Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprĂĽnglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Ăśberfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Kor
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#21

Beitrag von Kor » Sa 21. Mär 2015, 13:39

Die beiden Fremden waren aufgebracht. Es musste sie völlig vertört haben als Kor sich verwandelte doch es war ihm egal. Ohne auf das viele gerede der Zwei einzugehen nahm er die Medizien, verschnürte die Säckchen neu und brachte sie an die Orte an die sie gehörten. Kor lies sich Zeit und kehrte ohne recht zu wissen warum zu den beiden Dieben zurück über die seine Begleiterin die ganze Zeit gewacht hatte.

"Tun? Ziel?", sagte Kor und hasste es auch nur den Versuch zu unternehmen zu sprechen. Er gehörte nicht mehr in diese Welt. Seine Welt war die der Schöpfung und des lebens. Doch was diese beiden Worte bedeuteten hatten die denkenden Wesen schon lange vergessen.

Er schĂĽttelte kurz den Kopf und versuchte sich zu beruhigen. Kor verwandelte sich zurĂĽck in seine Wolfsform setzte sich und wartete. Trotz seiner BemĂĽhungen sich zu beruhigen stand sein Nackenfell hoch aufgestellt und er konnte sich gelegendliches Knurren nicht verkneifen. Was tat er eigendlich hier? Etwas verwirrt Blickte er die beiden an und wartete...

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Selan Todaric
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#22

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:40

Selan war sichtlich verwirrt als diese gar merkwürdige Person sich schon nach wenigen Bruchstückhaften Worten abermals verwandelte. Diese mal wieder in seine Ursprungsform – einen Wolf. Im Moment als der Wolf wieder vor ihm stand und Selan mit einer sehr gereizten Körpersprache gegenüber saß, durchzuckte ihn ein Gedanke aus seiner Vergangenheit. Wie von Sinnen stand der Tiefling plötzlich da und lies Revue passieren, was ihm einst vor vielen Jahren sein alter Lehrmeister Unga Kodur eines Abends am Ofenfeuer erzählte.

"Selan, dir ist letztens ein Buch in die Hände gefallen, was ich dir sofort weg nahm und du nicht lesen solltest. Nun, eigentlich wollte ich dir nichts darüber erzählen, doch habe ich mich letzten Endes dafür entschieden, da ich dir versprochen hatte, mein gesamtes Wissen zu vermitteln. Drum hör mir jetzt genau zu.

Puhhhh, wie soll ich anfangen, damit du es verstehst. Nun stelle es dir so vor. In diesem alten Buch geht es um eine Legende – die Legende der Schattenmenschen, wie sie die Menschen nennen.

Es sind Personen, die eigentlich nicht auf dieser Welt sein wollen wie wir. Es wurde nebenbei gesagt schon Jahrhunterte keiner mehr gesehen, drum verbannt man sie mittlerweile schon in das Reich der Legenden. Diese Schattenmenschen können von jeder Rasse kommen, ob Zwerge, Poraha, Menschen, Elben oder sonst was – das solltest du sofort wissen.

Ihr Aussehen ist diesen Rassen gleich, doch das war es dann schon mit Ă„hnlichkeiten. Ansonsten sind sie komplett anders. Sie denken anders, sie fĂĽhlen anders, sie handeln anders und leben anders. Diese Individuen wollen nichts mit anderen Rassen oder Leuten zu tun haben, sind GlĂĽcklich mit sich selbst und der Natur. Einzig wichtig fĂĽr sie sind ihnen Natur und Tier. Kurz gesagt, ihnen ist Natur und Tier mehr Wert als einer der gleichen Rasse.

Sie wollen zu niemanden Kontakt haben außer zur Flora und Fauna dieser Welt. Verstehen sie doch die Gefühle der Blumen, der Bäume und der Tiere besser als die der übrigen Rassen. Es sind Geschöpfe der Natur, die alles was Gegen die Natur handelt hassen. Es sind beinahe immer gefährliche Leute. Man kann sich nie sicher sein, was sie vor haben und denken.

Das gefährliche an ihnen ist, dass man sie schneller reizen kann als man gemein hin denkt. Schon ein Baum, den man verletzt, kann bei ihnen rasende Wut auslösen. Sind sie dann einmal wütend, kann man auch nicht mehr viel machen außer sich verteidigen. Ihre Wut kann grenzenlos gegenüber anderen sterblichen sein und reden kann man mit ihnen beinahe nie, da sie alles Weltliche was mit anderen Rassen zusammen hängt aufgeben haben. Ebenfalls das Sprechen, nur die wenigsten beherrschen einige Worte und ebenso wenig verstehen sie, was andere sprechen.

