Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

Nach dem Krieg liegt Ledwick brach, die Cholera wütet. Der verloren geglaubte Thronerbe Tazio kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück und gemeinsam bauen sie das Land wieder auf. Die Hochzeit mit Verrill de Souvagne bringt Hoffnung und Familie, doch der Wunsch nach Vergeltung schwärt stets in Tazios Herz.
Der alte Duca von Ledwick ist vor Dunkelbruch gefallen. Nach dem Krieg liegt Ledwick ohne seinen Großherzog brach und die fünf Counts lassen das Land verkommen. Die Cholera wütet. Als der verloren geglaubte Thronerbe aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, jagt er die Counts in die Wüste und ernennt an ihrer Stelle fünf Marchesi. Eine neue Ära bricht an. Die Hochzeit mit Verrill de Souvagne bringt Hoffnung und Familie, doch etwas fehlt zum vollkommenen Glück, denn der Wunsch nach Vergeltung schwärt stets in Tazios jungem Herz.
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Maximilien Rivenet de Souvagne

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Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#1

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 11. Mai 2019, 00:38

Der Biss des Leone di Marino


Tazio Ferdinando di Ledvicco
Der Leone di Marino, der das Wappen Ledwicks zierte, war ein kluges Raubtier. Eine seiner Jagdtaktiken bestand darin, aus dem Dunkel des Ozeans langsam an die Oberfläche zu steigen und unter einer Eisscholle zu lauern, bis ein argloser Wasservogel sich zu nah an den Rand zu seinem nassen, kalten Reich begab. Die große Robbe schnellte aus der Deckung hervor, packte den Vogel und riss ihn mit sich. Für eine kurze Zeit färbte der Dhunico sich rot, ehe die Strömung alle Spuren der kurzen Schlacht davonspülte. Türkisfarben und kristallklar wogten die Wellen, als wäre nichts geschehen. Der Effektivität dieser Jagdtaktik ging eine lange Vorbereitungszeit und sehr viel Geduld voraus. Vor allem hieß es, sich ruhig und unscheinbar zu verhalten, um die Beute in trügerischer Sicherheit zu wiegen. In der Regel brachte ein einziger Angriff den unausweichlichen Tod.
Tazio, der wie seine Vorfahren nicht von ungefähr im Amt einen Mantel aus dem Fell des Leone di Marino trug, hielt es ganz ähnlich. Er war ein stiller Mann, ein Grübler und dachte sehr lange nach, bevor er handelte. Manch einer glaubte, der junge Duca würde sich gewisser Probleme gar nicht annehmen wollen, da so lange nichts geschah, doch der Schein trügte.
Tazio hatte seinem Schwiegervater nach einer monatelangen Zeit des Nachdenkens eine Einladung geschickt. Sie trafen sich zwar privat, dennoch war das Thema, was er mit Maximilien besprechen wollte, von großer Brisanz. Tazios Idee war in der Lage, die internationalen Strukturen umkrempeln, wenn er sie bis zum bitteren Ende umsetzte. Doch bevor er etwas in die Wege leitete, wollte er die Meinung des Duc de Souvagne dazu hören, denn letztlich betraf sie ganz Almanien.
Nach seiner Ankunft wurde Maximilien mit einem dampfenden Teller warmer Muscheln begrüßt. Auf Wein musste er noch verzichten, was ihn vielleicht ahnen ließ, dass es ein ernstes Gespräch werden würde. Stattdessen kredenzte man einen Saft aus Algen, der dunkelgrün aussah und durch eine Beimengung von Apfelsaft, Limette, Rohrzucker und einigen wenigen Blättern Minze einen angenehm frischen, süß-sauren Geschmack erhielt. Als der Tisch für ihn und seinen Gastgeber gedeckt war, gesellte sich auch Tazio hinzu, der noch zu tun gehabt hatte und daher erst jetzt zur Begrüßung erschien. Er trug ein leichtes, knöchellanges Gewand und weiche Schuhe. Weder die Maske noch andere Staatsinsignien waren heute an ihm zu finden.
»Schwiegervater«, grüßte er Maximilien freundlich, fasste ihm an die Schultern und drückte ihn, ehe er auf die Idee kam, irgendwelche Förmlichkeiten in die Wege zu leiten. »Schön, dass du da bist. Ich hoffe, du hattest eine angenehme Reise.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien erwiderte die Umarmung seines Schwiegersohnes und schmunzelte diesen freundlich an. Im Rang und Würden waren sie sich gleich, was die Familie anging hatte Max einen Sohn dazugewonnen und Tazio erneut einen Vater erhalten. "Danke für die überaus charmante Einladung und Verköstigung. Wo könnte man besser Meeresfrüchte genießen als in Ledwick? Allerhöchstens noch an der Azursee. Dieses seltsame Getränk hat etwas für sich, das fehlen von Wein interpretiere ich richtig, meiner Vermutung nach. Du wünscht nicht nur einen privaten Plausch? Die Reise war wie immer angenehm Tazio, mein Adler macht es sich in Euren Stallungen gerade bequem. Vermutlich wird er genauso gut behandelt wie ich. Setzten wir uns und rede offen. Welches Problem bedrückt Dich?", fragte Maximilien.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Du liegst ganz richtig mit deiner Vermutung. Das Problem, was mich bedrückt, liegt im Westen.« Bei der Härte, die Tazios Blick nun annahm, war klar, dass damit die Person gemeint war und nicht das Land an sich. »Ehveros gibt sich noch immer unschuldig. Von ihm ging es aus, die Ordnung vor den Toren Dunkelbruchs gegen das Chaos zu unterstützen. Ehveros koordinierte diesen Feldzug, Großherzog Roderich und mein Vater ordneten sich vertrauensvoll unter. Bezahlt haben sie, unbefleckt von Blut blieb Ehveros. Während die Hohe Mark völlig im Chaos versank und Ledwick ohne Führung und Militär einer Überschwemmung samt Seuche trotzen musste, saß Felipe von Ehveros zufrieden auf dem Thron seines intakten Landes. Geschah eine Wiedergutmachung an jenen, die unter dem Krieg zu leiden hatten, den er anzettelte? Irgenwelche Gesten der Reue oder Reparationsleistungen? Wie sieht das Ganze für dich aus, Max?« Tazio sah seinen Schwiegervater durchdringend an und war gespannt, ob er zu einem ähnlichen Schluss kommen würde oder ob er das Ganze anders interpretierte. Tazio spießte mehrere Muscheln auf seine Gabel und ließ sie sich schmecken.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien nahm sein Getränk zur Hand, nahm einen Schluck und ließ sich das Gesagte von Tazio durch den Kopf gehen. Er stimmte mit seinem Schwiegersohn überein, vielleicht ging er mit seiner Meinung sogar noch ein Stück weiter. Aber sie beide hatten auch die gleiche Meinung bezüglich der Zwerge oder Farisin. Max schaute Tazio in die Augen, sein Blick war ruhig und hart. Die Härte darin galt aber keineswegs Tazio. "Felipe von Ehveros ist der größte Feind Almaniens, meiner Auffassung nach. Ainwuar weiß, weshalb er diesen Mann ohne männliche Nachkommen ließ und ihn mit dieser missratenen Tochter abstrafte. Jeder Vater kommt an den Punkt, wo er mit seinen Kindern Probleme bekommt. Felipe hingegen hat einen Spiegel vorgehalten bekommen. Das Treffen im Triangle hat uns einmal mehr aufgezeigt, wie verbohrt und vor allem verbittert dieser Mann ist. Tazio alte Männer ohne Kinder sind ohne Zukunft und so verhalten sie sich auch. Ich hatte bereits ganz ähnliche Gedanken wie Du. Meine Gedanken waren dergestalt, dass ich die Beseitigung von Felipe zum Wohle Almaniens anordnen wollten. Allerdings würde ich dies nicht ohne einen festen Plan umsetzen, denn damit würde ich das Land ins Chaos stürzen. Selbst der Kopf einer Schlange ist ein Kopf, Du verstehst? In diesem Fall hätte ich Ehveros erobern müssen, um Almanien Frieden zu bringen. Rekapitulieren wir doch einmal Felipes Taten. Alles was dieser Mann sein Leben lang geleistet hat, war von Selbstsucht und maßloser Gier gezeichnet. Mehr noch, er war dafür sogar bereit sein eigenes Volk wie ganz Almanien zu verraten. Wir hatten ein Bündnis, das Kaisho-Abkommen. Ein Bündnis Tazio, funktioniert auf Gegenseitigkeit. Sollte je der Tag kommen wo Dich eine fremde Nation bedroht, werden Souvagne und Ledwick Seite an Seite stehen und kämpfen. Aber Felipe maßte sich an, im Namen des gesamten Bündnisses einem Krieg beizutreten. Er mobilisierte alle almanischen Heere und das der Goblins und zog gen Dunkelbruch um den Zwergen beizustehen gegen die Rakshaner. Er passierte ungefragt unser Land, unsere Schiffe wurden geraubt. Ist das ein Bündnis? Das ist Hochverrat und darauf antworteten wir entsprechend. Ich antwortete darauf entsprechend, entschuldige in den Dingen denke ich umgehend als Duc. Hat Felipe hinterfragt, weshalb die Rakshaner Dunkelbruch angegriffen haben? Nein! Hintergrund war, dass die Zwerge Alkena überfallen haben um dort große Verwüstung anrichteten. Alkena wandte sich an die Rakshaner. Ergo, die Zwerge haben die Antwort auf einen Angriffskrieg erhalten! Weshalb wurde dieser Krieg vom Kaisho-Abkommen unterstützt? Die Zwerge haben Wind gesät und Sturm geerntet! Wie ich reagiert habe ist bekannt, ich habe dem Bündnis den Rücken gekehrt und die Grenzen geschlossen. Ich selbst habe den Kriegszustand ausrufen müssen - müssen wohlgemerkt gegen die eigenen almanischen Brüder-Länder. Aber Tazio, ich bin meinem Volk verpflichtet und so verhalte ich mich auch. Felipe hingegen fühlt sich nur einer einzigen Person verpflichtet - sich selbst. Selbstsucht und Selbstherrlichkeit hat nichts auf einem Thron verloren. Er herrscht, ich regiere. Das ich bis jetzt noch nicht gehandelt habe liegt daran, dass wir unsere innere Stabilität wieder aufgebaut haben. Wir bekamen Dank des Fürsten von Alkena die Hohe Mark übereignet und diese haben wir in Souvagne eingegliedert. Ferner hat Dreux Landzugewinn für Souvagne gesichert und auch dieses Fleckchen wurde Souvagne eingegliedert. Aber ich stimme mit Dir überein, Felipe hat niemals eine Wiedergutmachung für seine Frevel geleistet. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter Tazio, er hat es auch nicht vor. Hinter vorgehaltener Hand lacht er uns aus und freut sich, dass der Kelch an ihm vorüber ging. All jene deren Kochen in Dunkelbruch in der Wüstensonne verbleichen, interessieren ihn einen Dreck. Einzig und allein was ihn im Moment interessiert, ist das nach seinem Tod der Thron kalt bleiben wird. Aber ich finde, soweit sollte es nicht kommen... wir sollten Felipe vorher kalt machen... à votre santé mein Lieber", sagte Max und hob auf Tazio das Glas.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Alla salute, Max.« Auch Tazio hob sein Glas, sie sahen sich in die Augen und Tazio trank einen Schluck. »Warme Speise, eiskaltes Getränk. Ich mag diesen Kontrast.«, Er stellte das Glas wieder neben den dampfenden Teller. »Wir denken in eine ähnliche Richtung. Als Opfer von Felipes Niedertracht gehe ich so weit, zu behaupten, er hat so wenig Interesse, uns aus der angerichteten Misere zu helfen, dass mir der Gedanke kam, dass diese vielleicht sein eigentliches Ziel war. Was, wenn es gar nicht um Dunkelbruch ging? Wenn es Felipes Absicht war, uns dort scheitern und sterben zu lassen? Der Großherzog von der hohen Mark fiel! Der Duca von Ledvicco fiel! Ich wäre fast gefallen! Was, Maximilien, hätte Ehveros aus dieser Situation alles machen können mit einem fähigen Thronerben, der den Greis tatkräftig unterstützt?«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Das Tazio schmerzt Felipe erst jetzt im Rückblick auf seine Tochter. Vorher hatte er daran kein Interesse. Was Du sagst, entspricht den Tatsachen. Gleich wie es ausgegangen wäre, Felipe wäre auf der Siegerseite gewesen. Entweder als strahlender Retter von Dunkelbruch, oder aber als Eroberer Almaniens. Bringen wir es auf den Punkt, er wollte die Hohe Mark. Er wollte Ledwick. Letztendlich wird er auch Souvagne gewollt haben. Aber mit meiner Reaktion hat er nicht gerechnet, sprich er ging nicht davon aus, dass ich das Bündnis aufkündigen würde. Wäre die Hohe Mark nicht an uns gegangen, hätte er sie eingenommen. Sie war wehrlos. Was war mit Ledwick? Das hätte er ebenso in die Tasche gesteckt, denn auch Ihr lagt am Boden. Verhindert haben das bei der Tagung in Ehveros die Counts - so fair muss man sein. Ich forderte die Hohe Mark tatsächlich nur aus dem Grund, damit sie nicht an Felipe fiel. König Dunkelerz war dafür, die Counts waren dafür und der Fürst waren dafür. Und wären sie dagegen gewesen, hätte Felipe sie trotzdem nicht bekommen. Mein Heer steht, wir sind voll einsatzbereit, mit all unserer Streitmacht, mit allem Tazio. Felipe hätte nicht geahnt, welche Katastrophe er damit entfesselt hätte für sich. Wir führen keine Angriffskriege, aber wir verteidigen uns mit aller Vehemenz. Zur Not auch gegen Felipe. Und zur größten Not auch provisorisch. Das er die Hohe Mark und Ledwick wollte, hat er unumwunden in Ehveros zugegeben. Leider war Dein Land im Nachgang mit den Counts nicht besser dran, denn sie suchten Ihr Heil bei den Zwergen, anstatt bei ihren Nachbarn, sprich den anderen almanischen Völkern. Hinzu kam, dass sie zwar Ledwick in Ehveros vor Felipe verteidigten und uns unterstützten, aber dies auch nur zum Selbstzweck, denn sie wollten sich das Land das ihnen so leichtfertig in den Schoß gefallen war, nicht wieder abnehmen lassen. Sie haben nicht einmal nach einem legitimen Erben gesucht. Ihre vermeintliche Güte war also nichts anderes als verpackte Selbstsucht und Machtgeilheit. Niemand sagt, dass Felipe es nicht auf seine alten Tage noch einmal versucht Tazio. Wir sollten ihm zuvorkommen. Mein Plan wäre, ihn zu einer Abdikation zu Deinen Gunsten aufzufordern. Er soll Dir Ehveros überschreiben. Damit geht es in Ledwick auf, Ledwick vergrößert sich. Stimmt er seiner Abdankung nicht zu, danken wir ihn ab", antwortete Max.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio beugte sich über den Tisch. »Er wollte Almanien unter seiner Krone, und zwar ganz Almanien. Ehveros wollte die Hohe Mark, Ledvicco und auch Souvagne. Das haben wir damals nicht gesehen, doch rückblickend ist es so offensichtlich, dass ich mich frage, wie blind wir waren. Diesen Fehler wieder auszugleichen, wird vermutlich meine gesamte Lebensdauer in Anspruch nehmen. Erst in fünfzig Jahren mag Ledvicco wieder das Land sein, als das man es früher kannte, mit blühendem Seehandel, einer stolzen Flotte und einem Sumpf, der keine modernde Brutanlage für Moskitos ist, sondern Nahrungsgrundlage, Wohnland, Transportweg und Rohstofflager. Unser Norden ist zur Kloake verkommen. Die Marchese haben den Auftrag, vor allem anderen, den Sumpf wieder urbar zu machen und das natürliche Bewässerungssystem zu reparieren. Nur so bekommen wir die Cholera in den Griff und in vielen Bereichen ist sie rückläufig. Wir haben Felipes Sohn hier, Max ... den unerwünschten Bastard. Ließe sich daraus etwas machen oder ist er Felipe auch nach dem Tod seiner Tochter noch vollkommen gleichgültig?«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Ich weiß wer der Mann ist, Toni. Nun die Frage sollten wir ihm selbst stellen. Würde Toni auf dem Thron sitzen, dann wäre er völlig unbedarft. Das heißt Du oder ich müssten ihn anleiten, denn ansonsten regiert irgendjemand durch Toni die Marionette. Warum sollte Felipe auf einmal seine Familienseite entdecken? Tat er das bei seiner Tochter? Nein, er hat das unfähige Mädchen nur auf den Thron gesetzt, um jeder Repressalie zu entgehen. Ricarda saß auf dem Thron und sollte alles wieder richten, er wusch seine Hände in Unschuld. Aber seine Tochter war auf den Thron nicht vorbereitet und gelinde gesagt hatte die Frau auch keinerlei Ambitionen dazu. Sie schlenderte lieber durch den Wald und gab sich ihrem privaten Vergnügen hin. Natürlich hat die auch jeder Großherzog von uns, neben den Regierungsgeschäften. Ein Land regiert sich nicht von selbst. Treue und Loyalität gegen Schutz und Schirm. Schutz? Schirm? Wo war sie für ihre Untertanen da? Bis auf ein rauschendes Fest für den ausländischen Adel hat Ricarda nichts geleistet. Sie hatte nicht einmal Interesse daran ihre Blutlinie fortzuführen. Für mich war dieses Mädchen genau das, ein unreifes Mädchen, dass die Pubertät noch nicht überwunden hatte. Sie spielte gerne im Wald, rannte mit dem Flitzebogen herum und hatte so manche niedliche infantil-gute Idee, aber sie war weder eine Frau, geschweige denn eine Großherzogin, von einer Regentin ganz zu schweigen. Also Tazio, was möchtest Du? Möchtest Du das wir Ehveros Ledwick angliedern oder möchtest Du das Toni Regent von Ehveros wird? Die Frage ist dann, ob er dies kann. Aber das könnten wir klären", sagte Max.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Was ich möchte, ist mit einem Wort zu beantworten: Gerechtigkeit. Und da wir sie nicht von allein bekommen, werden wir sie uns nehmen. Felipe von Ehveros ist ein Verräter und Massenmörder, das ist er! Was seinesgleichen erwartet, wird sich in unseren beiden Ländern nicht sehr unterscheiden. Felipe den Fuchs, nannte man ihn. Schakal wäre der ehrlichere Titel. Ich beanspruche seinen Kopf, im Namen meines Vaters, im Namen meiner gefallenen Soldaten, im Namen aller Almanen, die unter ihm leiden mussten!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Auf Hochverrat steht der Tod Tazio, jedenfalls in Souvagne. Verrätern ist nicht zu trauen, sie haben jede Lebensberechtigung verwirkt. Felipe war seine gesamte Amtszeit über so gestrickt. Mein Vater kannte ihn nicht anders. Was immer er damit kompensieren wollte, mir ist es gleich. Das was er angerichtet hat, das ist entscheidend. Gerechtigkeit? Gericht und gerecht sollten stets Hand in Hand gehen. Gerechtigkeit zu fordern ist das eine Tazio, aber wie möchtest Du die Gerechtigkeit umsetzen?", fragte Max.
Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Das ist, was ich mit dir besprechen möchte. Ich werde dir meine Gedanken dazu schildern und anschließend würde ich gern die deinen hören. Der Orden des Stählernen Lotos wurde eins von unseren beiden Ländern ins Leben gesetzt, um im Verborgenen für die Sicherheit der Krone zu sorgen. Doch lassen sich die Antimagier des Ordens auch anders einsetzen. Felipe von Ehveros ist alt, er könnte friedlich entschlafen. Und sein Sohn ist leicht gefügig zu stimmen, er hat niemanden, der hinter ihm steht. Er kann hundert mal der rechtmäßige Thronerbe sein, was nützt ihm das ohne ein Heer, das seinem Anspruch auch Nachdruck verleiht? Antoine, der eigentlich Antonio von Ehveros heißt, sollte das Land mit ein wenig Hilfe unsererseits an Ledvicco überantworten.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Nun bevor Du Dein Volk per Heer zum Gehorsam bemühen musst Tazio, sollte es schon von sich aus gehorchen. Du kommst Deiner Aufgabe nach und Deine Untertanen kommen ihren Aufgaben nach. Im schlimmsten Fall, sollte es zu Unordnung und Unruhe kommen, dann muss man das Militär bemühen, aber soweit sollte man es nicht kommen lassen. Für Deine Leute solltest Du immer ein offenes Ohr haben und ein offenes Herz. Spinner, die mit allem generell unzufrieden sind, findest Du überall. Aber jene ausfindig zu machen, ist ebenso Aufgabe der Ordnungsorgane, wie bei uns die entsprechenden Orden und Büttel. Das ist ein anderes Thema. Gut wir könnten Felipe schlafen schicken und Toni übereignet Dir Ehveros. Ebenso könnten wir Toni hiervon überzeugen, das er gar nich das Amt antritt. Dann müsste Felipe abtreten und dann entschlafen, aber das wäre zu auffällig. Also korrekte Vorgehensweise Felipe schließt für immer die Augen, Toni übernimmt den Thron und Toni überreicht Dir den Thron durch Abdikation. Wie möchtest Du Toni dafür entschädigen? Und wie schwebt Dir vor, den Lotos einzusetzen? Sie sind eine gute Wahl. Einen der Lotosse, genauer gesagt der Lotos Vendelin hat bei uns noch eine Schuld offen. Er unterstützte meine Mutter, Du weißt wobei", gab Max zu bedenken.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Das Heer im eigenen Land musste ich Ainuwar sei dank noch nie einsetzen, aber du verstehst, was ich damit ausdrücken wollte: Dass Antoine absolut keine Ahnung hat, wie er sich Gehör verschaffen soll. Der Hochadel wird Pingpong mit ihm spielen und bestenfalls endet er als Strohmann, schlechtestenfalls unter der Erde. Wie man Antoine entschädigen könnte dafür, dass man ihm das Leben und die Würde rettet, habe ich mir noch nicht überlegt. Ein symbolisches Amt, wo er mit seinem Unwissen keinen Schaden anrichten kann, eine Scholle? Der Lotos sollte sich selbst überlegen, wie er an Ehveros herankommt, ich denke, er kann das gut alleine planen, oder hast du einen Vorschlag? Vendelin, der Name ist mir bekannt. Er hat also die Wahl, Block oder Reinigung des Throns? Eine noch risikoreichere Aufgabe kann man einem Lotos wohl kaum überantworten.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Eine Scholle ist ebenfalls ein Land das man verwalten muss. Aber natürlich im wesentlich kleineren Rahmen. Fair wäre zum Beispiel eine Scholle und eine dazugehörige Apanage. Du sagtest er ist hier, bitten wir ihn dazu. Allein würde ich die Planung einem Lotos nicht überlassen und schon gar nicht diesem Lotos. Er unterstützte meine Mutter bei einem Hochverrat. Am Ende sind wir es die gestürzt werden, da Felipe ein besseres Gegenangebot gemacht hat. Nein, wir senden Vendelin mit klarer Aufgabe und wir senden jemanden hinterher der genau das im Auge behält. Einen Dolch aus der Dunkelheit. Versagt er, betrügt er uns, wird Vendelin seinen eigenen Auftrag nicht überleben. Besteht er und bleibt treu und loyal, ist seine Schuld getilgt. Bitte Toni zu uns", bat Maximilien.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio blickte seinen Leibdiener an. »Vianello, bring Antoine zu uns. Er ist im kleinen Gästezimmer zu finden, wo er mit seinem Begleiter eine Erfrischung genießt.«

