Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Politisches Intrigenspiel

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Sal'jil
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Politisches Intrigenspiel

#1

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:01

Es war einfach nur widerwertig! Der abscheuliche Gestank des niederen Abschaums stieg dem Tajik in die Nase. Es stank grĂ€sslich. Es stank nach widerlichen GeschwĂŒren und Pestiziden, nach verdorbenem Fisch, Schweiß, Pisse und anderen FĂ€kalien. Mit rĂŒmpfender Nase und gequĂ€ltem Gesichtsausdruck, japste Sal'jil nach Luft. Doch es wurde nicht besser. Niederes Pack!, schimpfte der Reiche innerlich. Er verachtete diese Brut.

Sal'jil befand sich auf seinem Weg zu seinem Zielort in dem heruntergekommenden Fischereihafenviertel von Danos, wo man nach Meinung des gemeinen Volkes die Meuchlergilde "BlĂŒte des Nachtschattens" auffinden konnte. Das heruntergekommende Fischerviertel bot einen erbĂ€rmlichen Anblick. Es war das Viertel der allerĂ€rmsten Leute von Danos. Im Allgemeinen war Danos keine reiche Stadt und einziges Drecksloch voller Verbrecher. Der Kalif hatte nĂ€mlich seine Residenz außerhalb der Stadt und kĂŒmmerte sich nicht um die Belange des gemeinen Volkes. In Danos selbst gab es keine Stadtwache und niemand mehr, der sich um das öffentliche Recht kĂŒmmerte. Das war nicht immer so gewesen, denn bevor Kalif Jikhbar vor 30 Jahren an die Macht kam, war Danos noch ein Lichtblick des SĂŒdens gewesen. Im Laufe seines Lebens war der Kalif aber dem Machtstreben des Lichskaiser von den Schatteninseln verfallen, der einen starken Einfluss auf Jikhbar ausĂŒbte.

"Edler Herr, helft mir...bitte, nur ein Taler...", jammerte ein hungerleidender Bettler, der sich an Sal'jil edles Gewand klammerte und ihn damit aufhielt. Mit seiner grazilen Gangart, seiner vornehmen Kleidung und aufgrund seines blumig, wohlriechenden Duftes stellte Sal'jil eine groteske Kontrastfigur zu dem Bild der Stadt dar.
"Scher dich weg elender Schnorrer!", wetterte der reiche Tajik voller Missachtung und warf den armseligen Bettler zu Boden. "Oder ich schneide dir deine unwĂŒrdige Kehle durch!" Sal'jil zog drohvoll seinen SĂ€bel hervor. Nachdem sich der Bettler, aber wieder in die PfĂŒtze warf, wo er hergekommen war, steckte er den SĂ€bel wieder ein. Mit pedantischer Sorgfalt klopfte Sal'jil mögliches Dreck von seinem Gewand ab und nach einigen Minuten, nachdem er sich sicher war, dass der "Dreck des UnwĂŒrdigen" weg war, setzte er seinen Weg fort.

Als Sal'jil schließlich den Ă€ußersten Rand des Fischerviertels erreicht hatte, machte er sich auf die Suche nach den Mann, den man "die Zunge" nannte. Da Sal'jil aber keine Ahnung, wo er zu suchen hatte, er den ersten Mann zu sich, der an ihm vorbeiging und schrie den Mann mit befehlerischem Ton an, ob er wisse, wer die Zunge sei. Der Mann reagierte und antwortete aber nicht. "Sag mir sofort, wer diese Zunge ist," kommandierte Sal'jil.

"Bei ihm wirst du kein Erfolg haben", hörte er plötzlich eine Stimme, die von hinten kam. Sofort drehte sich Sal'jil um und war umso verwunderter, als er hinter ihm keine Person erkannte. "Hier oben", kicherte wiederum die gleiche Person und sprang dann mit erstaunlicher Leichtigkeit vom Dach einer Barracke herunter. Der fremde Mann war vielleicht Mitte 20, trug dunkle Kleidung und einen schwarzen Kopftuch, der sein komplettes Gesicht bedeckte und nur seine dunkelbraunen Augen freihielt. In seinen HÀnden hielt er zwei Dolche mit denen er bedrohlich in Richtung Sal'jils zeigte.

"Dieser Mann hier," der Fremde deutete mit dem Dolch auf den stummen Mann. "Ist die Zunge. Er bewacht unseren Eingang und ist tatsĂ€chlich taubstumm...der Bastard hat noch nie ein Wort gesprochen," lachte der Fremde und fĂŒgte dann hinzu: "Aber nun verrate mir was solch ein vornehmer Schleimlecker hier in unserem Viertel macht... Der Kalif hat hier nichts mehr zu sagen, dieses Viertel gehört der BlĂŒte des Nachtschattens!"

"Ich bin der Gesandte des Kalifen," sprach Sal'jil. "Du bist armseliger Abschaum und wirst das tun, was ich dich von dir verlange! Mein Herr braucht einen AttentĂ€ter und wir sind bereit einen hohen Preis fĂŒr euch zu zahlen". Provoziert vom Tonfall des reichen Tajik wollte der Maskierte zunĂ€chst seine Waffe ziehen und ihn zurechtweisen. Der Maskierte wusste aber, wann man ein GeschĂ€ft nicht abschlagen sollte und ignorierte sein EhrgefĂŒhl.
"Ach wenn das so ist", antwortete der Fremde, der offensichtlich einer der fĂŒhrenden Köpfe der Gilde war, "dann folgt mir."

- - - - -
Unter lautem Protest hatte der Maskierte Sal'jil die Augen verbunden und ihn dann durch ein Kanalisationssystem zum Sitz der BlĂŒte des Nachtschattens gefĂŒhrt. Dort angekommen, wurde Sal'jil zunĂ€chst in eine Ecke gesetzt, bis nach einiger Zeit der gleiche Mann wieder zurĂŒckkam, mit dem Sal'jil heruntergekommen war. Der AttentĂ€ter nahm ihn die Augenbinde wieder ab und sprach dann:
"Das hier ist Namik. Er wird euch zur Seite stehen und euren Auftrag ausfĂŒhren". Sal'jil brauchte einen kurzen Moment, damit sich sein Augenlicht, an die Umgebung gewöhnte. Dann antwortete Sal'jil: "In Ordnung," und ĂŒberreichte dem Mann den Geldbeutel, welcher immer noch maskiert war.
"Abgemacht," grinste der Fremde. Er reichte Sal'jil als Zeichen des GeschĂ€ftsabschlusses die Hand. Aber der Hofmagier ignorierte den Handschlag, und schaute nur verachtensvoll sowie ĂŒberheblich auf den Maskierten herab. Schließlich befahl er Namik: "Pack deine Sachen."
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Namik al-Nadeem
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Re: Politisches Intrigenspiel

