Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprĂŒnglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Überfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Arafis
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#31

Beitrag von Arafis » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:25

Wie zu einer SalzsÀule erstarrt stand Arafis da und beobachtete das Geschehen um sie herum. Ein Gott? Athronos? Oder doch nur irgendwelche Zauberei? Vielleicht hatte sich ja auch Selan diesen Streich ausgedacht, um sie alle zu befreien. Doch Selan war nirgends zu sehen.
Arafis duckte sich und suchte vorsichtshalber hinter den Tieflingen Schutz.
Wer auch diese Gestalt war, welche Blitze vom Himmel regnen lassen konnte, sie war wĂŒtend.
So beobachtete sie nur stillschweigend und möglichst unauffÀllig die Szene, welche sich bald um das Abbrennen des Tempels drehte.
Die Wölfin konnte die Angst der Tieflinge förmlich wittern, bloss Ibn gab sich unbeeindruckt von dem Schauspiel und behauptete noch immer, dass alles nur eine TÀuschung sei.
Plötzlich ĂŒbernahm Urako das Kommando: „Los wir verziehen uns!“
Nur zu gern folgten die anderen ihm und so trabte auch Arafis hinter der kleinen Truppe her.
Plötzlich stieg Arafis ein Geruch in die Nase, den sie noch nie gerochen hatte. Sie verzog das Gesicht und blieb irritiert stehen.
Ihre GefÀhrten hingegen zögerten nicht, und betraten die Schenke, von welcher diese seltsame Duftnote auszugehen schien.
Als die TĂŒr aufging und der beissende Geruch in Arafis feine Wolfsnase eintrat, winselte sie kurz auf, und drehte sich von diesem Ort fort.
Sie vermutete, dass die Truppe nicht so schnell wieder aufbrechen wĂŒrde, so sehr hatten Urako’s Augen geleuchtet vor Freude und Wonne.

Stattdessen dachte Arafis wieder an Selan. Wo war er bloss geblieben?
Sie ĂŒberlegte kurz, wo sie ihn das letzte Mal gesehen hatte
das musste in dem Tempel gewesen sein. Hoffentlich war ihm nichts geschehen!
In Eile lief sie den Weg zurĂŒck zu dem Platz, wo sie von der schwarzen Gestalt aufgehalten worden waren. Sie war verschwunden, genauso wie auch Ibn sich in Luft aufgelöst zu haben schien.
Suchend schnĂŒffelte Arafis herum, bis sie meinte, einen vertrauten Geruch nach Tee und GewĂŒrzen wahrzunehmen.
Sie folgte ihrer Nase und wurde nicht enttĂ€uscht. In einiger Entfernung sass Selan auf einer Holzkiste. Er schien verzweifelt und traurig zu sein, doch er lebte. Freudig wedelte Arafis mit ihrer Rute und lief auf Selan zu, um ihm freundlich ĂŒbers Gesicht zu lecken.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#32

Beitrag von Ainuwar » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:25

„Ihr solltet euch mal sehen, ein Haufen Waschweiber!“
Er trat einen Schritt vor und stemmte beide HĂ€nde in die dĂŒrren HĂŒften.

„Und wenn ich es gewesen bin, was dann? Hm?“
Er streckte seine HĂŒhnerbrust heraus.

„Eine derart schlechte Illusionsmagie habe ich schon lange nicht gesehen. Der Kontrast zur Realumgebung ist viel zu schwach und die Frequenz der Schwingungen ist vollkommen unrealistisch. Das Machwerk eines Amateurs.“
Er spuckte in den Schatten hinein.

„Was? Du wagst es? Hast du keinen Respekt vor Göttern? Vor mit Athronos?“

„Pfft Götter? Hab doch gerade schon gesagt das dein Hokos Pokus eher Hokus ganz schwachus ist. Sieh dir mal allein deine Blitze an, die Treffen ja kaum mal einen Baum! Zu dumm fĂŒr Flammeneffekte, nach einem Lichteffekt oder kannst du nicht zielen? FĂŒr wie Dumm hellst du uns? Stimmt`s Leute? Leute?? Leute??? He????“

Schnell blickte sich Ibn um, jedoch vom Rest seiner Gruppe war nichts mehr ĂŒbrig.

„Feiglinge! WĂŒrmer! Mistmaden! Alben!“

„Na, hast du nun Angst, nach dem deine Freunde weg sind?“, brummte Athronos schon etwas amĂŒsiert vor sich her.

„Ich? Nein? Warum? Bist ja immer noch da!? Ich werde jetzt auch gehen, mach`s gut und das nĂ€chste mal besser! Diese plumpe Zauberei kann ja keiner auf Dauer ertragen....“

Dutzende blaue Blitze zuckten mit einem male vom Himmel herab und schlugen um Ibn herum in den Erdboden ein. Erde und Staub erzeugten eine Dicke Dreckwolke die vom Einschlagen der Blitze her rĂŒhrte.

„Hier geblieben, elender Sterblicher!“, grollte ein Furchterregender Stimme durch die Gassen und Wege der Stadt, als wĂŒrde die Stimme von ĂŒberall gleichzeitig her kommen.

„Was denn nun noch, kannst du mich nicht in Ruhe lassen und zur Abwechslung mal jemanden anders belĂ€stigen? Wie Ă€hmmm...“

Ibn blickte sich schnell um und zeigte in die Richtung einer Seitengasse in der ein versoffener Penner lag und dem Schauspiel der beiden interessiert und gleichzeitig verstört zusah. „Wie wĂ€re es mit dem besoffenen da?“

„Ich bin *hix* nicht besoffen!“, lallte es aus der Gasse heraus.

„Doch bist du, besoffen wie ein Schwein und dein Geruch, nein dein Gestank belĂ€stigt mich sogar in 15 m Entfernung!“

„Was bildest du dir ein, ich stinke nicht und besoffen bin ich auch nicht, ich sitze hier nur so herum!“

„NatĂŒrlich stinkst du und gesoffen hast du auch, was ist das da in deiner linken Hand, mhhh?“, reagierte Ibn nun lauthals auf den alten Mann.

„Das ist, Ă€hmmm....“, schnell versteckte der alte die Flasche hinter seinem RĂŒcken, „ich hab gar keine Flasche, hast vielleicht du zu viel getrunken, dass du schon Dinge siehst die nicht da sind?“, lachte der alte aus ganzem Herzen und klopfte sich dabei mit der rechten Hand auf sein rechtes Knie.

„Du....“

„Gebt endlich Ruhe, beide!“, wurde Ibn unhöflich von einem sichtlich erzĂŒrnten Gott unterbrochen.

„Du gibst jetzt Ruhe!“, sprach Ibn und hob seine rechte Hand Richtung Athronos, nur einen Liedschlag spĂ€ter schoss ein Feuerball von rund 20 cm in Richtung Athronos Kopf und verpuffte an ihm.

Mit weit aufgerissenem Mund stand Ibn da und sah was gerade geschehen war. „Das Trugbild.... mĂŒsste doch eigentlich zerstört sein oder zumindest flackern. Warum ist es noch da, dass verstehe ich nicht? Bist du etwa doch?“, stotterte Ibn vor sich her.