Vianello Leonardo
Vianello machte sich sofort auf den Weg und schloss leise hinter sich die Tür. Dann eilte er los zum Gästezimmer. Keiner im Palast stellte ihm eine Frage oder wunderte sich über den eiligen Schritt. Den Leibdiener des Duca hielt man nicht auf, eine ungeschriebene Regel, die in allen Höfen galt. Vianello klopfte und betrat das Gästezimmer. "Signor Antonio? Folgt mir bitte, Ihr werdet gemeinsam mit Eurem Gefährten von seiner Majestät Ducca di Ledvicco und seine Majestät Duc de Souvagne erwartet", sagte Vianello. Er wartete ab bis sich die beiden erhoben hatten und führte sie umgehend zu seinem Herren. "Eure Majestät, Antonio samt seinem Begleiter", verkündete Vianello und schloss hinter den beiden Gästen umgehend die Tür.

Antoine
Antoine blickte zu Boden und klammerte sich am Ärmel des Büttels Gilbert fest, so als ob dieser ihn vor den beiden Staatsoberhäuptern beschützen könnte. Einer seiner nackten und schmutzigen Füße stand auf dem anderen und knetete ihn mit den Zehen. Er verstand nicht, warum sich diese Männer der Macht mit ihm befassten. Wohl wegen seiner vergangenen Untaten, all der Diebstähle, der entwendeten Kristallrose und nicht zuletzt der Entstellung, die er Coutilier Boldiszàr zugefügt hatte. Natürlich, Boldiszàr war geadelt worden, er hatte das Antlitz eines Chevalier verstümmelt. Jeder wusste, wie nahe Boldiszàr Prince Ciel stand. »Es tut mir leid«, sprach Antoine leise.

