Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Mantione Jean de Mancini [Marian]

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Mantione de Mancini
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Mantione Jean de Mancini [Marian]

#1

Beitrag von Mantione de Mancini » Di 9. Apr 2019, 21:00

Kurzinfo Mantione Jean de Mancini


Name: Mantione Jean de Mancini
Volk: Marian (Eigenbezeichnung für die Bewohner/Crew von Leviathan Boldi)
Geboren am: 17.03.204 n.d.A.
Biologische Reife: ca. 20 Jahre
Größe: 170 cm
Gewicht: 70 kg
Haarfarbe: blond
Augenfarbe: blau
Statur: schlank und trainiert
Herkunft: lebendes Schiff/Leviathan Boldi
Derzeitiger Wohnort: lebendes Schiff/Leviathan Boldi
Sprachen: Asameisch, Rakshanisch
Familienstand: ledig
Stand an Bord: Kapitän des Leviathans Boldi
Haustier: Schnippel eine Riesenkrabbe


Aussehen:
Mantione ist ein frisch geschlüpfter Kapitän des Leviathans Boldiszar und von schlanker Gestalt. Mit seinen 170 cm hat er eine durchschnittliche Größe für einen Marian. Mantione hat von Natur aus dicke, dunkelblonde, schulterlange Haare und blaue Augen. Sein besonderes Merkmal ist eine hellblaue Tätowierung, die fast seinen ganzen Körper bedeckt und das Form des Tarnmusters einer Makrele besitzt.


Aussehen
Link:

https://www.imagebanana.com/s/1386/cMRYRYkO.html
https://www.imagebanana.com/s/1386/C6ZKHmDr.html


Marians:
Die Bewohner des lebenden Schiffes Boldi bezeichnen sich selbst als Marians. Mit Marians werden allgemein Personen beschrieben, die sich dem Meer besonders nah und verbunden fühlen.


Lebendes Schiff/Leviathan Boldi
Link:
viewtopic.php?f=82&t=2017#p16251


****


Der Keim des Käptn


Alt war er geworden, grau aber nicht gebeugt. Seine besten Tage lagen schon weit hinter ihm. Wieder einmal war es die Rache, die ihm am Leben erhielt. Sie war zu seinem Lebensinhalt geworden.

Rache um jeden Preis!

Fest umklammert hielt er ein Schmuckstück in seiner Hand, so unerbittlich umklammert, dass es sich in seine Handfläche grub.

Er war schon immer ein rast- und ruheloser Geist gewesen und so war es ihm auch gelungen uraltes Wissen aufzuspüren. Er hatte kaum eine Ahnung davon, was es war. Aber eines wusste, er, damit würde er seinen Mann retten.

Möglicherweise nicht auf die Art, wie es sich sein Schatz erhoffen würde, aber jene Existenz, die die alten Schriften versprachen, waren für ihn mehr Verheißung als Abschreckung.

Die Lösung war ein Schiff.
Ein Schiff war immer die Lösung, dass wusste Silvano.

Die Schriften besagten - dass ein Schiffsgrundgerüst die Funktion eines Skeletts übernahm. Jenes musste mit zusätzlichen Antriebsaggregaten hergestellt werden und mit einer Schicht aus gereiften Syntfleisch, Knochen und Panzerung überzogen werden. Das Syntfleisch wurde aus der Spende des Schöpfers gezogen und reifte in speziellen Behältern heran, bevor es auf das Schiff implantiert beziehungsweise gepflanzt wurde.

Nun das Gerüst hatte er gefunden. Einige dieser seltsamen gewaltigen Metallskelette lagen an einem Ort, der sein Verständnis überstieg. Es war eine Tempelruine, das vermutete er, denn alles hatte den Anschein angebetet worden zu ein. Domartige Gewölbe, die Skelette die wie Relikte aus einer anderen Welt erschienen.

Vano hatte das gewählt, was seinem Lieblingswesen am nächsten kam, dem Walhai.
Die Wahl war vor langer Zeit getroffen worden und er war den Anweisungen der Schriften gefolgt. Was immer er dort tat, er wusste es nicht, aber er tat es dennoch.

Den Rest erledigten Maschinen die in einem seltsamen Singsang zueinander sprachen. Heute waren sie verstummt. Das Wesen dass sie geschaffen hatten, lag wie ein bleicher, toter Riesenfisch vor ihm.
Silvano berührte die Nase des Giganten mit seiner alten, faltigen Hand.

Leben kam in den Koloss, an der Seite wo man die Kiemen vermuten würde, öffnete sich ein kreisrundes, riesiges Loch. Ohne zu zögern stieg er hinein. Sanftes Leuchten leitete ihn, während die Dunkelheit hinter ihm wieder zusammenschlug. Es war ihm gleich, hier gab es nichts, was er zu fürchten hatte.