Ibn zitterte am ganzen Körper, Schweiß lief ihm vom Kopf. Blankes Entsetzen spiegelte sich in seinen Augen wieder, pure Angst, vor dem was nun kommen wĂŒrde. SpĂŒrte er schon auf seiner blass gewordenen Haut, den leichten Atem des Todes.

„Ibn Altsalat! Dein Ende ist mit dieser Frechheit gekommen, deine Seele Kehre in mein Reich ein!“, waren die letzten Worte die Ibn hörte, bevor Athronos seinen linken Arm in den Himmel streckte und darauf sofort nach unten schlug.

Das nĂ€chste was der alte Mann sah, war ein Blitz unglaublicher GrĂ¶ĂŸe, der Richtung Erdboden schoss. Ein ohrenbetĂ€ubender Knall hallte dabei durch die Stadt. Vor Schmerzen krĂŒmmte sich der Alte. Das immense Licht des Blitzes schmerzte in den Augen und der anschließende Knall brachten seine Ohren beinahe zum bersten, doch dann war alles ruhig.

Es dauerte einige Minuten, bis der Alte halbwegs wieder bei sich war. Voller Staub war seine Kutte, die ganze Luft roch verbrannt und war von Dreck durchzogen. So das die Hand vor Augen kaum zu erblicken war.
Trotzdem versuchte der Alte etwas zu erkennen und bemĂŒhte seine Augen. Er kniff die Augen zusammen, um das weiter Schauspiel mit verfolgen zu können. Doch als der Staub sich lichtete, war der dunkle Himmel verschwunden, auch die merkwĂŒdige Gestalt war nichts mehr zu erblicken.

Plötzlich zuckte der alte zusammen, denn traute er kaum was seine Augen ihn offenbarten, als er das zehn Meter Durchmesser große und drei Meter tiefe Loch sah, wo noch gerade der Kerl mit der großen Klappe stand, was nur knapp vor seinen Zehenspitzen anfing.

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#33

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:26

Immer noch kam Selan alles nur wie ein dumpfer, surealistischer Traum vor. Konnte es wirklich sein, dass Urako und Arafis, Selan betrogen hatten? War er nur eine Marionette in ihren Fingern gewesen?

Die Gedanken Selan`s drehten sich nur so umher, wĂ€hrend er das Schauspiel am Himmel beobachtete. Etwas unheimliches ging von ihm aus, war es doch kein normales Unwetter was hier wĂŒtete. Die innerhalb von Sekunden einbrechende Dunkelheit, die Orkanböen, die blauen Blitze. All dies lies nur darauf schließen, dass hier etwas mĂ€chtiges am wirken war.

>Ob das die Strafe Athronos ist, an der Person von der er geredet hatte oder ist es wegen seinem Tempel? Was hatte er denn vorhin noch gesagt, er redete sehr verworren, was war es denn noch, Selan denk nach.... Ach, es ist zum verrĂŒckt werden, keinen klaren Gedanken kann man mehr fassen.<, seufzte Selan vor sich her, als ihm ein starker Windstoß plötzlich mehrere Leinenhosen ins Gesicht schleuderte.

"Heeee, sie da lassen sie meine WÀsche in Ruhe, elender Schuft, RÀuber!", krakelte nur einen Augenblick spÀter eine Àltere Stimme.

Vorsichtig schob er je ein Hosenbein nach links und rechts um wieder etwas sehen zu können. Keine zehn Meter entfernt erblickte er eine Ă€ltere Frau, welche sichtlich wĂŒtend mit einem alten KrĂŒckstock nĂ€her kam.

"Das ist ein MissverstÀndnis gute Frau, ich habe ihre WÀsche nicht gestohlen. Der Wind hat mir ihre Sachen in die Arme geweht."

Schnell hatte er die drei Hosen unter den bösartigen Augen, der Alten vom Kopf geholt und sogar noch zusammen gelegt.

Selan ĂŒberreichte die WĂ€sche mit dem schönsten LĂ€cheln, was er in seiner jetzigen Lage aufbringen konnte, "Bitte sehr, gute Frau, ihre WĂ€sche." Doch war der Dank nicht der den er erwartet hatte, ein nettes Wort. Nein, in Windeseile erwischte ihn der hölzerne KrĂŒckstock am Oberarm. Ein Brennen durchzog seinen ganzen Arm. Wer hĂ€tte gedacht, dass eine so alte Frau, noch dermaßen zuschlagen kann, ging ihm durch den Kopf, reagierte darauf aber nicht.

Augenblicke spĂ€ter hörte und sah er sie noch wild gestikulieren davon stolzieren. Unaussprechliche AusdrĂŒcke kamen ĂŒber ihre Lippen, vom Verfall der Jugend, fehlen jeglichen Anstandes und noch weit aus mehr.

"Unfreundliche alte Dame!", brummte Selan vor sich her.

Schnell drehte sich die alte noch einmal um und erhob den KrĂŒckstock, "Das hab ich gehört!"

Bevor es weitere PrĂŒgel gibt, verschwand Selan in der nĂ€chsten Seitengasse. Ohne Ziel irrte er mit dem Kopf nach unten gebeugt in der kleinen Stadt umher. Wie lange es war konnte er nicht sagen, Minuten, Stunden, wie viele Stunden? Beim besten willen, Selan hatte im laufen das ZeitgefĂŒhl verloren. Nur dass die Wolken sich verzogen hatten und die Sonne hell am Himmel stand, bemerkte er erst jetzt, drum musste es bald Mittag sein. Als er sich an den Rand eines Brunnens niederließ, bemerkte er endlich, dass ihm Urakos Haustier gefolgt war. So wie es schien, hatte sie die ganze Zeit ein Auge auf ihn geworfen und ihn begleitet. Selan musste schmunzeln und etwas wĂ€rme machte sich wieder in seinem Herzen breit, von so einer netten Geste.

"Na du? Gar nicht bei deinem Herrchen? Willst mich wohl ein wenig aufmuntern wie du aussiehst oder? Oh Hilfe, was ist mit mir nur los? Habe ich denn nur noch Fragen ĂŒbrig?"

Selan musste schmunzeln und etwas ĂŒber sich selbst lachen. "Das war ja auch wieder eine Frage. Bei allem was mir teuer ist, was mach ich nur? Urako geht nun seinen Weg wie ich denke und Arafis scheint ihm zu folgen.", Selan atmete tief aus. AndĂ€chtig sah er die Wölfin dabei an. Immer weiter bohrten sich ihre Blicke in die Augen des Tieflings, als wollten sie mitten in seine Seele blicken. Etwas magisches hatte dieser Augenblick fĂŒr Selan, aber war er auch etwas beruhigend fĂŒr ihn.

"Weißt du, was mein alter Meister einmal zu mir gesagt hatte?", erzĂ€hlte er der Wölfin mit einem kleinen lĂ€cheln, "man sollte die Vergangenheit ruhen lassen, besonders wenn sie schmerzlich ist. Genau daran werde ich mich jetzt halten, dass Leben ist zu kurz um sich im Schmerz des vergangenen zu Suhlen. Warte kurz hier, einverstanden?"

Schnell verschwand der Nekromant in einem kleinen Laden nur unweit seiner Sitzgelegenheit entfernt. Es dauerte nicht lang und Selan kam mit einem großen StĂŒck Fleisch zu der kleinen Wölfin zurĂŒck.

