Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 29
Erhaltene Likes: 3
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Waldalben

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#31

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Sa 3. Feb 2018, 00:32

Man hatte Alaryah einfach so stehen gelassen. Einen Moment lang schaute die Albin auf die T├╝r, die sich hinter Jaro und dem Soldaten geschlossen hatte. Dann schlie├člich sammelte sie sich. Ihr Blick flog zu dem von dem jungen Alben bereitgestellten Tisch und sie eilte hin├╝ber. Dort angekommen trank Alaryah gierig aus einem Krug mit k├╝hlem Wasser, was schlie├člich einige Lebensgeister in ihr wieder erweckte. Mit ein paar ├äpfeln, einem Kanten Brot und zwei Karotten im Gep├Ąck raste Alaryah nun zur├╝ck in Richtung ihrer Behausung. Kirona. Sie hoffte, dass sie die Frau unversehrt vorfinden w├╝rde...

Als Alaryah hastig die Behausung der Waldl├Ąufer betrat fand sie Kirona vor, die zusammen mit ein paar Alben gerade beim Fr├╝hst├╝ck war. "Schattenwind!", rief einer der Waldl├Ąufer und machte eine einladende Geste. "Wo seid ihr gewesen? Setzt Euch doch, wir speisen gerade.". Alaryah ├╝berging die Einladung mit erhobener Hand und stampfte schon fast auf Kirona zu. "Kirona, wir reisen ab. Pack deine Sachen.". Kirona sah die Albin mit gro├čen Augen an. "Alaryah, was...". "Ich erz├Ąhle dir alles unterwegs.", gab diese nur k├╝hl zur├╝ck. "Pack auch Jaros Habe ein.". "Schattenwind, was ist passiert? Was ist der Grund f├╝r eure pl├Âtzliche Abreise?", fragte einer der Waldl├Ąufer, der aufgestanden war und sich nun Alaryah n├Ąherte. Gerade, als er ihre Schulter ber├╝hren wollte, wirbelte die Albin herum. "Wir. Reisen. Ab.", zischte sie. "Verzeiht.", f├╝gte sie an und sch├╝ttelte den Kopf. "Wir haben noch einiges zu erledigen.". Der Waldl├Ąufer wich etwas zur├╝ck, nickte dann jedoch. "Ich denke ich spreche im Namen von uns allen, wenn ich sage, dass ich Euch und Euren Gef├Ąhrten alles Gute f├╝r...die Mission...w├╝nsche.". Alaryah nahm dies stumm zur Kenntnis.
Gemeinsam mit Kirona und dem Gep├Ąck der Gruppe verlie├č die Albin wenig sp├Ąter die Unterkunft. Nat├╝rlich hatten sie sich f├╝r ihre Bleibe bedankt, doch verlief der Abschied wenig herzlich. Die Waldl├Ąufer schienen zu verstehen, dass irgendwas vorgefallen war und hatten Alaryah in Ruhe gelassen. "Alaryah, warte doch mal!", sagte Kirona mit erhobener Stimme und versuchte mit der Albin Schritt zu halten. "Was ist passiert? Wo seid ihr gewesen?". Alaryah antwortete erst nicht, gab dann doch ein "Gleich..." ├╝ber die Schulter zur├╝ck. Zu allem ├ťberfluss kreuzte Linor ihren Weg. "Oh, da seid ihr ja wieder. Ich...". "Nicht jetzt.", entgegnete Alaryah knapp und rauschte an dem Alben vorbei. Kirona folgte, zuckte nur kurz mit den Schultern und auch Linor blieb leicht verwirrt zur├╝ck.

Vor den Toren der Stadt kam Alaryah endlich zum Stehen. Sie legte ihr Gep├Ąck ab und setzte sich auf einen gro├čen Stein am Wegesrand. Kirona, leicht au├čer Atem, tat es ihr gleich. "Was ist denn nun eigentlich vorgefallen?!", fragte die Frau und wollte endlich Antworten haben. Alaryah schaute zur├╝ck, sah die Wachen vor dem Tor. "Warte einen Moment.". Sie ging zu den W├Ąchtern her├╝ber, sprach mit ihnen und schlie├člich marschierte einer von ihnen davon. Alaryah kehrte zu Kirona zur├╝ck. Bevor diese erneut etwas fragen konnte ergriff Alaryah das Wort. "Jaro und ich wurden abgeholt und...befragt.". "Ist...ist es wegen mir?", fragte Kirona unsicher und f├╝hlte sich sichtlich unwohl. Die Albin nickte, f├╝gte dann jedoch an:"Aber nicht nur das. Es ging um all das, was wir bisher erlebt haben. Zumindest war es bei mir so.". Alaryah brachte Kirona auf den aktuellen Stand der Ereignisse. Die Frau hatte scheinbar ein schlechtes Gewissen, schlie├člich hatte sie nie gewollt, dass Jaro und Alaryah wegen ihr etwas zust├Â├čt. "Und nun m├╝ssen wir hier warten. Ich habe einen der W├Ąchter geschickt, sodass er Jaro sagen kann, dass wir hier auf ihn warten.". Unangenehmes Schweigen erf├╝llte die Situation. "Jaro kommt doch zu uns, oder?", fragte Kirona schon fast unsicher. Alaryah dachte kurz ├╝ber die Frage nach, doch war sich dann sicher. "Ja. Er wird herkommen.". Die n├Ąchste Zeit verging qu├Ąlend langsam. Immer wieder schaute Alaryah in Richtung Tor in der Hoffnung, dass schon bald der Lichtalb hindurchlaufen w├╝rde. In Gedanken legte sich Alaryah schon die n├Ąchsten Punkte ihrer Reise zurecht. "Wir werden nach Westen ziehen.", erkl├Ąrte Alaryah Kirona irgendwann. Gerade, als Alaryah in ihre Umh├Ąngetasche griff um einen Apfel hervorzuholen, fiel ihr eine kleine Pergamentrolle auf, die sie zuvor gar nicht bemerkt hatte. Das Pergament war mit einem roten Band umwickelt, welches die Albin schnell entknotet hatte. Sie las die geschriebenen Worte, kn├╝llte das Pergament zusammen und schaute zu Kirona hin├╝ber. "Norden.", sagte sie knapp. "Unser Weg wird uns nach Norden f├╝hren.". Kirona wollte nachfragen, doch Alaryahs entschlossener Blick schien keine R├╝ckfragen zuzulassen.
0 x

Benutzeravatar
Jaro Balliv├▓r
Volkslegende
Beitr├Ąge: 126
Gegebene Likes: 16
Erhaltene Likes: 7
Auszeichnungen: 4
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: Bild

Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei├čige Feder in Bronze Schl├╝sselloch

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#32

Beitragvon Jaro Balliv├▓r » Mo 19. Feb 2018, 22:46

Jaro Balliv├▓r
Jaro konnte dem ergrauenden Alben nicht ganz folgen, doch er traute sich nicht nachzufragen, denn sein Gegen├╝ber schien tief in Gedanken versunken. Irgendwann riss er sich los und schaute Jaro so pl├Âtzlich an, dass der Junge zusammenzuckte. "Seid wachsam, behaltet die Frau im Auge und legt weiter gr├Â├čten Wert auf ihre Genesung. Und nun geht. Ich habe zu tun." Jaro sp├╝rte Emurs Hand an der Schulter, doch Foranirs Stimme ert├Ânte erneut. "Du nicht, Emur. Du bleibst, bis die Leiche hier eintrifft. Es ist dringend und darf nicht weiter aufgeschoben werden. Filmir wird unseren Freund hinaus geleiten." Wie aus dem Nichts erschien ein kurzhaariger Alb mit einem freundlichen L├Ącheln und verbeugte sich wortlos. Jaro wusste nicht recht, was er sagen sollte, also verabschiedete er sich nur knapp und bedankte sich. Sein Kopf schwirrte schon wieder und er zweifelte, dass er alle Erlebnisse so schnell w├╝rde verarbeiten k├Ânnen. "Folg mir, Jaro", sagte Filmir mit weicher Stimme und Jaro hatte den Eindruck, die Worte entst├╝nden direkt in seinem Kopf. "Ich war sehr gespannt, dich zu sehen. Du hast Spuren hinterlassen." Verwirrt sah Jaro zum dem neben ihm schreitenden Alben hin├╝ber. "Bei der Frau. Und auch bei unserer Waldl├Ąuferin. Beide brauchen dich, wie du sie brauchst, denk immer daran." Das glei├čende Sonnenlicht lie├č Jaro die Augen zusammenkneifen und obwohl die Worte des anderen ihm sehr r├Ątselhaft erschienen, fragte er nicht nach. Irgendwie wusste er, dass er keine zufriedenstellende Antwort erhalten w├╝rde. "Ich habe Grund zu der Annahme, dass deine Gef├Ąhrten dort", er zeigte eine Stra├če entlang, "vor Rankenfels Toren auf dich warten." Er zwinkerte. "├äh, danke", sagte Jaro nur und folgte dem Fingerzeig. "Einfach nur gerade a-", er stockte. Von Filmir war nichts mehr zu sehen. Kurzerhand zuckte Jaro mit den Schultern und ging die Stra├če entlang. Was blieb ihm sonst schon ├╝brig? Wenn er Alaryah und Kirona dort nicht finden w├╝rde, k├Ânnte er immernoch in die Unterkunft zur├╝ck kehren.

Alaryah Schattenwind
Schweigend hockten Alaryah und Kirona vor den Toren herum. Alaryah konnte im Augenwinkel deutlich sehen, dass Kirona immer wieder den Entschluss fasste etwas zu sagen, doch schien sie diese Entscheidung dann doch wieder zu verwerfen. Irgendwann kam Bewegung in die W├Ąchter vor dem Tor. Einer der Soldaten trat auf die wartenden Frauen zu und hatte...Jaro im Schlepptau!
"Endlich.", fl├╝sterte Alaryah, erhob sich von ihrem Sitzplatz und kurze Zeit sp├Ąter waren die drei Gef├Ąhrten endlich wieder vereint. Gemeinsam brachten sie sich nun auf den aktuellen Stand der Dinge, es gab viel zu erz├Ąhlen und das Gep├Ąck musste verteilt werden. Gerade, als sie die Stadt fast hinter sich gelassen hatten, sprang pl├Âtzlich einer der Waldl├Ąufer auf den schmalen Waldweg. Elegant landete der Alb vor ihnen und gr├╝├čte freundlich. Er war wie aus dem Nichts gekommen. "Wir haben hier noch eine Kleinigkeit f├╝r euch.", sagte er knapp, nachdem er die Aufmerksamkeit der Gef├Ąhrten recht schnell erhascht hatte. Schweigend legte der Alb mehrere B├╝ndel auf den Weg, nickte den dreien noch einmal zu und zog eine Augenbraue hoch. "Viel Gl├╝ck auf Euren Reisen, m├Âget ihr stets sicheren Fu├čes gehen.". Er salutierte nach Waldl├Ąuferart, Alaryah reagierte entsprechend. Dann verschwand der Waldl├Ąufer wieder im dichten Unterholz. "Was hat er uns dagelassen?", fragte Kirona und traute sich nicht wirklich n├Ąher an die B├╝ndel heran. Alaryah hob schlie├člich eins der B├╝ndel auf und ├Âffnete es. "Proviant!", sagte sie und zeigte den Inhalt ihren Gef├Ąhrten. "Sie haben tats├Ąchlich f├╝r jeden von uns ein B├╝ndel geschn├╝rrt!". Alaryah l├Ąchelte. Der Zusammenhalt der Waldl├Ąufer war einfach wunderbar. Sie hatten sich sogar die M├╝he gemacht und f├╝r jeden ein individuelles B├╝ndel zusammengestellt. Die kleine Albin gab die beschrifteten Beutel an ihre Gef├Ąhrten weiter und war sich sicher, dass sie den Waldl├Ąufern auf jeden Fall ihre Dankbarkeit f├╝r diese Geste zeigen w├╝rde!
So zog die kleine Reisegruppe durch den friedlichen, dichten Wald. Mal wanderten sie ├╝ber weiches Moos, welches ihre Schritte fast verschluckte, dann wieder ├╝ber steinernde Trampelpfade. Einmal polterte sogar ein Rudel Rehe an ihnen vorbei! Jaro und Kirona schienen die Eindr├╝cke des Waldes in sich aufzusaugen, Alaryah hingegen war erstaunlich schweigsam. Auf Fragen antwortete sie irgendwann nur noch knapp, an Gespr├Ąchen beteiligte sie sich bald gar nicht mehr. Langsam verschwand die Sonne am Horizont und im Wald wurde es d├╝ster. "Wir sollten rasten. Unser n├Ąchstes Ziel ist nicht mehr allzuweit, doch sollten wir nicht versuchen uns einen Weg hier durchzuschlagen, bei diesen Lichtverh├Ąltnissen.". Endlich kamen ein paar mehr Worte aus der kleinen Albin heraus. Alaryah w├Ąre sicherlich mit einer gewissen Leichtigkeit weiter vorangekommen, doch nahm sie lieber R├╝cksicht auf Kirona und Jaro. "Ich denke dort vorn ist ein guter Platz.". Sie deutete auf eine gro├če Weide, unter welcher man hervorragend ein Lager aufschlagen konnte. Kurze Zeit sp├Ąter fanden sich die drei an einer kleinen Kochstelle wieder und bereiteten das Abendessen vor. Alaryah ertappte sich immer wieder, wie sie in die sanft flackernden Flammen starrte...

Jaro Balliv├▓r
Obwohl Jaro noch immer in h├Âchstem Ma├če verwirrt war, hob das Zusammentreffen mit Alaryah und Kirona seine Laune ebenso, wie die unerwartete gro├čz├╝gige Gabe der Waldl├Ąufer und die Stille des Waldes. So sehr es Jaro in der Stadt gefallen hatte, so froh war er nun ├╝ber den Frieden, den die B├Ąume ausstrahlten, nachdem sich die Ereignisse einmal wieder ├╝berschlagen hatten. Er wusste nun im Detail Bescheid, was Alaryah zugesto├čen war und er bemerkte durchaus, dass es sie noch sehr mitnahm. Tief in seinem Innern f├╝hlte Jaro, dass er irgendetwas tun sollte, doch er traute sich nicht und wusste auch nicht so recht was. Auch Kirona schien Alaryahs Stimmung zu bemerken, doch sie hatte wohl f├╝r sich beschlossen, die Waldalbin am besten ein wenig in Ruhe zu lassen und sprach stattdessen viel mit Jaro ├╝ber den Wald und besondere Pflanzen und Tiere auf ihrem Weg. Zudem interessierte sie sich sehr f├╝r Thormin. "Du bist sicher, dass die T├Ątowierungen meinen glichen?", fragte sie einmal leise und Jaro nickte zur Antwort. "Ja, sie waren auch so geschwungen und so dicht wie bei dir. Ob sie genau gleich waren, kann ich aber nicht sagen." Kirona sch├╝ttelte den Kopf. "Nein. Niemals gleicht eine der anderen." Sie wollte auch wissen, wie der Mann ausgesehen hatte, doch nichts, was Jaro ihr schilderte, gab ihr genug Anhaltspunkte. "Der Einfluss muss stark in ihm gewesen sein und ihm zu schaffen gemacht haben", sagte Kirona dann nach einer kurzen Sprechpause. "Sonst w├Ąre er nicht so schnell aus der Haut gefahren. Du hast Gl├╝ck, dass der Soldat bei dir war, Jaro. Nichts au├čer der Tod h├Ątte den Mann noch geb├Ąndigt." Jaro schluckte und blickte zu Alaryah. Er hatte wieder so viel Gl├╝ck gehabt, dass die Situation sich im Nachhinein gar nicht mehr so gef├Ąhrlich anf├╝hlte und er sicher war, Alaryah hatte viel Schlimmeres durchgemacht.
Endlich ert├Ânte ihre Stimme einmal wieder, auch wenn ihre Worte nur organisatorischer Natur waren. Jaro l├Ąchelte sie aufmunternd an und Kirona teilte ihre Zustimmung ebenfalls freudig mit. In der Tat war der Ort wieder wundervoll. Die tief h├Ąngenden ├äste der Weide wirkten wie eine Umarmung und automatisch f├╝hlte Jaro sich gesch├╝tzt. Sie nahmen etwas der Verpflegungspakete und a├čen eine Weile schweigend. Hie und da sp├Ąhte Jaro zu Alaryah, die mit ihren Gedanken weit entfernt war und schlie├člich fasste er sich ein Herz und ging zu ihr hin├╝ber. Erst blieb er etwas betr├Âppelt neben ihr stehen, dann setzte er sich endlich und legte einen Arm um die ├╝berraschend schlanken Schultern der Albin, wie seine Mutter es immer bei ihm getan hatte, um ihn zu tr├Âsten. "Alaryah", setzte er an. "Es tut mir leid, was du durchmachen musstest. Wenn ich, - wir - irgendentwas tun k├Ânnen, um zu helfen..." Hilfesuchend blickte er zu Kirona, die in ihren Bem├╝hungen Tee zu kochen innegehalten hatte und hin├╝ber sah. "Ja, unbedingt Alaryah... du hast so viel f├╝r uns getan, da m├Âchte auch ich gerne etwas zur├╝ck geben, wenn ich kann..." Jaro sp├╝rte, wie Alaryah tief einatmete und seufzte.

Alaryah Schattenwind
Alaryah wurde durch Jaros Ber├╝hrung aus ihren Gedanken gerissen. Erst wollte sie seinen Arm abstreifen, entschied sich dann letztendlich doch dagegen. Stattdessen lie├č die kleine Albin dumpf ihren Kopf auf Jaros Schulter fallen. Sie schloss die Augen, bleib einen Moment lang einfach nur so sitzen. Schlie├člich atmete sie tief durch. "Wie schon gesagt.", begann sie leise, fast schon fl├╝sternd. "Die ganze Sache mit diesem...Verh├Âr...", nur schwer schienen ihr diese Worte ├╝ber die Lippen zu kommen. "Das hat mich einfach mitgenommen. Da war einfach jemand in meinem Kopf, glaubt mir, das ist wirklich kein sch├Ânes Gef├╝hl.". Kurz drifteten Alaryahs Gedanken wieder zur├╝ck zu dem Moment, diesem einen Moment, der ihr so ├╝beraus fremd gewesen war. "Ich habe so etwas noch nie erlebt und m├Âchte es auch nie wieder erleben.". Sie schlug die Augen wieder auf. "Verzeiht, ich wollte euch keine Sorgen bereiten oder dergleichen.". Ihre Worte machten den Anschein, als wolle Alaryah am liebsten aufstehen und verschwinden, doch blieb sie einfach dort, wo sie gerade war. "Ich glaube fast, dass ihr nicht wirklich etwas tun k├Ânnt.", sprach Alaryah weiter und eine Prise der Verbitterung klebte an diesen Worten. Alaryah wusste, dass Jaro und Kirona wirklich gerne helfen wollten, doch was h├Ątten sie tun k├Ânnen? Dieser Moment, diese Wehrlosigkeit, dieses schutzlos ausgeliefert sein...es war einfach ein Gef├╝hl, welches die Albin noch nie zuvor gehabt hatte. Sie versuchte es Jaro und Kirona zu erkl├Ąren, doch auch wenn sie durchaus Verst├Ąndnis zeigten konnten sie einfach nicht das f├╝hlen, was Alaryah gef├╝hlt hatte. Irgendwann entschied sich Alaryah, dass es so einfach nicht weitergehen konnte. Sie lachte viel zu gern, alsdass sie sich von den Schatten der letzten Tage beeinflussen lassen wollte, zu gro├č war ihre Lebensfreude, die nach und nach zur├╝ckkehrte. Au├čerdem hatten sie eine Mission zu erf├╝llen! Woran mochte all diese pl├Âtzliche positive Energie liegen? War es die Gesellschaft von Jaro, der sich einfach um sie k├╝mmern wollte? War es Kirona, zu der sich Alaryah irgendwie verbunden f├╝hlte? Sie konnte es einfach nicht definieren. Langsam wurden die Gesichtsz├╝ge der Albin wieder weicher, entspannter. "Das schlimmste ist glaube ich erst mal ├╝berstanden. Gebt mir einfach noch ein paar Momente, das wird schon wieder.", sagte sie schlie├člich etwas optimistischer. Im schein des Feuers wirkte die gesamte Szenerie bald fast wie gemalt. "Kirona, sag, hast du noch einen Becher ├╝brig?", unterbrach Alaryah die sich herabsenkende Stille und hielt der Frau ihren Tonkrug hin. Der Tee, so sch├Ątzte Alaryah, m├╝sste bald fertig sein und irgendwie glaubte sie, dass so ein Becher bestimmt gut tun w├╝rde.
Alaryah machte sich bald noch einmal auf um das umliegende Gel├Ąnde abzugehen. Kirona und Jaro hatten ihr zwar angeboten diese Aufgabe zu ├╝bernehmen, sodass sie sich ausruhen k├Ânnte, doch mochten die Augen der Albin und eine gewisse Ortskenntnis den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen. Alaryah kehrte bald von ihrem gl├╝cklicherweise ereignislosen Wachgang zur├╝ck und hockte sich wieder ans Feuer. Jaro war zwar gerade im Gespr├Ąch mit Kirona, doch hielt dies Alaryah nicht davon ab seinen Arm zu greifen und ihn wieder um sich zu legen. Bald schon flackerten die Augen der Albin vor M├╝digkeit und sie war einfach froh nach all diesen Erlebnissen nicht allein zu sein. G├Ąhnend rollte sie sich wie eine Katze ein und verfiel in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Jaro Balliv├▓r
Die Worte fielen Alaryah nicht leicht oder viel mehr, das Erlebte in Worte zu fassen. Und wie Jaro schon bef├╝rchtet hatte, gab es nichts, dass sie tun konnten, um ihr zu helfen. Zumindest nichts Sichtbares. "Vielleicht hilft ihr einfach unsere N├Ąhe", hoffte Jaro im Stillen. Er dachte an die Worte Filmirs und blieb einfach sitzen und lie├č die Waldalbin sprechen. Irgendwann meldete sich aber Kirona zu Wort. "Es ist leider so. Den Kampf gegen das Gef├╝hl des Eindringens muss man selber f├╝hren und gewinnen. Da k├Ânnen wir nicht viel machen." Beinahe h├Ątte Jaro vergessen, dass Kirona selbst lange unter fremder Kontrolle gestanden hatte. "Aber es ist wichtig, dass du wei├čt, dass wir da sind." Sie l├Ąchelte sanft. Alaryah schien auch selbst ein bisschen ruhiger zu werden. Jaro kannte niemanden, der so taff war. Er musste einfach hoffen, dass sie mit den schrecklichen Bildern zurecht kam. Ihre kleinen Routinen w├╝rden ihr dabei mit Sicherheit helfen, deshalb willigten Jaro und Kirona schnell ein, als Alaryah wie ├╝blich die Nachtpatrouille antreten wollte. Unterdessen sprach er mit Kirona ├╝ber das Bogenschie├čen. Er hatte den kleinen Anh├Ąnger gez├╝ckt und lie├č ihn zwischen den Fingern rotieren, w├Ąhrend er die Frau nach verschiedenen B├Âgen fragte und wie lange sie gebraucht hatte, das Schie├čen zu lernen. Noch immer konnte Kirona nicht alle seine Fragen beantworten, doch Jaro hatte das Gef├╝hl, dass ihr immer mehr Erinnerungen zustr├Âmten. Alaryah hatte seinen Arm ergriffen und er l├Ąchelte zu ihr hinab. Es war sch├Ân, das Gef├╝hl zu haben, eine Hilfe zu sein und als Alaryah bald einschlief, schloss er, dass sie ihre Gedanken zumindest ein wenig beruhigen hatte k├Ânnen. Noch eine Weile unterhielt er sich leise mit Kirona, dann kroch auch ihm die M├╝digkeit eines langen Tages in die Glieder. Mehrfach fielen ihm die Augen zu, bis Kirona lachend vorschlug, sie sollten wohl auch ein wenig schlafen.
0 x
~ Die gr├Â├čte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 29
Erhaltene Likes: 3
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Waldalben