Vor allem aber merk dir dies eine Merkmal, an denen du sie auf jeden Fall erkennst. Das eindeutigste Merkmal bei ihnen ist, dass sie die Gabe der Gestalt Wandlung beherrschen. Woher sie das Wissen dafĂĽr haben kann ich dir nicht sagen, dass weiĂź keiner.

Viele sagen es sind nur Legenaden und Märchen, ich sage dir, es ist Realität. Denn ich vermute, dass ich vor einigen Jahren selbst im Dunkel der Nacht einen kurz gesehen habe.

Es war vor ca. 20 Jahren im Lichtwald, gerade war ich auf dem Heimweg aus Saliana, als ich plötzlich eine Gestalt im Wald sah. In dunkelster Nacht bei Mondschein stand sie plötzlich mitten im Wald und schaute mich aus einer Entfernung von vielleicht 50 m an. Es war einfach nur beängstigend wie sie plötzlich da stand sage ich dir. Diese Wesen stand urplötzlich da und beobachtete mich. Ich war unheimlich erschrocken das da auf einmal jemand stand, doch dachte ich mir noch, es ist ein anderer Wanderer und nach dem ersten heftigen Schreck konnte ich mich zum rufen durchringen. Doch es kam keine Antwort, stattdessen verwandelte es sich in einen riesigen Greifvogel, flog auf mich in einem wahnsinnigen Tempo ganz knapp über mich weg und flog in die dunkle Nacht davon. Selan ich konnte es für einen Moment nicht fassen was geschehen war und nach dem ich halbwegs wieder Herr meiner Sinne war, rannte ich um mein Leben. So viel Angst hatte ich noch nie vorher. Irgendwas an diesem Wesen verströmte unheimliche Angst, so etwas ist einfach nicht zu beschreiben.

Drum mein Rat an dich, wenn du jemals einer solchen Person begegnest, tuhe dies mit höchster Vorsicht und halte dich von ihr fern, es ist besser für dich – sie sind gefährlich!"
, war die Stimme seines Lehrmeisters in seinen Gedanken zu vernehmen.

Immer noch stand der Wolf vor ihm und schaute ihn einfach nur an.

>Könnte das einer dieser Schattenmenschen sein über die Unga sprach? Aber was macht er dann hier? Nach seinen Informationen wollen sie mit niemanden was zu tun haben, warum sollte er dann seine stinkigen Beutel hier herum schmeißen? Andererseits passt auf ihn, dass er die Gestalt wandeln kann. Das ist nach Ungas Meinung wohl das eindeutigste Zeichen.<

Deutlich nachdenklich stand Selan schon mehrere Minuten mit verschränkten Armen da und schaute zum Verwandlungskünstler hinüber. Die heran gelaufenen Marktbesucher standen gespannt da, es war eine toten Stille, beängstigend, man hätte eine Teeblatt fallen hören können.

Alles starrte gespannt auf den Wolf und den Tiefling, bis dieser Endlich das Schweigen brach.

"Also von der gesprächigen Sorte bist du ja eindeutig nicht, muss ich fest stellen. Nun ja dann bin ich mal so höflich und fange mal an mich vor zu stellen. Mein Name ist Selan Todaric und bin fahrender Nekromant und Teegenießer. Aber kein Sorge ich bin ein netter Nekromant.", grinste er sichtlich über beide Ohren.

"Entschuldige bitte, dass ich vorhin mit dir Stöckchen werfen spielen wollte. Aber wenn du hier als Hund bzw. Wolf auf trittst, muss du schon mit so etwas rechnen. Nun ja du wolltest mein Tun und mein Ziel wissen. Eigentlich geht es dich ja nichts an, aber ich bin auf der Reise nach Shiamahara. Ich habe da von merkwürdigen Aktivitäten eines Totenbeschwörer Kultes gehört und ein Freund, bzw. mein zukünftiger Schüler, der mich darüber informierte ist auf mysteriöse Weise vor einigen Wochen umgekommen, nach dem er mir per Brief darüber berichtete. Ich will der Sache nach gehen, was an diesen Kult dran ist. Zudem will ich wissen wer an Shodyn`s tot Schuld hat.", sprach Selan mit verbitterter und Wut geladener Miene, die man eigentlich von ihm so nicht erwartet hätte. Für jeden der Selan in die Augen sah, war unschwer zu erkennen, dass in ihm blanker Hass brodelte, gegen den Mord an seinem Freund und es ihm damit sehr ernst war.

"Und nun zu dir Wolf, ich weiĂź wer du bist, bzw. was du bist..."
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#23

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:40

"Ach, nicht nur dass du Tee trinkst - als wäre das nicht schon schlimm genug - nein, du bist auch noch Nekromant!"

