Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Fäden des Schicksals

An der mediterranen Küste des Dhunischen Ozeans gedeiht Naridien, das reiche und multikulturelle Handelsimperium. Doch die wuchernde Wirtschaft hat ihren Preis. Wer den Fortschritt mehr schätzt als die Tradition, ist hier willkommen.
Naridien
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Vanja von Wigberg
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Re: Fäden des Schicksals

#11

Beitrag von Vanja von Wigberg » Di 28. Mai 2019, 12:20

"Pater Syrell", stellte der Priester sich vor. "Dem Protokoll folgend anzusprechen mit Pater oder Hochwürden, gern auch als hochwürdiger Herr zu titulieren. Aber als Glaubensschwester weißt du dies natürlich, Leylin. Alter Mann ist jedenfalls nicht die geeignete Anrede für einen Priester." Er zwinkerte ihr zu.

Vanja stand vom Stuhl auf und zog sich den schwarzen, wollenen Kapuzenmantel aus, der vom Regen schwer geworden war wie ein Kettenhemd, seinen Träger darunter allerdings trocken gehalten hatte. Unter dem Mantel trug er einen schwarzen Talar, ebenfalls mit Kapuze, aber aus sehr viel leichterem Stoff und natürlich ebenfalls in tiefem Schwarz gehalten. Aufgrund der Schärpe um die Hüfte, die seine natürlichen Konturen unter dem Gewand verriet, sah Leylin nun, dass der Mann weit davon entfernt war, ein klappriger Greis zu sein. Er wirkte kerngesund, vielleicht sogar sportlich. Seine Bewegungen ohne den Pilgerstab schienen leichtfüßig, als er sich erhob. Er hängte den nassen Mantel so an einen freien Haken, dass er keine anderen Stoffe mit seiner Feuchtigkeit verdarb.

"Für das Dach sei dir mein Dank gewiss, ebenso werde ich dich für die Zeit unserer gegenseitigen Gesellschaft in meine Gebete an den Höchsten einschließen. Ob du dich vor mir fürchten solltest, kann ich dir nicht beantworten. Ein jeder Mensch sollte für sich betrachtet werden, weshalb ich mit Pauschalurteilen zurückhaltend bin. Ich habe schon Rakshanern die Beichte abgenommen und die letzte Ölung zuteil werden lassen. Hätte ich mich vor diesen frommen Männern aufgrund der Historie ihres Volkes fürchten sollen, obgleich sie selbst einen redlichen Lebenswandel vollzogen? Umgekehrt kenne ich Geistliche, die der Bezeichnung Priester nicht würdig sind und in ihrer Lasterhaftigkeit den einfachen Sünder noch übertreffen. Solche Menschen sind gefährlich wie Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, die dem arglosen Insekt klebende Verdauungssekrete als köstliche Nektartropfen feilbietet." Er nahm wieder Platz und sah sie neugierig an. "Was ich begehre ist eine interessante Frage. Ich kann sie nicht aus dem Stehgreif beantworten. Was begehrst du, Leylin?"