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#33

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Fr 23. Feb 2018, 15:55

Am n├Ąchsten Morgen passierte Alaryah etwas, was ihr seit einer gef├╝hlten Ewigkeit nicht mehr passiert war. Sie hatte verschlafen! Als die Albin die Augen ├Âffnete, sich von ihrer Schlafst├Ątte aufrichtete und herzhaft g├Ąhnte stellte sie fest, dass Jaro und Kirona bereits auf den Beinen waren. Noch w├Ąhrend sie sich streckte hielt sie erstaunt inne und warf einen Blick gen Himmel. "Ja.", best├Ątigte Kirona, die gerade dabei war ihr Gep├Ąck zu schultern, "Wir haben dich schlafen lassen.". "Du hast geschlafen wie ein Stein.", best├Ątigte Jaro von weiter hinten. Alaryah war die ganze Sache etwas unangenehm und schon fast unbeholfen krabbelte sie unter ihrer Decke hervor. Jaro und Kirona hatten bereits s├Ąmtliches Gep├Ąck abreisefertig gemacht und alles schien nur auf die Albin zu warten. "Das...also...ich wollte nicht...", stammelte Alaryah etwas verlegen, doch wurde sie von Kirona unterbrochen. "Alles in Ordnung. Dir scheint der Schlaf gut getan zu haben. Du siehst direkt frischer aus!". Alaryah nickte nur stumm und bekam schlie├člich einen Kanten Brot in die Hand gedr├╝ckt. Kurze Zeit sp├Ąter konnte die Reise dann weitergehen.
"Wir sollten unser erstes Ziel bald erreichen.", meinte Alaryah schlie├člich und schwirrte wie eine Biene um Jaro und Kirona herum. Sie verschwand erst hier im Unterholz, tauchte dann dort aus einem Geb├╝sch wieder auf. Im Wald wirkte sie fast wie ein Fisch im Wasser. Alaryahs neu gewonnene Lebensfreude hatte etwas erfreuliches und schon bald machte sich gute Laune unter den Reisenden breit.
Allerdings sollte diese gute Laune nicht lange anhalten. W├Ąhrend Jaro und Kirona munter plauderten blieb Alaryah pl├Âtzlich abrupt stehen. Da lag ein sonderbarer Geruch in der Luft. Was mochte es nur sein? Alaryah versuchte sich zu konzentrieren, doch wollte es ihr aufgrund von Jaros und Kironas Gespr├Ąch nicht so ganz gelingen. "Alaryah, was ist los? Alles in Ordnung?", fragte Kirona als sie Alaryahs so dastehen sah zwischen zwei S├Ątzen. "Riecht ihr das nicht?", fragte die Albin leise ├╝ber die Schulter zum Rest ihrer Reisegruppe. Die beiden sch├╝ttelten erst den Kopf, doch dann machte Kirona einen Schritt vor Alaryah. "Doch...warte...irgendwie riecht es...verbrannt?". Fragend schaute sie zu den Alben, auch Jaro schien nun etwas bemerkt zu haben. "Das ist kein kleines Lagerfeuer, da bin ich mir sicher. Gro├če Feuer im Wald sind nie gut! Wir m├╝ssen nachsehen, schnell!". Alaryah ging voran, beschleunigte schlie├člich nach und nach ihre Schritte, immer weiter in die Richtung, in der sie das Feuer vermutete. <Bitte lass es kein Waldbrand sein.>, dachte sie nur.

Alaryah dr├╝ckte einen gro├čen Zweig beiseite und kam als erstes am Ort des Geschehens an. Was sich ihr zeigte lies die Albin erstarren. Mitten auf dem Weg lag ein umgest├╝rzter Karren auf der Seite, Glut leuchtete schwach an einigen Stellen und feine Rauchf├Ąden stiegen zum Himmel hinauf. Der Fahrer des Karrens war ├Ąhnlich zugerichtet, das Feuer hatte einen Teil von ihm verschlungen. "Was...". Als Alaryah nach links schaute musste sie sich erst einmal an einem nahestehenden Baum abst├╝tzen. Ihre Knie wurden weich, sie kniete ab. Dort lagen ungef├Ąhr zwanzig Leichen von Albensoldaten. Sie schienen in einen Kampf verwickelt gewesen zu sein, doch lag kein einziger Feind zwischen den Toten. Alaryahs Blick wanderte umher. Sie sah den Offizier, mit einem Speer an einen umgest├╝rzten Baumstamm geheftet. Sie sah Leichen mit aufgebrochenen R├╝stungen und zerfetztem Fleisch, dort dr├╝ben lag ein einzelner Kopf, der Helm wenige Meter entfernt. Was f├╝r eine Macht hatte die Soldaten so zugerichtet? Zerschmetterte K├Ârper, geborstene Schilde und gesprungene Klingen. Blut, welches den Boden dunkelrot verf├Ąrbt hatte. Diese t├Âdlichen Verletzungen und all der Schaden konnten einfach nicht alle von normalen Waffen stammen...
"Alaryah, hast du schon etwas gef...". Kirona beendete ihren Satz schlagartig, als sie auch aus dem Unterholz hervortrat. Alaryah vernahm Kironas Stimme dumpf in ihrem Kopf, Jaro war scheinbar ebenfalls angekommen, doch seine Worte drangen nicht zu ihr durch. Aus der Ferne starrte die kleine Albin nur in die toten, leeren Augen des Offiziers, tastete dabei nach hinten, wo sie ihre Gef├Ąhrten vermutete.
0 x

Benutzeravatar
Jaro Balliv├▓r
Volkslegende
Beitr├Ąge: 126
Gegebene Likes: 16
Erhaltene Likes: 7
Auszeichnungen: 4
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: Bild

Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei├čige Feder in Bronze Schl├╝sselloch

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#34

Beitragvon Jaro Balliv├▓r » Mo 26. Feb 2018, 22:32

Jaro Balliv├▓r
"Was bei Oril..." Mehr brachte Jaro nicht heraus. Er erstarrte regelrecht. Irgendwie hatte er sich mittlerweile schon daran gew├Âhnt, dass unbeschwerte und freudige Momente recht fl├╝chtig waren und hinter jeder Wegbiegung die n├Ąchste unsch├Âne ├ťberraschung lauerte, doch was er hier sah, lie├č ihm das Blut in den Adern gefrieren. Etwas Vergleichbares hatte er noch nicht gesehen. Es war schlicht grausam. Schockierend. Brutal. Der Anblick raubte Jaro den Atem. Er wollte wegsehen, doch er konnte nicht. Eine unsichtbare Macht zwang seinen Blick auf das entsetzliche Bild, das sich schon jetzt, nach nur wenigen Sekunden, auf ewig in sein Ged├Ąchtnis gebrannt hatte. Der bissige Rauch war beinahe eine Wohltat, denn zumindest ├╝berdeckte er den Geruch des Todes, etwas, dass Jaros Magen vermutlich nicht verkraftet h├Ątte. Mechanisch nahm er Alaryahs Hand, die unstet nach hinten tastete, als brauche sie Best├Ątigung, dass sie wach war und nicht in einem grausamen Albtraum gefangen.
Eine gef├╝hlte Ewigkeit standen sie so da, dann war es Kirona, die die Sprache wieder fand. "Wir... wir sollten nachsehen, ob noch jemand lebt." Jaro schluckte bitter. Das konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen. "Und nach Indizien... f├╝r die Angreifer. Wer wei├č, ob sie nicht noch in der N├Ąhe sind. Wir m├╝ssen wissen, womit wir es zu tun haben." Ihre Blicke trafen sich und Jaro staunte ├╝ber ihre Gefasstheit. Alaryah stand weiter da wie vom Donner ger├╝hrt, doch wer konnte es ihr verdenken. F├╝r sie musste es noch tausendfach schlimmer sein, denn vielleicht hatte sie sogar den ein oder anderen gekannt. "Also gut", willigte Jaro ein und ging los, obwohl alles in ihm dem Gedanken widerstrebte. Jedes Ger├Ąusch, dass seine eigenen F├╝├če verursachten lie├č ihn zusammenfahren, kalter Schwei├č lief ihm den R├╝cken hinab und s├Ąmtliche Fl├╝ssigkeit war aus seinem Mund und Rachen gewichen, sodass er kaum schlucken k├Ânnte. Kirona suchte den Boden ab und kniete neben dem ersten Gefallenen nieder. Unschl├╝ssig nach was er Ausschau halten sollte, hielt Jaro auf den Karren zu. Er wusste nicht, welche Waffe oder welches Tier welche Wunde hinterlassen konnte, doch vielleicht konnte er herausfinden, was die Truppe transportiert hatte.

Alaryah Schattenwind
Langsam schritt Alaryah zwischen den gefallenen Soldaten umher. Immer wieder landete ihr Blick jedoch bei dem Offizier. Irgendwas hatte dort eine gewisse Anziehungskraft auf die kleine Albin, doch konnte sie sich selbst nicht wirklich beantworten was genau es war. Bei jedem Leichnam, den sie umdrehte hoffte sie, dass sie kein bekanntes Gesicht sehen w├╝rde. Teilweise konnte Alaryah jedoch nicht einmal das sicher f├╝r sich best├Ątigen. Zu entstellt waren die Leichen einfach zur├╝ckgelassen worden. Irgendwann gab sie es auf und erhob sich. Wie angetrunken trat sie auf der Stelle umher, hielt gerade so das Gleichgewicht. Sie sah Kirona, wie diese nach Hinweisen suchte, dann Jaro, wie er den Karren inspizierte. Was mochte Jaro wohl gerade denken? Alaryah war sich sicher, dass ihn dieses Erlebnis nicht unber├╝hrt lassen w├╝rde. Doch war gerade einfach nicht der richtige Zeitpunkt f├╝r solche Gedanken. Leicht stolpernd ging Alaryah zu dem toten Offizier her├╝ber und kam kurz vor dem toten Alben zum stehen. Ihr Blick wurde verschwommen, als langsam aber sicher Tr├Ąnen in ihre Augen schossen. Alaryah kniete sich hin, sah erneut in die leeren Augen des Alben. Die Zeit schien still zu stehen. "Wer hat euch das angetan?", fl├╝sterte Alaryah und biss sich auf die Unterlippe. An dem Abzeichen auf der Schulter des Alben konnte sie erkennen, dass es nicht einfach rekrutierte B├╝rger waren. Hier hatten erfahrene Soldaten ihr Leben lassen m├╝ssen. Alaryah biss die Z├Ąhne zusammen und erhob sich. "Grraaaaahhh!", schrie sie, packte den Schaft des Speeres und riss diesen mit aller Kraft aus der Brust des Offiziers. Der Leichnam kippte zur Seite weg als Alaryah den Speer zu Boden fallen lie├č. Ein kurzes Gebet murmelnd schloss Alaryah die Augen des Offiziers, wischte sich dann die Tr├Ąnen weg w├Ąhrend ihr Blick die anderen Leichen traf. Erst als Alaryah ihren Blick abwandte fiel ihr auf, dass der Speer, der den Alben an den Baum geheftet hatte, ein Albenspeer war. Pl├Âtzlich ├╝berkamen die Albin die verr├╝cktesten Gedanken. Sie ├╝berlegte, ob die Alben sich pl├Âtzlich gegenseitig bek├Ąmpft haben k├Ânnten? Nein, das war v├Âllig absurd. Aber warum lagen keine Feinde dort auf dem Boden? Waren die Soldaten schon tot und hatte man die Leichen im Nachhinein so zugerichtet? Nein, daf├╝r waren die Wunden zu eindeutig. Alaryah wusste nicht weiter, lie├č ratlos die Schultern h├Ąngen. "Kirona...", sagte sie leise und suchte die junge Frau. Sie stand dort dr├╝ben, direkt neben einem toten Bogensch├╝tzen, welcher zusammengekr├╝mmt in einer Mischung aus seinem eigenen Blut, Ged├Ąrmen und R├╝stungsteilen lag. "Kirona.". Sie reagierte nicht. Alaryah ging auf die Frau zu, fasste ihr sanft an die Schulter. Kirona wirbelte herum, schlug Alaryahs Arm zur Seite. "Kirona!? Was hast...". Erschrocken trat Alaryah mehrere Schritte zur├╝ck, stolperte dabei fast ├╝ber die Leiche eines Schwertk├Ąmpfers. "Jaro....JARO!!!", schrie die Albin, w├Ąhrend sie in Kironas leere, wei├če Augen blickte.

Jaro Balliv├▓r
Hier gab es nichts. Das wusste Jaro schon seit einigen Augenblicken, doch er scheute sich davor, die Toten zu untersuchen, wie Alaryah und Kirona es taten. Deshalb pr├╝fte er nun zum dritten Mal die ├ťberreste des Karrens, versuchte zu erraten, was sein Inhalt wohl vor dem Feuer einmal gewesen sein war. Verpflegung? Stoffe? Es war unerheblich. Er seufzte schwer und wandte sich von dem kokelnden Holzgef├Ąhrt ab, um woanders weiter zu machen und zuckte zusammen. Alaryah schrie seinen Namen und es klang h├Âchst alarmiert. Jaro fuhr herum. Waren die Angreifer zur├╝ck? War Alaryah etwas zugesto├čen? Hatte sie einen Fund gemacht? Fragend sah er zu ihr hin├╝ber. Sie stand schr├Ąg hinter Kirona und rief nach ihm, w├Ąhrend ihre Augen auf die Frau gerichtet waren, panisch geweitet. "Ist alles in Ordnung?", rief er und ging vorsichtig zwischen ein paar Toten hindurch auf seine Freundinnen zu. "Alaryah so sag doch", er brach ab, als Kironas Profil in sein Blickfeld kam. "Nein!", stie├č er hervor. "Wie ist das? Was ist?", mehr als Gestammel wollten seine Lippen nicht preisgeben und auch Alaryah war der erneute Schock tief in die Glieder gefahren. Vorsichtig streckte Jaro eine Hand nach Kirona aus. "K-Kirona?", fragte er sch├╝chtern. Er ber├╝hrte sie und fuhr zusammen. Exakt in dem Moment, in dem seine Finger in Kontakt mit dem Stoff ihres Hemds kamen, schnellte der Kopf der Frau herum und ihre leeren Augen fixierte ihn. "Es ist alles gut", sagte er, mehr zu sich als zu ihr und ging einen weitere halben Schritt auf sie zu, legte vorsichtig die ganze Handfl├Ąche auf ihre Schulter. Was dann passierte konnte Jaro im Nachgang nicht mehr sagen. Alles, was er wusste war, dass er r├╝ttlings in das klebrige Gras geschleudert wurde.

Alaryah Schattenwind
Alaryah war sich sicher, dass Jaro eben noch bei ihnen gestanden hatte. Er hatte Kirona ber├╝hrt, dann ging alles selbst f├╝r die Albin zu schnell. Kirona hatte ihn von sich fortgesto├čen. Dumpf prallte Jaro etwas weiter hinten auf dem Boden auf. "Kirona!", rief Alaryah und hob die Arme. "Kirona! Was ist los?!". Es schien, als keime pl├Âtzlich Panik in der Albin auf. Kirona hingegen reagierte nicht auf die Rufe, beachtete auch Jaro nicht mehr. Sie drehte sich von den beiden weg und es schien, als wolle sie sich von dem Ort der vielen Toten entfernen. Ihren Stab fest in der Hand marschierte Kirona los, keine Miene verziehend. "Kirona, warte doch!". Alaryahs Blick flog zwischen dem am Boden liegenden Jaro und der loslaufenden Kirona hilflos hin und her. "Nein! Das darf nicht...". Was sollte sie tun? "Jaro, was sollen wir tun?!". Ohne auf eine Antwort zu warten ging Alaryah Kirona hinterher."Nein, so warte doch!", brachte Alaryah schon fast verzweifelt hervor und packte Kironas Oberarm. Mit rasendschneller Bewegung packte Kirona Alaryah mit ├╝beraus festem Griff und schleuderte sie an sich vorbei in die gegen├╝berliegende Richtung. Ein erschrockenes Fiepen entfuhr der Albin, als sie pl├Âtzlich den Boden unter ihren F├╝├čen verlor und unsanft etwas weiter entfernt auf dem Weg aufschlug. Sie kullerte noch ein paar Schritte, kam dann in der N├Ąhe einer weiteren Leiche zu liegen. S├Ąmtliche Luft entwich Alaryahs Lungen und es dauerte ein paar Augenblicke, bis sie sich wieder aufrichten konnte. "Jaro, wir m├╝ssen doch irgendwas tun?!", presste sie dumpf hervor, w├Ąhrend sie wieder zu Atem kam. Sinnlos. Auch Jaro schien keinen guten Einfall zu haben. Beide redeten auf Kirona ein, die einfach weiter in eine Richtung stapfte. Keiner der beiden wagte es nun noch in die N├Ąhe der jungen Frau zu kommen. "Woher hat sie pl├Âtzlich diese Kraft?", fragte Alaryah verloren. "Jaro, sollen wir ihr folgen? Was, wenn sie uns pl├Âtzlich umbringen will? Verdammt, wir m├╝ssen doch irgendwas tun k├Ânnen?!". Alaryahs Gedanken ├╝berschlugen sich. Sie dachte an die Verfolger, die es einst auf sie abgesehen hatten und an die damit verbundenen K├Ąmpfe. Eine Sache schien jedoch anders zu sein. Kironas T├Ątowierungen leuchteten nicht, wie sie es damals taten. Doch was mochte das schon hei├čen?

Jaro Balliv├▓r
Zun├Ąchst war Jaro perplex, brauchte gar einen Moment, bis er sich orientiert hatte, dann traf ihn das blanke Entsetzen. Er hatte zur Seite getastet und pl├Âtzlich hatte das Gras aufgeh├Ârt und... sein Atem ging schnell, beinahe hyperventilierte er, er wollte schreien, doch kein Ton kam aus seiner Kehle. Er hatte direkt in die aufgerissene Brust eines Kriegers gegriffen... Ungeschickt und ewig langsam rappelte er sich hoch und stolperte rittlings von dem Mann weg, stie├č dabei aber gegen die n├Ąchste Leiche und w├Ąre fast wieder gefallen, tat einen gro├čen Ausfallschritt zur Seite auf etwas Festes und sprang sogleich wieder hoch, als er sah, dass es ein Arm war. Es sch├╝ttelte ihn, er hatte das Gef├╝hl ├╝berall voller Blut zu sein und nirgends mehr hintreten zu k├Ânnen, ihm schwindelte. Erst Alaryahs Worte rissen ihn aus seiner Panik und als er endlich den Blick von den Alben am Boden l├Âsen konnte, sah er die kleine Frau gerade noch in hohem Bogen durch die Luft fliegen, w├Ąhrend Kirona einfach los marschierte. Jaro eilte in ihre Richtung und Alaryah stie├č zu ihm, doch was sie auch taten, es half nichts. Kirona ging immer weiter. "Ich f├╝rchte uns bleibt nichts, als ihr zu folgen", sagte Jaro au├čer Atem. "Wir m├╝ssen. Sie braucht uns." Vorsichtig gingen sie der Frau hinterher und nach ein paar Augenblicken vernahm Jaro seltsames Gemurmel. Auch Alaryah h├Ârte es und sie wagten sich n├Ąher heran, um die Worte verstehen zu k├Ânnen. "Erde. Wasser. Holz. Feuer. Asche. Erde. Wasser. Holz. Feuer. Asche..." In monotonem Singsang wiederholte Kirona die Worte immer und immer wieder. Sie ging festen Schrittes und schnell. Zweige peitschten ihr Gesicht und Gestr├╝pp zerriss ihr die Hose, doch all das schien sie ├╝berhaupt nicht zu interessieren. "Kirona", fl├╝sterte Jaro, so dass nur Alaryah es h├Âren konnte und dr├╝ckte ihre geteilte Sorge um die Frau damit aus.
Dann blieb Kirona so urpl├Âtzlich stehen, dass sie beinahe in sie hinein gerannt w├Ąren. Die Frau war verstummt und schnupperte nun wie ein Tier, das eine Witterung aufgenommen hatte. Jaro konnte nichts erkennen. Sie waren umringt von Gr├╝n. Die B├Ąume waren hier dicht bewachsen, es gab allerlei Kletter- und Schlingpflanzen. Dumpf klopfte Kironas Stock auf den Boden. Dodock, Dodock, Dododock. Dann noch einmal. Sie ging zwei Schritte nach vorne, drehte im rechten Winkel ab, ging drei Schritte und wiederholte das Klopfen. Jaro sah zu Alaryah, doch die Albin sah so verwirrt drein, wie er sich f├╝hlte. Nach zwei weiteren Richtung kam Kirona schlie├člich zum Stehen, ungef├Ąhr in der Mitte ihrer Schrittfolge, und kniete ab. Sie strich mit einer Hand ├╝ber den Boden, fegte ein paar Bl├Ątter zur Seite und hob schlie├člich eine kr├Ąftige Liane an. Auf allen vieren folgte sie der Pflanze, bis sie an eine besonders dichte Baumreihe kam. Langsam erhob sie sich, lie├č den Stab fallen und begann mit beiden H├Ąnden die gr├╝nen Pflanzen hinunter zu rei├čen. Jaro und Alaryah japsten nach Luft. Dies war mitnichten eine Baumreihe. Hinter dem dichten Bewuchs kam eine steinerne Wand zum Vorschein ├╝ber und ├╝ber verziert mit sonderbaren Zeichen.

Alaryah Schattenwind
Alaryahs Herz schien wie dumpfer Trommelschlag in ihrem Kopf zu poltern. W├Ąhrend Kirona die steinernde Wand freilegte fiel der Albin erst auf, mit welch einer Kraft sie die Griffe ihrer Langdolche gepackt hatte. Die Fingerkn├Âchel der Albin f├Ąrbten sich bereits wei├č, langsam und sich dabei selbst ├╝berwindend lie├č sie ihre Waffen los. Kirona hatte bald die gesamte Wand freigelegt und fuhr nun mit den H├Ąnden die Schriftzeichen entlang. Alaryah konnte nicht sagen, was dort geschrieben stand und begegnete Jaros fragendem Blick nur mit einem hilflosen Kopfsch├╝tteln. Kirona murmelte weiterhin Worte vor sich hin, irgendwann hielt sie pl├Âtzlich inne. "Erde.". Sie wischte ├╝ber ein Schriftzeichen. "Wasser.". Dann stie├č sie einen stillen Schrei aus. Schon fast unnat├╝rlich riss die Frau den Kopf nach hinten, den Mund weit aufgerissen. Jaro und Alaryah schreckten zusammen, machten sogar einen Satz zur├╝ck. Die Frau wankte hin und her, ber├╝hrte mehrere Schriftzeichen und dann begann ein tiefes Rumoren. Die Erde bebte sanft und die massive Steinplatte vor Kirona senkte sich hinab, offenbarte einen tiefen, dunklen Schacht. Ohne auch nur auf eine Reaktion ihrer Gef├Ąhrten zu warten griff Kirona ihren Stab und wurde nur wenige Augenblicke sp├Ąter von der Dunkelheit verschluckt. "Wir...wir m├╝ssen hinterher.", stellte Alaryah trocken fest. S├Ąmtliche Emotionen waren aus ihrem Gesicht verschwunden, doch musste sie schlucken bevor sie den ersten Schritt in Richtung Schacht machte. "Bleib bei mir.", hauchte sie Jaro zu und versuchte dabei so selbstsicher wie nur eben m├Âglich zu wirken. "Wir d├╝rfen uns nicht verlieren, Jaro.".