Licht.
Ein matter gelber Schein, der an Bernstein erinnerte.

Vano drückte mit Behutsamkeit und Liebe den Muschelanhänger in die zähe Masse, den er in der Hand gehalten hatte. Kaum das der Anhänger darin verschwunden war, härtete sie außen etwas aus und der bernsteinfarbene Kern wurde von gewaltigen Stahlarmen in eine Halterung gehoben.

Zeitgleich stieg ein zweiter Kern, eine ovale Kammer, genau vor dem ersten aus den Tiefen des Schiffes empor. Mit einem sanften Zischen öffnete sich die Kammer. Vano wusste was er zu tun hatte. Er entledigte sich aller Kleidung und stieg in die Kammer hinein.

Das Leben hatte ihm nie etwas geschenkt.
Aber mit seinem Leben würde er das größte Geschenk unterbreiten.

Die Kammer schloss sich, verriegelte und wurde zurück in die Tiefen des Schiffes gezogen. Für einen winzigen Moment konnte er sehen, wie der Kern über ihn zu strahlen begann. Sein Blick verschwamm durch die Flüssigkeit, aber er hielt ihn fest auf den Kern gerichtet, der nun sanft pulsierte.

Das Schiff erwachte zum Leben, während seines in der Flüssigkeit verlosch.

Als die Luke sich über der Brutkammer schloss, erwachte Boldiszar Seele in ihrer neuen Gestalt. Er spürte Vano und er fühlte zeitgleich dessen Verlust. Ein stummer Schrei entrang sich ihm, den niemand hören konnte.

Doch sein Schrei verhallte nicht ungehört.

Tief in der Kapitänskapsel, in der Flüssigkeit die einst sein Ehemann gewesen war, regte sich der Keim des neuen Lebens - ihr Kind, sein Käptn.


****


Schiff und Käptn, der Ozean wartet


Mantione de Mancini
Es war noch gar nicht so lange her, dass Mantione das Licht der Welt erblickt hatte. Das Licht seiner Welt. Seine Welt war ein uraltes Schiff, dessen Technik und Wissen noch älter war, als sich manche vorstellen konnten. So alt, dass selbst dem Schiff daran die Erinnerung fehlte. Nur vage wusste es, wo es geboren worden war. Manti hingegen wusste es ganz genau, in der Hirnkammer des Biomechanoiden, des Schiffes oder kurz gesagt von Boldi. Und Boldi war seine Welt. Ein lebendes Schiff, dass ihn samt der Crew mit allem versorgte, was sie benötigten. Aber er war anders, er war der Käptn, der Mittler zwischen Schiff und Crew und der Keim also das Kind des Schiffes selbst. Für seine kurze Lebensspanne wusste Manti erstaunlich viel. Es war vererbtes Wissen, Wissen dass seine Ahnen angesammelt hatten und welches ihm sein Schiff geschenkt hatte nach der Geburt. Ebenso würde er Wissen ansammeln und sollte er eines Tages vergehen, würde sein Kind sein Wissen erben. Er fürchtete den Tag des Vergehens nicht, solange er in seinem Schiff stattfinden würde und der Kreislauf gewahrt blieb. Generell fürchtete Manti nur eines - die Trennung von Boldiszar. Manti schmatzte, kratzte sich kurz den Kopf und schlug die Augen auf. Er hatte wie üblich zusammengerollt im Pilotensessel geschlafen.

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Hier oder in der Hirnkernkammer schlief er am liebsten, da fühlte er sich Boldi noch näher. Was eigentlich unsinnig war, denn er war stets mental mit dem Schiff verbunden. Jeder fühlte was der andere fühlte und er sprach für es, so wie es zu ihm sprach. Langsam rollte er sich auf die Beine, verließ das Cockpit und betrat durch die Sicherheitsschleuse seinen eigenen privaten Bereich. Ihren privaten Bereich, denn hier ruhte auch die Hirnkammer. Manti trabte in die Küche und schaute sich suchend um. Er nahm sich etwas zu essen und drückte dabei die Hand gegen die Scheibe der Hirnkammer. `Morgen Boldi, wir müssten in der Nähe Ledwicks sein oder? Ist alles in Ordnung? Sind alle wohlauf?´, fragte er das gewaltige Schiff, während er sein Wickelfisch aß.

