Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Die Höhle der Löwen

Rollenspielbereich für das Projekt von Dimicus. Shattered World ist inhaltlich von Asamura unabhängig.
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Dimicus

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Die Höhle der Löwen

#1

Beitrag von Dimicus » Mi 30. Mai 2018, 11:03

Die Höhle der Löwen


Es war einmal wieder einer dieser Tage, welche nur vor Ruhe und Langeweile strotzten. Im Lager „Sonnenschein“ brannte die Hitze wie jeden gottverdammten Tag im Ödland. Die Gefangenen wurden über den Hof gerieben, gequält und zu den widrigsten Arbeiten eingesetzt. Eigene, wertvolle Männer- und Frauenleben auf das Spiel zu setzen, um Materialien aus Ruinen zu fördern oder aber neue Granaten zu bauen, kam niemanden in den Sinn. Letzten Endes hatte es das Dreckspack nicht anders verdient. Eine allgemeingültige Meinung, die sich bei der Neuen Ordnung durchgesetzt hat. Eine Philosophie, die das Recht des stärkeren und reinen Blutes bewahrte.

Mitten in einem Büro, zwischen den geschundenen Seelen die in diesem Lager auf ihren Tod warteten, saß Oberst Alexander Reitzik. Höchster Befehlshaber des Lagers und für alle Belange zuständig. Das bedeutete meist viel bürokratische Scheiße, kaum Entspannung und unzählige Überstunden. Sein Leben war das Lager. Das Lager war sein Leben. Kaum zu denken, dass er noch vor zwei Jahren ein normaler Soldat der Aufklärungseinheit war. Seine Frau war zwar kaum begeistert von seiner Versetzung, aber er hatte keine andere Wahl gehabt. Wenn die Ordnung rief, beugte man sich ihr oder trug die Konsequenzen davon.

So saß Alexander mal wieder sinnlos hinter seinem Schreibtisch und füllte den Papierkram aus. Neben ihm eine Flasche Schnaps, die einem der Gefangenen abgenommen und eigentlich vernichtet werden sollte. „Scheiß auf das Alkoholverbot“, hatte er zu sich gemurmelt, als er die Flasche von den Listen verschwinden und in seine Tasche hat gleiten lassen. Die Ordnung konnte einem nicht alles verbieten. Auch wenn Alexander ihnen treu war, Gesetze und Regeln waren durchaus sehr dehnbar.

Plötzlich durchbrach ein verheißungsvolles Klopfen an seiner Tür die Stille seines Raumes. Schnell verstaute er den Schnaps und dazugehörige Glas in einer seiner Schublade. „Herein!“, befahl er, blickte auf und schaute, wie sich einer der Gefreiten zum Vorschein trat. Der Bube war sicherlich nicht älter als 25, stellte aber das perfekte Ideal eines Soldaten der neuen Ordnung dar. Groß, muskulös und athletisch. Obendrein ordentlich.

„Oberst! Ich bitte zum Vortreten und Abgeben eines außerplanmäßigen Berichtes!“ Der junge Kerl hatte Feuer und Disziplin in sich. Alexander musterte ihn von Kopf bis Fuß, ehe er mit einer kreisenden Handbewegung den Soldaten zum Sprechen aufrief. „Soeben ist ein Transporter mit drei Gefangenen an den Toren erschienen. Sie erwarten auf Ihren Befehl zum Einlass und der Inspektion der Gefangenen.“ Ein Gefangenentransporter, zu diesem Tag? Es war nichts vorgesehen gewesen. Kurz blickte Alexander die Dokumente durch und sah keinen Termin für die Überlieferungen von Gefangenen. So viel zur Ruhe.

Alexander nickte nur, worauf der Gefreite salutierte und wegtrat. Schnell die Mütze und Pistole gegriffen, rückte Alexander ebenso aus, um diesen unerwarteten Besuch in Augenschein zu nehmen. Entlang durch kalte Betongänge, vorbei an schweren Stahltüren, zur großen Tür über der „Ausgang“ in roten Lettern prangte. Direkt hinaus in die Stahlröhre, welche aus einem Stahlgeflecht bestand. Rechts und links beobachtete Alexander Gefangene durch das Stahlgeflecht, wie sie sich sammelten oder arbeiteten. Die meisten von ihnen waren schmutzige Ödländer, die es gewagt hatten, sich der neuen Ordnung zu widersetzen. Wenn sie an diesen Ort kamen, bedeutete das immer ihr Tod. Dafür sorgte Alexander höchstpersönlich. Zumindest hatten sie aber vor ihrem Ableben einen Nutzen.