#2

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:01

Die unterirdischen GĂ€nge der Hafenstadt entpuppte sich wie bereits erwartet als ein dĂŒsteres, stinkendes Nest - kaum zu glauben, dass sich die BlĂŒte des Nachtschattens in dieser Umgebung reprĂ€sentierte. Sicherlich - der eigentliche Hauptsitz der Gilde, welcher dieser Stadt weit entlegen und sich östlich der WĂŒste Raschidstans befand, wĂ€re geeigneter gewesen den offensichtlichen Auftraggeber zu empfangen - zumindest war es in der Festung sauberer als dieses Loch, fĂŒr welches man sich nur schĂ€men konnte. Namik konnte sich erinnern, dass einer seiner BrĂŒder ihm berichtete, dass zur Erhaltung der AnonymitĂ€t der Gilde der tatsĂ€chliche Standort des Hauptsitzes ausschließlich den Gildenmitgliedern bekannt sein sollte und man daher auf solchen Alternativen zurĂŒckgriff. Es war inzwischen allgemein bekannt geworden, dass sich Meuchelmörder in Danos niedergelassen hatten und obwohl man alles seitens der Stadtwache dagegen setzte, konnten sich die Gesetzeslosen durchsetzen und hatten mittlerweile die gesamte Stadt mehr oder weniger in ihrer Kontrolle. Daher verwundert es nicht, dass hier auch ĂŒberwiegend die GeschĂ€fte abgewickelt wurden. Trotzdem konnte Namik kaum fassen, dass man tatsĂ€chlich einen Gesandten des Kalifen, welcher offensichtlich einen bedeutungsvollen Auftrag ĂŒbermittelte, in einer Kanalisation empfangen wollte. Es war unpassend und zudem beleidigend zumal Namik sich hier unten selbst wie einer der Ratten fĂŒhlte, welche stĂ€ndig an ihm vorbeihuschten. Esadh - ein Kamerad und zeitgleich trotz seines jungen Alters einer der fĂŒhrenden Mitglieder der Gilde - hatte Namik aufgesucht und begleitete ihn durch die schmalen GĂ€nge der Kanalisation um ihn zum vermeintlichen Gesandten zu fĂŒhren. Der junge Mann hatte den Gesandten zuerst gesprochen und ihn wie es ĂŒblich war vor wenigen Minuten erst mit verbundenen Augen durch die Kanalisation gefĂŒhrt. Offensichtlich etwas empört von der Art und Weise des Gesandten, versuchte Esadh die Begebenheiten eilig zu erklĂ€ren. Namik musste amĂŒsiert feststellen, dass Esadh sich zwar in Sachlichkeit seiner Aussagen bemĂŒhte, aber daran scheiterte, weil dessen Empörung nach wie vor einfach zu groß war. Die Informationen, welche sein Kamerad ĂŒbermittelte, waren ebenso beunruhigend als die Tatsache in wenigen Sekunden einen ĂŒbelgelaunten, arroganten Gesandten gegenĂŒber zu treten, der nach Aussage seines Kameraden das bisher gekannte Maß an Dreistigkeit bei weitem ĂŒberschritt.

Mit einem leisen Seufzen betrachtete Namik die nur spĂ€rlich beleuchtete Umgebung wĂ€hrend er den Raum betrat. Die recht großzĂŒgige aber niedrige Kammer, welche sich weit unterhalb der Keller dieser Stadt befand, unterschied sich zumindest etwas von den GĂ€ngen, welche zu ihr fĂŒhrten. Das GemĂ€uer, welche ihm umgaben waren von schmierigem Moos und dunklen Flecken ĂŒberzogen wĂ€hrend der Steinboden hier zumindest trocken und von schmutzigen Teppichen bedeckt war. Diese waren wohl noch nie besonders kostbar gewesen und nun waren sie zudem schadhaft und fleckig. Einige Truhen dessen Schlösser aufgebrochen waren, standen eng zusammengeschoben an der Wand. In der Mitte des Raumes stand ein leerer Tisch, umgeben von schlichten StĂŒhlen. In der Ferne hörte man das dumpfe Rauschen der Kanalisation und ganz nebenbei stank es auch beinahe unertrĂ€glich. Irgendwo tropfte Wasser von der kahlen Decke des Raumes. Sein Blick wanderte zu dem augenscheinlich jungen Mann, welcher auf einen der schlecht verarbeitete StĂŒhle saß und unwillkĂŒrlich musterte Namik diesen. Obwohl Stoff noch die Augen des Mannes bedeckten und er somit nur ein Teil des Gesichtes erkennen konnte, befand Namik ihn als recht gutaussehend. Selten hatte Namik bisher MĂ€nner erblickt, welche man wirklich nachsagen konnte, dass diese von Schönheit gesegnet waren und offensichtlich war der Gesandte einer dieser MĂ€nner. Kleidung aus den feinsten Stoffen, welche Namik sich wohl niemals in seinem Leben hĂ€tte leisten können und zahlreicher Schmuck aus purem Gold zierten den offenkundig gepflegten Körper. Nachdem Esadh die Augenbinde abgenommen hatte, konnte Namik auch dessen Augen erkennen, welche wie erwartet das Gesamtbild des Gesichtes perfektionierten. Ohne irgendwelche ĂŒberflĂŒssige Förmlichkeiten ließ sich Namik von Esadh dem Gesandten vorstellen, bemerkte wie dieser ihn oberflĂ€chlich musterte und dann nur mit einem "In Ordnung" zustimmte. Diese Art und Weise missfiel Namik. Er sollte fĂŒr seine Dienstleistungen zahlen und ihn nicht anhand seines Erscheinungsbildes urteilen, ob dieser nun fĂŒr seine Absichten geeignet war oder nicht. Anderseits war dies auch das gute Recht des Mannes und völlig gleich ob es Namik unangenehm war wie ein Vieh auf dem Markt begutachtet und anschließend als nĂŒtzlich befunden zu werden, musste er es hinnehmen - immerhin zahlte dieser Mann eine betrĂ€chtliche Summe. Ein gut gefĂŒllter Geldbeutel wechselte den Besitzer und Namik staunte nicht schlecht als der Mann, welcher es auch nicht wirklich fĂŒr nötig befand sich einmal vorzustellen, den Handschlag seines Kameraden ignorierte. Die Verachtung, die sich in den Augen des Fremden widerspiegelte war unĂŒbersehbar. Schließlich wandte sich der Mann erneut Namik zu und der Befehlston der daraufhin folgte, gefiel Namik ĂŒberhaupt nicht. Er schien ihn fĂŒr einen Menschen niederer gesellschaftlicher Herkunft oder fĂŒr einen Leibeigenen zu halten, aber er war weder das eine noch das andere. Sich in allen Maßen zusammenreißend obwohl es ihm brodelte erwiderte er dessen Augenkontakt, etwas herausfordernd. „WĂŒrdet Ihr denn so freundlich sein, euch einmal vorzustellen?“ Namik bemĂŒhte sich seine aufkommende Wut in Zaum zu halten und sich gelassen, wenn auch selbstsicher zu geben. Esadh wandte sich inzwischen vom Geschehen ab, lief zu einem schĂ€bigen, beinahe in sich zusammenfallenden Schrank auf der linken Seite des Raumes und entnahm diesen einen Krug gefĂŒllt mit einer rotfarbenen FlĂŒssigkeit, welche einen angenehmen sĂŒĂŸlichen Duft verströmte. Des weiteren nahm der AttentĂ€ter einen schmucklosen Becher aus Ton aus dem Schrank, befĂŒllte diesen mit der FlĂŒssigkeit und schlenderte dann langsam wieder zu dem Gesandten hinĂŒber. „Ihr seid sicherlich durstig.“, brachte Esadh in seiner freundlichsten Stimmlage hervor und reichte ihm den Becher. „Befeuchtet eure Kehle doch etwas mit diesem köstlichen Wein.“ Der Wein roch intensiv nach einem Gemisch aus Kirsche, Blaubeere und sĂŒdlĂ€ndischen GewĂŒrzen. Namik entging nicht, dass Esadh sich bemĂŒhte die Stimmung etwas aufzulockern.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#3

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:01

Auf die Frage, wie er hieße, antwortete Sal’jil zunĂ€chst nur mit Schweigen. Einen kurze Zeit beĂ€ugte er seinen GegenĂŒber, der ihn herausfordernd anblickte. Namik sah recht durchschnittlich und einfach aus, war aber fĂŒr einen Mann seines niedrigen Standes erstaunlich gepflegt, stellte Sal’jil fest. Auf die Herausforderung seines GegenĂŒbers jedoch ging Sal’jil nicht ein, sondern wandte seinen Blick direkt von Namik ab. UnterstĂŒtzt mit einem leichten Schnauben signalisierte Sal’jil damit, dass er es nicht nötig hatte auf die Herausforderung eines so niedrigen Mannes einzugehen. Statt zu antworten ging der Hofmagier stattdessen wichtigtuerisch einige Schritte durch den Raum, so als ob er ĂŒber etwas sehr Ernsthaftes nachdenken wĂŒrde und zögerte eine Antwort so weit wie möglich hinaus, um seinen GegenĂŒber auf die Folter zu spannen und ihn dazu zu bringen, dass er sich Gedanken ĂŒber Sal'jil machen musste. Der Hofmagier strahlte inzwischen eine starke Selbstsicherheit und Geduld aus.
Als Sal'jil spĂŒrte, dass die Zeit reif war, durchbrach er das Schweigen, indem er theatralisch laut seufzte und mit stolzer Stimme verkĂŒndete: "Ich bin Sal'jil, Sohn des großen Meistermagiers Al-Sahif, Gesandter und Hofmagier des Kalifen Jikhbar von Danos."
Obwohl Sal'jil nicht mehr Titel als die oben genannten besaß, sprach er diese trotzdem mit WĂŒrde aus, da er genau wusste, wie man als Adliger auftreten musste, selbst wenn Sal'jil selbst keiner war. Denn ein Gesandter hatte normalerweise nichts zu sagen, und war nicht mehr als ein Botenjunge. DarĂŒber hinaus war der Titel des Hofmagiers ebenso nicht viel wert, da diese Art von "Magier" meist nur einfache Zauber beherrschten und am Hofe der Adligen mehr zur Belustigung dienten. Der Name seines Vaters hingegen war legendĂ€r und brachte normalerweise eine Welle der Bewunderung herbei. Weiteres erlĂ€uterte Sal’jil zunĂ€chst nicht und starrte nun auf Namik, um ihm zu zeigen, dass er auf ihn wartete.

