Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Bluthexerei 1077

Asamura hat sich verändert und auch die traditionsbewussten Souvagner konnten sich dem Fortschritt nicht verwehren.
Weltenhintergrund 1077
Im Jahre 1077 nach der Asche wird Souvagne von mehreren Mauern geschützt und die Technik ist auf einem hohen Stand. Die Souvagner sind eine eigene Spezies geworden, die der Hang zur Isolation und Abschottung durch die Krisen aller rakshanischen Invasionen rettete. Aber unbeabsichtigt schufen sie dadurch eine weitere Grenze, mit der niemand rechnete: Gebeutelt von schweren Erbkrankheiten benötigen sie dringend frisches Blut - doch ihre Gene sind mit anderen Menschen nicht mehr kompatibel. Die Lösung liegt vielleicht in der Vergangenheit.
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Alexandre de la Grange
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Bluthexerei 1077

#1

Beitrag von Alexandre de la Grange » Di 4. Sep 2018, 12:51

Bluthexerei 1077

Bluthexerei ist eine defensive Magieform, die sich vor allem gegen Untote richtet. Gemäß ihrem Credo dient sie dem Schutz und Erhalt des Lebens. In einer Welt des ewigen Krieges gegen die Außenwelt bilden die Bluthexer das bewahrende Element der Gesellschaft. Während andere Magierichtungen kriegerische Synthesen mit Kybernetik und Bionik eingingen, verschrieb die Bluthexerei sich der Forschung im Bereich der Blutaufwertung. Viele namhafte Genetiker entstammen ihrem Orden. Ihre magischen Fähigkeiten sind enorm, werden jedoch ausschließlich zum Schutz der Lebenden eingesetzt und nicht zu deren Vernichtung.


Kurzfakten

- GMO (genetisch modifizierter Organismus)
- Genotyp: YY-Genom, infertil
- Phänotyp: männlicher Souvagner, sehr weiße Haut
- Reproduktion: durch In-vitro-Fertilisation
- Blutgruppe: C (Heilwirkung, toxisch für Untote)
- Psyche: oft sehr intelligent, Neigung zu psychiatrischen Auffälligkeiten

Stärken

- Blut mit Heilwirkung
- inzwischen frei von Erbkrankheiten
- robuste körperliche Konstitution.
- immun gegen Naniten-Angriffe
- immun gegen Manipulationen an der Lebensessenz (Vampirismus, Geistmagie, Nekromantie) aufgrund ihrer besonderen Gedankenstruktur

Schwächen

- immun gegen die Heilwirkung des eigenen Blutes
- Unfruchtbarkeit
- Neigung zu psychischen Erkrankungen (Neurosen)
- Inkompatibilität mit vielen Aufwertungen
- Störanfälliges Interkom
- Keine Nanotriten-Rüstung erwünscht (hinderlich für rituelle Selbstgeißelung)


Entstehung

Religion und Wissenschaft gingen in Souvagne seit jeher Hand in Hand, denn Ainuwar ist ein Gott des Verstandes. So konnte die Bluthexerei entstehen, eine religiös motivierte Magieform, die sich gleichzeitig die Errungenschaften der Gentechnologie zunutze macht, um hocheffiziente Magier heranzuzüchten. Bluthexerei ist somit eine Hybris von uralter Magie und hochmoderner Gentechnologie.

Bluthexer suchten schon zeitig nach einer ›reinen‹ Möglichkeit zur Fortpflanzung, entkoppelt von primitiven Gelüsten. Später kam noch der Zwang dafür hinzu, da sie unfruchtbar wurden. Sie waren daher von Beginn an in die gentechnische Forschung verwickelt und noch heute sind viele namhafte Genetiker auch Bluthexer.

Auch im Jahre 1077 sind Bluthexer nach wie vor aufgrund der Heilwirkung ihres Blutes und ihrer Macht über Untote von Bedeutung. Die Chips zur Regeneration werden nur von hohen Würdenträgern oder Militärs getragen, vom Duc, der Leibgarde etc. Aber auch der Chip ist kein Wundermittel. Für schwere Verletzungen sind sie wichtig, oder auch für alle die keinen Chip tragen nur ein Interkom besitzen. Bluthexer sind für alle Zivilisten von Bedeutung, um Verletzungen zu heilen, und natürlich auch, wie stets, für die Krone, wenn es um die Wiedererweckung geht.Wer auf eine Mine tritt, benötigt einen Heiler oder Bluthexer, ebenso, wenn die untote Brut sich Souvagne nähert.


Mentalität

Die bewahrenden Eigenschaften der Bluthexer stellen sie auch im Sozialverhalten unter Beweis. Das Wohl der Gemeinschaft steht für sie über dem eigenen und sie sind gern bereit, ihre eigenen Interessen dem der anderen unterzuordnen. Bluthexer gelten, sofern es nicht um eine theologische Diskussion geht, als kompromissbereit. Das macht sie als Zweitpartner in einer Ehe beliebt, wobei ihre Unfruchtbarkeit dem entgegenkommt. Ein Kuckuckskind ist somit ausgeschlossen, das Familienoberhaupt kann sicher sein, dass alle Nachkommen von ihm sind. Anders herum werden Bluthexer genau darum jedoch nur selten als Erstpartner erwählt, auch nicht wenn das Familienoberhaupt nur männliche Partner wünscht. Ein unfruchtbarer Partner ist selten im gleichen Maße respektiert wie ein zeugungsfähiger Mann. Sie spielen darum und wegen ihrer Unterordnungsbereitschaft meist nur die zweite Geige und viele Bluthexer bleiben darum auch lieber unter ihresgleichen. Aufgrund ihres hohen Bildungsstands und ihrer fanatischen Denkweise, was ihre Kunst anbelangt, wirken sie oft besserwisserisch und ihr exzentrischer Hang zur Selbstgeißelung ist nicht jedermanns Sache.