Schon aus der Entfernung erblickte Alexander den geparkten Lastwagen am Torhaus des Lagers. Umringt von ein paar Soldaten der Ordnung, wurden drei Gefangene von der Ladefläche des Trucks gestoßen und auf ihre Knie gezwungen. Man bereitete sie für Alexanders Ankunft vor. Dieser hatte die Röhre durchquert und die Gittertür zum Torabschnitt des Lagers überwunden. Bewusst ließ er seine Schritte streng auf den Boden knallen, präsentierte sich von seiner strengsten Seite. Rücken gerade, Brust heraus, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Das übliche Prozedere. Den Meisten machte es Angst, doch die drei Gefangenen wirkten völlig desinteressiert. Sie blickten ihn nicht an, sondern starrten in der Umgebung umher, als ob dieser Ort einen Freizeitpark darstellte.

Augenblicklich trat einer der Soldaten an ihn heran, salutierte und erstattete Bericht: „Wir haben diese drei Ödländer in der Nähe aufgegriffen und gefangen genommen. Ihre Gegenwehr erfolgte durch Beschuss. Wurde erfolgreich und ohne Verluste niedergeschlagen. Keine Verletzten.“ Keine Verletzten? Das schien ungewöhnlich. Offenbar hatten diese Männer nicht getroffen, weshalb die Soldaten der Ordnung die Gefangenen einfach im Nahkampf überrumpeln konnte. Doch einer von denen war ein Riese! Wie hatten seine Männer das geschafft?

„Oberst Reitzik?“, sprach einer der jüngeren Soldaten, der an Alexander herantrat. Einen Moment musste dieser überlegen, wer der Soldat war, doch die Erinnerung kehrte sofort wieder zurück. Landolf war sein Name. Vor ein paar Wochen hatte man ihn in der Nähe des Lagers aufgegriffen, ohne Wasser, Bewaffnung oder seiner Gruppe. Er hatte von einem Angriff berichtet, bei dem diese getötet worden war. Knapp nickte Alexander auf die Anwesenheit Landolfs und erlaubte ihm das sprechen. „Diese Männer sind für den Tod von guten Soldaten verantwortlich, ebenso wie für den Verlust wertvoller Ausrüstung. Sie waren diejenigen, die meine Gruppe ausgelöscht hatten.“ Plötzlich ging ein Raunen durch die Reihen der Soldaten. Die Männer vor ihnen auf dem Boden grinsten, wurden aber im nächsten Moment auf den Boden geprügelt.

Deren Anwesenheit und einfache Gefangennahme stellten ein Paradoxon dar. Wie waren diese Männer in der Lage, einen Transporter voll mit trainierten und ausgebildeten Männern zu überfallen, wenn sie nicht einmal richtig treffen konnten? „Holt sie auf die Knie hoch“, befahl Alexander schließlich, worauf die Gefangenen im Nacken gepackt und ihr Blick auf Alexander forciert wurde. „Wie sind eure Namen?“, fragte er fordernd. Seine Stimme bebte. Im Hintergrund zuckte einer seiner Männer zusammen. Darauf folgte Stille. Alle Anwesenden verharrten am Fleck, niemand wagte es die Ruhe zu brechen, die unregelmäßig von Brüllen und Schüssen im Hintergrund untermalt wurde.

Alexander hob seinen Kopf leicht, ohne jedoch den Blick von den Gefangenen abzuwenden. Seine Hände ballten sich zu Fäuste. Diese Art von Abschaum, welche nicht sprechen wollte. Das Warten hatte Alexander schnell satt. Mit geballter Faust verpasste er aus dem Nichts dem schlaksigen Typen einen Haken. Unter seiner Kraft hörte Alexander etwas Knacken. Blut spritzte. Es folgte ein schmerzerfülltes Stöhnen. Sofort sackte der Körper regungslos zusammen. Bewusstlos. Auch das noch. „Landolf?“, fragte Alexander, jedoch ohne seinen Blick von den Gefangenen abzuwenden.

„Ja Oberst?“, ertönte es von seiner linken Seite.

„Kannst du dich an den Kerl erinnern, der die Truppe anführte, welche du beschrieben hast?“ Nun blickte Alexander dem jungen und treuen Mann entgegen. Dessen Fokus legte sich auf die Gefangenen, welche alle nun wesentlich finsterer dreinblickten. Nach nur wenigen Sekunden zeigte er auf den eher durchschnittlichen Kerl von den Dreien.

