• Der Rat der Zehn


    Der Rat der Zehn, sie sind im Konsenz die Regierung unseres Landes. Steht vor Souvagne ein Mann und zwar der Duc, so steht vor Naridien der Rat der Zehn und spricht geschlossen mit einer Stimme. Naridien ist kein Feudalstaat Garlyn, deshalb haben wir einen Rat. Die heutige Form hat sich vor Jahrhunderten herausgebildet und bis heute sind wir gut damit gefahren. Der Rat der Zehn ist genau wie der Duc ewig, nur sind es stets andere Männer. Einige sind nur kurz dabei, andere Jahre, manche sogar Jahrzehnte.

    Wer die aktuellen Gesichter des Rates der Zehn sind, siehst Du übrigens am Stadttor Alessas. Dort siehst Du zehn Statuen die auf dem Stadttor stehen. Ganz oben der erste Richter, etwas drunter Richter zwei und drei auf einer Höhe, abwärts führend nach der jeweiligen Nummer weiterverlaufend. Dein Boss siehst Du dort also ebenfalls ins Überlebensgroß.

    Da sie die Geschicke unseres Landes lenken und da sie in der Gerichtsbarkeit die letzte, allerhöchste Instanz sind, bringt man ihnen den höchsten Respekt entgegen. Nein niemand möchte im Saal der Sonne stehen, während es um einen herum dunkel wird und nur noch die gewaltigen Übertragungsmonitore der zehn Richter für Beleuchtung sorgen.

    Wer den großen Verhandlungssaal betritt, betritt wirklich einen Verhandlungssaal. Sobald Du einmal hinter die Kullissen geschaut hast, wird Dir vieles klarer. Also es findet tatsächlich eine Verhandlung statt. Der Beschuldigte steht unten und schaut zu den großen Kabinen auf, über den Kabinen die während der Verhandlung abgedunkelt sind, hängen die riesigen Monitore. Du siehst die Richter also dort auch in überlebensgroß. Dementsprechend legen sie auch Wert auf ihre Erscheinung. Keiner möchte dort als übernächtigter, fettstirniger, unrasierter Riese über den Bildschirm flimmern.

    Die Kabinen dienen der Sicherheit der Richter. Jeder Richter hat entsprechend seiner Nummer eine eigene Kabine. Dort sitzt er während der Verhandlung an seinem Richtertisch mit dem Gesicht zur Scheibe und schaut auf den Beklagten herab. Dieses Bild von ihm wird übertragen und Du siehst es als Beklagter auf dem Monitor über der Kabine. Die Kabinen sind nicht nur in einem eigenen Trakt, wo kein anderer Zugang hat, außer die Sicherheit und die dazugehörigen Leute der Richter. Sie sind auch geschützt und während der Verhandlung von innen verschlossen. Sollte Valerian Dich zu einer Verhandlung mitnehmen, wirst Du in dieser Kabine warten. Ein Stück hinter dem Richtertisch sind sie wie große, bequeme Büros mit Miniküche etc. ausgestattet. Ganz nett dort.

    Verhandeln die Richter über eine Person und deren Strafe, dann werden sie nicht nur über Bildschirme gezeigt, sie sprechen auch über ein Mikrophon in den Gerichtssaal. Aber in den Kabinen sind auch Interkoms, die die Kabinen verbinden. Valerian kann sein Mikrophon stumm schalten, so dass der Beklagte unten im Gerichtssaal nichts hört. Dann spricht er sich entweder via Interkom mit allen anderen Richtern ab, oder er fragt einen bestimmten Richter nach seiner Meinung. Bittet um eine Erläuterung, interveniert etc. Interkom von Intern - nicht im Kopf, sondern in diesen Kabinen.

    Sie reden viel mehr hinter den Kulissen, als Du Dir vorstellen würdest. Und so einiges davon ist privat, Klamauk, Scherze, oder Angiftungen. Das was Du unten im Saal siehst, sind ernste Gesichter die auf Dich herabstarren. Was sie sonst sagen, hörst Du nicht. Und wird die Verbindung zum Mirko unterbrochen siehst Du die letzte Momentaufnahme des Richters. Heißt Mikro aus, da könntest Du auch gähnen oder eine Fratze ziehen, unten sieht es keiner.

    Sprich viele glauben man ist vorverurteilt, steht man vor dem Rat der Zehn. Das ist falsch. Man hat eine Verhandlung. ABER was viele vergessen ist, um vor den Rat der Zehn gezerrt zu werden, muss man schon gewaltig was auf dem Kerbholz haben. Für ein Knöllchen für fünf Taler, wird man nicht vor das höchste Gericht gezerrt.

    Hinzu kommt, dass im gleichen Gebäude auch Einzelverhandlungen in ganz ähnlichen Gerichtsälen stattfinden. Diese Säle sind so ausgestattet wie der höchste, nur eben eine Kabine und ein Monitor. Diese Kabinen werden von allen Richtern genutzt, je nachdem wer in welchem Saal eine Verhandlung führen muss.