Boldiszàr
So wie Mantione befand sich auch Boldiszàr im Ruhemodus. Sie teilten nahezu alles, es gab wenig, was sie trennte. Sie waren mehr als nur Schiff und Kapitän, sie waren auch Eltern und Kind, wobei Boldiszàr die Rolle von Vater und Mutter gleichermaßen erfüllte. Sein Körper aus Proteinverbindungen, Metallen und seltenen Elementen hatte Mantione in seinem Inneren heranwachsen lassen und freigegeben, als er herangereift war. Nun wachte und erzog er ihn, so wie er es bei allen vor ihm getan hatte. Und noch viel mehr waren sie füreinander, denn der mächtige Leviathan war der Tempel, den sein Mann Boldiszàrs Seele ihm vor vielen Jahrhunderten geschenkt hatte und Mantione war Silvanos zeitloses Vermächtnis, erschaffen aus seinen Genen und doch nicht der Gleiche, denn jeder einzelne Mancini war auf seine Weise unersetzlich. Den Tod des letzten Kapitäns hatte Boldiszàr noch nicht verkraftet. Er selbst war es, der mit seinem Leib den Tod herbeiführte, den Leib zersetzte und daraus den neuen formte. Die Zeit der Dunkelheit war mehr als nur eine Ruhephase, sie war eine Zeit, in der das Schiff in eine tiefe Depression versank. Es versank wörtlich, denn diese Zeiten verbrachte Boldiszàr seit jeher am tiefsten Punkt des Ozeans, den er noch erreichen konnte und dort lag er, schwieg, trauerte und ließ den neuen Kapitän in seinem Körper heranwachsen. Für die Mannschaft war es ein beklemmendes Gefühl und manch einem erschien der Koloss, der ihr Leben war, in jenen Wochen wie ein stählerner Sarg. Einen Ausweg gab es nicht, nur die Hoffnung auf den neuen Kapitän. Seit einigen Monaten war dies nun Mantione di Mancini. Boldiszàr wachte mit Argusaugen über ihn.
›Morgen, Manti‹, brummte er und wie gewohnt imitierte er die Stimme, die er als Mensch einst gehabt hatte in Mantiones Geist, die tiefe, heisere Stimme eines Kettenrauchers, der in seinem Leben zu viel gesehen hatte. ›Wir befinden uns auf 18° nördlicher Länge und 46° westlicher Breite. Die Lagunen von Ledwick haben hier ihre tiefsten Ausläufer. Hinter uns fällt der Kontinentalschelf in die Tiefe ab. Vor uns hebt sich der Meeresboden langsam an. Möchtest du an Land gehen?‹ In Boldiszàrs mentaler Stimme schwang Sorge mit.

Mantione de Mancini
Manti betrat die Hirnkammer und hockte sich vor den gewaltigen, bernsteinfarbenen Kern. Behutsam lehnte er sich an und dachte einen Augenblick über die Frage von Boldiszar nach. Die Sorge von seinem Vater schob er bei Seite. "Nein, aber schön das wir die Tiefsee hinter uns gelassen haben und uns im Bereich des Schelfs befinden. Ich hatte vor Ledwick anzureisen. Vorräte aufstocken und mir auch einmal das Land selbst anschauen, viel kommt von dort Boldi und mich interessiert es wie es dort aussieht. Sie sind ein Teil von uns und wir von ihnen. Und Du hast bei ihnen gelebt, warst einer von ihnen. Sie leben unter Wasser, im Wasser so wie wir. Das interessiert mich. Du musst keine Angst haben. Irgendwie erwachen die Lebensgeister in einem, wenn man sich dem Schelf nähert und die Neugier. Nun Dir kann ich nichts vormachen, eines Tages werde ich an Land gehen, denn es reizt mich. Aber es macht mir auch Angst, da ich Dich nicht mitnehmen kann mein Großer. Drum finde ich Ledwick eine sehr gute Alternative. Wir sind zusammen, wir sind im Wasser und irgendwie ist es doch Land. Was sagst Du dazu? Ich muss die Einkaufslisten noch durchgehen, Giorgio la Caille wollte mich sprechen. Nun ich denke er wollte zum x-ten Mal schauen wie es mir geht. Also was sagst Du? Reisen wir Ledwick an oder Obenza?´, fragte Manti gut gelaunt. Er mochte die tiefe beruhigende, kratzende Stimme von Boldi. Sie war neben seinen eigenen Gedanken die zweite Stimme in seinem Kopf. Was andere geängstigt hätte, war für ihn Normalität. Aus der Erinnerung heraus wusste er wie Boldiszar einst ausgesehen hatte. Kräftig, kompackt, dunkle Haare und hellblaue Augen, sogar heller noch als seine eigenen. Und er wusste selbstverständlich wie der erste Käptn ausgesehen hatte, der Gefährte von Boldiszar - sein Urvorfahre, der Ehemann von Boldi. Es war gar nicht so lange her, da war Medardo de Mancini sein Vater und Spender und der 12. Käptn gegangen. Boldi trauerte immer noch um ihn und Manti teilte mit ihm den Verlustschmerz. Er überlegte wie er seinen Boldi aufmuntern konnte. `Was hältst Du von Wellenreiten? Wir suchen uns eine schöne Brandung und lassen uns ein bisschen den Bauch kitzeln. Lust?´, fragte er freundlich.

