Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Das schwarze Herrenhaus von Hohenfelde 01 -- Das Herrenhaus & der Geist

Die einstige naridische Adelsfamilie von Hohenfelde beschloss, die blutige Vergangenheit hinter sich zu lassen und in Souvagne einen Neuanfang zu wagen. Mit von der Partie sind die verb├╝ndeten und verwandten Familien von Wigberg und von Eibenberg.
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Linhard von Hohenfelde
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Das schwarze Herrenhaus von Hohenfelde 01 -- Das Herrenhaus & der Geist

#1

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » Sa 21. Jul 2018, 13:07

Das schwarze Herrenhaus von Hohenfelde
-Das Herrenhaus & der Geist-

Linhard von Hohenfelde
Nach einer gef├╝hlten Ewigkeit hatten sich Brandur und Linhard wieder in dem alten Herrenhaus der Familie von Hohenfelde eingefunden. Linhard hatte die F├╝hrung ├╝bernommen, da er seinem Vater den eisigen Aufbewahrungsraum seiner Vorfahren zeigen wollte. Ein eisiges Grab in einem genauso eiskalten Haus. Ein Mausoleum von Triumph und Verg├Ąnglichkeit.

Wer unten in den eisigen Hallen lag, hatte das Spiel um die Macht verloren. Wer oben residierte, hatte die Macht an sich gerissen. Aber in diesem Haus war nichts von Dauer. So wie die W├Ąnde sich permanent verschoben, so verschob sich auch das Machtgef├╝ge innerhalb der Mauern.

Wer heute noch oben auf dem Familienthron sa├č, konnte morgen schon in die eisige Gruft einziehen. Und das taten sie, einer nach dem anderen. Fast jede Generation seit dem die von Hohenfelde in Naridien lebten, lag hier unten.

Au├čer jene, deren K├Ârper bei ihrem Ableben vollst├Ąndig zerst├Ârt worden waren. Linhard wusste nicht vorher das Eis kam, weshalb es dort unten dauerhaft Winter war. Wobei ein Winter hatte auch milde, sonnige Tage. Dort unten herrschte ewige Finsternis und Eiszeit. Eine bizarre Frostigkeit hatte sich in den Hallen festgesetzt, die sogar jede Grabesk├Ąlte zu ├╝bertreffen schien.

W├Ąhrend sie schweigend Richtung der Eisigen Hallen wanderten, hatte sich Linhard eine der Laternen geschnappt und entz├╝ndet. Er wusste nicht warum, aber es war in diesen Gem├Ąuern permanent dunkel. Selbst das geringe Licht, dass durch die Schie├čscharten artigen Fenster schien, wurde scheinbar durch irgendetwas im Inneren des Hauses absorbiert. So als konnte das Licht nicht bis zum Herzen des Hauses vordringen.

"Es ist nicht mehr weit", fl├╝sterte Linhard Brandur zu.

Die Laterne hielt er weit vor sich, aber auch ihr Licht war nur einen Kegel, der sie gerade einzuschlie├čen schien wie ein Schutzzauber. Au├čerhalb des Lichtscheins sah man Schatten tanzen, die noch schw├Ąrzer waren aus die Hauseigene Finsternis. Linhard vermutete dass es sich um die D├╝sterlinge handelte. Etwas anderes wollte er sich nicht vorstellen.

Er schaute kurz ├╝ber die Schulter nach Brandur, im matten Schein der Laterne sah das Gesicht seines Vater fahl aus, unheimlich. Warum man in den G├Ąngen und Hallen dieses Hauses stets fl├╝sterte, war ihm auch ein R├Ątsel.

Aber niemand rannte hier, niemand schrie, niemand rief oder lachte... es sei denn es wurde Blut vergossen. Dann, wenn der Tod in dem Haus umging, dann erwachte es zum Leben...

Linhard lief bei dem Gedanken ein Schauer ├╝ber den R├╝cken. Er zog die Riegel von der schweren mit Frost beschlagenen Eisent├╝r und stie├č sie auf. Er ben├Âtigte vier Anl├Ąufe ehe sich die T├╝r ├Âffnen lie├č. Sein Atmen gefror zu wei├čen Wolken, als er Brandur in die Gruft f├╝hrte.

Mitten im Raum blieb er stehen und deutete auf eine dunkle Treppe. Wie ein g├Ąhnendes Maul klaffte das Loch in der Finsternis. Linhard l├Ąchelte Brandur aufmunternd an.

"Die Stufen sind glatt, sei vorsichtig und halte Dich gut am Gel├Ąnder fest", mahnte er seinen Vater und ging auf Katzenf├╝├čchen vor. Brandur erkannte am hohlen Klang, dass es sich um eine Eisentreppe handeln musste. Lin f├╝hrte ihn weiter in die Eingeweide des Hauses, einen Komplex dem Brandur bis dato nicht bekannt war. Wie auch? Diesen Komplex lernte man erst dann kennen, wenn man ihn die F├╝├če voran bezog, oder seine Feinde hier niederbettete. Beides hatte der alte Nekromant niemals getan.

Viel zu pl├Âtzlich blieb Linhard vor ihm stehen, so das Brandur gegen den R├╝cken seines Sohnes prallte.
"Wir sind da...", fl├╝sterte Lin.

Vor Brandur breitete sich auf einer Ebene eine gewaltige Leichenhalle aus. Aufgebahrt nach Zeitalter und Todesfolge lagen sie hier. Seine Verwandten, seine Vorfahren. H├Ąscher und Opfer im Tode waren sie alle gleich.


Brandur von Hohenfelde
┬╗Die Ahnengalerie unserer Familie. Keine Gem├Ąlde, sondern die Ahnen leibhaftig. Die K├╝nstler, die diese Galerie erschaffen haben, ruhen selbst in ihr. Nicht alle, aber die meisten.┬ź Brandur ging langsam an den aufgebahrten Toten vorbei. ┬╗Alastair.┬ź Seinen Vater beachtete er nicht. ┬╗Dunwin. Sieh nur, wie viele Dolchst├Â├če ihn durchbohrten.┬ź Brandur strich im Vorbeigehen ├╝ber seinen kleinen Bruder, der gefroren in ewiger Ruhe lag. Dann kam ein leerer Platz. ┬╗Dieser Eisklotz hier ist jener, auf dem ich h├Ątte liegen sollen. Dass er leer ist steht daf├╝r, dass ich fiel, aber man meinen K├Ârper nicht bergen konnte. Schau, da unten ist die Aufschrift. Name, Geburtsdatum und Todesdatum. Nie hat es jemand korrigiert, dass ich den Anschlag ├╝berlebt hatte.┬ź Brandur ging weiter. ┬╗Und hier ... unser gro├čer Bruder. Kunwolf.┬ź Brandur blieb mit verschr├Ąnkten Fingern vor seinem gro├čen Bruder stehen und betrachtete ihn.