- Neigung zu Fanatismus, Neurosen und Selbstzerstörung für ›das höhere Wohl‹
- hoher Gemeinschaftssinn
- Opferbereitschaft

Die Grundlagen ihrer Lehren haben sich in all den Jahrhunderten nur marginal verändert
[Link zur alten Bluthexerei].


Gesundheit

Bluthexer sind frei von rezessiven Erbkrankheiten. Die Ursache dafür liegt darin, dass es bei ihnen im Gegensatz zum XY-Mann keine gesunden Merkmalsträger geben kann. Eine Erbkrankheit auf einem ihrer beiden Y-Chromosomen führt unweigerlich zum Ausbruch der Krankheit. Eine unbemerkte Weitergabe von Defekten ist somit ausgeschlossen, denn ein kranker Bluthexer wird nicht zur Reproduktion zugelassen. Im Gegensatz zu den übrigen Souvagnern sind Bluthexer mit einer robusten Gesundheit gesegnet, die sie jedoch oft genug im Zuge ihrer selbstschädigenden Rituale zugrunde richten. Wegen ihrer genetischen Besonderheit sind sie allerdings auf natürlichem Wege unfruchtbar und taugen daher nicht zur Auffrischung des inzuchtgeschädigten souvagnischen Erbguts. Es ist ein trauriges Paradoxon jener Zeit, dass ausgerechnet die gesündesten Souvagner sich nicht mehr auf natürlichem Wege fortpflanzen können.


Infertilität

Ein großer Nachteil war jahrelang die Unfruchtbarkeit der Bluthexer, welche künstliche Fortpflanzung notwendig machte, um die genetischen Modifikationen ihrer Linie zu erhalten. Kritiker bezeichnen sie als Sackgasse der Evolution, Befürworter entgegnen, dass sie die Grenzen der Evolution längst überwunden hätten. Inzwischen ist die künstliche Fortpflanzung gewährleistet und der Fortbestand der Bluthexer gewährleistet.

Wegen ihrer Unfruchtbarkeit sind sie bei Frauen als Geliebte begehrt und bei Männern als Ergänzung für einen weiblichen Harem, da sie die eigene Linie nicht gefährden. Im Allgemeinen sind Bluthexer jedoch sexuell zurückhaltend und sehr auf feste Partner fixiert.


Reproduktion und Aufzucht

Aufgrund der notwendigen beiden Y-Chromosomen kommen für Bluthexer nur männliche Fortpflanzungspartner in Betracht. Aus diesem Grunde sind Frauen für sie in der Regel uninteressant. Vor natürlichen Geburten empfinden Bluthexer Ekel und erachten sie als unreine und veraltete Reproduktionsmethode, die eines Souvagners unwürdig sei und obendrein die Gesundheit von Mutter und Kind gefährde.

:punkt: Variante 1 (die Norm)
In der Regel erfolgt die Fortpflanzung in einem verborgenen Bunker, wo der Bluthexer seine Blutspende abgibt, ohne genau zu wissen, was sich im Inneren abspielt. Nur bewährte Bluthexer erhalten die Ehre, dass ihr Blut angenommen wird. Im Inneren des Bunkers agieren die Behüter. Sie schaffen das neue, werdende Leben mit den sogenannten Schöpfermaschinen. Sein Blut wird dazu im Inneren der Anlage aufgewertet durch das der Behüter, welche in diesem Bunker leben. Diese sind die besten, gesündesten und fähigsten Bluthexer. Sobald das Kind geboren und die Zeit reif ist, darf der spendende Bluthexer sein Kind abholen.

:punkt: Variante 2 (selten)
Ein Bluthexer bittet den anderen um sein Blut, wenn er zum Ausdruck bringen möchte, dass er ein gemeinsames Kind wünscht. Die Blutgabe wird als Ritual gestaltet. Aus dem Blut der beiden Väter wird später im Labor das Genom gewonnen, nicht aus dem »schmutzigen« Samen. Nach dem Ritual kann es zum Geschlechtsakt kommen, muss jedoch nicht. Es gibt auch rein platonisch liebende Paare. Nach der Zeugung dauert es circa ein Jahr bis die Kinder von Geräten unabhängig überleben können.

Im Anschluss beginnt das Leben der Kinder als Novizen im Tempel des Blutes, das sie auf das Leben als Bluthexer vorbereitet. Die Väter dürfen ihre Kinder zu festgelegten Zeiten besuchen und mit ihnen die Freizeit verbringen oder diese zu sich nehmen, wenn sie alt genug sind.