Mit abfälligem Blick spielte Urako mit seiner Axt. Irgendwo in der Ferne regten sich zwei Tieflinge lautstark über die vermurkste Hinrichtung auf und ereiferten sich, dass der Henker selbst auf diese Weise gehenk gehört. Irgend jemand drittes stimmte ihnen zu.

"Sag mal...", sprach er wie beiläufig, "du hast gesagt, dein Schüler ist abgekratzt. Du brauchst nicht rein zuuufällig einen Neuen? Ich kann dir auch immer frische Leichen besorgen. Und ob du nach Shiamahara oder sonst wo hin reist, ist mir dabei Schnuppe. Aber die Bezahlung muss stimmen."
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#24

Beitrag von Kor » Sa 21. Mär 2015, 13:41

Kor hörte den Beiden höflicherweiße zu, doch verstand er kaum etwas, was ihn mehr und mehr nervte. Zähneknirschend versuchte er sich zu beherrschen. Als jedoch die Worte "Totenbeschwörer", "mysteriöse Weise [...] umgekommen" und "der Sache nach gehen" hörte wurde auch er hellhörig und strengte sich noch mehr an zu verstehen was er sagte. Der Andere, der sich als Selan vorgestellt hatte, hörte jedoch nun auf zu reden und was der andere von sich lies war nicht mal halbherziges Zuhören wert...

Kor setzte sich und dachte nach, während seine Gefährtin sich an ihn schmiegte und beschloss zu antworten.
ZwangsweiĂźe verwandelte er sich zurĂĽck und sagte: "Mit...reis'n!"" So war es also beschlossen.
Er wĂĽrde sich das ansehen.

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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#25

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:41

Immer noch etwas in Gedanken versunken, stand Selan da und wartete gespannt auf die Reaktion des Fremden. Hoffte er doch, dass er damit eine Reaktion bei ihm auslösen konnte. Minutenlang starrte er ihn an, bis ein schnell vorbei fliegendes Objekt vor seinem Gesicht ihn aus einer Starre löste und erschreckte. Eilig drehte er sich zur Seite und wollte sehen, wer ihn angreift. Doch war das schnell vorbei fliegende Objekt keine Faust, wie Selan erst vermutete, sondern nur ein alter brauner vergammelter Lederball mit denen ein paar Kinder herum spielten. Ohne Angst rannten die vier zwischen Selan und den anderen herum und erfreuten sich einfach an ihrem Spiel. Selan musste etwas lächeln, es ist schön wenn Kinder noch so ungestört spielen können.

"Mit...reis'n!", ertönte plötzlich die Stimme des Fremden.

Mit vielen Reaktionen hatten Selen gerechnet, jedoch mit dieser nicht. Welchen Antrieb sollte er haben mit reisen zu wollen, ist er ein Einzelgänger und hasst andere Lebewesen, ist es Neugier?
Verdutzt sah Selan den Fremden an und abermals gingen ihm die warnenden Worte seines Lehrmeisters durch den Kopf, aber ignorierte er sie. Hatte der Nekromant doch die Ansicht, dass alles Leben im Grunde genommen gut ist und das böse wie eine Schale nur abgeschält werden müsste, um den guten Kern zum Vorschein zu bringen.

"Nun, diese Antwort habe ich nicht erwartet, aber du bist bei Selan herzlich willkommen! Eigentlich gar nicht schlecht, allein Reisen macht nicht immer Spaß und du bist sicher ein Interessanter Begleiter. Schön jemanden zum Kochen zu haben, mit dem man Tee trinken und philosophieren kann. Ja, ich denke mir, du könntest ein guter Reisegefährte werden, obwohl wir echt noch an deinen Sprachgewohnheiten arbeiten sollten.", grinste Selan zufrieden vor sich hin.

Etwas nervös schaute Selan so gleich in die Gruppe der Tieflinge, die sich im großen Bogen um ihn und seine zwei neuen Bekannten aufgebaut hatten. Viele benahmen sich ruhig, doch waren auch immer wieder erzürnte Gesichter zu sehen. Gesichter die Gedanken verrieten die eindeutig darauf abzielten dem Henker Schmerzen bereiten zu wollen. Hier und da waren schon Mistgabeln, Messer und Flundern zu sehen, die nur darauf warteten ihr Unheil an zu richten. Es rumorte immer mehr in den Leuten, hatte man doch nicht vergessen, was der Henker anrichtete. Eine einzige Kleine unbedachte Aktion könnte nun das Fass zum überlaufen bringen und die noch relativ ruhige Gruppe in einen tosenden Mob verwandeln.

"Also wenn du mich fragst Henkerchen, warum kommst du nicht gleich auch noch mit auf die Reise?"