Esadh bemerkte aber die Anspannung und begann die Situation zu entschĂ€rfen. Er hatte tatsĂ€chlich gute Menschenkenntnisse und ein gutes GespĂŒr fĂŒr GeschĂ€fte, sodass er Sal’jil den Wein anbot. Mit einem ganz leichten Nicken signalisierte Sal’jil, dass er etwas trinken wĂŒrde. Esadh goss Sal’jil als Erstes ein und holte danach zwei weitere Tonbecher hervor, die er ebenfalls auffĂŒllte.
Doch Sal’jil wartete nicht auf eine Geste, oder einen Trinkspruch des großzĂŒgigen Spenders, sondern trank einfach drauf los, noch bevor Esadh die beiden anderen GlĂ€ser aufgefĂŒllt hatte. Der Wein war fĂŒr Sal'jils verwöhnten Gaumen nicht unbedingt befriedigend. Der Hofmagier hatte nĂ€mlich schon zahlreiche exzellente Weine getrunken. So auch im Palast des inzwischen verstorbenen Sultans Bayezid II., wo er diverse Importweine aus Elas, Heinan, der Yatekenstadt Laga oder den Nordlanden probiert hatte. Verglichen damit war der angebotene Wein des Meuchelmörders natĂŒrlich eine Farce ohnegleichen.

Mit gekonnter Rhetorik begann Sal’jil mit einem kleinen Vortrag: "Wohlan, schmeckt provinziell
vermutlich vom Danos Delta. Leider viel zu sĂŒĂŸ und zu wĂŒrzig im Abgang. Wobei der elanische Wein wirklich der GrĂ€sslichste ist, ja wirklich noch schlimmer, als dieser hier", meinte Sal'jil beilĂ€ufig, wobei er keinerlei Provokation in der Stimme hatte, dennoch verzog Sal'jil bei einem weiteren Schluck das Gesicht. Dann fuhr er fort: "Schaut euch die Farbe an. An der IntensitĂ€t erkennt man, dass der Wein stark verunreinigt ist. Ich bevorzuge die trockenen Weine aus dem Norden, sie sind meist harmonisch gut abgestimmt und nicht zu fruchtig, wie die Weine aus Laga. Wobei die lieblichen, tiefen, vollmundigen Weine aus Heinan auch nicht schlecht sind. Sie gerinnen geschmeidig die Kehle hinunter und haben trotzdem den erforderlichen Biss“, wohl ahnend, dass keiner der Beiden vermutlich darauf antworten könnte. Trotz des Geschmacks, die Sal’jils Gaumen nicht zufriedenstellte, trank Sal’jil den Wein dennoch ganz aus. Dies war wohl die erste Geste des Hofmagiers, die zeigte, dass Sal’jil tatsĂ€chlich höflich sein konnte, wenn er wollte.

Mit seinen Augen und mit allen seinen Sinnen fixierte der Magier das inzwischen leere Weinglas. Wie aus dem Nichts schien sich das Weinglas plötzlich wieder aufzufĂŒllen, ohne dass Sal’jil seine HĂ€nde bewegt hĂ€tte. Der Magier hatte nĂ€mlich den Zauber „Schmackhafter Wein“ beschworen und erzĂ€hlte nun: "Alle Extrakte, die ich mal getrunken habe, kann ich zu einem Ganzen zusammenfließen lassen
 Die gewĂŒnschte Alkoholwirkung tritt nicht ein, aber dies ist bei der Hitze draußen sowieso nicht nötig“, und fing an zu schwafeln, was ein Zeichen dafĂŒr war, dass sich Sal'jil nicht mehr ganz so unbehaglich fĂŒhlte. "Bei den Temperaturen entwĂ€ssert man schnell und die alkoholischen Ingredienzien fĂŒhren zu Termina Totalis," wobei er das letzte Wort besonders betonte. Er hatte das Wort von seinem Lehrer Rashid abu'l kitĂąb gehört. Die Bedeutung hatte er wohlgemerkt aber nie richtig verstanden. Aber bei den hier Anwesenden wĂŒrde kaum einer dieses Wort kennen und von daher wusste Sal'jil, dass er mit seinem Wissen auftrumpfen konnte, um so Status und Anerkennung in dieser armseligen Gemeinschaft zu gewinnen.
" Doch der Geschmack dieses hervorrangenden Weines ist einmalig. SĂ€mtliche Aromen Lodranions vereint zur kostspieligen Glanz. Nicht mal so einer wie du könnte da nein sagen“, meinte Sal’jil und zeigte auf Namik. Auch diesmal lag keine Provokation in seiner Stimme. Im Tonfall lag eher etwas SelbverstĂ€ndliches oder NebensĂ€chliches.
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Namik al-Nadeem
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Re: Politisches Intrigenspiel