Immunität gegen Geistmagie und Interkom

Geistmagischen und nekromantische Angriffe auf die Bluthexer sind zum Scheitern verurteilt. Sie haben andere Gedankenwellen aufgrund ihrer Modifizierung und eine andere Gedankenstruktur. Es wird zudem vermutet, dass ein Teil des menschlichen Geistes nur ein Spiegel der physischen Ebene ist und die Blutgruppe C auf physischem Wege zur Immunität beiträgt.

Nicht überwunden haben die Bluthexer die mentale Mauer der Souvagner. Ihre genetischen Besonderheiten machen ihr Interkom, welches für normale Souvagner entwickelt wurde, störanfällig, bei manchen Bluthexern funktioniert es überhaupt nicht. Auch andere Aufwertungen können davon betroffen sein. Grund ist die überdurchschnittlich hohe Autoimmunreaktion ihres Blutes. Eine zeitgemäße mentale Kommunikation ist für Bluthexer daher schwierig bis unmöglich.


Aktuelles

Derzeit laufen Untersuchungen, um ein künstliches Verfahren zur Auffrischung des Erbguts der inzuchtgeschädigten Souvagner zu entwickeln, bei dem wegen ihrer Robustheit und dem Fehlen von Erbkrankheiten auch die Bluthexer ein Forschungsgegenstand sind.


Historie der Bluthexerei

Phase I: Archaische Phase (bis 800 n.d.A.)
  • Magische Anreicherung des Blutes durch Ernährung und Meditation

    Der Bluthexer dieser Zeit ist ein gewöhnlicher Geistmagier. Seine blutmagischen Fähigkeiten erlangt er durch zielgerichtete magische Ausbildung. Die Besonderheit seines Blutes ist nicht angeboren, sondern wird durch Meditation erreicht, die auf die energetische Anreicherung des Blutes zielt sowie eine besondere Diät zur Optimierung der Zusammensetzung.

Phase II: Modifikationsphase (800 - 900 n.d.A.)
  • Der Körper wird dazu gebracht, selbst verändertes Blut zu produzieren

    Mit der Erschaffung der genetischen Mauer erfolgen auch erste Schritte in der Gentherapie für Bluthexer. Ziel ist, magisch hochwirksames Blut zu erzeugen. Blutbildung erfolgt im Knochenmark und an dieser Stelle setzt die Modifikation an. Um das Blut eines Menschen dauerhaft zu verändern, werden eigene Stammzellen aus dem blutbildenden Knochenmark entnommen und gentechnisch verändert. Anschließend gibt man die modifizierten Stammzellen dem Bluthexer zurück. Sein Knochenmark beginnt nun, das veränderte Blut zu produzieren. Dieses Verfahren muss bei jedem Bluthexer individuell angewendet werden. Aus jedem normalen Geistmagier kann somit ein Bluthexer erschaffen werden. Leukämie ist eine häufige Nebenwirkung und lange Zeit Haupttodesursache der Bluthexer.

Phase III: Reproduktionsphase (900 - 1012 n.d.A.)
  • Reproduktion des veränderten Organismus

    Anstatt jeden Bluthexer einzeln mit Gentherapie behandeln zu müssen, werden die genetischen Merkmale nun an die Nachfahren vererbt. Ermöglicht wurde dies dadurch, dass nicht nur die blutbildenden Stammzellen gentechnisch verändert wurden, sondern das gesamte Genom der Bluthexer und somit auch ihre Keimzellen (Spermien). Diese weitreichenden Veränderungen führten zu einer steigenden Rate an Fehlgeburten oder schwerbehinderten Nachkommen. Gesunde Kinder zu zeugen, war für die Nachkommen modifizierter Bluthexer von der ersten Generation an unmöglich*. Dem entgegen stand der Wunsch der Krone, das enorme magische Potenzial zum Schutze Souvagnes zu erhalten und weiter auszubauen, was zu einer Verstärkung der Forschungen führte.
* siehe Projekt Alexandre


Phase VI: Stabilisierungsphase (1013 n.d.A. bis Gegenwart)
  • Langfristiger Erhalt der Eigenschaften

    Es gelang während der Forschungen zum Erhalt der Bluthexer, ihre schweren Erbkrankheiten zurückzudrängen. Der Preis war der endgültige Verlust ihrer Fruchtbarkeit. Bluthexer gelten heute als gesund, aber sind aufgrund des massiv veränderten Genoms infertil. Es gibt nur noch männliche Bluthexer, die sich untereinander In-vitro vermehren. Ihr magisches Potenzial ist enorm. Phase IV ist gegenwärtiges Endstadium des Projekts. Um die Frage, ob im Fall der Bluthexer der Zweck die Mittel heiligen durfte, drehen sich hinter vorgehaltener Hand einige ethische Debatten.

Persönlichkeiten der Bluthexerei

Alexandre de la Grange (167 - 210 n.d.A.) - Wegbereiter der archaischen Bluthexerei, um den sich viele Legenden ranken, Ikone für Anhänger der Selbstgeißelung

Saint Ciel Felicien de Souvagne (188 - 213 n.d.A.) - erster Bluthexer aus der Familie de Souvagne, Schutzheiliger des ersten Ringes

Jean-Claude Lefebvre (800-837) - Erster Phase-II-Bluthexer mit modifiziertem Erbgut. Er starb sieben Jahre nach dem gentherapeutischen Eingriff an Leukämie.