(Was sieht er?)

Linhard von Hohenfelde
Brandur sah Kunwolf so,wie er einst fiel. In eine nachtschwarze Lederr├╝stung geh├╝llt, das lange Haar und das Gesicht teilweise von einer schweren Kapuze verborgen. Ein Gesichtsschutz sch├╝tzte zudem sein Anlitz, aber es hatte ihm nichts genutzt. Eine rassiermesserscharfe Klinge hatte seinen Bauch aufgeschlitzt und ihm die Eingeweide aus dem Leib gerissen. Jeder von Hohenfelde kannte mehr T├Âtungsarten als Insekten die ├╝ber Asamura wandelten. Und sie wussten welche davon die grausamsten, schmerzvollsten oder auch gn├Ądigsten waren. Wer immer das getan hatte, hatte Kunwolf nicht einfach get├Âtet, er hatte ihn abgeschlachtet und ausgeweidet. Dies war kein einfacher Mord, dies war w├╝tende, blinde Raserei gewesen. Jenseits aller Vernunft.

Linhard von Hohenfelde
Linhard trat an die Seite von Brandur und legte ihm kurz die Hand auf den Arm, ehe er sich neben Kunwolf stellte und in die klaffene Bauchwunde starrte. Ein Hohenfelde schockierte so ein Anblick nicht. Der Blick Linhard war klar, rein, analytisch. Er fasste sogar in den Bauchraum und starrte Brandur an. "Leer", sagte er nur tonlos.

Brandur von Hohenfelde
Brandur zischte ├Ąrgerlich. ┬╗Man h├Ątte ihn vollst├Ąndig bestatten sollen. Das mal ein St├╝ck fehlt, gut, aber man h├Ątte ihn nach dem Ausweiden wieder bef├╝llen sollen.┬ź Brandur sagte ÔÇ║manÔÇ╣. Dass es sein kleiner Bruder Dunwin gewesen war, der Kunwolf derart zugerichtet hatte, blendete er vollkommen aus. ┬╗Eine Wiederbelebung auf Blutnekromantischem Wege scheidet damit aus. Der K├Ârper ist zu stark besch├Ądigt und vermutlich auch leergeblutet. Aber den Bluthexer aus der Familie haben wir ohnehin gerade nicht auf unserer Seite. Mach dich bereit, Xavier. Ich rufe nun deinen Gro├čonkel zu uns.┬ź Brandur zitterte vor K├Ąlte. Es war eisiger hier unten als jeder nat├╝rliche Winter. Er griff in den Nexus wie eine astrale Hand, deren Finger sich durch die Zeiten w├╝hlten wie durch tr├╝bes Wasser, bis er Kunwolfs Seele sp├╝rte, zugriff, und sie langsam zur├╝ck in die Physis zog.

Linhard von Hohenfelde
Es dauerte eine Weile und Brandur spürte aus dem Nexus so etwas wie eine Art Widerstand, gepaart mit absolutem Umglauben. Was er dort aus dem Nexus zog, schien verwirrt und wütend zu sein. Aber das waren fast alle Geister die man beschwor. Ähnlich wie bei Dunwin erschien zuerst ein kleines, hellblaues Licht. Es nahm an Strahlkraft zu, wurde zu einem Ball der einer kleinen hellblauen Sonne glich, ehe diese explodierte und die Gestalt eines hochgewachsenen, gerüstet und vermummten Mannes freigab.


Kunwolf:
"WER wagt es mich aus meinem Schlaf zu rei├čen? WER?", bellte der hellblaue Geist und verst├Ârmte zus├Ątzliche K├Ąlte, dass ihnen die Z├Ąhne klapperten. Sein Blick fiel auf Brandur und blieb an seinem Bruder haften. "Verr├Ąter....", zischte er anklagend.

https://d1u5p3l4wpay3k.cloudfront.net/s ... Gallus.jpg

https://vignette.wikia.nocookie.net/eld ... 1020010057

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich gr├╝├če dich, Kunwolf┬ź, sprach Brandur h├Âflich. ┬╗Ja, ich habe dich verraten, aber ich habe daf├╝r bezahlt. Ich selbst wurde verraten von Dunwin. Meine Kinder sind tot, so wie meine Frau und meine Geliebte, so wie auch unser Vater. Auch ich starb an jenem Tage, so sagte man sich, zumindest konnte man die Existenz nach dieser Nacht kein Leben mehr nennen. Alastair ruht dort, neben Dunwins Leichnam.┬ź

Kunwolf:
"Ich bin erf├╝llt von nie versiegender Trauer... Ihr habt bekommen was Ihr verdient. Wo glaubst Du ist meine Familie? Wo meine Frau, meine Geliebte und meine Kinder? Sie schlachteten sie vor meinen Augen ab und das geisteskranke Scheusal fra├č unser Kleinstes! Deshalb und NUR DESHALB kam es zu sp├Ąt um bei Dir zu fressen. Aber Du wei├čt was es tat nicht wahr? Du wei├čt wen es gefressen hat? Ich h├Ątte Dich besch├╝tzt... aber Dunwin lachte mir ins Gesicht und sagte, dass Du unterwegs w├Ąrst um mich zu t├Âten. Ihr beide, gegen mich... wie erb├Ąrmlich seid Ihr. Daf├╝r dass Du tot bist siehst Du verdammt lebendig aus und Dein Sohn ebenfalls. Was hat es Dich gekostet, wenigstens ihn durchzubekommen? Was hast Du dem Alten daf├╝r gegeben? Au├čer Deiner Seele?", zischte der Geist verletzt.

Brandur von Hohenfelde
Brandur schloss schmerzlich die Augen. ┬╗Ich wei├č nicht, was die Bestie tat. Ich habe nie den Mut gefunden, danach zu fragen. Ich wei├č nur, dass alle tot sind, au├čer mein Sohn, der neben mir steht.┬ź Brandur musste kurz Pause machen. Sein Gesicht hatte wieder die hohenfeldsche Eismaske aufgesetzt, doch er konnte nicht verhindern, dass seine Augen feucht gl├Ąnzten bei diesen Worten. ┬╗Ich bitte dich, deinen Ton zu m├Ą├čigen. Ich habe dich nicht gerufen, um unsere Fehde fortzuf├╝hren, sondern weil mein Sohn, der nun das Oberhaupt dieser Familie ist, dir etwas mitteilen m├Âchte. Zu deiner Frage, was ich daf├╝r zahlte, damit er ├╝berlebt: Wir schreiben das Jahr 203 nach der Asche. Rechne. Es ist nicht Gerwolf, der neben mir steht, obgleich er ihm so ├Ąhnlich sieht. Vielleicht kommst du von allein darauf.┬ź

