Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Gras-Schlangen

Die Zukunft von Souvagne sieht im Jahr 1077 völlig anders aus, als sich es die Altvorderen je hätten erträumen können. Magie und Wissenschaft verschmelzen zu einem Ganzen. Manche Dinge aber ändern sich nie.
1077
Im Jahre 1077 nach der Asche wird Souvagne von mehreren Mauern geschützt und die Technik ist auf einem hohen Stand. Die Souvagner sind eine eigene Spezies geworden, die der Hang zur Isolation und Abschottung durch die Krisen aller rakshanischen Invasionen rettete. Aber unbeabsichtigt schufen sie dadurch eine weitere Grenze, mit der niemand rechnete: Gebeutelt von schweren Erbkrankheiten benötigen sie dringend frisches Blut - doch ihre Gene sind mit anderen Menschen nicht mehr kompatibel. Die Lösung liegt vielleicht in der Vergangenheit.
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Maximilien Rivenet de Souvagne
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Re: Gras-Schlangen

#11

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » So 9. Dez 2018, 00:08

Atemlos

Mitchs wütender Kampfschrei übertönte alles war die Gruppe hörte und hallte in unseren Köpfen und im Raum nach. Vas wartete nicht ab ob noch mehr Angriffe erfolgen würden, sondern sprintete weiter in den Raum.

`Boss nicht´, brüllte ich in seinen Gedanken, aber er hörte nicht auf mich.

Er stieĂź sich von einer Seitenstrebe im Raum ab, landete aufrecht auf der anderen Seite und spĂĽrte irgendetwas in seinem RĂĽcken reiĂźen, Schmerz durchzuckte beide Beine wie ein elektrischer Schlag.

„Du bist verletzt, Merde kannst Du nicht hören?“, brüllte ich Vas an.

Blitzartig schoss meine Hand vor und fingen einen Chien im Sprung ab bevor dieser Vas niederreißen konnte. Ich riss das Wesen mehrere Meter in die Höhe und zerquetschte es so fest, dass man die Knochen selbst aus einigen Metern Entfernung brechen hörte.

Danach schleuderte ich das Wesen davon und setzte mich blitzartig in Bewegung. Mit einem Satz war ich bei Vas und heilte seine Schnittwunden.

Alicia ging in die Hocke, legte sich flach auf den Boden und spähte unter einige Trümmerteile hinweg. Sie sah einen Grob-Nobs mit Waffe in der Hand. Al legte die Waffe an und feuerte vier Schüsse auf die Stiefel des Grob-Nobs ab.

Einschusslöcher erschienen, und die Schüsse rissen alles im Inneren der Stiefel in Stücke. Der Grob-Nobs stürzte schreiend zu Boden. Alicia ließ sich nicht ablenken. Mit einem gekonnten Kurzsprint einigen Sprüngen und einem Salto war sie über die Trümmerteile hinweg und aus dem Sichtfeld der restlichen Gruppe verschwunden.

Einige Sekunden später hörte man einen lauten Knall. Der Grob-Nobs zuckte noch einmal, dann regte er sich nicht mehr.

Alicia starrte kurz auf das Schwein herab, ich spĂĽrte eine Gefahr hinter ihr und riss Al per Telekinese zu Boden und schirmte sie ab.

`Hinter Dir´, bellte ich sie mental an und sprang an ihre Seite.

Ich kam auf einem der TrĂĽmmerteile auf. Vorsichtig und wie eine Katze auf der Kante stehend schaute ich mich um. Einer der Grob-Nobs hatte versucht sie zu erwischen.

Mit einer Hand zog ich meine Waffe und riss sie heraus. Mental schlug ich knallhart auf die Trümmerteilkante und rollte zeitgleich rückwärts mit Alicia ab, riss das Trümmerteil im Fallen dabei um, so dass das Teil hochkant stand und der Gruppe Deckung bot.

Die andere Kantenseite prallte heftig krachend unter das Kinn des Grob-Nobs und schickte ihn zu Boden, was Al losgackern ließ. Der Grob-Nobs krachte mit dem Schädel auf den Beton. Grunzend richtete er sich wieder auf, verlor dabei allerdings wertvolle Sekunden ehe er wieder stand.