Das leise Klacken des Stabes zeigte Kironas Weg auf. Erst schien sie den Stab wie eine Art Blindenstock zu nutzen, doch viel mehr tastete sie nach etwas. "Holz. Feuer", brummte die Frau pl├Âtzlich in der tiefen Dunkelheit und Alaryah fuhr zusammen, als Jaro ihren Oberarm griff. Dann rief Kirona ein Wort, welches Alaryah nicht verstand und schlagartig schoss ein Lichtblitz durch den engen Schacht, in dem die Gef├Ąhrten gerade mal aufrecht stehen konnten. Nach und nach entfachten sich Fackeln in gusseisernen Fackelhaltern, welche in den massiven Stein eingearbeitet waren. Es waren keine normalen Fackeln, so viel war klar. K├╝hles, blaues Licht flackerte nun umher und lie├č die Schatten der Reisenden gespenstisch umhertanzen. Es schien, als w├╝rden sie immer wieder nach den Lebenden greifen. Alaryah sah sich noch einmal um, doch konnte sie den Eingang und das Licht des Tages schon nicht mehr hinter sich sehen. Es wurde k├╝hler. Kirona ging weiterhin festen Schrittes voran, als w├╝rde sie den Weg genau kennen. Dabei murmelte sie erneut "Erde. Wasser. Holz. Feuer. Asche.". Sie passierten mehrere Abzweigungen und R├Ąume. Hier und da standen Schwerter und Speere, umh├╝llt von dicken Spinnenweben, jedoch fein aufgereiht in massiven Waffenst├Ąndern. Einige W├Ąnde waren vor langer Zeit mit Bannern geschm├╝ckt, jedoch war davon nichts weiter als traurige Fetzen ├╝brig. Ein moderiger Geruch stieg Jaro und Alaryah in die Nase und irgendwie hatte Alaryah das Gef├╝hl hinter jeder Ecke und Biegung auf einen Feind zu sto├čen. So leise sie konnte zog sie einen ihrer Langdolche. Hatte Kirona gerade den Kopf wenige Zentimeter in die Richtung der Albin gedreht? Alaryah schob den Gedanken beiseite. Schlie├člich betraten sie einen gro├čen Raum. Der Boden war mit gro├čen Steinplatten gefliest, Holzreste lagen herum. "Dies sieht aus wie ein...", Alaryah dachte laut nach. "Hier haben Soldaten trainiert. Wir m├╝ssen in einer Art...Kaserne oder Befestigung sein?". Sie h├Ątte sich gern noch etwas umgesehen um ihre Vermutungen zu best├Ątigen, doch zog Jaro die Albin weiter. Kirona hatte ihren Weg fortgesetzt.

Jaro Balliv├▓r
Es war wie ein Geisterschloss. Das einzige, was fehlte, war das Rasseln von Ketten, das Heulen verlorener Seelen und R├╝stungen, die sich bewegten, dachte Jaro bitter und versuchte so ein wenig seine Angst im Zaum zu halten. Er war sehr froh, dass Alaryah bei ihm war und er lie├č sie nicht einen Schritt weichen. Alaryahs Vermutung, dass dies eine Festung gewesen sein k├Ânnte, erschien Jaro von Minute zu Minute wahrscheinlicher. Nie h├Ątte er geglaubt, dass sich eine derart riesige Anlage unter dem Waldboden befinden konnte. Wie alt sie sein mochte? Ihm fielen wiederkehrende Strukturen an den W├Ąnden auf. Sie erinnerten ihn an... Fenster! Doch das konnte nicht sein, oder? Konnte eine massive Festung komplett vom Erdboden verschluckt werden? Jaro schluckte. Sie konnte. Wenn ihn die Reise etwas gelehrt hatte, dann, dass alles m├Âglich war. Kirona ging stur geradeaus, durch gro├če und kleine Gew├Âlbe, gerade und verwinkelte G├Ąnge und noch immer schien der Komplex kein Ende zu nehmen. Weitere G├Ąnge zweigten zu allen Seiten ab und aus manchen wehte kalter, feuchter Wind, der furchtbar nach Verwesung roch. Jaros Unbehagen wuchs. Immer h├Ąufiger drehte er sich um, aus Furcht sie w├╝rden verfolgt. In seinem Nacken kribbelte es und seine H├Ąnde waren schwitzig. Beinahe h├Ątte er geschrien, als ein Schwarm Flederm├Ąuse aus einer dunklen Nische stob und mehrfach versuchte er hektisch Spinnweben aus seinem Gesicht zu wischen. Dann h├Ârte er die Stimmen. Zuerst hielt er es f├╝r das Jaulen des Windes, der ab und an zwischen zwei G├Ąngen entstand, doch es war etwas anderes. Jaro pr├╝fte einige Minuten lang, ob er es sich nur einbildete, doch es gab keine Zweifel. "H├Ârst du das?", fl├╝sterte er Alaryah zu, doch die Albin sch├╝ttelte misstrauisch den Kopf. Ihr Geh├Âr war feiner als seines und das konnte nur eines bedeuten: die Stimmen waren in seinem Kopf. Ihr Jammern wurde lauter. Wer auch immer nach ihm rief, er hatte gro├če Qual. Erinnerungen blitzten vor Jaros Geist auf, die nicht seine eigenen waren. Er sah M├Ąnner und Frauen - Alben, doch sie waren anders. Sie waren vielf├Ąltig. Es gab gro├če und kleine, helle und dunnkle und auch solche, die beiderlei Merkmale trugen. Es waren fr├Âhliche Momente. Man tanzte, man lachte, man sang... Die Bilder verzerrten sich. W├╝tende Gesichter nahmen ihren Platz ein. Es gab Streit. Es gab Tote. In einer dunklen Festung wurden Pl├Ąne geschmiedet, es gab Experimente, es gab K├Ąmpfe... wieder verwischten die Bilder. Zur├╝ck blieben die Stimmen. Sie wimmerten lauter als zuvor und Jaro presste sich verzweifelt die H├Ąnde auf die Ohren.

Alaryah Schattenwind
Erst merkte die Albin nicht wirklich, dass Jaro nach und nach den Anschluss verlor. Irgendwann jedoch h├Ârte Alaryah hinter sich ein leises St├Âhnen. Im schwachen Licht der unnat├╝rlichen Fackeln sah sie Jaro, wie er auf dem Boden kniete, die H├Ąnde fest auf die Ohren gepresst. "Jaro...", fl├╝sterte sie, wagte es nicht laut zu sprechen. "Jarooo", zischte sie dann etwas lauter und sah wieder in Richtung Kirona, die die beiden nicht weiter beachtete. "Komm schon, steh auf, wir m├╝ssen weiter!", flehte sie schon fast und zog Jaro wieder auf die Beine. Es dauerte, bis der Alb wieder etwas Halt hatte. Er hielt sich weiterhin die Ohren zu, sch├╝ttelte den Kopf und hatte die Augen fest zusammengekniffen. "Verdammt noch mal, Jaro, was ist los?!". Alaryah hatte Kirona schon fast aus den Augen verloren, nur das Klacken ihres Stabes lies noch die Richtung erahnen, in die sie gegangen war. "Wir m├╝ssen weiter. Bitte.". So gut sie konnte zog Alaryah Jaro nun mit sich mit. Er schien gerade mit etwas zu k├Ąmpfen und Alaryah hoffte, dass nicht auch Jaro bald unter dem Einfluss von einer anderen Macht stand. Zumindest konnte der Alb sich fortbewegen, auch wenn es viel mehr eine Art Stolpern war. "Jaro bitte...bitte sprich mit mir.". Wieder und wieder redete Alaryah ihrem Gef├Ąhrten gut zu, f├╝hlte auch, ob seine Stirn hei├č wurde oder wie sehr sein Puls raste. Einen Moment lang dachte sie sogar dar├╝ber nach mit Jaro im Schlepptau einfach umzukehren. Nein. Das war keine Option.
Wenig sp├Ąter trieb Kirona die Gruppe tiefer in die Gem├Ąuer hinab. Sie mussten sich keine Gedanken um verschlossene T├╝ren machen denn das, was an T├╝ren ├╝brig war, hing entweder lose in den Angeln oder lag verstreut auf dem Boden herum. Schlie├člich wurden die Wege enger und die Fackeln weniger. Gro├če R├Ąume wichen kleinen Verschl├Ągen, hier und da warfen Gitterst├Ąbe bizarre Muster auf den kalten Steinboden. Da blieb Kirona pl├Âtzlich stehen.
Alaryah nutzte die Gunst der Stunde, setzte Jaro an eine nahegelegene S├Ąule. Er hatte sich mittlerweile beruhigt, schien jedoch mitgenommen und leicht angeschlagen. "Trink erst mal etwas.", schlug Alaryah vor und nahm ihre Feldflasche von ihrem G├╝rtel, hielt sie Jaro hin. Dabei beobachtete sie Kirona. Diese schien auf etwas zu warten...oder dachte sie nach? Hatten sie sich verlaufen? Kirona schaute langsam nach oben, legte dann den Kopf schief. Alaryah folgte dem Blick. Da pl├Âtzlich sprang etwas aus der Dunkelheit von der Decke herab auf sie zu. Alaryah riss ihren Langdolch hoch, lie├č sich instinktiv nach hinten fallen und rollte sich zur Seite ab. W├Ąhrend sie aufstand zog sie ihre zweite Waffe. "Was war das?!", fragte sie und warf ihren Kopf hin und her. Abwartend drehte die Albin die Klingen in ihren H├Ąnden, jederzeit mit einem Angriff rechnend. Etwas rumorte schr├Ąg hinter ihr, sie fuhr herum. Es war, als w├╝rde gerade ein Schatten hinter einer weiteren S├Ąule verschwinden. "Zeigt Euch!", rief Alaryah und versuchte ihren Blick in der D├╝sternis zu fixieren. Ein leises Zischen ert├Ânte nun von der anderen Seite des Raumes. Alaryah drehte sich auf dem Absatz herum und teilte die Luft vor sich mit ihren Klingen. Nichts. Und doch...hatte sie da gerade ein Gesicht hinter einer Zellenwand verschwinden sehen? "Versteckt Euch nicht! Kommt heraus!". Ein kurzer Blick ├╝ber die Schulter best├Ątigte Alaryah, dass Kirona weiterhin da stand. Diese schaute nun jedoch nicht mehr nach oben, sondern ebenfalls ├╝ber die Schulter hinweg an Alaryah vorbei. Als die Albin wieder nach vorn schaute schrie sie auf und schlug schon fast panisch um sich. Nur wenige Zentimeter vo ihr war das Gesicht einer Albenfrau aufgetaucht, die Haare zerzaust und mit tiefschwarzen R├Ąndern unter den Augen. Sogleich war es auch wieder verschwunden. Alaryah versuchte sich zu beruhigen. Als sie eine Ber├╝hrung sp├╝hrte raste ihre Klinge herum und blieb kurz vor Jaros Hals stehen. Die n├Ąchsten Sekunden vergingen qu├Ąlend langsam. Dann zitterte Alaryahs Waffenhand, die Jaro bedrohte und schlie├člich li├č die Albin den Arm sinken. <Wir sind nicht allein.>. Alaryah wagte es nicht, diesen Gedanken auszusprechen. Sie steckte eine Waffe weg und griff Jaros Hand, dr├╝ckte sie fest und nickte nur. Eigentlich hatte Alaryah etwas sagen wollen, was Mut machen sollte, doch wollten ihr keine Worte ├╝ber die Lippen kommen. Dann pl├Âtzlich h├Ârten die beiden es wieder...das Klack Klack Klack von Kironas Stab. Sie schien sich nun f├╝r einen Weg entschieden zu haben. "Wir m├╝ssen wachsam sein.", h├Ârte Alaryah sich selbst sagen und wusste selbst nicht so recht, wie genau sie dies anstellen sollten.

Jaro Balliv├▓r
Er war einer von ihnen. Blass sah Jaro seine eigene d├╝rre Hand inmitten von unz├Ąhligen anderen mit gespreizten Fingern nach oben gestreckt, einem wei├čen Licht entgegen, das Erl├Âsung versprach. Hier unten gab es nur Dunkelheit. Dunkelheit, K├Ąlte und Mord. Der Hunger machte einen nach dem anderen verr├╝ckt, bis sie schlie├člich... Nein. Er wollte nicht daran denken. Er streckte seine Hand noch h├Âher nach oben. Es war seine letzte Hoffnung. Ersch├Âpfung drohte ihn zu ├╝bermannen. Bald w├╝rde er nachgeben und einfach einschlafen. Die Engel riefen ihn schon. Ganz deutlich h├Ârte er ihre sch├Ânen Stimmen, wie sie seinen Namen riefen, ihn anflehten mit ihnen zu kommen. Bedeutete das, dass er starb? Er wollte noch nicht sterben, noch nicht. Die Engel riefen weiter, lauter. Die Engel... hatten Alaryahs Stimme. Wie Nebel in der w├Ąrmer werdenden Sonne l├Âsten sich die Trugbilder auf und Jaro sah seine F├╝├če sich unter ihm bewegen, erkannte, dass jemand an seinem Arm zog, zu ihm sprach. Alaryah... was war das f├╝r ein schauriger Traum gewesen? Seine Knie waren weich, er f├╝hlte sich ausgelaugt und schwach, doch immerhin hatte die Waldalbin ihn befreit. Dankbar nahm er das Wasser entgegen und trank gierig, sp├╝rte wie es ihm kalt die Kehle hinab rann. Er lie├č den Kopf h├Ąngen. Was war hier passiert? Was war mit den armen Seelen geschehen, die eingesperrt in der Dunkelheit gezwungen waren, das Fleisch ihrer eigenen Kameraden zu verspeisen oder zu sterben... Jaro schluckte. Eine Klinge hatte kurz vor seiner Schlagader gestoppt und er sah nach oben. Alaryah? Was zum? Voller Furcht sah er seine Freundin an, die in einen inneren Kampf verstrickt zu sein schien und er wagte erst wieder zu atmen, als die Klinge sich entfernte. "Dies ist ein verfluchter Ort", sagte Jaro zu Alaryah. "Ich glaube, hier sind viele Alben ums Leben gekommen." Furcht, dass die Stimmen zur├╝ckk├Ąmen, steckte ihm tief in den Gliedern, doch er versuchte stark zu sein. Er musste einfach. Stoisch konzentrierte er sich auf das Pochen von Kironas Stock, um sich selbst abzulenken. Ihm entging nicht, dass Alaryahs Blick wachsam die Umgebung pr├╝fte. Hatte sie in dem Raum zuvor etwas gesehen? Kirona verschwand um eine Biegung und schnell huschten die beiden hinterher und sogen h├Ârbar Luft ein. Vor ihnen tat sich ein kreisrunder Raum auf, in dessen Mitte eine Art Sockel aus dem Fels gehauen war. Die W├Ąnde waren ├╝ber und ├╝ber mit Zeichen versehen und hie und da gab es finstere Nischen, kleine Vorspr├╝nge und steinerne Skulpturen. Jaros Blick wurde aber von etwas anderem gebannt. ├ťber dem schlanken Sockel in der Mitte schwebte ein roter Stein, etwa faustgro├č, sch├Ątzte Jaro, der alles herum in rotes Licht tauchte. "Feuer", sagte Kirona. "Feuer und Asche."
0 x
~ Die gr├Â├čte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 29
Erhaltene Likes: 3
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Waldalben

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#35

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Mo 26. M├Ąr 2018, 17:41

Alaryah Schattenwind
Auch Alaryah hatte den Stein bemerkt. Erst hatte sie sich weiterhin mit einer guten Portion Nervosit├Ąt immer wieder umgesehen, f├╝rchtete weitere Begegnungen hinter jeder Ecke und wagte manchmal kaum auch nur zu blinzeln, doch dann war die Albin wie gebannt. Sie stand einfach nur da, fixierte den roten Stein. Er schwebte sanft auf und ab, Wellen von warmen Licht schienen sich in pulsierendem Rhytmus von ihm zu entfernen. Alaryah machte schlie├člich einen Schritt auf den Stein zu, starrte ihn mit gro├čen Augen an. Kirona stand etwas weiter links, musterte nun mit leicht schief gelegtem Kopf die n├Ąhere Umgebung, weiterhin Worte murmelnd. Jaro sagte noch etwas, doch waren es nur dumpfe Laute in Alaryahs Ohren. Dieser Stein. Dieses Gef├╝hl, wenn man sich ihm n├Ąherte. Alaryah ging weiter. Es war, als h├Ątte jemand ein Seil um sie gewickelt und zog sie nun langsam zu sich. Die Albin stolperte ├╝ber einen am Boden liegenden Stein, fing sich jedoch und ging weiter. Nicht einen Moment war ihr Blick von dem Stein gel├Âst. Sie n├Ąherte sich, streckte schlie├člich den Arm aus. Dann zuckte die Hand der Albin und schlagartig umfassten ihre Finger den Stein. Das pulsierende Licht um den Stein erlosch. Dunkelheit griff nun um sich. Urpl├Âtzlich flackerte der Stein jedoch wie ein hell prasselndes Feuer, nein, eher wie ein Waldbrand! Alaryah stand weiterhin vor dem Sockel, die Hand fest um den Stein geschlossen. Sie riss den Kopf zur├╝ck, ihre Augen wie in Panik weit aufgerissen und leer und leblos grau.

Es war, als w├╝rde ein ganzer Kosmos in Sekunden an der Albin vorbeirauschen. Dann wurde alles von Feuer verschlungen. Schlachtreihen brandeten in einem Meer aus blutigen Wellen aneinander, St├Ądte zerfielen zu Asche, Ruinen kr├Ânten H├╝gel oder lagen wie das Gerippe eines Monsters im Sand. Hitze brannte in Alaryahs rechter Hand, wanderte ihren Arm entlang bis zur Schulter. Sie schrie. Sie schrie so laut sie konnte, wenn nicht sogar noch lauter. Dann gab es einen Knall, lauter als jede Explosion h├Ąmmerte er auf die Albin ein.

Als n├Ąchstes sah Alaryah den Stein vor sich, ebenso den Sockel. Beides wurde kleiner...und dann schlug sie auf dem Boden auf. Zuckend lag sie dort und es schien, als w├╝rden d├╝nne, kaum sichtbare Rauchschwaden von der Albin aus aufsteigen. Der Stein hatte Alaryah von sich gesto├čen. Kirona schien all das mitbekommen zu haben, sah mit d├╝sterem Trance-Blick auf die am Boden liegende Albin.

Jaro Balliv├▓r
"Sieh nicht hin!", sagte Jaro zu Alaryah, so laut er sich traute, aus Furcht eine neue Teufelei in den tiefen dieses Ortes aufzuschrecken. Die Warnung kam zu sp├Ąt. In dem Moment, in dem Jaro den Sog des Artefakts versp├╝rt hatte, hatte er m├╝hsam selbst den Blick abgewandt, denn er f├╝hlte sich an die grausigen Visionen von zuvor erinnert, doch voll Entsetzen sah er, dass Alaryah weiterhin in Richtung des Sockels starrte und sogar begann sich darauf zu zu bewegen. "Alaryah, nicht!", rief er und wollte ihr nach, doch jeder Schritt bereitete ihm gro├če M├╝he, als stecke er bis zu den Knien in z├Ąhem Morast. Das Atmen fiel ihm schwer und alles verlangsamte sich auf eine unangenehme, bedr├╝ckende Art und Weise. Dann wurde es schlagartig dunkel und Jaro erkannte verzweifelt, dass Alaryah den Stein an sich genommen hatte. "Nein", hauchte er und k├Ąmpfte gegen die Starre, die durch die D├╝sternis nur noch verst├Ąrkt wurde. So schnell wie es verschwunden war, kam das Licht schlie├člich zur├╝ck, heller als zuvor und auf seltsame Weise angriffslustig. Hilfesuchend blickte Jaro zu Kirona, doch die Frau musterte weiter scheinbar unbeteiligt die Umgebung. Dann schrie Alaryah. Es war ein markersch├╝tternder Schrei und Jaro riss automatisch beide H├Ąnde hoch, um sich die Ohren zuzuhalten. Er musste ihr helfen, doch seine Beine wollten sich nicht r├╝hren und so sah er voll Panik, wie seine Freundin zu Boden fiel. Endlich gehorchte ihm sein K├Ârper wieder und er eilte auf die Albin zu, sah d├╝nne Rauchf├Ąden von ihr aufsteigen. Kirona starrte Alaryah nun ebenfalls kalt an, fast ein wenig feindselig. "Nein! Alaryah!" Jaro war den Tr├Ąnen nah, warf sich neben der kleinen Frau auf die Knie und nahm ihren Kopf in seine H├Ąnde. "Bitte, bleib bei mir", flehte er und sah erneut zu Kirona. "Kirona!", Verzweiflung lie├č seine Stimme zittern. "Bitte komm zu dir! Ich brauche deine Hilfe." Angestrengt lauschte er nach Alaryahs Atem. Oril sei Dank. Sie lebte noch. "Alaryah", fl├╝sterte er erneut und strich ihr ├╝ber die Wange. Was sollte er nur tun? Im Augenwinkel sah er eine Bewegung. Kirona ging nun ihrerseits auf den Sockel zu. "Kirona, nicht!", brachte Jaro hervor, doch scheinbar wollte hier niemand auf ihn h├Âren. Die Finger der Frau schlossen sich um das merkw├╝rdige Artefakt und Jaro spannte alles an, um sich auf ein erneutes Inferno gefasst zu machen. Nichts geschah. Kirona studierte den Stein in aller Ruhe, gab ihn von einer Hand in die andere und der rote Schimmer waberte fast schon sanft um sie herum.

Alaryah Schattenwind
Flimmernd erhellte sich Alaryahs Blickfeld. "Was...was ist passiert?", hauchte sie und musste sich erst einmal orientieren. "Jaro.". Er half ihr auf, dann erinnerte sich die Albin an die vergangenen Momente. Sie war gerade dabei Jaro von den Visionen, Erinnerungen und Bildern in ihrem Kopf zu erz├Ąhlen, da bemerkte auch Alaryah, dass Kirona nun den Stein in den H├Ąnden hielt. Sie schien keinerlei Probleme zu haben, konnte die Kraft darin anscheinend kontrollieren? Alaryah f├╝hlte sich, als h├Ątte man sie verpr├╝gelt. Mehrfach. Aber sie mussten weiter! Zumindest schien Kirona der Meinung zu sein, denn sie setzte sich wieder in Bewegung. "Jaro, ich habe kein gutes Gef├╝hl.", fl├╝sterte Alaryah schlie├člich, w├Ąhrend sie weiter ihren Weg durch die Dunkelheit bestritten. "Es w├Ąre keine Zeit gewesen um Hilfe zu holen. Wir hatten keine andere Wahl, wir h├Ątten Kirona doch nicht einfach so allein hier runtergehen lassen k├Ânnen?". Jeder von Alaryahs Gedankeng├Ąngen endete damit, dass sie durch diesen Ort hier zogen. "Wer weiss, was wir hier noch finden?". Die Albin wollte das ohnehin schon bedr├╝ckende Gef├╝hl nicht noch weiter verst├Ąrken, daher beschloss sie erst einmal etwas zu schweigen. Es war bestimmt sowieso besser wachsam zu sein! Und doch war es der Albin nicht immer m├Âglich sich zu konzentrieren. Immer wieder griffen Gedankenfetzen von Zerst├Ârung, Leid und dem Tod nach ihr. Es f├╝hlte sich an, als w├╝rde man auf einer schmalen Mauer balancieren und wieder und wieder versuchte der Wind einen hinunterzuwehen. Hinunter in die Finsternis. Dort gab es nichts, au├čer... Alaryah sch├╝ttelte den Kopf, schob auch diese Gedanken beiseite. Beinahe w├Ąre es wieder passiert.
Sie folgten Kirona, die wie eine Laterne mit dumpfen und schummerigen Lichtschein voranging.
Die Gruppe durchquerte eine gro├če Halle, die allem Anschein nach eine Werkstatt gewesen war. Riesige Schmiede├Âfen reihten sich aneinander, hier und da lagen ├ťberreste alter Werkb├Ąnke. Staubschichten und dicke Spinnennetze hatten sich ├╝ber dem Werkzeug breitgemacht, welches ├╝berall verstreut war. Hier hielt Kirona nicht an, sondern bog hinter der Halle um die Ecke in ein Treppenhaus. Alaryah w├Ąre lieber dem gro├čen, breiten Gang geradeaus gefolgt, auch Jaro schien nicht sonderlich begeistert tiefer in den Untergrund zu steigen. Die schmale Wendeltreppe war direkt in den Stein gehauen worden und endete in einem Lagerraum. In diesem Kellerraum konnten die drei Gef├Ąhrten gerade so nebeneinander stehen, ├╝berall stapelten sich alte Kisten und verstaubte Truhen. Kirona blieb schlie├člich stehen und deutete auf einen der Stapel. "Meinst du, wir sollen die Kisten ├Âffnen?", fragte Alaryah Jaro so leise sie konnte und sah unsicher hinter sich. Da war nur die steinernde Treppe. "Puh...".

