Mac's Gaststätte

  • ~Diese Ereignisse spielen 10 Jahre zuvor, also im Jahr 190 n.d.A., in der exterritorialen Stadt Tazlogg, als Tobi 15 Jahre alt war. ~


    "Tooooooooooobi", hallte es durch den Flur.
    Oh verdammt!, war der einzige Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss. So schnell wie möglich versuchte er die Sachen zu verstecken. Die Flamme zu löschen und den Rauchgeruch aus dem Raum rauszubekommen, indem er hektisch mit seinen Händen wedelte. Doch seine Mutter war schon da, bevor er fertig wurde. Auf dem Bett lag eine Apparatur, die zum Erhitzen von Speisen diente. Ein kleines Thermalgerät, das seltsame Geräusche machte, als man einen kleinen Brennstab hinein gab.


    "Was bei Noldils Namen treibst du hier? ", seine Mutter schien ganz verzweifelt. Sie schmiss die Apparatur aus ihrem Blickwinkel in irgendeine Ecke des Raumes und war ganz aufgebracht.
    "Wir brauchen deine Hilfe! Jede freie Hand dort unten wird gebaraucht. Eine Horde von Rakshanern und Orks treten uns den Laden ein, und du faulenzt hier. Machst sinnlosen Kram mit irgendwelchen unnützen Apparaturen!"


    "Ich hab zu tun!", schrie er genervt zu seiner Mutter.
    NIE LÄSST MIR MEINEN FREIRAUM. SIE IST ALLES SCHULD!
    "Lass mich!", schrie er und versuchte seine Mutter aus dem Raum zu schubsen. Doch diese wehrte sich und wich einfach zur Seite aus.


    Stur antwortete sie mit den belehrenden Worten einer Mutter: "Wir arbeiten und machen soviel für dich. Und zeigst dich kein bisschen dankbar!", sie unterstrich ihren Redefluss mit ihren Händen.
    "Du bist so ein Egoist! Du denkst immer nur an dich!"
    Tobi überlegte darauf etwas zu erwidern. Ja er hätte ihr viel zu sagen, doch traute er sich nicht, weil ihm nur Sachen Sachen einfielen, die seine Mutter verletzen würden. Das wollte er nicht.
    "Jetzt komm endlich!", sagte sie nur, als Tobi sich aus Protest auf den Boden hinsetzte und es sich bequem machte.
    Doch der aufmüpfige Teenager verzog nur genervt das Gesicht.


    "Ich komme gleich!", entgegnete er, als er am Boden krabbelte und die Sachen einsammelte, die seine Mutter in die Ecke geworfen hatte. Für ihn hatten diese kleine "Forschungsprojekte" viel mehr Bedeutung, als seine Eltern verstehen konnten. Es waren nicht nur "Freizeitbeschäftigungen", sondern für Tobi das Wichtigste derzeit im Leben, da er dort seine Neugier und seinen Ehrgeiz ausleben konnte, was er sonst nirgendwo schaffte.
    Für seine Eltern galten aber andere Dinge wichtig. Es war also ein typischer Eltern-Kind Interessenkonflikt.


    "Nein, jetzt!", rief die Mutter aufgebracht, sodass sich die Stimme überschlug. Sie wusste nicht weiter mit ihrem Sohn immer gab er nur Widerworte. Er war faul und drückte sich vor den häuslichen Plichten in der Gaststätte.
    Da sie nicht weiter wusste, verließ die Mutter darauf den Raum, und schlug die Tür hinter sich wütend mit solch einer Wucht zu, sodass sie dabei einen großen Lärm verursachte. Als sie runterging, hörte man, wie sie aufgebracht fluchte. Unten angekommen stand Tobis Bruder, der wegen des Lärms aus der Küche herausgeeilt war. Als er feststellte, dass es aber wieder um seinen nichtsnützigen Bruder ging, schüttelte er nur den Kopf und meckerte aufgebracht: "Wie er mit dir umgeht, ist nicht mehr normal. Aber man kann ihm sagen, was er will. Er ist zu faul."


    Als Tobi hörte, wie sein Bruder über ihn lästerte, motivierte ihn das dann doch, sein kleines Forschungsprojekt liegen zu lassen und in die Gaststätte zur Arbeit zu erscheinen. Er zog sich seine Schürze über sein Hemd, kleidete sich mit Schuhen an und nutze seine Handfläche, als eine Art Kamm, während er sich die Haare zurecht sortierte, sodass er halbwegs vorzeigbar war.
    Mit jugendlicher Leichtsinnigkeit sprang er ein paar Treppenstufen hinunter und ging dann geradeaus zur Küche hinein.


    "Ich bin jetzt fertig, wo kann ich helfen?," sagte Tobi, als er seine Mutter herumwuseln sah.
    Sie wies ihren Sohn darauf kurz ein und erklärte ihm, was er für heute zu tun hatte. Tobi hörte ihr aufmerksam zu und machte sich dann an die Arbeit, den Fußboden zu wischen, wo irgendwelche Gäste Bier ausgeschüttet hatten. Nachdem er fertig war, nahm er einzelne Bestellungen bei den Gästen auf. Zunächst mussten ein paar ungeduldige Orks bedient werden, die keine Sekunde auf ihr Bier und ihr "Gagsh'mal" (eine orkische Spezialität des Hauses - ein Eintopf mit Magen-Innereien eines Pferdes) sofort haben wollten.
    "Meine Herren, wartet. Mac's Gaststätte arbeitet so schnell wie möglich,", erklärte Tobi freundlich.
    "ICH WILL MEIN GASH'MAL UND DAS SOFORT!", schrie der Orkhäuptling Krashnok. Ein wahrlich unangenehmer Zeitgenosse, der sehr laut war und mit seiner gesamten Rotte hier versammelt war.


    Erst nachdem diese ungeduldigen Orks bedient waren, konnte sich Tobi um die übrigen Gäste kümmern. Eine Fee saß auf dem Bartisch, doch wurde sie von allen Leuten übersehen. Wegen des Lärms der Orks konnte man ihre Stimme auch nicht wirklich hören. Eher zufällig hatte ein Rakshaner neben ihr einen Kaffee bestellt, als Tobi die kleine Fee das erste Mal sah.
    Er war völlig aus dem Häuschen, da er Feen bisher nur für ein Märchen gehalten hatte. Dass es sie wirklich gab, erstaunte ihn doch sehr.
    "Holy! Wie cool ist die denn?", sagte er im tazloggkanischen Dialekt, als er sie sah.
    "Du bist ja fresh. Kann ich dir was bringen?", sagte er zu ihr.


    Die Fee schien etwas verwirrt von der Wortwahl zur sein. Erwartungsvoll guckte Tobi sie an.
    "Oh sry, kannst du überhaupt reden?"
    Oder sprach sie bereits, nur konnte man sie aufgrund des Lärms nicht hören?