#4

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:02

Vermutlich bereitete es dem Gesandten höchstes VergnĂŒgen Menschen in spannende Erwartung zu versetzen, indem er ihnen eine entscheidende Information vorenthielt beziehungsweise die Antwort dementsprechend hinauszögerte. Ungeachtet dessen, dass dieser ihn eindringlich musterte, hielt Namik weiterhin Augenkontakt, blickte in fĂŒr sĂŒdlĂ€ndischer Herkunft charakteristische dunkelbraunfarbene Augen, die allerdings einen schöneren Farbnuance aufwiesen als die meisten, welche er bisher gesehen hatte. Das verĂ€chtliche Schnauben des Gesandten und die Missachtung zugleich, welche der eindringlichen Musterung folgte, entging Namik selbstverstĂ€ndlich nicht und verdeutlichte, dass dieser nichts von dem Meuchelmörder hielt. Innerlich stellte Namik sich die Frage, ob dieser von unbeschreiblicher Hochmut geprĂ€gte Mann diese Überheblichkeit nutzte um eine Distanz zwischen sich selbst und seinen GegenĂŒber zu schaffen - eine Art Selbstschutz. Sicherlich empfand dieser Mann ein intensives GefĂŒhl der Unvollkommenheit, welche er offenbar erfolgreich vor den Menschen in seiner Umgebung verbarg. Bereits diese recht unwahrscheinliche Erkenntnis - ob diese zutreffend war sei dahingestellt - minderte seinen auf die KrĂ€nkung folgenden, aufkommenden Zorn. Doch um so lĂ€nger Namik seinen GegenĂŒber beobachtete, um so intensiver zweifelte dieser an seine Theorie. Dieses Maß an Selbstsicherheit konnte man einfach nicht vortĂ€uschen. Namik hob ĂŒberrascht eine Augenbraue als der Mann, dessen Name letztlich Sal'jil lautete, verkĂŒndete, dass er der Sohn des berĂŒhmten und in Radschistan hochgeschĂ€tzten Magiers Al-Sahif sei. Die restliche Anreihung von irgendwelchen Beinamen und Titel nahm dieser dann anschließend gar nicht mehr wahr. Al-Sahif war nicht bloß aufgrund seiner bemerkenswerten magischen Begabung dermaßen bekannt, sondern auch seine Aufzeichnungen bezĂŒglich der Erforschung der allgemeinen Magie waren beliebt und angesehen zugleich. Sofern Sal'jil nur annĂ€hernd ĂŒber entsprechende magische Begabungen verfĂŒgte wie dessen Vater, so sollte man ihn fĂŒrchten beziehungsweise ihn eher einen Freund als einen Feind nennen. Nicht eher als sein Bruder ihm den Becher Wein reichte, wurde Namik aus seinen Gedanken gerissen, schaute etwas ĂŒberrascht auf diesen und lehnte dann mit einer freundlichen Geste diesen stillschweigend ab. Der Genuss von Alkohol war in dieser Situation nicht unbedingt nutzbringend, zumal er sich in Beherrschung ĂŒben musste. Außerdem mochte Namik Weine nie sonderlich. Nachdem dieser Sal'jil anschließend auch noch meinte, den sicherlich kostenintensiven Wein zu bemĂ€ngeln, nebenbei auch noch einen Vortrag ĂŒber verschiedene Weine hielt stellte Namik fest, dass Esadh genauso wenig Ahnung von dem hatte, was dieser Mann da sprach, wie er selbst. Den ĂŒberraschten Blick, den beiden untereinander wechselten als der Magier ihnen dann auch noch dieses kleine aber durchaus bewundernswerte KunststĂŒck prĂ€sentierte war sicherlich unbeschreiblich. WĂŒrde Namik dies nicht mit eigenen Augen sehen, hĂ€tte er wahrscheinlich niemals geglaubt, dass es tatsĂ€chlich Menschen gab, welche Weine einfach wie in alten MĂ€rchen aus seiner Kindheit herbeizaubern konnten. Die darauffolgende Aussage des Magiers war wiederum so anmaßend, dass Namik alsbald seine stille Begeisterung verdrang und ihn mit einen drohenden Blick strafte. Dieser Mann wagte es tatsĂ€chlich ihn permanent verbal anzugreifen, zu provozieren und ungeachtet dessen, dass dieser Jemand das verzogene Balg eines Meistermagiers war, war Namik hin - und hergerissen diesen Mann in seine Schranken zu weisen. Diese unbeschreibliche Eingenommenheit von sich selbst und die von ihm viel schlimmer empfundene Feindseligkeit erinnerte ihn an seine eigene Familie oder vielmehr an die Familie seiner Mutter. Sie waren allesamt gleich in ihrer unglaublichen Selbstherrlichkeit und Namik wusste nun wiederholt warum er diese Menschen höherer Gesellschaft dermaßen verachtete. Namik wartete einen Moment, atmete einmal tief durch um nicht seine Haltung zu verlieren. „Noch nicht einmal so einer wie ich, ja? Möchtet Ihr mir etwas vermitteln? Wenn ja sprecht euch ruhig aus.“ Seine Stimme wirkte ruhig, allerdings konnte man in dieser unschwer seinen Zorn erkennen und er lĂ€chelte freudlos ein wenig dabei. Er war es mehr als leid sich weiterhin tatenlos beleidigen zu lassen. „Anstatt eure Defizite hinter eure erbĂ€rmlichen Versuche andere Menschen in irgendeiner Form zu beleidigen, zu verstecken, solltet ihr uns zunĂ€chst aufklĂ€ren. Mit wem möchte der werte Kalif denn abrechnen oder bezahlt er Euch dafĂŒr, dass Ihr euch zu uns in eine Kanalisation stellt und mit Euren kleinen KunststĂŒckchen unterhaltet?“ Namik erkannte recht zĂŒgig, dass diese Aussage mehr als anmaßend war und er spĂŒrte bereits den warnenden Blick seines Bruders. Sicherlich wĂŒrde dies eine Konsequenz seitens der Gilde nach sich ziehen, aber dies war ihm momentan völlig gleich. Kein Mensch - weder Auftraggeber sonst irgendjemand hatte das Recht dazu, ihn so zu behandeln. Nichtsdestotrotz erhoffte sich Namik, dass dies gesessen hatte und dieser Sal’jil nicht gleich in einem GelĂ€chter ausbrach, weil er erkannte, dass Namik nicht so recht ĂŒberzeugt von seiner eigenen Aussage war. Defizite waren hier sicherlich nicht zu erkennen, höchstens vielleicht aufgrund seiner Reaktion in seiner eigenen Person und diese Tatsache war bereits blamabel genug.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#5

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:02

Dieser Mann war
recht amĂŒsant, stellte Sal’jil fest. Er fĂŒhlte sich von den Worten Namiks in keinster Weise herausgefordert, sondern eher bestĂ€tigt. Er fand es ungewöhnlich, dass ein einfacher Mann, wie Namik es war, den Schneid hatte ihn verbal zu attackieren. Normalerweise griff das Gesindel schnell zu den Waffen. Auf einen Gegner gestoßen zu sein, der mit Worten umgehen konnte, gefiel Sal’jil. Es sprach dafĂŒr, dass Namik Bildung genossen hatte, auch wenn sie im Vergleich zu Sal’jil vermutlich ziemlich rudimentĂ€r war. Namik war nicht ganz so eindimensional und einfach, wie der Tajik zunĂ€chst gedacht hatte. Ich bin ihm ĂŒberlegen, aber ich sollte etwas vorsichtiger sein, gestand sich Sal’jil. Der Hofmagier ließ sich seine Gedanken aber nicht anmerken, sondern grinste nur leicht.

„Werde bloß nicht philosophisch. Das steht dir nicht,“ forderte Sal’jil. Er umkreiste den Tajik, wie ein Raubtier seine Beute. Auf Namiks zweite Frage reagierte dann Sal’jil: „Nie wĂŒrde ich freiwillig in solch ein Rattenloch steigen. Ich kenne solche Orte nicht,“ begann Sal’jil zu antworten und hatte seinen Blick fest auf Namik. Er entschied die Beleidigung nicht zu erwidern, da er wusste, dass die Situation dadurch eskalieren könnte. Ein kleines Sensibelchen dieser Mann. WĂ€re er nicht so verdammt ernst könnte man ihn als Hofnarren einstellen, lachte er innerlich. Damit die Arbeit reibungslos verlĂ€uft, da es schließlich nicht nur um Sal’jil selbst ging, sondern es eine Sache des Kalifen war, beschloss Sal’jil seine Verachtung fĂŒr diesen Mann vorerst zu verbergen.

„Die BeweggrĂŒnde fĂŒr meine Tat sind unerheblich. Ich werde fĂŒr meine Dienste vom Kalifen reichlich entlohnt. Auch du wirst dies.“ Sal’jil schaute kurz zu Esadh. Dann plötzlich wurde Sal’jils Stimme ernst.
„Du solltest es als Ehre empfinden fĂŒr den Kalifen zu arbeiten, stattdessen ziehst du seinen Namen in den Dreck,“ bemerkte er mit rhetorischer GenialitĂ€t. „Entsinnst du dich nicht deiner gesellschaftlichen Position?“, fragte er fatalistisch. „Du wirst schnell einen Kopf kĂŒrzer gemacht, wenn der Kalif davon erfĂ€hrt, dass du ihn beleidigt hast
 Möchtest du dies?"
Sal’jil ließ keine Zeit zu antworten, sondern fuhr weiter fort: „Also unterlasse jene Artikulation, die dein Mundwerk verlĂ€sst, denn der Kalif ist nicht so geduldig wie ich!“

„Bei solch einer unprofessionellen Haltung wage ich zu behaupten, dass dieser Mann ungeeignet fĂŒr den Auftrag ist“, meinte Sal’jil und sprach damit zu Esadh. Esadh ĂŒberlegte und machte eine Geste, die bedeutete, dass ihm das gleichgĂŒltig wĂ€re. „Entschuldigt ihn, er hat sich vergessen,“ erwiderte Esadh und schaute gereizt auf Namik. „Er wird sich in Zukunft zu benehmen wissen“, betonte Esadh.
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Re: Politisches Intrigenspiel