Als er stand zog er eine gewaltige Axt von seinem Rücken und schlug sofort damit nach mir. Der Schlag war so brutal, dass die Waffe ein zischendes Geräusch in der Luft verursachte.

Ich sprang mit einer schraubenden Bewegung nach oben und trat mit aller Wucht und Geschwindigkeit zu. Mein Stiefel krachte Knochen brechend in seine Fresse und der Grob-Nop krachte in das zweite Terminal im Raum, dass unter seinem Gewicht barst. Der Grob-Nob zuckte und versuchte sich tatsächlich wieder aufzurichten. In dem Moment war Mitch bei ihm, setzte dem Vieh die Wumme an den Schädel zog den Abzug durch.

Der Sackschädel verschwand in einer Wolke aus Gewebefetzen und anderem Schnodder. Der zweite Grob-Nob der in den Raum gestürzt kam, reagierte nicht. Keuchend starrte er nur Mitch an, einen Atemzug lang… zwei, drei, dann bewegten sich beide gleichzeitig.

Mit einem Satz war er bei meinem Kumpel und ging zum Angriff über. Mitch versuchte schnell genug herumzuwirbeln um dem Grob-Nob den Schädel wegzublasen, der Grob-Nop schlug mit der Axt nach ihm.

Ich packte die Axt per Telekinese und entriss sie dem Grob-Nob und mich bei der Aktion fast selbst von den Beinen.

Das Ding war gewaltig schwer. Zeitgleich zuckte Mitch zur Seite und drĂĽckte erneut ab. Durch die Wucht des Schusses wurde der Grob-Nop rĂĽcklings ĂĽber die Ăśberreste des Terminals geschleudert, kam krachend in den messerscharfen Splittern auf und zuckte unkontrolliert.

Dann spürte ich einen Grob-Nob perfekt in einen dunklen Schatten geschmiegt. Ohne zu zögern, schlug ich auf das Vieh mental ein, mit aller Kraft die mir mein Geist zubilligte.

Ich fĂĽhlte wie seine Knochen barsten und in ihm hin und her gewirbelt wurden.

Vor meinen Augen verschwamm alles, als ich mein Ziel traf und es zerschmetterte. Ich konnte schlagartig nicht mehr einatmen und alles verkrampfte sich in meinem Brustkorb.

„Merde, ni… jezzz…“, japste ich atemlos, als Mitch mich grabschte und unterhakte.
„Was ist los?“, schrie er mich an.

„K… ann… ni…ch… atmen“, keuchte ich ihn panisch an. Er verstand mich kaum und beugte sich so nah zu mir, dass sein Gesicht fast meins berührte.
„Was? Was ist los? Was hat Dich erwischt? WAS?“, donnerte Mitch mich an.

Vas war nur Sekunden später ebenfalls an meiner Seite und hielt mir Mund und Nase zu.
„Kab beruhig Dich“, brüllte er.

Ich versuchte panisch seine Hand abzuschĂĽtteln, aber er lieĂź nicht los!

„Hat er die Axt vor den Latz bekommen? Er hyperventiliert, halt den Sturkopf fest Mitch!“, befahl Vas ihm und beide hielten mich im Schraubstockgriff felsenfest. Super!

`Asthma! Vas… mein Med-Pack… Injektor… verpass… mir… mir…´, übermittelte ich stammelnd, da ich mich kaum konzentrieren konnte.
„Scheiße Kabir, warum sagst Du mir so was nicht?“, schnauzte er mich aufgebracht an, riss mein Med-Pack an sich und durchwühlte es. Keine zwei Sekunden später donnerte er mir den Injektor in den Hals, während der Rest der Truppe uns abschirmte.

Ich leckte mir nervös über die Lippen, schmeckte Blut und atmete zitternd ein.

„Ruhig Kab, ganz ruhig, die Med funzt schon. Langsam atmen, komm“, sagte Vas leise und strich mir beruhigend über die Glatze, während Mitch mich festhielt.