Kunwolf:
"Ist Dir der Gedanke gekommen, dass ich mich so ├Ąrgere, weil ich Dich liebte? Dich und diesen Idioten Dunwin? Ich sage Dir was er tat Dunwins Scheusal fra├č unser J├╝ngstens, bei lebendigem Leib auf... und das gleiche tat er mit Deinem Baby.... Schreie... Schreie... die eine menschliche Kehle nicht hervorbringen sollte. Sie zerrissen die Luft und ohne bei Deinem Kind zu sehen was er tat, sp├╝rte ich durch Mark und Bein was diese... abnorm verdrehte Kreatur ihm antat... er hatte es vorher dabei... wie einen Snack. Er hielt es am Bauch, seine N├Ągel bohrten sich in das weiche Fleisch von dem Kleinen. Es kreischte wie am Spie├č, jeder Schrei h├Ąmmerten einem seine Schmerzen in den Sch├Ądel und ins Herz. Und dann... dann fing er an zu fressen... Das hatte er beabsichtig. Ich griff ihn an, v├Âllig au├čer mir vor Wut, Trauer und Schmerz, aber nicht mit Magie sondern mit dem Schwert. Ein dummer und l├Ącherlicher Versuch. Er weidete mich aus wie einen alten Fisch. Schmetterte Dein J├╝ngstes neben mich und riss mein Kind aus seinem Bett. Und w├Ąhrend ich unf├Ąhig mich zu bewegen auf dem Boden lag, da er mir die Arm- und Beinsehnen durchtrennt hatte, w├Ąhrend er mir die Ged├Ąrme aus dem Leib riss begann er zu Fressen... diesmal meines... ich starb mit den Todesschreien meines Kindes in den Ohren, w├Ąhrend Dunwin sich Deine Gro├čen holte.... mit so jemanden warst Du im Bunde Brandur.... verstehst Du es immer noch nicht?", fragte der Geist voller Schmerz und schwebte n├Ąher. Vor Brandur verharrte er und l├Âste seinen Gesichtsschutz. Er schaute ihn einen Moment stumm ohne jeden Anklage an. "Verlasse diesen Ort und kehre nie wieder in diesen Abgrund zur├╝ck. Du lebst, dann lebe auch. Und laufe, solange Du noch laufen kannst Bruder... ich wei├č nicht wer dies ist, 203... hm", sinnierte Kunwolf umg├Ąnglich.

Brandur von Hohenfelde
Brandur, der Hexenmeister von Trux, legte die Hand vor das Gesicht. Sein Weinen war vollkommen lautlos, sein K├Ârper zuckte leicht. Doch die Qual, die er empfand bei diesen Worten, straften die milde Reaktion seiner Physis L├╝gen. Er war viele Minuten lang unf├Ąhig, sich zu bewegen. Dann griff er in seine Manteltasche, zog sein Stofftaschentuch hervor, tupfte sich die Augen trocken und putzte seine Nase. Er stand da, wie ein wahrer Hohenfelde: Gro├č, mit finsterem Blick, der den Abgrund spiegelte, der in seiner Seele klaffte, doch nie das wahre Ausma├č der Dunkelheit nach au├čen dringen lie├č, die in ihm tobte. ┬╗Du hast die Worte geh├Ârt┬ź, sagte er zu seinem Sohn. ┬╗Wir werden die Kinder besuchen. Ich nehme an, sie ruhen ebenfalls hier. Kunwolf, die Beschreibung w├Ąre nicht n├Âtig gewesen, aber du wolltest es dir vermutlich von der Seele reden. Ich habe dich auch sehr geliebt und du fehlst uns. Ja, ich wei├č wen Dunwin an seiner Seite hatte und die Bestie lebt noch immer, als Einziger von unserer Generation starb sie niemals. Ich hingegen habe es sogar geschafft, zwei Mal zu fallen und doch stehe ich hier dank der harten und unerm├╝dlichen Arbeit meines Sohnes. Xavier, m├Âchtest du deinem Gro├čonkel etwas mitteilen?┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard hatte geh├Ârt was der Geist gesagt hatte. Er hatte jedes Wort vernommen, dass sein Gro├čonkel voller Schmerz geradezu ausgespien hatte. Nicht voller Groll, sondern voller Leid. Oh ja, er h├Ątte gerne etwas gesagt. Aber dieses Etwas w├Ąre ein qualvolles, schuldbewusstes Kreischen gewesen. Aber nicht einmal das brachte er ├╝ber die Lippen. Er f├╝hlte sich gefrorener als jede dieser Leichen hier in dem Raum. Jedes Wort das Kunwolf sprach wie wie Eiswasser der Erkenntnis in seine Seele eingedrungen und hatte ihm die wahre Natur von Archibald vor Augen gef├╝hrt. Das "Ding" das er kannte, das ihn freundlich anl├Ąchelte und Ratschl├Ąge erteilte, war nichts weiter als eine Maske hinter der sich das absolute Grauen verbarg. Und diese Widerw├Ąrtigkeit hatte er gebeten, seine Verrill zu besch├╝tzen. Schlagartig war ihm schei├čegal von wem das Kind war, nur eines war noch wichtig, dass es Archibald nicht in die Finger bekam. Wie dumm und kleinlich er Ciel gegen├╝ber gewesen war. Was er f├╝r grausam hielt, war nicht die Spur einer Grausamkeit. Es war geradezu l├Ącherlich, was er als grausam empfand. DAS was er geh├Ârt hatte, war Grauen. Und dieses Grauen hatte der Geist vor ihm erlebt und war dabei gestorben. Und Brandur, sein Vater, er hatte es ebenfalls erlebt, hatte den Tod seiner Kinder erlebt, ├╝berlebt um zu leiden und letztendlich durch die Hand seines Bruders selbst zu fallen. Seite an Seite stand er dort, Dunwin und Archibald - nicht nur Br├╝der im Geiste, tats├Ąchliche Br├╝der die ihre Br├╝der t├Âteten. So wie es sich ihr Vater w├╝nschte. Wenn er ein anderer Vater sein wollte, als dieser Alastair, dann durfte er das unschuldige Leben nicht f├╝r etwas verurteilen, wof├╝r es am wenigsten konnte, n├Ąmlich seine Zeugung. Und war es nicht gleich? Er liebte Verrill, wie konnte er dann das Kind von ihr nicht lieben? Lin setzte an etwas zu Brandur zu sagen, aber auch hier versagte seine Stimme. Stattdessen nahm er ihn einfach fest in den Arm und dr├╝ckte ihn lange stumm an sich. "Verzeih mir", kr├Ąchzte er heiser, als er seine Stimme wiederfand. Er ben├Âtigte mehrere Minuten ehe er vor Kunwolf treten konnte. "Ich... ich bin der Sohn von Ansgar, der Enkel von Dunwin. Dein Bruder Brandur adoptierte mich, als mich mein Vater verstie├č. Es ist eine lange Geschichte. Nur soviel, Brandur, Dunwin und ich k├Ąmpften Seite an Seite um dieses Haus und diese Dunkelheit hinter uns zu lassen. Wir haben ein neues Leben in Souvagne begonnen. Ein lichtes Leben, ohne den dunklen Pfad. Begleite uns. Ich habe nicht gewusst, das Archibald... dass er... Dunwin behielt ihn auch als Geist an seiner Seite. Und ich erbte ihn als ersten Stabler. Ich wei├č was er meinem Vater und meinem Onkel Dave antat und dennoch teilte ich ihn in die Bestie und den Mann der freundlich zu mir ist. Du wei├čt nicht was und wer er wirklich ist, darf ich es ihm sagen oder sagst Du es ihm Brandur?", fragte Linhard.