"Hier fĂŒr dich, als kleine Belohnung fĂŒr die Aufmunterung. Wenn du willst kannst du mich begleiten, ansonsten wĂŒrde ich dir raten, schnell dein Herrchen zu suchen, nicht das er ohne dich abreißt.", sprach Selan und schlenderte langsam zum Markt zurĂŒck.

Es dauerte einige Stunden bis Ralogg und Selan alles wieder in den Waagen gerĂ€umt hatten und der Karren abfahrbereit war. Schwerlich konnte Ralogg glauben was ihm Selan wĂ€hrend der letzten Stunden und einiger großen Tasse Johanniskraut Tee erzĂ€hlte. Immer und immer wieder gingen beide die Punkte durch, doch am Ende stellte selbst Ralogg fest, dass Selan recht hatte. Die guten Freunde, auch wenn es nur wenige Tage waren, hatten beide betrogen und ausgenutzt.

"Schwer zu fassen Selan! War das denn alles nur gespielt, die ganze Freundlichkeit. Stell dir vor was Urako und ich uns fĂŒr Witze erzĂ€hlten, auch solche die eigentlich nicht weiter erzĂ€hlt werden sollten. WĂŒrde ich noch Leben wĂŒrde ich jetzt knall rot werden! Kannst du dir das vorstellen? Weißt du wie ober peinlich manche Sachen dabei sind? Selan!!!!!!!", begann Ralogg zu schreien, doch dieser erhob nur langsam etwas seinen Kopf und nahm noch einen Schluck Tee.

"Mhhhh, dir setzt das wohl noch mehr zu als mir oder? Erinnert dich wohl an deinen letzten Lehrling, den hattest du ja auch verloren oder?"

TrĂŒbe, wĂ€ssrige Augen blickten Ralogg an, ein Nicken, war die einzige Antwort die Ralogg erhielt.

"Was machst du denn eigentlich nun Selan, wie geht es nun weiter nach Urako, Arafis und diesem Palo- Dings- Da- Orden?"

Selan schnaufte tief durch und verließ seine lĂŒmmelnde Haltung wieder und setzte sich aufrecht auf seinen Stuhl. Selans Blick wurde Besorgnis erregend, dĂŒsterer als sonst, hĂ€rter.

"Ich werde sie aufhalten!"

"Bist du verrĂŒckt???", entgegnete ihm Ralogg sofort total erschrocken.

"Nein, wenn ich es wĂ€re, wĂŒrde ich nichts unternehmen. Ralogg, dieser Orden ist gefĂ€hrlich, sehr gefĂ€hrlich! Verstehst du das nicht? Dagegen muss etwas unternommen werden."

"GefÀhrlich, genau das ist das richtige Wort! Ein Grund mehr uns so weit wie möglich von diesen Schwarzkutten zu entfernen!"

"Falsch! Sie sind eine Gefahr fĂŒr alles hier in Lodranion, egal ob Norden oder SĂŒden! Drum mĂŒssen wir sie aufhalten!"

"Warum wir? Geh doch zu den Königen, die werden dir helfen. Du musst ihnen nur sagen, was passiert ist.", sprach Ralogg und nickte dabei besserwisserisch.

"Was erzĂ€hlen? Das ich in einem stinkigen Abwasserkanal mitten in der Nacht ein paar dunkel gekleidete Herren belauscht habe, die Planen den Gott des Chaos Palion wieder auf er stehen zu lassen. Welche Beweise soll ich vor legen? Wenn es gut kommt, halten sie mich nur fĂŒr verrĂŒckt, mit mehr GlĂŒck, sperren sie mich ein."

"Vergiss nicht den zu hoch redenden, den du weißt schon.“, grinste Ralogg mehr als schelmisch, „Schlechter Scherz oder? Dir ist das wirklich ernst oder? Nun gut, ich habe immer zu dir gestanden, auch wenn es verrĂŒckt war. Zudem habe ich mit Urako noch eine Rechnung offen! Was ist dein Plan?"

"Der Orden will sich in einiger Zeit auf den Reikjah Inseln treffen. Wo genau weiß ich nicht, drum werden wir sofort abreißen und im hohen Norden die Nachforschungen fortsetzen. Vorher mĂŒssen wir jedoch noch den Wagen los werden, den können wir fĂŒr diese Reise nicht mit nehmen."

"Was, der bleibt hier?"

"Wir nehmen nur das nötigste mit, zudem Vestia, mehr geht leider nicht."

"Und wenn ich dir an Land folge, was hÀllst du davon?"

"Durch die Grenze? Mitten durch das Kriegsgebiet? Als Skelett, mit einem riesigen Wagen?", sprach Selan wĂ€hrend er seinen Kopf schĂŒttelte.

"Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht. Einverstanden!"

Selan nickte, "komm hilf mir bitte packen", sprach Selan und verschwand in seinem Wagen.

Die Sonne begann langsam rot zu werden als Ralogg Selan seine knöchrige Hand entgegenstreckte.

"Los Freund, der Wagen ist sicher beim BĂŒrgermeister der Stadt unter gebracht. Wollen wir?"

"Hat dich auch ein stolzes SĂŒmmchen gekostet.", scherzte Ralogg hinter vorgehaltener Hand, "aber ja los gehts, ab zum Hafen in die Wellen der Meere, ich freue mich schon drauf, wenn ich ehrlich bin!"

"Du kommst aber in die Satteltasche von Vestia."

"In die Satteltasche, warum das denn?"

"Denk mal nach, welches Schiff nimmt ein sprechendes Skelett mit? Ich hebe deinen Zauber auf und beschwöre dich spÀter wieder, einverstanden?"

"Habe ich denn eine Wahl? Aber hast du schon ein Schiff im Blick, welches wir nehmen?"

„Der BĂŒrgermeister hat mir eines empfohlen, es legt noch heute Nacht ab.“

„Und wie heißt es?“

„Es heißt [Wellenbrecherin die VII]...“

„Die siebte?“

Mit einem mehr als ungutem GefĂŒhl wurde Ralogg wieder zu einem lebhaften Haufen Knochen und in die Satteltasche Vestias verpackt. Die Dunkelheit nahte, als Selan durch die leeren Gassen in Richtung Hafen lief.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#34

Beitrag von Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:26

Eine unangenehme Stille lag im Wabbligen Walross, eine Stille, die fast greifbar war. Orobas starrte erwartungsvoll den korpulenten Berggipfler an, der starrte zurĂŒck ohne ein Zeichen des Erkennens. Wie auch? Urako hatte das Losungswort vorhin spontan erfunden. Gebannt starrte der Henker in Richtung des Tresens. Es war immer noch leise, die GĂ€ste trauten sich kaum, sich zu bewegen. Jemand hustete, ein Stuhl knarzte.

Orobas` Augen zuckten unruhig hin und her.
„Entschuldigung“, murmelte er schließlich kaum hörbar. „Ich habe sie mit jemandem verwechselt.“
Das Auge des Berggipflers zuckte.
„Ich bitte sie höflichst, ihr wertes Sitzfleisch aus meiner GaststĂ€tte zu bewegen und nie mehr wieder zu kommen“, quetschte er zwischen zusammengebissenen ZĂ€hnen hervor. „Das macht sieben Silberlinge und fĂŒnfundvierzig KupferstĂŒcken.“
„Wie viel?“ Orobas fielen fast die Augen aus dem Kopf.