Ganz langsam drehte Mitch den Kopf zur Seite. Er schaute ĂĽber die TrĂĽmmer hinweg.

Zig Grob-Nobs lagen dort. Unsere Truppe hatte gute Arbeit geleistet. Alicia, Sophie und Gillian mussten jedes einzelne dieser Mistviecher erledigt haben, ging es ihm durch den Kopf.

Ich legte meinen Schädel auf seiner Schulter ab, während mein Atmen sich langsam beruhigte. Ich wäre auch beeindruckt gewesen von der Masse der abgeschlachteten Gegner, doch in meinem Inneren gab es in dem Moment nichts außer Müdigkeit.

„Ist wieder gut?“, fragte Vas und wischte mir den Mund ab.
„Ja“, antwortete ich heiser, „hast was gut“.

„Hervorragend, spar Dir den Atem und atme ganz langsam“, sagte Vas erleichtert und klopfte mir auf die Schulter.

„Schöner Schutz bin ich hä?“, grinste ich ihn an.
„Spinner. Wir müssen uns jetzt einen Weg hier heraus bahnen. Wir halten es einfach. Wir sind Souvagner! Alles was kein Souvagner ist, wird erschossen!“, sagte Vas felsenfest überzeugt.

„Ein Plan nach meinem Geschmack!“, kicherte Alicia und lud ihre Waffe durch.
„Genau“, bestätigte Mitch und ich zog die P8.

„Ich habe zwar die Hose gestrichen voll, aber ich bin dabei“, warf Sophie ein, was uns alle loslachen ließ.
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"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung fĂĽr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

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Re: Gras-Schlangen

#12

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » So 9. Dez 2018, 00:35

Respekt

Wir rannten wie die Irren einfach gerade aus, stĂĽrmten aus dem unterirdischen Lehmkomplex, rannten weiter durch die Gassen und durch die verschlungenen Pfade des Dorfes und hielten erst an, als wir zig SanddĂĽnen zwischen uns und dem Dorf gelassen hatten.
Von dort aus schlugen wir uns zu unserem LKW durch. Und mit dem Laster donnerten wir zurĂĽck zur Belette.

Die Belette bewegte sich silbergrau durch die peitschenden Wüstenwinde, bis wir zu einer Stelle kamen, die uns sicher erschien um die nötigen Reparaturen vorzunehmen.

Gillian hatte die Belette gelandet, die Scanner zeigten keine Gefahr. Wir verlieĂźen die Belette und vertraten uns die Beine. Sophie, Mitch und ich zogen alleine los, da ich im Moment keine Lust auf andere Gesellschaft hatte.

Wir wanderten ein ganzes Stück weit, bis wir auf einer kleinen Düne standen und in ein seltsam rosa gefärbtes Gewässer schauten.

„Kab guck mal, ein Meer mit rosa Wasser. Ist das nicht wundervoll?“, fragte Sophie und deutete auf das Wasser.
„Ob man das trinken kann?“, fragte Mitch.
„Ja das ist es Kleine. Sieht aus wie Milchshake, aber trink es lieber nicht“, antwortete ich den beiden.

Sophie sprintete runter zum Strand und hockte sich in den Sand. Ich folgte ihr und setzte mich neben sie. Mitch quetschte sich an meine andere Seite. So saĂźen wir eine ganze Weile, starrten auf das rosa farbige Meer und sagten kein Wort. Wir genossen einfach die Stille, die Aussicht und den warmen Wind.

Einige Zeit später lehnte Sophie sich an und ich legte ihr einen Arm um die Schulter. Bei uns hatte es eine andere Bedeutung. Wir verstanden einander, wir waren zwei die sich Halt gaben.

„Was war mit Vas?“, fragte sie nach einer Weile.
„Nichts, der hat was missverstanden“, antwortete Mitch ruhig.

`Er hat wirklich was missverstanden. Zudem beneidet er mich um Dinge, von denen er keine Ahnung hat. Wüsste er, was hinter den Kulissen vorgeht, ich glaube kaum dass er sich weiter wünschen würde einer von uns Psi´s zu sein und über solche Macht zu verfügen´, übermittelte ich den beiden.

