Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Skorpionbrut

Souvagne ist politisch neutral und hat sich als einziges Großherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt.
Großherzogtum Souvagnen
Das almanische Großherzogtum Souvagne ist geprĂ€gt von sanfte HĂŒgeln, auf denen Weinbau betrieben wird, fruchtbaren Feldern und weiten Obstplantagen. Souvagne hĂ€lt sich aus Kriegen grĂ¶ĂŸtenteils heraus und hat sich als einziges Großherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt. Stattdessen setzt Duc Maximilien Rivenet de Souvagne auf politische NeutralitĂ€t. Von allen Herrschern ist er der GemĂ€ĂŸigtste. Die Grenzen Souvagnes wurden inzwischen grĂ¶ĂŸtenteils durch eine Wallanlage gesichert. Nur erlesenen Personen ist die Einreise nach strengen Kriterien noch gestattet.
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Skorpionbrut

#1

Beitrag von Robere » Mi 13. Jun 2018, 10:21

In diesen Geschichten wird die Vergangenheit von Robere beleuchtet und was ihn zum Schwarzen Skorpion werden ließ.

Kapitel 1 - NestkÀlte

Skorpione gebĂ€ren ihre Jungen in einem Erdloch. Wenn sie zur Welt kommen, gleichen sie ihren Eltern anatomisch so sehr, dass sie Miniaturen von ihnen sein könnten. Vom Beginn ihres Lebens an sind sie mit Scheren, Stacheln und Panzer versehen. Nichts Niedliches ist an ihnen zu finden, sie betteln nicht nach Nahrung, weinen nicht und fordern keine Liebe. Stattdessen zehren von ihren Körperreserven, wĂ€hrend sie geduldig auf die erste HĂ€utung warten. Dann verlassen sie, noch winzig, ihre Mutter und leben auf sich allein gestellt. Mit jeder HĂ€utung wird der Panzer hĂ€rter, die Scheren kraftvoller und der Stich tödlicher. Vom Beginn seines Lebens an ist ein jeder Skorpion ein JĂ€ger und mit allem ausgestattet, was er zum Beutemachen braucht. Vor allem anderen aber - Geduld. Und die FĂ€higkeit, die extremsten Umweltbedingungen durch pure ZĂ€higkeit zu ĂŒberstehen.
Robere wurde im Jahr 167 nach der Asche in einer Umgebung geboren, die kaum freundlicher als das Erdloch eines Skorpiones war. Aufruhr herrschte damals in Souvagne, die Krone wurde bedroht von den Agenten der Autarkie. Die einstige Elitetruppe, gegrĂŒndet um Recht und Ordnung zu sichern, war zur grĂ¶ĂŸten Bedrohung der inneren Sicherheit erwachsen. Es kam zu monatelangen Unruhen. Ein Staatsstreich durch die Agenten konnte gerade noch verhindert werden, indem man sie mit Gewalt niederschlug. Dies war das Ende der Agenten der Autarkie, die allesamt auf dem Schafott landeten, und das Ende der Unruhen im Land. FĂŒr Robere und viele andere jedoch kam die einkehrende Ruhe zu spĂ€t. In den unsicheren Monaten vor der Zerschlagung des Ordens hatte es in den unteren Bevölkerungsschichten viele Eltern gegeben, die ihre Kinder nicht lĂ€nger bei sich behalten konnten und er war eines von ihnen. Ungeachtet der Witterung wurde er als SĂ€ugling in einer mit Stroh ausgelegten Kiste vor der TĂŒr das Waisenhauses Saint Amaury abgestellt. Zumindest war das die Version, mit der man ihn und auch seinen besten Freund und Wahlbruder BoldiszĂ r abspeiste, der mit ihm dieses Schicksal teilte.