„Der da, Oberst Reitzik“, ertönte es schließlich aus Landolfs Mund. Darauf musterte Reitzik den Mann von Kopf bis Fuß. Seine Ausrüstung war nicht auf einen offenen Kampf ausgelegt. Offensichtlich jemand, der sich zurückhielt. Im Gegensatz zum Bullen zu seiner Rechten trug er ausschließlich eine leichte Schutzweste. Der Bewusstlose hatte viele Taschen an seiner Weste, einige davon trugen das Zeichen eines roten Kreuzes. Offenbar der Sanitäter.

Nachdem Alexander seine Musterung abgeschlossen hatte, blickte er zu seinen Soldaten auf. Ein Nicken genügte um zu signalisieren, dass sie die Gefangenen auf ihre Beine heben und abführen sollten. Den bewusstlosen Sanitäter nahmen zwei Soldaten an jeweils Kopf und Füße. „Gut. Den da“, Reitzik deutete auf den Mann in leichter Schutzweste, „bringt jemand in den Verhörraum. Der Rest kommt in die vorübergehende Gewahrsam, bis wir mehr wissen. Landolf, du kommst mit.“ Ohne ein weiteres Wort setzte sich Alexander in Bewegung, dicht gefolgt von Landolf, dem Gefangenen der verhört werden sollte und der Soldat der Ordnung, der diesen begleitete. Den Rest brachte man auf direktem Wege ins Lager. Sie wurden gesondert von allen anderen Gefangenen in eine Baracke gebracht, um dort später untersucht und auf ihre Tauglichkeit untersucht werden. Besonders aus dem Hünen konnte man sicherlich eine gute Arbeitskraft machen.

Eisiges Schweigen herrschte zwischen den Vieren, während sie nun durch die kalten Gänge des Verwaltungsgebäudes schritten. Zu gut erinnerte sich Alexander noch daran, wie diese Anlage einst ein Militärlager war, welches als Umschlagpunkt genutzt wurde. Kurz bevor alles kollabierte und die Hölle losbrach.

„Oberst?“, riss ihn eine Frage aus seinen Gedanken. Landolf, der Gefangene und Soldat blickten ihn irritiert an. Er war wohl ganz automatisch vor ihrem Ziel zum Stillstand gekommen, hatte sich aber nicht mehr geregt.

Für einen Moment kreiste Alexander mit seinen Schultern und räusperte sich. Mal wieder waren die Erinnerungen von früher hochgekommen. Schließlich kramte Reitzik einen Schlüsselbund aus seiner Tasche, ehe er den richtigen Schlüssel zu suchen begann. „Wird's mal“, ertönte es plötzlich in einer fremden Stimme. Alexander blickte den Gefangenen an, der schon im nächsten Moment einen schlag mit dem Gewehrkolben von in die Magengruben von Landolf kassierte. Unter Stöhnen sackte er zusammen, wurde jedoch von dem Soldaten hinter ihm aufrecht gehalten.

„Es kann ja doch sprechen“, lächelte Alexander, während er die Tür zum Raum aufstieß. Seine Hand griff links an einen Lichtschalter, welcher nach sanftem Druck nachgab. Die Leuchtstoffröhren erwachten mit einem Schluckauf zum Leben und tauchten den Raum vor ihnen in ein kaltes Weiß. „Landolf, du übernimmst. Du, wegtreten.“ Augenblicklich wechselten der Soldat und Landolf die Position, ehe der Soldat salutierte und sich von ihnen entfernte. Nun zu dritt betraten sie den Raum, in dem Alexander bereits einige Männer sitzen und beobachtet hatte. Ganz zu schweigen von der schmutzigen Arbeit, die er jedoch zu gern verdrängte.

Spartanisch eingerichtet wäre für diesen Raum ein Kompliment gewesen. Kalte, graue Wände wie der Komplex auch. Ein zentraler Stahltisch, auf dem Handfesseln angebracht waren. Stühle standen um diesen. Trockene Blutflecken auf Boden und Tisch zeugten von den Dingen, die in diesem Raum geschahen. Was dort passierte, blieb auch dort. Doch die Menschen die hinein und wieder heraustraten, waren stets eine andere Person. „Mach ihn fest. Löse seine Arme und fessle sie auf dem Tisch.“

„Jawohl Oberst!“ Sofort ging Landolf ans Werk. Alexander hielt sich ein Stück zurück, sah dem jungen Soldaten bei seiner Aufgabe zu. Der Gefangene leistete keinerlei Widerstand. Brav ließ er sich fesseln. Kein Zeichen von Beißen, Schlagen, Treten, Kratzen. Irgendwas schien faul. Selbst Landolf machte den Eindruck, dass die Ruhe, welche dieser Gefangene ausstrahlte, ihn selbst verunsicherte.

