S.Z.D. - Kapitel 3 - In den Flammen des Krieges - TEIL II

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen St├Ądte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst├Ądten, die aus den W├Ąldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f├╝r Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.

Der S├╝dwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen St├Ądte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst├Ądten, die aus den W├Ąldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f├╝r Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Baxeda
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Re: S.Z.D. - Kapitel 3 - In den Flammen des Krieges - TEIL I

#21

Beitragvon Baxeda » Do 7. Jan 2016, 09:21

Mit diesen Worten drehte Novec sich um und folgte den Zwergen. Er mischte sich unter die anderen und bald war er f├╝r den Tiefling unter all den kleinen M├Ąnnern nicht mehr auszumachen. Baxeda hatte noch nicht einmal die Gelegenheit gehabt, sich von ihm zu verabschieden.

Auch der Fl├╝chtlingstross der Tieflinge machte sich bereit. Amon, der ihn zuvor ├╝bel beschimpft hatte und offenbar reichlich Interesse daran hatte, dass es Sinthara gut ging, begann irgenwelche Anweisungen zu geben, um die Truppe zu ordnen. Baxeda stand zu weit abseits um zu verstehen, ob sie sich zum Kampf oder zur Flucht r├╝steten. Es spielte auch keine Rolle. F├╝r ihn war es - wieder einmal - an der Zeit, sich nun aus dem Staub zu machen. Der Krieg nahte und er war hier unerw├╝nscht. Er w├╝rde nicht mit einem Trupp reisen, geschweige denn sein Blut vergie├čen, dessen Anf├╝hrer ihn so wenig ausstehen konnte, dass er keine Hemmungen hatte, ihn ├Âffentlich zu beschimpfen und nieder zu machen. Nein. Mit Sicherheit nicht.

W├Ąhrend die Tieflinge mit dem Befolgen von Amons Anweisungen besch├Ąftigt waren, begab Baxeda sich unauff├Ąllig immer weiter ins Abseits. Er tat so, als m├╝sse er einem dringenden Bed├╝rfnis folgen und stellte sich breitbeinig an einen Baum. Als niemand ihn mehr beachtete, stahl er sich davon. Er schenkte Sinthara einen letzten Blick. Und fast h├Ątten ihre Augen ihn dazu gebracht, umzukehren. Bei Ardemia, nie hatte er mehr f├╝r eine Frau empfunden als f├╝r diese! Doch sie war augenscheinlich zu verletzt, um ihm zu folgen. Und wenn sie beide gemeinsam starben, dann war das nicht besser, als wenn sie allein starb. Nein, es war sogar schlechter, weil auch er dann nicht mehr lebte. Warum sollte er sich also nicht davon machen? Was sprach denn dagegen?

"Ich liebe dich", formten seine Lippen. Und dann: "Tut mir Leid." Dann rannte er davon.

Es dauerte lange, ehe er einen Baum erklomm, von dem aus er starten konnte, denn er wollte nicht zu zeitig auffallen. Im Flug war er mit seinen f├╝nf Metern Fl├╝gelspanne nicht zu ├╝bersehen. Die Wundr├Ąnder der L├Âcher in seinen Schwingen schmerzten noch immer. Jetzt, wo die Flugh├Ąute gespannt waren, rissen die Verkrustungen erneut auf. Nie war fliegen so schmerzhaft gewesen, nie so einsam. Der Wind brachte den Gestank von Feuer mit sich.

Wohin er auch kam, der Kontinent lag in Ruinen. W├Ąlder und Felder, St├Ądte und D├Ârfer, alles brannte lichterloh. Der Krieg hatte sich ausgebreitet und die h├Ąssliche Fratze des Rakshor starrte ihm aus den Gesichtern der Toten entgegen. Die Hoffnung, dass seine Familie noch lebte, schwand. Und wenn, dann war sie auf der Flucht und er w├╝rde sie nicht finden in diesem Chaos. Der Gott des Krieges, dessen Kult sich in der Vergangenheit erhoben hatte, um scheinbar besiegt zu werden, hatte schlussendlich doch bekommen, was er wollte, ob niedergeworfen oder nicht. F├╝r seine Schergen musste es ein Fest der Freude sein! Doch f├╝r Baxeda war es der Tiefpunkt seines Lebens. Allein flog er ├╝ber die Zerst├Ârung, durch Rauchschwaden, so dass er husten musste und hielt sich so weit oben wie m├Âglich, um nicht die Details des Krieges sehen zu m├╝ssen. Er versuchte, die frischen Massengr├Ąber nicht zu beachten, nicht die brennenden Leichenhaufen.

