Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Taudis 42

Die Zukunft von Souvagne sieht im Jahr 1077 völlig anders aus, als sich es die Altvorderen je hätten erträumen können. Magie und Wissenschaft verschmelzen zu einem Ganzen. Manche Dinge aber ändern sich nie.
1077
Im Jahre 1077 nach der Asche wird Souvagne von mehreren Mauern geschützt und die Technik ist auf einem hohen Stand. Die Souvagner sind eine eigene Spezies geworden, die der Hang zur Isolation und Abschottung durch die Krisen aller rakshanischen Invasionen rettete. Aber unbeabsichtigt schufen sie dadurch eine weitere Grenze, mit der niemand rechnete: Gebeutelt von schweren Erbkrankheiten benötigen sie dringend frisches Blut - doch ihre Gene sind mit anderen Menschen nicht mehr kompatibel. Die Lösung liegt vielleicht in der Vergangenheit.
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Taudis 42

#1

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 00:01

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Mo :) :) :)
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Re: Taudis 42

#2

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 00:04

Taudis 42


Die ganze Familie hatte es sich im Bett gemütlich gemacht.

„Kraulservice?“, bettelte Pierre gut gelaunt.
„Klar kraule ich Dich. Erzähl jetzt die Story, wo Du unter Separe gelebt hast“, forderte Oliver seinen Mann auf und machte es sich im Bett richtig gemütlich.

„Richtig, hört zu meine Lieben. Ich berichte von meinem Aufenthalt in Taudis 42 nicht komplett alles, das würde den Rahmen sprengen. Ich erzähle Euch die wichtigsten Vorkommnisse, denn ich war eine ganze Zeit dort unten.

Die meisten denken bei Separe - den Ausgesonderten an wilde Bestien, wenn sie die Separe überhaupt kennen. Das stimmt allerdings nur, wenn man sie als Souvagner betrachtet.

Separe hassen und fürchten Menschen. Wenn Menschen in ihr Gebiet eindringen, oder hinab stürzen, werden sie gejagt und wenn der Mensch dumm genug ist sich erwischen zu lassen endet er als Mahlzeit.

Anderen Separe gegenüber sind Separe extrem freundlich gesonnen.

Sie haben untereinander kein Argwohn, keine Missgunst, sie halten zusammen und sie helfen sich. Die ganze Zeit wo ich unter ihnen gelebt hatte, habe ich nicht einen Streit mitbekommen.

Falls sie doch miteinander gestritten haben, haben sie das ganz freundlich getan und ich hab kein Wort von ihrem Slang verstanden. Was willst Du denn genau wissen, oder soll ich einfach alles erzählen?“, fragte Pierre.

„Erzähl alles, von Anfang bis zum Ende. Wie kamst Du zu ihnen, was hast Du wieder angestellt dass es so kam und warum hast Du unter ihnen gelebt. Lass hören jetzt“, grinste Oliver und kraulte Pierre.

"In Ordnung Schätzchen. Jean Tefeuille hatte mich damit beauftragt, so viel wie möglich über Separe in Erfahrung zu bringen. Wo kann man mehr über die Wesen erfahren als in ihrer Heimat? Nirgendwo. Also war ich nach Obenza gereist.

Dieses Land, dieser Stadt-Staat ist im Grunde nicht eine Stadt, sondern drei oder vier, wenn man es sehr genau nimmt. Oben dort wohnen wie man es sich denken kann die reichen, betuchten und behüteten Bürger. Sie müssen sich keine Sorgen machen, denn ihr Leben ist sicher und sorgenfrei. In den Straßen patrollieren Sicherheitsbeamte in dreier- und vierer Teams, Sicherheits- und Service-Droiden sind allgegenwärtig und überall sieht man die neusten Informationen oder Werbebilder als Holos leuchten. Sicherheitsdrohnen überfliegen das Ganze und behalten von oben den Überblick über ihre zu schützenden Schäfchen.

Eine Etage tiefer wohnt die Mittelschicht. Der „Normal-Mensch“ der dennoch genügend Einkommen hat um sich einiges an technischen Schnick-Schnack leisten zu können. Auf dieser Ebene lässt es sich hervorragend leben. Die Sicherheit ist immer noch hoch, wenn auch nicht so hoch wie im Luxusviertel. Man bekommt auch hier alles was das Herz begehrt.

Eine weitere Etage darunter ist das Elendsviertel. Abgeschottet von den beiden oberen Vierteln durch Sicherheitsschleusen und Schotte, fristen dort die Bewohner Obenzas Ihr Leben in erbärmlichsten Zuständen.

Es sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft. Hütten, Baracken, alles behelfsmäßig zusammengehalten spannt sich über eine stinkende Kloake, die angeblich einst ein Fluss gewesen ist.

Und unter all dem ganzen Morast, Dreck, Abfall und Unrat weit unterhalb des Armutsviertels in den alten Kanalröhren direkt am Fluss, dort liegt Taudis 42.

Taudis 42 ist durch gewaltige Schotte von der restlichen Stadt abgeschottet. Die Stadt oberhalb entsorgt ihren Müll in den Taudis, indem er dort einfach abgekippt wird. Angeblich kommt nichts wieder ans Tageslicht, dass einmal in die Untiefen von Taudis 42 gefallen ist.

Und genau dort sollten laut meiner Ermittlung die Separe leben.

Ab und an stiegen sie bei Nacht bis in die oberen Gänge hoch um dort nach Nahrung zu suchen. So eine Gelegenheit wollte ich abwarten um sie zu beobachten und mir Notizen über sie machen zu können.

Feldforschung für Jean Tefeuille.

Es war Nacht und ich befand mich in der Unterstadt und spähte in eines der gewaltigen Löcher die hinab zu Taudis 42 führten. Man konnte bei bestem Willen nichts ausmachen.

Damals war ich noch jung, Prince und hatte meine Pflichtausbildung zu absolvieren. Forschung wie auch Feldforschung gehörte ebenfalls dazu.

Ich wartete noch einige Zeit und gab dann meinen Beobachtungsposten auf um in der Unterstadt ein wenig herumzuschnüffeln, als ich aus dem Augenwinkel einen feuerroten Haarschopf entdeckte.

Candice Grineuf!

Ausgerechnet hier und jetzt, schoss es mir durch den Kopf. Sie hatte mich ebenfalls gesehen und sie war nicht allein. Es endete wie es immer endet, wenn ich Candice begegne.

Auch diesmal verfolgte sie mich und zwar durch die ganze Unterstadt.

Ich gab mein Bestes, sprang über wacklige Brücken, kletterte über marode Häuserdächer aus Wellblech, als ich irgendwann vor einem breiten Abgrund stand. Mir war es in dem Moment gleich, denn auf der gegenüberliegenden Seite sah ich einen Steg. Denn müsste ich zu fassen bekommen, der Spalt war vielleicht nur vier oder fünf Meter breit, für uns somit kein Problem.

Ich nahm Anlauf und sprang.

Meine Verfolger taten es mir gleich. Leider hatte ich mich verschätzt. Für einen Sekundenbruchteil bekam ich den Steg mit den Fingerspitzen zu fassen, ehe ich den Halt verlor und in die Tiefe stürzte.

Über mir hörte ich einige der Männer kreischen und Grineuf fluchen. Ihnen erging es nicht besser. Zeit mich darüber zu freuen hatte ich nicht, denn mit einem gewaltigen Rums schlug ich nach zig Metern Sturz im Dreck von Taudis 42 auf.

Der Scheiß war, dass ich mit dem Rücken aufschlug, um den ich mir meinen Sniper geschnallt hatte.

Der Aufprall schlug mir nicht nur den Atem aus der Lunge, er schlug mich auch halb bewusstlos. In dem Moment bekam ich Panik!

Candice und ihre Speichellecker waren ganz in der Nähe und ich lag wehrlos auf dem Rücken wie ein Käfer. Sie brauchten mich nur zu sichern und die Show wäre gelaufen.

Sie würden mich angeleint nach Hause führen. Papa wäre entzückt, was ich mir wieder geleistet habe. Meine einzige Hoffnung war, dass sie genauso mies gelandet waren wie ich und nicht auf den Füßen aufgekommen waren wie Katzen.

Langsam drehte ich meinen Kopf um mich umzuschauen. Einige der Männer lagen so verrenkt, dass man auf den ersten Blick sah, sie würden nie wieder aufstehen. Andere waren dabei sich auf die Beine zu kämpfen.

Candice Grineuf stand bereits, schaute ebenfalls suchend in der Gegend umher, ehe sie mich erblickte und so breit grinste, dass in mir die Wut hochstieg.

`Hoch, verdammt nochmal!´, schnauzte ich mich innerlich an, aber irgendwie gehorchte mein Körper nicht richtig. Mein Sturz mit dem Rücken auf das Gewehr hatte mich ziemlich hart getroffen.

Im Schlendergang kam Candice Grineuf in meine Richtung, gefolgt von einigen ihrer Leute. Erneut versuchte ich mich auf die Füße zu kämpfen, aber mir wurde durch die Schmerzen schwarz vor Augen.

Ein durchdringendes Kreischen riss mich aus meiner Ohnmacht. Es klang als würde Metall an Metall schaben.

Candice Grineuf und ihre Leute schauten sich verdutzt um. Und dann kamen sie! Wie eine Flut aus Leibern schossen sie aus den alten Abwasserrohren hervor! Sie überquerten den Platz mit einer höllischen Geschwindigkeit, übersprangen mühelos jedes Hindernis und gaben dabei dieses grauenvolle Geheule von sich.

Schon trafen die ersten Separe auf Candice Grineufs Männer.

Die Kerle wurden von überlangen Armen mit überlangen Fingern ergriffen und einfach in ihre Bestandteile zerfetzt. Jeder der Separe sicherte sich ein Stückchen der Beute. Sie agierten wie ein Schwarm Piranhas im Wasser. Jeder riss ein Stück ab und weiter ging es zum nächsten Opfer. Die gestürzten Kerle wurden auseinander gepflückt und größtenteils an Ort und Stelle gefressen.

Von den meisten blieb nichts weiter übrig als kleine, zusammengesunkene Haufen. Aber auch die lagen nicht lange herum, denn ganz schmächtige Separe machten sich daran die Kleidung der Männer zu sichern.

Candice Grineuf starrte die Horde Separe für einen Sekundenbruchteil panisch an, ehe eines der Wesen auf sie deutete.

„Meat!“, kreischte es.

Scheinbar hatten die anderen Candice übersehen. Sie starrte zu mir, starrte zu den Separe und starrte zu mir zurück und rannte auf mich zu. Ich starrte Candice Grineuf an und grinste breit.

Was für eine herrliche Merde.

Tja wir waren beide am Arsch, die Separe würden sie und mich bei lebendigem Leib fressen. Was erwartete sie überhaupt von mir? Candice war fast bei mir.

"Albino, Du dämlicher Sack, steh auf und komm sofort hierher...", brüllte sie mich an, verstummte dann aber schlagartig als sich die Horde auf sie stürzte um sie zu fressen.

Gehetzt ergriff sie die Flucht und ich konnte mir trotz der beschissenen Situation ein kurzes Grinsen nicht verkneifen.

"Geh schon mal vor, ich komme gleich nach...", rief ich ihr hinterher.
Den blöden Spruch konnte ich mir einfach nicht verkneifen.

Aber das interessierte mich schlagartig alles nicht mehr, denn über mir gebeugt stand auf einmal ein gewaltiger Separe, gegen den ich wie ein Zwerg aussehen musste.

Das Wesen war gut 230 cm hoch und bestimmt 200 kg schwer.

Irgendwie erinnerte es mich für einen Moment an einen nackten Gorilla, so muskelbepackt wie es war. Ich starrte nach oben auf die langen, sichelförmig gebogenen Finger die in messerscharfen Krallen endeten.

Ich dachte, dass mich das Wesen jederzeit in Stücke reißen und bei lebendigem Leib auffressen würde. Mir klatschte die Hand von dem Separe auf den Schädel, er hockte sich neben mich hin und redete auf mich in einer mir unverständlichen Sprache ein.

Dabei streichelte er mit der anderen Hand geradezu behutsam mein Gesicht und versuchte mich vorsichtig aufzurichten. Der gewaltige Koloss brüllte etwas den anderen zu.

„Stray! Willkommen“, verstand ich halbwegs, ehe er mich vorsichtig abtastete.
„Was? Hmh?“, fragte ich vorsichtig und schüttelte den Kopf.

Die restliche Horde kam angerannt und alle fingen an mich anzufassen, abzutasten und mir über den Schädel zu streicheln. Es gab schmächtige, mittlere und gewaltige Separe unter ihnen.

„Ein Stray!", kreischte einer der Brecher in meiner Nähe.
"Willkommen“, sagte eine Frau und drückte mir ein Stück Fleisch in die Hand.
„Bruder, ja. Ohm gefallen da!“, sagte ein anderer und zeigte nach oben.
„Ja, von da bin ich runtergefallen“, erklärte ich leise.

Die Blicke aller anderen folgten und sie nickten. Ihre Sprache war irgendein Mix aus allen möglichen Allgemeinsprachen. Ich versuchte mich aufzurichten und ich musste schlucken so ergriffen war ich, als die ganze Horde mir ihre langen Hände reichte um mir zu helfen.

Was hatte Jean Tefeuille mir gesagt?

Sie waren der „Abfall“ der GMO-Herstellung von Raytheon? Irgendeiner dieser Firmen. Aber wenn sie „Abfall“ waren, der so selbstlos einem Bruder half, was waren dann eigentlich Menschen?

Eine der Frauen schaute mich an und sprach mit meinem Retter. Bevor ich irgendetwas sagen konnte, hob er mich hoch. Er gab einige seltsame, bellende Befehle wie es klang und die Gruppe zog sich zurück in ihr Versteck.

Mich nahmen sie einfach als einen Neuen von sich mit. Scheinbar fiel alles in ihrer Welt von oben. Neue Brüder, Schwestern und Essen. Das Versteck war nichts weiter als ein kreisrunder gewaltiger Raum, der mit sämtlichen Textilien ausgelegt war, die man sich vorstellen konnte. Einer nach dem anderen suchte sich ein Platz und machte es sich in dem gewaltigen Nest gemütlich. Ich wurde von meinem Retter vorsichtig abgesetzt und er setzte sich ganz nah neben mich.

„Pain?“, fragte er drückte mich ganz behutsam auf den weichen Boden.
„Ja“, antwortete ich. Da er mich einfach weiter fragend anstarrte, nickte ich zur Bestätigung dass ich Schmerzen hatte.

Er nickte verstehend und legte sich vorsichtig neben mich.

„Flu“, sagte er zu mir. Ich wusste nicht was Flu ist, bis er seinen Kopf ablegte und die Augen schloss.
„Flu“, erklärte er erneut und drückte meinen Kopf auf den Boden. Ich sollte scheinbar schlafen.

Gut warum nicht? Sie hatten mich gerettet, da gab es keinen Grund ihm ausgerechnet jetzt zu misstrauen. Ich versuchte eine bequeme Liegeposition zu finden und streckte mich vorsichtig lang aus.

Schlafen konnte ich allerdings nicht. Mein Körper fühlte sich zerschlagen an, als wäre ich vor einen Bus gelaufen. Aber das der Schmerz zurückkehrte war gut, schlimm wird es erst, wenn der Schmerz einfach grundlos verschwindet. Mein Rücken meldete sich zu Wort und ich versuchte ihn so gut es ging zu entlasten. Ich hüllte mich fester in meinen Einsatzumhang und musterte die Gruppe. Hätten sie mich als lebenden Proviant mitgenommen, wären sie zu mir nicht so freundlich, hilfsbereit und so zutraulich gewesen.

Was immer sie in mir sahen, scheinbar sahen sie auch einen Bruder. Um eine bequemere Position zu haben, rollte ich mich etwas auf die Seite und versuchte mir jeden einzelnen von ihnen einzuprägen. Die gewaltige Gruppe hatte sich nach der Jagd in kleinere Rudel aufgelöst.

Die schlanken Männer und Frauen lagen in der Mitte des Raumes, während die gewaltigen Kolosse am Rand lagen. Nicht alle schliefen, ein Teil der Gruppe war wach und hielt sitzend Wache.

Viele sahen sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich, vor allem die ganz dünnen Separe. Aber wenn man genauer hinsah, erkannte man das jeder von ihnen eine andere Körperzeichnung hatte. Einige waren hell mit hellen Flecken, andere wie ihr gewaltiger Leader waren dunkel mit hellen Flecken. Dazwischen gab es jede Menge Farbvarianten von hellbraun, über kaffeebraun bis fast schwarz.

