Das Angebot des Ältesten

  • Das Angebot des Ältesten



    Ciel Felicien de Souvagne
    An einem warmen und windigen Abend unternahm Prince Ciel einen Spaziergang. Die Bäume rauschten wie Tänzer mit langen Mänteln und das erste Sommergewitter nahte. Er liebte Gewitter und um es ganz zu genießen, war er allein. Er rechnete sich aus, dass er, wenn das Unwetter richtig loslegte, beim Rübenhof angelangt sein würde, wo er seinen Onkel Davet besuchen wollte, um mit ihm gemeinsam über seine Zeit als Pirat zu reden, während draußen das perfekte Wetter dafür herrschte. Doch als er an der Tür klopfte und schon die ersten Tropfen fielen, öffnete niemand. »Davet?«, rief Ciel laut und ging um den Rübenhof herum. Dass die Fenster verschlossen waren, war normal bei einem Vampirhort, aber auch ansonsten fand er kein Zeichen, dass jemand zu Hause wäre. Besorgt betrachtete er die schweren Wolkenberge, die über den Himmel wälzten und hin und wieder weiß aufblitzten.


    Dunwolf von Hohenfelde
    Ein Geräusch, ein Ruf, ein Name, nun nicht sein Name, aber immerhin begann er auch mit D... Die Wesenheit öffnete ihre kohlschwarzen Augen und abertausende schwarze Fäden zogen sich zusammen, die Dunkelheit verdichtete sich und nahm die Gestalt eines Mannes an, ehe sie durch das Gemäuer nach oben zog. Da war er... sein Nemesis. Wie klein, hell und verwundbar er wirkte... doch er war alles andere als das. Er war durchaus ein würdiger Gegner und somit war er noch eines... ein würdiges Opfer. Die Tür des Rübenhofes öffnete sich knirschend einen Spaltbreit und lud damit zu Eintreten ein. Wärme strömte aus dem Haus, so als wäre darin ein gemütliches Kaminfeuer am prasseln. Die Wolkenberge türmten sich bereits zum Finale, es würde nicht mehr lange dauern und die erste Sturmfront des Jahres würde losbrechen. Dies war nichts besonders im Frühjahr in Souvagne, wenn warme und kalte Luft aufeinander trafen. Und dennoch war es stets ein besonderes, wie gefährliches Schauspiel. Wetterleuchten durchzuckte die Wolken und erste dicke Regentropfen klatschten geräuschvoll auf den Boden. Der Himmel färbte sich schwarz, so schwarz wie die Wesenheit im Rübenhof, das auf seinen Gast wartete.


    Ciel Felicien de Souvagne
    Erfreut trat Ciel durch den Türspalt, als das Gewitter loszubrechen begann. Er nahm an, dass die Beißer samt Davet doch zu Hause wären, aber als er im Inneren angelangt war, lag das Nest verwaist und keine Lampe brannte. In der Küche stand sauberes Geschirr zum Abtropfen, doch es war längst trocken. Wer aber hatte ihm dann die Tür geöffnet? »Hallo?«, rief Ciel und ging weiter hinein. »Ist hier jemand?« Er richtete den Blick nach oben und suchte den Dachstuhl nach herabhängenden Fledermäusen ab.


    Dunwolf von Hohenfelde
    Hinter Ciel schloss sich die Tür und der Prince hörte zeitgleich wie diese verriegelt wurde. Ein bekanntes und beängstigendes Gefühl machte sich von seinen Fußsohlen in seinem ganzen Körper breit. Er war nicht allein, etwas... jemand... war bei ihm. Er spürte eine Kälte, dermaßen kalt, dass sie zu brennen schien. Die geschlossenen Fensterläden und das hereinbrechende Gewitter lieferten keine Erklärung für die tiefe Dunkelheit die in dem Haus herrschte. Es war als wäre er in ein lebendiges Stück schwarzes Stoffes gefangen. Ein greller Blitz zerriss die Dunkelheit, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donnerschlag. Der Blitz beleuchtete für Sekunden ein altes, sehr bekanntes Gesicht. Allerdings war er diesmal allein. Die Haare der Kreatur die wie in der Luft durch Wasser schwammen zogen sich um den dürren, ausgemergelten Leib zusammen und formten eine schwarze Robe. "Hallooo... Ciel", säuselte eine Grabesstimme.
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    Ciel Felicien de Souvagne
    Als der Donnerschlag die Stille des Rübenhofes zerriss und der Blitz das vertraute Antlitz aus der Dunkelheit schälte, zuckte Ciel am ganzen Leib zusammen. Wie oft war Ciel eigentlich in letzter Zeit mit zahlenmäßig viel zu gering ausfallendem Schutz in dunkle, verlassene Gemäuer getreten? Diesmal hatte er seinen eigenen Rekord gebrochen, denn diesmal war überhaupt niemand bei ihm. Da er momentan nichts anderes machen konnte, außer wahlweise schreiend zu einem Häuflein Angst zusammenzusinken oder seinem Schicksal die Stirn zu bieten, entschied er sich für letzteres. Er straffte seine Haltung. »Es heißt Eure Hoheit«, korrigierte er und schaffte es, an Ort und Stelle stehen zu bleiben, anstatt einen Schritt zurückzuweichen. »Was ist dein Begehr, Lich?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Es heißt Gott... was möchtest Du in meinem Haus, kleiner Sterblicher? Wieder für Unruhe sorgen, die Einrichtung demolieren, oder Schlimmeres? Für königliches Geblüt hast Du sehr schlechte Umgangsformen. Nicht mal ein Gastgeschenk... sei es drum... Ich frage mich, weshalb Du mich ständig verfolgst... kann es sein, dass Du ein Begehr hast und zwar mich? Hast Du überhaupt eine Ahnung davon, wieviele Welten und Jahrhunderte uns trennen? Du bist im Gegensatz zu mir ein Nichts... ein Embryo... und dennoch läufst Du mir ständig hinterher... ich verstehe Dich und Dein Sehnen... es gelüstet Dich nach Macht... jeder auch Du sehnst Dich nach Unsterblichkeit... Aber meine Gunst hat einen Preis Ciel... auch für Dich... gerade für Dich... Ich habe gerade nichts anderes vor... und ich wollte eh mir Dir sprechen.... nun wie wäre es?", bot der Älteste an und grinste von einem Ohr zum anderen, während ihm schwarzer Geifer dass Kinn hinablief.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Du sabberst, Gott«, sprach Ciel trotzig, doch das Beben in seiner Stimme verriet die Angst, die er hatte. Er blickte in Richtung Tür, doch sie war verriegelt und Dunwolf würde dafür gesorgt haben, dass sie das blieb, genau wie die Fenster. Die Küchenecke war die einzige Stelle, wo man normal sitzen konnte, denn er hatte nicht vor, sich gemeinsam mit dem Lich in Tekuros Nest zu setzen. Also nahm Ciel auf der Eckbank am Küchentisch platz. Eine lasierte Steinguttasse mit der Aufschrift ›Lieblingshafen‹ stand dort mit einem Kaffeerest, die schob er weg. Der stärker werdende Wind rüttelte an den Dachschindeln und heulte durch die Spalten »Nicht dich hoffte ich aufzufinden, sondern meinen Onkel Davet. Du wolltest mit mir sprechen? Worum geht es?« In Ciels Stimme schwang tiefes Misstrauen.


