„Hiermit gehörst du dem Herren von Hohenfelde. Befolge seine Anordnungen und mache mir keine Schande", hörte Dave Lady Iolanthe neben sich sagen.

Der Magier musterte die Lichtalbin absolut ĂŒberrascht. Er war es gewohnt bei fast jeder Art von Konversation seine GefĂŒhle hinter eine gleichgĂŒtigen Maske zu verbergen, aber nun hatte sie ihn "auf dem falschen Fuß" erwischt.

Er war es nicht gewöhnt, dass jemand freundlich zu ihm war - oder ihm sogar etwas schenkte.

Dave grinste fĂŒr einen Moment verlegen und Lady Iolanthe sah kurz, was er wirklich dachte oder wie er als Junge mal ausgesehen haben musste, wo er sich noch nicht jede GefĂŒhlsregung verkniff.

"Dankeschön. FĂŒr den Unterricht und vor allem fĂŒr das Geschenk", antwortete er gut gelaunt. Der Magier ergriff den Affen, nahm ihn ohne jede Scheu auf den Arm und schaute ihn sich an.

"Als Dank Retour Lady Iolanthe. Ihr - sprich Eure Farben", sagte Dave und ĂŒbermittelte Lady Iolanthe das Bild, so wie er sie im Nexus wahrnahm.

Link:
https://hydra-media.cursecdn.com/skyrim ... 97b7199c71


"Wir sollten uns den anderen anschließen. Ehe wir noch einen RĂŒffel bekommen, weil wir zu lange geblieben sind", schmunzelte Dave die Lichtalbin an und setzte sich den Affen auf die Schulter.

Benutzeravatar
Yeriel Iolanthe
Zweitcharakter
BeitrÀge: 10
Registriert: Do 6. Okt 2016, 09:31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#9

Beitrag von Yeriel Iolanthe » Fr 7. Apr 2017, 15:03

Yeriel wirkte amĂŒsiert, als sie dem Herrn von Hohenfelde bei seinen AusfĂŒhrungen lauschte.
Konnte sie da etwa Begeisterung aus seinen Worten heraushören?
Obwohl sie es nicht zugeben wollte, interessierte es die Lichtalbin zu erfahren, wie andere Magier den Nexus erlebten. Darum, dass er die Seelen in unterschiedlichen Farbnuancen sehen konnte, beneidete ihn die gelegentliche KĂŒnstlerin gar ein wenig.
Es wÀre bestimmt eine tolle Erfahrung und eine neue Herausforderung, die Geistwesen auf Leinwand zu bannen. Beinahe ein wenig wie Nekromantie. Yeriel schmunzelte.
„GerĂ€usche, KlĂ€nge, Melodien. Manche sind nicht einmal zu benennen, da sie nicht vergleichbar sind mit irgendetwas, das es auf dieser irdischen Welt zu hören gibt“, antwortete sie und war selbst erstaunt darĂŒber, dass sie auf seine ErlĂ€uterungen reagierte.
„Nun, manchmal ist der richtige Körper nicht mehr vorhanden, dann gilt es eben auszuweichen“, meinte die Nekromantin pragmatisch.
„Mitunter kann es gar von Vorteil sein. Bloss Angehörige, welche mit Verstorbenen sprechen wollen, verhalten sich dahingehend oftmals dickköpfig. Sie sind allzu sehr auf die Äusserlichkeiten fokussiert.“

Die Reaktion auf das TotenkopfĂ€ffchen verblĂŒffte Yeriel dann tatsĂ€chlich. Im Grunde hatte sie den Geistmagier testen wollen und beinahe erwartet, dass er das Geschenk abwies.
Nichts dergleichen geschah jedoch. Im Gegenteil beobachtete sie, wie seine unbeweglichen GesichtszĂŒge entgleisten und einem jungenhaften Grinsen Platz machten. FĂŒr einen Moment wirkte er nicht mehr unnahbar, sondern zugegebenermassen sympathisch. Vielleicht sollte sie die untoten Kadaver öfters verschenken, die Wirkung war irgendwie berauschend.
Offensichtlich hatte der Herr von Hohenfelde keine Hemmungen dabei, das untote Spielzeug entgegenzunehmen.
Folglich war er der Nekromantie nicht völlig abgeneigt, vielleicht liebĂ€ugelte er gar selbst damit? Oder aber er war ein ausgesprochener Heuchler, der die Magieform zwar verachtete und sich nicht die Finger damit beschmutzen wollte, sich gleichzeitig aber nicht dafĂŒr schĂ€mte, ihre Vorteile auszunutzen!
WĂ€hrend er sie freundlich anschaute, blickte sie etwas skeptisch ab seiner guten Laune zurĂŒck.
"Dankeschön. FĂŒr den Unterricht und vor allem fĂŒr das Geschenk.“
Yeriel nickte ihm höflich zu.
„Keine Ursache. Ich habe bereits genĂŒgend eigene FellknĂ€uel in meiner Sammlung“, winkte sie ab. Keinesfalls wollte sie grosszĂŒgig rĂŒberkommen oder allzu freundlich.
Vermutlich wĂŒrde sie ihn sonst gar nicht mehr loswerden!