  • Die Sommersonne schien glühend heiß vom Himmel als Sanara gegen Mittag Tazlogg erreichte. Erschöpft sah sich die Fee in den Straßen der Stadt nach einem Gasthaus um. Ein Glas Limonade oder Eistee, das wäre jetzt das richtige für sie.


    Plötzlich fiel der Fee ein Haus ins Auge. Mac`s Gaststätte stand auf dem Schild über der Tür. "Na endlich". Ohne zu zögern betrat Sanara die Schenke, deren Tür einen Spalt breit geöffnet war. Der Lärm im Gasthaus war ohrenbetäubend. Fast hätte Sanara wieder kehrt gemacht, aber Hunger und Durst bewogen sie zu bleiben.


    Sanara ließ sich an der Bar nieder und sah sich um. Neben ihr saß ein Rakshaner, am Nebentisch brüllten einige Orks rum. Sanara warf ihnen einen bösen Blick zu. Die Kerle hatten einfach kein Benehmen!


    Die Fee rief nach dem Wirt: "Ein Glas Limonade bitte!" Keine Reaktion." He, Wirt "rief Sanara etwas lauter, doch niemand schien sie wahrzunehmen. Frustiert saß Sanara an der Bar und hoffte, dass jemand sie bemerken würde, möglichst, bevor sie verhungert war.


    Du bist ja fresh. Kann ich dir was bringen?", "Oh sry, kannst du überhaupt reden?" ertönte auf einmal eine Stimme neben ihr.


    Sanara sah sich nach dem Sprecher um. Vor ihr stand ein Goblin, dessen Anblick Sanara erstmal die Sprache verschlug, unterschied er sich doch deutlich von den anderen Vertretern seiner Rasse, die Sanara meist etwas steif und bieder vorkamen.Nicht so dieser Goblin. Seine Haare waren in einen Rotton gehalten, der unmöglich echt sein konnte. Die Ohren zierten mehrere Piercings, und die Arme waren mit Leder- und Nietenarmbändern geschmückt. Sein Gesicht zierte ein modischer Unterbackenbart. Über einer Knollennase sahen sie zwei Augen freundlich und mit einem Hauch Neugier an.


    "Ob ich reden kann?" erwiderte Sanara wütend, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. "Bei Ardemia, ich schreie mir hier schon seit Ewigkeiten die Seele aus dem Leib, aber hier scheinen alle blind und taub zu sein!" Sanara bereute ihren wütenden Ausbruch schnell. Sie war normalerweise eigentlich nicht so aufbrausend.


    Die Fee strich sich eine Strähne ihres langen, blonden Haares aus dem Gesicht, faltete ihre zitronengelben Schmetterlingsflügel zusammen und sprach freundlich: "Ich hätte gerne ein Glas Limonade, eisgekühlt. Sagt, was könnt Ihr mir zum Essen empfehlen? Habt Ihr ein leichtes Sommergericht im Angebot, das nicht so schwer im Magen liegt?" Erwartungsvoll sah sie den Goblin an. In ihren Unterbewußtsein glaubte sie, leichten Brandgeruch wahrzunehmen, verdrängte dieses Gefühl jedoch, schließlich war sie ja in einen Gasthaus, in dem gekocht und gebraten wurde, da konnte es schon mal angebrannt riechen. Doch die Fee hätte lieber auf ihr Gefühl hören sollen....

  • "Bleib mal cool, kleine Fee. Alles easy...," sagte er zu ihr, als sie sich schreiend beschwerte. Ihren kleinen Wutausbruch herunterspielend, strich sie sich ihr wunderschönes blondes Haar ladylike aus dem Gesicht. Solch eine Haarfarbe hatte Tobi noch nie gesehen und diese kleine Kreatur sah wahrhaft göttlich für ihn aus! Der Goblin schien recht begeistert und lächelte etwas verlegen.
    Seine schmierige Visage war dagegen ein Witz. Während er sie beobachtete, bemerkte er die feine und schöne Stoffkleidung der Fee. Bestimmt war sie vom edlen Blute, oder trugen alle Feen solch schöne Kleider?
    Erneut schaute er auf sich selbst herab und schien im optimischen Vergleich deutlich schlechter darzustehen. Aber das tat hier nichts zur Sache. Es ging ums Geschäft.


    "Eisgekült? Sowas gibts hier nicht," meinte Tobi.
    "Aber ich bringe dir ein kleines Likörglas, von wo aus, du besser trinken kannst. Natürlich zu einem Zehntel des üblichen Preises. Wir sind hier keine Geizhälse. Was die Speisen angeht empfehle ich...hmm", er überlegte.
    "Ähm...ich weiß gar nicht, was heute gekocht wird. Bis auf das Gash'mal habe ich heute noch nichts Anderes serviert. Aber für ein Teller Gash'mal kann ich dich nicht begeistern?"


    Tobi war immer noch ganz hinweg, sobald die Fee sprach. Diese liebliche Stimme und die zierliche Gestalt. Sie verbreitete direkt eine gute Laune! Er wartete also noch auf ihre Antwort bezüglich des Gash'mals und ging dann in die Küche, um sich zu erkundigen, was denn heute auf dem Speiseplan stand. Eine Speisekarte gab es im Mac's nämlich nicht. Meistens gab es zwei Tagesgerichte für Goblins, ein Tagesgericht für Orks und Rakshaner, sowie eine Tagesgericht für andere Völker.


    Unterwegs zur Küche wurde Tobi von einem Rakshaner blöd angemacht.
    "Heh, ich warte schon ne halbe Stunde. Rakshor wäre stolz wegen Eurer chaotischen Arbeitsweise, aber so langsam werde ich hungrig. Und ihr verspracht auch draußen meine Hyäne zu versorgen. "
    Tobi erschrak und antwortete demütig: "Ich habe dich total vergessen. Entschuldigt mich, ich werde mich umgehend darum kümmern."


    Der unorganisierte Goblin vergaß daraufhin aber, dass er eigentlich zuerst die Fee bedienen wollte. Sofort ging er daher in die Küche, um die inzwischen kalt gewordene Speise des Rakshaners abzuholen.
    Zum Glück bemerkte Tobi noch, dass diese kalt war. Er schob sie nochmals in den Ofen, wo sie sich etwas aufheizen konnte. Schnell ging Tobi dann hinaus, um das Hyänentier zu versorgen.
    "Ich warte...", murmelte der Rakshaner bedrohlich, als Tobi die Taverne verließ.


    Als er die Hyäne versorgt hatte, verschusselte er aber, dass die Speise schon zu lange im Ofen gewesen war. Angebrannt musste Tobi sie aus dem Ofen herausnehmen. "Oh oh, gar nicht gut," sprach er hektisch. Hastig versuchte er zu retten, was noch zu retten war, kratzte das Abgebrannte von der Speise ab und bot dem Rakshaner darauf die Speise an.
    Dieser bemerkte den angekokelten Geschmack noch nicht mal. Sein Hunger war zu groß, und in Rakshanistan kochte man definitiv noch schlimmer.


    Die kleine Fee saß derweil immer noch auf dem Trockenen. Was würde sie also machen?

