Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Gras-Schlangen

Die Zukunft von Souvagne sieht im Jahr 1077 völlig anders aus, als sich es die Altvorderen je hätten erträumen können. Magie und Wissenschaft verschmelzen zu einem Ganzen. Manche Dinge aber ändern sich nie.
1077
Im Jahre 1077 nach der Asche wird Souvagne von mehreren Mauern geschützt und die Technik ist auf einem hohen Stand. Die Souvagner sind eine eigene Spezies geworden, die der Hang zur Isolation und Abschottung durch die Krisen aller rakshanischen Invasionen rettete. Aber unbeabsichtigt schufen sie dadurch eine weitere Grenze, mit der niemand rechnete: Gebeutelt von schweren Erbkrankheiten benötigen sie dringend frisches Blut - doch ihre Gene sind mit anderen Menschen nicht mehr kompatibel. Die Lösung liegt vielleicht in der Vergangenheit.
Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde
Marquis
Beiträge: 458
Registriert: Mi 22. Feb 2017, 12:46
Volk: Souvagner
Steckbrief: [ externes Bild ]

Gras-Schlangen

#1

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Fr 23. Nov 2018, 16:58

Gras-Schlangen

Geschichte zum 2. Jährigen Asamura-Jubiläum
(23.11.2016/JEELEN - 23.11.2018)


:) :D :)


****

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#2

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 23. Nov 2018, 17:06

Gras-Schlangen


Instruktion

Das Ordensoberhaupt der Sentir saß vor einem Fenster, das auf gefrorenen Weiten ausgerichtet war. Er konnte die Ruinen einer verlassenen Mine im Vordergrund und eine Reihe schroffer Gipfel in der Ferne erkennen. Es war ein erbärmlicher Ort, aber zumindest half er die Identität des Ordensoberhauptes zu schützen, was wichtig war.

Ein Geräusch erklang, und eine weibliche Stimme sagte, „Agent Poison ist hier um Sie zu sehen“.

„Schicken Sie ihn herein“, antwortete das Ordensoberhaupt.

Die Tür zischte und der Agent betrat den Raum. Er war jung, groß, hager, glatzköpfig und blass. Er hatte sich schon viele Male bewiesen und nun stand er erneut vor dem Ordensoberhaupt.

Agent Poison
Link:
https://i.pinimg.com/originals/17/f7/80 ... a3114d.jpg

„Sie wollten mich sehen?“, fragte der Psi mit leiser Stimme.
„Ja“, sagte das Ordensoberhaupt, „wir müssen miteinander reden“.

„Sicher“, antwortete der Agent und nahm Platz.
„Ich erhielt vor wenigen Minuten die Mitteilung von einem unserer Spitzel aus dem naridischen Rat. Anscheinend hat Erwan Vovasse gegen uns ausgesagt“, sagte das Ordensoberhaupt.

Der Agent verzog bei der Information keine Miene.

„Das kann ich kaum glauben. Ich habe ihn ausgelesen und danach zwei Projektile ins Hirn gejagt, wie befohlen“, antwortete Poison.
„Ja das haben Sie“, stimmte ihm das Ordensoberhaupt zu, „Sie erinnern sich vielleicht, dass wir seine Leiche als Mahnung zurückgelassen hatten. Sie wurde geborgen, konserviert und nun wird seine Präsentation vor dem Rat vorbereitet.

Als Beweis für eine Eingreiftruppe noch weit jenseits hinter dem Militär. Das gefällt mir nicht, unser Ruf und die Geheimhaltung ist damit in Gefahr. Die Geheimhaltung jeder Spezialeinheit die uns die "geborgene Schweigsamkeit" garantiert“.

Ein anderer Agent hätte an diesem Punkt etwas gesagt, irgendwas um sich zu rechtfertigen. Nicht so Poison. Er saß einfach nur da, sein Gesicht völlig ausdruckslos, und wartete.

Das Ordensoberhaupt mochte das.

„Der Duc hat die Erlaubnis erteilt, dass die Untersuchungen in diesem Fall fortgesetzt werden. Deshalb möchte ich, dass Sie die Sache in die Hand nehmen. Tun Sie was getan werden muss.

Meinetwegen reisen Sie nach Naridien und legen den kompletten Rat um. Unauffällig, versteht sich. Erledigen Sie zudem die Ermittler und beseitigen Sie den Leichnam von Erwan Vovasse.

Kurzum Sie haben freie Hand, tun Sie was getan werden muss.
Es sind Feinde Souvagnes“.

Poison stand auf. Sein Blick ruhte immer noch auf dem Ordensoberhaupt. Die ganze Zeit ĂĽber, seit dem er das BĂĽro des Mannes betreten hatte, hatte ihn der Agent nicht fĂĽr eine Sekunde aus den Augen gelassen.

„Ist das alles?“, hakte der Psi nach.
„Ja“, antwortete das Ordensoberhaupt der Sentir.

Poison nickte knapp und verlieĂź ohne ein weiteres Wort den Raum.


****
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#3

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 23. Nov 2018, 17:44

An Bord der Belette – mein Schiff

Gillian und ich saßen gerade im Mannschaftsquartier und aßen zu Mittag, als der Alarm ausgelöst wurde. Gillian war ein ehemaliges Mitglied der Souv-Sec - der Souvagne-Sécurité, eine Elite-Einheit der Sicherheit unseres Landes und gehörte nun der Sondereinheit der Grasschlangen an.

Benannt war die Einheit nach der souvagnischen Grasschlange.

Die auffälligste Eigenschaft der Grasschlange, von der auch ihr Name abstammte, war die Fähigkeit, sich im hohen Gras völlig den Blicken anderer Spezies zu entziehen. Auch sonst sagte man der Schlange nach, ihren Körper an andere Pflanzen zu schmiegen und so optisch mit der Umgebung zu verschmelzen. Man sah sie erst, wenn es zu spät war. Die Einsatztruppe stand ihrer Namensgeberin in nichts nach.

„Wenn das wieder einer dieser dämlichen Scherze ist…“, setzte Gillian an, wurde aber direkt von mir unterbrochen.
„Das ist kein Scherz, wir werden angegriffen“, sagte ich.

Übungen oder auch ab und an kleine Verarschungen waren normal im Team der Grasschlangen, aus diesem Grund nahm Gillian an, dass unser Team-Leader Vas uns wieder für einen weiteren Notfall üben ließ. Allerdings änderte sich seine Meinung schlagartig, als ich von einem Angriff sprach.

„Dies ist keine Übung“, dröhnte es aus den internen Lautsprechern.

„Ich wiederhole dies ist keine Übung! Wir werden angegriffen! Ein Piraten- oder Sklaven- oder Rakshanerschiff nähert sich unserer Position, und unsere vorläufigen Sensordaten zufolge werden wir gleich aufeinander treffen. Alle Mann sofort auf Gefechtsstation, Poison an meine Seite!“, befahl Vas.

Zwar war Vas der Teamleader dieser Truppe, aber ich war Sentir-Agent also ein Psioniker.

Einer der wenigen, die ab und an Eingreiftruppen unterstĂĽtzten. Das Vas mich an seine Seite beordert hatte war klar, als Psi fiel mir eine wichtige Rolle bei der Verteidigung des Schiffes zu im Fall, dass die Angreifer andockten.

Das war das Problem mit Piraten, Sklavenhändlern und auch Rakshanern. Um Profit zu machen, mussten sie das angegriffene Schiff entern und übernehmen. Wenn sie ihre Beute zerstörten, machten sie keinerlei Gewinn. Und wer auf neue Ghule hoffte, benötigte Kadaver.

Gillian und ich beeilten uns unsere Panzerung anzulegen. Zu der Panzerung gehörte auch ein Helm und ein zusätzlicher Torsoschutz. Nachdem wir beide ein Atemgerät angelegt hatten, waren wir notfalls auch in der Lage auch im Giftgas zu kämpfen.

Nachdem wir die Panzerung angelegt hatten, war es an der Zeit die Waffen aus dem Schrank zu holen. Mitch war eingetroffen und ĂĽberragte sogar noch mich. Seine Panzerung war mit orangenen Markierungen versehen, und seine Bewaffnung bestand aus einem gewaltigen Gewehr.

Er lächelte grimmig.

„Wieso trägst Du dieses orangene Abzeichen Kab? Orange ist definitiv nicht Deine Farbe. Du hast graue Augen, da sollte man keine warmen Töne tragen, lass Dir das gesagt sein“, grinste Mitch breit.

„Mitch mein Bester, das ist kein modisches Accessoires, sondern ich trage diese Abzeichen für Dich. Und zwar nur für Dich, damit Du mich im Kampf von den anderen unterscheiden kannst - Partnerlook“, gab ich grinsend zurück und stülpte den Helm über.

„Leute dafür haben wir keine Zeit“, flehte Gillian.

Mitch lachte. Das Geräusch verstummte, als er seinen Helm über den Kopf stülpte. Er war für diesen Einsatz zu meinem persönlichen Beschützer ernannt worden. Egal was schief lief, er hatte „den Psioniker“ mit allen Mitteln zu verteidigen.

Eindeutiger Befehl vom Duc.

Am Anfang wusste Mitch nicht, wie er mit einer Person umgehen sollte, die über so eine gewaltige Fähigkeit verfügte. Sentir, Psioniker, Telepath, Gedankenschinder, Blitzbirne… wie immer man uns auch nennt, die Bezeichnung wird mit Furcht ausgesprochen.

Das war, was er ĂĽber uns wusste.
Mitch hatte sich zudem erkundigt.
Wir selbst nennen uns Sentir - abgeleitet von fĂĽhlen.

Ein Sentir besitzt verschiedene psychische Fähigkeiten, Sentir steht zeitgleich für die Gabe, Dinge rein durch die Macht der Gedanken zu bewegen. Zudem beherrschen wir Telepathie - die Fähigkeit, mit anderen Lebewesen durch die Macht des Geistes zu kommunizieren. Oder eben Gedanken zu lesen und jederzeit zu wissen, was in den Köpfen der anderen vorgeht.

Das hat in unserem Fall ĂĽberhaupt nichts mit Magie, sondern mit Gedankenwellen zu tun, mit denen wir "fĂĽhlen".

Ein Magier braucht Magie, ein Sentir braucht Konzentration und ist tödlicher als jede Waffe die Mitch bekannt ist.

Zudem war es ihm unheimlich, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes Gedanken lesen konnte. Was Mitch am Anfang noch unheimlich war, stellte sich sehr bald als extremer Vorteil heraus. Zudem war ich wohl ganz anders, als sich Mitch einen Sentir vorgestellt hatte.

Gut fragt man Leute jeglicher Bevölkerung beschreiben diese Sentir oder Telepathen wie folgt - große, blasse, glatzköpfige Kerle mit starrendem Blick sowie tödlichen Gedanken.

Das trifft insoweit nicht auf mich zu, da ich Brillenträger bin.
Tatsächlich sind wir auch nicht blass, sondern eher grau als weiß.
Und so befremdlich es fĂĽr manche erscheinen mag, es gibt auch weibliche Sentir.