Irenée de Remuer (977-1013) - Initiator von Projekt Alexandre, hingerichtet, gilt unter Bluthexern wahlweise als Märtyrer oder Häretiker.

Noel en Dernier (1012-1013) - letzter Phase-III-Bluthexer und somit letzter Bluthexer, der auf natürlichem Wege gezeugt und geboren wurde. Schwer behindert, starb als Säugling.

Macaire du Verre (1012-1028) - »Gesegneter aus dem Glas«, Prototyp. Erster künstlich geschaffener Phase-IV-Bluthexer, Klon von Irenée de Remuer. Gesundheitlich labil, starb noch vor Erreichen der Volljährigkeit.

Oliver Vallis de la Grange (*1043) - ein Nachfahre in direkter Linie von Alexandre de la Grange, ab 1040 Erzhexer der Bluthexerei, Ehemann von Duc Pierre Agramant de Souvagne


Projekt Alexandre (1012 n.d.A.)

Die Aussicht auf schwerbehinderte Nachkommen führte um die Jahrtausendwende herum zu einem erneuten Aufleben des Keuschheitskultes im Orden der Bluthexer, ein letzter Versuch, den Teufelskreis zu durchbrechen, indem man ihn radikal beendete und sich selbst dem Fortpflanzungszyklus entzog.

Anstatt die Forschung aufzuhalten, wurde sie auf einen Erlass von Duc Quentin Maxime de Souvagne hin jedoch sogar verstärkt: Aufgrund der Weigerung, sich freiwillig fortzupflanzen, wurden Bluthexern gegen ihren Willen Keimzellen entnommen. Im Jahr 1012 rief Erzhexer des Blutes Irenée de Remuer die Bluthexer daher öffentlich zu einem flächendeckenden Kastrationsprojekt auf, um sich diesem Eingriff zu entziehen. Benannt wurde dieses Projekt nach dem Wegbereiter der archaischen Bluthexerei, Alexandre de la Grange, dessen Geschlechtsorgane der Überlieferung nach amputiert waren. Viele Bluthexer folgten seinem Beispiel, indes nützten es ihnen nichts.

Die gewaltsame Vermehrung erfolgte nunstattdessen durch Gene, die aus ihren Blutzellen extrahiert wurden. Es war ein Machtbeweis von Duc Quentin Maxime de Souvagne, dass sich nichts und niemand der Macht des Staates entziehen kann. Eine Amputation der Hoden war nutzlos. Der erste Bluthexer, der mit diesem Verfahren In vitro reproduziert wurde, war Irenée de Remuer während seiner Gefangenschaft. Im Jahre 1013 wurde er nach Bekanntgabe seiner erfolgreichen Reproduktion der Häresie für schuldig befunden und öffentlich hingerichtet. Mit dem Verlust ihres Anführers war der kurze Widerstand der Bluthexer gebrochen. Die Linie der modifizierten Bluthexer wurde auch gegen ihren Willen erhalten und weiter genetisch verändert.

Kastration ist trotz allem bis in die Gegenwart unter Bluthexern eine beliebte Praxis geblieben.

Da Selbstverstümmelung seit jeher Tradition in der Bluthexerei war und für die Reproduktion bedeutungslos geworden ist, lässt man ihnen dahingehend ihren Willen. Um zu verhindern, dass sich der Aufstand wiederholt, werden die künstlich erschaffenen Kinder seither per Dekret in den Tempelschulen des Blutes einer strengen politischen Indoktrination unterzogen.

Projekt Alexandre konnte den Marsch in die eingeschlagene Richtung nicht aufhalten, sondern führte zu einem noch schnelleren Voranschreiten der Reproduktionsmedizin. Irenée de Remuer gilt trotz seines Scheiterns und trotz aller Indoktrination vielen Bluthexern noch heute als Visionär und Märtyrer.


Zauber der Bluthexerei 1077

Passive Eigenschaften:

- immun gegen Naniten
- immun gegen Manipulationen an der Lebensessenz (Vampirismus, Nekromantie, Geistmagie)

[Zauber ergänzen]


Realwissenschaftliche Hintergründe der Gentherapie
Gentherapie sorgt für eine Reparatur defekter DNA. Zunächst werden eigene Stammzellen aus dem blutbildenden Knochenmark entnommen und gereinigt. Dann wird mithilfe eines Retrovirus eine gesunde Kopie des defekten Gens in die Erbinformationen der Stammzellen eingeschleust (Gentransfer). Anschließend gibt man die modifizierten Stammzellen dem Patienten zurück. Die Körperzellen sind nun in der Lage, einen bestimmten Stoff, zum Beispiel ein Eiweiß, selbst herzustellen. Nach der Korrektur der Stammzellen verändert sich innerhalb eines Jahres die Zahl und Funktion der verschiedenen Blutzellen. Die erwünschten Effekte treten ein.

→ Basis für Blutveränderung der Bluthexer

Der Retrovirus, der für das Einschleusen der neuen DNA verwendet wird, fungiert sozusagen als Fähre. Die krankmachenden Virusgene wurden zuvor entfernt und stattdessen das gewünschte Genom eingesetzt. Dieses trägt er nun in das blutbildende Knochenmark. Im Normalfall reicht eine einzige Behandlung aus.
Wichtig für die Vererbung:

Da Bluthexer sich über ihr Blut vermehren - und nicht über das Erbgut aus ihrem sterilen Samen - werden die in den Stammzellen erzeugten Eigenschaften an die Nachfahren weitergegeben!

