Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.

Der SĂŒdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#1

Beitragvon Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:40

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Hier spielte der erste Teil dieses Kapitels:
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Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#2

Beitragvon Urako » So 22. MĂ€r 2015, 20:18

Das Lagerfeuer erwies sich als als vorrĂŒbergehendes Lager, welches die ĂŒberlebenden Gestrandeten aufgeschlagen hatten. Durch das Hornblasen wollte der KapitĂ€n weiteren Überlebenden den Weg weisen, was auch funktionierte. Urako und die beiden Hunde fanden so einen Teil der Mannschaft wieder.

Bald mussten sie feststellen, dass sie auf einer Insel gestrandet waren. Die Tieflinge versuchten mehrmals, ĂŒber das Meer zu fliegen, doch die fehlenden Aufwinde ĂŒber dem offenen Wasser machten dies unmöglich. Man wĂŒrde sich etwas anderes einfallen lassen oder auf Hilfe warten mĂŒssen.

Die Gestrandeten verbrachten geschlagene zwei Jahre auf der Insel. Das Eiland war groß genug und von reichlich Pflanzen und Tieren belebt, so dass niemand Hunger leiden musste. In seiner Mitte befand sich ein kleiner See mit SĂŒĂŸwasser. Dort in der NĂ€he errichteten sie sich ein extrem unordentliches und furchtbar schief gebautes Lager, denn keiner der Überlebenden war handwerklich begabt, aber immerhin schĂŒtzte es sie vor den hĂ€ufigen NiederschlĂ€gen und bot die Illusion eines zu Hauses.

Urako, der noch aus seiner Zeit in Phintias wusste, wie man angelt und Reusen auslegt, machte sich nĂŒtzlich, indem er den Trupp mit Fischen, Krebsen und Muscheln versorgte. Da er sich lange Zeit selbst versorgen musste, fiel es ihm auch nicht schwer, das Jagen zu erlernen. Schlingen auslegen konnte er, da er im Sumpf auch ab und zu Wasservögel erbeutet hatte, und durch ein wenig Übung schaffte er es, die Schlingen so zu modifizieren, dass er auch SĂ€ugetiere damit erbeuten konnte. Eine große Hilfe war ihm dabei seine HĂŒndin, deren Nase ihm verriet, wo Wildpfade verliefen und das Auslegen sich lohnte, denn Spuren konnte Urako keine lesen – wie auch? In Phintias gab es so gut wie keinen begehbaren Untergrund, auf dem Tiere ihre Spuren hinterlassen konnten.

Abends ĂŒbernahm er mit seiner HĂŒndin regelmĂ€ĂŸig den Wachdienst. Ihre guten Ohren und ihre feine Nase verrieten, wann sich die Eingeborenen nĂ€herten. Sie schlugen sie anschließend in die Flucht, indem die HĂŒndin bellte und knurrte, oder indem Urako einen Feuerfalken (bzw. in seinem Fall: einen Feuerspatzen) beschwor und den Eindringlingen mit diesem Angst einjagte.

Urakos grauenhafter Ausdauerzustand verbesserte sich durch die StreifzĂŒge auf der Insel. Er versuchte auch, das Kochen zu erlernen, da Nocro ihn noch immer fĂŒr den Koch hielt, doch leider hatte er dafĂŒr einfach kein HĂ€ndchen – es schmeckte grauenhaft. Nocro war der einzige, der Urakos Speisen ĂŒber alle Maßen lobte und darauf bestand, dass er weiterhin fĂŒr den KĂŒchendienst zustĂ€ndig war. Immerhin lernte Urako auf diese Weise das Verarbeiten von kleinen SĂ€ugetieren, also das HĂ€uten, Ausnehmen und Zerlegen.

Die RumfÀsser, die an Bord gewesen waren, gingen allesamt verloren, so dass die Tieflinge auf ihre geselligen Saufabende lernen mussten zu verzichten. Besonders Urako fiel das anfangs sehr schwer. Er hatte die ersten Wochen stÀndig Kopfschmerzen und schlechte Laune, von der verzehrenden Sehnsucht, einen leckeren Krug schÀumendes Takaresch oder einen Becher Schilfrohrschnaps zu trinken, ganz zu schweigen. Mit der Zeit vergingen diese Beschwerden jedoch und er gewöhnte sich daran, beim Rauchen von selbst getrockneten WildkrÀutern zu bleiben.

Die Stummeln seiner herausgeschlagenen FrontzĂ€hne entzĂŒndeten sich und fielen heraus, ĂŒbrig blieb nur nacktes Zahnfleisch zwischen den EckzĂ€hnen. Die Wunden verheilten, doch Urako litt und leidet noch immer sehr unter der Entstellung. Auch seine Aussprache hat sich seitdem verschlechtert.


FĂ€higkeiten, die Urako in dieser Zeit lernte:

+ Schlingen fĂŒr KleinsĂ€uger auslegen (den passenden Ort findet er jedoch nur mithilfe eines Jagdhundes)
+ KleinsÀugetiere verarbeiten (hÀuten, ausnehmen, zerlegen)
+ vielseitige Zubereitung von Nahrungsmitteln, jedoch mit grauenhaftem Geschmack
+ verbesserte Ausdauer, insbesondere zu Fuß
+ Entwöhnung vom Alkohol
+ verbesserte Kenntnis essbarer Pflanzen, FrĂŒchte und Pilze


SchwÀchen, die sich in dieser Zeit entwickelten:

- verschlechterte Aussprache durch das Ausfallen der Reste seiner FrontzÀhne
- VerstĂ€rkung seines MinderwertigkeitsgefĂŒhls durch die Entstellung


Töli

Urako entwickelte, ohne, dass er es wollte, eine innige Bindung zu seiner HĂŒndin, die er auf den liebevollen Namen „Töli“ taufte. Es tat ihm gut, dass sie ihm bei der Jagd half und ihm somit die Gelegenheit verschaffte, sich nĂŒtzlich zu fĂŒhlen. Das Gleiche galt fĂŒr das abendliche Wacheschieben. Durch die Ohren seiner Töli war Urako der effektivste WĂ€chter der Gruppe. Wenn niemand hinsah, streichelte er sie manchmal. Hinterher wusch er sich mehr als grĂŒndlich die HĂ€nde, aus Sorge, sich mit Parasiten zu infizieren und schwor sich, sie nie wieder anzufassen. Jeden Tag, wenn er das Essen fĂŒr die Gestrandeten zubereitete, bereitete er auch eine SchĂŒssel voll fĂŒr Töli. Ihr GefĂ€hrte, der dunkle RĂŒde, musste sich jedoch selbst versorgen, denn bisweilen war Urako neidisch auf die enge Beziehung zwischen den beiden Hunden und konnte ihn darum wenig gut leiden. Er duldete ihn nur, weil er Töli einen Gefallen tun wollte.

Seine Freizeit verbrachte Urako am liebsten mit Firxas, mit dem er sich nach wie vor blendend verstand. Die beiden vertrieben sich die Zeit hĂ€ufig damit, ihre magischen FĂ€higkeiten zu schulen, wobei Firxas sich selbst verbesserte und fĂŒr Urako als Lehrmeister fungierte, da Selan offenbar das Interesse an seinem neuen SchĂŒler verloren hatte.


Zauber, die Urako in dieser Zeit erlernte:

Inkubus-VerfĂŒhrung (spezieller Zauber der DĂ€monen)

Beschreibung: Der Magier (geschlechtsspezifisch!) verfĂŒhrt ein weibliches Opfer oder einen von MĂ€nnlichkeit verfĂŒhrbaren Mann und zieht es in den Bann des Zaubernden; Das Opfer wird um den klaren Verstand gebracht und zu einem beinahe willenlosen Diener des Magiers. Inkubi beherrschen diesen Zauber instinktiv.


Diesen Zauber beherrschen mĂ€nnliche DĂ€monen von Natur aus, auch Tieflinge – Urako war dies bisher nur nicht bewusst. Umso erfreuter war er, als sein Kumpel Firxas ihn mittels einer kleinen Demonstration auf diesen praktischen kleinen Trick stieß. Es benötigte ein wenig Übung, doch Firxas war uneigennĂŒtziger Weise so freundlich, sich als Versuchsobjekt zur VerfĂŒgung zu stellen, bis Urako diesen Zauber auf annehmbaren Niveau beherrschte. Er wird zwar nie so gut darin sein, jede Person, die ihm gefĂ€llt, zu verfĂŒhren, doch reicht es aus, um anziehender zu wirken, als er in Wahrheit ist. Von Natur aus leicht verfĂŒhrbare Leute oder Betrunkene kann er sich problemlos zu Willen machen, bei Leuten, die ihn sehr abstoßend finden oder einen starken Willen besitzen, stĂ¶ĂŸt er jedoch auf seine Grenzen.