Jedenfalls hatte sich Mitch nach anfänglichem, zögerlichem Beschnuppern von der ernsten, distanzierten Autorität meines Leibwächters, in meinen besten Kumpel verwandelt.

„Bereit? Dann folgt mir Jungs“, sagte Mitch und gab sofort die Führung.
„Wollte er nicht nochmal durchzählen?“, fragte Gillian über Helminterkom.
„Einschließlich mit sich selbst müsste er ja bis drei zählen Gillian“, lachte ich.

Gillian hatte mich direkt als das akzeptiert was ich war, ein Mitglied der Truppe. Zudem sah Gill in mir ein gewaltiges Privileg. Es war schon etwas Besonderes, wenn eine Eingreiftruppe von einem "Grauen" begleitet wurde.

Einen Sentir-Agenten in der eigenen Truppe zu haben, war eine besondere Auszeichnung mit Sternchen.

Die Truppe eilte ĂĽber das Mannschaftsdeck weiter bis zur Hauptluke.
„Gut“, sagte Mitch. Vas, Alicia gesellten sich ebenfalls dazu.

„Die Vorgehensweise ist bekannt. Wenn der Abschaum versucht die Kontrolle über unser Schiff zu übernehmen, muss er durch diese Luke. Alle anderen Durchgänge sind zu klein, als dass einer da durch passen würde. Also Leute, macht Euch bereit“, befahl Vas und die Truppe nickte grimmig.

Ein lautes Donnern ertönte, als die beiden Schiffe aufeinandertrafen. Gillian wurde von den Füßen gerissen. Mitch und ich rissen ihn zurück auf die Füße. Kaum wieder auf den Beinen, erfolgte eine gedämpfte Explosion und die Piraten befanden sich bereits in der Luftschleuse.

Sekunden später begann das Metall um das Kontrollpanel der inneren Tür zu glühen. Kurz darauf brach ein Plasmastrahl durch das Metall und zog eine leuchtend rote Linie um das Panel herum. Es zischte laut, gefolgt von einem dröhnenden Geräusch, als einer der Piraten vor das Kontrollpanel trat und es auf das Deck der Belette fiel.

„FEUER und BARRIERE!“, befahl Vas.
„Schaltet die Panzerung aus. Wir müssen sie aufhalten, bevor sie die Barrieren erreichen“, sagte Vas.

Auf seiner Position im hinteren Bereich wurde Gillian zum größten Teil von der letzten Barriere verdeckt, doch er erkannte jetzt, wie sehr Vas Recht hatte. Die Waffen, die auf der anderen Seite eingesetzt wurden, feuerten Partikel große Geschosse, die eine schier unglaubliche Geschwindigkeit hatten.

Ein einziges Magazin enthielt jede Menge Munition. Der Nachteil bestand darin, dass die Waffen sich erhitzten. Wurde ein verbrauchter Wärmetauscher nicht ausgeworfen und durch einen neuen ersetzt, war die Waffe nicht mehr zu gebrauchen, wodurch der Schütze plötzlich wehrlos wurde.

Das war eines der Dinge, an die ich unbedingt denken sollte, wenn die kleine Truppe hier das Gefecht heil ĂĽberstehen wollte.

`Kab hörst Du mich?´, fragte Gillian mental, da er davon ausging dass die Feinde eh einen Störsender platziert hatten.
`Ich höre jeden von Euch Gill´, antwortete ich in Gillians Kopf, was diesen grinsen ließ.
`Die Feinde nutzen Partikelwaffen mit Wärmeaustauscher´, teilte Gillian mir mit.

Ein Tiefling ging zu Boden, da ein stetiger Strom von Projektilbeschuss durch seinen Schutzanzug schlug und auf sein Fleisch und seine Knochen traf. Das Ergebnis war ein schrecklich anzusehender Geysir, als die Körpersäfte des Sklavenhändlers durch das Loch in dem beschädigten Anzug ins Vakuum gesogen wurden.

Gillian hätte sich bei dem Anblick am liebsten übergeben, doch er richtete seine Waffe auf einen der Eindringlinge und drückte ab. Rauch stieg auf, wo die Salve sein Ziel traf, doch die Salve richtete keinen nennenswerten Schaden an, während der Tiefling immer weiter vorwärts stapfte. Immer mehr von den rothäutigen Wesen schalteten sich in den Kampf ein. Gillian wusste nur sehr wenig über Tiefling-Waffen, ich wusste Dank meines Bio-Chips genug um sie umzubringen.

Mein Gesicht war vor Konzentration finster, als ich die Salven der Sturmgewehre von meinen Kameraden abhielt. In diesem Augenblick erhob sich Mitch und schleuderte den Söldnern eine Granate entgegen. Es krachte, doch die Auswirkungen der Granate waren nur unbedeutend.

Einer der Tieflinge richtete das Feuer auf Mitch, und dieser zog sich sofort hinter meinen mentalen Schutzschild zurĂĽck.

`Runter´, warnte ich meine Leute per Gedanken und schlug mental zu.

Der Tiefling wich taumelnd zurück in dem aussichtslosen Versuch, sich auf den Beinen zu halten. Kurz darauf war es vorbei, als die psionischen Geschosseinschläge die kinetische Panzerung des Tieflings durchschlugen.

Das entstandene Loch war so groß, dass der Anzug samt seinem Träger regelrecht zerfetzt wurde. Ein weiterer mentaler Zugriff und die Feinde sahen, wie die Organe des Tieflings aus seinem Brustkorb herausgerissen wurden.

Die Tieflinge starrten für Sekunden ihrem Kameraden hinterher, ehe sie mich musterten. Während diese nun gezwungen waren unten in Deckung zu bleiben, verließ ich mein Versteck.

`NEIN! Sofort zurück´, bellte Vas mich via Interkom an, doch ich ignorierte ihn.

Die Belette war mein Schiff.

Vas, Gillian, Mitch und Alicia waren meine Leute und es war meine Aufgabe sie zu schützen. Ich rammte die Waffe zurück ins Holster und hob die Hände. Finstere Konzentration stand mir ins Gesicht geschrieben. Nachdem ich so viel Energie gesammelt hatte, wie es mir irgendwie möglich war, hatte ich keine andere Wahl als sie umgehend freizusetzen.

Die Truppe der Tiefling wurde von einem psionischen Blitz getroffen. Trotz der Größe der Feinde wurden die Tieflinge vom Deck empor gerissen und gegen das stählerne Schott geschleudert.

Die Piraten stĂĽrzten zu Boden, prallten hart auf dem Deck auf und nur sehr wenige von ihnen regten sich wieder. Einige mĂĽhten sich trotz schwerer innerlicher Verletzungen wieder aufzustehen.

„Tötet die Bastarde“, zischte ich und sammelte bereits wieder Energie.

Mitch und die anderen feuerten auf die am Boden liegenden Tiefling, während ich auf den Tiefling zielte, der gerade versuchte, die Barrieren zu umgehen und sich in den Rücken der Verteidiger zu schleichen, um sie von hinten anzugreifen.

Rasch hob ich den Sklavenhändler auf gut sieben Meter in die Höhe. Dann, während der entsetzte Tiefling wild mit den Beinen strampelte, ließ ich ihn unvermittelt los und so prallte der Eindringling mit voller Wucht auf den Boden.

Eines seiner Beine brach, zeitgleich schlug ich mental zu und der Tiefling kollabierte. Ich zog meine P-Waffe und feuerte auf die Gesichtspanzerung des Tieflings und jagte der Rothaut eine Kugel mitten ins Hirn.

Auch wenn es allen Beteiligten länger erschien, waren doch nur zehn Minuten vergangen, seit der Kampf begonnen hatte. Die nachrückenden Tieflinge schauten auf ihre gefallenen Kameraden und beschlossen, dass Rückzug wohl die beste Möglichkeit wäre diesen Kampf zu überleben.

`Mir nach´, übermittelte ich und nahm direkt die Chance wahr die sich mir bot.

Wir hasteten hinter den Feinden her durch die Luke in das feindliche Schiff hinein. Die Luke führte direkt auf das Sklavendeck, und ich sah mindestens hundert Sklaven, die mit dem Rücken zur Wand saßen, eingezwängt in Stahlkäfige.

Vas, Gillian, Mitch und Alicia hatten nur wenig Zeit, ihre Umgebung zu analysieren, da eine Handvoll Tieflinge das Feuer auf ihre Verfolger eröffnete. Die Geschosse lenke ich sofort von meiner Truppe ab, und mehrere Sklaven wurden getroffen.

„Tötet die Schweine! Wir müssen den Raum unter unsere Kontrolle bringen, bevor sie sich befreien können!“, bellte Vas.

Mitch war nervös geworden, als ich den Tieflingen auf deren Schiff nachsetzte. Er erkannte wie gefährlich mein Vorgehen war. Wenn die Sklavenhändler es schafften, sich von der Belette zu lösen, waren wir auf dem gegnerischen Schiff gefangen.

Er hoffte dass ich für diesen Wenn-Fall eine passende Lösung parat hätte. Noch hatte ich keine, im Moment setzte ich nur auf Schnelligkeit. Schnellstmöglich eilte Mitch vorwärts und schloss mit der Gruppe zu mir auf. Sie folgten mir in den Notfallschacht am vorderen Ende des Sklavendecks.

`Wir können den Aufzug nicht benutzen. Sie könnten ihn abschalten und uns darin festsetzen. Zu langwierig das Ding über Sentir wieder zum Laufen zu bringen und per Levitation kann ich uns nicht hochbringen, da sie uns mit dem Ding zerquetschen könnten.

Ich kann uns nicht schwebend im Raum halten und zeitgleich den Aufzug zerquetschen. Dabei würden wir abschmieren. Feuertreppe?´, fragte ich und nickte in Richtung der besagten Leiter.

`Feuertreppe! Kab Du hast verdammtes Glück gehabt! Wenn ich Dich zurück in Deckung beordere, folgst Du meinem Befehl!´, schnauzte Vas, während wir die Leiter zum Kontrolldeck hinauf stürmten.

Es wurde mit aller Kraft verteidigt, was offensichtlich wurde, als mehrere Projektile direkt in unsere Richtung flogen und ich sie per mentalen Schild abfangen musste. Wir waren gezwungen zurĂĽckzuweichen und im Schacht Deckung zu suchen.

`Nagle sie fest Kab´, befahl mir Vas, `aber lass uns erst vorbei´.

Ein Sentir kann einen Moment der Stase erschaffen. Ein mentales Feld um einen Gegner darin gefangen zu halten, im Grunde ein umgekehrter Schutzschirm.

Ich hatte schon oft Gegner aus der Deckung gerissen, aber ob das auch auf einem ihrer Schiffe so einfach funktionierte wusste ich nicht.

Als Vas seine Truppe hoch führte, versuchte ich, so viel Energie zu sammeln wie möglich. Anschließend formte ich diese zu einer Kugel und spürte, wie ich einen Tiefling an Ort und Stelle festhielt.

