Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Kapitel 3 - Die Himmelsröhre der Menschenfresser

Ein kleiner Trupp vom Ring der Menschenfresser hat Naridien verlassen, um nun in Souvagne zu jagen. Angeführt werden die Beißer von dem als Bestie bekannte Archibald von Dornburg. Ihr Ziel: nach der Niederlage nun einen neuen Fleischtempel für den Ältesten zu finden.
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Arbogast
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Kapitel 3 - Die Himmelsröhre der Menschenfresser

#1

Beitrag von Arbogast » Fr 13. Jul 2018, 17:21

Der Skorpion auf Wanderschaft

Arbogast
Arbogast hatte Robere abgeholt und unter seine Fittiche genommen, ganz so wie es sein Vater wünschte. Aber niemand bei klarem Verstand, schlug Archibald einen Wunsch aus. Nicht umsonst wurde der Mann die Bestie genannt. Das normale Menschen ihn so nannten, oder sein enger Freundeskreis, konnte man vielleicht noch als übertriebene Schmeichelei sehen. Aber dass selbst der Ring der Menschenfresser diesen Spitznamen mit Ehrfurcht aussprach, ließ ahnen um was für eine Person es sich bei Archibald handelte. Einerseits war das oft Arbos Vorteil. Er bewegte sich unter dem Blick der Büttel hindurch, er lebte das Leben unterhalb jedes gesellschaftlichen Bodensatzes. Er existierte nicht. Weder in Geburtenregistern, noch sonstigen Aufzeichnungen die so manche Zivilisation führten. Er war da und wieder doch nicht. Er war nicht mal ein Wanderer zwischen den Welten, denn er hatte den Sumpf Obenzas nie verlassen. Selbst als er für seinen Vater ausgezogen war um Robere aus Souvagne abzuholen, so trug er Obenza immer in seinem Verstand und Herzen bei sich. Er kannte kein anderes Leben. Er kannte nichts anderes, als das was man ihm seit der ersten Stunde seiner Geburt eingeflößt hatte. Es war ein Leben in einem ständigen Alptraum, ein Leben das man nur im Suff und zugedröhnt mit Drogen ertrug, wenn man seinen Makel hatte. Und nun hatte sein Vater auch noch einen neuen Zögling. Einen, in dem er Potential sah. Was immer das hieß, Arbo hatte nicht die geringste Ahnung. Es klang pervers, aber Arch stand auf Kinder und nicht auf solche gestandenen Männer wie Robere. Arbo hatte geschwiegen. Bei seinen Fragen war die häufigsten Antworten eine schallende Ohrfeige oder ein Schwall Beleidigungen von seinem Vater. Gut Arch konnte auch noch ganz anders bestrafen, aber so sehr er ihn fürchtete, der Name öffnete auch Türen. Anders erging es seinen Schwestern, sie waren irgendwie härter als er. Er konnte es nicht beschreiben, aber sie schienen mit dem Leben besser klar zu kommen. Oder sie machten sich weniger Gedanken und hinterfragten nichts. So kam man auch wie ein Aal durchs Leben. Arbogast musterte Robere. Was er wohl für eine Type war? Ein Aal oder ein Bremsfisch so wie er selbst? Nein schalt er sich in Gedanken, wenn sein Vater diesen Kerl rettete, dann war das garantiert ein Hai. Wenn auch noch ein junger. Dabei fiel ihm spontan ein dass man aus Haien die leckeren geräucherten Schillerlocken fertigte und er bekam Hunger. Sein Magen knurrte laut und vernehmlich. Vermutlich würde sich Robere schon bald seine Zähne verdient haben. Er spürte es, er spürte dass der Kerl ein ganz anderer Mensch war, trotzdem mochte er ihn. Vielleicht auch gerade deshalb. Sie waren lange unterwegs gewesen, zu Fuß, mit dem Wagen, erneut einem Wagen und wieder zu Fuß. Arbo blieb stehen, als sie an den ersten Ausläufern Obenzas ankamen. Dreck lag überall auf der Straße, kleine verrotzte und verlauste Kinder streiften als Kinderbanden umher und musterten sie aus hungrigen, eingefallenen Augen, während sich an manchen Ecken die Leute in den Schatten amüsierten und keine zwei Meter weiter jemand ausgeraubt wurde. "Wir sind da!", verkündete Arbo erleichert.

Robere
Robere betrachtete das Panorama, das sich ihnen bot. Die gigantischen Häuser, eckig, engstehend und mit zu vielen Stockwerken, störten ihn nicht einmal, aber das, was sich zwischen ihnen befand, war einfach nur widerlich, der Müll ebenso wie die abgewrackten Menschen. Arbogast passte perfekt hierher. Büttel hätte er an diesem Ort nicht sein wollen. "Schick", log er. "Das ist also dein zu Hause, ja? Und hier kann man Party machen? Die Anreise war weit und unbequem. Ich glaub, ich hab Heimweh, ich hab von einem Kumpel und den Himmelsaugen geträumt. Die meinten, ich soll nach Hause kommen. Aber erst will ich wissen, warum du mich so weit hierherschleifst und mich sogar extra abholst. Das wird ja einen Grund haben."

Arbogast
"Hat es doch auch, Du musst Dir Deine Zähne verdienen. Das ist erst der Anfang der Grube, vom Loch, von der Jauche, wir tauchen richtig ein. So richtig in der Scheiße wühlen... ich liebe es!", lachte Arbo und ging vergnügt vor, ganz so als ging er durch einen Rosengarten im Palast. Aber Robere sah, dass er die Regeln dieser Welt beherrschte, denn nur daher rührte seine scheinbare Unbeschwertheit. Hier herrschten andere Gesetze. Völlig andere als Robere sie kannte und nun war er es, der sich auf Arbogast verlassen musste. "Du wirst den Zirkel kennenlernen", erklärte Arbo und führte sie immer tiefer in die Häuserschluchten hinein. Je höher die Häuser wurden, je enger sie standen, je mehr schwand das Licht, dass bis zum Boden vordrang. Hier unten lebten die Menschen von dem was sie sich erkämpften oder jene von oben fallen ließen. Arbo blieb kurz stehen, schaute auf seltsame Schmierereien und ging dann weiter. "Hier leben viele berühmte Personen. Früher bin ich öfter zum Hafen gelaufen und hab mir die Shezem angeguckt. Schräge Leute", sagte er und blieb an einem kleinen Stand stehen, der nicht mal das Wort Bretterbude verdiente. Dort kaufte er sich mehrere Flaschen Selbstgebrannten und reichte dann Robere auch eine. "Auf Deinen Einstand - Prost!", sagte er und nahm einen kräftigen Schluck von dem Gebräu aus seiner Flasche.

Robere
"Hoffentlich legal gebrannt und versteuert", antwortete Robere und stieß seine Flasche gegen die von Arbo. "Auf meinen Einstand." Er nahm einen Schluck. Er war einiges gewohnt, aber das Zeug war heftig und brannte im Rachen. "Wo hat der Zirkel seinen Sitz? Meine Zähne wollte ich in Souvagne verdienen. An Ansgar Irgendwas de Chouinard. Der Mann, der Kazrar umbrachte. Aber ich hoffe, ihr helft mir dabei, alles zu lernen, was ich dazu brauche."

Arbogast
Arbo trank eine der Flaschen aus und schaute hinein, als konnte er nicht glauben dass sie schon leer war. "Von wem hast Du denn geträumt? War das ein Freund von Dir?", fragte Arbo und öffnete die nächste Flasche aus der er nur einen kleinen Schluck nahm. "Ich habe es Dir schon erklärt Robere. Hier wirst Du alles lernen, was Du brauchst um Ansgar umzunieten. Hier hat er Zirkel seinen Sitz, in der Himmelsröhre. So heißt das Ding. Ein Haus, kreisrund, hohl und mehr verfallen als alles was Du Dir vorstellen kannst. Drinnen ist es wie ein kleines Dorf voller Gauner für sich. Drunter wohnen wir. Die sind sozusagen unsere Wachhunde. Clever was? Und wenn mal wer einen Nachtsnack braucht, hat er es nicht weit. Nascht Du nachts? Ich hoffe nicht, dann muss ich Dich begleiten. Möchtest Du hin? Sofort, oder möchtest Du Dich vorher noch was umschauen? Vielleicht was spielen, was essen, einen wegstecken?", schlug Arbo freundlich vor.

Robere
»Wir haben feste Essenszeiten und nachts wird geschlafen. Himmelsröhre, klingt wie ein Tempel. Ich bin gespannt drauf, aber zeig mir doch vorher noch die Sehenswürdigkeiten hier, ich meine keine alten Steine, sondern die richtigen Sehenswürdigkeiten. Ich hab von Boldi geträumt, meinem Besten. Und vom Mireault, einem Magier. Keine Ahnung, wie ich ausgerechnet auf den komme.« Robere trank sehr viel langsamer und hatte erst ein wenig probiert, als Arbogast schon die zweite Flasche öffnete.

Arbogast
"Na dann komm mal mit", grinste Arbo und ging vor. "Bleib nicht zurück, nicht dass ich mit Dir rede und Du verblutest schon in der Gosse, wäre peinlich. Zuerst kennen wir hier mal zum Glockenturm. Warum der so heißt ist klar, da klingen die Glocken", lachte Arbo und bleib vor einem Schaufenster stehen. Hinter den Glasscheiben saßen Frauen die scheinbar vor Jahrhunderten ihre Jugend hinter sich gebracht hatten. Sie wirkten schon gar nicht mehr abgehalftert, sie wirkten wie eine Karikatur der anderen käuflichen Damen in den weit entfernten Städten. Eine der alten Krähen trug ihre Rauchstange als losen Gammel im Mund und die leeren Busen lagen auf dem Bauch. Sie schenkte Robere ein fast zahnloses Lüsternes Grinsen. "Fünf Taler mein Hübscher", rief sie ihm zu.

Robere
"Nah", murrte Robere, der den Anblick abstoßend fand. "Ist nicht meins. Gibt`s hier nichts anderes? An der Kohle soll es nicht scheitern, man verdient ganz gut in meinem Job."

Arbogast
Arbo nickte "Du sucht was jüngeres, verstehe. Wie jung?", fragte er lachend und lief einfach weiter. Mitten auf einem seltsamen Platz, der wie eine aufgehäufte Müllhalde zwischen Gesteinsbrocken wirkte, war ein kleiner Schnellimbiss aufgebaut. Die Gesteinsbrocken stellten sich als Fassadenteile des großen Hauses über ihm heraus. Man hörte es leicht im Wind ächzen und Putz rieselte von den Wänden, während das Haus um sie herum bedrohlich stöhnte. "Ich nehme eine Nudelsuppe und Du?", fragte Arbo. "Bleib von den Wänden weg, da fallen manchmal Bröckchen runter", erklärte er hilfreich, während neben Robere ein Gesteinsbrocken von der Größe eines Pferdes in den Boden schlug.

Robere
"Ich hätte die Rüstung anbehalten sollen", fand Robere. In Souvagne war er sehr unauffällig gekleidet, in eher gedeckten Farben und fiel nicht weiter auf. Hier wirkte er wie aus einer anderen Welt, da er der Einzige zu sein schien, der keine Lumpen, sondern ordentliche Kleidung am Leib hatte, einen guten Haarschnitt besaß und sauber rasiert war. Er kam sich vor wie ein Gockel unter Ratten. Das missfiel ihm, da er lieber in der Masse unterging. "Ich brauch größere Auswahl", sagte er. "Dann wird sich was finden."

Arbogast
Arbo kam zu ihm zurückgeschlurft mit einem Becher Nudeln in der Hand und schlürfte seine Suppe. "Auswahl an Weiber? Der Hafen! Der Hafen ist der Dreh und Angelpunkt dieser Welt. Naja das ist er überall. Mir nach. Möchtest Du ein Schluck Suppe?", fragte er gut gelaunt. Arbo ging wie immer vor und als Robere ihm folgte, folgte ihnen auch ein kleines schmutzstarrendes Mädchen.

Robere
"Ich wollt auch was Essen. Ich nehm das Gleiche." Er ließ sich eine Nudelsuppe ausschenken, in der die meisten Zutaten nicht auf den ersten Blick zu definieren waren, als er mit einem Holzlöffel drin herumrührte. Er hatte schon ganz andere Dinge essen müssen und ekelte sich nicht im Geringsten. Es war essbar, das reichte. Er schlürfte und fand die Suppe passabel. "Ja, dann lass uns da mal schauen." Er folgte, ihm gehen essend, seinem neuen Bekannten.

Arbogast
"Das ist die beste Suppe in der Stadt, neben der der Baronin. Aber das ist auch was anders. Du hast eine Klette am Bein", lachte Arbo und führte Robere durch so schmale Gassen, dass er mit den Schultern die Häuserseiten streifte. Arbo hatte da weit weniger Probleme, aber er war auch ein dürres Suppenhuhn gegen Robere. Die Kleine folgte Robere weiterhin und blieb ihm dicht auf den Fersen. Die Seitengassen stanken dermaßen penetrant nach Urin und anderen Fäkalien, dass der Leibgardist den Gestank förmlich in der Gasse stehen sah. Er fühlte sich, als würden seine Augenbrauen weggeätzt. Gerade als es ihm schummerig wurde, weiteten sich die Straßen wieder und er blickte auf eine braune Brühe die wie Jauche an die Hafenbecken brandete. Arbo atmete tief ein, so schnupperte er eine Meeresbrise. "Herrlich diese Aussicht", sagte er und schaute in die Ferne, während eine aufgedunsene Wasserleiche mit leeren Augenhöhlen vorbeitrieb.

Robere
Robere spürte nicht das geringste Bedürfnis, sein Geld mit irgendjemand Fremden zu teilen, und sah er noch so ärmlich aus. Natürlich, er selbst wirkte, als ob er Kohle hatte, was den Tatsachen entsprach. Kein Wunder, dass er verfolgt wurde. "Zisch ab", knurrte er. "Geh arbeiten." Et was irritiert sah er der vorbeitreibenden Wasserleiche nach. "Sollte man das nicht den Bütteln melden? Hier stinkts." Suchend sah er sich nach der Auswahl um, die es hier angeblich geben sollte. Der Gestank störte ihn nicht. Robere sah aus wie ein feiner Pinkel für obenzische Verhältnisse, doch er war in ähnlichem Dreck großgeworden.

Arbogast
"Den Bütteln melden? Du verträgst nicht viel Alkohol oder das war ein Witz. Hier gibt es keine Büttel. Büttel, was sollten die hier wollen? Nein dem Typen kann kein Büttel mehr helfen nur noch ein Nekromant, und der sah nicht aus als wird er vermisst", lachte Arbo und ging weiter. Er führte Robere am Hafen entlang und hier säumten einige fliegende Händler die Straßen. "Hier schau Dich ruhig um. Was genau suchst Du denn? Schau mal da hinten, dass ist die Himmelsröhre!", sagte Arbogast. Das Ding auf das er deutete sah aus wie ein gewaltiger Kamin, aber beim näheren Hinsehen, erkannte man, dass es ein Kreisrundes großes Haus war. Ein Mehretagehaus von gewaltiger Größe, aber wohl auch Enge. Es sah sehr baufällig aus, aber damit passte es ins Stadtbild. Die Kleine schlicht wieder hinter Robere her und stellte sich neben ihn.

Robere
Robere blieb genervt stehen. "Soll ich dich in die Brühe schmeißen?", fragte er das Kind. "Zu der Leiche da? Das Einzige, was ich mehr hasse als Kinder, sind bettelnde Kinder." Dann wandte er sich wieder an Arbogast. "Was ich suche spielt für die Planung keine Rolle, ich muss es sehen, klar? Es muss sich ergeben, es muss ein plötzlicher Funke da sein. Deine Himmelsröhre sieht baufällig aus. Gibt`s hier öfter rumschwimmende Leichen? Büttel muss es auch geben, wir sind doch an einer Stadtwache vorbeigefahren."

Arbogast
"Nein wenn die Schwimmen würde ich mich erschrecken, die meisten treiben tot dahin", erklärte Arbogast und lachte über seinen eigenen Witz. "Was sehen und dann weißt Du bescheid? Du meinst Waffen! Ich dachte Du willst Klamotten kaufen!", stöhnte Arbogast. "Ja die Büttel kommen aber nicht her und wir gehen nicht hin, auf zum Waffenmarkt mein Lieber. Sowas musst Du mir ehr sagen. Die Frage am Einlass ist, was hast Du mitgebracht Bruder. Wie lautet die Antwort?", fragte Arbo und trank die zweite Flasche leer. "Aliu", sagte das Mädchen und folgte Robere.

Robere
Robere hatte die Nase voll. Er packte das Mädchen und schleuderte es in das braune Hafenwasser. Ob es schwimmen konnte oder nicht würde sich dann ja zeigen. "Kennst du die?", fragte er Arbogast. "Ich will keine Klamotten und keine Waffen, ich wollte ficken. Aber nicht die alten Schabracken. Egal."

Arbogast
"Du verwirrst mich, ehrlich Bruder. Du willst was zum Ficken um Ansgar zu besiegen? Wie soll das funktionieren? Ich hätte da ja eine Waffe genommen, aber gut. Komm", lachte Arbo und verfolgte die Flugbahn von der kleinen Arashi bis sie ins Hafenbecken plumpste. Sie ging unter wie ein Stein. "Ich glaube das wars", sagte er tonlos und führte Robere zum alten Alfons. Vor der Tür standen einige Frauen die auch wirklich nach Frauen aussahen. Sie grinsten Robere anzüglich an und machten ihm schöne Augen. "Wie sind die hier? Da Du ja genug Kohle hast, spendierst Du mir auch eine?", fragte er rundheraus, während sie ein grüner Goblin vom Dach aus beobachtete.