Gilbert Jardine
Gilbert verneigte sich vor den beiden Regenten und zog Toni mit sich, so dass er sich ebenfalls verbeugte. "Eure Hoheiten", sagte Gilbert ergeben, da er nicht wusste, was er sonst anderes sagen sollte. Er wollte einfach abwarten, weshalb man Toni herbeordert hatte. Er hoffte nicht, dass seine Taten derart gigantische Kreise gezogen hatten. Insgeheim fragte sich Gil, was Toni hier gestohlen hatte. Seine Augen zuckten kurz zu seinem Kumpel und seine Hand schloss sich fester um die von Toni.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Manieren hatte Tazio bei dem ehemaligen Obdachlosen ohnehin nicht erwartet, er sah darüber hinweg. Auch, dass die Füße zwar grob gewaschen worden waren, aber bei dem Anblick der rissigen Hornhaut und der langen Nägel hätte er sich dann doch lieber gewünscht, dass ihm jemand Schuhe überzöge. »Vianello, bring unsere Gästen jeweils einen Stuhl.« Er wies auf eine benachbarte Sitzgruppe, wo mehrere überzählige Stühle standen. »Ich nehme nicht, an, dass Ihr wisst, warum Ihr hier seid, Prinz Antoino von Ehveros«, sprach Tazio höflich. Der Mann sah zwar aus wie ein Penner, aber nichtsdestotrotz war er von edelstem Geblüt. Er warf Maximilien einen Blick zu, ob dieser etwas sagen mochte.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Während Vianello zwei Stühle herbeitrug und für Toni und Gilbert bereitstellte, schaute Gil total verdattert bei dem Namen von Toni. Maximilien deutete beiden an sich zu setzen. Als sie Platz genommen hatten, ergriff der Duc das Wort. "Wir kennen uns schon eine Weile persönlich Toni, oder wie wir herausgefunden haben Prinz Antonio von Ehveros. Du bist ein Nachfahre von Felipe von Ehveros und hast somit Anspruch auf dessen Thron, sobald der Großherzog verstirbt. Du hast mitbekommen, dass ein Krieg vor Souvagnes Mauern getobt hat. Schuld an dem Krieg Toni war der Großherzog Felipe von Ehveros. Er brach das almanische Bündnis, welches als Kaisho Abkommen bekannt war. Durch diesen Bruch stürzte er unser Land fast in einen Krieg, der nicht der unsere war. Die Hohe Mark, Ledwick und sein eigenes Land hingegen stürzte er in einen Krieg. Gelitten haben die Hohe Mark und Ledwick. Wie es für die Hohe Mark kam, weißt Du sicher - sie wurde Teil von Souvagne. Ledwick wurde von den Counts stellvertretend regiert und Tazio gelang es in seine Heimat zurückzukehren. Das alles ist der Vorlauf dessen worum es nun gehen wird. Keiner von uns beiden, möchte Dir den Thron streitig machen Toni. Aber Du bist nicht in der Lage ein Land zu regieren. Du wärst auf dem Thron die Marionette eines Adligen, vielleicht auch von jemand anderem. Felipe ist der Feind aller Almanen Toni, sogar der seines eigenen Volkes. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Gefahr für Almanien ein für alle male zu beseitigen. Ist Felipe von uns gegangen würdest Du den Thron besteigen. Wir wünschen uns, dass Du auf genau diesen Thron dann verzichtest und ihn Ducca Tazio di Ledvicco übereignest, damit Almanien aus zwei Länder besteht - Souvagne und Ledwick. Uns beiden liegt Almanien am Herzen, ich hoffe das ist Dir bewusst. Wir möchten Dich nicht übervorteilen. Als Entschädigung würdest Du eine Scholle bekommen, die Du regierst. Eine kleine Regierung, die Du mit Unterstützung leisten könntest. Zuzüglich einer Apanage, das ist eine Geldleistung damit Du standesgerecht leben kannst. Überlege bitte, dann antworte. Falls Du Fragen hast, frage mich was immer Du mich fragen möchtest. Eines allerdings noch - überlege Dir einmal, warum Du gelebt hast wo Du lebst und nicht am Hofe von Ehveros Toni", sagte Max freundlich.

Antoine
Antoine starrte sprachlos vor sich hin. Das alles konnte nur ein Scherz sein, anders konnte er sich das nicht erklären. Oder ein grauenvoller Irrtum. Wobei, grauenvoll? Wenn er Geld geschenkt bekam? »Was heißt standesgemäß, Majestät?«, wagte er zu fragen. Seine Hand hielt immer noch die von Gilbert umklammert. »Mit einem eigenen Haus?« Er überlegte, ob er die nächste Frage wirklich stellen sollte. Am Ende machte er alles, was man ihm versprach, wieder zunichte. »Warum lebe ich nicht am Hof von Ehveros? Und woher wisst Ihr das alles? Ich möchte nicht unverschämt sein. Vergesst die Frage am besten einfach wieder. Ich bin dankbar für die erwiesene Gnade und mag meine Arbeit nicht wieder verlieren.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Standesgemäß als Nichtregent ist die Apanage eines Prinzen, also ja natürlich hättest Du ein eigenes Haus, eine Burg. Geld wäre keine Deiner Sorgen. Das wissen wir von einem Ordensmitglied das uns auch über andere sehr wichtige Dinge informierte. Die Fakten entsprechen der Wahrheit, habe ich Dich je belogen? Deine Arbeit wärst Du wieder los, aber auf Deiner Scholle leitest Du Deine Büttel, also bist Du dort der Oberbüttel, wenn man den Lehnsherr so beschreiben möchte. Nein jede Frage ist legitim, also erlaubt. Woher sollst Du so etwas wissen, wenn es Dir niemand sagt Toni? Ich selbst weiß noch nicht lange davon. Dennoch müssen wir wissen, ob Du bereit wärst auf den Thron zu verzichten. Ist Ehveros an Ledwick übereignet worden durch Dich, ist das ein unumstößlicher Fakt Toni. Du kannst Dich dann nicht mehr umentscheiden. Tazio muss planen können und wir planen dahingehend, dass es keinen Krieg mehr in Almanien gibt. Vielleicht bedroht uns irgendwann einmal irgendwer von außen, aber dem werden wir mit aller Härte begegnen. Innerlich sollten wir freundschaftlich und brüderlich geeint sein. Souvagne und Ledwick sind sogar mehr, wir sind durch Verwandtschaft verbunden Toni", sagte Max.

Antoine
Antoines Finger zerdrückten fast die Hand von Gilbert. Er zitterte. »Darf ich, falls es nicht stört ... kurz Gilbert fragen?«, fragte er mit erstickter Stimme.

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Natürlich, so eine Entscheidung bricht man nicht übers Knie. Und selbst wenn Du ablehnst, dann müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Nur überlege gut und weise, anderes kann ich Dir nicht raten. Sei ehrlich zu Dir selbst, was kannst Du und was bist Du im Stande zu leisten? In dem Moment wo Du den Thron besteigst, gehören alle Leben in Ehveros Dir Toni. Denn genau darum geht es", antwortete Max schlicht.

Antoine
Antoine nickte rasch, stand auf und zog Gilbert an der Hand mit nach draußen vor die Tür. Dort starrte er nach oben, alles war so groß, so ordentlich und schön, viel zu gut für ihn, Penner-Toni. Konnte das denn wahr sein? Nein, das konnte es nicht! Er fiel Gilbert um den Hals und wurde von Schluchzern geschüttelt. »Was mache ich jetzt?«, jammerte er. »Die verarschen mich! Ich habe Angst, wenn ich was Falsches sage! Sie werden mich köpfen wegen dieser Diamantrose und wegen Boldis Narbe. Hilf mir, Gil, bitte hilf mir!«

Gilbert Jardine
Gilbert umarmte Toni und hielt ihn ganz fest an sich gedrückt. "Toni, der Duc hat Dir damals das Leben geschenkt und ich sollte Dich ausbilden. Hat er Dich je belogen? Hat er jemals einem von uns geschadet, wenn er es nicht musste? Niemals Toni. So wahnsinnig das auch klingt, es muss wahr sein, wenn der Duc Dir das erklärt. Es geht hier nicht um die Rose oder Boldis Narbe, es geht um Dich und das Du in Wahrheit ein Prince bist und zwar der von Ehveros. Sie wollen Dir sagen, dass Felipe bald umzieht. Dann besteigst Du den Thron. Und sie wünschen sich, dass Du den Thron dann an Tazio verschenkst. Damit Almanien zwei Länder werden. Eines ist Souvagne, eines ist Ledwick. Möchtest Du den Thron behalten, dann bleiben es drei Länder. Dann musst Du dieses Land regieren. Und sie befürchten, dass Du das überhaupt nicht kannst und andere Dich benutzen würden. Darum sollst Du es Tazio übergeben. Also dem Ducca. Ich würde dem Duc vertrauen, so wie Du ihm damals vertraut hast. Ich würde ihm generell immer vertrauen Toni, da er unser Duc ist. Er stand Dir bei und er stand uns bei. Er hat Dich sogar freigegeben und Dich auswandern lassen. Erinnere Dich einmal. Wir haben doch noch überlegt, wohin wir ziehen sollen, wegen Tekuro und den anderen rund um Boldi. Ein Land regieren, also wäre ich in Deiner Lage ich würde es den beiden überreichen. Erstens kann ich kein Land regieren, ich führe nicht mal eine Dienstgruppe oder eine Wache! Wie da ein Land? Ich habe davon keine Ahnung und ich möchte nicht, dass wegen mir ein Land völlig abrutscht. Ich bin Büttel, weil ich für die Leute da sein möchte. Deshalb fangen wir Verbrecher und knüpfen sie auf. Du kannst nicht einmal lesen und schreiben Toni. Die Adligen würden Dir das Leben zum Abgrund machen, so müssten sie sich einfach einem neuen Großherzog fügen. Tazio kann die Schollen übernehmen. Die Hohe Mark war leergefegt, das musste unser Duc alles neu hochziehen mit eigenen Leuten. Stell Dir doch die Antwort vor, Du bekommst eine Burg und ein kleines Stück Land. Daran können wir uns versuchen und Du bekommst Geld fürs Nichtstun, weil Du ein Prince bist oder warst dann. Du musst nie wieder arbeiten, nie wieder wird Dich jemand bedrohen und Du hast Deine eigenen Büttel. Alles im Kleinen, statt ein Land. Also ich hätte das selbst für einen Hof mit Vieh gemacht und einer kleinen Ecke nur für mich. Eben mit einem richtigen Zuhause weißt Du? Da wo ich mal etwas mehr Platz hätte als nur ein Zimmer, aber all das hast Du. Warum denn den großen Ärger auf Dich laden? Das sind wir doch gar nicht, das bist Du auch nicht Toni", erklärte Gil und dachte angestrengt nach. "Das heißt, wenn Du mich dann bei Dir wohnen lässt und sich dann unsere Wege nicht trennen, jetzt wo Du dann Geld hast...".

Antoine
»Natürlich nehme ich dich mit! Das heißt, wenn sie mich lassen. Ich weiß was, das sage ich denen als Bedingung.« Er gab Gilbert frei, nahm ihn dann aber gleich wieder an der Hand. Allein hatte er zu große Angst, doch Gilbert hatte sich stets um ihn gesorgt und ihn schon in so manch schwieriger Situation beschützt. So nahm er ihn mit hinein und setzte sich wieder. »Wir haben nachgedacht«, sagte er so tapfer, wie er konnte. »Ich schenke euch Ehveros, aber nur, wenn Gil bei mir wohnen darf und meine Freunde von der Straße. Sonst mach ich gar nichts, auch nicht, wenn ihr mir den Kopf abhackt!«