Jaro Balliv├▓r
Jaro war hin und hergerissen, worauf er sich konzentrieren sollte. Ein riesen Stein fiel ihm vom Herzen, als Alaryah zu sich kam und was sie berichtete, war ebenso ungeheuerlich wie faszinierend. Was hatten sie hier nur f├╝r einen Ort gefunden? Erneut kochte das Gef├╝hl in ihm hoch, dass dies der Schauplatz etwas Gro├čen und Grausamen gewesen war, dessen Geist noch immer durch die steinernen Hallen str├Âmte. Gleichzeitig dr├Ąngte seine Aufmerksamkeit aber auch zu Kirona und dem r├Ątselhaften Stein. "Geht es dir gut?", brachte er schlie├člich hervor, doch auch Alaryahs Blick heftete sich nun an Kirona, die sich wieder in Bewegung gesetzt hatte. Es blieb ihnen nichts, als ihr zu folgen und Jaro konnte Alaryah nur zustimmen. Sie hatten keine Wahl gehabt. "Zum Gl├╝ck bist du bei mir", gestand er seine Furcht und dr├╝ckte ihre Hand. Obwohl Alaryahs Gegenwart ihm etwas Sicherheit gab, sp├╝rte er, dass auch ihr nicht wohl war. Kein Wunder, nach dem, was sie gerade erlebt hatte. "Gemeinsam schaffen wir das", f├╝gte er an, um zu zeigen, dass er auch f├╝r sie da war.
Jeder neue Raum offenbarte, dass diese Festung einmal ein wahres Bollwerk gewesen sein musste. Nie zuvor hatte Jaro Derartiges gesehen, in keiner Stadt, die er je besucht hatte. So ├╝berraschte es ihn kaum, als sie eine Treppe erreichten, die noch weiter hinab f├╝hrte, wenngleich er ebenso wie Alaryah ihr lieber nicht in die Tiefe gefolgt w├Ąre.
Unnat├╝rlich laut klangen Alaryahs Worte in dem engen Raum und er zuckte unsicher mit den Schultern. Kironas Fingerzeig wurde vehementer und so griff Jaro z├Âgerlich nach der ersten Kiste und fummelte an deren Riegel herum. Staub rieselte und die Scharniere quietschten, doch der Deckel lie├č sich erstaunlich leicht anheben. Der Inhalt war unspektakul├Ąr und Jaro hatte ganz umsonst den Atem angehalten und den Kopf m├Âglichst weit nach hinten gestreckt. Mehrere Pergamentrollen teilten sich den Raum mit alten Kerzen, einigen flachen Schalen und l├Âchrigem Stoff. Vorsichtig griff Jaro hinein. Das Papier knisterte und die Linien darauf waren mit dicker schwarzer Tinte gezogen. Es waren keine Buchstaben, viel mehr Symbole und Schriftzeichen, wie Jaro sie nicht kannte und auch Alaryah nicht, die nur mit den Schultern zuckte. Kirona stie├č mit dem Fu├č gegen eine andere Kiste und wies mit der Hand weiter in Richtung des Stapels. "Was meint sie nur?", fl├╝sterte Jaro. Gemeinsam mit Alaryah zog er die ge├Âffnete Box zur Seite, sodass sie n├Ąher an die Wand gelangten. Mit Blick zu Kirona griffen sie an mehrere Kisten, ├Âffneten die ein oder andere, doch nichts davon schien sie zufrieden zu stellen. Das Licht des Steins ver├Ąnderte sich mit ihrem Fortschreiten. Der Farbton wurde dunkler und die Wellen, in denen es in die D├╝sternis str├Âmte, gleichm├Ą├čger. Kirona trat vor, w├Ąhrend Alaryah und Jaro weitere Kisten hin und her hievten und ein lautes Klick-Ger├Ąusch lie├č sie innehalten. Der Stein f├╝gte sich nahtlos in eine ├ľffnung in der Wand, die zuvor nicht da gewesen war. Das Licht f├Ąrbte sich wei├č und ausgehend von dort wanderten Linien zu allen Seiten, bis sich die Konturen einer T├╝r abzeichneten. Immer greller fra├č es sich in den Stein und voller b├Âser Vorahnung sah Jaro zu Alaryah, als ein Knarzen ert├Ânte. Die T├╝r ├Âffnete sich schwerf├Ąllig wie von Geisterhand und ein merkw├╝rdiger Geruch drang ihnen entgegen.

Alaryah Schattenwind
Einen Moment lang standen die drei einfach so da. Alaryah ertappte sich, wie sie die Z├Ąhne fest aufeinandergebissen und die Augen zugekniffen hatte, den Kopf leicht abgewandt. Kirona ging schlie├člich, wie auch die letzten Male, voran und schon hatte die Dunkelheit sie verschluckt. Alaryah blieb mit Jaro zur├╝ck. "Wie war das mit dieser T├╝r nur m├Âglich?", staunte Alaryah schlie├člich. Erst fragte sich die Albin noch, woher Kirona nur von der Existenz dieser T├╝r wusste, doch dann seufzte sie nur. Es gab so vieles, was noch ungekl├Ąrt war, da w├╝rde die ein oder andere Frage auch keinen Unterschied mehr machen. Dann nickte Alaryah Jaro so gut sie konnte aufmunternd zu. Sie war froh, dass sie nicht mit Kirona allein war...auch wenn sie etwas Angst um Jaros Wohl hatte. Aber sie w├╝rden das alles schon ├╝berstehen. Hoffentlich. Die Albin nahm schlie├člich ihren Mut zusammen, folgte Kirona und zog Jaro sanft hinter sich her.
"Riechst du das auch?", fragte Alaryah, nachdem sie zu Kirona aufgeschlossen hatten. Der schmale Gang schl├Ąngelte sich tiefer ins Erdreich, in unregelm├Ą├čigen Abst├Ąnden waren Gitter im Boden und am unteren Ende der W├Ąnde eingelassen. Hier schien es auch eine Art Abflusssystem zu geben, wieder und wieder stie├čen die Reisenden auf Ablaufrinnen und erkannten hier und da Zisternen und Sch├Ąchte. Je weiter sie gingen, desto st├Ąrker wurde der Geruch. Dann blieb Kirona an einer Kreuzung stehen, schaute nach links, dann nach rechts. Wieder nach links. Dann bog sie nach rechts um, Alaryah und Jaro folgten. Alaryah war sich nicht sicher, doch meinte sie diesen Geruch schon einmal wahrgenommen zu haben...sie konnte sich aber auch irren. "Wieder so ein Moment wir wir besser auf unsere Schritte achten sollten.", murmelte die Albin, als sich zu den Ablaufrinnen und Gittern auch noch Fackelhalter gesellten. Keine drei Schritte weiter knackte es pl├Âtzlich unter Alaryahs Fu├č. Abrupt blieb sie stehen, stie├č Jaro von sich und ging in die Knie. Alaryah rechnete mit einem Angriff, einer Falle oder einer ihr noch nicht bekannten, unangenehmen ├ťberraschung. Sie wollte Jaro nicht mit in eine Fallgrube rei├čen oder ihn sonstwie mit in ihr Ungl├╝ck ziehen. Doch nichts passierte, alles blieb ruhig. "Verzeih, Jaro. Ich wollte nicht, dass wir beide hier...naja...du weisst schon. Ich habe mit einer Falle gerechnet.". Gerade, als sich die Albin wieder aufrichten wollte, fiel ihr Blick zu Boden. Der Stein in Kironas Hand leuchtete gerade noch hell genug in der Ferne, dass Alaryah das breite Grinsen des Sch├Ądels neben ihrem anderen Fu├č erkennen konnte. Erschrocken fuhr die Albin zusammen, stolperte weg von dem Skelett in Richtung Jaro. Sie konnten gerade noch erkennen, dass die Person vor ihrem Ableben wohl versucht haben musste durch das Gitter zu gelangen, doch hatte jemand diesem Vorhaben scheinbar mit einem stumpfen Gegenstand ein Ende bereitet. Dies lie├č zumindest das Loch in der linken Sch├Ądelseite vermuten. Als Kirona sich weiter entfernte verschwanden auch die alten Knochen wieder in der Dunkelheit. "Los....los weg hier.", sagte Alaryah mit zittriger Stimme und tastete nach Jaro. Gemeinsam eilten sie, jedoch weiterhin vorsichtig, hinter Kirona her und hatten diese bald wieder eingeholt. "Das ist kein Abwassersystem.", mutma├čte Alaryah schlie├člich. Sie mochte sich gar nicht ausmalen, worauf sie hier gesto├čen waren...

Jaro Balliv├▓r
Es war schwer zu sagen, was unheimlicher war, Licht oder Finsternis. Einerseits war Jaro froh gewesen, als das grausame Bild der Gebeine im Zwielicht verschwand und er die eingefrorene Qual nicht l├Ąnger sehen musste, andererseits machte sich Erleichterung in ihm breit, als sie sich Kirona n├Ąherten und mit ihr der Helligkeit. Vermutlich war es besser zu sehen, was einen von allen Seiten anstarrte und erwartete. Eine G├Ąnsehaut lief Jaro bei der Vorstellung, pl├Âtzlich einen Griff an der Schulter zu sp├╝ren, den R├╝cken hinunter. Hinzu gesellte ich ├ťbelkeit, als Alaryah aussprach, was auch Jaro widerwillig schon bef├╝rchtet hatte. "Ein Gef├Ąngnis... ein Grab", fl├╝sterte er und mit brutaler Gewalt kamen die Bilder zur├╝ck, wie er selbst Teil des Leids gewesen war und seine Hand nur eine von vielen, die sich flehend und mit letzter Kraft noch oben reckte. "Was treibt Kirona an diesen Ort?", murmelte er, denn der Klang der eigenen Stimme half ihm, die Visionen zu verdr├Ąngen. "Meinst du, dies k├Ânnte der Ort sein, an den sie urspr├╝nglich hat gelangen sollen? Als sie noch... unter Kontrolle stand?" ├ängstlich blickte er zu Alaryah.

Alaryah Schattenwind
├ťber die Fragen musste Alaryah etwas nachdenken. Eigentlich wollte sie es gar nicht, doch ging es nicht anders. "M├Âglich.", gab sie schlie├člich zu und es klang, als w├╝nschte die Albin es w├Ąre alles irgendwie anders. "Vielleicht haben die toten Soldaten etwas in Kirona ausgel├Âst? Vielleicht war sie in diesem Moment irgendwie...schwach?". Noch w├Ąhrend Alaryah sprach ├Ąrgerte sie sich. H├Ątte sie doch einfach den Mund gehalten! Jetzt rechnete sie jeden Moment damit, dass sich Kirona zu ihnen umdrehte und sie angriff. "Wer auch immer hinter diesem Angriff steckt muss allerdings nicht unbedingt mit Kirona oder ihrem Zustand zu tun haben.", r├Ątselte die Albin weiter. Sie gab einfach ein paar Gedanken preis, wollte von einer m├Âglichen ├ťbernahme von Kirona Abstand nehmen. Doch war das wirklich so ratsam? Alaryah mochte sich gar nicht vorstellen dass sie, neben all den m├Âglichen Gefahren um sie herum, direkt mit einer weiteren Gefahrenquelle unterwegs waren. "Wir sollten eine Sache nicht vergessen.". So sorgf├Ąltig wie es eben in dieser Situation ging versuchte sich Alaryah ihre Worte zurechtzulegen. "Wir m├╝ssen hier auch irgendwie wieder raus. Ob mit oder ohne Kirona.". Vielleicht w├╝rden sie auch hier unten sterben? Alaryah sprach diesen Gedanken nicht aus. "Erinnerst du dich an den Teich bei dem Fest? Mit den Seerosen?". Alaryah sprach leise, versuchte gelassen zu wirken und wollte die d├╝steren Schatten, die in den K├Âpfen umherspukten, vertreiben. Sie wusste, dass sie Jaro seine Angst nicht wirklich nehmen konnte...denn auch sie selbst hatte nicht gerade wenig...

Jaro Balliv├▓r
Eifrig nickte Jaro. "Ja! Zuletzt war sie immerhin gl├╝cklich und losgel├Âst, das hat ihre innere Abwehr vielleicht gest├Ąrkt und nun...", er schluckte. "Vielleicht hat sie ├ähnliches schon erlebt." Jaro entging nicht, dass Alaryah misstrauische Blicke zu der vor ihnen schreitenden Frau warf. Irgendwie wollte der Gedanke, sie k├Ânnte gef├Ąhrlich sein, nicht in seinen Kopf hinein, doch die Waldalbin hatte nat├╝rlich Recht. Kannten sie diese Kirona denn wirklich? Erneut schluckte Jaro. Die Vorstellung, Kirona hier zur├╝ck zu lassen schmeckte bitter, doch was, wenn sie letztlich keine Wahl hatten? Jaro war froh, als Alaryah das Gespr├Ąch in eine angenehmere Richtung lenkte. "Ja", fl├╝sterte er und merkte, wie fern ihm dieser Augenblick schon vorkam. "Das war sehr sch├Ân..." Ein schwaches L├Ącheln k├Ąmpfte sich auf sein Gesicht und er sah Alaryah an, merkte dabei nicht, dass Kirona stehen geblieben war und w├Ąre beinahe in sie hinein geknallt. Woher das Gef├╝hl kam, war unm├Âglich zu sagen, doch Jaro wusste pl├Âtzlich, dass sie ihr Ziel nun erreicht hatten. Steinerne Wasserspeier mit toten Augen flankierten den Eingang in einen auf den ersten Blick recht unscheinbaren Raum, an dem der gespenstische Gang endete. ├ťber der Pforte war eine Inschrift eingeritzt, erstaunlicherweise in normaler Sprache:
Weisheit und Wissenschaft sind gottgegeben. Wer sie weise und gewissenhaft nutzt, wird G├Âttliches erschaffen.
Die Worte schienen nicht an diesen Ort voll Tod und Grauen zu passen und Jaros Inneres zog sich zusammen, als Kirona den Raum betrat. Es gab nichts, was er weniger wollte, doch er sp├╝rte, wie seine F├╝├če der Frau ins Ungewisse folgten, Alaryah an seiner Seite.

Alaryah Schattenwind
Sie betraten die R├Ąumlichkeiten und sahen sich vorsichtig um. ├ťberall standen Phiolen und Glasbeh├Ąlter in allen m├Âglichen Gr├Â├čen und Formen auf schweren Tischen, die an der Wand aufgereiht waren. Jeder Schritt hallte leise von einem glatten und fein gemauerten Steinboden wieder und die Lichtreflexionen von Kironas Stein warfen grausig aussehende Schatten umher. In der Mitte des Raumes stand ein massiver Steinblock, an dessen Ecken schwere Ketten genietet worden waren. Alaryah musste schlucken und trat unsicher ein paar Schritte zur├╝ck. Es klirrte hell, als sie beim Tasten nach der Wand ein Gef├Ą├č umstie├č und dieses zu Boden fiel. Die Albin zuckte zusammen, Kirona schien unbeeindruckt, doch Jaros Blick war zu Alaryah geschossen. Diese hob die H├Ąnde und wollte gerade etwas sagen, als ein kleiner Lichtball aus den Scherben emporstieg. Er blieb auf Alaryahs Kopfh├Âhe stehen, tanzte dann mehrmals um die kleine Albin herum und surrte dabei leise. Dann flog das kleine Licht, nicht gr├Â├čer als ein Apfel, in Zickzacklinien von Alaryah weg und h├╝pfte dann etwas weiter hinten im Raum auf und ab. Vorsichtig folgte Alaryah der Erscheinung, die nun in kreisenden Bewegungen hinter einem Lesepult zu landen schien. Als Alaryah sich dem Pult n├Ąherte fuhr erneut der Schreck durch ihren K├Ârper. Da lag jemand! Schnell zeigte sich, dass sie auf eine weitere Leiche gesto├čen waren...doch war diese noch nicht ganz skelettiert. Schritte n├Ąherten sich und pl├Âtzlich stand Kirona neben Alaryah, w├╝rdigte die Albin jedoch keines Blickes. Die Lichterscheinung war verschwunden und Kirona kniete sich neben den leblosen K├Ârper. Sie schien genau dort irgendetwas zu suchen. Alaryah drehte sich zu Jaro um...

Jaro Balliv├▓r
Sein Herz setzte einen Moment aus, als das Glas zerbarst und er blickte so schnell zu Alaryah hin├╝ber, dass er sich schmerzhaft den Nacken verriss. Reflexartig fuhr seine Hand zu der Stelle, blieb aber auf halbem Weg stehen, w├Ąhrend seine Augen wie hypnotisiert dem Licht folgten.
Auch Kirona reagierte darauf, allerdings seltsam unaufgeregt, ganz so, als h├Ątte sie genau danach gesucht. Erst als Alaryah in ansah und ihr Blick erneut von Entsetzen erf├╝llt war, ging auch Jaro zu den Frauen hin├╝ber und musste augenblicklich w├╝rgen. Diese Leiche sah noch recht frisch aus und wirkte auf Jaro deshalb viel absto├čender als die Skelette zuvor. Dass Kirona an und in dem K├Ârper herum suchte, trug nicht zu Milderung der ├ťbelkeit bei. Weil er nicht wusste, was er sonst tun sollte, nahm Jaro den K├Ârper genauer in Augenschein, soweit es das Licht von Kironas Stein erlaubte. Er erstarrte und griff Alaryahs Arm, nickte mit dem Kopf in Richtung des linken Armes. Wo eine normale Hand h├Ątte sein sollen, endete das Glied in einer riesigen gr├╝nlichen Klaue mit messerscharfen Krallen. Nun fiel ihm auch auf, dass das Gesicht keineswegs normale Z├╝ge hatte. Augen und Mund waren geschlossen und Jaro mochte sich kaum ausmalen, was sich dort verbarg.

Alaryah Schattenwind
Der Albin wurde ├╝bel, als Kirona, scheinbar ohne Probleme, zu Werke ging. Schmatzende Ger├Ąusche und ekelerregende Fl├╝ssigkeiten brachten Alaryah dazu sich wegzudrehen, doch wies Jaro sie auf auf den Arm der Leiche hin. Diese riesige Klaue... Kirona tastete gerade das Gesicht der Person, besser gesagt der Kreatur, ab und starrte dabei einfach ins Leere. Jedoch sa├č jeder Handgriff, als h├Ątte sie nie etwas anderes gemacht. Zwei Rei├čz├Ąhne kamen zum Vorschein, als Kirona in den Mund der Kreatur griff. Der Kiefer lie├č sich weiter ├Âffnen als es einem Menschen oder Alben auch nur entfernt m├Âglich gewesen w├Ąre. "Glaubst...glaubst du, dass das...", begann Alaryah und konnte ihren Blick nicht abwenden. "Naja, dass dieses Wesen die Soldaten get├Âtet hat?". In Alaryahs Kopf flogen Bilder umher, wie sich dieses Wesen eine blutige Schneise durch die Reihen der Soldaten pfl├╝gte. "Aber wir h├Ątten Spuren finden m├╝ssen.", widersprach sie sich direkt. "Und warum ist dieses Wesen nun tot?". Alaryah schaute nun hilfesuchend zu Jaro in der Hoffnung, dass er Antworten geben konnte, die sie beruhigen m├Âchten.
0 x

Benutzeravatar
Jaro Balliv├▓r
Volkslegende
Beitr├Ąge: 126
Gegebene Likes: 16
Erhaltene Likes: 7
Auszeichnungen: 4
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: Bild

Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei├čige Feder in Bronze Schl├╝sselloch

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#36

Beitragvon Jaro Balliv├▓r » Di 27. M├Ąr 2018, 14:37

Jaro Balliv├▓r
Das Bild, das sich ihnen darbot war entsetzlich. Jede neue Stelle, die ihm schwachen Lichtschein erhellt wurde, zeigte, wie absonderlich diese Kreatur war. Etwas Derartiges hatte Jaro noch nie gesehen. Nichts schien wirklich zusammen zu passen. Hier fand das Wort "entstellt" wirklich Bedeutung und man konnte meinen, die einzelnen K├Ârperteile versuchten sich gegenseitig abzusto├čen und als bereite die Verbindung dem Wesen furchtbare Schmerzen, selbst im Tode. Als Kirona mit gespenstischer Routine den Kiefer weit aufriss, breitete sich ein Schwall ├╝bel riechenden Gestanks um sie herum aus. Mit der Hand vor Mund und Nase erwiderte Jaro Alaryahs Blick verzweifelt. Er hatte nicht den blassesten Schimmer was er sagen sollte. Alaryahs Geistesblitz hatte auch ihn ins Gr├╝beln gebracht. Die Verletzungen, die sie an den armen Seelen auf dem Waldboden entdeckt hatten, hatten sie vor ein R├Ątsel gestellt. Nichts konnte so etwas anrichten... es sei denn, es verf├╝gte ├╝ber scharfe Krallen und kr├Ąftige Rei├čz├Ąhne... Der Gedanke trieb Jaro eine G├Ąnsehaut den R├╝cken hinunter. "Ich wei├č es nicht", sagte er niedergeschlagen zu Alaryah und weil ihm nichts Besseres einfiel, lie├č er den Blick durch den schummrig erhellten Raum schweifen. Da fiel ihm pl├Âtzlich etwas auf. "Alaryah, fl├╝sterte er. "Dieser Raum... ist anders." Jetzt, da er aktiv nach Anzeichen suchte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. "Alles ist noch intakt. Die Staubschicht ist wesentlich d├╝nner als in den R├Ąumen zuvor, es gibt kaum Spinnweben..." Furchtsam sah er zur├╝ck zu seiner Freundin. "Das hei├čt dort oben ist seit Jahren niemand zugange gewesen, doch hier", seine Stimme verkam nach und nach zu einem Fl├╝stern. "Dieser Raum wurde bis vor kurzem noch genutzt." Fast automatisch sah er wieder zu der grausigen Kreatur und erschrak f├╝rchterlich, als er Kironas milchigen Blick auf sich ruhen fand.