    Dunwolf von Hohenfelde
    Dunwolf löste sich in Schwärze auf und weht zu Ciel herüber. Er setzte sich vor Ciel und zwar so nah, dass der Prince den Verwesungsgestank des Ältesten wahrnahm der ihn wie ein grauenvolles Parfüm umwehte. "Schönes Wetter heute... nicht wahr?", säuselte der Älteste, während seine Haare im Wind peitschten, der im Haus gar nicht wehte. Dun machte ein nachdenkliches Gesicht und seine Haare formten wieder die schwarze Robe. Eine Kutte die aussah wie ein ausgeschnittenes Stück Nacht und in ständiger, seltsamer Bewegung war. Ciel hatte den Eindruck ob Hände, Gesichter, oder andere Körperteile versuchten den Mantel zu durchbrechen, während Dunwolf nachdachte. "Du kannst es leugnen... aber ich habe es in Deinen Augen gesehen... Du willst mich... nun ich habe auch ein Angebot für Dich... vielleicht kommen wir überein? Ich möchte Dir ein Angebot für Souvagne unterbreiten...", erklärte Dunwolf freundlich, während er versuchte eine ebensolche Miene aufzusetzen. Es misslang kläglich, er sah dabei aus als wollte er Ciel ins Gesicht beißen.


    Ciel Felicien de Souvagne
    Ciel blickte dem Lich so ruhig wie möglich in die schwarzen Augen. Sein Herz aber klopfte heftig in seiner Brust. »Nun, ich möchte ehrlich mit dir sein. Ich hatte tatsächlich darüber nachgedacht, dich für Souvagne zu rekrutieren. Du hast dich als zäher und würdiger Gegner erwiesen. Allein der Mangel am Verständnis für die almanischen Tugenden ist unschön. Bezieht sich dein Angebot auf diesen Gedanken?« Ciel hoffte, der Kerl hatte nicht in den letzten Monaten all seine Gedanken gelesen. »Wohnst du nun hier bei den Beißern?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Mich zu rekrutieren... was hättest Du denn dafür zu bieten, dass ein Gott für Euch arbeitet? Ist Ainuwar Dein Leibdiener?", lachte Dunwolf. Seine Lache klang wie das Rascheln toten Laubes im Herbstwind. Die schwarzen Lippen kräuselten sich zu einem amüsierten Schmunzeln, ein Lächeln dass eine erschreckende Ähnlichkeit mit dem von Linhard hatte. "Bevor ich Dir mein Angebot unterbreite... möchte ich Dein Angebot hören. Berichte mir von Deinen Tugenden... eine meiner Schwächen... Neugier", antwortete Dunwolf während sich eine seiner Haarsträhnen aus der Robe löste und über Ciels Wange strich. Raureif bildete sich auf seiner Haut wo ihn die Strähne berührt hatte. "So... jung... und so ernsthaft... und mächtig", schmunzelte der Älteste.


    Ciel Felicien de Souvagne
    Ciel spürte, wie die oberste Schicht seiner Wangenhaut gefror. Falls er dieses Gespräch überlebte, würde er vermutlich einmal mehr halb zu Tode verstümmelt sein, diesmal nicht durch ein Loch in der Seele oder Feuersbrunst, sondern durch den Biss der Kälte. »Zu bieten habe ich eine Existenz im Einklang mit dem souvagnischen Gesetz, was bedeutet, du wirst fortan weder geächtet noch gejagt, sondern erhältst alles Existenznotwendige gestellt. Das Dasein in modrigen Kellern verborgen hätte ein Ende, oder ist der Gott zufrieden mit einem Leben als Assel? Als Gegenleistung erwarte ich nichts als deine Loyalität der Krone gegenüber und auf Befehl den Richtigen auszusaugen anstatt mich. Der almanischen Tugenden sind viele. Dir mangelt es unter anderem an den Tugenden der Höflichkeit, Demut, Mäßigung und Aufrichtigkeit, auch von Wohlerzogenheit merke ich nicht viel und ich kann auch nicht erkennen, dass du auf ein schönes oder zumindest gepflegtes und der Situation angemessenes Äußeres wertlegen würdest, wie es sich für den Edlen geziemt. Freilich wird niemand mit diesen Tugenden geboren, sie werden erworben durch Erziehung. Ihr Fehlen kann also behoben werden.«