Boldiszàr
›Es kommt darauf an, welchen Teil von Ledwick du meinst. Einen Landteil in dem Sinne hat es nur in Form von Inseln. Einen Festlandbereich gibt es schon seit einiger Zeit nicht mehr. Nur unterseeisch. Die besten Einkaufsmöglichkeiten findest du natürlich in Monleone. Es kommt jedoch darauf an, was du suchst. Das Angebot von Obenza ist ja nun was völlig anderes. Obenza ist ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene mit dem Tod als einkalkuliertem Risiko. Du solltest nicht dort hingehen, wenn du es nicht musst. Monelone hingegen gehört zu den sichersten und friedlichsten Städten von Asamura. Wellenreiten also. Du bist noch jung. Ich zeige dir, was ich kann. Es ist das eine, wenn ich dir die Empfindungen und Bilder übertrage, etwas anderes, es selbst zu erleben. Pass auf.‹ Boldiszàr hörte auf, den Schelf abzuweiden wie eine riesige Seekuh und rülpste ein paar Gasblasen aus. Dann wendete er punktgenau auf der Stelle, wobei er sich um mehrere Achsen drehte, indem er seine zahlreichen flachen Flossen schräg stellte. Seine Maschinen wurden warm, die Kühlelemente rauschten und der Leviathan schoss hinauf in Richtung Wasseroberfläche. Die abgrundschwarze See um ihn herum wurde tintenblau und hellte sich auf zu türkis, bis sie weiß wurde, als sie durch die Oberfläche hinauf ins Licht brachen.