Urako lachte ihn gedanklich aus. Er war gespannt, was die Berggipfler mit GĂ€sten anstellen wĂŒrden, die zahlungsunfĂ€hig waren. Vieleicht wĂŒrden sie ihn ja zu KĂ€seraspeln zermahlen und als Beilage auf den Salat streuen. Der Henker steckte sich genĂŒsslich die Gabel mit einem großen StĂŒck Dornhammer Edelherb in den Mund.
Orobas drehte sich mit blassem Gesicht zu Nocro um und blickte ihn hilfesuchend an. Der Meister kaute herunter, tupfte sich den Mund sauber und ging zum Tresen. Mit gedÀmpfter Stimme redete er auf den Wirt ein, der sich jedoch stur stellte.

„Ich weiß von keiner Vereinbarung, von keiner Vorauszahlung und auch keinen 13!“, dröhnte er durch die Stille, woraufhin Nocro und Orobas sich erschrocken duckten und mehrmals hintereinander „Pscht!“ machten.
Firxas blickte Urako misstrauisch von der Seite an, der ungerĂŒhrt weiter aß.
„Du hast uns in eine Falle gelockt“, knurrte er leise.
„Quatsch nicht blöde“, sagte Urako unwirsch. „Der Gnom da oder was auch immer das ist weiß bestens Bescheid. Der will bloß doppelt abkassieren, erst vom Kult und jetzt noch mal von Nocro, darum stellt er sich dumm.“
Er nahm ein Röllchen gefĂŒllter KĂ€sescheibe in die Finger und stopfte es Firxas in den Mund. „Da, friss und halt die Schnauze. Es ist alles in Ordnung.“

Wenigstens ein was Gutes hatte seine Arbeit – Urako war in der Lage, in den nervenaufreibendsten Situationen völlig ruhig zu bleiben, so lange es ihm nicht selber ans Leder ging. Weder sein Puls noch seine Atmung beschleunigten sich.

Schließlich kehrte Orobas an den Tisch zurĂŒck, er war aschfahl und glĂ€nzte feucht. Nocro sprach noch immer mit dem Wirt. Die bewaffneten Zwerge am Eingang sahen sich vielsagend an und traten langsamen, schweren Schrittes in den Schankraum, wo sie sich neben der TĂŒr nach draußen postierten.

„Du siehst aus, als ob dir schlecht wĂ€re“, fand Urako. „Willst du deinen KĂ€se nicht mehr?“
Orobas antwortete nicht. Stattdessen starrte er sehnsĂŒchtig zu seinem Zauberstab, der zusammen mit dem von Firxas an der Garderobe neben dem Eingang lehnte. Offenbar hatte er Angst vor den paar ĂŒbergewichtigen Kartoffeln, die der Wirt als Wachleute eingestellt hatte.
Urako speiste.

Firxas hingegen ließ sich nicht lĂ€nger beruhigen und begann mit Orobas zu tuscheln, wobei er dem Henker feindselige Blicke zuwarf. Die Stimmen von Nocro und dem Wirt wurden immer lauter.
„Entweder ihr zahlt die fĂŒnfzig Silberlinge, oder ich lasse die Stadtwache rufen!“
„Was? Wieso jetzt auf einmal fĂŒnfzig? Gerade waren es noch sieben und ein paar Kupferlinge!“
„Das war nur die Rechnung von eurem unhöflichen Begleiter. Mir ist es letzten Endes egal, wer dafĂŒr aufkommt, aber keiner von euch verlĂ€sst diese GaststĂ€tte, bevor die gesamte Summe beglichen ist!“
„Das ist Wucher!“
„Das ist QualitĂ€tskĂ€se!“
Der Streit schaukelte sich hoch.

Urako leckte seinen Teller ab.
Er beugte sich unter den Tisch um zu sehen, ob seine HĂŒndin schon aufgefressen hatte, doch sie war nicht da. Die SchĂŒssel erstrahlte unangetastet in ihrer köstlichen Pracht. Der Henker runzelte die Stirn. War sein Hund ĂŒberhaupt mit in die GaststĂ€tte gekommen? Er konnte sich nicht daran erinnern, zu sehr war er mit der Auswahl der SpezialitĂ€ten beschĂ€ftigt gewesen. Er konnte sie nirgends im Schankraum entdecken. Auf jeden Fall war das Essen zu gut, um es schlecht werden zu lassen.

Er hob die SchĂŒssel auf den Tisch, doch nach dem ersten Bissen stellte er fest, dass ihm Pferdequark nicht schmeckte. Außerdem spannte sich ihm schon der Wanst, nachdem er seine Portion, die halbe von Orobas und noch etwas von Firxas` verputzt hatte. Er konnte nur noch nach hinten gelehnt dasitzen, so dass seine Axt sich ihm unangenehm in die WirbelsĂ€ule bohrte. Er rĂŒlpste und etwas von dem Quark kam zusammen mit einem sĂ€uerlichen Geschmack wieder nach oben. Der Pferdequark bereitete ihm Übelkeit, entweder weil er ihn nicht vertrug oder weil es einfach zu viel gewesen war.

Er packte den Krug Takaresch, um den unangenehmen Geschmack herunter zu spĂŒlen und goss das schĂ€umende Bier in einem Zug hinunter – zumindest hatte er das vorgehabt. Nach wenigen Schlucken kam ihm der Quark entgegen, der eine ganze Kompanie von KĂ€se anfĂŒhrte, die sich gerĂ€uschvoll auf den Tisch ergoss. Das ganze schöne FĂŒrstenmenĂŒ quoll aus dem Rachen und der Nase des Henkers.

„Ihr habt mich vergiftet“, Ă€chzte er gurgelnd.
Dann griff er sich an den Hals und stĂŒrzte polternd zu Boden, wo er in der gelben, krĂŒmeligen Lache liegen blieb. Einen Moment lang starrte der ganze Raum auf ihn. Er blieb zusammengekrĂŒmmt liegen und rĂŒhrte sich nicht.
„Oh, oh! Die Meldung wird den Daimyo nicht erfreuen“, tadelte Nocro mit seiner hohen Stimme und klang dabei wie eine schimpfende Mutti. „Und Bisher hatten die Berggipfler den Ruf einer vorzĂŒglichen KĂŒche.“
„Ja, das Loch der UmsĂ€tze in den nĂ€chsten Wochen könnt ihr hoffentlich mit einem ducken Sparstrumpf auffĂŒllen“, setzte Firxas nach.
„UmsĂ€tze?“, flĂŒsterte Orobas dĂŒmmlich.
„Einnahmen! Pinkepinke! Dein Kopf ist so löchrig wie ein Laib Dornhammer Edelherb!“, zischte Firxas zurĂŒck. „Und genau so ekelerregend! Kein Wunder, dass Urako tot umgefallen ist!“
„Was, tot? Ich dachte, der ist ohnmĂ€chtig!“ Orobas schien aufrichtig erschĂŒttert.
„Quatsch, natĂŒrlich ist er tot“, erklĂ€rte Firxas mit Nachdruck und Nocro stieg sofort darauf ein: „Gestorben wegen minderwertiger Milchprodukte aus der hauseigenen KĂ€serei. Ich höre schon die Herolde rufen: Extrablatt! Shogunat Heinan vergiftet amtlichen WĂŒrdentrĂ€ger aus Phintias!“
„Am... amtlichen WĂŒrdentrĂ€ger?“, stammelte der Wirt.
„Der Sohn des FĂŒrsten“, posaunte Firxas. „Höchstpersönlich! Wenn auch des ehemaligen. Ein ganz hohes Tier.“
„Oh weh, die politischen Folgen wage ich mir gar nicht auszumalen!“, sinnierte Nocro voller Tragik.