Der Leader lag mit mir am Ende des Raumes, am weitesten entfernt von dem Eingang. Ein eindeutiges Zeichen seiner Position innerhalb des Rudels. Der Hüne hatte hier das Sagen. Wenn ich einen von den Separe anschaute die wach waren, schauten sie zurück und nickten. Oder sie blinzelten und schlossen kurz die Augen, als Aufforderung dass ich schlafen sollte. Aber ich fand einfach keine Position in der ich schmerzfrei liegen konnte.

Zudem machte ich mir Gedanken, wie ich zurück in die Unterstadt kommen konnte. Zwischen der Unterstadt und dem Taudis 42 waren einige Meter Luftweg und Aircars gab es hier sicher nicht zu mieten.

Da die Separe aus Rohren gekommen waren, musste es irgendwo einen Zugang nach oben geben, wenn es einen Zugang nach unten gab, schlussfolgerte ich. Möglich war allerdings auch, dass all diese ehemaligen Zugänge versiegelt worden waren und man alles nur noch durch die Löcher in der Decke in den Taudis 42 kippte.

Dann wäre ich aufgeschmissen. Vielleicht war es wirklich Fakt, dass es nur einen Weg in Taudis 42 hinein gab, aber keinen hinaus. Allerdings wollte ich mich damit nicht abfinden. Zuerst musste ich wieder auf die Beine kommen und danach würde ich mich daran machen, einen Weg aus dem Taudis zu finden. Wenn sich einer vor Ort auskannte dann die Separe.

Ich schaute zu dem Leader der neben mir lag und stellte fest, dass er mich ebenfalls mit seinen schwarzen Augen musterte. Fragend legte er kurz den Kopf schief und schmunzelte mich freundlich an.

Ich schmunzelte zurück und legte mich wieder hin. Der Koloss hob einen seiner langen Arme und machte mit der Hand eine einladende Geste. Frei übersetzt, komm her, leg Dich zu mir. Da mir lausig kalt war und ich nichts gegen seinen Schutz einzuwenden hatte, kroch ich zu ihm und er nahm mich in den Arm. Mit seiner riesigen Hand drückte er erneut meinen Schädel auf den weichen Boden.

„Flu“, flüsterte er ganz leise.
„Ja ich weiß, ich soll schlafen. Flu – schlafen. Hör zu Dot, wie komme ich wieder nach oben? Au-Dessus, Ville? Up, Town?“, fragte ich ihn ebenfalls flüsternd.

„Nai Town Bruder! Ksss Menschen in Town! Nix Meat-Menschen, Pain-Menschen, Pain versteht es uns?“, antwortete er leise.
„Verstehe. Menschen gefährlich. Aber ich komme von oben! Up Town. In Town – up. Wolken, Nuages, Clouds - daher ich“, versuchte ich ihm zu erklären, dass ich außerhalb des Landes angereist war.

„Wir wissen, es ist ein White Stray Dog“, grinste er und zeigte mit einem seiner langen Finger nach oben, ehe er mich sanft streichelte.
„Ja gut ein Streuner bin ich zwar nicht, aber wenn Du meinst“, kicherte ich leise.

„White Stray Dogs kommen von up, selten. Kommen was zu zeigen, zu klären, dann wieder weg. Das Bild von Legende spricht zu uns - Stray Dogs gibt uns Wissen, Essen, süß und lecker. Lang Zeit her. Die Bilder, sie zeigen uns. Selber wir nicht gesehen, andere Brüder Strays gesehen. Stray Dogs sind wild Ones Bruder. Stray viel Danger für Menschen“, erklärte er und deckte mich mit einigen Lumpen zu.

„Ein anderer wie ich kam einst vor langer Zeit hierher? Wissen können wir teilen Dot, Futter kann ich Dir leider nicht bieten. Ein Souvagner, ein Albino, ein GMO? Weißt Du überhaupt was ein GMO ist? Vermutlich nicht. War ein White one hier? Weiß? Seine Farbe wie meine?“, versuchte ich es.

„Weiß wie es hier, so war es auch. Strays immer weiß. Es gekommen zu uns, weil Bruder für den wir fühlen gefallen ist, von Meat-Menschen ja?“, fragte er und tippte mir auf den Kopf.
„Stray Dog will zurück zu den Wolken. Den Weg? Weißt Du den Weg?“, grinste ich ihn an und zeigte nach oben.

„Neues uns Flu! Flu jez, stray bald. Es sagt warum bei uns. Vorher nichts zu Wolken“, antwortete er fürsorglich und legte schützend den Arm richtig um mich.
„Du meinst ich soll Dir sagen warum ich hier bin? Mein Ausbilder hat mich hergeschickt. Morgen früh versuchst Du mir den Weg zu erklären Dot“, antwortete ich gähnend.

Allerdings wusste ich da noch nicht, dass ich noch eine ganze Zeit bei dem Rudel und Dot bleiben würde. Dot hatte ich den Leader des Rudels einfach getauft, da er so dunkel war und viele helle Punkte hatte.

Meine Erklärung an dem Abend, schien er entweder nicht verstanden zu haben oder zu ignorieren. Kurz bevor ich eingeschlafen war, merkte ich dass er mich ganz behutsam an seine riesige Brust drückte und mich beruhigend kraulte.


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Re: Taudis 42

#3

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 00:05

Der Morgen danach

Am Morgen wachte ich auf und schaute mich desorientiert um. Mit den Knochenschmerzen kam auch schlagartig die Erinnerung zurück. Ich war in die Tiefen von Taudis 42 gestürzt und eine Horde Separe hatte mich gerettet. Jeder aus dem Rudel hatte mir beigestanden und mir geholfen, allen voran „Dot“ ihr Anführer.

Leise versuchte ich aufzustehen, konnte mir aber ein Keuchen nicht verkneifen als ich mein linkes Bein belastete. Meine Vermutung war ein verstauchter Knöchel, gebrochen fühlte er sich nicht an. Dafür war der Schmerz zu groß. Verstauchungen schmerzten komischer weise immer mehr als Brüche. Dot richtete sich neben mir auf und hielt mich am Oberarm fest um mich zu stützen. Vorsichtig machte ich einige Schritte. Es ging, wenn ich langsam lief. Der gewaltige Separe schaute mir dabei besorgt zu. Ich blieb genau vor ihm stehen und schaute zu ihm auf.

„Kennst Du den Weg in die Stadt?“, fragte ich direkt.

Er schaute mich nur verständnislos an und zuckte die gewaltigen Schultern. Dot rief in ihrem Slang etwas und einer der dünnen Separe gesellte sich zu uns. Zur Begrüßung berührte er zuerst Dot und dann mich am Arm. Dot erklärte irgendwas lang und breit und deutete dann auf mich. Mir nickte er freundlich zu.

„Wir verstehen nicht was Du sagst. Erneut! Sag´s erneut Stray Dog. Los“, grinste mich der dünne Separe an und streichelte mir aufmunternd über den Schädel.

Für einen Moment starrte ich nun den Separe verdattert an.

Dass sie einen ständig betatschten war mir unheimlich. Aber im gleichen Moment fiel mir ein, warum sie es taten - aus dem gleichen Grund warum wir uns früher ständig berührten. Einfach um uns Nähe zu vermitteln.

Sie waren freundlich zu mir, sie hatten mich in ihre Mitte aufgenommen. Aus dem Grund legte ich ihm eine Hand auf die Schulter und nickte ihm freundlich zu.

„Ich möchte gerne wissen, wie ich in die Stadt komme. Wie komme ich zu den Menschen?“, fragte ich Mince.

Mince - dünn, so taufte ich meinen neuen Freund und Dolmetscher.

„Durch die Tunnel. Tunnel sind zu durch Metallwände. Wände gehen ab und an weg. Dann kommen die Meat-Menschen hier. Wenn wir schlau sind, warten wir vor so eine Metallwand. Kommt ein Meat-Mensch sind wir schon bei ihm. Du hast Hunger?“, fragte mich Mince und kramte in seinen Taschen.

Dabei brabbelte er wie ein Stakkato auf Dot ein. Dieser schaute mich betreten an, kramte auch in seinen Taschen und drückte mir ein Stück Fleisch in die Hand.

„Manjar“, sagte Dot freundlich.
„Essen!“, erklärte Mince direkt hilfreich hinterher.

Ich schaute mir das Stück Fleisch an. Es war ein Stück von Candice Grineufs Leuten. Oberarm vermutete ich. In dem Moment wusste ich einfach nicht wie ich reagieren sollte. Wegwerfen konnte ich das Essen nicht. Auf der anderen Seite konnte ich es auch nicht essen. Ich spürte wie die Übelkeit in mir hochstieg und zeitgleich hatte ich eine Idee. Es gab den uralten Kult der Beißer, brutale Menschenfresser, angeführt durch einen uralten Vampir. Jene Beißer verfügten über rasiermesserscharfe Zähne. Ich selbstverständlich nicht.

„Kann ich nicht essen, hab keine scharfen Zähne“, antwortete ich Mince und Dot.

Immerhin hatte ich gesehen, wie sie aßen. Sie aßen das Fleisch das sie erbeutet hatten, wie wir ein halbes Hähnchen verspeisen würden. Mince starrte mich betroffen an und übersetzte Dot was ich gesagt hatte.

Dot packte meine Hände und schaute sich meine Finger an. Was immer mit meinen Fingern nicht in Ordnung war, schien Dot genauso zu betrüben wie meine Info an Mince, dass ich keine Reißzähne hatte.

Erneut diskutierten sie darüber, was mit mir los war. Dabei wollte ich nur den Weg zurück in die Stadt beschrieben bekommen. Tunnel die scheinbar durch Schleusen gesichert waren.

Nur wo waren diese Tunnel?

„Wir haben keine Scharf-Zähne und keine Krallen? Stray Dogs sind ohne Scharf-Zähne und Krallen?“, fragte Mince und riss mich damit aus meinen Gedanken.
„Nein, die haben wir nicht. Richtig alle von meiner Art sind so“, erklärte ich ihm freundlich.

„Es wird verhungern, wenn wir ihm nicht helfen!“, verkündete Mince und übersetzte seine Feststellung gleich für das ganze Rudel, was in allgemeiner Bestürzung endete und eine Diskussion los trat was zu tun wäre.

„Ich kann andere Dinge essen. Riegel zum Beispiel. Meat-Menschen tragen sie bei sich. Das essen wir“, schlug ich vor.
„Was das? Was ist Riegel? Zeigen! Wo finden wir das in den Menschen?“, forderte Mince und nickte eifrig.
„In ihren Taschen“, erklärte ich freundlich.

Mince kraulte sich das Kinn, was ihm irgendwie das Aussehen eines Professors gab.

„Lösung ist, wenn wir fangen Meat-Menschen wir geben Dir das Riegel-Fleisch. Fleisch zusammenlegen, Stray muss gucken“, forderte Mince und übersetzte es Dot und den anderen.

Die Separe legten eifrig das erbeutete Fleisch von gestern auf einen Haufen und Dot schleppte mich rüber.
„Guck Stray, Manjar“, forderte er mich auf. Mince schloss sich ihm an und befühlte die ganze Beute. Er schnappte sich etwas das aussah wie Leber und hielt es mir hin.
„Da weich, jetzt aber! Essen!“, sagte er und nickte Dot zu in der Hoffnung das Problem gelöst zu haben.

„Nein, falsch. Wo ist die Kleidung der Menschen?“, fragte ich Mince.
„Kleidung? Nein jetzt nicht gucken Kleidung. Nein nein nein. Erst Essen! Mund auf“, forderte Mince mit liebevollem Nachdruck.

„Das Essen ist in der Kleidung!“, versuchte ich etwas verzweifelt zu erklären.
„Wir wissen das Stray! Wir die Meat-Menschen aus der Kleidung gepellt. Hier guck nur, weich und gut. Komm. Wir machen es klein für Dich“, entschied Mince, riss das Fleisch in kleine Fetzen und hielt mir einen davon hin.

„Nein, ich meine dass die Riegel in der Kleidung der Menschen ist. In ihren Taschen in der Kleidung. Es sind Körner, wie Stangen zusammengefügt ja? In Folie eingeschweißt“, erklärte ich und versuchte das Essen zu ignorieren.

Die anderen hatten um uns einen schützenden Kreis gebildet und warteten ab, was die Verhandlung zwischen Mince, Dot und mir ergeben würde. Zeitgleich stellte sich ein anderer Separe hinter mich, der nur ein klein weniger kleiner als Dot war. Dafür war er etwas breiter und wesentlich heller gefärbt. Er war grau weiß und hatte einen weißen Kreis um ein Auge.

Dieser Separe legte mir einen seiner langen Arme um die Schulter, ergriff mit der Hand mein Handgelenk und hielt mich so fest. Dot nahm Mince das Fleisch aus den Klauen und stellte sich genau vor mich. Was die beiden vorhatten war klar – Zwangsfütterung.

„Dot ich warne Dich! Ich beiße Dir in die Finger“, drohte ich ihm wütend, musste aber dann blöde grinsen als er einen seiner langen Finger zum Nein-Zeichen schüttelte. Mince schloss sich Dots Meinung an und machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Es macht Witze. Es hat keine Scharf-Zähne, es kann nicht beißen“, lachte er vergnügt, was die anderen ebenfalls loslachen ließ.
„Danke für Deine Hilfe Bruder“, schmollte ich.
„Gerne Bruder“, nickte er ergriffen, "Essen hier nimm. Mund auf jetzt".

Sarkasmus verstanden sie nicht.

„So jetzt nochma…“, weiter kam ich nicht, da Dot meinen Kiefer grabschte und mir einen Brocken Leber in den Schlund stopfte. Danach hielt er mir den Mund zu.
„Hmmm Manjar“, grinste er mich an.

Mir wurde warm und kalt zugleich, als ich den wabbel-weichen Fleischklumpen in meinem Mund spürte. Dots Gehilfe strich mir behutsam über die Kehle, als Zeichen dass ich Schlucken sollte. Ich presste die Zähne fest aufeinander und schüttelte den Kopf.

„Warum ist es nur so stur?“, fragte Mince nervös.
„Manjar, essen jetzt Stray. Jetzt“, sagte Dot liebevoll.

„Bitte ich will nicht“, bettelte ich durch zusammengebissene Zähne.
„Doch“, hielt Dot dagegen und legte mir beruhigend seine riesige Pranke auf den Kopf.

Ich schaute ihm in die Augen und er schaute unverwandt zurück. Eines war klar, nachgeben würde er nicht. In seinen Augen war mein Verhalten völlig unlogisch und gefährlich, da ich scheinbar in Hungerstreik getreten war.

Während sein Kollege mich festhielt, wartete Dot einfach ab und kraulte mir beruhigend den Schädel. Er würde warten, egal wie lange es dauerte. Verhungern lassen würde er mich auf keinen Fall. Ich schloss die Augen so fest ich konnte und würgte das Stück Fleisch herunter. Dot nickte anerkennend und hielt mir das nächste Stück hin.

„Jetzt weiß Stray wie, Manjar“, forderte er erneut.
„Dot hör zu. Lass mich bitte die Kleidung durchgucken ja. Bitte. Danach Manjar, ich schwöre“, bettelte ich ihn an.
Dot nickte knapp, schaute Mince aber zur Rückversicherung an. Mince übersetzte ihm meine Bitte.

„Stray darf das machen, danach es macht Manjar“, stimmte er zu.

Sein riesiger Kumpel ließ mich vorsichtig los und Mince half mir rüber zu dem Haufen Kleidung. Die neu erbeutete Kleidung hatten sie auf einen Haufen geworfen. Was in den Taschen zu finden war, hatte noch niemand gelehrt. Allerdings war es auch noch früh am Tag. Essen war hier wichtiger als alles andere. Und so hatten sie sich zuerst die Bäuche vollgeschlagen und dann satt und glücklich die Nacht verbracht.

Ich hoffte inständig, dass einer von Candice Grineufs Männern wenigstens einen Riegel dabei hatte. Egal ob Müsliriegel oder etwas anderes. Wenn ich noch mehr von dem Fleisch herunter würgen musste, würde ich garantiert krank werden. Denn im Gegensatz zu den Separe, war mein Magen rohes Fleisch nicht gewohnt.

Meine Ausbeute waren zwei Schokoriegel und ein Müsliriegel. Stolz wie Trophäen hielt ich sie hoch und zeigte sie dann Dot.

„RIEGEL!“, erklärte ich freudestrahlend, riss sie auf und schlang sie wie ein ausgehungertes Tier herunter.

„Das ist Riegel? Das Abfall! Wir werfen das weg. Das ist Essen von Stray?“, fragte Mince neugierig.
„Ja das essen wir“, stimmte ich zu.

„Wir gucken wo wir die anderen Riegels gelassen. Wir schmeißen auf ein Haufen, was wir nicht brauchen. Vielleicht ein anderes von uns braucht es noch. Riegel, verborgen in Menschen, in Kleidung, in Hülle. Wir finden es“, sagte Mince gut gelaunt, drückte mich kurz und flitzte dann mit einer Geschwindigkeit davon, die ich dem Separe nicht zugetraut hätte.