Gilbert Jardine
Gilbert musste ein blödes Grinsen unterdrücken, wie fest Toni zu ihm hielt und für ihn sprach rührte ihn sehr. Nur dass er anbot, sich sonst den Kopf abhacken zu lassen, beunruhigte Gil und er wischte sich mit dem Handrücken über die plötzlich ziemlich schweißnasse Stirn.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien schmunzelte Toni an. "Wir hacken Dir nicht den Kopf ab, wieso sollten wir das tun? Wir reden und verhandeln mit Dir. Du kannst in Deiner Burg und auf Deiner Scholle leben lassen wen Du möchtest. Da Ehveros in dem Falle an Ledwick ginge, gebe ich Gilbert und jene frei Du Du mitnehmen möchtest. Ab dato wärst Du, Gil und all die anderen Ledwicker. Somit ist jedes Problem behoben Toni", antwortete Maximilien freundlich. Er verstand die Sorge von Toni, er hatte ein Leben lang ein Leben voller Entbehrungen geführt und wollte das bisschen, was er sich zusammengekratzt hatte nicht verlieren. Es zeigte aber auch, in welchen schlichten Bahnen Toni dachte. Er war eine gute Seele, die sich durchgeschlagen hatte, jemanden den man an die Hand nehmen musste, so wie er gerade die Hand von Gilbert zum Schutz hielt. Er war keine Person, die ein Land regieren konnte. Er konnte nicht einmal für sich selbst sorgen. Vielleicht wäre dies alles anders gelaufen, hätte man Toni entsprechend angeleitet und ausgebildet. Ganz sicher sogar. Im Kleinen konnte man dies nachholen, im Großen nicht. Nicht umsonst wurden die Söhne von Großherzogen im Grunde seit dem Tag ihrer Geburt auf das Amt vorbereitet, vor allem die Erstgeborenen. Er selbst hatte für sein Amt mehr lernen müssen, als er es sich bei all seinem jungen Wissen hatte träumen lassen. Und sein Vater hatte ihn gut ausbilden lassen, dennoch nicht gut genug als Zweitgeborenen. Max hielt es anders, er ließ all seinen Söhnen die gleiche Ausbildung zu Teil werden. Aber das nützte Toni nichts. In seinem Alter musste er bei Stand Null anfangen und vermutlich sogar noch davor, denn er konnte gewiss nicht lesen und schreiben. Und von den einfachsten Dingen am Hofe, hatte er keine Ahnung. Toni dieses Amt zu überlassen, würde in einer Katastrophe enden. Und zuerst würde genau jene Katastrophe über Toni selbst hereinbrechen, dies war nicht nur unverantwortlich, dies wäre auch wider alle dem, was Max sich für Toni wünschte.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio gestattete sich ein aufmunterndes Lächeln für den Gossen-Prinz. Er mochte den Kerl. Antoine, oder Antonio, wie er wirklich hieß, tat ihm leid in seiner Unbedarftheit und der Einfachheit seines Denkens und seiner Wünsche. Ein Dach über dem Kopf und seinen Freund an der Seite, dafür verzichtete er auf die Ehre und Bürde der Krone. Er verzichtete auf sein ganzes Land! Das würde wohl den wenigsten Adligen einfallen, aber es zeigte auch, welchen Unterschied eine standesgemäße Erziehung machte. Mit dem Blut in den Adern hatte das nach Tazios Auffassung weniger zu tun, als manch einer glaubte. »Ihr könnt unbesorgt sein, Antonio«, sprach er ruhig. »Wir beraten Euch, so lange ihr Prinz von Ehveros seid und wenn Ihr wünscht, übernehmen wir auch für dies und das die Verantwortung, aber wir werden nichts, was Euch oder Euer Land betrifft, über Euren Kopf hinweg entscheiden. Wir gehen es langsam an und überstürzen nichts. Verdaut diese Botschaft erst einmal. Betrachtet Euch als Gast, Ihr dürft bleiben, so lange Ihr wünscht, das gilt natürlich auch für Euren Begleiter. Es wird Euch hier an nichts mangeln. Nach der Abdikation helfen wir Euch, Eure eigene Scholle auch eigenmächtig zu verwalten. Wir stellen Euch fähige Berater zur Seite, bei deren Auswahl Ihr ein Wörtchen mitzureden habt. Ich habe für Euch und Euren Begleiter einen Diener abstellen lassen, der Euch in Euer Gemach führen wird. Wie Ihr die kommende Zeit verbringen möchtet, liegt ganz bei Euch, Iacopo wird Euch gern Empfehlungen machen und Euch über die Annehmlichkeiten informieren, die unser schönes Land zu bieten hat. Wenn ich einen Rat geben darf, besucht einmal die Thermalquellen, Sinterterrassen und Kristallpilze von Riva Verde, unserem beliebtesten Erholungsort.« Er gab Vianello ein Zeichen, dass er Iacopo holen durfte.
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Re: Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#2

Beitrag von Gregoire Verrill de Souvagne » So 19. Mai 2019, 22:12

Lauries Herkunft


Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill fühlte sich schon etwas besser, die Bettruhe hatte ihr gut getan. Aber nun fiel ihr langsam die Decke auf den Kopf. Ein Leben lang hatte sie gelesen, nun konnte sie zum ersten Mal keine Bücher mehr sehen. Die Sonne schien in Ihr Fenster und versprach einen milden, lauen Frühlingstag. Ihre Lebensgeister erwachten wieder, vor allem bei der Vorstellung wie wundervoll der Garten und das Meer vor ihrem Palast aussehen musste. Sie war Ducachessa von Ledwick und hatte den Großteil bis jetzt im Bett verbracht. Grund hierfür war die Geburt von Laurie, wobei Laurie nicht geboren worden war. Sie war auf die Welt geholt worden, mit einem scharfen Schnitt. Ein Schnitt der Laurie und Verrill das Leben gerettet hatte. Sie rollte sich aus dem Bett und hielt sich einen Moment noch an dem Gestell fest, bis sich ihr Kreislauf an die Umstellung gewöhnt hatte. Dantoine hatte sie zeitgleich untergehakt und tadelnd angeschaut, sich aber jeden Kommentar verkniffen. Chiara ihre Zofe schaute ebenso erschrocken. "Es geht schon, ich möchte meinen Mann besuchen. Reiche mir Laurie Chiara", sagte Verrill etwas blass um die Nase, aber ansonsten ging es ihr erstaunlich gut. "Euer Gemahl ist gerade in einer Besprechung mit Eurem Vater Herrin", sagte Chiara und reichte ihr behutsam das kleine Baby. "Dann werde ich auf seiner Terrasse auf ihn warten. Dantoine, Chiara ich gehe allein. Ich möchte etwas frische Luft schnappen und werde es mir dort gut gehen lassen. Ich rufe Euch, sobald ich etwas benötige. Solange habt Ihr frei", erklärte Verrill freundlich. Gemeinsam mit Laurie machte sie sich auf den Weg zu Tazios und ihrem Gemach, sie würde auf der Ledwickschaukel auf ihren Mann warten. Gut gelaunt schritt sie durch die prächtigen Flure, die zu ihren Glanzzeiten wahrhaft prunkvoll gewesen sein mussten. Aber der alte Glanz würde genauso zurückkehren, so wie der Duca zurückgekehrt war, das versprach Verrill stillschweigend dem Palast, ihrem Mann und der kleinen Laurie. Kaum dass sie auf der Terrasse war, hielt Verrill das Gesicht in die Sonne und freute sich Frischluft zu atmen. Sie schlenderte zur Schaukel und schaute schmunzelnd ihren Mann an. "Du bist ja hier Schatz! Chiara sagte, Du wärst in einer Besprechung mit meinem Vater", erklärte Verrill und setzte sich vorsichtig neben Tazio. "Laurie das ist Tazio, Tazio das ist Laurie", grinste Verrill.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio rutschte zur Seite, so dass seine Gemahlin es sich neben ihm gemütlich machen konnte. Diese Ledwickschaukel war so groß wie ein Ehebett, war komplett aus Holz und hatte auf der Rückseite und an den Seiten eine Lehne. Eine Matratze und zahllose Kissen an der Rückseite machten es hier sehr gemütlich. An vergoldeten Ketten aufgehängt schwang die Schaukel sanft unter dem massiven Rankgitter, das von Weinpflanzen begrünt wurde. Die Trauben waren noch winzig und grün, aber in einigen Monden würde man hier beim Schaukeln naschen können. Für die beiden Eheleute und das Kind war dies zur warmen Jahreszeit ein gemütlicher Platz und sie passten gemeinsam hier hin. Tazio hieß beide mit einem Lächeln willkommen, legte das Lesebändchen ins Buch und legte es beiseite. »Na ihr beiden? Ihr seht glücklich aus und du nicht mehr ganz so blass, Verrill. Hast du dich ein wenig erholen können oder lässt Laurie dir keinen Schlaf? Ich komme tatsächlich gerade von einem Gespräch mit Maximilien, aber die Informationen müssen erst einmal setzen. Es ging um die Zukunft von Ehveros.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill machte es sich neben Tazio gemütlich und schmiegte sich an. "Du kannst mir gerne von Deinen Gedanken berichten, dafür bin ich da Taz. Ja mir geht es besser und Du wirst es kaum glauben, heute könnte ich keine Bücher mehr sehen. Ich musste raus, früher wäre mir nie so ein Gedanke gekommen. Zudem habe ich Dir ebenfalls etwas zu sagen, über Laurie. Ich glaube ich fange als Erste damit an. Du sollst wissen woran Du bist Schatz. Von Laurie ist nicht Linhard der Vater, sondern Ciel Felicien. Lange habe ich geschwiegen und es geheim gehalten, aber schau sie Dir an. Du siehst, dass sie nicht von Linhard ist. Sie ist so blond wie Ihr Vater. Sie wurde zu einer Zeit gezeugt die ein Umbruch war. Ich war frisch mit Linhard zusammen, zeitgleich offenbarte mir Ciel was er empfand und wir kamen uns ebenfalls näher und zwar so nah, dass Laurie entstand. Ciel war eifersüchtig auf Linhard, Lin war wütend auf Ciel und so beschloss ich zu schweigen um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Dass sich die beiden einmal so gut verstehen würden, damit habe ich nicht gerechnet. Keiner hat das vermutlich, aber es freut mich umso mehr, dass es so gekommen ist. Linhard kennt die Wahrheit, Ciel ebenso. Und da wir es zu Dritt versuchen wollen, bin ich Dir genau wie Lin die Wahrheit schuldig. Also Laurie ist durch und durch eine de Souvagne. Nun stehen die Sachen anders Taz, als ich hierher zog und Deine Ducachessa wurde, war mir klar dass wir zusammengehören. Wir beide oder wir drei. Ich hoffe Du magst Laurie dennoch. Worüber habt Ihr denn bezüglich Ehveros gesprochen? Vaters Meinung über Felipe ist nicht die Beste, um es mal schmeichelhaft auszudrücken", erklärte Verrill und machte es sich bei Tazio bequem.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio betrachtete das winzige rosafarbene Gesicht des Kindes, das zufrieden in seine Decke eingewickelt im Arm seiner Mutter schlummerte. Die beiden Händchen schauten neben den Wangen heraus und bewegten sich manchmal. »Sie ist wundervoll, ganz gleich, wer der Vater ist. Dass ich es nicht sein würde, war schließlich von Anfang an klar und ich habe dich samt deinem ungeborenen Kind in Ledvicco willkommengeheißen. Nun ist sie hier und genau so willkommen wie eh und je. Möchte Linhard sie adoptieren oder wie seid ihr verblieben?« Er legte seinen Arm um seine Frau und küsste sie auf den Mund. Über ihnen raschelte leise das junge Laub der Weinranken, das noch kaum Schatten warf, doch das würde sich in wenigen Monden ändern. Die wenigen Schatten bewegten sich auf der jungen Familie im Takt der Blätter hin und her. »Felipes Thronerbe Antonio von Ehveros, genannt Penner-Toni, ist hier im Palast, ganz freiwillig, doch natürlich wird er ihn nicht wieder verlassen, bevor es an der Zeit ist. Wir werden ihn ablenken und ihm jeden Wunsch erfüllen. In der Zwischenzeit bereiten wir Felipes Ableben vor. Toni wird eine Ansprache halten und dem ehveroser Adel und seinem Volk verkünden, dass es das Beste für Ehveros ist, wenn es unter die Schirmherrschaft von Ledvicco geht. Ehveros wird bald ein Teil von uns sein.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill hörte glücklich zu, was Tazio erzählte. Er hatte Recht, von Anfang an war klar gewesen, dass er nicht der Vater war. Dennoch hatte er sie nach Ledwick geführt und geheiratet. "Nein sie ist durch und durch eine de Souvagne und das wird sie auch bleiben Taz. Linhard diese Frage zu stellen, wäre unverschämt, er liebt sie, dass sah ich an seinem Blick. Falls müsste die Frage von ihm kommen und ich wäre nicht dagegen. Aber so ist sie eine Souvagne, dass wäre sie mit oder ohne Adoption seinerseits. Ihr Vater ist ein Prince und ihre Mutter ebenso in Souvagne, der Adoptivvater wäre es auch. Rechtlich ändert sich nichts", antwortete Verrill und nahm die Hand ihres Mannes. "Das hier ist ein wundervoller Ort, ganz Ledwick ist wundervoll. Alles was ich bis jetzt sah. Wir werden es zurück zu altem Ruhm und Glanz führen Tazio, dass verspreche ich Dir. Ehveros war stets der Dorn im Fleisch der Almanen. Wobei nicht Ehveros selbst, dass wäre ungerecht seinem ehrlichen Volk und seinen ehrlichen Adeligen gegenüber. Der Dorn war Felipe. Er hat das Kaisho-Abkommen benutzt, er hat die Goblins und die anderen Herzogtümer benutzt und er hat sein eigenes Volk benutzt. Nicht nur im Krieg Taz, auch davor. Er war stets eine manipulative Schlange, die nur das eigene Wohl im Auge hatte. Nun auf seine alten Tage, wo ihm die Zeit wie Sand zwischen den Fingern davonrinnt, hat er keine anderen Gedanken als seinen nicht vorhandenen Thronerben. Er war es doch selbst, der sich in diese Situation brachte. Und, sind wir ehrlich, er hat seine Tochter auf voller Linie versagen lassen. Hätte er wirklich gewollt, dass sie Regentin von Ehveros wird, hätte er sie angeleitet und zudem passend erzogen. Diese Frau war nicht erzogen und auf eine Regentschaft war sie nicht vorbereitet. Was es heißt Regent zu sein, spürt man nicht an einem Tag wie diesen in voller Glücksseligkeit, mit Blick auf das Meer und süßem Wind der einem um die Nase weht. Man spürt es, wenn man gute Männer in die Schlacht schicken muss, wohlwissend das sie sterben werden. Sie werden sterben um anderes Leben zu schützen. Wer dies leichtfertig über sich bringt, liebt weder sein Volk, sein Land noch sein Amt. Er liebt die Macht, er liebt das Geld, er liebt die Gier. Und für all das steht Felipe. Du tust gut daran, Ehveros in Deine Hände zu nehmen. Vater wird Dir beistehen, dass wird er gewiss. Antonio soll Dir zugunsten abtreten und Dir die Krone überreichen. Davor soll er den Adel auf sich einschwören. Danach überreicht er die Ehverosser Krone an Dich und sie schwören Dir die Treue. Denn dieser Adel ist noch vorhanden, in der Hohen Mark war niemand mehr dort und die Länder, sprich die Schollenverteilung wurde neu geregelt von Max. Sobald Du die Krone trägst, verkündest Du, dass Ehveros von nun an Teil Ledwicks ist. Ein großes Almanisches Reich, gebildet von zwei Herzogtümern. Ich denke sobald Du das geschafft hast Taz, sehen wir einer langen friedlichen Zeit in Almanien entgegen. Krieg unter Brüdern wird es nicht mehr geben und Verrat ebenso wenig. Keine Einflüsterung von außen wird dieses Bündnis schwächen, denn es ist der älteste Bund auf den man sich schon immer verlassen konnte - Familie", sagte Verrill und küsste Taz lang und innig.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Während sie küssten, ließ Tazio sich mit Verrill zusammen in die Kissen sinken, wobei er darauf achtete, das Baby nicht zu gefährden. So lagen sie alle drei unter dem Wein, sanft schaukelnd und das ewige Lied der Wellen unter dem Palast in den Ohren. Er küsste sie gern und wäre nicht abgeneigt, ihre Liebe auf noch innigere Weise zu erfrischen. Doch sein Wunsch war zweitrangig, Verrills Körper musste noch genesen und sie selbst wieder zu Kräften kommen. So machte er keinerlei Andeutungen, weder verbal noch nonverbal, sondern genoss einfach den Kuss. »Familie«, wiederholte er. »Also ist Laurie auch offiziell Ciels Kind? Das sollte klar geregelt sein, damit wir uns nicht wiedersprechen, wenn wir von ihr reden und Linhard oder Ciel in Verlegenheit bringen. Almanien wird nur noch aus zwei Großherzogtümern bestehen, zwei von einstmals fünfen. Es ist beängstigend, diese Entwicklung zu sehen. Jahrhundertealte Traditionen, einfach dahin. Es kann so schnell gehen, dass das Schicksal sich wandelt. Zwar sind die Hohe Mark und Ehveros in guten Händen, dennoch macht eine solche Entwicklung auch Angst.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill legte Laurie sachte neben sich und nahm Tazio in den Arm. "Erneut muss ich Dir Recht geben, ich werde es Paps sagen, damit Laurie als Ciels und mein Kind anerkannt wird. Ich möchte ebenfalls nicht für Unmut sorgen, wobei Max sicher einfach nur froh ist, dass es Laurie gut geht. Er hat sich sehr auf sie gefreut. Ganz genau Tazio, Familie. Wir sind eine Familie, mein Vater ist nun auch Deiner und passt auf Dich auf. Und das nächste Würmchen das geboren wird, ist Deines. Wir halten zusammen, dass schwöre ich Dir. Was genau macht Dir denn daran Angst Schatz? Schau mal die Länder verschwinden, Gena, die Hohe Mark und nun auch Ehveros. Aber die alten Traditionen verschwinden eben nicht. Dies geschah nur in Gena selbst, dem heutigen Naridien. Die Hohe Mark verschwand, weil Ihr Herrscher sie verriet und glücklicherweise ging sie an Souvagne, so dass die alten Traditionen gewahrt blieben. Ehveros wird verschwinden, denn sein Herrscher verriet sein Land ebenso. Ehveros wird an Ledwick gehen Tazio und die alten Traditionen werden in Deiner Hand gewahrt bleiben. Du wirst Dein Volk nicht verraten, Du wirst ihm ein guter Duca sein, ein Vater für sie alle. Gütig, gerecht, weise, weitsichtig, strafend wo es sein muss, gnadenvoll wo Du es sein kannst und unerbittlich zu seinen Feinden. Das bist Du, das ist Vater, das ist Almanien. Damit sichert Ihr beiden die Tradition und ich werde Dir beistehen. Drum was ängstigt Dich Tazi? Sprich offen", bat Verrill und streichelte ihm durchs Haar.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Almanien war stets ein Ganzes, das sich aus Teilen zusammensetzt, die einander ähneln und doch verschieden sind, wie ein Puzzle. Souvagne hat eine andere Kultur als die Hohe Mark, Ledvicco eine andere als Ehveros. Wir teilen die selben Grundwerte, doch setzen sie unterschiedlich um. Was für Souvagne die Mauer ist, ist für Ledvicco der Ozean. Die Hohe Mark wird sich an den Mauerkult gewöhnen und ihn vielleicht lieben lernen. Ehveros stellte früher die Landstreitkräfte im Krieg gegen Naridien, es stand kulturell vielleicht der Hohen Mark am nächsten. Als Teil von Ledvicco wird es näher zum Ozean rücken, der Adel wird die Korsetts ablegen und die Masken tragen. Natürlich stehe ich voll und ganz hinter unseren eigenen Werten, unserer eigenen Art der Umsetzung der almanischen Tugenden. Doch wenn ich mir vorstelle, Ehveros hätte uns annektiert, dann hätten sie uns dem Ozean entfremdet, uns die Masken von den Gesichtern gerissen und uns in Korsetts gezwängt. Wir wären noch immer Almanen gewesen, doch keine Ledvigiani mehr.«

