Käse, Speck und Feenstaub - Kapitel I - Oberhain

  • Oberhain. Ein Spelunke nicht unweit des Hafens, in einem ärmlichen Viertel der Stadt.


    Der faulige Gestank von Fisch stieg Bjorgä in die Nase. Der Berggipfler hasste Fisch. Schlimm genug, dass er als Koch hatte lernen müssen, wie man Fisch zubereitet und kocht. Doch diesen Geruch jeden Tag ertragen zu müssen, war für den Dicken nicht gerade angenehm. Ein echter Bergwychtl ließ sich von diesen Gedanken, aber nicht die Laune vermiesen. So zog der Dicke fröhlich summend seinen Handkarren hinter sich her, mit Einkäufen, die er so eben bei verschiedenen Marktständen erstanden hatte: 2 kg Fisch, frische Zwiebeln, Eier, mehrere Flaschen Milch, nen Sack Möhren und Kartoffeln, 5 Pfund Kohl, eingelegtes Obst, einen Zentner Linsen, sowie Brot, Käse und Speck für alle Fälle.


    Sein Chef, Iosif Jewgenjewitsch ein Almane aus der kalten Stadt Nebreszko im Süden von Ghena, wartete bestimmt schon auf ihn. Aber Bjorgä war keine Person, die sich von irgendwem stressen ließ. Seine genügsame und träge Art, war eines seiner hervorstechensten Eigenschaften. Und so war es kein Wunder, dass Bjorgä nach etwa 30 m Halt machte und sich eine Pause gönnte.
    "Oh mej, is dat' strässich heytä wiedä!", murmelte der Berggipfler mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Den Schweiß tropfte er sich mit den Ärmeln seiner Wolljacke ab, die er gerade trug.
    "Erstmo a Päusche", sagte sich der Wychtl, setzte den Handkarren ab und griff in seine Jackentasche, wo er wie immer Käse drin versteckt hatte. Schmatzend saß er dort mehr als 10 Minuten am Wegesrand, erfreute sich am Geschmack des leckeren Käses, den er gerade gekauft hatte und spülte alles mit der frischen Milch herunter. Nur langsam sammelte er sich wieder, ging 50m weiter den Berg hoch und ruhte dort wieder für 2-3 Minuten. Als er endlich oben angekommen war, war der Käse in seiner Jackentasche fast schon leer. Zum Glück hatte der Dicke, aber immer etwas Käse für den Notfall versteckt, sodass er sich keine Sorgen machen musste.


    Angestrengt von der körperlichen Ertüchtigung öffnete Bjorgä die Hintertür "Zum Ochsenbrecht", des Gasthauses, wo Bjorgä seit über einem Jahr lebte und arbeitete und brachte die Waren hinein.
    Iosif saß dort geduldig auf einem alten Stuhl, spielte mit seinen Messern und wartete offensichtlich auf Bjorgä. Sein Chef war ein ehemaliger Söldner, welcher schon für die verschiedensten Auftraggeber gearbeitet hatte. Im Allgemeinen war er ein ruhiger Geselle. Wenn aber mal austickte, wurde er zum Tier und war nicht aufzuhalten. Mit seiner Körpergröße von 188 cm überragte er viele Leute. Zudem kam ihm seine kräftige und muskulöse Gestalt zu Gute, weshalb sich selten Leute mit ihm anlegten.


    "Scheiße," sagte er bloß drohend, deutete auf die Uhr und verließ dann wieder den Raum. Denn die Gäste warteten und riefen schon nach einem neuen Bier. Für eine Maßregelung hatte Iosif jetzt keine Zeit.


    Der Deal war: Iosif kümmerte sich um das Geschäftliche. Bjorgä machte das Essen und stellte gelegentlich auch eigenen Schnaps her. Denn Iosif war ein miserabler Koch und als Wirt war es seine Pflicht, auch Speisen anzubieten, um seine Gäste zu halten. Seitdem Bjorgä nämlich bei Iosif arbeitete, war der Umsatz des ehemaligen Söldners rasant in die Höhe gegangen, da die "leckeren Speisen" in ganz Oberhain bekannt geworden waren. Auch Bjorgäs Schnaps erfreute sich großer Beliebtheit, wenn es mal welchen gab, und so konnte Iosif nicht mehr auf den bequemen Berggipfler verzichten.


    Immer noch leicht schwitzend von der körperlichen Ertüchtigung ging Bjorgä in die Küche und bereite alles für das Abendessen vor. Kurz gönnte er sich einen kurzen Schluck aus seinem Bierkrug und fing dann an ein vorzügliches Menü vorzubereiten: Zunächst bereitete er eine Würzpanade aus Knoblauch, Thymian, Basilikum, Salz, getrockneten Tomaten, geriebener Zitronenschale und frisch gepresstem Zitronensaft eine duftende Würzmischung her. Strich die Fische mit dieser Würzmischung ein, schnitt ihn auf und füllte diesen mit saftigen Fenchelknollen, leicht angebratenen Kartoffeln, sowie frischen Zwiebeln. Zum Schluss noch ein paar gekochte Linsen drüber und fertig war das Mahl.


    Zufrieden mit seinem Ergebnis servierte er 6 Gerichte für insgesamt 12 Personen und gab den weniger zahlungskräftigen Gästen etwas von der Tomatensuppe ab, die er schon am Morgen vorbereitet hatte. Als Bjorgä kurz hinter der Theke verschwand, um seinen Schweiß von der Stirn abzuwischen, kam der etwas gestresste Iosif zu ihm und meinte: "Ich weiß nicht wie, aber du schaffst es immer, dass ich nicht lange auf dich böse sein kann...," murmelte er. Bjorgä nickte ihm zufrieden zu, nahm sich ein Bier und setzte sich zu einigen Gästen hinzu, die gerade kräftig in Bjorgäs Mahlzeit vertieft waren.
    "Gutä Hungä", sagte der Bergwychtl bloß und trank sein Bier.

  • Ein rattern war zu hören, als die behäbige Kutsche um die letzte Kurze des Oberhainer Waldes bog. Ein jeder konnte schon von fernen sehen, dass hier eine Person auf reisen war, der seines Zeichens Wohlhabend war. Die edlen, verzierten, dunklen, hölzernen Räder polterten über die schlechte Kopfsteinpflaster Straße. Die weiße Kabine schwang bei jedem Stein in eine Richtung, dass der Tür ratterte unaufhörlich und auch die schwarze große, mit goldenen Beschlägen verzierte Kiste am Heck der Kutsche tat ihr bestes ihr innerstes nicht der Welt preis zu geben. Auch der weiße Schimmel war es leid. Seit Tagen zog er die schwere Kutsche schon herum, nur ein Ziel vor Augen Oberhain, eine Stadt gelegen an der Küste Almaniens.


    Dem einzigen dem das Geschuckel nichts aus zu machen schien, war die einzig sichtbare Person, der Kutscher, der vorn oben auf einer kleinen Bank saß und gemütlich, locker die Zügel hielt und seelenruhig eine Pfeife rauchte. Ein Säufzen verlor er aus dem rechten Mundwinkel. Ihm konnte es nur Recht sein, Ruhe, Sitzen, die Vögel in der Luft und die Tiere nur wenig ab vom Wegesrand beobachten. Ein wahres Paradies hier im Oberhainer Wald.


    „Luipold! Luipold!“, störten plötzlich einige Worte, die gerade noch friedvolle Stille des frühen Morgens! „Luipold, halte er an, sofort!“


    Die Tür des Wagens öffnete sich einen Spalt, ein kräftig, kräftig gebauter Herr in feinem Zwirn und edlem Bart blickte etwas Blass um die Nase aus der Kutsche. „Luipold, wo ist er, macht er schon wieder eine Pause?“


    „Aber nein werter Herr!“, beuge er sich etwas über seine Bank nach hinten und blickte zu der wohlgenährten Person.