`Du könntest mit ihm drüber reden. Er ist kein schlechter Kerl´, antwortete Mitch.
`Ich mag es wenn Du in meinem Kopf quatscht´, lachte sie in Gedanken zurück, was mich auch lachen ließ.

`Du hast es gesehen nicht wahr?´, fragte sie nach einer Weile.
`Ja´, pflichtete ich schlicht bei.

`Ich hab es bei Dir auch gesehen´, antwortete sie und nickte.
`Ich weiß´, antwortete ich ihr.

Mitch starrte uns beide nur kurz an und verpasste uns einen Knuff.

„Hättet Ihr mich mitgenommen?“, fragte sie und schaute zu mir auf.
„Wir haben Dich doch mitgenommen. Solange Du magst, bleibst Du bei uns. Wenn Du Dich irgendwo niederlassen magst soll das Deine Heimat werden“, erklärte Mitch fest.

„Was ist mit Vas? Er wollte mich bei dem Dorfältesten lassen“, warf Sophie besorgt ein.
„Vas ist kein Problem. Er meinte das nicht gegen Dich Sophie. Hättest Du abgelehnt dort zu bleiben, hätte er Dich nicht zurückgelassen. Er wollte helfen“, sagte Mitch.

„Lasst uns zurück zum Schiff gehen, ich bin müde“, warf ich ein.

Mitch stand auf, zog Sophie und mich hoch und gemeinsam gingen wir zurück zur Belette. Am Schiff angekommen wartete schon Vas auf uns. Er stand ans Schiff gelehnt und rauchte eine Rauchstange, während er wartete.

„Schon zurück?“, fragte er nach.
„Ja“, antwortete ich knapp und schob mich an ihm vorbei.

Solange es nicht dienstlich war, hatte ich beschlossen dem Kerl nicht mal mehr die Uhrzeit zu sagen. Ich war stinkig auf ihn. Wieso genau, dass wusste ich nicht, vermutlich weil er mich um meine Fähigkeit beneidete und mich ständig rund machte und anfauchte.

Das schien Vas aber völlig anders zu sehen. Ich verzog mich aufs Quartier. In der Belette gab es nur ein Mannschaftsquartier. Mitch und ich teilten uns ein Etagenbett. Mein Bett war oben, Mitch´s Bett unten.

Ich packte mich in mein Bett, schnappte mir mein Com und las noch etwas. Kaum das ich richtig bequem lag, betrat Vas das Quartier und riegelt hinter sich das Schott ab.

Ich starrte auf die SicherheitstĂĽr und starrte dann Vas mit brennendem Blick an. Ich beobachtete jeden seiner Schritte, jede Bewegung bis er vor meinem Bett stand und mich nur anschaute.

„Wir haben zu reden Kab“, sagte er freundlich.
„Worüber?“, hakte ich nach.

„Über uns“, gab er zurück und legte mir einen Proteinriegel aufs Bett, „Vanille. Erdbeere habe ich keine“.
„Keinen Bedarf“, antwortete ich, schnappte mein Com und las weiter.

„Bedarf an einem Gespräch haben wir beide. Was hast Du Dir dabei gedacht? Das ich Dir alles durchgehen lasse?“, hakte er nach.

Vas zog mir mein Com von oben aus den Händen, klappte es zusammen und legte es vorsichtig auf mein Kopfkissen. Er wartete einen Moment, ehe er seine Arme auf meinem Bett verschränkte, seinen Kopf drauf ablegte und mich dabei anstarrte.

Er war so nah, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spĂĽrte. Er sagte eine ganze Zeit lang gar nichts, sondern schaute mich nur an. Nicht wĂĽtend, er schaute einfach nur. Irgendwie, warum auch immer, verrauchte meine Wut auf ihn.