Dot gesellte sich zu mir, nahm mich auf den Arm und trug mich zurück zu unserer Schlafstätte. Die anderen Separe schnappten sich wieder einen Anteil vom Fleisch und begannen zu frühstücken. Dot tat es ihnen gleich, nahm sich ebenfalls ein Stück Fleisch und ließ es sich neben mir schmecken. Dabei rutschte er ganz nah zu mir auf.

Für Sekunden musste ich eingeschlafen und im Sitzen umgefallen sein, denn ich lag auf der Seite und die anderen lachten gut gelaunt. Blinzelnd schüttelte ich die Müdigkeit ab und lehnte mich an Dot an.

„Fall von Sekundenschlaf oder so“, prustete ich und knuffte ihn.
„Husch Flu“, lachte Dot brummend.

Er biss mir sanft in die Schulter, ehe er einen Arm um mich legte und seinen Kopf an meinen schmiegte. Dot schmuste ganz vorsichtig mit mir. Ich ließ ihn gewähren und schloss die Augen. Mit einem Finger malte er die Tätowierungen auf meinen Wangen nach.

"Stray", flüsterte er mir dabei zu.
„Pierre“, sagte ich und fasste auf meine Brust.
„Pierre. Stray ist Pierre“, grinste Dot glücklich.
„Dot“, sagte ich und fasste auf seine Brust.
„Dot“, wiederholte er, dachte einen Moment darüber nach und nickte dann als Zustimmung.

Die anderen hatten teilweise ihr Frühstück beendet und widmeten sich nun dem Aufteilen der Kleidung. Andere waren noch am Essen, wieder andere waren damit beschäftigt Schüsseln aus alten Tragebeuteln zu holen und verschwanden dann mit diesen zurück in die Gänge, aus denen wir gestern gekommen waren. Ich beobachtete kurz das Treiben des Rudels, ehe ich mich neben Dot zusammenrollte um noch etwas zu schlafen.

Dot breitete meinen Einsatzumhang über mich aus und tastete vorsichtig mein Bein ab. Er legte sich zu mir und drückte sich behutsam an mich. So lag der Hüne in meinem Kreuz und schirmte mich mit seinem gewaltigen Körper ab.

Er wartete einen Moment bis ich angenehm lag, dann streichelte er mir den Rücken entlang nach unten und legte seinen schweren Schädel auf meiner Schulter ab.

„Pierre“, flüsterte er liebevoll und streichelte mich zärtlich noch tiefer.
Ich schnappte mir seine Hand auf Wanderschaft, zog sie wieder nach vorne und hielt sie fest. Damit er nicht auf weitere Ideen kam, legte ich meinen Kopf auf seiner Pranke ab und nagelte sie so fest.

"Flu Dot", antwortete ich ihm grinsend, was ihn loslachen ließ.
Er stupste mich kurz an und machte es sich dann in meinem Kreuz gemütlich.


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Re: Taudis 42

#4

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 00:27

Wasser

Dot weckte mich einige Stunden später und zog mich auf die Beine. Das Rudel packte seine Sachen zusammen und zog los. Im Gegensatz zum Vortag waren wir wie gesagt nicht mehr ganz so viele Leute. Es waren mehrere Rudel gewesen, die gemeinsam auf Jagd gegangen waren.

Unser Leader übernahm die Führung, gefolgt von zwei weiteren Brechern mit ähnlicher Statur. Der Rest folgte in loser Formation. Mince wanderte neben mir und wenn ich zu ihm rüber schaute, grinste er mich breit an.

"Wohin gehen wir Bruder?", fragte ich ihn neugierig.
"Zum Wasser Stray. Wasser ist wichtig. Aber es ist gefährlich Wasser zu holen. Blitze wohnen drin. Man kann vom Rand das Wasser nehmen, aber nur mit Plastik. Schalen aus Plastik, Flaschen aus Plastik. Es muss an Fäden sein. Stray darf das Wasser im großen Becken nicht berühren. Berühren heißt es stirbt. Du fragst Bruder", sagte Mince und deutete auf einen Separe der einen Umhang mit Kapuze trug.

"Gardien, er sammelt Wissen. Ich gebe ihm dem Namen Gardien. Du meinst im Wasser ist Elektrizität? Das ist sehr gefährlich. Gibt es keine andere Möglichkeit an Wasser zu kommen? Was ist wenn es regnet? Könnte man dann nicht Gefäße aufstellen, dort wo das Loch im Himmel ist?", fragte ich Mince.

"Kann es schon tun, woher weiß es wann es regnet?", fragte Mince zurück.
"Das weiß es nicht. In meiner Sprache, das weiß ich nicht Mince. Ich kann nicht wissen wann es regnet", antwortete ich ehrlich.

"Stray wenn Essen fehlt, wir können hungern und warten. Wenn uns Wasser fehlt, werden wir krank. Wir wissen von Regen, aber wir können mit Regen nicht planen. Anderes Wasser ist giftig, wir sterben wenn wir es trinken. Dieses Wasser ist gut und gesund, aber es ist gefährlich zu holen, wegen Blitze. Darum müssen wir planen. Vorsichtig zu dem Wasser mit den Blitzen gehen und vorsichtig das Wasser nehmen. Bruder weiß schon wie, keine Angst. Großer Bruder weiß Weg keine Sorge", erklärte Mince freundlich und knuffte mich.

Das Dot den Weg kannte, daran zweifelte ich nicht. Aber dass ich mir keine Sorgen machen musste, das glaubte ich eher weniger. Der Weg war nicht einfach eine Wanderung von A nach B, sondern es war ein Marsch der mit Kletterpartien unterbrochen wurde. Überall in Taudis 42 lagen Trümmer, Metallstreben und andere Ruinenteile herum, die einem den Weg versperrten.


Die Separe hatten keine Probleme diese Hindernisse zu überqueren. Bei mir sah das mit meinem Knöchel schon anders aus. Irgendwann war ich das Schlusslicht in der Gruppe. Mince und Gardien warteten auf mich, damit ich nicht den Anschluss verlor. Ich folgte den beiden in meinem Tempo, da ich nicht vorhatte mir noch etwas zu brechen, oder schlimmer noch mich an irgendeinem der Trümmerteile zu schneiden. Hier unten war alles verdreckt, aber was sollte man auch anderes von einer unterirdischen Müllhalde erwarten?

Bei der nächsten Abzweigung starrte ich auf einen erneuten Abfallberg. Mince und Gardien warteten auf einem T-Träger und sahen mir erwartungsvoll entgegen. Selten dass wir außer Atem geraten, aber bei diesem Marsch war ich es. Ständig die Augen überall zu haben und darauf zu achten wo man hintrat da alles glitschig war, dazu noch auf scharfkantige Trümmer zu achten trug nicht dazu bei, dass ich mich besser fühlte. Dafür konnten allerdings die beiden Separe nichts. Sie warteten, damit ich das Rudel nicht verlor.

Kaum dass ich zu ihnen aufgeschlossen hatte, zogen sie langsam weiter. Zwischen dem ganzen Abfall war es hier überall feucht. Wasser war in der Nähe, aber wie mir Mince erklärt hatte, war das meiste davon giftig. Gut das Wasser dass ich hier sah, hätte ich nicht mal unter Androhung von Waffengewalt getrunken, dass stand fest.

Als wir die Schutt- und Abfallhaufen hinter uns gelassen hatten, standen wir plötzlich in einer sandigen Röhre und ich erkannte, dass dies vor Ewigkeiten mal ein U-Bahn-Tunnel gewesen sein musste. Zum Glück war er trocken und frei von jedem Müll. Das Rudel wartete auf uns drei und Dot musterte mich mit Argusaugen. Mince hakte mich unter und Gardien legte mir einen Arm um die Hüfte um mich zu stützen.

"So gehen wir zu drei hier", erklärte Gardien mir aufmunternd.
"Geht schon, hier kann ich laufen. Nur Klettern ist Merde", antwortete ich ihm, was ihn grinsen ließ.

"Langsam! Es kann nicht so schnell laufen. Es ist verletzt", erklärte Mince und übersetzte es dann für jene die seine Äußerung nicht verstanden hatten in ihren Slang. Ich vermutete rein aus Freundlichkeit hatte er zuerst in meiner Sprache gesprochen.

Dot kam zu uns rüber, schob Gardien und Mince vorsichtig zur Seite und nahm mich einfach Huckepack.

"Flu nix hilf Stray hm?", fragte er über die Schulter.
"Nein Großer, Schlaf hat nicht geholfen", sagte ich leise.

Er tätschelte kurz mit einer Pranke meine Hände und nahm wieder die Führungsposition ein. Erneut zogen wir los, ich hatte diesmal das Privileg von Dot getragen zu werden.

Der Weg war angenehm, keine Trümmer, der Boden voller Sand und so kamen wir ziemlich leise an den Ort, an den uns Dot führen wollte. Wir traten aus dem Tunnel heraus und schauten auf eine große eingebrochene Wand. Dahinter lag ein Schwimmbad!

Die einst weißen Kacheln waren gebrochen und vergilbt, ein Gang rechts führte hinter das Becken in irgendwelche Räumlichkeiten, vermutlich Umkleidekabinen. In dem Wasser lagen einige Kabel, was die "Blitze" im Wasser erklärte. Ich fragte mich warum die Sicherungen nicht rausgeflogen waren. Vermutlich weil das Wasser leitete und so der Stromfluss nicht unterbrochen wurde.

Zeitgleich fiel mir ein, dass meine Frage die Antwort auf unser Wasserproblem war. Wenn ich die Sicherungen fand und ausschaltete, dann konnten wir die Kabel problemlos aus dem Wasser ziehen und wir hätten einen gewaltigen Wasservorrat.

"Dot lass mich runter, ich will das Wasser angucken", bat ich den riesigen Separe.
Dot schaute mich über die Schulter mit hochgezogener Augenbraue an, ließ mich aber runter.

Vorsichtig ging ich zum Becken und schaute mir die Kabel an die hineinführten. Im Gegensatz zu den anderen trug ich Stiefel mit dicker Schutzsohle. Allerdings würden die mir auch nichts nützen, falls ich ins Wasser stürzen sollte.

"Mince sag den anderen sie sollen warten wo sie sind. Ich werde die Blitze aus dem Wasser entfernen", bat ich meinen Kumpel.
"Stay", bat er die anderen laut und sie hockten sich abwartend hin. Er selbst blieb stehen und musterte mich erwartungsvoll.

"Stray vorsichtig, Danger das Wasser!", rief mir Dot mahnend zu.
"Ja, keine Angst", antwortete ich ihm.

Ich ging so nah wie ich konnte an das Becken heran und spähte über den Rand. Die Kabel waren normal dick, es handelte sich also um Kabel für die Deckenbeleuchtung oder ähnliches und nicht um Hochspannungskabel.

Vorsichtig schnappte ich mir ein Kabel, dort wo es über dem Becken hing und fing an es behutsam aus dem Wasser zu ziehen. Als ich die offene Stelle fast in Händen hielt zog ich das Kabel ganz aus dem Wasser. Es zischte und knisterte. Wie eine Giftschlange die ich am Nacken gepackt hatte, hielt ich das Kabel fest und schaute mich nach einem Metallstück um. Lange musste ich nicht suchen.

Seltsamerweise lag eine Metalltür in der Nähe. Ein Stück Metall, das kein Rudelmitglied berührte. Anders wäre es bei Trägern oder Schienen gewesen. Unbemerkt hätte ein Rudelmitglied auf einem Stück Schiene stehen können.

Also war so ein Stück Metall für mein Vorhaben zu gefährlich, denn ich wollte das Kabel daran halten. Eine einzelne Tür kam mir wie gelegen. Ich drückte das Kabelende dagegen und es gab einen lauten, zischenden Knall. Über uns die knallte die restliche Deckenbeleuchtung mit einem Donnern durch.

Das Rudel war aufgesprungen und mit einem Satz zurück in den Tunnel gelaufen, bis auf Dot.

"STRAY!", brüllte er besorgt.
"Alles gut, alles gut Dot. Stay dort wo Du bist. Bleib da", antwortete ich ihm.

Durch einige Durchbrüche in der Decke fiel immer noch genügend Licht herein. Dem Gang rechts neben dem Schwimmbad folgend, machte ich mich auf die Suche nach dem Sicherungskasten. Eigentlich musste ich nur meiner Nase folgen, denn es stank nach verschmorten Leitungen. Als ich den Kasten gefunden hatte, drehte ich alle Sicherungen heraus und steckte sie ein. Sicherheitshalber suchte ich noch einmal das ganze unterirdische Gebäude ab, aber es war der einzige Sicherungskasten den ich finden konnte.

Dafür fand ich tatsächlich zwei Umkleidekabinen, zwei Duschräume und Sanitäranlagen. Wenn das kein Glücksfall war.

Ich lief zurück zum Schwimmbad und zog die restlichen Kabel aus dem Becken, rollte sie auf und band sie mit einem Stück Stoff dass ich von meinem Umhang abriss zusammen. Gut gelaunt begutachtete ich mein Werk.

"Wir haben Wasser ohne Blitze", verkündete ich meinem Rudel.

Ganz langsam kamen sie näher und musterten das Wasser. Eine der Separin schnappte sich eine vorbei huschende Ratte und schmiss sie ins Wasser.

Quiekend schwamm sie ans andere Ende des Beckens, kletterte heraus und schüttelte sich trocken, ehe sie im Dunkeln der Tunnel verschwand. Die Frau war wirklich clever.

"Wise-One, so nenne ich Dich", grinste ich sie an und sie schmunzelte zurück.
"Stray klug! Es schenkt uns Wasser ohne Blitze", freute sich Dot und drückte mich felsenfest an sich.
"Gerne Dot", freute ich mich mit.

"Wasser nehmen?", fragte Mince.
"Nein, gleich. Ich will Euch noch was anderes zeigen. Folgt mir", bat ich das Rudel. Dot nickte zustimmend und ich führte sie durch den langen Seitengang in eine der Umkleidekabinen.

"Dot der Raum ist trocken, gut zu bewachen und in der Nähe Wasser zum Trinken. Unser neues Nest? Was meinst Du?", fragte ich unseren Anführer.

Mince übersetzte für mich und nickte eifrig. Dot schaute sich um und nickte ebenfalls.
"Gutes Nest gefunden Pierre", grinste er mich breit an.

Er befahl den Brechern etwas und sie begannen damit die Spinde und Bänke aus den Verankerungen zu reißen und nach draußen zu schleppen. Binnen Minuten war der Raum leer. Mince und ich durchstöberten die Schränke draußen nach alten Decken und Kleidungsstücken. Auch die zweite Umkleidekabine durchstöberten wir und schleppten unsere Beute in unser neues Nest.

Die Kleidungsstücke und Decken warfen wir auf einen Haufen und suchten direkt nach Nachschub, während die Frauen die Sachen als Untergrund ausbreiteten. Als unsere Suche beendet war, suchte sich jeder einen gemütlichen Platz.

Dot bezog ganz außen rechts die hintere Raumecke. Auf der gleichen Seite war auch der Türeingang, vermutlich wollte er jeden Feind sofort erspähen. Ich gesellte mich zu ihm und machte es mir neben ihm gemütlich.

"Schönes neues Nest?", fragte ich ihn und schaute zu ihm hoch.
"Sehr gut", stimmte er mir zu. Er lehnte sich an die Wand an und musterte mich eingehend. Ich ließ mein Blick über das Rudel schweifen, als er mir eine seiner Pranken auf den Rücken legte.

"Pierre Baise hm?", gurrte er mir ins Ohr und streichelte meinen Rücken.

Was er genau mit Baise konnte ich mir denken. Wobei meine Vermutung nicht stimmen musste. Und falls meine Vermutung stimmte und er mit mir Sex haben wollte, hatten wir da noch ein Problem - Dot war starrend vor Dreck.

Gut ich war in dem Moment vermutlich auch nicht viel sauberer, aber immerhin etwas. Und so schmutzig wie er war, wollte ich ihn erst säubern bevor ich ihn ranlassen würde.

Dot strich mir über den Schädel, packte mich und zerrte mich auf seinen Schoß. Mit einer Hand hielt er mich fest, mit der anderen streichelte er mir über den Rücken. Dabei beknabberte er vorsichtig meinen Hals und meine Schultern. Ab und an verpasste er mir einen Hieb mit seinem Schädel, als Aufforderung mitzuspielen. Sachte schüttelte ich ihn ab und befreite mich aus seiner Umarmung. Ganz entgegen meiner Befürchtung ließ er mich sofort los.

"Nai?", fragte er bedauernd.
"Doch! Komm mal mit", grinste ich ihn an, stand auf und reichte ihm die Hand.

