Der Weg zur Göttlichkeit

  • Die Waagschale der Gerechtigkeit


    - Souvagne 1077, Bluthexer, Freie Abenteuer, die Waagschale der Gerechtigkeit


    Ciel folgte mit andächtigem Schweigen Ignatio durch die Räumlichkeiten der Bruderschaft der Reinheit. Tief im Tempel des Blutes verborgen, lebte die Bruderschaft abgeschottet vom Rest des Ordens. Ihre Lebensweise war asketisch und jedem weltlichen Besitz entsagend.


    Der Vorbeter öffnete eine schwere Doppeltür und ließ Ciel den Vortritt. Der junge Prophezeite schaute auf einen großen Saal. Die dominierenden Farben waren weiß und rot, wie sollte es anders sein. Den Mittelpunkt dieses Saals bildete eine gigantische Waage, die auf einem großen Podium stand. Vier Stufen führten zur Waage hinauf, deren goldene Arme an einem weißen Obelisken befestigt waren. Ein rotes Banner hing von dem weißen Stein herab.


    Auf gleicher Stufe mit der Waage stand ein großer goldener Thron. Zwei weitere Sitzmöglichkeiten flankierten den Thron, beide standen jedoch links und rechts auf der zweiten Stufe.


    Der Weg zur Waage war mit roten Teppichen ausgelegt, der die weißen Fliesen bedeckte. Vier Reihen Holzbänke flankierten den Weg zu den Thronen. Das Podium mit Waage und Thron selbst war eingefasst von drei Etagen mit Gängen und Balkonen, so dass auch Brüder die unten auf den Bänken keinen Sitzplatz gefunden hatten, den Ritualen beiwohnen konnten.


    Ignatio verschloss den Thronsaal hinter sich und schloss zu dem jungen Prophezeiten auf. Mit fast liebevoller Geste lud er den kleinen Jungen ein, sich dem Podest zu nähern.


    "Iggi was ist das für ein Saal und weshalb steht hier ein Thron? Was ist das für eine Waage?", fragte Ciel und reichte Ignatio die Hand.


    Der Vorbeter zog seine Handschuhe aus und umfasste die Hand von Ciel behutsam, was den Princen grinsen ließ.


    "Das Ciel ist die Waageschale der Gerechtigkeit. Dieser Thron gehört Dir, er war bis zu Deiner Geburt von symbolischer Bedeutung, doch mit dem Tage Deiner Geburt ist er in Deine Hand übergegangen. Er hat auf Deine Ankunft gewartet. Der Thron gehört dem Prophezeiten, zu seiner linken sitzt der Vater - Dijon de la Grange. Zu seiner Rechten sitzt der Höchste - Oliver Valis de la Grange. Prophezeiter, der Vater und der Höchste. Du gebietest über die Waagschale der Gerechtigkeit", antwortete Ignatio freundlich.


    Er nahm Ciel auf den Arm, der ihn verdutzt anschaute, marschierte auf den Thron zu und schritt auf das Podest. Dort setzte er Ciel auf den Thron, machte einen Schritt zurück und ging vor ihm auf die Knie.


    "Willkommen", sagte Ignatio ehrfürchtig und kreuzte beide Arme vor der Brust.


    Ciel schaute auf Ignatio hinab und drückte ihm drei Finger seiner linken Hand auf die Stirn. Der Vorbeter schloss die Augen und neigte das Haupt tiefer.


    "Danke Ignatio. Das ist mein Tempel in klein nicht wahr?", fragte Ciel und schaute den Vorbeter ernst an.


    "So ist es, hier wurdest Du schon seit Deiner Verkündung verehrt. Du, Vater und der Höchste. Der Tempel des Prophezeiten dient allen Brüdern zur geistigen Erbauung, zur inneren Einkehr, wie auch zum Gebet. Dieser Tempel hier dient ausschließlich der Bruderschaft der Reinheit. Unser Glaube gilt nicht Ainuwar, er gilt Dir", erklärte Ignatio und setzte sich auf die unterste Stufe des Podestes.


    "Hier ist Sacha Lacand gefallen, stimmt das?", fragte Ciel und schaute sich neugierig um.


    Ignatio schaute Ciel in die Augen und lächelte sein messerdünnes Lächeln.


    "Für die Antwort müsste ich weiter ausholen, aber die Kurzfassung lautet - Ja", antwortete der Vorbeter.
    "Erzähl mir alles Iggi", bat Ciel und verschränkte die Füße, so dass er im Schneidersitz saß.


    "Sacha Lacand war einst der Vorbeter der Bruderschaft der Reinheit. Die erste Prophezeiung lautet wie folgt:


    „Die Bluthexer haben die Fortpflanzung schon vor fast 200 Jahren erfolgreich von der Sexualität entkoppelt und vor 65 Jahren das System zur Reproduktion perfektioniert. Seither läuft es stabil. Wir brauchen keine Frauen mehr, keine Eizellen, wir brauchen nicht einmal mehr Sperma. Es genügt die edelste aller Körpersubstanzen, die Lebensessenz schlechthin - Blut.


    Die Endstufe wird sein, dass wir keine Sexualität mehr besitzen, im Idealfall nicht einmal mehr Genitalien. Wir werden geschlechtslos sein wie Ainuwar. Die Souvagner hingegen haben sich genau in die gegenteilige Richtung entwickelt, sie sind genetisch zweigeschlechtlich. Dieser Fehler hat das Übel noch verschlimmert. Einige unseres Ordens bereiten sich bereits auf die Zeit vor in der es keine anderen Souvagner mehr geben wird. In der wir es sind, welche das letzte Bollwerk bilden.


    Es wird der Punkt erreicht werden, da kein Souvagner mehr reproduziert werden kann, weder auf natürlichem Wege noch in vitro. Also im Labor Ciel. Das wird auch das Ende der Linie de Souvagne sein. Wenn der letzte Duc stirbt, dann beginnt ein neues Zeitalter. Eine zweite Ära des Chaos und aus allen Abgründen werden die Wesen des Rakshor kriechen, ihre Chance witternd. So wie es momentan aussieht, vermuten wir, dass es Carnac, worauf sich die Prophezeiung bezieht.


    Andere sehen die Hauptstreitmacht von dem Ort Obenza ausgehend. Doch von wo auch immer unsere Feinde nahen, der Kampf wird schrecklich. Die Souvagner werden diesen Krieg verlieren und er wird in ihrer vollständigen Vernichtung enden. Doch die letzten von Euch werden die Zugänge versiegeln, welche in die Bunkertempel der Bluthexer führen, da wir jene sind, auf denen alle Hoffnungen ruhen. Und dann beginnt das Zeitalter des Blutes.


    Wenn es nach einigen Brüdern geht, wird es kein Zeitalter des Blutes geben.
    Andere Brüder hingegen freuen sich darüber, dass die Souvagner die Welt verlassen.


    Weshalb manche sich eine Zerstörung herbei sehnen, ist mannigfaltig. Die einen denken an ein reinigendes Feuer, aus der Asche entsteht neues Leben wie damals vor Äonen. Manche meinen es ist ein großer Kreislauf, Werden und Vergehen.


    Vielleicht stimmt beides, vielleicht nichts.