  • Gash'mal? Dachte dieser Goblin wirklich eine Fee würde Geschmack an Pferdemägen mit Innereien finden? Igitt, was für ein Gedanke! Schon die Vorstellung daran ließ Sanara einen Schauer über dem Rücken laufen.


    Während Sanara noch überlegte, was sie antworten sollte, bediente der Goblin den Rakshaner. Was immer das Gericht darstellen sollte, es war total angebrannt. Jetzt wusste die Fee, was vorhin so brenzlig gerochen hatte. Erstaunlicherweise ließ sich der Gast nicht von dem angebrannten stören, sondern verputzte alles restlos. Er musste wirklich sehr ausgehungert sein. Dummerweise schienen alle mal wieder die kleine Fee vergessen zu haben.


    Sanara beschloss einen Abstecher in die Küche zu machen. Neugierig musterte sie die Töpfe und Pfannen auf dem Herd. Das meiste,was sie entdeckte, ließ Sanara nur angewidert das Gesicht verziehen. Diese Küche war eindeutig verbesserungswürdig. Dabei ließe sich schon mit ein paar Kleinigkeiten mehr erreichen. Etwas mehr Mut bei der Würze beispielsweise, einfach mal neue Kräuter und Gewürze ausprobieren. Oder der Braten dort, der darauf wartete, in den Ofen geschoben zu werden, mit der richtigen Glasur würde er eine schöne Kruste und einen aparten Geschmack bekommen.


    Sanara sah sich nach den Wirtsleuten um. Niemand schien sie zu bemerken. Schnell inspizierte die Fee die Gerwürzregale. Sie entdeckte tatsächlich einen Topf mit Honig und in einer Schublade einen Pinsel. Sie nahm einen Löffel aus ihrem Beutel, füllte damit etwas Honig in einer Tasse, die praktischerweise auf dem Regal stand, mischte noch einige andere Zutaten hinzu, schmeckte das Ganze mit ein paar Kräutern aus ihren eigenen Bestand ab und bepinselte letztendlich den Braten damit. Weil sie so klein und flink war, bemerkte niemand ihr tun. Kurz darauf schob der Wirt den Braten in den Ofen und ein himmlischer Duft begann sich im ganzen Haus auszubreiten.


    Die Fee begab sich wieder an den Tresen. Sie hatte beschlossen, sich ein Omelett zu bestellen. Notfalls würde sie diesen jungen Goblin bei der Zubereitung helfen. Vielleicht hätte er ja Lust etwas Neues auszuprobieren. Leider schien er sie vergessen zu haben. Er stand immer noch bei dem Rakshaner und unterhielt sich mit ihm.


    Sanara flog auf dem Tisch des Rakshaners."Ich will ja nicht stören, aber es gibt noch andere Gäste hier "sprach sie mit einem höflichen Nicken dem Rakshaner gegenüber und dann direkt an den Goblin gewandt:"Ihr hattet mir etwas zu essen versprochen und ein Glas Likör. Würdet ihr also so freundlich sein, mir das Genannte zu bringen??Ein schönes Omelett wäre recht und vergesst nicht den Ofen im Auge zu behalten. Ich warte am Tresen auf euch."


    Die Fee war ein höfliches und freundliches Wesen, aber so ganz allein mit dem grimmig dreinschauenden Rakshaner wollte sie dann doch nicht sitzen und so nahm Sanara wieder am Tresen Platz und harrte der Dinge, die da kommen sollten. "Ob den Gästen der Braten wohl schmecken wird?" dachte sie bei sich. "Hoffentlich muß ich nicht wieder ewig warten ".

  • "Oh jeh!", da hatte er glatt die kleine Fee vergessen.
    Demütig verschränkte er die Arme als Zeichen der Entschuldigung. "Ist ja alles easy. Verstehe ich, dass du aufgebracht bist. Aber der Rakshaner ist wichtig. Ich bringe dir sofort ein Glas Limonade im Likörglas!"


    Chaotisch raufte er sich durch die Haare, blieb mitten im Gang stehen und schien nachzudenken. Man hörte nur ein kurzes "Ja, genau", als er plötzlich wieder weiterging und ein Likörglas aus dem Thekenschrank herausnnahm. Schnell, aber mit wenig Liebe presste er eine Zitrone aus, während die Fee ihm zuschaute.


    Tobi schien kurz innezuhalten, als die anfängliche Hektik wieder verflog und er wieder ganz der lockere, entspannte Typ wurde.
    Mit einer viel zu coolen Geste schob er das Glas rüber zur Fee, so als ob er ihr den edelsten Cocktail aller Zeiten zubereitet hätte. Etwas zeitversetzt, um ungewollt Aufmerksamkeit zu erhaschen, sagte er ihr locker:
    "Geht aufs Haus".


    Wie ein Möchtegern Profi warf er sich das Handtuch über die Schulter und schritt stolz zur Küche, um das Omelette zuzubereiten. Gerade als er eintreten wollte, schoss ihm aber noch eine Frage durch den Kopf.
    "Klassisches Omelett oder auf Tobi-Art?", fragte der Goblin neugierig.
    Er konnte die Fee gut leiden. Sie hinterließ einen postiven, ersten Eindruck auf Tobi.

  • "Macht es auf Tobi-Art". Die Fee war neugierig, was wohl dahinterstecken würde."Zeigt mir eure Kochkünste ".

    Sanara nippte an dem Likörglas und verzog das Gesicht. Etwas Wasser und Zucker hätten der Zitrone sicher gutgetan.


    Trotzdem gefiel ihr der Goblin.Er war so erfrischend anders, als die Goblins, die sie kannte. Bestimmt langweilte er sich in der Schenke.


    Sanara lächelte dem Goblin zu."Darf ich euch vielleicht bei der Zubereitung in der Küche zusehen? "fragte sie freundlich und mit ehrlichen Interesse. Sie freute sich darauf, mit dem netten Goblin ins Gespräch zu kommen.

  • Tobi grinste breit, als Sanara Interesse an seinen Kochkünsten zeigte. Normalerweise teilte niemand Tobis Begeisterung an Chemie und Technik. Innerlich machte er einen Luftsprung. Äußerlich schien er aber der ganz normale, lockere Goblin zu sein.
    "Geht klar. Ich zeig dir, wo ich immer abhänge," sagte er.
    Kurz musste er noch ein paar Bier zu einigen Gästen tragen, als er wieder zurückkam.
    "Kann losgehen."
    "Ich bin übrigens Tobi," meinte er und reichte ihr die Hand. Erst nachdem er das gemacht hatte, fiel ihm auf, dass sie gar nicht seine Hand schütteln konnte, und wie albern das wohl aussah.
    "Entschuldige...die Gewohnheit."