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Re: Fäden des Schicksals

#12

Beitrag von Leylin » Mi 29. Mai 2019, 19:40


L
eylin ließ es sich nicht entgehen ob der Zurechtweisung des Priesters zu schmunzeln. Sie steckte die letzte Nadel fest und nickte zufrieden, dann erhob sie sich wieder und blickte ihren Gast an. „Hmm… Euer Hochwürden? Ich fürchte das mag mir nicht so leicht von der Zunge gehen.“, sagte die junge Frau, während sie den Priester beim Entkleiden beobachtete. Er selbst hatte schließlich seine Augen kaum von ihr lassen können, hatte sie förmlich mit seinen Blicken entkleidet und sie hatte ihm den Gefallen getan. Wer weiß wann der Priester das letzte Mal eine nackte Frau gesehen hatte? Aber nun war sie an der Reihe und musste erstaunt feststellen, dass Pater Syrell in einem besseren körperlichen Zustand war, als sie angenommen hatte. Leylin musterte den Priester unverhohlen und fragte sich, warum er wohl diese Maskerade aufführte. Hatte er etwas zu verbergen? In ihren großen, blauen Augen blitzte die Neugier auf. „Genau genommen lege ich wenig Wert auf Gebete, mein Glaube ist mir schon vor vielen Jahren abhanden gekommen. Demnach ist die Bezeichnung Glaubensschwester wohl auch nicht ganz gerechtfertigt. Muss ich nun Angst um mein Seelenheil haben, weil ich Euch alter Mann genannt habe?“, fragte die Vampirin und grinste den Pater schelmisch an. Er hatte nicht den Eindruck gemacht als hätte er sich ernsthaft daran gestört, vielleicht war er ja auch nicht gar so spießig, wie man es von einem Mann Gottes erwarten würde. Und wie hatte er selbst soeben erklärt? Es gab Priester, die in ihrer Lasterhaftigkeit den einfachen Sünder noch übertrafen. Vielleicht zählte er selbst ja zu eben jenen?

W
ar es denkbar, dass sie den Sünder in Pater Syrell wecken konnte? Bei dem Gedanken daran, was man alles Verbotenes mit einem Priester anstellen könnte, erwachten ihre zarten Knospen und richteten sich auf. Durch den dünnen Stoff des Nachthemdes waren die Konturen gut erkennbar und kaum zu verbergen. „Ihr wollt mir also nicht verraten, was Ihr begehrt, aber für meine geheimen Wünsche interessiert Ihr Euch?“, stellte Leylin nüchtern fest und schaute den Pater herausfordernd an. Sie legte den Kopf schief und dachte einige Momente nach. Die Wahrheit konnte sie dem Fremden ja wohl kaum auf die Nase binden, also musste sie der Frage geschickt ausweichen. „Ich fürchte, das was ich begehre ist nichts, was ich einem Priester anvertrauen würde. Wenn ich Euch dies erzählte, Ihr würdet mich gewiss übers Knie legen wollen, um mir die schmutzigen Gedanken auszutreiben.“, raunte sie leise und blickte ihm direkt in die Augen. Sie beobachtete ihn ganz genau, achtete auf jede Regung in seinem Gesicht, seine Gesten, seine Reaktion. Dann lachte sie leise und kommentierte: „Nur ein kleiner Scherz…“. Leylin zwinkerte dem Pater zu und wandte sich wieder dem Kleid auf der hölzernen Puppe zu. Beinahe schon zärtlich strich sie den teuren Stoff glatt. Ihr Werk war fast getan, es fehlten nur noch wenige Nähte und es wäre vollbracht. Hätte sie für diese Nacht ihre Pläne nicht bereits geändert, so wäre sie gewiss bis zum Morgengrauen fertig geworden. „Ihr müsst müde und erschöpft sein Pater. Vielleicht solltet Ihr Euch einfach zur Ruhe legen, ich habe ohnehin noch Einiges zu erledigen.“, bot Leylin an und deutete auf das große Himmelbett.

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Vanja von Wigberg
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Re: Fäden des Schicksals

#13

Beitrag von Vanja von Wigberg » Fr 7. Jun 2019, 17:37

Der Pater schaute auf das Bett. "Es ist eine Weile her, seit ich das letzte Mal in einer solch komfortablen Schlafstätte wie dieser die Nacht verbracht habe. Du musst wissen, liebes Kind, meine Kammer im Tempel bietet für die Nacht nur eine schmale und sehr harte Pritsche. Die Gottesdiener sollen es sich dort nicht allzu sehr gemütlich machen, sondern sie zum Schlafen benutzen und für sonst nichts. Ich möchte nicht jammern, die Notwendigkeit einer demütigen und bescheidenen Lebensweise habe ich als Priester natürlich vollumfänglich verinnerlich. Aber man wird nicht jünger und Schmerzen sind der regenerativen Wirkung des Schlafes abträglich. Ich gehöre zudem nicht zu der Sorte Priester, welche eine Kasteiung für notwendig erachtet. Stattdessen glaube ich, dass körperliches Wohlbefinden einhergeht mit der geistigen Leistung sowie der Fähigkeit zur Hingabe. Wie soll man Ainuwar dienen, wenn man am Ende nur damit beschäftigt ist, das eigene Dasein gerade so zu ertragen?" Vanja blickte theatralisch gen Zimmerdecke. "Soll denn jeder einfache Gottesmann das Märtyrertum anstreben? Ist dies nicht anmaßend tatsächlichen Märtyrern gegenüber die für uns litten, bluteten und starben?"