Alaryah Schattenwind
"Anders?", fragte die Albin und sah sich ebenfalls um, nachdem sie den Blick von Kirona und ihrem Tun abwenden konnte. Jaro wies auf Details hin, die auch ihr bisher nicht aufgefallen waren. "Das bedeutet...", Alaryah drehte sich langsam zum Eingang um, erwartete schon fast, dass dort jemand stand und sie angreifen w├╝rde. Nichts. Niemand.
Schlie├člich hatte sich Alaryah wieder zusammengenommen. Hier gab es Informationen zu suchen! Also suchte sie. Zuerst ging die Albin zu einem kleinen Schrank hin├╝ber, kramte vorsichtig darin herum, fand jedoch nichts au├čer vertrockneten Zutaten. Dann erst fiel ihr der Stapel Pergament auf, dessen eine H├Ąlfte s├Ąuberlich zusammengelegt auf einem Wandregal lag. Die andere H├Ąlfte lag etwas verstreut darunter auf dem kalten Steinboden. Alaryah kniete sich hin, sammelte die einzelnen Zettel zusammen und versuchte eine Art Ordnung hineinzubringen. Die Notizen darauf waren in der Sprache der Alben geschrieben, es handelte sich um eine Art Tagebuch. Sie ├╝berflog Zeile um Zeile, merkte dann jedoch schnell, dass das Schriftbild sich ver├Ąnderte. Nach und nach wurden die Buchstaben und Worte verwackelter, krakeliger und verschmierter. Auch der Wortlaut ├Ąnderte sich. Hatte der Verfasser zuerst wortgewandt und eloquent geschrieben, so wurden die S├Ątze mit der Zeit rauer und grober. Teilweise waren Worte irgendwann gar nicht mehr zu lesen. "Heute waren die Anf├Ąlle wieder etwas schlimmer.", las Alaryah leise vor. "Ich vermute, dass die Dosis noch nicht ganz korrekt gewesen ist. Anmerkung: Sternensand m├Âglicherweise durch Waldblatt ersetzen, Wirkung k├Ânnte enorm gesteigert werden.". Sie verstand nicht ganz, bl├Ątterte erst einmal weiter. So brummelte Alaryah W├Ârter vor sich hin, bis sie irgendwann aufstand. "Schwarze Wut greift...greift...", Alaryah versuchte die weiteren Worte zu entziffern. "Irgendwas mit Seele...", mutma├čte sie. Dieses Blatt Pergament war verknickt, eine Ecke fehlte komplett, jemand hatte sie abgerissen...und dabei Tropfen dunklen Blutes auf den Seiten hinterlassen? Alaryah kam die ganze Sache komisch vor, also wollte sie Jaro nach seiner Meinung fragen. Die Albin griff sich ein paar Seiten und drehte sich zu ihrem Gef├Ąhrten um...

Jaro Balliv├▓r
Es dauerte einen Augenblick, bis Jaro schaffte, sich von Kironas starrendem Blick loszueisen. Als er schlie├člich einen Schritt zur Seite machte, folgte sie ihm nicht etwa mit den Augen, sondern wandte sich wieder der Leiche auf dem Boden zu, als w├Ąre nichts geschehen. Alaryah hatte unterdessen begonnen, den Raum genau in Augenschein zu nehmen und da beschloss Jaro es ihr gleich zu tun. Er begann auf der anderen Seite und kniff angestrengt die Augen zusammen, um erkennen zu k├Ânnen, was in all den Gl├Ąsern und Phiolen lauerte, ohne zu nahe heran gehen zu m├╝ssen. Auf den ersten Blick war alles unspektakul├Ąr, Fl├╝ssigkeiten in verschiedenen Farben, Pulver, Kr├Ąuter und andere l├Ąngst getrocknete und abgestorbene Pflanzen. Es gab keine schwimmenden Augen, Gehirne oder abgetrennte H├Ąnde, all das, was Jaro sich an einem Ort wie diesem gut vorstellen h├Ątte k├Ânnen. Alaryahs Stimme schwang leise zu ihm hin├╝ber und er drehte sich um. Er konnte kaum verstehen was sie sagte, sie schien eher mit sich selbst zu sprechen, doch trotzdem beendete Jaro seine Suche und sah sie still an. Eindeutig h├Ârte er das Rascheln von Papier. Hatte sie Aufzeichnungen gefunden? Gerade, als er zu ihr hin├╝ber gehen wollte, tat sie es und beantwortete seine stumme Frage. "Sieh dir das einmal an, Jaro", sagte sie und er lie├č angestrengt seinen Blick ├╝ber die unsteten Zeilen schweifen. Noch immer fiel ihm das Lesen nicht leicht, doch Einiges konnte er entziffern. "Das klingt wie ein Rezept", sagte er leise und f├╝hlte sich an die alte Brerin zu Hause erinnert. "Oder der Versuch, ein Rezept zu erstellen... zu verbessern..." Alaryah nickte. "Dort dr├╝ben habe ich allerlei m├Âgliche Zutaten f├╝r Rezepturen gefunden. Pulver, Fl├╝ssigkeiten. Da muss doch ein Zusammenhang bestehen." Sie sahen sich an und Jaro erkannte in Alaryahs Augen, dass sie das gleich dachte: sie hatten hier eine Art Versuchslabor gefunden. Nur f├╝r was? Alaryah wies nun mit dem Finger auf eine Seite, auf der der Text fast g├Ąnzlich unleserlich war. Jemand hatte voll Hast geschrieben oder unter furchtbaren Schmerzen. Jaro schluckte. Dann drehten sie fast zeitgleich die K├Âpfe in Richtung der leblosen Kreatur.

Alaryah Schattenwind
Kirona hatte ihre doch recht grausige Arbeit fortgesetzt. Die Ger├Ąusche aus dem hinteren Bereich des Raumes waren nun tief schmatzend. Erst wagte sich keiner der beiden n├Ąher heran, doch dann fasste sich Alaryah schlie├člich ein Herz. "Warte hier.", fl├╝sterte sie Jaro zu und ging mit zittrigen Knien in Richtung Kirona. Schon aus der Entfernung konnte Alaryah die Schatten erkennen, die von der Frau ausgingen. Es schien, als w├╝rde sie in der Erde scharren...doch war es nicht der Boden, in dem die Frau herumw├╝hlte. Alaryah w├╝rgte, hielt sich die Hand vor den Mund und hatte die Augen vor Schreck weit aufgerissen. Kirona schaute von den Resten der Kreatur auf. Sie schien wieder enorme Kr├Ąfte gehabt zu haben, denn anders konnte sich Alaryah den Zustand der Leiche nicht erkl├Ąren. Kirona hockte nun einfach so da, die H├Ąnde in den Scho├č gelegt und starrte geradeaus. Alaryah h├Ârte leise Schritte hinter sich. "Jaro, bleib da.", zischte die Albin und hielt warnend eine Hand nach hinten. Unsicher trat Alaryah nun auch ein paar Schritte zur├╝ck, als sich Kirona langsam erhob. Ihre Kleidung, sowie ihre H├Ąnde und Unterarme waren ├╝ber und ├╝ber mit Blut und anderen Fl├╝ssigkeiten beschmiert, selbst Kironas Haare hatten etwas abbgekommen. Im d├╝steren Lichtschein drehte Kirona nun den Kopf in Richtung Jaro und Alaryah. Die Albin zog erneut einen Dolch, rechnete mit dem Schlimmsten. "Was auch passiert, wir laufen weiter, verstanden?". Alaryah meinte ihr Herz in ihrem Kopf schlagen zu h├Âren. Was mochte nur in Kirona gerade jetzt vorgehen? Die Frau hob langsam ihre linke Hand, hielt darin eine kleine Kugel. Dicke Fl├╝ssigkeit triefte in langen F├Ąden davon hinab und Kirona begann die Kugel mit ihren Fingern zu bearbeiten. Von weitem konnten Jaro und Alaryah erkennen, dass es sich um ein zusammengekn├╝lltes St├╝ck Pergament handelte. "Es ist gefunden.", raunte Kirona mit ungew├Âhnlich tiefer Stimme. Dann zuckte der Kopf der Frau mehrmals unkontrolliert nach rechts. Als sie sich wieder ihren Gef├Ąhrten zuwandte war der d├╝stere und milchige Schleier aus ihrem Blick verschwunden. "Ich bin mir nicht ganz sicher aber...hier ist noch jemand...", fl├╝sterte Kirona, st├╝tzte sich pl├Âtzlich geschw├Ącht auf ihren Stab und streckte ihren Gef├Ąhrten mit zitterndem Arm das St├╝ck Pergament entgegen.

Jaro Balliv├▓r
Wenn Jaro zuvor gedacht hatte, ihm sei ├╝bel, wurde er nun eines Besseren belehrt. Jetzt war ihm ├╝bel. Reflexartig nahm er die Hand vor den Mund, als er aufstie├č. Der Anblick Kironas, triefend vor Blut und anderem, dessen Herkunft Jaro gar nicht wissen wollte, war zu viel f├╝r ihn. Einzig die Furcht hielt ihn auf den Beinen. Sie mussten hier weg, er durfte hier nicht zusammenbrechen und zur Last f├╝r Alaryah werden. Kironas pl├Âtzlich aufhallende Stimme lie├č ihn zusammenfahren. Jede Faser seines K├Ârpers war aufs ├äu├čerste angespannt, jedes Ger├Ąusch, jede Bewegung, jeder Windhauch f├╝hlte sich an wie tausendfach verst├Ąrkt, all seine Sinne waren in Alarmbereitschaft. Angestrengt versuchte Jaro noch aus den Worten schlau zu werden, da folgten schon die n├Ąchsten, dieses Mal im Klang der Stimme, die sie die letzten gl├╝cklichen Stunden in Rankenfels begleitet hatte. Kirona kam zu sich. Doch ihre Botschaft bot wenig Potential f├╝r Freude. Jaro fuhr herum. Der niedrige Eingang war noch immer leer, nicht viel mehr als ein schwarzes Viereck, das sich noch dunkler von einem ohnehin schon finsteren Hintergrund abhob. Sich dort im Schatten zu verstecken w├╝rde ein leichtes sein. "Wo?", fl├╝sterte er ├Ąngstlich, mehr zu sich, als als wirkliche Frage. Kaum wagte er sich wieder zur├╝ckzudrehen, aus Angst, exakt in diesem Moment w├╝rde ihn die unsichtbare Gefahr von hinten anfallen, doch schmerzerf├╝lltes St├Âhnen von Kirona zwang ihn langsam herum. Alaryah hatte mittlerweile mit angewidertem Gesichtsausdruck das Pergament entgegen genommen und es vorsichtig auf dem Steinsockel gelegt, um es zu entfalten. Ihr Blick schwirrte durch den Raum, wahrscheinlich auf der Suche nach etwas, um das gr├Âbste ├ťbel abzuwischen. "Keine Zeit... m├╝ssen weg", st├Âhnte Kirona und schnell griff Jaro nach einem leeren Glas in einem nahen Regal. "Wir k├Ânnen es hier hinein tun", schlug er vor und Alaryah nickte eilig. Dann griffen sie beide die verschmierte Kirona um sie zu st├╝tzen. Fragen mussten warten. Sie gingen in Richtung T├╝r und alles kam Jaro so furchtbar langsam vor. Dann h├Ârten sie es und Staub rieselte von der Decke. ├ťber ihnen war jemand.

Alaryah Schattenwind
"Kein Wort.", presste Alaryah zwischen ihren Z├Ąhnen hervor. So schnell wie m├Âglich und so vorsichtig wie n├Âtig bewegten sich die drei Reisenden voran. Bald hatten sie es zu dem Teil der unterirdischen Anlage geschafft, ander sie die Geheimt├╝r hinter den Kisten gefunden hatten. Gerade, als sie die Treppen emporsteigen wollten, hielt Alaryah Jaro und Kirona zur├╝ck. Kirona st├Âhnte vor Ersch├Âpfung und Jaro wollte gerade etwas fragen, als Alaryah nur den Finger an die Lippen legte. Sie horchten, standen starr in der Dunkelheit, wagten kaum zu atmen. Da in der Ferne war nun das, was sie schon die ganze Zeit erwartet hatten. Jemand n├Ąherte sich ihnen. Jetzt gab es keine Zweifel mehr. Wo sollten sie hin? Das Labor war eine Sackgasse, die Treppe hinauf, direkt in die Arme des Neuank├Âmmlings war ebenfalls keine Option. Alaryah nickte mit dem Kopf in Richtung der Kisten, die sie vorher beiseite gestellt hatten. Vorsichtig luden Jaro und Alaryah die besudelte Kirona ab, kauerten sich anschlie├čend ebenfalls hinter die herumstehenden Kisten. Alaryahs Herz h├Ąmmerte wie ein Dampfhammer in ihrer Brust. Sie konnte unm├Âglich sagen, wie es ihren Gef├Ąhrten ging, zu sehr war sie mit sich selbst besch├Ąftigt. Die Schritte kamen n├Ąher. Schwere Stiefel schlurften kratzend ├╝ber den Steinboden, blieben dann vor der noch ge├Âffneten Geheimt├╝r stehen. Alaryah biss sich auf die Unterlippe und kniff ihre Augen fest zu. Ihr ganzer K├Ârper war angespannt, die Muskeln verkrampften sich schon fast. Was, wenn ihr Verfolger sie hier finden w├╝rde? Wer mochte es sein? Gab es vielleicht noch mehr Kreaturen wie die, die dort unten lag? Stand eine vielleicht gerade genau hinter ihnen und schaute zu ihrem Versteck hin├╝ber? Von der Person ging ein schon fast rasselnder Atem aus. Es schien, als w├╝rde sie die Geheimt├╝r untersuchen. Solange die Aufmerksamkeit nicht auf den Gef├Ąhrten lag mochte vielleicht alles noch einmal gut gehen. Dann endlich setzte sich der Neuank├Âmmling wieder in Bewegung, murmelte dabei etwas mit tiefer, schon fast grollender Stimme. Alaryah wagte nicht, sich zu bewegen geschweige denn die Augen zu ├Âffnen. Die Schritte entfernten sich, wurden leiser und verstummten dann fast komplett. Die kleine Albin schlug die Augen auf, atmete keuchend durch. Am liebsten h├Ątte sie sich ├╝bergeben, doch wehrte sich jede Faser ihres K├Ârpers. Weiter. Sie mussten weiter. Ein neuer Schwung Energie durchfuhr die Albin. Jetzt war die Gelegenheit! Sie zog Jaro zu sich hoch und gemeinsam halfen sie Kirona. Gerade als sie die ersten Treppenstufen erklommen hatten riss sich Kirona los. "Der Stein...", fl├╝sterte sie und stolperte in Richtung Geheimt├╝r zur├╝ck. "Kirona nein! Komm schon!". Panik kroch in Alaryah hoch, auch Jaro stand der Schwei├č auf der Stirn. Kirona schaffte es irgendwie sich des Steins zu Bem├Ąchtigen und Jaro und Alaryah kamen der Frau entgegen, halfen ihr die Stufen hinauf. Dann rumpelte es laut hinter ihnen. "Die T├╝r schlie├čt sich wieder.", vermutete Jaro, doch bekam er keine Antwort. Mit der eingehakten Kirona gingen die Gef├Ąhrten so schnell sie konnten voran. Irgendwie schafften sie es genau den Weg zu nehmen, den sie gekommen waren. Alaryahs Blick verengte sich zu einem schmalen Tunnel, der sich immer weiter zuzuziehen schien. Sie keuchte, ihre Lungen brannten wie hei├če Kohlen. Die Belastung war einfach zu gro├č. Sie wollte anhalten, nur ganz kurz, durchatmen, nur f├╝r einen Moment Pause machen. "Unm├Âglich.", knurrte Alaryah zu sich selbst und biss sich erneut auf die Lippen, dieses Mal wollte sie einfach nur Schmerz empfinden. Irgendwie musste sie sich daran erinnern, dass sie noch am Leben war, dass sie ihre Freunde irgendwie aus diesem Keller bringen musste. Sie durfte nicht schwach machen. Ein metallischer Geschmack breitete sich in dem Mund der Albin aus, als Blut aus ihrer Unterlippe hervorquoll. "Weiter...wir d├╝rfen nicht stehenbleiben.", h├Ârte sich die Albin rufen. Es klang in ihrem Kopf ├╝beraus verzweifelt. Nein. Sie musste stark bleiben. Stark bleiben f├╝r ihre Gef├Ąhrten! Dann endlich, da vorn! Ein schwacher Lichtschein war am Ende eines Ganges zu erkennen! Drau├čen! Da ging es nach drau├čen! "Da lang!", rief nun auch Jaro und sie schlugen die entsprechende Richtung ein. Die Luft wurde mit jedem Schritt nach oben besser. Das Brennen in den Beinen aufgrund der Steigung merkten die drei schon l├Ąnger nicht mehr, zu gro├č war der Wille zu entkommen, zu gro├č die Furcht vor dem, was sie wom├Âglich gerade verfolgte. Endlich spuckte die unterirdische Festungsanlage die Reisenden aus und sie taumelten ├╝ber die Schwelle ins Freie...

Jaro Balliv├▓r
Aus der D├╝sternis der Festung hatte das Licht wie am hellsten Tage gewirkt, doch als sie endlich aus dem Schlund entkamen, mussten sie feststellen, dass es bereits d├Ąmmerte. Die milde Waldluft war eine Wohltat, der Duft von Laub und jungem Holz, das Sirren von Insekten und die ersten Rufe der V├Âgel der Nacht. Trotzdem wagten sie nicht stehen zu bleiben, sondern hetzten weiter. Unter ihnen knackten Zweige und nicht wenige Male stolperten sie und hatten M├╝he, die vollkommen ersch├Âpfte Kirona auf den Beinen zu halten. Jaro rannte blindw├╝tig immer weiter, angetrieben vom Trommelschlag des eigenen Herzens. Der Schreck dar├╝ber, fast entdeckt worden zu sein, ohne M├Âglichkeit zu fliehen, steckte ihm noch so tief in den Gliedern, dass er sich nicht traute auch nur an eine Pause zu denken und Alaryah schien es ├Ąhnlich zu gehen. Er hoffte, dass sie bewusst eine Richtung gew├Ąhlt hatte, doch sicher war er sich nicht. Blut rauschte in seinen Ohren und die schrecklichen Bilder der leblosen Kreatur, die Ger├Ąusche von Schritten im Dunkel und der f├╝rchterliche Gestank nahmen seinen Geist in Besitz. Ob er sie je wieder los werden konnte? Auf einmal japste er nach Luft und erst nach einigen schwerf├Ąlligen Atemz├╝gen bemerkte er, dass er weinte. Die Anspannung lie├č nach und mit ihrem Schwinden brachen die Emotionen aus ihn heraus. Kraft und Wille verlie├čen ihn. Wie lange waren sie schon gerannt? Eine Ewigkeit. Es war fast dunkel und er hatte jegliches Zeit- und Raumgef├╝hl verloren. "Alaryah... ich", presste er hervor, dann wurden seine Schritte langsamer und er sank auf die Knie, st├╝tze sich mit den H├Ąnden auf dem unsteten Waldboden auf und rang nach Atem. "Ich kann nicht mehr." Seine Stimme war d├╝nn und schwach und er f├╝hlte sich so furchtbar ausgeliefert.

Alaryah Schattenwind
Jaros Schritte verlangsamten sich. Irgendwann st├╝tzte Alaryah Kirona alleine und die Albin sah sich nach Jaro um. "Ich kann nicht mehr.". Er war am Ende. <Verdammt.>, dachte Alaryah noch und war hin und hergerissen. Sie selbst war unm├Âglich in der Lage Kirona und Jaro gleichzeitig zu halten. Es schien, als w├╝rden sie nun doch hier verweilen m├╝ssen, tats├Ąchlich konnte sie auch keine zehn Meter mehr laufen. Mitten in der Wildnis, in der Finsternis des Waldes kam die kleine Gruppe nach gef├╝hlt endloser Flucht zum Stehen. Das Rauschen der Bl├Ątter und die Tierlaute brausten wie ein Bach um Alaryah herum und dann wurde ihr schwindelig. "Kirona, ruh dich etwas aus.", hauchte Alaryah noch, bevor sie wie ein gef├Ąllter Baum umkippte. Die Albin sah, wie sich der weiche Waldboden rasend schnell n├Ąherte, dann presste der Aufprall s├Ąmtliche noch verbliebende Luft aus ihren Lungen. Ein paar Sekunden blieb sie einfach dort liegen, f├╝hlte sich, als w├Ąren ihre Arme und Beine schwer wie riesige Felsbrocken. Kirona hatte sich auf den R├╝cken gelegt, versuchte ihre Atmung in den Griff zu bekommen und Jaro vergoss nicht weit bittere Tr├Ąnen. Hatten sie es geschafft? Waren sie entkommen? Schwerf├Ąllig kroch Alaryah zu Jaro her├╝ber, griff zitternd nach seiner Hand. Er reagierte kaum. "Jaro es ist gut.", fl├╝sterte sie und schaffte es schlie├člich irgendwie sich aufzusetzen. Dann zog sie den wimmernden Jaro zu sich und hielt ihn fest im Arm. Nun brachen bei ihm alle D├Ąmme. Alaryah versuchte den jungen Alben zu beruhigen, doch das Schluchzen wurde lauter. Er begrub sein Gesicht nun tief in ihrer Schulter und schon bald sp├╝rte Alaryah, wie sich die Tr├Ąnen ihren Weg durch ihre Kleidung suchten. "Sei unbesorgt.", brachte Alaryah endlich hervor und streckte ein Bein aus um besser sitzen zu k├Ânnen. Ihr Knie knackte leise. "Wir sind fort von diesem grausigen Ort, Jaro.". Behutsam strich sie dem Alben durchs Haar, redete ihm so gut zu wie sie nur konnte. Immer wieder schaute Alaryah auch zu Kirona. Diese schien v├Âllig am Ende ihrer Kr├Ąfte, jedoch regulierte sich langsam aber sicher ihre Atmung. Alaryah wippte nun sanft hin und her, als wolle sie ein Kleinkind in den Schlaf wiegen. Ihr fiel gerade nichts besseres ein und hoffte, dass Jaro sich beruhigen w├╝rde. Leise summte sie ein Lied vor sich hin, k├Ąmpfte dabei selbst mit den Tr├Ąnen. Irgendwann schob die Albin sanft Jaros Kopf von ihrer Schulter weg und sah ihm tief in die Augen. "Du warst sehr tapfer, Jaro.", fl├╝sterte sie und wischte ihm mit den Daumen die Tr├Ąnen aus dem Gesicht.