    Dunwolf von Hohenfelde
    Dunwolf hörte Ciel interessiert wie belustigt zu. Mit einer extrem langen und scharfen Kralle wischte er Ciel den Raureif von der Wange. Der Älteste faltete die Finger zusammen, so dass von seinen stilettartigen Krallen keine Gefahr ausging. Aber Ciel wie auch Dunwolf selbst wussten, die Krallen wären bei einer Auseinandersetzung Ciels geringstes Problem. "In meiner alten Heimat Ciel gebot ich selbst über eine Scholle, Souvagne hatte zu alten die Größe meines Vorgartens.... Heute habt Ihr ein schönes Land... wahrlich... ich bin vom edlen Geblüt, ebenso wie Du... aber in unserer Welt... auf der alten Welt... da herrschten ganz andere Tugenden... die Tugenden die Du mir aufzählst, sind Tugenden der Schwäche... Ist das Wort oder der Dolch Deine Waffe? Sage mir das Wort und ich sage Dir... das manche Worte giftiger sind, als das höchste Gift... ich lebe die Dunkelheit und ich lebe in ihr. Sie ist ein Teil von mir, wie ich von ihr... warum sollte ich woanders leben wollen, als dort wo ich mich heimisch fühle? Geborgen? Dies hier ist nur ein Wohnsitz von vielen, alle meine Wohnsitze würdest Du als Keller bezeichnen... wärst Du nicht so vandalisch veranlagt... hätte ich Dich vielleicht sogar einmal in meinen Lieblingskeller mitgenommen... Ihr kennt ihn sogar... aus Legenden... Ihr nennt ihn den Abgrund... ich nenne ihn den Taudis... Eines Tages Ciel wirst Du ihn finden und seine ureigene Schönheit entdecken... Und was die Äußerlichkeiten anbelangt kleiner Ciel... Du versteckst Dich hinter einer Maske aus Eitelkeiten, Pomp und Fleisch... ich Ciel erscheine in meiner ureigenen Form... ich habe keine Masken nötig... ich trage meine Seele zur schau und ich finde sie ist äußerst kleidsam. Kannst Du es Dir erlauben mit offener Seele umherzustreifen? Jedem Dein wahres Ich zu offenbaren? Ich glaube kaum... der Mönch der als erstes der Königskinder drei Kinder zeugte.... der Heilige der sich nach so manchem Lustloch verzehrt obwohl er schon zig Männer sein eigen nennt... ist Dein Korsett aus Heuchelei bequem oder schnürt es Dir nicht langsam aber sicher die Luft ab mein kleiner Freund? Weißt Du.... ich war Dir böse... ich wollte Dich vernichten... aber irgendwie... nachreiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss das Haru und Mar starben, weil sie es verdient hatten.... Sie waren schwach... bist Du schwach Ciel...?", fragte Dunwolf lauernd.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Tugenden der Schwäche? Demnach würdest du Souvagne und ganz Almanien als schwach wahrnehmen, da alle Großherzöge diesen oder ähnlichen Tugenden folgen. Die Alte Welt, wovon sprichst du? Willst du sagen, du stammst von Caltharnae, bevor es in Asche versank? Vielleicht hatte es seinen Grund, warum Ainuwar es unter einem schwarzen Leichentuch begrub. Welche Tugenden nannte man dort sein eigen, welches sind deine Tugenden, Dunwolf? Masken zu tragen habe ich nicht nötig und darum trage ich auch keine Perrücke, nachdem du mir mein Haar raubtest, sondern stehe zu meiner Kahlheit.«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Deine Haare... machst Du Dich an Deinen Haaren fest? Du hast Masken nötig... oder weiß Papa von Julien? Weiß Papa von Dir und Gregoire? Weiß Papa wen Du so alles begehrst? Nein? Ja? Dann Ciel stehst Du zu Dir... aber das einfache Leben eines Mönches propagierst Du nur... leben würdest Du es keine Sekunde... ohne das annehmliche Kissen der Krone... geschenkt... nur stehe dazu... Ja das war ich einst und durch meinen eigenen Fleiß, meine Wissbegier, meine Skrupellosigkeit und mein Schaffen stieg ich auf zu einem Gott. Jede Etappe vor jeder Metamorphose hatte ihre Berechtigung, sie lehrte mich viel. Ich erzähle Dir von meinem Grundgedanken... Sie verkennen die einfachste und simpelste Methode um jedem Lebewesen beizukommen, scharfer Stahl aus der Dunkelheit. Ob Himmelsauge, Lichtloser, Magier, Bettler oder Edelmann - sie alle bluten, sie alle sterben. Die Frage ist nur, wer führt die Klinge am geschicktesten und am heimlichsten? Das ist die Frage, die seit Jahrtausenden gestellt wird, ohne je ausgesprochen zu werden. Eine einzige Klinge kann eine Nation erheben oder zu Fall bringen. Aber sei gewarnt kleiner Lichtloser, es ist nicht die Waffe die zählt. Es ist ein Trugschluss, dass Waffen töten. Es ist der Träger, der tötet. Die Waffe ist nur das Werkzeug... sicher hatte es einen Grund warum unsere Welt in Asche versank... aber auf Asche wird neues gedeihen... so ist es immer und ich zog Blumen auf der Asche... das wird Dir nichts sagen... muss es auch nicht... Schwäche... natürlich seid Ihr schwach... Ciel... wieviele Herzogtümer gab es? Wenn Du stark bist, warum gibt es dann nicht ein Almanien... ein Herzogtum... eines das man Souvagne nennt? Meinst Du allen Ernstes... diese drei Herzogtümer werden wie Brüder Seite an Seite stehen... mit Felipe? Glaubst Du daran wirklich?... Weißt Du wer Felipe ist kleiner Ciel? Irgendwie bist Du in Deiner Unschuld sogar erheiternd... Du rennst unwissend Abgrundtore ein und wunderst Dich Dunkelheit dahinter vorzufinden Ciel... denk darüber nach, wie was geschah... und wer hier wirklich wer auf dem Spielbrett ist.... Ich erzähle Dir dies nicht aus Freundlichkeit... Ob Du gewinnst... Felipe... Naridien... das alles ist für mich gleich... den gleich wer gewinnt.... ich gewinne mit ihm...", sagte Dunwolf mit eisiger Stimme. Eine Bewegung, der Ciel kaum folgen konnte und die gewaltigen langen Finger vom Ältesten hatten seinen Kopf schraubstockartig umschlossen. Ciel fühlte wie sein Kopf zu glühen anfing, Schweiß lief ihm in Strömen von der Stirn und den Schläfen der auf seinen Wangen gefror. Dunwolf ließ Ciel wieder los und schaute ihn mit den kohleschwarzen Augen an. Erneut kam Wind in dem Haus auf und strich Ciel durch seine kurzen Haare. "Möchtest Du mein Angebot hören?", fragte Dunwolf.