"Ja genau, geh mit du Pfuscher!", schrie plötzlich eine kratzige Männerstimme aus der Tieflingsgruppe.

"Richtig Herbert, gute Worte! Verschwinde du geflĂĽgelter Idiot!", entgegnete es von einer anderen Person unweit entfernt.

Schon flogen die ersten Essensreste und halb durchgebratenen Fische aus einem nahe gelegenen Fischstand Richtung Urako.

"Nimm das du Henker für Arme!", schrie es plötzlich aus einem etwas weiter entfernten Stand. Das einzige was sich Selan bei diesem Anblick nur noch denken konnte, ist wie ein kleiner Tiefling ein locker drei Kilogramm großes Stück Drachenfleisch so weit werfen konnte und vor allem so preziese Richtung Urako.

"Meiner Meinung nach wollen dich die Leute auf sehr eindrucksvolle Art und Weise darauf aufmerksam machen, dass du hier zur Zeit nicht erwünscht bist, voraus gesetzt ich verstehe das richtig. Ich würde ja Beruhigungstee für alle empfehlen, am besten Johanniskraut, doch wie ich vorhin schon fest stellen musste, sind hier alle Teebanausen. Keinen Sinn für erlesenen Geschmack, jedoch sind sie um so streitlustiger. Drum, wäre da nicht eine schöne Reise genau das richtige? Einer mehr oder weniger auf der Reise macht mir auch nichts aus. Wäre unter umständen das beste für dich, wenn du dich hier eine weile nicht blicken lässt, bis Gras über die ganze Sache gewachsen ist?!"

"Johanniskraut Tee? Gras drüber gewachsen? Sag mal spinnst du Kurzer?", kam plötzlich eine donnerndes Stimme aus der Masse der Tieflinge, "dieser Kerl ist das letzte, als Henker genau so ungeeignet wie als, als, als, als, ähmmm....ja er ist eben ungeeignet. Eine Katastrophe und wir wollen ihn hier nicht mehr, stimmst Mittieflinge?"

"Genau!", schrie eine Frauenstimme.

"Richtig!", meldete sich ein alter Tiefling mit erhobenen KrĂĽckstock.

"Sollten wir ihn nicht selber Henkern?", überlegte laut plötzlich der Fleischer in seinem Stand.

"Der beste Vorschlag des heutigen Tages!", gab wieder die donnernde Stimme von sich.

Damit war das Fass übergelaufen und mit einem gemeinsamen Aufschrei, "Holt ihn euch!", setzte sich der entfesselte Mob in Bewegung. Nun wurde es bremslig, in windes Eile breitete Selan seine schwarzen Schwingen aus und mit einem kräfigen Sprung erhob er sich in die Lüfte. Viel nützen würde ihm dies allerdings nicht, da sicher die mindestens zwei Drittel aller Tieflinge Flügel oder Schwingen haben.

Als Selan schon etwas höher gestiegen war, schaute er noch einmal kurz zu Urako zurück. "Ach so, noch ein Grund mehr vielleicht mit zu kommen, als nur jetzt deine Haut zu retten wäre die Ausbildungsstelle bei mir. Möglich wäre das, Bezahlen könnte ich dich auch etwas. Aber ich denke mal, wir besprechen das in aller Ruhe bei einer schönen Tasse Kamilletee, wenn wir dem Mob entkommen sind oder?"
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#26

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:42

Langsam formierte sich das Volk zu etwas, das einem Lynchmob verdächtig ähnlich sah. Urako klappte der Unterkiefer nach unten.
„Ihr wollt den Henker henken?“, fragte er fassungslos. „Ich dachte, das habt ihr vorhin nur so aus Spaß gesagt ...“
Der Schock ließ ihn wertvolle Sekunden einfach nur erstarrt dastehen, hilflos seinen Krug umklammert, ehe ihm dämmerte, was er da soeben gesprochen hatte. Der Krug fiel zu Boden und zersplitterte, heißer Tee durchweichte Urakos Fußlappen.

Dann drehte er sich um und rannte um sein Leben.

Hinter ihm erhob sich ein Orkan aus wütenden Stimmen, links und rechts neben ihm schlugen Tonkrüge, Steine und andere harte Gegenstände ein, etwas traf ihn am Rücken. Er stolperte und wäre fast gestürzt, kurz vor ihm blieb ein Messer zitternd in den Holzdielen stecken. Das Stolpern hatte ihm das Leben gerettet.
„Selan, hilf mir“, brüllte er. Er sprang im Laufen ein paar Sätze und schlug verzweifelt mit den Flügeln, doch schaffte es in der Aufregung nicht, sich in die Lüfte zu erheben.
„Ich schaff`s nicht“, rief er verzweifelt und streckte die Hände nach dem Tiefling aus, der über ihm flog und jetztnoch einmal innehielt und sich zu ihm umdrehte.