#6

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:02

Wie bereits erwartet wurde sein schwachsinniger Versuch seinen GegenĂŒber zu verunsichern, ihn zumindest ansatzweise aus den Konzept zu bringen, belĂ€chelt. Namik musste sich eingestehen, dass es zwecklos war, sich mit einem Menschen zu messen, dessen Bildung offensichtlich die seine bei weitem ĂŒberstieg. Er bereute seine reichlich unfreundliche Anmerkung mit jeder Sekunde, die weiterhin verging. Die darauffolgende Antwort ließ Namik dann stillschweigend ĂŒber sich ergehen - auch wenn diese zweifelsohne saß. Abgesehen davon, dass Namik sich wahrscheinlich weiterhin lĂ€cherlich machen wĂŒrde, sofern er sich weiterhin auf eine Diskussion einließ, spĂŒrte er den vorwarnenden Blick seines Bruders fortwĂ€hrend. Wenn er es jetzt ĂŒbertreiben wĂŒrde, mĂŒsste er mit Konsequenzen rechnen und dies wollte er möglichst umgehen. Namik rĂŒhrte sich nicht, ließ ihn gewĂ€hren, selbst als der Magier ihn gemĂ€chlichen Schrittes umkreiste, als suchte er eine Schwachstelle seiner Persönlichkeit, auf welche er sich schließlich stĂŒrzen und diese dann auseinanderreißen könnte. HĂ€tte er versucht seinen GegenĂŒber im Auge zu behalten hĂ€tte es ihn wahrscheinlich nur noch mehr amĂŒsiert. Stillschweigend nahm sich der Meuchelmörder vor ihn diese Möglichkeiten nicht weiterhin zu bieten und trotzdem spĂŒrte Namik wie ein kalter Schauer ĂŒber seinen RĂŒcken lief, er zeitgleich schwitzte als Sal’jil sich hinter ihm befand - es war wie vollkommen ausgeliefert zu sein und einen Moment lang gestand sich Namik ein, dass er sich wĂŒnschte einer seiner BrĂŒder hĂ€tte diesen Auftrag angenommen. Gewiss verspĂŒrte er keine Angst, aber ein anderes unangenehmes GefĂŒhl, welches ihn beinahe erdrĂŒckte. Namik konnte diese Empfindung beim besten Willen nicht einordnen und dies beunruhigte ihn wiederum. Hatte seine plötzliche Unsicherheit mit seinem letzten, misslungenen Attentat und seiner darauffolgenden Verwundung zu tun gehabt? Das konnte doch nicht derartige Auswirkungen auf sein GemĂŒt haben und eine solche Unsicherheit bewirken. Diese Gedanken des Selbstzweifels beiseite schiebend, versuchte Namik sich gelassen zu geben, auch wenn seine Körperhaltung etwas anderes verriet. Erst nachdem Sal’jil sich wieder vor ihm befand, stieß Namik seinen angehaltenen Atem aus, von dem er gar nicht erst bemerkt hatte, dass er ihn angehalten hatte. Es verwunderte Namik etwas, dass Sal’jil sich vielmehr der Anmaßung seinerseits gegenĂŒber des Kalifen annahm, als den Beleidigungen seiner Person. Sal’jil sprach davon, dass es ihm eine Ehre sein könnte, dem Kalifen zu dienen und Namik musste sich beinahe auf die Zunge beißen um nicht zu verkĂŒnden, dass er nichts von diesem Bastard hielt. Kalif Jikhbar von Danos war seines Erachtens ein unfĂ€higer und vor allem selbstsĂŒchtiger Mann, welcher eine verschwenderische Lebensweise fĂŒhrte, wĂ€hrend armselige Kinder an der nĂ€chsten Straßenecke verreckten und Frauen aus Hungersnot ihre Körper an den nĂ€chstbesten Mann verkaufen mussten. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Ă€rmlichen UmstĂ€nde dieser Stadt das Anwesen seines Kalifen nicht erreichten und alleine die Tatsache, dass Jikhbar dies hinnahm und weiterhin sein ach so schönes Leben genoss, veranlasste Namik nicht unbedingt dazu dies als Ehre zu empfinden. Die Botschaft, welche Sal’jil so malerisch ĂŒbermittelte, war dennoch angekommen und er wĂŒrde sich auch an diese halten - denn seinen Kopf verlieren aufgrund so eines Unsinns stand eigentlich nicht zur Debatte. Er schnaubte verĂ€chtlich als der Magier ihm anschließend den Mund verbot und offensichtlich war dies zuviel des Guten, denn daraufhin meinte Sal’jil, dass er nicht ĂŒber die nötige ProfessionalitĂ€t verfĂŒgte. Hilfesuchend blickte Namik zu seinen Bruder, der sichtlich unerfreut ĂŒber den Verlauf dieses GesprĂ€ches war. Ihm wurde plötzlich klar, dass dieser Auftrag eine Möglichkeit sein könnte, seinen Meister nochmals von sich zu ĂŒberzeugen. Nachdem er damals versagte, hatte man ihn stets mit belanglosen BotengĂ€ngen beauftragt und nun konnte er endlich sich wieder beweisen. Sofern sich Sal’jil dennoch fĂŒr einen anderen Meuchelmörder der Gilde entscheiden sollte, wĂŒrde Esadh sicherlich seinen Meister von dieser Situation hier berichten und dies wĂŒrde diesmal nicht einfach wieder im Sande verlaufen. Er rĂ€usperte sich um auf sich aufmerksam zu machen. „Lasst uns diese Unannehmlichkeiten vergessen.“ Es klang unbeabsichtigt mehr nach einer Bitte als eine Aufforderung. „Ich schĂ€tze mal, dass Ihr mir weitere Informationen zunĂ€chst vorenthalten und mich noch nicht ĂŒber das genaue Auftragsziel in Kenntnis setzen werdet, doch wĂ€re es zunĂ€chst schon nutzbringend zu wissen, wohin uns unsere Reise fĂŒhren wird, da auch ich mich darauf vorbereiten muss.“ Namik erhoffte sich, dass Sal’jil darauf eingehen wĂŒrde, denn dann stĂŒnde außer Frage, dass er diesen Auftrag ausfĂŒhren durfte. Andererseits war fĂŒr Namik bereits der Gedanke, mit diesem unglaublich unangenehmen Zeitgenossen zu reisen durchaus erschreckend. Aber dies musste er letztlich akzeptieren, seine eigene Belange in den Hintergrund stellen und professionell seine Arbeit verrichten. Ein BĂ€cker ließ ja schließlich auch nicht das Brot absichtlich anbrennen nur weil ihm die Nase des Kunden nicht gefiel und so verhielt es sich auch mit seiner TĂ€tigkeit.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#7

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:02

In der Tat ĂŒberlegte Sal’jil einige Zeit darĂŒber nach, nach einem anderen Mann zu verlangen, denn dieser schien mit seinen Emotionen nicht umgehen zu können. Und ein AttentĂ€ter, der seine Emotionen nicht im Zaum halten konnte, war nicht sonderlich vielversprechend. Doch irgendwie gefiel ihm dieser Mann auch. Denn kaum ein Mann des niederen Volkes wagte es normalerweise Sal’jil mit Worten entgegenzutreten. Trotz offensichtlicher Unterlegenheit, wie Sal’jil empfand, war dieser Mann dennoch mutig und wortgewandt fĂŒr seine VerhĂ€ltnisse. Der Hofmagier beschloss abzuwarten und ihm noch eine Chance zu geben. Sal’jils nĂ€chste Aussage beinhaltete sogar ein Kompliment, was sehr untypisch fĂŒr Sal’jil war, da er fĂŒr gewöhnlich nur gleichrangigen Menschen Komplimente machte. Doch Sal’jil hatte das GefĂŒhl, dass dieser Mann fĂŒr seine VerhĂ€ltnisse tatsĂ€chlich recht schlau war. Jenes Kompliment war aber direkt mit einer erneuten Erniedrigung gekoppelt.