Vanja hörte auf, nach oben zu blicken und wandte den Blick wieder nach unten. Er zog die Stiefel aus und rümpfte die Nase. Nach einer so langen Reise bei Regenwetter erinnerte das aufsteigende Aroma aus seinem Schuhwerk an einen schlecht durchlüfteten Komposthaufen.

"Ich weiß das Angebot, dein Bett zu nutzen, zu würdigen und möchte es voll Dankbarkeit annehmen", sprach er, während er die Stiefel mit leicht angwiderter Miene beiseitestellte. "Wäre es denkbar, dass du mir einen Zuber zur Verfügung stellst, in welchem ich die Kruste der Strapazen und Entbehrungen von meiner Haut zu schrubben vermag? Ich fürchte, deine Matratze muss sonst nach der Benutzung beim Kaminfeuer vorsprechen. Und nein, natürlich musst du nicht um dein Seelenheil fürchten wegen einer kleinen Unhöflichkeit. Ich denke, dann müsste auch ich davon ausgehen, nach meinem Ableben im Abgrund zu landen."

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Re: Fäden des Schicksals

#14

Beitrag von Leylin » So 11. Aug 2019, 09:09


U
nd schon passierte es: Der Pater begann einen inneren Monolog zu führen, nur war dieser viel mehr laut ausgesprochen und die Vampirin langweilte sich bei den Worten beinahe zu Tode. Ihre einstige Erregung verlor sich in der Flut der Worte und hinterließ nur noch einen süßen, fast vergessenen Beigeschmack auf ihrer Zunge. Die Schwarzhaarige stach eine weitere zarte Nadel durch den teuren Stoff und fixierte gewissenhaft den Saum, als plötzlich ein unangenehmer Geruch in ihre empfindliche Nase stach. Sie drehte sich zu ihrem Gast um und rümpfte noch immer leicht die Nase. Dieser ältere Mann stank wie ein nasser Hund und sie musste ihm beipflichten, dass sie ihn so ganz gewiss nicht in ihre feinen Laken kriechen lassen konnte. Ein leises Seufzen kam über die vollen Lippen der Albe. „Die Treppe hinauf im Laden hinter der verzierten Trennwand befindet sich gewissermaßen ein Zuber, doch ist dieser selbstredend nicht gefüllt zu dieser unsäglichen Zeit.“, begann sie zu sprechen. „Unter normalen Umständen kümmern sich meine Angestellten um solcherlei Dinge und ihr müsst mir zugestehen, dass meine zarten Hände zu kostbar sind um damit Eimer für Eimer Wasser vom Brunnen bis hier herein zu schleppen.“, fügte sie hinzu und zuckte mit den schmalen Schultern. Anschließend erhob sie sich und trat einen mit Wasser gefüllten Krug, der nehmen ihrer Waschschale stand. Sie goss großzügig das kühle Nass in die Schale und deutete dann darauf. „Ich fürchte also, Ihr müsst euch mit meiner Waschschale begnügen Pater. Es ist vielleicht nicht dass, wonach es euch gelüstet im diesem Augenblick, aber ich versichere Euch, es ist immer noch viel besser als nichts.“