Es kostete extrem viel Kraft und nur einige Sekunden später spürte ich, wie das Feld verpuffte.

„Merde“, knurrte ich. Mit meiner P-Waffe in der Hand, trat ich aus dem Schacht. Ein halbes Dutzend Leichen lagen um das Zentrum des U-förmigen Kontrollbereichs verstreut, und drei Tieflinge hielten die Hände über den Köpfen verschränkt.

„Du hast es geschafft Blitzbirne. Du hast zwei von ihnen eingefroren und auch noch versehentlich Mitch. Er war etwas sauer, aber das hat sich schnell wieder gelegt“, sagte Vas stolz und verpasste mir einen freundschaftlichen Boxhieb vor die Schulter.

Ich verspürte eine unglaubliche Erleichterung, gefolgt von einer plötzlichen Leere, als sich die Nachwirkungen meiner großen Anstrengung bemerkbar machten und das SENTIR-Implantat dass unsere Fähigkeiten unterstützt den Kampfmodus verließ.

„Kab?“, fragte Vas noch.

In diesem Moment wurde mir schwarz vor Augen.
Meine Truppe fing mich auf.


****
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#4

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 8. Dez 2018, 17:44

Zerstörung

Sechs Stunden waren seit dem Gefecht vergangen, als ich wieder zu mir kam und direkt in Mitch´s Augen blickte. Erschrocken fuhr ich zusammen und starrte meinen Kollegen an.

„Was soll das Mitch? Wo…? Ach vergiss es“, murmelte ich leise und setzte mich vorsichtig auf. Mitch hielt mich dabei am Oberarm fest und wartete bis ich richtig saß.
„Alles soweit in Ordnung mit Dir? Du bist umgekippt Kab“, erklärte Mitch und hockte sich sicherheitshalber neben mich und drückte mir einen Proteinriegel in die Hand, „für Dich. Lass ihn Dir schmecken“.

„Ja geht schon. Ich musste die Kugeln von Euch abhalten oder umlenken, zeitgleich Leute umbringen und dann sollte ich noch einige in Stase einfrieren. War wohl doch was viel Konzentration auf einmal. Lass hören, was ist Sachstand?“, antwortete ich freundlich und aß den genüsslich den Riegel.

„Vas hat die Sklaven verhört. Er wollte herausfinden wer die Sklaven waren. Zeitgleich haben Gill und Alicia versucht unser Kommando- und Kontrollsystem wieder in Gang zu bringen. Hat nicht ganz geklappt. Wir werden in nächsten Zivilisation oder was Vas dafür hält, runtergehen und landen. Der Antrieb ist irgendwie halb hin.

Die drei Tieflinge haben nichts ausgespuckt. Aber das Schiff sagt eindeutig, dass es Scheiß-Sklavenhändler waren. Kopfgeldjäger fliegen kaum mit einer so großen, schweren Schüssel durch die Gegend. Da ist ein Jäger gefragt, oder was schnittig-wendiges. Die haben vermutlich auf leichte Beute gehofft. Tjaaa – gib mir mal eine Kostprobe Deines Könnens“, grinste Mitch breit.
„Du wieder“, ich schloss die Augen und tastete kurz die Belette ab.

„Keiner der drei Tiefling hat überlebt, keiner der Sklaven hat überlebt. Das Sklavenschiff wurde unbrauchbar gemacht. Ich sehe ein blutbeflecktes Deck, Tieflinge und Sklaven sämtlicher Rassen auf dem Deck und den unteren Ebenen im Tod vereint.

Einige sind noch in der Nähe… außerhalb… ihr Psi.
Sie wissen nicht dass sie weg sind.
Sie verblassen bereits im hier und jetzt für die zweite Sphäre.

Vas hat sie gemeinsam mit Gill exekutiert, während Alicia sich der Bordelektronik widmete und Du mich beschützt hast. Du hattest Angst um mich als ich umgekippt bin. Du hast mich aufs Quartier geschleppt und mich die ganze Zeit angegafft. Sechs Stunden! Mitch mal ehrlich, hast Du keine anderen Hobbys?“, grinste ich Mitch an.

„Keine Ursache Kabir. Ich habe über Dich gewacht! Das ist mein Job und nicht mein Hobby! Und leicht machst Du mir den nicht gerade!“, rechtfertigte sich Mitch.

„Du hast Deine Nase hinter dem Schild vorgestreckt um eine Granate zu werfen. Was für eine hast Du geworfen sag mal? Das Ding hat überhaupt nichts gemacht“, lachte ich.
„Keine Ahnung, was das für ein Schrott war“, prustete Mitch.

„Danke“, sagte ich freundlich.
„Gerne“, antwortete Mitch.


****
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#5

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 8. Dez 2018, 18:09

Alles ganz einfach

Einige Stunden später saß ich vor dem winzigen Wohnzimmertisch in meiner Bude, hatte die Hände im Schoß gefaltet und starrte auf ein offenes Buch.
„Verdammt es will sich nicht umblättern“, knurrte ich leise.

Mitch "der Mann ohne Hobbys" beobachtete mich und musste bei meinen Bemühungen mental umzublättern schmunzeln. Ich ging zu meinem Kumpel rüber, strich ihm über den Schädel und packte ihn fest im Nacken um ihn rauszuwerfen.

„Wenn Du das so nicht hinbekommst, nimm doch einen Finger. Ich lecke ihn Dir auch nass, wenn Du mich lässt“, lachte Mitch.
„Es geht doch darum, nicht die Finger zu nehmen“, antwortete ich konzentriert.

„Komisch dass Du das nicht hinbekommst. Ich hab Dich schon ganz andere Dinge machen sehen, aber ein Blatt bewegen kann doch nicht so schwer sein“, antwortete Mitch und stellte mir eine Schüssel Chips vor die Nase. Ich schaute Mitch baff an.

„Also zuerst mal die Info, etwas Behutsames zu vollbringen ist schwieriger als um sich zu schlagen mit der groben Kelle. Hier ist Präzision gefordert. Das Buch in die Ecke knallen könnte ich ohne Probleme. Wie kommst Du überhaupt darauf, dass daran nichts schwierig ist?“, fragte ich neugierig.
„Na ich hab Dich schon mental kämpfen sehen bei den Übungen, Du kannst spüren wo wer ist und halt all solche Sachen. Da dachte ich, eine Seite vom Buch umzublättern, kann da echt nicht schwer sein“, grinste Mitch mich an.

„Im Vergleich zu solchen Dingen ist es nicht schwer. Aber wie ich Dir gerade sagte, ist es nicht schwer das Blatt zu heben oder zu bewegen, sondern ich will es vorsichtig umblättern. Also eine sehr präzise Bewegung von Anfang bis Ende beherrscht ausführen. Dann kann ich mich an anderes herantasten wo Vorsicht angebracht ist“, sagte ich und mampfte einige Chips.

„Dann musst Du Dich fester konzentrieren“, antwortete Mitch und grinste breit.
„Verstehe. Ein Beispiel für Dich Seize“, gab ich zurück und zwinkerte Mitch zu.

"Seize?", hakte Mitch misstrauisch nach.
"Seize... Nicht-Sentir, Normalo, sowas, such Dir was aus", grinste ich herausfordernd.

Ich legte vorsichtig einen Chips auf den Tisch ab und hockte mich genau davor.

„Erste Übung Visualisierung. Ganz leicht, kann jeder von uns. Hock Dich neben mich“, bat ich und Mitch gehorchte sofort.
„Hier bin ich“, freute er sich.

„Schön. Jetzt starr den Chip an, verdränge alles aus Deinem Geist. Alles was zählt ist dieser Chip“, erklärte Mitchell.
„Ja in Ordnung“, bestätigte Mitch und konzentrierte sich auf den Chip vor ihm auf den Tisch.

„Sehr gut. Schön weiter konzentrieren. Du siehst den Chip und Deine Gedanken haben den Chip völlig erfasst. Der Chip ist Dein Ziel“, sagte ich.
„Der Chip ist mein Ziel, jawohl“, bestätigte Mitchell.

„Jetzt heb den Chip durch Deinen Willen hoch. Er wiegt fast nichts“, forderte ich Mitchell auf.
„Wie?“, fragte Mitch baff.

„Konzentriere Dich so feste auf den Chip und das was Du mit ihm vor hast, dass Dein Gedanke eine Handlung wird. Bündele Deinen Willen. Du musst es wirklich wollen, dann wirst Du ihn nur durch Deinen Willen hochheben“, erläuterte ich ihm freundlich.

Mitch konzentrierte sich. Er starrte den Chip so lange an bis ihm die Augen brannten und sein Schädel anfing zu brummen. Dabei fing auch noch an sein Kiefer zu schmerzen, weil er die Zähne so fest auf einander biss. Der Chip bewegte sich nicht einen Millimeter. Mitch versuchte es noch einige Minuten, aber nachdem immer noch nichts geschah, gab er auf und schaute mich an.

„Na? Was ist los? Warum tut sich da nichts?“, fragte ich grinsend.
„Ich kann das nicht“, gestand Mitch kleinlaut.

„Du musst Dich nur fest genug konzentrieren und es wirklich wollen“, sagte ich mit noch breiterem Grinsen.
„Aha“, gab Mitch zurück.

„Den Tipp hast Du mir gerade doch gegeben. So geht das“, lachte ich gut gelaunt.

Ich verband mich mit Mitch, damit dieser spĂĽrte, wie hoch die normale Konzentration eines Sentir schon war. Dann hob ich den Chip einfach mit meinem Willen an, schnappte ihn aus der Luft und reichte ihn Mitchell. Mitch nahm ihn vorsichtig entgegen, biss ein StĂĽck ab und reichte mir den Rest.

„Das ist alles nur reine Willenskraft? Wie hoch ist Deine Willenskraft, wenn Du sie voll entfesselst?“, fragte Mitchell fast ehrfürchtig.
„Für Dich ist es ein unvorstellbares Maß an Konzentration. Du kannst tun und lassen was Du willst, Du bist nicht in der Lage so hart und fest Deinen Willen zu bündeln. Sonst hättest Du den Chip wenigstens bewegt. Das hätte mich schon gewundert. Ich könnte Dich ohne Anstrengung mental über das geparkte Schiffe schleudern, es wäre reines Wollen, reine Gedankenmacht. Was ich nicht will, keine Panik.

Wenn Du nur den Chip bewegen willst und sich einfach gar nichts tut, kannst Du Dir vorstellen wie mächtig im Gegensatz zu Dir schon der Schwächste von uns ist? Jetzt stell Dir einfach vor, diese Macht bis zur Endstufe gesteigert. Ich bin ein Endstufler und irgendwann vielleicht ein Un - die mächtigste Ausprägung, wer weiß? Ein Psi der seine Gabe meisterlich beherrscht. Aber dann wird es nicht mehr das Problem sein, etwas zu bewirken. Mein Problem wird dann sein, keine ungewollte Wirkung auszulösen“, erklärte ich freundlich und Mitch drückte mich fest an sich.