„Ach so, noch ein Grund mehr vielleicht mit zu kommen, als nur jetzt deine Haut zu retten wäre die Ausbildungsstelle bei mir. Möglich wäre das, Bezahlen könnte ich dich auch etwas. Aber ich denke mal, wir besprechen das in aller Ruhe bei einer schönen Tasse Kamilletee, wenn wir dem Mob entkommen sind oder?“

„Quatsch nicht dumm, hilf mir!“, keuchte Urako und griff hektisch flatternd nach Selans Füßen.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#27

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:43

Wie ein wild gewordenes Huhn flatterte der gehörnte Urako mit den Flügeln, dicht gefolgt von einem wütenden Mob, der ihn nur zu gern die Flügel gestutzt hätte.

„Quatsch nicht dumm, hilf mir!“, flehte Urako, Todesangst war in seiner Stimme zu vernehmen. Seine Adern pulsierten, man konnte es beinahe sehen, wie sein Herz unter seiner Kleidung vor Angst schlug.

Selan stoppte im Flug, vollzog eine Wendung, breitete seine Flügel so mächtig es ging aus und sprach. "Schluss jetzt, ich habe es mit guten Worten versucht. Noch weitere male mit guten Worten, selbst die erlesensten Teesorten habe ich euch angeboten, um die erhizten Gemüter zu beruhigen. Wenn ihr aber des Kämpfens und des Hasses nicht Müde werdet, werde ich nun ein Zeichen setzen müssen."

Dieses mal schienen die Worte bei den aufgeregten Leuten Wirkung zu zeigen. FĂĽr einen kurzen Augenblick gab es einen Kollektiven halt. Doch war dieser nur von kurzer Dauer.

"Wenn du jetzt noch eine Ansprache hällst, gibts gleich noch Flunder ins Gesicht! Interesse?"

"Haltet ein.", war eine alte weibliche Stimme zu hören, auf die die nun schon wieder aufgebrachte Meute hörte.

"Jungchen, hör auf, was interessiert es dich wenn der Hänker gehängt wird? Es ist der Kreislauf des Lebens. Alles hat einen Anfang, alles hat ein Ende. Alles sollte beendet werden, wie es begonnen hat. Darum denke ich, hat es doch etwas für sich wenn ein schlechter Hänker gehängt wird. Meiner Meinung nach schließ dies den Kreislauf des Lebens.", erklärte sie mit durchdringenden weisen Worten unter dem Zustimmenden Nicken vieler Tieflinge um sie herum.

"Ja sie hat recht, dass ist echt scheiĂźe!"

"Das heiĂźt weise du Idiot!"

"Sagte ich das nicht? Egal, hängt ihn!"

"Eigentlich hat deine Einwendung etwas für sich geehrtes Mütterechen. Weise Worte, mit einem sehr interessanten Philosophischen Hintergrund, wir sollten uns später mal zu einem Täasschen Reubustee Treffen, ich geb auch einen aus. Trotz dessen, nein ich muss darauf bestehen, dass Urako mit kommt."

Selan breitete seine Arme aus! In sich gekehrt wurde er, mit seinen Armen vollführte er in langsamen Bewegungen mystisch anmutende Bewegungen, die keiner der anwesenden schnell nachvollziehen konnte. Nur einen Wimpernschlag später sprach der Nekromant in fast melodischen Versen.

Mortuus exaudivit me
Ego opus opem
Rogo fœtor
Arcerent hostem,
Fiat mihi fugite
Quod in imo hostium
Distentio et foetore plenum eget immortuorum spĂ­ritus


Kalt wurde es plötzlich, wie ein eisiger Hauch des Todes durchfuhr es alle Anwesenden. Gänsehaut bekamen die Tieflinge hier und da. Viele wurden nervös und schauten sich ratlos um. Schreiend sprang eine Tieflingsfrau zur Seite und schaute entsetzt mit den Finger zeigend zum Boden. Nebelschwaden krochen aus dem Boden. Erst beinahe grünlich transparend, waren sie nur kurze Zeit später dunkelgrün bis gilblich. Die ersten Tieflinge sackten in diesem Augenblick zu Boden.

“Was ist das für Rauch und ein ekelhafter Gestank, dass ist ja nicht aus zu halten.”, sprach ein jüngerer Tieflingmann, bevor auch seine Augen sich verdrehten und er wie ein nasser Sack in sich zusammen viel.