    Sie verließen den Schankraum über eine Schwingtür, und kamen dann in ein Treppenhaus aus, ohne dass sie die Küche hätten betreten müssen. Zum Glück lief keiner seiner ehrgeizigen Geschwister Tobi über den Weg, sonst wäre Tobis Vorhaben gescheitert. Denn seine Eltern mochten es nicht, wenn er in seiner Arbeitszeit seinen Experimenten nachging. Schlimm genug, dass er das schon in seiner Freizeit tat. Die Treppe knarzte laut bei einigen Stufen, als die beiden hochgingen. Sanara schien irgendetwas sagen zu wollen, doch Tobi unterbrach sie im Satz und ermahnte sie mit einem "Pssst" still zu sein.
    "Es ist wichtig, dass uns niemand hört," flüsterte er.


    Oben angekommen, schloss er die Tür hinter sich und verriegelte sie mit einem Bolzen. Unter anderen Umständen hätte man denken können, dass jemand etwas Böses im Schilde hatte, wenn er sich so geheimnisvoll verhielt. Bestimmt würde sich Sanara ängstigen, vorallem da Tobi auch noch die Tür hinter sich verriegelt hatte, könnte der Eindruck enstehen, er würde ihr etwas antun wollen.
    Tobis Körpersprache drückte aber nichts Böses aus. Man konnte ihm ansehen, dass er einfach nur was aufgeregt war und sich deswegen so seltsam verhielt.


    Kurz lauschte er an der Tür, um festzustellen, ob ihnen nicht jemand gefolgt war. Dabei erhob er den Finger, um Sanara zu ermahnen, nichts zu sagen. Nach etwa einer Minute des Wartens schien sich Tobi sicher zu sein, und er sprach wieder in normaler Lautstärke und die Worte sprudelten aus, wie aus einem Wasserfall:
    "Ich zeige dir jetzt eine neue Erfindung. Sie ist noch nicht ganz ausgereift. Ich nenne sie "den Verdampfer", Tobi kramte in den Schränken, warf mit Sachen durch die Gegend, während er weiter redete:
    "Das Prinzip basiert auf der Reaktion zweier Flüssigkeiten, die beim Zusammenmischen einen Dampf erzeugen. Unter thermischer Fluktuation kann ein stabiler Dampfzufluss erzeugt werden. Oberhalb des Auffangbehälters befindet sich ein Metallstreifen, welcher aufgrund seiner geringeren Dicke nahezu sofort erhitzt wird. Ein Omelett kann damit sehr fix zu bereitet werden, ohne dass man das Feuer zunächst schüren muss."
    "Faszinierend ist der Wechsel des Aggregatzustands, indem man zwei Flüssigkeiten zusammenkippt. Wie funkioniert das? Warum ist das so?", Tobi schien wie ausgewechselt. Der sonst lockere, und coole Typ redete fasziniert und leidenschaftlich von seiner neuesten Errungenschaft.


    Mittlerweile hatte er einige Bauteile zusammengesucht, aber es fehlten noch ein paar Sachen, bis die Apparatur funktionsfähig war. Sein Zimmer und Arbeitsplatz waren unaufgeräumt und vollkommen chaotisch. Weder Tobi noch andere Leute fanden etwas in diesem Chaos, daher war es nicht verwunderlich, dass Tobi ständig nicht die Sachen fand, die er suchte.
    "Irgendwo hier muss es sein. Oder...ich nehme alternativ was Anderes," meinte Tobi nachdenklich. Schon kam ihm eine Idee. Aber dafür musste er wieder runter.
    "Ich brauche ein paar Sachen! Kommst du mit? Oder?", fragte er die Fee.


    Sie musste inzwischen bestimmt schon vollkommen verwirrt sein. Tobi wartete noch die Antwort der Fee ab, und wollte dann die Tür öffnen. Erst nachdem er dreimal vergeblich an der Tür gerüttelt hatte, fiel ihm wieder ein, dass er diese doch abgeschlossen hatte.
    "Achja, stimmt ja. Der Bolzen!", grinste er.


    Nachdem die Tür wieder offen war, hastete er mit schnellen Schritten die Treppe runter. Dabei nahm er immer gleiche mehrere Stufen mit und machte weite Sprünge bis er unten angekommen war.
    Vollkommen vergessen und irrelevant war es nun, dass er eigentlich leise sein sollte. Tobi dachte nur noch an das Experiment.

  • Sanara folgte Tobi leicht verärgert, aber durchaus neugierig geworden aus seinem Zimmer.


    Erst sollte sie still sein und nun rannte Tobi wie ein wildgewordener Hengst die Treppe hinunter. Sein Poltern war nun wirklich nicht zu überhören.


    "Was ist das für ein Lärm? Beweg deinen faulen Hintern sofort hierher Tobi!" Sanara erschrak, als sie die wütende Stimme des Wirts vernahm und auch Tobi erstarrte für einen Moment. Der Fee schwante, dass es mit dem Experiment vorbei sein würde, wenn der Wirt sie erwischte und die neugierige Sanara wollte sich dies auf keinen Fall entgehen lassen.


    "Wartet hier, ich kümmere mich um ihn." zischte Sanara dem Goblin zu und machte sich auf dem Weg zur Küche. "Ich bin übrigens Sanara" fügte sie noch hinzu, bevor sie um die Ecke verschwand.


    Die Fee hatte die Küche noch nicht erreicht, als ihr schon der Wirt auf der Suche nach Tobi entgegen kam. Sanara erwog für einen Moment den Mann mit ihren Feenstaub ins Reich der Träume zu schicken, verwarf diesen Gedanken jedoch schnell wieder. Den Wirt auf die Bretter zu schicken erschien ihr unverhältnismäßig. Der Mann hatte ein Gasthaus zu führen und wer weiß, wann er wieder aufwachen würde. Die kluge Fee wollte seinem Geschäft nicht schaden und beschloss daher einen anderen Weg zu gehen.


    Sie entsann sich des Zaubers "Wurzeln schlagen", den sie vor Jahren gelernt, aber nur selten angewandt hatte. Der Zauber bewirkte, das der Verzauberte für eine kurze Zeit an Ort und Stelle stehen blieb und sich nicht rühren konnte. Mit etwas Glück würde der Wirt in der Hektik des Alltags, wenn der Zauber nachließ, vergessen haben, nach Tobi zu suchen. Sanara sprach also ihren Zauberspruch und der Wirt erstarrte augenblicklich. Eiligst begab sich die Fee wieder zu Tobi.


    "Jetzt seht zu, dass ihr findet, was ihr sucht. Wir haben nicht viel Zeit. Mein Zauber wird ihn nicht lange aufhalten" Der kleine Goblin zögerte nicht lange und führte sie in den Keller des Gasthauses. Sanara zuckte erschrocken zusammen, als die Kellertür hinter ihnen mit einem lauten Krachen zuschlug.

  • Tobi schloss die Kellertür hinter sich, hielt darauf aber kurz inne, um nachzudenken. Der Goblin hatte vor mit irgendwelchen Sachen, die Tür zu versperren, sodass sie mehr Zeit hätten nach den Materialien zu suchen, die Tobi benötigte.


