Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt. Die ĂŒberlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der SchlĂŒssel zur Herrschaft ĂŒber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. WĂ€hrend die Almanen auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die GeheimbĂŒnde der Schatten sehen in der Magie die mĂ€chtigste Waffe und fĂŒr die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Foxtrot [One-Shot]

Rollenspielbereich fĂŒr das Projekt von Dimicus. Shattered World ist inhaltlich von Asamura unabhĂ€ngig.
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Dimicus
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Foxtrot [One-Shot]

#1

Beitrag von Dimicus » Mo 25. Jun 2018, 21:38

Foxtrot


Dieses verdammte Stolpern und Wackeln des Transporters ging Maximilian schon immer auf die Nerven, besonders wenn es in die AußeneinsĂ€tze außerhalb urbanen Gebietes ging. Aber natĂŒrlich musste er mal wieder den KĂŒrzeren gezogen haben und somit zu einer dieser Routinemissionen ausrĂŒcken. Doch wenn der Genosse General zu diesem monatlichen Einsatz ausrief und man einer der "AuserwĂ€hlten" war, die sich diesem anschließen durften, meckerte man lieber nicht herum. Schließlich hatte man alles und sollte ein wenig Dankbarkeit zeigen. Auch wenn Maximilian den GTK Boxer am liebsten generalĂŒberholt sehen wollte. Doch fĂŒr SonderwĂŒnsche waren die Mittel nun einmal nicht da.

So saß er da, Foxtrot Sieben der Codename fĂŒr die Mission, zwischen acht weiteren MĂ€nnern auf den BĂ€nken im Inneren des Transporters. Zum GlĂŒck haben die Ingenieure und Mechaniker Sichtluken eingebaut, sonst wĂ€re er in dem Ding noch ganz kirre geworden. Abgesehen von der Hitze, war die stickige Luft in dem Transporter beinahe greifbar. Doch wen wunderte es, wenn acht schwerbewaffnete MĂ€nner dort saßen. Manchmal beneidetet Maximilian den Fahrer und Kommandanten vorn im Cockpit. Die hatten es ein wenig zugiger und durften sogar den Granatwerfer auf dem Dach bedienen.

„Wir sind nur noch fĂŒnf Minuten vom Abwurfpunkt entfernt. Bereitmachen und AusrĂŒstung prĂŒfen. Denjenigen, den ich mit offenen Schutzanzug oder gesicherter Waffe draußen sehe, darf die nĂ€chsten vier Wochen das Scheißhaus putzen“, ertönte es im Funkkanal durch die in die SchutzanzĂŒge eingebauten FunkgerĂ€te. Foxtrot 1, der Oberfeldwebel der Gruppe Foxtrot, konnte ein ziemliches Arschloch sein, aber immerhin ist unter seiner FĂŒhrung noch niemand verreckt. Und weil sich niemand traut uns anzugreifen, fĂŒgte Maximilian gedanklich an.

Ein Raunen ging durch den Transporter. An jeder Ecke raschelte und klickte es. Jeder Mann ĂŒberprĂŒfte sein Gewehr, ein serienmĂ€ĂŸiges und gepflegtes HK416, mit Griff, Visier und SchalldĂ€mpfer. Auch Maximilian zog nach, prĂŒfte die Kammer des Gewehres und die FĂŒllung seiner Magazine. Als er befand, dass alles in Takt war, klemmte er sich das Gewehr zwischen die Beine und ĂŒberprĂŒfte seinen Anzug. Magazine saßen richtig am Körper, ÜbergĂ€nge von Handschuhen und Stiefel zum Anzug waren ordnungsgemĂ€ĂŸ verklebt und den im Anzug integrierten Helm samt Gasmaske zog er sich zuletzt ĂŒber.