Endlich, endlich erreichte er die K├╝ste. Mit dem ruhige, weiten Anblick des blauen Ozeans kam wieder so etwas wie Hoffnung in ihm auf. Nur fort hier! Hin zu dem anderen Kontinent, so wie es die Tieflinge vorhatten und all die anderen, die in Frieden leben wollten! Doch bald musste Baxeda feststellen, dass es ├╝ber dem offenen Meer keine Aufwinde gab, die ihn tragen konnten und er musste wieder umkehren. Im Fluge war der Ozean nicht zu ├╝berqueren. Jedes Fl├╝chtlingsschiff, dass er sah, war bis zum Bersten ├╝berf├╝llt. Hilflos und frustriert folgte er der K├╝stenline immer weiter nach Norden, wochenlang, bis er einige Inseln ersp├Ąhte. Er g├Ânnte sich wenig Rast, schlief kaum und a├č so gut wie nichts.

Als er endlich die erste Insel erreichte, war er abgemagert, sein Pelz v├Âllig verfilzt und er hatte einen struppigen Vollbart bekommen. An den rasierten Seiten seines Kopfes war neues Haar gewachsen seine H├Ârner waren zwei fingerbreit l├Ąnger geworden und er sah nun aus wie ein schwarzer Satyr. Nur die Bocksbeine fehlten. Die Insel war von irgendwelchen Menschen bewohnt, die mit Pfeil und Bogen auf ihn zielten, so dass Baxeda rasch weiterflog. Zu seiner Freude entdeckte er am Horizont weitere Inseln. Und so hangelte er sich im Fluge von Insel zu Insel, bis er das Festland erreichte.

Er erfuhr erst viel sp├Ąter, dass die Stadt Daijian hie├č, in deren N├Ąhe er landete. Anfangs wollte er sie umgehen und sich in der Wildnis durchschlagen, doch er war derart ausgehungert, dass er es schlussendlich doch riskierte, unter Menschen zu gehen, um sich etwas zu Essen zu besorgen. Zu seiner ├ťberraschung war hier in Daijian niemand verwundert ├╝ber einen Tiefling, im Gegenteil: Das Volk war bunt gemischt. Es gab eine Zeltsiedlung au├čerhalb der h├Âlzernen Palisaden, wo Fl├╝chtlinge aus seiner alten Heimat aufgenommen wurden, die man hier nur Caltharnae - die Aschelande - nannte. Man gab Baxeda hei├če Suppe zu essen, ehe man ihm ein Zelt zuwies, in dem schon andere Tieflinge hausten. Es war Baxeda egal, wer sie waren, er war froh, eine sichere Schlafstatt und eine Decke zu haben und das erste Mal seit langem einen gef├╝llten Bauch. Er streckte sich lang und schlief sofort ein.

Einige Wochen lebte er in dieser Zeltstadt vor den Palisaden Daijians. Er half, wo er nur konnte, um sich n├╝tzlich zu machen und um seine Zeit sinnvoll zu vertreiben. Er hatte kein Ziel, wusste noch nicht, wohin er sollte. Asamura war gro├č. Unter Rakshors Banner zogen viele Tieflinge in den Krieg - doch eher w├╝rde Baxeda sich die Beine abhacken, als diesem Kriegstreiber zu dienen! Hier in der Handelsallianz gab es einige Tieflingsviertel, doch die Bewohner lebten dort eher als Au├čehenseiter und in Armut. Das war auch nichts f├╝r ihn.

Dann gab es wohl noch ein Sumpfgebiet namens Alkena, in welchem viele Tieflinge lebten und sich dort vollkommen selbst verwalteten. Jeder war dort Herr seines Schicksals. Aber er wusste nicht, ob er in ein so entlegenes Nest ziehen wollte. H├Âchstens vielleicht sp├Ąter um ... um eine Familie ... er bekam Kopfschmerzen und verwarf den Gedanken rasch wieder. Bisher war Sinthara noch nicht eingetroffen. Wenn sie Asamura erreichte, dann vermutlich auch auf diesem Wege und dann w├╝rde sie vielleicht hier nach ihm suchen. Er war noch nicht so weit, ├╝ber andere Frauen nachzudenken. Noch gab es Hoffnung, dass sie sich eines Tages wiedersahen. Und wenn es nur war, um sich Lebewohl zu sagen und getrennte Wege zu gehen.

"Die Abl├Âsung." Baxeda nahm den Platz am Tisch des Ausschankes der Suppenk├╝che ein und verteilte eine Kelle dampfende H├╝hnersuppe um die andere. Heute hatte er nicht die Kraft, um dabei freundlich dreinzuschauen, aber er w├╝nschte jedem einzelnen noch einen sch├Ânen Tag und Ardemias Segen. Er war froh, dass es diesen Ort gab und froh, ihn lebend erreicht zu haben. Was die Zukunft f├╝r ihn brachte, wusste Ardemia allein. Ein weiteres Fl├╝chtlingsschiff erreichte den Hafen. Heute w├╝rde es wieder viel zu tun geben.
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"Lieber ein lebender Feigling als ein toter Held."
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