    „Haben sie wohl geschlafen Herr Herzog? Darf ich ihnen etwas bringen?“


    „Geschlafen? Geschlafen?“, erbost tupfte sich der Herzog mit einem Seidensticktuch den Schweiß von der Stirn.


    „Also bitte, geschlafen, fragst du auch noch? Unverschämter Lümmel! Wie soll man bei so einem Geschaukel schlafen? Mir wäre noch um ein Haar das Monokel aus dem Auge gefallen, so uneben ist der Weg! Sagt an Kutscher, wo sind wir eigentlich, sind wir noch auf dem rechten Weg? Die Wege sind der Art schlecht, wir könnten in Rakshanistan sein!“


    „Verzeiht edler Herr, die Straßen sind hier arg schlecht und mit Verlaub, erinnert ihr euch nicht? Wir sind auf dem Weg nach Oberhain. Baron Tunichtgut hat euch hier ein edles Lokal beim Spielen vermacht!“


    „Ach ja richtig, das Lokal. Ein Edles Etablissement meinte er. Hach, wenn es nur halb so gut wäre, wie er meinte, könnte dies meine Rettung sein und erst der Koch. Herje, er soll unglaublich gut kochen, sogar eines Königs würdig. Dabei könnte man glatt seinen unruhigen Magen vergessen. Sagt an, wann gedenkt ihr ein zu treffen. Ich bin des Reisens überdrüssig und möchte meine letzten Güter gern in Augenschein nehmen, zu gern ein Mahl einnehmen!“


    „Wenn edler Herr sich gern selbst überzeugen wollen. Da von beginnt schon das Meer und die ersten Häuser unweit entfernt markieren schon den Anfang der Stadt Oberhain. Es dauert also nur noch maximal eine Stunde, dann sind wir da.“


    Glücklich leuchtend begutachteten des Herzogs Augen die See und die ersten Häuser. „Gut gut, dann wären wir ja fast da. Mein Herz ist erfreut. Fahre er weiter, mir dürstet nach guten Kühlen Malzgetränk und einem deftig zubereiteten Mahl, Fisch wäre heute glaube ich das beste zur Feier des Tages. Wir vernachlässigen somit das Frühstück, ich hatte sowieso keine Lust heute früh schon wieder zu arbeiten. Also dann ab ab!“, sprach der Herr und schloss die Tür des Wagens.


    Stöhnend richtete sich der Kutscher wieder auf. „Fauler Sack! In deiner Kindheit hast du nicht herum gejammert, wenn du einmal wenige Minuten die Suppe umrühren musstest. Da warst du mitten drin, nun muss man dir schon fast beim Geschäfte machen helfen. Reicher Sack!“


    „Luipold?“, verdammt, hatte er dies gerade wirklich laut gesagt? Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken und zögerlich antwortete er, „Ja, Herr?“


    „Warum fahren wir nicht weiter? Ab ab, sagte ich doch!“


    Erleichtert atmete der Kutscher Luipold wieder aus. Zum Glück hatte der Herr ihn nicht gehört. Zukünftig sollte er besser seine spitze Zunge besser im Zaun halten. „Hüa!“, rief er kurz den Pferden zu und schlug sachte mit den Zügeln. Das Fuhrwerk setzte sich ratternd wieder in Gang, auf den Weg Richtung Oberhain.


    Wie der Kutscher es schon abschätzte, befand sich die Kutsche nur knapp eine Stunde später mitten in Obenza. Mit skeptischen Blicken musterte der Herzog aus dem Fenster seiner Kutsche die Umgebung. „Mhhh, drolliges kleines Städtchen muss ich sagen. Jedoch sind wir doch anderes gewöhnt. Eine einfache Stadt, wenn auch Zeichen guten Geschmackes sichtbar sind. Sagt an Luipold, ist dies da hinten eine Bibliothek?“


    „Von hier aus ist dies schwer zu erkennen, Herr. Aber es könnte sein. Soll ich sie dahin fahren?“


    „Nein nein Luipold, dies werden wir später machen. Sagt an, sind wir im richtigen Stadtteil? Gerade eben gefielen mir die Gebäude noch besser. Zeitlich Stilvoll muss ich sagen, ganz anders als bei uns zu Hause. Hach diese Kunstbanausen! Habt ihr die feinen geschwungenen Bögen da hinten gesehen, sehr elegent, sehr elegant, muss ich sagen und erst dieser Tempel da hinten. Luipold, merke er sich dies, diesen und die Bibliothek muss ich unbedingt besuchen! Ich irrte mich, Oberhain ist doch eine schöne Stadt, auch wenn es hier und da einige Veränderungen vertragen muss. Falls das Etablissement wirklich so gut ist und ich hier sesshaft werde, werde ich mit dem Bürgermeister sprechen. Meine Ideen bezüglich der Stadtgestaltung werden ihm sicher gefallen! Luipold? Warum halten wir hier?“


    „Wir sind da Herr, hier ist ihre Schenke.“


    „Etablissement Lupipold, es ist ein Etablissement! Aber wo ich sehe es nicht?“, blickte sich der Herzog nach allen Seiten um.


    „Direkt rechts neben uns, Herr!“


    „Bitte? Du meist doch nicht etwa dieses schäbige Fachwerkhaus auf dem...“, das Monokel verrutschte etwas. „'Zum Ochsenbrecht'? Meine Güte, dies ist doch nicht mein Etablissement? Baron Tunichtgut erzählte von einem schillernden weißen Gebäude, Marmor Statuen zu seiner linken und rechten Eingangstür, sowie einen Teppich vor dem Eigang. Wo sind die Blei-Kristall-Fenster? Wo der Festgarten?“, der Herzog lies sich in seine Stoff bezogenen weichen Kissen fallen, dies war zu viel für ihn, als sich gerade die Tür des Wagens öffnet.


    „Herr, das Haus ist weiß, nun ja vielleicht etwas vergraut und die Marmorstatuen stehen auch noch da, auch der Teppich ist da.“


    „Vergraut spricht er? Das Haus hat seine besten Tage hinter sich, es ist mehr als schmutzig. Und ein paar schäbige Blumenkübel mit verwelgten Pflanzen sind noch lange keine Marmorstatuen und der Teppich? Ein billiger Bettvorleger würde mehr her machen als das da!“, sprach der Herzog und zeigte mit seinem Finger auf die Eingangstür.


    „Aber ja, ich sollte mich nicht so aufregen. Vielleicht rügt der Schein. Helfe er mir aus dem Wagen und melde er mich an, ich werde das innerste in Augenschein nehmen müssen.“


    Der Kutscher tat wie ihm geheißen worden war und half dem kräftigen Herzog elegant aus dem Wagen. Anschließend rannte Luipold sofort los Richtung Tür, während der Herzog ihm mit Abstand flanierend folgte. Der Diener öffnete die Tür und trat ein, während unter misstrauischen Blicken der Herzog folgte. Unsicher war er, ob er hier am richtigen Ort war oder ob ihn Baron Tunichtgut bei seiner Skat- Runde mit seinem Einsatz betrogen hatte.


    „Höret her Leute dieser edlen Schenke, der Herzog Wilhelm von Hovenhain nimmt sich die Zeit euch mit seiner Anwesenheit zu beehren.“, sprach er, als der Herzog in seine Schenke eintrat.