    Ciel Felicien de Souvagne
    Ciel musste sich auf seine Meditationsübungen besinnen, um das Zittern unter Kontrolle zu bekommen. »Was meinst du damit, dass du mit dem Sieger gewinnen wirst? Du gehst von einer Rivalität der Großherzogtümer untereinander aus, doch es gibt keine. Ziel ist Einigkeit, nicht trennende Rivalität noch absorbtive Verschmelzung. Miteinander, nicht gegeneinander. Und dafür ist Skrupellosigkeit keine sinnvolle Tugend. Nein, mein Vater weiß nicht von Julien, was geht dich das überhaupt an? Nenne mir dein Angebot!«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Warum denn so... pikiert, wenn Du keine Maske trägst? Keine Rivalität? Meine Güte... Du hast wirklich ein sonniges Gemüt... Ciel auch wenn es nicht meine Aufgabe ist, Dir das Leben zu retten... ein Geschenk an Dich... neben Deinen Haaren... Nur weil Du Frieden und Einigkeit anstrebst, tun das die anderen noch lange nicht... glaubst Du Felipe von Ehveros war Euch, Ledwick oder der Hohen Mark wohlgesonnen? Du warst bei den Verhandlungen vor Ort.... Felipe seinerzeit das Salz in der almanischen Ursuppe hatte dort auf ziemlich plumpe Art und Weise herausposaunt was er wollte.... Was wollte er Ciel? Er wollte Ledwick und er wollte die Hohe Mark... Ehveros, Ledwick und die Hohe Mark... welches Land fehlte denn noch da in seiner Sammlung... so an der schönen Azursee gelegen? Meinst Du tatsächlich... das Felipe dies aus Friedensgelüsten tat und nicht aus Machtgier? Und gehst Du tatsächlich davon aus, hätte er seinen Willen bekommen... dass er Souvagne als gleichberechtigten Partner, als almanischen Bruder akzeptiert hätte? Glaubst Du das ehrlich? Dein Vater ist ein kluger Kopf... mit sehr gutem Gespür... ihm folgt Dein Bruder Verrill... Du und Dreux... Ihr seid Euch zu ähnlich... Ihr geht davon aus, dass die Welt so denkt wie Ihr... Überraschung... Irrtum. Nur weil Du Felipe nicht ermorden willst, heißt das nicht, dass er Dich nicht ermorden lässt... Weißt Du wo Ihr heute wärt, hätte Dein Vater nicht den Kriegszustand ausgerufen?... Felipe dient dem Chaos... er dient der Dunkelheit... aber er ist alt... wurde senil, plump und vor allem wurde er auf seine alten Tage gefühlsduselig und schwach... er erhob seine Tochter auf den Thron... wieso nicht, wenn sie die Macht dazu besäße? So manche Frau hat mehr Schneid, als mancher Mann... denke nur an Deine liebe Oma... die Opa ins Jenseits pustete, weil sie sich von ihm nicht mehr stoßen lassen wollte... was für eine Frau... das ist eine Frau! Eine Zunge wie ein Dolch... Gedanken wie geschliffener Stahl... aber was war Ricarda? Weich wie Magarine in der Sonne... Felipe hätte das erkennen und beenden müssen.... die Liebe und Gnade eines Vaters... oh ja sie ist auch mir bekannt... er hätte sie des Nachts von ihrer Schwäche erlösen sollen... ein Kissen aufs Gesicht... ein Kelch Wein mit Gift... eine vergiftete Hutnadel... ein verseuchtes Schmuckstück... ein vergifteter Dildo... sie wäre dahin geschieden... stattdessen hat er diese Schwäche unterstützt... wer war nun schwach? Er war schwach und schwachsinnig geworden... ein alter Tattergreis... altersmilde... gibt es etwas Widerwärtigeres? Ich wurde reifer mit jedem Jahr, gemahne mich zur Stärke, zur Selektion, ich habe keines meiner Kinder geschont.... ich fraß jene die es nicht wert waren zu leben... damit sie keine Verschwendung darstellten, ihr Tod nährte mich.... also Ciel... was glaubst Du nun von der Welt? Und was wirst Du für ein Vater sein? Ein Felipe? Oder ein Dunwolf? Mein Angebot für Dich Ciel... für den Preis eines einzigen Lebens, werde ich dieses Land friedlich verlassen", erklärte Dunwolf feierlich.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Du hast deine eigenen Kinder gefressen«, wiederholte Ciel erschüttert. »Das sind keine almanischen Tugenden, das sind die Worte eines Naridiers! Naridien ist ein Land, das seine eigenen Kinder aufzehrt, anstatt ihnen Nährboden zu sein. Die Alte Welt, von der du sprichst, muss bereits ein Vorgänger von Naridien gewesen sein. Denn die Flüchtlinge waren es doch, die sich selbst Siedler nannten, die das Großherzogtum Ghena in eine Pardodie Almaniens verwandelte. Ist dies das Dunkel, von dem du sprichst? Das Dunkel, das aus der Asche kam, Ghena vergiftete und dem nun auch Felipe dient - das bist du? Felipe von Ehveros mag ein sehr milder Vater sein, vielleicht ist er sogar gutgläubig, aber was macht dich so sicher, dass er die Hohe Mark und Ledwick aus Machtgewinn heraus absorbieren wollte und nicht, um sie zu retten, da sie führerlos waren?« Ciel legte die zitternden Finger gefaltet in seinen Schoß. »Welches Leben ist es, das du begehrst und warum nimmst du es dir nicht einfach?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Weil ich ihn kenne.... daher weiß ich es. Felipe hatte nicht vor aus Milde zu handeln... hätte er dies vorgehabt... dann hätte er die almanischen Länder nicht für die Probleme eines Fremdvolkes verbrannt oder? Und hätte er es tatsächlich gut gemeint, wieso ließ er die Großherzogliche Familie von Roderich seinem Freunde nicht retten, wo dieser doch schwieg? Würde Tazio Dich dem Tode überlassen, wenn Papa nicht Zuhause ist um Dich zu retten? Du weißt ja, wie oft Du Rettung nötig hast, die letzte war bei Deiner Unterhaltung mit Parcival. Du bist ein sehr schwieriger Junge Ciel, dass lass Dir von einem Jahrhunderte erprobten Papa gesagt sein... Ich möchte dieses Leben aus freien Stücken freiwillig, feierlich überreicht bekommen. Unversehrt, vollkommen... Richtig erkannt, Ghena wurde das... was wir daraus gemacht haben... Wer seine Arme weit öffnet, kann eine Umarmung erhalten, oder ein Dolchstoß mitten ins Herz... Welches Leben ich begehre ist Deines Ciel... ich möchte in Deinen Körper, in Deine Familie und in den Palast Souvagnes einziehen", lächelte Dunwolf.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Wie bitte?«, rief Ciel schrill. »Du hast versichert, dass du im Tausch für das Leben Souvagne für immer verlässt und nun willst du meinen Platz einnehmen? Als Sohn mienes Vaters leben, als Bruder meiner Geschwister, als Mann meiner Eheleute? Als Vater meiner Kinder? Du verhöhnst mich!« Dass der Lich, der seine eigenen Kinder gefressen hatte, sich selbst noch Papa nannte, setzte dem ganzen die Krone auf.