Nebenwirkungen:

Im ungünstigen Fall werden unerwünschte Gene aktiviert (Insertionsmutagenese), was zu Leukämie führt. Neue Genfähren können das Risiko verringern (SIN-adaptierte Retroviren, die weniger interagieren).
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Re: Bluthexerei 1077

#2

Beitrag von Oliver Vallis de Souvagne » So 13. Jan 2019, 17:38

Die Prophezeiung der Bluthexer

„Dich hat keine Frau geboren, Du wurdest in Perfektion erschaffen“, sagte Pierre ernst.

„Danke für das Kompliment. Ich empfange es stellvertretend für alle Bluthexer. Wir haben die Fortpflanzung schon vor fast 200 Jahren erfolgreich von der Sexualität entkoppelt und vor 65 Jahren das System zur Reproduktion perfektioniert. Seither läuft es stabil. Wir brauchen keine Frauen mehr, keine Eizellen, wir brauchen nicht einmal mehr Sperma. Es genügt die edelste aller Körpersubstanzen, die Lebensessenz schlechthin, das Blut. Die Endstufe wird sein, dass wir keine Sexualität mehr besitzen, im Idealfall nicht einmal mehr Genitalien. Wir werden geschlechtslos sein wie Ainuwar. Die Souvagner hingegen haben sich genau in die gegenteilige Richtung entwickelt, ihr alle seit genetisch zweigeschlechtlich. Und das war euer großer Fehler, ihr habt das Übel noch verschlimmert. Einige meines Ordens bereiten sich bereits auf die Zeit vor ... in der es euch nicht mehr geben wird. In der wir es sind, welche das letzte Bollwerk bilden.“

„Was wird geschehen, wenn Ihr das letzte Bollwerk seid?“, hakte Pierre nach und musterte Oliver besorgt.

„Es wird der Punkt erreicht werden, da kein Souvagner mehr reproduziert werden kann, weder auf natürlichem Wege noch in vitro. Das wird auch das Ende deiner Linie sein. Wenn der letzte Duc stirbt, dann beginnt ein neues Zeitalter. Eine zweite Ära des Chaos und aus allen Abgründen werden die Wesen des Rakshor kriechen, ihre Chance witternd. So wie es momentan aussieht, vermuten wir, dass es Carnac, worauf sich die Prophezeiung bezieht. Andere sehen die Hauptstreitmacht von dem Ort ausgehend, den du aufzusuchen gedenkst - Obenza. Doch von wo auch immer unsere Feinde nahen, der Kampf wird schrecklich. Die Souvagner werden diesen Krieg verlieren und er wird in ihrer vollständigen Vernichtung enden. Doch die letzten von euch werden die Zugänge versiegeln, welche in die Bunkertempel der Bluthexer führen, da wir jene sind, auf denen alle Hoffnungen ruhen. Und dann beginnt das Zeitalter des Blutes. Wenn es nach mir geht, wird es kein Zeitalter des Blutes geben, auch wenn es einige meines Ordens geben, die sich regelrecht darauf zu freuen scheinen, dass ihr die Bühne räumt.“

„Weshalb manche sich manche eine Zerstörung herbei sehnen, ist mannigfaltig. Die einen denken an ein reinigendes Feuer, aus der Asche entsteht neues Leben wie damals vor Äonen. Manche meinen es ist ein großer Kreislauf, Werden und Vergehen. Vielleicht stimmt beides, vielleicht nichts, aber es hat immer einen Duc gegeben, vor mir und nach mir. Wir sind ewig, gleich wie unsere Form aussehen mag. Und wenn der Duc ein Bluthexer ist im Jahr 1500, nun dann sei dem so. Sie werden wissen, wie man uns kompatibel macht.“

„Ich weiß nicht, ob das überhaupt möglich ist“, sagte Oliver, „oder ob wir genetisch schon zu weit voneinander entfernt sind. Aber wenn wir beide es nicht versuchen, wer dann?“

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Re: Bluthexerei 1077

#3

Beitrag von Oliver Vallis de Souvagne » So 5. Mai 2019, 20:45

Der Tempel des Blutes

Eingang

Abwärts ging es. Nicht hinauf zum Licht strebend, wie andere Tempel es taten, sondern tief ins Herz Souvagnes, in die Kruste, welche die Oberfläche von SubSouv trennte. Erst, als sie sich dem Eingangsbereich vom Tempel des Blutes näherten, löste Oliver sich etwas und ergriff dessen Hand.
Die dominierenden Farben waren grau, schwarz und scharlachrot, die Wandbilder stark stilisiert, fast schon abstrakt. Aufrecht schritten sie nebeneinander her, der Bluthexer und sein Mann, der Duc. Doch Rang und Namen spielten hier untern keine Rolle. Demut war eine der Tugenden, welche die Bluthexer besonders hochhielten.
Die Architektur war so gestaltet, dass sie den Besucher ermahnte, wie klein und unbedeutend er war, drückend, massiv und klotzig, mehr Bunker als Tempel. Da die meisten Bluthexer mit einem großen Ego ausgestattet waren, war es notwendig, sie regelmäßig daran zu erinnern. Pierre konnte die Hitze in Olivers Fingern fühlen, der Bluthexer war aufgeregt, aber rundum glücklich. Im Gegensatz zu seiner sonst so reservierten bis arroganten Art strahlte er über sein ganzes tätowiertes Gesicht.