Angewiedert hielten sich die Tieflinge sich die Nase zu, während hier und da immer mehr der Tieflinge in sich zusammen sackten. Einige versuchten den Gasen zu entkommen, doch gelang es dem wenigen. Husten und schrein war hier und da zu hören und plötzlich war es still, kein Tiefling stand mehr auf den Beinen. Nur noch Selan und der an seinem Fußhängende Urako waren noch da und schwebten über der grünen übelriechenden Wolke.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#28

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:43

"Mann, was hast du gegessen?"
Urako versuchte, trotz der Aufregung nur durch den Mund zu atmen. Phintias sah aus, als wäre die Pest über das Fürstentum hereingebrochen. Überall lagen reglose Körper verstreut. Obwohl Urako sich mehrere Meter über den grünen Nebelschwaden befand, löste der Gestank heftigen Würgereiz bei ihm aus.
Er ließ Selans Fußknöchel los und flog nun allein. Selan hatte ihn ein gutes Stück nach oben gezogen und von oben startete es sich leichter als vom Erdboden. Urako ächzte, presste die Händ in den Magen und erbrach sich. Seine Augen tränten.

"Du solltest mal zum Heiler gehen und deine Verdauung untersuchen lassen, das hier ist echt ĂĽbel."
Er wischte sich mit dem HandrĂĽcken den Mund ab.
"Lass uns hier abhauen ehe die Saftsäcke wieder munter werden."
Er beschleunigte, um das Dorf hinter sich zu lassen. Als er wieder atmen konnte, ohne sich dabei die Nase zu halten zu mĂĽssen, drehte er sich zu Selan um.

"Also noch mal, in der Hoffnung, dass uns nicht wieder ein daher gelaufener Lynchmob unterbricht. Du hast eine Ausbildungsstelle anzubieten? Ich bin daran interessiert, da ich ganz offensichtlich gerade abgewählt wurde. Und das, obwohl wir noch nicht einmal eine Demokratie haben! Pft, undankbares Gesocks! Dabei habe ich mich meistens bemüht, nett zu sein - habe mich von den Angehörigen bestechen lassen, damit ich nur die harmlosen Folterinstrumente benutze, bin mit jedem Deliquenten höchstpersönlich ins Bett gestiegen, damit keiner jungfräulich sterben muss. Und das ist der Dank!"

Urako hielt auf seine kugelförmige Schilfhütte zu, die sich weit außerhalb des Dorfes in der Krone einer Gramnove befand. Man sah ihr an, dass ein Laie sie gebaut hatte, überall hingen Schilfhalme herunter und die Lücken in den Wänden waren stümperhaft mit Sumpfgras verstopft worden.

Urako schlüpfte durch den Eingang und wühlte in seinen Habseligkeiten. Er raffte zusammen, was er auf die Schnelle greifen konnte und für wichtig befand, darunter ein Messer, eine Angelschnur, mehrere Angelhaken, eine Flasche illegal gebrannten Krabben-Schnaps und seine mehrfach geflickte Kuscheldecke, die er noch aus Kindertagen hatte. Er stopfte alles in einen Umhängesack, zog seine lederne Folterschürze an und seine flauschige weiße Felljacke darüber.

Zum Schluss band er sich seine Kette mit der kleinen Glücksaxt um, die angeblich aus einem echten Henkersbeil geschmiedet war. Ihr Stiel war spiralförmig gewunden und angespitzt, so dass die Kette nicht nur als Glücksbringer und Schmuckstück dienen konnte, sondern auch als Korkenzieher. Dann schnallte Urako sich sein richtiges Henkersbeil wieder auf den Rücken. Er warf noch einen letzten Blick in die ärmliche Hütte, in der sein weniges Hab und Gut nun breit gestreut lag. Dann wandte er sich entschlossen ab und erhob sich in die Lüfte.

Sein Atem stieß ihm als Dampf aus Nase und dem Mund. Er war froh, sich noch seine Jacke geholt zu haben. Er schloss sie mithilfe der kleinen Häkchen und schlug den Kragen hoch.

"Scheiß Kälte! Das hat man nun davon, man wird mit Schimpf und Schande aus seiner Heimat fortgeprügelt, nur weil man einen klitzekIeinen Fehler gemacht hat. Anstatt mich gemütlich mit meiner Flasche ins Nest zu legen und den Feierabend zu begießen, muss ich nun wie ein geprügelter Hund durch die Sümpfe fliegen. Ich hoffe, dein Ausbildungsplatz lässt was springen, so dass ich die Nächte in einer Herberge verbringen kann."
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#29

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:44

"Scheiß Kälte! Das hat man nun davon, man wird mit Schimpf und Schande aus seiner Heimat fortgeprügelt, nur weil man einen klitzekIeinen Fehler gemacht hat. Anstatt mich gemütlich mit meiner Flasche ins Nest zu legen und den Feierabend zu begießen, muss ich nun wie ein geprügelter Hund durch die Sümpfe fliegen. Ich hoffe, dein Ausbildungsplatz lässt was springen, so dass ich die Nächte in einer Herberge verbringen kann."