    Dunwolf von Hohenfelde
    "So ist es, Du opferst Dich wie ein Mönch, selbstlos, aufopferungsvoll für ein ganzes Land... und ich werde das Land verlassen... ich werde zu meinem Bruder nach Ledwick reisen... dort in Askese leben... und schauen wo mein Platz zukünftig liegen wird... Was meinst Du? Das ist doch nicht zuviel verlangt oder?", bot der Älteste an.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Du willst du Verrill reisen? Am Hof von Tazio leben? Das ist keine Option, dein Angebot ist lächerlich! Was aber hältst du von meinem?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Gut ich könnte natürlich auch hier bleiben und Deinen Vater als Sohn zur Seite stehen... Das ich Dir dienen soll und Deine Werte vertreten soll... nun so krank es klingt, es hört sich sogar interessant... eine Zusammenarbeit... würde ich wahrhaft in Betracht ziehen... sollte das Angebot ernst gemeint sein... andersfalls lebe ich mein Leben.... Dein Leben hätte ich gewählt... da Du Dich gewagst hast... als Einziger seit Jahrhunderten mir die Stirn zu bieten...", sagte Dunwolf


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Das ist nicht wahr, denn ich war nicht allein, als wir uns im Herrenhaus als Gegner gegenüberstanden. Demnach war ich nicht der Einzige. Angenommen, ich würde dein Angebot anzunehmen in Erwägung ziehen. Welche Sicherheit habe ich von jemandem, der auf alle almanischen Tugenden spuckt, dass er Wort hält?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Du hättest keine Sicherheit... und ich habe auch keine... das Du mich nicht heimlich ausschalten lässt... wir werden eine Deiner Tugenden bemühen müssen... Vertrauen. Und so lange Du Dich an Dein Wort hältst... wieso sollte ich die Hand beißen, die mich füttert? Ich lebte hier die ganze Zeit gut... Ihr behandelt Personen die mir nahestehen, wieso auch immer... gut... das erkenne ich an... ebenso solltest Du meine Leistungen und Fähigkeiten anerkennen...", bot Dunwolf an.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Ich sprach von dem anderen Angebot. Dass du Almanien für immer verlässt, wenn ich dir den Wunsch erfülle, mein Leben zu nehmen. Vertrauen im Zustand des Todes ist schwierig, sofern kein Nekromant meine unsterbliche Seele zurück in die Physis zwingt. Welche Sicherheit hätte ich, dir mein Leben zu geben, meinen Körper und meine Identität?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Keine... Du würdest Dich opfern in der Hoffnung ich hätte Dich nicht belogen... Du wärst tatsächlich dazu bereit?", fragte Dunwolf erstaunt. "Du wärst bereit Deine Familie nie wieder zu sehen? Die Geburt Deiner beiden Zwillinge zu verpassen? Sie nicht aufwachsen zu sehen... für die Sicherheit Deines Volkes?", fragte der Älteste.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Ja, das wäre ich. Aber ich werfe mein Leben nicht aus Spaß fort oder vertraue blind einem Lich, der seine eigene Skrupellosigkeit anpreist wie Sauerbier. Ich nehme daher auch nicht an, dass du dieses Angebot ernst meinst. Entweder, du hast es längst beschlossen, mein Leben zu nehmen und spielst lediglich noch mit mir, oder du machst dir einen Spaß darauf, mir Hoffnung zu machen, Souvagne von deiner Gegenwart zu befreien.«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Weder noch Ciel... Du hälst mich für sehr kurzsichtig oder? Nein... weder war das eine, noch das andere mein Ziel... Ciel. Ich wollte testen was für ein Mensch Du bist... wieviel Mumm Du hast... oder Schneid... ob Du nur mit einem Hohenfelde mitgelaufen bist... oder ob Du gleichwertig bist... uns sogar gleichst... und das tust Du... wie Deine Vorfahren... ich kenne die Deinen schon einige Jahrhunderte Ciel... und selten habe ich die Gelegenheit gehabt mit einem von Euch von Angesicht zu Angesicht zu reden... Du bist mein Pendant... Ihr seid es... als wären unsere Haarfarben unsere Flaggen... Licht und Dunkelheit... ich werde weder Deinen Körper rauben... noch ihn Dir abschwatzen... was wäre das für ein Sieg? Sehe ich aus... wie ein Teppichhändler oder ein Marktschreier? Du musst eines lernen Kind des Lichts... schaue hinter den Schleier... nicht das Offensichtliche zählt... lerne zwischen den Zeilen zu lesen... dann wirst Du irgendwann ein ebenbürtiger Feind... oder vielleicht sogar Verbündeter... wer weiß was die Zeit bringen mag... Das Schicksal trägt viele Blüten... Zuchtrosen... Ascheblumen... Wildblumen... Seelilien... und sogar Lichtblumen... gewarnt seien jene der Dunkelheit die sie versuchen zu pflücken... ich habe es durch Dich erneut erfahren Ciel... schmerzhaft... zwei gewaltige Tode... aber gestärkt daraus hervorgegangen und eine wichtige Erfahrung reicher... dafür Danke ich Dir kleiner Sterblicher...", antwortete Dunwolf.