    Die erste Idee, die ihm kam war es nach Brettern, Nägeln und einem Hammer zu suchen, um die Kellertür damit zu verbarrikadieren. Als er aber schon Nägel und Hammer zusammengefunden hatte, fehlten ihm nur noch die Bretter. Doch diese waren gar nicht so leicht zu finden. Mit Gewalt riss er an einem Regal und brach damit ein Stück des Holzes ab. Sofort nachdem er das gemacht hatte, warf er die Sachen aber zu Boden und meinte:
    „Das ist crap!“


    Ihm schien es plötzlich zu aufwendig, extra Nägel in die Wand zu jagen, nur damit er kurzzeitig etwas mehr Zeit hatte, Materialen zu finden.
    Stattdessen suchte er in aller Ruhe etwas Anderes, um die Tür zu versperren. Er verlor immer mehr das Zeitempfinden. Tobi ging von Raum zu Raum holte immer wieder neue Sachen hervor und verwarf dann seine Idee. Zuletzt kam Tobi mit ein paar Seilen und sagte beschwichtigend zu Sanara, die sich scheinbar Sorgen machte: „Ich habs jetzt!“


    Doch just nachdem er die Seile hervorgeholt hatte, war er wieder unzufrieden mit der Idee. Ihm schien es zu kompliziert, die Seile dergestalt zu verknoten, dass man die Tür nicht mehr aufbekommen konnte.
    „Komm schon, Tobi!“, murmelte er. Es gibt doch bestimmt ne bessere Lösung, dachte er sich.


    Das Offensichtlichste fiel ihm erst als Letztes ein. Mit ein paar einfachen Handgriffen schleppte er eine Bank und einen Schrank an, um damit die Tür zu blockieren. Um den Effekt zusätzlich zu verstärken, klemmte er zwischen Bank und Tür einen Besen, der wie eine Querstrebe die erforderliche Kraft, die man benötigte, um die Tür zu öffnen, verdoppelte.
    „Easy“, meinte Tobi, als er endlich fertig war. Er grinste.


    Ganze 20 Minuten hatte diese Prozedur gedauert, als man plötzlich von der anderen Seite der Kellertür eine Stimme hörte. Sein Vater, der ehrenwerte Garilik, versuchte die Tür zu öffnen. Dabei traf er sofort auf den Widerstand der Möbel, woraufhin er brüllte und gegen die Tür pochte: „Mach sofort die Tür auf! Das gibt 2 Wochen Ausgangssperre und 3 Monate kein Taschengeld mehr!“


    Tobi grinste nur angestachelt von seinem jugendlichen Rebellentum. Zu Sanara zugewandt sprach er: „Jetzt haben wir mehr Zeit. Diese Kellergewölbe sind sehr groß. Bleib dicht hinter mir. Ich hab mich als kleines Kind hier verlaufen.“
    Vom Boden hob er einen Korb auf, den Tobi als Untersatz für seine Seilvorrichtung angedacht hatte. Zusammen gingen die Beiden in die dunklen Lagerräume, wobei Tobi an eine Fackel mitgenommen hatte.
    In manchen Ecken raschelte es, als die Beiden vorbeigingen.
    „Nur die Ratten“, versuchte Tobi Sanara zu beruhigen.


    Endlich hatten sie fast alle Sachen zusammen, die Tobi gesucht hatte. Doch der Dreispitz für den Schlauaufsatz fehlte noch. Ein kleines, metallenes Stück, was Tobi brauchte. „Ohne das geht es nicht“, meinte er bloß.
    Währenddessen hörte man, wie sein Vater die Möbelbarrikade durchbrochen hatte und sich nun auf dem Weg zu ihnen machte.


    „Da ist es!“, schrie Tobi glücklich. Er schien immer noch nicht gestresst zu sein, obwohl man hörte, dass der Vater immer näher kam. Stattdessen suchte er nach einem Ausweg, eine Möglichkeit aus dem Kellergewölbe zu kommen, ohne die Tür zu benutzen. Der Kamin!


    Noldil sei Dank kam der Jugendliche noch gerade rechtzeitig auf eine Idee. Mit dem Korb an seiner Brust haltend, so als er ob er mit einem Säugling auf der Flucht wäre, lief er um die Ecke. Nachdem er zweimal links abbog, kamen sie in einem verdreckten, völlig leeren Raum an. Hier endete ein alter nicht mehr aktiver Kaminschacht. Ein paar Bretter davor versperrten den Weg dorthin, die die Trizzles dort angebracht hatten, damit keine Diebe durch den Kaminschacht von oben ins Lokal gelangten. Denn obwohl der Kaminschacht von oben zugeschüttet worden war, waren Goblins dennoch äußerst kreativ, wenn es um Verbrechen ging.


    „Da hoch!“, jaulte er zu Sanara, als er drei Bretter mit den Händen wegriss und er Spalte frei gemacht hatte, damit er sich durchzwängen konnte. Die restlichen Bretter, schob er mit Gewalt etwas seitlich hinunter. Die Nägel waren nicht komplett fest, sodass die Bretter noch etwas beweglich waren, um damit die Lücke zu verdecken, wo die Beide hindurchgeschlüpft waren.


    Im Kaminschacht versteckten sie sich und warteten. Würde Garilik sie entdecken?

  • Sanara unterdrückte in dem staubigen Kaminschacht ein Husten. In was war sie da nur hineingeraten? Ihre Haare und Kleider waren voll mit Asche und Spinnweben. Für die kleine Fee, die sehr auf ihr Aussehen achtete, ein fast unerträglicher Zustand. "Ich hoffe, das Omelett ist es wert," dachte sie bei sich, "sonst lernt Tobi mich von einer anderen Seite kennen!"


    Trotz aller widrigen Umstände genoss Sanara, wie sie sich insgeheim eingestehen musste, den Nervenkitzel. Er hatte etwas belebendes an sich, etwas das sie auf ihrer Heimatwiese nicht gekannt hatte.


    Sanara hoffte, dass der Wirt sich endlich verziehen würde. Nicht weil sie Angst vor ihm hatte. die kleine Fee war viel zu schnell, als das der behäbige Wirt ihr gefährlich werden könnte. Vielmehr fing ihr Magen immer lauter zu knurren an, hatte sie doch seit dem frühen Morgen nichts mehr gegessen. Dazu nervte sie die staubige Umgebung ungeheuer. Sanara sehnte sich nach einer Gelegenheit sich frisch zu machen und danach dem hoffentlich erfolgreichen Experiment von Tobi beizuwohnen.


    Plötzlich sprang ein großer schwarzer Kater aus einer Ecke des Kellergewölbes hervor, eine fette Ratte im Maul. Der Wirt schimpfte vor sich hin: "Nur der verfluchte Kater und ich dachte Tobi wäre hier. Wenn ich den Bengel erwische kann er was erleben, dieser Nichtsnutz." Immer weiter vor sich hin schimpfend verließ Tobi`s Vater den Keller.