Robere
"Nein, alles nix", antwortete Robere nach einem kurzen, gelangweilten Blick. Er zischte ärgerlich, als das Kind unterging. Das Wasser war tiefer, als es ausgesehen hatte. Aber wenn er da reinstieg und das Mädchen rausfischte, holte er sich vermutlich die Cholera. Da es normal zu sein schien, dass man hier Leute umbrachte, machte er sich nur kurz Gedanken. "Was meinte die mit Aliu? Waffen können wir immer noch kaufen, ich dachte, wir haben erst ein bisschen Spaß." Er erwiderte den Blick des Goblins.

Arbogast
"Aliu? Das war vielleicht ihr Name. Ich versuche doch Spaß mit Dir zu haben", erklärte Arbo etwas verzweifelt. "Es ist noch zu früh für die Jagd", erklärte er, während Robere nun von zwei Goblins beobachtet wurde. Einem grünen und einem gelben der die Ohrspitzen einrollte und sie aus dunklen Augen interessiert musterte.

Robere
"Dann lass uns tanzen gehen, oder willst du erstmal zum Ring? Die Typen da starren uns an." Roberes geschultes Auge erkannte, dass das Ärger geben könnte und ließ sie nicht aus dem Blick. "Komm, wir gehen weiter. Was verstehst du denn unter Spaß, alte Frauen angaffen und Klamotten kaufen? Du bist mir einer. Kein Wunder, dass du zum Säufer geworden bist."

Arbogast
"Was soll das heißen Säufer? Ich bin kein Säufer! Unter Spaß verstehe ich Wetten. Ja das ist deren Gebiet. Hast Du schon mal von der Bestie von Obenza gehört, dem gelben Goblin? Der gelbe Goblin neben dem Grünen, dass ist der Gelbe Goblin", erklärte Arbogast. "Wir gehen in einen Club, Nutten, Wetten und Alk, ich bin es leid mit Dir Landei", schnauzte er.

Robere
"Ich erkenne einen Säufer, wenn ich einen sehe. Mit euch haben wir ständig Ärger. Aber ich bin nicht dienstlich hier, von daher, tu was du willst. Ich kenn keine Bestie von Obenza, nein." Er betrachtete noch immer die beiden Goblins. "Bleib mal ruhig. Ich hab dir nur gesagt, was Sache ist. Dann zeig deinen Club mal."

Arbogast
Arbo nickte betrübt. "Ärger? Robere, ich war erst einmal in Souvagne und habe niemandem Ärger gemacht, ich habe Dich gerettet. Und wenn ich mir mal zur Feier des Tages ein oder zwei Fläschchen gönne ist nichts dabei. Aber Du wirst zahlen müssen, komm", sagte Arbo aufmunternd. Diesmal führte er Robere in eine andere Gegend. Sie war nicht mehr ganz so schmutzig. An einem schwarzen Eingang blieb er stehen, aus dem einfachen Grund vor der Tür stand ein gewaltiger Ork und musterte jeden grimmig. "Wir wollen in den Club. Wie stehen die Wetten?", fragte Arbo. Der Ork musterte ihn aus blutunterlaufenen Schweinsäuglein. "Hast Du Geld?", knurrte er und sein Atem der nach verwesendem Fisch stank schwappte zu ihnen herüber. "Sicher, wäre ich sonst hier?", schnauzte Arbo. "Du bist fast jede Woche hier und hast keine Kohle, Du Made!", fauchte der Ork während Arbo unter seinem Arm hindurch schlüpfte. "Komm Robere!", rief er.

Robere
"Ich zahle heute für ihn", sagte Robere zu dem Ork, ehe er eintrat. "Aber keine Wetteinsätze, nur die Getränke, damit das klar ist." Er folgte Arbogast ins Innere. "Hörst du? Getränke geb ich dir aus, den Rest nicht."

Arbogast
Der Club war ein ganz anderes Kaliber als die Frauen dort draußen. Blutjunge Mädchen tanzten vorne auf einer Theke und ließen ihre Körper zu seltsamer Musik zucken, während andere durch die weiträumigen Tischreihen schlenderten. An abgetrennten Tischen wurde Karten gespielt und so mancher der Herren hatte eines der Mädchen bei sich oder sogar auf dem Schoß. "Was darf es denn sein?", hauchte Robere eine große Rothaarige entgegen. Ihre Augen waren so grün wie Tannennadeln.

Robere
"Ein Cocktail, irgendeine regionale Spezialität. Du, Arbo?"

Arbogast
"Ich nehme ein kaltes Bier, eiskalt und einen Obstler, einen Brand! Dazu hätten wir gerne jeder ein Mädel", erklärte er gut gelaunt

Robere
"Für mich nur den Cocktail. Und das Mädel bezahlst du selbst, du Schnorrer." Wenn man Leute von seinem Schlag kannte, hörte man an der Stimmlage, dass es ein Scherz war, auch wenn er dabei nicht lächelte.

Arbogast
"Wir teilen sie uns", bot Arbogast großzügig an und setzte sich vorne an die Theke. "Robere komm her", grinste er über beide Ohren. "Setz Dich zu mir, wie gefällt es Dir hier?", fragte er gut gelaunt. "Erzähl mir, warum Du diesen Ansgar jagen willst. Er tötete Deinen Vater? Wie kam es dazu? Mein Vater sagte ich soll Dich anlernen, was das Jagen geht. Heute Abend werden wir losziehen, nur am Hafen, da dürfen wir nicht jagen, wegen den Goblins", sagte Arbo. Als die Bedienung die Getränke brachte, stieß Arbo mit Robere an.

Robere
"Lass mal gut sein, ich schaue noch", meinte Robere, als sie anstießen. Er schaute wirklich, allerdings nach seinem ganz eigenen Beuteschema. "Ansgar hat Kazrar und dessen Azubi getötet, weil sie es sich mit Ansgar haben gut gehen lassen. Mir ist der Azubi egal, aber er gehörte zu Kaz, drum zählt der auch mit und Ansgar wird doppelt leiden. Dass mein Vater widerum das Mündel von Archibald war, weißt du ja sicher. Drum Archibalds Angebot, mir bei der Rache zu helfen. Die Goblins haben also Hausrecht im Hafen. Soll mir Recht sein. Gut zu wissen. Hier ist es ganz nett und die Musik gefällt mir. Tanzt du?" Er trank seinen Cocktail, irgendwas mit exoktischen Früchten, deren Namen er nicht kannte. Aber es schmeckte gut.

Arbogast
"Die Goblins sind brandgefährlich, halt Dich von denen fern. Tanzen ich? Ja wieso nicht? Meinst Du wir beide?", fragte Arbo grinsend.

Robere
"Miteinander? Bist du so drauf? Ich dachte allein. Du stinkst ziemlich. Ja, mit den Goblins das hab ich verstanden."

Arbogast
"Reden alle Souvagner so verwirrend? Warum sollte ich alleine tanzen, wenn ich hier gucken und fummeln kann? Außerdem stinke ich nicht, vielleicht bist Du einfach nichts gewöhnt", lachte Arbo. "Falls nicht, werde ich Dich nicht aus dem Hafen fischen wie die arme Aliu", lachte er leise.

Robere
"Scheiß Straßenkinder", knurrte Robere. "Gibt hier scheinbar viele. Dann geh ich eine Runde allein tanzen." Er trank noch einen Schluck und gesellte sich unter die Tanzenden, wo er eine ganze Weile mitmachte und sich von der lauten, hämmernden Musik bedröhnen ließ. Dabei schaute er, ob er jemanden ausmachte, der Blickkontakt zu ihm suchte.

Arbogast
Arbogast wunderte sich wieso Robere alleine tanzte. Also Souvagner waren wirklich schräge Leute. Dass musste er ihm lassen. Irgendwie kam er ihm verloren vor. Also stürzte er sein Bier und seinen Schnaups herunter und gesellte sich zu Robere um mit ihm zu tanzen. Dass er ihm dabei den Schnitt versaute, soweit dachte Arbo nicht.

Robere
Robere guckte erst ziemlich unwillig drein, dann entschied er sich um und fand es witzig, mit dem abgehalfterten Kerl zu tanzen. "Ich brauch noch was zu trinken, um das zu ertragen", kommentierte er, gab ihm einen Schubs, so dass er in die tanzende menge flog, ging an den Tisch, trank was und kam wieder zurück, um sich erneut ins Getümmel zu stürzen. Es begann ihm hier zu gefallen. Beim Tanzen drehte er sich eine Rauchstange und quarzte.

Arbogast
Arbo schüttelte sich kurz und tanzte dann weiter. Robere hatte wirklich mehr mit seinem eigenen Alten gemein als er selbst. "Freut mich zu hören. Die Baronin zu ihr musst Du freundlich sein, es is eine alte Frau, aber sie leitet den Zirkel. Falls Du in Not geraten solltest, wir sie Dir den Arsch retten. Aber bevor Du die alte Frau kennenlernst, wollen wir eine junge aussuchen?", schlug Arbo vor.

Robere
"Ja, mach nur", sagte Robere belustigt und sog an seiner Rauchstange. Er drehte, ohne im Tanzen innezuhalten, eine zweite und reichte sie Arbogast. "Ich schlage normalerweise keine alten Frauen, außer dienstlich und ich bin im Urlaub."

Arbogast
"Das ist gut, sonst enden wir im Kochtopf. Danke für die Fluppe", freute sich Arbo und steckte sie sich gleich an. Bei seinem Atemalkohol war es verwunderlich, dass er nicht in Flammen aufging. "Weißt Du, ich bin froh mal mit wem an der Seite durch die Stadt zu ziehen. Es ist für mich schwer festzustellen, was Du magst. Ich glaube ich mache einfach worauf ich Lust habe und Du machst mit. Ich habe mich schon gewundert warum Du Klamotten kaufen willst", grübelte Arbo beim Tanzen.

Robere
"So läuft das meistens", brüllte Robere, um die Musik zu übertönen. "Die anderen gehen vor und ich geh einfach mit. Ich bin Flexibel. Ich kann dir sagen, was ich nicht mag. Bettler, Kinder, bettelnde Kinder, Diebe, Frauen die meinen, man arbeitet nachlässiger, wenn sie einem schöne Augen machen und Magier. Um ein paar Dinge zu nennen. Ach ja, ich hasse Regen."

Arbogast
"Regen wirst Du hier lieben lernen, danach ist für einen winzigen Moment alles sauber, sogar die Luft. Ein seltsamer Moment, aber ich mag das. Bettler findest Du hier oft und Beutelschneider. Was ist mit Magiern?", fragte Arbo neugierig.

Robere
"Wir haben Himmelsaugen, die Gedanken lesen, das hasse ich. Sie kontrollieren den gesamten Nexus. Man muss dauernd aufpassen, was man denkt."

Arbogast
"Heilige Scheiße! Man was ist wenn man besoff... etwas abwesend ist und man denkt was falsches? Was machen die Kerle dann? Ordnen die die Gedanken neu und man findet nichts wieder? Arch sagt immer Magier wären Verseuchte. Warum habe ich vergessen, sag dem das bloß nicht", lachte Arbo.

Robere
"Wenn man was Falsches denkt, holen sie einen hab und dann checken sie einen RICHTIG durch. Das soll enorm schmerzhaft sein und sie kramen den ganzen Dreck hervor. Nicht gut."

Arbogast
"Oh man, das ist ja Gedankenkontrolle. Also vor denen würde ich mich auch in Acht nehmen. Und von so einem hast Du geträumt? Hattest Du mal was mit dem laufen? Man stell Dir mal vor Du denkst beim Sex an wen anderes, der weiß das!", stöhnte Arbo. "Oder Du bist mit so jemanden verheiratet, Du kannst den nicht mal in Ruhe anlügen, er weiß es sofort. So hält doch keine Ehe!"

Robere
"Seh ich aus wie eine Schwuchtel?", knurrte Robere. "Jetzt weißt du jedenfalls, warum ich die hasse. Keine Ahnung, warum ich von dem geträumt hab. Vielleicht ein schlechtes Gewissen, weil ich Boldi nicht Bescheid gesagt habe. Aber es ist besser so."

Arbogast
"Ganz ruhig, Du kannst durchnehmen wen Du willst. Hätte doch sein können, wenn Du den Burschen so vermisst. Oder nee, das war ja der Boldi, Dein Kollege. Der würde es verstehen, wenn der wüsste was Dir bevorsteht Rober,ehrlich", sagte Arbo und holte ihnen beiden noch etwas zu trinken

Robere
Robere nahm ihm ein Glas ab und trank. "Die Getränke sind hier gut. Willst du noch bleiben? Du wolltest dir ein Mädchen suchen. Ich tanz derweile noch eine Runde, die Mucke ist genial."

Arbogast
"Ich gehe auf ein Zimmer und Du bleibst brav hier", befahl Arbo grinsend. "Lauf nicht weg und stelle nichts an", bat er freundlich und knuffte Robere, bevor er nach vorne ging und mit der Rothaarigen redete. Er sprach eine ganze Weile mit der Frau, dann verzogen sie sich in die hinteren Gefilde.

Robere
"Mach nur", meinte Robere, sah ihm kurz nach und verlor sich dann rauchend und suchend in dem hypnotischen Hämmern der Musik.

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Tekuro Chud

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Neue Höhle

#2

Beitrag von Tekuro Chud » Sa 14. Jul 2018, 11:20

Arbogast
Arbogast hatte einen herrlichen Abend mit einer niedlichen Dirne verbracht und konnte so einige Zeit danach noch faul im Bett verbringen. Er ließ es sich nicht nehmen auch noch zu baden und es sich sonst richtig gut gehen zu lassen, ehe er einige Stunden später, frisch gebadet und bester Laune zu Robere nach unten zurückkehrte. Sein Kumpel befand sich immer noch auf der Tanzfläche, so dass sich Arbo wunderte, wie der Mann das überhaupt durchhalten konnte. Aber seine Konstitution konnte man auch nicht als Maßstab nehmen. Grinsend kehrte er zu ihm zurück und tanzte mit ihm. »Wie geht es Dir? Wen abgestaubt? Mir geht es blendend!«, freute sich Arbo.

Robere
Robere war inzwischen klatschnass geschwitzt, während Arbogast plötzlich erstaunlich gut roch. »Warst du baden oder was?«, fragte Robere. »Niemanden abgestaubt, hat sich nichts ergeben, was mir zugesagt hätte. Langsam knülle, lass uns mal zur Röhre gehen.« Er tanzte sich zum Tisch durch und trank sein Glas leer. Inzwischen trank er nur noch Wasser. Er hatte keine Lust, bewusstlos in einer Stadt wie dieser zu enden. Einen schönen Schwips hatte er trotzdem. »Wo bezahlt man hier?«

Arbogast
Arbo hakte Robere unter. »Vorne am Eingang ist die Kasse, komm mit, ich führe Dich hin«, sagte er freundlich. »Ja ich habe gebadet, ich dachte nach einer Nummer kann das nicht schaden. Wo ich schon mal hier bin und alles geboten bekomme. Du siehst fertig aus Robby und das obwohl Du keinen weggesteckt hast. Schade für Dich«, grinste Arbo und schliff Robere zur Kasse. Eine schlanke, hochgewachsene Frau musterte die beiden aufmerksam. »Der junge Mann hier bezahlt«, freute sich Arbo und schob Robere nach vorne. »Ist das so?«, hakte die Frau sicherheitshalber nach. Auch sie schien Arbogast zu kennen.

Robere
»Nur die Getränke«, stellte Robere klar. »Ich brauch keinen wegstecken, ist ein netter Bonus. Muss aber nicht sein für `nen guten Abend.«

Arbogast
»Hey ich dachte Du gibst einen aus. Gut dann musst Du wohl oder übel wieder anschreiben Süße. Ich habe kein Geld dabei, ich habe vorhin alles in Alkohol angelegt. Du weißt ja, nirgendwo sonst gibts 40 %. Robere kannst Du mir was Geld leihen?«, fragte Arbo, während die Frau mit den Augen rollte und einen Schuldschein zückte. »Das ist diesen Monat der letzte Schuldschein. Morla möchte Dich hier nicht wieder sehen und wir brauchen hier keinen Deiner Spießgesellen. Hier unterschreib«, befahl die Frau und Arbo kritzelte seinen Namen aufs Papier. »Ich wusste Du lässt mich nicht hängen Lisriel. Du hast was bei mir gut, ich schulde Dir was«, grinste Arbo breit. Die Frau schaute ihn grimmit an. »Du schuldest Morla mittlerweile 427 Taler, dass schuldest Du uns bis Ende des Monats. Und jetzt schwirr ab«, murrte sie. »Ja ich fands auch schön Dich wiederzusehen,komm Robby«, sagte Arbo gut gelaunt und verließ den Club.