Einen Moment herrschte Stille. Urako hĂ€tte gern das Gesicht des Berggipflers gesehen, doch er wagte nicht, die Augen zu öffnen. Er hörte, dass der kleine Mann beim Atmen Ă€ngstlich schnaufte. „Die Rechnung geht auf`s Haus“, sprach er mit zittriger Stimme. „Und vielleicht hilft diese Flasche erlesener SchwarzlĂ€nder Blutwein ja dabei, die schrecklichen Ereignisse fĂŒr immer zu vergessen. Auch den ĂŒbrigen GĂ€sten wird nach einem Kelch davon leichter ums Herz werden und niemand braucht sich mehr Gedanken ĂŒber die tragischen Ereignisse zu machen oder jemanden anderes damit belasten. Ich werde mich um alles kĂŒmmern. Habt nun keine Bedenken, meine GaststĂ€tte zu verlassen, ich kĂŒmmere mich um alles.“

Zufrieden nahmen Nocro und die beiden Kampfmagier ihre Habe von der Garderobe und verließen den Raum. Urako war zutiefst empört. Sie ließen ihn einfach hier liegen - ihn, den Sohn des FĂŒrsten! DafĂŒr hatten die Berggipfler fĂŒr seinen vermeintlichen Leichnam Verwendung. KrĂ€ftige HĂ€nde packten seine Fußknöchel, ein paar weitere griffen ihm unter die Arme. Er hatte den Impuls, die Augen auf zu schlagen und Buh! zu sagen, doch er hielt dies fĂŒr weniger klug. Immerhin war er nicht so dumm wie Orobas. Man hob ihn ein StĂŒck an und schleifte ihn ĂŒber die Holzdielen, einen Gang entlang und ins Hinterhaus. Niemand machte sich die MĂŒhe, dabei seine kostbaren FlĂŒgel oder seinen Schweif anzuheben, stattdessen trampelten schwere Schuhe mit harter Sohle noch darauf herum. Urako versuchte, sich nichts anmerken zu lassen und so tot wie nur möglich zu erscheinen.

„Wir gehen durch den Hinterausgang, gleich zum Abdecker“
, kommandierte der eine Berggipfler. „Der lĂ€sst sicher ein hĂŒbsches SĂŒmmchen springen. Im Norden zahlen sie ein Vermögen fĂŒr TieflingsschĂ€del, die sind dort so selten wie bei uns die Gnome. Wenn der Abdecker den richtigen ZwischenhĂ€ndler findet, hat er fĂŒr die nĂ€chsten Wochen ausgesorgt. Und wir auch.“

Es knirschte, als Urakos Schwanzspitze unter einen Stiefel geriet. Mit einem markerschĂŒtternden Schrei bĂ€umte er sich auf, die beiden Berggipfler kreischten genau so laut wie er und ließen ihn vor Schreck fallen. Der Henker rappelte sich mit zusammengebissenen ZĂ€hnen auf die FĂŒĂŸe. Es fĂŒhlte sich an, als hĂ€tte gerade ein Blitz in sein Körperende eingeschlagen, der Schmerz pulsierte seine gesamte WirbelsĂ€ule entlang. Mit verzerrtem Gesicht stieß er die kleinen MĂ€nner beiseite und schlich gekrĂŒmmt zu dem offenen Fenster.
„Auf Nimmerwiedersehen, ihr abgebrochenen KĂ€sestumpen!“

Er liebte es, Leute wegen ihrer geringeren KörpergrĂ¶ĂŸe zu hĂ€nseln, denn allzu oft kam er ja leider nicht in diesen Genuss. Er stieg so wĂŒrdevoll wie ein vollgekotzter Tiefling nur sein konnte aus dem Fenster, schlug die LĂ€den hinter sich zu und machte sich auf den Weg zum Hafen, wo er hoffentlich seine GefĂ€hrten treffen wĂŒrde – nicht Nocro oder Orobas oder Firxas, sondern auf Selan und seine HĂŒndin hoffte er. Immerhin hatte er keine Lust, schon wieder arbeitslos da zu stehen.

Der Hafen war leicht zu lokalisieren fĂŒr die empfindsame Nase des Tieflings. Der Tang- und Fischgeruch wies ihm den Weg. Und zumindest ein Teil des Trupps war auch rasch gefunden. Die Kultisten befanden sich am Ă€ußersten Ende eines langen, klapprigen Steges, an dem ein noch viel klapprigeres Schiff vor Anker lag. Nur Ibn Altsalat fehlte.

Ein Mann, dessen Kleidung wie ein Mittelding aus KapitĂ€n und Pirat wirkte, stand lĂ€ssig an die Bordwand gelehnt davor, die Arme vor der Brust verschrĂ€nkt und sagte gar nichts. Nocro hingegen gestikulierte schon wieder, wobei die weiten Ärmel seines Gewandes im Wind flatterten, so dass seine muskulösen, braun behaarten Unterarme zum Vorschein kamen, sie so gar nicht zu seinem hysterischen Gequieke passten. Orobas stand eifrig nickend daneben, wĂ€hrend Firxas resigniert auf einem Poller saß und ein trauriges Gesicht zog.

„Tag ihr Flaschen, euer amtlicher WĂŒrdentrĂ€ger ist wieder auferstanden!“, rief Urako von weitem und ging auf das TrĂŒppchen zu.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#35

Beitrag von Arafis » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:27

Arafis trotte neben Selan her bis zum Lager, dort warteten bereits Fricai schwanzwedelnd und Ralogg mit seinen Knochen klappernd auf die GefÀhrten.
"Schwer zu fassen Selan! War das denn alles nur gespielt, die ganze Freundlichkeit. Stell dir vor was Urako und ich uns fĂŒr Witze erzĂ€hlten, auch solche die eigentlich nicht weiter erzĂ€hlt werden sollten. WĂŒrde ich noch Leben wĂŒrde ich jetzt knall rot werden! Kannst du dir das vorstellen? Weißt du wie ober peinlich manche Sachen dabei sind? Selan!!!!!!!"

Nachdem die beiden noch lange Zeit diskutiert und Selan nicht von seinem Plan abzubringen war, entschieden sie sich schliesslich, was zu tun sei und machten sich zum Aufbruch bereit.
Mit einem mehr als ungutem GefĂŒhl wurde Ralogg wieder zu einem lebhaften Haufen Knochen und in die Satteltasche Vestias verpackt. Die Dunkelheit nahte, als Selan durch die leeren Gassen in Richtung Hafen lief.