„Du besitzt Schneid, doch dein Verhalten ist zutiefst unehrenhaft und schĂ€ndlich! Hat man dir nicht Gehorsam und UnterwĂŒrfigkeit gegenĂŒber deinem Schirmherren beigebracht?“
Sal’jil beschloss ihm eine Lektion in Manieren zu verpassen: „Man spricht einen höher gestellte Person wie mich stets mit „mein Herr“ an. Am Hofe des Kalifen mĂŒsstest du fĂŒr diese Respektlosigkeit zahlen.
Ich bin ein Gutmensch“
, behauptete Sal’jil, was entschieden nicht der Wahrheit entsprach, aber nach Meinung Sal’jils zutraf. „Deswegen gewĂ€hre ich dir deine Fehler. Gleichwohl entsinne dich deiner gesellschaftlichen Stellung und verhalte dich von nun an angemessen. NĂ€chstes Mal werde ich nicht mehr gnĂ€dig sein.“

Als Namik weiter im darauffolgenden Satz behauptete, Sal’jil wĂŒrde ihm Informationen vorenthalten wollen, schaute Sal’jil ihn vorwurfsvoll an und schĂŒttelte den Kopf. Was erlaubt er sich? Gereizt schwĂ€rzte ihn Sal’jil an: „Warum sollte ich dir Informationen vorenthalten?! Es wĂ€re nicht sonderlich gewinnbringend dir nur die halbe Wahrheit zu sagen.“
Der Tajik blickte sich kurz um und sagte: „Ich weiß nicht, wie sicher dieser Ort ist, deswegen wĂŒrde ich dieses GesprĂ€ch an einem spĂ€teren Zeitpunkt fortfĂŒhren. Doch was ich verraten kann ist, dass wir zur Totenstadt reisen und wir dort einen langen Aufenthalt planen.“

„Jetzt pack deine Sachen! Wir brechen gleich auf! Wir sollen bei Sonnenuntergang beim Kalifen sein. Im Morgengrauen geht’s dann weiter.“ Nach einer kurzen Pause meinte Sal’jil noch: „Ich stelle Proviant und Verpflegung.“
Darauf suchte sich Sal’jil die beste Sitzgelegenheit, die der Raum zu bieten hatte. Es handelte sich um den gepolsterten Lehnsessel des Gildenmeisters, wo sich sonst kein Anderer hinsetzen durfte bis auf den Meister selbst. Esadh schĂŒttelte heimlich den Kopf und murmelte, dass es eine „ungeheure Anmaßung“ wĂ€re. Er erduldete diese Aktion Sal’jils aber, da er keinen weiteren Streit mehr riskieren konnte. Dort wartete Sal’jil geduldig auf Namik, wĂ€hrend er an seinem Wein nippte und dabei eine Melodie aus einem Kinderlied summte.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#8

Beitrag von Zeexmix Fizzlegrinder » Fr 8. Sep 2017, 13:03

Namik bemerkte wie Sal’jil einen Moment nichts sagend scheinbar nachdachte und erhoffte sich nach wie vor, dass dieser sich fĂŒr seine Person entschied. Namik musste sich eingestehen, dass er sich selbst mit seinen dummen Äußerungen Steine in den Weg gelegt hatte. WĂ€re ihm davor bewusst geworden, welche gĂŒnstige Gelegenheit sich hier bot um seine Ehre innerhalb der Gilde wieder herzustellen, wĂ€re er umsichtiger im Umgang mit seinem Auftraggeber gewesen. Aber nun war das Kind bereits in den Brunnen gefallen und er musste entweder versuchen dieses noch da rauszubekommen oder sich mit den Konsequenzen zu arrangieren. Die darauffolgende Worte, welche Sal’jils Lippen verließen, waren zunĂ€chst positiv aufzufassen, doch wie erwartet musste ja eine Herabsetzung seiner Person folgen. TatsĂ€chlich hatte Sal’jil die Impertinenz von Namik Gehorsam und UnterwĂŒrfigkeit zu erwarten und Namik fragte sich mit welchem Recht er dies tat. Sofern er tatsĂ€chlich jemanden gegenĂŒber mit Demut begegnete, dann ausschließlich seinem Meister und dieser sollte sicherlich auch nicht mit uneingeschrĂ€nkten Gehorsam rechnen, denn Namik ließ sich von niemanden niederhalten - das taten schließlich nur charakterschwache Menschen oder Menschen, welche das Recht verloren hatten, Herr ihrer selbst zu sein und er war gewiss keiner von denen. Namik musste verĂ€chtlich schnauben, als Sal’jil dann auch noch darauf insistierte, dass er diesem den nötigen Respekt mit der von ihm geglaubten, angemessenen Anrede entgegen bringen sollte. Es war ausgesprochen dreist dies zu verlangen und obwohl Namik seinem GegenĂŒber liebend gerne die Kehle durchgeschnitten hĂ€tte, damit dieser endlich verstummte, schwieg er dazu. Dieser unverschĂ€mte Bastard konnte lange darauf warten, dass Namik sich die BlĂ¶ĂŸe geben und diesen als seinen Herrn bezeichnen wĂŒrde, auch wenn ihm durchaus bekannt war, dass dies eine reine Höflichkeitsform war. Er wĂŒrde dessen Ansprache vorerst vermeiden um weitere Streitigkeiten zu umgehen, doch wenn Sal’jil nochmals diese Angelegenheit ansprechen wĂŒrde, wĂŒrde Namik ihm schon begreiflich machen, dass dieser sicherlich nicht das Recht dazu hatte, dies abzuverlangen. Auch wenn dieser Mann meinte, die ganze Welt lag ihm förmlich zu FĂŒĂŸen, so wĂŒrde Namik sich nicht wie ein Leibeigener diesen beugen. Andererseits hatte Namik das GefĂŒhl oder besser gesagt die BefĂŒrchtung, dass Sal’jil versuchte ihm zu vermitteln, wie man sich in dessen Gesellschaftskreisen verhielt, weil er bereits eine Begegnung dieser Art fĂŒr unausweichlich befand. Sofern seine Vermutung stimmte, so war es, wenn auch diese Belehrung wie ĂŒblich mal wieder unverschĂ€mt wirkte, eine durchaus freundliche Geste seines GegenĂŒbers um Schlimmeres in der Zukunft zu vermeiden. Obgleich Namik versuchte nicht mehr auf dessen Provokationen einzugehen, verzogen sich seine Lippen zu einen leichten, wenn auch freudlosen Grinsen als er vernahm, dass Sal’jil es tatsĂ€chlich in Betracht zog, ihm eine Strafe aufzuerlegen sofern er dessen Ermahnung ignorierte. Er wollte also bei weiteren „Vergehen“ keine Gnade mehr walten lassen? Gut, dass konnte er gerne haben, denn Namik bereitete bereits die Vorstellung, diesen Mann sĂ€mtliche Knochen zu brechen bis dieser dann nur noch flehend versucht wegzukriechen, höchste Freude und ihm war bewusst, dass wenn Sal’jil es weiterhin ĂŒbertreiben wĂŒrde, dieser nicht mehr weit davon entfernt. Zumindest war der scheinbar nahelose Hofmagier etwas gereizt, als Namik ihm gegenĂŒber frei heraus aussprach, dass er dem Glauben sei, erwĂŒrde ihm Informationen fernhalten und dabei war dies gar nicht mal so gemeint, wie dieser es aufgefasst hatte. Das man ihm frĂŒher oder spĂ€ter sĂ€mtliche Informationen geben wĂŒrde, war Namik durchaus bewusst. Die Frage war dennoch zu welchen Zeitpunkt dies geschehen sollte. Er hatte Sal’jils Worte anschließend gar keine Aufmerksamkeit geschenkt, vernahm nur beilĂ€ufig, dass dieser irgendetwas von dem Kalifen sprach, welcher ihre Anwesenheit vor Ablauf des Tages erwartete - aber das war Namik auch letztlich gleich, denn wahrscheinlich war auch in dieser Aussage sicherlich eine Anmerkung verborgen, welche eine Beleidigung beinhaltete. Er nickte anschließend nur. „Gebt mir einen Moment, dann bin ich wieder bei Euch.“ Mit diesen Worten verließ Namik die Kammer, sichtlich erleichtert, dass er diese fĂŒr einen kurzen Moment verlassen durfte. Die Anwesenheit eines solchen Menschen wie Sal’jil war tatsĂ€chlich nervenaufreibend und anstrengend zugleich - bereits die Selbstbeherrschung, in welcher er sich in dieser kurzen Zeit bemĂŒhen musste, war unausgesprochen erschöpfend und er wusste beim besten Willen nicht, wie er die Reise bis nach Totenstadt mit diesen Mann ĂŒberstehen sollte ohne einen Mord zu begehen. Es dauerte nicht lange bis Namik die Nebenkammer erreichte, in welcher er eigentlich nĂ€chtigen sollte - ein feuchter, heruntergekommener Raum, in welcher er sich sicherlich bereits nach einer Nacht eine LungenentzĂŒndung weggeholt hĂ€tte. Selbst der vorgesehene Schlafplatz war nichts weiter als eine ungemĂŒtliche Holzbank und obwohl Namik nicht sonderlich anspruchsvoll war, empfand er diesen Schlafplatz als etwas ungemĂŒtlich. Er war erst seit wenigen Stunden in Danos zugegen, daher waren seine Sachen noch im ReisegepĂ€ck verstaut. Dieses ĂŒber die Schulter geworfen kehrte Namik schließlich nach wenigen Minuten zurĂŒck und stellte fest, dass Sal’jil die Frechheit besaß, sich auf den eigens fĂŒr den Meister platzierte Stuhl niederzulassen und dem Blick seines Bruders zufolge, war dieser recht aufgebracht ĂŒber dessen Anmaßung. Er lauschte einen Moment der Melodie, welche Sal’jil dahinsummte und erkannte es umgehend. Seine Mutter hatte es ihm und seiner Schwester mit ihrer lieblichen Stimme damals manchmal vor der Nachtruhe vorgesungen und die Erinnerung daran, brachte ihm leicht zum LĂ€cheln. „Das Lied vom Stern, der vom Himmel fiel?“, meinte er mehr wissend als fragend ohne zu Sal’jil aufzuschauen, wĂ€hrend er seine Armschienen, welche nicht so recht sitzen wollten, richtete. Die Geschichte, welche das Lied erzĂ€hlte, war schön und traurig zugleich, auch wenn Namik als Kind in seiner Unwissenheit den tiefgreifenden Sinn dieser nicht wirklich verstand. Seltsamerweise erschien Sal’jil irgendwie menschlicher fĂŒr Namik und einen Moment lang vergaß er seinen Zorn ihm gegenĂŒber.