Robere
»Gar nichts leihe ich dir oder sonstwem«, sagte Robere. »Geh arbeiten, wenn du Geld brauchst.« Er folgte Arbogast nach draußen. »Wie kann man nur alles versaufen, was passiert, wenn du denen das Geld nicht zurückzahlst?«

Arbogast
Arbo kramte in seiner Jackentasche nach seiner Flasche und nahm einen Schluck. »Ich pumpe Archi an, wenn der mir nichts gibt, gibts was aufs Maul. Aber umbringen tun die nie wen. Wären sie ja auch schön blöde, dann sehen sie die Kohle nie. Die wäre dann futsch. Schulden sind eigentlich die beste Lebensversicherung. Die dürfen nur nicht zu hoch oder zu niedrig sein. Zu niedrig statuieren die ein Expe... Exempel, genau so heißt das und sind sie zu hoch, dann auch. Bei mir ist es immer so der gute Mittelweg. Bis auf ein paar Finger und Nasenbrüche, hat man da nichts zu befrüchten. Sehe ich als Versäumniszinsen oder so. Aber ich bekomm die Kohle schon. Ich arbeite doch, Du hast Nerven Mann ehrlich. Wir gehen«, sagte Arbo und verstaute seine Flasche sicher in der Jackeninentasche. Er marschierte vor, führte Robere durch schmale Gassen, dunkle Wege, und nach einer gefühlten Ewigkeit standen sie vor der Himmelsröhre. Aus der Nähe sah der Bau noch maroder aus, als auf die Entfernung. Arbogast betrat das Gebäude, aber er nahm keine der Stufen nach oben, sondern ging weiter nach unten. Immer tiefer hinab, bis sie an einem schmalen Gang ankamen der seltsam verziert war und sich in der Dunkelheit verlor.

Treppe ins Dunkel mit hunderten aufgehängten Figürchen an den Wänden

Robere
»Und was arbeitest du? Als Müllmann oder Putze kann man hier sicher gut verdienen. Oder auch nicht, wenn ich es mir hier so anschaue.« Skeptisch betrachtete er das heruntergekommene Gebäude. Normalerweise würde er das aus Sicherheitsgründen nicht betreten, aber er wollte nicht kneifen und wie ein Feigling dastehen. Er hoffte, dass es nicht ausgerechnet heute zusammenbrechen würde und folgte Arbogast die Stufen hinab.

Arbogast
»Ich arbeite als Küchenhilfe, dass ist ein ehrlicher und anstrengender Beruf. Da mach Dich mal nicht lustig«, sagte Arbo beleidigt und führte Robere durch einen stockfinsteren Gang. An den patschenden Geräuschen und an der klammen Kälte der Luft, spürte er, dass hier überall Wasser sein musste. Sie waren vermutlich einige Etagen unter der Erde. Arbo blieb vor einer gewaltigen Tür stehen und hämmerte dagegen. Der Türschlitz wurde aufgezogen. »Was hast Du mitgebracht?«, fragte die unsichtbare Stimme. In der kalt-nassen Finsternis hatte die Stimme etwas unwirkliches und unheimliches. »Hunger Bruder!«, antwortete Arbo leichthin. Seine Tonlage schien nicht an diesen Ort zu passen. »Hast Du Deinen Begleiter zum Essen eingeladen?«, folgte einen Moment später die Frage und Belustigung schwang in der Stimme mit. »Nein, er ist einer von uns, gekommen um zu lernen. Er ist das Mündel von Archibald der Bestie, wohl der Sohn von Kazar Schutt. Ich soll ihn verwahren, bis Archibald zurückkehrt«, erklärte Arbo und Robere hörte wie er in der Finsternis noch einen Schluck nahm und ein Rülpsen unterdrückte. Der Türschlitz wurde wieder zugeschoben, dann hörte man wie schwere Riegel beiseite gewuchtet wurden. Die Tür öffnete sich erstaunlicherweise lautlos und schwang einen spaltbreit nach innen auf. Arbo schlüpfte hinein und war verschwunden.

Robere
»Wunderbar«, maulte Robere. Er schob die Tür auf und blieb davor stehen, darauf bedacht, so zu wirken, wie immer - selbstbewusst. Er war zum Glück nicht gerade zierlich gebaut und wehrhaft, aber im Stockfinsteren in einem fremden Haus mit etlichen fremden Menschen, das war auch für ihn nicht gerade lustig. Er versuchte, etwas zu erkennen. »Mach mal Licht, Arbo.« Der Ausspruch war nicht nur dazu gedacht, dass tatsächlich endlich mal wer für Beleuchtung sorgte, sondern sollte vor allem demonstrieren, dass er und Arbogast gute Bekannte waren, indem er ihn auf vertrauliche Weise mit seinem Spitznamen anredete. Archibald schien hier eine namhafte Größe zu sein und Arbogast hatte als sein Sohn hoffentlich auch eine gewisse Aura des finsteren Rufs, selbst wenn er aussah wie der letzte Penner.

Alter Mann
Jemand schloss scheppernd hinter Robere die Tür. Als er einen Moment im völlig dunklen Raum stand, gewöhnten sich langsam seine Augen an die Finsternis. Es war nicht wirklich finster, er begann die Umrisse seiner Umgebung zu erkennen. Einen langen Flur an dem seitlich zig Türen abgingen und eine weitere schwere Tür etwas versetzt zu der, vor der er stand. Ein älterer Mann musterte ihn aus milchigen Augen und lächelte dann freundlich. So freundlich wie ein Hai lächelte, oder Archibald. »Du bist also das Mündel der Bestie?«, fragte der Alte und tippte ihn an. »Du solltest die Baronin kennenlernen, folge mir. Du bist alt um Dir die Zähne zu verdienen. Wann bist Du aufgewacht Bursche?«, fragte der Alte und ging mit erstaunlich sicheren Schritten vor.

Robere
»Ja, Archibald wird mich unterrichten. Ich bin der Sohn seines früheren Mündels, Kazrar Chud, und ein Freund seines Sohnes Arbogast.« Er schaute, ob er Arbogast irgendwo sah, aber da waren nur haufenweise Türen. »Ich bin erst vor wenigen Wochen erwacht, auf einer gemeinsamen Jagd mit Archibald. Wir hatten viel Spaß und er meinte, ich hätte Potenzial. Er will mir helfen, meine Zähne zu verdienen.« Er folgte dem Alten immer tiefer in den Gang.

Alter Mann
»Du wirst schon bald Deine Zähne verdient haben, wenn Du der Bestie folgst. Hoffen wir besser als Dein Vater. Er war schwach, aber war zu zögerlich. Komm«, sagte der Alte und sperrte die schwere andere Türe auf und führte Robere in einen Gang, der in jedes Adelshaus gepasst hätte, aber den man garantiert nicht unter einer Müllhalde erwartete. Die Tür wurde hinter ihnen geschlossen und der alte Mann führte ihn weiter. Sie passierten Aufenthaltsräume mit Spieltischen, eine Küche aus der es verführerisch duftete und ihnen eine freundliche, kleine, kugelrunde Frau gut gelaunt zuwinkte. Vorbei ging es an einer Bibliothek mit Bücherregalen und großen Ohrensesseln, sie passierten einen Raum, der den Anschein eines Wohnzimmers hatte, bis auf den Umstand, dass neben der normalen Einrichtung auch Streckbänke und andere Foltergeräte anwesend waren. Als sie in einen Wartesaal ankamen, war dieser auch nicht sonderlich anders, als ein üblicher Wartesaal, bis auf die Verankerungen die in den Wänden eingelassen waren um Sklavenketten zu halten. »Die Baron wird Dich zu sich rufen, setz Dich hin. Was zu essen?«, fragte der Alte freundlich, »oder was zu Trinken?«

Robere
»Beides, bitte.« Er hatte seit letzten Abend nichts mehr gegessen und die gesamte Nacht durchgetanzt. »Schön haben Sie`s hier. Wo ist Arbo?«

Alter Mann
»Er stellt sie der Baronin vor«, erklärte der Alte und ließ ihn einen Moment allein. Robby hatte sich einen Moment zu gedulden, ehe der Alte mit einer großen Schale duftender Suppe wiederkam und ihm auch einen Kelch mitbrachte. »Hier, dass verkürzt und versüßt die Wartezeit«, sagte er freundlich. Der alte Mann stellte alles vor Robere ab und nickte freundlich. »Nur zu«, sagte er aufmunternd.

Robere
Er trank erst einen Schluck und kostete dann die Suppe. »Lecker. Was ist das?«

Alter Mann
Der Alte lachte und schüttelte den Kopf. »Weshalb bist Du denn hier? Das ist es, Fleisch, pures, reines, von Jagdglück erfülltes Fleisch. Das im Becher ist geklärte und erkaltete Brühe. Sie gibt Kraft. Stärkt Dich für die kommenden Jagden. Eine alte Methode aus fernen Landen. Kennst Du eine Entenpresse Bursche? Damit holt man den letzten Saft, das gute Mark aus den Knochen der Vögel und daraus macht man neben dem Fleisch eine schöne Brühe. Nur haben wir hier keine souvagnische Entenpresse, wir pressen was anderes aus. Ich habe Dir extra schöne Stückchen von den Innereinen von Erna in die Suppe legen lassen. Erna ist unsere gute Seele, unsere Köchin. Du hast sie vorhin gesehen. Und schön die Fettaugen mittrinken, sie sind süß, versuchs nur«, sagte der Alte.

Robere
Robby musterte den Mann einen Moment. Dann aß er gehorsam die Suppe. Er konnte sich durchaus unterordnen, wenn es Sinn machte und die Suppe schmeckte. »Wer war das denn? Bei der Jagd damals mit Archibald, da war das Besondere, dass der Typ mir gefallen hatte. Ihn zu essen, das war etwas sehr Persönliches. Genau, wie es die Jagd für meine Zähne wird.«

Alter Mann
»All jene die wir essen sind was Besonderes, sie leben in uns weiter. Vorher waren sie bedeutungslos, durch uns und unsere Erinnerung werden sie erst bedeutsam. Ich kenne seinen Namen nicht, aber er war eines unserer Kinder, dass hier verwahrt wurde. Er ist ganz frisch in die Suppe gewandert. Heute morgen erst, beste Güte. Ich dachte ich bringe Dir von der Suppe, da Dein Mentor auch gerne junges Fleisch isst. Verzehrt es aber nur roh, nicht wie Du und ich. Da schau, Arbo ist wieder da«, sagte der Alte und Arbogast gesellte sich wieder zu Robere.

Arbogast
»Die Baronin wird Dich gleich empfangen und Dich in der Familie willkommen heißen. Iss erstmal auf«, grinste Arbo.

Robere
»Okay. Vielleicht ist das bei jedem anders oder ich komme noch auf den Geschmack. Für mich war das Besondere eben, dass er schon vorher besonders war. Und ich ihn so behalten konnte. Aber die Suppe schmeckt.« Er aß sie auf und trank die Brühe. Dann stand er auf und grinste Arbogast kurz an.

Arbogast
Arbogast nahm ihm die Sache ab und stellte sie zur Seite. Dann führte er Robere in ein Zimmer, dass exquisiter nicht hätte eingerichtet sein können. Samtene Tapeten, schwere Brokatvorhänge, Teppiche so dick, dass man darin einsank und kein Schritt zu hören war. Als sie eintraten blickten sie auf eine uralte, dürre Frau die wie ein Raubvogel in ihrem Ohrensessel hockte. Trotz ihrer trüben Augen war ihr Blick erstaunlich wach und scharf. Sie trug extrem teure Kleidung, ihr Haar war kunstvoll zu einer Hochsteckfrisur aufgetürmt und goldenen Spangen hielten es, wo es hingehörte. Ihre scharf geschnittenen Gesichtszüge mussten in ihrer Jugend wunderschön gewesen sein. Aber jetzt strahlte sie etwas anderes aus, Macht. Diese Frau war hier das Oberhaupt, dem sich alle beugten. Warum, dass konnte Robere nur vermuten, allein des Geldes wegen war es nicht. Denn diese Frau hatte es nicht nötig hier zu leben. Jedenfalls nicht aus finanziellen Gründen. Man spürte die Bedrohung die von dieser knorrigen alten Frau ausging. Ein irrationales Gefühl, wenn man sich ihren Körperzustand und ihr Alter vor Augen rief, aber das Gefühl war da und es log nicht.

Robere
»Guten Morgen«, größte Robere höflich, denn inzwischen war es Morgen. Er neigte etwas den Kopf. Er und Arbogast hatten die ganze Nacht durchgefeiert. »Robere Moreau, Sohn von Kazrar Chud, Freund von Arbogast und Sohn von Archibald von Dornburg.« Sicherheitshalber zählte er auf, mit wem er hier alles gut stand und erklärte Arbogast zu seinem Freund. »Ich bin hier, weil Archibald mich über seinen Sohn einlud, um zu lernen.«

Baronin
Die alte Frau, die sie nur die Baronin nannten nickte milde, was den Eindruck eines Raubvogels noch verstärkte. »Arbo erzählte mir schon von Dir. Ein neues Gesicht in der Familie. Lass Dich ansehen Junge, tritt näher. Du musst Deine Oberin nicht fürchten. Man nennt mich die Baronin, auch Du wirst mich so nennen. Das Mündel der Bestie? Eine Ehre, er ist einer der Besten von uns. Gerissen, stark, hinterhältig, brutal, mit messerscharfen Verstand, Krallen und Zähnen gesegnet. Lerne besser als Dein Vater. Ohne Zähne und Klauen ist man Beute da oben. Du bist jetzt unter Deines gleichen Menschenfresser, willkommen im Schoß des Zirkels«, sagte sie liebevoll.

Robere
Robere war überrascht ob der freundlichen Begrüßung und trat etwas näher, wie sie gefordert hatte. »Danke, Baronin. Ich bin hier, um Kazrars Ehre wieder herzustellen. Archibald ist ein hervorragender Lehrer, ich hatte gehofft, ihn hier wieder zu treffen. Gibt es ein Erkennungszeichen, falls man sich auf der Straße wiedertrifft mit Seinesgleichen? Ich will ungern selbst im Topf landen.« Er lächelte etwas.

Baronin
»Wenn Du Dich Deiner Haut nicht erwehren kannst, bist Du nicht wert zu leben. Aber wir töten nicht unseres gleichen. Kein Jäger tötet einen Jäger. Das ist widernatürlich. Schau her«, sagte die alte Frau und zog ganz langsam ihren Ärmel von Arm und offenbarte den Chaosstern, den Robere auch schon bei Archibald gesehen hatte. »Unser Stern, unser Zeichen, wir tragen es alle, da wir uns unter diesem Stern versammeln. Und wir beschenken jene damit, die wir verschonen. Oder auch jene von uns geben es weiter, die im Jagdfieber alles um sich herum vergessen. Der Stern führt sie heim und lässt sie inne halten. Hat Dein Vater Dir diesen Stern nicht geschenkt Robere? Erzähle mir aus Deinem Leben, setz Dich zu Füßen Deiner Oberin«, befahl die Baronin.

Robere
Robere setzte sich auf den dicken Teppich, ein Bein aufgestellt, beim anderen saß er auf der Ferse. Es war eine Gewohnheit, denn aus dieser Haltung heraus war er im Notfall praktisch sofort wieder auf den Füßen. »Ich habe meinen Vater nie kennenlelernt. Er schickte meine Mutter fort, als sie schwanger war, damit ich sicher bin. Aber sie verschmähte sein Geschenk, sie verschmähte mich und gab mich in ein Waisenhaus. Von dort aus, von ganz unten, habe ich mich bis zur Leibgarde des Ducs von Souvagne hochgearbeitet. Dann erst traf ich Archibald, der mich erkannte, weil ich Kazrar so ähnlich sehe. Er nahm mich mit auf die erste Jagd. Vorher habe ich auch schon gejagt, aber anders. Ohne zu töten. Nur um ein wenig Spaß zu haben. Ich habe gespielt wie ein junges Kätzchen mit den Mäusen, um zu üben, ohne zu wissen, wofür. Jetzt weiß ich es. Und ich habe meine Beute schon identifiziert. Ich muss nur noch herausfinden, wo sie wohnt.«

Baronin
»Du musst viele kleine Beutetiere reißen, bevor Du Dich an einen großen Gegner wagen kannst. Hast Du Dein erstes Mahl selbst getötet oder tötete die Bestie für Dich? Hast Du das Leben genommen, dass Du verschlungen hast? Du warst ein Gardist? Seltsam, aber nicht abwegig, Du hast gejagt, Du hat trainiert, aber nur für die Fleischeslust in anderer Form. Du hast sie Dir nicht einverleibt. Aber nun bist Du Mitglied dieser Familie. Ob Jagdglück oder nicht, Du wirst essen. Allerdings solltest Du Dich bei weniger Geschick, erkenntlich zeigen. Küchendienste sind willkommen, es erfordert Kraft und Geschicklichkeit die Beute zu entbeinen. Du wirst Deine Familie noch kennenlernen. Es ist verboten einen der unseren anzugehen. Solltest Du versuchen, hier jemanden zu töten und zu fressen, wird Dir genau das Schicksal zu teil. Unsere Zähne graben sich niemals in das Fleisch eines Familienmitglieds. Es sei denn, es hat gerade die Familie verlassen Robere. Aber Du bist neu, frisch aufgenommen worden, drum suche Dir ein Quartier. Dies wird das Deine sein und Dir immer zur Verfügung stehen. Gleichgültig wann Du hier bist, es ist für Dich da, Dein neues kleines Zuhause. Und vielleicht wächst es wie Dein Können und Dein Ruhm. Wie nennst Du Dich? Ist dies dort Dein Markenzeichen? Der Skorpion?«, fragte die Baronin.