Auch ansonsten erwies sich Firxas als guter Lehrmeister. Als Geistmagier unterrichtete er Urako im Bereich der Geistmagie. So erlernte Urako in den zwei Jahren außerdem:


Schattenschritt (Grad 1)

Ermöglicht dem Wirkenden, mit den Schatten zu verschmelzen und auf diese Weise aufmerksamen Blicken zu entgehen. Dieser Zauber kann nur dort gewirkt werden, wo es auch Schatten gibt. Er hÀlt in dieser Stufe etwa 10 Minuten an und erlaubt dem Wirkenden, sich zu bewegen.



Phantomschmerz (Grad 2)

Der Zauberer berĂŒhrt ein Wesen seiner Wahl, wobei Hautkontakt bestehen muss. Das Opfer empfindet Schmerzen an dieser Stelle, welcher Art sie sind obliegt der Entscheidung des Magiers. Es entstehen dabei weder Wunden oder sonstige SchĂ€den. Auf Untote hat dieser Zauber keine Wirkung.


Orobas war zwar eine Hohlbirne, aber in geringen Dosen waren die GesprĂ€che mit ihm eine willkommene Abwechslung. Er hatte zwar nur wenig Interesse daran, Urako zu unterrichten, doch ließ sich wenigstens fĂŒr das Beibringen einen einzigen Zauber breit schlagen:


Aalglatt (Grad 1)

Die Person oder der Gegenstand, auf den der Spruch gewirkt wurde, ist wie von einer öligen Schicht ĂŒberzogen und entgleitet allen begierigen HĂ€nden. Wird der Zauber auf den Boden oder eine Wand gewirkt, so bildet sich auf diesem ein schmieriger Fleck, der keinen Halt bietet.


Urako wendet diesen Zauber gern auf KleidungsstĂŒcke an, so dass der Betroffene zB plötzlich ohne Hose dasteht. Orobas schĂŒttelte nur den Kopf ĂŒber die Verschwendung magischen Potenzials fĂŒr derlei Unfug, aber Urako findet die Anwendung von Aalglatt Ă€ußerst erheiternd.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#3

Beitragvon Arafis » Mi 25. MĂ€r 2015, 09:53

Die Wölfin witterte den Geruch des Wildes in der Luft, noch bevor sie es sehen konnte. Die Spur war noch frisch und das Tier konnte noch nicht lange hier entlang gegangen sein. Auch Fricai schien es wahrzunehmen und leckte sich die Lefzen.
So teilten sich Arafis und Fricai schliesslich auf, um ihren Fang von verschiedenen Seiten anzugreifen. Die beiden jagten nicht zum ersten Mal gemeinsam, doch meistens kam ihnen nur ein Hase oder anderes Kleingetier vor die Nase. Heute jedoch schienen sie mehr GlĂŒck zu haben. Die Albin war alleine, ihr GefĂ€hrte hatte sich weitergeschlichen. Er wĂŒrde die Beute direkt in ihre Richtung treiben.
Die hellbraune Wölfin duckte sich ins Dickicht und wartete ab.

WĂ€hrenddessen schweiften ihre Gedanken ab. Sie waren nun beinahe zwei Jahre auf der Insel gefangen. Obwohl es an der Insel nicht viel auszusetzen gab, sie wirkte auf den ersten Blick wie ein kleines Paradies, wĂŒnschte sich Arafis manchmal weit weg.
Sie konnte nicht genau definieren warum. Irgendwann hatte sie entschieden, dass es an dem vielen Wasser liegen musste, das ihre Freiheit einschrÀnkte
 oder aber an der Gesellschaft.
Man konnte nicht behaupten, dass es mit den Tieflingen eintönig gewesen wĂ€re, und auch die Wildlinge machten immer wieder Aufruhr. Urako war sogar immer öfters freundlich zu ihr, streichelte sie oder gab ihr eine Leckerei ab. Auch machte es ihr Spass, mit ihm zusammen zu jagen. Doch trotzdem fĂŒhlte sie sich oft eingeengt, da sie sich nicht getraute, sich zu verwandeln. Urakos Zorn wĂŒrde grenzenlos sein, sobald er bemerkte, dass sie ihn auf ihre Art hinters Licht fĂŒhrte.
Mit der Zeit begann sich die Albin jedoch zu verĂ€ndern. Nur in kleinen Schritten und sie bemerkte es selbst kaum. Sie liess sich schneller provozieren, verteidigte ihre Beute wie nur ein Raubtier es konnte und wurde misstrauischer. Ihre tierische Seite begann langsam ihr natĂŒrliches Ich zu verdrĂ€ngen. Mit Knurren und anderen DrohgebĂ€rden hielt sie die Mannschaft auf Entfernung, verteidigte ihr Revier und liess nur ihr Rudel, als das sie Fricai, Urako und auch Selan, der jedoch verschwunden blieb, anerkannt hatte, an sich heran.

Ein Zwischenfall öffnete Arafis jedoch die Augen.
Als sie sich einmal wieder wegen einer BanalitĂ€t von Firxas provoziert fĂŒhlte, verlor die Wölfin die Beherrschung. Entsetzt bemerkte sie erst durch den Geschmack von Blut in ihrem Maul, dass sie ihre scharfen ZĂ€hne in Firxas Arm versenkt hatte. Wie vom Blitz getroffen heulte sie auf und rannte panisch und fassungslos ĂŒber ihre Reaktion in den Wald davon.

Von da an war sie alleine mit Fricai durch den Wald gestreift. Bald kannte sie alle Flussrinnsale, Höhlen und Aussichtspunkte auswendig. Sie wusste, wo man am besten jagte und zu Nahrung kam.
Vor Allem aber hatte sie so auch wieder die Möglichkeit, in ihrer natĂŒrlichen Gestalt zu verweilen. Sie getraute sich dies nicht oft und auch nur wenn sie sicher gehen konnte, ungestört zu sein.
Es war eine schwere Zeit fĂŒr sie, denn die Wolfsgestalt war ihr in Körper und Geist eingedrungen. Es war wie eine Droge, dank der sie besser Riechen, schneller Laufen , sensibler Hören konnte und es kostete sie viel Überwindung, immer lĂ€nger in ihrer natĂŒrlichen Gestalt zu verweilen.
Als Ablenkung fand sie schliesslich zur Magie zurĂŒck. Sie hatte die Tieflinge beobachtet, wie sie Zauber wirkten, und so ĂŒbte auch Arafis. Die meisten gelangen ihr nicht, nur einige kleine Tricks lernte sie schliesslich dank ihrer NĂ€he zur Natur zu beherrschen.

Obgleich Arafis noch immer keine allzu grosse Sympathie fĂŒr den Tiefling hegte, vermisste sie doch die NĂ€he der Zweibeiner.
Sie erinnerte sich etwas wehmĂŒtig an die Abende, an denen sie neben Urako gesessen und er ihr unauffĂ€llig ĂŒbers Fell gestreichelt hatte. Nur ihre Hemmungen und Vorsicht hielten sie davon ab, sich an ihn zu kuscheln, wie sie es sonst nur bei Fricai tat, um die NĂ€he und Vertrautheit eines anderen Lebewesens zu spĂŒren.

Plötzlich riss ein GerÀusch sie aus ihren Gedanken. War es ein Tier? Sie schlich sich vor und blieb schliesslich abrupt hinter einigen StrÀuchern geduckt stehen. Es war ein Tiefling, der da in einiger Entfernung stand, und offensichtlich eine Falle kontrollierte.
Und die Bewegungen und die leisen FlĂŒche, als er die Falle leer auffand, kamen ihr seltsam vertraut vor – Urako!
Freudig konnte Arafis fast nicht widerstehen, ihn anzuspringen und ihn am liebsten freudig abzulecken. Sie widerstand dem Drang, obwohl die Erinnerungen sie zu ĂŒberrollen drohten. Als jedoch Fricai enttĂ€uscht von seiner Jagd zurĂŒckkehrte, da die Beute ihm entflohen war, bedeutete Arafis ihm, ruhig zu bleiben und sich bedeckt zu halten. Dann folgten sie dem Tiefling zurĂŒck Richtung Lager.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#4

Beitragvon Selan Todaric » Do 26. MĂ€r 2015, 11:07

"Wird er wach?"