Sie beide waren die einzigen Kinder des Heims, die man namenlos abgestellt hatte, ohne jeden noch so geringen Hinweis auf ihre Herkunft. Die Mönche, die das zu einem Tempel gehörende Waisenhaus leiteten, hatten sie anhand einer Liste benannt und jene Namen zugewiesen, die als NĂ€chstes an der Reihe waren. Eine Nummer hĂ€tte es nach Roberes Empfinden ebenso getan. Er hatte seinen Namen stets gehasst. Schließlich hatte BoldiszĂ r die naridische Form â€șRobbyâ€č vorgeschlagen, die er von Marktbesuchen her kannte und damit konnte er besser leben.
Möglicherweise war das gemeinsame Schicksal, der blinde Fleck ihrer Herkunft, die Grundlage ihrer Verbundenheit. Robere und BoldiszĂ r nannten sich gegenseitig BrĂŒder. Theoretisch war es möglich, dass sie tatsĂ€chlich BrĂŒder waren. Der Gedanke, einen großen Bruder zu haben, gefiel Robere. Und auch Boldi fĂŒhlte sich in seiner Rolle als Vorbild und AnfĂŒhrer wohl. Die Rolle des BeschĂŒtzers aber nahm nicht er wahr, sondern der drei Jahre jĂŒngere und einen Kopf kleinere Robere. Nicht, weil Boldi unbedingt einen nötig gehabt hĂ€tte, jedoch war sein kleiner Bruder eindeutig der RĂŒcksichtslosere und Brutalere von ihnen. Wenn er andere Kinder maltrĂ€tierte, um Ihren Gehorsam zu erzwingen, dann im besten Gewissen, BoldiszĂ r damit etwas Gutes zu tun. Andere Wege, seine Zuneigung auszudrĂŒcken, kannte Robere nicht, so wurde er ein zuverlĂ€ssiger Vollstrecker und WĂ€chter. Anschließend stießen sie ihre FĂ€uste aneinander und BoldiszĂ r gab ihm, um den Sieg zu feiern, eine seiner selbstgedrehten Rauchstangen. Qualmend saßen sie in ihrem Versteck hinter dem Holzschuppen und fĂŒhlten sich sehr erwachsen.
An seine Kindheit erinnerte Robere sich, abgesehen von der engen Freundschaft mit Boldi, nur wenig, obwohl er erst sechsunddreißig war und sein GedĂ€chtnis tadellos funktionieren sollte. Es war, als ob sein Geist diese Zeit aus seiner Biografie streichen wollte, als sei er schon immer der Leibgardist gewesen, zweiter Mann von UnitĂš B, als sei er schon mit RĂŒstung und Bewaffnung zur Welt gekommen, wie die Skorpione es taten. Nein, mit dem Thema Kindheit wollte Robere möglichst wenig zu tun haben und er konnte Kinder auch nicht leiden.
Entsprechend gab es nur sehr wenige Ereignisse aus dieser Zeit, an die er sich im Detail erinnerte. Eines davon war jener Tag, als BoldiszĂ r krank wurde. Nicht nur ein wenig, mit Schnupfen und Heiserkeit, sondern todkrank.

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Re: Skorpionbrut

#2

Beitrag von Robere » Sa 16. Jun 2018, 22:43

Kapitel 2 - Beißwerkzeuge (Teil 1)