Robere
Robere blickte auf seine tätowierte Hand. »Mein Markenzeichen? Es ist, was ich bin. Der Skorpion hat keine Haut, sondern einen Panzer. Nichts an ihm ist verletzlich. Er hat Scheren um festhalten und einen Stachel zum Zustoßen. Er ist ein Kaltblüter. Sene Kinder sehen bereits aus wie die Erwachsenen und sind nach der ersten Häutung bereit, um zu töten. Obwohl sie noch winzig sind. Schwarzer Skorpion, so nenne ich mich selbst. Ich werde keinen der unseren töten. Die erste Beute tötete Archibald, da er trinken musste und ich aß davon. Gejagt haben wir zusammen. Wenn es möglich ist, würde ich gern mein Quartier bei Arbogast beziehen oder neben seinem. Wir verstehen uns gut.«

Baronin
»Dann bist Du der Skorpion. Arbo wird Dir ein Quartier neben seinem geben, dass ist kein Problem. Eine schöne Metapher, sie gefällt mir. Richte Dir Deine Höhle ein Skorpion. Gleichgültig was dort draußen geschieht, Du hast hier nun eine Familie die stets zu Dir hält. Vergiss das nie, denn Du bist Teil dieser Familie und wenn einer Deiner Brüder oder Schwestern Hilfe benötigt, wirst Du sie gewähren. So wie sie Dir gewährt wird. Arbo zeig unserem Skorpion sein Zimmer. Du wirst Dir ein neues nehmen. Er soll in der Nähe seines Mentors leben... nein warte. Gib ihm das alte Zimmer seines Vaters. Es liegt gegenüber der Bestie, dies soll er beziehen«, sagte die Baronin. Arbogast nickte, als Zeichen, dass er den Befehl verstanden hatte. »Komm Robby, folge mir«, sagte er freundlich und führte Robere durch einige Flure, vorbei an anderen Zimmern. Einige standen offen, andere Türen waren verschlossen. Ganz so, wie man es selbst im eigenen Haus halten würde. Niemand schien den anderen zu fürchten oder ihm zu misstrauen. Etwas abseits lag sein Quartier. Arbo öffnete die Tür und ging hinein. »Dein Zuhause. Gegenüber wie die Baronin schon sagte, ist das Quartier von Arch. Du kannst es Dir angucken, aber bitte fass nichts von dem Spielzeug an ja? Dann wird er wütend, sehr wütend«, bat Arbo. Er schien schon die Erfahrung gemacht zu haben, wie wütend Arch wurde, wenn man was angefasst hatte.

Robere
Robere schaute sich um. »Hier hat Kazrar gewohnt?«, fragte er und seine Stimme klang eine Spur zu lässig. »Ist hier noch irgendwas, das ihm gehörte?« (Was sieht er?) »Ich werde nichts von Archibald anfassen, es ist seins. Wo wohnst du? Ist gut, wenn man jemanden in der Nähe hat, den man kennt. Wir könnten auch beide unser Bett ins selbe Zimmer schieben, ich bin das gewohnt, mit anderen in einem Raum zu schlafen, es stört mich nicht und ist lustiger. Den anderen Raum können wir dann anders nutzen, anstatt zwei Schlafzimmer zu haben. Die Baronin war nett, das hat mich überrascht. Sie sah erst nicht so aus. Wer ist sie, oder sollte man das nicht fragen?«

Arbogast
Arbogast setzte sich auf Roberes Bett und schaute erstaunt zu ihm auf, ehe er sich gefangen hatte und grinste. »Ich wäre ein Zimmer weiter gezogen, also neben Dir. Der Flügel hier ist nicht so bewohnt, da er etwas absteits liegt. Aber so mag Archibald es. Alles wars hier steht, gehört Deinem Vater. Es wurde einfach so gelassen, ich glaube für Arch, ich kann es Dir nicht sagen. Er zeigt zwar meist, dass ihn Kazrar nervte, aber nimm hier mal etwas weg, dann weißt Du wie hart er zuschlagen kann. Die Baronin, wer sie wirklich ist, wissen nur sehr wenige Robby und ich gehöre nicht dazu. Ich wohne gerne mit Dir in einem Zimmer, dass freut mich dass Du mir das anbietest. Dann müssen wir hier etwas Platz schaffen, oder wir stellen Dein Bett lieber rüber in mein Zimmer was?«, fragte Arbo und schaute sich die Sachen in Kazrars Zimmer an. Der alte Schreibtisch auf dem immer noch die Feder und das Tintenfass standen. Die Tinte war schon längst ausgetrocknet und die Feder unbrauchbar geworden. Eine kleine Öllampe hatte seinerzeit die Schreibarbeiten seines Vaters erhellt, sie war in einem Stil gehalten, den Robere nicht kannte. Vermutlich war dies die Dekorationsweise der Arashi. Ein Waschtisch war ebenso vorhanden, wie ein gemütlicher Stuhl, einige zusammengerollte Bündel, die sich als Folterwerkzeuge herausstellten. Aber sie waren nicht gepflegt, sondern rein, makellos und unbenutzt. Sein Vater schien sie nur besessen zu haben. Es gab einige Bücher, aber diese konnte man an einer Hand abzählen. Auf dem Beistelltisch lag ein kleiner handgewebter Teppich, er war abgegriffen, sein Vater schien ihn oft zur Hand genommen zu haben. Und als Robere das gleiche tat, erkannte er das Motiv des Teppichs, es war eine ferne, kalte Landschaft, die dennoch etwas in seinem Herzen berührte. In einem kleinen Regal lagen einige Kerzen und ein dazugehöriger Ständer, auch sie waren unbenutzt, aber vermutlich deshalb, weil Kerzen hier sehr teuer waren. Ein Humpen stand auf der Bettkiste und daneben lag ein Messer, keine Waffe sondern Besteck. Der Teppich vor dem Bett war bereits so dünn, dass man die Dielenbretter hindurchscheinen sah.

Robere
Robere schaute sich alles andächtig an. Je mehr er es sich ansah, umso flauer wurde ihm im Magen. Er kannte das Gefühl der Leere, das sich nun in ihm ausbreitete und ihn daran erinnerte, das etwas fehlte. »Scheiße«, sagte er und setzte sich auf das Bett. Er brauchte einen Moment. Dann sagte er: »Wenn wir hier umräumen, machen wir damit was kaputt, die Wirkung, die Erinnerung. Und Archibald wird sauer. Ich hab eine bessere Idee. Wir reißen die Wand da weg. Hier ist eh alles marode und die trägt nicht. Wir machen einen richtig großen Wanddurchbruch. Dann hat trotzdem jeder seins, aber wir sind nicht allein. Scheiße. Wann starb Kazrar? Seine Handschrift, das hätte ich sein können, wenn ich diese Schrift beherrschen würde. Der Wandteppich, das ist sicher Arashima, oder? Und was sind das für Bücher? Kacke.« Er rieb sich die Stirn.

Arbogast
Arbo wusste nicht wie er reagieren sollte, sollte er Robere einen Arm um die Schulter legen? Oder würde das den andächtigen Moment stören? Er ließ es sein und blieb ruhig neben ihm sitzen. Dies hier war seine Vergangenheit die ihn zudem mit Archibald verwob. »Kazrar starb vor 27 Jahren, da war Archs Sklave Dave 16 Jahre alt. Das weiß ich daher, da Arch sagte, so langsam überlegte er Dave abzustoßen, da er alt wurde und unansehlich und dann starb Kaz. Es muss also vor 27 Jahren gewesen sein. Arch hat so eine Angewohnheit Dinge die einen Meilenstein markieren unangetastet zu lassen. Das Haus von Deryas Mutter ist ebenfalls so. Alles von ihr ist noch dort, aber er hat es umgedokiert um sie zu ehren. Er hat sie geliebt, auf seine Art. Und auch wenn er es nie zugeben würde, Deinen Vater auch. Je mehr er schimpft, je mehr er Dich beleidigt, je mehr bedeutest Du ihm. Wenn Du ihm nichts bedeutest, meckert er nicht. Aber sag ihm das nicht, sonst schlägt er mir dafür die Schnauze ein. Was das Bild zeigt, weiß ich nicht Robby. Es könnte Arashima sein, oder jeder andere Ort, ich weiß nur, dass es sehr schön dort ist. Schnee und alles sieht so sauber aus, er verdeckt den ganzen Dreck. Ob Obenza auch so aussähe mit Schnee? Wir machen dass so wie Du gesagt hast, wir machen den Durchbruch. Ja hier ist immer noch ein Hauch von Deinem Vater anwesend, so als kommt er jeden Moment wieder nicht wahr? Ich kann diese Bücher nicht lesen Robere und ich kann auch die Schrift nicht lesen. Was es bedeutet musst Du Archibald fragen. Ich freue mich, mit Dir zusammenzuwohnen«, sagte Arbo glücklich und traurig zugleich.

Robere
»Ja, ich freu mich auch. Allein sein ist nicht so gut, das sollte man vermeiden. Vor 27 Jahren, da war ich neun. Er hätte nur noch ein paar Jahre länger müssen. Sie hätten Dave und Ansgar viel früher schon braten sollen, aber das hole ich nach. Ansgar vor allem, er war der Mörder. Ich muss diese Schrift lernen, damit ich den Brief da von meinem Vater lesen kann oder die Notizen. Irgendwas steht da und ich will wissen, was. Oder habt ihr hier jemanden, der das kann?«, fragte er hoffnungsvoll. »Ich sag Archibald nichts, keine Sorge. Wir sind ab heute Brüder, so lange wir hier sind, einverstanden?«

Arbogast
»Nein alleinseins ist manchmal ziemlich hart und entweder man geht kaputt oder findet einen Ausweg, meist ist der flüssig. Brüder? Wir sind Brüder, wir gehören der selben Familie an. Aber... unsere Familie ist eine Familie die keine Schwäche duldet. Du kannst in der Jagd versagen, aber Du darfst nicht innerhalb der Familie versagen, merke Dir das. Du willst selbst die scharfen Zähne tragen und nicht kennenlernen. So richten sie Verräter hin, also überlege Dir gut, falls Du sowas planst wie die Büttel zu rufen. Sie werden Dich niederknüppeln, auf einen Tisch fesseln und dann wird jeder Scharfzahn anfangen zu fressen, während Du dort liegst und hoffst es ist bald vorbei. Und denk dran, Dein Mentor hat zwei Töchter, die sich schon die Zähne verdient haben und eine frisst gerne Schwänze. Das ist kein Scherz. Also für oder gegen uns, ein dazwischen gibt es nicht und Du hast dafür gewählt Robby. Ich sage Dir das, damit Du auf Dich aufpasst. Nun er hat sie nicht töten dürfen, durch Alastair, sonst hätte Arch die beiden wohl schon viel früher umgelegt. So wie ich ihn verstanden habe. Nur Dave darfst Du nicht anrühren, er gehört Arch. Er will ihm beweisen, dass er immer noch Macht über ihn hat. Das hat er zuletzt getan, als er sich in ihrem Haus einnistete und zwei ihrer Leute einfach tötete. So ist er drauf. Du behauptest Du hast keine Angst vor ihm? Dann frisst er Deine Familie vor Deinen Augen, oder reißt Deinem besten Freund die Zunge aus dem Hals und erdrosselt ihn damit. Immer noch keine Angst? Drum zeig Respekt vor ihm, oder es endet nicht gut. Aber wenn Du ihm vertraust und respektierst, wird er Dich beschützen, so wie er Kazrar beschützt hat. Soweit er konnte. Diese Schrift ist die Schrift der Ältesten. Ich weiß nicht was das Zeug heißt, aber Arch kann es lesen und Kaz konnte es auch scheinbar. Er schreibt manchmal sowas und einige Zeichen auf seiner Haut zeigen was davon. Aber dass soll er Dir selbst erklären. Hast Du außer dem Skorpion eine Tätowierung? Ich habe zig, ich glaube dass habe ich von meinem Alten, ich weiß nicht warum, aber die beruhigen mich«, grinste Arbo freundlich.

Robere
»Ich hab nur die eine. Hätte ich weitere, wären das vermutlich auch wieder Skorpione. Wobei die Baronin meint, ich brauch den Chaosstern. Aber wo kommt der hin? Wo hast du deinen? Ich habe nicht vor, euch zu verraten, Arbo. Mich geht das hier alles beruflich nichts an, es ist außerhalb von Souvagne, also was interessiert es mich. Es interessiert mich nur dahingehend, dass essen und jagen lernen will. Und obendrein hab ich ein Dach über dem Kopf. Dass sie sich hier alle Familie nennen, da bin ich zurückhaltend. Ich warte noch ab, was ich davon halte, bisher hatte ich nie eine, außer Boldi, der mein Bruder ist. Du darfst seine Vertretung spielen.« Er grinste etwas. »Ich werde mich zu benehmen wissen. Ich könnte kein Gardist sein, könnte ich mich niemandem unterordnen und keine Anweisungen befolgen oder keine Regeln einhalten. Ich werde tun, was man von mir verlangt. Ist nicht nötig, dass Archibald seine Töchter auf meinen Schwanz ansetzt.«

Arbogast
»Die Familie meint es so. Wenn Du in Schwierigkeiten bist, schicken sie einen der besten Jäger und der haut Dich raus, oder die kommen auch von alleine. Oder wenn Du eingebuchtet bist, entweder zahlt wer, oder die hauen Dich raus. Wenn Du verfolgt wirst, verstecken sie Dich. Hier oder woanders, damit Du nicht ins Kittchen kommst oder umgebracht wirst. Das ist wahr, es ist alles wahr Robby. Du darfst hier alles und Du wirst alles sehen, Dinge die Du nicht für möglich gehalten hast, so grausam und abartig, dass sogar uns der Magen rebelliert. Aber sie sind erlaubt, normal, jeder darf essen und Spaß haben wie er mag. Es gibt nur wenige Verbrechen, die man hier kennt. Eines ist Verrat, das andere ist Angriff auf ein Familienmitglied. Meinen Stern trage ich auf dem Arm. Na Arch setzt Derya nicht auf Deine Nudel an, dass macht sie schon immer so, dass ist ihr Ding«, lachte Arbo.

Robere
Robere feixte kurz. »Na wenn sie meint ... Meine Familie war bisher mit einer Person sehr überschaubar und Jahre hatte ich gar keine. Drum bin ich da eher abwartend, dass auf einmal hunderte Leute meine Familie sein sollen. Vorerst bist das du, Arbo. Also was sind meine Pflichten? Wie ist hier der Ablauf und wie oft wird trainiert?«

Arbogast
»Du hast einen Mentor, der kümmert sich um Dein Training und Deine Ausbildung. Ich gebe die Vertretung. Ansonsten hilft jeder mit. Wenn Du jagen gehst und hast was übrig, bring es her. Wenn Du siehst es ist nur noch wenig da, geh und hol was. Es ist keine große Planung dahinter. Es kann sein dass Du Tage nichts zu tun hast, oder sehr viel, weil Dich die Älteren um was bitten oder Dir eine Aufgabe geben. Die musst Du dann erfüllen. Aber das ist nicht schlimm und es fällt auch immer was für einen ab, meist was Leckeres. Oder Du musst in der Küche helfen, die Arbeit ist vom Schleppen her schwer, sonst leicht. Manchmal muss auch was renoviert werden, also so durchgeplant wie Dein Leben war, ist es hier nicht. Man treibt dahin, so würde ich es sagen. Gezieltes Dahintreiben. Ich bin gerne Dein Bruder, wir können morgen mit dem Training anfangen, wenn wir alles für Dich eingerichtet haben. Oder wir machen den Durchbruch. Wie Du möchtest«.

Robere
»Dahintreiben? Arbo, das geht nicht, ich kann nicht ewig bleiben, meine Zeit ist begrenzt. Ich muss sie effektiv nutzen. Ich will Ansgar erledigen! Und zwar möglichst bald. Wenn ich zu lange fort bleibe, verliere ich meine Arbeit in der Leibgarde und das will ich auf keinen Fall. Zwei Wochen, dann muss ich wieder abreisen. Wer ist mein Mentor, Archibald? Aber wo bleibt der?«

Arbogast
»Er ist weggeflogen, zu irgendeiner Stadt. Klingt komisch, ist aber so. Er kann fliegen, als Vampir. Nicht dass Du was falsches denkst, ich würde Drogen nehmen oder so. Dann wird Nori Dich trainieren, die ist fit und bekommt auch Dich fit! Ich verspreche es Dir«, lachte Arbo gut gelaunt.

Robere
»Gut, morgen fangen wir früh mit dem Training an und danach reißen wir die Wand raus. Aber löte dich nicht vorher zu, sondern erst danach, ja? Oder fängst du früh schon an mit Trinken? Dann müssen wir das andersrum machen.«

Arbogast
»Ich trinke nur ganz selten mal hier und da einen winzigen Schluck. Ich bin trotzdem immer einsatzbereit, Du wirst gar nichts davon merken«, versicherte Arbo.

Robere
»Na dann ... notfalls mach ich das auch selbst und du sitzt besoffen rum. Gut, wann kommt Nori morgen?«

Arbogast
»Ich mache mit, glaub mir doch. Ich war heute auch den ganzen Tag fit oder? Sie kommt heute Abend schon rein. Sie wohnt hier! Dann frage ich sie gleich, ob sie Dich trainiert. Sie hat schon ihre Zähne Robby«.

Robere
»Sie wohnt hier? Hier wohne ich mit dir! Zwei Betten.«

Arbogast
Arbo lachte sich über Robere schlapp. »Robby nicht in diesem Raum, sondern beim Zirkel. Ihr Quartier ist weiter vorne. Ich zeige es Dir heute Abend. Du kannst sie im Aufenthaltsraum sprechen, oder bei ihr. Sie wohnt bei der Familie, nicht bei Dir in der Bude«, lachte Arbo.