Mantione de Mancini
Manti schloss die Augen und verließ sich rein auf sein Gefühl. Er spürte was sein gewaltiger Leviathan fühlte und das war bombastisch. Obenza klang in der Beschreibung gar nicht so übel, aber die Hintergrundgedanken die dabei von Boldis Seite aus mitschwangen, waren düster, bedrohlich, todesverheißend und das war nichts worauf Manti gerade oder überhaupt Lust verspürte. Monleone klang da schon ganz anders. Aber auch das konnte noch einen Moment warten. Mantione tätschelte den Hirnkern in einer kindlich liebevollen Geste und flitze aus seinem Bereich. Er ließ schneller als man vermuten würde den Kern, seinen Privatbereich und den Außenbereich hinter sich. Vor der Schleuse blieb er stehen und trat ein. Erst als sich der Bereich hinter ihm geschlossen hatte, öffnete sich die Schleuse in den Außenbereich. Durch den Innendruck der herrschte drang zuerst kein Wasser ein, so das Boldi einen Druckausgleich vornehmen musste. Als sich der Schleusenbereich mit Wasser gefüllt hatte, schwamm Mantione nach draußen. Er wartete bis sich Boldi wieder versiegelt hatte, dann schwamm er einen Moment neben dem Giganten, neben dem selbst ein Blauwal wie eine Sprotte gewirkt hätte mit seinen knappen 30 Metern. Manti schwamm vergnügt neben seinem gigantischen Vater, drehte sich einmal um sich selbst um nach oben zu schauen, bevor er auf einer der gewaltigen Brustflossen Platz nahm. Nachdem ihm das auch zu langweilig wurde, schwamm er empor, so dass er oberhalb auf Boldi Platz nehmen konnte. Er wartete ab, bis sie die Wasseroberfläche durchbrachen. Für einen winzigen Moment zögerte er, dann atmete er das erste Mal in seinem Leben "Landluft" oder besser gesagt Oberflächenluft und nicht den Sauerstoff den Boldi für seine Schäfchen herstellte. Die Luft roch seltsam, sie trug Geschmack mit sich und löste Erinnerungen aus, die er nicht zuordnen konnte. Er erinnerte sich, wie sich Sand zwischen den Zehen anfühlte, obwohl er noch nie am Strand spazierengegangen war. Drinnen herrschte vermutlich gerade ein heilloses Durcheinander, da der Käptn ohne Vorwarnung das Schiff verlassen hatte, so dass die Offiziere ihn nicht finden konnte. Aber Boldi würde sie beruhigen, denn er war ja nicht verschwunden, er saß auf Boldis Kopf. Mantione starrte Richtung Festland. Er wusste nicht was er davon halten sollte. Anziehend und abstoßend wirkte der Küstenstreife in weiter Ferne. Er wrang seine blonden Haare aus und starrte in die Ferne. Wind kam auf und ließ ihn frösteln, obwohl er eigentlich niemals fror, dass hatte er von seinen Vorfahren. Aber nass und Wind, war scheinbar keine gute Kombination, wie er feststellte. Trotzdem blieb er hocken wo er wahr und versuchte sich einen Reim auf den Gestank des Landstreifen zu machen. Es roch fremdartig. Über den Geruch und die Erinnerungen nachdenkend, rollte er sich auf Boldiszar zusammen, während er die Küste beobachtete. Oben auf den Wellen und Boldiszar spürte er die Gezeiten, die Tide, Ebbe und Flut, er spürte das Meer auf andere Art. Die Crew bekam nur selten die Auswirkungen des Meeres zu spüren, Kompensatoren sorgten dafür, dass sie die Neigungen des Schiffes nicht wahrnahmen. Ausnahmen bestätigten die Regel, gerieten sie in einen Sturm, gelangten auch die Kompensatoren an ihre Grenzen und auch ein Leviathan wurde durchgeschüttelt. Aber er wusste was er zu tun hatte - unter dem Sturm hinweg tauchen. Er hingegen spürte beständig das Meer, denn das was Boldis Außenhülle wahrnahm fühlte er ebenso. Er fühlte das Meer über seinen Körper streichen, die Strömung, manchen frechen Haftfisch der per Anhalter durch den Ozean mitgenommen wurde und er spürte wenn Boldi Sand verschlang und das mit Genuss. Aber dieses Gefühl hier oben war neu. Die Luft wechselte scheinbar ständig die Temperatur, was im Inneren seiner Welt nicht der Fall war. Fast unbewusst strich seine Hand liebevoll über die Oberfläche des Biomechanoiden. "Eine seltsame Welt, mit seltsamen Gerüchen Boldi. Ich würde sie mir gerne anschauen, aber irgendwie macht sie mir Angst. Jedenfalls noch, vielleicht ist es bald anders, sie ist fremdartig... genau fremdartig ist das passende Wort", sagte Manti. Er legte sich auf den Bauch und ließ sich von Boldi herabrutschen, so das er neben dessen gewaltigen Körper wieder ins Meer klatschte. Das fühlte sich schon wesentlich besser an. Vertraut. Er klammerte sich an eine von Boldis Brustflossen und ließ sich unter Wasser mitziehen, dabei schaute er sich vergnügt den Meeresboden des Schelfmeeres an. Ein normaler Mensch hätte niemals so lange wie er tauchen können, nicht einmal ein Souvagner. Ein Ledvigiani - möglicherweise. Ein Geschenk eines seiner Vorfahren war, dass er teilweise über die Haut Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen konnte. So waren 15 - 20 Minuten kein Problem für ihn, die er spielend tauchen konnte. Manti ließ die gewaltige Brustflosse von Boldiszar los und schwamm zurück zur Luke, dabei strich er mit seinem Körper bewusst an dem des Leviathans entlang. Dunkelbraunes Muster mischte sich mit seinem weiß-blauen. Eine halbe Stunde später trabte er pitschnass wieder in seinen privaten Bereich. Die Crewmitglieder die ihm über den Weg liefen grüßten freundlich und er grüßte ebenso freundlich zurück. Sie waren eine große Familie und er war der tropfnasse Kopf dieser Bande. `Boldi schwimm Monleone an Großer, ich habe mich entschieden. Obenza kann warten und allein werde ich es nicht betreten´, teilte er Boldi mit, während Giorgio kurz neben ihm lief und ihm eine Decke um den Körper schlang. "Auch Sprotten können sich erkälten", schmunzelte la Caille und war mit den Worten wieder verschwunden. "Makrele, aber gleich - Danke", flötete Manti und betrat seinen Privatbereich. `Sehe ich aus wie eine Sprotte?´, lachte er.