    ~ Eine Verbeugung ist nicht nötig. ~

  • Leicht, beschwinglich unter wunderschön erhoben sich leise ein paar zarte Töne einer gutgelaunten Melodie. der Musikant saß munter und fröhlich auf dem Rücken einer Maus verfolgt von einigen anderen Tieren welche der Musik lauschten. Der Musikant selbst war kaum größer als der Daumen eines männlichen Menschens, also doch ausgesprochen winzig. das rote Haar wallte den Rücken der zierlichen Gestalt hinab, genau zwischen zwei FLügeln die im Licht funkelnden wie ein Tautropfen im Sonnenlicht.
    Ja tatsächlich die kleine elfenähnlich beflügelte Gestalt dort unten, war eine Fee, und nicht nur irgendeine Fee, das war Nyneve, vermutlich wieder auf der Suche nach neuen Abenteuern und im Kopf erneuten Schabernack.


    Doch plötzlich hielt die Maus an und war unter keinen Umständen dazu zu bewegen weiter zu laufen. Nyneve begutachtete sie von allen Seiten aber verletzt schien sie nicht. Und das Einzige was die Maus von sich gab war ein. "Warts ab"
    ALso wartet sie ab was nicht mal unbedingt lange war, als ein riesiges etwas an ihnen vorbeirasste.
    Ja um ein Haar wären sie vieleicht sogar überfahren wurden, hätte die Maus nicht angehalten.
    Die Fee hatte das Beben gar nicht gespürt, dafür sah sie jetzt um so erboster diesem Ungetüm nach.
    "Was fällt dem ein...ich werde dem Kastendingsda vieleicht etwas erzählen."


    Während sie schon im Eiltempo der Kutsche nachflog überlegte sie eifrig was für ein Streich wohl der Beste wäre. Vieleicht sollte sie die Räder abmachen. Nah lustig wäre es auf alle Fälle.
    Vor ihr kam nach einer Weile die Kutsche wieder zum Vorschein, vor einem Haus stehend. Also das was die Langbeinigen Riesen als Haus bezeichneten. Aber das Haus war nicht interessant, erstmal wurde die Kutsche betrachtet und entschlossen fummelte sie , mithilfe von etwas Magie an den Schrauben der Räder herum, beließ es aber dabei bis diese so locker waren, das beim nächsten Anfahren die Räder sich ihren eigenen Weg suchen würden.


    Schwer schnaufen pustete sich Nyneve eine rote Haarsträhne aus dem Gesicht und sah zum Hause. "Was auch immer ein Herzog ist, der wird sich wundern."
    Die Vorstellung des Kutschers war ihr nicht entgangen auch wenn sie sich nicht sicher war ob "Herzog" nicht doch ein Name war und nicht diese "Titel" die diese langbeinigen Leute sich gaben.


    Neugierig huschte sie flink näher und schaffte es noch durch einen Spalt in das Innere der Spelunke, bevor die Tür sich womöglich ganz schloß.
    Direkt über dem Thresen fand sich ein langer Balken, groß genug das eine Fee dort unentdeckt Platz finden konnte und den ganzen Raum überblicken.

  • Die Tür öffnete sich. Ein etwas älterer Herr trat ein und kündigte die Ankunft eines Gastes an, der sich wohl Herzog Wilhelm von Hovenhain nannte.


    Bjorgä schaute gleichgültig von seinem Bierkrug auf. Was ein Herzog war, wusste er nicht...verrücktä Mänschä, dachte er sich nur. Daher schenkte er dem Gesagten keine Bedeutung und widmete sich lieber wieder seinem Bier zu.


    Tavernenbesitzer und ehemaliger Söldner Iosif Jewgenjewitsch hingegen wurde bei der Ansprache sofort hellhörig, verließ augenblicklich die Theke und ging mit schnellen Schritten zur Eingangstür. Ein zahlungskräftiger Gast war seitdem Bjorgä hier Koch war, zwar nicht unbedingt selten, doch einen Herzog hatte Iosif noch nie bedient. Um ehrlich zu sein, hatte Iosif noch nie einen Herzog aus der Nähe gesehen.
    Als Söldner hatte er zwar oft im Namen eines Adligen gearbeitet. Seine Auftraggeber hatte er aber meistens nicht zu Gesicht bekommen, sondern meist nur mit deren Untergebenen verhandelt. Wie auch immer! Heißen wir den Herrn Willkommen!, dachte der groß-gebaute Almane sich.


    "Eure Hoheit, der hochwürdige Herzog von Hovenhain ist wahrlich willkommen in unserer Schenke," Iosif machte eine einladende Geste und lächelte. Iosif war ein unglaublich hässlicher Mann. Mit einer gewaltigen Knollennase, Augen die zu weit auseinander standen und unproportionierten Wangen war sein Anblick sogar unangenehm, selbst wenn er lächelte. Seine enorme Größe, seine muskulöse Statur und seine direkte und selbstsichere Körpersprache ließen ihn aber stets selbstbewusst auftreten. Deswegen hinterließ er bei fast allen Menschen, seiner Hässlichkeit zum Trotz, einen positiven Eindruck. In seinem Verhalten war er zwar ein ruhiger Gastwirt, dafür aber sehr höflich. Nur Bjorgäs übermäßige Bequemlichkeit ging Iosif auf den Geist, doch ändern konnte der Tavernenbesitzer daran nichts. Das wusste er.
    Aufgrund seiner Söldnervergangenheit neigte Iosif zudem zu Wutausbrüchen und einer tiefverwurzelten Rachsucht, die er aber im Zaum halten konnte, wenn er keinen Alkohol trank.


    Nach einer kurzen Pause, die Iosif dem Herzog gewährte um sich vorzustellen und sich kurz zu orientieren, fuhr der Almane fort.
    "Wir führen eine Vielzahl von Getränken. Empfehlenswert ist unser Hausbier, frisch gezapft an der Theke zu gutem Preis. Auch einen vernünftigen Grog bieten wir an. Unser Koch ist wahrlich ein Künstler und versteht sich selbst auf die Braukunst. Probieren Sie von seinem Pfirsichschnaps. Dezent-fruchtig. Leicht süß und vorzüglich im Nachgang," erzählte Iosif Jewgenjewitsch.


    "Falls Hunger besteht, bieten wir auch unterschiedlichste Speisen an."
    Iosif überreichte ihm die Speisekarte.
    "Selbstgemacht Hausmannskost vom Feinsten von unserem Zwergenkoch. Bekannt in der ganzen Stadt!", Iosif zeigte kurz auf Bjorgä, welcher weiterhin gleichgültig in sein Bierkrug starrte. Iosif versuchte ihm mit einen Blick einen Zeichen zu geben, in die Küche zu gehen. Doch Bjorgä verstand diese Geste nicht so recht, sondern ging stattdessen zur Theke und schenkte sich noch ein Bier nach.


    Mit frisch gezapftem Bier ging der Koch zurück zum Tisch. Rülpste auf dem Weg und begann dann etwas Käse aus seiner Brusttasche zu futtern. Iosif schüttelte innerlich den Kopf. Kann er sich nicht einmal benehmen?
    Bjorgä wusste augenscheinlich nicht, dass der Gast jemand Wichtiges war.
    Wie kann man nur so dumm sein und nicht wissen, was ein Herzog ist?, fragte sich Iosif.


    Die Fee bemerkte niemand, wie auch, so ein kleines Wesen war gerade mal so groß wie Iosifs Fingernagel.

  • Wilhelm blickte sich um. Seine Nase rümpfte sich und glaubte doch glatt in das Vermächtnis irgend eines Straßenhundes getreten zu sein, schon wollte er Luipold bitten die Schuhe zu reinigen, als er noch merkte, dass der Geruch vom Fußboden selbst kam. Müßig blickte sich der Herzog um. Eindeutig zählt diese nicht zu den Etablissements, in denen er sonst zu dinieren pflegt. Gut Bäuerlich oder gar Gutbürgerlich würde er eher sagen, nicht sehr gepflegt aber es hatte Charme, der rustikale Stil, der große Ofen rechts von ihm, die Stützbalken hier und da, dazwischen einige Tische mit Stühlen. Alles etwas abgenutzt und keinesfalls so wie es sein letzter Besitzer versprochen hat.