    Sacha Lacand, Vorbeter der Bruderschaft der Reinheit, vertrat die Auffassung, dass das Zeitalter der Auslöschung alles bereinigen wird. So wie die Souvagner verschwinden, so wird auch der Orden vom Antlitz Asamuras gefegt und der Prophezeite wird - so wenn er denn kommt, in seiner eigenen Supernova verbrennen. In der puren Reinheit seiner Gedanken.


    Das Ciel war die erste Prophezeiung. Die Souvagner werden fallen und der Orden möglicherweise mit ihnen, ebenso Du.


    Die Bruderschaft der Reinheit hat allem weltlichen Besitz entsagt. Wir leben nach den 11.000 Dogmen des Ordens. Jedoch leben wir zusätzlich noch nach dem Kodex der Bruderschaft der Reinheit. Ein jeder Bruder der Reinheit ist mit dem Orden selbst vermählt. Wir schützen den Orden, wir schützen die Brüder, wir leiten sie an. Wir ermahnen, wir strafen, wir sprechen Recht in religiösen Dingen. Unser Urteil ist absolut.


    Bruder Sacha Lacand sprach zwei Prophezeiungen aus. Eine Prophezeiung berichtete davon, wie Du in Deiner eigenen Reinheit verbrennst. Das Ziel unseres Vorbeters war es, die Welt in das reinigende Licht zu führen, so dass sie geläutert werde und mit dieser Läuterung sollten alle Unwürdigen, Souvagner und auch der Orden ins Nichts eingehen. Damit wäre der Schmerz der gesamten Welt getilgt. Wir sind nicht dazu da, den Schmerz zu tilgen, sondern ihn zu ertragen. Wir verstärken während unser Aufnahme in die Bruderschaft, unsere Wahrnehmung bewusst. Das betrifft auch den Schmerz. Ein Bruder der Reinheit der Schmerz fürchtet, ist kein Bruder von uns.


    Ich schwor den Orden mit meinem Leben zu schützen.
    Ich schwor dem Orden meine Liebe, Hingabe und Treue.
    Ich bin mit dem Orden verheiratet, ein jeder von Euch gehört zu mir.
    Was wäre ich für ein "Ehemann", würde ich dulden, dass man meinen Gemahl den Orden in den Tod führt?


    Was scheren mich die Unwürdigen?
    Was interessieren mich die Souvagner?
    Was interessiert mich mein Schmerz?
    Ich lebe für, mit und durch den Orden.
    Ich bin der Ehemann des Ordens.


    Und so tat ich dass, was ein Ehemann tut, wenn man seinen Gatten bedroht. Ich schaltete die Bedrohung aus.


    Zwei Prophezeiungen, zwei Voraussagen die unsere Brüder in den Tod führen würden. Das waren zwei Fehler zu viel für einen Bruder. Wir begehen keine Fehler Ciel und ich merzte ihn samt seiner Fehler aus. Ich habe einmal als Ehemann versagt Ciel, kein zweites Mal.


    "Deine Worte sind Suss, Hochverrat, Ketzerei.
    Deine Worte sind Aufruf zu Ungehorsam wider dem Orden.
    Sie sind Missachtung der Bruderschaft.
    Ich verurteile Dich aufgrund von Hochverrats und Häresie zum Tode!
    Dieses Urteil ist absolut!"


    Ich erschoss ihn hier in diesen Hallen, vor der Waagschale der Gerechtigkeit. Im Namen des Ordens, der Bruderschaft und vor allem in Deinem Prophezeiter. Er starb durch meine Hand, wie jeder Deiner Feinde durch meine Hand sterben wird.


    Und sollte ich eines Tages, derart schwach werden, dass ich eine Gefahr für Dich oder den Orden darstelle, dann erwarte ich den gleichen Schneid von einem Bruder, wie ich ihn einst besaß. Also ja Ciel, Sacha Lacand fiel hier",
    antwortete Ignatio.


    Ciel stieg vom Thron, ging auf den alten Bluthexer zu und umarmte ihn fest um den Hals. Ignatio erwiderte die Umarmung.


    "Zur tatsächlichen Prophezeiung Ciel gehört, dass Du geboren wirst um Krone, Orden und Land zu einen. Dafür musstest Du allerdings geboren werden und das wurdest Du. Du wirst zu unvergleichlicher Macht aufsteigen und mit Dir der Orden. Denn wir alle sind eins. Du wirst uns in ein neues Zeitalter führen. Das Ciel, ist die Prophezeiung.


    Eine Prophezeiung ist eine Voraussage. Eine Ankündigung, weißt Du? Du wurdest uns angekündigt, also mussten wir alle dafür sorgen, dass Du auch ankommen kannst. Eine Prophezeiung ist Arbeit, eine Mahnung, eine Warnung - so kann es geschehen, sorge dafür dass es geschieht. Jedenfalls was Deine Prophezeiung betrifft.


    Bis zu Deiner Geburt, hätte jeder Bruder der Reinheit unter meinem Befehl Deinen Vater Pierre mit allen Mitteln verteidigt. Denn sein Blut war für Deine Ankunft genauso erforderlich, wie das vom Höchsten Oliver de la Grange. Nun gehört dieser Schutz dem Höchsten und Dir. Du bist angekommen und kein Unwürdiger, Souvagner oder fehlgeleiteter Bruder konnte es verhindern. Und Du wirst bleiben, dafür sorge ich", sagte Ignatio leise.


    "Was wenn Dich die anderen dafür getötet hätten Iggi?", fragte Ciel mit Furcht in der Stimme.


    "Ich bin unwichtig Ciel, ich bin ein Nichts. Ein Niemand. Meine Aufgabe hätte hier im Saal der Waagschale der Gerechtigkeit ihr Ende gefunden. Das wäre passiert, sonst nichts. Wichtig war einzig und allein, dass Dein Weg geebnet und das Dein Erscheinen gesichert wird. Das ist unsere Aufgabe Ciel, wir machen Dir den Weg frei. Wir bereiten ihn Dir. Aber wie Du siehst, bin ich noch hier.


    Manchmal macht die Stimme eines einzigen Mannes sehr wohl den Unterschied.

    Hier war es meine und sie gehört Dir".

  • Offenbarung


    - Soleil 1077 - Die Rückkehr des Drachen, Kapitel 13 - Offenbarung


    Das fahle Licht des Mondes fiel auf die nächtliche Wüste und beleuchtete ein altes, rundes Gebäude. Zwei Gestalten standen davor und betrachteten es voller Neugier. Ein junger Mann mit dunkler Haut und langen Haaren und eine Wesenheit die schwärzer als die Nacht selbst war. Der gewaltige Umriss schien alles Licht in seiner Nähe förmlich zu absorbieren. Schwingen so mächtig wie die Segel eines Schiffes wurden kurz gespreizt und wieder zusammengefaltet. Ein langer Hals schwang sich in die Höhe und ein gehörnter Schädel wandte sich in alle Richtungen, auf etwas lauschend, was nur der Drache selbst hören konnte.


    "Irimoq?", fragte sein Freund und Hohepriester verunsichert und deutete auf das runde Gebäude.


    "Er sucht... sucht nach mir.... sucht nach Wissen... nicht für sich selbst...

    Er sucht das uralte Wissen für seinen Gott.... Manchmal spürt er hinaus in den Nexus....

    Ein gefährliches Unterfangen... einfach so hinaus zu spüren...