"Als Dank Retour Lady Iolanthe. Ihr - sprich Eure Farben", sagte Dave und ĂŒbermittelte Lady Iolanthe das Bild, so wie er sie im Nexus wahrnahm.
Yeriel erstarrte einen Moment in ihrem Rollstuhl, als das Gedankenbild in ihrem Kopf unvermittelt erschien. Eine blÀuliche Lichtkugel war zu erkennen, die von innen heraus strahlte und gegen Aussen in sanften Regenborgenfarben verklang.
Das soll ich sein?, dachte sie verwundert und positiv ĂŒberrascht. WĂ€hrend sie sich vornahm, das Gedankenbild spĂ€ter auf eine Leinwand zu projizieren, setzte sie wieder eine ernste Miene auf.
„Danke fĂŒr den Einblick. Trotzdem bitte ich Euch darum, mir nicht ungefragt Gedanken zu ĂŒbermitteln“, reagierte sie dann abweisender, als ihr tatsĂ€chlich zumute war.

"Wir sollten uns den anderen anschließen. Ehe wir noch einen RĂŒffel bekommen, weil wir zu lange geblieben sind", schmunzelte Dave sie an und setzte sich den Affen auf die Schulter.
Wir? Vielleicht hĂ€tte ich ihm den Affen doch nicht ĂŒberlassen sollen...
Yeriel seufzte, doch er hatte Recht. Sie waren schon wieder im Verzug und die anderen bereits in den GĂ€ngen entschwunden.
Es sah nicht so aus, als wĂŒrde er ihr eine ruhige Minute gönnen und sie in ihrem Buch schmökern lassen wĂ€hrend der Zeit, die fĂŒr das Mittagessen zur VerfĂŒgung stand, bevor eine weitere Vorlesung begann.
Nun gut, vielleicht ist es gar nicht so schlecht, sich einmal wieder in lockerer Konversation zu ĂŒben...

„Ihr schreckt also nicht davor zurĂŒck mit einer Nekromantin Mittag zu essen. Gibt es etwas anderes, womit man Euch in Angst und Schrecken versetzen kann?“, fragte sie schliesslich und bemerkte, dass sie sich etwas entspannte, nachdem sie sich damit abgefunden hatte, dass er sie begleiten wĂŒrde. Gleichzeitig fĂŒhlte sie sich seltsam nervös bei dem Gedanken, nicht alleine zu speisen. Normalerweise hielt sie sich abseits von den anderen Studierenden auf und diese mieden sie ebenfalls – dafĂŒr sorgte Yeriel mit ihrem abweisenden Blick.
Inzwischen waren sie beim Speisesaal angelangt, der von lautem Stimmengewirr dominiert wurde.
Riesige Leuchter hingen von der Decke herunter und erhellten das fröhliche Gewusel in dem Raum.
An einem Ende des Saals hatte sich eine Schlange gebildet, dort befand sich die Essensausgabe, wo verschiedene MenĂŒs zur Auswahl standen.
Die Laune der Lichtalbin sank augenblicklich wieder in den Keller. Gewöhnlich beorderte sie Atri dazu, ihr die Mahlzeit in ihr Zimmer zu bringen, oder aber wenigstens an den Tisch.
Als sie sich nun mit ihrem Rollstuhl dahin bewegte, fĂŒhlte sie sich exponiert und von allen Seiten beobachtet. Ihre Schultern waren verspannt und ihr Blick fixierte stier den RĂŒcken einer Waldalbin, die vor ihr in der Schlange stand.
Endlich an der Reihe, bestellte sie einen Teller voller GemĂŒse und machte dann rechtsumkehrt, ohne auf ihren Begleiter zu warten. Auf ein GetrĂ€nk hatte sie wohlweislich verzichtet, denn sie musste ihr Tablett auf den Knien balancieren, wĂ€hrend sie sich damit zu einem verlassenen Tisch vorschob.