    Nur einen Augenblick dauerte die Umschau und Wilhelm hatte sich einen Überblick verschafft. Etwas schäbig, aber eindeutig Ausbaufähig! Mit etwas Geld konnte man hier viel erreichen und die Lage ist sehr gut. Direkt an einer Handelsstraße und nur wenige Momente bis zum Hafen. Wilhelm witterte einen guten Verdienst.


    Etwas aus den Gedanken gerissen Stand plötzlich ein etwas hochgewachsener Herr vor ihm. Nur selten musste er sich bemühen sein Kinn zu heben, denn schon er war mit 1,78m sehr groß gewachsen. Der Herr vor ihm, überragte ihm aber gut um einen halben Kopf. Etwas eigenwillig schaute er daher, dieser Muskelprotz, aber zum Glück schien er Manieren zu haben und den Gästen etwas an zu bieten, wenn er jedoch auch nicht verriet wie er hieß.


    "Wir führen eine Vielzahl von Getränken. Empfehlenswert ist unser Hausbier, frisch gezapft an der Theke zu gutem Preis. Auch einen vernünftigen Grog bieten wir an. Unser Koch ist wahrlich ein Künstler und versteht sich selbst auf die Braukunst. Probieren Sie von seinem Pfirsichschnaps. Dezent-fruchtig. Leicht süß und vorzüglich im Nachgang,"


    Wilhelm schmunzelte, >Hausbier, wie drollig, wie lange ist es her, dass ich so etwas trank. Zu Hofe pflegt man nur Wein zu trinken, so schlecht er auch sein Möge, Bier aber ... Ach wie köstlich.<


    "Gut gut, werter Herr, schenke er mir seinen größten Krug ein und geleite er mich zu seinem besten Tisch, ich beabsichtige zu dinieren. Ach ja, ich hätte gern einen sauberen Krug, wenn ich bitten darf und vergesst bitte nicht die Speisekarte!"


    Kurz drehte sich der Herzog noch um zu Luipold. "Komm schon Luipold, rücke er mir den Stuhl zurecht, damit ich Platz nehmen kann."


    Luidpold verdrehte die Augen, die gern würde er den Stuhl einfach aus versehen dem hohen Adligen unter dem Hintern weg ziehen, damit er auf seinem Hochmut landen würde. Aber leider war ihm so etwas nicht vergönnt. So tat er wie ihm befohlen wurde und rückte den Stuhl zurecht in der Hoffnung das das Stuhlbein nur ein winzig wenig morsch wäre. Wilhelm jedoch setzte sich genüsslich daher und wartete auf sein Hausbier und die Karte des Hauses.

    ~ Eine Verbeugung ist nicht nötig. ~

  • Unbekümmert saß sie da und ließ die Beine baumeln. Ihre Anwesenheit war unbemerkt geblieben und so war ihr das auch ganz Recht.
    Entspannt konnte sie so ihrer Neugier nachgehen und weiter die Szene beobachten.
    Zu ihrer Enttäuschung Zog der Herzog es vor zu bleiben und ihr blieb vorerst, der Genuss verwehrt sein Gesicht zu sehen, wenn mitten in der Fahrt sich die Räder der Kutsche lösten.
    Aber sei es darum, vieleicht passierte ja noch etwas spannendes.


    Nicht nur Luipold hoffte auf einen morschen Stuhl, auch Nyneve hätte es zu köstlich gefunden wenn der Mann mit seinem dicken Hintern auf dem Boden gelandet wäre.
    Dafür stieg ihr der Duft nach Essen in die Nase, aber für Essen war auch später noch Zeit. im Moment hatte sie eine, wie sie fand, viel lustigere Idee.


    So stand sie auf und mit einem nicht hörbaren Plopp sauste sie, wie eine kleine Kugel welche für das normale Auge kaum sichtbar war , flink durch den Raum, direkt unter den Stuhl von Wilhelm. Kichernd zog sie ihre Nadel hervor und flatterte höher um das spitze Ende in den Hintern des Gastes zu stechen.
    Dabei nahm sie sogar noch etwas Anlauf, damit man es auch ja spürte.

  • "Direkt dort vorne, ist unser bester Tisch", zeigte Iosif den beiden Gästen den Weg zum Tisch, welcher sich direkt neben dem Kamin befand.


    Während Wilhelm und Luipold Platz nahmen, kümmerte sich Iosif um die Bestellung und suchte sich einen Krug aus der Theke heraus. Normalerweise waren seine Gäste nicht so zimperlich, weswegen Iosif die Krüge meist nur oberflächlich wusch.
    Er wechselte das Abwaschwasser nur einmal am Tag, jeden Morgen, direkt nach seinem Frühstück. Denn der nächste Brunnen war ein paar Häuser weit entfernt und der lange Weg zurück war mit einem gefüllten Wasserkrug nicht gerade leicht.


    Iosif putzte den Krug auch diesmal nicht besser, sondern nahm ihn direkt aus dem Regal raus, so wie er drin abgestellt worden war. Schnell zapfte er das selbstgebrauchte, köstliche Bier des Bergwychtls aus dem Fass. Darauf ging er dann mit schnellen Schritten zurück zum Gast und brachte ihm die Speisekarte und den randvoll gefüllten Krug.
    Ein reinlicher Mensch würde aber die Fettflecken und den den oberflächlichen Dreck am Krug erkennen können. Für Iosifs Verhältnisse sah der Krug aber recht sauber aus.


    Bjorgä saß derweil immer noch am Tisch mit drei anderen Gestalten, zwei Menschen aus der Handelsallianz und ein gebürtiger Almane, führten eine angeregte Diskussion, von der Bjorgä aber nichts verstand. "Steuern", "des Königs Sold", "des Einen Gewinn ist des Anderen Verlust", waren ein paar Begriffe, die der Bergwychtl aufschnappte. Doch er verstand nichts von alldem und zuckte nur mit den Schultern, als man ihn nach seiner Meinung fragte. Mänschäley, dachte sich der Wychtl.
    Obwohl Bjorgä zunächst versuchte zuzuhören, wurden ihm wegen der seltsamen Diskussion, ganz schummrig und müde.


    Bjorgä Sjovätt gähnte, als er plötzlich aus den Augenwinkeln etwas fliegen sah.
    Eynä Mottä!, stellte der Bergwychtl einsiblig fest.
    Er folgte dem Wesen und zog seinen Schuh aus, um das nervige Insekt zu erschlagen. Wenn der Zwerg eine Sache auf seinem alten Bauernhof gelernt hatte, dann war es, dass Motten, Mücken und Fliegen absolut nervige Viecher waren, die man töten sollte. Mit dem Schuh in der Hand lief er auf den Herzog zu, verfehlte die Fee aber dabei. Stattdessen hörte man den lauten Schlag, als der Schuh auf den Boden aufkam.


    Träge blickte Bjorgä auf seinen Schuh und meinte bloß mit leicht dümmlichen Tonfall, aber mit einem herzlichen Lächeln auf den Lippen: "Danöbä!"

  • Erschrocken sprang Wilhelm auf, ein Arm zog er vor sein Gesicht.
    "Mörder, Diebe, Küchelhelfer, Luipold!"


    Dieser aber schien sich mehr für das Gespräch drei Menschen am Nachbartisch zu interessieren. Nickend stand er neben den dreier Gespann und nickte, während einer der dreien, eindeutig ein Almane sprach. "Ja, die Steuern steigen und steigen. Sieh sie dir doch an die reichen, fetten und stinkenden Säcke! Da fliegen fast die Verzierungen von der Robe, so fett gefressen sind sie und bei uns? Wir können uns das Rakshor unser durch die Rippen pusten!" "Hört, hört!", stieg ein anderer darauf ein, "Rakshor ist das richtige Stichwort. Der Kerl hat noch Schmalz in den Armen und was im Kopf, so kanns nicht weiter gehen. Ich hoffe wir haben bald Ruhe vor diesem adligen Gesindel!", brummte er und nahm noch einen kräftigen Schluck aus seinem Humpen.