    Ciel Felicien de Souvagne
    Ciel runzelte die Stirn. Es war zu früh, Erleichterung zu empfinden oder gar zu hoffen, dass dieser Lich tatsächlich etwas anderes erzählen würde als seine bizarre Interpretation der Welt, dass er es ehrlich meinen könnte und vielleicht wirklich interessante Dinge mitzuteilen wusste aus der Zeit, die niemand außer ihm mehr erlebt hatte und die man nur aus Aufzeichnungen kannte. »Du sprichst von den Souvagnes? Meinen Vorfahren? Auf welche Weise hast du sie gekannt, wie heute als Gegner? Ein ebenbürtiger Feind würde ich vielleicht werden, wenn ich es bis zum fünften Magiergrad schaffen würde oder dem verbotenen Sechsten. Wusstest du, dass ich Vampire für den sechsten Magiergrad der Bluthexerei halte? Dass dies der Grund ist, warum Vampirismus in Souvagne kein Strafbestand darstellt? Ich bin allerdings noch dabei, daran zu forschen. Wenn es nicht so ist, wäre die Frage, was andernfalls der sechste Grad eines Bluthexers wäre, denn alle anderen Magierichtungen haben auch einen, so weit ich es erahnen kann. Und sie alle sind parasitärer Natur. Dies wäre jedenfalls der einzige Weg, auf Augenhöhe mit dir zu kommen, was magische Macht anbelangt und es wird aufgrund der parasitären Natur nicht geschehen. Was hat es mit den Blumen auf sich, die du immer wieder erwähnst?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Der sechste Grad... es gibt ihn... aber der Weg dahin ist gepflastert mit Leichen... Die Blumen von denen ich spreche sind Personengruppen. Einige davon gehören meiner Familie an, also Familienzweige... andere sind Blumen aus Nachbars Garten. Du warst in meinem Herrenhaus. Lieblos könnte man es eine Zuchtanlage nennen, ich nenne es meinen Garten. Jene die ich züchtete und selektierte, dass sind meine Zuchtrosen. Dann besitze ich noch die Ascheblumen, jene Blumen die aus der Verdortheit emporsteigen, nahe den Zuchtrosen, dennoch frei im Geist und von tödlicher Schönheit. Dann besitze ich ein Feld voller Wildblumen, sie sind völlig frei, wissen nicht das sie zu mir gehören, wachsen und gedeihen wie es das Schicksal von ihnen verlangt. Selten greife ich bei ihnen ein, so gut wie gar nicht. Nur wenn ich sie in großer Not sehe und dann gibt es noch die Seelilien... ebenfalls eine Linie, die völlig frei lebt nichts von mir weiß. Wie die Wildblumen sind sie, nur wachsen sie gerne an Gewässern... meist wachsen Wildblumen und Seelilien zusammen, sie spüren ein Band... so soll es sein... die Kraft in ihnen ist groß, sie überdauern die Zeit... andere Blumen wie Du kleine Lichtblume, Du entstammst aus Nachbars Garten, hübsch anzuschauen... mit hervorragenden Fähigkeiten... aber nicht die meinen... ebensowenig sind es die Seerosen von Ledwick... verstehst Du nun? Deine Vorfahren kannte ich stets als Gegner... sie halten die alten Traditionen hoch und die Reihen fest geschlossen... für jemanden wie mich ist das... nun unerfreulich... Ghena war da weit offener... so offen... das es mittlerweile Recht langweilig wurde.... aber ein guter Gärtner weiß sich zu beschäftigen... Darin unterscheidest Du Dich nicht von Deinen Vorfahren... die einzige die sich unterschied in einer langen Reihe... war Deine Großmutter... aber sie konnte nirgendwo ansetzen... sie hat es versucht... es war interessant ihr zuzuschauen... Ihre Ränke... ihre Zuflüsterungen... die heimlichen Treffen... die Absprachen... die Intrigen... wer mit wem... wer gegen wen... und mittendrin... wir und wieder doch nicht... eine Theateraufführung sondern gleichen... Die einzige lebende Lichtblume... Dein Vater... aber er hatte nicht nur einen Gärtner... dieser Gärtner buddelte sie aus und stellte sich in einen Wintergarten aus Panzerstahl.... Pech für Deine dornige Oma... aber ihre Versuche waren hinreißend... was immer Du über diese Frau denkst Ciel... Ihr Potential war vergeudet... stellt Dir vor, was sie hätte für Euch erreichen können... hätte man sie nur einmal gehört... hätte man ihr nur ein einziges Mal zugehört... auch wenn es die Worte einer Frau waren... denn ist nicht auch Verrill teilweise Frau? Du solltest Ihr zuhören... sie ahnt die Wahrheit... sie wird Tazios Schutz sein... eines Tages... wenn jeder Schutz versagt... sie ist dort... grimmiger als jeder Mann es sein könnte... und sie trägt glühende Dornen... wie Du weißt", erklärte der Älteste freundlich.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Dann weißt du, was dieser Wigberg uns alles noch verschweigt«, rief Ciel begeistert. »Sein Vorfahre war verstrickt in die Geschehnisse im Jahr 168 und sein Sohn diente der Duchesse bis ins Jahr 204, bis über ihren Tod hinaus arbeitete er weiter an ihrem Werk. Aber war es wirklich nur Loyalität und Begeisterung für die Ideen dieser Frau? Vater ahnt, dass er uns nicht alles verriet, auch nicht unter Folter. Und ich teile seine Ansicht. Seine Geschichte wirkt in sich schlüssig, rundum abgeschlossen und doch ... irgendwie unbefriedigend. Wie das lasche Ende eines sonst hervorragend ausgedachten Romans. Ich sehe keine logischen Brüche, ich kann den Zweifel an keinem konkreten Punkt festmachen.« Er sah Dunwolf in die schwarzen Augen. »Ich habe versucht, mit ihr zu sprechen, ich habe ihr zuhören wollen. Aber sie belog mich und beschimpfte mich als ›nur ein Mann‹.