L
eylin stellte den beinahe leeren Krug wieder neben der Schale ab und blickte in die spiegelnde Wasseroberfläche. Ihr Gesicht war jung und tadellos, ihre letzte Mahlzeit nicht allzu lange Zeit her. Dann schaute sie zurück zu dem Priester. Was würde er nun wohl tun? Sollte er sich tatsächlich vor ihr entkleiden? Gewiss war dies nicht seine Absicht, doch sie würde sich nicht aus ihrem eigenen Gemach vertreiben lassen, so viel war klar. Nun, mit seinen Worten hatte er sie schon überrascht und auch ihre eigene Nacktheit schien ihm nicht gerade unwillkommen gewesen zu sein. Also wer vermochte es schon genau zu sagen? Spielerisch steckte sie einen Finger in das Wasser und ließ das kühle Nass über ihre blasse Haut gleiten. Wie eine kleine, glitzernde Perle rann der Tropfen über ihre Hand, bis sie in letzten Endes zwischen zwei Fingern verrieb. „Ich fürchte, das Wasser ich auch ziemlich kalt.“, sagte sie und schenkte dem Priester ein scheues Lächeln. Noch eine Tatsache, die sie nicht zu ändern vermochte, denn allein der Gedanke daran ein Feuer zu entfachen, schreckte sie ab. Der Priester konnte sich mit dem zufrieden stellen, was sie ihm bereitwillig zu geben bereit war oder er sollte zusehen und verschwinden. Er war gewiss nicht der letzte Mann, der sich in ihr Schlafgemach verirren sollte und nachdem sie die Dämpfe seiner stinkenden Füße wahrgenommen hatte, war auch ihr Appetit auf frisches Blut deutlich gezügelt. Ohne ein weiteres Wort widmete sich Leylin erneut dem teuren Kleid auf dem Holzgestell. Mit geschickten Fingern fädelte sie ein dünnes Garn in die Öse einer Nadel und begann mit geschmeidigen Bewegungen den Saum umzunähen.

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Vanja von Wigberg
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Re: Fäden des Schicksals

#15

Beitrag von Vanja von Wigberg » Fr 23. Aug 2019, 12:55

Sonderlich erquickt ob der Predigt wirkte das junge Fräulein nicht, wenn Vanja sich ihr Gesicht besah. Aber sie wahrte den höflichen Schein und ertrug den Monolog klaglos, was ihm ein Schmunzeln entlockte. Sie war entweder sehr höflich, sehr leidensfähig ... oder es gab etwas, für das zu leiden sich lohnte. Vielleicht hoffte sie auf das, womit sie ihn sacht lockte? Vanja war ein Mann, der die vierzig überschritten hatte und sah die Botschaften der Verheißung, und seien sie auch mit dem Deckmantel der Zufälligkeit verhüllt. Er sah sie und las sie. Mochte sein, dass Leylin nur seine Blicke genoss, gegebenenfalls mochte auch mehr sein. Vielleicht aber war Leylin auch tatsächlich nur eine raffinierte kleine Gaunerin, die mit ihm ihr Spielchen spielte, bis die Gelegenheit günstig war.

"Das Wasser eines Gletscherflusses ist oft erstaunlich warm gegen die Seele eines Menschen. Habt Dank für die Wasserschale, mich schreckt diese Art von Kälte nicht." Dieses Mal war sein Lächeln ehrlich.

Nachdem er sich seines Schuhwerks und der Kopfbedeckung bereits entledigt hatte, folgte nun die schwarze Robe - unter der er eine zweite, dickere Robe zum Wärmen trug. Und darunter - ein langes Untergewand. Eine Unterhose trug der Pater nicht. Damit war er allerdings keine Ausnahmeerscheinung, sondern dieses Kleidungsstück war in Almanien nach wie vor eine Seltenheit und wurde eigentlich nur in Kombination mit einer Hose getragen. Der Pater offenbarte sich als erstaunlich trainiert für den tattrigen Gottesmann, den er soeben noch abgegeben hatte. Schlank und biegsam war er, wie ein Wiesel, dabei von weicher Kontur, man hätte ihn für einen Tänzer halten können und läge damit gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Man sah, dass er sein braunes Körperhaar sonst zu entfernen pflegte, denn nichts als Stoppeln bedeckten seinen Leib. Der Nachteil seiner Nacktheit war, dass der Mann so noch schlimmer stank als bekleidet.