    Er ist alt... mächtig.. und das nicht nur aufgrund seiner Magie....

    Seine mächtigste Waffen sind seine Mitstreiter, seine Hartnäckigkeit und seine Gnadenlosigkeit...

    Seine Beweggründe sind...

    gut.... hehre Ziele...", antwortete der Drache gedankenverloren.


    Einen Augenblick später verschwamm die Gestalt des Drachen und löste sich in schwarzen Nebel auf, der scheinbar davon wehte. Doch der Nebel sammelte sich an einer Stelle und formte die Gestalt eines Mannes. Wenige Atemzüge später stand Dave neben Ekin und schenkte ihm ein freundliches Schmunzeln. Gemeinsam betraten sie das alte Wüstengebäude.


    Gemeinsam schauten sie sich in dem kleinen, kreisrunden Gebäude um. Die Einrichtung war uralt aber soweit vom Zahn der Zeit verschont worden. In der Mitte gab es einen weiteren Raum, dieser war kreisrund und hatte eine Tür. Die andere Einrichtung ließ darauf schließen, dass dies einst ein Geschäft gewesen war, denn ein Tisch und eine Theke waren ebenfalls in dem kleinen Gebäude zu finden. Ekin fand das Gebäude interessant und untersuchte alles. Dave machte es sich auf einem der Metalltische gemütlich. Es dauerte nicht lange, dann schloss sich Ekin Davard an.


    "Ein sehr schönes Gebäude, dass wir für uns erschließen sollten. Was für Wissen wird gesucht Dave?", fragte Ekin und lehnte sich mit dem Rücken an die massive Wand des Gebäudes.


    "Das Wissen wie man ein Ältester wird. In allen Zeiten hat es immer Personen gegeben, die nach diesem Wissen gesucht haben. Die meisten suchten vergeblich... oder an falscher Stelle... nur wenigen Auserwählten war Erfolg beschieden.... aber sie alle einte eines... jeder suchte für sich selbst. Dieser Mann ist anders.... er ist selbstlos.... er sucht nicht für sich, er sucht für seinen Gott.... er sucht die ultimative Macht.... das Wissen dass die letzte Stufe der Magie übersteigt.... und damit den Anwender tatsächlich zu einem Gott aufsteigen lässt....", antwortete Dave freundlich.


    "Er könnte Dich danach fragen, falls er es wagt vor Dich zu treten großer Irimoq", hielt Ekin dagegen und kramte etwas Proviant aus den tiefen Taschen seines Mantels. Der junge Grobnob riss ein Stück Trockenfleisch in zwei Teile und reichte eines davon Dave.


    "Das könnte er.... aber dafür müsste er wissen, wo er mich suchen muss.... und er müsste einige Hürden überwinden... zum Teil selbstauferlegte....


    Ein Teil des gesamten Prozesses ein Ältester zu werden ist Mut, Magie, Melancholie, Mord und... Muffensausen...

    Dass erste was man zur Ewigkeit benötigt ist ein absoluter, unerschütterlicher Wille.


    Sobald man mit der Verwandlung begonnen hat, gibt es kein zurück mehr. Man zwingt seinen Körper samt Geist auf die andere Seite... noch weiter... darüber hinaus...


    Kaum jemand besitzt den Mut für diesen ersten Schritt, ich selbst besaß ihn im Jahre 400 nicht, so dass ich einen Anker schuf aus meinem alten Leib und nicht an diese Welt kettete... Die meisten die den ersten Schritt wagen, verlieren sich nach diesem selbst. Sie werden von Mächten zerrissen, die sie nicht für möglich gehalten haben.... Panik aufgrund von Schmerzen jenseits aller Vorstellungskraft... selbst meiner... unserer... aber mein Leid war eine gute Schule für das was kam... kommen musste... denn hinter diesem Leid... war etwas anderes...


    Ist man den ersten Schritt gegangen benötigt man das entsprechende Wissen...

    Jeder der nach dieser Macht strebt, muss es selbst erlangen...

    Gleich auf welchem Wege auch immer...

    Eine Frage für einen anderen.... und dieses Wissen als Geschenk dargeboten?

    Ein wahrlich mächtiges Geschenk....

    Jedoch reicht Wissen allein nicht aus Ekin.


    Der eiserne Wille stellt die Kraft zur Verfügung die man für seine Metamorphose benötigt. Das Wissen jedoch ist es, dass den Willen lenkt und letztendlich die Verwandlung ermöglicht.... Nur die Mutigsten und Verzweifelsten tauchten derart tief in den Abgrund hinab um dort nach Wissen fischen zu gehen... das keinem zustehen sollte... und dennoch suchte auch ich danach...


    Man fischt also nach Wissen... sammelt Macht... genauer gesagt Essenzen um dann einen Schritt zu wagen der widernatürlicher nicht sein könnte... Du hast richtig gehört, man benötigt Essenzen... Eine unvorstellbare Menge an Seelen... jene Seelen wird man zur Eintrittskarte in eine völlig neue und uralte Existenz umformen.


    Und je grausamer, schmerzvoller und brutaler... ja je sadistischer Du die Seelen raubst... desto reiner wird Dein Aufstieg.

    Bade in einer Jauchengrube, im Brackwasser einer Pfütze oder in einer kristallklaren Quelle... Deine Entscheidung...

    Dieser Mann fürchtet keinen Schmerz.... und sein Gott? Eines Tages wird er ihn ebensowenig fürchten, wie dieser alte Mann....

    Blutzoll... ist Essenzzoll... ist Seelenzoll...

    Und dieser Zoll ist sofort zu entrichten, direkt beim ersten Schritt...

    Ein alter Hohenfeldespruch bewahrheitet sich hier, nur wer über Leichen geht, geht weich.

    Oder man erklimmt die Stufen zum Erfolg nur über Angst, Grauen und Todesschreie....


    Und dann wäre da noch das Gefäß, das Artefakt, das Phylakterium...

    Es bildet das Behältnis für die Seele, solange sie körperlos ist für diesen einen grauenvollen Moment... zeitgleich wird es Sicherheit und Zwang. Durch dieses Gefäß presst man seine Seele aus dem Körper, presst es in das Gefäß hinein... sich hindurch durch die Wand... in den Nexus und verlässt es dort um sich mit Körper und Geist dort auf der anderen Seite zu vereinen...


    Je mächtiger und reiner das Phylakterium dass man schuf, je schmerzhafter der gesamte Prozess...

    Und je schmerzhafter der Prozess...

    je höher die Macht die man sich einverleiben kann und wird...


    Dieser Vorgang weckt "Appetit"... einen Hunger von einer anderen Sphäre die nicht mit Worten zu beschreiben ist... ein Teil von einem wird zum Nichts... Alles verschlingend, alles auslöschend, alles in sich aufnehmend und doch nichts schaffend...


    Ein Mann... der selbstlos diese Macht sucht...

    sie verschenkt....

    Der Beschenkte wird zum Schöpfer statt Vernichter....

    Was wäre das Ekin?", fragte Dave mit mildem Blick.


    "Eine Offenbarung", gab Ekin zurück.

  • Der Maulwurf


    Naridien 1077, Buch 02 - Notfallplan Naridien, Kapitel 107 - Der Maulwurf


    "Hier müsste es sein", sagte Theodor grübelnd und schaute auf die Karte. Sein Blick hob sich und er suchte die Landschaft vor ihm nach den markierten Zeichen ab.