Gregoire Verrill de Souvagne
"Das ist wahr Tazio, die heimische Eigenart geht verloren. Der Preis wäre aber, auf alles zu verzichten. Hier greift dann, Gemeinwohl über Eigenwohl. Sie geben etwas auf um dennoch als Ganzes erhalten zu werden. Denn in Felipes Machtspielen hätte nicht viel gefehlt und Almanien wäre komplett aufgerieben worden. Die Hohe Mark hat es mit Euch am härtesten getroffen. Wo sind die Männer? Es sind mindestens zwei Generationen aus dem Volk gerissen worden. Die 20 bis 40 Jährigen sind fort und gefallen. Wir können Ainuwar auf Knien danken, dass Kinderreichtum bei uns als Segen betrachtet wird. Wo früher der zweite, dritte und vierte Sohn sich dem ersten Sohn fügte und bei ihm mit auf der Scholle lebte, konnten wir Dank dieser Söhne die Schollen neu besetzen. Natürlich kann man auch würdige Personen adeln und so in Stand erheben. Aber wen möchtest Du adeln, wenn sie alle starben? Der Chevalier ruft seine Bauern zum Kampf, der Comte seine Chevalier und seine Untertanen, der Marquis seine Comte, Chevalier und seine Untertanen und so starben zwei Generationen von zeugungsfähigen Männern. So muss man es mal sehen. Man wird das noch einige Generationen spüren, den Knick in der Geburtenrate von Ledwick und der Hohen Mark. Ihr benötigt Männer, darum habe ich auch dafür geworben, dass es einen regen Austausch gibt. All jene die Zuhause nur Bruder wären, sollen sich nach Ledwick aufmachen und hier ihr Glück versuchen. Wir empfangen sie mit offenen Armen als Brüder. Denn ansonsten wird es sehr schwer werden Tazio. Man kann sich wirklich fragen, ob Felipe bewusst versucht hat Almanien zu entvölkern, was die wehrhaften Mannen angeht. Was wäre gewesen, wäre die Hohe Mark, Ledwick und Souvagne betroffen? Was wäre geschehen, wäre Souvagne mit in den Wahnsinn gezogen? Ich sage es Dir, Felipe hätte dankend zugegriffen und mit seinen Truppen Groß-Ehveros ausgerufen und vielleicht dann noch so einige sehr schmerzliche Veränderungen vorgenommen um all jene zu binden und zu unterdrücken, die nun neu ihm gehören. Sähe er sie als seine Schutzbefohlenen wie Du oder Max, oder sähe er sie als sein Vieh? Die Antwort ist uns beiden klar Taz. Aber wenn Dich dieser Verlust schmerzt, kann ich Dir dennoch helfen. Schau bei uns gibt es auch so etwas wie regionale Küche, an der Azursee die Salzwiesenschäfchen und weiter im Landesinneren den Apfelanbau. Das sind jetzt nur zwei Beispiele mein Schatz von sehr vielen. Warum soll denn Ledwick nicht auch zwei Regionen haben? Die einen lieben das Maritime und die anderen lieben ihre Burgen. Wo ist denn dort das Problem? Es gibt keines, leite sie sanft an, aber lege ihnen kein Joch um. Du möchtest Ihr Regent werden, dann sei es Schatz. Einen Despoten und Tyrannen hatten sie viel zu lange. Und schau, keiner in der Hohen Mark musste seinen Lebenswandel aufgeben, keiner wird gezwungen Muscheln zu essen oder Frösche, wenn er lieber Wurzeln mag. Du verstehst?", schmunzelte Verrill.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Ganz so einfach ist es nicht. Ich bin der Leone di Marino, nicht der Leone di Monte. Meine Vorfahren entstiegen dem Meer, doch nicht nur sie, sondern alle Ledvigiani. Und Lazzaro war nicht der einzige, er wurde von vielen seiner Art begleitet, die am Strand angelangt nach langer Reise ihre Robbengewänder abstreiften. Nicht umsonst tragen jene, die er besonders in Ehren hält, gleichwohl das Fell, in braun, grau oder schwarz. Weiß ist der Krone allein vorbehalten. Wir alle entstammen dem Meer. Wie sollen die Söhne und Töchter von Ehveros sich mir je auf die gleiche Weise verbunden fühlen wie gebürtige Ledvigiani? Ihre Vorfahren sind nicht mit Lazzaro aus dem Dhunico gestiegen. Einige Dinge aus ihrer Kultur werde ich ihnen bewusst nehmen, um zu verhindern, dass unsere eigene es ist, die verblasst. So zum Beispiel die Trachten des Adels, sie werden an unsere anzugleichen sein. Ob sie weiter ihre Knollenfrüchte essen oder auf Schilfwurzeln umsteigen, bleibt ihnen überlassen, doch werden die Trachten nicht das Einzige sein, das ich anzupassen gedenke. Kein Joch, aber ein deutlicher Wink.« Der Gedanke, dass Felipe nicht nur die Großherzögee im Visier gehabt haben könnte, sondern eine Entvölkerung, ließ Tazio am ganzen Leib erschauern. Erneut packte ihn die Wut, er sah wieder die Ledvigiani, die vor Dunkelbruch starben und seinen Vater. Er blickte sich nach Vianello um, der es sich etwas abseits auch hatte bequem machen dürfen.

Gregoire Verrill de Souvagne
"Gut erklärt, ich verstehe was Du meinst. Die Ehverosser sollen in den Ledvicco aufgehen und sich uns angleichen. So wie ich mich Dir bewusst und sehr gerne angleiche und nicht Souvagne hier neu errichte. Dann muss es so sein, sie müssen unsere regionale Kultur übernehmen. Das Volk, die Bauern sie werden damit am wenigsten Schwierigkeiten haben, der Adel schon eher. Aber wenn sie sehen, dass Du ihnen nichts nimmst, sondern ihnen etwas gibst - vor allem Beständigkeit und Verlässlichkeit, da werden die meisten froh sein vor Dir das Knie zu beugen Schatz. Mein Zenario von Felipe war folgendes. Zuerst ruft er zur Rettung der Zwerge auf. Die Zwerge waren im völlig gleichgültig, denn er hatte wie üblich nur seinen Vorteil im Sinn. Roderich war seine Marionette und ihn schickte er an vorderste Front. Ganz Kaisho, also ganz Almanien zog los. Alle wehrhaften Männer waren fort und sie fielen. Tragisch für Felipe? Nein. Perfekt wäre es gewesen, dass alle anderen Großherzoge fielen und ein Großteil des Adels, samt der Männer im wehrhaften Alter. So hätte er alle Herzogtümer eingesackt und es gäbe nur noch Ehveros. Stand Null - Ehverosdämmerung, neue Zeitzählung. Es gibt keinen Adel außer dem Ehverosser und es gibt Felipe. Ein, zwei, maximal drei Jahre später hätte er sein Heer mobilisiert und seine Adligen vom Marquis bis hinab zum Chevalier abschlachten lassen. Andere Adlige Almanen die zur Hilfe eilen? Fehlanzeige denn es gibt keine mehr. Keiner aus Ledwick, der Hohen Mark oder Souvagne würde zu ihrer Rettung eilen, denn sie sind schon tot. Und so stirbt der Adel von Ehveros. Zurück bleibt Felipe und das Volk. Vollumfängliche Machtergreifung durch eine Großherzogliche Militärdiktatur. Im Absolutismus lebst Du genau wie Vater, Roderich einst oder Felipe noch. Ihr erlasst die Gesetze, Ihr seid die höchste Macht, es gibt weder ein Rat, noch eine Oppostion. Ihr haltet die Macht in Händen und beauftragt Eure Vertrauen mit der Verwaltung der Schollen. Ihr haltet Euch an Eure eigenen Gesetze, die von Euch erlassen wurden. Letztendlich könntet Ihr es aber auch jederzeit ändern. Der Staat, Ledwick, das bist Du Tazio, aber mit Herz und Hirn. Felipe ist das nicht. Hätte er die Möglichkeit gehabt, wäre er wie eine Seuche über Almanien hergefallen, hätte die Länder leergefegt und ausgesaugt und zum Schluss Taz sogar sein eigenes Land. Er hätte Almanien in eine Wüste verwandelt, in der nicht mal ein Rakshaner leben wollte. DAS Tazio, war der Plan dieses Mannes. Und was hielt diese Perversion auf? Mein Vater, indem er sich sofort von Kaisho lossagte und die Grenzen schloss. Wir wurden dafür verachtet, dass zu tun, was die Zwerge seit 200 Jahren taten - für sich selbst einstehen. Souvagne tat es seit Angebinn der Zeit. Nun wird es Ledwick mit Souvagne Seite an Seite tun Tazio. Felipe hat es nicht verdient einen Tag länger als nötig zu atmen. Er hat Dich und unser Volk schon viel zu viel gekostet, jetzt präsentieren wir dieser Pest die Rechnung und zwar eiskalt", sagte Verrill vehement.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio blickte nun sehr traurig drein. Da er sonst die Maske trug, war seine Mimik deutlicher als die der Adligen von Souvagne, deren geschminkte Gesichter ebenfalls eine Maske zur Schau tragen sollten und ihr Minenspiel perfekt kontrollieren konnten. In Tazios Gesicht jedoch sah man, was er fühlte, wenn er nicht als Duca auftrat, sondern nur Tazio war, der seinen Vater verloren und zum Verrat von Kaisho beigetragen hatte. »Meine eigenen Männer haben geholfen, die Schiffe von Souvagne zu stehlen. Das waren nicht die Ehveroser, das, Verrill, waren Ledvigiani. Wer kannte sich in dem vereinigten Heer besser aus mit Schiffen als wir? Ich beschwerte mich darüber, dass Felipe nie an Wiedergutmachung dachte und versäumte selbst, welche zu leisten. Ich werde mir etwas überlegen. Das Szenario, welches du dir vorstellst, ist ein Mögliches von vielen und sie alle sind grausam vorzustellen. Vianello!« Er winkte seinen Leibdiener heran, der seinen Blick nicht bemerkt hatte.