„Ich pass schon auf Dich auf. Statt Seiten umzublättern, solltest Du lieber mit den Chips üben. Die könnten zur Couch schweben, wenn wir Holo gucken“, prustete Mitch was auch mich loslachen ließ.


****
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#6

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 8. Dez 2018, 23:21

Cara Cor

Die Belette hatte sich soweit es ging beschädigt bis nach Cara Cor gequält und ging nun in den Sinkflug. Kurze Zeit später setzte unser Schiff auf dem Wüstenboden auf. Wir warteten einen Augenblick ehe sich die Luke mit hydraulischem Zischen öffnete und den Blick auf Wüste, Hitze, Staub und Dreck freigab.

Ich trat aus dem Schiff, atmete durch das Brennen in meiner Kehle aus und senkte dann den Blick. Die Truppe war mir mit entsicherten Waffen und Marschgepäck gefolgt und schloss zu mir in Sicherungsnähe auf.

Die Belette verriegelte automatisch wieder und verschwand aus dem Sichtfeld Dank ihres Tarnmodus. Zum Glück war dieser noch intakt, sonst hätte einer zur Überwachung beim Schiff bleiben müssen.

„Wohin?“, fragte Mitch.
„Wir brauchen Ersatzteile und die gibt es nur auf dem Markt… oder bei den Grob-Nobs“, antwortete Vas.
„Hier gibt es doch diese kleinen Biester, die Tech stehlen. Und diese vermummten Irren, das sind sicher die Grob-Nobs, ich wette drum“, warf Gillian warnend ein.

Ich tastete mental die Gegend ab und ĂĽberlegte.

„Hast Recht Gil, hier gibt es Grob-Nobs. Laut Info meiner KI liegt Cara Cor ungefähr fünf Kilometer in diese Richtung. Es handelt sich um ein Dorf. Scheinbar ein Schlüssel- oder Knotenpunkt in dieser Region.

Info über die Bewohner liegt nicht gesondert vor, das heißt es wird ein Schmelztiegel sein, aus allem was sich in der Wüste herumtreibt. Vermutlich auch der größte Abschaum, also Sklavenhändler. Keiner verlässt die Gruppe, das gilt besonders für Dich Al“, sagte ich zu unserer Scharfschützin.

Wir machten uns auf den Weg und latschten Richtung Cara Cor, meine KI gab mir den Weg vor und ich spiegelte die Infos auf die Interkoms meiner Begleiter.

Meine Aufklärung wurde durch die fliegende Drohne von Gillian unterstützt. Ab und an trafen wir Einheimische, die uns mit Informationen versorgten. Ich las sie aus uns sammelte genügend Input um meine Truppe weitest gehend sicher Richtung Dorf zu führen.

`Kabir, hier ist Al. Vas und ich sind in Position´.
`Verstanden Kleine´, erwiderte ich, `Haltet die Füße still´.

Ich hatte in den Gebirgsausläufen Stellung bezogen, abgeschirmt von einer Felszunge, so dass ich das Labyrinth Staub überzogener Gebäude im Auge behalten konnte. Mein SENTIR-Implantat versorgte mich nicht nur mit den Daten meiner Teamkameraden, sondern ebenso mit Infos von der Drohne.

Das kleine fliegende Ei war eine autarke KI und mit meiner im Schädel eine Verbindung eingegangen.

Ei war in der Lage, auf dem Schlachtfeld Freund und Feind zu identifizieren, und in diesem Moment tauchten ĂĽberall auf dem Raster rote Umrisse auf, wie Hecklichter im Morgenstau zu Beauforts Hauptverkehrszeit.

`Kabir? Was ist da unten los? Ich bin mit Gewehr in Position´, meldete sich Alicia.

Mitch hatte zu mir aufgeschlossen, Vas gab kurz Meldung, wir hatten den Komplex abgeriegelt. Der Plan von Vas sah vor, die Wachen mit nicht tödlichen Gummigeschossen aus dem Verkehr zu ziehen, bevor ich sie ins Land der Träume schickte, um dann in das Lager zu schlüpfen, tatsächliche Feinde gegebenenfalls zu neutralisieren und uns die Ersatzteile zu schnappen bevor Blut vergossen wurde.
Eingreiftruppen-Taktik.

Ich meine hätten wir nicht noch umsichtiger vorgehen können?
Vielleicht Tee und leichtes Gebäck mitbringen oder einen guten Whisky auf den Nachttisch der Grob-Nobs stellen. Als kleines Dankeschön für die Ersatzteile. Scheinbar verwechselte Vas da irgendwas.

Wir sind da reingegangen und wollten Grob-Nobs um Tech erleichtern. Jene Irren, die andere Leute einfach in der WĂĽste in StĂĽcke hackten. Aber Vas tat sein Bestes um niemanden zu verletzten.

Wenn ich eines schon immer wusste dann das, Freundlichkeit rächt sich.
Sie wird mit Schwäche verwechselt.
Zeigt Dich schwach und man macht mit Dir was man will.

Ich spreche da aus eigener Erfahrung, sonst zähle ich auch zu diesen Trotteln, doch bei diesem Einsatz hatte Vas den Job. Ich hatte der Truppe gesagt, dass wir tun würden, was nötig war, sollte es hart auf hart kommen. Ich hoffte allerdings dass es nicht dazu käme, aus Sorge um meine Leute.

`In Ordnung Grasschlangen, los geht’s´, erteilte ich den Befehl via SENTIR-Implantat, damit sich meine KI in die Cross-Com-Kameras der anderen einklinkte, und dann verfolgte ich, wie die Wachleute wie Stoffpuppen zu Boden gingen.
Zack und TschĂĽss.

Danach verpasste ich den anderen Grob-Nobs in Reichweite rasche mentale Hiebe. Vas kauerte vor dem Schloss am Vordertor nieder, während ich mich von meiner Position löste und lautlos nach unten sprintete um mich zu ihm zu gesellen. Es war eine kühle Wüstennacht. In der Ferne bellten Hunde. Wie Segel flappte Wäsche an langen Leinen, die neben mehreren Gebäuden in der Nähe aufgespannt worden war. Der schwache Duft von über offenem gebratenem Fleisch wehte herüber und ich bekam Hunger.

Ich ĂĽberprĂĽfte die HUD-Anzeige meiner KI, zwei Uhr zwanzig Ortszeit. Man schnappt zu, wenn alle schliefen. Scheinbar keine Wissenschaft, denn irgendwer grillte ziemlich lecker.
Vas unser Einbruchsspezialist, knackte das Schloss mit seinem Dietrichset und hob den Daumen, um seinen Erfolg zu signalisieren. Ich schlĂĽpfte gerade in einen Innenhof, als Mitch mich ĂĽber Interkom warnte.

`Zwei Grob-Nobs. Einer rechts von Dir, in der Nähe dieses Gebäudes da hinten, der andere zu Deiner Linken´, warnte mich Mitch.

`Danke, ich sehe sie´, antwortete ich, während auf dem Cross-Com weitere rote Signaturumrisse aufblinkten, die jede der Wachen ins Visier nahmen. Wie die meisten Grob-Nobs trugen sie lange Wollhemden, die sie über ihre Hosen drapiert hatten und die in der Hüfte von breiten Schärpen zusammengehalten wurden.

Figur schmeichelnd sind die Fetzen nicht, sie sehen aus wie Säcke. Die traditionellen Tücher, die sich die Grob-Nobs um die Schädel wickeln machten es zudem schwierig, sie voneinander zu unterscheiden.

Doch eines schienen sie alle gemeinsam zu haben… sie wollten uns umbringen.

Ich hob eine Hand, drauf und dran, den Kerl zur Rechten zu betäuben, als Mitch zu mir aufschloss. Der Kopf des Grob-Nobs hing herunter, als wäre er gerade eingedöst. Mitch hatte den Typen auf der linken Seite im Visier, den größeren.

Urplötzlich erfüllte statisches Rauschen meinen Schädel und die Bilder, die mir mein SENTIR auf meine Netzhaut übermittelte, verschwanden. Einfach so.

Sentir-Unterstützungs-System/SUS – OFFLINE.

Der Mangel an Informationen kam mir wie ein Herzinfarkt vor. Ich hatte mich so an das SUS gewöhnt, dass es geradezu zu einem weiteren Körperteil geworden war, der jetzt abrupt abgehackt wurde. Ich versuchte mehrfach das System Reset zu fahren – nichts.

Mein erster Gedanke EMP?
Ein elektromagnetischer Impuls?

Wir hatten gerade die Kommunikation, die Zielerfassung, einfach alles verloren. Und mir kam nicht mal für eine Sekunde der Gedanke, dass die Grob-Nobs dafür verantwortlich sein könnten.

Mitch packte mich grob am Oberarm, zerrte mich dicht an die Seitenmauer des Innenhofs und schirmte mich mit seinem Körper ab.

„Scheiße Kabir, was ist los?“, fragte er besorgt. Er hatte nur geflüstert, aber seine Stimme klang selbst gedämpft noch wie ein Brüllen. Jedenfalls empfand ich so.

Ohne Vorwarnung peitschten in der Ferne zwei Schüsse auf. Alicia. Sie hatte die beiden Wachen mit richtigen Kugeln außer Gefecht gesetzt. Ihr taffes Handeln riss mich zurück in die Wirklichkeit. Kein SUS bedeutet nicht, kein Psioniker mehr – ich Idiot!

`Freie Bahn´, brüllte ich mental meiner Truppe zu.
Ich hatte die Worte kaum übermittelt, als überall auf dem Anwesen Geschützsalven widerhallten. Ich lauschte auf das charakteristische Dröhnen der Sturmgewehre meines Teams, das von dem Popcornknacken der Waffen der Grob-Nobs untermalt wurde.

Alle feuerten ihre Waffen ab und zwar mit scharfer Munition.

Gleichzeitig ertöne das Motorsurren der Cypher-Drohne Ei hinter mir, die uns zur Hilfe eilen wollte.

„Verbundeinheiten bin zur Unterstützung unterwegs“, teilte sie mit.

Doch dann drehte die Drohne wie betrunken bei und sauste auf den Hof zu. Bevor sie mit Krachen im Dreck landete griff ich auf meine Gabe zu und riss Ei mit Telekinese an mich um ihr elektronisches Leben zu retten.

Der Feind setzte elektronische GegenmaĂźnahmen ein?
Die hatten mein SUS, die Drohne und die Interkoms ausgeschaltet?
Unmöglich.

Niemand hackt ein SENTIR-System, wir hacken andere!
Wir befanden uns in der WĂĽste, wo schon Strom und flieĂźendes Wasser High-Tech waren!

Mitch und ich rissen unsere Masken runter und wechselten die Magazine, um nachzuladen. Dann erreichten wir das Haupttor des Gebäudes, rissen es auf und hutschten hinein, genau in dem Moment, als im flackernden Kerzenschein zwei Grob-Nobs in langen Gewändern die Ecke umrundeten und uns entdeckten.