    "Luipold! Du Nichtsnutz, jetzt hilf mir doch der kleine Kerl versucht mich an zu greifen, mein Leben ist in Gefahr!"


    Luipold war jedoch weit weg und lauschte Aufmerksam den drei Menschen. Der Herzog fand dies gar nicht lustig. Sein persönlicher Kutscher hörte nicht mehr auf ihn. Welch Skandal und dann auch noch, wo er in Lebensgefahr war! Luipold wollte sich keine Blöse geben und drehte sich zum Zwerg.


    "Sieh da, kleiner Mann. Bleiben sie weg von mir, ich weiß mich wohl ganz gut selbst zu verteiteidigen.", dabei vollführte der Herzog einige Bewegungen mit seinem Gehstock. Vor einigen Monaten hatte er öfters der Garde des Hofes bei Übungen zu gesehen. Wilhelm versuchte nun das erlernte Wissen um zu setzen, was jedoch mehr an eine amüsante Tanzeinlage erinnerte.


    Der kleine Mann in dessen kniete immer noch auf dem Boden und rührte sich nicht. Vorsichtig ging Wilhelm einen Schritt auf ihn zu und pikte ihn vorsichtig an der Schulter, um zu sehen ob er noch lebte. Dieser sagte jedoch nur, "Danöbä!"


    "Luipold, helfe er ihm auf. So denn, wo ist der Besitzer dieses, dieses...", Wilhelm rang vor Fassungslosigkeit und Adrenalin nach Worten, "... Geschäfts. Möge er sich sofort bei mir melden!"


    Luipold aber war immer noch abwesend, was Wilhelm sichtlich verärgerte, so wurde er in seinen Worten energischer.


    "Luipold Brachesbruch, ich befehle dir hiermit diesen Mann auf zu helfen und auf einen Stuhl zu setzen, ich will mit ihm reden. Wenn du dies nicht schaffst, nimm deine neuen Freunde zur Hilfe. Ihr da, gute edle Männer, ein Kupferling für jeden, der diesen kleinen Herrn auf die Beine helfe.", sprach er und zeigte auf den Angreifer.


    "Hach, dass ist heute zu viel Aufregung für mich. Erst einmal ein kühles Bier und etwas zu essen.", gemächlich unter leisen stöhnen beabsichtigte der Herzog sich auf seinen Stuhl zu setzen.


    Mit einem Schrei erhob er sich zugleich und griff sich an seine edelste Stelle.


    "Ich bin schockiert, noch ein Angriff! Wer wagt es mir ein Messer ins Gesäß zu rammen und was ist das? Ungeziefer, in einer Herberge, in einem Gastraum? Unmöglich!", wie wild schlug er mit siner Mütze um sich, der Hoffnung erliegen, dass er damit das bösartige Insekt erwischen würde.

    ~ Eine Verbeugung ist nicht nötig. ~

  • Verdutzt sah die Fee sich um als es erst krachte, als würde es Gewittern, aber dann war sie wieder abgelenkt als der Herzog von ihrem Stich getroffen, aufsprang und schrie.
    Hastig brachte sie sich vor der winkenden Mütze in Sicherheit, vorbei an dem Zwerge am Bode, dessen Grund, warum er da saß, nicht mal mitbekommen hat.


    Elegant landete sie auf bloßen Füßen, auf dem Rand des Kruges der gut gefüllt vor Wilhelm auf den Tisch stand. Sorgsam strich sie ihr Kleid glatt und die Flügel, ehe sie zu dem Manne auf sah.


    "Seid gegrüßt Herzog, es freut mich eure Bekanntschaft zu machen. "


    So frech wie sie eben noch war um so freundlicher war sie jetzt. Ihre Stimme passt zu einer feinen Dame so wie ihre höfflichen Worte und der zierliche Knicks welchen sie geschickt vollführte.


    Sie hatte mal gehört das die großen Völker das taten.
    Und so stand sie da, die kleine zierliche Schönheit und schenkte Wilhelm ihr allerliebstes Lächeln.
    Dabei blieb sie aber noch aufmerksam, bereit jedem Moment wieder zu flüchten, sollte man anders reagieren als erhofft.

  • Bjorgä saß derweil noch auf dem Boden und schaute verdutzt, sowie leicht dümmlich durch die Gegend. Etwas erschöpft durch die körperliche Ertüchtigung musste er einen Moment zu Atem kommen.


    Er keuchte auf, als er versuchte von alleine aufzustehen. Er schaffe es nicht alleine! Nach drei weiteren Versuchen, war der Bergwychtl völlig außer Puste und musste erneut pausieren.
    "I' schoffs nüt!", jammerte der Dicke leicht verzweifelt. Er schaute Hilfe suchend durch die Gegend.


    Zum Glück war der Herzog ein aufmerksamer Mann und gab alsbald Anweisungen, den dicken Zwerg vom Boden aufzuhelfen. Auch beschwerte sich Wilhelm und forderte nach dem Besitzer der Taverne, welcher gegenwärtig aber andersweitig beschäftigt war und sich um die Abrechnung von Kunden kümmerte, die gerade gehen wollten.


    Nur mit gemeinsamen Kräften schafften es Luipold und ein weiterer Mann, den der Herzog für ein Kupferling zudem auch noch bezahlen musste, den Bergwychtl vom Boden hochziehen. Nach dieser anstrengenden Prozedur ließ sich Bjorgä auf den nächstbesten Stuhl neben den Herzog nieder. Er bedankte sich beim Herzog und wurde darauf plötzlich unerwartet laut.


    "Verfluchtä!", maulte der Bergwychtl, wobei er mit der Faust auf den Tisch haute. "Is dat' strässich heytä wiedä!"


    Erst jetzt bemerkte Bjorgä die Fee, auf dem Tisch, die er durch die Erschütterung seines Schlages regelrecht in die Höhe katapultiert hatte, wodurch sie sich nun in Höhe seiner Augen befand und der Bergwychtl dadurch erschrak:
    "Eynä winzgä Mänschä!", schrie er aufgebracht.
    Er war völlig aus dem Häuschen und fasste sich aufgrund der Fassungslosigkeit an den Kopf.
    "Bist eynä winzgä Mänschä," wiederholte Bjorgä und stupste die kleine Fee an. "Is' do mäglich?", fragte Bjorgä den Herzog.


    Er hörte dem Herzog zu und versuchte darauf spielerisch die kleine Fee mit seinen Händen einzufangen. Was ihm nach einiger Zeit auch gelang.
    Wie ein kleines Kind, freute er sich darüber und meinte stolz: "Is nu meynä!"
    Er streichelte sie und griff in seine Brusttasche, um sie wie ein Haustier mit Käse zu füttern.

  • "Barbaren!", reusperte sich der Herzog und strich seine Kleidung glatt. Einmal athmete er tief durch und setzte sich sorgsam zurück an seinen Platz.


    "Verfluchtä! Is dat' strässich heytä wiedä!"


    "Wohl war, wohl war, kleiner Mann! So viel Stress bin ich nicht gewohnt. Mein herz, hach es springet in meiner Brust ganz aufgeregt daher! Aber nun gut, verzeiht mein ach so unfreundliches auftreten, der Schreck saß mir tief nach dem Stich in meinen allerwertesten.", sprach der Herzog schmunzelnd und Griff nach seinem Bier.