Kunwolf:
Kun musterte Lin kopfsch├╝ttelnd. "Es gibt nur den einen Babybei├čer, nur den einen Kinderfresser. Es gibt keine freundliche Person hinter einer grausamen Maske, er ist die Bestie. Und Bestien sind nur zu anderen Bestien freundlich. Zu Dunwin, oder zu Dir... in der Hoffnung Dich nach seinem Vorbild zu formen. Du sollst Opa werden, jener der nun mit ihm in die Schlacht zieht, bereit f├╝r neue, vielleicht noch schlimmere Schandtaten. Er h├Ątte Dich auf Spur gebracht und das wird er, wenn Du ihn nicht los wirst. Und m├Âchtest Du ihn los werden.... dann Junge... dann wirst Du ihn ohne seine Heuchelei-Maske sehen. F├╝r den Tag, solltest Du ├╝ben bis zum Umfallen, oder Du f├Ąllst um weil er Dich abschlachtet. Ein gut gemeinter Rat. Was ist er Brandur?", fragte Kun ernst.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Archibald ist in biologischer Hinsicht unser Halbbruder. Er ist ein weiterer Sohn Alastairs, den er mit einer Geliebten zeugte. Er nannte ihn liebevoll Erchan. Wir erfuhren davon, wer Archibald wirklich ist. als ich Alastair beschwor. Ich habe ihm gesagt, dass Erchan tot ist. Es war zur H├Ąlfte gelogen, da er inzwischen untot ist, ein Vampir, aber was nicht ist, soll noch werden. Wichtig war, dass Alastair litt und das tat er. Er litt wie ein Hund und st├╝rzte wie ein Komet zur├╝ck in den Nexus, es war kaum m├Âglich, ihn erneut hervorzuzerren, so als ob in diesem Moment seine Seele gestorben sei. Was uns drei anbelangt, dich, Dunwin und mich, vergoss er keine Tr├Ąne. Ja, nicht einmal Dunwin betrauerte er, sondern war nur zornig ├╝ber dessen Tod. Ich will nicht, dass er oder Sonstjemand davon erf├Ąhrt, wer Archibald wirklich ist, denn ich sehe ihn nicht als unseren Bruder an. Ganz besonders soll Dunwin nicht davon erfahren. Dunwin habe ich, so wie dich, zur├╝ck in die Physis gerufen. Er war mir als Geist lange ein treuer Begleiter und inzwischen nennt er einen neuen K├Ârper sein Eigen. Aimeric de la Cantillion. Dies ist seine neue Identit├Ąt.┬ź

Kunwolf:
Kun machte ein nachdenkliches Gesicht. Er schwebte zu seinem K├Ârper hin├╝ber und setzte sich darauf. Alles andere kam ihm irgendwie zu fremd vor und seine gefrorene Leiche war immer noch ein Teil von ihm. "Ich hatte nie vor Dich oder ihn zu t├Âten, ich habe stets nach einem Fluchtweg gesucht. Letztendlich blieb ich f├╝r immer hier. Wie sagte Dun einst? Damals zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort? Die Familie holt einen immer ein... immer. Du wirst wenn Du klug bist, Deinen Sohn nicht anschauen, ich kann Dich nur warnen. Ich st├╝rzte in einen Abgrund aus Wahnsinn, Leid und Schmerz. Du wirst es ihm ansehen, Du w├╝rdest es meinem Sohn ansehen... ich w├╝rde ihn gerne noch einmal sehen, aber nicht so. Nicht auf diese Art. Fand er ein Begreifen? Vieles ist klarer in dieser Form, wenn man erstmal seinen Schmerz beiseite geschoben hat. Schmerz, Wut, meine beiden pr├Ągenden Gef├╝hle. Ihr habt es nie verstanden, worauf ich w├╝tend war, auf wen und auf was. Ich sage es Dir, auf den Umstand, dass wir keine Wahl hatten. Das alles festgeschrieben war und zwar von Alastair. Gleichg├╝ltig was wir taten, wir steuerten auf den Abgrund zu und letztendlich verschlang er uns. Wer t├Âtete ihn? Ich sehe ihn dort liegen, ├╝bers├Ąht mit Dolchstichen, deren Anzahl man kaum z├Ąhlen kann. Sein Anblick erf├╝llt mich mit Genugtuung, w├Ąre ich noch am Leben, w├Ąren wir nun frei... Souvagne? Deine Frau stammte von dort Brandur. Wie ist es dort? Das Archibald Alastairs Sohn ist, erkl├Ąrt seine permanente Anwesenheit. Untot, ein Vampir, nichts passt besser zu ihm. Er muss sich hervorragend f├╝hlen. Er liebte doch dieses okkulte Zeug, das Dun ihm sonst schenkte. Ich hoffe er schmort bald im Abgrund. Du hast Dunwin beschworen und Alastair. Sollte mir die Reihenfolge etwas sagen?", schmunzelte Kunwolf.

Linhard von Hohenfelde
Linhard sch├╝ttelte den Kopf. "Brandur kam mit mir hierher, da er Dich sehr vermisst. Und ich sollte meine Lektion von den Toten lernen, was geschieht, wenn sich die Familie gegen sich selbst wendet. Das habe ich begriffen. Ich erwarte ein Baby. Also nicht pers├Ânlich, meine Frau. Und ich hatte mich mit meinem Schwager gestritten. F├╝r nichts und wieder nichts, ich habe mich wie der letzte Arsch verhalten. Und ich bat ausgerechnet Archibald auf meine Frau aufzupassen", st├Âhnte Lin.

Kunwolf:
Kuni musterte Lin kurz mit schr├Ąg gelegten Kopf und schnalzte mit der Zunge. "Keiner zwingt Dich ein Arsch zu bleiben oder?", lachte er leise.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich werde sie nicht anschauen. Aber Xavier wird es. Damit er nie wieder vergisst. So etwas darf sich nicht wiederholen. Dunwin wurde gerichtet von seinen eigenen S├Âhnen. Jener, der ihn so zurichtete, war Ansgar. Ich wei├č gar nicht, ob du ihn noch kennengelernt hast. Und nein. Alastair fand kein Begreifen. Er ist, wer er immer war. Der Abgrund.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard starrte Brandur an. "Ich soll was, die angefressenen Babys anschauen?", fragte er und man sah etwas in seinen Augen, dass man selten bei einem Hohenfelde sah - Angst. "Dave hat Dunwin abgestochen und Ansgar hat Alastair get├Âtet. Er war ganz schwarz als Geist Kun, wir wissen nicht warum. Wei├čt Du es? Ich glaube Du kennst Ans und Dave gar nicht mehr oder?", fragte er leise.