Einer brüllte los, ich klatschte ihn mit einem Gedankenhieb als neues Gemälde vor die Wand, und Mitch erwischte den zweiten mit dem Gewehr, als dieser sich gerade umdrehen wollte.

Ich will ihren Tod nicht verherrlichen oder unsere Tapferkeit und Zielgenauigkeit hervorheben. Ich möchte bloß betonen, dass wir bis dahin gezielte Anstrengungen unternommen hatten, um die Verluste zu minimieren, und den Vorteil unserer Informationssysteme anfangs auch auf unserer Seite hatten.

Doch als wir die Kommunikation und die Info der Drohne und des SENTIR verloren, wurden die Karten neu gemischt.

Alicia – unsere Al, hatte logischer und schneller reagiert als Vas oder ich. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn sie nicht gefeuert hätte. Ich habe mich zu Anfang unserer Zusammenarbeit vor allen bereit erklärt den Befehlen von Vas als Leader Folge zu leisten.

Ausnahme, seine Befehle würden das Leben eines Team-Mitglieds gefährden. In dem Fall würde ich meinen Status geltend machen.

Kurzum der Befehl lautete dann umgehend, sofortige tödliche Gewaltanwendung gegen den Feind. Ich hatte meinem Team somit die Erlaubnis erteilt, die Initiative zu ergreifen, falls die Umstände es erforderten. Alicia hatte mir und Mitch damit den Arsch gerettet.

Mitch fĂĽhrte uns einen langen, schmalen Gang voller Staubmotten entlang, der von Wandleuchtern mit dicken Kerzen erhellt wurde. Unsere Stiefel schrammten ĂĽber den Boden aus festgestampfter Erde, als wir eine Ecke umrundeten und auf ein Schlafquartier mit leeren Betten und kunstvollen Teppichen auf dem Boden zukamen.

Ich legte meine Hand auf eine der Matratzen… noch warm. Auf einem Tisch, der dicht dabei stand, lagen ein halbes Dutzend Uptha-Ziegel. Mitch nickte in Richtung der Ziegel und grinste breit.

Ich steckte das Zeug kurzerhand ein. Wir rückten weiter vor, raus in den Korridor und auf den nächsten Raum zu. Draußen dröhnten weitere Schüsse, was meinen Puls beschleunigte.

Vas und Alicia waren da drauĂźen. Ich wusste, dass diese Grob-Nobs ihre eigenen Fluchtwege hatten, selbst wenn mir keine Infos mehr von meiner KI zur VerfĂĽgung standen.

Auch die nächsten beiden Räume waren Schlafgemächer, allesamt leer. Wir erreichten einen anderen kleinen Innenhof und eilten in das nächste Gebäude, wo uns am Eingang ein Grob-Nop erblickte. Ich schlug mental nach ihm, aber der Kerl war bereits losgesprungen, so dass ich ihn verfehlte und die Wand hinter ihm einschlug.

Der Bursche war mit einem Satz vor mir und wollte mir mit dem Messer an die Kehle gehen. Im gleichen Augenblick stieß mich Mitch zur Seite und das Messer schlitzte ihm das Gesicht auf. Einen Bauchtritt und einen mentalen Hieb später, war der Grob-Nop nur noch rote Grütze. Mitch rotzte in seine Überreste und knuffte mich vor die Schulter.

`Alles klar? Besser aufpassen Blitzbirne´, dachte er.

Ich zerrte mir den Einsatzhandschuh runter und drĂĽckte Mitch die flache Hand ins Gesicht. Er grunzte kurz ĂĽberrascht auf. Ich wischte mit meiner Hand etwas Blut ab und zog mir mit drei Fingern Streifen durchs Gesicht.

"Blutrache", grinste ich kalt.

Er nickte knapp und wir hasteten weiter. Wir gelangten in einen anderen Raum, in dem sich mindesten ein Dutzend Frauen in die Ecke drängten. Sie schrien und brüllten auf uns ein, während sie ihre kleinen Kinder umklammert hielten. Mitch und ich brüllten Drohungen zurück und die Weiber verkrochen sich samt Brut in die hinterste Zimmerecke.

Unsere Erkundung der nächsten beiden Räume förderte weitere Hinweise zutage. Beide waren leer, doch man konnte erkennen, dass technische Ausrüstung hier gewesen war und kürzlich raus geschleppt worden war.

Tische und einige einsame Kabel, zusammen mit einem Gasgenerator, der Brandmale an der Seite aufwies.

`Hier war das Ding, dass unsere Tech ausgeknipst hat´, teilte mir Mitch mit.

Wir eilten nach drauĂźen wo wir auf Alicia und Vas trafen. Vas hatte seine Maske nach oben geschoben und keuchte beim Sprechen.

„Haben das Gebäude da hinten gesichert. Nichts. Was zum Abgrund ist mit unseren Interkoms passiert?“, fragte er leise.
`Keine Ahnung, rede mental ich höre Dich verdammt! Hol Gil und begib Dich mit Al und ihm zum Sammelpunkt´, befahl ich ihm und drückte ihm Ai in die Hand. Vas und Al eilten davon und Mitch sah mich an.

Wir mussten noch ein weiteres Gebäude auf der Westseite sichern. Ich hatte mir die Karte der Anlage ins Gedächtnis eingeprägt. Und auf Grund dessen was wir hier gesehen hatten, war es vermutlich ein Waffenlager. Die Tür war verschlossen, Mitch trat sie kurzerhand ein. Wir gingen rein.

Keine Überraschung nur zwei große leere Räume mit Erdboden.

`Siehst Du die Flecken? Hier haben Kisten gestanden. Waffenkisten Kab. Das erinnerte mich an eine frühere Mission, als wir versucht hatten, Schmuggelrouten zu unterbrechen. Da hab ich diese Abdrücke auch gesehen´, teilte mir Mitch mit.

Der zweite Raum, den wir betraten, lieĂź mich innehalten. Mitch war einige Schritte vorgegangen und schaute nun zu mir zurĂĽck, um sich die Erlaubnis zu holen, reinzugehen.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#7

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 8. Dez 2018, 23:32

Sophie

Leid… unerträgliches Leid, Schmerz… Todeswunsch… ich wollte das nicht sehen, ich wollte es nicht fühlen. Aber ich sah es und schlimmer noch - ich erkannte es wieder.

Ich gab Mitch ein Zeichen zu warten und ging vor. Sein blutverschmiertes Gesicht war reine Sorge. Ich riskierte einen Blick, schloss die Augen und biss die Zähne zusammen, wegen dem was da vor mir in diesem schwach erhellten Raum lag.

„Bei Ainuwar“, murmelte Mitch an meiner Seite keuchend.
Sein Blick traf meinen… er verstand mich.

Bevor wir einen weiteren Schritt tun konnten, ertönten hinter uns Schritte, und eine Männerstimme flüsterte etwas, auch wenn ich die genauen Worte nicht verstehen konnte.

Ich drehte mich um und kauerte nieder. Ein Grob-Nop stürzte in den Raum, sein Gewehr im Anschlag. Es nützte ihm nichts. Ich trat mit aller Wucht zu und ich hörte sein Knie splittern.

Meine Kugeln trieben ihn nach hinten. Er knallte gegen die Wand gegenĂĽber, wo er nach unten sackte und an der Mauer ĂĽber sich eine Blutspur hinterlieĂź. Er war noch am Leben, als er auf die Seite kippte und murmelte irgendwas.

„Was laberst Du hä? WAS?“, donnerte ich dieses Mistvieh an.

Wie besessen trat ich auf den Schädel dieses Bastards ein, während ein zweiter Kerl um die Ecke bog. Ein Blick auf mich reichte und er zog sich hastig hinter die Ecke zurück.

Noch während ich weiter auf seinen Kumpel eintrat polterte eine Granate auf den Boden, rollte auf mich zu und prallte von dem Bein des Kerl ab, dessen Kopf ich gerade püriert hatte.

Mitch brüllte eine Warnung, aber ich hatte die Metallbombe bereits per Telekinese gepackt und schickte sie zurück zum Absender. Keine zwei Sekunden später explodierte das Teil.

Mitch und ich wandten der TĂĽr gerade den RĂĽcken zu, als die TrĂĽmmerwolke ĂĽber uns hereinbrach. Steinsplitter prallten dumpf von meinen Mental-Schild ab. Wir wandten uns wieder dem Korridor zu.

Und beim Klang eines zweiten metallischen Aufschlags blieb Mitch vor Wut fast die Luft weg. Diese Granate traf ebenfalls den Stiefel des Toten und rollte in den Raum. Mitch warf sich auf das Ding, fischte sie vom Boden und schleuderte sie durch das offene Fenster nach draußen. Ich schirmte uns sofort ab, die Explosion ertönte und die Wände wackelten und ächzten.

Dann hatte ich genug davon und rannte mit meinem Gewehr im Anschlag in den Gang hinaus. Ich stĂĽrmte vor und ertappte den verbliebenen Kerl dabei, wie er gerade die dritte Granate aus einem alten Lederbeutel zog.

Er schaute auf, seine Kinnlade klappte nach unten. Ich entriss ihm per Telekinese die Granate und stopfte sie ihm zeitgleich bis zum Anschlag in den Schlund. Sein Schädel flog auseinander wie eine überreife Melone die man auf den Boden geschleudert hatte. Der Rest von ihm fiel rückwärts auf die Seite.

Langsam drehte ich mich um starrte auf den Billardtisch.
Ganz recht, ein Billardtisch.

BloĂź das hier keiner Billard gespielt hatte.

Ein Mädchen, vielleicht schon eine junge Frau, lag nackt und wie gekreuzigt auf dem Tisch. Die Arme und Beine mit schweren Seilen an die Tischbeine gefesselt. Ich fühlte an der Halsschlagader nach ihrem Puls. Sie lebte.

„Kabir…“, sagte Mitch und verstummte.

Ich zog mein Einsatzmesser aus dem Stiefel, fluchte mit zusammengebissenen Zähnen und durchtrennte die Stricke. Dann lief ich zurück und riss dem Toten, der gleich draußen im Flur lag das Sackgewand runter. Mitch sagte noch immer kein Wort, sondern starrte mich nur an. So gut es ging zog ich der Kleinen das Gewand an und schulterte sie im Rettungsgriff.

„Abrücken!“, befahl ich und ging vor. Mitch versuchte mich kurz am Arm festzuhalten. Ich schüttelte bloß den Kopf, nur weg hier.

Im Innenhof überprüfte ich die Ecken, behielt weiterhin die Dächer im Auge und konzentrierte mich mit all meinen Sinnen auf unsere Umgebung, um uns ohne die Unterstützung von Ei und SUS zurück zum Tor zu führen.

Hinter einem der Gebäude wehklagten die Weiber dieser Irren. Der beißende Geruch von Schießpulver wehte zu uns herüber.