Sakristei

Sie durchquerten die erste Pforte, ein viereckiges, rot umrahmtes Tor. Für Oliver war es eine Heimkehr. Der Raum dahinter war verblüffend pragmatisch eingerichtet, doch es erklärte sich auch gleich, warum.
»Dies ist die Sakristei«, sprach Oliver mit gedämpfter Stimme. »Wir haben den Besuchereingang genommen. Sakristei nennt man den Eingangsbereich. Gäste finden hier die Garderoben und Schuhregale. Bitte ziehe deine Schuhe aus, ich tue das auch und dann waschen wir unsere Füße, ehe wir die zweite Pforte durchqueren und in den eigentlichen Tempel gehen. Wenn du aufgeregt bist - das Necessarium ist hinter dieser Tür da.«


Auditorium

Oliver half Pierre dabei, sein Schuhwerk abzulegen und wusch ihm eigenhändig und liebevoll die Füße, ehe er sie abtrocknete und seine eigenen ebenfalls wusch. So konnten sie den Tempel betreten.
Als sie die zweite Pforte durchquerten, änderte sich der Eindruck. Der Geruch von Weihrauch und einem roten Räucherharz namens Drachenblut lagen schwer in der Luft. Man sagte, diese Gerüche würden böse Wesenheiten ebenso fernhalten, wie die Gedankenströme von fremden Magiern. Die Bluthexer waren Teilstumpfe und sie versuchten, auch in ihrem Tempel die Immunität gegen fremde Magie wirksam zu machen. Die wenigen Metallgegenstände hier unten waren ausnahmslos aus Messing. Die Halle, die sie nun erwartete, war eindeutig spiritueller Natur. Die Lampen an den Wänden waren so gestaltet, dass sie hohe, rechteckige Fenster imitierten. Die Halle wurde dominiert von einem riesigen eingelassenen Wasserbecken. Es war kreisrund und führte in mehreren Stufen in die Tiefe.


Blutbrunnen

Auf der untersten Stufe fand sich ein Becken mit roter Flüssigkeit. Auf den Stufen saßen Bluthexer und unterhielten sich oder lasen. Sie waren in ihren scharlachroten Roben zwar ein ungewohnter Anblick, da sie sich selten in der Öffentlichkeit zeigten, aber das eigentlich Makabere war die Tatsache, dass der Brunnen scheinbar von Blut gespeist wurde, das an einer Seite des Trichters die Stufen hinab plätscherte.
»Nur gefärbtes Wasser«, erklärte Oliver. »Mit Lebensmittelfarbe in Trinkwasserqualität. Es geht um die Symbolik. Siehst du in der Mitte am Grunde die Insel? Du gelangst über Trittsteine dorthin. Von dort aus finden Predigten statt oder geleitete Diskussionen. Der Vorteil dieser Trichterform ist zum einen die Akustik, auch auf der letzten Reihe kann man den Sprecher noch gut verstehen. Zum anderen muss der Prediger zu seinem Publikum aufblicken. Das ist wichtig, um ihn daran zu gemahnen, dass er keine Macht über sie innehat, sondern nur an ihre Vernunft appellieren kann. In den Tempeln der Priesterschaft von Zeit und Raum ist es ja genau umgekehrt, da steht der Priester selbst wie ein Halbgott auf einer erhöhten Kanzel und spricht von oben herab. Herablassend, als wäre er selbst ein Regent, dabei ist er nur ein Botschafter Ainuwars. Hier im Tempel des Blutes ist das anders.


Audimax

Man nennt diesen Raum hier Auditorium. Es gibt mehrere Auditorien, da auch unterricht mit solchen Blutbrunnen stattfindet. Das hier aber ist der größte, wir nennen ihn Audimax. Es findet gerade keine Messe statt, da an der Tafel kann man es nachlesen, wann die nächste ist. Aber darum sind wir nicht hier.« Oliver ließ Pierre Zeit, alles zu betrachten, dann führte er ihn weiter nach hinten. Vom Audimax zweigten zahlreiche Türen ab, die Pierre zeigten, dass dies hier zum einen ein zentraler Raum im Leben der Bluthexer war, zum anderen aber auch, wie riesig die Anlage wirklich war. Eine Gruppe glatzköpfiger Kinder in kleinen Roben flitzte vorbei. Zur Überraschung manch eines Besuchers hüpften sie die Stufen des Blutbrunnens hinab, um unten mit den Füßen darin zu planschen, ohne dass einer der Bluthexer daran anstoß nahm. Der Blutbrunnen war offenbar kein Heiligtum, sondern ein Ort der Begegnung.
»Ich führe dich nun ins Vivarium. Dem Bereich des Lebens. Hierzu haben normalerweise nur ausgewählte Ordensbrüder zutritt und keine Gäste.«


Schleuse

Die Türen, die sie nun erwarteten, waren aus Panzerstahl und von außen gab es keinen sichtbaren Öffnungsmechanismus. Oliver blickte in eine Kamera und unterhielt sich mental mit einem Bluthexer im Inneren, der seine Identität überprüfte, ehe auch Pierre sich zu erkennen geben musste. Pierre spürte, wie der Bluthexer erschrak, als er die beiden als Mitglieder der Krone erkannte, ein wenig herumeierte und dann wurde ihnen die Tür ziemlich schnell geöffnet.