    Nachdem die beiden noch eine Weile vorsichtig den sich immer weiter entfernenden Schritten des Wirtes gelauscht hatten, verließen Sanara und Tobi ihr Versteck. Eiligst schüttelte sich die Fee den Staub von den Kleiden und fuhr sich mit ihrem Kamm durch ihr goldblondes Haar. " Habt ihr endlich alles zusammen Tobi? Dann lasst uns zurück in eurer Kammer gehen. Ich komme bald um vor Hunger!"

    Glücklicherweise diesmal ungesehen, gelangten die beiden wieder zurück in Tobi`s Zimmer.

  • Tobi hatte alle Teile gefunden, die er für sein Experiment brauchte. Um den besonders lässig Coolen zu spielen, zündete sich Tobi noch eine Zigarre an, die er unten im Keller gefunden hatte und piefte sie, während er alles vorbereitte.


    Zunächst erhitzte er einen Brennstab, indem aus einer Gaslampe ein Dampf austrat. Der dabei sehr stark entstandene Gestank wurde durch einen außenumliegenden Trichter, mittels einer Schlauchvorrichtung direkt auf die Oberfläche einer zweiten Apparatur zugeleitet. Während die erste Apparatur vor sich hin einen dunklen Rauch erzeugte, brachte Tobi die zweite Apparatur in Gang. Dazu kippte er unten in einen Auffangbehälter eine Flüssigkeit, während er ein dünnes Metallstreifen oberhalb positionierte, wo später das Omelett zubereitet werden sollte. Noch wartete er bis sich die perfekte Menge Ruß in der zweiten Apparatur befand, dann kippte er die zweite Flüssigkeit hinzu.


    Als der Knall ertönte, musste Sanara bestimmt das Schlimmste erwarten. Tobi fasste sich aber nur an die Haare, die nun etwas stärker zu Berge standen und wischte sich den Ruß von den Augen. Als nach ein paar Sekunden durch die kleine Öffnung oberhalb des Auffangsbehälters zischender Wasserdampf hinauskam, grinste Tobi. Er aschte kurz mit seiner Zigarre ab und pustete eine dicke Rauchwolke in die Luft.
    So gut hat es bisher noch nie geklappt, dachte er sich. Die Dampfzufuhr war absolut kontinuierlich. Als Tobi zudem seine Hand hinhielt spürte er mit seinem Tastsinn, dass die Temperatur auf vollkommen in Ordnung war.


    Tobi vergaß aber, dass er bereits jetzt das Ei für das Omelett verquirlen musste.
    "Verdammt, die Oberfläche wird zu warm," schrie er, als er nach einer Schüssel suchte.


    Um die verlorene Zeit wiederzugelangen warf er mit hohen Bogen die Eier in die Schüssel. Ein Ei landete auf den Fußboden. Die anderen zwei landeten in der Schüssel. Unbedacht verquirlte er die Eier mit der Schale, als er sein Missgeschick sah.


    "Kann doch nicht wahr sein!", schrie er.


    Derweil begann die dünne Metallplatte von unten zu glühen. Als Tobi schließlich nach vielen Handgriffen endlich die Eierschale aus der Schüssel hatte und die Eier auf die ungefettete Oberfläche verteilte, brannten sie nach kurzer Zeit sofort an, während Tobi den Schinken, die Paprika und die Kräuter hinzuholte. Noch schlimmer: Das Metallplättchen gab nach und brach über.


    "Katastrophe, gar nicht gut!", fasste er sich ungläubig an den Kopf.
    Er war unfähig zu handeln. Dieses Kupferplättchen hatte ihn ein halbes Vermögen gekostet. Genau genommen 2 Monatslöhne.
    Sofort kam er mit einem Eimer Wasser und kippte es vollkommen sinnlos und unbedacht sowohl über das verbrannte Omelett, als auch über die Appatur.


    Als das Wasser in den Auffangbehälter mit den Chemikalien gelangte, kam es erneut zu einer chemischen Reaktion. Das Ding flog im hohen Bogen aus der Verankerung, auf den Boden und verteilte auf den altem Holzboden de Chemikalien. Das Problem: Das nun entstandene Gemisch war ätzend und akalisch dazu. Tobi vollkommen verwirrt und chaotisch im Kopf griff natürlich zu aller erst instinktiv nach dem Auffangbehälter, um zu verhindern, dass noch mehr Flüssigkeit auf dem Boden verteilen konnte.
    Dabei gelangte aber etwas Flüssigkeit über seine Hand. Die Haut nahm binnen weniger Sekunden eine schwarze Farbe, bis sich die Chemikalie durch die dicke Hautschicht gefressen hatte und eine starke Verbrennung hinterließ. Zu allem Überfluss flog Tobi noch die Zigarre aus dem Mund und verursache nun mit dem chemikalischen Gemisch ein kleines Feuer auf dem Boden.


    "Aaaaaaaaah," schrie er verzweifelt.
    "Bring sofort Alkohol, Verbandszeug, Salbe aus dem obersten Schrank unten im zweiten Raum von links, nach der Küche her. Ganz rechts in der Ecke nicht weit von der Spüle. Ja, am besten. Ahhhh", er vergaß total, dass sie zu klein war Dinge zu transportieren.
    Schmerzerfüllt schreiend lag er dort.
    "Irgendwer muss das Feuer löschen!"

  • Entsetzt starrte Sanara auf das entstandene Chaos. Die Fee fasste sich jedoch schnell. Flink flog sie zu dem vor Schmerz schreienden Tobi, legte eine Hand auf seinem Arm und sprach einen Heilzauber, worauf sich Tobi's Wunde zu schließen begann und das verätzte schwarze Fleisch eine rosige Färbung annahm. Bald würde nichts mehr von der Verletzung zu sehen sein.


    Doch Tobi's Verletzung war das kleinste ihrer Probleme gewesen, wie Sanara fassungslos feststellen musste. Die unselige Zigarre hatte ein kleines Feuer entfacht, das nun alles andere als klein war. In Windeseile hatten sich die Flammen ausgebreitet. Begierig leckten sie über den Boden und die Wände des Raumes, auch die Tür hatten die Flammen schon erfasst. Sanara erkannte, das ihnen nur die Flucht durch das Fenster blieb, wenn sie nicht als Häufchen Asche enden wollten.


    "Mach das Fenster auf"! schrie Sanara den vor Schreck erstarrten Goblin an. "Mach hin, oder willst Du als Röstbraten enden?"


    In letzter Sekunde gelang es Tobi das Fenster zu öffnen und in den Hof zu springen, während Sanara pfeilschnell durch das Fenster hinaus flog.


    Wie knapp sie dem Tode entronnen waren, wurde ihnen im nächsten Moment eindrücklich bewusst, als plötzlich ein lauter Knall ertönte und der Dachstuhl des Hauses in einer gewaltigen Explosion in die Luft flog. Nur das Erdgeschoss blieb halbwegs unversehrt stehen.