Arafis dachte nicht daran, zu Urko zurĂŒckzukehren, der miefige Gestank, der ihre sensible Nase angegriffen hatte, reichte ihr vollkommen als Abschreckung aus. Urako wĂŒrde bestimmt nachkommen, und sonst wĂŒrde sie erstmals bei Selan bleiben. Sie war noch nie auf einem Schiff gereist und konnte sich nur schwer vorstellen, wie so ein grosses Ding ĂŒber die Wellen tanzen sollte. Da sie jedoch Wasser ganz gerne mochte, war sie eher aufgeregt und neugierig auf die bevorstehende Reise also nervös oder gar Ă€ngstlich. Bald hörte sie das sanfte Rauschen des Wassers und konnte deutlich den salzigen Geruch aus einer Mischung von Fisch, Algen und See wahrnehmen. Noch nie hatte sie das Meer gesehen und so sog sie den Anblick des Hafens gierig in sich ein. Sie blieb beeindruckt stehen, denn trotz der aufkommenden Dunkelheit konnte sie die Weite erahnen, welche sich vor ihnen ins Endlose erstreckte.
Selan blickte sich suchend um, er wollte ja ein passendes und sicheres Schiff empfohlen bekommen haben. Fricai wurde mittlerweile unruhig und auch Vilya, die brav und wie selbstverstĂ€ndlich mitgetrottet war, welche von ihrer ehemaligen Besitzerin, einer Sonnenelfe eher WĂŒstenregionen gewohnt war, warf unruhig den Kopf zurĂŒck.
Überall erleuchteten Fackeln und Laternen den Kai und man sah kleinere und grössere Ruderboote und Segelschiffe im Hafen hin und herschaukeln. Irgendwoher drang Musik aus einer Schenke und lautes Grölen und Lachen war zu hören. Eine Truppe Trunkbolde torkelten gefĂ€hrlich nah am Wasser entlang mit ihren MetkrĂŒgen in der Hand und prosteten einander laut zu.
Als sie eine Zeit lang gegangen waren, schien Selan fĂŒndig geworden zu sein. In einiger Entfernung war ein robustes Schiff vor Anker angelegt, das den Namen „Wellenbrecherin VII“ trug. Eine Holzrampe fĂŒhrte an Deck, wo einige MĂ€nner herumwuselten, Kisten und FĂ€sser verluden, die Holzplanken fegten oder damit beschĂ€ftigt waren, das Schiff klar fĂŒr die Fahrt zu machen. Ein grosser braungebrannter, bĂ€rtiger Seemann stand breitbeinig etwas erhöht und kommandierte die tĂŒchtigen MĂ€nner herum. Sein Blick wirkte entschlossen und grimmig, doch als er die Neuankömmlinge sah, erhellte sich seine Miene etwas und er begrĂŒsste Selan freundlich: „Ahoi Reisender, wohin des Weges? Willst du auch an der Überfahrt teilnehmen?“
Arafis blieb vorsichtshalber hinter Selan stehen und beobachtete das Treiben staunend. Wie in einem Bienenstock und doch schien alles gut durch koordiniert zu sein. Jeder schien zu wissen, was zu tun war.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#36

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:27

„Ahoi Reisender, wohin des Weges? Willst du auch an der Überfahrt teilnehmen?“, wurde Selan freundlich von einem großen braungebrannten, vollbĂ€rtigen Seeman begrĂŒĂŸt.

"Guten Abend. Sind sie der Kapitain dieses Schiffes? Ich habe in Erfahrung bringen können, dass sie heute Abend auslaufen wollen in Richtung der Reikjah Inseln, ist das korrekt?"

Stolzen schrittes kam der Seemann auf Selan zu und gab ihm die Hand. "Ja der bin ich, du hast richtig gehört und hast es auch gerade noch so geschafft, wir machen gerade die Leinen los, drum muss es leider etwas schnell gehen, wir mĂŒssen die Flut abpassen. Wenn du mit willst, ist das kein Problem, wie ich sehe mit Hund und Pferd? Das wĂ€ren dann fĂŒr euch 3 zusammen ein Silberling und 70 Kupferlinge. Du und dein Hund können gern eine KajĂŒte haben, das Pferd kann im Laderaum fest gebunden werden, da stehen auch schon drei andere, ist also in bester Gesellschaft.
Ach ja, fĂŒr weitere 70 Kupferlinge, bist du gern zum essen die Fahrt ĂŒber eingeladen. Ich mein nur, du siehst nicht so aus, als HĂ€ttest du viel Essen dabei."


Überrascht war Selan von so viel Freundlichkeit, ist doch eigentlich das Klischee, des rauhen SeebĂ€ren so, dass er immer schlecht gelaunt ist, herum brĂŒllt und kein Benehmen hat. Dieser alte SeebĂ€r scheint aber anders zu sein, ein gutes benehmen.

"In Ordnung, dass ist ein angemessener Preis."

Kurz wĂŒhlte Selan im Bautel von Vestia herum und holte das verlangte Geld heraus.

"Hier wĂ€re das Geld, ein SilberstĂŒck, 140 Kupferlinge und noch einmal 20 Kupferlinge extra, fĂŒr den netten Empfang, ich denke ich werde mich auf der Reise hier sehr wohl fĂŒhlen.", sprach Selan freundlich lĂ€chelnd.

"Vielen Dank der Herr, ich weiß die Geste zu schĂ€tzen. Mat!", rief er und eiligst kam ein junger Bursche von noch mal 20 Jahren heran.

"Bring bitte den Gast, sein hab und gut in eine freie KajĂŒte, anschließend bringst du sein Pferd in den Laderaum, bindest es fest und gibst im Wasser und etwa zu essen."

"Ai Ai, Herr Kapitain!", war sofort zu hören und wenige Minuten spĂ€ter saß Selan bereits in seiner KajĂŒte. SpĂ€rlich war sie eingerichtet. Ein kleines Bette, eine abschließbare Truhe, ein kleiner Tisch mit einer SchĂŒssel und eine Kanne voll Wasser. Eine Stunde blieb Selan noch wach, verstaute sein Hab und Gut in der Thruhe, schloss sie ab und steckte seinen SchlĂŒssel in die Tasche. Bei Kerzenschein, wollte Selan noch gern etwas lesen, jedoch ĂŒbermannte ihn der Schlaf und schlief erschöpft von den Anstrengungen der letzten Tage ein.

Die nĂ€chsten Tage sollten ruhig werden, man erreichte Shiamahara, die letzte Stadt am großen See von Shizu, bis es durch eine Meerenge in das Östliche Meer ging. Einige SeemĂ€nner waren noch einmal an Land gegangen, VorrĂ€te auffĂŒllen, der Zwischenstop sollte nur ein paar Stunden dauern. Zu kurz um noch einen Abstecher in die Stadt zumachen, empfand Selan, obwohl er große Lust hatte Shiamahara zu besuchen. Es soll eine bezaubernde Stadt sein, voller wundervoller Architektur, sowie beeindruckenden GĂ€rten, aber leider.... die Zeit. So nutzt Selan die Stunden und Tage der Ruhe um sich wieder einmal mehr seinen BĂŒchern ĂŒber Magie zu zu wenden. Ganz geheuer war dies einigen Passagieren und Besatzungsmitgliedern nicht, jedoch sagte niemand etwas dagegen.
Auch nutzte er gern die Chance die Matrosen bei der Arbeit zu beobachten. Er hĂ€tte nie gedacht, dass auf einem Schiff dermaßen viele Leute arbeiten, welch Arbeit dahinter steckt ein Segel zu reffen, das Deck auf fordermann zu bringen. Gern blauschte er mit dem Kapitain, der nicht abgeneigt war seine Geschichten zu erzĂ€hlen und zu erklĂ€ren wie das Schiff und die Mannschaft funktioniert. Man erkannte sehr schnell, dass er bei diesem Thema sehr aufblĂŒhte, Seefahrt war seine Leidenschaft.