    Schlagartig spürte er wie aus dem Nichts eine magische Gegenwart. Von Laurenloff drehte sich blitzartig um, um seinen Begleiter zu warnen. Doch da war niemand anderes als... Anton.


    Ein blitzartiger Handkantenschlag.

    Schwärze.


    Seine Sicht klärte sich und er hatte den Geschmack eines alten Socken im Mund. Eisengeschmack, er hatte sich auf die Zunge gebissen, stellte Theodor fest.


    "Schön dass Du wach bist, hier trink", sagte Anton und reichte ihm einen Becher.


    "Was sollte das? Und wieso gebietest Du über Magie?", fragte Theo, nahm den Becher entgegen und trank einen Schluck. Kurz stutzte er, wieso trank er einfach, was Anton ihm reichte? Alte Gewohnheiten reichten tief und bis dato hatte er nie Grund gehabt, Anton zu fürchten. Zudem falls der Mann ihm etwas antun wollte, hätte er es bereits tun können als er ausgeschaltet gewesen war.


    "Kannst Du Dir das nicht denken? Schau mich einmal genau an, vielleicht begreifst es dann? Wer oder was bin ich?", fragte Anton und strich Theodor die wirren Haare aus dem Gesicht.


    Theo ließ Anton gewähren und musterte ihn stumm. Was war er? Bis dato einer seiner besten Freunde, ein Vertrauter und Arbeitskollege.

    "Ich weiß es nicht Anton, ich weiß nicht worauf Du hinaus willst", antwortete Theodor ruhig und schlicht.


    "Der Orden hört alles, weiß alles und sieht alles Theodor. Nicht einmal jetzt hattest Du den Hauch eines Verdachts? Das schmeichelt mir, scheinbar hatte ihn niemand. Ein Mole - ein Maulwurf, dass bin ich Theo", erklärte Anton ruhig.


    "Ein Bluthexer in unseren Diensten, hätte Valerian gespürt was Du bist, wärst Du ins Labor umgezogen. Er hätte Dich auf links gekrempelt, um uns vor Euch zu bewahren Anton. Falls Du überhaupt so heißt. Stets nah dabei, immer mit am Ort des Geschehens und doch nahm Dich keiner wahr. Einer der Sicherheitsleute, der sich mit seinem Vorgesetzten gut versteht. Sehr gut, zu gut, deshalb sitze ich jetzt hier. Durch Deine Arbeit weißt Du so gut wie ich, dass ich keinen Einfluss auf Valerians Handlungen habe", erklärte Theo ruhig.


    "Valerian ist ein gefährlicher Mann Theodor. Sein Interesse gilt dem Orden, unseren Brüdern und unseren vermeintlichen Schwächen. Wir haben keine Theo. Er versucht Dinge zu erfahren, die nicht für Ungläubige und Ordensfremde gedacht sind. Er fürchtet uns, dabei sind wir die letzten Personen auf Asamura die man fürchten müsste. Wir fürchten Valerian nicht, wir fürchten nichts Theo. Wir wollen die Welt erhalten, die Ihr so leichtfertig ausbeutet und vernichtet. Und doch fürchtet Ihr uns. Ihr solltet Euch vor Euch selbst fürchten Theo.


    Valerian war nie mein Ziel. Wir interessieren uns nicht für Hohenfelde. Nicht für diesen Hohenfelde. Du warst und bist mein Ziel.


    Ich bin einer der Sucher Theo. So nennt man jene Männer unseres Ordens. Wir suchen jenes Wissen, das dem heiligen Prophezeiten den Weg zur Göttlichkeit ebnet. Oder glaubst Du, jemand steigt zu einem Gott auf, weil er sich auf einen Stuhl setzt? Wohl kaum oder?


    Der Vorbeter beauftragt uns mit der Suche nach Personen, Dingen, Artefakten die der Gottwerdung des Prophezeiten dienen. Wir machen dem Prophezeiten den Weg frei und Du bist ein Stein des Weges zu seiner Göttlichkeit.


    Du Theodor von Laurenloff verfügst über altes Wissen und Du wirst es meinem Orden aushändigen. Der Vorbeter hat Dich dafür auserkoren und Du wirst liefern Theo.


    Tue einmal etwas im Leben, dass Dir nicht gleichgültig ist, sondern mit dem Wissen etwas Gutes zu bewirken. Und ja, mein Name ist tatsächlich Anton. Vielmehr Antoine Pideaux", erklärte Anton und lehnte sich zurück.


    "Du hast mit uns gelebt, Du hast unser Essen gegessen! Wir beide haben Deine Wohnung renoviert, Du hast mit mir Jerry gehütet und Mäusespeck über dem Kaminfeuer gegrillt. Wir haben uns im Dienst die Nächte um die Ohren geschlagen. Du hast mir Kaffee gekocht und mich getröstet als....


    Wir waren intim. Du hast Dinge zu mir gesagt, Dinge die sonst keiner zu mir sagte Anton. Du hättest nach dem Wissen einfach fragen können. Warum hast Du nicht einfach gefragt? Was davon war wahr?", fragte Theo niedergedrückt.


    "Alles", gab Anton zurück.

    "Alles? Wie alles?", fragte Theodor baff.


    "Alles was ich zu Dir sagte, war ehrlich gemeint. Der Trost, die Zuneigung und das was ich Dir dabei sagte. Du lebst, Du bist hier und Du hast eine Chance die ein anderer niemals bekommen hätte. Du musst kein Ungläubiger bleiben Theo.


    Ich habe gesehen, wie sich einige von Euch bemühen wirklich etwas zu verändern. Wir wissen, dass nicht alle über einen Kamm zu scheren sind. Allerdings Theo, man kann nur jene retten, die gerettet werden wollen. So heißt es bei uns.


    Wohin hat Dich Deine Tradition gebracht?

    Wohin hat Dich Dein Dienst für Val gebracht?

    Wohin Deine Freundschaft mit Miles?

    Wohin Deine Liebe zu Tekuro?


    Du bist völlig allein Theo und Du bist der letzte Spross Deiner Familie. Denke über mein Angebot nach. Du bedeutest mir etwas Theo und nebenbei, ich bin sogar auf gewissen Weise tatsächlich für die Sicherheit zuständig. Der gesamte Orden ist es, wir sind für die Sicherheit Gesamt-Asamuras zuständig", blinzelte Anton.


    "All das hat mich nirgendwohin gebracht Anton. Ich war und bin alleine. Val hat auf zig Wegen einen Bluthexer gesucht und nun sagst Du mir, dass die ganze Zeit einer unter seiner Nase lebte und sogar bei uns gearbeitet hat. Wie hast Du Dich verborgen?", fragte Theo und setzte sich etwas gemütlicher hin.


    "Meine Ausrüstung ist "privat", Du kannst Dir denken mit welchem Metallfäden sie gefüttert ist und woraus meine Anhänger bestehen, die ich trage.


    Zwei verzweifelte Seelen aus unserem Orden hat Valerian um den Finger wickeln können. Sicher das er die Welt vor uns retten möchte Theo? Sollte er wirklich die Welt retten wollen, dann hätte er das tun können, was Du vorgeschlagen hast. Fragen. Wir hätten ihm geholfen. Wir hätten ihm erklärt, was IHR Naridier tun müsst, um die Welt zu retten. Uns in die Karre zu fahren sicher nicht.