Robere
»Ich dachte schon, Mann, hier ist alles möglich. Dann reden wir am besten später noch mit ihr, bevor wir ins Bett gehen. Aber dass ich in zwei Wochen abreise ist in Ordnung, ja? Mich wird keiner hier festhalten oder mir den Zirkel hinterherschicken?«

Arbogast
»Nee wieso? Du bist frei, Du kannst gehen wohin Du willst. Aber steckst Du in der Scheiße, sind wir für Dich da. Warum solltest Du nicht gehen dürfen? Nori hat auch Arashiblut in den Adern, so wie Du Robby«, sagte Arbo leise.

Robere
»Vielleicht weiß sie dann was über den Teppich und die anderen Dinge hier. Ich werde sie fragen. Gut, dann bin ich ja erleichtert. Es gibt Gruppierungen, die halten einen fest. Drum frage ich.«

Arbogast
»Bei uns hält Dich nichts und niemand. Du kannst Jahre wegbleiben, das ist gleich. Wenn Du den Zirkel brauchst, ist er für Dich da. Manchmal braucht er Dich, dann musst Du auch helfen. Es ist ganz einfach und locker. Aber anderes ist für mich wieder schwer, weil es so locker ist. Das erkläre ich dann, wenn ich ein Beispiel habe«, sagte er freundlich und machte es sich auf dem Bett bequem. »Sie kann das nicht lesen, aber sie kann Dir sagen woher das Bild ist. Ihre Mutter war Tarul. Archs Sklavin, jene die Kazarar fürchtete und beneidete«, erklärte Arbo.

Robere
»Na ja, das muss mich und Nori ja nicht betreffen, vielleicht kommen wir gut aus, auch wenn unsere Eltern sich nicht leiden konnten. Wenn es dir zu locker ist, kann ich dir helfen. Ich brauch Routine, du kannst meine einfach mitmachen, sobald ich hier eine gefunden habe.«

Arbogast
»Nein dass wollte ich auch nicht sagen, ich wollte nur sagen, dass Euch Arashiblut verbindet Robby, kein Streit. Ich werde es versuchen, vielleicht bekomme ich dann mal was Struktur in mein Leben. Das wäre nicht schlecht«, freute sich Arbo und nahm einen Schluck Schnaps.

Robere
»Wie alt bist du?«, fragte Robere und musterte Arbogast.

Arbogast
»Schon 42 Jahre, warum fragst Du?«, hakte Arbogast nach.

Robere
»Hätte dich älter geschätzt. Zwei Wochen reichen nicht aus, um dich in Form zu bringen, aber vielleicht kannst du was aus der Zeit minehmen. Du hast stabile Knochen, das sieht man an deinen Handgelenken. Du könntest gut Muskulatur ansetzen.«

Arbogast
»Danke. Ja Arch sagt ich schmeiße weg, was er mir schenkte. Aber der hat oft gut reden. Der Körper ist nicht alles weißt Du? Der Geist, an den muss man auch denken. Und ich bin nicht er. Und er versteht mich manchmal nicht. Oder ich ihn, was er will. Ich werde versuchen was fitter zu werden und was weniger weich. Ich hoffe ich bekomme das hin«, grübelte Arbo

Robere
»An den Geist? Meinst du wegen schnelle Reaktionen, Auge-Hand-Koordination, Planung und so was? Klar, das braucht man auch. Oder wovon sprichst du?«

Arbogast
»Davon dass ich anders denke als er, ich bin nicht so schnell im denken, so raffiziert oder so hart. Er denkt blitzschnell und zack. Und ich grübel und dann ist alles vorbei und die Opfer lesen Zuhause beim Tee ein Buch«, stöhnte Arbo

Robere
»Geschwindigkeit im Angriff kann man lernen«, erklärte Robere. »Meist liegt das daran, dass die Routine fehlt. Der Drill, der Automatismus. So dass dein Körper das Denken überspringt. Ich lass mich von Nori und Archibald anlernen und sehe, worauf es ankommt und dann bringe ich es dir bei. Zumindest so weit, dass du allein weiterüben kannst.« Er bezweifelte, dass Arbogast das tun würde, aber er wollte ihm die Chance geben.

Arbogast
»Na aber wenn ich nicht nachdenke, wird es nicht funktionieren. Und wenn ich nachdenke, funktioniert es auch nicht. Ich werde einfach mal schauen, wie Du das machst und mitüben. Aber alles andere bringe ich Dir bei, wo man lauert, wo man Beute findet. Die Schnelligkeit bekommst Du von allein. Bei mir dauert das nur wohl etwas länger....«

Robere
»Schnelligkeit wird nicht das Problem sein. Eher, die Regeln dieser Stadt zu kennen und dieser Art der Jagd. Arbo, auch du kannst Geschwindigkeit lernen. Oder könntest. Aber du kannst auch arschlangsam sein und trotzdem erfolgreich. Dann denkst du dir eben was aus, wenn du gern denkst.«

Arbogast
»Gerne denken? Man ich denke doch nicht gerne, ich mach das einfach. Oder versuche gut zu planen. Planung ist das A und O, sagt mein Vater. Und während ich plane, essen andere schon. Ich werde es mal ohne Plan und Denken versuchen, kann ja nur besser werden«, grinste er verlegen und hielt Robere die Flasche hin. »Nimm einen Schluck und lass uns einen Moment ausruhen«, sagte Arbo und kratzte sich den Bauch.

Robere
Robere zögerte kurz, da Arbogast ziemlich heruntergekommen war, ehe er sich dazu entschied, einen Schluck zu nehmen. »Danke.« Da Arbogast schon lag, zog er ihm die Schuhe aus und dann sich, zog ihm das Kissen weg und legte er sich anders herum dazu, so dass seine Füße bei Arbogasts Kopf herauskamen. So hatten sie mehr Platz. »Na dann ... letzte Frage. Hast du schon Zähne?« Er gähnte.

Arbogast
»Nein ich habe noch keine Zähne, die muss ich mir noch verdienen. Derya und Nori haben Zähne. Ich muss mein erstes Opfer noch fangen und erledigen. Vielleicht packen wir das ja zusammen?«, schlug er vor und musterte mit zusammengekniffenen Augen Robbys Füße.

Robere
»Meine Füße sind sauber«, bestimmte Robere und drückte Arbogast den Fuß mitten ins Gesicht. Dann legte er die Füße übereinander und rückte sich bequem zurecht. Er kuschelte sich auf Kazrars Kissen. Es war idiotisch, das anzunehmen, aber er versuchte, den Geruch seines Vaters darin wahrzunehmen. Es roch nach nichts als nach altem Kissen. Er schloss die Augen. »Du kannst mir bei Ansgar helfen, wir erledigen ihn gemeinsam. Ich stelle die Ehre meines Vaters wieder her und du deine eigene. Ich hoffe, du schnarchst nicht.« Das hieß so viel wie Gute Nacht.

Arbogast
Arbo grunzte kurz auf, als Robby ihm den Fuß ins Gesicht drückte. »Man ich habe nur geguckt, weil wer schläft so? Außer Du, naja vermute ich«, sagte Arbo und wälzte sich auf die Seite. »Ich schnarche nicht, schlaf gut Robby, wir werden Deinen Vater rächen. Du bist der erste Bruder den ich habe, ich pack mit an«.

Robere
Robby grunzte ebenfalls, stieß Arbo kurz mit dem Knie und meinte: »Du bist mein zweiter. Und wieder ein Großer.« Dann schlief er schon ein.

Arbogast
Arbo packte sein Kissen auf Robbys Füße und schlief so ebenfalls ein.
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#3

Beitrag von Tekuro Chud » Mi 18. Jul 2018, 00:06

Archibald von Dornburg
Arbogast führte Robere durch das Hauptquartier des Zirkels der Menschenfresser. Er zeigte ihm die Aufenthaltsräume, die Küchen, die Entbein-Küche in der er arbeitete, führte ihn zu den einzelnen Quartieren und nannte zig Namen, Codewörter und sonstiges, was Robere angeblich alles wissen musste. Dabei erklärte es Arbogast so schnell, dass Robere Mühe hatte, dem ganzen Gequassel von Arbogast zu folgen. Er merkte, dass sein Gastgeber wohl nicht oft Gelegenheit hatte, jemanden dermaßen zuzutexten und jetzt nutze Arbo dies aus. Eine kleine dicke Frau spazierte an ihnen vorbei und schob sie kurzerhand zur Seite. Die Dame hatte schon zu Anfang Robere freundlich zugenickt, nun war sie mit großen Fleischstücken unterwegs in die Küche. Arbo lief genau in die andere Richtung, weg von dem verführerischen Duft eines saftigen Bratens und führte Robere zu einem kleinen Zimmer. In die Tür waren seltsame Zeichen geritzt, der Chaosstern befand sich auch darunter. Arbo lächelte aufmunternd, klopfte und schob Robere vor sich.

Nori
Man hörte nichts, aber einen Augenblick später wurde die Tür aufgerissen und eine kleine Frau die Robere gerade bis zur Brust ging, schaute grimmig nach draußen. Ihre Haar war schwarz, ihre Haut gebräunt und selbst Ihr Gesicht war tätowiert. Sie schien mit jemand anderem gerechnet zu haben, denn sie hielt verdutzt inne und schaute nach oben. Als sie Robere in die Augen schaute grinste sie breit und entblößte ein Gebiss, auf das jeder Piranha neidisch geworden wäre. »Nori dass ist Robere, Robere Nori«, tönte es hinter Robbys Rücken hervor. Der Blick von Nori verfinsterte sich. »Du bist mit diesem Schnorrer unterwegs?«, fragte sie Robere misstrauisch.

Robere
»Robby«, korrigierte Robere, der seinen Namen nicht leiden konnte, der ihm ohne Liebe anhand einer Liste verliehen worden war. Robby war die naridische Form, die Boldiszàr vorgeschlagen hatte und damit war Robere zufrieden. »Der Schnorrer ist mein Bruder und er hat nicht geschnorrt. Ich hab ihn eingeladen und wir hatten einen geilen Abend. Er meint, wir zwei müssen uns kennenlernen. Archibald ist mein Mentor, aber er treibt sich rum. Mir sitzt etwas die Zeit im Nacken.«

Nori
»Das ist nicht die Zeit, sondern Arbogast die Zecke. Die Zeit, wieso? Erzähl. Archibald ist mein Vater, schön Dich kennenzulernen. Nun er wird schon einen Grund haben, dass er Dich wählte? Bist Du schon erwacht?«, fragte sie leicht misstrauisch.

Robere
»Ja, aber noch nicht selbst Beute geschlagen. Zumindest keine, die ich mir einverleibt hätte. Er hat mich erwählt, weil ich der Sohn von Kazrar bin. Ich bin hier, um die Ehre meines Vaters wieder herzustellen und meine Zähne zu verdienen. Arbo ist in Ordnung und so lange ich hier bin, gehören wir zusammen. In zwei Wochen muss ich zurück in meiner Heimat sein, sonst verliere ich meine Stelle.«

Nori
Die kleine Frau rümpfte die Nase, so dass sie voller Falten war. »Was bist Du denn für einer? Du jagst nur im Urlaub? So wirst Du niemals Deine Zähne bekommen, Du musst Dich ganz der Jagd verschreiben, für sie leben, mit ihr leben und durch sie leben. Wofür meinst Du sind die Zähne da? Na von mir aus, wenn Ihr zwei Euch so gerne habt, so ein Urlaubsflirt ist ja was Feines«, lachte sie wie eine kleine Giftspinne.

Robere
Robere grunzte belustigt. »Kannst du mich anlernen, bis dein Vater zurück ist? Und noch was. Kannst du diese Schrift lesen?« Er zeigte auf die Zeichen, die in ihre Tür geritzt waren. »Oder ist das nur Zierde?«

Nori
»Ich kann sie lesen und ich habe sie da hinein geritzt. Da steht Frieden, Freude, Barmherzigkeit und Glaube. Dich anlernen? Ja gut, dass mache ich, wir sind uns also einig ja?«, lachte sie mit einem Grinsen dass fast bis zu ihren Ohren reichte.

Robere
»Einig worin? Ich hab im Quartier von Kazrar Bücher in dieser Schrift, ich will wissen, wie sie heißen. Und er hat irgendwas aufgeschrieben, da ist ein Brief oder ein Notizzettel, keine Ahnung.«

Nori
»Bist Du immer so leichtgläubig, leichtgläubiger Robby? Wie heißt Du? Wie ist Dein Jagdname. Dort an der Tür steht mein Name. Du kannst mir den Brief ja zeigen, dann übersetzte ich ihn Dir. Wo hast Du ihn? Kazrar war früher von Arch das Mündel, wusstest Du das? Vermutlich ja. Er war wohl nicht sehr gut was das Jagen anging, aber Arch hat ihn gemocht. Er sagt sowas nur nie. Gehen wir zu Deinem Quartier«, schlug sie vor.

Arbogast
Arbogast musterte Nori und nickte zustimmend. »Gehen wir zurück, dann kann sie es sich angucken. Auch das Bild, sie wird wissen wo genau das ist. Oder wo zumindest der Ort liegt. Vermute ich jedenfalls«, grinste Arbo.

Robere
Robere grinste etwas. »War mir schon klar, dass du Müll erzählt hast und dass da nix von Barmherzigkeit steht. Bist du die Tochter, die Schwänze frisst? Mein Jagdname ist Skorpion und deiner?« Er wandte sich an Arbogast. »Und du hast mir deinen auch noch nicht gesagt.« Er gab den Weg vor und ließ die beiden in sein neues Quartier eintreten. Alles war noch genau so eingerichtet, wie vor seiner Ankunft, er hatte alles, was er in die Hände genommen hatte, wieder an exakt den selben Platz gelegt und sogar den Stuhl genau so wieder hingerückt. Nur das Bett, in dem er und Arbogast den Tag verschlafen hatten, war perfekt gemacht und weder im Laken noch in der Decke war auch nur eine Falte zu finden. »Der Brief liegt auf dem Tisch.« Robere war unwohl, jemanden das einzige anfassen zu lassen, was ihm an persönlicher Erinnerung von seinem Vater geblieben war, aber bis er hier eingezogen war, hatte auch jeder Zutritt gehabt und niemand hatte es gewagt, den Raum gegenüber von dem Archibalds zu verwüsten oder etwas zu zerstören. Nori würde gut damit umgehen.

Nori
»Wer weiß? Vielleicht bin ich ja die Schwanzbeißerin? Da musst Du schön vorsichtig sein oder Robby?«, lachte Nori und wurde dann ernst. Sie schaute sich in dem Quartier um und strich sich über das Kinn. »Es ist alles wie es immer war, denn niemand rührt hier etwas an. Der Skorpion? Das klingt gut. Die schwarze Witwe bevorzugt es, ihren Opfern den Schwanz abzubeißen. Derya trägt den Namen die schwarze Witwe«, antwortete Nori. Arbogast reichte ihr den kleinen Handteppich. Sie nahm ihn vorsichtig, fast behutsam entgegen und schaute ihn lange an. »Das ist Hisae Yokota, ein kleines Fleckchen gegenüber von Milat Sil auf dem Gebiet der Arashi. Daher stammten die Vorfahren Deines Vaters. Es grenzt an das Reich der Frostalben. Dein Vater war ein Mischling genau wie ich, dass hat mir Archibald verraten. Möchtest Du diesen Ort aufsuchen? Ich bin die schwarze Mamba«, erklärte Nori.

Robere
»Ich weiß nicht, was ich allein dort soll. Mein Vater hat dort nie gelebt, wenn ich das richtig verstanden habe. Klar wäre es interessant, zu schauen, wie die Großeltern lenten, aber mir fehlt die Zeit und die Möglichkeit. Ich würde gern erst einmal das, was ich hier von ihm habe, anschauen und ergründen. Was sind das für Bücher und was steht da auf dem Zettel? Wo hat er hier in Naridien gelebt, bevor er zum Zirkel kam? Wie kam er überhaupt zum Zirkel? Solche Sachen.« Er betrachtete den Teppich in Noris Händen und war froh, dass sie so sorgsam damit umging. Es war seltsam, plötzlich einen Bezug zu seinen Vorfahren zu haben. So musste sich ein abgeschnittener Ast fühlen, der Wurzeln schlug, nachdem man ihn in die Erde gesteckt hatte. Robere war noch nicht sicher, ob ihm das Gefühl gefiel. Es war fremd. »Schwarze Mamba. Schwarze Witwe. Alle heißen was mit Schwarz. Ich bin der Schwarze Skorpion, aber wir haben auch alle schwarze Haare. Außer Arbo. Arbo, sag doch mal deinen Namen! Oder hast du keinen?

Arbogast
Arbo zuckte die Schultern. »Nein nicht wirklich, ich habe keinen Jagdnamen. Die Sachen hier sind direkt von Deinem Vater und hier hat er gelebt. Wo er vorher gelebt hat, dass kann ich Dir nicht sagen, dass müsste Archibald wissen. Aber wie er zum Stab von Dunwin kam, dass weiß ich. Archibald hat ihm den Job besorgt. Und so haben sie auch außerhalb des Zirkels zusammengearbeitet. Aber wo er vor dem Zirkel gearbeitet hat, oder für wen, das kann nur Archibald wissen. Wenn ich einen Kampfnamen wählen würde, dann was mit einem Fuchs. Die sind schließlich clever und bringen Glück«, grinste er.