"Wonach es mich gelüstet", wiederholte Vanja gedehnt, während er an die Waschschüssel trat. Seine Hand suchte Seife und Lappen, doch nichts davon war vorhanden, so dass er mit dem bloßen Wasser Vorlieb nehmen musste. Vielleicht wollte sie ihm damit zeigen, dass er als Gast hier eine untergeordnete Rolle spielte. Gut, gut. Damit ließ sich leben, das Hausrecht war ihm nicht fremd. So wusch er sich mit den Händen von Kopf bis Fuß, wobei er nicht zögerte, auch die persönlichsten Regionen in ihrer Gegenwart einer gründlichen Reinigung zu unterziehen.

"Sprecht, schöne Leylin, wo sind denn Eure Mägde und Knechte, von denen Ihr spracht, dass Ihr gezwungen seid, bei Eurer zarten Statur selbst die schweren Eimer zu schleppen? Wenn ich mir die Fingerfertigkeit ansehe, mit der Ihr das Gewand dort näht, erscheint mir diese Vorstellung wie ein Frevel. Diese Taugenichtse gehören vom Hausherren dafür ausgepeitscht, dass Ihr gezwungen wart, die Zartzeit Eurer Hände zu gefährden." Wofür er die besagte Zartheit praktisch gefunden hätte, ließ er in diesem Zusammenhang unerwähnt.

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Re: Fäden des Schicksals

#16

Beitrag von Leylin » So 25. Aug 2019, 10:18


D
as Geräusch herab fallender Kleider erregte die Aufmerksamkeit der Vampirin und sie blickte mit ihren großen, unschuldigen Augen auf. Der Pater stand nun vollkommen nackt neben ihrer Waschschüssel und begann sich gründlich zu waschen. Allein diese Tatsache entlockte Leylin ein kleines Schmunzeln. War es nun an ihm, ihr irgendetwas beweisen zu wollen? Sehr wohl bemerkte die junge Albe, dass es um die körperliche Verfassung des Greises gar nicht so übel bestellt war, wie sie im ersten Augenblick angenommen hatte. Erneut führte diese Erkenntnis sie unweigerlich zu der Frage, was er wohl zu verbergen versuchte. Doch wollte sie ihm nicht die Genugtun gönnen ihn anzustarren wie ein Stück Fleisch und so nähte sie fleißig weiter und blickte nur immer mal wieder willkürlich auf. Ein leises „Autsch…“, kam plötzlich über ihre vollen Lippen, als sie sich vor lauter Unaufmerksamkeit in den Finger gestochen hatte. Eine kostbare, rote Blutperle bildete sich auf ihrer beinahe weißen Haut und Leylin steckte sich den Finger ohne viel darüber nachzudenken kurzerhand in den Mund. Es war das Blut eines blonden Jünglings, das noch durch ihre Adern floss. Er hatte ihr erst viel Freude geschenkt und anschließend ganz hervorragend gemundet. Die Vampirin schloss ihre Augen und schwelgte in der noch immer recht lebendigen Erinnerung an diese Nacht. Erneut war es die Stimme des Priesters, die sie aus den Gedanken riss. Sie blickte zu ihm hinüber, er war selbstredend noch immer nackt, legte den Kopf schief und antwortete dann: „Meine Mägde? Ich nehme an sie schlafen seelenruhig in ihren Betten. Nur weil ihre Herrin gern des nachts arbeitet, verlange ich nicht selbiges von ihnen. Ich persönlich sehe also keinen Grund zur Peitsche zu greifen. Seht Ihr es tatsächlich anders? Seid Ihr ein Mann den es nach Bestrafung gelüstet?“.