"Nehmt lieber ein Messer zur Hand, vielleicht wird er uns gleich anspringen!"

"Papa ich habe Angst, der sieht gruselig aus!"

Schmerz. Das war das erste was Selan bemerkte. Alles an ihm stach, zog oder war taub. FĂŒr den ersten Moment war es beinahe unertrĂ€glich zu atmen. Ein Stöhnen brachte er gerade noch heraus, als der Tiefling langsam begann die Augen zu öffnen. Es musste Tag sein, dass Licht was durch ein in der NĂ€he befindliches Fenster drang schmerzte in seinen Augen.

Immer wieder kniff er die Augen zusammen, doch nach und nach milderte sich der Schmerz und einzelne verwaschene Konturen waren um ihn herum zu sehen. Viele mussten es sein, sie bewegten sich, sprachen, tuschelten.
Selan hörte nur Wortfetzen, es war eine ihm bekannte Sprache, aber war er noch zu weit in seiner Gedankenwelt, als das er den Sinn der SÀtze verstehen konnte.

Mehrere Minuten dauerte es bis Selan endlich etwas sehen konnte.

MĂŒhsam richtete sich Selan in seinem viel zu kleinem Bett auf. "Wer ... wer ... wer seit ihr?"

"Ich bin Kwyez Fizzbub, der DorfĂ€lteste und das hinter mir sind einige Dorfbewohner. Unter anderem auch diese drei da, die haben dich halb tot am Strand gefunden.", sprach der vom Leben gezeichnete alte Mann und zeigte dabei aus drei jĂŒngere MĂ€nner, die neben dem Fenster standen.

"Pups? Stand? MĂ€nner?", Selan verstand ĂŒberhaupt nichts, sein Kopf schmerzte, seine Erinnerung war lĂŒckenhaft.

"Was ist geschehen?"

"Eigentlich hatten wir gehofft, dass du uns das sagst. Auf unsere kleine Insel verirren sich normalerweise wenige Leute. Woher kommst du?"

"Insel ... Insel ...", aber natĂŒrlich. Selans Erinnerungen kamen langsam wieder zum Vorschein.

"Sagt, befinde ich mich auf der Feuerinsel? Ist dies möglich und was macht ihr hier, ich dachte die Insel wÀre unbewohnt.", sprach Selan schon wesentlich besser. Sein Geist wurde langam wach und obwohl ihm noch immer alles schmerzte und er sich hinlegen wöllte, war er doch zu neugierig als dies zu tun.

"Ganz recht mein Junge, du bist auf der Feuerinsel und bewohnt ist sie nicht.", sprach der alte und zog aus seiner Stoffweste eine alte Pfeife heraus und steckte sie sich an.
"Nun ja, zumindest fĂŒr euch, die auf Lodranion wohnen. Dachtest du denn, nur Lodranion beherbergt Bewohner?"

"Nein ... aber ...", stammelte Selan.

"Hör zu BĂŒrschchen, ich will ganz ehrlich zu dir sein. Ich bin fĂŒr die Goblins hinter mir verantwortlich und ihr DorfĂ€ltester. Sie haben Angst, große Angst, seit du vor einer Woche hier angespĂŒlt wurdest. Wir haben dich gepflegt und wollen dir sicherlich nichts böses. Jedoch musst du uns einige Fragen beantworten. Dies ist sehr wichtig!"

Selan sah den alten Mann an, gerade noch war sein Gesicht weich, ruhig, als könnte ihm nichts aus der Fassung bringen. Jetzt jedoch war es von Sorgen und Ängsten gezeichnet. Seine Augen zittertenm seine Stirn runzelte sich, ihm war es also Ernst.

"Wir sind Goblins, wie man unschwer erkennen kann und ja die Insel ist auch fĂŒr euch unbewohnt. Wer wĂŒrde auch schon auf einer Vulkaninsel leben wollen? Tja, wir! Warum? Ganz einfach, unsere Vorfahren sind schon vor Generationen hier hin ausgewandert. Weg vom SĂŒden, weg vom Norden, weg von dem ganzen Sinnlosen Krieg!"

Selan war ersaunt und hörte aufmerksam zu. "Ihr seid FlĂŒchtlinge? Exilanten? Gibt es noch mehr von euch?"

"Mehr als du glaubst! Seit mehreren Generationen flĂŒchten Menschen von Lodranion. Weg wollen sie, alles hinter sich lassen. Es ist ein Geheimnis, ein Geheimnis des Friedens. Nur unter vorgehaltener Hand wird dieses weiter gegeben. Es gibt viele Orte wohin FlĂŒchtlinge auswandern. Wir sind hier her gekommen.", sprach der Alte und nahm noch einen krĂ€ftigen Zug aus seiner Pfeife, "Es gibt aber wie gesagt noch sehr viel mehr. Die meisten fliehen nach Asamura!"

"Asamura?", Selan war erstaunt, den Namen hatte er noch nie gehört, "Asamura ist das eine Stadt oder eine Insel?"

Der alte Mann vor ihm grinste. "Stadt, Insel? Junge, Asamura ist ein Kontinent! Weit weg von hier, weit außerhalb der Reichweite von Lodranion. Weit außerhalb der normalen Schifffahrtswege. Wenn du nicht weißt wo du hinfahren musst und einer dir nicht den Weg offenbart, wĂŒrdest du lange brauchen um dieses Land zu finden."

Selan war sprachlos, es wanderten Leute von Lodranion aus? Er war schon viel herum gekommen in seinem Leben, aber davon hörte er noch nie etwas. Es musste wirklich ein sehr gut gehĂŒtetes Geheimnis sein.

"Warum erzĂ€hle ich dir dies? Ganz einfach. Wir wollen mit Lodranion nichts mehr zu tun haben. Sollen sie weiter ihre sinnlosen Kriege fĂŒhren. Sollen sie bleiben wo sie sind! Alles war ruhig bis du hier auftauchtest. Ich habe ein gutes GespĂŒhr fĂŒr andere Personen und mein innerstes sagt mir, dass du ein guter bist. Die anderen haben Angst, dass du nur eine Vorhut sein könntest und der Krieg von Lodranion hier in unsere Heimat kommt. Vorhut, pahh ...", sprach der alte und machte eine recht abfĂ€llige Handbewegung.

"Wie sollte ein Mann eine Vorhut sein.", grinste Selan etwas und erzĂ€hlte ihm, da der alte Mann auch mit ihm offen redete seine Geschichte so gut er konnte und so gut es ihm sein GedĂ€chtnis erlaubte. Stunden sprach man, andere Goblins in dem Raum kamen und gingen, viele blieben, vor allem die jĂŒngeren und hörten Aufmerksam den ErzĂ€hlungen Selans zu. Es wurde spĂ€ter Nachmittag, bis langsam etwas Ruhe in das GesprĂ€ch der beiden einzug hielt.

"So ist das also, die Palianer ... Mhhhh, dan hast du dir aber was vorgenommen mein Nekromantenfreund. Ich kenne sie aus alten BĂŒchern, also Beschreibungen. UnterschĂ€tze sie nicht! Sie sind bösartig, tĂ€uschen, lĂŒgen, betrĂŒgen. Falls du wirklich etwas gegen sie unternehmen willst, wĂ€re etwas UnterstĂŒtzung nötig. Aber deine Freunde haben wir leider nicht gefunden. Du warst der einzige der an Land gespĂŒhlt wurde."

Selan schloss die Augen, TrĂ€nen liefen ihm ĂŒber sein dunkelgelbes Gesicht. Sein Herz fĂŒhlte sich in diesem Moment an, als wĂŒrde es zerreißen. Alle tod und er der einzig ĂŒberlebende? Selan legte sich zurĂŒck in sein Bett und kniff die Augen zu. UnertrĂ€glich wurde der Schmerz des verlustes. Mit so etwas war er noch nie konfrontiert und das erste mal in seinem Leben erlebte er das GefĂŒhl Wut, welches Selan nur sehr schwer unterdrĂŒcken konnte.

"Ich weiß das ist schwer fĂŒr dich. Wir lassen dich vielleicht jetzt besser erst einmal in Ruhe. Wenn du etwas brauchst, du bist unser Gast, frag einfach und dir wird geholfen."

Die nÀchsten zwei Jahre ...

Die nĂ€chsten zwei Jahre vergingen wie im Flug. Selan hatte nach der Kunde des Todes viele Wochen kaum die HĂŒtte verlassen. Er war abgemagert und geschwĂ€cht, kaum nahm er noch Essen und Trinken zu sich. Viele der Dorfbewohner sorten sich um ihn, konnten ihm mit MĂŒhe dazu ĂŒberreden wenigstens so viel zu Essen und zu Trinken, dass er nicht starb.