Boldiszàr
Die Stelle, wo Mantione sich einrollte, wurde warm unter ihm, dafür sorgte Boldiszàr. Während der winzige Mensch gemeinsam mit dem Giganten schwamm, achtete der Biomechanoid genauestens darauf, ihn nicht zu verletzen. Da er seine Anwesenheit jederzeit spürte, war das kein Problem, dennoch war es kein Spaß, was der junge Mann da wagte. Er war froh, als der wieder sicher in seinem Leib war, wie alle anderen. Boldi gab ein tiefes, zufriedenes Brummen von sich, das die Mannschaft als angenehme Vibration von allen Seiten spürte. Wenn das lebende Schiff glücklich war, wussten es alle, genau wie wenn es trauerte. Sie waren seinen Launen ausgeliefert und doch konnte Boldiszàr ohne sie alle nicht sein. Er konnte existieren und würde überleben, doch sein Inneres wäre tot und leer. Er liebte das Leben, was sich in ihm abspielte und das er schützte. Sie waren ein Dorf, ein Sammelsurium an Gestrandeten und Familien, die seit Generationen hier lebten, eine Arche, eine eigene geschlossene Welt. Das alles stand und fiel mit Boldiszàr und seinem Kapitän. Sie waren gemeinsam das Schiff, nicht nur er. Boldiszàr war das Fleisch und das Herz und der Kapitän war der Geist, der es lenkte und alles zu einem funktionierenden Ganzen fügte. Was ohne den Kapitän geschah, sah man daran, wenn nach dem Tod des einen auf die Geburt des anderen gewartet wurde. ›Eine Sprotte bist du wahrlich noch, das war nicht ungefährlich. Monleone also‹, brummte Boldiszàr und wendete sich erneut. ›Was nun hinter uns liegt, war einst Ledwick, doch ist es nicht mehr. Und dennoch spürt man noch das Echo der Vergangenheit, den Ruf der Strände. Ich habe dort mit Silvano, meinem ersten Kapitän, einige sehr schöne Jahre verbracht. Sie rufen einen, warum das so ist, weiß man nicht, auch wenn die Ledvigiani einige Erklärungsversuche in ihrer Mythologie liefern. Aber du spürst es auch. Du willst dort hin, nicht wahr? Was dich abstößt und dir Angst macht, hat nichts mit Ledwick zu tun, sondern mit dem, was ihnen dort angetan wurde. In den Ruinen hausen heute verwilderte Souvrakasia, gewalttätige GMOs, die ein schreckliches Verbrechen begangen haben. Monleone lag einst genau dort. Jetzt aber liegt es vor uns, im offenen Ozean. Ich nehme Kurs.‹ Noch bevor er zu Ende gesprochen hatte, setzte der Leviathan sich in Bewegung. Er spürte, dass Mantione seinen Wunsch verwirklichte und ihn in diese Richtung entsandte. Erneut empfing sie der tintenblaue Schoß des Dhunik.


****


Die Zeit der Dunkelheit
- Camille Nosailly, Sprecherin der Crew


Die Zeit der Dunkelheit, ist eine Zeit der Stille, der Einkehr und des Wartens. Sie ist eine Zeit, in welcher der große Biomechanoid tief in die unendliche See hinab taucht, um an seinen gegangenen Käptn zu gedenken und zeitgleich auf den neuen zu warten. Eine Zeit der Trauer und der Vorfreude, eine Zeit des Verlustes und der Hoffnung.

Jeder Käptn lebt einen Zyklus lang in völliger Symbiose mit dem Schiff, dem Biomechanoiden.
Er entstand aus seinem Vorfahren und wird der Vorfahre für den nächsten Käptn werden.

Denn jeder Käptn ist der Same, der Grundstock, des nächsten seiner Art.
Irgendwann, wenn der Ruf ihn ereilt und er weiß, dass sich sein Zyklus dem Ende nähert, steigt er in die Kapsel die ihn einst vor langer Zeit gebar. Dort wird er vergehen und mit seinem Vergehen, seiner letzten Spende, wird sein Nachfolger geschaffen. Seine Zellen, seine DNS sind die Grundlagen für sein Kind. So war es seit Anbeginn des Biomechanoiden und so wird es immer sein - Generation folgt auf Generation.

Das Schiff, der Biomechanoid, erlebt ihr Werden und Vergehen, ihre Zeugung und ihr letztes Opfer. Er ist der Anfang und das Ende und die Wiedergeburt, er ist alles.

Das erklärt Dir auch, weshalb Du nie einen Käptn mit seinen Kindern siehst. Er wird sein Kind niemals sehen, denn er zeugt es durch sein Opfer.

Sie werden als Erwachsene geboren, sie entsteigen der Brutkapsel und alles Wissen, über das sie verfügen erhalten sie vom Schiff. Das Schiff und der Käptn sind eins. Das Schiff ist unsere Heimat, unser Beschützer, es versorgt uns mit allem was wir benötigen. Der Käptn ist der Mittler zwischen uns und dem Schiff.

Es ist ein ewiger Kreislauf, ein ewiger Verbund.
Ein Käptn stirbt nie so ganz, er ist ewig wie das Schiff und dennoch ist er nach jedem Zyklus eine andere Person.