«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Ja ich weiß so einiges, aber ich werde nicht ins Geschehen eingreifen. Die Information steht Euch zur Verfügung... Du musst nur die Augen aufmachen, oder etwas tiefer graben... Warum sollte ich Dir alles vorkauen Ciel? Du bist jung... die Möglichkeiten liegen vor Dir.... Ich wäre geneigt Dir Dinge zu sagen, die für Dich unerreichbar geworden sind... aber das ist hier nicht der Fall... Zudem diene ich nicht Souvagne... vergiss das nicht... bestenfalls könnt Ihr mir dienen... mich anbeten... mir huldigen... dann bin auch ich zu großen Zugeständnissen bereit... frage nur Kazrar und seinen guten Sohn Tekuro... meine Güte ist so grenzenlos wie es mein Groll sein kann... Aber das Du nicht alles siehst... das ist korrekt... nur ein Tipp... vielleicht schaust Du in die falsche Richtung... damit ist aber alles gesagt... denn die Figuren auf dem Spielbrett verschieben sich selbst... ich bin in dieser Partie genüsslicher Zuschauer... Das Du wirklich hast zuhören wollen, zeigt dass Du in manchen Dingen weiter bist, als es Deine Vorfahren wahren... Warum sie Dich belog... und beschimpfte... nun Du kannst es Dir denken... sie ging vom Gleichen bei Dir aus... ein Leben lang nur zu kennen... das man nicht für voll genommen wird... abgewiesen wird... belogen und belächelt wird... wie soll man dann jemanden vertrauen können? Vertrauen... endet in unserer Familie tödlich... Haru vertraute, Mar vertraute... ich verdaute... so kann man es etwas witzig umschreiben... Einige Jahre zuvor Ciel hätte sie Dir vielleicht noch geglaubt... aber sie hatte allen Glauben verloren... an die Menschen... an die Männer und auch an sich... Du weißt was Du besser machen kannst... Wenn eine Idee gut ist... dann sollte es keine Rolle spielen, aus welchem Kopf sie stammt und welcher Mund sie vorschlägt... und wenn der Mund weiblich ist... wen schert es? Einst vor langer Zeit kannte ich eine Frau, die so manchen Mann an Gerissenheit übertraf. Schlau war sie... sehr schlau... aber das ist sooo lange her, dass es fast wie ein Traum anmutet... Was wirst Du nun mit Deinem neuen Wissen tun? Das Gewitter ist vorbeigezogen... es klart auf... ", sprach der Älteste.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Dich daran erinnern, dass deine treuen Anhänger, die dir huldigenden und Opfernden Beißer, mir unterstehen. Sie haben Absolution für Taten, die von der Sache her unentschuldbar sind. Diese haben sie erhalten, weil sie ihre Fähigkeiten und ihre Grausamkeit in meine Dienste gestellt haben. Im Gegenzug erhalten sie nicht nur einen Sold, der sich sehen lassen kann, sondern auch die eine oder andere zusätzliche Gabe. Und indem ich ihnen Opfer, die es verdienen, in die Hände spiele, nähre ich auch dich. Das ist mir bewusst! Wie wäre es mit ein wenig entgegenkommen? Was übersehe ich im Falle Vendelin? Und wie hieß diese Frau, die so schlau war?«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Das stimmt, somit bist Du schon einer meiner Anhänger. Du unterhälst mein Ordenshaus und fütterst meine Mönche und Priester. Gut ein Entgegenkommen. Du betrachtest die ganze Zeit die Taten, aber wer ist der Mann den Du nicht erfassen kannst? Wer ist er? Was ist er? Siehst Du den Menschen? Schau hin und erkenne... nicht alles ist was es scheint, ich muss mich hier wiederholen. Jene Frau von der ich sprach hieß Loretta... Du kannst sie nicht kennen, ist schon lange tot... eine Frau wie keine zweite... deshalb sage ich Dir... auch Frauen haben einen klugen Kopf... sie gehen Sachen anders an, nicht besser und nicht schlechter, anders... und manchmal ist genau diese andere Herangehensweise dass was einem fehlt... Nori betet anders als Tekuro... aber ihre Gebete sind stark und urtümlich... ist sie weniger wert? Ist er mehr wert? Du hast es erkannt... ein Großteil Eurer Männer will es nicht erkennen... sie fürchten die Stärke die daraus erwachsen könnte als Konkurrenz... interessant ist in diesem Zusammenhang, dass gerade Euer stärkster Mann im Lande... das Schwert Souvagnes, Palaisin Comte Massimo de la Cantillion, der Läuterer seine Frau rufen ließ um sich zu verteidigen... seltsam... nicht wahr?", grinste Dunwolf.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Mönche und Priester nennst du die Beißer, es sind bestenfalls Kultisten, aber nenn sie, wie du willst. Ich bin keiner deiner Anhänger, da ich die menschlichen Waffen, die diese Personen sind, zum Wohle Souvagnes einsetze und nicht, um dir einen Gefallen zu erweisen, dies ist nur ein bedauerlicher Nebeneffekt. Und natürlich, wie ich bereits sagte, nutze ich sie außerdem zur Freilandforschung zum Thema Vampirismus. Sind Vampire kontrollierbar, wenn sie satt sind? Wenn sie hungrig sind? Niemand hat das bisher wissenschaftlich erforscht. Ich bin Hexer des Blutes und meine Arbeit zum Thema Vampirismus in einer almanischen Gesellschaft soll Gegenstand meiner Meisterarbeit werden, damit ich mich einst Hexenmeister nennen kann. Vendelin ... wenn ich ihn sehe, sehe ich das Gleiche, wie bei seiner Geschichte. Eine rundum schlüssige Person, alles ergibt einen Sinn und doch scheint es, als sei er ein Eisberg, von dem man nur die Spitze sieht.«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Das ist korrekt und dieses Gesamtbild ist so perekt, so makellos, dass es nicht echt sein kann... Du siehst also nicht Vendelin, sondern dass.... was er Dir zeigen möchte. Gut erkannt Ciel... Nun ich finde diesen Nebeneffekt sehr erfrischend von einem Prince verköstigt zu werden, der ansonsten meine Arbeit ablehnt. Der gerne Menschenfresser um sich scharrt, aber den Gott der Menschenfresser ablehnt. Vermutlich trägst Du auch Chaosspiralen auf Deinen kleinen rosigen Nippeln um Rakshor zu verhöhnen. Das könnte ich mir gut bei Dir vorstellen... und Deine Liebe zu Khawa war legendär... Ein gutes Forschungsgebiet... aber vielleicht solltest Du Dich dazu mal mit einem Fachmann unterhalten... dann hättest Du Deine Arbeit schneller fertig und wärst Blutsaugerfachmann... mal an das Reich der Vampire gedacht? Es gibt Vampire die sehr alt sind... unheimlich alt... Jahrhunderte... Du könntest einen von ihnen Deine Fragen stellen... Vampire, Ghule, Untote an sich... Du könntest natürlich auch einen Nekromanten fragen... falls Du einen kennst", schlug Dunwolf vor.