Kunwolf:
"Tue was Dein Vater Dir sagt Xavier... so hei├čt Du doch. Doch ich kannte sie, nat├╝rlich kannte ich sie. Aber Dich kannte ich nicht mehr. Mir ist nur die Generation nach mir bekannt. Die Kinder meiner Br├╝der, nicht die Enkel. Leider... Schau sie Dir an, damit Du begreifst was Du dort an Deiner Seite wandeln hast. Und dann frage Dich, ob Du das m├Âchtest. Mit aller Konsequenz, die diese Kreatur mit sich bringt. Warst Du mal in ihrem Heim oder in ihrem Quartier? Hast Du mal ihre Speisekammer gesehen? Ihre Speisekammer lebte, atmete, fehlte... Du bist ein Hohenfelde Junge, aber Du bist jung und ziemlich naiv... Niemand ├╝berlebt als so etwas so lang, wenn er nicht bereit ist andere ├╝ber die Klinge springen zu lassen. Wenn Du f├╝r ihn ├╝berfl├╝ssig wirst, dann bist Du tot. Du bist in seinen Augen alt, aber noch jung genug um Dich zu fressen. Und Deine Frau, wird ihm nichts entgegensetzen k├Ânnen. Werd ihn los, schnellstm├Âglich. Es reicht dass Dunwin dem Kerl die Stange hielt und der gesamte wahnsinnige Stab von Dunwin ihn geradezu anbetete. Ich verstand es nie und verstehe es bis heute nicht, was dieser Mann hat, dass ihn alle lieben. Einziger mit Verstand war Chirag", antwortete Kun.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Richtig, Xavier. Sieh dir die toten Kinder an. Damit du es wirklich begreifst. Das letzte Verstehen wird sich einstellen, wenn du dein eigenes Kind in den Armen h├Ąltst. Zur Reihenfolge der Beschw├Ârungen, Kun ... ich muss gestehen, dass mich das schlechte Gewissen plagte. Mehr als plagte, in all der Zeit meines Exils, als ich verdient in der Nachtburg schmorte, allein, so unmenschlich einsam, wie ein Mensch nur sein kann. Ich hatte den Tod von allen verschuldet mit meinem Plan, den Tod meiner Familie, deiner Familie, deinen Tod. Es ist m├╝├čig, um Vergebung zu bitten. Es gibt keine. Aber ich m├Âchte dich eines fragen: M├Âchtest du in der Physis bleiben und es mit uns gemeinsam noch einmal versuchen?┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard nickte knapp und in Zeitlupe. Und genauso trat er an die kleinen Babys heran. Er starrte zuerst auf Brandur Baby Ragnvald, dabei zwang er sich genau hinzusehen und nicht den Blick abzuwenden. Es kostete ihn alle Kraft, dass kleine W├╝rmchen so zu sehen. Dann ging er hin├╝ber zu Kunwolfs J├╝ngstem. Er wusste nicht einmal den Namen des Babys, er wusste nichts. Es sah genauso schlimm zugerichtet aus. Als h├Ątte sich ein riesiger Piranha an ihnen zu schaffen gemacht. In den winzigen Gesichtern war der Schock und der Schmerz so deutlich zu lesen, als gebot er ├╝ber Geistmagie und las deren Erinnerungen aus. Linhard strich ihnen ├╝ber die kleinen, kahlen und gefrorenen K├Âpfe. So durfte sein Kleines nicht enden. Er f├╝hlte Mitleid mit den W├╝rmchen, aber mehr noch versp├╝rte er abgrundtiefen Hass und grenzenlose Wut auf Archibald. Er kehrte zu Kunwolf und Brandur zur├╝ck. "Ich verstehe nun... ich.. m├Âchte gerne wissen wie Dein Sohn hie├č", bat Linhard leise.

Kunwolf:
"Sein Name war Sonnwin, da er gerne lachte...", antwortete Kunwolf. Er schaute Brandur an. "Vergebung f├╝r was? F├╝r Deine Dummheit? Du hast Dir den falschen B├╝ndnispartner ausgesucht, aber Du hast meine Familie nicht get├Âtet. Du warst ein Verr├Ąter Brand, aber kein M├Ârder... Du hast es scheinbar wieder gut gemacht und davon w├╝rde ich mich gerne selbst ├╝berzeugen... ich bleibe, wenn ich kann:Und stimmt das was Du sagst, dann bin ich bereit Dir Deinen Verrat zu vergeben Bruder", sagte Kun.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Sonnwin┬ź, wiederholte Brandur f├╝r sich und dann l├Ąchelte er. ┬╗Ein sch├Âner Name. Ganz anders als jene, die von Dunkelheit und Zerst├Ârung k├╝mmern. Wie viele ÔÇ║W├ÂlfeÔÇ╣ gibt es namentlich in unserer Familie. Eine kleine Sonne, das w├Ąre sch├Ân gewesen. W├╝rdest du mir vergeben, w├╝rde mir das viel bedeuten. Ich selbst, werde mir nie vergeben k├Ânnen. Aber ich k├Ąmpfe gemeinsam mit meinem Sohn daf├╝r, eine bessere Zukunft f├╝r die Familie zu schaffen. Bran-Dun-Lin ... so lautet der neue Wahlspruch. Es gibt kein Dun-Haur-Mar mehr.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard nickte zustimmend. "Wir haben dem alten Weg abgeschworen, ├╝berzeuge Dich selbst. Obwohl es manchmal schwer f├Ąllt, dem neuen Weg treu zu bleiben. Man verf├Ąllt leicht in alte Muster. Es gibt viele W├Âlfe in unserer Familie. Einer ist sogar im Wappen und mein Bruder Anwolf ist auch einer. Wobei ein richtiger Wolf ist er nicht, ehr ein Kredithai und eigentlich ganz nett", grinste Lin.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich hoffe, du bist mit deinem neuen Namen zufrieden┬ź, schmunzelte Brandur, auch wenn es wegen der Situation ein sehr schmerzliches und kaum wahrnehmbares Schmunzeln war. ┬╗M├Âge er dem Neuen Weg Rechnung tragen.┬ź