Die Zeit der Dunkelheit ist jene, in der wir auf die Ankunft des neuen Käptn warten. Zuvor zieht sich der alte Käptn zurück, das Schiff taucht ab und alle Funktionen fahren auf Notbetrieb herunter. Was dann geschieht, habe ich Dir erklärt. Das Schiff überwacht nach dem Opfer des alten Käptns den neuen Keim solange er reift. In dieser schweren Zeit ist es allein und führungslos. Es wird in die Tiefsee hinab tauchen und ruhen. Seine ewige Wanderschaft wird in dieser Zeit unterbrochen.

Ein Vergleich der Oberwelt ist die Raupe die zum Schmetterling wird, sie verflüssigt sich ebenfalls während der Metamorphose.

Irgendwann endet auch die Zeit der Dunkelheit. Das Schiff öffnet die Tür des verbotenen Bereichs und der neue Käptn tritt vor seine Crew. Dann beginnt die Zeit des Aufstiegs, eine Zeit der Freude und der Feier. Das Schiff nimmt seine Wanderung wieder auf und ein neuer Lebenszyklus beginnt - der Zyklus des neuen Käptn.


****


Abwettern


Der Himmel war ein tosendes Schwarz, nur gelegentlich zerriss ein greller Blitz die Dunkelheit.
Gewaltige Schauerwolken rasten über sie hinweg, der Sturm brüllte mit unbändiger Kraft. Mantione saß angespannt im Pilotensessel. Die Wahrnehmung des Schiffes war seine Wahrnehmung, die gewaltige Rundanzeige vor ihm, sein Auge in die Welt nach draußen.

Angefangen hatte es harmlos mit einigen Wolkenstreifen und Schleierwolken, nur zeigte sich die See in ihrer vollen Macht. Der Sturm steigerte sich zu einem Orkan und plötzlich, ganz unerwartet wurde es windstill.

Mantione selbst hatte das Schauspiel noch nie erlebt, aber seine Erinnerungen waren alt. Ein seltsames, hohles Pfeifen erklang und ein riesiger Rüssel senkte sich auf die See nieder. Mit einer rotierenden Bewegung riss er die Wassermassen nach oben und sie verschwanden in der donnernden Orkanwand.

Eine wirbelnde, donnernde Sturm- und Wasserwand, mit einem Durchmesser von mehreren hundert Seemeilen. Die Sturmstärke überschritt jede nur vorstellbare Größe. Manti hatte keine Bezeichnung dafür und ließ Boldi sofort abtauchen. Aber auch unter der Oberfläche kochte das Wasser.

`Wir müssen so tief wie möglich abtauchen um abzuwettern Boldi´, befahl Manti.
`Wir tauchen´, bestätigte das lebende Schiff und genau das tat es auch.

Die Trägheitskompensatoren in seinem Inneren glichen die Steillage aus, die der riesige Leviathan einnahm um schnellstmöglich an Tiefe zu gewinnen. Warnleuchten blinkten in den Lebensbereichen auf und jedes Besatzungsmitglied suchte sofort den Sicherheitsraum auf.

Hermetisch wurde der Raum versiegelt und die Lebenserhaltung wurde auf ein Minimum im gesamten Schiff heruntergefahren, bis auf den Kapitänsbereich und den Sicherheitsraum. Eng saßen die Marians beisammen, die meisten hielten sich an den Händen, während die Offiziere über sie wachten.

`10 Meter, weiter fallend´, teilte Boldi seinem Käptn mit.
`Tiefer, viel tiefer, sonst reist uns der Orkan aus dem Wasser´, erklärte Manti alarmiert und Boldi spürte wie er dabei erschauerte.

`20 Meter... 30 Meter... 40 Meter erreicht... gleich 50 Meter... Grund kommt vage in Sicht´, klärte Boldi Mantione auf, dabei sah er riesige Fische die ebenfalls auf die Tiefe zuhielten.

`Such uns einen großen Felsspalt, einen Krater, dort hinein´, wies Mantione Boldi an und hielt ebenfalls nach so einem Spalt Ausschau.

Der Leviathan tauchte weiter ab, fand einen Graben der breit genug für ihn war und zwängte sich hinein. Sand und Sedimente wirbelten auf, als das lebende Schiff aufsetzte. Mantione strich liebevoll über die Steuerkonsole und rollte sich im Pilotensessel zusammen, während sie den Orkan abwetterten.