    Wir wohnen den Verhandlungen stets bei. Das Gericht hat eigenes, sehr gutes Sicherheitspersonal. Aber jeder Richter nimmt mindestens zwei persönliche Konstabler mit und einige Assistenten. Miles ist der Partner und Assistent von Valerian. Oft begleiten uns aber dort Miles und Theo. Es kommt auch vor, dass uns nur Theo begleitet, falls Miles eine andere Aufgabe zugeteilt bekam.

    Jeder Richter des Rates der Zehn ist Jurist. Sie waren Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare. Die meisten von ihnen sind aber nicht nur das. Der Großteil von ihnen ist extrem vermögend und besitzt eine oder mehrere Großkonzerne. Die Türme die sie bewohnen sind sozusagen ihre Statussymbole. Sie strecken sich wie Finger in den Himmel um ihre Macht zu verdeutlichen.

    Die Richter in chronologischer Reihenfolge.

    1. Richter - Gabin Korpuuk, er ist schon 88 Jahre alt
    2. Richter - Yanko Crespo
    3. Richter - Valerian Vasco von Hohenfelde
    4. Richter - Milan Bechstein
    5. Richter - Kazuho Miyauchi

    6. Richter - Andre Ferreira Oliveira

    7. Richter - Kreso Baric

    8. Richter - Rasin Sulitef

    9. Richter - Kuno Neda

    10. Richter - Ruggiero Altizza

    Du musst bei den Infos immer am Ball bleiben. Das heißt, die Seilschaften und Feindschaften Deines Richters immer kennen. War Val letzte Woche noch mit Bechstein verbrüdert, kann er diese Woche völlig verstritten mit ihm sein. Oder hatten Sulitef und von Hohenfelde noch letzte Woche die gleiche Meinung, so kann Sulitef diese Woche Valerian schon verfluchen. Also Du musst genau aufpassen. Spricht Dich ein Assistent oder ein Konstabler eines anderen Richters an, wirst Du niemals - ich wiederhole NIEMALS irgendwelche Interna weitergeben. Du nicht, ich nicht, die Assistenten nicht. Für Valerian spricht nur Valerian oder Miles mit Erlaubnis.

    Du siehst also, für uns ist das manchmal ein Drahtseilakt. Sind die Richter als Rat der Zehn irgendwo gemeinsam, hast Du vorrangig die Sicherheit Deines Richters zu gewährleisten. Geschieht etwas, dass wir als Truppe zusammengezogen werden, gilt unser Schutz als Miniarmee schlagartig allen Richtern.

    ~Edwin Everfurth



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  • Der Rat der Zehn


    Das Amt dass sie nun beide bekleideten, Yanko genauso wie er selbst, hatte zwei Seiten. Die eine Seite beinhaltete, dass Yanko nun zur Regierung Naridiens gehörte. Er war einer der mächtigsten Männer des Landes. Genauer gesagt war er die Nummer zwei, der zweitmächtigste Mann in Naridien. Und er - Roman Murger - war dessen Assistent und rechte Hand. Aber Macht erzeugte Neid und wie jeder wusste, war der Rat zwar in seiner Gänze die Regierung selbst, allerdings war sich der Rat nicht immer einig.


    Es war ein Trugschluss zu glauben, dass diese zehn so verschiedenen Männer in friedlicher Co-Existenz gemeinsam regierten. Allein die Herkunft machte dies schon zunichte. Sie alle waren mehr oder minder knallharte Juristen gewesen, die das Gesetz für ihre Zwecke so weit gebogen hatten, wie es nötig war. Sie spielten damit, wussten es zu nutzen wie ein Musiker sein Instrument und manche von ihnen gingen bis hart an die Grenze - biegen ja, brechen nein. Das war das uralte Dogma von Korpuuk.


    Verboten war das Brechen nicht. Bestraft wurde nur, wer dumm genug war sich erwischen zu lassen. Ein guter Clou der einen anderen Richter aus dem Amt und einen selbst eine Etage höher beförderte wurde hingegen bewundert. Es war ein seltsames Spiel im Machtgefüge, dass die Richter untereinander spielten. Der Einsatz war immens und konnte das eigene Leben kosten. So sehr sich der Rat auch manchmal bekriegen konnte, einer Gefahr von außen begegneten sie mit absoluter geschlossener Härte. Und jeder der Zehn war ein Mann, mit dem man sich nicht besser anlegte.


    Gleich wie charmant dieses Ratsmitglied wirkte, wie volksnah, wie chaotisch oder mit welchem Zahnpastalächeln der Mann auftreten mochte, es waren Haie. Und nun hatten sie einen Hai aus Ledwick importiert. Seinen Hai - Yanko Crespo.


    Crespo musste den Spagat hinbekommen die anderen von unten abzuhalten und zeitgleich Korpuuk zu versichern, dass er nicht aufsteigen wollte. Selbst wenn dies der Fall sein sollte. Und er würde ihn dabei unterstützen mit allen Mitteln die ihm zur Verfügung standen. Roman nahm zur Kenntnis, dass sich Ravi sofort im Cockpit setzte. Nun einerseits, weil er vermutlich die Yacht steuern konnte und andererseits um sein Revier zu markieren. Zwei Sitze, drei Personen die Botschaft war klar.


    ~Roman Murger



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