Er schlug sie spielerisch zur Seite und stand auf. Ich schnappte mir eine seiner Pranken und führte ihn in den Duschraum.

"Hoffentlich funktionieren die Dinger noch", kicherte ich und drehte eine Dusche auf.

Die Dusche gab zuerst ein grauenvolles Quietschen von sich, dann fing es an in ihr zu blubbern und zu grollen, ehe auf einmal braunes Wasser aus ihr heraus schoss. Wir warteten einen Moment, indem ich Dot einfach an der Pranke festhielt. Nicht lange und aus der Dusche kam sauberes Wasser. Woher es auch immer gespeist wurde, es war klar und rein.

Ich stellte mich glücklich unter die Dusche und genoss das Wasser. Mir war völlig egal, dass ich dort in Gear stand. So wurde ich wenigstens komplett sauber. Dot folgte meinem Beispiel und quetschte sich neben mich. Dabei hockte er sich hin um unter die Dusche zu passen.

Langsam zog ich mich aus und warf meine Sachen zur Seite. Dot musterte mich mit schräg gelegtem Kopf und blinzelte mir zu. Als ich anfing ihn ebenfalls auszuziehen, stockte er zuerst, ließ mich dann aber gewähren.

Mein Shirt benutzte ich als Waschlappen um ihn richtig sauber zu schrubben und zwar überall. Zärtlich hielt ich ihm die Augen zu und wusch ihn von oben bis unten. Er hatte sichtlichen Spaß und umarmte mich. Dabei stellte ich fest, dass Dot genauso groß war wenn er hockte wie ich, wenn ich stand. Ich küsste ihn auf den Kopf und grinste ihn herausfordernd an.

"Jetzt Baise, nach Regen", flüsterte ich in sein Ohr und biss liebevoll hinein.

Er grabschte mich um die Hüfte und biss mir zuerst ins Kinn und dann zärtlich in den Hals. Ganz langsam zog er mich auf seinen Schoß. Ich entwand mich ihm ein Stück, packte seinen Schädel mit beiden Händen und küsste ihn fest auf den Mund.

Liebevoll kratzte er mit zwei Krallen über mein Kreuz was mich erschauern ließ und ich streichelte mit meiner Zunge seine. Küssen kannte er nicht, aber es gefiel ihm. Es war seltsam, aber als mich Dot draußen ohne zu zögern losließ, hatte er mich auf andere Art an sich gebunden. Etwas Derartiges hatte ich vorher noch nie zuvor für jemand Fremdes empfunden. Er war keiner von uns, aber ich vertraute ihm.

Er verpasste mir einen Schubs, wir verloren das Gleichgewicht und fielen der Länge nach hin. Prustend wälzte sich Dot mit mir unter der Dusche herum. Wir rangen miteinander.

Sein Prusten erstarb so plötzlich, wie es angefangen hatte. Dot blinzelte mich liebevoll an und nahm mich ganz sanft in die Arme. Erneut ließ ich ihn gewähren. Dot streichelte mit zwei Fingern meine Wange, meine Lippen, meinen Hals, meine Schultern, dann wanderte er tiefer.

Baise - wir taten es.

Einige Zeit später kehrten wir in unser neues Nest zurück. Die nasse Kleidung hatte ich mir einfach über den Arm geworfen. Mince grinste mich zur Begrüßung breit an, während ich unsere Klamotten zum Trocknen ausbreitete.

"Es fühlt für Bruder?", fragte Mince gut gelaunt und knuffte mich.
"Stray fühlt für Dot, ja", antwortete ich ehrlich.
"Dot fühlt für Pierre", stimmte der Hüne liebevoll zu und biss mich zärtlich in die Schulter.

Wir machten es uns in unserer Ecke bequem und streckten uns lang aus. Mince legte sich auf der anderen Seite ganz eng neben mich und schaute mich erwartungsvoll an.

"Es schenkt uns Namen, es schenkt uns Wasser, es schenkt uns neues Nest, es fühlt für Bruder. Es bleibt bei uns?", fragte Mince hoffnungsvoll.
"Ich weiß es nicht Mince", sagte ich und irgendwie wusste ich wirklich nicht, was ich antworten sollte.

Einerseits gehörte ich nicht in den Taudis 42.
Alles was ich liebte, war außerhalb von Taudis 42 - es lag in Souvagne.

Dot nahm mich in die Arme und drückte mich an seine Brust. Ich schmiegte mich an ihn, lehnte meinen Kopf an seine gewaltigen Brustmuskeln und streichelte ihn.

"Hat Pierre Rudel oder Stamm oben?", fragte Dot und kraulte meinen Rücken.
"Einen Stamm? Ja. Mein Volk ist mein Stamm. Brüder? Nein. Meine Brüder sind gestorben, vor sehr langer Zeit Dot", antwortete ich ihm und küsste ihn auf die Kehle.

Dot drückte mich kurz fester an sich und Mince umarmte mich von der anderen Seite.

"Mag es uns sagen wer seine Brüder getötet hat?", fragte Mince.
"Niemand Mince, sie starben weil sie krank wurden. Mein Vater ist der Leader von unserem Stamm. Bei uns sagt man zu ihm Duc. Er beschützt seinen Stamm, so wie Dot das auch macht. Versteht Ihr das?", fragte ich.

Mince musterte mich nur, während Dot mir über das Gesicht strich.

"Wir verstehen das Pierre. Wir verstehen es ganz tief. Schlimme Pain. Bruder für den Dot fühlte, die Menschen haben ihn geholt. Haben ihn getötet. Lange her. Pierre ist ein neues uns, gehört nun zu unser Rudel.

Wir fühlen für Dich. Dot fühlt für Dich Pierre. Du geschickt hier, Pierre kein Gefährte. Dot kein Gefährte. Wir fühlen für einander. Stay Stray ja? Stay", sagte Dot und schmuste mit mir.

Ich nickte wortlos in seinen Armen. Dass hieß zwar nicht ja, aber ich dachte ernsthaft darüber nach, was an einem Leben in der Kanalisation so schlecht sein sollte, wenn man dort geliebt wurde.


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Re: Taudis 42

#5

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 01:19

Träume

Ich hockte gemütlich im Schneidersitz auf dem Boden und durchstöberte den Beutel von Dot. Seine persönlichen Habseligkeiten waren nicht viele. In einer alten, kleinen Plastiktüte hatte er Kronkorken aufgehoben.

Da ich nichts anderes zu tun hatte, schaute ich mir die einzelnen Kronkorken an. Sie waren mit schönen Mustern verziert. Vielleicht sammelten Dot und einige andere Separe sie deshalb. Schön waren sie jedenfalls. Dot gesellte sich zu mir, legte mir kurz die Hand auf die Schulter zum Gruß und machte es sich neben mir gemütlich.

„Wozu brauchst Du die?“, fragte ich und hielt ihm einen Kronkorken hin.
„Kleine Schneidlinge? Hässliche zum Schneiden, schöne zum Aufheben“, grinste er mich an.
„Stimmt, dass ist eine sehr gute Idee“, pflichtete ich ihm bei und klopfte auf meinen Oberschenkel, „leg Dich hin wenn Du magst. Ich kraule Dich“.

Dot streckte sich neben mir lang aus und legte seinen Kopf auf meinen Oberschenkel ab. Den Arm auf dem er sonst lag, legte er mir um die Hüfte. Dabei fiel mir erneut auf, wie groß er war. Zärtlich kraulte ich ihm den gewaltigen Schädel und musterte die seltsam gefärbte, riesige Narbe in seinem Nacken. Sie zog sich von seinem ersten Halswirbel bis zu seinem Hinterkopf hoch. Vorsichtig strich ich mit meiner Hand darüber und ließ sie einen Moment dort liegen.

„Pain? Tut das weh, wenn ich Dich da berühre?“, fragte ich ihn.
„Nai kein Pain“, antwortete er entspannt.

„In Ordnung Großer. Woher stammt diese Narbe? Was bedeutet sie? Ihr alle habt sie, nur unterschiedlich ausgeprägt. Narbe woher hm?“, fragte ich ihn und massierte ihm den Nacken.
„Stray neugierig“, kicherte Dot und machte den Rücken rund, damit ich ihn besser kraulen konnte.

Ich kraulte und massierte ihn fester, dabei beugte ich mich von oben zu ihm hinab um ihm ins Gesicht schauen zu können.

„Ganz genau, Stray ist neugierig“, grinste ich ihn an und küsste ihn auf den Mund.
„Vor Geburt. Da ist kaum Erinnerung. Wir wissen nur, wir haben gewartet. Dann setzen in ein… Dings. Alles wird fest... hält uns fest... dann Pain. Pain so groß, alles wird schwarz. Später… latz ja? Hier geboren. Stray sagt Wise-One zu es, Schwester Wise-One sagt das „Geburtsschmerz“. Menschen sagen so. Jedes von uns hat Narbe Stray, jedes von uns geboren. Versteht es mich ja? Geübt für Pierre Mensch-Laber“, versuchte Dot zu erklären und streichelte mein Bein mit seiner freien Hand.

„Dankeschön für das Üben Dot, dass freut mich sehr. Hm Schwester Wise-One hat Recht. Dieser Schmerz macht Euch sicher zu dem was Ihr seid, oder das Ding davor und Ihr habt Schmerzen dabei. Ich kann es mir nur so erklären, dass man irgendwas mit Euch im Labor macht um Euch zu verändern oder zu vernichten. Wenn die Menschen Euch für tot halten, werfen sie Euch weg.

Einige von Euch überleben aber und werden hier von anderen Separe gerettet. So kann ich Deine Erklärung zur Narbe nur deuten. Das Wissen das mir mein Ausbilder gab sagt – Ihr wart einst wie wir.

Menschen die aufgewertet oder genetisch verändert wurden.
Souvagner sind dies auch und dadurch keine Menschen mehr.

Ihr wurdet aussortiert von den Menschen und dann schmeißen sie Euch hier rein. Was sie da mit Euch in ihren Laboren machen, wissen wir nicht. Und anhand der Narbe kann ich es nicht erkennen. Es sieht nicht auf wie eine Stromnarbe oder so. Die sehen aus wie Verbrennungen guck“, sagte ich und zeigte ihm eine Narbe auf der Rückseite von meinem Oberarm.
"Narbe von Blitz, gemacht von einem Mensch“, erklärte ich Dot.

Er befühlte die Narbe vorsichtig und biss dann sanft in meinen Oberschenkel, seine Art mich zu küssen.

„Die Legende, die Bilder sagen auch so. Dot zeigt es Stray latz. Jetzt kein Pain mehr, jetzt bleibt Stray bei uns“, antwortete Dot und schmiegte sich fest an mich.
„Die Bilder der Legenden? Klar schaue ich mir gerne an. Sind da auch Bilder von Strays?“, fragte ich Dot und massierte ihn weiter.
„Beides ja, wir und Strays. Pierre wird es verstehen“, gab er gut gelaunt zurück. Man sah ihm deutlich an, dass er es genoss so gekrault zu werden und ich genoss es auch.

„Das magst Du“, grinste ich zu ihm runter.
„Stray, sprich von Dein Rudelboss, sag uns wo Du lebst. Wie lebst Du? Du manjar fremdes Zeug, was noch? Leben welche von uns bei Strays?“, fragte Dot neugierig und ich musterte ihn erstaunt.

„Ja klar, gerne mein Großer. Also wir Strays leben in einem Land, es heißt Souvagne.
Unser Land ist umgeben von der Mauer, und wir leben unter einem geschützten Himmel.
Die Mauer ist riesig und reicht bis in den Himmel. Unser Land hat einen Deckel, den Dome.
Dort leben nur solche wie ich. Keine Menschen sind dort, die einen angreifen oder Pain machen.

Ihr sagt Strays zu uns, wir heißen aber Souvagner.

Und ja in unserem Land essen wir andere Dinge. Manjar ist bei uns auch Fleisch, aber anderes von Nutztieren. Viele Strays essen Fleisch, andere gerne Fische, andere essen gerne Grünzeug also Pflanzen, dann auch Körner und Süßes.

Es gibt immer zu Essen und immer zu Trinken. Soviel bis alle satt sind. Niemand muss sagen, ich manjar nicht, damit Bruder manjar kann. Von außen kann niemand in das "Mauerland".

Kein Mensch kann einfach hinein.
Darum ist man dort sicher.

Falls einer versucht hinein zu kommen, gibt es Wächter. Wir selbst nennen sie Agenten, andere sagen aus Spaß Wachhunde. Ihr sagt Stray Dogs – streunende Hunde. Es stimmt auch, wir streunen herum und passen auf, dass kein fremder Mensch anderen Strays in dem Mauerland schadet, sie angreift oder Pain verursacht.

Versucht das ein Fremder, dann kommen die Stray Dogs und greifen diese Fremden an. Mal kommt nur einer allein, mal wenn es sehr gefährlich ist kommen viele und kämpfen gegen den Feind.

Einer davon bin ich zur Zeit. Aber nur eine begrenzte Zeit lang. Ich bin der Sohn von unserem Leader unserem Duc. Also muss ich kämpfen lernen. Darum arbeite ich zur Zeit dort.

Wenn ich hier aus 42 heraus komme, werde ich versuchen Euch nachzuholen. Aber wenn Du bei den Strays leben willst, musst Du etwas beachten. Auch Du darfst anderen kein Pain verursachen, niemanden angreifen und niemanden essen.

Dort bei den Strays sind alle Deine Brüder und Schwestern, sie sind ein Stamm.
Dein Rudel bleibt Dein Rudel.
Wir nehmen sie alle mit.

Mich würde es freuen, wenn Ihr bei uns leben könntet.
Ihr wart immer gut zu mir und das ohne Grund.
Ihr hättet mich angreifen können, aber Ihr habt mir geholfen.

Du bist anständig Dot. Wenn ich gehen muss Dot, sei nicht traurig. Ich versuche Euch nachzuholen, ich spreche mit meinem Vater“, versprach ich ihm und streichelte ihm liebevoll die Wange.

„Die Legende sagt so wie Pierre. Wir hören es von Stray selbst, noch schöner als die Legende zu gucken. Dot fühlt für Pierre, wenn es weggeht zum Gucken für ein Nest für uns in sein Mauerland, es geht gar nicht weg. Es macht was es immer macht, es macht stray zu spähen. Kundschaftung. Es weiß was das ist? Gucken wo Gutes ist für das Rudel. Hat es hier schon getan, Wasser von Blitze befreit, neues Nest mit Wasser. Wenn es sagt, es kommt zurück, es kommt zurück ganz sicher“, sagte er freundlich.

„Sag mal Dot, gibt es hier so etwas wie ein Bett? Ein weiches Dings zum Schlafen? Flu-Dings-weich, ein Bett halt?“, fragte ich lachend.
„Dings zu liegen weich ist Bett? Ja gibt es, in alten Nest wir haben so, mein Gefährte und wir. Pierre will es haben? Wir holen es hierher“, bot Dot mir an.
„Wir beide holen es zusammen, ich muss gucken ob ich es mag. Testen Du verstehst?“, kicherte ich.

„Testen für Flu gut? Verstehe“, nickte er zustimmend.
„Nai! Testen mit Dot für Baise gut, versteht es?“, gurrte ich in sein Ohr und strich ihm über sein breites Kreuz.

Er rollte sich auf den Rücken und schaute zu mir auf, ehe er megabreit grinste.

„Versteht es sehr gut, jetzt gehen? Komm“, bot er an.
„Alles klar, los“, lachte ich, stand auf und zog ihn ächzend auf die Beine.
„Stray stark“, prustete Dot.

„Geht so. Sag mal, wachsen Eure Zähne nicht nach? Du hast eine Zahnlücke“, sagte ich und tippte gegen meine Zähne und dann gegen seine.

„Neue Zähne? Doch! Nur diese eine nicht. Wildlinge gejagt uns und geworfen so ein Ei. Es spuckt Splitter von Metall. Paar Splitter geflogen in unser Gesicht, eins getroffen da in Mund. Das war Shit, viel geblutet. Jetzt kommt kein Zahn mehr, es bleibt so", erklärte er mir freundlich.
"Daher die Schrapnell-Narben in Deinem Gesicht. Du hast großes Glück gehabt Dot, dass hätte auch viel schlimmer ausgehen können Großer. Führe mich zu Deinem alten Nest“, bat ich ihn.
„Komm“, sagte Dot und ergriff meine Hand.

Er gab umgehend die Führung und ich folgte ihm. Dot ging bewusst langsam, da er wusste dass ich nicht so schnell war wie er. Mein Bein hatte sich erholt, aber dennoch schmerzte es ab und an. Zudem waren wir nicht in Eile. Wenn wir über Trümmer oder Metallträger klettern mussten, nahm er mich Huckepack und trug mich einfach darüber. Bequemer konnte ich eigentlich nicht reisen. Wir liefen eine ganze Weile, passierten den sandigen U-Bahn-Schacht, ließen sogar das alte Lager hinter uns, dass ich für unser altes Nest gehalten hatte.