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Re: Mantione Jean de Mancini [Marian]

#2

Beitrag von Mantione de Mancini » Di 16. Apr 2019, 19:30

Käptn:

1. Silvano Giovanni de Mancini -236 n.d.A. (72 Jahre)
2. Luciano - 236-311 n.d.A. (75 Jahre)
3. Umberto - 311-391 n.d.A. (80 Jahre)
4. Salvatore - 391-431 n.d.A. (40 Jahre)
5. Medoro - 431-511 n.d.A. (80 Jahre)
6. Tranquillino - 511-557 n.d.A. (46 Jahre)
7. Giovanni - 557- 645 n.d.A. (88 Jahre)
8. Innocenzo - 645-735 n.d.A. (90 Jahre)
9. Delfino - 735-820 n.d.A. (85 Jahre)
10. Fiorenzo - 820-900 n.d.A. (89 Jahre)
11. Arduino - 900-989 n.d.A. (89 Jahre)
12. Medardo - 989-1077 n.d.A. (88 Jahre)
13. Mantione Jean - 1077 aktueller Käptn


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Re: Mantione Jean de Mancini [Marian]

#3

Beitrag von Mantione de Mancini » Fr 17. Mai 2019, 04:12

Charbogen-Ergänzung:


Vorfahren und Ledvicco-Blut in der Desnoyer-Linie

Antonio Desnoyer, Ledvicco - Delancys/Silvanos Urgroßvater
Laurent Desnoyer, Souvagner - Delancys/Silvanos Großvater
Mercer Desnoyer, Souvagner - Delancys/Silvanos Vater



Der Ozean ruft, Gefährten
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Mantione nickte zustimmend. "Ja auch wir tragen Ledviccoblut in uns. Es ist lange her, da erfuhr unser Urvater durch Nekromantie dass von seinem Opa Laurent der Vater ein Ledvicco war. Also der Uropa von Silvano war ein Ledvicco. Er kam nach Souvagne der Liebe wegen sein Name war Antonio Desnoyer, sein Sohn Laurent Desnoyer, dessen Sohn Mercer Desnoyer und dessen Sohn Delancy Desnoyer - bekannt als Silvano Giovanni de Mancini unser Urvater, Boldiszars Ehemann. Ledvicco und Souvagner haben sich so einige male gekreuzt Umberto, sogar in der Krone. Damals vor langer Zeit und zu Zeiten von Silvano war es der Duca Tazio di Ledvicco und Prince Gregoire Verrill de Souvagne der Ducachessa wurde. Lange ist es her. Was in unserem Blut singt ist das Bedürfnis auf See zu sein und nur an Land zu gehen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Quasi eins mit dem Meer zu werden, mit dem großen Gewässer. Darum wollte Vano auch in Ledwick seinen Ruhesitz haben, sprich das wollte er schon, bevor er überhaupt wusste, dass dies ein Teil seines Blutes war. Man hatte ihm viel geraubt, ebenso Boldiszar. Ihre Väter hielt man für Verräter weißt Du? Deshalb wurden die Väter samt ihrem Orden getötet. Aber nicht nur das. Sie töteten alle Verwandten, bis auf die Kinder. So starben nicht nur Berzan und Mercer, so starben auch die Großeltern von Vano - es starben Basile und Laurent. Und den Kindern Bellamy, Boldi und Vano nahm man die Erinnerung. Jahre später wurde alles aufgedeckt und die Agenten der Autarkie posthum das heißt nach dem Tode, rehabilitiert. Aber bis es soweit war, dauerte es seine Zeit. Boldi kann Dir das alles bestätigen, es war eine finstere Zeit, die aber im Licht endete. Bis zu dem Tag, wo Vano und Boldis Leben von Tekuro auseinander gerissen wurde. Bis dato hatten sie ein gutes Leben, sicher mit einigen Höhen und Tiefen, so ist das immer. Aber letztendlich saßen sie glücklich als alte Männer vor dem Dhunischen und hatten sich und einen schönen Lebensabend gemeinsam mit Davet. Und dann kam Tekuro. Man könnte sagen, dann kam Tekuro um Boldi zu retten und wenn wir ehrlich sind, über Silvano hat er es dann auch geschafft. Er ist immer noch da, wenn auch anders, als er geplant hat. Ohne sein Eingreifen, so ehrlich muss ich sein, würde ich heute nicht existieren. Boldi und Vano wären gestorben und damit wäre es vorbei gewesen. Kein Biomechanoid, kein Käptn, kein Mantione - nichts", sagte Mantione ernst. Er schwieg einen Moment, wobei der Umberto fest in die Augen schaute. "Der Ruf der Tiefsee, unerforscht unangetastet, dass fühlst Du nicht wahr? Wir werden einmal so tief tauchen, wie es geht um zu sehen was dort ist", sagte Manti zu Umberto, Boldi und zu sich selbst.


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