Selan war etwas wie eine Attraktion im Dorf. Nur einige der Ältesten hatten bisher andere Völker gesehen und Selan sah nun wirklich sehr anders aus, als die Goblins. Überragte sie auch fast um einen Meter. Er war ein warer Riese fĂŒr sie.

Die Zeit verging und Selan schöpfte wieder neuen Lebensmut, er hatte eine Aufgabe, die Palianer auf zu halten. Selan lernte in dieser Zeit viel von den Bewohnern. Von Angeln ĂŒber Jagen, bis hin zum Gartenanbau. Zum Handwerker wĂŒrde es wohl nie reichen, dafĂŒr stellte sich Selan einfach zu ungeschickt an, aber fĂŒr das nötigste reichte es schon aus.

Das wichtigste waren fĂŒr ihn aber die Schriftrollen. Er war erstaunt, dass der DorfĂ€lteste Schritrollen besaß und nicht gerade wenige. Wie er erzĂ€hlte sind die GewĂ€sser weit um die Insel herum sehr tĂŒckisch. Immer wieder laufen Schiffe auf Felsen mitten im Wasser auf. Auch ein Grund, warum hier nur Goblins die Insel betreten. Nur wenige kennen sich mit den GewĂ€ssern um die Insel herum aus.
Selan durchstöbrte eine Rolle nach der anderen, sogar Zauberrollen fand er im Funduss des Ältesten. So kam es auch dazu, dass Selan seine Magiebegabung um einiges hinzu fĂŒgen konnte.

Das zweit wichtigste war fĂŒr Selan jedoch von der Insel zu verschwinden und nach den Palianern zu suchen. Ein Schiff brĂ€chte er und auch eine Mannschaft. Denn allein auf hoher See wĂŒrde er es nicht schaffen zu ĂŒberleben. Leider war kein Goblin bereit ihn zu helfen, drum hatte er den Gedanken schon fast aufgegeben, jemals wieder von dieser Insel zu verschwinden.

Eines Tages ...

An einem frĂŒhen Morgen wachte Selan durch Schreie auf. Kindergeschrei! Selan schnellte auf und rannte aus seinem Haus. Ein Kind kam durch das Dorf gerannt und konnte erst von seinem Vater mitten auf dem Dorfplatz beruhigt werden.

Nach einigen Minuten und den beruhigenden Worten des Vaters offenbarte das Kind, warum es so schrie. Der kleine Junge hatte unerlaubter weise den SchĂŒtzenden Bereich der Bucht, in der sie lebten verlassen und sich ins Landesinnere gewagt.

FĂŒr Selan nichts ungewöhnliches. Er hatte schon Wochen damit zu gebracht sich durch den Jungel und die in der mitte befindliche Geröll und LavawĂŒste zu kĂ€mpfen. Lavaströme machten es bisher jedoch nicht möglich auf die andere Seite der Insel zu kommen.

Bis jetzt, denn wie der junge Goblin erzĂ€hlte, hĂ€tte sich an einer Stelle die Lava verfestigt und seih abgekĂŒhlt, so dass man ĂŒber sie laufen und die andere Seite der Insel erreichen wĂŒrde. Voller Trauer, Angst und TrĂ€nen erzĂ€hlte der kleine Kerl, dass er unheimliche Gestalten auf der anderen Seite gesehen hĂ€tte. Große Tiere mit Pelz, einem wesen mit einer hellroten Farbe, was garstig geschaut hĂ€tte und noch andere grobe und böse blickende Gestalten.

Selan hielt es nicht und rannte zu dem kleinen Jungen und bat ihm ihn genau zu erzÀhlen, wo sich die Lava verfestigt hÀtte und wo er die Gestalten sah. Die Beschreibung des kleinen Jungen war gut, Selan kannte die Stelle. Sie war kurz hinter seiner liebsten stelle zum Jagen, in der NÀhe eines Wasserfalls.

Der Tiefling rannte sofort aus dem Dorf. Er musste deisem Hinweis nach gehen, waren seine neuen Freunde in Gefahr? Waren Leute von Lodranion hier, Palianer oder war es eine Armee die hier ankerte? Fremde Gestalten, wer konnten dies nur ein? Die Dorfbewohner waren in Panik, wild wurde herum gesprochen, es wurde von Flucht und weiteren Ideen geredet. Doch Selan bekam davon nur wenig mit, zu schnell war er aus dem Dorf verschwunden.

In windes Eile rannte Selan durch den Wald, durch die GeröllwĂŒste. Immer wieder musste er Pauese machen, war doch die Insel nicht gerade klein. Er fand die Stelle die sich verfestigt hatte und rannte schnur stracks darĂŒber. Einen Gedanken, dass die dĂŒnen Kruste vielleicht einbrechen konnte, hatte er in diesem Moment nicht. Zu groß war die Sorge, dass seinen Freunden etwas passieren könnte. Er musste auf Nummer sicher gehen. Hatte sich der kleine Junge vielleicht geirrt?

Der Tiefling hastete durch den Wald und nur wenige Augenblicke spÀter musste Selan einsehen, dass der Goblinjunge sich nicht irrte. Rauch am anderen Ende der Insel, mehrere und er ahnte es schon. Lagerfeuer ...

Es dauerte noch einmal eine halbe Stunde bis Selan den Wald an der anderen Seite der GeröllwĂŒste erreichte und noch einmal eine ganze weile LĂ€nger bis er das Rauschen des Meeres hörte. Selan wurde langsamer und schlich sich heran. Da war es! Ein Lager und wie er sagte trieben finstere Gestalten ihr unwesen.

Nach einer Armee sah dies nicht aus. Überall Unrat, ein Fleck der Unordnung, zusammen gezimmerte HĂŒtten und ...

Selan traute seinen Augen nicht! War dies dort ncht Firxas und sah der andere nicht aus wie Urako?

Der Tiefling wusste nicht wie ihm zu mute war. Freude, Trauer, Hass, welches GefĂŒhl wĂŒrde die Oberhand gewinnen? Sollte er zu ihnen gehn? Nein! Urako war nun auf der feindlichen Seite und Firxas war auch ein AnhĂ€nger Palions. Das bedeutete Gefahr, Gefahr fĂŒr seine neuen Freunde, er musste sich schnell etwas einfallen lassen.

Langsam verschwand Selan hinter dem großen Stein, hinter dem er lauerte und drehte sich um. Gerade als er gehen wollte, blieb er mit dem Fuß in einer Wurzel hĂ€ngen und stĂŒrzte ins GebĂŒsch. Schnell war der Fuß befreit, doch hatte man ihn bereits gehört?
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#5

Beitragvon Urako » Do 2. Apr 2015, 13:03

Sein Magen knurrte. Und daran wĂŒrde sich auch so schnell nichts Ă€ndern. „Verdammter Drecksalbendreck!“ Mit dem Fuß beförderte Urako Erde und Laub in Richtung der Schlingfalle, in die dadurch jedoch auch kein Kaninchen hineingezaubert wurde. Seit Firxas Töli ermordet hatte, wollte Urako kaum eine Jagd mehr gelingen. Ihm fehlte ihre gute Nase, die ihm zuverlĂ€ssig jene Stellen angezeigt hatte, wo das Wild verkehrte. Ohne sie konnte er nur raten und darin war er verdammt schlecht.

Mit mĂŒrrischem Blick machte er sich auf den Weg ins Dorf. Heute wĂŒrde es wieder WurzelgemĂŒse geben, so wie immer. Da trug ihm der Wind den Geruch von Hund in die Nase. Urako fuhr herum. Und da ging sie, trottete hinter ihm her, als wĂ€re nichts gewesen.

Töli.
Sein Gesicht erhellte sich.
Töli.
Es wurde finsterer denn je.