Neun Jahre war Robere alt und Boldiszàr fast zwölf.
Wie es sich fĂŒr BoldiszĂ r gehörte, der die Kinder des Waisenhauses anfĂŒhrte, war er aufgrund einer Verletzung krank geworden, die er sich im Kampf mit einem anderen Jungen zugezogen hatte. Bei solchen Auseinandersetzungen ging es fĂŒr die VerhĂ€ltnisse von Kindern sehr brutal zur Sache, denn es ging um nichts weniger als das Überleben in dem verarmten Waisenhaus, das sich hauptsĂ€chlich ĂŒber Spenden finanzierte. Meist ging es dabei um Essen, aber insbesondere in der kalten Jahreszeit auch um Kleidung. Diesmal jedoch ging es um all dies zusammen - um den Platz an der Spitze der erbarmungslosen kindlichen Hackordnung.
Antoine hieß der Rivale, der genau so alt und so stark wie Boldi war, aber keinen Robere hatte, der durch seine BrutalitĂ€t die Kinder fĂŒgsam machte. Lange hatte Antoine auf eine passende Gelegenheit warten mĂŒssen. Schließlich war der Zeitpunkt gekommen. Robere war gerade zur Strafarbeit in der KĂŒche abgestellt und BoldiszĂ r stand allein hinter dem Holzschuppen, um heimlich zu rauchen. Mit seinen elf Jahren war er in dem Alter, das Waisenhaus bald verlassen zu mĂŒssen. Antoine schlich nĂ€her. Zuvor mussten alte Rechnungen beglichen werden.
Antoine hatte sich aus Holz ein Messer geschliffen. Das Besteck aus der KĂŒche wurde akribisch kontrolliert und nach den Mahlzeiten von jedem einzeln eingesammelt, denn Eisenbesteck war teuer. Aber auch dieses Messer wĂŒrde seinen Zweck erfĂŒllen. Er kam von hinten, schlug mit der Faust an BoldiszĂ rs Kopf vorbei und riss dann die Klinge zurĂŒck in seine Richtung. Boldi war vollkommen ĂŒberrumpelt und konnte den Kopf nicht rechtzeitig wegreißen. Das Messer traf ihn in den Mund und Antoine fetzte es seitlich weg. Ein Bogen aus rotem Blut spritzte gegen den Holzschuppen. Das Messer hatte BoldiszĂ rs Wange ĂŒber die komplette Breite durchtrennt, vom Mundwinkel bis zu den BackenzĂ€hnen. BoldiszĂ r fuhr mit seinem aufgeschlitztem Gesicht herum und kĂ€mpfte um sein Leben. Es wurde eine heftige PrĂŒgelei, aber am Ende gelang es ihm, Antoine zu vertreiben. Stark blutend kehrte er ins Innere des Hauses zurĂŒck, aufrecht gehend und nicht weinend. Dieser Anblick, wie BoldiszĂ r sich ohne von der Verletzung beeindrucken zu lassen, durch die TĂŒr schritt, prĂ€gte sich fĂŒr immer in Roberes GedĂ€chtnis ein. Er wurde von tiefem Respekt erfĂŒllt. In seinen Augen war BoldiszĂ r genau so ein Skorpion wie er selbst, nur, dass sein Bruder nichts davon wusste. Kein Skorpion vergoss TrĂ€nen oder bat um Hilfe und so tat auch Boldi es nicht. Er wusch eigenhĂ€ndig seine Wunde sauber und legte sich ins Bett, bis ein Mönch kam, um nach ihm zu sehen. Robere saß all die Zeit ĂŒber bei ihm auf dem Fußende des Bettes, schweigend, wachend.
Nun war das Waisenhaus wegen der Unruhen in den Jahren 167 und 168 ĂŒberfĂŒllt. FĂŒr die Kinder gab es nur die notdĂŒrftigste Versorgung. Ein Mönch, der in der Heilkunst bewandert war, erbarmte sich, die Wunde zu nĂ€hen. Das gestaltete sich als schwierig, denn wegen der vergleichsweise geringen SchĂ€rfe des Holzmessers war die Wange mehr zerfetzt worden als zerschnitten. Die vernĂ€hte Wunde sah kaum besser aus als der klaffende Spalt. Die Narbe entzĂŒndete sich und wollte nicht heilen. Kein KrĂ€utersud, kein Tee und kein Gebet verschaffte Linderung.
Bald lag BoldiszĂ r mit Fieber im Bett und vermochte nicht mehr, zu den Mahlzeiten im Speiseraum zu erscheinen. Er konnte aufgrund der Wunde nicht sprechen und als Robere ihm aufhelfen wollte, schĂŒttelte er nur schwach den Kopf. Das machte Robere Angst. Und langsam begannen die Kinder, sich Antoine zuzuwenden.

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