Kunwolf:
"Ja es gibt viele "W├Âlfe" und viele "Wins" in unserer Familie, dass war scheinbar schon immer so. Xavier ist ein au├čergew├Âhnlicher und sch├Âner Name. Noch niemand hie├č vorher so. Wie hie├č er denn bevor er Xavier hie├č?", fragte Kun.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Linhard. Auch ein guter und sch├Âner Name, der den L├Âwen tr├Ągt. Aber er selbst mochte diesen Namen nicht, zudem bekam er ihn von seinem leiblichen Vater. Ich als sein Adoptivvater nannte ihn Xavier. Dies war mein Hochzeitsgeschenk, da ich als Geist keine materiellen Geschenke ├╝berreichen konnte. Xavier bedeutet ÔÇ║neues HausÔÇ╣ und ist der Name der ├Ąltesten almanischen Burg. Sie steht noch heute. Dieser ehrw├╝rdige alte Name, der f├╝r Schutz und W├Ąrme steht, erschien mir passend f├╝r meinen Jungen.┬ź

Kunwolf:
Kuni nickte zustimmend. "Eine gute Wahl und eine sehr sch├Ân, wie auch tiefe Bedeutung. Wobei Linhard f├╝r mich ebenfalls sehr gut klingt. Du hast Dunwin einen neuen K├Ârper geschenkt und wer Dir? Und vor allem, wer hat Dich vorher aus Deinem K├Ârper gerissen? Nun ich m├Âchte Euch ja nicht dr├Ąngen, aber vielleicht sollten wir diese Unterhaltung in sicheren Gefielden f├╝hren. Vor allem wenn Xaviers Frau ungesch├╝tzt allein Zuhause mit Archibald ist. Sobald er wei├č, in welchen Umst├Ąnden sie ist, k├Ânnte er auf sehr dumme Gedanken kommen. Ich habe ihn nie in der N├Ąhe meiner Familie geduldet. Dies ├Ąnderte sich nur einmal und zwar in meinen letzten Atemz├╝gen und das waren auch ihre letzten. Also wir sollten gehen", sagte Kun eindringlich.

Linhard von Hohenfelde
"Es war eines der sch├Ânsten Geschenke die ich jemals erhalten habe Paps. Wir m├╝ssen zur├╝ck und zu Ciel, um etwas zu bereinigen. Vorher muss ich noch einmal auf den Dachboden um etwas zu holen. Ein Holzpferd", erkl├Ąrte Lin.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Das wird Davard sehr freuen┬ź, sagte Brandur. ┬╗Ja, hol es zur├╝ck. Es soll dort nicht verstauben. Zu deinen Fragen Kunwolf┬ź, sprach Brandur, w├Ąhrend er an den Toten vorbei zur Eisentreppe schritt, ┬╗ich nahm mir selbst das Leben. Ich starb im Gefecht mit Ansgar und nutzte meine letzten Lebensz├╝ge, um Dunwin in seinen neuen K├Ârper zu bannen. Als ich starb, war ich ein alter, verkr├╝ppelter Mann. Doch ich wurde Xavier sei dank durch eine geheime Magieform verj├╝ngt wiedererweckt.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard f├╝hrte Brandur und Kunwolf wieder nach oben, zur├╝ck in den belebten Bereich des Herrenhauses. Als beide die eiserne T├╝r passiert hatten, verriegelte Linhard sie wieder und zwar so, wie er sie vorgefunden hatte. Er dr├╝ckte Brandur die Laterne in die Hand und schnappte sich eine neue die er entz├╝ndete. "Wir treffen uns drau├čen bei Aquilla, ich beeile mich", sagte er leise und verschwand in der Dunkelheit.

Brandur von Hohenfelde
Brandur wartete bei dem gro├čen Gesch├Âpf. Er lie├č dem Geist freie Hand darin, wo er herumzuschweben gedachte.

Kunwolf:
Kuni folgte den beiden mit etwas Verz├Âgerung, da er zuerst Angst hatte seinen K├Ârper zu verlassen. Diese Angst war irrational, denn er sa├č als Geist auf ihm, er lie├č ihn nicht als lebende H├╝lle zur├╝ck. Fast zaghaft schwebte er hinter Brandur und Xavier hinterher. Oben angekommen, verabschiedete sich der junge Mann auf Zeit, da er noch ein Spielzeug holen wollte. Kunwolf schwieg und folgte Brandur nach drau├čen. "Was ist das f├╝r ein Spielzeug?", hakte er neugierig nach und schaute sich au├čerhalb des Herrenhauses um. Sein Blick wanderte zur├╝ck zu dem schwarzen, gewaltigen Kasten dessen dunkles Gem├Ąuer sich wie gierige Finger gen Himmel reckten. Dann fiel sein Blick auf den seltsamsten und gr├Â├čten Vogel den er je sah. "Was ist das?", lachte Kun.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Sch├Ân, dich lachen zu h├Âren┬ź, sagte Brandur mit belegter Stimme. ┬╗Das Pferdchen geh├Ârte Davard. Er spielte damit, wenn er sich vor Archibald versteckte. Es bedeutet ihm sehr viel und es hat eine starke Symbolkraft. Der Vogel ist ein Cockatrice, ein Drachenhuhn, ein Zuchtprojekt des Duc de Souvagne. Kun ... ich bin froh, dass du uns begleiten m├Âchtest. Wenn du einen K├Ârper sehen solltest, der dir zusagt und es im Rahmen des M├Âglichen liegt, diesen sich unbemerkt anzueignen - z├Âgere nicht, mir diesen Wunsch mitzuteilen.┬ź

Kunwolf:
Kunwolf drehte sich zu Brandur um. "Ich hoffe nur, dass Davard nicht mit etwas gespielt hat, oder ihm Trost schenkte was von seinem Peiniger stammt. Du wei├čt dass er Spielzeug sammelte? Am liebsten dass, seiner Opfer. Das erz├Ąhlte mir einmal Dunwin um mich zu provozieren. Du meist das gro├če Federvieh ist ein Huhn? Na davon m├Âchte ich ein Omlett sehen", grinste Kuni, ehe er schlagartig ernst wurde. "Ich h├Ątte gerne meinen K├Ârper wieder", sagte er bek├╝mmert.

Linhard von Hohenfelde
Linhard kam nach einigen Minuten angerannt und hielt ein Holzpferd in die H├Âhe. Dabei sah er nun selbst aus wie ein Geist. Wei├č-Grau voller Staub war er, so dass nicht nur seine Kleidung, sondern auch seine Haut wie gepudert aussah.

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Linhard von Hohenfelde
"Hier ist es, sieht doch ganz gut aus oder? Vielleicht ein bisschen abgegriffen, aber das wird ihn nicht st├Âren", grinste Lin. "Wir k├Ânnen aufbrechen, wenn Ihr wollt", schlug er vor und schwang sich auf Aquilla. Er befestigte sich mit den Gurten und verstaute das Holzpferd sicher.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Nun, das ginge ... wenn du denn als Ghul dein Dasein fristen m├Âchtest┬ź, sprach Brandur. ┬╗Von wem das Pferdchen stammte, ist mir nicht bekannt. Aber selbst wenn es von einem weiteren seiner Opfer war, muss es nicht entsorgt werden. Es ist ein Andenken an ein Kind, das dieses Pferdchen liebte.┬ź Brandur klopfte seinem Jungen den Staub ab, als er hinter ihm sa├č.