Jaro Balliv├▓r
Er lie├č alles geschehen. Unf├Ąhig sich zu r├╝hren oder die Flut der Tr├Ąnen zu stoppen, sank Jaro in Alaryahs Arme und zog sich einen Moment zur├╝ck aus der Welt. Alle Vors├Ątze stark zu sein waren hinf├Ąllig. Doch f├╝r Scham oder ├ärger dar├╝ber war kein Platz. Nicht jetzt. Dankend nahm er die N├Ąhe der Waldalbin an. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so viel geweint zu haben. Schlie├člich lie├č es nach und als ihre Blicke sich trafen, versuchte Jaro all seine Dankbarkeit hinein zu packen. "Wir haben es geschafft", fl├╝sterte er, ganz so, als k├Ąme ihm diese Erkenntnis erst jetzt. Kirona hatte die Augen geschlossen. Auch ihr Atem ging ruhiger. "Ist bei dir alles ok?", fragte Jaro Alaryah sch├╝chtern. M├╝digkeit machte sich bleiern in seinen Gliedern breit, doch er f├╝rchtete sich zu davor zu schlafen. Z├Âgerlich blickte er sich um. Das fahle Mondlicht erhellte die Luft gerade soweit, dass einige Baumst├Ąmme schemenhaft hervor traten. Ansonsten war nichts zu erkennen. "Ist es hier sicher? K├Ânnen wir ein wenig ruhen?" Er wusste, dass die alle dringend Erholung brauchten.
0 x
~ Die gr├Â├čte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 29
Erhaltene Likes: 3
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Waldalben

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#37

Beitragvon Alaryah Schattenwind » So 1. Apr 2018, 09:51

Alaryah Schattenwind
"Sei unbesorgt. Wir bleiben erst einmal hier und ruhen uns aus. Versuch etwas zu schlafen.". Alaryah war sich nicht sicher, ob ihnen hier tats├Ąchlich nichts geschehen konnte. Doch hatten sie eine andere Wahl? Was h├Ątte sie sonst sagen sollen? Die Albin hoffte, dass ihnen niemand gefolgt war und nur auf einen schwachen, unachtsamen Moment lauerte...
Leise vor Ersch├Âpfung st├Âhnend drehte sich Kirona auf die Seite. Sie hatte ihre H├Ąnde unter ihren Kopf gelegt und war als erstes eingeschlafen. Irgendwann hatte es dann auch die beiden Alben gepackt und die M├╝digkeit siegte ├╝ber die Furcht und die gerade ├╝berstandenen Erlebnisse.
Wieder und wieder wurde Alaryah wach, ihr Schlaf war unruhig und somit nicht wirklich erholsam. Einmal musste sie etwas schlechtes getr├Ąumt haben, denn sie war von kaltem Schwei├č ├╝berstr├Âmt. Sie mahnte sich zur Ruhe, sprach sich selbst Mut zu als sie zu ihren sich nicht r├╝hrenden Gef├Ąhrten sah. Dann pl├Âtzlich raschelte es recht laut in der Ferne und Alaryah fuhr zusammen, gerade dann, als sie fast wieder eingeschlafen war. "Jaro. Kirona.", zischte sie und stubste die beiden nacheinander an. Keine Regung. "Wacht auf, da ist etwas...", sagte sie nun etwas lauter. Wieder nichts. Dann war da eine Stimme. Es schien, als w├╝rde sie jemanden rufen? Dann Schritte, auf der anderen Seite ihres improvisierten Nachtlagers! Alaryah versuchte aufzustehen, doch machten ihr Kreislauf und strapazierte Muskeln einen Strich durch die Rechnung. So humpelte die Albin eher taumelnd herum, schaffte es gerade so einen Dolch hochzuhalten. Der andere entglitt ihren Fingern und fiel dumpf auf den weichen Waldboden. "Verdammt.", fluchte die Albin nun und m├╝hte sich ab eine Verteidigungsstellung einzunehmen. Gerade wollte sie erneut nach ihren Gef├Ąhrten rufen, als das Unterholz vor ihr laut knackend zur Seite geschoben wurde. Ein kleines Albenm├Ądchen trat hervor. "Ich bin hie...", rief sie und unterbrach sich, als sie die zittrige Alaryah pl├Âtzlich vor sich stehen sah. Die Augen des M├Ądchens wurden gr├Â├čer und sie stie├č einen spitzen, erschrockenen Schrei aus. Auch Alaryah bekam einen Schreck und trat ein paar Schritte von dem M├Ądchen weg. "Tinriel! Da bist du ja!", ert├Ânte laut eine M├Ąnnerstimme von der anderen Seite und Alaryah wirbelte herum, stolperte dabei ├╝ber Jaros Bein. "Papa!", rief das M├Ądchen und spurtete an Alaryah vorbei, versteckte sich hinter dem Mann der mit einem Stapel Holz auf dem Arm die kleine Reisegruppe musterte. "Verzeiht, Wer...seid ihr?", fragte er und strich seiner kleinen Tochter ├╝ber den Kopf. Alaryah kam erneut auf die Beine, k├Ąmpfte dabei gegen den Schmerz eines ├╝blen Wadenkrampfes an. Mittlerweile waren auch Jaro und Kirona aufgewacht.

Jaro Balliv├▓r
Wirre Tr├Ąume suchten Jaro heim. Er rannte und rannte und obwohl sich die Umgebung st├Ąndig ver├Ąnderte, schien er nicht voran zu kommen. Schwer wie Blei zog es ihn nach unten und bald w├╝rden sie ihn einholen. Er h├Ârte ihre Stimmen, ihre Schritte auf dem Boden, jemand schrie... die Ger├Ąusche folgten seinem Bewusstsein in den Wachzustand, w├Ąhrend ein Teil von ihm sich noch an den Traum klammerte. Widerwillig stemmte er die Lider nach oben und blinzelte ein paar Mal, bis er scharf sehen konnte. Ruckartig setzte er sich auf und rutschte ein St├╝ck zur├╝ck. Hilfesuchend sah er zu Alaryah, dann zu Kirona, bis sein Verstand sich endlich ganz gekl├Ąrt hatte. Das ist ein Kind, sagte er sich und der Mann tr├Ągt Holz und keine Waffen... Das sind keine Angreifer, alles ist gut. Ein unangenehmes Schweigen war ausgebrochen und Jaro bemerkte das leichte Stirnrunzeln des Vaters. Der Alb begann misstrauisch zu werden. "Ich bin Jaro", h├Ârte er sich sagen. "Das ist Kirona und das ist Alaryah." Aus dem Augenwinkel sah er, wie das Zittern der Waldalbin langsam nachlie├č. Trotzdem hatte er das Gef├╝hl, dass sie dankbar war, dass er das Wort f├╝r sie ergriffen hatte. "Wir haben uns verirrt und hier eine Rast eingelegt, da wir vor Ersch├Âpfung beinahe zusammen gebrochen sind." Instinktiv war ihm diese Halbl├╝ge in den Sinn gekommen. Wenigstens erkl├Ąrte sie ihren miserablen Zustand einigerma├čen. Wenn auch nicht das Blut auf Kironas Kleidern... erst als des Mannes Blick an ihr haften blieb, fiel Jaro wieder ein, wie die Frau auf einen Fremden wirken musste. Doch der Alb war h├Âflich genug, nicht danach zu fragen. "Ich bin Morond." Noch immer klammerte sich die kleine an sein Bein. "Ihr seid unweit eines breiten Pfades, der nach Rankenfels f├╝hrt. Wir kommen von dort. Schon gut, Tinriel, ich glaube nicht, dass diese Leute gef├Ąhrlich sind", fl├╝sterte er dem M├Ądchen zu, die ihn mit gro├čen Augen ansah. "So etwas sieht Papa sehr schnell." Jaro glaubte ihm aufs Wort. Morond wirkte freundlich und offen, aber er strahlte auch einer Sicherheit und St├Ąrke aus, die nur jemand inne hat, der Erfahrung hat und sich zu verteidigen wei├č. "Warum schlie├čt ihr euch uns nicht an? Wir sammeln gerade Holz zum Kochen und Sinyah macht immer viel zu viel." Er l├Ąchelte und griff die Holzscheite neu. "Und nach einer kleinen St├Ąrkung k├Ânnt ihr dann berichten, wieso ihr wirklich hier seid." Wieder blieb sein Blick an Kirona h├Ąngen.

Alaryah Schattenwind
Die Gem├╝ter hatten sich zum Gl├╝ck schnell wieder beruhigt und als die Sonne langsam am Himmel emporstieg fanden sich die drei Gef├Ąhrten mitten im Lager der kleinen Albenfamilie wieder. Auf dem Weg dorthin hatten sie kaum geredet, nur hier und da ein paar Worte gewechselt. Die Familie hatten# einen stabilen Karren bei sich, unweit entfernt war das Pferd angebunden. Kirona konnte sich in einem schmalen Bachlauf zumindest etwas waschen, doch w├╝rde sie wohl ein dampfendes Bad brauchen um wieder komplett sauber zu sein. Morond hatte ihnen seine Frau Sinyah vorgestellt, bei ihr war der ├Ąltere Sohn Foranor. W├Ąhrend Sinyah die Gef├Ąhrten freundlich begr├╝├čt und sie nach dem Kochen mit einer Mahlzeit versorgt hatte, war Foranor den Neuank├Âmmlingen gegen├╝ber weniger aufgeschlossen. Er sa├č nicht mit dem Rest der Familie um die kleine Kochstelle herum, hockte auf dem Bock des Karrens und starrte Alaryah wieder und wieder ├╝ber den Rand seiner Schale hinweg an. Sie bemerkte seine recht d├╝steren und absch├Ątzenden Blicke, wollte sich aber nichts anmerken lassen. "Habt vielen Dank f├╝r das Essen.", sagte Alaryah schlie├člich, um sich selbst etwas abzulenken. "Ihr sagtet, dass ihr aus Rankenfels gekommen seid?", fragte Alaryah und sah zuerst Morond, dann seine Frau an. "Ja.", best├Ątigte er und deutete auf seinen Karren. "Wir haben dort ein paar G├╝ter tauschen k├Ânnen und sind nun auf der Reise zur├╝ck in unseren Hain. Man kann sagen, dass wir eine kleine, aber dennoch erfolgreiche H├Ąndlerfamilie sind.". Er grinste, w├Ąhrend Sinyah l├Ąchelnd die Augen verdrehte und abwinkte. "Wir haben ganz tolle Sachen bekommen! Die musst du dir ansehen!", platzte es aus Tinriel heraus, die daraufhin aufsprang und zu Alaryah her├╝bereilte. "Looooos. Komm schon!". Sie zog am ├ärmel der Albin und wippte aufgeregt hin und her. "Tinriel!", mahnte Morond, doch Alaryah lenkte schnell ein. "Schon gut, schon gut. Ich sehe mir deine Sch├Ątze gern an.". Langsam erhob sich Alaryah und stellte ihre Schale auf den Boden. Anschlie├čend folgte sie der kichernden Tinriel, die bereits zum Heck des Karrens h├╝pfte.

Jaro Balliv├▓r
Nach all der Zeit, die Jaro nun schon im Waldreich verbracht hatte, versetzte ihn die Freundlichkeit der Alben aufs Neue in Staunen. Ohne weitere Fragen wurden sie zum Essen eingeladen und Moronds Frau hatte eine derart warme und gro├čherzige Aura, dass Jaro sich augenblicklich besser f├╝hlte. Das Mahl glich einem Festessen f├╝r seinen entkr├Ąfteten K├Ârper und er zwang sich, nicht zu gierig zuzulangen, zum einen aus H├Âflichkeit, zum anderen, um nicht zu schnell wieder vor einem leeren Teller zu sitzen. W├Ąhrend ihn schlie├člich wohlige Ermattung ereilte, taute die kleine Tinriel so richtig auf. Besonders Alaryah hatte es ihr angetan und Jaro konnte nicht anders als zu l├Ącheln ├╝ber die aufgeregte Freude des kleinen M├Ądchens. W├Ąhrend die beiden zum Karren eilten, wandte sich Sinya an Jaro. "Du bist ein Lichtalb, nicht wahr? Oder gar ein Frostalb? Nein... da w├Ąre es dir hier vermutlich zu warm..." Sie kicherte verlegen und sprach direkt weiter, sodass Jaro gar nicht dazu kam zu antworten. "Ich habe schon immer zu Morond gesagt, eines Tages m├╝ssen wir auch mal andere Alben besuchen. Immerhin sind wir doch alle fast die selben, oder? Du bist ja auch hier bei uns, das ist doch einfach wunderbar."
"Liebling", mahnte Morond. "Quassel den armen Jungen doch nicht so zu, er hat ja kaum Zeit Luft zu holen." Gespielt mitleidig sah er Jaro an und zwinkerte. "Frauen..."
"Schon gut", sagte Jaro und tats├Ąchlich war es angenehm einer unbeschwerten Stimme zu lauschen nach allem, was sie zuletzt erlebt hatten. "Ich bin aus Avinar und ich habe auch Alaryah und Kirona schon angeboten, mich einmal zu besuchen. Es ist ganz anders als hier, aber doch auch sehr sch├Ân." Sinyahs aufmerksame Augen fixierten ihn eindringlich. "Oh, erz├Ąhl uns davon! Unbedingt. Und du auch, Kirona, von wo stammst du?" Jaro und Kirona blickten sich an, um zu entscheiden, wer zuerst sprechen sollte, doch pl├Âtzlich unterbrach Tinriels helle Stimme das noch nicht gestartete Gespr├Ąch. Sie klang nun nicht l├Ąnger freudig, sondern ├Ąrgerlich und blitzschnell fuhren die K├Âpfe der beiden Eltern herum.

Alaryah Schattenwind
Tinriel zog die schwere Plane etwas zur Seite und schl├╝pfte in das Innere des Karrens. Alaryah wartete davor, w├Ąhrend Tinriel munter weiterplappernd herumpolterte. Gerade, als Alaryah ebenfalls die Plane etwas zur Seite schieben wollte um nach der kleinen zu sehen stellte sich ihr pl├Âtzlich Foranor in den Weg. Er verschr├Ąnkte die Arme vor der Brust und sah auf die kleine Albin hinab. Foranor war zwar j├╝nger als Alaryah, dennoch fast einen Kopf gr├Â├čer. "Was habt ihr wirklich getrieben?", fragte er erstaunlich kalt. Alaryah zog eine Augenbraue hoch und begegnete den Blicken des Alben nun mit fester Entschlossenheit. "Ihr habt euch also verirrt, ja?". Morond hatte dieses Detail bei der Vorstellung erw├Ąhnt, so nickte Alaryah nur. "Ich glaube euch kein Wort.". "Nun, dann ist das wohl einfach so?". Alaryah, die gerade noch gut gelaunt und dankbar ob der Ablenkung durch Tinriel war, hatte nun einfach keine Lust sich mit diesem J├╝ngling auseinanderzusetzen. Tinriel steckte den Kopf unter der Plane hervor und kletterte anschlie├čend mit mehreren kleinen Gegenst├Ąnden wieder von dem Karren herunter. "Hier, sieh doch nur!". Voller Stolz reckte sie Alaryah eine Puppe entgegen. "Die habe ich gestern von Mama bekommen. Oder war es vorgestern?". "Ihr seid doch ein Waldl├Ąufer. Einfache Wanderer haben nicht solch eine Ausr├╝stung wie ihr. Waldl├Ąufer verirren sich niemals.". Alaryah sah zwischen Tinriel und ihrem Bruder hin und her. "Ich bin hier niemandem Rechenschaft schuldig?". Alaryah sch├╝ttelte den Kopf und kniete sich zu Tinriel hinunter. "Sie ist wirklich wundersch├Ân. Fast so eine Prinzessin wie du, hm?", sagte Alaryah zu Tinriel, die ihr die Puppe in die Hand gedr├╝ckt hatte und nun verlegen kicherte. Alaryah hatte sich vorgenommen Foranor nicht weiter zu beachten. "Ihr zieht mit Fremden durch das Waldreich. Eine Frau voller Blut ist bei Euch? Wer sind die in Wirklichkeit?". Alaryah bem├╝hte sich nicht weiter auf den Alben zu h├Âren, zog immer wieder Tinriels Aufmerksamkeit auf sich und lenkte sie von ihrem Bruder ab. "Ich w├╝rde aber sagen, dass du gut auf die kleine Prinzessin aufpassen musst, oder? Ich meine sieh nur, sie ist ja noch kleiner als du und braucht vielleicht Hilfe in der Welt von uns gro├čen, was meinst du?". Tinriel nickte eifrig. "Jaaah!", best├Ątigte sie, nahm die Puppe wieder an sich und dr├╝ckte sie fest. "Wir k├Ânnen ja beide auf sie aufpassen!", schlug sie Alaryah daraufhin vor, diese l├Ąchelte nur und stubste Tinriel leicht in den Bauch. Gerade, als sie noch etwas sagen wollte, schoss ein Satz von Foranor durch ihren Kopf. Hatte er da gerade wirklich "Besch├╝tzen? Wahrscheinlich konntet ihr nicht einmal eure Sippe besch├╝tzen und wurdet deshalb versto├čen und zieht jetzt mit seltsamen Gestalten umher." gesagt? Alaryah sprang auf, Tinriel wich erschrocken zur├╝ck. Die kleine Albin drehte sich zu Foranor um, ging auf ihn zu. Er versuchte selbstsicher zu wirken und wollte St├Ąrke ausstrahlen, doch es gelang ihm eher mittelpr├Ąchtig. "Wagt es nicht solche Worte erneut auszusprechen.", zischte Alaryah zwischen ihren Z├Ąhnen hindurch und funkelte den Alben von unten her an. Sie h├Ątte ihm am liebsten eine Lektion erteilt, doch war da immer noch Tinriel. Diese jedoch dr├Ąngte sich zwischen die beiden und stellte sich vor Alaryah. "Sei nicht immer so gemein!", schrie die kleine nun und verzog grimmig den Mund. "Alaryah hat dir gar nichts getan! Immer bist du nur frech!". W├╝tend pustete sich Tinriel eine Haarstr├Ąhne aus dem Gesicht, w├Ąhrend sie ihre kleinen H├Ąnde zu F├Ąusten geballt hatte. "Tinriel, lass uns zur├╝ck zu den anderen gehen.", meinte Alaryah beruhigend und schob die kleine von ihrem Bruder weg. "Aber er hat doch angefangen!", protestierte sie noch, folgte dann aber brav. "Das n├Ąchste Mal kommst du mir nicht einfach so davon.", fl├╝sterte Alaryah Foranor noch einmal zu, den sie dann beim Karren stehenlie├čen.

Jaro Balliv├▓r
"Tinriel! Foranir!", rief Morond bestimmt. "Was soll das? Verh├Ąlt man sich so vor G├Ąsten?"
"Er war gemein zu Alaryah!", beharrte Tinriel trotzig. Foranir folgte den beiden zur Essstelle und Jaro nahm ihn ├╝berhaupt das erste Mal wahr.
"Ich finde es eben nicht gut, wenn wir merkw├╝rdige Fremde mit offenen Armen in unserer Mitte willkommen hei├čen. Eine bewaffnet, eine voll Blut und ein arroganter Wei├čling..."
"Foranir!" Morond hob den Zeigefinger. "Noch ein Wort und du kannst den restlichen Weg zu Fu├č gehen! Wo sind deine Manieren?"
"Jeder wei├č doch, dass sie sich f├╝r etwas Besseres halten", sein zorniger Blick blieb an Jaro h├Ąngen, der automatisch die Schultern anspannte. "Und die da erdrosselt uns wahrscheinlich im Schlaf." Kirona schluckte betreten. "Und du", erneut wandte er sich an Alaryah, doch was auch immer er sagen wollte, kam nicht ├╝ber seine Lippen. Morond war aufgestanden und hatte ihm eine schallende Ohrfreige verpasst. "Junge, rei├č dich am Riemen, ehe ich mich vergesse. Kein Wunder, dass Lasyr meinte, du bist nicht bereit f├╝r die Waldl├Ąuferausbildung."
"Aber Vater, interessiert es dich denn gar nicht, wer sie sind und was sie hier machen?" R├Âte stieg ihm ins Gesicht. Seines Vaters Worte waren ihm offenbar peinlich.
"Nat├╝rlich tut es das, doch das werden sie uns schon sagen, wenn sie der Meinung sind, dass wir es wissen sollten."
"Und uns zuvor nicht umgebracht haben."
"Wieso musst du deiner Schwester unn├Âtig Angst machen? Glaub mir, ich erkenne einen kaltbl├╝tigen M├Ârder, wenn ich ihn vor mir habe und diese drei sind keine." Jaro entging nicht, dass seinen Worten zum Trotz sein Blick wieder kurz zu Kirona blitzte.
"Und was, wenn du dich t├Ąuscht?"
"Ich t├Ąusche mich nie. Und jetzt entschuldige dich!" Er lie├č seinen Sohn los und sah ihn erwartungsvoll an, doch Foranir spuckte nur auf den Boden, machte auf dem Absatz kehrt und rannte in den Wald.
"Ach... was machen wir nur mit ihm?", seufzte Sinyah. "Es tut mir furchtbar leid, ihr Lieben."
"Er ist in einem schwierigen Alter. Noch dazu die Absage f├╝r die Ausbildung... es ist sein Traum, wisst ihr. Ein Waldl├Ąufer zu werden." Mit einem schwachen L├Ącheln sah er Alaryah an.

Alaryah Schattenwind
Alaryah mischte sich nicht weiter in das Gespr├Ąch ein. Die Standpauke hatte gesessen. Tinriel verstand nicht ganz, was geredet wurde und verfolgte eingesch├╝chtert die Szenerie. Kurz erhaschte Alaryah die Aufmerksamkeit der kleinen und zeigte, kaum f├╝r die anderen sichtbar, auf die Puppe in Tinriels Arm. Diese erinnerte sich an das Versprechen aufzupassen, dr├╝ckte die Puppe wieder fest an sich und t├Ątschelte ihren Kopf.
Als Alaryah mitbekam, dass Foranir Waldl├Ąufer werden wollte, wurde sie hellh├Ârig.
"Schon gut, Sinyah, wirklich. Es ist ja nichts passiert.". <Was auch sein Gl├╝ck war.>, dachte Alaryah den Satz in Gedanken weiter. "Verzeiht, ihr h├Ąttet das nicht sehen sollen.", meinte nun auch Morond und sch├╝ttelte ratlos den Kopf. "Ich denke die Situation ist nun erst einmal gekl├Ąrt, oder?". Alaryah sah sich nach ihren Gef├Ąhrten um, die scheinbar allgemeine Zustimmung bekundeten. "Wollen wir uns nicht weiter damit befassen und diesen Streit einfach vergessen.", stimmte Kirona schlie├člich zu. Sie schien durch die Worte doch etwas verletzt, verbarg es aber erstaunlich gut. "Wir sollten euch auch nicht zu lang zur Last fallen.", meinte Alaryah schlie├člich. "Wir m├╝ssen bald weiterziehen, es geht Richtung Norden.". Morond nickte verst├Ąndnisvoll. "Keine Sorge, ihr seid keine Last f├╝r uns.", widersprach Sinyah. "Ich denke es ist leichter, wenn ihr ein St├╝ck weit mit uns reist.", stellte Morond fest. "Nat├╝rlich k├Ânnt ihr euch durch das Unterholz schlagen, doch mit dem Karren sind wir schneller. Die Stra├čen hier sind gut und obwohl es ein kleiner Umweg ist solltet ihr schneller auf dem Pfad nach Norden ankommen. Ihr wollt doch bestimmt die alte Reiseroute nehmen, vorbei an den G├╝ldenen Lichtungen? Dann weiter ├╝ber die Kieferbr├╝cke?". Jaro und Kirona hatten keine Antwort auf diese Fragen, doch Alaryah nickte. "Genau das ist unser Weg. Aber Morond, ich w├╝rde gern noch ein paar Worte mit meinen Gef├Ąhrten wechseln.". Der Alb nickte. "Nehmt euch alle Zeit die ihr braucht, wir reisen nicht so schnell ab.". W├Ąhrend er mit Hilfe seiner Frau begann das Lager abzubrechen nahm Alaryah Jaro und Kirona ein paar Schritte mit sich. Tinriel wollte folgen, doch Moronds "Tinriel?!" lie├č sie etwas abseits anhalten.
"Wie geht es euch, habt ihr euch etwas erholen k├Ânnen?", fragte Alaryah in die Runde als sie allein waren. Vorher hatte sie sich nicht wirklich nach dem Wohlergehen ihrer Gef├Ąhrten erkundigt, das musste schleunigst nachgeholt werden. "Ich wollte das Angebot nicht einfach annehmen ohne mit euch gesprochen zu haben. Wir sollten vielleicht eine Tagesreise bei ihnen bleiben, doch dann auf eigene Faust weiterziehen.". Alaryah machte eine kurze Pause. "Falls uns weiterhin Gefahr droht d├╝rfen wir sie da nicht mit hineinziehen.", erkl├Ąrte sie. Das w├╝nschte sich wohl niemand. "Also, wie seht ihr das? Ich glaube eine Reise per Karren tut uns ganz gut und Morond hat Recht. Wir kommen so wirklich schneller voran..."