„Du blödes Scheißvieh“
, wetterte er. Sein Kopf verfĂ€rbte sich auf der Stelle dunkelrosa. „Ich dachte, Firxas hat dich abgenickt, weil du an seinem pickligen Schwabbelarm geknabbert hast! Hah, von wegen, hast dich schön vor der Jagd gedrĂŒckt!“ Seine Stimme wurde immer lauter, je mehr er sich in Rage redete. „Hast du eine Ahnung, was fĂŒr Hunger ich habe? Schau mich an. Schau! Mich! An!“ Er tippte mit dem Finger auf seine Brust. „Hungrig und verlassen, du treuloser Köter! Und hier, sieh dir auch DAS an!“

Er zog den stacheligen pinken Stein aus seiner Hosentasche, an dessen Spitzen angetrocknetes Blut klebte, hielt ihn vor die schwarze Hundenase und gleichzeitig die geöffnete HandflĂ€che seiner freien Hand daneben. In der Hornhaut klafften lauter Wunden unterschiedlichen Alters, wie Einstiche, dazwischen sehr viele Narben. „Den blöden Stein habe ich verdammt oft gebraucht! Bis du weggelaufen bist, hatte ich so was wie Ansehen, Ehre, weil ich der beste JĂ€ger war. Und jetzt? Jetzt bin ich fĂŒr alle wieder bloß der Henker. Der Henker, als ob ich keinen Namen hĂ€tte!“

Die letzten Worte brĂŒllte er quer durch den Wald, als wolle er auf diese Weise all seine Schande von sich schreien. Er wollte Töli packen, sie schlagen fĂŒr ihre Treulosigkeit und das Fell ĂŒber die Ohren ziehen fĂŒr ihren Verrat, um daraus ein Sitzpolster fĂŒr sein Plumsklo zu machen. Doch wenn er sie jetzt totprĂŒgelte – dann wĂ€re sie wirklich fĂŒr immer fort. Und irgendetwas tief in ihm wollte das nicht. NatĂŒrlich nicht, immerhin hing das einzige FĂŒnkchen Ansehen, was er je in der Reisetruppe genossen hatte, an ihrer guten Nase. Zumindest redete er sich ein, dass es daran lag.

Er schnaufte, es sollte ein tiefes Durchatmen sein, um sich wieder zu beruhigen, doch es klang eher wie ein Stier kurz vor dem Angriff. Er schob mit der vor Wut zitternden Hand den Stein wieder in seine Hosentasche und richtete drohend die Klaue seines Zeigefingers zwischen Tölis Augen. „Damit das klar ist“, sagte er, „du lĂ€ufst mir kein zweites Mal davon. Du! Bleibst! Bei! Mir! Du bist mein Hund, mein Eigentum! Meine!“

Meine Töli.

Abrupt drehte er sich um und marschierte in Richtung des hĂ€sslichen Dorfes, wobei er sorgsamst darauf achtete, die Pfoten der HĂŒndin hinter sich in dem raschelnden Laub zu hören. Nerviges Laub, lange vertrocknete PalmenblĂ€tter, manchmal so groß, dass man darĂŒber stolperte, wie ĂŒber ein gestelltes Schienbein. Alles hier war nervig!

Im Dorf erwartete sie schon Firxas. Er grinste Urako dĂŒmmlich zu und sah aus, als ob er ein BegrĂŒĂŸungskĂŒsschen erwartete. Seine Glatze hatte eine Delle, wo der Henker ihm eine Melone ĂŒber den SchĂ€del gezogen hatte. In Urakos Vorstellung hatte Firxas die HĂŒndin in einen Sack gesteckt und ertrĂ€nkt, egal, wie oft er das Gegenteil beteuerte. Zwei Tage lang hatte Urako anschließend gesoffen und gewĂŒtet, bis es den Tieflingen gelungen war, ihn festzubinden. Nach zwei weiteren Tagen hatte er sich immerhin so weit beruhigt, dass sie ihn wieder losbinden konnten. Urako hatte Firxas lautstark, so dass das gesamte Dorf es hörte, die Trennung verkĂŒndet und ihn offiziell zu einem verlogenen StĂŒck Scheiße erklĂ€rt. Dann war er Pilze sammeln gegangen.

Nun stand Firxas da und grinste ihn an mit seinen spitzen gelben ZĂ€hnen. Vielleicht erwartete er, dass Urako ihm heulend um den Hals fiel, um Vergebung flehte und die Trennung rĂŒckgĂ€ngig machte, jetzt, wo bewiesen war, dass Töli noch am Leben war. Doch bevor Urako eine verletzende Bemerkung machen konnte, hörte er ein dumpfes Poltern zu seiner Rechten.

Mit einem Satz sprang er auf den großen Stein und blickte dahinter, wo sich jemand im Dreck sulte.

„Selan?“ Seine Stimme war erstaunt, doch wenig erfreut. Noch ein Treuloser, der sich davongestohlen hatte!
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#6

Beitragvon Arafis » So 19. Apr 2015, 15:06

Nachdem Arafis Urako’s Getobe hatte ĂŒber sich ergehen lassen, bekam sie den Anflug eines schlechten Gewissens. Vor Allem als sie den blutbesudelten Stein erkannte, den sie ihm ganz zu Anfang ihrer Reise einmal geschenkt hatte, mehr aus Spass, als dass sie dachte, er wĂŒrde ihn behalten oder sogar dazu nutzen, seinen Frust abzureagieren.
Als sie jedoch erkannte, dass er in erster Linie um seinen guten Ruf bei den anderen Gestrandeten besorgt zu sein schien, verpuffte ihr Mitleid.
Ein Henker, das war er, und nichts anderes. Einen Moment hatte sie sogar das GefĂŒhl, dass diese Seite in ihm just zum Ausbruch kommen könnte, denn sie spĂŒrte die aggressive und wutgeladene Stimmung, welche ihn wie eine dicke undurchdringliche Wolke umgab.
Schliesslich beherrschte Urako sich jedoch und drohte ihr stattdessen vorerst nur mit Worten.

WĂ€hrend sie zum Lager zurĂŒckmarschierten, Urako legte einen zackigen Schritt vor, so dass sie hinter ihm hertraben musste, ging sie in Gedanken die letzten Erinnerungen an die Tieflinge durch.
Meistens war sie nicht gross beachtet worden, doch manchmal hatten sich einige der dreisteren Tieflinge oder Matrosen einen Spass daraus gemacht, sie zu provozieren. Anfangs hatte sie es mit einem verĂ€chtlichen Blick ĂŒber sich ergehen lassen, doch je mehr Zeit verging und je mehr die Wölfin in ihr das wahre Ich verdrĂ€ngte, desto schneller war sie zu reizen. Was Firxas schliesslich eine ungemĂŒtliche Bissverletzung am Arm eingebracht hatte.

Im selben Moment blieb Urako stehen und Arafis wĂ€re beinahe in ihn geprallt. Einige Schritte entfernt stand tatsĂ€chlich Firxas und grinste ĂŒber beide Ohren. Arafis spĂŒrte sofort wieder die Wut, welche sie damals veranlasst hatte, ihn anzugreifen. Sie fletschte die ZĂ€hne und fĂŒhlte sich plötzlich wieder mehr als Wölfin, denn als Albin. Bevor ihre Instinkte jedoch mit ihr durchgehen konnten, vernahm sie ein GerĂ€usch in der NĂ€he. Noch bevor sie darauf reagieren konnte, sprang Urako bereits vor auf einen Stein und starrte zuerst bedrohlich, dann ĂŒberrascht, und schliesslich verĂ€rgert hinab. „Selan?“, hörte Arafis seine etwas krĂ€chzig anmutende Stimme fragen.
Selan? Irgendwie kam ihr der Klang dieses Wortes bekannt vor
 doch sie konnte sich nicht erinnern

Neugierig sprang sie um den Felsbrocken herum und fand sich Auge in Auge mit einem etwas zerzausten Tiefling wieder. Sein Gewand war schmutzig, ĂŒberall hatten sich BlĂ€tter und feine Zweige in seiner Kleidung verfangen und er hatte einen etwas gehetzten Blick, als wĂ€re er vor etwas oder jemandem auf der Flucht. Er schien sich zu fĂŒrchten.
Einen ganz winzigen Moment meinte sie, ein GefĂŒhl des Erkennens zu verspĂŒren. Gleich war es jedoch wieder verschwunden und sie schĂŒttelte sich abrupt, um die Empfindung zu verdrĂ€ngen.

Arafis hatte einige Zeit mit Urako verbracht und sie hatte gelernt, die kleinsten Anzeichen seines Verhaltens zu deuten. Seine Haltung drĂŒckte Misstrauen aus und EnttĂ€uschung. In seinen Augen blitzte einen Moment lang Erstaunen auf, das dann einer lange unterdrĂŒckten Wut wich. Sofort strĂ€ubte sich das Fell der Wölfin und ihr wildes Ich hĂ€tte den Eindringling am liebsten vertrieben. Stattdessen verharrte sie in ihrer Abwehrhaltung.
Ihr vernĂŒnftiges Wesen hielt sie zurĂŒck. Aus welchem Grund, konnte sie in diesem Augenblick nicht erkennen und innerlich strĂ€ubte sich das Wildtier dagegen, wollte sich aus LoyalitĂ€t zu Urako auf den Störenfried stĂŒrzen.
Doch da Arafis in der Wildnis viel Zeit in ihrer natĂŒrlichen Gestalt verbracht hatte, hatte sie auch gelernt, sich wieder zu beherrschen. Es war zwar oft eine Gratwanderung, doch sie wollte keinesfalls nochmals jemanden anfallen.