Als der Herr von Hohenfelde auch dazu stiess, versuchte Yeriel ihr Unwohlsein zu verbergen, indem sie plötzlich unheimlich gesprÀchig wurde.
„Wie findet Ihr das Essen hier? Ich denke, es ist ertrĂ€glich. Wie isst man dort, wo Ihr herkommt? Ich liebe ja gut gewĂŒrztes Essen“, begann sie ĂŒber Belangloses zu reden und musste sich zusammen reissen, nicht in ihrem Teller herumzustochern.
Jetzt reiss Dich gefÀlligst zusammen!
Was ist denn nur los mit Dir?
Das ist ein gewöhnliches Mittagessen. Normale Menschen nehmen nun einmal Mahlzeiten gemeinsam ein. Also mach kein Desaster draus!

Doch fĂŒr die kĂŒhle EinzelgĂ€ngerin war dies völlig ungewohnt und sie fĂŒhlte sich deplatziert, wĂ€hrend ihr GegenĂŒber sie nun ebenfalls seltsam zu mustern schien.
Oder war das bloss ihre eigene Paranoia?
Avatar: ©sharandula.deviantart.com

Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
BeitrÀge: 436
Registriert: Mi 22. Feb 2017, 12:46
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Souvagner
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Verflucht nochmal - FlĂŒche und ihre Nebenwirkungen

#10

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Fr 7. Apr 2017, 18:50

Dave lauschte neugierig den AusfĂŒhrungen von Lady Iolanthe und der Beschreibung ihrer Wahrnehmung des Nexus.

"Vermutlich hat die Wahrnehmung im Nexus auch mit der Wahrnehmung in der Physis zu tun. Das was uns hier am meisten anspricht, spricht uns auch im Nexus an. So ist unsere Wahrnehmung geeicht. Das ist meine persönliche Vermutung.

An Schöngeistigen Dingen bevorzugt Ihr sicherlich GerĂ€usche und KlĂ€nge, Musik eventuell . Mir hingegen sind Betrachtungen wichtig. Ich wĂŒrde ein GemĂ€lde stets der Musik vorziehen. Zudem wĂŒrde ich bevorzugen dieses GemĂ€lde in Stille genießen, um mich darauf konzentrieren zu können. Einmal die ganzheitliche Betrachtung - sprich was stellt das Bild dar und einmal die detaillierte - die Farben an sich. Sonst ergibt die Betrachtung fĂŒr mich keinen Sinn.

Nun das macht den Reiz des Nexus doch aus, Lady Iolanthe - er ist nicht irdisch, er ist eine andere SphĂ€re. Folglich sind die Wahrnehmungen dort, ĂŒberirdisch.

Was vielleicht auch das Suchtpotential nach dem Nexus erklÀrt. Je lÀnger man dort ist, je lÀnger möchte man dort verbleiben. Man könnte es fast als SelbstlÀufer bezeichnen",
sagte Dave.

„Nun, manchmal ist der richtige Körper nicht mehr vorhanden, dann gilt es eben auszuweichen.
Mitunter kann es gar von Vorteil sein. Bloß Angehörige, welche mit Verstorbenen sprechen wollen, verhalten sich dahingehend oftmals dickköpfig. Sie sind allzu sehr auf die Äußerlichkeiten fokussiert",
erklÀrte die Lichtalbin.

Dave nickte zustimmend.

"Leider ist das so, wir selbst können uns aber auch nicht immer davon freisprechen. Das erste was man nun einmal von einer Person zu Gesicht bekommt, ist der Körper. Bei Puries, den Normalos gibt es nicht einmal den zweiten Blick auf die Seele.