Robere
»Und warum hast du keinen? Bei mir wollte die Baronin gleich als erstes wissen, wie ich mich nenne. Du musst doch einen Namen haben. Wenn dir Fuchs gefällt, dann bist du eben das. Der rote Fuchs. Deine Haare sind ja auch rotbraun.« Er wusste selbst am besten, wie es war, einen Namen zu tragen, den man nicht mochte und wie gut es sich anfühlte, endlich so zu heißen, wie man es wünschte. »Scheiße, dass Archibald unterwegs ist. So viele offene Fragen und so wenig Zeit.«

Nori
Nori starrte kurz ihren Halbbruder und dann Robere an, ehe sie das Buch zur Hand nahm und darin las. »Augenlose Gesichter in ewiger Finsternis, Tentakel die unterhalb der Oberfläche der Dunkelheit bleiben, im trüben Wasser dahingleiten wie Träume, niemals enden wolltende Nacht... Das sind Gebete oder besser gesagt Verse an die Ältesten. Kaz betete sie an, Archibald ebenso. Was sie wirklich sind, weiß niemand. Aber Arch beschreibt sie als eine Art Knäul aus Tentakeln, die einem beistehen, wo einen die Götter schon längst verlassen haben. Man muss ihnen loyal und treu dienen, dann erhören sie einen und man wird eines ihrer Kinder. Arch geht davon aus, dass sie einen beschützen und einem beistehen auf der Jagd und dass man sich in ihrem Namen die Zähne verdienen muss. Denn die Zähne symoblisieren unsere menschlichen Schwächen und mit dem Anschärfen werden wir zu Jägern. Und das widmen wir den Ältesten. Ob Du daran glaubst, bleibt Dir überlassen, aber Arch wurde nie gestellt und er hat lange gejagt und jagt heute noch. Schau Dir mal sein Beinhaus an«, sagte Nori und reichte Robby das Buch mit beiden Händen zurück.

Robere
Robere nahm das Buch in die Hände und besah es sich. »Mein Vater wurde umgebracht von diesem naridischen Schwein. Aber er wird gerächt werden. Wenn ihm die Ältesten viel bedeuteten, werde ich das in ihrem Namen tun, auch wenn ich es nicht mit Göttern habe. Ich tue es für ihn.« Er drückte das Buch an seine Brust. »Ich muss diese Schrift lernen. Kannst du sie mich lehren? Wie lange würde es dauern?« Er war sichtlich nervös und wies mit dem Kinn auf den Brief. Vielleicht war es auch nur eine Rechnung oder eine Einkaufsliste, aber er trug die Handschrift seines Vaters und das machte ihn wertvoll, völlig egal, was darin stand. »Bitte lies mir vor, was er als letztes schrieb, Nori«, bat er.

Nori
Die kleine Arashi nahm den Brief zur Hand und las ihn sich in Ruhe durch. Dann wandte sie sich an Robere. »Es sind Zeichen einer fremden Sprache, ich weiß nicht woher sie ursprünglich stammen, aber ich werde Dir beibringen sie zu lesen. Es ist nicht so schwer, wie es auf den ersten Blick aussieht, sie zu schreiben wird sicher schwieriger werden. Also höre mir zu. »Hallo Tekuro mein Sohn, Du hast ihn also gefunden, den Ort und den Brief Deines Vaters. Wie immer sie Dich genannt haben Du heißt Tekuro Chud und das sind meine Worte an Dich. Ich habe immer Dein Bestes gewollt und habe versucht Dir den Weg in ein sicheres Leben zu ebnen. Dazu gehört bei uns leider, dass wir unsere Küken in das Nest eines anderen Vogels setzen. Denn nichts wäre schlimmer als das eigene Kind anzugehen. Hast Du den Ruf vernommen? Hast Du schon gespeist? Trägst Du vielleicht schon scharfe Zähne? Oder verrottet dieser Brief in meinem Quartier, vergilbt von Jahren und Jahrzehnten an Zeit, die wir nie miteinander hatten? Ich hoffe Du findest meine Zeilen Tekuro, vielleicht werden sie Dir auch überbracht. Versuche zu verstehen dass ich in meinem Leben nicht lebte, sondern eher überlebte. Ich war keiner der großen Jäger, ich habe auch keine Reichtümer angehäuft oder Heldentaten vollbracht. Auf all das kann ich nicht zurückblicken und Dir nichts hinterlassen Sohn. Aber eines habe ich doch geschafft, Dich zu zeugen und Dich in Sicherheit zu bringen. Es mag nicht viel sein, aber es war alles was ich Dir geben konnte. Mögen die Ältesten Dich stets leiten und Dir Deinen Weg weisen, am Ende aller Wege werde ich auf Dich warten - geduldig und Dich liebend Tekuro Chud. Du schuldest der Welt noch einen Tod mein Sohn, Kazrar«.

Robere
Robere nahm ihr den Brief aus den Händen und setzte sich damit auf das Bett. Er war so unsensbibel, wie ein Mensch nur sein konnte, aber dass dieser Brief über all die Jahre den Weg zu ihm gefunden hatte - oder er zu ihm - ging ihm nahe. »Ich heiß Tekuro Chud, Arbo ... scheiße. Lies die letzten Zeilen, mein Vater muss geahnt haben, dass sie ihn holen werden! Er hat gewusst, dass sie ihn umbringen! Wieso ist er nicht abgehauen? Oder meint er wen anders? Ich brauch keine Reichtümer, er hat mir alles hinterlassen, was er konnte. Und er gab mir einen Namen. Er wusste, dass ich ein Sohn bin, er muss mich gesehen haben, vielleicht hab ich ihn auch gesehen und weiß es nicht mehr? Oder haben sie ihm das nur ausgerichtet? Hätte er gewusst, dass diese Schlampe mich in ein Waisenhaus gegeben hat, er hätte mich da rausgeholt! Sie muss ihn nach Strich und Faden belogen haben! Meint er, dass ich sie töten soll? Scheiße, Kazrar ...« Er legte den Brief beiseite, nachdem er ihn lange genug angestarrt hatte und drehte sich, sehr viel langsamer und ungeschickter als sonst, eine Rauchstange.

Archibald von Dornburg
Neben Robere fiel etwas auf die Bettdecke, einen Moment konnte man das Geschöpf für eine schwarze Maus halten. Aber bevor jemand etwas sagen oder handeln konnte nahm Archibald menschliche Gestalt an. Er schaute sich im Zimmer um, ehe er Robere in die Augen schaute. »Kaz hat nicht bewusst gewusst, dass sie ihn töten würden... er hat es... gespürt. Manche spüren ihr nahendes Ende, das Nahen des Feindes, eines Jägers der mächtiger ist als Du. Und stehst Du ihm gegenüber, weißt Du bereits vor dem ersten Messerstich, dass Du diesen Platz nicht wieder lebend verlassen wirst. Alles was Du dann noch versuchen kannst ist, ihn mit auf die andere Seite zu reißen. Jedenfalls als Sterblicher Robby. Du schuldest der Welt noch einen Tod... den Tod, den Dein Vater nie abliefern konnte. Das meint er. Kaz hat gebetet, dass Du sicher aufwächst, dass Du durchkommst und dass Du eines Tages hierher findest. Oder dass ich Dich finden würde. Er gab Deine Mutter frei, damit sie mit Dir fortgehen konnte. Einst bat ich meine Frau Merna um etwas ähnliches. Ich bat sie mit Derya zu gehen, denn die größte Gefahr für mein Kind... war ich. Und Kaz war die größte Gefahr für Dich... so lange Du noch klein warst. Bei uns ist es Brauch die eigenen Kinder in andere Obhut zu geben, damit wir sie nicht versehentlich reißen und fressen. Ab einem gewissen Alter, wenn sie sicher sind, holen wir sie zurück. Dann können wir sie in die Arme schließen und ihnen das geben, was uns vorher verwehrt war durch den Hunger. Eine Umarmung meiner vierjährigen Tochter hätte ich niemals zugestimmt, weil ich genau weiß, wie das für sie ausgegangen wäre. Kaz hätte Dich gesucht, wäre er noch am Leben gewesen. Ich hätte Dich gesucht, aber ich wusste nicht wo. Aber das war auch nicht nötig, denn alle Seelen die zusammengehören führen die Ältesten auch wieder zusammen. Man sollte nur nicht undankbar werden, darum Robby oder Tekuro... schuldest Du den Ältesten einen Tod. Zahl Deinen Tribut mit Blut mein Mündel...«, sagte Arch liebevoll.

Robere
Robere blinzelte erstaunt, als Archibald sich neben ihm verwandelte. Doch die Verblüffung vermochte nicht die Ergriffenheit zu überdecken. Die Rauchstange hing unangezündet zwischen seinen Fingern. »Kazrar hat dir also nicht gesagt, wohin er mich gegeben hat. Er traute dir nicht, nicht wahr? Anders kann ich es mir zumindest nicht erklären. Den Tod sollen die Ältesten bekommen. Ich brauch deine Anleitung, ich will ihnen niemand anderen als Ansgar darbringen. Kein Üben, keine leichte Beute, sondern einen Gegner, an dem sich auch gestandene Jäger die Zähne ausbeißen, sobald sie einen Fehler machen. Und all die Erinnerungen daran, dass mein Vater nicht so erfolgreich war, wie er es gern wollte, werden wegspült mit Ansgars Blut. Niemand wird sich mehr an sein Scheitern erinnern, sondern nur noch daran, dass sein Sohn erfolgreich war. Dass Tekuro ihn rächte.«

Archibald von Dornburg
»Würdig gesprochen. Ob Kaz mir traute? Natürlich nicht! Er wollte das Du überlebst, wie könnte er mir da vertrauen? Einem Kinderfresser, einem Menschenfresser, einem Babybeißer? Er wäre wahnsinnig würde er mir einen Säugling anvertrauen. Ich hätte Dich bei lebendigem Leib aufgefressen. Nicht einmal ich traue mir in dieser Sache, ich habe meine Tochter aus dem gleichen Grund abgegeben und Merna gesagt, sie darf nie wieder Kontakt zu mir aufnehmen, erst wenn unsere Tochter 16 Jahre alt ist. Ansonsten hätte ich sie vielleicht geholt in einem schwachen Moment? Es wäre so einfach, hier ein liebes Wort, dort eine nette Geste... warten bis die Nacht heraufzieht und ins eigene Kinderbett greifen und... fressen. Ich hätte mich vielleicht nicht so weit im Griff um zu wiederstehen. Aber ich habe mich genug im Griff um meine Frau mit meinem Kind wegzuschicken, um mich fernzuhalten. Ich könnte es nicht ertragen, eines meiner Kinder vernichtet zu haben. Arbo gab ich im Zirkel ab, Nori wuchs bei Tarul auf, ich hielt mich fern, ich war ein guter Vater. Das gleiche tat Kazrar für Dich. Ich verriet ihm nicht wo meine Kinder waren oder er mir wo Du warst. Wir kannten und schätzten einander Robere. Dazu gehört auch, den anderen nicht grundlos zu provozieren und den Hunger anzuheißen. Also nein, niemand der etwas Grips hat, händigt mir ein Kind aus. Ich fraß einst die Kinder meiner Feinde... hach jaaaa«, seufzte Arch.

Robere
»Aber Ansgar hast du nicht gefressen. Das hole ich nach. Warum kam niemand auf den Gedanken, Arbogast aufzufressen? Nicht falsch verstehen. Er ist ein Kumpel. Aber warum war er als Einziger hier sicher? Was war an ihm ... besonders?« Robere, der eigentlich Tekuro hieß, musterte den heruntergekommenen Trinker. »Hat mein Name eine Bedeutung?«, fragte er scheinbar beiläufig.

Archibald von Dornburg
»Weil ich ihn nicht fressen durfte, um meinen Bruder nicht zu gefährden. Er hat mich stets beschützt, wenn es mir schlecht ging mich umsorgt. Früher als Sterblicher war ich schwer krank, ich litt unter Migräne. Ich konnte kein Licht ertragen, ich konnte keine lauten Geräusche ertragen und bekam ich einen Anfall, konnte ich nichts mehr sehen und lag in Krämpfen am Boden. Wie sollte ich da Ansgar fressen? Ansgar, der Sohn meines Bruders. Mein Bruder verachtete ihn, seine beiden Söhne. Er hasste sie abgrundtief, da es Magier waren. Und da er keiner war, verabscheute ihn sein eigener Vater und liebte nur seine Enkel. Er erlaubte mir vieles, er war ein großzügiger und lieber Mensch. Aber ihren Tod konnte er nicht erlauben, es wäre sein Tod gewesen. Kann ich ihm das antun, jemanden der alles für mich tat? Meine Taten zur Not deckte, mich schütze, andere verleumdete für mich? Der der mir immer beistand? Nein Robere. Aber ich hätte es tun müssen. Denn so wie Ansgar Deinen Vater tötete, tötete Dave meinen Bruder - seinen Vater. Hätte ich diese Verseuchten nur gefressen, dann wäre Dunwin niemals gestorben. Es mag aus meinem Mund lächerlich klingen, aber ich fühlte mich kaum einer Person jemals so nah. Er hat mich... verstanden und akzeptiert wie ich bin. Nicht mal meine Frau oder mein Mann tun dies. Arbo gab ich bei der Baronin persönlich ab, damit sie ihn aufzog. Sie ist keine Kinderfresserin, sie steht auf ausgewachsenes Fleisch. Wo wäre er sicherer, als bei einer Frau die zur Verteidigung mich fressen würde? Und ich lebte beim Stab größtenteils. Also gab ich ihn hier ab und wusste ich habe den Sicherheitsabstand einzuhalten. Ich war Arbo nah und doch meilenweit entfernt. Aber er war sicher, ich habe meine Aufgabe erfüllt. Wie stets, also fast immer. Darum gehört Dave mir. Tekuro bedeutet Wanderer«, antwortete Arch.

Robere
»Mein Vater hatte eine poetische Ader, wie es scheint. Das hab ich nicht von ihm geerbt. Ich mag meinen Namen, meinen richtigen. Nenn mich nicht Robere. Nenn mich Tekuro. Und die, die meinen anderen Namen gewöhnt sind, sollen mich Robby nennen, aber nicht Robere, diesen Namen hasse ich. Den haben sie mir im Waisenhaus aufgedrückt, weil er auf der Liste gerade an der Reihe war. Wir werden zusammen speisen, wie noch nie jemand zuvor gespeist hat. Du wirst dich an Dave laben und ich an Ansgar. Wann, Archibald?«

Archibald von Dornburg
»Jederzeit Tekuro. Ich bin jederzeit zur Jagd bereit. Nur sei Dir über eines im klaren, Ansgar oder Dave tötet man nicht im Vorbeigehen. Das liegt nicht an ihnen selbst, denn wenn man nahe genug heran kommt, unterschreitet man einfach die Grenze, wo sich eine Person noch verteidigen kann. Es liegt an ihrem Umfeld. Ich habe in Naridien die Herde um Dave schon etwas ausgedünnt, zwei von ihnen habe ich erledigt. Eine Frau, die meinte sich mit mir im Schwertkampf messen zu müssen. War lustig, sie war sogar recht gut, gute Anlagen, erstklassige Reflexe... einige Jahre mehr und gutes Training und sie wäre hervorragend geworden... hätte ich sie nicht abgeschlachtet«, lachte Archibald. »Und dann war da dieser Rakshaner um den es mir fast leidtat. Hach das war eine Marke. Ich habe mich in seinem Zimmer versteckt als Fledermaus und mich auf sein Bett fallen lassen. Und er erzählte so nett mit mir, er dachte ich wäre das Haustier eines durchgeknallten Goblins. Der hat wohl eine Ratte. Und er erzählte und erzählte. Belustigender Weise bat er mich, niemand davon zu erzählen, dass er mit einer Ratte redete - also verwandelte ich mich zurück und versprach es ihm... und dann saugte ich ihn aus. Er schmeckte herrvorragend, wie Kaffee und Schokolade und es gefiel ihm ausgesaugt zu werden. Ist auch ein geiles Gefühl, ich weiß es selbst. Er war zärtlich zu mir, bevor er starb. Und danach war er weiß wie sein Laken. Irgendwie lustig oder? Für einen Rakshaner, vor Schreck war er weiß, vorher schwarz wie ein Brikett. Lecker war er. Sie haben mich überall gesucht, hatten Angst ich würde sie beißen. In jeder Ritze haben sie nachgeguckt... nur dem Rakshaner ins Maul, da hat keiner hineingeschaut und so wartete ich und wartete... bereit Nummer drei zu holen... einen fetten weißen Ork, als Kasimir mein Meister auftauchte und dem Spaß ein Ende bereitete. Er ist ein klein wenig Humorlos«, erklärte Arch.

Robere
»Archibald, ich bin sehr gut und ich habe keine Angst vor ihnen. Klar gibt es noch Bessere, die gibt es fast immer. Einem Schwertmeister habe ich wenig entgegenzusetzen in der direkten Konfrontation, aber dann dürfen wir eben keinem begegnen. Sag mir, was ich tun soll und sag mir, wer sterben muss, damit wir an die Hurensöhne herankommen und er wird sterben. Ich kann es nicht erwarten, Archibald, ich war noch nie so begierig, wen umzulegen, noch nie so hungrig. Wenn du bereit bist, aufzubrechen, dann brechen wir auf! Für die Vorarbeit können wir Hilfe mitnehmen, deine Töchter und deinen Sohn. Sie sind zuverlässig und ich habe Arbogast was versprochen. Hilft dein Meister uns?«

Archibald von Dornburg
»Er wird uns nicht helfen, denn er heißt die Jagd nicht gut. Er sieht es etwas anders, aber niemand schadet ihm, da ich diesem Mann meine Segnung verdanke. Wer bin ich seinen Weg in Frage zu stellen? Wir werden zum Herrenhaus reisen, dort wo alles begann, dort wo alles endete und dort werden wir beten und uns von den Ältesten inspirieren lassen, wer zuerst sterben soll. Dann muss ich bei einem lieben Freund vorbeischauen. Und ich muss bei Linhard vorbeischauen. Er ist Dunwins Nachfolger, es wird Zeit dass er begreift, dass Ansgar und Dave seine Feinde sind. Aber ich denke, dass kann ich ihm erklären. Das Herrenhaus steht in Shohiro und war stets die Heimat der Hohenfelde seit dem sie in Naridien leben. Das Haus ist etwas ganz besonderes, dort ist es beständig dunkel, ich liebe es. Nun dann zieh Dich an wir brechen auf«, sagte Arch. »Das gilt auch für Euch beiden Nori und Arbo«, erklärte Archibald, was Nori breit grinsen ließ. Arbogast schaute Robby an und nickte ihm dankbar zu.