Dass die am Boden kauernde Gestalt vor ihr Selan war, dass sie mit ihm durch die Welt gereist war, daran erinnerte sie sich nicht.
Auch Firxas schien keinen blassen Schimmer zu haben, wer dieser Tiefling sei. Er kam um den Felsen gestapft und schien etwas eingeschnappt zu sein, dass er Urako’s Aufmerksamkeit so schnell wieder verloren hatte. Nun suchte er sich ein Opfer, um den Frust abzulassen – und der am Boden geduckte Tiefling kam ihm gerade Recht!
„Wen hab’n wir denn da?! Was bis’n Du fĂŒrn Waldheini?“, naserĂŒmpfend nĂ€herte er sich Selan und stiess ihm nicht gerade sanft einen seiner miefenden FĂŒsse in die Seite. „Vielleicht einer dieser Kannibalentrottel? Den richtigen Gestank wĂŒrdest ja schonmal mitbringen!“
Er grinste Erfolg heischend zu Urako hinĂŒber. „Und ĂŒberhaupt
 was willst’n hier?! Bestimmt unsere Beute klauen, hĂ€? Oder uns ausspionieren? Aber daraus wird nix Waldheini! Wir werden Dich höchstens an die Hunde verfĂŒttern!“ Damit blickte er kurz zu Arafis und Fricai hin, welche nun beide in der NĂ€he waren. Offensichtlich wollte er mit seinem Gehabe Urako imponieren, und seinen guten Willen zeigen, indem er das arme Opfer Urako’s Tölen zum Frass vorwerfen wollte.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#7

Beitragvon Selan Todaric » Fr 24. Apr 2015, 14:08

AndĂ€chtig betrachte Selan das Muskelpaket vor sich. KrĂ€ftig sah er aus, ein SchlĂ€ger der ĂŒbelsten Sorte, wie er vermutete. Er kannte solche Personen leider zur genĂŒge. Wo er mit seinem Wagen auch ankam, ĂŒberall gab es Muskelpakete, die Streit suchtend.
Meistens hatten sie auch einen, fĂŒr Selan unangenehmen Geruch, waren schlecht gewaschen und rochen immer nach Knoblauch aus dem Mund. Es musste ein Scherz der Götter sein, dass es solche Personen wohl ĂŒberall auf der Welt gab, ging Selan durch den Kopf, wĂ€hrend er einen Stoß gegen den Oberkörper vernahm.

„Wen hab’n wir denn da?! Was bis’n Du fĂŒrn Waldheini? Vielleicht einer dieser Kannibalentrottel? Den richtigen Gestank wĂŒrdest ja schonmal mitbringen!“
Er grinste Erfolg heischend zu Urako hinĂŒber. „Und ĂŒberhaupt
 was willst’n hier?! Bestimmt unsere Beute klauen, hĂ€? Oder uns ausspionieren? Aber daraus wird nix Waldheini! Wir werden Dich höchstens an die Hunde verfĂŒttern!“

"Guter Mann, ich verbitte mir ĂŒber die Goblins in so einem Ton zu reden. Es stind anstĂ€ndige, strebsame und wohlerzogene Leute!", entgegnete Selan, wĂ€hrend er sofort wieder zu Urako schaute. Was machte er hier? War er nicht schon vor Jahren zu Palion aufgebrochen? Oder? Nein, er war auch auf dem UnglĂŒcksschiff und ja. Einige dieser Personen hier, erkennt er auch vom Schiff wieder. Selan bekam Kopfschmerzen, ganz waren seine Erinnerungen immer noch nicht zurĂŒck gekommen.

"He, was schaust du so zu ihm? Finger weg, besetzt!", muffte er Selan und und blinzelte Urako kurz zu.

"Und was nun, hats dir die Sprache verschlagen oder was ist mit dir. Kleiner gelber stinker rede oder ich werd ungemĂŒtlich!", brĂŒllte er Selan mittlerweile an, wĂ€hrend er mit der Faust drohte.

"Bitte, ich möchte mit dem Herrn da hinten reden.", sprach Selan wÀhrend er auf Urako zeigte.

"Du willst mit meinem General Pink-Puschel reden, warum?", zwinkerte er Selan abermas zu.

"Ich muss mit ihm sprechen, bitte lassen sie mich durch.", versuchte sich Selan an dem riesen vorbei zu schlÀngeln.

Schneller, als man es von so einem Paket Fleisch erwarten könnte, packte er Selan.
"Hier geblieben, du bist mein persönlicher Gefangener. Mal sehen ob dich ein paar Tage ohne Nahrung und Wasser redseeliger machen."

Hörte Selan noch, bevor er einen dumpfen Schmerz am Kopf verspĂŒhrte und zusammen brach.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#8

Beitragvon Urako » Mo 4. Mai 2015, 13:08

Als Firxas sich vorbeugte, um Selan fertig zu machen, rutschte seine Hose ein StĂŒck nach unten und Urako nutzte die Gelegenheit, seinen Hintern zu begutachten. Gar nicht ĂŒbel. Ihm gefiel der HĂŒftspeck, der ĂŒber den GĂŒrtel quoll und er erinnerte sich an das feine Muster von Wachstumsnarben, das er einst mit den Klauen nachgezogen hatte, bis sie glĂŒhten. Prompt bekam er eine GĂ€nsehaut.

Vielleicht sollte er das mit der Trennung doch nicht allzu Ernst nehmen. Trennung musste schließlich nicht bedeuten, dass man nicht mehr miteinander intim wurde. Immerhin war die Auswahl an Partnern hier auf der Insel sehr begrenzt. Noch begrenzter war die Anzahl derer, die sich fĂŒr den chronisch miesgelaunten - und obendrein mĂ€nnlichen - Henker interessierten. Genau genommen beschrĂ€nkte sich der Kreis seiner Interessenten auf eine einzige Person und die beugte sich vor ihm gerade in verlockender Weise nach vorn.

Urakos Aufmerksamkeit wurde durch eine ruckartige Bewegung von Firxas wieder in höhere Bereiche gelenkt. Firxas hatte Selan eine verpasst, die sich gewaschen hatte, denn der gute Mann lag schielend und bewusstlos im Laub. Urako stemmte die HĂ€nde in die HĂŒften und lachte.

"Saubere Arbeit, so einen Schlag hĂ€tte ich einem Schwabbel wie dir gar nicht zugetraut." Das beim Lachen sichtbare Zahnfleisch, das Firxas vor gut zwei Jahren mit einem Fausthieb von seinen ZĂ€hnen befreit hatte, verriet sehr deutlich, dass Urako es eigentlich besser hĂ€tte wissen mĂŒssen.

Firxas jedoch freute sich, dass Urako wieder in gut gelauntem Tonfall mit ihm redete, auch wenn er ihn gerade als Schwabbel bezeichnet hatte und grinste triumphierend. Er packte Selan bei den Fußknöcheln und zog ihn ins Dorf, wobei der Kopf des Bewusstlosen ĂŒber das erst vor zwei Wochen verlegte Natursteinpflaster hoppelte.

Urako folgte ihm in kurzem Abstand. "Töli, Fuß!", kommandierte er. "Und lass mir ja meinen Specki in Ruhe." Firxas hatte als einziger auf der Insel zugenommen. Urako gefiel das und er ging die ganze Zeit hinter ihm, um etwas zu gucken zu haben. Im Dorf angelangt, bog er schließlich etwas schwermĂŒtig in einen anderen Weg ein, um Töli ihr neues Quartier zu zeigen, wĂ€hrend Firxas mit Selan davon stapfte.

"Hier. Das habe ich gebaut, damit du auch bei Regen draußen liegen kannst."
Urako wies auf eine gerĂ€umige HundehĂŒtte, die so schief war, dass nur einer hier im Dorf sie gezimmert haben konnte. Ihr Dach war mit geflochtenen PalmenblĂ€ttern gegen den Regen geschĂŒtzt und im Inneren fand sich ein Polster aus dickem Fell, liebevoll zu einem Nestchen arrangiert. Eine stabile hölzerne Öse samt dicker, geflochtener Lederschnur prangte neben dem Eingang. Diese Konstruktion hĂ€tte einen BĂ€ren aufgehalten.