Sie haben das GlĂŒck jemanden ĂŒber Klang wahrnehmen zu können, ich habe das GlĂŒck von der Person die wahren Farben zu sehen. Dies ist Puries verwehrt. Folglich können diese Personen nicht erkennen, ob die Seele die dort aus einem Toten zu ihnen spricht, tatsĂ€chlich ihr Verwandter ist.
Augenscheinlich jedenfalls nicht. Anhand der Informationen oder auch wie das GesprĂ€ch gefĂŒhrt wird, sollten sie allerdings schon in der Lage sein, zu erkennen wen sie dort vor sich haben.

Ich gehe davon aus, dass Sie Lady Iolanthe genau wie ich einen Verwandten an seiner Sprechweise erkennen wĂŒrden, auch wenn Sie die Person nicht sehen. Dazu sollte ein Purie auch in der Lage sein.

Hinzu kommt die Angst der meisten Puries vor Nekromanten. Jeder der eine geliebte Person verloren hat, kommt irgendwann an den Punkt wo er sich denkt, dies oder jenes hÀtte ich gerne noch gesagt. Meist wie sehr man die Person mochte, oder wie nahe man ihr gestanden hat.

Folglich engagiert man bei passendem Geldbeutel einen Nekromanten, der einem genau jenes ermöglicht, was man zu Lebzeiten leider versÀumt hatte.

Das ist ein gewaltiges Geschenk, auch wenn man dafĂŒr Taler zahlen muss.
Zudem ist dies positive Art der Nekromantie-Anwendung",
sagte Dave freundlich.

`Jedenfalls meist, solange man nicht ein Auftragsziel nach den Eckdaten seines Assassinen fragt, ist die Totenbefragung völlig legitim. Sie ist fĂŒr die Hinterbliebenen Balsam fĂŒr die Seele.
FĂŒr uns ist jede Totenbefragung zu Ermittlungszwecken der blanke HorrorÂŽ,
dachte Dave.

"Aber so freundlich Ihre Einstellung auch sein mag Lady Iolanthe, leider verhĂ€lt es sich mit den Puries wie mit allen Personen, sie fĂŒrchten was sie nicht verstehen. Sie mögen Ihnen im ersten Moment dankbar sein Lady Iolanthe, sie werden sich sogar darĂŒber freuen, dass Sie ihnen geholfen haben. Aber sobald genau dies geschehen ist, dann sind Sie fĂŒr diese Personen genau dass was jeder Magier ist - eine Gefahr, eine Bedrohung und als Nekromant fĂŒr die meisten sogar leider eine Art Bestie.

So sind die Leute eben. Dank oder VerstĂ€ndnis darf man nicht erwarten. Das gibt es fĂŒr Personen wie uns nicht. Bestenfalls sind wir fĂŒr Puries praktisch oder bequem. Aber eine Rest-Furcht vor uns bleibt immer. Darum lĂ€sst man die Puries fĂŒr unsere Dienste zahlen. So haben sie wenigstens darĂŒber Respekt",
erklÀrte Dave freundlich.

Auf die Bitte hin, ihr ungefragt keine Gedanken-Bilder zu schicken, nickte der Magier knapp.

"Entschuldigung. Ich wollte Euch nicht erschrecken oder brĂŒskieren. Ein weiteres Bild werdet Ihr nicht erhalten, versprochen. Schon allein der Logik geschuldet - jeder besitzt nur eine Seele", grinste Dave.

Der Naridier stand auf und musterte den leeren Raum. Sie waren bereits wieder spĂ€t dran. Gut, so konnte wenigstens niemand behaupten, sie beide wĂ€ren zu spĂ€t gekommen und hĂ€tten sich dafĂŒr aus Faulheit auch noch frĂŒher verdrĂŒckt.

Bestenfalls hatten sie die Zeit eben nachgeholt. Und es war schließlich eine Tatsache, dass sie keinen Unfug geschwatzt hatten, sondern beim Thema geblieben waren. Sie hatten quasi den Unterricht verlĂ€ngert.

„Ihr schreckt also nicht davor zurĂŒck mit einer Nekromantin Mittag zu essen. Gibt es etwas anderes, womit man Euch in Angst und Schrecken versetzen kann?“, fragte die Lichtalbin.

Dave musterte sie mit etwas unsicherem Blick.

"Nunja, ehrlich gesagt, das Essen schreckt mich etwas ab, nicht Eure Gesellschaft. Ein Großteil meiner Familie und Vorfahren sind Nekromanten. Ich wĂ€re verhungert, könnte ich nicht in ihrer NĂ€he essen. NatĂŒrlich gibt es Dinge die mich Ă€ngstigen. Keine Person ist frei von Ängsten Lady Iolanthe. Aber meine Ängste sind so geheim, wie mein Kontostand", antwortete Dave freundlich schmunzelnd.