    Zudem verstehe ich die Not der beiden Brüder, jedoch hätten sie Rat, Schutz und Hilfe im Orden suchen müssen. Der Orden ist die Lösung für alles Theo. Valerian würde sich in den Hintern beißen, wüsste er, wer durch seine Himmelslanze spaziert ist", grinste Anton.


    "Erleuchte mich mit Deinem Wissen Toni", bat Theo.


    "Nein, nicht in dem Fall Theo. Valerian ist unwichtig, er interessiert uns nicht. Du und Dein Wissen sind von Interesse. Der Vorbeter wünscht es, der Vorbeter wird es im Namen des Prophezeiten erhalten.


    Wie steht es mit Dir? Ich möchte Dich nicht in Deinen eigenen Untergang rennen sehen Theo. Ich möchte Dich retten und ich wünsche mir, dass Du Dein Wissen mit uns teilst. Werde ein Teil von etwas Größerem und Mächtigerem als Du selbst. Werde ein Teil von mir", sagte Anton ernst.


    "Du sprichst so offen und frei heraus, dass ich weiß welche Konsequenz mich erwartet, sollte ich ablehnen. Dein Vorbeter wird sich das Wissen auf andere Weise holen und das war es für mich. Oder Du wirst es Dir bereits direkt nach meiner Ablehnung hier vor Ort holen. Ich werde niemanden hiervon erzählen nicht wahr? Dazu werde ich keine Gelegenheit bekommen. Zumal ich auch keinen Zugriff mehr auf mein Interkom habe. Ich habe es getestet, allerdings nicht um Dich zu verraten, sondern schlicht um zu wissen wie weit Du gegangen bist. Das ist keine freie Wahl Anton", warf Theodor ein.


    "Der Vorbeter, es gibt nur einen. Das ehrwürdige Oberhaupt der Bruderschaft der Reinheit. Selbstverständlich könnte er Dich persönlich befragen, danach wärst Du geläutert. Allerdings solltest Du mir glauben, dass Dir die Befragung durch den Vorbeter nicht gleichgültig wäre. Und mir wäre es auch nicht gleichgültig.


    Du hast eine Wahl Theo. Du kannst Deinen Untergang wählen oder uns. Würde ich Dich zurückkehren lassen, wäre das ebenso Dein Untergang. Du läufst die ganze Zeit darauf zu, siehst Du das nicht?


    Ich lasse Dir die Wahl Theo, wählst Du Dein altes Leben, hast Du freiwillig den Untergang gewählt. Du weißt was Dich auf dieser Seite dort erwartet. Nichts. In dem Fall werde ich mir von Dir die Infos ziehen. So schmerzlos wie möglich und Dich dann gehen lassen.


    Aber ich hoffe auf Dein Einsehen, auf Dein.... Begreifen. Und wir meinen dieses Wort wortwörtlich. Ich will Dir nicht drohen, ich unterbreite Dir ein Angebot Theo. Verstehst Du das nicht?", fragte Anton bedacht.


    "Du hast keine Ahnung davon wer ich bin Anton. Du meinst es vielleicht auf Deine Art sogar gut und Deine Gefühle für mich sind möglicherweise sogar echt. Selbst wenn ich wollte, so jemanden wie mich, kann Dein Orden nicht gebrauchen.


    Ich könnte Dir etwas vorheucheln oder Dich belügen und in mein Haus locken. Dann würdest Du sehen, was ich bin und wer meine Familie gewesen ist. Wir stammen aus einer anderen Zeit Anton.


    Alte Werte und Traditionen die heute keinen Bestand mehr haben. Uns war eine Ewigkeit lang alles gleich.


    Die Lehre der Leere Anton, ich habe sie Dir erläutert als Du mich getröstet hast. Schau ich kann nicht in Vollendung nach unserer Lehre leben, aber ich kann scheinbar auch nicht ohne sie leben. Manchmal würde ich sie gerne abstreifen und dann falle ich doch wieder in meinen alten Trott zurück. Die Welt retten? Wir Laurenloffs konnten nicht einmal uns selbst retten Anton. Und ich werde mich auch nicht retten können. Nicht einmal dann, wenn ich Dein Angebot annehmen sollte. Nimm Dir was Du suchst Sucher und mache es kurz.


    So langsam begreife ich, dass die Renovierungsarbeiten bei Dir, nicht die Wohnung betrafen, sondern mich. Danke für das letzte Gespräch Anton", schmunzelte Theo resigniert.


    "Wohnungen, Seelen, Welten, wir reparieren alles was geflickt werden muss. Du musst Dich auch nicht retten, das wäre mein Part solltest Du es zulassen. Leere ist dazu da, um mit Sinn gefüllt zu werden Theo. Der Sinn ist die Gemeinschaft und der Glauben. Du solltest etwas haben, wofür es sich zu leben lohnt", blinzelte Anton.


    "Und das wäre Toni?", fragte Theodor nüchtern.

    "Das wichtigste und mächtigste auf der Welt Theo, eine Familie", antwortete Anton überzeugt.


    "Ich nehme Dich beim Wort Toni, versuchen wir es. Familie", widerholte Theo hoffnungsvoll.

    "Familie", bestätigte Anton.

  • Bücher und Spinnen


    Der Artefaktjäger - Kapitel 03 - Bücher und Spinnen


    Zu Ciel Verdruss waren Valbone und er noch nicht sofort aufgebrochen, sondern der Artefaktor studierte Schriften und Informationen auf seinem Pad, die einen Verweis auf das Artefakt lieferten. Für den jungen Prophezeiten bedeutete dies, dass er nichts tun konnte außer abwarten. Und das war etwas, was nicht gerade zu Ciels Stärke gehörte.


    Als das Com von Valbone bimmelte, griff Ciel so erfreut danach, dass es ihm beinahe aus den kleinen Fingern geglitten wäre. Dienstbeflissen und mit voller Hoffnung im Herzen, dass es etwas zu tun gäbe, nahm er den Anruf an.


    "Hier spricht der Prophezeite Prince Ciel Aime de Souvagne, bei Bruder der Reinheit - Artefaktor Valbone Lacand. Wer spricht da?", grüßte er freundlich.


    "Ehrerbietige Grüße Eure Heiligkeit, hier sprich Bruder Antoine Pideaux, Sucher. Meinen Auftrag von Vorbeter Ignatio Lacand habe ich erfolgreich abgeschlossen. In diesem Zusammenhang werden die Fähigkeiten von Artefaktor Valbone Lacand benötigt.


    Laut dem Vorbeter ist es an ihm, dass Wissen sowie ein lebendes Relikt zu bergen. Würdest Ihr ihm bitte meinen Anruf ausrichten? Alle weiteren Instruktionen erfolgen über verschlüsseltem Wege. Bruder Valbone weiß, was in diesem Fall zu tun ist. Richtet ihm bitte aus, auf dem "Weg zur Göttlichkeit" ist ein weiterer Schritt getan. Der nun folgende liegt an ihm. Wärt Ihr so freundlich?", fragte Antoine respektvoll.