„Haben wir nicht dort gewohnt?“, fragte ich Dot und zeigte auf die alte Schlafstätte.
„Flu nach Jagd Pierre, kein Nest“, erklärte er mir freundlich und zog mich weiter.

Gut war die Sache auch geklärt, es war nur ein Schlafplatz. Ein Zwischenstopp wenn man auf Jagd ging. Es dauerte eine ganze Weile und wir liefen immer weiter bergab.

Immer tiefer drangen wir in die Schächte des Taudis 42 vor.

Tiefer als mir lieb war, denn es wurde dunkler. Zwar sehen wir in der Dunkelheit mehr als Menschen, aber Katzenaugen haben auch wir nicht. Und in dem Alter besaß ich noch keine Augen-Aufwertungen, sprich keine künstlichen Augen.

Wir kamen an einem Schacht an, der für mich stockfinster war. Bei der Umgebung war ein herum stolpern zwischen Trümmerteilen und scharfkantigem Metall Selbstmord.

Ich blieb stehen und hielt Dot an der Hand fest.

„Nai“, sagte ich ernst.
„Doch, korrektes Weg Stray“, erklärte mir Dot liebevoll und nahm mich einfach wieder Huckepack.
„Kannst Du in der Dunkelheit sehen?“, fragte ich ihn baff und er nickte.
„Dunkel gucken geht. Kein Angst“, grinste er.
„Hab keine“, flötete ich und umarmte ihn um den Hals.

Die Antwort schenkte er sich, sondern kicherte nur kurz leise. Er wanderte erneut eine Zeitlang, dann sahen wir das Ende des Tunnels. Ein umgestürzter U-Bahn-Wagon beleuchtete die Umgebung und brennende Fässer standen herum.

Dot pflückte mich von seinem Rücken und stellte mich wieder auf die Füße.

„Fast da Stray. Hier leben viele Rudel. Jagen gemeinsam oft“, erklärte er mir und führte mich weiter. Wir kamen an einem offenen Wagon an und Dot quetschte sich hinein. Er ergriff meine Hand und zog mich nach. Der Gang innerhalb des Wagons war schmal und die Sitzflächen waren teilweise herausgerissen worden um mehr Platz zu schaffen.

Auch hier lagen überall Lumpen herum um dieses Nest gemütlicher zu gestalten. Am Ende des Wagons befand sich eine offenstehende Schiebetüre, dahinter befand sich ein enger Raum in dem eine Matratze lag.

"Bett für Pierre", sagte Dot mit breitem Grinsen und schob mich an sich vorbei.
"Tatsache! Ist das geil", freute ich mich und kroch in die Koje.

Gut gelaunt setzte ich mich auf die Matratze und lehnte meinen Rücken an die hintere Wand, so dass ich nach draußen schauen konnte. Dot musterte mich und legte den Kopf schief.

"Und? Gut?", fragte er lachend.
"Bin mir nicht sicher", antwortete ich, streckte mich lang auf der Matratze aus und rollte mich auf den Bauch.

Keine zwei Sekunden später wurde es dunkel in dem kleinen Raum, als sich Dot mit hinein quetschte. Er biss mir zuerst spielerisch in den Hintern, dann legte er sich auf meinen Rücken. Ganz sanft streichelte er mit seinen Krallen meine Arme und beknabberte meinen Hals. Sein Gewicht presste mich tief in die Matratze, aber ich genoss es und ließ ihn gewähren.

Wir verbrachten ziemlich viel Zeit damit uns zu lieben.

Dot hatte seinen Partner vor einiger Zeit verloren und ich hatte lange Zeit keinen Partner mehr gehabt. Weder einen festen Gefährten, noch einen Partner mit dem ich ab und an das Bett teilte. Umso schöner war es, wieder einen richtigen Partner zu haben. Stunden später wachte Dot auf und rüttelte mich wach.

„Aufwachen“, lachte er.
„Das glaub ich nicht! Na warte“, lachte ich ihn an und wollte ihn durch kitzeln, aber in dem Moment packte mich Dot und küsste mich zärtlich.

"Und was sagt es? Bett gut für Baise?", fragte er gut gelaunt.
"Dot ist perfekt für Baise", antwortete ich grinsend, was ihn loslachen ließ.

"Danke, Pierre auch. Wir nehmen das Bett zu neuen Nest, komm Liebes", forderte er mich auf und zog mir die Matratze unter dem Arsch weg.

Ab dato nächtigte ich auf einer richtigen Matratze und Baise hatten wir darauf natürlich auch.


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Re: Taudis 42

#6

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 01:52

Kronkorken

Es war einige Wochen her, seitdem mich Dot und sein Rudel gerettet hatten. Ich hatte mich revanchiert, indem ich ihre Wasserstelle von „den Blitzen befreite“, wie sie es nannten.

Zudem hatte ich ihnen zeitgleich ein Nest besorgt, das nicht nur geschützt war, sondern auch eine Wasserversorgung bot. Draußen vor der Tür durch das Schwimmbecken, wie auch drinnen einige Räume weiter per Wasserhahn und Dusche. Zwar war das Leben des Rudels immer noch mies, aber es war ein kleines bisschen erträglicher geworden.

Mich behandelten alle freundlich, da sie glaubten ich wäre ein Angehöriger einer ihrer Legenden. Ein Stray-Dog. Diesen Stray-Dogs wurde gehuldigt wie Heilige. Sie tauchten dann auf, wenn sie gebraucht wurden um das passende Rudel dann vor Gefahren zu warnen, wichtige Informationen an den Stamm zu überbringen oder um einfach irgendetwas zu hinterlassen, wodurch es die Separe einfacher hatten.

Schon allein deshalb war es verständlich, dass sie diese Stray-Dogs achteten und verehrten.

Scheinbar waren Stray-Dogs ebenfalls GMOs die es einmal tatsächlich gegeben hatte oder vielleicht sogar noch gab.

Nach den Angaben des Rudels waren alle Stray-Dogs weiß. Zudem wurde mir gesagt, kämpfte ein Stray-Dog allein schon mit der Härte eines ganzen Rudels. Sie wären wild, schlau und sehr stur.

Gut für stur hielten mich hier schon alle nach dem ersten Tag. Ich machte meinen Namensvettern somit alle Ehre.

Gähnend wälzte ich mich herum und schaute wer gerade im Nest anwesend war. Wise-One saß ganz in meiner Nähe und Brownie war auch in dem Umkleideraum anwesend, der uns als Nest diente.

Wise-One hätte als Mensch sehr schöne Gesichtszüge gehabt. Sie war in meinen Augen auch so schön, aber ihre weißen Augen waren abschreckend. Wise-One war die Älteste im Rudel und somit hatte sie sich ihren Namen mehr als verdient. Sie war sehr schlau und auf ihre besondere Art weise. Brownie war das neuste Mitglied in Rudeln neben mir. Er war wie sein Name schon verrät schokobraun gefärbt.

Im Gegensatz zu den anderen Separe war er sehr schüchtern und ängstlich. Die meiste Zeit verbrachte er in der Nähe von Mince. Da Mince Brownie gefunden hatte, kümmerte sich Mince auch um ihn. Scheinbar war der Separe für den Neuling verantwortlich, der den Neuankömmling gefunden hatte. Aber das war keine Form von Belastung, sondern eine Ehre und schien ihnen Spaß zu machen.

Dot hatte auch Spaß daran, wenn er mir etwas Neues beibringen konnte. Und er liebte es mich zu schubsen. Von mir ganz zu schweigen, ich war verrückt nach dem Burschen. Ich liebte den gewaltigen Koloss und seine Zärtlichkeit. Für andere musste ich total verrückt sein, dass ich mich auf einen Separe einließ.

Vielleicht hätte mir Jean Tefeuille sogar den Kopf abgerissen, wenn er davon erfahren hätte.

Aber seine Meinung zu meiner Partnerwahl scherte mich schon lange nicht mehr. Dot gefiel mir und das war alles was für mich zählte. Er war auf seltsame, fremde Art anziehend.

Und wenn ich genau über all meine Beziehungen nachdachte, war er der einzige Gefährte der mich einfach von sich heraus immer herzlich behandelte. Ohne Wenn und Aber war er gut zu mir und gut zu seinem Rudel.

Wir kannten uns noch nicht lange, aber wir waren eindeutig Gefährten. Dass er von Anfang an mehr von mir wollte, hatte er mir deutlich gezeigt. Es war klasse, ich bereute es keine Sekunde. Und wo ich so über meinen Hünen nachdachte, vermisste ich den Kerl schlagartig.

Wise-One musterte mich lächelnd und winkte mir zu. Gut gelaunt stand ich auf und gesellte mich zu ihr.

„Bruder, mag es mit uns gucken? Schneidlinge?“, bot sie freundlich an.
„Ja gerne. Ich habe auch zwei Schneidlinge. Zeige ich Dir“, antwortete ich Wise-One und zeigte ihr die beiden Kronkorken die mir Dot geschenkt hatte.

Wise-One breitete ihre Kronkorken aus und schaute sich dann meine beiden ganz genau an. Vorsichtig legte sie mir die Kronkorken zurück in die Hand.
„Sehr schöne Schneidlinge Stray. Schau welchen es haben möchte“, bot sie mir an.

Gemeinsam stöberten wir ihre Kronkorken durch. Ich nahm einen der Kronkorken hoch und schaute ihn mir genau an, ehe ich ihn an Wise-One weiterreichte. Einen grünen Kronkorken mit einem roten Stern hielt ich fest.

„Diesen Schneidling? Ja?“, fragte ich sie.
„Es gehört Stray“, lachte sie und streichelte mir über den Kopf.
„Danke Schwester“, grinste ich vergnügt und knuffte sie liebevoll.

Brownie schaute sich etwas verunsichert um und gesellte sich zu uns. Ganz vorsichtig hockte er sich neben mich. Fast so als erwartete er, dass ich ihn verscheuchen würde. Ich legte ihm einen Arm um die Schulter und zeigte ihm meinen neusten „Schneidling“.

„Von Schwester Wise-One geschenkt bekommen. Ist der nicht schön?“, fragte ich ihn gut gelaunt.
„Sehr schön“, bestätigte er immer noch etwas schüchtern und reichte ihn mir zurück.
„Hast Du auch welche?“, fragte ich ihn.
„Nai keins“, antwortete er und legte mir einen Arm um die Hüfte.
„Gut ich habe drei. Einen von meinen beiden ersten darfst Du nehmen Brownie. Eins hiervon nimm“, sagte ich und legte meine beiden ersten Kronkorken auf meine Hand.

Brownie grinste mich breit an und nahm sich einen Kronkorken weg.

„Das ist in Ordnung?“, fragte er.
„Klar, Dein Schneidling Bruder“, stimmte ich zu.
„Hier eines auch von uns“, bot Wise-One an und reichte Brownie einen Kronkorken.

Glücklich steckte er beide ein. Zu dritt schauten wir uns die restliche Kronkorken-Sammlung von Wise-One an. Sie hatte einen ganzen kleinen Beutel voll von den Dingern.

Manche waren nicht nur oben bedruckt, sondern auch ihr weiches Innenleben hatte einen Aufdruck. Darauf machte sie uns aufmerksam. Das hatte ich vorher nicht gewusst und ehrlich gesagt, hatte ich vorher im Leben auch noch nie auf die Dinger geachtet. Man machte sich eine Bierflasche auf und freute sich auf das Bier und nicht auf den Kronkorken. Hier waren diese kleinen Deckel wichtige Helfer. Sie dienten als Minimesser.

„Stray fühlt für Bruder?“, fragte Wise-One und deutete auf den Schlafplatz von Dot.
„Ja ich fühle für ihn“, antwortete ich ihr und nickte.
„Es fühlt für Dich auch. Es fühlt sehr viel für Stray. Stray neues Gefährte von Bruder?“, fragte Wise-One neugierig.

„Ja wir sind zusammen, wir sind Gefährten. Also wenn Du Stray fragst, es sagt ja. Es ist Gefährte von Dot. Was sagt Dot? Gefährten, ja oder nein?“, hakte ich nach.
„Oh es ist glücklich und es sagt, Dot und Stray gemacht Gefährten fest bei Baise unter Wasser“, lachte Wise-One.

„Tsss sowas, der ist mir einer“, lachte ich.
„Und?“, kicherte Wise-One und zuckte die Schultern.

„Nichts und, es stimmt. Dot und ich haben es unter der Dusche fest gemacht, wir hatten Baise“, pflichtete ich ihr bei, was sie erneut loslachen ließ.


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Re: Taudis 42

#7

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 15:32

Weiße Fäden, schwarze Fäden, ich

Seit dem ich in 42 gelandet war und Dot mein Gefährte wurde, musste ich mich irgendwie selbst dazu zwingen, Dot nach dem Weg in die Unterstadt zu fragen.

Meist nahm ich mir das am Morgen vor und sprach ihn dann den ganzen Tag nicht auf das Thema an. Scheinbar schob mein Unterbewusstsein die Rückkehr in mein altes Leben zur Seite.

Im Vergleich zu meinem alten Leben war das Leben in Taudis 42 ein täglicher Überlebenskampf um Futter und vor allem um Wasser. Und trotzdem hatte es eine lethargische Gemütlichkeit.

Man wachte morgens auf, zog los um nach Wasser und etwas Essbarem zu suchen, war mehr oder weniger erfolgreich, suchte danach wieder das Nest auf, wertete die Beute aus und genoss den Rest des Tages indem man rumgammelte. Meist wurde ich mit Baise verwöhnt oder wir versüßten uns die Zeit mit Spielchen.

An diesem Tag kehrte Dot nach mir zurück. Er besprach etwas mit Wise-One und händigte ihr weiße Fäden aus. Wozu sie gut waren, wusste ich nicht. Ich vermutete allerdings, dass sie etwas mit mir zu tun hatten. Der Grund dafür war, dass Dot sie immer dann sammelte, wenn er meinte ich bekam dies nicht mit und wenn er sie Wise-One aushändigte, schaute sie mich danach eine extrem lange Zeit an und verzog sich dann.

Keine Ahnung was das zu bedeuten hatte, aber ich war extrem neugierig. Dot legte sich neben mich gemütlich auf den Bauch und drückte mir einen Schokoriegel in die Hand. Dann packte er in Ruhe seine „Schneidlinge“ aus und sortierte sie nach Farben.

Ich machte es mir an seiner Flanke gemütlich, rollte mich auf den Rücken und benutzte Dot als Kopfkissen. In der Position ließ ich mir den Schokoriegel schmecken. Dot musterte mich ab und an schmunzelnd über die Schulter und sortierte dabei fein säuberlich seine Schneidlinge weiter.

„Ist es heute stur?“, fragte ich Dot schmatzend.
„Wir?“, fragte Dot erstaunt, „nai“.

„Gut. Dachte nur“, antwortete ich ihm und rollte mich etwas auf die Seite, damit ich ihn besser im Blick hatte.
„Warum denkt es so?“, fragte Dot liebevoll, während er weiter sortierte.
„Weil Dot sich mit Schneidlinge befasst und nicht mit Pierre“, gab ich zurück, was ihn donnernd loslachen ließ.

Er schüttelte vergnügt den Kopf und sortierte weiter, während ich mich etwas weiter herumwälzte und ein Stück auf seinen Rücken kroch.

„Sag mal Dot, kann jeder mit jedem Baise haben?“, hakte ich gespielt gleichgültig nach, da ich davon ausging dass er mir nicht richtig zuhörte. Ich wollte ihn ein bisschen ärgern.
„Ja“, bestätigte er und war dabei immer noch voll auf seine Schneidlinge konzentriert.

„Ich auch?“, flötete ich unschuldig.
„Pierre?“, fragte er freundlich.

„Ja“, bestätigte ich.
„Aber nai“, lachte Dot sich schlapp, was mich auch losprusten ließ.

Ganz sanft schmiegte ich mich an seine Flanke und schaute zu ihm auf.

„Dot?“, grinste ich.
„Was nu?“, fragte er gut gelaunt und legte einen Arm um mich.

„Du passt ja doch auf“, raunte ich ihm zu und machte es mir in seinem Arm gemütlich. Dabei sortierte ich einige Schneidlinge um.
„Was macht es da?“, fragte er verdutzt.

„Dich ein bisschen ärgern, damit Du die Schneidlinge vergisst und an mich denkst“, antwortete ich ihm glücklich und biss ihn sanft in den Hals.
„Dot denkt immer an Pierre. Stray muss nicht besorgt sein. Dot muss besorgt sein, Stray macht Dot Gedanken ganz durcheinander“, lachte er leise.