`Ob es etwas gibt, was mich Àngstigt? Sicher.
Die PrĂŒfung hier nicht zu bestehen zum Beispiel.
Die schlimmste aller Vorstellungen ist den Nexus erneut vorenthalten zu bekommen, an dem Tag wo ich meinen Körper hinter mir lasse. Es braucht nicht unbedingt einen Nekromanten um einen zurĂŒck in zerschmettertes Fleisch zu stopfen.

Wenn jeder Atemzug eine Qual ist, ist es ein Leichtes sein Körper-Kerker aufgeben zu wollen. Es dennoch nicht zu tun, sondern zu bleiben, das ist ein Akt der Angst macht und Mut erfordert.

Aber die Angst ist zu schmerzlich und zu persönlich als dass man darĂŒber zwecks Zerstreuung plaudert. Wobei, ich glaube Ihr könntet den Schmerz verstehen.

Genauso grauenvoll ist die Angst, gegen seinen Willen in der Physis festgehalten zu werden, wenn man gehen will. Das wird keiner verstehen, aber auch die Seele empfindet Schmerzen.

Dennoch, solche Gedanken sind nicht fĂŒr fremde Ohren oder einen fremden Geist bestimmtÂŽ,
dachte Dave einen Moment melancholisch.

Gemeinsam verließen sie den Klassenraum und begaben sich in den Speisesaal. Die Schlange vor der Essensausgabe war lang. Dave stellte sich so hin, dass er lange genug warten konnte. Seit seiner Verletzung damals, die ihm zig KnochenbrĂŒche beschert hatte, konnte er nicht ewig lange herumstehen, sitzen oder liegen. Irgendwas fing immer an zu schmerzen.

Allerdings hatte nur der Schmerzen, der noch am Leben war. Schmerzfrei war man nur, wenn man im Nexus schwebte, oder die Toten. Da er nicht zur letzten Sparte gehören wollte, war der Preis den er zu zahlen hatte gering. Was seine Knochen nicht mehr leisteten, ĂŒbernahm ein Großteil seiner Muskeln. DafĂŒr trainierte er, auch wenn einige aus seiner Wahlfamilie was anderes vermuteten.

In dem Speiseraum ging es zu wie in einem Bienenstock. Dave beschloss, wenn er je wieder diese Akademie besuchen sollte, wĂŒrde er sich von Ansgar einen Diener ausleihen. Völlig gleichgĂŒltig was Pavo oder die anderen davon hielten.

Die LautstÀrke zerrte an seinen Nerven, zumal er ein Mensch war, der die Stille oder leisen Töne bevorzugte.

Lady Iolanthe verharrte ebenfalls wie eine SalzsÀule in ihrem Rollstuhl. Ihr war der ganze Radau genauso unangenehm wie ihm. Vermutlich sogar noch eine gewaltige Spur unangenehmer. Sie hatte selbst erlÀutert, dass sie auf GerÀusche viel Wert legte, es war ihre Hauptsinneswahrnehmung und sie war eine Albin.

Das bedeutete vermutlich, dass sie wesentlich besser hörte als er, ĂŒberlegte Dave.
Um wie viel Nuancen sie besser hörte als er, entzog sich seiner Kenntnis, aber selbst wenn es nur eine einzige war, musste es eine wahre Zumutung sein.

Die Lichtalbin bestellte sich nur GemĂŒse, verzichtete wohlweißlich auf ihr GetrĂ€nk, da sie es kaum auf dem Schoß balancieren konnte. Die Lichtalbin suchte sich umgehend einen Platz.

Dave starrte einen Moment dass Essen an und wusste nicht was er wĂ€hlen sollte. Aus dem Grund wĂ€hlte er Fleisch und Kartoffeln. Dazu nahm er sich einen Kaffee. Wenn das Essen nicht schmeckte, hatte er wenigstens seine geliebte FlĂŒssignahrung - wie er Kaffee nannte.

Eigentlich hĂ€tte er Lady Iolanthe ein GetrĂ€nk mitgebracht, das gebot die Höflichkeit. Allerdings hatte die Lichtalbin andere MaßstĂ€be. Sie wĂ€re wahrscheinlich darĂŒber erbost, sie mit der Geste als hilflos hinzustellen, anstatt einfach nur eine Höflichkeit darin zu sehen.