Behüter

Ein gut gebauter und trotz seiner Blässe sehr gesund wirkender Bluthexer ließ die Stahlschleuse seitlich in der Wand verschwinden. Statt eines Tigermusters wie Oliver trug er Punkte auf seiner Haut und seine Robe war enganliegend und weiß, einem Laborkittel nicht unähnlich.
»Ich bin Bruder Nethlee«, stellte der Mann sich vor. »Was darf ich für Euch tun?«
›Dies sind die Behüter. Sie verlassen den Tempel niemals. Es sind unsere fähigsten Genetiker und begnadetsten Bluthexer. Du erkennst sie an den Punkten. Der Oberste von ihnen ist schneeweiß. Normalerweise muss ein Bluthexer ihn vorher aufsuchen und eine Prüfung ablegen, ehe er die Genehmigung erhält, bei den Behütern vorzusprechen. Dazu gehört ein IQ-Test ebenso wie sportliche Übungen, ein großes Blutbild und eine umfassende Untersuchung. Sind die Behüter anschließend ebenfalls der Meinung, dass der geprüfte Bluthexer es wert ist, ein Kind zu zeugen, gewähren sie ihm Einlass in das Vivarium und es folgt ein weiteres Gespräch, vor allem Aufklärungsarbeit, aber auch eine letzte Vergewisserung, dass der Kandidat geeignet ist.‹
»Bruder Nethlee, wir bitten darum, dass aus unser beider Blut neues Leben entstehen darf. Mein Mann ist nur ein Mensch, doch ich versichere, er ist ein guter Mensch und unser Kind wird ein hervorragender Bluthexer sein.«
Der Behüter, offenbar gnädig gestimmt durch die Verneigungen und die demütigen Worte, schaute nun freundlicher. »Ich bin sicher, das wird es. Bitte folgt mir.«


Vivarium

Im Vivarium sah es nun nicht mehr nach einem Tempel aus, sondern nach einem Labor. ›Hier im Tresorbereich des Vivariums sind die Schöpfermaschinen. Dort findest du auch die dazugehörigen Tanks mit den heranreifenden Kindern. Was genau die Behüter hier tun, das weiß niemand außer ihnen.‹ Oliver betrachtete Nethlee und die anderen Behüter, denen sie begegneten, glücklich. ›Diese Männer sind nicht nur Genetiker, sie sind auch unsere Ammen und Erzieher. Sie kümmern sich um alles, von der Zeugung bis zu dem Tag, an dem wir in das Ordensleben übertreten. Leider ist es uns untersagt, sie zu besuchen. Man darf niemals zurückkehren, bis man selbst ein Kind führen möchte. Sie zu behelligen ist ein Frevel.‹ Oliver schmunzelte wehmütig.


Sanguinum

»Bitte hier entlang.« Bruder Nethlee führte die beiden in einen Raum, der klein und im Gegensatz zur Sterilität des übrigen Traktes zwar ebenfalls weiß, aber durchaus gemütlich eingerichtet war. Ein weißer Synthetikteppich war darin, die Luft war wärmer als anderswo. Statt Stühlen gab es einen Sessel aus abwischbarem Material und eine Doppelcouch, offensichtlich für Pärchen. Auf einem Tisch stand eine Porzellanvase mit blutroten Blüten darin.
»Bitte setzt Euch«, sagte er freundlich und wies auf die Couch. Nethlee nahm auf dem weißen Sessel Platz und legte einen kleinen weißen Koffer auf dem Tisch ab. Darin befanden sich die Instrumente, um das Blut abzunehmen. »Habt Ihr also keine Fragen mehr? Möchtet Ihr Euch selbst das Blut abnehmen oder darf ich Euch helfen?« Er blickte die beiden abwartend an.
"Nein ich habe keine Fragen, wir sind uns sicher, wir wünschen uns ein gemeinsames Kind. Was nach der Blutabnahme folgt, liegt in Euren Händen Behüter. Ihr habt meinen Mann aufgezogen, Ihr werdet ebenso unser Kind aufziehen. Ich möchte Euch bitten, dass Ihr uns Blut abnehmt. Selbstverständlich kann ich mir Spritzen setzen und mir Blut abnehmen, aber meine Hände sind heute eindeutig zu zittrig dafür. Ich bin mehr als nur aufgeregt und ich möchte meinen Mann nicht verletzen. Drum bitte ich Euch um diesen Gefallen", antwortete Pierre.