    "Das mache ich, sogar sofort. Was ist ein lebendes Artefakt Antoine?", fragte Ciel, während er durch das alte Flugschiff flitzte.


    "Lebende Artefakte sind Personen oder Lebewesen, die durch Magie zu einem Artefakt geformt wurden. Sie selbst können keine Magie wirken. Sie besitzen nicht die Gabe wie Ihr Eure Heiligkeit oder ich. Allerdings können sie bestimmte andere Gegenstände nutzen, was anderen verwehrt ist. Ein Beispiel für lebende Artefakte sind die Schlüsselmeister des Ältesten Dunwolf von Hohenfelde.


    Ebenso soll es eine Schildkröte gegeben haben, mit deren Panzer man ganz bestimmte Schlösser öffnen könnte. Der Haken an diesem lebenden Artefakt, war ein tatsächlicher Haken. So sagt man, dass ihr Schnabel messerscharf sei und es sich um eine uralte Sumpfschildkröte handeln würde. Sie bewache weises Wissen. Der Name des Geschöpfes und ihr tatsächliches Alter sind leider verloren gegangen. Dieses Wissen liegt uns noch nicht vor. Dies sind zwei Beispiele Eure Heiligkeit, für lebende Artefakte", erklärte Antoine ehrerbietig.


    "Das ist spannend. Hast Du so einen Schlüsselmeister gefangen? Oder die Schildkröte?", fragte Ciel neugierig.
    "Nein Eure Heiligkeit, es geht darum sehr alte Bücher zu sichern und ein Spinnenwesen", antwortete Antoine.


    Ciel bremste vor Valbone ab und reichte ihm das Com.
    "Boni der Antoine der Sucher war erfolgreich. Jetzt musst Du ran, der Auftrag stammt von Iggi", sagte Ciel und grinste.


    "Worum geht es genau?", fragte der Artefaktor freundlich und nahm das Com entgegen.

    "Um Bücher und Spinnen", lachte Ciel gut gelaunt.

  • Der Behüter und der Vorbeter


    Die Ball-Blume 1081, 03 Ballblumen-Beeren - Der Behüter und der Vorbeter


    Yves hatte sich mit seinem Anliegen an die Bruderschaft der Reinheit gewandt und um einen Termin bei keinem Geringeren als den Vorbeter persönlich gebeten. Heute saß er gemeinsam mit seinem Mann Loic in einem Büro, dass den Brüdern der Reinheit als Empfangs- und Gesprächsbereich diente.


    In ihren eigenen Hallen hatte niemand, der nicht der Bruderschaft angehörte, Zutritt. Schlicht und dennoch geschmackvoll war der Bereich eingerichtet. Räumlichkeiten zeigten oft die Geisteshaltung der Besitzer und diese Räume spiegelten ebenso den Geist der Bruderschaft wieder. Klar, strukturiert und auf das Wesentliche konzentriert.


    Was das Wesentliche war, darüber entschieden sie mit absolutem Urteil.


    Yves war bewusst etwas früher zum Termin erschienen, um einen guten Eindruck zu machen. Schließlich hatte er vor, etwas vom Vorbeter zu erbitten. Lange mussten Yves und Loic allerdings nicht warten, dann betrat Ignatio Lancand das Büro und schloss hinter sich die Tür.


    Im selben Moment standen Loic und Yves auf und verneigten sich vor dem Vorbeter. Ignatio neigte zur Begrüßung ebenfalls das Haupt. Die Ehrbezeugung war an Yves gerichtet, wie Loic wusste. Gemeinsam nahmen sie Platz.


    "Du hast um eine persönliche Unterredung mit mir ersucht Bruder Yves, worum geht es?", fragte der Vorbeter und kam damit direkt auf den Punkt.


    Yves versuchte in dem Gesicht des alten Mannes zu lesen, doch der Blick von Ignatio war neutral. Vielleicht war dies nicht die beste Voraussetzung, oder es war seine Chance. Yves nahm die Hand seines Mannes und räusperte sich. Sein Anliegen seinem Mann vorzutragen, war das Eine. Es dem Vorbeter als Vorschlag zu unterbreiten, das Andere.


    "Darf ich für mein Anliegen etwas weiter ausholen? Bruder ich würde Dir gerne meine Gedanken und meinen dazugehörigen Wunsch erläutern und zwar so, wie ich ihn vor kurzem meinen Mann erläutert habe. Ich möchte Dir die gesamte Tragweite und Wichtigkeit meines Wunsches nahelegen. Wäre Dir das Recht?", fragte Yves hoffnungsvoll.


    "Nur zu, dafür haben wir uns hier eingefunden. Je mehr ich weiß, je einfacher kann ich mir mein Urteil bilden. Wissen und Begreifen Bruder. Berichte mir von Deinem Wunsch, ich höre Dir zu. Zeit spielt keine Rolle", antwortete Ignatio entgegenkommend.


    "Vor einiger Zeit war ich im Stock der Souvrakasier und dort habe ich erfahren, dass sie keine Schöpfermaschinen haben. Bitte höre mich vollständig an und urteile erst dann Bruder.


    Du kannst dort in ihrem Komplex keinen kleinen Souvrakasier antreffen. Ebenso wenig kannst Du Dir einen ungeborenen Souvrakasier anschauen Vorbeter. Sie werden in der SouvSec gezogen und kommen als junge Personen in den Stock und werden von den älteren Souvs ausgebildet.


    Und das Bruder Ignatio gefällt mir nicht.


    Wir alle wissen, dass die Souvs mit der mächtigste Schutz unseres Landes sind, neben uns wohlgemerkt. Sie beschützen sogar uns und ebenso den Prophezeiten. Sie hüten das Land mit allem was dazugehört, einschließlich unseres Ordens Bruder.


    Aber ein Souv wird niemals sein volles Potential entfalten, denn die Genetiker der SouvSec schaffen zwar Hochleistung, aber sie schaffen keine Meisterleistung.


    Sie schaffen keine Perfektion. Weshalb schaffen sie keine? Sie sind keine Bluthexer, so einfach ist die Antwort auf das Problem. Mehr noch, diese Genetiker fürchten ihre eigenen Schöpfungen und aus dem Grund sind die Souvs wie auch andere GMOs gesichert.


    Ich wage Dich zu fragen, was ich meinen Mann fragte Bruder Ignatio.

    Bist Du durch einen Schöpfercode gesichert?


    Trägst Du ein genetisches Joch, weil ein Behüter Angst hatte bei Deiner Schöpfung versagt zu haben?

    Weil dieser Behüter tief in sich die Angst verspürt, dass Du Dich eventuell gegen uns alle wenden könntest?


    Nein.
    Natürlich nicht.


    Kein Behüter hat jemals das Leben gefürchtet das er schuf. Niemals, zu keiner Stunde Ignatio.


    Das Erste was wir Euch mit auf den Weg geben, gerade wenn das Leben in Euch aufleuchtet ist ein Gefühl. Wir vermitteln Euch gewollt und willkommen zu sein. Oder anders ausgedrückt, Liebe.


    Du bist selbst Vater. Du bist der Vorbeter dieses Ordens. Würdest Du einem der unseren ein Joch umlegen?


    Nein.
    Natürlich nicht.


    Der Orden empfindet nichts als Verachtung für die Schwachen und Gezähmten. Was jedoch, wenn jene gar nicht schwach und gezähmt sind, sondern schon vor der Geburt geknechtet wurden? Nichts anderes geschieht mit den Souvs.