    "Ein kühles Gebräu aus gutem Haus ist in solchen Augenblicken wohl das beste, zum Wohl kleiner Mann!"


    Hurtig hob Wilhelm das Glas und zog es sich schnell zum Munde. Doch erschrak er sehr, saß nicht auf seinem Glasrand eine kleine Person?


    "Seid gegrüßt Herzog, es freut mich eure Bekanntschaft zu machen."


    Verdutzt sah der Herzog einen Moment lang die kleine Person an. Winzig klein war sie, mit noch kleineren Flügeln, langem roten Haar und einem grünen Kleid.


    "Also, also...", versuchte der Herzog seine Fassung wieder zu bekommen.


    "Ich muss wohl bitten, dies ist nicht die feine Almanische Art, verraten sie mir kleines Fräulein, was machen sie in meinem Glas?", sprach der doch etwas brüskierte Edelmann.


    "Eynä winzgä Mänschä!", brüllte derweil der Berggypfler aufgeregt herum.


    "Ist dies die Art sich vor zu stellen? In dem Mann einfach in anderer Läute Biergläser klettert? Und du mein Freund.", schaute er den kleinen Mann an, "dies ist kein kleiner Mensch unwissener, es ist eine Fee. Bekannt für ihren Übermut, ihre Späße, zudem ihrer schnell wechselnden Laune. Boten der Natur und nun ja, des Schabernacks."


    Doch in mitten der Ansprache des Herzogs schnappte sich der Berggypfler die Fee.
    "Is nu meynä!"


    Unter den verdutzten Augen des Herzogs hielt der kleine Kerl die Fee in den Händen, griff in seine Brusttasche und versuchte sie mit Käsestücken zu füttern.


    "Mein unbeholfener kleiner Freund, dies ist kein Tier. Die kleine Dame gehört zum Volk der Feen. Lass sie gehen, vielleicht möchte sie uns ja Gesellschaft leisten und eventuell hat sie ja auch hunger. Ich habe schon lange keine gute Gesellschaft mehr gehabt, setzt euch beide an meinen Tisch und lasst uns Tafeln und reden. Los Luipold, kümmere er sich, bring er uns essen und zwar reichlich. Zwerg und Fee, sagt an, was kann euch mein Diener bringen, ich lade euch ein. Als dann, erzählt mir von euch Fee, was führt euch in mein Bierglas?"

    ~ Eine Verbeugung ist nicht nötig. ~

  • Solch eine Frechheit. Da wollte sie gerade dem Manne antworten da gab es wieder einen Knall so das sie fast in den Bierkrug des Herzoges hineingefallen wäre und im nächsten Moment schrie dieser Tolpatsch das es in den Ohren weh tat.


    Sie hätte doch auf den Wiesen bleiben sollen. Dort war es ruhiger, schöner und die Leute waren nett. Aber das wäre auch langweiliger oder nicht.


    Zum Glück breitete sie rasch ihre Flügel aus und konnte so ein unfreiwilliges Bad im Bier vermeiden.


    Nach dem Ursprung suchend sah sie direkt in die Augen des Zwerges, welcher es sich noch erdreiste sie anzustupsen als wäre sie irgendein...fremdländisches Ding. Soviel Frechheit hat sie lange nicht erlebt.


    Doch die Krönung kam noch, als er sie versuchte zu fangen. Aber sie machte es ihm nicht einfach. Immer wieder wisch sie ihm flink aus, bis er sie letzendlich doch ergriff.
    Empört darüber das er sie auch noch als Besitz betrachtete und sie mit Käse füttern wollte sah sie ihn an.


    "Hey du grober Unhold, du tust mir weh. Außerdem bin ich kein Menschling sondern wie der Herzog spricht, eine Fee. Du bist dumm und gemein. Dabei habe ich dir gar nichts getan. Willst du mich umbringen oder was?!"


    Erhob sie protestierend die Stimme und deutet mit dem Finger auf ihn bevor sie im Befehlston kommandierte.


    "Lass mich sofort herunter!"



    Ob es ihre energische Art war oder überhaupt die Tatsache das sie sprechen konnte, die Worte des Herzoges oder alles zusammen wußte sie nicht. Aber der Zwerg ließ sie wieder los und sie flatterte rasch ein Stück von ihm weg.
    Erbost strich sie ihr Kleid glatt und ihre Flügel welche dabei kurz etwas von ihrem glitzernden Staub offenbarten.


    Wieder etwas milde gestimmt vom Angebot des Adligen sah sie zu dem Diener und ließ ihn wissen das sie Obst, Gemüse und Saft wünscht.
    Dann flatterte sie erneut hinauf auf den Rand des Bierkruges von Wilhelm um mit ihm auf einer besseren Sichthöhe zu sein.


    "Nun mein werter Herzog ich wollte euch kennen lernen doch bei meiner Größe mußte ich sicher gehen das ihr mich nicht überseht."


    "Wenn ich mich vorstellen darf. Nyneve"


    Ein zierlicher Knicks folgte, dann setze sie sich wieder auf den Rand. So würde der Herzog wohl nicht zum trinken kommen, wenn nicht bald eine andere Möglichkeit sich bot wo die Fee in angenehmer Höhe sitzen konnte.

  • Das kleynä Mänschleyn, wie Bjorgä sie nannte, war weniger erfreut dadrüber, wie Bjorgä sie behandelte. Scheinbar mochte sie auch keinen Käse, was den dicken Bergwychtl etwas missmutig werden ließ.
    Je stinkiger der Käse war, desto besser schmeckte er, hatte er einst festgestellt. Und dieser leckere Hartkäse, den er ihr angeboten hatte, stank bestialisch und war nach Bjorgäs Gechmacksempfinden einfach nur genial!


    Wiä kann mo keynä Käs' mögä?", fragte er sich nachdenklich. Er schien richtig drüber nachzugrübeln, so als ob er eine schwierige Rechenaufgabe lösen musste. Denn für einen Bergwychtl war es nicht sonderlich leicht, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Bjorgä runzelte vor lauter Anstrengung nur die Stirn.


    Der Gedanke keinen Käse zu mögen, war für ihn sehr befremdlich, war Sjovätt doch vor dem Tod seiner geliebten Frau ein Käsmacher gewesen. Vermutlich wäre ein normaler Mensch aufgebracht oder etwas verärgert in solch einer Situation geworden. Doch einen echten Bergwychtl, wie Bjorgä einer war, konnte nichts aus der Ruhe bringen.


    Er hörte der Fee zu, die sich als Nyneve vorstellte und lächelte ihr als Reaktion zu.
    "I heyßä Bjorgä," stellte sich der Bergwychtl vor. Er rülpste laut, wodurch Käsegestank aus seinem Mund herausgepustet wurde.
    "Bin do Koch hyär,"
    "Schweynshaxä, Ommentaler Braten, gorgorischer Eintopf, Korgox-Eier. I' hob schon alles gegässä!". Er haute sich dabei auf den Bauch und grinste breit.
    "Und du? Wär bistä?", fragte er recht anstandslos den Herzog.


    Er nahm einen kräftigen Schluck Bier aus seinem Krug und schlug dann dem Herzog voller Freude und Euphorie brüderlich auf die Schulter.
    "I' glob, wyr wärdä gutä Freundä!"

  • "Nun mein werter Herzog ich wollte euch kennen lernen doch bei meiner Größe mußte ich sicher gehen das ihr mich nicht überseht. Wenn ich mich vorstellen darf, Nyneve"


    Ein zierlicher Knicks folgte, dann setze sie sich wieder auf den Rand von des Herzogs Trinkgefäß. Eine höfliche Elfe? Innerlich musste der Herzog etwas schmunzeln. Hatte er zwar noch keine echte Elfe gesehen, doch schon einiges von ihnen gehört. Schabernack war ihr höchstes gut, ob es bei dieser Elfe anders seih?