Jaro Balliv├▓r
Jaro und Kirona nickten. Das Mahl hatte ihre Lebensgeister erweckt. Au├čerdem f├╝hlte sich Jaro merkw├╝rdig wohl in Gegenwart der Familie, von dem trotzigen Sohn vielleicht einmal abgesehen. Als Alaryah vorschlug, einen Tag zu bleiben, war er deshalb auch schon versucht, um eine l├Ąngere Dauer zu bitten, doch die Waldalbin kam ihm zuvor und nat├╝rlich hatte sie Recht. Sie durften der kleinen Familie keine Feinde auf den Hals hetzen. "Ja, das ist gut", sagte Jaro leise. "Noch ist unsere Spur vielleicht verwischt und ein weiterer Tag Erholung kann nicht schaden." Kirona nickte. "Sollten wir Morond beichten, dass wir verfolgt werden?", fragte Jaro, doch sie entschieden, dass das im Augenblick nur unn├Âtige Unruhe hinein bringen w├╝rde. "Manchmal reist man sicherer, wenn man nicht wei├č, das man in Gefahr schwebt", murmelte Kirona und Jaro sah sie erstaunt an. Nachdem sie so lange in Trance gewesen war, kam es ihm merkw├╝rdig vor, sie wieder normal sprechen zu h├Âren. Bislang hatte sie noch kein Wort ├╝ber die Zeit verloren, die sie nicht Herrin ├╝ber sich selbst gewesen war und Jaro traute sich auch nicht zu fragen. Ob sie sich erinnerte?
Im Hintergrund sah Jaro Tinriel ungeduldig von einem Fu├č auf den anderen wippen, im Versuch den Hals so hoch zu recken, wie es nur ging. Morond beobachtete seine Tochter streng, aber mit Liebe im Blick.
"Ich glaube, da hat jemand einen Narren an dir gefressen, Alaryah", sagte Kirona schmunzelnd und als die Waldlabin sich umdrehte, kicherte das kleine Kind versch├╝chtert und hob die Puppe vor ihr Gesicht.

Alaryah Schattenwind
Es war also beschlossene Sache. Sie w├╝rden ein kurzes St├╝ck weg mit der Familie gemeinsam reisen. Kirona wies Alaryah auf Klein-Tinriel hin, die immer noch dort vorn wartete. "Los, lasst uns beim Abbau des Lagers helfen.", schlug Alaryah vor und machte sich mit ihren Gef├Ąhrten auf den Weg zur├╝ck zum Lagerplatz, nat├╝rlich mit Tinriel im Schlepptau. Die Details waren schnell gekl├Ąrt und sowohl Morond, als auch Sinyah freuten sich ├╝ber den Entschluss der kleinen Reisegruppe, Tiniriels Reaktion war nat├╝rlich ├╝beraus vorhersehbar.
Gemeinsam hatten sie bald alles Gep├Ąck verstaut und waren bereit zur Weiterreise. "Morond, wollt ihr nicht noch auf euren Sohn warten?", fragte Kirona w├Ąhrend Jaro und Alaryah auf dem Karren Platz nahmen. "Ach, er wird uns schon finden.", winkte der Alb ab und nahm die Z├╝gel in die Hand. "Wahrscheinlich beobachtet er uns gerade aus irgendeinem Geb├╝sch heraus oder so.". Der Alb schnalzte mit der Zunge und der Karren setzte sich polternd in Bewegung.
Die Fahrt tat den Gef├Ąhrten gut. Es war die richtige Entscheidung gewesen das Angebot anzunehmen, denn so konnten sie ihre m├╝den Knochen noch etwas weiter schonen. Die allgemeine Stimmung w├Ąhrend der Reise war gut, doch gefiel es Alaryah nicht wirklich Foranir zur├╝ckgelassen zu haben. Die kleine Albin konnte sich jedoch nicht wirklich lange auf diesen Gedanken konzentrieren, viel zu oft musste sie sich mit Tinriel besch├Ąftigen. Diese fing nun langsam auch an Jaro und Kirona mit in ihre kleine Welt einzubeziehen. W├Ąhrend Morond den Karren weiter die Stra├če entlang lenkte schaute er immer wieder auf die Ladefl├Ąche, l├Ąchelte dann Sinyah an. Alaryah war sich sicher, dass auch die beiden die Gesellschaft der Gef├Ąhrten genossen...und sie erfreuten sich daran, dass ihre Tochter so viel Spa├č mit ihnen hatte.
Bald wurde es Nachmittag und ein Rastplatz war recht schnell gefunden. Der Karren wurde neben einer gro├čen, majest├Ątischen Weide abgestellt und bald schon knisterte erneut ein kleines Kochfeuer unter einem Kessel, in den Sinyah die ersten Zutaten f├╝r eine Mahlzeit warf. "Habe ich es nicht geasgt?!", fragte Morond laut und stand auf. "Da bist du ja wieder!". Die Gruppe sah in die Richtung, in die der Alb gesprochen hatte. Tats├Ąchlich trat Foranier aus dem Unterholz hervor. "Ich wusste doch, dass du uns findest.", f├╝gte Morond hinzu. Foranir nickte nur.
0 x

Benutzeravatar
Jaro Balliv├▓r
Volkslegende
Beitr├Ąge: 126
Gegebene Likes: 16
Erhaltene Likes: 7
Auszeichnungen: 4
Guthaben: Gesperrt
Volk: Lichtalben
Steckbrief: Bild

Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei├čige Feder in Bronze Schl├╝sselloch

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#38

Beitragvon Jaro Balliv├▓r » Di 17. Apr 2018, 10:41

Jaro Balliv├▓r
Ohne ein Wort zu sagen, lie├č sich Foranir in ihrem lockeren Kreis neben seiner Mutter nieder. Sinyah strich ihm kurz durch das Haar und er lie├č es geschehen. Mit Sicherheit gab es solche Situationen ├Âfter, dachte Jaro, ein bockiger heranwachsender und geduldige Eltern, die ihm den n├Âtigen Freiraum lie├čen, Dampf abzulassen und selber zu entscheiden, wann die Zeit f├╝r eine Wiedervereinigung gekommen war. Ganz so, wie es bei ihm gewesen war, wenn auch ohne heftige Streits wie diesen. "Junger Mann", fuhr Morond fort, "ich glaube, du wolltest dich noch bei unseren G├Ąsten entschuldigen." Foranir blickte nach unten auf seine H├Ąnde. "Schuldigung", murmelte er halbherzig und rupfte einzelne Grashalme aus der Erde. "Das geht aber besser, mein Freund", beharrte Morond, doch ein L├Ącheln nahm die Sch├Ąrfe aus seinen Worten. "Es tut mir leid." Noch immer sah Foranir nicht auf, doch seine Worte waren lauter. Obwohl Jaro zweifelte, dass er es auch so meinte und sicher war, dass Morond dies ebenfalls wusste, gab sich der Alb damit zufrieden. Die Stimmung war trotz allem weiter angespannt, was vor allem daran lag, dass Tinriel ihren Bruder finster anstarrte. Sie sa├č im Schneidersitz vor Alaryah, mit der sie zuvor gespielt hatte und war sofort zu Eis erstarrt, als Foranir das Geschehen betreten hatte. Eine Weile wagte niemand etwas zu sagen und alle schauten Sinyah leicht abwesend beim Kochen zu, jeder offenbar in seine eigenen Gedanken vertieft. "So", setzte Morond schlie├člich an, "morgen verlasst ihr uns dann also. Habt ihr im Norden schon ein sch├Ânes Ziel vor Augen, wenn ich Fragen darf?"

Alaryah Schattenwind
Alaryah hatte die halbherzige Entschuldigung mit einem knappen Nicken entgegen genommen. Sie hatte mit Tinriel noch etwas gespielt, doch dieser Moment hatte einen D├Ąmpfer bekommen. Die kleine Albin schaute Foranir grimmig an und krabbelte schlie├člich ein St├╝ck weg, lie├č Alaryah einfach sitzen. Die anschlie├čende, bedr├╝ckende Stille gefiel Alaryah ├╝berhaupt nicht. Sie rang eine Zeit lang mit sich, war nicht sicher, ob sie etwas sagen sollte. Was h├Ątte sie auch zur allgemeinen Aufheiterung beitragen k├Ânnen? Langsam drifteten ihre Gedanken wieder zur├╝ck zu den unterirdischen Hallen...Da unterbrach Morond pl├Âtzlich das Schweigen und Alaryah war dar├╝ber ├Ąu├čerst dankbar.
"Ein Ziel? Oh, ja, nat├╝rlich.", begann Alaryah und beschrieb kurz ihre weiteren Wegpunkte. "Zumindest ist das die grobe Route.". Die Albin machte eine kurze Pause. "Nat├╝rlich kann sich unser Weg noch ├Ąndern.", f├╝gte sie an. Sinyah hatte noch ein paar Zutaten von dem Karren geholt, kam nun aber wieder zur Gruppe zur├╝ck. Alaryah warf Tinriel einen aufmunternden Blick zu, doch diese schien weiterhin grummelig zu sein. "Werdet ihr auf euren Reisen l├Ąnger bei den Waldl├Ąuferposten bleiben?", fragte Morond schlie├člich weiter. "Bei den Posten?", gab Alaryah zur├╝ck und sammelte ihre Gedanken wieder. Tats├Ąchlich hatte sie, wahrscheinlich eher unbewusst, zwei oder drei Posten auf ihrer weiteren Reise erw├Ąhnt und hervorgehoben. "Nun, je nachdem zu welcher Tageszeit wir dort ankommen wird unser Aufenthalt sich m├Âglicherweise ├╝ber die Nacht ziehen. In der Dunkelheit kommt man nicht immer schnell voran und eine Rast tut immer wieder gut.". Morond nickte. "Vor allem hinter den sicheren Grenzen der Waldl├Ąufer, nicht wahr? Sagt, wie schafft ihr es eigentlich nicht in der Dunkelheit von ihnen niedergestreckt zu werden?". Ohne den Kopf zu bewegen schaute Alaryah nun Morond direkt an. Sie zog eine Augenbraue hoch, war etwas verwundert ├╝ber diese Frage. "Morond...", meldete sich Sinyah zu Wort und legte mit einem sanften L├Ącheln den Kopf schief, deutete dabei kaum merkbar auf Tinriel. "Das ist doch kein Gespr├Ąchsthema f├╝r ein Essen.". Alaryah zuckte etwas zusammen, als Kirona sie mit einer Schale anstubste. Dankend nahm die Albin die Schale mit dem dampfenden Eintopf entgegen und probierte. Irgendwie f├╝hlte sie sich, als h├Ątte sie zu viel geplappert, aber wahrscheinlich kamen diese Gedanken nur von der Zeit unter der Erde. Sie war sich sicher, dass ihnen allen eine ruhige Auszeit nicht schaden w├╝rde...

Jaro Balliv├▓r
Jaro teilte Moronds Interesse an den Wachposten. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, dass sie an dem letzten St├╝tzpunkt gewesen waren und doch erinnerte er sich noch genau an die schwebenden Holzh├╝tten und das magische Spiel der Lichter bei Nacht. Auch Kirona schien sich daran zu erinnern, jedoch weniger positiv, denn sie zuckte ein wenig zusammen. Jaro hielt in Gedanken inne. Konnte sie sich wirklich erinnern, war es eine instinktive Reaktion oder bildete er sich alles nur ein? Er verwarf den Gedanken und sah wieder zu Alaryah. Die Freude dar├╝ber, vielleicht noch einmal einen solchen Posten aufzusuchen, ├╝berwog. M├Âglicherweise konnte ihm dann auch jemand zeigen, wie man richtig mit Pfeil und Bogen umging... diesen Wunsch hatte er trotz der aufw├╝hlenden Erlebnisse nicht vergessen. Sinyah hatte das Gespr├Ąch mittlerweile unterbrochen und begonnen, dampfende Sch├╝sseln zu verteilen. Es duftete wunderbar. Umso verwunderlicher erschien es Jaro, dass die Albin selber nichts a├č. Sie hatte ihre eigene Sch├╝ssel zwar ebenfalls gef├╝llt, doch diese stand nun unber├╝hrt neben ihr auf dem Boden. Z├Âgerlich nahm Jaro ein, zwei L├Âffel. Er blickte sich um. Morond und Foranir a├čen mit gesundem Appetit. Es war wohl in Ordnung trotzdem zu beginnen. Ebenso wie Alaryah, sah er trotzdem hin und wieder zu der schmollenden Tinriel, doch er sagte nichts, wollte sich nicht in die Familienangelegenheiten einmischen. In diesem Moment erhob sich Sinyah ruckartig, sodass sie alle ein wenig zusammen zuckten. "Tinriel Baby, jetzt ist es aber Zeit! Auch du musst etwas essen." Jaro bemerkte einen sch├Ąrferen Ton in der Stimme. Offenbar hatte das M├Ądchen eine Schwelle des Gehorsams ├╝berschritten. "Nein!", br├╝llte die Kleine laut und nun erschrak Jaro endg├╝ltig. "Will nicht!" Wenn sie zuvor schon zornig war, sch├Ąumte sie nun vor Wut. "Madame, keine Widerrede." Sinyah ├╝berbr├╝ckte die kurze Distanz und hob das widerspenstige M├Ądchen hoch. "Wenn du hier nicht essen willst, gehen wir zum Karren!" Tinriel tobte noch immer, doch Sinyah schien einen eisernen Griff zu haben. Leicht besch├Ąmt sah Jaro weg. Das war nun schon der zweite Streit, den sie bezeugten und der sie nichts anging. Schlie├člich wurde das Geschrei leiser. "Entschuldigt die Frauen", sagte Morond. "So sind sie manchmal, nicht Foranir?" Der Junge hatte nur Augen f├╝r seine Sch├╝ssel. "Sooo", fuhr Morond unbeirrt fort. "Nun aber zur├╝ck. Die Waldl├Ąufer... sie interessieren mich schon so lange und vor allem seit", er blickte kurz zu seinem Sohn und fl├╝sterte dann: "seit Foranir sich um eine Ausbildung bem├╝ht. Wie macht ihr das auf der Wache? Ich meine, nachts ist doch alles finster! Wie soll man da Freund von Feind unterscheiden?" Er lachte auf.

Alaryah Schattenwind
Einen Moment lang starrte Alaryah Sinyah hinterher. Tinriel strampelte und zeterte mit leicht rotem Kopf, doch konnte sie sich nat├╝rlich nicht dem festen und sicheren Griff ihrer Mutter entziehen. Die Proteste wurden leiser.
Alaryah war etwas erstaunt, dass Morond so schnell wieder auf das eigentliche Gespr├Ąch zur├╝ckkam. "Naja, wie ihr sicherlich schon geh├Ârt habt, so haben wir allesamt enorm gute Augen, besser gesagt ├Ąu├čerst gesch├Ąrfte Sinne.", erkl├Ąrte Alaryah weiter. "Das liegt alles nur an eurem Training?", fragte Morond und lehnte sich interessiert nach vorn. "Wie sieht denn solch ein Training aus?". Noch bevor Alaryah etwas sagen konnte blickte Morond zu seinem Sohn hin├╝ber. "Was glaubst du, Foranir, das kann doch nicht einfach nur Training sein?". Foranir unterbrach sein Mahl, hob langsam den Kopf von seiner Sch├╝ssel empor und schaute Alaryah direkt in die Augen. Ganz sachte sch├╝ttelte er den Kopf. "Nein.", murmelte er. "Nicht einfach nur Training.". Alaryah l├Âste ihren Blick von Foranir, der irgendwann endlich wieder den Kopf senkte und sein Mahl fortsetzte. "Was...ehm...was denkt ihr denn, was wir sonst noch tun?", fragte Alaryah schlie├člich und sah sich hilfesuchend nach ihren Gef├Ąhrten um. Sie mochte diese Aufmerksamkeit, die gerade auf ihr zu ruhen schien, ebensowenig wie die vorangegangene Stille. Unsicher rutschte die Albin auf ihrem Platz hin und her. "Jedenfalls kann ich euch nicht alle Einzelheiten ├╝ber die Trainingseinheiten sagen.", fuhr Alaryah schlie├člich fort. "Das w├╝rde einfach zu lange dauern.", erkl├Ąrte sie und dachte kurz nach. "Es ist ein langer Weg, bis man mit der Ausbildung fertig ist. Ein Punkt ist eben, dass man sich in der Finsternis auf alle seine Sinne verl├Ąsst und...". Morond seufzte. "Ich verstehe schon.", unterbrach er Alaryah. "Ihr k├Ânnt es nicht sagen, verzeiht.". "Morond, so versteht doch, ich..." Alaryah verstummte, als der Alb einfach nur die Hand hob. "Schon gut.". "Nein, Vater. Lasst sie weitersprechen.", mischte sich nun pl├Âtzlich Foranir ein. Langsam verlor Alaryah den Anschluss. "Ich ehm...". Sie wusste nicht so recht weiter. "Bitte, fahrt doch fort.", sagte Foranir mit schon fast blumiger Stimme. Alaryahs Kiefermuskeln begannen sich zu spannen, sie biss die Z├Ąhne aufeinander. Wollte der junge Alb sie verh├Âhnen? "Lasst...lasst uns doch ├╝ber etwas anderes reden.", h├Ârte Alaryah sich selbst sagen und hoffte, dass ihre Worte Anklang fanden.

Jaro Balliv├▓r
Kirona und Jaro wechselten einen Blick, w├Ąhrend Alaryah regelrecht ins Verh├Âr genommen wurde. Bislang hatte sich Jaro nichts dabei gedacht, immerhin fand er das Thema ebenso interessant wie Morond und sein Sohn, doch etwas in Kironas Augen stimmte ihn nachdenklich. Die Situation war merkw├╝rdig und nun suchte auch Alaryah Blickkontakt. Jaro schluckte. Er wusste nicht, was er beitragen sollte. Morond beendete seine Fragerei und glich wieder dem h├Âflichen Alben, der er zuvor gewesen war, doch nun l├Âste Foranir ihn ab. Kirona rettete sie alle aus der misslichen Lage, denn urpl├Âtzlich ergriff sie das Wort. Nicht zum ersten Mal staunte Jaro dar├╝ber. "Wie lange m├Âchstest du denn schon Waldl├Ąufer werden?" Sie l├Ąchelte dem Jungen aufmunternd zu, doch als dessen Blick herumfuhr, sah Jaro kurz Wut darin. Sie verschwand ebenso schnell wie sie gekommen war und wurde durch das L├Ącheln ersetzt, das, wenn Jaro ehrlich war, noch viel weniger zu ihm passte. "Seit ich geh├Ârt habe, dass es Eindringlinge im Waldreich gibt." Er sprach weiter sanft, doch sein Blick lag starr auf Kirona. "Foranir", meldete sich nun wieder Morond zu Wort und vollf├╝hrte eine beschwichtigende Geste mit der Hand. "Nein, ich meine keine Besucher wie euch. Ich meine R├Ąuber und B├Âsewichte, die dem Wald schaden und unsere Sch├Ątze rauben wollen. Habt ihr nichts davon geh├Ârt?" Er sah von Kirona zu Alaryah und auch zu Jaro. Was sollte er antworten? Der Junge erschien ihm merkw├╝rdig. Gestern Abend war er noch furchtbar feindselig gewesen und nun hatte die Begeisterung f├╝r dieses Thema ihn in seiner Gewalt und warf ihn zwischen den Emotionen hin und her. "Doch, schon", sagte Jaro schlie├člich, denn er wollte auch etwas beitragen und nicht die gesamte Last auf Alaryahs Schultern abladen. "In Rankenfels sprachen manche davon, dass hie und da B├Ąume gef├Ąllt und das Erdreich umgegraben worden ist." Eine schwache L├╝ge und er wusste es... aber wie viel durfte er diesen Leuten anvertrauen? Zu viel Wissen konnte die junge Familie unn├Âtig in Gefahr bringen. "Bitte sagt es mir. Es ist so aufregend." Foranir hatte die L├╝ge nat├╝rlich sofort entlarvt, doch wie er darauf reagierte, lie├č Jaro misstrauisch die Augen zusammen kneifen. "Ich meine, immerhin wart ihr doch nicht umsonst, in einem derart miserablen Zustand, als wir euch gestern fanden, oder?" Morond grinste breit. "Flieht ihr vor etwas? Oder jagt ihr es? M├Âglicherweise k├Ânnen wir helfen!" Foranirs Augen weiteten sich. "Oh ja! Wir k├Ânnen helfen!" Von hinten drang pl├Âtzlich Sinyahs Stimme heran, so sanft, wie vor ihrer Zurechtweisung der kleinen Tinriel. "Das k├Ânnen wir wirklich. Wir haben einen schnellen Karren, kennen diesen Teil des Waldes. Vielleicht haben wir gar etwas gesehen, das euch hilft?" Kirona, Alaryah und Jaro sahen von einem zum andern, suchten dann wieder gegenseitig die Blicke, h├Âchst verwirrt.

Alaryah Schattenwind
Dieses hin und her der Emotionen brachte Alaryah etwas durcheinander. Sie hatte schon bef├╝rchtet, dass ihre vergangene Reise irgendwann zum Thema werden k├Ânnte. Die pl├Âtzlichen Hilfsangebote der Familie stimmten Alaryah misstrauisch. "Ihr habt Recht.", begann die Albin und behielt sicherheitshalber alle Familienmitglieder im Blick. "Wir sind nicht zuf├Ąllig so ersch├Âpft und aufgerieben gewesen.". Wieder hafteten die Blicke auf ihr. "Ich bin auf einem Botengang.", begann Alaryah und versuchte dabei so selbstsicher zu sein wie es gerade nur ging. Wirklich gelogen hatte sie noch nicht einmal. "Wir haben uns eher zuf├Ąllig getroffen, Jaro und ich.", sprach Alaryah weiter und sah dabei nicht einmal zu ihren Gef├Ąhrten her├╝ber. "Kirona hat sich auf ihrer Durchreise verirrt. Bevor wir uns trafen...", Alaryah deutete in die Runde, "...habe auch ich uns auf eine falsche F├Ąhrte gef├╝hrt. Zu lang war die Reise durch das Unterholz, zu knapp der Proviant und die eingeplante Zeit.". Alaryah f├╝hlte, wie sie sich gerade um Kopf und Kragen reden mochte. "Wir sind euch dankbar f├╝r all die Hilfe, die ihr uns bisher habt zukommen lassen. Gerne nehmen wir auch das Angebot an, dass ihr uns auf der Weiterreise ein St├╝ck mitnehmt. Ich muss Richtung Norden, werde Jaro dort in die Obhut der Waldl├Ąufer geben. Kirona geleite ich, nach der ├ťberbringung meiner Botschaft, wieder hinaus aus dem Waldreich.". Schweigen. "Nat├╝rlich werde ich ein gutes Wort f├╝r Euch...naja, euren Sohn einlegen.". Alaryah hoffte, dass ihr recht spontan aufgebautes Konstrukt aus Geschichte und gestreckter Wirklichkeit gut genug war. Scheinbar reichte es um weiteren Fragen zu entgehen. "Nundenn!", sagte Morond schlie├člich mit fester Stimme, klopfte sich auf die Oberschenkel und stand auf. "Dann sollten wir keine Zeit mehr vergeuden!". Bewegung kam in die Familie. "So lasst uns weiterziehen. Wir werden eins eurer Ziele auf jeden Fall vor Einbruch der Nacht erreichen.". Sinyah nickte eifrig. "Ja, werden wir. Foranir, spann schon mal den Karren an!". Ohne auch nur ein Wort zu erwidern stand der junge Alb auf und eilte in Richtung Karren. "Was ist hier pl├Âtzlich los?", fragte Alaryah, als man sie mit ihren Gef├Ąhrten allein gelassen hatte. "Findet ihr das Verhalten von ihnen nicht auch etwas...nunja, sonderbar?". Alaryah beobachtete das Geschehen f├╝r ein paar sekunden. "Ich hoffe, dass die Geschichte sie zumindest etwas ├╝berzeugen konnte..."