    Hinzu kommt die wichtigste Frage von allen Bruder. Warum liegt die Schöpfung von derartigem wichtigen Leben in den Händen von Personen, die ihre eigenen Fähigkeiten in Frage stellen?


    Das ist es, was mich umtreibt.


    Wieso wird die Schöpfung von jenem Leben nicht in die Hände von uns gelegt? Verstehe mich bitte nicht falsch. Ein Souv soll ein Souv bleiben. Ich spreche nicht von Hybriden zwischen Bluthexern und Souvrakasiern.


    Jedoch würde ein Behüter die Souvrakasier so schaffen, dass er sie mit Liebe und Vertrauen ins Leben entlässt. Er weiß was er schuf, er fürchtet das Leben nicht, dass er erschaffen hat.


    Deshalb wollte ich bei Dir vorsprechen und Dich um Dein Urteil bitten. Was hältst Du von diesem Vorschlag? Was sagst Du dazu, dass es der Orden der Bluthexer sein soll, der die Souvrakasier schafft? Dass ihre Schöpfung in unseren Händen liegt?


    Mein Vorschlag sähe so aus, dass der Orden die Fertigungsanlage der SouvSec übernimmt. Hinter der Schleuse hat kein Fremder etwas zu suchen. Aber dort stehen ihre Schöpfermaschinen und dort könnte ich sie gemeinsam mit einem Behüter Bruder schaffen. Jemand der freiwillig den HdS-Bereich verlässt und sich mit mir an diese Aufgabe wagt.


    Bedenke wie weit wir den perfekten Souv und Tuteur schaffen könnten Bruder. Und welchen enormen Fortschritt dies für sie und ihr Wohlbefinden bedeuten würde. Was dies für uns und unsere Sicherheit zudem bedeutet. Was sagst Du dazu?", fragte Yves Feuer und Flamme. Man merkte ihm an, wie sehr ihm das Thema am Herzen lag.


    Der Vorbeter lehnte sich in seinem Sessel zurück und dachte eine Weile über die Worte von Yves nach. Er dachte sehr lange und gründlich nach, aber Yves wusste gleich wie ungemütlich das Schweigen wurde, er durfte nicht nachhaken. Fragen stellte der Vorbeter, nicht er. Zudem war es unhöflich, jemanden in seinen Gedankengängen zu unterbrechen.


    "Ein weitsichtiger Wunsch Bruder Yves. Mancher Bruder würde Deinen Vorschlag vermutlich sofort rigoros ablehnen. Jedoch kein Bruder der Reinheit und ich schon gar nicht. Ich wäge ab und Dein Vorschlag hat einige sehr positive Eigenschaften. Vermutlich mehr, als Dir selbst bewusst ist.


    Deine Argumente sind pro Souvrakasier ausgerichtet, auf den ersten Blick. Jedoch weiß jedes freiheitsliebende Geschöpf, wem es seine Freiheit verdankt. Ist es nicht so, dass der Sandpanther frei entscheidet, wem er seine Gunst schenkt und zu diesem Freund freiwillig stets zurückkehrt?


    Folglich werden auch die Souvrakasier wissen, wem sie ihre Freiheit verdanken. Fällt das Ihr Joch durch den Orden der Bluthexer, so wird uns ihre Dankbarkeit sicher sein. Sie sollen wissen, wem sie ihre Freiheit verdanken Yves.


    Haben sich die anderen Souvagner darum geschert? Nein. Sie haben sich beschützen lassen. Sie haben genossen, dass sie von Souvs bewacht werden ohne je etwas als Gegenleistung für sie zu erbitten oder zu erfragen.


    Du hingegen hast einen Missstand aufgezeigt, der unseren Orden zwar nicht betrifft, aber durch unsere Hilfe sehr wohl betreffen könnte und zwar positiv.


    Die Souvrakasier werden den Orden und damit allen voran den Prophezeiten beschützen.

    Wir waren es, die ihnen die Freiheit schenkten.

    Mehr noch, wir sind es dann ab dato, die ihnen das Leben schenken.

    Der Gedanke gefällt mir sehr gut Yves.


    Du hast davon gesprochen die Souvs zu optimieren. Die erste Optimierung ist das der Schöpfercode fällt. Gleichzeitig fallen die XX-Chromosome. Wir schaffen keine weiblichen Souvrakasier, alles was wir schaffen ist Perfektion.


    Unter den vorgenannten Bedingungen erkläre ich Deinen Vorschlag für würdig und akzeptiert. Das ist mein Urteil",
    entschied Igantio ernsthaft.


    "Ich danke Dir aus tiefstem Herzen Bruder Ignatio", freute sich Yves.


    "Liegt die Schöpfung der Souvs und Tuteurs in Ordenshand, gehören sie dem Orden. Ihre Loyalität wird dem Orden gelten und damit dem Prophezeiten. Ist es nicht ihre Aufgabe, die Krone zu schützen? Natürlich schützen sie den Prophezeiten ebenso, er ist Teil der Krone, er ist der Kronprince.


    Aber bedenke nur die Sicherheit. Der Prophezeite wird Duc und Orden sein und hätte auch sie unter und hinter sich.


    Das hat er schon allein durch sein Geburtsrecht, aber so wären die Bände noch enger geknüpft. Wir sind die mächtigsten Wesen die je über Asamura wandelten Bruder Ignatio, aber auch wir können Unterstützung gebrauchen. An dem Tag wo mit dem Prophezeiten der Orden den Thron besteigt, wäre es sehr gut, würden die Souvrakasier und Tuteurs den Ungläubigen mit uns klar machen, wo genau ihr Platz ist. Sie wären die Büttel unserer Elite.


    Ich weiß was meinem Mann Jirom als Freund bedeutet und wie Du ihn sieht. Ich sagte meinem Mann, wenn Du seinem Vorschlag zustimmst, er eine Korrektur vornehmen muss. Die Souvs sollen wie wir und die Tuteurs ausschließlich männlich sein.


    Ob der Duc Deinem Vorschlag zustimmen wird, weiß ich nicht.


    Dazu habe ich vorgeschlagen, dass wir darauf hinweisen könnten, was die Souvs und Tuteurs heute bereits sind. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was sie durch Behüter werden könnten. Etwas Meisterliches. Das wollte ich nur noch einmal erwähnt haben. Ich danke Dir ebenfalls für Dein Urteil Vorbeter", warf Loic respektvoll ein.


    "Mein Vorschlag an den Duc wäre, dass uns die Produktionsanlagen der SouvSec übergeben werden. Damit wäre das Problem bereits gelöst. Dort wurden bis dato beide Arten erfolgreich gezogen. Es bedarf nur noch Behüter, die es wesentlich besser können. Folglich müsste der Orden ein oder zwei Behüter abordnen, die den HdS-Bereich verlassen und mit mir dieses Werk in Angriff nehmen. Was den zusätzlichen Vorteil hätte, dass ich erstens Brüder an der Seite hätte und zweitens könnte ich sie anlernen, was das Draußen angeht. Mein Mann, Sofiane und Jirom könnten unsere Sicherheit garantieren", schlug Yves gut gelaunt vor.