Irgendwo hinter mir ertönten Schüsse. Mitch wirbelte herum, aber ehe er sich versah lag er mit dem Gesicht am Boden, da ich ihn grob zur Seite gestoßen hatte. Ein Grob-Nop stürmte aus dem Haus und warf kreischend sein Gewehr weg. Wie ein Wahnsinniger rannte er auf mich und das Mädchen zu und zückte eine gewaltige Machete.

„Du stocherst gerne hä? Für Dich Du Bastard“, zischte ich ihn an.

Der Kerl tat zwei, vielleicht noch drei Schritte, Mitch rappelte sich auf, zielte und in dem Moment explodierte der Schädel des Grob-Nobs und flog im hohen Bogen in den Hof. Der Rest von ihm brach in einer Staubwolke zusammen. Mitch setzte sich richtig auf und starrte mich an.

„Alles in Ordnung mit Dir? Scheiße Kabir – ich hab das Drecksstück nicht gesehen“, sagte Mitch nervös.
„Dafür ich, reicht doch. Und weg sind wir“, sagte ich mit einem Knurren, als ich Mitch auf die Füße zog.

Wir hasteten an der Hauptgrundstücksmauer entlang. Es dauerte weitere zehn Minuten, bevor wir den Ortsrand erreichten. Dann liefen wir eine Schotterpiste entlang, die durch den Schutt und dass Geröll hoch in die Schluchten führte. Die Schüsse hatten dafür gesorgt, dass die meisten Einwohner drinnen blieben, und die Grob-Nobs, die noch übrig waren, waren geflohen, weil sie nicht wussten wie viele Angreifer wir tatsächlich waren.

Etwa zehn Minuten später trafen wir auf Alicia, Gillian und Vas.

„Habt Ihr Tech sichern können?“, fragte Mitch die drei direkt.
„Etwas ja. Merde, was war nur los? Ich kann nicht glauben dass die Kartoffel-Sack-Träger das mit den Interkoms waren. Ei ist außer Gefecht gesetzt. Zum Glück hast Du sie gerettet Kab. Ich kann´s echt nicht glauben. Diese Wilden waren das nicht“, knurrte Gillian.

„Wer war es dann? Vielleicht sogar einer unserer Leute? Wer kann Dein System hacken? Woher hatten die Sklavenhändler die Koordinaten der Belette? Entweder will uns einer was, Dir Kab oder irgendjemand hat großes Interesse daran das Erwan Vovasse bleibt – wo immer er ist “, warf Vas ein.
„Klug kombiniert – eigentlich kann nur ein Psi einen Psi hacken. Das hieße, da draußen ist irgendwo ein Endstufler der uns feindlich gesinnt ist, wieso sonst der Hack? Jeden Unterstufigen hätte ich sofort gespürt.

Der Psi hätte keine Möglichkeit sich vor mir zu verbergen, die anderen genannten schon. Bei dem Gleichstufler könnte ich es drauf ankommen lassen. Aber wenn ein Un-Sentir unseren Tod wollte, wären wir tot – glaub es mir“, antwortete ich, „Gill gib mir Dein Med-Pack. Ich will sehen, ob ich die Kleine zurück ins Bewusstsein holen kann“.

„Befrag Du die Gefangenen ich versorge das Mädchen mit Med“, antwortete Gillian.
„Einen feindlichen Psi von der Stufe? Kann das sein? Ein Abtrünniger?“, fragte Alicia.

„Abtrünnig wäre er nicht. Wir gehorchen nur dem Oberhaupt. Das Oberhaupt kocht auch mal seine eigene Suppe. Normalerweise agieren wir nicht gegeneinander. Jedenfalls nicht oft. Hier hätte man verhandeln können, hm“, antwortete ich.

Gill nahm mir die Kleine einfach ab und fing an sie zu versorgen, also ging ich hinüber zu dem nächstbesten Grob-Nobs, riss ihm das Tuch vom Schädel, packte ihn an der Gurgel und zerrte ihn auf Augenhöhe hoch. Ich drang in seinen Geist ein und las ihn ohne Rücksicht auf Verluste aus. Seine Augen quollen aus seinen Höhlen und sein fauliger Atem schlug mir zwischen Reihen abgebrochener, schwarzer Zähne entgegen.

„Sagte ich vorhin nicht noch die Klamotten wären hässlich? Der Sack über dem Kopf ist bei Euch eine optische Verbesserung. Frage – habt Ihr das mit dem Mädchen getan? Ja oder nein?“, laberte ich schlagartig alemanisch mit dem Vieh.

Ich war dermaßen angepisst, dass ich es gar nicht merkte. Er wedelte mit den Händen und grunzte auf seiner Sprache, dass er es nicht gewesen wäre.

„Ja sicher“, zischte ich und spuckte ihm ins Gesicht, ehe ich ihm das Hirn kochte.

Gillian hatte es geschafft dass das Mädchen wieder zu sich kam. Sie begann zu weinen. Mitch ging rüber und versuchte sie zu beruhigen, aber sie streckte eine Hand flehentlich nach mir aus. Ich ging zu ihr rüber, verband meinen Geist mit ihrem und hockte mich vor sie hin.

Sophie war ihr Name. Sophie erzählte mir, dass jeder der Grob-Nobs-Männer hier schuldig war. Ich tötete die restlichen zwei sofort per Gedankenschlag. Wir marschierten über den Berg in der Nähe des Dorfes und wechselten uns mit dem Tragen von Sophie ab. Schließlich erreichten wir eine kleine menschliche Farmersiedlung.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#8

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 8. Dez 2018, 23:36

Sklavenhändler

Labavandais war ein menschlicher Außenposten. Gut eine Ansammlung von Wellblechhütten. Wir schleppten uns zum Dorfältesten, dem dortigen Ansprechpartner und betraten seine Hütte.
Bis auf die Größe unterschied sie sich kaum von den anderen des Dorfes. Wir traten ein, und wurden von einem hageren kleinen Kerl empfangen. Vas schilderte kurz und knapp worum es uns ging. Unterschlupf für die Nacht, vielleicht Ersatzteile wenn vorhanden und eine Bleibe für Sophie.

Er führte uns nach hinten zu dem Dorfältesten. Der Mann betrachtete uns, einen nach dem anderen.

Sein Blick blieb mir eindeutig eine Spur zu lang an Sophie kleben. Der hagere Typ flĂĽsterte auf den Ă„ltesten ein. Dieser nickte mehrfach, machte eine einladende Handgeste, deutete auf zig StĂĽhle und wir setzten uns.

„Sie haben einiges hinter sich. Wir können Ihnen leider nicht mit den Ersatzteilen helfen, aber ein Lager für die Nacht und Proviant geben wir ihnen gerne. Das Mädchen sollte erst mal zu unserer Krankenstation gebracht werden. Sie kann gerne hier Unterschlupf finden. Wenn nicht, könnte ich eine Unterbringung in ein örtliches Waisenhaus veranlassen. Gerade in solchen Regionen, wo die Natur schon so feindlich gesinnt ist, mit den Grob-Nobs und den anderen Gefahren sollten wir Menschen doch zusammen halten. Betrachten Sie sich als meine Gäste“, lächelte er freundlich.

Tja… das waren die Worte die der Kerl sagte.

Gedacht hat er folgendes:

`Die Kleine ist beschädigte Ware. Bringt keinen Cent, die Schlampe. Am besten behalt ich das kleine Miststück für mich. Ein paar Tage wird sie schon halten, hab ich ein bisschen Frischfleisch für die hungrige Meute. Die haben schon ewig kein Weib mehr gesehen. Bisschen die Stimmung der Jungs heben.

Die Kerle sehen aus als könnten sie arbeiten, die gehen sofort auf dem Markt weg. Die Frau wird einiges an Geld bringen. Schlank und durchtrainiert, die könnte sogar was für den Goblin sein.

Ein nettes Sümmchen wird für mich dabei raus springen. Als Übernachtungsmöglichkeit bekommen sie den Arrestraum. Fällt denen nicht auf und gesichert sind sie. Niemand wird sich um die gestrandeten Penner scheren, absolut niemand´.

Ich starrte den Ă„ltesten an.
„Verstehe…“, sagte ich leise.

„Sie klingen ein wenig angespannt, möchten Sie vielleicht etwas Wein? Bleiben Sie ein paar Tage hier, spannen Sie aus…“, bot er in bester Teppichverkäufer-Manier an und ich lächelte freundlich.

„Ginge das denn? Wo die Schlampe doch keinen Cent mehr einbringt als beschädigte Ware? Wir möchten keine Unannehmlichkeiten bereiten“, antwortete ich.

Der Mund des Ältesten klappte auf, keine Sekunde später flog sein geborstener Schädel in den Nacken.

Ich schloss die Augen, sammelte mich und kĂĽmmerte mich direkt um die restlichen Dorfbewohner. In dem ganzen verdammten Dorf, gab es keine einzige Frau, klar was hier ablief und wen wir um Hilfe gebeten hatten.

Sklavenhändler.

Wir verließen das Geisterdorf einige Stunden später. Ausgeruht und frisch gemacht, mit frischem Proviant, einigen Ersatzteilen, anderer nützlicher Tech, einigen Waffen für Sophie und jeder Menge Taler in den Taschen. Verfolgen konnte uns von dort niemand mehr.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#9

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 8. Dez 2018, 23:45

Verfolgungsjagd

Die Wüste ist weitläufiger als man denkt, vor allem wenn man läuft. Wir schleppten uns gerade über eine Düne, als ein offener Kleinlaster an uns vorbeirasten. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Leihwagenlieferservice mitten im Nirgendwo!

Im wahrsten Sinne des Wortes griff ich sofort zu und packte das Fahrzeug per Telekinese. Durch den abrupten Stopp hüpfte das Fahrzeug auf und ab, während die Insassen freundlicherweise die Sitze räumten, indem sie direkt über die Windschutzscheibe flogen.

„Mir nach!“, rief ich meiner Truppe gut gelaunt zu und wir sprinteten zum Fahrzeug und sprangen hinein.

Gillian gab den Fahrer und raste direkt an den verrenkten Gestalten vorbei, ich auf dem Beifahrersitz, während die anderen hinten auf der Ladefläche Platz genommen hatten mit den Waffen im Anschlag.

Wir fuhren eine ganze Weile, als zwei Laster aus dem Nirgendwo auftauchten, uns schnitten und auf unser Fahrzeug feuerten. Die Kugeln schlugen in meinen mentalen Schutzschild ein, so dass niemand von uns verletzt wurde.

„Du hast uns die ganze Zeit abgeschirmt?“, fragte Gillian baff.
„Ja logisch, hinterher die holen wir uns“, befahl ich ihm.

„Abdrehen!“, befahl Vas.
„Nein wir verfolgen sie!“, befahl ich.

„Kabir…“, warnte mich Vas.
„Hör zu Vas, wir haben immer noch keine Ersatzteile! Bring uns hinter die Laster Gill!“, befahl ich.

„Ich werde es versuchen!“, rief Gillian, dem die Verfolgungsfahrt sichtlich zu gefallen schien. Gut mir auch, gebe ich zu.