Kaum war der Gefangene gefesselt, trat Landolf von seinem Werk zurück und schaute zu Alexander. Dieser nickte zur Bestätigung. Der Kerl konnte nun weder Aufstehen, seine Gliedmaßen bewegen noch sich in irgend einer Art und Weise wehren. Und doch strahlte er so eine Entspannung aus, während jeder Andere vor ihm mit Flehen, Jammern und Panik geantwortet hatte. Auch Alexander wurde diese Situation unangenehm, auch wenn er es besser zu verbergen wusste als Landolf. Diesem hingegen wies er mit einem Deut an, auf einem der gegenüberliegenden Stühle vom Gefangenen Platz zu nehmen, worauf er selbst folgte. Sie konnten nun Beide in die stahlgrauen Augen des Gefangenen blicken. Dieser erwiderte ihre Blicke mit ausgewachsener Ruhe. Hatte er sich mit seinem Schicksal abgefunden?

Neben ihm spürte er, wie Landolf mit seinen Fingern spielte. Er schien nervös. Ein Gedanke hatte ihm heimgesucht. Man konnte ihm ansehen, dass er am gesamten Leib zitterte. Doch bevor Alexander nur ein Wort sagen könnte, schmiss Landolf seinen Stuhl nach hinten und brüllte: „Du elendes Stück Scheiße aus dem Ödland! Was du und dein Zirkus mit meinen Männern gemacht haben ist eine Gräueltat! Und jetzt sitzt du hier und schaust uns mit aller Seelenruhe an?!“ Gerade noch erkannte Alexander ein Blitzen aus seinem Augenwinkel, da schossen seine Arme aus Reflex nach vorn. Im letzten Moment hielt er Landolfs Klinge auf, die nur wenige Millimeter vom Arm des Gefangenen entfernt war.

„Soldat! Reiß dich zusammen und setze dich!“, befahl Alexander. Dabei ließ er seine Stimme ruhig und dennoch bedrohend klingen. Sein Blick traf sich mit Landolfs, dessen Augen Hass und Wut ausdrückten. Ein Mundwinkel des Gefangenen zog sich nach oben.

„Warum? Damit ich diesem Hurensohn in die Augen sehen muss? Jenes Arschloch, dass meine Männer auf dem Gewissen hat?!“ Der Druck unter Alexanders Hand wurde stärker, doch hielt er diesem mit Leichtigkeit stand. Dennoch erhob auch er sich und kam in Augenhöhe mit Landolf.

Langsam schüttelte Alexander mit dem Kopf. „Dieser Mann wird für seine Verbrechen bezahlen. Jetzt setze dich und halte deine Klappe.“

Augenblicklich verzog sich die Miene Landolfs. Er presste seine Zähne zusammen. Seine Kiefermuskulatur trat hervor, jedoch wurde der Druck unter Alexanders Händen schwächer. Schließlich ließ Landolf davon ab und steckte sein Messer weg. Doch war es nicht seine Stimme, die die Stille brach. „Verbrechen die ich begangen haben soll? Habt ihr euch einmal umgeschaut?“ Ein angedeutetes, sarkastisches Lachen kam von der gegenüberliegenden Seite des Tisches.

Sowohl Alexander als auch Landolf richtete ihren Blick auf den Mann vor sich. „Du hältst dein Maul. Du hast nur auf meine Fragen zu antworten. Und du Landolf setzt dich auf deinen Arsch.“ Zumindest waren sie einer Meinung und setzten sich. Der Gefangene gab kein weiteres Wort von sich. Stattdessen durchbohrte sein Blick die Beiden erneut.

„Wie heißt du?“, fragte Alexander letztlich, als die Situation abgekühlt war.

Der Gefangene schien einen Moment zu zögern. „Daniel“, ertönte es aber dann. Ein klassischer Name.

„Nun Daniel, du bist in Konflikt mit einer unseren Patrouillen geraten und wurdest gefangen genommen. Doch mich stört da ein kleines Detail an der Geschichte.“ Alexanders Blick richtete sich auf Landolf, der auf seinem Stuhl herumrutschte. Für einen Moment überlegte er, ihn herauszuschicken, doch er war zu wichtig für das Verhör.