Jaro Balliv├▓r
"Ja", fl├╝sterte Kirona. "Sie sind so... eifrig. ├ťberdreht. Findest du nicht auch, Jaro?" Er nickte. "Das stimmt und auch etwas hektisch. Ich habe schon ├╝berlegt, ob sie versuchen, ihr Gestreite zu ├╝berspielen, ihr wisst schon, als w├Ąre es ihnen peinlich?" Kurz w├Ągten Alaryah und Kirona seine Worte ab. "Hm", machte Alaryah und Kirona fl├╝sterte: "Mir kommt es eher vor, als w├Ąren sie berauscht." Im Hintergrund werkelte die Familie am Karren herum und auch Tinriel hatte ihren ├ärger vergessen und spielte friedlich mit der Puppe. "Aber wir h├Ątten doch gemerkt, wenn sie etwas genommen h├Ątten." Jaro blickte zu dem Kessel. "Oder wir w├╝rden es ebenfalls sp├╝ren." Kirona zuckte mit den Schultern. Wenn sie noch weitere Gedanken dazu hatte, lie├č sie sie nicht teilhaben. Kurz darauf n├Ąherte sich Tinriel. "Ihr bleibt noch?" Ihre Worte waren freudig, doch sie l├Ąchelte nicht und Jaro fiel auf, dass sie ihre Puppe am Kopf festhielt. Er wusste nicht warum, doch irgendwie erschien ihm das merkw├╝rdig. "Das ist super! Ich m├Âchte Alaryah doch noch mein anderes Kleid zeigen!" Die Waldalbin l├Ąchelte, doch Jaro sah, dass es hinter ihrer Stirn arbeitete. "Gerne, meine Kleine", sagte sie leise. Morond und Foranir brachten derweil ein paar Ketten, bauten den Kessel ab und trugen ihn mit deren Hilfe zum Wagen. "Gleich sind wir so weit!", rief Morond zu ihnen hin├╝ber. "Wenn ihr m├Âchtet, steigt gerne schon auf!" "Wir k├Ânnen auch noch bei etwas helfen!", schlug Jaro vor, doch der Alb sch├╝ttelte nur den Kopf. "Wir wollen doch unseren Teil beitragen, dass eure Reise den gew├╝nschten Ausgang nimmt. Das geh├Ârt dazu." Und so sa├čen die drei etwas betreten da, bis endlich alles verstaut und verschn├╝rt war und sie allesamt die dunkler werdende Stra├če entlang ratterten. Morond sa├č mit Foranir vorne und wie├č ihn offenbar an, wie der Karren zu steuern sei und wie er sich in der Nacht orientieren konnte. Tinriel lag schon recht schl├Ąfrig in eine Decke eingeh├╝llt bei ihnen, den Kopf auf Alaryahs Scho├č gebettet. Von Zeit zu Zeit vielen ihr die Augen zu, doch sie k├Ąmpfte beharrlich gegen den Schlaf, wie aus Furcht sie k├Ânnte etwas verpassen. Noch war es mild und sie hatten die Planen ge├Âffnet, um die laue Abendluft zu genie├čen. Deshalb sah Jaro ihn mit seinen scharfen Augen schon von weitem. Er stupste Kirona an, die ihm an n├Ąhesten sa├č. Alaryah hatte ihn ebenfalls bereits ersp├Ąht. Jemand kam ihnen entgegen. Sie tauschten fragende Blicke. Falls Sinyah dies merkte, so war sie h├Âflich genug nichts zu sagen. St├╝ck f├╝r St├╝ck n├Ąherten sie sich einander und schlie├člich erkannte ihn Jaro. Linor. Nerv├Âs blickte er zu Alaryah. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden war heikel ausgegangen, doch falls die Waldalbin dies noch besch├Ąftigte, lie├č sie sich nichts anmerken. Der S├Ąnger war stehen geblieben. Als sie ihn passierten, breitete sich das strahlende und einnehmende L├Ącheln auf seinem Gesicht aus, mit dem er all die Frauen im Publikum schon verzaubert hatte. Er sagte nichts, doch er vollf├╝hrte die Verbeugung eines Gentlemans und zwinkerte Alaryah zu. Qu├Ąlend langsam stotterte der Wagen an ihm vorbei und er folgte ihnen mit den Augen, noch immer grinsend. Erst, als er sogar f├╝r Jaros Augen fast zu fern war, um Genaueres zu erkennen, setzte er seinen Weg fort.
0 x
~ Die gr├Â├čte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 29
Erhaltene Likes: 3
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Waldalben

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#39

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Mo 23. Apr 2018, 23:28

Irgendwann merkte Alaryah schon gar nicht mehr, dass sie sanft Tinriels Kopf streichelte. Das Albenkind d├Âste dabei immer wieder weg, zuckte dann jedoch st├Ąndig mit einem schwachen Aufflackern von letzter Energie zusammen. Allerdings konnte Tinriel schlie├člich nicht mehr gegen die M├╝digkeit ank├Ąmpfen und letztendlich fielen ihr die ├äuglein zu. Alaryahs Blick wanderte nun recht ziellos umher, ihr kam das Verhalten der Familie weiterhin seltsam vor. Sie sagte aber nichts weiter dazu...vorerst. Vielleicht w├╝rde sich ja sogar alles von selbst kl├Ąren oder sie reagierten alle nur etwas zu empfindlich?
Dann erblickte die Albin eine Gestalt, auch Jaro und Kirona hatten sie bemerkt. Instinktiv hatte Alaryah das Bed├╝rfnis sich zu verteidigen, doch behielt sie die Kontrolle ├╝ber ihren K├Ârper und blieb einfach sitzen. Es war auch nur eine Person, was k├Ânnte von dieser schon f├╝r eine Bedrohung ausgehen? Und doch...was, wenn es einer der Schergen war? Einer, der ebenso wie Kirona und die anderen Angreifer t├Ątowiert waren? Was, wenn es die Magierin war? Alaryah biss die Z├Ąhne aufeinander. Niemand schien die ihnen entgegenkommende Person als Gefahr anzusehen, also zwang sich die Albin nun auch zur Ruhe. <Du drehst noch durch.>, sagte Alaryah zu sich selbst. <Das m├╝ssen die Nachwirkungen dieser Ruine sein...>.
Alaryah h├Ątte nicht genau beschreiben k├Ânnen, was sie in dem Moment f├╝hlte, als sie den Alben erkannte. Linor machte Platz, hatte wieder sein L├Ącheln aufgesetzt und schwieg. <Das kann doch nicht wahr sein!?>, h├Ârte sich Alaryah in Gedanken schreien. <Was macht ausgerechnet ER hier? Von allen Wanderern, die wir unterwegs treffen k├Ânnen, warum ausgerechnet IHN?!>. Alaryah atmete tief durch, versuchte jeglichen Blickkontakt zu meiden. Es gelang ihr nicht. Irgendwann trafen sich die Blicke der beiden und Linor zwinkerte Alaryah zu. <Was soll denn das jetzt?!>. Alaryahs Herz raste, als sie den Blick abwandte. Sie schaute sich unsicher zu Jaro und Kirona um, die jedoch weiterhin Linor im Auge behielten. Es kam Alaryah schon fast so vor, als m├╝ssten alle ihren Herzschlag h├Âren! Was war nur los? Warum l├Âste dieser Kerl nur wieder solche Gef├╝hle in ihr aus? Es war eine Mischung aus Wut, Schw├Ąrmerei, Gleichg├╝ltigkeit und noch viel mehr. Die kleine Albin war mit der Situation ├╝berfordert und hoffte, dass das niemand merken w├╝rde. Dieses Zwinkern. Dieser Blick. Der S├Ąnger hatte irgendwie etwas D├╝steres und Mysteri├Âses an sich gehabt. Alaryah war sich sicher, dass sie mit jemandem ├╝ber diesen f├╝r sie ├╝bernat├╝rlichen Wust an Gef├╝hlen reden musste.
Endlich hatten sie Linor hinter sich gelassen. Er machte keinerlei Anstalten ihnen zu folgen, stattdessen setzte er wohl seinen Weg fort. Alaryah merkte, wie die Anspannung langsam aber sicher aus ihrem K├Ârper wich. Noch w├Ąhrend sich Alaryah auf etwaige Fragen ihrer Gef├Ąhrten einzustellen versuchte fiel ihr pl├Âtzlich eine Ungereimtheit auf...Sie waren vor Linor aus Rankenfels aufgebrochen. Wie war es nun m├Âglich, dass er ihnen entgegenkam? Selbst wenn er etwas in Rankenfels vergessen hatte, so h├Ątte er die Reisegruppe ├╝berholen m├╝ssen? Oder kannte der Musiker etwa andere Wege? Alaryah schloss die Augen, als immer mehr Fragen in ihrem Kopf auf sie einprasselten. Sie versuchte Ordnung in dieses Gedankenchaos zu bringen. Dann sp├╝rte die Albin pl├Âtzlich ein leichtes Zwicken am Oberschenkel. Sie schlug die Augen wieder auf und sah, dass Tinriel aufgewacht war. "Geht es dir gut?", fragte Tinriel mit f├╝r sie recht n├╝chterner Stimme, legte den Kopf schief und starrte Alaryah mit gro├čen Augen an. "Ja...ja ich war nur...abgelenkt. Alles gut.", w├╝rgte Alaryah das Gespr├Ąch mit der kleinen ab. "Gut.", gab diese jedoch unbeeindruckt zur├╝ck. "Weisst du, ich m├Âchte nicht, dass du dir Sorgen machst oder so.", redete Tinriel unbeirrt weiter. Noch bevor Alaryah etwas antworten konnte hatte sich das Albenkind schon wieder umgedreht und die Augen geschlossen...
0 x

Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 29
Erhaltene Likes: 3
Guthaben: Gesperrt
Tempel: Gesperrt
Volk: Waldalben

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#40

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Di 24. Apr 2018, 22:58

Jaro Balliv├▓r
Sie brauchten sich nicht anzusehen, um zu wissen, dass der jeweils andere ebenfalls aufhorchte. Die Worte kamen aus Tinriels Mund, doch sie klangen wie die, eines Erwachsenen. Z├Âgerlich blickte Jaro zu Sinyah, doch die Mutter der Kleinen hatte von irgendwo Stickzeug herausgefischt und arbeitete in aller Seelenruhe daran. Allm├Ąhlich kam Jaro sich vor wie in einem Traum. Die Sprunghaftigkeit der Familie, die stumme Begegnung mit Linor... Oder konnte es wirklich sein, dass sie durch die schrecklichen Erlebnisse in der versunkenen Festung ├╝bersensibel waren? Jaro ├╝berlegte, was er sagen konnte, um die angespannte Stille zu durchbrechen, doch er wollte Tinriel nicht wieder wecken und eigentlich wusste er auch gar nicht, welches Thema er beginnen sollte. So war eine Zeit lang das Rattern der h├Âlzernen R├Ąder auf dem Waldweg, das Scheppern und Klirren der Wagenladung und die gep├Ąmpften Stimmen von Foranir und Morond das einzige, das sich von der abendlichen Idylle des Waldes abhob, in der Grillen ihr Lied sangen und der laue Wind in den Bl├Ąttern raschelte. Ein paar Wortfetzen der beiden Alben drang bis zur Ladefl├Ąche vor. Sie sprachen erneut von den Waldl├Ąufern, von Kampftechniken und T├Ąuschungsman├Âvern, aber auch von Magie. Foranir schien der Auffassung zu sein, dass die anderen Anw├Ąrter ihm gegen├╝ber Vorteile besessen hatten, da sie ├╝ber besondere F├Ąhigkeiten verf├╝gt h├Ątten. Jaro sah zu Alaryah und es erstaunte ihn nicht, dass sie ebenfalls angestrengt lauschte. Morond beschwichtigte seinen Sohn derweil. "Was soll das denn f├╝r eine Art von Magie sein, mein Sohn? Meinst du, sie haben eine Art Zaubertrank getrunken, der sie besonders stark macht?" Er lachte ├╝berraschend laut auf und Tinriel regte sich auf Alaryahs Scho├č, worauf Sinyah aufblickte und mit der Zunge schnalzte. "Entschuldigung", fl├╝sterte Morond schuldbewusst. "Aber ich muss unserem Jungen solche M├Ąrchen aus dem Kopf treiben, oder nicht? Jeder wei├č doch, dass es so etwas nicht gibt, irgendwelche Wundermittel, durch die man zum Unbesiegbaren wird... alles Flei├č und Disziplin sage ich!" Jaro schluckte. Drehte er nun vollkommen durch oder dachten sie alle gerade an das kleine Schriftst├╝ck, das sie aus der Ruine geborgen hatten? "Was ist? Hat es euch die Sprache verschlagen? Ihr seid ja kreidebleich!", rief Morond mit gleichbleibender Fr├Âhligkeit aus und beantwortete Jaro damit die stumme Frage.

Alaryah Schattenwind
Es hatte etwas gedauert, bis sich Alaryah wieder aufmerksam am Geschehen beiteiligen konnte. Viel zu sehr nagten diese elendigen Gedanken an diesen Musiker an ihr. Und all diese Unstimmigkeiten. Wieder und wieder zwang sie sich zur Ruhe, war dabei am Ende sogar recht erfolgreich. Foranir und sein Vater sprachen weiter ├╝ber die Ausbildung und die Kampftechniken der Waldl├Ąufer und auch wenn das ein oder andere einfach nicht stimmte mischte sich Alaryah nicht in das Gespr├Ąch ein. Erst, als es pl├Âtzlich um Magie und Wundermittel ging steigerte sich Alaryahs Aufmerksamkeit. Anfangs musste sich die Albin noch etwas konzentrieren um die genauen Worte aus dem Gespr├Ąch mitzubekommen, doch dann ging es. Wundermittel. <Wie kommen die jetzt gerade auf so etwas?>. Alaryah schaute hoch. Kirona starrte auf den Boden des Karrens, kaute dabei kaum merklich auf ihrer Unterlippe herum. Jaro schien nerv├Âs, was von Morond nicht unbemerkt blieb. Er sprach ihn zu allem ├ťberfluss auch noch darauf an!? Jaro wurde blass. <Was soll ich tun?>, fragte Alaryah Jaro gedanklich und zuckte sachte mit den Schultern. "Nun, ich denke...", begann Alaryah mit ged├Ąmpfter Stimme und beendete ihren Satz abrupt, als sie eine Ber├╝hrung auf ihrer Schulter sp├╝rte. Sinyah schaute ihr fest in die Augen, als Alaryah den Kopf drehte. Beinahe h├Ątte sie sich sogar erschrocken! "Lasst euren Freund doch selbst ein paar Worte sprechen. Ihn scheint etwas zu...belasten.". Alaryah zog eine Augenbraue nach oben. "Ich wollte nur...". "Liebes, gebt ihm doch etwas Freiraum.". Verwirrung zog sich durch Alaryahs Blick. <Was zum...?>. Wollte Sinyah sie etwa veralbern? Alaryah hatte doch nicht s├Ąmtliche Gespr├Ąche an sich gerissen? Oder war sie etwa so unfreundlich gewesen? Sie konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen. Auch Kirona hatte nun den Kopf gehoben und schaute Sinyah verst├Ąndnislos an. "Gut dann...". Alaryah beendete ihren Satz dieses Mal selbst, lehnte sich zur├╝ck und verschr├Ąnkte die Arme. Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete die Albin weiterhin Moronds Frau, die nun langsam in Jaros Richtung schaute. "Falls Euch nicht wohl ist, so k├Ânnen wir bestimmt auch eine kurze Pause einlegen?". Alaryah deutete mit einer knappen Kopfbewegung ein "Nein" in Jaros Richtung an, sagte aber nichts. Erst jetzt fiel ihr auf, dass Foranir sich ebenfalls zu Jaro gedreht hatte und ihn mit leicht verengten Augen ansah. Tinriel schlief derweil. Wobei...konnte man sich da mittlerweile wirklich sicher sein? Alaryah schloss die Augen und atmete nun flacher. Sie sp├╝rte, wie sich ihre Sinne ein weiteres Mal sch├Ąrften...irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht...

Jaro Balliv├▓r
Wohl war Jaro in der Tat nicht, doch das lag keinesfalls an der Fahrt. Im Gegensatz: das Vorankommen war das einzige, das ihn daran erinnerte, dass er nicht schon wieder in einem Albtraum gefangen war. Der Drang in Sinyahs Stimme irritierte ihn. Noch nie war voll der Worte gewesen und da half es auch nicht, wenn ihn mehrere Augenpaare anstarrten. "Ich", kr├Ąchzte er und r├Ąusperte sich. "Es geht mir gut. Ich bin immer recht bleich." Er versuchte zu Grinsen, doch bef├╝rchtete es glich eher einer Grimasse. Offenbar kam der Scherz auch nicht an, denn Sinyah und Foranir starrten ihn weiter regungslos an. "Und ich denke Morond hat Recht", f├╝gte er daraufhin lauter an. "Hartes Training und viel ├ťbung sind entscheidend." "Ich glaube du l├╝gst", sagte Foranir kalt. War er nun wieder ganz der alte, voller Gift und aus auf Stunk? Hilfesuchend wollte Jaro zu Alaryah blicken. Es war fast schon zum Automatismus geworden, doch Sinyahs Hand schoss blitzschnell an seine Wange und hinderte seinen Kopf an der Drehung. "Na, na...", sagte sie, "du musst dich nicht f├╝rchten. Foranir meint es nicht b├Âse, er ist nur etwas... direkt. Gibt es nichts, dass du erstaunlich fandest, als du unter den Waldl├Ąufern weiltest? So etwas hast du doch bestimmt auch noch nie zuvor gesehen, nicht wahr, mein Lieber?" Sie l├Ąchelte ihn an, doch Jaro vermisste die W├Ąrme, die zuvor von ihr ausgegangen war. "Es ist nur... Es ist sein gro├čer Traum. Jedes kleine Detail k├Ânnte ihm helfen oder zumindest seine Fantasie anregen. Du w├╝rdest uns einen gro├čen Gefallen tun." Was erwarteten sie, dass er als Fremder wusste, was ihnen als Einheimischen nicht bekannt war? Lebten die Waldl├Ąufer wirklich so isoliert? "Ich habe noch nie eine vergleichbare Symbiose zwischen Alb und Natur gesehen", griff er das erstbeste heraus, das ihm einfiel. "Die Umgebung ist ihr Verb├╝ndeter, deshalb haben sie ├╝berall Augen und Ohren und sind nie allein." Gerne h├Ątte er Alaryahs Gesichtsausdruck gesehen, um zu pr├╝fen, ob er zu viel verriet. "Oh ja, das kann ich nur best├Ątigen", warf da pl├Âtzlich Kirona ein. "Nicht du! Er!", zischte Foranir. Jaro wurde zusehends mulmiger zumute. "Es muss doch etwas geben, dass sie von uns unterscheidet!" Der junge Alb war aufgestanden und ging auf Jaro zu, die F├Ąuste geballt. "Jetzt ist gut, Sohn." Moronds tiefe Stimme entsch├Ąrfte die Situation. "Er hat uns doch schon gesagt, was ihm aufgefallen ist. Alles Weitere ist vermutlich Betriebsgeheimnis." Er drehte sich kurz um und sah zwinkernd Alaryah an.

Alaryah Schattenwind
"Ich w├╝sste nicht, warum etwaiges Wissen der Waldl├Ąufer einfach ausgeplaudert werden sollte.", h├Ârte Alaryah ihre eigene Stimme in ihrem Kopf. Langsam kehrte die Farbe wieder in ihre Augen zur├╝ck, als sich die sanften Schleier der Magie wieder von ihr entfernten. "Lasst den armen Jaro in Frieden.", f├╝gte sie an und begegnete Moronds Zwinkern nur mit k├╝hlem Blick. "Aber, aber.", sagte dieser dann und von Foranir war nur ein leises "Tz, tz,tz..." zu h├Âren. Alaryah ging nicht weiter darauf ein. "Seit unserer Weiterreise habt ihr euch ver├Ąndert, was ist in euch gefahren?", fragte Alaryah und verzog skeptisch den Mund. "Haben wir etwas getan, was euch irgendwie verletzt oder beleidigt hat?", verlangte die Albin anschlie├čend zu wissen. Keine Antwort. Foranir und Sinyah wechselten einen kurzen Blick miteinander, dann schauten sie beide wieder zu Alaryah. Sie zuckten mit ihren K├Âpfen und Blicken umher, fast schon wie Raubtiere, die eine Witterung aufzunehmen versuchten. "Was ist los?!", verlangte Alaryah nun erneut und mit etwas mehr Nachdruck zu wissen. "Jaro, Kirona, nehmt eure Sachen. Morond. Halte den Karren an. Wir reisen von nun an allein weiter.". Morond schien unbeeindruckt von Alaryahs kurzer Ansprache und so holperte der Karren weiter seiner Wege. "Dann springt doch ab.", zischte Foranir zwischen den Z├Ąhnen hindurch und ein schon fast aggressives Grinsen umspielte seine Lippen. "Tu besser nichts Un├╝berlegtes.", mahnte Alaryah und hob den Finger. Sie war von sich selbst ├╝berrascht und auch von dem Schwall an Gef├╝hlen, die f├╝r sie immer noch ungewohnt waren. Wut und Zorn mischten sich mit Unsicherheit, Unbehagen und Wehrlosigkeit. Alaryah konnte jedoch gerade nicht anders. Die anderen mochten vielleicht etwas eingesch├╝chtert sein, doch jemand musste doch einfach mal ein Machtwort sprechen?
"Verzeiht.", hauchte Sinyah pl├Âtzlich und senkte den Blick. Foranir drehte sich wieder nach vorn um und starrte stumpf den Weg entlang. "Ich m├Âchte mich im Namen von uns allen entschuldigen. Wir m├╝ssen einen furchtbaren Eindruck hinterlassen.". Es war mehr als deutlich zu erkennen, dass Alaryah die Z├Ąhne fest aufeinandergebissen hatte. Ihre H├Ąnde hatte sie, bewusst oder unbewusst, zu F├Ąusten geballt und der Blick sprach B├Ąnde. Da half es auch nicht, dass Sinyah pl├Âtzlich eine Tr├Ąne ├╝ber die Wange kullerte. Die Albenfrau wandte dann den Blick ab, sch├╝ttelte nur den Kopf als Morond erneut Luft holte. Er blieb stumm.
"Das war nicht nett von dir.", h├Ârte Alaryah pl├Âtzlich Tinriels Stimme. "Oh...". Alaryah schaute zu dem Albenkind hinab und musste schlucken, als sie in die weit aufgerissenen Augen von Tinriel blickte. "Du hast meine Mama zum Weinen gebracht.", stellte Tinriel fest und es schien, als w├╝rde es eine halbe Ewigkeit dauern bis sie wieder blinzelte. "Ich...nein...weisst du Tinriel...", stammelte Alaryah, doch Tinriel unterbrach die Albin. "Du darfst nicht so gemein zu ihr sein. Wir wollen euch nichts tun, wir wollten nur helfen.". F├╝r einen kurzen Augenblick wich die Dunkelheit aus Tinriels Blick. "Helft uns.", fiepte die Kleine, doch dann schaute sie wieder finster drein. "Ihr m├╝sst einfach bleiben, geht nicht.", sprach sie weiter, wieder in dem n├╝chternen Tonfall wie zuvor. Dieser kurze Aussetzer, dieser eine Moment, best├Ątigte nur erneut Alaryahs Gedanken, dass hier etwas faul war. Kirona f├╝hlte sich sichtlich unwohl, umklammerte ihren Stab fester. Alaryah versuchte Ruhe auszustrahlen, vielleicht half es auch Jaro sich besser zu f├╝hlen. "Seid wachsam.", formten Alaryahs Lippen und sie hoffte, dass es unbemerkt geblieben war.
0 x