Aus dem Grund unterließ Dave es, ihr ein GetrĂ€nk zu spendieren. Er wollte sich nicht am Mittagstisch mit der Albin fĂŒr etwas streiten, was keinen Unmut wert war.

Der Naridier setzte sich zu Lady Iolanthe an den Tisch, schaute kurz sein Essen an und widmete sich dann erst mal seinem Kaffee.

„Wie findet Ihr das Essen hier? Ich denke, es ist ertrĂ€glich. Wie isst man dort, wo Ihr herkommt? Ich liebe ja gut gewĂŒrztes Essen“, erklĂ€rte Lady Iolanthe.

`Oh nein, bitte nicht... ich bin nicht gut im Plaudern. Lasst uns bitte beim Thema Magie bleiben. Ich blamiere mich gleich wieder bis auf die Knochen, ich weiß es... ich spĂŒre es... ÂŽ, stöhnte Dave innerlich auf.

Wenn ihn etwas nervös machte, dann GesprĂ€che mit Personen zu fĂŒhren die er nicht gut kannte, bei denen es aber weder um seinen Beruf noch um seine Berufung ging. Der Naridier lĂ€chelte so gut es ging um seine Panik zu verbergen.

Lady Iolanthe schien sich genauso unbehaglich zu fĂŒhlen wie er selbst.
Oder war es einfach nur seine Gegenwart die dermaßen störte?

Sie war sonst ein offener, forscher Charakter.
Das er störte und sich trollen sollte, hÀtte sie ihm vermutlich wohl direkt ins Gesicht gesagt und ihn vorher nicht noch extra was gefragt.

Dave rief sich gedanklich zur Ruhe auf.

"Ach was soll es, raus mit der Sprache - ich bin nicht gut in sowas Lady Iolanthe.
Also nehmt es mir bitte nicht ĂŒbel, falls ich einfach nichts zu sagen weiß.
Das richtet sich nicht gegen Euch, ich bin halt sonst kein guter Gesellschafter. Vermutlich da ich sonst nicht allzu oft in Gesellschaft bin. Ich werde mich allerdings bemĂŒhen, ein angenehmer GesprĂ€chspartner zu sein",
erklÀrte Dave.

Er kostete das Essen und dachte dann eine Weile angestrengt ĂŒber die Frage der Lichtalbin nach. Das Fleisch war zart und gut gewĂŒrzt. Dave ass ruhig und entspannt.

Er liess sich dabei Zeit wie mit allen Dingen, die er genoss. So wie mit dem Becher Kaffee, welchen er nach und nach austrank, ohne dabei ungebĂŒhrlich Eile an den Tag zu legen oder gar zu schmatzen wie einige andere es im Speiseraum taten.

"Das Fleisch schmeckt, die Kartoffeln nicht. Wo ich herkomme, isst man genauso wie es der persönliche Geschmack vorgibt Lady Iolanthe. Jedenfalls wenn Ihr meine Herkunftsfamilie meint - von Hohenfelde. Man wĂŒnschte etwas zu essen, und genau diese Speise wurde einem serviert. Es sei denn, es war ein Familienessen angeordnet worden - dann ass man am besten so langsam und so wenig wie möglich", schmunzelte Dave.

"Jetzt ist es einfacher geregelt. Bei uns ist jeder Mitbewohner einmal mit Kochen dran. Mitbewohner die nicht Kochen können, mĂŒssen sich dann halt anders nĂŒtzlich machen. Ich kann nicht kochen und tue es auch nicht, was mir meine Mitbewohner danken", erklĂ€rte Dave.

"Ihr spracht davon, genug Fellnasen zu haben. Welche Art von Tieren haltet Ihr? Meine Fellnasen sind ein Wolfshund und im Moment zwei Pferde. Eines davon ĂŒbrigens ein nekrotisches Schlachtross, dass bereits meinem Ur-Ur-Ur-Großvater diente. Es heißt Nachtmahr, sehr zuverlĂ€ssiger Bursche", sagte Dave.

Er schob den halb leeren Teller von sich weg, macht es sich etwas gemĂŒtlich und kraulte den kleinen Affen.

Antworten