R
asch war der Saum fertig gestellt und Leylin erhob sich wieder. Eine leichte Staubschicht hatte sich auf ihre Knie gelegt, auf denen sie soeben noch um das hölzerne Gestell gerutscht war. Verlegen klopfte sie den Dreck von ihrer Haut und blickte dann dem Priester in die Augen. Zugegebener maßen war es nicht leicht, sich nicht von seiner Nacktheit ablenken zu lassen. „Wenn es Euch beliebt hole ich Euch ein neues Gewand. Gewiss lässt sich etwas Einfaches in Eurer Größe oben im Laden finden. Ich kann schließlich kaum verlangen, dass Ihr Euch erneut in dieses hier kleidet, ohne dass es zuvor gewaschen wurde.“, sprach sie mit klarer Stimme und schob den stinken Wäschehaufen mit dem Fuß etwas beiseite. „Ich kann Elisa morgen in der Früh bitten Eure Sachen zu waschen. Gewiss wollt Ihr ja nicht ohne Eure Robe weiter reisen?“, fragte sie ihn, als sie nun unmittelbar vor ihm zum stehen kam. Sie blickte fragend zu ihm auf und wartete auf eine Antwort seinerseits. Der Größenunterschied zwischen dem ungleichen Paar schien zusätzlich ihre anhaltende Jugendlichkeit zu unterstreichen. Leylin sah aus wie eine junge Frau, manch einer mochte sie auch als mädchenhaft bezeichnen und auch wenn der Pater sich für sein Alter gut gehalten hatte, so war er doch deutlich reifer als sie selbst. Eine einzelne Haarsträhne hatte sich aus Leylins Frisur gelöst und kitzelte ihre Wange. Die junge Frau hob die rechte Hand und strich sich das lange, blonde Haar zurück hinter die spitzen Ohren. Dabei huschte ihr Blick kurzerhand weiter nach unten, bevor sie sich selbst wieder unter Kontrolle hatte und schüchtern lächelte.

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Re: Fäden des Schicksals

#17

Beitrag von Vanja von Wigberg » Do 29. Aug 2019, 08:59

Vanja stellte einmal mehr fest, wie sehr sich doch die naridischen von den almanischen Ansichten unterschieden. Einem Dienstherren finstere Gelüste zu attestieren, wenn der die Peitsche schwang, das war schon drollig. Aber woher sollte sie es besser wissen, wenn niemand es ihr erklärte?

"Hier liegt ein Irrtum vor, Leylin", erklärte Vanja freundlich. "Natürlich erwarte ich von meinen Knechten und Mägden, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit für mich arbeiten. Sie sind de jure mein Eigentum. Leibeigenschaft, ihr Leib gehört mir. Meinen Hund frage ich auch nicht, ob es ihm recht ist, dass er zu dieser frühen Stunde mit mir zur Jagd gehen muss. Meine Untertanen haben mir zu dienen, wann und wie es mir beliebt und tun sie es nicht, werden sie die notwendigen Konsequenzen zu spüren bekommen. Im Gegenzug erhalten sie für treue Folgschaft lebenslang Lohn und Brot, ein Dach über dem Kopf und ein sicheres Auskommen. Sind sie krank, finanziere ich als Lehnsherr ihre Behandlung. Ich möchte die Arbeitskraft meines Eigentums schließlich erhalten."

Er lächelte.

"In Naridien verliert Ihr im Krankheitsfall oder bei notorischer Faulheit Eure Arbeit und werdet durch einen anderen Arbeiter ersetzt. Ich bin mir sicher, dass Euch hier nichts und niemand eine Behandlung finanzieren würde, wenn Ihr selbst nicht dafür auskommen könnt. Was geschieht, wenn Ihr aufgrund von Rheuma Eure Finger nicht mehr bewegen und nicht mehr nähen könnt? In Almanien sorgt ein Lehnsherr für Euch. Geben und Nehmen. Naridien lässt Euch verrecken. Helft Ihr Euch selbst nicht, hilft Euch in diesem Land niemand. Warum auch? Wirtschaftlich betrachtet ist es ein Verlustgeschäft. Und Geld ist das, was das naridische System am Laufen hält. Wenn Ihr Glück habt, habt Ihr eine hilfsbereite Familie. Habt Ihr sie nicht, ist Euer Urteil in diesem Land gefällt. Die Freiheit hat ihren Preis, Leylin. Und ist das wirklich so viel schlechter als einem strengen, aber fürsorglichen Herrn zu dienen?"