    Ciel Felicien de Souvagne
    »Du sprichst von einem Urvampir? Das ist eine gute Idee! Danke für den Hinweis. Eine solche Befragung wird die Arbeit immens aufwerten. Und Vendelin hätte man nicht nur die Daumen quetschen sollen, sondern sehr viele empfindsamere Körperpartien, um den wahren Vendelin aus ihm herauszupressen. Dominique wird eine Rüge erhalten für sein Versagen.« Ciel erhob sich und ging in Richtung Tür. »Natürlich kenne ich einen Nekromanten, Brandur von Hohenfelde und dessen Verwandtschaft. Ich werde deine Ratschläge in die Tat umsetzen. Wünsche eine gute Nacht.«


    Dunwolf von Hohenfelde
    "Glaubst Du das wirklich? Meinst Du nicht, dass ein Mann wie er weit Schlimmeres gewohnt ist? Seine Vorfahren schwiegen in größter Gefahr und je größer die Gefahr für ihn wird, je fester wird er sich verschließen und schweigen. Für ihn beweist Du dann nur damit, dass Du es überhaupt nicht wert bist, dass er sich Dir auch nur einen Milimeter öffnet. Du begehst den gleichen Fehler bei Vendelin, wie Dein Großvater und Vater bei Deiner Oma. Brandur von Hohenfelde... ein Nekromant... was heute so alles als Nekromant durchgeht... ich hoffe er macht sich in der Freiheit. Die Frischluft könnte ihm gut tun... ihn abhärten... alte Bäume verpflanzt man nicht, aber ich muss gestehen seine Rückkehr hat mich überrascht... es sei ihm gegönnt... er hat noch einen langen Weg vor sich... möge er gelingen... versagt er war er es nicht wert... Ein Urvampir oder einer der einige Jahrhunderte auf dem Buckel hat... es muss nicht ein Urvampir sein... Es war erstaunlich erbaulich mit Dir zu sprechen Freund der Beißer... sei vorsichtig da draußen...", antwortete Dunwolf. Die Tür schwang nach innen auf und gab den Weg in die Nacht und in die Freiheit preis.