„Du meine auch. Sagst Du mir wofür die weißen Fäden sind?“, fragte ich ihn und schlang ihm einen Arm um die Hüfte. Zärtlich küsste ich ihn auf den Hals und streichelte ihm das Kreuz.
„Nai Pierre“, flüsterte Dot mit einem Zwinkern und biss mir in den Nacken.
„Komm schon, sei nicht so stur“, lachte ich leise.

„Selbst stur“, lachte er zurück und küsste mich auf den Mund, „mag Pierre Baise?“.
„Gerne“, stimmte ich zu. Vergnügt küsste ich ihn mit und kraulte ihm den Nacken.

„Langmachen, na los“, kicherte er mir ins Ohr.
„Zu Befehl“, antwortete ich und streckte mich lang aus, dabei streckte ich die Arme weit über den Kopf und verschränkte meine Hände ineinander.

Dot umfasste mit einer riesigen Hand meine Handgelenke und zog mich unter sich. Er rollte sich vorsichtig auf mich, ließ meine Hände aber nicht los. Das war so eine Art Spielchen zwischen uns. Wenn ich losgelassen werden wollte, musste ich es ihm sagen. Ansonsten hielt er mich einfach fest.

Nachdem wir beide uns unsere Zuneigung bewiesen hatten, räumte ich seine Schneidlinge ein und boxte ihn vor die Schulter.

„Will es raufen?“, lachte Dot und verpasste mir einen Klaps auf den Hintern.
„Klar, ich habe auch so viele Chancen gegen Dich“, prustete ich.

„Hat es, Stray ist winzig und gefährlich“, kicherte Dot.
„Winzig?“, fragte ich baff.

„Winzig und gefährlich. Und mein Liebstes“, grinste Dot mich an.
„Ach Du, hau ab. Du machst mich verlegen“, wies ich ihn zu Recht und musste ebenfalls blöde grinsen.

„Nai Dot bleibt, geht nix weg“, antwortete er, streckte sich kurz und zog mich auf seinen Schoß.
„Hm gute Idee, haben wir schon lange nicht mehr oder?“, lachte ich und verpasste ihm eine gespielte Kopfnuss.

„Nochmal macht es das, dann wir werfen es“, warnte er mich.
„Wohin?“, lachte ich.

„Botanik?“, schlug er vor, was uns beide blöde loslachen ließ.
„Das war nur Spaß, ich liebe Dich Dicker“, antwortete ich ihm und umarmte ihn felsenfest um den Hals.

„Wir haben nix nur weißes Fäden gesammelt. Auch schwarze“, verkündete er mir leise und erwiderte die Umarmung.
„Danke für die Info, aber jetzt weiß ich immer noch nicht wofür“, sagte ich.

„Bald kann Pierre gucken“, freute sich Dot.
„Gibt mir doch mal einen Tipp, büüüüüüütteee“, bettelte ich ihn an.

„Nix so machen, nai“, antwortete Dot und strich mir liebevoll über den Schädel.
„Warum?“, grinste ich.

„Warum? Wohin? Wieso? Warum das machen? Warum das nicht? Wieso das so? Wieso das nicht? Immer Neugier, immer stray in Kopf. Nie ist Pierre still, immer schnack schnack“, lachte Dot und küsste mich auf die Rübe.

„Gut dann sag ich eben nix mehr“, hielt ich dagegen.
„Schnack Schnack“, piesackte mich Dot, „wenn still, dann still ohne Ton“.

„Du bist ganz schön frech, hat Dir das mal wer gesagt? Los jetzt gib mir einen Tipp“, forderte ich ihn auf und kitzelte ihn etwas.
„Gebe Tipp“, lachte er sich schlapp, weil er total kitzlig war.

„Dann rede oder ich mache weiter“, gibbelte ich, hörte aber auf ihn zu kitzeln, da ich ihn nicht ärgern wollte.
„Tipp Verknotung“, antwortete er freundlich und tippte mir mit einem seiner langen Finger auf die Nase.

„Du willst mich verknoten? Das lassen wir lieber. Ich bin zwar gelenkig, aber so gelenkig auch wieder nicht“, sagte ich.

Wise-One winkte Dot zu und er schob mich vorsichtig von seinem Schoß.

„Fertig! Warte“, freute er sich und trabte zu Wise-One rüber.

Sie steckte ihm heimlich was von Hand zu Hand zu, so dass ich es nicht sehen konnte. Dot und Wise redeten noch einen Augenblick, ehe er wieder zu mir rüber getrabt kam und sich neben mich setzte.

„Guck, es ist für Pierre“, sagte er gut gelaunt und faltete seine beiden Hände auf, so dass ich hinein schauen konnte.
In seinen Handflächen war eine geknüpfte, winzige Puppe die aussah wie ich.

„Guck ein Strick-Stray, Pierre. Nix echt, aber jetzt Du hast Stray-Bruder von uns. Nimm“, freute sich Dot und küsste mich.

Mit zittrigen Fingern nahm ich die Puppe entgegen und umarmte Dot dankbar um den Hals.

„Das ist… Danke. Dankeschön Großer, Danke“, heulte ich total ergriffen und drückte mich noch fester an ihn.
„Muss nix fragen ob Liebes Freude hat hm?“, grinste er und knuddelte mich.
"Ob ich mich freue? Ich kann Dir gar nicht sagen wie sehr. Das ist total süß von Dir", freute ich mich.


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Re: Taudis 42

#8

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 16:18

Der Drache

Es war ein kalter, feuchter Nachmittag und auch unser geschütztes Heim konnte nichts daran ändern. Ein Teil des Rudels war auf Jagd gegangen, ich selbst war mit dem Rest in unserem Nest geblieben.

Wir hatten uns so eng wie möglich zusammen gehockt um jedes Grad Körperwärme auszunutzen. Grace hatte sich rechts an mich gelehnt und an meine linke Seite hatte sich Brownie Schutz suchend gedrückt.

Wenn Dot, Grey oder die anderen Brecher nicht anwesend waren, war ich der Rudelführer.

Ich hatte auf unsere Leute aufzupassen und notfalls die Entscheidungen zu treffen. Müde durchstöberte ich Dot seinen Beutel, in dem ich auch meine losen Sachen aufbewahrte.

Von meinen Riegeln waren nicht viele übrig geblieben. Zwar bekam ich jeden gefundenen Riegel ausgehändigt, da sie sonst niemand aß, dennoch war mir nur eine eiserne Reserve von vier Riegeln geblieben. Einen Moment überlegte ich, ob ich wirklich einen der Riegel essen sollte. Aber mein Hunger war zu groß, also aß ich einen der Riegel so langsam wie möglich.

„Versuch manjar Fleisch“, schlug Brownie vor und schaffte es irgendwie noch enger aufzurücken.
„Das sagst Du so einfach. Ich kann das nicht. Du kannst nicht jagen, ich kann kein Fleisch essen“, antwortete ich ihm freundlich.

„Darum bleiben wir hier“, grinste er mich auf einmal an.
„Weil wir beide unnütz sind oder wie?“, kicherte ich.

„Pierre bleibt hier, weil es ein Stray ist“, klärte mich Grace auf und strich mir über den Schädel.
„Verstehe, weil ich so ein schrecklicher Kämpfer bin, dass ich die Damen des Rudels allein verteidigen kann?“, grinste ich sie an.

„Ach was nai Bruder! Weil Stray beschützt werden muss“, lachte Pinky, was die anderen Frauen ebenfalls loslachen ließ.

„Ihr Scherzkekse macht Euch nur über mich lustig. Jetzt hab ich es auch kapiert, wir zählen zu den Ladys. Wusstest Du das schon vorher Brownie?“, fragte ich ihn gut gelaunt.

„Was gewusst? Dass Pierre Gefährte von Dot ist und er es beschützt haben will? Klar. Pierre ist sein Liebstes“, kicherte er leise.
„Brownie ist Mince Liebstes und Mince will Brownie beschützt wissen“, gab ich mit einem Zwinkern zurück und er nickte zustimmend.

„Genau. Mince mein Liebstes“, antwortete er und knuffte mich.
„Anders soll es auch nicht sein. Wir brauchen Decken, oder sollten irgendwie Decken aus den Lumpen fertigen“, sagte ich und nahm Brownie und Grace mit unter meinen Einsatzumhang.

„Pierre wird nur kämpfen, wenn es das muss. Es darf nicht in Gefahr kommen, weil es ein Stray ist. Wenn es in Gefahr kommt, nie wieder wird ein Stray zu uns kommen“, sagte Wise-One ernst.
„Ach was, wir sind es gewöhnt ständig in Gefahr zu kommen Wise-One. Wenn Du wüsstest, was mir alles passiert ist… ehm vielleicht hast Du doch Recht“, antwortete ich ihr kleinlaut.

Das war wirklich kein gutes Thema für mich, da mir spontan einfiel dass ich als einziger meiner ganzen Geschwister übrig geblieben war. Grace strich mir liebevoll über den Rücken und die anderen berührten mich.

„Schmerz wird geteilt Pierre“, sagte Wise-One und streichelte mir über die Wange.
„Manjar auch, wenn es mag“, bot Pinky an.
„Danke“, freute ich mich.

„Es wird Manjar nehmen? Dot wird ganz glücklich sein, wenn es nicht mehr stur ist und manjar Fleisch“, sagte Wise-One mit einem Lächeln, dass man ihre scharfen Zähne sah.
„Dot weiß schon, es braucht nur genug Hunger dann wird es manjar“, lachte Pinky.

„Wenigstens versuchen“, warf Wise-One ein.
„Ja gut ich werde es nachher probieren, versprochen“, stimmte ich zu.

Einige Minuten später kamen die Jäger zurück, allerdings hatten sie keine Beute gemacht. Für mich freute ich mich irgendwie, aber für die anderen tat es mir leid. Dot gesellte sich zu mir und Grace und Brownie machten ihm sofort Platz.

Mince und der Rest der Jäger taten es ihm gleich. Dot wartete einen Moment bis alle saßen, dann erklärte er schnell etwas auf ihrem Slang, dem ich kaum folgen konnte auch wenn ich schon einiges gelernt hatte. Die anderen sahen ziemlich verängstigt aus, dass ich mich fragte was geschehen war. Dot legte mir einen Arm um die Schulter und musterte mich ernst.

„Kein Essen Pierre. Du kennst Lösung für Drachen?“, fragte mich Dot, während mich das Rudel nun abwartend mit Hoffnung in den Augen anstarrte.

Irgendwie erwarteten sie von mir immer für unlösbare Probleme die Lösung.

Ich musste es schließlich wissen als Stray.
Später würde es nicht anders sein als Duc.

Bis jetzt war es mir immer gelungen ihre Erwartung zu erfüllen und irgendwie sah ich es auch als meine Pflicht an, ihnen ihren Glauben zu lassen und mein Bestes zu geben um ihnen zu helfen.

Denn das war meine Bestimmung in ihren Augen und ihren Legenden und es war mein Job jene zu beschützen, die es selbst nicht konnten.

„Nun soweit ich weiß, gibt es verschiedene Drachen Dot. Du musst mir alles erzählen, was Du über diesen Drachen weißt“, bat ich meinen Gefährten.
„Mince berichte Pierre über das Drache was wir wissen. Liebes höre genau zu“, antwortete Dot und Mince nickte zustimmend.

„Wenn das Wasser steigt Stray, dann kommt der Drache von unten hoch in unsere Gebiete. Es ist riesig, viele Schritte lang. Sein Maul ist alleine viele Füße lang und voller Scharf-Zähne, seine Haut ist aus grünen Stein und seine Beine sind Stummel. Wenn sein Maul zu ist, sind seine Scharf-Zähne oben und unten so zacki-zacki ineinander.

Es lebt im Wasser und es schläft im Wasser. Wenn wir zu nah an das Wasser gehen, es taucht auf und frisst uns. Niemand von uns ist seinem Maul entkommen. Du kannst kämpfen wie Du willst, Du kannst es nicht verletzten mit Krallen oder Schlägen. Wenn es Dich gefangen hat, Du wirst sterben. Ganz sicher. Jetzt ist es zurückgekehrt. Wir haben es gesehen. Es schlief in einen der Tunnel mit Wasser. Es ist zurückgekehrt, jetzt wo das Hochwasser zurückgekehrt ist.

Die Meat-Menschen wird es vor uns fangen und schlimmer noch uns wird es auch fangen. Wir müssen hungern, wenn es nicht verschwindet. Weiß Stray, wie man das Drache vertreibt? Denkt es gut nach, es weiß bestimmt die Lösung“, sagte Mince hoffnungsvoll.

„Der Drache ist lang, grün, hat Stummelbeine, ein langes Maul und Panzerhaut?“, hakte ich nach und die Jäger nickten alle zustimmend.

„Ja so ist richtig“, bestätigte Mince.

„Wir nennen diese Drachen Alligatoren oder Sumpfkrokodile. Ich kenne sie aus Ledwick dem Land der tausend Sümpfe.

Ich weiß nicht nur wie man es vertreibt, Stray weiß wie man es tötet. Wir werden heute Abend Drachenfleisch essen“, antwortete ich meinem Rudel und nahm meinen Sniper zur Hand, was sie in tosendes, zustimmendes Gebrüll ausbrechen ließ.

„Wir zeigen den Weg Liebes“, sagte Dot und gemeinsam machte ich mich mit dem Rudel auf den Weg unter der Führung von Dot.
Es dauerte eine Weile, bis wir an dem besagten Tunnel angekommen waren. Die Gegend war teilweise überflutet und in dem Tunnelstück lag ein Alligator und zwar ein Riesenvieh. Das Vieh musste mindestens 10 wenn nicht sogar 12 Meter lang sein.

Sagen wir mal so, gefressen hatte das Vieh sicher hier alles und jeden, so ein Alligator hat halt keine Kindersicherung, anders konnte er nicht so groß geworden sein.

Aligator-Link:
https://image.tmdb.org/t/p/w780/qMVM1NZ ... SjY2OH.jpg

Sein Maul war gewaltig und genauso weit hatte ich meines aufgerissen.
Beim Anblick von dem „Drachen“ wurde mir schon anders.

Aber das Maul war auch die Lösung unseres Problems. Wenn ich das Vieh dazu bekam, das Maul noch weiter aufzureißen als ich, würde ich ihm einen Schuss durch den Gaumen ins Hirn verpassen, der den Drachen ins Jenseits beförderte.

Dafür würde auch ausreichen, wenn der Drache den Kopf hoch hob, denn die Unterseite des Unterkiefers war weich.

Mit meinem Sniper wollte ich nicht unüberlegt auf den dick gepanzerten Schädel des Alligators zu schießen. Zwar war die Munition meines Scharfschützengewehrs panzerbrechend, aber sollte sich das Vieh im falschen Moment falsch bewegen, prallte die Kugel vielleicht von dem Tier ab und traf versehentlich ein Mitglied aus unserem Rudel.

Trümmer aus Beton oder Stahl konnten das Geschoss nicht aufhalten. Also war Präzisionsarbeit angesagt.

„In Ordnung, um den Drachen zu töten brauche ich Eure Hilfe. Ihr müsst ihn mit Steinen bewerfen, damit er sein Maul aufreißt oder wenigstens seinen Kopf hebt. Geht dafür aber nicht zu nah an das Vieh ran. Um den Rest kümmere ich mich“, erklärte ich dem Rudel, nahm meinen Sniper vom Rücken und zog den Lauf aus.

„Das Dings erinnert Dot an was, sagt es nicht was“, lachte der Hüne und ich knuffte ihn gut gelaunt.
„Mich erinnert es auch öfter daran, darum ist es ein ER“, kicherte ich.

„Sicher Liebes wir sollen Drache mit Steine bewerfen?“, fragte Dot.
„Ganz sicher“, stimmte ich ihm zu.

„Es wird gewaltig wütend werden, jedes wird wütend wenn man es mit Steine bewirft“, grinste er mich an.
„Es soll wütend werden. Zuerst ist es wütend, dann ist es tot – versprochen“, antwortete ich ihm, während ich den Sniper lud.

„Wenn es so sagt, wir machen es so“, stimmte er mir zu.

Dot schickte die Frauen, Old-Man, Gardien und Brownie nach hinten, während er mit Grey, Guardian, Spot und Mince Steine sammelte. Ich selbst kletterte auf einen der Trümmerhaufen um von dort eine bessere Sicht auf den Alligator zu haben.

Als ich einen passenden Aussichtspunkt gefunden hatte, bezog ich dort Stellung und legte das Gewehr mit dem Lauf vorsichtig auf eines der Trümmerteile. Ich legte auf den Drachen an und musterte das Vieh durch das Zielfernrohr.
Gewaltig, ein passenderes Wort fiel mir für das Wesen nicht ein. Seine Panzerplatten waren extrem dick, seine Zähne sahen aus wie eine Reihe Steakmesser in seinem Kiefer.