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Re: Politisches Intrigenspiel

#9

Beitrag von Sal'jil » Fr 8. Sep 2017, 13:03

„Ja... Stimmt... “ entgegnete Sal’jil ĂŒberrascht und versuchte ein LĂ€cheln zu unterdrĂŒcken, was dem Hofmagier nur mit MĂŒhe gelang. Als er schließlich sah, dass Namik gepackt war, fĂŒgte er hinzu: „So schnell also? Nun dann machen wir uns auf den Weg

Esadh?!“

Einen Augenblick spĂ€ter kam Esadh wieder zurĂŒck. „Fertig? Gut, ich werde Euch hinausbegleiten, mein Herr“, meinte er.

Sie benutzten einen Seitenausgang mussten dafĂŒr aber durch ein paar RĂ€ume hindurch, die Sal’jil meistens naserĂŒmpfend und ekelerregt durchquerte. Der Versammlungsraum sah ja noch gepflegt aus, aber die weiteren RĂ€ume im Kellergewölbe waren sehr runtergekommen. Endlich erreichten sie den Seitenausgang. Als es Zeit war sich zu verabschieden gab Sal’jil Esadh erneut nicht die Hand. Diesmal dafĂŒr aber eine SilbermĂŒnze, welche eine eigenartige PrĂ€gung hatte und offenbar aus Kross stammte. Sal’jl meinte: „FĂŒr deine MĂŒhen“, nickte kurz und verabschiedete sich somit. Esadh schien erfreut. Eine SilbermĂŒnze war nicht gerade wenig Geld. Er bedankte sich kurz, aber Sal’jil winkte mit der Hand belanglos ab, so als ob es nichts wĂ€re. So betraten Namik und Sal‘jil die Stadt.

ZurĂŒck im Tageslicht musste Sal’jil erstmal die Hand vor den Augen halten, da die Sonne ihn so stark blendete. Er musste zuerst gucken, wo sie hinmussten. Dummerweise wusste er absolut nicht wo sie sich befanden und hatte vergessen Esadh nach den Weg zu fragen. Alle Straßen sahen in Danos irgendwie gleich hĂ€sslich aus, sodass Sal’jil sie nur schwer voneinander unterscheiden konnte. Er entschied sich aber Namik nicht zu fragen, da Sal’jil nur ungern zugab, dass er etwas nicht wusste und Hilfe brauchte. Daher folgte er seinem Orientierungssinn und bog nach rechts. „Ich denke hier geht’s weiter“, bestimmte Sal’jil. Er schwieg erstaunlich lange, da er die Umgebung beobachtete um sich zu orientieren und den richtigen Weg zu finden. Wenig spĂ€ter waren sie an einer alten Garnison von Danos, wo einst die Stadtwache von Danos stationiert war. Seit Kalif Jikhbar aber vor 30 Jahren an die Macht gekommen war, gab es keine Stadtwache mehr und dieses GebĂ€ude bot mittlerweile Obdachlosen und Schnorrern als Zufluchtsort. Sal’jil wies an nach links zu gehen. Sie gingen an ein paar Waschweibern vorbei, die im dreckigen Flusslauf ihre Kleidung wuschen. Dann erreichten sie das Gerber und KĂŒrschnerviertel, bogen nach links zu den FĂ€rbern, die alle geschĂ€ftig ihrer Arbeit nachgingen. Schließlich nach einer halben Stunde ungefĂ€hr erreichten sie das nördliche Stadttor. Von dort folgten sie der Zugangsstraße in nördlicher Richtung zu Fuß zum Außensitz des Kalifen von Danos.

Am frĂŒhen Abend erreichten sie den Palast. Er war gemeinhin als der „Kristallpalast“ bekannt, denn schon von Weiten konnte man die Glaskuppel sehen, die den Palast so charakteristisch machte. Er war gigantisch und pompös, und durch das Sonnenlicht, was auf die Glaskuppel fiel, wurde jeder Reisende zunĂ€chst geblendet. Wenn man von SĂŒden her den Palast erreichte, ĂŒberquerte man eine BrĂŒcke ĂŒber einen kleinen Flusslauf des Danos Delta. Auf der anderen Seite waren mehrere Wachen, die an einer Art Tor/Triumphbogen stationiert waren. Da der SĂŒden der einzige Eingang war, der nicht direkt mit der Mauer verbunden war, war das Wachaufgebot hier besonders hoch. Um die 200 MĂ€nner standen seitwĂ€rts in Formation nebeneinander. Jeweils um 13.00, 19.00, 01.00 und 07.00 fand ein Wachwechsel statt, sodass die WachmĂ€nner dort fĂŒr 6 Stunden am Fleck stehen mussten, ohne sich besonders regen zu dĂŒrfen. Dieser Gehorsam war eindrucksvoll. Der Norden und Osten des Palasts gehört zum Binnenteil der Halbinsel. Ein zweiter Eingang befand sich noch im nördlichen Teil. Der westliche Teil des Palasts befand sich direkt am Wasser, wo auch die riesige Gartenanlage des Kalifen war.

Kurz vor der SĂŒdbrĂŒcke hielt Sal’jil aber an. Er hatte seitdem sie das Kellergewölbe der Gilde verlassen hatte, fast nur geschwiegen. Nun signalisierte der Hofmagier Namik stehen zu bleiben und erklĂ€rte ihm zu gewandt: „Wir erreichen den Palast des Kalifen. Die Wachmannschaft wird dir deine Waffen abnehmen, da der Kalif keinerlei bewaffneten Fremden in seinem Heim duldet.“
Nach einer kurzen Pause, wo er seinen Blick auf die Wache schweifen ließ, empfahl er: „Bleibt stets hinter mir und spreche nur, wenn man es von dir verlangt. Ich mag ĂŒber deine impertinente Ignoranz zwar erhaben sein und Gnade haben, doch der Kalif ist streng und besteht auf Ansprache. Nenne ihn daher immer „mein Herr“, sonst wird er dir Gehorsam einprĂŒgeln. Dies habe ich inzwischen mehrmals mit ansehen mĂŒssen.“
Sal’jil war nicht nach scherzen zu Mute und fast schien es, als ob er tatsĂ€chlich mal so etwas wie MitgefĂŒhl empfand. Sein Gesicht verspannte sich und er seufzte kurz auf. Doch nach ein paar Sekunden verbarg er seine GefĂŒhle wieder unter dem Deckmantel der Arroganz und erwiderte wieder mit nĂŒchterner Sachlichkeit: „Dies ist ein gut gemeinter Rat“. Anschließend fragte er: „Bereit?“
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Re: Politisches Intrigenspiel