Mit einem Schulterzucken kommentierte Daniel die Aussage. Sicherlich wartete er auf dessen Fortführung. „Wie kommt es, dass jemand wie deine Gruppe einen schwer bewachten Transport von Gütern knacken kann, sicher aber von unserer leichten Patrouille fassen lässt?“ Alexander konnte sehen, wie das Feuer in Daniels Augen entfacht wurde. Seine Lippen verzogen sich zu einem gehässigem Grinsen. Doch nicht einmal eine Sekunde später verhärtete sich sein Gesicht wieder.

„Ich schätze, da hatten meine Jungs und ich schlichtweg Pech. Passiert.“ Sofort meldete sich Alexanders Bauchgefühl, dass etwas mit dieser Aussage nicht stimmte.

„Ihr wart zu fünft. Wo sind die anderen Beiden?“, fragte wie aus dem Nichts Landolf, der ohne Alexanders Erlaubnis gesprochen hatte. Doch die Dynamik zwischen den Männern war seltsam zu beobachten. Landolf war aufgebracht über den Verlust seiner Männer, während Daniel seine Tat mit Richtigkeit rechtfertigte. So ließ Reitzik Landolf gewähren.

Doch die Antwort Daniels blieb unbefriedigend: „Welche anderen Beiden? Keine Ahnung wovon du redest. Wir müssen dir wohl ziemlich eins über den Schädel gezogen haben.“ Instinktiv legte Alexander eine Hand auf Landolfs Schulter. Darunter spürte er große Anspannung der Muskeln, die sich unter seiner Berührung jedoch auflöste. Aber auch Alexander merkte, dass Daniel offensichtlich log. Allerdings war diese Lüge so salopp formuliert, dass sie gar kein Versuch war, die wahre Information zu verschleiern. Sie diente einem anderen Grund.

„Ihr werdet wohl kaum zu dritt einen schwer bewachten Transport erfolgreich überfallen und nur Landolf als Nachricht am Leben gelassen haben. Wir können gern der Wahrheit nachhelfen, wenn dir das lieber ist“, entgegnete Alexander, zog dabei sein Messer aus der Scheide und legte dieses auf den Tisch. Landolf tat es ihm gleich, auch wenn er den Griff seiner Klinge umklammert hielt. Doch davon ließ sich Daniel offensichtlich nicht beirren. Wie ein vergnügtes Schulmädchen kicherte er Alexander und Landolf entgegen.

Langsam beugte sich Daniel nach vorn, zumindest so weit es ging und drehte den Kopf etwas zur Seite. Dabei funkelte er Alexander direkt an. „Die Wahrheit? Keine Sorge, die werdet ihr kleinen Schweinchen von der neuen Ordnung noch früh genug erfahren. Ich bin mir sicher, dass sie sehr bald an eurer Tür klopfen wird.“

Irritiert blickten sich Landolf und Alexander an. Das schwummrige Bauchgefühl in Reitziks Magen breitete sich über seinen gesamten Körper aus. Die Wahrheit, welche an der Tür klopfen sollte.

Plötzlich riss Alexander die Augen weit auf. Er hatte verstanden was Daniel vor hatte. Die gesamte Zeit! Dieser verdammte Hurensohn! „Landolf, laufe schnell zu-“

Ein plötzliches Beben erschütterte den Boden, als gedämpft der Knall einer Explosion zu hören war, welche gigantisch sein musste. Das Licht flackerte über ihren Köpfen. Die Geräusche von Schüssen drangen schlagartig im Sekundentakt durch die Wände des Verwaltungsgebäudes.

Dieser clevere Mistkerl. Daniel setzte ein breites Grinsen auf, offensichtlich wissend, dass Alexander es verstanden hatte. Der Ödländer hatte mit seinen Freunden Zeit geschunden. Eine Spur gelegt. Direkt zum Lager. Und niemand hatte darauf geachtet. Eine weitere Explosion dröhnte durch die Wände. Der Putz fiel von der Decke. Was für ein hirnrissiger Bastard. In diesem Moment hatte Alexander Respekt vor Daniel.

„Landolf, nimm den nächsten Buggy und fahre zur Hauptstadt. Drehe nicht um und gehe jedem Feind aus dem Weg. Verstanden?“ Alexander blickte nach oben zu Landolf, der bereits aufgesprungen und sich seine Waffe geschnappt hatte. Knapp nickte dieser nur, warf Daniel einen letzten Blick des Hasses zu, während er durch die Tür verschwand.

Eine dritte Explosion erschütterte das Lager. Es hatte exakt drei Funkmasten, um mit der Außenwelt zu kommunizieren. Was für ein schlauer Bastard.
Vielen Dank an Sanni der Avatarschmiede für das schicke Profilbild!

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