„Ist jetzt gut? Kabir, was soll das? Hör auf damit. Wir haben aneinander vorbei geredet. Lies mich aus, wenn Du magst. Und mal ganz allgemein für Dich. Niemand verlässt mein Team. Wenn Dir etwas nicht passt sag es, aber die Mücke macht hier keiner. Weder Du, noch sonst wer. Das habe ich gemeint. Was Du zum Beispiel persönlich von der SouvSec hältst, ist Deine Sache. Aber eins schwöre ich Dir, ich würde niemals einen von uns verraten oder an anderer Stelle anscheißen. Ihr seid mein Team, meine Jungs und Du bist einer von ihnen.

Du hast nichts gegen Gillian, Mitch, Alicia oder Sophie. Und gegen mich hast Du eigentlich auch nichts.

Jetzt kommt mein Punkt Kabir – Respekt.

Du behandelst mich sehr oft respektlos. Wie alt bist Du Kabir? 20 Jahre, vielleicht 22 Jahre? Du könntest mein Sohn sein. Du wurdest meinem Team zugeteilt, nicht wir Dir!

Du unterstehst meinem Befehl!

Wenn ich einen Befehl erteile, gilt der für alle – auch für Dich!
Wenn ich einen Befehl erteile, wirst Du ihn befolgen und nicht vor allen widerrufen! Ich weiĂź um Deine Macht und Deinen Status.
Du weiĂźt auch um meinen Status.
Wenn Dir was nicht passt, rede mit mir!

Vas ich bin der Auffassung wir könnten das so machen – und dann folgt Dein Vorschlag.

Kapiert?
So gehört sich das, als Befehlsempfänger.

Du kannst jederzeit Vorschläge unterbreiten, mit mir reden oder sogar diskutieren, aber meinen Befehl untergräbst Du nicht. Liegt das Kommando bei Dir, rede ich Dir auch nicht rein, sondern ich verlasse mich auf Dich!

Mein Job ist es den jeweiligen Auftrag mit meinem Team zu reißen und dafür zu sorgen, dass keinem von Euch was geschieht. Meine Befehle dienen Eurem Schutz und nicht Euch zu frusten. Darüber mal nachgedacht?“, schiss mich Vas zusammen.

In so einem Ton sprach höchstens mein Leitwolf mit mir. Dass er wagte so mit mir zu sprechen, verlangte mir Respekt ab.

„Nein ehrlich gesagt hab ich nicht…“, setzte ich an und er hielt mir den Mund zu.
„Gewöhn Dir mal an, Leute aussprechen zu lassen. Du hast eingelenkt, drum rede“, antwortete er und ließ mich los.

„Nein darüber habe ich nicht nachgedacht. Das ich respektlos war, stimmt. Es kommt nicht wieder vor. Aber zu Deinem Team gehöre ich nicht. Ich bin Euch zur Unterstützung zugeteilt worden, oder welchen Posten bekleide ich?“, hielt ich dagegen.

„Du gehörst zu meinem Team und hast einen festen Posten. Dein Posten ist Sanitäter. Du bist unsere Med-Maus. Du schützt uns und unsere Gesundheit. Entweder vorab durch Deine Fähigkeiten, oder indem Du uns heilst. Noch irgendwelche dussligen Fragen der Art auf Lager?“, fragte er mich grinsend.

„Sanitäter? Gefällt mir. Nein keine dussligen Fragen mehr“, antwortete ich freundlich.
„Also wieder gut miteinander?“, hakte er nach.

Er log nicht, er meinte es ehrlich, es ging ihm um meine Sicherheit, mein Wohlergehen, ihm war wichtig dass ich ein Teil des Teams war und wichtiger noch - er wollte sich mit mir versöhnen.

Irgendwie kam ich mir gewaltig mies vor, ihn so behandelt zu haben. Zudem war er immer gut zu mir gewesen. Ich schaute mir den Riegel an, packte ihn aus und teilte ihn mit Vas.

„Ja wieder gut miteinander. Mein Verhalten tut mir Leid Vas, entschuldige“, gestand ich offen ein.
„Na siehst Du, Entschuldigung angenommen“, grinste er mich an. Er boxte mich vor die Schulter, entriegelte die Tür und ließ die anderen rein. Mitch, Sophie, Alicia und Gillian kamen in das Quartier und schauten uns an.