Wir donnerten eine ganze Zeit hinter unseren Angreifern her. Ungefähr fünfzig Meter voraus bogen die beiden Kleinlaster scharf nach links ab und verschwanden hinter einer Häuserreihe.

„Fahr schneller, los doch!“, rief ich Gillian zu.
„Ich mach doch!“, lachte Gil.

„Du fährst im Standgas. Vollgas jetzt hier – zack!“, befahl ich lachend.

Gillian gab Vollgas und wir wurden in die Sitze nach hinten gedrückt, als wir um die Kurve schossen. Ein anderes Fahrzeug setzte sich hinter uns, und wir jagten die schmale Schotterpiste entlang, auf beiden Seiten von Lehmziegelbauten und rostigen Erdgastanks eingezwängt, die vorn aus den Fassaden ragten.

Die vertrauten Wäscheleinen überspannten Gassen und Hinterhöfe. Überall flatterte Sackkleidung. Die Reifen von unserem LKW wirbelte genügend Staub auf, um die gesamte Straße hinter uns zu verschleiern, während wir unsererseits durch die Staubwolken rasten, die von den Grob-Nobs-Kleinlastern aufgepeitscht worden waren.

Unsere Systeme waren immer noch offline, also konnte ich nichts weiter machen, als mich zu dem anderen Geländewagen hinter uns umzudrehen. Ich schnappte mir die Kiste per mentaler Macht, hievte sie von der Straße und schleuderte sie mit Wucht über uns hinweg.

Der Geländewagen krachte wie ein Geschoss mit den kreischenden Insassen in einen der beiden LKW.

Der getroffene Laster löste sich von dem anderen, brach scharf nach links weg und überschlug sich mehrfach auf der Schotterpiste. Meine Truppe johlte vor Freude.

Gillian blieb weiter an dem verbliebenen Laster dran, dessen Fahrer auf den Basar weiter vorne zusteuerte. Die StraĂźe verengte sich zu einer noch schmaleren Passage. Gill ĂĽberfuhr beinahe zwei Kinder, konnte aber noch ausweichen.

Unser LKW schoss an Ständen mit handgefertigtem antikem Schmuck, Öllampen, Teppichen, Holo-Kopien und falschen Markenklamotten vorbei.

Danach kamen ein Dutzend Händler die Fleisch, Obst und Gemüse feilboten.

Mit einem Mal hustete der Motor unseres LKW grauenvoller als ich morgens und erstarb. Mein Team brüllte ganz souvagnish auf den „Kollegen“ LKW ein.

„Was ist los mit Dir? Fahr Du nutzloser Schrott!!!“, brüllte Vas ihn an.
„Ja was hat der Kollege? Hier hält auch nichts“, fauchte Al.

„Keine Ahnung, ich glaub er ist verreckt!“, stutzte Gillian, „Kabir?“
„Soll er ihm den Puls fühlen? Kab kann da auch nix machen!“, schnauzte Mitch.

„Aussteigen! Wir holen uns den zweiten Laster!“, befahl ich.

Wir sprinteten los, den Wohnblock hinunter und erreichten die erste Reihe von Ständen, die mit schlichten Sonnendächern versehen waren. Die Ladenbesitzer hatten den Kleinlaster vorbeirauschen sehen und sich zur Rückwand ihrer Läden zurückgezogen.

An der nächsten Weggabelung kam der Laster mit quietschenden Reifen zum Stehen, ungefähr fünfzig Meter weiter vorn. Vier Grob-Nobs sprangen heraus.

„Die schon wieder“, stöhnte Al, was Mitch breit grinsen ließ.
„Die eröffnen gleich das Feuer und sind in erhöhter Position. Scheiße. Barriere Kab. Wir stehen hier auf dem Präsentierteller in glühender Hitze, lass Dir was einfallen Blitzbirne, am besten sofort“, befahl Vas und die Grob-Nobs nahmen Position ein.

Sie starrten in unsere Richtung.

„Schon geschehen Vas“, antwortete ich ihm.
`SCHÜTZT UNS´, befahl ich den Dorfbewohnern mental und gab fast komplett meine geistige Schutzbarriere auf.

Mitch drĂĽckte sich schĂĽtzend an meine Seite.
Womit immer die Grob-Nobs gerechnet hatten, damit nicht. Sie glaubten sich hinter ihrem Laster sicher. FĂĽr sie geschah etwas vollkommen Unwirkliches.

Die Bürger des Dorfes strömten auf einmal auf die Straße, Händler und Basarbesucher gleichermaßen und bildeten rasch eine menschliche Barrikade rings um uns herum und starrten mich voller Ehrfurcht an. Ein Wesen das von innen heraus zu leuchten schien.

`Die Kerle, trachten uns nach dem Leben´, klagte ich die Grob-Nobs an und schürzte die Lippen.

Die Dorfbewohner drehten sich in Zeitlupe zu den Grob-Nobs um. Zwei der Händler brüllten los und schüttelten ihre Fäuste in Richtung der Grob-Nobs. Was immer sie riefen, es klang extrem bedrohlich.

Die Menge wurde größer und meine Truppe grinste mittlerweile selbstgefällig, einschließlich Sophie. Ein Mann trat aus einem Laden, in einer giftgrünen Tunika gekleidet, mit passendem Hut und farblich abgestimmten Sandalen. Schick.

Er schlenderte geradezu Todes mutig auf die Grob-Nobs zu.

„Ich bin BuBukundilili, Ältester dieses Dorfes! Dieses Wesen samt seiner Männer und Frauen stehen unter unserem Schutz! Ihr werdet den Gesegneten nicht anrühren!“, brüllte der Mann geifernd.

Die Grob-Nobs strichen über ihre Kleidersäcke, sie waren sichtlich nervös. Die Waffen zitterten in ihren Händen.

„Vor einigen Nächten, haben sie uns angegriffen!“, erklärte einer von ihnen im gebrochenen Basic.
„LÜGE!“, kreischte BuBukundilili.

Der Grob-Nop riss sein Gewehr hoch und den Abzug durch. Bevor der Schuss Bukundili ins Gesicht treffen konnte hatte ich die Kugel abgefangen. Sie blieb mitten in der Luft im glĂĽhenden Mentalschild stecken und fiel dann klirrend zu Boden.

Bukundili drehte sich zu mir um und sagte etwas zu mir, es war schwer ihn über die lauter werdenden Stimmen aus der Menge hinweg zu verstehen. Aber ich wusste auch so was er gesagt hatte – Danke.

Die Leute verlangten lautstark den Tod der Grob-Nobs. Als das Brüllen zu einem ohrenbetäubenden Singsang anschwoll wurde es den Grob-Nobs zu viel. Die vier Grob-Nobs drehten sich um und liefen durch die Menge davon. Jeder in eine andere Richtung.

`TÖTET SIE!´, befahl ich dem Dorf mental.

Sie reagierten prompt. Wie ein gewaltiger, wütender Hornissenschwarm strömten sie aus und nahmen die Verfolgung auf. Die Grob-Nobs rannten um ihr Leben, aber sie hatten keine Chance.
Egal wohin sie liefen, und wohin sie sich wandten, die Dorfbewohner waren ihnen auf den Fersen. Man hörte zuerst ihr Fluchen, dann ihr Flehen und dann entsetztes Kreischen, als sie gewaltsam eingefangen wurden.

Sophie trat neben mich und legte mir eine ihrer kleinen Hände auf den Arm.

„Warum haben die Grob-Nobs versucht zu fliehen? Trauen sie etwa den Einheimischen nicht?“, fragte sie leise, was uns loslachen ließ.

Keine Minuten später zerrte der wütende Mob die vier Wüsten-Kerle vor unsere Augen. Sie zerfetzten die Grob-Nobs mit bloßen Händen. Wütende Hände zu Krallen geformt rissen Kleidungsstücke ab, Haut, Fleisch, Knochen.

Jeder der Dorfbewohner sicherte sich ein Teil der Übeltäter, egal wie klein es auch war und trug es johlend davon. Von den Wüstenkerlen blieb nichts übrig als Blutflecken. Wie ein wogendes Menschenmeer standen sie bis zum LKW.

Ich schüttelte mich kurz, da mir der Staub in den Augen brannte und ging gemächlichen Schrittes zu unserem neuen LKW. Die Bewohner senkten die Häupter wenn wir passierten und murmelten Freundlichkeiten und Entschuldigungen, wenn sie im Weg standen. Eine Frau samt Kindern vor mir hatte nicht genug Platz auszuweichen.

„Tut… tut mir leid“, stammelte sie, wagte nicht den Blick zu heben. Kein Mensch mit Verstand wagt es einem von uns in die Augen zu schauen, wenn man keine geistige Barriere errichtet hat.

Das ist auch gut so, es wäre sein Tod. Man würde den Geist der Person verbrennen. Ich dämpfte meine Gabe herab um ihr nicht zu schaden.

„Nicht doch, schon in Ordnung. Ich bedanke mich für Euren Schutz und Eure Hilfe“, antwortete ich und kletterte mit der Truppe auf unseren neuen LKW.

Die Dorfbewohner reichten uns Wasser und Proviant und zig andere Dinge. Gillian klemmte sich direkt wieder hinters Steuer und brauste auf der anderen Seite aus dem Dorf. Als wir uns noch einmal umdrehten, stand das ganze Dorf neben dem Tor und winkte uns hinterher. Fünf Minuten später würde sich keiner von ihnen mehr an den Vorfall erinnern können.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Gras-Schlangen

#10

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 8. Dez 2018, 23:58

Wassergräber

Wir fuhren bei Nacht und schliefen am Tag unter dem LKW im Schatten. Einer von der Truppe hielt immer Wache zusätzlich zu mir. War ich wach, behielt ich die Gegend auf unsere spezielle Art im Auge.

Es dauerte einige Tage bis wir das nächste Dorf erreicht hatten. Die Ausläufer ersteckten sich vor uns in der Ferne und Vas ließ uns anhalten, während er angespannt durch den Feldstecher starrte.

„Kabir komm her“, forderte er mich auf und reichte mir den Feldstecher.

Ich schaute ebenfalls durch, konnte aber nichts Markantes ausmachen.

„Meiner KI liegt kein Name für dieses Dorf vor. Meine KI sagt, dass Wassergräber hier und in der näheren Umgebung gelebt haben“, gab ich den Input meiner KI zum Besten um ihn aufzuklären.

„Was heißt das genau Kab? Wie sind diese Bergwerke aufgebaut und organisiert? Hast Du darüber Info?“, fragte Vas.
„Ja, meine KI hat Input warte bitte…“, sagte ich und fragte meine KI aus.
„Ich lauf nicht weg“, grinste Vas und ich grinste zurück.

„So Input über Wasser-Bergwerke für Dich. Wasser-Bergwerke liegen zum größten Teil unter der Oberfläche, nur einige kleine Kuppeln, die als Aus- und Eingang dienen, ragen hervor. Tunnel verbinden die Wohnräume, Küche, Schlafzimmer, Arbeits- und Lagerräume.