Leylin indes stand ohne Scheu vor ihm, strich eine Strähne hinter ihr Ohr und schaute ihm zwischen die Beine. Vanjas Lächeln wurde breiter. Entweder waren seine Ausführungen dermaßen langweilig oder der Ausblick zu vielversprechend. Vanja selbst machte keinen Hehl daraus, wie interessant er die ganze Situation fand.

"Es wäre sehr freundlich, wenn Elisa sich morgen, wenn sie ausgeschlafen und gefrühstückt hat, um meine Kleidung kümmern würde. Bis dahin werde ich wohl oder übel nackend bleiben. Aber der Anblick scheint Euch zu meinem Glück nicht zu stören."

Er setzte sich auf das Bett, stopfte sich das Kissen hinter den Rücken und machte es sich bequem.

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Re: Fäden des Schicksals

#18

Beitrag von Leylin » So 1. Sep 2019, 10:15


D
ie Vampirin folgte den Worten den Priesters mit mehr Interesse, als es den Anschein haben mochte. Sie selbst sah zwar jung und unerfahren aus, doch im Grunde wandelte sie schon länger auf Erden als dieser Mann. Es war amüsierend, wie immer wieder Situationen entstanden, in denen jemand versuchte sie zu belehren. Leylin legte den Kopf schief und schürzte die Lippen, bevor sie sprach: „Ich würde meine Mägde nicht als mein Eigentum bezeichnen. Sie arbeiten für mich und ich bezahle sie ausreichend dafür. Sie übernehmen Aufgaben, für die ich nicht geschaffen bin oder für welche ich keine Zeit aufbringen kann. Elisa kümmert sich im Morgengrauen um die häuslichen Aufgaben und bereut tagsüber meinen Laden. Wieso sollte ich sie also mitten in der Nacht wecken, nur weil ich aus lauter Großzügigkeit einem Gast Obdach angeboten habe? Würde es nicht ihre Arbeitskraft schmälern wenn ich sie Tag und Nacht arbeiten lassen würde? Ist es nicht jene Fürsorge, von der Ihr eben gesprochen habt?“. Sie schaute den Pater fragend an und ihre Augen glänzten herausfordernd. Doch sie hatte noch nicht genug und fügte hinzu: „Hinzu kommt, dass ich meine Kunden mit der Abenddämmerung empfange und bevorzugt nachts meine Aufträge abarbeite. Wisst Ihr, so ist das mit der Kreativität. Sie überfällt mich und hält mich fest in ihren Klauen, bis ich meine Arbeit erledigt habe. Unter normalen Umständen dulde ich niemanden um mich herum, der mich ablenken würde…“. Ob der Priester den unterschwelligen Vorwurf heraus hören konnte? Er war wahrlich ein merkwürdiger Mann und doch, so musste sie sich eingestehen, hatte er es erneut geschafft ihr Interesse zu gewinnen.