„Vas wollte mit Dir unter vier Augen reden Kab. Alles gut bei Euch?“, fragte Mitch.
„Streitet nicht mehr Jungs, bitte. Wir sind doch eine Truppe“, bat Al.

„Reicht Euch die Pfoten, na los. Boss und Blitzbirne macht schon“, grinste Gill.
„Wir haben uns ausgesprochen und versöhnt, Danke Leute. Pack Dich hin Mitch“, bat ich meinen Beschützer.

Das Mannschaftsquartier war fĂĽr wesentlich mehr Personen ausgelegt, aber wir schliefen immer so, dass wir uns alle im Auge hatten. Es vermittelte uns ein GefĂĽhl von Sicherheit und Zusammenhalt. Sophie legte sich auf das Hochbett gegenĂĽber und unter ihr schlief Al. In dem Bett auf der anderen Gangseite schliefen Gill und Vas.

Ich wachte einige Stunden später auf, weil mir richtig angenehm warm war. Meine Decke war fest um mich geschlungen, genau wie Mitchs Arme. Kein Wunder, dass ich angenehm warm geschlafen hatte.

„Mitch?“, flüsterte ich leise.
„Was´n?“, nuschelte er zur Antwort.

„Lass mich los und lass uns was quatschen“, forderte ich ihn freundlich auf.
„Na klar“, grinste er mich an und drückte mir mein Com in die Hand, „guck Dir mal die neusten Einsatzstiefel an. Hab ich Dir vorhin auf Dein Com überspielt. Das hebt doch immer Deine Laune. Ich glaube ich werde mir neue Treter besorgen“.

„Schwarz oder sandfarben?“, fragte ich und schaute mir die Bilder an.
„Taupe, passt zu jeder Combo“, antwortete Mitch und rief das passende Bild auf.

„Oh ja, die gefallen mir“, stimmte ich gut gelaunt zu.

Nachdem wir uns genügend Einsatzstiefel in sämtlichen Farben angeschaut hatten, hatte ich Hunger. Außerdem ließ mir der Streit mit Vas keine Ruhe. Ich kletterte aus dem Bett und kramte zig Proteinriegel aus meiner Verpflegung.

Vas war immer noch wach, also ging ich zu ihm rüber und legte ihm die Hälfte hin. Überrascht schaute er mich an und zog fragend eine Augenbraue hoch.

`Erdbeere. Du hast keine Riegel mit Erdbeergeschmack´, antwortete ich mental auf seine nicht gestellte Frage.
`Wie komme ich zu der Ehre?´, hakte er nach und ließ sich einen der Riegel schmecken.

`Ich habe noch mal über Deine Worte nachgedacht und auch über Dich persönlich. Du bist eine der wenigen Personen die mich mag, ich mag Dich übrigens auch. Du hast mich gut behandelt, Du hast mich beschützt, Du hast mich angeleitet. Und Du hast mich als Teammitglied aufgenommen, anstatt ein User zu sein. Das bedeutet mir was. Umso mehr ärgert mich mein Verhalten.

Es war mein Fehler, dass wir aneinander vorbei geredet haben. Ich hätte auf mein Gespür achten müssen oder Dich auslesen können. Dann hätte es kein Missverständnis gegeben. Mit meinem Leitwolf gab es das auch nicht. Der Leitwolf hier bist Du.

Es tut mir leid, dass ich so ein Arschloch zu Dir gewesen bin Vas.

Es wird nicht wieder vorkommen. Das hat mir keine Ruhe gelassen und ich wollte es Dir sagen. Drum als Zeichen, dass ich es ernst meine die Riegel. Bei uns, also wo ich herkomme, haben sie Bedeutung. Du musst Dir schon den Arsch aufreißen um einen zu bekommen. Drum sind sie Deal-Ware. Und darum schenke ich sie Dir, sogar meine Lieblingssorte´, übermittelte ich ihm, stupste ihn mental an und ging zurück ins Bett.

Dabei musterte er mich nur kopfschĂĽttelnd und schmunzelnd.
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"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
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