    Mitleidig sah Sanara Tobi an. Dieses missglückte Experiment würde für den jungen Goblin gewiss nicht folgenlos bleiben. Die Fee hatte den Goblin, trotz seines chaotischen Auftretens in ihr Herz geschlossen und was immer jetzt auch kam, sie würde Tobi nicht im Stich lassen.


    Sanara wollte gerade etwas Tröstendes zu Tobi sagen, als seine Familie auf ihm zukam. Die Gesichter seiner Angehörigen verhießen nichts Gutes.

  • Das Feuer breitete sich in einem rasend schnellen Tempo aus. Dabei wirkte die Chemikalie auf dem Boden, wie ein Brandbeschleuniger. Es heizte das Feuer zusätzlich an. Stichartig schoss die Flamme in die Höhe. Die trockenen und alten Holzdielen fingen sofort an zu brennen. Weder hatte man sie lackiert, noch hatte man die erste Etage irgendwie vor einem möglichen Feuer geschützt. So hatte das Feuer ungehindertes Spiel. Kalmos Element konnte sich ausdehnen und schon bald brannte der gesamte Dachstuhl.


    „Aaaah“, schrie Tobi. Er schrie Sanara bloß verwirrt an ohne etwas zu tun.
    Die Wunde waren durch Sanaras Heilzauber glücklicherweise geschlossen worden, doch er hatte immer noch Schmerzen. Viel Zeit blieb ihm nicht irgendwas gegen das Feuer zu tun, da mussten sie schon aus dem Gebäude fliehen. Tobi gelang es in einen Busch zu springen, der den Sprung aus der Höhe abfederte. Die Fee Sanara konnte natürlich flink durch die Gegend fliegen.


    Als sie unten ankamen, versuchte Tobi wieder auf cool zu tun. Er durchsuchte gerade seine Hosentaschen nach seinen Wertsachen, als plötzlich der Dachstuhl in die Luft flog und es in sich einstürzte.“Oh, verdammter Crap. Das wird ganz gar nicht gut“, sagte er bloß. Er hatte seinen üblichen, lockeren Slang und die läppische Aussprache, die bekannt für den goblinischen Dialekt aus Tazlogg war.
    Viel mehr konnte er aber nicht sagen, als sämtliche Gäste und das Personal (also Tobis Familie) aus der Taverne eilte. Ihre Blicke verhießen nichts Gutes.


    Wir müssen abhauen! Das überlebe ich nicht. Ich werde irgendwo in einer Gosse als Kanalarbeiter arbeiten müssen, um meine Schulden abzugleichen. Ich kann das nicht!
    Der 15 Jährige Goblin sah für sich keine Wahl. Innerhalb der kurzen Zeit konnte er auch nicht viel mehr nachdenken, und musste schnell entscheiden. Also entschied er sich zu flüchten und den Konsequenzen somit zu entgehen.


    „Schnell, wir müssen fliehen!“, zischte er zu Sanara.
    Unglücklicherweise hatte Tobi bis auf seinen Geldbeutel mit etwas Trinkgeld, einer Trinkflasche, einer Zigarre und einer kleinen Flasche Propensäure nichts weiter bei sich. Immerhin hatte der Goblin vernünftiges Schuhwerk und Kleidung an. „Wir müssen irgendwo hin. Ich weiß nicht wo.“


    Er rannte so als ob sein Leben davon abhängen würde. Zunächst flüchteten sie die Straße herunter. Unterwegs mussten sie an mehreren Verkaufsständen vorbei. Kurz vor Ende des Dalis (Freitag) wollten die Händler ihre Waren noch verkaufen und schrien wüst durch die Gegend. Stämmige Orks und Rakshaner versperrten die Gasse, als Tobi und Sanara diese erreichten.
    Dicht auf ihren Fersen waren Tobis Vater und sein ältester Bruder.
    „Sry, bro“, tippte er einen Ork an. Der schien ihn aber nicht zu hören oder Tobi aufgrund seiner Größe zu übersehen. Der 1m große Goblin war zu der Zeit noch in der Wachstumsphase und noch nicht voll ausgewachsen. Im Vergleich zu den teils 2m hohen Orks war er ein Winzling. Kein Wunder, dass er ihn übersehen konnte.


    Die Zeit den Ork nochmal zu bitten, zur Seite zu gehen, reichte nicht mehr aus.
    „Flieg irgendwo hin. Ich komme schon alleine zurecht“, rief er Sanara zu. Er selbst kriechte unterhalb der Beine des Orks hindurch und versteckte sich unterhalb des Waffenrocks des zweiten Orks, direkt dahinter.
    Ob er wohl ungesehen bleiben würde?

  • "Flieg irgendwohin, ich komme schon allein zurecht. " Sanara dachte gar nicht daran, Tobi s Aufforderung Folge zu leisten. Obwohl Sanara längst klar war, dass Tobi das Chaos anzog, wie die Blüte den Schmetterling, hatte sie in ihrem Herzen längst beschlossen, bei dem kleinen Goblin zu bleiben. Einer musste schließlich auf ihn aufpassen, bevor er sich noch um Kopf und Kragen brachte.


    Die Fee sah , wie der Goblin sich unter dem zweiten Ork versteckte.Dummerweise begann der Ork mit dem ersten Ork aus für die Fee nicht ersichtlichen Gründen zu streiten. Sanara sah entsetzt, wie der Ork , unter dem Tobi Schutz suchte zu einen gewaltigen Faustschlag gegen sein Gegenüber ausholte.Leider kam er dabei ins Straucheln. Es kam was kommen musste : Der Ork stürzte über Tobi und auch der zweite Ork schlug, von dem Faustschlag getroffen, lang hin. Verdutzt starrten beide Orks auf den jungen Goblin.Ihren Zwist hatten sie völlig vergessen.


    Tobi, soviel war klar, hätte gegen die beiden Kerle keine Chance. Ablenkung musste her und zwar schnell.


    Sanara überlegte panisch, was sie tun sollte, als ihr Blick auf einen Gewürzstand fiel. Unter der Vielzahl an Gewürzen und Kräutern, die der Händler feilbot, entdeckte sie auch gemahlenen Pfeffer.


    Geschwind mopste sie ein Handvoll davon und schleuderte den Pfeffer den Orks ins Gesicht. Mit tränenden Augen und vorübergehend blind von dem Gewürz wandten die beiden Kerle sich von Tobi ab. Für einem Moment waren sie vollkommend desorientiert.


    "Lauf Tobi, lauf!" schrie Sanara. Für ihren Geschmack viel zu langsam, kam Tobi auf die Beine und lief los.


    Hinter ihren Rücken erscholl ein entsetzliches Krachen und Brüllen. Die Orks, noch vom Pfeffer geblendet, schlugen in blinder Wut um sich und richteten ein heilloses Chaos an.
    Die kleine Fee betete, dass die Orks sie nicht doch noch entdeckten und feuerte Tobi weiter an, schneller zu laufen. Würde ihnen die Flucht vor den wütenden Orks gelingen?