Das Getreide und Gemüse, das die Wassergräber anbauen, wächst ebenfalls unter der Oberfläche, da es dort um einiges kühler ist und die Pflanzen so besser vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt sind. Dies ist ein entscheidender Faktor, da die Pflanzen bei zu starker Sonneneinstrahlung und Hitze viel Wasser verlieren und Wasser ist in der Wüste rar.

Das angebaute Gemüse und Getreide wird zum größten Teil selbst verbraucht, da kaum jemals genügend geerntet wird, um es zu verkaufen. Der einzige Verdienst der Wassergräber besteht darin, Wasser zu verkaufen, das keinen Platz mehr in den Untergrundtanks findet.

Wasser ist so wichtig, dass selbst bei der Essenszubereitung jeder übriggebliebene Tropfen gesammelt und später wiederverwendet wird. Da die Zeiten hier recht hart sein können, helfen sich Wassergräber gegenseitig.

Sie bildeten Verbände, die einen so starken Zusammenhalt haben, dass man sie nahezu als Familien bezeichnen kann. In diesen Verbänden teilt man sich Ausrüstung und Notvorräte an Nahrungsmitteln sowie Medikamente. Das ist die Info die uns darüber vorliegt“, erklärte ich Vas.

„Sehr gut. Das heißt also, wenn das ein altes Wassergräber-Gebiet ist, das hier alles mit Gängen und Höhlen durchzogen ist. Ehemalige Felder, Wohnstätten und was weiß ich noch. Und ein netter Nebeneffekt ist vielleicht, dass wir vor Ort Wasser finden.

Wenn nicht kommen wir wenigstens schattig voran. Wir lassen den LKW hier außerhalb des Dorfes zurück. Kannst Du mit Deinen Fähigkeiten einen Zugang zu den Gängen finden Kab?“, fragte mich Vas.
„Nein das kann ich nicht. Hier ist alles Sand, Stein und Geröll. Wenn ich die Gegend mit meinem Psi abtaste sehe ich wie auf einer Wasseroberfläche nur ein weißes etwas. Es hebt sich kaum etwas davon ab. Vielleicht kann Ei einen Eingang aufspüren, oder Alicia entdeckt was über ihr Zielfernrohr“, schlug ich im Gegenzug vor.

„Gillian schick Ei los, sie soll uns einen Zugang zu dem unterirdischen Tunnelsystem suchen“, befahl Vas freundlich.

Gill zupfte Ei aus seiner Tasche, tippte sie kurz an und warf sie in die Luft. Seltsamerweise blinzelten wir alle immer, in der bangen Vermutung Ei würde zu Boden stürzen. Das tat sie aber nicht, sondern sie erwachte zum Leben und blieb schwebend in der Luft stehen. Gill erklärte ihr kurz ihre Aufgabe und schon schoss sie davon.

Während wir warteten, machten wir es uns erneut unter dem LKW gemütlich. Ei brauchte nicht ganz eine Stunde, dann hatte sie einen Zugang gefunden und wir zogen los.

Der Zugang war leicht zu passieren, danach schraubten sich die Gänge immer tiefer in das Erdreich hinein. Von den Wassergräbern war niemand mehr zu sehen. Und nach dem Zustand einiger Seitenstollen zu urteilen, gab es die Leute die sie einst gepflegt und bewohnt hatten, schon lange nicht mehr.

Wir befanden uns in einem Gang, der immer weiter in die Tiefe fĂĽhrte, und die Hitze die uns in den oberen Bereichen des Komplexes aufgefallen war, wich hier einer angenehmen KĂĽhle.

„Durch die Kühle wird man richtig müde. Geht Euch das auch so?“, fragte Alicia.
„Ja geht mir auch so und ich bekomme richtig Durst. Dabei sollte man doch oben in der Bruthitze mehr Durst haben oder?“, fragte Gillian.

„Eigentlich schon“, stimmte ich ihm zu und reichte ihm meine Wasserflasche. Gill nahm dankbar einen großen Schluck und reichte sie mir zurück und ich trank ebenfalls einen Schluck Wasser.

Als wir an einen groĂźen unterirdischen See ankamen, blieben wir kurz stehen, fĂĽllten die Feldflaschen auf und tranken direkt aus dem See. So verlockend das Wasser auch war, wir gingen weiter.

„Meine Hand schmerzt schon“, warf Gillian ein.
„Wovon frag ich besser nicht“, grinste Mitch.

„Vom verkrampften Halten der Waffe… echt!“, antwortete Gillian mit grimmigem Blick, was die anderen auflachen ließ.

Ich tastete die unterirdischen Gänge geistig ab, da mir über meine KI keine Informationen vorlagen.

„Zum Haupttrakt geht es - erst links, dann rechts, dann geradeaus bis zur nächsten Tür“, gab ich den Weg vor.

Kaum dort angekommen gebot uns Vas stehen zu bleiben. Wir starten die Tür an, der wir uns näherten. Die Wände bestanden aus einförmigem grauen Stahlbeton. Mit computergenauer Präzision fügten sie sich in den Boden und die Decke ein. Die Tür war genau wie alle anderen, die wir bislang durchquert hatten; matter Stahl, ohne Griffe oder andere deutlich erkennbare Möglichkeit, sie zu öffnen.

„Seltsam… feindliche Gedanken, Aggression. Jetzt in diesem Augenblick, nähern sich uns ungefähr 50 Grob-Nobs“, kicherte ich.

Vas drehte sich zu mir um und musterte mich mit absolut strengem, tadelndem Ausdruck.

„Verzeihung“, krächzte ich heraus.

Vas nickte einmal knapp, und nickte Richtung TĂĽr.

„Kannst Du die Tür irgendwie öffnen? Also hacken?“, fragte er mich.
„Vielleicht, ich kann es nicht zusichern. Ich muss ein paar Scans durchführen, ein paar Kabel nach verfolgen. Vielleicht brauch ich auch ein paar Ersatzteile. Es ist genauso gut möglich, dass hier alles zusammenschmilzt, so dass nach dem Einbruchsversuch hinterher noch alles fester verschlossen ist“, erklärte ich sachlich.

„Irgendein Scheiß ist doch immer! Ich fass es nicht. Wir haben keine Ersatzteile, wir brauchen Ersatzteile. Wir sind so weit gekommen und scheitern an einer verfluchten Tür? Spreng sie auf Kab!“, befahl Vas.

„Reiß die Hütte ab…“, sang Gillian lachend.
„Schnauze Gill – Kabir leg los!“, befahl Vas stinkig.

„Dein Vertrauen ehrt mich Vas, aber wir haben Besuch. Versuch Du Dein Glück mit der Tür“, antwortete ich ihm freundlich.
„Was zum…“, bevor Vas den Satz beenden konnte, kam ein Grob-Nobs plötzlich um die Ecke. Nur Sekunden später tauchte ein zweites Exemplar auf.

Mitch rannte so schnell er konnte auf die beiden Wesen zu, in jeder Hand eine Waffe. Sein Haar war zerzaust und auch sonst sah er total struppig aus. Er war kein bisschen auĂźer Atem, warf seelenruhig die gebrauchten Magazine aus und lud nach.

„Kab Du hast den Boss gehört, leg los. Ich sorge für Ablenkung“, rief er mir zu und kam schlitternd vor den Wesen zum Stehen.
„Verdammt Mitch zurück!“, fluchte Vas. „Wir haben keine Zeit…“, wollte er gerade Mitch anbrüllen als ich mit einem gewaltigen Doppelsprung bei Mitch war.

Als hätten wir das jahrelang geübt, ging ich vor Mitch auf die Knie, und dann eröffneten wir gleichzeitig das Feuer auf die beiden Grob-Nobs die um die Ecke gekommen waren.

„Ist doch sein Job das Türknacken, nicht meiner“, prustete ich.

Die Grob-Nobs gingen zu Boden. Erst einer, zwei, ein plötzlich auftauender dritter – immer ein sauberer Kopfschuss von Mitch oder mir. Wir bewegten unsere Waffen mit der Präzision eines Chirurgen.

Einen Moment herrschte völlige Stille. Zwei weitere Grob-Nobs huschten über die Gang-Kreuzung hinweg, fast wie Insekten. Mitch und ich zielten und feuerten auf sie, doch diesmal waren die Kreaturen gewarnt, wichen geschickt aus und verschwanden auf der anderen Seite des Gangs.

„Eh!“, schrie Mitch ihnen stinkig hinterher und ich riss sie per Telekinese in unser Schussfeld zurück.
„Viola Mitch“, lachte ich und wir knallten sie ab.

„Sie haben uns durchschaut. Sie haben einige als Vorhut geopfert um uns auf Schwachstellen zu testen. Sie werden versuchen uns einzukreisen oder aus einer anderen Perspektive anzugreifen. Wir müssen hier weg “, warnte Alicia.

Vas und Gillian schauten zeitgleich sichernd zur Decke hoch.
„Na von da kommt sicher kein Schwein!“, prustete ich, was auch Mitch losgackern ließ.

„In was für einen Alptraum sind wir hier nur rein geraten?“, fragte Sophie nervös.
„Kabir schlag die verdammte Tür ein!“, fauchte Vas.

Weitere Grob-Nobs erschienen am anderen Ende des Gangs. Eine gemeinsame Salve von Mitch und mir und zwei von ihnen sackten in sich zusammen.

„Bin ich hier im Irrenhaus? Hörst Du mir überhaupt zu Kabir?“, hakte Vas nach.

So Unrecht hatte er nicht, ich hörte ihm eigentlich kaum noch zu. Die Grob-Nobs wegzuknallen machte einfach zu viel Spaß und für jedes Schweinchen das ins Gras biss, belohnte mich mein SUS-Implantat mit Glücksgefühlen. Kurzum ich war voll drauf.

„Ehe er mich wieder rund macht“, flüsterte ich Mitch zu und versuchte die Tür per mentalen Griff aus der Verankerung zu reißen.

Plötzlich drang aus der Tür ein lautes, hohles Ächzen. Vas hatte bereits seine Waffe gezogen und hinter uns waren weitere Schüsse zu hören. Alicia, Gillian, Sophie und Vas spähten durch die Visiere ihrer Waffen.

Krachend kam ihnen die Tür entgegen, als hätte eine lautlose Explosion sie aus der Halterung gerissen und wurde in den Gang Richtung Mitch und mich geschleudert. Geschickt wichen wir beide mit einem Sprung aus, während sich die anderen so gerade in Sicherheit bringen konnten.

„KABIR Du Vollpfosten. Reiß die Tür auf, wenn keiner davor steht! Machst Du das absichtlich? Liegst Du nachts wach und grübelst wie Du mir das Leben zum Abgrund machen kannst oder was ist mit Dir los? Ich glaub das nicht!!!“, donnerte Vas und ich zuckte zusammen.

`Sie kommen´, warnte ich meine Truppe mental um den allgemeinen Lärm zu umgehen.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Antworten