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill streichelte ihrem Mann über das Gesicht und zog ihn noch enger an sich. Sein Gesicht war ein offenes Buch, wenn er seine Maske nicht trug. Die Souvagnes hatten gelernt, dass ihr Gesicht selbst zur Maske wurde, ebenso beherrschte Linhard diese Kunst. Verrill wusste nicht, ob sie sich für Tazio darüber freuen sollte. Ihren Mann so schmerzerfüllt zu sehen, erfüllte sie ebenfalls mit größtem Kummer. "Taz mein Liebling, ich wollte Dir damit keinen Vorwurf machen. Die Entscheidung traf Dein Vater, aber die Erkenntnis über dieses Unrecht hast Du soeben erkannt. Und heute bist Du der Duca, was würdest Du im Umkehrschluss denn von einem anderen Regenten erwarten? Das wird auch meinen Vater erfreuen. Als erstes Schatz, solltest Du ihm genau das sagen, dass was Du erkannt hast. Das Ledwick einen Teil Mitschuld trägt und dann tue dass, wofür so viele Männer kein Rückgrat haben gleich wie groß oder wie klein - entschuldige Dich dafür. Das zeigt Ehrlichkeit, Offenheit und das Du das Herz am rechten Fleck hast. Dieser Plan Tazio den ich Dir gerade erläutert habe, das war nur der Auftakt zu einem größeren Übel, glaub es mir. Lass Dich nicht von Felipes Aussehen täuschen, da gab es keinen Zufall. Lies die Zeichen, zähle eins und eins zusammen von dem was geschah. Und bedenke dann, was Felipe bei den Verhandlungen in Ehveros versucht hat. Die Zeit wurde knapp und so rückte er dann ganz plump mit der Wahrheit heraus. Die Counts hätte er in einem Jahr zum Frühstück verspeist. Oder er fing schon an sie zu verspeisen, wieder einmal waren die Zwerge der Köder... Zufall, dass ein Ledwicker vor einem Zwerg kniet? Wie sagt Linhard immer, ich glaube nur an die Zufälle die ich selbst arangiere. Felipe auch Schatz, er ist ein Puppenspieler und alle anderen Almanen samt der Goblins waren seine Marionetten. Bis auf Max, deshalb mochte er Vater auch schon immer so gerne. Felipe ist ein grausamer Massenmörder und Kriegsverbrecher, das war er schon immer und das wird er bleiben. Er wurde einfach nur alt. Das ist alles. Eine Wiedergutmachung wäre doch, wenn Du Max dabei helfen würdest eine Flotte am Dhunischen zu errichten. Nicht durch Material, Wissen würde schon reichen. Rede mit ihm in Ruhe, er mag Dich sehr, er wird Dir nichts nachtragen", sagte Verrill und verkniff sich ein Schmunzeln. Taz konnte auch anders wenn er wollte, das merkte gerade Vianello, der erschrocken aufschreckte.

Vianello:
Der Leibdiener des Duca eilte zu seinem Herrn und trat vor ihn. Er hatte den ersten Ruf glatt wegen dem ganzen Ärger den er hatte überhört. Die Ducachessa saß neben dem Duca, da wollte er das Thema des grauenvollen Gaston nicht ansprechen. Der Mann musste einfach weg, er bekam noch graue Haare. "Herr verzeiht, ich war in grüblerischen, sorgenvollen Gedanken. Was kann ich für Euch tun?", fragte er ergeben.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Über deine Sorgen kannst du dann mit mir sprechen, wenn es dein Herz erleichtert oder ich dir helfen kann, sie zu mindern. Vorerst aber tut es vielleicht auch eine Ablenkung. Bitte richte meinem Schwiegervater aus, dass er Vendelin von Wigberg bitte sofort über seinen neuen Auftrag informieren soll. Das Ableben von Felipe von Ehveros ist überfälliger, als ich es mir in meinen finstersten Träumen ausgemalt habe. Zudem gedenke ich, der Empfehlung meiner Frau zu folgen und Maximilien beim Aufbau der souvagnischen Flotte im Dhunico zu unterstützen. Eine Widergutmachung für das, was Kaisho und somit auch wir ihrer Flotte in der Azursee antaten. Material und Arbeiter sind momentan unentbehrlich, aber ich denke, er wird sich freuen, wenn wir ihm einige Schiffsbaupläne samt Experten zukommen lassen, die bisher unter Verschluss gehalten wurden. Des weiteren finde heraus, wie groß der Verlust in Zahlen war, den Souvagne erleiden musste. Was wir jetzt nicht an Schuld tilgen können, können wir später tilgen, ich möchte diese Zahlen verwahren, bis wir dazu in der Lage sind. Nach dem Gespräch mit meiner Frau möchte ich mit Maximilien gemeinsam im Blauen Salon zu Abend essen. Zu Mittag hatten wir Muscheln, zu Abend darf es gern etwas Süßes sein.«

Vianello:
"Gerne Herr, ich werde Euch in einer ruhigen Stunde über meine Sorge informieren. Habt Dank. Ich eile sofort und setze alles um, soweit mir bekannt ist Dank Eurer Gemahlin, liebt Euer Schwiegervater Schokolade. Ich werde etwas entsprechendes in der Küche in Auftrag geben. Betrachtet Eure Wünsche als so gut wie erledigt", sagte Vianello ergeben und eilte davon.