#10

Beitrag von Namik al-Nadeem » Fr 8. Sep 2017, 13:03

Namik bemerkte die Verwunderung seitens Sal’jil und zuckte mit seinen Achseln. „Ich bin ehrlich gesagt, nicht dazu gekommen, mein GepĂ€ck auszupacken.“ , gestand er. Daraufhin wurden beide durch die unterirdischen GĂ€nge der Kanalisation gefĂŒhrt. Obwohl hier - ausgenommen der Empfangsraum, welchen sie gerade verließen - die DurchgĂ€nge sich beinahe ausnahmslos glichen, konnte Esadh sie problemlos hinausfĂŒhren. Das fand Namik bemerkenswert, andererseits war er froh darĂŒber, dass er an diesen ĂŒbel riechenden Ort nicht lĂ€nger bleiben musste als notwendig oder gar solange wie sein Bruder hier, der jede Ecke und Winkel offenbar kannte. Angekommen am Ausgang beobachtete Namik wie Sal’jil seinen Bruder recht großzĂŒgig bezahlte. Eine SilbermĂŒnze als Bezahlung empfand Namik als ungerechtfertigt und ĂŒberzogen, da letztlich Esadh nichts weiter getan hatte, als zu vermitteln und im Dreck zu kriechen um etwas mehr Zuzahlung herauszuschlagen - fehlte letztlich nur noch das Esadh die Stiefel des sogenannten Magiers leckte. Doch diese Art von Unterhaltung verwehrte sein Bruder ihm dann schließlich doch. Namik verabschiedete sich nur mit einem wortlosen Nicken. Er vermochte passende Worte nicht finden, da er Esadh nicht sonderlich leiden konnte. Die Kanalisation schlussendlich verlassen erfreute sich Namik stillschweigend an der der frischen und salzigen Seeluft, atmete einmal ganz tief durch um seine Lunge mit sauberer Luft zu fĂŒllen. Die wohltuende WĂ€rme der am wolkenlosen Himmel stehenden Sonne durchströmte seinen Körper wĂ€hrend eine laue Brise recht angenehm erschien. Von der Seite trat er ein anderer Mann hinzu, welcher Namik unter den Namen „die Zunge“ bekannt war und auch dementsprechend von anderen genannt wurde und hielt Namik die ZĂŒgel seines Hengstes entgegen. Esadh hatte nach Namiks Ankunft in Danos diesen aufgetragen sich um die Versorgung des Pferdes zu kĂŒmmern, solange Namik mit anderen Dingen beschĂ€ftigt sei. Namik selbst hatte bisher nicht die Gelegenheit gehabt diesen Mann etwas nĂ€her kennenzulernen, dennoch verspĂŒrte er etwas Mitleid mit diesem. Es musste schrecklich sein, nicht sprechen zu können. PrĂŒfend betrachtete Namik den krĂ€ftig gebauten Hengst, welcher bereits gesattelt war, streichelte liebevoll ĂŒber dessen NĂŒstern und nahm die ZĂŒgel entgegen, befestigte daraufhin sein GepĂ€ck an diesen. „Danke
.“ Eine Antwort bekam er wie erwartet nicht, nur ein Nicken. Entschlossen auf dem schnellsten Wege die Stadt zu verlassen wollte Namik sich gerade umdrehen und in Richtung des Marktplatzes laufen um dann direkt die Stadttore zu erreichen, doch bemerkte er wie Sal’jil einen anderen Weg einschlug. Etwas verwirrt runzelte er die Stirn, verzichtete allerdings darauf darĂŒber zu diskutieren, da es nur wieder Ärger und irgendwelche Beleidigungen seinerseits nach sich ziehen wĂŒrde. Seinen Gaul Ansari weiterhin an den ZĂŒgel fĂŒhrend folgte Namik seinen Begleiter stumm und hoffte, dass dieser sich dann irgendwann mal bequemen wĂŒrde ihm die alles entscheidende Frage zu stellen. Aber darauf wartete Namik letztlich vergebens und sie erreichten nach einer unglaublichen, halben Stunde das Stadttor, welches bestenfalls fĂŒnfzehn Minuten von deren Ausgangspunkt entfernt war. Es dauerte weitere von unterbrochenen Schweigen erfĂŒllte Stunden bis sie zu guter Letzt den Palast des Kalifen erreichten. Irgendwie missfiel ihm das Schweigen seines Begleiters, da dieser damit wieder einmal deutlich machte, dass Namik gar nicht wĂŒrdig war sich mit ihm zu unterhalten, wohingegen die Ruhe ihm die Möglichkeit gab, ĂŒber die Angelegenheit und seinen zukĂŒnftigen Auftrag Gedanken zu machen. Innerlich und vor allem nichts ahnend ging er bereits alle möglichen Auftragsziele durch. Sicher war, dass es sich um ein politisches Ziel handelte. Aber welches? Ein weiterer Kalif eventuell? Seine Überlegungen wurden allerdings beim atemberaubenden Anblick des Palastes bereits aus weiter Entfernung beiseite geschoben. Zu keiner Zeit seines Lebens hatte der Meuchelmörder ein schöneres und prunkvolleres GebĂ€ude zu Gesicht bekommen als dieses. Die Massen an gut positionierten WachmĂ€nner waren ebenso beeindruckend wie der Umfang und die Schönheit dieser Anlage. Beinahe automatisiert folgte Namik Sal’jil, achtete lĂ€ngst nicht mehr auf den Pfad, welchen er folgte, wĂ€hrend er den Anblick des wirklich gelungenen Bauwerkes bestaunte. Dementsprechend ĂŒberrascht wirkte er als Sal’jil plötzlich stehen blieb und es tat es ihm nach. Sal’jil berichtete ihm, dass man seine Waffen in Gewahrsam nehmen wĂŒrde. Dies gefiel Namik nicht wirklich. Entwaffnet fĂŒhlte er sich schutzlos und schwach. Allerdings konnte er diese Vorgehensweise auch verstehen. Kein Kalif, welcher nur ansatzweise bei Verstand war, wĂŒrde bewaffnete, völlig fremde Menschen in seinen Palast rumspazieren lassen. Nichtsdestotrotz begegnete Namik Sal’jils Anweisungen mit stillen UnverstĂ€ndnis. Wie ein treuer Hund sollte er Sal’jil folgen und sprechen durfte er dann auch nur mit Genehmigung. Obendrein wusste Namik noch nicht einmal was das Wort „impertinent“ bedeutete. Namik musste bei der letzten Aussage seines Begleiters verĂ€chtlich schnauben. Er wollte bereits auf diese Drohung eingehen, ihm in aller Deutlichkeit klar machen, dass auch ein Kalif seiner Gesundheit wegen davon absehen sollte, solche Vorhaben wahrzumachen, doch dann bemerkte er, dass es Sal’jil ohne jegliche Provokation, Schadensfreude oder Ähnliches wiedergab. Namik erkannte, dass es tatsĂ€chlich ein gut gemeinter Rat war. Auf die Frage ob er bereit sei, zögerte Namik. Im Grunde genommen war er nicht bereit dazu einen dermaßen mĂ€chtigen Mann gegenĂŒber zu treten. Er war ein Mann, welcher Gesetze gebrochen hatte und nun sollte er seine AnonymitĂ€t aufgeben und einen Palast voller WachmĂ€nner betreten. Man könnte ihn einfach festnehmen und hinrichten lassen wie einst seinen Vater. Einfach so und er könnte nichts, aber wirklich gar nichts dagegen tun. Sicherlich war es unwahrscheinlich. Dennoch war es ein beunruhigendes GefĂŒhl. „Nein.“, antwortete er knapp. „Wer garantiert mir eigentlich, dass ich nach AusfĂŒhren meines Auftrages nicht hingerichtet werde? Wer auch immer das Ziel meines Auftrages sein wird, er wird sicherlich von politischer Bedeutung sein. Ihr braucht nachher gewiss einen SĂŒndenbock.“ Er bedachte Sal’jil mit einem prĂŒfenden, eingehenden Blick. Es war einer außerordentlich schwachsinnige Frage, wie er feststellte, nachdem er sie gestellt hatte. In seinen Gedanken wirkte sie berechtigt und ausgesprochen war sie letztlich nur Zeugnis seiner Unsicherheit. Er bereute es diese Frage gestellt zu haben, bemĂŒhte sich dennoch dies zu verbergen.

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