Selan sah Urako nachdenklich an. Wollte er so jemanden wie Urako wirklich zu seinem neuen Lehrling machen? Ungehobelt, brutal, faul, nach Alkohol trinkend, allgemein stinkend, dass waren wohl noch die besseren CharakterzĂĽge Urakos, die Selan auf der Stelle einfielen. Doch wollte dem Tiefling der Gedanke nicht aus dem Sinn, dass sich hinter dieser arg rauhen Schale vielleicht doch noch ein weicher Kern befindet, der nur darauf wartete frei gelegt zu werden. Wenn Selan in seinem Leben und den langen Reisen gelernt hat ist es, dass nichts so ist wie es auf den ersten Anschein wirkte.

"Kleiner Fehler sagst du? Die Frau ist nicht gehängt worden sondern ist krepiert, mal ehrlich! Und das dir dies die Leute übel nehmen, nun ja ich kann es keinen verübeln, obwohl ich doch dann den Mob ein klein wenig übertrieben fand. War ja schon lange nicht mehr in der guten alten Heimat, ist das hier seit neuestem Sitte bei euch? So organisiert wie das ablief könnte sich so ein Mob fast noch zum Vokssport entwickeln. Wäre doch ein klasse Mannschaftssport, der den Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Tieflinge positiv beeinflussen könnte, meinst du nicht? Immerhin merke ich das es mit den Tieflingen bergab geht, viele sehen schlecht gelaunt aus und das Feuer in den Augen scheint auch nur noch zu glimmen.... Nun ja genug Heimat, brechen wir auf, folge mir."

Mit einem beherzten Sprung aus den höhen des Mangrovenbaumes stürzte der Tiefling in die Tiefe um nur kurz darauf seine schwarzen mayestätischen Schwingen aus zu breiten.

"Um auf deine Frage von gerade zurück zu kommen, Lehrling Urako. Mhh Lehrling, nein ich werde dich absofort Knappe nennen, passt eindeutig besser zu dir!", grinste Selan zufrieden, "einen richtigen Lehrling hatte ich noch nie ausgebildet. Eigentlich wollte ein guter Freunde von mir in einigen Wochen bei mir eine Lehre anfangen, nur leider ist er wie ich dir ja vorhin schon erzählt habe unter mysteriösen umständen in Shiamahara umgekommen, als er mir Informationen eines geheimen Totenbeschwörer Kultes zukommen lassen wollte. Dorthin wird uns unsere erste Reise führen, ich will heraus bekommen, was es mit diesen ominösen Kultes auf sich hat und wer am tode Shodyn`s schuld hat." sprach Selan mit verbitterter und Wut geladener Miene.

Selan athmete tief durch und langsam bekann in ihm wieder die tiefe Rehe ein zu kehren, die fĂĽr ihn so typisch ist. Aber erst einmal der Reihe nach, dies ist unser Reiseziel Urako.

"Um auf den Punkt zu kommen, fĂĽr mich ist ein Lehrling neu, habe in der Lehrlingsausbildung noch wenig Erfahrung und werde mich darum an die Ausbildungsregeln meines Lehrmeisters halten, die ich fĂĽr gut und richtig empfinde. Die erste Regeln lautet keine Bezahlung, dafĂĽr um so mehr Arbeit und Lernen! Von nichts kommt nichts mein lieber. Jedoch bekommst du von mir freie Kost und Unterkunft. Erst wenn du nicht mehr nur Lehrling bist, sondern dich mauserst zum richtigen Gehilfen ohne Abschluss, wirst du Lohn fĂĽr deine Arbeit bekommen. Vorher wie gesagt sage ich nur Lernen, Lernen, Lernen und noch mals Lernen! So wars bei mir auch und schau was fĂĽr ein toller Kerl aus mir geworden ist!"

Selan flog zufrieden langsam tiefer und näherte sich nach einem kurzen flug über eine grüne Heide einer größeren Baumgruppe.