Robere
Sich umzukleiden ging schnell, da Robere dies von der Leibgarde gewöhnt war. Innerhalb weniger Minuten war er komplett angezogen und das Bett, auf dem er gesessen hatte, wieder frisch gemacht und der Brief seines Vaters wieder an Ort und Stelle, ebenso der Teppich. »Aber ich hab keine Waffen. Die darf ich nicht mitnehmen, die muss ich immer wieder in der Waffenkammer abgeben. Ein Messer und eine Armbrust wären gut.« Arbogasts Nicken quittierte er, indem er kaum merklich zurücknickte. »Wer ist der Freund, den du außer Linhard noch besuchen willst? Und sollen wir dabei sein? Du musst mal Ansage machen, du bist jetzt hier der Coutilier.«

Archibald von Dornburg
»Ich glaube kaum, dass ich Dir eine Ansage machen muss, wenn ich einen wegstecken möchte. Was ist ein Coutilier? Erkäre es mir. Du bist schnell, dass gefällt mir, ich gehe mich selbst umziehen und wir werden uns im Herrenhaus bewaffnen. Waffen, Gifte, alles was wir benötigen. Etwas für unterwegs holen wir aus meinem Quartier«, erklärte Arch und blieb kurz stehen um Robere zu mustern. »Die Düsterlinge die wir dort treffen, sind nicht unsere Feinde, merkt Euch das«, sagte Arch und verschwand in seinem gegenüberliegenden Quartier. Er ließ die Tür offen, falls die drei nachkommen wollten. Er zog sich rasch an, schnallte sich sein Katana auf den Rücken und vermisste zeitgleich sein Jian. Er nahm einen Säbel und eine Repetierarmbrust aus seinem Waffenschrank und begab sich wieder zu den anderen. »Für Dich«, sagte er zur Robere und drückte ihm die Waffen in die Hand. »Shohiro wir kommen«, grinste er sein messerscharfes Grinsen und Nori erwiderte es mit gleicher Intensität. Arbo überprüfte ob er seinen Dolch dabei hatte, dann richteten sich alle Blicke auf Robere.

Robere
Robere nahm die Repetierarmbrust entgegen, prüfte, wie sie in der Hand lag und war mehr als zufrieden. Das war keine Billigarmbrust aus Evalon, so viel war sicher, sie fühlte sich nach almanischer Qualitätsware an. Er schlüpfte in den Gurt und legte die Waffe so auf seinen Rücken, dass sie nicht störte. Weitere Bolzenmagazine legte er sich an dem dafür vorgesehenen Gürtel um die Hüfte. »Wir können«, antwortete er und bedauerte, dass sein Grinsen mit seinen Stumpfen Pflanzenfresserzähnen nicht halb so imposant aussah wie bei Archibald oder Nori.

Archibald von Dornburg
»Dann rücken wir ab«, befahl Archibald und ging vor, dicht gefolgt von Nori. Arbogast wartete und schloss sich dann Robere an.

Arbogast
»Danke für Deinen Beistand, ich werde mich an Dich halten. Ich bin gespannt auf das Haus«, sagte Arbogast. Er ließ sich ein Stück zurückfallen und nahm einen Schluck aus der Flasche ehe er sich wieder den anderen anschloss.

Robere
Robere warf einen kurzen Blick in die Kammer seines Vaters, als sie daran vorbei gingen. Als Arbogast wieder aufschloss, mit aufgefrischtem Schnapsatem, rempelte Robere ihn gut gelaunt mit der Schulter an. »Wir sind Brüder, schon vergessen? Ich werde nicht der Einzige sein, der mit neuen Zähnen heimkehrt.« Sie stiegen die Treppe hinauf zur Himmelsröhre. Wolken verdeckten den Sternenhimmel und aus dem Hafenbecken stank es nach Unrat und Tod, als die vier Menschenfresser sich ins nächtliche Getümmel mischten.
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#4

Beitrag von Tekuro Chud » Do 19. Jul 2018, 01:31

Archibald von Dornburg
Die Nacht war frisch und klar, so wie die Gedanken und Pläne von Archibald. Er fühlte sich gut, er konnte sich kaum noch daran erinnern, wann er das letzte Mal in einer Gruppe gejagt hatte. Eine Gruppe hatte Vor- und Nachteile. Sie bot Schutz, aber wo sich jeder auf den anderen verließ, konnte die Wachsamkeit schneller nachlassen, als wenn man auf sich allein gestellt war. Arch musterte seine Leute, seine Familie korrigierte er sich. Dies hier war keine gleichberechtigte Gruppe, er war der Vater dieser Beißer-Kleinkindgruppe. Bis auf Nori hatte sich noch keiner von ihnen die Zähne verdient. Und Nori selbst, so listig, brutal und effektiv sie war, war noch ein ganz junger Backfisch. Wieviele Menschen hatte sie erbeutet? Maximal 50 wenn es hoch kam. Arch musterte sie dennoch mit einem stolzen Schmunzeln und schenkte ihr ein Grinsen. Ein nonverbales Kompliment in ihrer Welt. Ein freundliches Lächeln, dass war eine tödliche Drohung. Ein Zähnefletschen war ein »toll gemacht« oder »ich hab Dich lieb«. Sie waren eine ganze Zeitlang unterwegs und wie Robere feststellte, kam die Gruppe schnell und vor allem ungehindert voran. So anonym wie stets behauptet wurde, waren die Bewohner von Obenza wohl doch nicht. Sie verließen die berühmt berüchtigte Hafenstadt und kamen einige Stunden später in Shohiro an. Arbogast des Laufens müde, deutete mit flehenden Blick auf eine Taverne. Die Nacht war mittlerweile schwarz, als sie in die Gaststube einkehrten. Arch setzte sich mit seinen Küken an einen Tisch in der hintersten Ecke. So konnte sie kaum jemand sehen, aber er hatte genau im Blick, wer den Laden betrat und verließ.

Robere
Robere hatte der lange Marsch nichts ausgemacht, er hatte die Abwechslung genossen. Er wollte neben Arbogast sitzen, der ziemlich erschöpft wirkte. Robere setzte sich freiwillig nach außen, um seinen neuen Bruder abzuschirmen, der nicht wehrhaft aussah. Nachdem die bestellten Getränke geliefert worden waren, fragte Robere: »Wo sind eigentlich eure Mütter? Deine, Arbo und deine, Nori?«

Archibald von Dornburg
Nori: »Meine Mutter hat mich ausgetragen und dann abgegeben. Sie hat mich vor die Tür eines Tempels gelegt. Dort bin ich die ersten Jahre aufgewachsen. Es ist nicht so, dass sie uns lieben Robere. Kinder sind unschuldig. Du, Arbo, Arch oder ich wir können nichts für unsere Zeugung. Aber dennoch wird es an den Schwächsten ausgelassen. Solange sie uns nur weggeben ist es irgendwie ja noch gut. Aber dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass es eine Macht im Hintergrund gibt, neben den Ordensbrüdern, die über mich wacht. Sie trat bis dato nie in Erscheinung, aber ich wurde anders behandelt, mit mehr... Respekt. Niemand schlug mich für Verfehlungen, niemand schrie mich an. Ich bekam meine Aufgaben, ich lernte, ich arbeitete schon früh, aber keiner legte Hand an mich. Und als ich 16 Jahre alt war, lernte ich »die Macht aus dem Hintergrund« persönlich kennen. Archibald holte mich aus dem Tempel und ich wusste ohne dass man mir es sagte, wer es war. Er war es gewesen der mich beschützt hatte. Sie kannten die Konsequenzen was es bedeuten würde mir zu schaden. Es war ein beruhigendes Gefühl zu wissen, das dort draußen irgendwo etwas oder jemand ist, der ein wachsames Auge auf einen hat. Aber dennoch als kleines Mädchen sehnst Du Dich danach einmal in den Arm genommen zu werden, oder jemanden von Deiner Angst erzählen zu können. Das geht bei uns nicht Robby, dass bleibt dem Kind eines Kinderfressers verwehrt. Hätte er mich umarmt, hätte er mich dabei getötet. Aber er war, auf seine eigene Art und Weise. Und damit war er für mich sicher mehr Vater, als so mancher Mann, der ständig zugegen ist, den seine Kinder aber nur lästig sind oder jene die sich gar nicht kümmern. Als ich 16 Jahre alt war, wurde ich sozusagen neu geboren, da ich die Augen öffnete, er mich mitnahm und mir unsere Welt zeigte. Seit dem jage ich«, erklärte Nori und nippte von ihrem Getränk.

Robere
Robere nickte knapp. Zu dem Wunsch, in den Arm genommen zu werden, sagte er nichts. »War bei mir ähnlich, nur ohne dass es eine Macht gab, die über mich wachte. Meine Mutter hat mich in einer Kiste mit Stroh vor dem Waisenhaus abgelegt, einer beschissenen Apfelkiste. Deine Mutter war Tarul? Wo ist sie jetzt? Sie genoss Archibalds Gunst.«

Archibald von Dornburg
Archibald musterte Robere und grinste breit. »Wo glaubst Du wohl ist eine Person, die mir gegenüber wortbrüchig wurde? Du bist frei, wenn Du mein Kind austrägst und großziehst. Sie hat sie weggegeben, also habe ich Tarul geholt und gefressen. Sie hat ihr Schicksal selbst gewählt. Es war ein Deal, sie hat ihn gebrochen und leider auf Kosten von Nori. Aber dennoch ist sie gut groß geworden. Und nein, eine Umarmung kann es nicht geben. Allein das Gefühl der weichen Haut unter den Fingerspitzen, der Geruch, die Größe, dass würde schlagartig Hunger auslösen. Ich konnte Dich nur auf die Entfernung lieb haben. Beschützen ohne Kontakt. Dir erging es nicht besser Tekuro. Die Freiheit von uns hat einen Preis. Deine Mutter wollte ihn genauso wenig zahlen wie die von Nori oder Arbogast. Einzige Ausnahme die ich kenne, unter allen von uns ist meine Frau Merna. Sie war tatsächlich meine Frau, wir liebten uns, auf andere Weise... und sie zog unser Kind groß. Es ist immer so, fast immer, sei nicht traurig darüber. Du wirst es eines Tages ebenso halten oder erleben«, sagte Arch und ließ den Blick dabei durch den Raum schweifen.

Robere
»Ich? Nein. Ich werde keine Kinder haben. Aber ich dachte ... ich dachte Tarul würde noch leben. Ich dachte, mein Vater meint, ich würde der Welt ... ihren Tod schulden. Dass er es verschlüsselt hat. Ich hab den ganzen Marsch über darüber nachgedacht, was er meinte. Es klingt, als ob er was nicht aussprechen wollte. Aber dann muss er wen anders gemeint haben. Wo ist Arbogasts Mutter? Arbo, sag was. Hat die auch jemand aufgefressen?«

Arbogast
»Also ich weiß nicht wo meine Mutter abgeblieben ist. Meine Fresse ist das hier heiß in dem Saftladen! Ich benötige was zu trinken oder zur Abkühlung, am Besten beides. Ich weiß nur, dass Archibald mich bei der Baronin abgegeben hat. Sie hat mich großgezogen, wie eine Oma die ihren Enkel aufzieht. Sie und die anderen waren stets gut und lieb zu mir. Ich bin im Zirkel groß geworden, das ist mein Zuhause. Meine Mutter, keine Ahnung«, sagte Arbo stand auf, latschte zur Theke und kam mit einem großen Schnapsglas zurück. Arch musterte ihn eisig mit Argusaugen, während Arbo trank. Der Blick verhieß nichts Gutes.

Robere
Robere entging der Blick nicht. Er fragte sich, ob er sich auf das Thema der Mutter von Arbogast bezog oder darauf, dass dieser sich einen riesigen Schnaps geholt hatte. Robere beschloss, ahnungslos zu tun und bohrte nach, er würde ja dann anhand der Reaktion sehen, ob er an etwas rührte, woran nicht gerührt werden durfte. »Wer war deine Mutter?«

Arbogast
Arbogast nahm einen großen Schluck von den eiskalten Schnaps und ließ ihn einen Moment wirken. Er spürte wie die Flüssigkeit heiß seine Kehle herablief, obwohl sie eisgekühlt war. Eisiger war nur der Blick seines Vaters, der ihn für diese Schwäche verachtete. Wie hatte Arch einmal auf seine seltsame dreiste Art gesagt? Alkohol löst keine Probleme Du Idiot... denn Alkohol konserviert. Damit hatte er wohl Recht, aber die Probleme die er hatte, konnten nicht gelöst werden und konserviert waren sie von ganz alleine. Er konnte sich die Welt aber etwas angenehmer zaubern und dazu gehörte meist ein guter Schluck oder etwas anderes, dass seine Sinne in andere Sphären pustete. Er grübelte so vor sich hin, als er einen knallharten Tritt vors Schienbein kassierte, der ihn sofort zurück ins Hier und Jetzt beförderte. Arch nickte mit einer knappen herrischen Geste in Richtung Robere. Stimmt! Sein Bruder hatte ihn etwas gefragt und er war beinahe auf den Wellen der Glückseeligkeit seines Schnapes davongetrieben. »Meine Mutter war eine von Archibalds Sammelobjekten. Was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht. Ich weiß nicht mal ihren Namen...«, sagte Arbo und nahm wie zum Trotz noch einen großen Schluck, rutschte aber ein Stück rüber, so dass Arch ihn nicht erneut treten konnte.

Robere
»Hast du die gefressen, Arch?«, wollte er wissen und machte etwas Platz, damit Arbogast seinem Vater ausweichen konnte.

Archibald von Dornburg
Arch grinste kurz. »Es kam wie es kommen musste, sonst hätte Arbo nicht in die Obhut der Baronin gemusst. Ich kann nur eine Offerte unterbreiten, ein Angebot darlegen, wer nicht möchte - der hat schon. Und zwar sein Schicksal gewählt. Sie war nicht einmal eine Auserkorene, die mir dienen sollte, sie war wie Arbo sagte ein Teil der Sammlung, der eh irgendwann abgestoßen wird. Aber ich hätte mich großzügig und erkenntlich gezeigt, hätte sie das Angebot angenommen. Ich bin schließlich kein Unmensch. Schau wie ich mich um meine Lieben kümmere, oder um meinen verlogenen Mann, der mich nach Strich und Faden hintergeht und betrügt. Aber tue ich ihm etwas zu Leide? Nein, ich weiß er kann nichts für seine Schwäche. Und ich dulde es und verzeihe ihm. Er ist eben recht weich, nicht nur körperlich. Falls Ihr den Namen wissen wollt, ich weiß selbst nicht den Namen von Arbos Mutter. Ich frage nicht danach, es interessiert mich nicht wie jemand heißt. Im Gegenteil ich verabscheue es, wenn mir mein Schnitzel seinen Namen nennt. Das überschreitet wirklich eine Grenze und zwar die des guten Geschmacks. Wortwörtlich, da bleibt einem der Bissen im Hals stecken. Drum möchte ich es nicht hören oder wissen. Es sei denn, ich empfinde mehr für mein Objekt. Dann behalte ich es aber auch. So wie Simon... Oh... woops... Simon.... ja nach dem sollte ich mal gucken. Den habe ich irgendwo vergessen. Habe Simon seit er vier ist, lieber Bursche, zu lieb. Wir haben ihn zu einem Vampir gemacht, damit er den Rest des Leben oder Unlebens frei verbringen kann. Wolframs Haus! Bei den Eier der Ältesten, da habe ich den Dämlack vergessen. Erinnert mich dran, dass ich ihn auf dem Rückweg abhole, falls er nicht schon verfault ist«, stöhnte Arch.

Robere
Robere hörte Archibald aufmerksam zu. »Ich hab ... meinem Schnitzel sogar extra einen Namen gegeben, weil ich seinen nicht wusste. Ich mag das nicht, dieses anonyme Fleisch. Ich will wissen, wen ich in mich aufnehme, wer ein Teil von mir ist. Sonst ist es nicht anders, als wenn ich ein Viech fresse.«

Arbogast
Arbogast musterte Robere und wartete gespannt wie angespannt auf die Antwort seines Vaters. Beruhigend tippte er dabei Robby unter dem Tisch an. Er schob sein Schnapsglas in die Mitte, falls dieser ein Schluck nehmen wollte.