"Sogar der andere Köter passt mit hinein. Ich hab die HundehĂŒtte gezimmert in der Zeit als du weg warst. Ich dachte ja anfangs, dass du irgendwann wiederkommst. " Er funkelte sie feindselig an. "Bis du meine Hoffnung zerstreut hast. Aber das passiert mir kein zweites Mal. TagsĂŒber, wenn ich schlafe und dich nicht im Auge behalten kann, kommst du fortan an die Leine."

Er trat in seine eigene HĂŒtte, an deren Seite Tölis neue Schlafstatt sich befand, und ging zum Vorratsregal. Er nahm die SchĂ€deldecke eines an Wundbrand verstorbenen Matrosen heraus, die er zur SchĂŒssel umfunktioniert hatte und fĂŒllte die Reste seines gestrigen Morgenbrotes hinein - gekochte Wurzeln und Pilze. Er stellte es Töli hin, obwohl ihm selber der Magen knurrte, doch er wollte nicht, dass sie wieder fort lief, um sich selbst etwas zu jagen. Nein, er wollte, dass sie im Dorf blieb, hier bei ihm. Im Vorbeigehen ließ er seine Fingerspitzen ihren RĂŒcken entlang streifen, als ob er sie nur zufĂ€llig berĂŒhrt hĂ€tte, wĂ€hrend er wieder zum Ausgang ging.

Er wollte nachsehen, was Firxas mit seiner neuen Errungenschaft trieb. Er fand ihn, wie er den Bewusstlosen stĂŒmperhaft fesselte.

"Lass mal einen Fachmann ran", posaunte Urako, schob ihn zur Seite und löste die Knoten, um sie neu zu legen. So wie Selan bis gerade eben gefesselt war, wĂŒrden ihm in kĂŒrzester Zeit die HĂ€nde und FĂŒĂŸe absterben. Urako musste sich beeilen, denn Selan begann sich wieder zu regen und stöhnend den Kopf hin und her zu rollen.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#9

Beitragvon Arafis » Fr 22. Mai 2015, 10:52

Arafis hatte Fricai das Futter ĂŒberlassen. WĂ€hrend er hungrig den SchĂ€del bis auf den letzten Resten ausleckte, begutachtete sie neugierig ihre neue SchlafstĂ€tte. Obwohl sie etwas schief stand, hatte sich Urako offensichtlich MĂŒhe gegeben. Das Dach war gut gedeckt und die WĂ€nde schienen stabil zu sein, solange nicht gerade ein heftiger Sturm ĂŒber die Insel fegte.
Was die Albin jedoch am meisten erstaunte und freute, waren die dicken Felle, welche den Boden bedeckten. Sie betrat zögerlich das warme Nest und fĂŒhle sich sofort wohl darin. Und Urako hatte nicht zu viel versprochen, die HĂŒtte bot Platz fĂŒr zwei Bewohner.

Die Wölfin liess sich auf dem weichen Bett nieder und legte ihren Kopf zwischen die Pfoten. Sie hatte von hier aus einen guten Überblick und hatte einen grossen Teil des Dorfes in ihrem Blickfeld. Fricai leckte sich zufrieden ĂŒber die Lefzen. Er blickte sie fragend an und schnupperte am Eingang der HundehĂŒtte. Arafis gab ihm die Erlaubnis, und schon legte sich der RĂŒde neben sie in die Wolfshöhle, wie die Albin die neue Unterkunft insgeheim nennen wĂŒrde.
In der Wildnis hatten sie auch in Höhlen geschlafen. Dort war es jedoch oft feucht gewesen und der Untergrund hart. Die Wölfin in ihr hatte dies nicht gross gestört, doch die Albin hatte sich nie so ganz daran gewöhnen können. Auch hatten sie dauernd aufpassen mĂŒssen, nicht von Wildlingen aufgespĂŒrt zu werden, die ihnen ihre Pelze wiederrum bestimmt gerne abgezogen hĂ€tten.
Umso mehr genoss sie nun den Luxus von Behaglichkeit.

Bald hörte sie das gleichmĂ€ssige Schnaufen von ihrem Begleiter, der eingedöst war. Auch Arafis bemerkte, wie SchlĂ€frigkeit sie ĂŒberkam. Sie schloss die Augen, und liess sich von ihren Sinnen forttragen.
Leise GesprÀche, das Rattern der Bauarbeiten, das GekrÀchze eines Matrosen, der sich im Gesang versuchte, sowie das Klappern von Töpfen drang gepaart mit dem sanften Klang der Wellen nur noch wie ein Rauschen an ihre Ohren. Langsam driftete die Albin ab und begann in Erinnerungen zu schweben, zu trÀumen.

Sie stand einem Wolf gegenĂŒber. Er war riesig, ĂŒberragte sie um Weiten. Sie erkannte, wie sich seine Muskeln unter dem Fell abhoben. Sein weisses Fell schimmerte im Licht und die BlĂ€tter der BĂ€ume warfen ein mystisches Muster auf seinen Pelz. Seine Augen leuchteten und zeugten von einer Intelligenz, welche die normaler Tiere ĂŒberragte. Arafis war erfĂŒllt von Ehrfurcht.
Als das Wesen jedoch plötzlich mit einem riesen Sprung auf sie zusetzte, sie seine FÀnge bereits aufblitzen sah und sich ihre Augen vor Schreck weiteten, wandelte sich der Traum.
Sie stand auf einer Lichtung. Vor ihren Augen stieg Rauch auf. Aus einem Dorf. Aus ihrem Dorf.
TrĂ€nen rannen ĂŒber ihr Gesicht, dann hörte sie die Stimme ihres Lehrers: „Lauf junge Druidin, lauf! Deine Familie lebt, bringe dich in Sicherheit. Die Elanier greifen an!“
 und sie rannte

Sie fand sich in einer WĂŒste wieder. Die Sonne brannte auf sie nieder. Der schwarze Fleck neben ihr musste Fricai sein. Hitze, unglaubliche Hitze. Und solcher Durst, dann wurde alles schwarz.
Doch der Traum ging weiter. Eine junge Elfe hielt ihr eine Flasche mit FlĂŒssigkeit an die Lippen. Dankbar nahm sie es entgegen. Sie spĂŒrte beinahe ihren trockenen Mund und wie das Wasser ihr neue Energie gab. Sie wollte die Frau umarmen, sie war zu ihrer Freundin geworden. Doch als sie ihre Arme um sie schloss, fiel sie in sich zusammen. Ihr Körper sackte zusammen, fĂŒhlte sich kalt an. Und Arafis starrte in die leblosen Augen. Ihr eigener Schrei ging im bösen GelĂ€chter eines Tieflings unter. Urako.
Und wieder rannte sie

Sie beobachtete, wie Urako mit einem anderen Tiefling unterwegs war. Und plötzlich – war sie Teil dieser GefĂ€hrten. Sie trank zusammen mit dem einen Tee, stritt sich mit dem anderen. Sie spĂŒrte panische Angst, als sie sich in einem Tempel wiederfand, von Flammen umgeben. Dann war sie wieder eine braune Wölfin, welche in unbeobachteten Momenten von Urako gestreichelt wurde.
Der Traum wurde immer verworrener. Es wechselten sich stetig Bilder aus der Perspektive der Wölfin und der Albin, vermischten sich schliesslich.
Immer wieder tauchte auch Selans freundliches Gesicht auf, doch sie konnte ihn nicht richtig zuordnen. Immer wenn ihre Erinnerung ihn zu erfassen schien, wurde er von einem anderen Bild verdrÀngt.
Unruhig wÀlzte sich Arafis hin und her.

Sie wurde von einem besorgten Knabbern an ihren Ohren geweckt. Fricai sass ganz nah bei ihr. Sie spĂŒrte seinen warmen Körper und genoss seine NĂ€he. Trotzdem konnte sie sich nicht mehr so schnell beruhigen. Sie versuchte die Bilder aus ihrem Traum festzuhalten. Der weisse Wolf
 er hatte ihr gezeigt, welche Gestalt in ihrem Innern schlummerte. Durch ihn war sie erst zu einer Druidin geworden. Doch sie musste aufpassen, dass die Wölfin nicht die Kontrolle ĂŒbernahm. Sie musste einen Weg finden, sich zu wandeln, auch wenn Urako nun vermehrt ein Auge auf sie haben wĂŒrde.
Urako
 wo er wohl steckte? Und was hatte es mit diesem grĂŒnen Tiefling auf sich?
Arafis beschloss, sich im Dorf umzusehen. Vielleicht wĂŒrde sie einen Ort finden, wo sie sich ungestört Wandeln könnte. Sie wollte ihre Umgebung erkunden und eventuell auch das Geheimnis um den Eindringling lĂŒften.
Sie schĂŒttelte die MĂŒdigkeit ab und stupste Fricai liebevoll an. Er liess sich beruhigt nieder. Er wĂŒrde hier bleiben, jedoch immer einen wachsamen Blick behalten.