Linhard von Hohenfelde
Lin machte sich direkt daran, auch seinen Vater zu sichern und schaute dann skeptisch auf Kunwolf. "Wie sichert man einen Geist?", fragte er lachend. Er musterte erneut das Pferd und sch├╝ttelte langsam den Kopf. "Ich denke nicht das es von Arch ist. Dave hat doch erz├Ąhlt, er hatte es drau├čen gefunden. W├Ąre es von Arch, h├Ątte er es ihm stehlen m├╝ssen. Und das h├Ątte er nicht getan", sagte Lin.

Brandur von Hohenfelde
Brandur lehnte sich eng an seinen Jungen. Diesen leben zu sp├╝ren, war wichtig, nach der erneuten Begegnung mit dem Tod. Er hatte nicht gewagt, nach seinen anderen Kindern zu sehen oder nach seinen Frauen. "Wie sieht es aus, Kun? Letzte Gelegenheit, ein Ghul zu werden."

Kunwolf:
Kuni sch├╝ttelte den Kopf. "Dann m├╝sste ich Menschen fressen, und DAS werde ich ganz sicher nicht. Dann bleibe ich lieber ein Geist. Bis auf weiteres. Jemanden der einen bedroht oder st├Ârt zu t├Âten ist das eine, aber jemanden zu fressen.... das ist widernat├╝rlich und verwerflich", erkl├Ąrte Kunwolf entschieden und hockte wollte sich auf Aquilla hocken. Das Drachenhuhn musterte ihn argw├Âhnisch und wich zur├╝ck. Linhard ben├Âtigte einige Augenblicke um sie zu beruhigen. Kunwolf nahm neben Brandur Platz. Dem gewaltigen Vogel schien die Anwesenheit eines Geistes nicht geheuer zu sein. "Einen lebenden atmenden K├Ârper ginge nicht?", fragte Kunwolf, w├Ąhrend Linhard Aquilla starten lie├č. Das gro├če Drachenhuhn flog zur├╝ck Richtung Souvagne mit kr├Ąftigen Fl├╝gelschl├Ągen.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Doch, das ginge. Darum sagte ich ja: Wenn dir einer gef├Ąllt, benenn ihn mir. Mir f├Ąllt gerade eine weitere L├Âsung ein. Dich als Ghul und du isst nur so lange Tote, bis du dich vollst├Ąndig regeneriert hast. Danach k├Ânnte man dich auf selbe Weise wiedererwecken, wie mich und du h├Ąttest deine alte Gestalt. Jedoch muss man den Duc H├Âchstselbst davon ├╝berzeugen. Schwierig. Aber nicht unm├Âglich, wie man sieht.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard musterte Brandur und blinzelte. "Ich hoffe ich bekomme das wieder hin. Anwolf hatte doch Interesse das zu lernen oder? Oder t├Ąusche ich mich da? Hat er sich beworben oder nicht? Einer aus unserer Familie muss das tun. Eines von Veyds Kindern? Wir m├╝ssen diese Macht auch in unserer Familie haben", mahnte Linhard.

Kunwolf:
"Wiederbelebt ohne Innereien, da d├╝rfte ich nicht lange lebendig bleiben", erinnerte Kun traurig. "Ich suche mir einen neuen K├Ârper der mir ├Ąhnelt. Und falls es eine M├Âglichkeit gibt, dann ziehe ich in meinen alten um. Immerhin bin das ich", gab er zu bedenken. "Wobei ich mich sicher auch an einen neuen K├Ârper gew├Âhnen k├Ânnte... doch... m├Âglicherweise".

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ja, eindeutig! Wir brauchen diese Kunst. H├Ątte ich nur eher davon gewusst, Xavier! Kunwolf, du hast v├Âllig recht. Nicht einmal ein Ghul ├╝berlebt ohne Innereien, er verhungert schlichtweg. Drum funktioniert dieser Umweg nicht. Als h├Ątte das Scheusal es geahnt. Er wollte dich um jeden Preis tot halten und duldete dich nicht einmal als Untoten.┬ź

Kunwolf:
"Er wollte mich um jeden Preis tot sehen, er hat mich gehasst! Sobald ich Dunwin etwas Normalit├Ąt eingetrichtert hatte, hat er ihn "gerettet und kurriert" wie er es nannte. Er hielt mich f├╝r einen Verseuchten, so nannte er jeden Magier. Einschlie├člich seines Vaters. Das h├Ątte Alastair sich mal auf der Zunge zergehen lassen sollen. Aber scheinbar war es selbst dazu zu verblendet. Werde ich Magie beherrschen, sobald ich einen K├Ârper habe?", fragte Kun.

Linhard von Hohenfelde
Linhard dachte ├╝ber die Worte von Kunwolf nach. Das hatte Archibald auch zu ihm gesagt, ihm den Weg weisen, ihn kurriern, ihn erwachsen bekommen. Und da er das noch nicht war, nannte er in Lin Larve. "LiLa...", keuchte Lin, beugte sich weit ├╝ber den Hals von Aquilla und kotzte sich das Fr├╝hst├╝ck aus dem Hals. Unten h├Ârte man eine Frau fluchen, aber Lin konnte es nicht ├Ąndern.

Brandur von Hohenfelde
"Magische F├Ąhigkeiten ruhen im K├Ârper, nicht im Geist. Man sieht es daran, dass du als Gespenst jeglicher Magie beraubt bist. Ob du die Kunst beherrschen wirst, ist also im Wesentlichen davon abh├Ąngig, welchen K├Ârper du w├Ąhlst."

Linhard von Hohenfelde
Linhard wischte sich den Mund ab. "Verzeihung, ich dachte an die Bedeutung von LiLa, so nennt er mich. Larve, weil ich nicht ausgereift bin, nicht erwachsen. Und er wollte mich erwachsen bekommen und mit seiner Tochter verpaaren, damit wir ein Kind zeugen, dass ein Nix aus ihm und uns ist, ein Dornburg-Hohenfelde-Mix. Ein Fleischfresser mit Killerinstinkt. Was w├Ąre ein Mix aus ihm und Wolfram? Ein psychpathischer Veganer? Mir war kurz ├╝bel, als ich an die Babys dachte, warum man Babybei├čer sagt habe ich gesehen. Was sagt er mal? Babybei├čer, es klingt so niedlich, dabei bedeutet es.... Sekunde", sagte Lin und ├╝bergab sich noch einmal ger├Ąuschvoll weit ├╝ber Aquilla gelehnt, "...dabei hei├čt es Menschenfresser".