Nach weitren zwei Tagen durchquerte man die Enge Meerenge, dass große Östliche Meer lag mitten in der Nacht direkt vorraus. Selan war beeindruckt, ein großer See mit seiner Weite war nichts im Vergleich zum echten Meer, die Ferne, die endlose weite. Abenteuer lag in der Luft, es war etwas besonderes mit einem Schiff ĂŒber das Meer zu fahren. Wenn auch etwas gefĂ€hrlich, wie sich Selan selbst eingestehen musste, so weit ab von der KĂŒste, den Naturgewalten ausgeliefert.

Einige Stunden spĂ€ter wurde Selan durch einen höllen LĂ€rm munter. Eiligst eilte er die schwankende Treppe nach oben und öffnete die TĂŒr an Deck. Ein grauenvolles Szenario eröffnete sich seinen verschlafenen Augen. Dunkle Wolken am Himmel so weit das Auge reicht, Blitze zuckten ĂŒber den Himmel, Meter hohe Wellen die ĂŒber das Deck glitten.

Überall war gebrĂŒll zu hören, alle Besatzungsmitglieder waren an Deck, holten die Segal ein, befestigten Seile an den Masten. Ein unbeschreibliches Schauspiel, jeder wuste was er zu tun hatte, der Kaptain stand wie ein Fels in der Brandung am Ruder, versuchte jede Welle so gut es ging aus zu weichen. Immer wieder spĂŒhlten Wellen Matrosen fast von Bord.

Selan wurde himmel Angst, so ein Wetter hatte er noch nie erlebt. Die Schiffsbalken knarzten ĂŒberall, so rannte er zurĂŒck in seine KajĂŒte und verstaute seine Sachen wieder in den Taschen, er hatte die befĂŒrchtung, dass dies kein gewöhnllicher Sturm war und die Sache noch schlimmer werden sollte.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#37

Beitrag von Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:28

Der zwielichtige KapitĂ€n fĂŒhrte sie zu einem unbeobachteten Zeitpunkt an Bord des Schiffes. Sie bekamen eine geheime KajĂŒte ganz unten im Schiffsrumpf, wo sie ĂŒber eine Luke mit Lebensmitteln und Wasser versorgt wurden sowie der Nachttopf ausgewechselt wurde. Die folgenden Tage verbrachten sie damit, sich bei Schnaps und Kartenspiel zu vergnĂŒgen. Von den Geschehnissen an Deck bekamen sie nichts weiter mit als das dumpfe Gepolter von Schritten und unverstĂ€ndliches Stimmengewirr.

Urako verbrachte einige der besten Tage seines Lebens, denn er war von frĂŒh bis spĂ€t sternhagelvoll. Er lernte ein paar neue Trinkspiele und SaufsprĂŒche, neue Lieder, Raufereien mit Firxas 
 es war wundervoll!

Nur, dass er zwischendurch den Koch spielen sollte, behagte ihm wenig. Zwar beschrĂ€nkte sich diese TĂ€tigkeit momentan darauf, die herunter gelassenen Lebensmittel zusammen zu mischen und zu erhitzen, aber bereits das störte ihn, vor allem wegen der Undankbarkeit der beiden Kampfmagier, die sich nicht nur ĂŒber ihn lustig machten, sondern das Essen auch regelmĂ€ĂŸig mit diversen Körperausscheidungen verglichen, was den Henker empörte. Wenigstens Nocro schmeckte es, er war begeistert und lobte die Speisen in den höchsten Tönen (und das im doppelten Sinne).

Trotz der unliebsamen Pflicht gefiel es Urako bei seinen neuen Freunden so gut, dass er beschloss, dem Kult tatsĂ€chlich beizutreten. Wie viel lustiger war es, sich mit Orobas und Firxas beim Saufen zu vergnĂŒgen als mit Selan friedlich Tee zu nippen! Ja, er wĂŒrde Kultist des Palion werden und endlich wĂŒrde man ihn anstĂ€ndig bezahlen und seine betrĂ€chtlichen FĂ€higkeiten wĂŒrdigen!

Die Zeit verging. Eines Tages schwankte das Schiff stĂ€rker als sonst, die Planken Ă€chzten und knarrten und die Möbel rutschten hin und her. Die vier wussten bald nicht mehr, wo sie sich aufhalten sollten, da stĂ€ndig ein Tisch oder Stuhl sie traf und torkelten bald nur noch von Wand zu Wand. Notgedrungen klopfte Nocro das geheime Signal und man ließ sie an Deck. Der Himmel war schwarz und mit dicken Wolken verhangen, es blitzte und die Wellen tĂŒrmten sich hoch wie HĂ€user.

Überrascht stellte Urako fest, dass auch Selan mit an Bord war – Zufall oder Schicksal?

„Tagchen, altes Haus!“, krĂ€hte der Henker, wĂ€hrend er kreuz und quer ĂŒber das schwankende Deck torkelte und sich von Mast zu Mast hangelte, bis er Selan erreichte. „Lange nicht gesehen! Was hat dich denn hier her verschlagen?“
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#38

Beitrag von Arafis » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:28

Arafis verbrachte die Tage auf dem Schiff damit, sich zwischen einigen FĂ€ssern zu verkriechen und den Kopf zwischen die Pfoten zu stecken. Ihr war es hundeelend und das Schwanken unter ihren FĂŒssen machte ihr zu schaffen. Fricai schien es besser zu verkraften, doch ihr treuer GefĂ€hrte wich ihr nicht von der Seite. Ab und an brachte ihr jemand etwas Futter herbei und wenn die See etwas ruhiger war, wagte sie sich auch manchmal hervor, um sehnsuchtsvoll den Horizont nach einem StĂŒck Land abzusuchen. Doch alles herum war blau. Der Himmel ĂŒber ihnen, sowie das Meer unter ihnen. Arafis liebte Wasser, doch in dieser Nussschale den Gezeiten ausgeliefert zu sein, machte ihr Angst. Ihr Blick huschte Ă€ngstlich herum, bis sie irgendwann jeweils in einen unruhigen Schlaf verfiel, der beim kleinsten GerĂ€usch unterbrochen wurde.

Arafis fĂŒhlte sich krank, sie fĂŒhlte sich schwach. Sie konnte an nichts anderes mehr denken, als festen Boden unter den FĂŒssen zu haben. Sie konnte nicht verstehen, wie Selan und vor Allem die Matrosen das aushielten, welche ohne Bedenken sogar weit ĂŒber ihren Köpfen in den Segeln und Masten herumturnten.