Arafis blickte sich um. Schliesslich trottete sie in die Richtung los, in die auch Urako verschwunden war, und wo sich noch seine FĂ€hrte riechen konnte. Dabei betrachtete sie, was die Tieflinge in den zwei Jahren hier erschaffen hatten. Pflastersteine bildeten einen unebenen Weg und einen Platz, aus welchem ĂŒberall Unkraut hervorwucherte. Die HĂ€user waren alle selbstgezimmert, doch keines war so schief geworden, wie das von ihrem Urakoli. WĂ€re es möglich gewesen, hĂ€tte sie bei dem Anblick gelĂ€chelt.
Stattdessen lief sie weiter. Die ehemaligen Matrosen beachteten sie kaum. Entweder hatten sie einfach kein Interesse oder ihr Hirn war zu vernebelt von den Pilzen, welche sie dauernd kauten, um sie ĂŒberhaupt wahrzunehmen.
Sie konnte die MĂ€nner schon aus grösserer Entfernung riechen. TĂ€gliches Waschen schien nicht zu ihren LieblingsbeschĂ€ftigungen zu gehören. Die Kleider mĂŒffelten und verdeckten nur mehr dĂŒrftig die braun gebrannten Körper. Die meisten hatten lange, verfilzte BĂ€rte und zottelige Haare oder hatten sich selbst mit einfachen Messern ihre Frisuren notdĂŒrftig zurechtgestutzt.
Belustigt dachte Arafis an Urakos weiss-rosa Haut. Er wĂŒrde wohl eher einem Krebs gleichen, als jemals braun zu werden. DafĂŒr schien er mit seinen Zahnstummeln nicht mehr gross aufzufallen, denn die meisten hier hatten angefaulte ZĂ€hne, wohl auch eine Folge der Pilze.

Plötzlich meinte Arafis Urako zu entdecken. Er entfernte sich gerade zusammen mit Firxas, welcher ihm bewundernde und ekelhafterweise auch lĂŒsterne Blick zuwarf von einer HĂŒtte etwas abseits. Arafis ĂŒberlegte einen Moment lang, den beiden nachzulaufen, doch dann vernahm sie ein Stöhnen aus der HĂŒtte. Das musste wohl der Gefangene sein. Offensichtlich war er wach geworden. Arafis wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte und was Urako und Firxas in dieser Zeit wohl mit ihm angestellt haben mochten.
Doch sie war neugierig und wollte wissen, wer der Fremde war, und warum er in ihren Erinnerungen erschien.
Als die beiden Tieflinge nicht mehr in Sichtweite waren, ging sie auf leisen Pfoten zu der HĂŒtte, welche wohl als GefĂ€ngnis diente.
Als TĂŒr war notdĂŒrftig ein Lederfetzen befestigt worden. Doch als sie sich hindurchgezwĂ€ngt hatte und auf den Gefangenen blickte, war sie ĂŒberzeugt davon, dass der arme Kerl mit diesen Fesseln keine Chance hatte, zu entfliehen.
Trotzdem war sie ĂŒberzeugt, dass Urako einen GefĂ€ngniswĂ€chter engagieren wĂŒrde, sobald er jemand passendes gefunden hĂ€tte.
Als sie Selan so betrachtete, kamen jedoch keine Erinnerungen in ihr hoch. Er hatte blaue Flecken von Firxas grober Behandlung und schien noch ganz benommen zu sein. Auch sein Geruch war ein anderer geworden und der Teeduft, der vielleicht vertraute GefĂŒhle hervorgerufen hĂ€tte, fehlte.
So starrte Arafis ihn bloss gedankenverloren an und wartete auf eine Reaktion, ob von ihm oder von ihr selbst konnte sich nicht recht sagen.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#10

Beitragvon Selan Todaric » Fr 5. Jun 2015, 11:45

Ein weiterer dumpfer Schmerz in Selans Leben lösten die gerade noch feinen Tee reichen und lieblichen TrÀume Selans ab. Die letzte Monate, seit dem Besuch seiner Heimat, musste Selan so einiges ein stecken. SchlÀge, Tritte, Angriffe und noch viel mehr, aber woher kam dieser Schlag?

War der Satz noch nicht zu Ende gedacht, viel Selan auch gleich der Grund ein. Urako! Dazu ein anderer Tiefling, der ihn nieder geschlagen hatte. Aber wieso tat er das? NatĂŒrlich hatte Selan ihr Lager ungefragt betreten, aber hĂ€tte man nicht auch erst einmal mit einander reden können, anstatt gleich die FĂ€uste sprechen zu lassen?

Langsam öffnete Selan seine Augen. Vor ihm waren in einer dunklen HĂŒtte zwei Gestalten, die irgend eifrig etwas machten. Modriger Geruch war das zweite was Selan bemerkte. Eindeutig kein Geruch, der einer Tee verwöhnte Nase wĂŒrdig war!
Selan versuchte zu erkennen, was die beiden Personen machten und woher der Geruch kam, um sich zumindest etwas davon distanzieren zu können. Nur schwer war zu erahnen woher der Geruch kam. Von den Gestalten oder der HĂŒtte selbst? Im fahlen Licht erkannte Selan, nach dem sich seine Benommenheit etwas gelichtet hatte die Gestalten sehr schnelle. Auch was sie taten, war unschwer zu erkennen und was sie taten, gefiel Selan ganz und gar nicht.

"Urako! Was machst du da? Und wer sind sie da? Warum fesseln sie mich? Einen Grund gibt es dafĂŒr wohl erst gar nicht. NatĂŒrlich bin ich ungefragt in ihr Lager eingetreten, aber wo hĂ€tte ich mich denn melden sollen? Ist eine Fesslung denn da gleich erforderlich oder zwingend notwendig? Zivilisierte GesprĂ€che fĂŒhrt man bei gutem Tee und Keksen an einem ordentlich gedankten Tisch. Ich habe da noch ein paar auserlesene Sorten, ich könnte sie eiligst holen und dann setzen wir uns zusammen und bereden alle Probleme. Das wĂ€re doch eine gute Idee, nicht wahr? So etwas ist hier doch komplett unnötig, gehen wir doch zu dem lieber ins freie, hier ist es doch Nass und kalt. Dazu riecht es hier ..."

Stockte Selan plötzlich, als er beim Armheben des krĂ€ftigen Tieflings eine Übelkeit verspĂŒrte, jetzt wusste er, woher der beißende Geruch kam.

"Ich muss schon sehr bitten mein Herr, machen sie bitte sofort die Fesseln wieder los. Zudem wĂŒrde ihnen auch ein Bad gut tun, mein bester. Auch wenn wir auf einer Insel sind, Hygiene ist das A und O des ĂŒberlebens, zudem ist es unschicklich so zu riechen!"

Schnaufend blickte Firxas Selan an. "Ruhe du halbes Hemd! Sonst war das vorhin nicht der letzte Schlag auf die gut gekÀmmte Frisur von dir! Und wart nur ab, wenn du weiter so frech bist, macht mein kleiner Puschel hier gleich mit!"

>Kleiner Puschel?<, ging Selan durch den Kopf. Meinte er etwa den brutalen undankbaren Henker, der ihn verraten hatte? Der sein SchĂŒler war? Den er ausbilden und lehren wollte, so gut wie es nie zu vor ein Lehrer tat?

Schnell folgte ein prĂŒfender Blick zu Urako, der jedoch ganz und gar nicht in Selans Richtung blickte.

"Urako!", reusperte sich der Nekromant, "Ich bin zwar nicht mehr dein Lehrer und habe dir nichts mehr zu sagen. Jedoch ziert sich nicht, auf anderer Leute Hinterteil dermaßen exzessiv zu starren, unterlasse dies bitte, so etwas macht nicht! Was ist nur aus dir geworden? Du warst mein SchĂŒler, mein Freund. Ich wollte dir alles bei bringen und nun betest du Palion an. Verhaust mich vielleicht noch und tust arg solch böse Dinge. Warum nur? Wo ist dein gutes Herz nur hin mein Freund?"
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Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

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