  • Einer der beiden Orks schaute ungläubig, als Tobi unerwartet vor ihnen vorbeihuschte. Ein dummes „eh“, ertönte aus dem riesigen Maul des stinkenden Orks. Der Andere hingegen war durch den Pfeffer geblendet und schon beschwerte er sich brüllend in orkischer Manier. „Dreckiger Dreckskerl!“
    Uglaag Barak war nicht gerade für seine Wortgewandtheit bekannt. Jedoch war er in anderen Dingen schlagfertig. So dauerte es nicht lange, bis die Faust den verdutzten Ork traf, der sich verwundert über den Goblin hatte beschweren wollen. Seine Worte konnte er aber nicht beenden. Er brachte nur ein: „Was zum….“ heraus, als die Faust seine Nase traf.
    „Das war ich nicht!“, schrie er wütend. Doch er ließ den anderen Ork keine Zeit zu antworten, sondern ließ auch lieber die Fäuste sprechen. „Madige Made!“, brüllte Ortuk Ratosh zurück. Schon entbrannte eine Schlägerei zwischen den Beiden. Der wahre Grund war für die beiden Orks nicht mehr vordergründig, da es bald darum ging, wer die dickeren Eier hatte. Sprich wer der Stärkere war.


    Der Schlägerei schlossen sich aber auch noch andere Orks an. Sie kämpften für die Seite, von der sie dachten, dass diese gewinnen würde. Auf diese Weise konnte man sein Ansehen in der Rotte gewinnen. Womöglich sogar sozial aufsteigen. Die Goblins in der näheren Umgebung schlossen hingegen eifrig Wetten mit einigen Tieflingen und Rakshanern ab. Sie witterten ein Geschäft, und kurz vor Feierabend war das für manch einen goblinischen Händler nochmal die Gelegenheit ordentlich Profit zu scheffeln. Der Großteil der Tieflinge schaute jedoch grimmig drein und sie standen wie unbeteiligte Pfeiler am Kampfplatz. Während die Düsterlinge schnell zwischen den Häuserspalten das Weite suchten, wie sie es immer taten, wenn eine Streiterei ausbrach.


    Tobi tat genau das, was er nicht tun sollte. Eigentlich hatte er fliehen sollen, da ihn seine ganze Familie immer noch durch die halbe Stadt jagte. Doch sein Coolness relativierten die Gefahr und den Stress mal wieder. „Passt schon“, dachte sich Tobis Gehirn. Also stellte er sich zur Seite und schaute amüsiert dem Kampf zu. Es war durchaus als Unbeteiligter auch nicht ungefährlich der Schlägerei zuzusehen, da die Orks auch sämtliche Gegenstände aus der Umgebung benutzten um sich zu prügeln. Nur Stichwaffen und Klingen jeglicher Art wurden nicht benutzt. Es sollte kein Blutkampf werden, sondern lediglich eine kleine Rauferei. Tobi positionierte sich ziemlich intelligent hinter einem stattlichen Tiefling. Dort war Tobi vor den wettenden Goblins verschont. Er war der Kultur der Chaosvölker vertraut, sowie es alle tazloggkanischen Goblins war. Daher wusste er, dass diese kleine Rauferei, die für Andere unglaublich gefährlich aussah, bloß ein kleiner lusiger Zeitvertreib zwischen Orks war. Im Grunde genommen eine andere Art von Kommunikation.


    Ein Zahn flog wenig später in hohem Bogen zu Tobis Richtung. Er hob diesen vom Boden auf und zeigte ihn Sanara, die wieder in seiner Nähe aufgetaucht war. Ihre Reaktion konnte der chaotische Goblin nicht ganz interpretieren. Es war auch schwer die Mimik und Gestik in so einem kleinen Gesicht wiederzuerkennen.
    „Hier hast nen Zahn. Bist doch ne Zahnfee“, sagte er lässig,wobei es abfälliger klang, als es in dem Moment gewollt war. Es handelte sich dabei um ein Vorurteil, den andere Völker gegenüber Feen hatten. Denn viele sahen Feen nur als Hüter der Zähne und Boten des Karies an. Eigentlich wurden Feen häufig nicht ernst genommen. Und obwohl Tobi ein sehr aufgeschlossener und kommunikativer Typ war, waren solche Vorurteile auch in ihm verankert. Vor allem, da er mit dem Volk der Feen keine Erfahrung sammeln konnte.
    Er schaute beiläufig auf den Kampf und meinte dann zu Sanara. „Ist doch lustig.

  • „Hier hast nen Zahn. Bist doch ne Zahnfee“ Sanara war ob Tobi´s abfälliger Worte gekränkt. So sympathisch die Fee den kleinen Goblin auch fand, es wurde Zeit ihn eine Lektion zu erteilen.


    Sanara war zwar hauptsächlich in Heilmagie ausgebildet, aber einen Verteidigungszauber beherrschte sie doch und gedachte nun ihn gegen Tobi einzusetzen: "Wurzeln schlagen" . Der Zauber bewirkte, dass der Verzauberte sich nicht von der Stelle rühren konnte. Gedacht, getan. Tobi konnte sich nicht mehr rühren.


    Währenddessen beteiligten sich immer mehr Orks an der Schlägerei und es ließ sich nicht mehr vermeiden, dass Tobi von den umherfliegenden Gegenständen getroffen wurde, ohne sich wehren zu können, ganz wie Sanara es beabtsichtigt hatte. Schadenfroh sah Sanara zu. Die kleine Fee setzte sogar noch einen drauf, als sie an einer Mauer einige Ameisen entdeckte. Feen konnten ja mit Tieren kommunizieren und auch wenn Sanara nicht dafür ausgebildet war, Tiere zu beherrschen, fragen konnte man ja mal und so setzte sich die Fee mit den Ameisen in Verbindung, die glücklicherweise bereit waren bei Sanaras Streich mitzuspielen. Faszieniert beobachtete die Fee, wie die Ameisen auf Tobi zukrabbelten und unter seine Kleidung schlüpften, wo sie ihn mit Bissen traktieren würden.


    Das wird dich lehren, mich nicht nochmal so abfällig zu behandeln. dachte Sanara. Natürlich würde die kleine Fee nicht zulassen, dass Tobi ernsthaften Schaden erlitt und den Zauber aufheben, wenn es zu gefährlich für den kleinen Goblin würde. Allerdings war sie sich nicht ganz sicher, ob die Ameisen auf sie hören und den Rückzug antreten würden, wenn Sanara sie darum bat.


    Die Fee betrachtete den Orkzahn, den Tobi ihr zugeworfen hatte und beschloss ihn zu behalten, wer weiß schon, wofür er eines Tages noch nützlich wäre. Notfalls gäbe er eine passable Stichwaffe für die Fee ab. Gelassen beobachtete Sanara die Situation, die für Tobi sehr ungemütlich geworden war. Noch überwog allerdings der Ärger über Tobi`s Verhalten ihr gegenüber ihr Mitleid. Der Goblin warf ihr inzwischen verzweifelte Blicke zu. "Wie heißt das Zauberwort?" fragte Sanara ihn.