Der Alligator sah damit wirklich aus wie einer der Drachen aus den Legenden und vermutlich war er genauso schwer zu töten. Der Schuss musste sitzen, ansonsten könnte die Jagd böse enden. Ich streichelte mein Gewehr mit dem Daumen, wie ich es immer tat bevor ich „ihn“ benutzte.

„Legt los“, rief ich Dot zu und presste mich mit dem Bauch aufs Geröll.

Alle störenden Gedanken blendete ich aus und wurde eins mit der Waffe. Nur sie und ich, tödlicher Stahl der meinen Willen durchsetzen würde. Mein Zepter in dieser Welt, der Zauberstab des Todes.

Ich legte den Finger auf den Abzug und wartete.

Gar nicht mal so unähnlich dem Lauerjäger da unten in dem Tunnel den wir töten wollten. Die ersten Steine flogen und der Alligator gab nur eine Art bedrohliches Zischen von sich.

Scheinbar war er mehr verdutzt als wütend, dass es überhaupt jemand wagte ihn anzugreifen. Einen Kratzer trug er äußerlich nicht davon, wenn etwas angekratzt war dann höchstens sein Stolz.

Erneut flogen Steine in seine Richtung und diesmal wurde das Vieh seitlich am Kopf getroffen. Das hatte gesessen!

Fauchend schoss es aus dem Wasser und schnappte mit seinem Zähne starrenden Maul nach links wo die Steinewerfer standen. Seine Kiefer schlugen ins Leere, da die Separe wesentlich schneller waren, als der Drache vermutet hatte.

Dot und seine Truppe wartete einen Moment bis sich der Drache etwas beruhigt hatte und sich ein Stück ins Wasser zurückzog. In dem Moment bekam der Drache einen Stein vor die Rübe gepflastert, der die Größe eines Autoreifens hatte. Zuerst vermutete ich, dass der Stein den Schädel des Alligators zu Brei zermatscht hatte.

Aber ein ohrenbetäubendes Brüllen machte allen klar, dass der Drache noch lebte! Jedenfalls für Sekunden.

In dem Moment wo der Alligator sein Maul sperrangelweit aufriss und seine Wut heraus brüllte riss ich den Abzug durch.

Vierzehn Zentimeter Patrone schossen dem Drachen durch den Kopf, vom Gaumen aus direkt ins Hirn.

Eine .50 BMG Patrone oder 12,7 x 99 mm mit einer Durchschlagsleistung von 19 mm Panzerstahl auf eine Entfernung von 1500 Metern beförderten den Drachen ins Jenseits.

Der Schuss hallte unglaublich laut in der Kanalisation nach, während das Gebrüll des Alligators sofort verstummte. Die Wucht des Schusses sprengte dem Alligator die Schädeldecke weg, riss den Kopf des Drachen ein Stück nach hinten, ehe das Tier gefällt zu Boden stürzte.

Die riesigen Kiefer weit auseinander geklafft lag er da, während ihm Blut aus dem Maul floss und sein Körper noch kurz spastisch zuckte.

Ich stand auf, schulterte meine Waffe und die Separe brachen in Jubel aus.

Im selben Moment sprang mich etwas von hinten an, grabschte mit einer Hand in meinen Umhang um mich zu strangulieren und griff zeitgleich nach meinem Gewehr!

Geistesgegenwärtig ließ ich mich mit dem Oberkörper nach vorne fallen und trat so fest ich konnte nach hinten aus. Mein Stiefel traf, die Bestätigung war, dass ein Kerl hinter mir aufbrüllte.

Nur wo ich meinen Angreifer getroffen hatte, konnte ich nicht ausmachen, da er mir huckepack ins Kreuz sprang. Super! Mit so einer bekloppten Aktion hatte nicht mal ich gerechnet. Verzweifelt versuchte ich diese humanoide Wanze abzuschütteln, aber im gleichen Moment bekam ich einen Arm um den Hals geschlungen.

Wütend ergriff ich den Arm und warf meinen Angreifer über die Schulter. Allerdings ließ der mich nicht los, sondern riss mich bewusst mit zu Boden! Der Kerl riss mich herum, hockte sich auf mich und presste mir den Lauf meines Snipers auf den Hals.

„Es gehört mir! Gib auf!“, fauchte mich ein weißer Kerl an, der die Hautstruktur eines alten Ledersofas besaß. Um seine Meinung zu unterstreichen, schlug er mir mit der flachen Hand ins Gesicht.
„Leck mich am Arsch!“, fauchte ich zurück und versuchte ein Bein um seinen Hals zu schlingen um ihn in die Beinschere zu nehmen und von mir herunter zu reißen.

Dumme Idee, denn in dem Moment grabschte er mir mit einer Hand in die Weichteile und packte zu. Mir wurde schlecht vor Schmerz und schwarz vor Augen.

„Du bist meins! Gewehr ist meins! Von Assifi gesandt! Was nun Großmaul?“, lachte er gehässig und schnupperte an mir! Angewidert drehte den Kopf weg.
"Assifi Du mich auch", knurrte ich wütend.

Einen winzigen Augenblick später hörte ich so etwas wie einen ratschenden Knall und der Kerl flog im hohen Bogen von mir runter und krachte in die gegenüberliegende Tunnelwand. Dabei verstreute er während des Fluges seine Eingeweide in der Gegend. Ich starrte mit zusammengekniffenen Augen nach oben und Dot starrte auf mich herab.

„Alles gut Liebes?“, fragte er besorgt und reichte mir seine blutbeschmierte Pranke.
„War das ein Stray? Das war doch kein Stray oder? Sag mir dass das kein Stray war“, sagte ich zu Dot und nahm die gereichte Hand entgegen. Vorsichtig zog er mich auf die Beine.

Dot musterte mich, als hätte ich mir den Schädel angeschlagen und schüttelte langsam den Kopf.

„Ein Wildling Liebes, schon von Wildlinge erzählt. Sehr gefährlich, Wildlinge haben auch so Donner-Dings. Es sicher gehört Donnerruf von Dings von unser Liebes. Wir gehen sofort. Es macht das Dings klein und umhängen, wir tragen Liebes. Komm“, sagte Dot.

Ich nickte knapp, sicherte den Sniper und schulterte ihn. Dot nahm mich Huckepack und ging zurück zu den anderen. Zur Begrüßung wurde ich von jedem berührt und getätschelt.

„Es hat Glück gehabt! Woher ist der Wildling gekommen?“, fragte mich Mince aufgebracht.
„Von hinten“, antwortete ich trocken.

„Versteht es nicht“, sagte Mince.
„Glaub mir Mince, ich hab es auch nicht verstanden“, antwortete ich ihm.

Gemeinsam wurde der Alligator von allen Rudelmitgliedern am Schwanz gepackt und in unser Nest geschliffen. Während sich die meisten daran machten den Drachen zu zerlegen, setzte sich Dot mit mir etwas abseits hin und tastete mich vorsichtig ab. Old-Man gesellte sich ebenfalls zu uns und leistete uns Gesellschaft.

„Wer sind die Wildlinge, Du hast gesagt sie haben sogar Granaten?“, fragte ich Dot und ließ ihn mich in Ruhe abtasten.
„Rudel von weißen Wesen, sehr gefährlich. Einige von es hat Donner-Dings. Wildlinge manjar Menschen und uns“, erklärte mir Dot und strich mir über den Schädel.

„Aha, der Wildling sagte ich wäre sein Eigentum. Ich glaube der wollte was anderes als mich fressen. Der stinkende Bastard hat an mir geschnuppert. Er roch so penetrant nach Blut. So als hätte er sich mit Blut eingeschmiert. Sind seine roten Zeichnungen Blut gewesen? Wobei das nicht möglich ist. Blut wird braun oder dunkel“, erzählte ich müde.
„Wollte Liebes mitnehmen für sein Rudel. Einreiben von Blut. Ihr Nest voller Blut, Knochen und Fleisch. Sie machen extra so. Raus aus Kleidung“, befahl mir Dot.

„Hä?“, fragte ich stutzig, was ihn grinsen ließ.
„Pierre ausziehen“, erklärte er und zupfte an meiner Kleidung.

„Wozu?“, fragte ich ihn.
„Gucken wie schwer verletzt es ist. Jetzt kein Schnack Schnack Schnack! Ausziehen!“, antwortete Dot ernst.
„Dot ich will im Moment selber nicht gucken“, gab ich zu und küsste ihn auf den Mund.

„Komm Stray“, sagte Old-Man freundlich, stand auf und ging zu den Duschen.
„Geh Liebes, Bruder wird gucken und helfen“, sagte Dot und half mir auf die Beine.

„Ich gehe sofort. Weißt Du was mir gerade einfällt? Wir könnten doch so eine Feuertonne hierher holen. So eine Tonne wie wir sie bei dem alten Nest gesehen haben. Dann könnten wir das Fleisch braten. Fleisch ins Feuer legen und dann essen. Das schmeckt ganz toll. Wir sagen dazu braten. Und die Feuertonne wäre auch gut, wenn es mal wieder kalt wird. Was sagst Du dazu?“, erzählte ich Dot.
„Wir holen ein Feuertonne für Liebes“, sagte Dot liebevoll, stand auf und warf mich einfach über seine Schulter.

Er schleppte mich zu Old-Man unter die Dusche, strich mir über den Schädel und ließ mich mit dem alten Separe allein. Dot wusste schon, wie er seinen Willen auf herzliche Art und Weise durchsetzen konnte.

Ich war ihm nicht böse, im Gegenteil. Dot meinte es gut und er hatte Recht damit dass ich untersucht werden musste, nur hatte ich Schiss. Der Griff meines Angreifers war nicht gerade sanft gewesen. Zumindest hatte ich einen gewaltigen Bluterguss, dass stand fest.

Old-Man untersuchte mich ausgiebig, wobei er die Situation auflockerte indem er mir einfach von tausend Dingen erzählte. Ich hörte ihm zu und ließ ihn gewähren. Als wir später zu den anderen zurückkehrten, hatte Dot bereits eine Feuertonne besorgt. Sie stand sicher an einer Wand und die Lumpen waren großräumig um die Tonne herum entfernt worden.

In der Tonne brannte bereits Feuer und es duftete lecker nach gegrilltem Fleisch. Mein Magen meldete sich lautstark zu Wort, was die anderen loslachen ließ.

„Pierre manjar, komm. Gutes gebranntes Drachen-Fleisch“, sagte Young-One und grinste mich an. Die junge Separein stand an der Tonne und grillte große Brocken Fleisch.

„Ja klar, gerne“, stimmte ich hungrig zu.

Sie reichte mir eine große Plastikschale voller gebratenem Alligatorenfleisch. Gut gelaunt schnappte ich mir die Schale und stellte mich in die Nähe der Tonne, da es dort schön warm war. Genüsslich ließ ich mir meinen Fleischanteil schmecken. Dot unterhielt sich währenddessen kurz mit Old-Man und gesellte sich dann zu mir.

„Wir gemacht wie Liebes sagt. Manjar lecker“, sagte er zu mir und legte mir einen Arm um die Schulter.
„Absolut lecker, dass habt Ihr super gemacht. Young-One ist eine super Grillmeisterin“, stimmte ich ihm glücklich zu.

„Besser Pierre wieder anziehen“, grinste mich Dot an.
„Später, jetzt geht das nicht. Ich habe fettige Finger und hier ist warm genug. Ich ziehe mich gleich wieder an“, antwortete ich ihm schmatzend.

„Kaum einmal gehorcht es bei manjar, schon ist es wieder stur!“, warf Mince gespielt verzweifelt ein, was die anderen erneut loslachen ließ.

„Hör mal Freundchen ja? Ich sagte ich ziehe mich später an. Ich bin also nicht stur, ich gehorche doch! Nur halt… später“, lachte ich.
„Stur, sagen wir doch“, kicherte Mince und biss geräuschvoll in einen Fleischbrocken.

„Pierre mit Dot kein Baise. Gut merken“, teilte mir Old-Man mit.
„Ich weiß. Hast Du gehört Großer?“, sagte ich schmatzend zu meinem Gefährten.

„Kein Baise verstanden“, stimmte Dot zu und stupste mich an.
„Dot schon Baise mit Pierre. Nur Pierre kein Baise mit Dot. Jetzt verstanden?“, grinste ich breit.
„Kein Baise. Wenn Pierre nicht, Dot auch nicht. Pierre ist Dot Liebstes. Warten gemeinsam bis es wieder gesund ist“, antwortete er und nahm sich aus meiner Schüssel auch ein Stück Fleisch.
„Das ist süß von Dir, ich habe nie einen freundlicheren Grund gehört auf Baise zu verzichten“, gab ich zurück.

„Warte“, sagte er freundlich und holte meine Kleidung.
„Wie zuerst?“, fragte er und zeigte mir meine Klamotten.
„Unterhose, Hose, Shirt, Pulli und zum Schluss die Schuhe. Meine Gear ziehe ich später selber an“, erklärte ich ihm zu zeigte mit dem Fuß auf die jeweiligen Sachen.

Dot musterte meinen Fuß und grinste mich breit an.

„Was gibt’s da zu grinsen?“, fragte ich neugierig.
„Hat von Liebes noch nie die Füße gesehen. Es hat immer diese an, auch bei Baise“, lachte Dot und hielt mir meine Schuhe hin, was mich losprusten ließ.

„Ja stimmt. Ist ja auch gefährlich hier ohne Schuhe rumzulaufen, jedenfalls für mich. Man kann sich etwas eintreten. Jetzt weiß ich auch warum der Strick-Stray nackt ist aber Schuhe trägt“, erklärte ich ihm kichernd.
„Weil Stray immer Schuhe an“, stimmte Dot zu und begann mich anzuziehen.
„Moment ich hab fettige Finger“, sagte ich meinem Schatz.

„Was mit die Fingers nu schon wieder los?“, fragte Dot, was mich loslachen ließ.
„Wie ich sagte, sie sind fettig“, versuchte ich ihm zu erklären.

„Weil es Fleisch manjar! Was denkt es woher es ist?“, lachte Dot sich schlapp und biss mich liebevoll in die Schulter.
„Ehe es wieder stur wird, wir helfen ihm“, warf Mince ein, packte meine Hände und leckte sie sauber, „Bruder geholfen. Fertig“.

Ich starrte zuerst meine Hände und dann Mince an. Danach tat ich es Mince gleich und widmete ich mich wieder meinem Grillfleisch. Beim Essen des gegrillten Fleisches spürte ich erst mal wie hungrig ich wirklich war.

Ich ließ mir von Young-One eine zweite Portion aushändigen und hockte mich damit glücklich zu den anderen. Kaum dass ich saß, hockte sich Dot an meine Seite. Während ich ein Stück Fleisch vom Knochen abknabberte, fütterte er mich mit gebratenen Haut- und Fettstückchen vom Drachen. Als ich den Wirbelknochen ganz abgeknabbert hatte, schaute ich ihn durch das Wirbelloch an, was ihn losprusten ließ.

„Ich könnte ihn aufheben und um eine Kette tragen. Als Zeichen dafür, dass ich einen Drachen getötet habe“, schlug ich grinsend vor.
„Liebes braucht ein Schnur für sein Hals und den Knochen“, grinste Dot zurück und nahm mir den Wirbel ab. Er schaute ihn sich genau an und händigte ihn mir wieder aus.
„Ja den Wirbel in der Mitte und drum herum ein paar Zähne. Das macht doch was her oder?“, fragte ich lachend.
„Liebes so hübsch genug“, antwortete Dot mit einem Zwinkern.

„Och“, sagte ich verlegen und knuffte ihn. Trotzdem legte ich den Wirbel zur Seite, da ich ihn aufheben wollte.
„Wenn andere Rudel hören, wir haben einen Stray und es hat den Drachen getötet, sie werden kommen um nach Hilfe zu fragen“, erklärte mir Pinky.
„Nun ob ich helfe oder nicht, liegt daran ob ich helfen kann Pinky. Und natürlich ob Dot es erlaubt“, fügte ich hinzu, da ich seine Autorität nicht untergraben wollte. Er war der Boss, das war Fakt.

„Gucken was Bitte ist, dann ja oder nai“, antwortete Dot schmatzend und nahm sich von mir noch ein Stück Fleisch.
„Noch nie ein Rudel hat ein Drache gegessen. Nur die Drachen haben welche von uns gegessen“, sagte Gardien und alle nickten zustimmend.

„Nun dann sind wir das Rudel vom Fluss, genannt die Drachentöter“, grinste ich breit.
„Rudel von Fluss, Drachentöter mit ehrwürdiges Stray-Bruder“, sagte Wise-One freundlich.