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill schaute Vianello hinterher und kuschelte mit Tazio. "Du hast Dir sehr viele Gedanken gemacht, dass macht mich sehr stolz Taz. Ich weiß, es lastet viel auf Deinen Schultern, aber Du wirst es schaffen. Gemeinsam werden wir alle Hürden überwinden und ich denke, so große wird Dir Max nicht in den Weg legen. Die Schiffsbaupläne sind eine hervorragende Idee. Wissen freut Vater immer besonders und das ist Wissen, dass Souvagne dringend benötigt. Vendelin von Wigberg ein überaus fähiger und genauso gefährlicher Mann. Eine weise Wahl, wenn man Vendelin zu lenken weiß. Aber ich denke Vendelin ist bewusst, wo seine Prioritäten liegen. Einst schwor er der alten Duchesse die Treue und somit auch Souvagne. Er sollte sich hüten uns zu verraten. Auf der anderen Seite, wieso sollte er dies tun, wo der Duc seinen Sohn retten ließ? Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht, ich werde Linhard bitten ein Auge auf ihn zu haben. Sollte es zu einer sagen wir mal Irritation kommen, wird das eine Doppelbestattung", erklärte Verrill liebevoll und spielte mit Tazios schönem Haar.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio legte den Arm um seine Frau und zog sie näher an sich heran. »Danke für den Stupser in die korrekte Richtung. Es mag unvorstellbar sein, aber mir ist die Tatsache, dass auch wir Souvagnes Schiffe raubten, vollkommen entfallen. Es ist mir sehr unangenehm, daran erinnert zu werden, aber es ist auch von großer Wichtigkeit. Maximilien soll nicht glauben, dass ich darauf hoffe, dass er es selbst einfach vergisst, das wäre töricht. Ich werde bei ihm um Verzeihung bitten. Das habe ich noch nie gemacht, wenn ich mich recht entsinne. Wie sollte ich dabei vorgehen, um mich nicht noch mehr zu blamieren?« Er hoffte, seine Frau würde ihm auch in diesem Punkt einen Rat geben können. Er streichelte ihren nackten, weißen Hals. »Vendelin selbst wurde mir auf unserer Hochzeit gezeigt, aber mir war an diesem Tage nicht danach, ihn vorgestellt zu bekommen. Mein Eindruck von ihm war, dass ich keinerlei Eindruck von ihm hatte. Seine Kleider waren ordentlich, aber ohne persönliche Note. Sein Benehmen war ohne Tadel, aber auch ohne Seele. Fast erweckte er die Assoziation mit der untoten und willenlosen Marionette eines Nekromanten. Einen Moment habe ich mich gefragt, ob dieser Mann überhaupt lebt. Ich hätte ihm die Frage gern gestellt. Auf seine Antwort wäre ich gespannt gewesen. Wenn Linhard ihm folgt, ist das nur zur Sicherheit von uns allen, auch von Vendelin selbst. Wir Ledvigiani gehen den Dingen gern auf den Grund, wir lieben den türkisblauen Ozean doch sehnen uns nach dem Meeresgrund. Unser Blick richtet sich auf die Tiefe. Aber die Gedanken eines Wigberg sind auch für uns unergründlich. Jeder Versuch, sie wirklich zu begreifen, scheitert am Spiegelglanz der Wellen auf der Oberfläche. Der Vorteil daran ist, dass es unseren Feinden genau so geht.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill war froh ihrem Mann so nah sein zu können. Sie genoss die Wärme, die Nähe und die Zärtlichkeit von Tazio. "Entschuldige Dich privat, wenn wir zusammen speisen und entschuldige Dich offiziell. Ein royales Pardon vom Duca di Ledvicco an den Duc de Souvagne, von Regent zu Regent. Damit ist es sogar amtlich und zeigt dass Du Anstand und Würde hast und Dir nicht zu fein bist vor einem Gleichgestellten einen Fehler zuzugeben. Kein royales Scusa oder Perdono - wähle Pardon als Zeichen dass Du Souvagne achtest. Vater wird Dir entsprechend antworten. Nichts soll zwischen Euch stehen Tazio und nebenbei bemerkt, Vater hätte auch kein Geld von Dir angenommen, wo er uns mit unserem Hochzeitsgeschenk schon dermaßen großzügig bedachte. So bist Du völlig auf der sicheren Seite. Vendelin von Wigberg lebt Tazio, eindeutig. Er lebt, liebt und hoffentlich lacht er auch ab und an. Du hingegen hast Timothee Mauchelin kennengelernt und diese Person lebt nicht. Nicht wirklich, denn Vendelin haucht ihr genau das Leben ein, was er ihr zugesteht. Und an jenem Tag war Timothee genauso eine Maske wie die unsere. Von daher kam er Dir so völlig unscheinbar vor, dass gerade dadurch aus der Masse hervorstach. Aber Du bist auch darauf trainiert so etwas zu bemerken. Jeder normale Mensch sieht Timo und hat ihn dabei schon wieder vergessen. Er ist nicht greifbar und darin ist dieser Mann wunderbar, ein wahres Genie. Den Meeresgrund kann man bei Vendelin nicht sehen Tazi, dieses Wasser ist nicht klar genug um auch nur eine Handbreit in die Tiefe zu schauen. Und wer weiß, was wir dort sehen würden. Wollen wir das wirklich wissen? Ich denke nicht. Er ist einer jener Männer, die es uns ermöglichen ruhig zu schlafen, wenn sie für uns arbeiten und uns treu sind. Andernfalls ist er der Grund schlafloser Nächte. Aber jeder von uns benötigt Männer wie ihn, leise Männer, harte Männer, Männer die sich die Finger schmutzig machen, damit der Rest der Welt in Reinheit leben kann. Im Grunde kämpft Vendelin wie ein Palaisin, ein Gardist oder ein Büttel dafür, dass er eines Tages nicht mehr benötigt wird. Das es nur noch eine Erinnerung ist, wo man Personen wie ihn brauchte. Der Tag wird nie kommen, denn selbst wenn man in völliger Harmonie lebt, benötigt man Wächter, damit dies so bleibt. Feinde findet man innen, außen und wer weiß noch wo. Der Meeresgrund muss ein seltsamer Ort voller fremdartiger Wesen sein. Ich habe Bücher über das Meer gelesen und war erstaunt, wie manche Tiere aussehen. Und was Korallen für Gebilde bilden erst, früher hielt ich sie für Gestein, so kann man sich irren. Ich möchte heute ab heute wieder hier nächtigen, die Zeit im Krankenbett ist vorbei und mir fehlt Deine Nähe Taz", sagte Verrill glücklich.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Du fehlst mir auch, meine Verrill«, sagte Tazio zärtlich. »Meine Nächte waren immer einsam, seit meiner Heimkehr, aber nie hat das Bett so leer gewirkt. Man sollte nicht in einem Doppelbett schlafen, wenn man allein ist und wenn man es aus Platzgründen gern möchte, dann sollten dort nicht zwei Kissen liegen und zwei Decken. Zu sehr erinnert es einen daran, dass dort ein Platz frei ist, wo die bessere Hälfte hingehört. Vianello hat seine eigene Kammer, aber ich habe ihn manchmal gebeten, die Tür offen zu lassen, damit ich ihn höre, wenn er sich darin betut oder einfach seinen Atem oder das Knarren seines Bettes, wenn er sich herumdreht. Lange Rede, kurzer Sinn. Es soll dir nur sagen: Ich habe dich vermisst.« Er küsste sie nun inniger, mit all der Zuneigung, die er für Verrill empfand und sie spürte sein unterdrücktes Verlangen. Sie konnte daran spüren, dass er ihr die Wahrheit gesagt hatte. Tazio war ihr treu gewesen und hatte sich die Zeit ihrer Abwesenheit mit niemand anderem versüßt. Er ließ wieder von ihr ab, da er schmerzhaft spürte, dass er mehr wollte, als zum jetzigen Zeitpunkt geboten wäre. Dicht an sie geschmiegt legte er den Kopf wieder in die Kissen. »Pardon zu sagen in dem Dialekt von Souvagne ist eine gute Idee. Für so etwas bräuchte ich Berater, aber jene, die ich hatte, sind heute Marchesi und auf ihren Lehen oder sind gefallen. Vianello wird von mir gelöchert wie ein Bergwychtlkäse, aber er muss an so vieles denken, dass er manches einfach übersieht, wie die Sache mit den Schiffen. Normalerweise bräuchte ich einen Beraterstab, bei dem jeder einen anderen Schwerpunkt hat, doch mein Stab besteht aus einer Person, die alles zeitgleich im Auge behalten soll. Dank dir hat Vianello ein wenig mehr Luft zum Atmen und ich hoffentlich bald ein leichteres Herz. Wie entschuldigt man sich offiziell, mit einer Rede vom Balkon aus? Mit einer Versammlung? Oder einem Besuch bei Maximilien und der Entschuldigung vor Ort? Was ist ratsam?«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill spürte das Verlangen ihres Mannes, so wie er sie küsste, sagte das mehr als tausend Worte. Es war lange her, dass sie sich um ihn gekümmert hatte. Zwar konnte sie dies noch nicht, wie sie sich vorher geliebt hatten, aber gegen eine große Runde Streicheleinheiten hatte Taz bestimmt am Abend nichts einzuwenden. Eine sehr große Runde beschloss Verrill. "Mit Beratern ist man nie schlecht beraten. Allerdings müssen sie handverlesen sein, denn die Berater sollen Dir dienen und Dir nicht fremde Interessen unterjubeln. Dafür benötigst Du jemanden, der absolut treu und loyal ist und darauf achtet. So jemanden hast Du, mich. Ich werde Dir einige Berater aussuchen. Aber Deine eigenen Adligen dazu zu Rate zu ziehen, ist eine sehr gute Idee. Es gibt viele Möglichkeiten, durch einen Besuch, so dass Du vor den Duc in seinem Thronsaal treten würdest. Ein offizielles Schreiben mit der Entschuldigung oder ein gemeinsames Treffen, wo Du Dich wie im Thronsaal persönlich entschuldigst. Ich würde zu Letzterem raten, deshalb sagte ich Dir, mache es heute Abend beim Essen. Denn bedenke Max ist nicht nur ein gleichgestellter Großherzog, er ist auch Dein Schwiegervater. Du musst also den Spagat schaffen zwischen offiziell und privat. Deshalb würde ich mich bei ihm in privat dienstlicher Speiserunde formvollendet entschuldigen und danach etwas Privates hinterher schieben. Also so - "Duc Maximilien Rivenet de Souvagne, wir bitten Euch um Royales Pardon bezüglich des Schiffsraubes an Eurer Marine während des Krieges. Bitte nimm meine Entschuldigung an Maximilien.... oder wenn Du Dich traust statt Maximilien Vater". Damit hast Du alles untergebracht. Das wird Max achten und annehmen, da bin ich mir ganz sicher. Sonst würde er Dir nicht jetzt schon derart beistehen, sondern hätte anders reagiert, würde er Dir das vorhalten Taz", erklärte Verrill und schmunzelte dann wehmütig. "Das klingt ganz schön einsam Schatz, ich habe Dich auch vermisst, obwohl ich auch nicht alleine war. Chiara war dort und Dantoine ebenfalls. Sie haben gut auf mich acht gegeben, aber das ist nicht das Gleiche. Ich freue mich wieder mit Dir gemeinsam im Bett zu liegen und Deine Wärme zu spüren, vor dem Einschlafen noch mit Dir zu reden, oder mitten in der Nacht aufzuwachen und Dein Schnarchen zu hören", grinste sie.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Ich hoffe nicht, dass ich allzu laut schnarche, wenn doch, sollte ich meinen Heiler einmal darauf ansprechen.« Tazio genoss Verrills Finger, die zart wie die einer Frau und stark wie die eines Mannes waren. Tazios Wangen röteten sich sanft, als er sich rundum entspannte. »Privat in dienstlicher Speiserunde, also in Anwesenheit nahmhafter Würdenträger? Dann muss Vianello diese auch noch zusammentrommeln. Manchmal verstehe ich Prince Ciel, der lange Zeit zwei Leibdiener hatte. Wobei ich vermute, dass Vianello Mittel und Wege finden würde, seinen Kollegen wieder loszuwerden, sollte ich je auf diesen Gedanken kommen. Leibdiener sind ein eigenartiges Völkchen, man sieht ihnen an, wie überarbeitet sie manchmal sind, doch sobald man sie entlasten und eine Vertretung organisieren möchte, winken sie ab und behaupten, alles sei in bester Ordnung. Fürchten sie, der andere würde ihre Arbeit durcheinanderbringen? Haben sie Sorge, ersetzlich zu sein? Dass sie das nicht so ohne weiteres sind, sollten sie wissen. Auf den Beraterstab, den du mir aussuchst, bin ich gespannt. Einen Wunsch hätte ich. Als Ansprechpartner für magische Belange wünsche ich mir Aurelien, er macht einen kompetenten Eindruck.«

Gregoire Verrill de Souvagne
"Die einzigen Würdenträger auf die es ankommt Taz seid Ihr beiden, Du und Max. Wenn Ihr Dienstliches besprecht von großer Geheimhaltung, wer ist dabei? Es muss nur für Dein Gegenüber den formellen Charakter haben. Wenn jemand vor Dich tritt, was scheren die Gardisten, die Berater, die Verwandten? Für eine Entscheidung nichts Tazio, Du bist der Duca. Diese Leute sind sonst aus zig anderen Gründen anwesend. Aber die Staatsmacht, das bist Du. Du entschuldigst Dich als Duca und als Ledwick bei Souvagne und dem Duc und danach privat bei Deinem Schwiegervater. Damit er sieht, Du vergisst auch das Private nicht, denn dass ist sehr wichtig, wir sind eine Familie. Ich kann es nur wiederholen. Leibdiener oh ja, sie sind ein Völkchen für sich und sind wir ehrlich, auch uns passt nicht jeder. Vater sagte es mal sehr schön. "Du teilst Dein Leben mit mir, opferst alles, hast kein eigenes Leben und lebst in meinem Schatten. Du trägst von uns beiden die stille, ungesehene Bürde" - so erklärte er es einst Fabien und dies entspricht den Tatsachen. Und nun sag einer Person, die im Grunde lebt um Dir zu dienen, Dich versorgt wie ein Baby, rund um die Uhr für Dich da ist, sag dieser Person Du holst jemand zweiten dazu. Damit ziehst Du ihr den Boden unter den Füßen weg. Die erste Frage wäre doch, die sich der Leibdiener dann denkt, was habe ich falsch gemacht? Wenn Du ihn entlasten willst Tazio, schaffe keinen zweiten Leibdiener an, sondern Diener oder Fachdiener. Vianello soll nicht immer alles schreiben? Ein Sekretär muss her für Dich, er soll nicht immer die Wäsche holen und bringen? Dienstboten rufen, der einen Hol- und Bringservice sicherstellt. So etwas. Aber wenn Du sagst, ich hole mir einen anderen Leibdiener an die Seite, das ist für ihn so, als würdest Du mir sagen - ach übrigens das ist Marlene meine Neue. Er fällt aus allen Wolken, er liebt Dich auf seine Art und seine Liebe ist absolut aufopfernd und selbstlos. Aurelien? Oh ja, das denke ich auch, er ist ein Himmelsauge und kann so wunderbar Kontakt zum Hof von Souvagne halten über Remy und Jules. Und er ist Geistmagier. Er macht auch immer einen sehr freundlichen Eindruck", stimmte Verrill grinsend zu.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Ein guter Hinweis, mehr Leute, an die Vianello seine Aufgaben delegieren kann. Einen zweiten Leibdiener in dem Sinne könnte ich ohnehin nicht gebrauchen, er würde, ehrlich gesagt, ziemlich stören. Vianello und ich haben uns so gut miteinander eingespielt. Ich hoffe, du kommst mit Chiara und Gaston genau so gut zurecht.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill schaute Tazio ernst an. "Gaston schickt Chiara immer weg, sobald er die Gelegenheit dazu hat. Solange Dantoine anwesend ist, wagt er sich das nicht, aber sobald er kurz abwesend ist, schickt er meine Zofe fort. Dantoine hat ihm schon einmal klar gesagt, das eine Frau eine Zofe hat und er ist eindeutig keine. Falls ihn das stört, könnte er es ändern... Du hättest sehen sollen, wie flott Gaston doch auf den Beinen sein kann. Ich glaube Dan war es an dem Tag einfach leid, ständig Chiara wiederholen zu müssen. Was hältst Du von Chiara? Ich mag sie sehr, ich vertraue ihr. Sie ist eine sehr liebe Person und ich fühle mich bei ihr wohl", sagte Verrill.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Sie ist eine gute Frau, eine der Fleißigsten hier und dazu freundlich und ehrlich, darum hat Vianello sie für dich ausgesucht. Aber meine oder Vianellos Meinung muss sich nicht mit deiner decken, drum sei so frei, dir eine andere Zofe zu nehmen, wenn sie dir besser gefällt. Ob du einen Mann oder eine Frau als Leibdiener wünscht, darüber hatten wir doch gemeinsam geredet. Ich hatte dir sogar einen Androgino angeboten, ich hätte dir einen dieser seltenen Menschen organisiert. Auch ein Kastrat wäre eine Option. Du hattest dich damals für Gaston ausgesprochen. Bist du nicht mehr zufrieden mit ihm?«

Gregoire Verrill de Souvagne
"Nein weil er meine Zofe und meinen Leibarzt verärgert, den Mann der das Leben von Laurie und mir gerettet hat. Er soll sich zurückhalten, dass ist doch nicht zuviel verlangt. Schatz was Du sagst ist wirklich lieb von Dir, aber ich möchte nicht dass für mich ein Mann entmannt wird um mir dienen zu können. Soll er alles verlieren, weil ich mehr als alles besitze? Das wäre die grauenvollste Verstümmelung, sag so etwas nicht Taz. Was meinst Du mit einem Androgino? Chiara ist eine sehr gute Zofe, sie denkt mit und das hat mir schon oft geholfen. Vor allem wo ich so neben mir stand und noch ganz beduselt war. Vianello hat eine sehr gute Wahl getroffen, ich möchte nicht auf sie verzichten. Vor allem nicht, wenn meine Verbände gewechselt werden. Das macht Dantoine oder Chiara und sonst niemand. Ich selbst lass sogar die Finger davon, weil ich Angst habe das die Narbe wieder aufgeht", gestand Verrill und drückte Tazios Hand.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Niemand würde kastriert werden, so was ist Sittenstrolchen als Strafe vorbehalten und einen solchen würde ich dir nicht an die Seite stellen. Aber man kann Kastraten aus dem Ausland beziehen, gut ausgebildete Sklaven. Ein Androgino ist ein Mensch wie du, der beide Geschlechter in sich vereint. Gaston hat niemandem gegen deinen Willen Befehle zu erteilen, was soll das? Wünschst du, dass ich ihn fortschicke? Und was meinst du damit, weil du nicht mehr alles besitzt? Hast du etwas verloren?« In Tazios Stimme hörte man seine Sorge.