Als die Elfe dachte, es könne nicht mehr schlimmer werden, schien sich plötzlich ein Sturm anzubahnen. Das Schiff schwankte mehr als sonst, und die Wellen begannen bereits ĂŒber die Reling zu schwappen. Arafis konnte das Salzwasser riechen und schmecken. Das Schiff knarrte und kĂ€mpfte gegen die wilder werdende See an. Die Matrosen waren konzentriert und gingen ihren Aufgaben nach. Kisten und FĂ€sser wurden festgebunden.
Die Wölfin blickte unruhig in den Himmel, wo sich Wolken tĂŒrmten und in einiger Entfernung Blitze die Dunkelheit erhellten. Kurz darauf war ein lautes Donnern zu hören. Fricai drĂŒckte sich an Arafis, welche sich unter eine Treppe verkrochen hatte. Etwas ĂŒber ihr stand der KapitĂ€n und kommandierte seine MĂ€nner mit barscher Stimme herum. Sein Anblick, wie er wie ein Fels in der Brandung dem Sturme trotzte machte ihr Mut. Alles wĂŒrde gut werden.

WĂ€hrend ihr Blick aufmerksam ĂŒber das Schiff glitt, hörte sie plötzlich eine allzu bekannte Stimme.
„Tagchen, altes Haus!“, krĂ€hte der Henker, wĂ€hrend er kreuz und quer ĂŒber das schwankende Deck torkelte und sich von Mast zu Mast hangelte, bis er Selan erreichte. „Lange nicht gesehen! Was hat dich denn hier her verschlagen?“
Die Wölfin starrte verblĂŒfft zu Urako hinĂŒber, der tatsĂ€chlich etwas wankend auf Selan zuging. Der schien ebenso perplex zu sein wie Arafis und starrte den Henker nur sprachlos an.
„FESTHALTEEEEN!“, schrie im selben Moment der KapitĂ€n, dann krachte eine Welle schrĂ€g auf das Schiff. Arafis jaulte auf, als ein Schwall kaltes Salzwasser sie erwischte und sie es in Maul und Augen bekam. Sie und Fricai wurden an die Wand in ihrem RĂŒcken gedrĂŒckt. Es folgten noch einige Wellen, doch diesmal war sie besser darauf vorbereitet, und schloss geistesgegenwĂ€rtig die Augen.

Nun begann auch noch der Regen auf das Schiff herabzupeitschen. Der Wind liess die Regentropfen wie scharfe Klingen auf die Körper prasseln und das Donnern wurde immer bedrohlicher. Der Sturm schien nun seinen Höhepunkt erreicht zu haben und ohne Erbarmen schien er mit der kleinen Nussschale zu spielen.

Arafis zitterte am ganzen Körper. Sie wĂŒnschte sich, niemals auf dieses verfluchte Holzding gestiegen zu sein, doch es war zu spĂ€t.
Im nĂ€chsten Augenblick jedoch riss ein ohrenbetĂ€ubendes Krachen sie aus ihren Gedanken. Das Schiff schien zu zittern unter ihren FĂŒssen und plötzlich waren laute Schreie zu hören. Im ersten Moment verstand die Elfe nicht, was sie riefen, denn sie war zu sehr mit ihrer eigenen Angst beschĂ€ftigt. Dann erkannte sie jedoch die Bedeutung der Rufe, und sie jagten ihr einen Schauer durch den Körper.
„FEUER!“
Offensichtlich hatte ein Blitz sein Ziel getroffen und mitten in das Boot eingeschlagen. Rote Flammen erhellten die Nacht trotz des Regens und der Wellen. Feuer – Arafis war in einem Alptraum gefangen.
Der Sturm reichte ja schon vollkommen aus, um sie in ein zitterndes NervenbĂŒndel zu verwandeln, doch jetzt gesellte sich auch noch eine Furcht hinzu, welche sich ins Unendliche zu steigern schien.

Wie erstarrt beobachtete sie, wie die Matrosen gegen Sturm und Feuer ankÀmpften. Urako und Selan konnte sie nicht mehr sehen und auch sonst sah sie alles nur noch verschwommen. Das Salz und der Rauch brannten in ihren Augen und in ihrer empfindlichen Nase.
Das Deck schwankte noch immer heftig, und als eine weitere Welle das leidende Schiff traf, ging ein seltsames GerÀusch daraus hervor. Es klang wie ein schmerzvolles Stöhnen, wie von einem Tier, das sich seinem Tod hingab.

Arafis schauerte, dann begriff sie, dass sich der Boden zu ihren FĂŒssen begann, zur Seite zu neigen.
„Wir sinken!“, schoss es der Wölfin durch den Kopf. Sie wĂŒrde sterben. Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag. Hier, irgendwo mitten im Nirgendwo wĂŒrde sie das Leben verlassen. Eine seltsame Ruhe ĂŒberkam die Elfe, bevor die Schreie sie wieder aus ihren Gedanken rissen.

Immer weiter senkte sich das Schiff und plötzlich erkannte Arafis, dass sie hier weg mussten. Auf wackeligen Pfoten kÀmpfte sie sich in die Gegenrichtung, in welche die Schwerkraft sie zu ziehen versuchte. Fricai folgte ihr auf dem Fuss und so kÀmpften sie sich halb kriechend an den oberen Teil des Schiffes, der schon ziemlich steil aus dem Wasser ragte.
Arafis sah MĂ€nner, welche ins Wasser sprangen, ob freiwillig oder nicht, konnte sich nicht genau erkennen. Einige tauchten wieder auf, kĂ€mpften gegen die Wellen an, andere wĂŒrden wohl fĂŒr immer im Meer verschwunden bleiben.

Aus einem Instinkt heraus wusste die Elfe jedoch, dass sie ebenfalls ins Wasser springen sollte. Sie ahnte, dass das Schiff sie ansonsten mit in die Tiefe ziehen wĂŒrde.
Also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen, nahm leicht Anlauf und stiess sich krĂ€ftig ab. Aus den Augenwinkeln erkannte sie, dass Fricai ihr folgte, ehe sie das kĂŒhle Wasser umschloss und ihr der heftige Aufprall die Luft aus den Lungen drĂŒckte.

Einen Moment war sie wie erstarrt, dann kamen ihre Instinkte zum Vorschein und sie begann zu schwimmen und sich an die OberflĂ€che zu kĂ€mpfen. Sie nahm nichts anderes mehr wahr ausser die Wassermassen, welche sie erdrĂŒcken wollten.
Als sie schliesslich wieder die salzige Luft an ihrer Nase spĂŒrte, war sie schon ziemlich erschöpft. Ihre Beine fĂŒhlten sich an wie aus Blei, doch sie paddelte unbeirrt weiter – es war ihre einzige Chance zu ĂŒberleben.
Immer wieder meinte sie Tiere und Menschen in den Fluten zu erkennen, doch sie war sich nicht sicher, ob es nur Einbildung war.

Plötzlich stiess sie mit einem Holzbalken zusammen, der von den SchiffstrĂŒmmern wohl ĂŒbriggeblieben war. Mit letzter Kraft kĂ€mpfte sie sich halbwegs auf ihren Rettungsanker. Ihr Atem ging schwer und kurz bevor es ihr schwarz vor Augen wurde, meinte sie, neben dem salzigen Geruch auch noch etwas Neues, Verheissungsvolles wahrzunehmen. Land? Dann verschwand die Welt in Finsternis.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#39

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:29

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Hier spielt der dritte Teil der Reise:
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