    "Ich lasse mir einen Termin beim Duc geben. Unsere Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Zudem wird er dem Orden, der niemals verzagte, versagte oder zweifelte, der stets über all die Jahrhunderte hinweg loyal war, keine derartige Bitte abschlagen. Davon gehe ich felsenfest aus. Unsere Bitte ist selbstloser Natur, für unseren Prophezeiten, für die Krone, unser Land, unseren Orden und auch die Souvrakasier.


    Ich melde mich bei Dir. Dem HdS-Bereich werde ich vorsorglich Bescheid geben, damit ein Behüter vorab für Dich abgestellt wird Bruder Yves. Nach dem Termin sehen wir weiter. Ich danke Dir für das interessante Gespräch",
    gab Ignatio zurück.


    Als Yves und Loic das Büro verlassen hatten, rief Ignatio einen seiner Brüder an.


    "Bruder Möbius, ich benötige schnellstmöglich einen Termin beim Duc und arrangiere ein Gespräch mit Yker für mich", verlangte der Vorbeter mit schmunzelnd.

  • Der Behüter und der Palaisin


    Die Ball-Blume 1081, 03 Ballblumen-Beeren - Der Behüter und der Palaisin


    Drei Wochen waren seit dem Gespräch mit dem Vorbeter vergangen. Yves stand im Herzen der SouvSecSoc in Sub-Souvagne und drehte sich einmal um sich selbst. Schöpfermaschinen! Der Duc hatte ihre Bitte bewilligt.


    Dem Orden Souvagnes dessen Loyalität niemals durch alle Zeiten und Widrigkeiten ins Wanken geraten war, schlug man eine derartige Bitte nicht aus. So hatte es der Vorbeter vorhergesagt und so war es geschehen.


    Ein einziges Mal in den Annalen der Zeit hatte der Orden der Bluthexer zum Schwert gegriffen und war in den Palast einmarschiert. Selbst diese Handlung war in unumstößlicher Loyalität zur Krone erfolgt. Sie waren bereit den Duc de Souvagne unter Führung des Zweiten Ciel Felicien de Souvagne zu retten. Notfalls sogar gegen dessen Willen. So stand es geschrieben und damit war es wahr.


    Es war eine Bitte, welche die Sicherheit der Krone und des Landes in neue, nie dagewesene Bahnen lenken würde. Zeitgleich brach damit ein neues Zeitalter für den Orden und die Souvrakasier an. Yves war stolz drauf, dass der Vorbeter wie auch der Duc seinem Anliegen gefolgt waren.


    Ein klein wenig Egoismus verspürten vermutlich alle dabei. Der Vorbeter, da dieser Umstand die Macht des Prophezeiten zusätzlich sichern würde. Yker und die Souvrakasier, da sie fortan ohne Code leben würden und er selbst? Er stand hier und durfte seiner Bestimmung folgen und Leben schaffen.


    Sicher war er immer noch das Gesicht von Tempel-TV, doch für die Souvrakasier würde er noch etwas ganz anderes sein, dass was ein Behüter für all seine Zöglinge war. Er schuf Leben, das fortan frei und meisterlich sein würde. Leben dass im Dienste des Ordens stand und des Propheten stand.


    Yves drehte sich zu seinen Begleitern um. Anwesend waren der Prophezeite Prince Ciel Aime de Souvagne, der Duc Pierre Agramant de Souvagne, der Vorbeter Ignatio Lacand und der Palaisin Yker.

    Loic der Ehemann von Yves stand ebenso an seiner Seite wie Timotheus, der Behüter-Bruder der sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet hatte.


    "Brüder, werte Anwesende, heute haben wir uns hier zusammengefunden, um Souvagne in ein neues Zeitalter zu führen. Mein persönlicher Dank geht an Euch Eure Majestät, ich danke Euch im Namen des Ordens der Bluthexer und der Souvrakasier für Eure Zustimmung.

    Die Sicherheit Eures Sohnes, des Prophezeiten Prince Ciel Aime de Souvagne ist unser aller höchstes Anliegen.


    Im Gegensatz zu den einstigen Schöpfern der Sovrakasier fürchten wir Behüter unsere Schöpfung nicht. Wir sind perfekt und wir schaffen Perfektion. So war es seit Anbeginn der Zeit des Ordens und so wird es stets sein. Diese Perfektion wird ab heute den Souvrakasiern zu Teil, damit der Krone, dem Land und dem Orden selbst. Der Kreis schließt sich.


    Wie jedes Leben beginnt auch das des ersten Code freien Souvrakasiers mit Blut. Yker nimm bitte auf dem Stuhl Platz, Dir gebührt die Ehre", sprach Yves würdevoll.


    Hugo deutete auf einen Stuhl, der einem einen Schauer über den Rücken jagte, bei bloßer Betrachtung. Die Fixatoren an dem Stuhl ließen erahnen, welche Kräften er sonst standhalten musste. Heute jedoch waren sie offen und hingen lose herab.

    Yker nickte einmal knapp und nahm ohne zu Zögern auf dem Stuhl Platz. Timotheus stellte ein Tablett mit einer Spritze und zig Röhrchen auf den dazugehörigen Tisch und desinfizierte den Arm des Palaisins.


    Yves fuhr während dessen die Rechner hoch und rief das Profil von Yker auf. Einen Augenblick später widmete er sich dem Palaisin und band ihm den Arm ab. Er suchte nach einer Vene und nahm dem Yker Blut ab.


    Ciel trat näher und betrachtete genau das Geschehen, während Timotheus den Prophezeiten anblinzelte. Yker schaute bei der Prozedur zur Seite. Dabei verhielt er sich derart ruhig, dass Yves für einen Moment seinen Behüter-Kollegen anschaute. Dieser schüttelte kaum merklich den Kopf.


    Gleich wer der Mann sonst war, über welche Fähigkeiten er verfügte und wie gefährlich er für seine Feinde werden konnte, in diesen Hallen war er nur ein "Ding" dass Anweisungen zu folgen hatte. Einen Umstand den er klaglos hinnahm. Yves zog die Nadel aus Ykers Arm und drückte ein Wattepad darauf.


    "Einst Yker. Ab heute ist es die Geburtsstätte Eurer Kinder", flüsterte Yves freundlich.

    "Was? Was meinst Du?", flüsterte Yker irritiert zurück.


    Unterschiedlicher hätten die Stimmen der beiden Personen nicht sein können. Die von Yves Hugo, Bluthexertypisch derart tief, dass man sie noch in den Eingeweiden spürte. Jene von Yker Souvrakasiertypisch androgyn hoch, melodisch, zwitschernd und fast an Walgesang erinnernd.


    "Der erste freigeborene Souvrakasier ist Dein Sohn Yker. Er wird bei Dir und Deiner Familie aufwachsen, sobald er biologisch reif genug dafür ist. Das erste Kind das ich schaffe, ist Dein Kind Yker. Als Zeichen unserer Wertschätzung, unseres Vertrauens in Euch und uns. Freiheit und Kinder, das ist unser Geschenk an Euch. Erinnere Dich daran, wenn Du ihn in die Arme schließt", antwortete Yves einmütig.


    "Blut, Brüder und Bande der Familie", sagte Ciel gewichtig und schaute blinzelnd zu Ignatio auf.

    "Blut, Brüder und Bande Prophezeiter", antwortete der Vorbeter ergeben.