"Damit wäre unser kleiner Flug auch schon beendet, wir sind dei deinem neuen zu Hause anfekommen."
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Urako
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Die Freien Völker Rote Laterne

Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#30

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:48

„Und wenn schon, dann ist sie halt qualvoll krepiert, wen juckt das? Tot ist tot, ob heute durch den Strang, morgen durch den Pfahl oder irgendwann an Altersschwäche. Es läuft alles auf das selbe hinaus. Das ist auch einer der Gründe, warum ich bei meiner Arbeit kein schlechtes Gewissen habe – irgendwann wären die Leute sowieso gestorben.“

Die noch immer sehr tief stehende Sonne spendete keine Wärme. Ihr fahles Licht spiegelte sich im braunen Wasser und den Inseln aus Morast, auf denen nur vereinzelt kränklich aussehende Pflanzen wuchsen. Welkes Schilf wiegte sich und raschelte mit seinen toten Blättern. Der kalte Wind pfiff durch Urakos Kleidung, doch durch das Fliegen wurde ihm langsam warm. Er war nicht sehr ausdauernd, obwohl er seine Freizeit oft damit verbringen musste, seine Nahrung selbst im Sumpf zu sammeln, da er seinen geringen Lohn lieber für Alkohol ausgab anstatt für Lebensmittel vom Markt. Und Urako brauchte inzwischen viel von dem Fusel, damit er eine Wirkung verspürte. Die letzten Monate hatte sein Geld darum noch nicht einmal mehr für die schäbigste Freudenhütte gereicht, was Urakos chronisch schlechte Laune auch nicht gerade verbesserte. Sein Flügel streifte einen Gramnovenzweig und kalte Tautropfen regneten auf ihn herab.

Selan erkundigte sich nach der ungewohnt aggressiven Stimmung des Volkes. Die Frage entlockte Urako ein schiefes Grinsen.
„Tja, als mein Vater noch Fürst war, hat Zucht und Ordnung geherrscht“, brüstete er sich. „Da hätten sie sich das nicht getraut. Aber leider ist er vom Rat nicht wieder gewählt worden. Ich habe übrigens auch kandidiert, aber mich wollten sie sogar noch weniger. Ich hatte nicht mal eine einzige beschissene Stimme. Verdammte Ignoranten!“

Der morgendliche Nebel begann unter den Strahlen der Sonne zu weichen und die ersten Insekten stachen in Urakos Haut. Gewohnheitsmäßig klatschte er sich im Fliegen immer wieder auf den Hals oder die Flügelansätze. Sein Schweif peitschte unentwegt hin und her wie der einer Kuh, die von Fliegen belästigt wurde.

„Aber der Typ, der gewählt wurden, ist auch nicht schlecht, der ist schön konservativ. Immerhin hat er die Todesstrafe wieder eingeführt. Was auch Zeit wurde, unsere Kerkergramnove ist fast aus all ihren miteinander verknoteten Ästen geplatzt. Verfluchtes Saupack!“

Sie überquerten eine tiefere Stelle, in der Urako am Abend zuvor eine Reuse ausgelegt hatte. Da sie auf dem Boden nirgends landen konnten, ohne im tödlichen Morast zu versinken, fischte er die Reuse im Flug heraus und setzte sich mt ihr ins Geäst. Er pulte zwei Krabben heraus. „Besser als nichts“, fand er, klopfte die Tiere mit dem Knauf seines Messers tot und verstaute sie in seinem Gepäck. Leider war die Reuse zu sperrig, um zu sie mitzunehmen, so dass er sie ins Geäst hängte und dort zurück ließ. Er glaubte nicht, dass er sie so schnell wieder heraus holen würde.

„Ich find`s übrigens ganz gut, dass dein Freund abgenickt wurde. Muss wohl Schicksal gewesen sein, denn sonst hätte ich jetzt keine Arbeit. Irgendwann muss auch jemand wie ich mal Glück haben! Und du hättest keinen so tollen Lehrling.“
Er flog dichter neben Selan, damit dieser ihn auch ja gut verstand.
„Aber auch wenn ich dein Lehrling bin – dass ich dich Meister nenne kannst du voll vergessen! Ach ja, und dass ich am Anfang noch keinen regulären Lohn bekomme, ist in Ordnung, aber ich will ein Taschengeld. Immerhin muss ich mir ab und zu mal auch etwas kaufen können.“
Er dachte an die Freudenmädchen, für die Shiamahara bekannt war.

Selan hatte ein recht schnelles Tempo eingeschlagen und Urako keuchte bald. Die Wasserlachen wurden nach einiger Zeit immer kleiner, erstes Gras zeigte sich. Bald war der Boden so trocken, dass sie landen konnten. Urako ekelte sich vor der Erde zwischen seinen nackten Zehen. Seine Fußsohlen waren lediglich Baumrinde und Holzplanken gewohnt. Er trat unentwegt von einem Fuß auf den anderen. „Wie jetzt, das soll mein neues zu Hause sein? Du haust wie ein Penner in einer scheiß Baumgruppe?“
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

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