    "Wirt! Hol er sofort Zei Schnapsgläser, eile er sich!", befahl der Herzog eiligst mit einer Handbewegung. Nur Augenblicke später kam der Wirt zurück, wie ihm aufgetragen wurde.


    "Hier Herr, was kann ich ihnen als Schnaps anbieten. Wir hätten Almaner Dreifachkorn im Angabot, Rakshanisch Weiß und ..."


    "Keine Sorge, es hat alles seine Richtigkeit guter Mann, die Gläser sind nicht für mich, sondern für unseren dritten Gast am Tisch.", sprach der Herzog und drehte die Gläser um und stellte sie unter den verwunderten Augen auf den Tisch.


    "Damit hätte unser kleinster Gast auch einen Tisch und einen Stuhl. Es zeugt nicht von Luxus kleine Fee, dennoch hoffe ich, es ist zu ihrer Zufridenheit."


    Kaum hatte sich der Herzog um einen Gast gekümmert, sprach auch schon der Bergwychtl.


    "Und du? Wär bistä?"


    Diese Frage war schwerer zu beantworten, als es sich der Herzog selbst einzugestehen vermochte. Wer war er schon? Ein Herzog oder doch nicht? Der Herzog verschnaufte kurz und nahm noch einmal einen kräftigen Schluck des Gerstensaftes.


    "Nun, werter Herr Bjorgä, die Frage ist schwerer zu beantworten, als man gemeinhin denkt. Zu meinem Namen, ich bin Herzog Wilhelm von Hovenhain. Die flegelhafte Person da hinten ist mein Kutscher Luipold und ...", sichtlich viel es dem Herzog schwer weiter zu reden. Die Schmach und Schande, die er die letzte Zeit zu überstehen hatte, war schon schwer genug und nun sollte er dies auch noch fast fremden Leuten erzählen?


    Abermals strich er sich durch den Bart, als er leise weiter sprach. "Mit Luipold habe ich mich vor wenigen Tagen oder Wochen? Ich bin schockiert, so genau weiß ich dies schon gar nicht mehr! Ärgerlich, nun egal. Auf der Reise bin ich mit ihm um meinen letzten Besitz zu begutachten ... weil ... nun ja, sagen wir es so. Nicht nur einem Bauern oder einem Händler können Banditen überfallen, auch einem Herzog kann es so ergehen. Dabei, wie es im Leben so ist, erkennt du die wahren Diebe nicht. Die wahren Diebe erkennst du erst, wenn du alles verloren hast!"


    "Kennt ihr zufälligerweise den Herzog Leopold von Ghena? Ich sage euch, mit diesem Mann stimmt etwas nicht!, sprach er hinter vorgehaltener Hand und beugte sich dabei etwas nach vorn, damit möglichst nur seine Tischpartner alles hören.


    "Er hat in wenigen Jahren mehr Reichtümer angehäuft als ein halbes Dutzend Adliger Familien zusammen in derselben Zeit. Viele Adlige überschreiben seit Jahren allen Grund und Boden in der Handelsallianz an den sogenannten Herzog von Ghena! Habt ihr eine Ahnung wie viele Adlige im letzten Jahrzehnt verarmt sind? Sicherlich nicht, denn Informationen darüber gibt es nur in Adligen Kreisen und was interessiert es schon einen Bauern, an welche Person er seinen Steuern geben muss? Da fällt der ein oder andere Besitzwechsel gar nicht auf. Aber ich sage euch, da stimmt etwas nicht und dem bin ich nachgegangen. Keine Woche konnte ich dabei Nachforschungen anstellen. Dann wurde ich mitten in der Nacht all meiner Ämter beraubt, meine Ländereien beschlagnahmt und bin des Landesverrats angeklagt!"

    ~ Eine Verbeugung ist nicht nötig. ~

  • Überrascht sah sie auf die Schnapsgläser welche ihr der Herzog bringen ließ und sie so einen Stuhl sogar einen Tisch hatte. Kichernd setzte sie sich auf eines der Schnapsgläser. Hatte der Herzog vieleicht doch Humor, na dann würde er wenigstens lachen können, wenn die Räder seiner Kutsche während der Fahr abfielen.


    Vergnügt gluckste sie bei dem Gedanken.


    Nur mit dem Kurzbeinigen wußte Nyneve noch nicht viel anzufangen. Er hatte offenbar nicht viele Manieren und er stank fürchterlich nach Käse. Wann er wohl das letzte Mal seinen Mund gepflegt hatte?


    Dann fingen die Langbeine an über irgendwas zu sprechen was sie nicht recht verstand. War wohl so ein Große-Leute Ding.
    Aber wenigsten kam nun das Essen und sie konnte sich vergnügt über die Speisen hermachen.
    Während dessen lauschte sie mit halben Ohren dem Gerede zwischen dem Herzog und dem Zwerg.


    Man hatte viel zu viel aufgetragen, aber so hatte sie wenigstens die Wahl.
    Erneut flog sie zum Obstteller um sich eine Traube auszusuchen als Plötzlich ein Glas über sie gestülpt wurde.
    Was war den jetzt los, zu Hilf sie war gefangen.


    Der dreiste Feenfänger war ein Gast welcher vorher gar nicht groß aufgefallen war, aber dann die Fee entdeckt hatte und wohl der Meinung war das er mit ihr tun könne was er wolle.


    "Hah , hab ich dich. Du kommst daheim in den Vogelkäfig und wirst im Laden meine Kunden verzaubern. Bringt mir bestimmt mehr Münzen ein."


    Dreckig lachend schob er seine dreckige Hand unter das Glas um Nyneve daran zu hindern zu entkommen.
    Erschrocken, erbost aber auch ängstlich klopfte sie wild gegen das Glas.

  • "Zumindest das Bier ist schon einmal sehr gut, sagt kleiner Mann, was führt euch, einen Bergwychtl in dies entlegene Gegend, noch dazu so fern der Heimat?"


    Belustigt sah der Herzog wie die Fee sich abermals am Obstteller bedienen wurde. Ein Schmunzeln entwich seinen gerade noch schmerzenden und traurigen Gesichtszügen. Wie so ein kleines Wesen nur existieren konnte. So klein und winzig, welch Mühe es sich abverlangte um eine winzige Traube zu tragen.
    "Faszinierend nicht wahr, kleiner Freund? Da gibt es nun so viele Völker auf Asamura, aber keines gleicht dem anderen. Groß, klein, stark, schwach, technologisch hoch Wissend und daneben dumme Bauern. Die Götter haben etwas erschaffen, was man als sterblicher Kaum glauben mag!


    Gerade schwelgte Wilhelm noch in seinen Worten der Völker und wollte soeben eine Anekdote aus dem Tieflingslanden erzählen, als vor unweit von seinen Augen entfernt die Fee in einem Glas landete.


    "Hah , hab ich dich. Du kommst daheim in den Vogelkäfig und wirst im Laden meine Kunden verzaubern. Bringt mir bestimmt mehr Münzen ein."


    Sofort erhob sich der Herzog von seinem Stuhl. "Guter Mann, ich bin schokiert, welch Worte vernehme ich da aus eurem Mund? Lasset ihr die junge Fee sofort frei!"

    ~ Eine Verbeugung ist nicht nötig. ~

  • Bjorgä hörte dem Herzog aufmerksam zu und nickte ihm gelegentlich als Antwort zu. "Härr Zog Läopold?", schnappte Bjorgä die Frage von Wilhelm auf. Er konnte mit dem Namen nichts anfangen zuckte unwissend mit den Schultern.
    "Näääää," brummte der Bergwychtl.