Rituelle Blutabnahme

»Bitte macht Euren Arm frei.« Nethlee desinfizierte sich die Hände und zog die Handschuhe übrer, ehe er den Koffer öffnete und alles bereitlegte. Er legte Pierre den Stauschlauch an und desinfizierte die Punktionsstelle. Dann nahm er die Funktionsnadel und die rechte Hand und entfernte die Schutzkappe. Er hielt die Nadel so, dass die Öffnung und der Nadelschlitz nach oben zeigten. Mit der linken Hand spannte er die Haut seitlich der Punktionsstelle, damit die Vene nicht verrutschte. Mit einem Eintrittswinkel von 30° durchstach er die Haut und schob die Nadel anderthalb Zentimeter hinein.
Mit der linken Hand fixierte er die Kanüle, mit der rechten zog er am Stempel. Das Röhrchen färbte sich, als es sich mit Blut färbte. Schwarz. Das Blut von Pierre war fast wie Motoröl. Es würde eine harte Arbeit werden, es vernünftig zu reinigen und auf die Zeugung vorzubereiten. Er hielt die Kanüle weiterhin fest und schloss das Laborröhrchen an. Langsam und vorsichtig zog er den Stempel. Er füllte es bis zur Markierung, dann entfernte er den Stauschlauch. Erst jetzt zog er die Kanüle aus der Vene und legte einen keimarmen Tupfer auf die Stelle, den er mit einem kleinen Pflaster fixierte.
»Vermutlich wird das ein Hämatom werden, aber die Blutabnahme war erfolgreich. Bruder Oliver, Ihr seid an der Reihe.«
Die Prozedur folgte mit einem freudestrahlenden Oliver. Am Ende packte Nethlee alles ordentlich zusammen.
»Ich lasse Euch nun allein. Wann immer Ihr wünscht, läutet dort und ich werde Euch abholen.«
Er verlies den kleinen Raum mit ihren Blutspenden und schloss leise die Tür.
»Ich möchte Dich spüren, lass es uns besiegeln und feiern. Ein Akt gehört zu einer Zeugung dazu, ich bin Deiner", antwortete Pierre und schälte sich langsam aus der Kleidung um sich dann fest an Oliver zu drücken. Dieser Moment war ihrer, er war privat, intim geradezu heilig die Welt und der Abgrund konnten warten.

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Pierre Agramant de Souvagne
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Re: Bluthexerei 1077

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Beitrag von Pierre Agramant de Souvagne » So 5. Mai 2019, 20:51

Mentalität der Bluthexer

Der Tempel des Blutes lag unterhalb der Erde und bildete somit den Kontrast zum Wolkentempel der Himmelsaugen. Dennoch beteten beide den gleichen Gott an, wenn auch auf extrem unterschiedliche Art und Weise. Einige überkam Angst, wenn sie in die Tiefen nach SubSouvagne hinabfuhren. Die Vorstellung davon, dass Tonnen von Gestein und Geröll über ihren Köpfen schwebte löste bei ihnen Beklemmung aus. Andere hingegen fühlten sich dort sicher und geborgen. So ging es Pierre, denn in den Tiefen fand man nicht nur den Tempel der Bluthexer oder SubSouvagne, noch ein Stückchen tiefer unter SubSouv selbst ruhte der Supercomputer MAX. Der Tempel des Blutes, war so ganz anders, als ihn sich Pierre vorgestellt hatte. Er war von einem monumentalen Bauwerk ausgegangen, hatte gewaltige Statuen von einstigen Bluthexern erwartet, die mit mahnendem Blick und erhobenen Zeigefinger auf die Besucher herabstarrten. Nichts davon war hier zu finden. Der Tempel selbst war ein in Stein gehauenes Gebet, ein Homage an eine Überzeugung und eine Mahnung daran, was sie zu repräsentieren hatten. Sie waren die Wächter der Krone, seit jeher und unfehlbar. Nicht ein dunkler Fleck besudelte die Geschichte der Bluthexer. Nicht eine kriminelle Seele war jemals in ihren Reihen zu finden gewesen. Bluthexer verfügten über eine praktische Weisheit. Eine Mitgliedschaft im Orden des Blutes war etwas Ernstes und Dauerhaftes. Jene Hexer mussten nicht nur über die einzigartige Gabe verfügen, sie mussten ebenfalls klug und furchtlos sein, verschlossen und dennoch mitfühlend. Gnadenlos und Barmherzig, es war nichts, was man leichtfertig wählte. Es war einem bestimmt, in die Wiege gelegt, so wie ihm selbst sein Amt in die Wiege gelegt worden war. Eines hatten die Bluthexer trotz ihrer eigenbrödlerischen Art immer beherzigt, sie waren frei von selbstsüchtigen Gedanken. Die Mitgliedschaft in einem Orden brachte Ansehen und Macht. Doch genau jenes verführte nur allzuleicht dazu, sich zum Schlechten zu wandeln. Die Bluthexer hatten eine Lehre stets hochgehalten, dass was sie im Namen ihres Ordens taten, taten sie stets für die Krone - für andere, niemals für sich selbst. Und manchmal gaben sie dafür sogar das eigene Leben.

Pierre bedauerte das keine Messe war. Die sonderbare Trichterform wurde ebenfals direkt von Oliver erklärt. Der Prediger schaute zu seinen Zuhörern auf, nicht auf sie herab. Ebenso eine Huldigung an die Ratio, an den Verstand. Er befahl nicht, er regte zum Denken an, er appelierte an den Verstand, er musste überzeugen, seine Meinung mit guten Argumenten darlegen. Jener Mann in der Mitte, stellte sich nicht über andere, er erniedrigte sich um sich Gehör zu verschaffen. Aber das was er sagte, musste auf so festem Boden stehen wie er selbst.

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