Erneut durchbrach ein Funkspruch in die integrierten CommTacs: „Erwartete Ankunftszeit: eine Minute. BereitschaftserklĂ€rung. Foxtrot Eins bereit.“ Sofort folgte „Foxtrot Zwei“, darauf die Drei und so weiter. NatĂŒrlich meldete sich Maximilian mit seinem Codenamen, worauf sich bis einschließlich die Zwölf alle gemeldet hatten. „Gut. Wir alle kennen den Auftrag, dennoch eine kurze Zusammenfassung. Wir werden inmitten einer Senke in der WĂŒste den Luftnachschub anfordern, sichern und zurĂŒckbringen. Es darf keine Zeugen geben. Jeder der sich dem Punkt nĂ€hert oder in Sichtweite ist, muss auf der Stelle exekutiert werden. Foxtrot Drei bis Zehn werden den Bereich sichern. Foxtrot Elf und Zwölf verladen den Nachschubabwurf. Gibt es noch Fragen?“

Stille war das Einzige, was Foxtrot Eins zu hören bekam. „Gut. Dann bereitmachen. Waffen entsichern. In zehn Sekunden geht es los.“ Darauf erstarb das CommTac mit einem Knistern. Die Anspannung schlich sich in die Gesichter der Soldaten. Auch wenn es ein Routineeinsatz war, dennoch blieb das Risiko nie aus. Auch Maximilian verkrampfte bei dem Gedanken, da draußen könnte gleich etwas Geschehen. Das Ödland war in keiner Weise mehr mit der Welt von vor 30 Jahren vergleichbar. Die MĂ€nner erhoben sich und stellten sich in der Mitte auf. Ihre Gewehre hingen an Gurten um ihre HĂ€lse, die HĂ€nde jedoch direkt am Griff und Abzug. NatĂŒrlich galt die Abzugsdisziplin, weshalb jeder den Finger neben dem Anzug hatte. Vor Daniel war Foxtrot Sechs. Auf seinem Schutzanzug in WĂŒstentarn prangte auf dem RĂŒcken ERU. Jene Bezeichnung, die auch jeder andere auf seinem RĂŒcken hatte. Schließlich ging ein Ruck durch den Transporter. Der Motor erstarb. Dann pumpte die Hydraulik und die Heckklappe öffnete sich. In routinierter Manier schritten sie auf die tote Erde des Ödlandes.

Die schweren Stiefel knallten auf die Erde. Es war entsetzlich heiß in der prallen Sonne. Maximilian schwitzte, kaum hatte er den Transporter verlassen. Sein Ziel war klar. Wie die Anderen der Gruppe Foxtrot positionierte er sich in die nördliche Himmelsrichtung. Foxtrot Sechs und Acht richteten sich nach Nordwest und Nordost aus. Der Kessel in dem der der GTK Boxer und der Lastkraftwagen Multi, aus dem im nĂ€chsten Moment Foxtrot Elf und Zwölf ausstiegen. Nach vorn war nichts außer die gĂ€hnende Leere der WĂŒste zu sehen. Maximilian legt sich auf den Boden und blickt durch sein Visier.

„Platziere den elektromagnetischen Rauch. Der Vogel kreist bereits und wirft das Paket ab. ETA zwei Minuten.“ Die Stimmung ist angespannt. Niemand durfte den Nachschubabwurf sehen. Ausgenommen der ERU, wusste niemand in Deutschland, dass Flugzeuge ĂŒber Deutschland kreisten und die ERU ĂŒber die Vorratslieferungen und Labormittel zugesandt bekam. Maximilian wollte sich gar nicht vorstellen, welche Hölle losbrach, bekĂ€men es die Wilden des Ödlands mit, oder gar diese Fanatiker der Neuen Ordnung. Die stehen schon eine ganze Weile unter der Beobachtung der ERU, doch noch haben sie sich nicht zu einer Bedrohung klassifiziert.

Allgemein war, wie Maximilian fand, das Ödland von Menschen durchzogen, die wie Wilde wirkten. Er musste bei dem Gedanken an einer frĂŒheren Erinnerung grinsen, als er bei einer Erkundungstour Leute entdeckte, die mit Fellbekleidung, Keulen, Speeren und Bögen ausgerĂŒstet durch das Ödland zogen, erspĂ€ht hatte. Seltsames Volk an der OberflĂ€che. Dann noch diese Möchtegernregierungen und „Reiche“ die sich bildeten. Keiner hatte auch nur ansatzweise eine Ahnung, was in der Welt tatsĂ€chlich geschah.