V
ollkommen nackt machte er es sich in ihrem Bett bequem und schien sich nicht darum zu kümmern, auch nur seine Blöße zu bedecken. Es schien beinah so, als wollte er sie herausfordern. Vielleicht dachte er, er könne sie so zu sich locken, sie nehmen wie eine Dirne. Doch eine Nacht mit ihr, die hatte einen teuren Preis und Leylin glaubte nicht, dass der Pater bereit wäre diesen zu zahlen. Erneut lief ihr das Wasser im Mund zusammen. Sie musste sich ihm nicht hingeben, um ihre Zähne in seine Halsschlagader zu schlagen. Sie konnte ebenso gut warten, bis er in einen tiefen Schlaf gefallen war. Doch erneut stellte sie sich die Frage, wie sie nach dem Festmahl die Leiche aus ihrem Schlafgemach verschwinden lassen sollte. Es war schon fast ein wenig frustrierend und sie begann mit den spitzen Zähnen auf ihrer vollen Unterlippe herum zu kauen. „Wisst Ihr, ich bin Schneiderin, ich habe schon mehr Kunden entkleidet gesehen als Ihr es als Priester für eine junge Frau schicklich finden würdet. Doch nur die wenigsten scheinen mit ihrer Nacktheit so im Reinen zu sein wie Ihr, mein Herr. Noch nie traf ich einen Mann wie Euch…“, sprach sie die Worte aus und hielt dann inne. Was tat sie denn da? Wieso hatte sie begonnen ihn zu umgarnen? Übte der alte Mann tatsächlich solch eine Faszination auf sie aus? Ihre Schmeicheleien würden vergebens sein, nie im Leben würde dieser Priester sich in sie verlieben. Vielleicht konnte sie ihn dazu bringen, sich nach ihr zu verzehren, aber sie wusste nur zu gut, dass dies nicht den selben Effekt haben würde. Unschlüssig, was sie nun tun sollte, blieb sie einfach reglos vor dem Bett stehen. Wenn er sie wirklich besteigen wollte, so müsste er schon mehr tun, als sich einfach nur nackt in ihr Bett zu legen.

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Vanja von Wigberg
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Re: Fäden des Schicksals

#19

Beitrag von Vanja von Wigberg » Mi 11. Sep 2019, 07:24

"Warum sollte ich mich ob meiner Nacktheit schämen?", fragte Vanja freundlich. "Jeder Mensch sieht doch im Wesentlichen gleich aus und vom Durchschnitt meiner Altersgruppe ausgehend, bin ich recht zufrieden, wie ich mich gehalten habe. Zudem wäre es doch ungerecht, wenn ich Euch verwehren würde, was Ihr mir im Zuge selbstloser Gastfreundschaft zuvor an Einblicken gewährtet."

Der Blick des Priesters blieb lüstern auf Leylins Unterlippe hängen, auf der sie nagte. Doch das Wohlbehagen, dass er empfand, schwand von einem Augenblick auf den anderen, als er der Länge der Eckzähne gewahr wurde. Das erklärte, warum das vermeintliche Fräulein einen fremden Mann ohne Furcht in ihre Wohnung ließ, ebenso, warum sie sich vor ihm entblößt gezeigt hatte und warum sie auch jetzt keinen Anstoß an seiner Nacktheit nahm - es erklärte alles. Ohne es zu ahnen, hatte er sich selbst als köstlichen, schon gewaschenen und gepellten Leckerbissen auf ihrem Bett serviert.

Dass es ausgerechnet einem Wigberg passierte, in die Falle eines anderen zu tappen, das war nicht nur peinlich, das war lächerlich. Sein Halbbruder Vendelin hätte dazu einiges zu sagen. Unter anderem würde der alte Hohn über Vanjas Mutter wieder aufflammen. Und wie es aussah, hatte er all die Jahre recht gehabt. Noch in tausend Jahren würden die Wigbergs über Vanja spotten und ihren Kindern erklären, was dabei herauskam, wenn ein Wigberg seinen Samen unbedacht in der Weltgeschichte verteilte - ein Versager wie Vanja von Wigberg. So konnte, so durfte er nicht enden!

"Ich habe Frau und Kinder", erklärte Vanja ruhig. "Hier in Naridien. Ihr wollt hoffentlich nicht die Familie einer Landsfrau unglücklich machen? Bislang erlebte ich Euch als sensible und einfühlsame Gesprächspartnerin." Er blieb so entspannt sitzen, wie er war, auch wenn er sich nicht mehr entspannt fühlte. Hektische Bewegungen würden die Situation nur verschlimmern. Er bereute, die Gelegenheit zur Körperhygiene ergriffen zu haben. Die stinkende Robe wäre vermutlich ein effektiver Schutz gegen die feine Vampirnase gewesen. Leider lag sie nun zusammengeknäuelt auf dem Boden.

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