Kunwolf:
Kun bekam sich nicht mehr ein vor Lachen, vor allem als die Frau unter ihnen zu schimpfen anfing. Das war Situationskomik pur f├╝r den ehemaligen Magier. Aber der Grund f├╝r Linhards Kotz-Orgie stimmte ihn wieder traurig. "Sei froh dass Du eine Larve geblieben bist", mahnte er und wandte sich an Brandur. "Dann ben├Âtige ich einen K├Ârper der Geistmagie beherrscht. Beherrscht Aimeric Geistmagie? Dann schmei├čen wir Dunwin raus und ich ziehe dort ein!", sagte Kun grimmig.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Dunwin ist unser Bruder, unser Freund und unser Verb├╝ndeter┬ź, sagte Brandur. ┬╗Ich wei├č, das ist schwierig, nachzuvollziehen nach all der Zeit. Aber wir finden schon jemanden.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard streichelte Auqilla. "Denk mal genau nach Kunwolf. Also versuch zu ergr├╝nden warum Du wie gehandelt hast. Dunwin hat uns erkl├Ąrt, dass er als Geist vieles anders sah und dass er keinen Hass mehr in sich sp├╝rte. Dass er ohne das Fleisch, also seinen K├Ârper anders ├╝ber seine Taten dachte. Er bereute es wirklich und er versucht einen Teil wieder gut zu machen. Also bitte, sag Dave und Ansgar nicht, wer Aimeric ist. Es sei denn er bedroht sie. Ansonten gib ihm seine Chance etwas wieder gut zu machen und wenn es nur ein einziger netter Gedanke ist, den Dave oder Ansgar mal ├╝ber Aimeric denken, oder eine Erinnerung die ihnen bleibt. Das ist sein Wunsch. Und er war sogar einmal weiter als ich f├Ąllt mir gerade ein. Dunwin sagte mir vor dem Rathaus, als ich mit ihm kurz alleine war, Archibald ist n├╝tzlich - aber sobald Du ein eigenes Kind erwartest... t├Âte ihn. Das sagte Dunwin und er hat auch versucht sich mit Dave auszusprechen. Vergeben kann es keine geben, aber er wollte ihm sagen, dass er seine Kinder lieben soll. Und falls Dave dass nicht kann, soll er auf Kinder verzichten. Er war ein anderer ohne seinen K├Ârper und vor allem ohne Alastair. Brandur kann Dir das best├Ątigen. Also wie ist es mit Dir?", fragte Linhard.

Linhard von Hohenfelde
Kunwolf: Kun ├╝berlegte einen Moment und horchte tief in sich hinein. "Mich selbst in Frage zu stellen, soweit war ich noch nicht Junge. Aber... ja Du hast Recht. Etwas ist anders, etwas fehlt mir, diese permanente Wut... sie ist nicht mehr da. Sie verschlang in meinen Gedanken alles. Fast alles bis auf den Gedanken irgendwann frei zu sein. Zuerst mit meinen beiden Br├╝dern zu fliehen, sp├Ąter dann mit meiner Familie. Ich war eigentlich immer w├╝tend, egal auf wen oder was. Ich sah mein Leben durch einen roten Schleier. Aber was sich sonst noch ge├Ąndert hat, dar├╝ber m├╝sste ich l├Ąnger nachdenken oder besser gesagt einmal in mich hineinhorchen und ├╝ber all die Dinge nachdenken, die mir fr├╝her wichtig und richtig erschienen. Dann kann ich Dir antworten. Aber man denkt als freier Geist frei. Freigeist kommt wohl nicht von ungef├Ąhr", schmunzelte Kun und lehnte sich an Brandur an.

Brandur von Hohenfelde
"Gute Worte, Gro├čer ... denk ├╝ber alles nach. Auch Dunwin ist nun ein anderer. Sprich mit ihm und wir werden auch sprechen. Archibald muss gehen,Xavier, ob du nun mit Ciel verstritten bist oder nicht. Um ihn geht es nicht, sondern um die Sicherheit deines Kindes, um es nun dieses ist oder das n├Ąchste." Brandur sp├╝rte die eisige K├Ąlte des Geistes an seinem R├╝cken und genoss sie. Sie war, wie die K├Ąlte von Dunwin, als dieser als Geist wandelte, keine bei├čende K├Ąlte, sondern eine, die merkw├╝rdig wohltat, ├Ąhnlich einem kalten Windhauch an einem hei├čen Sommertag. Brandur verschlief den Rest des Fluges.

Linhard von Hohenfelde
Linhard musterte die beiden Br├╝der ├╝ber seine Schulter. Was die beiden nach all dem erlittenen Leid geschafft hatten, musste er doch auch mit Wolfi schaffen k├Ânnen. Sie mochten sich, sie liebten sich, sie standen sich ab und an bei. Und jeder versuchte mit dem anderen klar zu kommen. Leider immer ausgerechnet dann, wenn der andere auf Krawall geb├╝rstet war. Aber sie hatten einen guten Anfang gemacht und den musste er unbedingt vertiefen. Er hatte nur den einen Bruder und Blut war dicker als Wasser. Und Wolfi hatte Recht gehabt, er selbst konnte doch nichts f├╝r Ansgars Bevorzugung. W├Ąre er der Bevorzugte gewesen, h├Ątte er auch nicht abgelehnt. So ehrlich musste er sein. Und Wolfi hatte sich oft um ihn bem├╝ht. ├ähnlich wie Kunwolf war er damals einfach zu w├╝tend gewesen, da einen Unterschied zu erkennen, er hatte einfach blind um sich geschlagen. Aber bei dem Familientreffen hatte er Wolfi angeboten, sich zu vers├Âhnen. Beide wollten es und dann sollten sie es auch hinbekommen. Er ├╝berlegte wie er Wolfi mal eine Freude machen konnte, damit er es auch real in H├Ąnden hielt. Aquilla landete einige Stunden sp├Ąter im Hof des Palastes. Linhard tippte Brandur an, damit dieser aufwachte. "Wir sind zur├╝ck und m├╝ssen noch etwas kl├Ąren. Kunwolf sollte besser solange bei Aquilla warten", sagte Lin und befreite sie von den Sicherheitsgurten. Er lie├č sich von seinem Drachenhuhn rutschen und half Brandur beim Absteigen. Danach f├╝hrte er Aquilla in ihre Box. Kunwolf machte es sich neben dem gro├čen Vogel bequem. "Ich warte hier", verk├╝ndete er w├Ąhrend Linhard sich bei Brandur unterhakte. "Hoffentlich geht das gut", st├Âhnte Lin und wanderte Richtung Ciels Gem├Ącher.
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"Niemand wendet sich gegen die Familie, sonst wendet sich die Familie gegen Dich" - Linhard von Hohenfelde

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