„Eagle One meldet Sichtkontakt mit Zielpunkt. Bereit zum Abwurf des Pakets. Bereitschaft BestĂ€tigen, over.“ Der Funkspruch des Flugzeuges kam ĂŒberraschend. FĂŒr einen kurzen Moment blickte Maximilian in den Himmel. Das Einzige, was sicher zu erkennen war, wirkte wie eine Fliege am Himmel.

„Foxtrot Eins bestĂ€tigt Bereitschaft. GrĂŒnes Licht zum Abwurf. Wiederhole: GrĂŒnes Licht zum Abwurf. Over.“ Selbst die Stimme des Genossen Oberfeldwebels wirkte nervös. Nur ein Routineeinsatz sagte sich Maximilian und richtete seinen Blick wieder in die WĂŒste. Dann war Funkstille. Die Stille verstĂ€rkte die zuvor angespannte Stimmung weiter. Maximilian musste die Neugier niederkĂ€mpfen, in den Himmel zu schauen und das Paket zu erspĂ€hen. Sein Anteil an der Mission war wichtig. Konzentriere dich, du hast das schon hundert Mal gesehen. Dann erneut ein Funkspruch, allerdings von Foxtrot Eins: „Paket ist in Sicht. GeschĂ€tzte Landezeit: eine Minute. Stellung halten und verdĂ€chtige AktivitĂ€ten melden.“ Schlagartig atmete Maximilian aus. Erst zu diesem Zeitpunkt fiel ihm auf, dass er die Luft angehalten hatte.

Die Sekunden vergingen quĂ€lend langsam. Über sich hörte er das Flattern des Fallschirms, an dem das Paket angebracht war. Seine Ferse juckte. Langsam hob Maximilian den rechten Fuß an und kratzte sich mit diesem an der Ferse. Das Gewehr behielt er dabei fest an die Schulter gepresst. Augen gerade aus. Das Atmen nicht vergessen. Ruhig bleiben. Nur ein Routineeinsatz. Dann hörte er hinter sich einen dumpfen Aufschlag. „Paket ist angekommen und wird verladen. Stellung halten“, hallte es im Funk wieder. Dann Stille.

Plötzlich ein Nießen.

Maximilian streckte den Kopf nach oben. Sein Blick ging nach rechts. Nach links. Keiner der MÀnner hat genossen. Ihm selbst war auch nichts entglitten. Mehrere Male blinzelte er. Doch dann tat er es als eine Einbildung ab, lockerte den Körper und blickte erneut durch das Visier. Einatmen. Ausatmen. Entspannen.

Schlagartig ein weiteres Nießen. Zwei Mal hintereinander.

Erneut reckte sich Maximilian nach oben. Sein Blick ging in alle Richtungen, doch es war nichts zu sehen. Nur er schien es gehört zu haben. Foxtrot Elf und Zwölf beluden den Multi. Eins und Zwei unterhielten sich offenbar. Von da kam es nicht. Langsam erhob sich Maximilian, das Gewehr im Anschlag. „Foxtrot Sieben, hast du etwas gesehen?“, erklang sofort die Frage durch das CommTac. Doch blieb er stumm, wartete mit seiner Antwort. Er wagte sich einige Schritte nach vorn, ehe er abrupt stehen bleiben musste.

Vor seinen FĂŒĂŸen breitete sich ein kleines Erdloch aus, welches er zuvor nicht gesehen hatte. Es wirkte natĂŒrlich. Doch die drei Augenpaare, die ihn mit offenen MĂŒndern anstarrten, wirkten vollkommen fehl am Platz. Maximilians HĂ€nde verkrampften. Sein rechter Zeigefinger legte sich auf den Abzug. „Foxtrot Sieben, was ist da los verdammt?“ Eine Frau und zwei Kinder. Die Frau nur Haut und Knochen, die Kinder ein Gesichtsausdruck purer Angst. Ihnen wurden die MĂŒnder von den HĂ€nden der Mama zugehalten. Diese schaute Maximilian mit direktem Blickkontakt an. Wortlos flehte sie. Maximilians Blick schweifte kurz zu ein paar RucksĂ€cken, die kaum gefĂŒllt waren. Er konnte gerade einmal ein paar Konserven und zwei Flaschen Wasser erkennen.