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Re: Taudis 42

#9

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 16:24

Wildlinge

„Erzählt mir von den Wildling. Woher kommen sie und wer sind die Burschen wirklich? Sie sahen Menschen ähnlich, aber ich glaube kaum dass sie Menschen sind. So wie mich der Kerl angegriffen hat, war er wesentlich gewandter als ein Mensch. Und seine Haut war seltsam, sie hatte eine ganz andere Struktur als die eines Menschen. Was sind die Wildlinge?“, fragte ich in die Runde.

„Wildling sind keine Menschen. Sie sind schnell und schlau und sehr gefährlich. Fast wie Stray Dogs, aber sie helfen niemand. Strays kommen aus den Wolken zu helfen uns. Wildling leben hier. Sie haben ihr eigenes Revier um ihr Nest, niemals geht Pierre dorthin allein. Zu gefährlich! Wildlinge jagen gerne Meat-Menschen und sie essen gerne Meat-Menschen. Sie gute Jäger, schnell und brutal. Wenn sie folgen einen Meat-Menschen, wir folgen nicht mehr. Sonst sie fangen auch uns zum Fressen. Sie jagen auch uns, wenn keine Meat-Menschen für Beute da sind.

Wenn Wildlinge jagen, sie lassen ihr Revier und auch ihr Nest zurück. Niemand ist da, keine Wache zu gucken und aufpassen. Sie haben Dekorationen. Weiß Pierre was das ist? Dekoration ist, wenn man Schmuck in sein Nest legt.

Wildlinge legen die Köpfe von ihre Beute in ihr Nest, sie stecken die Köpfe auch auf Spieße und hängen an Köpfen mit Fäden auf zu Dekoration von ihrem Nest.

Sie malen Legenden an ihre Wände, aber wir verstehen ihre Legenden nicht. Sie haben andere Legenden. Ihre Legenden singen von Blut und Gebeine, so sagen und singen sie.

Manche von ihnen tragen Donner-Dings in klein, manche in groß das ganz viel spuckt und tötet. Manche werfen Metall-Eier die Splitter spucken. Sehr gefährliche diese Wildlinge.

Manche haben Scharfzähne, manche nicht. Warum wissen wir nicht. Wir denken, nur alte Wildlinge haben Scharfzähne. Wenn sie einen Stray finden, dann sie nehmen es gefangen und nehmen es mit.

Wozu wissen wir nicht, aber Stray wird von Wildlinge nicht getötet, so glauben wir. Aber besser nicht auskundschaften zum Wissen Pierre. Besser nicht dahin gehen.

Sie fangen gerne ihre Beute lebend, dann sie nehmen mit in ein Raum wo sie Essen und dort machen sie es tot und essen es. Manchmal Meat-Menschen sind in ihr Nest noch lebendig.

Manchmal mutige von uns schon in ihr Nest gegangen, wenn sie auf Jagd. Bei viel Hunger versteht es das? Dann schnell in ihr Nest, greifen ein Meat-Mensch und schnell wieder in unser Nest. Wenn Pierre nicht sicher ob es in Wildling Revier ist, ganz leicht zu erkennen. Sie machen überall Zeichen und überall schmieren sie viel ein mit Blut. Alles riecht nach Blut. Sie lieben es mit Blut zu schmieren auf die Wände, im Nest, im Revier und auf sich“, erklärte mir Wise-One.

„Danke Wise-One. Weißt Du warum die Haut der Wildling so komisch ist? Und hast Du schon mal eine Wildling-Frau gesehen?“, fragte ich sie neugierig.
„Es gibt keine Wildling-Frauen, es gibt nur Männer. Ihre Haut ist sehr hart, wenn Pierre versucht ein Wildling mit sein Stahlzahn zu schneiden, der Wildling wird nicht schnell verletzt werden. Seine Haut ist zäh“, antwortete mir Wise-One.

„Die haben keine Frauen? Wie vermehren sich die Wildlinge? Er sah aus wie ein Albino. Vielleicht sind sie ebenfalls GMOs oder Mutanten, die irgendwie in Freiheit überlebt haben. Sie erinnern mich an Arakasia, das ist auch eine Rasse von sehr gefährlichen GMOs“, überlegte ich.

„Wir wissen nicht wie sie mehr werden. Vielleicht fallen auch Wildlinge vom Himmel, wie Brüder und Schwestern bei uns“, schlug Wise-One vor.

Das klang ziemlich logisch in meinen Ohren. Warum sollten diese Gentech-Firmen nur Separe entsorgen und nicht auch Wildlinge? Wobei so wie der Kerl drauf war, der mich angegriffen hatte, wollte ich mir eine Einheit durchgeknallter, springfreudiger Wildlinge lieber nicht vorstellen und noch weniger ein Rudel, dass jagt auf alles und jeden machte. Im Grunde hatten sie und die Separe denselben Feind, es war unsinnig dass die Wildling Separe angriffen.


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Re: Taudis 42

#10

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 2. Nov 2018, 16:50

Das Wildlingsnest

Ich hatte beschlossen den Wildlinge auf den Grund zu gehen. Mich interessierte was sich hinter diesem Clan verbarg, wer diese Wesen wirklich waren und ob sie uns gefährlich werden konnten.

Also nicht nur meinem Rudel von Separe, sondern auch allen anderen Personen. Zudem wollte ich in Erfahrung bringen, ob sie irgendwie ein weit entfernter Teil Arakasia waren.

Falls dem so war, wollte ich herausfinden, ob man irgendwie mit ihnen Kontakt aufnehmen konnte, oder ob man das Vorhaben am besten gleich wieder vergaß.

Gemeinsam hatte ich mich mit Mince aufgemacht und betrat das Revier der Wildlinge. Eine zu große Gruppe war zu auffällig, darum ging ich mit Mince allein. Meine Wahl fiel auf meinen Kumpel, weil er mein Freund war und ich ihm genauso wie Dot vertraute.

Zudem war Mince schnell, wendig und konnte trotz seiner schmächtigen Gestalt kämpfen wie ein Sandpanther. Er war ein zäher Bursche und wenn es sein musste, schreckte er vor nichts zurück.

Wise-One hatte Recht gehabt, die Gegenwart der Wildlinge nahm man als erstes mit der Nase wahr. Überall hing der eisenhaltige Geruch von Blut in der Luft.

Mince und ich bewegten uns vorsichtig und lautlos vorwärts. Ich hatte ihm eine meiner Pistolen gegeben und ihm erklärt, wie die Waffe zu benutzen war. So ganz traute er dem „Donner-Dings“ nicht.

Trotzdem sah er ein, dass es besser war selbst ein Donner-Dings zu führen, anstatt einem Gegner mit Waffe gegenüber zu treten und nichts weiter zu haben als scharfe Krallen.

Wir schlichen weiter und kamen an die ersten Zeichnungen. Sie stellen stilisierte Totenköpfe dar.

Dazwischen waren Spiralen und einige Zeichnungen die wie Kraken aussahen und an den angeblichen Ältesten erinnerten den die Beißer anbeteten. Das konnte ja heiter werden.
Und je tiefer wir in das Revier eindrangen, je größer wurde der Gestank. Mittlerweile gab es überall Zeichnungen und auch Schädel hingen an einigen Stellen herum. Das konnte wirklich Dekoration sein wie Wise-One vermutete.

Ich vermutete die deutlichste Warnung die je ein Clan für andere hinterlassen hatte. An einem abgeschlagenen Kopf gab es nichts was man missverstehen konnte.

Überall lagen seltsame Fleischfetzen herum und tiefe dunkelrote Blutpfützen wurden von fetten schwarzen Fliegen umschwärmt. Der Geruch war ekelerregend, so dass ich mir meinen Umhang vor Mund und Nase zog.

Trotz allem schlichen wir weiter, passierten eine dicke Panzertür und missachteten die draufgeschmierte Warnung. Mince und ich schlichen weiter. Der Gang führte und durch eine seltsame Doppeltür und wir standen in der verrotteten Rezeption von einem Hotel.

Zu den oberen Etagen führten Metallseile. Bretter waren als Stege zusammengezimmert worden und dienten als zusätzliche Wege. Ich beschloss erst einmal unten zu bleiben und schlich weiter. Obwohl wir nicht die Etage gewechselt hatten, führte uns unser Weg beständig aufwärts.

Der schmale Gang dem wir folgten gab auf einmal den Blick auf einen großen roten Heizkessel preis. Auf dem Heizkessel prangte als Zeichen eine Hand. In der Hand war ein Totenkopf abgebildet und um diese „Statue“ herum waren überall Schädel dekoriert worden.

Einige hingen von der Decke, andere waren auf Spieße aufgespießt worden. Die Wände des Raumes waren überall mit Zeichen bedeckt. Totenköpfe, Spiralen, Kraken.

Es hatte fast den Anschein, als beteten sie den Ältesten in Form des Heizkessel an. Der würde sich ein Bein ausfreuen, wenn er das wüsste. Nun gut, so wie ich einmal in dem Taudis gefroren hatte, war das keine so abwegige Vorstellung. Wärme war hier unten was besonders, vielleicht war sie ihnen heilig.

Als wir den Heizkessel halb umrundet hatten, stießen wir auf eine Tür. Die Tür war genauso dunkel wie die Wände und man hätte sie leicht übersehen können. Mince deutete auf sie und ich schob die Tür vorsichtig auf. Zuerst konnte ich nichts erkennen, aber Mince schob sich an mir vorbei und betrat den Raum.

Wir beide standen vor einem großen kreisrunden Becken, dass mit Körpern gefüllt war. Der Essensraum, oder die Speisekammer.

Über dem Becken war eine Konstruktion angebracht und in dieser Konstruktion war eine Frau gespannt. Die Arme und Beine weit von sich gestreckt hing sie da. Wenn ich mir die Schlachtabfälle in dem Becken anschaute, konnte ich mir denken wozu man die Konstruktion verwendete – zum Ausweiden.

Mein Blick folgte den Beinen der Frau und dann schaute ich in ein sehr bekanntes Gesicht. Ich konnte mir ein breites Grinsen nicht verkneifen, als ich Candice Grineuf erkannte.

Ihr Kopf zuckte nach oben und sie musterte mich zuerst aus brennenden Augen, ehe sie mich erkannte.

„Albino! Befreie mich! Schnell ehe sie wiederkommen!“, befahl sie mir.
„Candice Grineuf, Du bist nicht in der Position um mir Befehle zu erteilen hm?“, gurrte ich und zwinkerte ihr zu.

„Zudem wir nur hier zu gucken“, warf Mince ein.
„Richtig mein Freund“, stimmte ich Mince zu.

Candice musterte mich mit Panik in den Augen. Sie starrte zur Tür und wieder zu mir zurück.

„Gut, hör zu. Wenn Du mich freilässt verhandeln wir“, bot sie mir an.
„Worüber Candice Grineuf? Wenn ich Dich da einfach hängen lasse, hat sich die Sache für mich schon erledigt. Übrigens, scharfe Pose“, prustete ich.

„Witzig Du Idiot!“, brüllte sie mich an.
„Also beleidigen lassen muss ich mich nicht, komm wir gehen“, sagte ich zu Mince und wir machten uns auf den Weg zur Tür.

Wir kamen nicht einmal an der Tür an, da rief sie uns schon hinterher.

„WARTE! Warte! Ich hab es nicht so gemeint! Bitte komm zurück und schneide mich los. Ich bezahle Dir was Du willst, ich schwöre es“, bettelte sie mich an.

Ich drehte mich in Zeitlupe zu ihr um und grinste sie freundlich an.

„Wirklich? Alles was ich will?“, hakte ich nach und sie nickte so gut sie konnte.
„In Ordnung, hier der Deal. Ich schneide Dich runter und Du lässt mich ab sofort in Ruhe. Ich will nichts weiter als meine Ruhe Candice Grineuf. Kapiert? Du folgst mir nicht, Du jagst mich nicht, Du kennst mich nicht einmal“, bot ich an.

„Müssen wir jetzt darüber reden? Ich will Dir doch gar nichts tun, außer Dich nach Hause zu bringen. Und dort wird man Dir auch nichts tun Du Vollpfosten! Du bist ein harter Brocken, Du kämpfst hart – warum tust Du dass nicht einmal so wie Du es sollst? Ich verspreche es, aber ich kann das Versprechen nicht halten, wenn mein Boss sagt ich soll Dich holen“, flehte sie.

Ich starrte zu ihr hoch und in dem Moment tat sie mir für ihre Verblendung einfach unendlich leid.

„Candice Grineuf Du hast keine Ahnung… vergiss es einfach“, sagte ich und kletterte die Konstruktion hoch.

Sie hing in einem Rad, Arme und Beine weit gespreizt, das Rad hing zusätzlich an einem Seil von der Decke, also schnitt ich zuerst dies durch. Candice Grineuf klatschte gefesselt unter sich ins Becken. Ich sprang von der Konstruktion herab und stellte mich vor sie. Sie hob den Kopf und funkelte mich an.

„Sag mal was soll das? Soll ich hier raus rollen? Ich ersticke hier in dem Schmodder! Hilf mir gefälligst“, keifte sie.
„So langsam frage ich mich, warum die Dich nicht geknebelt haben! Blaff mich noch einmal an und ich lasse Dich hier liegen!“, fauchte ich sie an und unsere Gesichter waren nur Millimeter voneinander entfernt.
„Hat Dir schon mal jemand gesagt, dass Du hammermäßig-schöne Augen hast Albino? So nah sind wir uns selten Prince Pierre...“, grinste sie schief.

„Ja und so bleibt das auch“, grinste ich zurück und schnitt sie los.

„Du hast mich echt befreit Albino. Den Letzten den ich hier erwartet hätte, warst Du. Und dass ausgerechnet Du mich befreist, damit hab ich nicht gerechnet“, sagte sie leise und rieb sich die Handgelenke.
„Werde mal nicht sentimental“, antwortete ich trocken.

„Du kannst unbesorgt gehen, ich werde Dir nichts tun und ich werde Dir auch nicht folgen“, versprach sie.
„Candice Du bist unbewaffnet, Du bist fertig, wir sind bewaffnet und zu zweit… aber Du meinst es gut. Halt einfach den Mund und sieh zu dass Du von hier verschwindest und Dein Wort hältst, ehe ich meine Entscheidung bereue“, gab ich zurück.

Sie sprang auf und wollte gerade weglaufen, als ich sie am Oberarm grabschte und festhielt.

„Arrgh“, kreischte sie erschrocken auf, was Mince loswiehern ließ vor Lachen.
„Warte“, grinste ich entschuldigend.

„Meine Güte! Was denn?“, fragte sie angefressen.
„Kennst Du den Weg raus aus Taudis 42?“, hakte ich nach.

„Nein wäre ich sonst hier umher geirrt und wäre von den Biestern als Kronleuchter an die Decke gehangen worden?“, fragte sie bissig.
„Stimmt. Wozu die ausgerechnet Dich als Kronleuchter an die Decke hingen, ist mir ein Rätsel. Du warst doch noch nie sonderlich helle… naja egal“, sagte ich schnippisch, was sie auf einmal breit grinsen ließ.

„Sag mal Kalkfresse flirten wir gerade?“, hakte sie nach und strich mir über die Wange.
„Fass mich noch einmal an und schieß Dir in Deine knorrigen Knie“, flötete ich.

„So ruppig? Ich hab doch nur was gefragt“, säuselte sie.
„Klar und das wäre meine Antwort. Willst Du sie hören?“, schnurrte ich zurück.

„Ehm es besser lässt das was es da macht mit haarigen Etwas“, warf Mince ein und ich musste ihm Recht geben.
„Das Ding hat Recht. Lass uns von hier verschwinden Albino“, sagte Candice Grineuf und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich bin hier um zu ermitteln“, warf ich ein.

„Ja zum Abgrund was denn? Ob diese weißen Wixxer irre sind? Ja sind sie. Ermittlung abgeschlossen. Wenn Du noch mehr wissen willst, erfährst Du bald ihre Kochrezepte aus nächster Nähe, nämlich direkt aus dem Kochtopf.

Albino, hör mir genau zu, das ist kein Spaß. Lass uns bitte von hier verschwinden. Ich bitte Dich, sag was Du willst ich schließe mich Dir an. Du sagst was gemacht wird, nur bitte lass uns von hier verschwinden.

Du hast echt keine Ahnung mit wem Du Dich hier einlassen würdest, wirklich nicht. Wenn Du mir auch sonst nichts glaubst, glaub mir das. Bitte“, flehte sie mich an und legte mir eine Hand auf den Arm.

„Ich glaube Dir Candice. Wir rücken ab Mince“, antwortete ich und wir machten uns auf den Rückweg.

Wie versprochen hielt Candice Grineuf Wort. Unsere Wege trennten sich außerhalb des Wildling-Territoriums in Taudis 42 friedlich. Und bis zu unserem nächsten Wiedersehen wusste ich nicht, ob sie es lebend aus Taudis 42 herausgeschafft hatte.


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