    Kurz fiel Bjorgä Wilhelm darauf ins Wort und wollte das Gespräch auf ein Thema lenken, wo Bjorgä mitreden konnte: "Kännstä dä Wyrtä Lirndd?"
    "Ei feynä Bengäl! Mein Schwiegäsohn! Und dö Byär is dö bestä in ganzä Heymstätt!"


    Für Bjorgä war der Wirt Lirndd inzwischen schon sowas, wie eine Persönlichkeit geworden und er war immer wieder erstaunt, dass niemand diesen bedeutenden Berggipfler kannte. Im Donnerbrettfahren gewann er schon das 10. Mal in Folge. Den Preis für die größte Rübe und den schönsten Kohl ging auch zum x-ten Mal an ihn. Bjorgä bewunderte seinen Schwiegerson. Für die Bergwychtl war Lirndd inzwischen schon sowas, wie ein Held geworden. Lirndd lebte aber wie fast alle Berggipfler weit von Oberhain entfernt, im Wychtlgebirge, im Schutze der Waldalben. Und so war es also nicht verwunderlich, dass Wilhelm ihn nicht kennen konnte.


    Doch Herzog Wilhelm von Hovenhain war viel zu sehr vertieft in seiner Schilderung über die omniösen Machenschaften von Leopold von Ghena. Als die Speisen aufgetischt wurden, wurde der Koch jedoch kurz missmutig. Hatte Iosif ihn doch glatt nicht gefragt, ob er den Braten verwenden durfte, den Bjorgä für den morgigen Tag vorbereitet hatte. Dieser Braten war noch nicht fertig!


    "Schmörrn!", brummte er kurz mürrisch in sein Bierglas. Doch es war fast nicht möglich, Bjorgä in eine schlechte Stimmung zu versetzen oder ihn aus der Ruhe zu bringen. So fing er kurz darauf wieder an zu lächeln, und bediente sich an der Käseplatte.


    "Zumindest das Bier ist schon einmal sehr gut, sagt kleiner Mann, was führt euch, einen Bergwychtl in dies entlegene Gegend, noch dazu so fern der Heimat?", fragte ihn der Herzog.


    "Sjo, dö is eynä langä Geschichtä. Im vordrittä Jahrä nun starbä meynä Weyb Fjändina. Ward a eynä schönä Sommertagä, als i' na Hausä kam...," erzählte er die Geschichte. Doch er konnte sie nicht beenden, da wieder Tumult am Tisch entstand.


    Irgendein Gast schnappte sich die kleine Fee und beanspruchte sie für sich.
    Bjorgä beobachtete dies zunächst nur. Als der Herzog sich beschwerte, zuckte Bjorgä nur mit den Schultern. Vielleicht war das so ein Brauch, dass man den "kleynä Mänschä" einfangen musste, wie eine Ratte in der Käsefabrik?


    Sjovätt hat noch nie viel von Konfliktbewältigung verstanden. Er erhob sich stattdessen von seinem Platz und holte nochmal Bier für die Runde. Denn Bjorgäs Krug war schon leer und der Herzog hatte noch viel zu wenig getrunken! "Do Byär musstä trinkä!", sagte er im leicht vorwurfsvollen, kumpelhaften Tonfall zum Herzog und klatschte mit der Geste den Krug auf den Tisch. Etwas Bier schwappte dabei über und tropfte auf den Boden.


    Lustigerweise hatte Bjorgä auch an die Fee gedacht und ihr einen riesigen Krug voll mit Bier mitgebracht.

  • Ist die eure? Ich kauf sie ab.


    Wande sich der unbehobelte Gast nun an den Herzog als dieser Einspruch gegen die Gefangen-nahme der Fee erhob.


    Jene hockte noch immer wenig glücklich hinter dem Glas und beobachtete was draußen vor sich ging. Als der Zwerg sich auch erhob, sah Nyneve gespannt zu ihm. Er war zwar klein und dick, aber sie hatte gehört Zwerge waren gute Krieger und machte ihre Größe rasch durch ihr Auftreten wett.


    Aber dieser hier war überhaupt nicht so wie man sich erzählte. Er stapfte einfach davon um neues Bier zu holen. Erbost sah Nyneve ihm hinterher und beschloß still für sich das der da gewiss kein Zwerg war. Bestimmt nur ein kleiner dicker Mensch. Und er hatte eindeutig ein paar Streiche verdient. Wie mußte sie sich noch überlegen.


    Doch da dieser Gast keine Anstalten machte sie herzugeben, gar anfing um sie mit dem Herzog verhandeln zu wollen, wie eine Ware, mußte sie sich selbst helfen.


    Und so nutzte sie ihre Magie, welche sie für Außenstehende verblassen ließ. Aber wenn man ganz genau hinsah konnte man eine schemenhafte Gestalt erkennen die nur schwer vom Glas zu unterscheiden war.
    Sicher war Glas nicht die beste Möglichkeit sich zu tarnen, aber ein Versuch war es wert.



    "HE wo ist sie hin?"


    Triumphierend lachte sich die Fee still ins Fäustchen, als der dreiste Gaste verdutzt auf das Glas sah. Er nahm seine Hand weg, was die beste Gelegenheit war für Nyneve zu entwischen. Bevor der Fremde selbst seine Hand in das Glas quetschte und es dann wütend abstellte.
    Die Fee war eindeutig weg.


    Das war sie in der Tat , Nyneve hatte sich hinter einen Krug versteckt und nun tarnend dessen Farbe angenommen. Für das bloße AUge schien sie nicht da, doch heimlich beobachete sie die Männer.


    Der Gast deutete mit seinem schmutzigen Finger nun direkt auf den Herzog.


    "Ihr habt mich bestohlen!"


    Erhob er lautstark die Stimme. Er schien wirklich der Überzeugung das der Herzog ihm die Fee gestohlen hätte, auch wenn mehr als fraglich war, wie er das hätte tun können.

  • "Ihr habt mich bestohlen!"


    "Mit Verlaub, ich bin empört! Ich bestohlen? Ein Mann von Meinen Ansehen und Format sollte sich zu niederen Taten herab lassen. Mein bester, obwohl ich in einer einfacheren Behausung diniere, muss ich sie wohl darauf hinweisen, das ich vom Stand her hoch dekoriert bin. Des Weiteren, Feen können sich unsichtbar machen, sie wird ihnen wohl entwischt sein, als sie ihr Glas erhoben. Sie sagte zwar nichts davon, aber falls die Fee euch gehörte, so will ich, trotz eures verbalen Ausrutschers und flegelhaften Verhaltens euch suchen helfen! Herr Zwerg, wären sie so freundlich mit uns die Fee zu suchen, danach können wir gern zu Ende speisen. Vielleicht könnten sie mir danach die Stadt zeigen?"


    "Ihr seit von Stand, interessant, interessant ..."

    ~ Eine Verbeugung ist nicht nötig. ~

  • Empört nahm Nyneve die Worte des Herzogs auf. Wie konnte er sowas sagen? Waren diese Langbeine alle so herzlos. Nun war sie erst recht zufrieden das sie die Räder der Kutsche von Wilhelm gelockerte hatte, so das sie ihm bei seiner nächsten Fahrt abfallen würden.


    Das geschah ihm dann recht. Die Fee erhob sich und flog ein Stück hinauf. Inzwischen war der Zauber abgeklungen so das man sie wieder sehen kann.
    Flink flog sie direkt zu den Ohren von Wilhelm und zog mit aller Kraft daran ehe sie sich rasch wieder in sichere Entfernung zu den Menschen, Zwergen und anderen Gästen der Taverne brachte.


    "Ich gehöre niemanden!"


    Äußerte sie lautstark.


    "Habt ihr Großen keinen Anstand und den Funken von Intelligenz? Eine Fee ist doch kein Haustier was man besitzen kann."


    Empört verschränkte sie ihre Arme vor dem Körper.