Erneut atmete Maximilian durch. Sein Blick richtete sich auf die Frau. Ihre Lippe zitterte. Sie schĂŒttelte mit dem Kopf. „Hier Foxtrot Sieben. Habe Zivilisten in einem Erdloch unter mir entdeckt. Frau mit zwei Kindern. Unbewaffnet.“

„Eliminiere sie, Foxtrot Sieben. Wir wollen nach Hause“, antwortete es trocken von der Seite Foxtrot Eins‘.

„Sie stellen keine Gefahr dar und sind vollkommen unbewaff-„ Doch weiter kam Maximilian nicht.

„Foxtrot Sieben, fĂŒhre den Befehl aus. Du hast zehn Sekunde, oder du wirst mit ihnen exekutiert.“ Die Stimme am anderen Ende wirkte kalt. Foxtrot Sechs wandte sich ihm bereits zu und richtete das Gewehr auf seinen eigenen Kameraden. Was hatte er auch anderes erwartet?

„Ja, Genosse Feldwebel“, antwortete Maximilian stumpf. Sein Blick richtete sich auf die Frau, dann auf die Kinder, die mittlerweile zu schluchzen begonnen haben. Mit dem Daumen reichte er an die Verstellung der Feuermodi heran. Salvenfeuer. Drei Schuss pro Person. Ein schneller und schmerzloser Tod. Bevor er schoss, schluckte er schwer. Die Linke nahm er kurz vom Gewehr, streckte den Zeigefinger aus und legte ihn auf seine Lippen. Die Frau begann bitterlich zu weinen. Die Kinder folgten ihrem Beispiel.

Darauf legte Maximilian seine HĂ€nde wieder an die Waffe. Zielte in die Gruppe hinein. Und zog den Abzug durch. Drei Mal. Drei Salven, mit je drei Kugeln peitschten durch die Luft und trafen in die Grube. Schreie ertönten und verstummten in Sekundenbruchteilen. Dann war es getan. Er atmete tief ein und wieder aus. „Ziele ausgeschaltet, Genosse Oberfeldwebel.“ Ein Routineeinsatz. Routine fĂŒr den Arsch.

„Gute Entscheidung. Wir sind hier fertig. Paket ist eingeladen und bereit fĂŒr den Abtransport. Sammeln am Transporter und Abflug. Ausgezeichnete Arbeit Gentlemen.“ Augenblicklich wandte sich Maximilian ab und marschierte zurĂŒck zum Transporter. Nur nicht darĂŒber nachdenken. Misstrauische Blicke bekam er zu spĂŒren, als sie sich am Transporter sammelten. Nun stand er sicherlich unter Beobachtung. Mit Verweigerung von Befehlen landete man schnell auf die schwarze Liste. Selbst als sie zusammen in den Transporter einstiegen und die Luke sich schloss, klopfte sein Herz wild. Maximilian konnte sich kaum beruhigen.

Die Transporter setzten sich im nĂ€chsten Moment in Bewegung. Auf direktem Wege zurĂŒck mit der Fracht, keine Umwege. Es sei alles glatt gegangen, sagte Foxtrot Eins. Abermals beglĂŒckwĂŒnschte er die MĂ€nner fĂŒr die erfolgreiche Mission. Maximilians HĂ€nde zitterten. Er atmete tief ein und aus. Entspannen.

Er blickte aus der Scharte hinter sich heraus. Das Erdloch war kaum zu sehen, selbst als sie beinahe parallel zu diesem fuhren. Dann reckten sich drei Köpfe heraus. Sie beobachteten das Vehikel. Zwei kleine und ein grĂ¶ĂŸerer Kopf. Als der Boxer schließlich weiter weg war, erhoben sich in der Entfernung drei Striche, die kaum mit bloßem Auge zu erkennen waren, und machten sich in die entgegengesetzte Richtung auf den Weg.
Vielen Dank an Sanni der Avatarschmiede fĂŒr das schicke Profilbild!

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