Robere
Robere nahm sich das Glas und trank einen großzügigen Schluck. »Du musst auch mal was anderes trinken. Steig auf Bier um.«

Archibald von Dornburg
Archibald lachte leise auf Robbys Kritik hin. »Du hast nichts anderes getan als ich kleiner Wanderer. Du hast Deine Fleischspende weder nach ihrem Namen gefragt, noch hat sie ihn Dir genannt. Du hast ihm Deinen Namen gegeben, Du hast ihm Deinen Stempel aufgedrückt und so hast Du ihn Dir einverleibt und wirst ihn ewig in Erinnerung behalten. Ich sagte, dass mich ihre Namen nicht interessieren. Ich persönlich benenne meine Kinder auch, die ich erlöse und aufnehme. Aber ihre eigenen Namen, die sind uninteressant für mich. Mehr noch, sie sind... hm bedrohlich... es schmeckt mir nicht das zu hören. Das zieht eine unsichtbare Grenze. Eine Grenze die einen nicht von dem Objekt fernhält, sondern es macht sie einem auf irrationale Art vertraut. Fast so als hat ein Name Macht, so als löst er eine Beißhemmung aus. Vielleicht liegt in Namen auch Macht oder Magie. Oder in der Benennung des Elternteils, die jenen Namen gewähren. Die Namen die wir verleihen sind auch nicht bedeutungslos nicht wahr? Drum den wahren Namen kann ich Dir von kaum einer meiner Objekte sagen. Einige sagte ihn mir, als sie um ihr Leben flehten und ich weiß sie leider bis heute noch. Ebenso ihre Gesichter, die sind eingebrannt. Ebenso erinnere ich mich an die Gesichter meiner liebsten Objekte und an ihren Geschmack«, lachte Arch.

Robere
»Aber ich hätt seinen echten Namen gern gewusst«, beharrte Robere. »Es zieht keine Grenze ... es löst sie auf. Verstehst du, wie ich das meine? Geschmäcker sind verschieden. Ich scheine ein Schleckermaul zu sein. Bitte erzähl mir was über mein Vater ... er war kein guter Jäger. Aber ich möchte mehr über ihn erfahren. Was aß er am liebsten? Und was ganz Wichtiges. Er hat mich absichtlich gezeugt, nicht versehentlich. Das schrieb er. Wie wählte er meine Mutter aus und hast du sie ihm rangeschafft oder wie kam er an sie?«

Archibald von Dornburg
»Das Geschmäcker verschieden sind, ist eine unbestreitbare Tatsache. Hm gut es gibt Dir vermutlich ein vertrautes Gefühl, den wahren Namen einer Person zu kennen oder? Liege ich da richtig? Und dass hebt für Dich die Grenze auf. Mir gibt es das gleiche Gefühl, aber ich fresse niemanden, den ich mir vertraut gemacht habe. Ich fresse niemanden aus meiner Familie. Und ich verabscheue es aufs Tiefste, wenn sich jemand so versucht in meine Gedanken oder mein Leben zu drängen. Wer darin Platz findet bestimme ich. Siehe Nathan, er durfte sich mir vertraut machen und er genießt meinen vollumfänglichen Schutz. Dass dazu, aber aus dem Grund wird er auch niemals gefressen oder gebissen. Höchstens mal versehentlich im Liebesspiel, dass passiert den Besten. Dein Vater Kaz war tatsächlich kein guter Jäger. Das lag aber nicht an seiner Unfähigkeit zu jagen, sondern er war ein Tölpel. Gemeinsam auf Jagd und wir hatten den Spaß unseres Lebens. Wir waren ein gutes Team, er war ausdauernd, konnte sehr gut schleichen, sich verbergen, alles was er können musste konnte er. Er hatte gute Veranlagungen und er hatte gut gelernt. Bis dato klingt dass recht gut oder? Tja, aber ein Jäger muss auch alleine loslaufen können und genau dort, lag Kazrars Problem. Er war einfach nicht in der Lage selbständig zu handeln. Er benötigte immer einen Vorbeter, der ihm permanent sagte, was er zu tun und zu lassen hat. Mit klaren Anweisungen in der Tasche arbeitete der Mann präzise wie ein Uhrwerk. Mit einer Info allein, konnte er nicht arbeiten. Allein auf sich gestellt, war er hilflos wie ein neuegeborenes Kätzen. Was mache ich wann? Wie mache ich es? Das wusste er alles, er benötigte trotzdem immer einen Marschbefehl. Ich musste ihn immer ans Händchen nehmen, anders ging es nicht. Manchmal war es sogar schön, ich gebe es zu, dermaßen gebraucht zu werden. Aber nach all den Jahren, der Lehre und der Mühe war es sehr viel öfter ernüchternd und sogar frustrierend. Ich bilde niemanden aus, damit er an meiner Seite bleibt. Ich lehre Dich alles, damit Du das Rüstzeug hast, da draußen völlig auf Dich alleingestellt zu überleben. Ich vermute genau dass war es, was Kaz nicht wollte und deshalb nie erlernt hat. Er wollte nicht gehen und da draußen auf sich alleingestellt leben müssen. Nun ich wollte es damals auch nicht und ich lernte es direkt nach meinem ersten Schrei, direkt nach meiner Geburt. Er wünschte sich der Welt mehr zu hinterlassen als seine Tagebücher und meine Meinung. Nun die war wesentlich besser, als ich ihm je offenbarte. Also schenkte ich ihm eines meiner Objekte aus dem Keller. Er durfte es sich aussuchen. Und so bist Du entstanden Wanderer«, erklärte Arch.

Robere
»Er hat Tagebücher verfasst? Ich muss sie lesen lernen! Oder jemand muss sie mir vorlesen, wenn wir wieder in der Himmelsröhre sind. Dann sind das die Bücher in seinem Regal, vermute ich. Ich will sie alle lesen! Scheiße, Archibald. Du hättest ihm jemand anders an die Seite stellen sollen, dann wäre er Jäger geworden. Er mochte dich. Du stehst zum Teil auf Kerle, vielleicht wollte er, dass du auf ihn stehst. Klar will er dann bleiben. Er hat sich absichtlich dumm gestellt. Er könnte noch leben!«

Archibald von Dornburg
»Ja die Bücher in seinem Quartier sind seine Tagebücher. Du kannst sie lesen... lernen. Oder ich lese sie Dir vor, dass ist kein Problem. Er hatte jemanden an seiner Seite und was er tatsächlich gewollt hat, hat er mir sogar gesagt. Aber ich habe ihn in meiner nicht immer sehr charmanten Art und Weise erklärt, dass es mir scheißegal ist, was er will. Er sagte einst, ich wäre wie ein Vater für ihn und ich sagte ihm, nun dass er dann schon tot wäre. Selten dass ich mir meine dummen Sprüche merke, aber den hätte ich mir verkneifen sollen. Ich hätte ihn doch nicht all die Jahre an meiner Seite geduldet, wenn er mir scheißegal gewesen wäre. Der Satz hat mich nur irgendwie auf dem falschen Fuß erwischt. Meine Eltern waren froh, mich so schnell wie möglich los zu sein. Das meine ich tatsächlich so. Und er hatte mich gerne in seine Nähe. Ich denke er sah etwas anderes in mir als nur einen Vater, wenn er das überhaupt sah. Manche Sprüche würde man sich verkneifen, könnte man die Zeit zurückdrehen, dass ist einer davon. Genauso würde ich mir mein Gesafte verkneifen, was ich meinem Mann bei unserem Wiedersehen alles an den Kopf geknallt habe. Wie fett er geworden ist, dass er bald verreckt, dass ich ihn töten werde... dabei hätte ich einfach sagen sollen was ich dachte... schön dass Du wieder da bist, ich hatte Angst um Dich. Dass kann ich Dir sagen, ohne jedes Problem. Aber sobald es Dich betreffen würde, hörst Du sowas nicht. Du hörst eine Beleidigung. Frag nicht warum, es ist einfach so...«, schmunzelte Arch.

Robere
»Weil das sonst schwul klingt«, erwiderte Robere schulterzuckend. »So was sagt man nicht, schön dich zu sehen, bla. Das wissen Freunde auch so, man muss es nicht sagen. Man sagt das Gegenteil, damit es nicht scheiße klingt. Als was hat er dich gesehen wenn nicht als Vater? Sag das mal. Ich will es wissen, ich will alles wissen. Und ich bitte dich ... dass du mir die Bücher vorliest. Ich bitte nicht oft jemanden um was. Aber da brauch ich Hilfe. Es dauert Jahre, ehe ich diese Geheimschrift flüssig lesen kann und ich möchte ... seine Stimme spüren, verstehst du?«

Archibald von Dornburg
»Ja ich verstehe dass. Als was er mich sah? Vermutlich als seinen Partner, wer teilt sich die Beute mit Papa? Wer isst gemeinsam mit Papa? Du bekommst es serviert und essen darfst Du selbst. Normalerweise isst man nicht zeitgleich. Allein schon aus Selbstschutz, er tat es gerne. Ich denke er sah mich irgendwie auf diese Art. Ich sah ihn als Mündel und als Gefährten, aber nicht als Partner wie Jesper oder Merna. Oder vielleicht doch, sonst wäre er nicht so lange bei mir gewesen und ich hätte ihn nicht in den Stab geholt. Zudem war er optisch... lecker. Er war verdammt hübsch für einen Kerl und das obwohl er so alt war. Genau es klingt seltsam, schräg und total pervers, also sagt man eine nette Beleidigung, oder versucht es. Wobei ich damit oft daneben liege. Ich zeige Dir wie er ausgesehen hat. Leider gibt es seinen Kopf nicht mehr, der wurde abgefackelt von Ansgar. Aber auf einem Gruppenbild von Dunwin ist er mit drauf. Dun und seine Stabler drumherum seine Soldaten. Wir nehmen es mit«, schlug Arch vor.

Robere
Robere hörte sich genau an, was Archibald über seinen Vater berichtete. »Vielleicht war mein Vater ja gar kein Kinderfresser ... sondern tat das, um dir zu gefallen? Vielleicht wollte er eigentlich erwachsene ... Beute. Ich will auch Erwachsene. Essen. Du verstehst. Ja, zeig mir das Bild, ich möchte gern sein Gesicht sehen. Ausgerechnet den Kopf mussten die Wichser abfackeln. Aber der Körper ... liegt er noch da? Die Gebeine? Hat er ein Grab? Bitte erzähl mir eine Geschichte. Erzähl, wie ihr euch kennengelernt habt.« Robere trank noch einen Schluck aus Arbogasts Glas und legte das Kinn auf die Unterarme.

Archibald von Dornburg
»Er hat ihm den Kopf abgeschnitten und den Kopf dann draußen im Hof abgefackelt, während sich sein kleiner Bruder Dave darüber freute wie ein Schneekönig. Verhindern konnte ich es leider nicht mehr, da der Kopf schon ab war. Und den Kopf zu retten, hätte auch nichts gebracht. Er war ein schwarzer, verkohlter, runder... Ball. Surreal so jemanden zu sehen. Kazrar aß alles gerne, von klein bis groß, dass weiß ich. Gleichgültig was ich fing, er aß mit. Und man sieht ob einer mit Freude speist, so wie Du oder ob er mäklig ist so wie Arbo die kleine Diva. Kaz war nicht mäklig, aber wir teilten die Vorliebe für zartes Fleisch. Aber Du weißt doch wie ich Kaz kennenlernte Robby!«, sagte Arch gut gelaunt und knuffte ihn fast liebevoll. »Im Zirkel Rob. Er wurde mir als Mündel zugeteilt. Kaz war neu im Zirkel und als ich heimkam und Fleisch für alle mitbrachte, da sprach er mich an. Etwas später sprach mich dann die Baronin an und teilte mir mit, dass Kaz sie darum gebeten hätte mit mir zu sprechen. Sie fragte ob ich ihn als Mündel aufnehmen würde, um mich seiner anzunehmen. Die Idee gefiel mir, mein Wissen weiterzugeben und so sagte ich zu«.

Robere
»Und wo ist der verkohlte Kopf und der Rest abgeblieben? Oder habt ihr ihn einfach ... entsorgt? Oder habt ihr ihn zu einem Teil von euch gemacht? Stimmt, das erzähltest du ... aber wie kam er zum Zirkel? Geschmäcker sind verschieden ... auch erwachsenes Fleisch kann zart sein und das ist, was ich mag. Was magst du, Arbo? Bist du wirklich so mäklig? Ich sagte doch, ich helf dir. Egal, was es ist. Du kannst es mir sagen.«

Archibald von Dornburg
»Wie er zum Zirkel kam, musst Du die Baronin fragen. Dass habe ich ihn ehrlich gesagt nie gefragt. Er war eines Tages da, als ich heimkam und die Baronin führte uns zusammen. Nein sein Körper ruht in den ewigen eisigen Gefilden des Herrenhauses. Dort wo jeder aus dem Hause Hohenfelde liegt, oder jene, die sie umbrachten und aufgehoben haben. Selbstverständlich in einem anderen Raum. Keine Ahnung ob die anderen davon wussten, mir sind die Räume bekannt durch Dunwin. Er hat seinen Bruder dort hin verfrachtet samt Familie. Und die Familie seines anderen Bruders. Der hatte unverschämterweise den Sturz vom Dach einfach überlebt. Anständige Leute wären bei so einem Sturz gestorben. Das war ein Tag, zwei Babys gebissen. Naja, darum ging es jetzt nicht, sondern um Kaz. Ich werde Dir seine Leiche zeigen. Wundere Dich nicht, er ist tiefgefroren«, sagte Arch.

Robere
»Dann ist er erhalten«, freute sich Robere. »Gut, dass ihr ihn aufgehoben habt. So kann ich ihn mir ansehen, meinen Vater. Und das Bild, dann sehe ich auch seinen Kopf, unverbrannt. Den Bruder hättet ihr nachträglich töten sollen, wenn er weg soll. Nicht rumliegen lassen, sondern ganz sicher gehen, dass einer wirklich nicht überlebt, wenn er es nicht überleben soll. Warum war Ansgar so grausam zu meinem Vater? Weil der ein bisschen mit ihm spielte? Das erscheint übertrieben.«

Arbogast
Arbogast überlegte einen langen Moment. »Na ich habe nicht immer Hunger auf Fleisch. Manchmal möchte ich gerne einfach nur Nudeln essen, Nudeln mit Soße. Aber dafür halten mich alle schon für verrückt. Da Nudeln einen auslaugen und keine Kraft schenken. Aber ab und an, geht das schon. Ansonsten wenn ich Fleisch esse, esse ich am liebsten Rippchen. Irgendwas mit viel Knochen, weil das gebraten einen sehr leckeren Geschmack gibt. So ein pures Stück Fleisch mag ich nicht sonderlich«, sagte Arbo freundlich.

Robere
»Und welches Fleisch?«, hakte Robere neugierig nach. »Wie das Mädchen aus dem Club, die du mit auf rauf genommen hast?«

Archibald von Dornburg
»Kenn einer die Menschen, woher soll ich das wissen? Ich vermute ja oder wegen seinem Bruder Dave. Dabei vergaß der liebe Ansgar, der eh nie der Hellste war, dass Dave schließlich freiwillig mitgemacht hat. Er war mein Spielzeug. Er war an meiner Seite, ich habe ihn beschützt, geliebt, versorgt, auf ihn aufgepasst, mich um ihn gekümmert. Und die kleine Drecksau hat die Feste genauso fest mit gefeiert wie jeder Soldat. Er hat mich oft genug provoziert, dass er nicht nur mich wollte. Und er bekam was er wollte. Je ein Wort der Klage? Nein. Im Gegenteil, wenn er sprechen durfte hat er ihnen die schönsten Komplimente gemacht, das kleine unersättliche Miststück. Ich sage nur 169 - seine Toppzahl. Kannst ihn ja mal fragen, was das bedeutet, falls er Dir dann nicht ins Gesicht springt. Da war es übrigens Dein Vater, der sich danach seiner liebevoll annahm und ihn gereinigt und gesäubert hat, weil der Vollpfosten kaum noch laufen konnte. soviel zum Thema Dankbarkeit«, knurrte Arch.

Arbogast
Arbo lachte leise. »Die habe ich nur gebumst und nicht gebissen. Hey ich kenne sie schon lang und es ist eine Gute. Die macht auch nur ihren Job. Fleisch mit Knochen, wo der Knochen den Geschmack abgibt beim Braten. So wie Rippchen, oder Kotlett, oder Beinscheibe. Die esse ich total gerne gekocht. Aber dazu brauche ich dann wieder Suppe und Gemüse. So mag ich mein Essen. Du und Arch Ihr seid Rohköstler, ich mag es nicht roh. Ich esse es gerne zubereitet und gebraten«, sagte Arbo und trank noch einen großen Schluck

Robere
»Das frag ich ihn. Das und vieles andere, aber auch Ansgar. Sie haben meinen Vater nicht verdient und dich auch nicht. Die Schweine hatten mehr von dir und Kazrar als Arbogast und ich von euch hatten. Wir hatten nichts von euch. Ich hab wenigstens jetzt was von dir, aber von meinem Vater hatte ich gar nichts und der kleine Scheißer hat ihn dafür umgebracht, dass Kaz für ihn da war. Lasst uns aufbrechen. Genug gelabert. Ich will meinen Vater sehen.« Robere stand auf, trank Arbogast den Rest seines Schnapses weg, packte ihn am Rücken an der Kleidung und zerrte ihn auf die Füße. »Wir teilen uns Ansgar. Du kriegst die Rippen, wenn du sie so gerne isst und dann kannst du sie mit Nudeln und Gemüse zubereiten. Du, Archibald, kriegst auch was ab, da du mir all dies sagtest. Und Nori kann den Schwanz und die Eier haben, da sie mir den Brief meines Vaters vorlas.« Robere drängte sich als erster durch die Menge in Richtung Tür, damit sie sein Gesicht nicht sahen.
"Not all those who wander are lost."
J.R.R. Tolkien

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