Gregoire Verrill de Souvagne
"Nein Schatz, ich besitze mehr als alles. Alles als Mann und darüber hinaus noch mehr den Teil der Frau. Wenn Du jemanden kastrieren lässt, hätte er nichts. Wäre das nicht seltsam? Er ohne alles, ich mit beidem? Das täte mir weh. Es ist gut, dass Du das niemanden ohne Grund antun würdest. Jemanden wie mich... ich würde gerne jemanden wie mich kennenlernen, wenn das geht. Nicht als Zofe, als Gesellschafter. Ginge das? Gaston erteilt gerne Befehle, scheinbar nimmt er seine Aufgabe zu ernst. Er ist mein Leibdiener und nicht mein Leibwächter, herje! Der Mann braucht einen Spiegel. Und er macht nur Unfug, glaub den Stuss den ihm dieser Offizier erzählte und klammert sich unten an den Felsen unseres Palastes, wie eine dicke Krabbe. Gaston hat wirklich Nerven. Er hätte doch mal etwas überlegen können. Ich werde ihn fortschicken. Mach Dir keine Sorgen mir geht es gut. Willst Du die Narbe mal sehen heute Abend?", fragte Verrill.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Ja, zeig mir die Narbe und wenn sie eingecremt werden muss und ich darf, würde ich das gern machen. Es ist schwer, zu sehen, was du durchmachen musstest und selbst weder damals noch jetzt zu etwas nütze zu sein. Ich hätte dich so gern vor diesen Schmerzen beschützt, aber ich musste dich den Händen von Dantoine und seinen Helfern anvertrauen und mich damit nützlich machen, fortzugehen und nicht im Weg herumzustehen. Es ist schwer, einen Menschen zu töten, aber noch schwerer ist es, einen im Leben halten zu wollen und die eigene Machtlosigkeit zu spüren. Im Krieg wähnen wir uns als die Herren des Todes, als die Todbringer, was haben die Menschen sich alles für Waffen ausgedacht, um einander umzubringen. Doch wenn es darum geht, den Tod zu verhindern, scheinen wir noch am selben Punkt zu stehen wie vor Jahrhunderten. Bei der militärischen Ausbildung sieht man die Begeisterung junger Männer an den Waffen und an besonders raffinierten Techniken - und ihre Langeweile bei den Kursen zur medizinischen Grundversorgung. Auch ich habe als Kind lieber den trainierenden Soldaten zugesehen als den Heilern bei ihrer Arbeit. Versteh mich nicht falsch. Ich bin kein Träumer, ich bin ein Denker. Aber die Unfähigkeit, dir zu helfen, regt genau dieses Denken an. Einen Androgino kann ich dir gern vorstellen, na klar.« Tazios Blick wurde ernst. Er wusste, dass Gaston mehr war als nur ein Leibdiener, aber wusste es Verrill? »Ich werde mit Gaston ein Wörtchen reden, bevor du ihn wegschickst. Ich möchte wissen, was er sich dabei denkt. Vielleicht hat er gute Gründe, so zu handeln, wie ungebührlich sein Verhalten auch sein mag. Wenn ja, möchte ich diese Erfahren.«

Gregoire Verrill de Souvagne
"Die gleiche Energie in die Erhaltung statt die Vernichtung gesteckt, wer weiß wo wir heute schon wären? Gute und edele Gedanken Schatz. In Souvagne erforscht man alles, wozu man es letztendlich verwenden kann und wird, ist etwas anderes. Aber Wissen sollte nie begrenzt werden, denn es könnte Dir morgen schon das Leben retten. Und auch Heiler sind nicht nur Träumer Tazio, Sie kennen auch zig Wege um einen zu retten. Wenn mich jemand bedroht und Du erschlägst ihn, hast Du mich genauso gerettet wie Dan es tat. Ich durfte mir aussuchen, wer mich begleitet und ich war froh, ihn gewählt zu haben. Zudem hast Du mir geholfen, Du und Lin. Ihr habt mir beigestanden, dass vergesse ich Euch nie. Du darfst mich gerne eincremen, das freut mich. Ich gebe zu, dass ich sehr große Angst hatte und Euch am liebsten dabei gehabt hätte. Aber das ging nicht, leider. Keine Ahnung, daran habe ich wieder nicht gedacht. Mir kam es so vor, als wäre Gaston übervorsichtig. Rede ruhig mit ihm, er muss nicht gehen, wenn er sich vernünftig benimmt. Chiara bleibt dennoch meine Zofe. Der Körper ist so ein Wunderwerk Tazio, es ist erstaunlich was man alles können muss um ihn zu retten und wie leicht er zu zerstören ist. Da gebe ich Dir Recht. Lass uns ein bisschen ausruhen und kuscheln. Laurie genießt mit uns die frische Luft sie ist lieb. Danach bekommt die Kleine etwas zu essen. Ich liebe Dich Taz, schlummere ein bisschen", sagte Verrill glücklich und lehnte ihren Kopf gegen seinen. "Dein Liebdiener ist zurück und wacht über uns", sagte Verrill und deutete auf Vianello. Der alte Leibdiener hatte alles erledigt und bezog wieder Stellung, so wie er es immer tat, leise, liebevoll und diskret.

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Re: Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#3

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Mo 20. Mai 2019, 00:34

Im Blauen Salon


Tazio Ferdinando di Ledvicco
Der blaue Salon war in besonderem Maße den Schönheiten des Dhunico nachempfunden. Nicht der Oberfläche, sondern der Tiefsee. Mitternachtsblau waren die Wände, schwarz der Teppich. Alchemistische Lampen in bizarren Formen empfanden die fluoreszierenden Wesen nach, die man mit den Netzen manchmal emporzog. Die bunten Bleiglasfenster mit den maritimen Motiven trugen ihr übriges dazu bei, dass der Raum seine düstere und kühle, etwas bedrückende, aber auch geheimnisvolle Atmosphäre entfalten konnte. Er war ein wenig nervös, was Maximilien ihm auch ansehen konnte. »Hast du dich gut erholt von unserem letzten Gespräch? Ich war in der Zwischenzeit mit Verrill und Laurie auf der Dachterrasse und wir haben die Nachmittagssonne auf einer Ledwickschaukel genossen. Sie sieht wieder gesünder aus«, begann er unverfänglich, während er gespannt darauf wartete, was Vianello an Süßspeisen für ihn und seinen Schwiegervater bestellt hatte. Er hoffte, dass eine von Verrills Gebäckkreationen darunter sein würde.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien betrat den Raum und schaute sich um. Er verbarg seine Gefühle nicht hinter einer Maske aus Gleichmut, sondern zeigte offen, dass ihm der besondere Salon gefiel. Die Buntglasfenster betrachtete er lange und eingehend, Max wusste welche Arbeit und welches Können hinter diesen Kunstwerken steckte. Die nächsten Kunstwerke standen auf dem Tisch und er wusste auch, wer sie gebacken hatte - Verrill. "Muschelchen, schau einer an, eine Gebäckspezialität aus Souvagne. Das Gebäck besteht aus einer kegelförmigen Blätterteigtasche mit einer süßen Cremefüllung mit Zimt und Orangenblüten. Das besondere an der Blätterteigtasche ist, dass die Blätterteigschichten nicht wie bei einem Croissant parallel verlaufen, sondern aufgefächert sind. Dies wird durch eine spezielle Zubereitung des Blätterteiges erreicht, wie mir Verrill einst erklärte und das verleiht der Muschel oder dem Muschelchen seine besondere Form. In Souvagne existieren zwei Varianten der Muschelchen, die lockige Muschel und die als die originale Variante aus Cheverette gilt und die typischen Blätterteigrippen hat, sowie die aus Mürbeteig statt Blätterteig bestehen und deswegen einfacher herzustellen sind. Zu speziellen Anlässen und insbesondere in der Ursprungsgemeinde gibt es noch die Variante Rosa Pomme mit einer Apfel- oder Fruchtfüllung, meist zum Erntefest gereicht. Was habt Ihr beiden angestellt, dass sie sich die Mühe macht, eines meiner Lieblingsgebäcke zu backen? Kleiner Spaß, ich freue mich sehr darüber, ich weiß die Mühe zu schätzen. Der Salon ist wirklich wunderschön, als würden wir uns auf dem Grund des Meeres befinden. Du bist hier der Gastgeber Tazio, wenn es gestattet ist, setze ich mich", sagte Max schmunzelnd und wartete die Einverständnis seines Schwiegersohnes ab. Kaffee und Tee standen ebenso bereit wie die mit Puderzucker bestäubten Muschelchen. Verrill hatte keine Mühen gescheut und von jeder Füllung welche gefertigt. Jene mit Zimt hatte sie in größerer Anzahl hergestellt, da sie wusste das ihr Vater Zimt liebte.
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Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio hatte in seiner Nervosität angefangen zu reden, aber vergessen, dass sie sich auch setzen mussten. Er lächelte den Patzer weg und bat seinen Schwiegervater an den gedeckten Tisch, wo auch er selbst platz nahm. »Nichts haben wir angestellt, als uns sehr angenehm zu unterhalten. Verrill ist eine wunderbare Person und ihre Gedankenschätze sind wie eine Perlenkette, wenn sie spricht, wohlformuliert und ohne Makel gleiten sie dahin.« Er hoffte, dass Maximiliens Finger sich ein besonders köstliches Muschelchen angeln würden. »Wir sprachen über das, was wir zur Zukunft von Ehveros in die Wege leiten werden. Und wie ich mich echauffierte darüber, dass Felipe nie an Wiedergutmachung dachte, fiel mir der Schiffsraub an Souvagne wieder ein. Ledvicco hatte seinen Anteil daran, unsere Soldaten haben die Schiffe gemeinsam mit den Almanen aus Ehveros und der Hohen Mark geraubt und unsere Kapitäne allein haben sie gesteuert. Wir sind uns des großen Unrechts gewahr geworden, ebenso der Tatsache, dass bislang weder eine Bitte um Vergebung noch eine Geste des Ausgleichs erfolgte. Beides ist lange überfällig. Duc Maximilien Rivenet de Souvagne, nous vous demandons pardon. Bitte nimm meine Entschuldigung an, Vater.« Er war dem Vorschlag seiner Frau gefolgt, diese Anrede zu wählen, auch wenn sie ihm nicht leicht von den Lippen ging, wo sein leiblicher Vater doch aus ihrer Mitte gerissen worden war. Doch was anders war Maximilien für ihn gewesen in den letzten Monaten? Seinem gebeutelten Land hatte er, der an seiner Zerstörung keinen Anteil hatte, selbstlos geholfen und die Geschenke zur Hochzeit des Duca mit seiner Tochter sprachen für sich. Gütig, warmherzig und durchaus liebevoll hatte Tazio Maximilien erlebt, lange schon bevor von der Verlobung auch nur die Rede war. Er hätte nun gern noch eine Erklärung hinterhergeschoben, welche Experten zu souvagnischen Küste unterwegs waren, um Ledwicks Geste der Reue zu verwirklichen, aber er hatte so lange die korrekte Aussprache geübt, dass er versäumt hatte, Vianello nach den Details zu fragen.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max neigte kurz das Haupt und setzte sich einen Augenblick nachdem Tazio Platz genommen hatte. Er nahm sich eine Muschel des Gebäcks und legte sie auf seinen Teller, während ihm Vianello Kaffee einschüttete und dann einen Umschlag neben den Teller legte. "Für Euch Hoheit von seiner Majestät", erklärte Vianello und zog sich wieder zurück. Max deutete kaum wahrnehmbar auf den Umschlag und Fabien nahm ihn an sich um den Inhalt zu lesen. Tazio erklärte was er an Verrill liebte und schätze, machte einen Schwenk auf ihre eigenen Pläne bezüglich Ehveros und entschuldigte sich dann formvollendet für den Raub der souvagnischen Marine. Max faltete die Hände über der Leckerei zusammen und schenkte Tazio ein Lächeln. "Wir verzeihen Euch Duca di Ledvicco. Merci mon Fils, ich nehme Dein Pardon an", antwortete Maximilien freundlich, seine Worte waren liebevoll und aufrichtig. Fabien wartete einen Augenblick, bis sein Herr geendet hatte, dann beugte er sich zu ihm herab und erklärte ihm, was in dem Umschlag stand, ehe er wieder seine Position hinter Max einnahm. "Oh und Merci für die Schiffspläne, sowie die tatkräftige Unterstützung Eurer Schiffsbauer. Auch danke ich Dir für die Küstenkarten bezüglich Ledwick, Ehveros und unsere Dhunische Küste. Auf einen langen und fruchtbaren Frieden Tazio", sagte Max und hob seine Kaffeetasse.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Tazio verkniff sich einen dankbaren Blick in Vianellos Richtung, auch wenn er ihn gerade am liebsten vor lauter Dankbarkeit umarmt hätte. Er hob erleichtert die Kaffeetasse. Dass er plante, jedes einzelne wegen des Raubes versenkte Schiff auf bis auf den letzten Taler zu ersetzen, sobald er dazu in der Lage war, behielt er für sich. Großspurige Ankündigungen waren nicht sein Ding, er ließ die Dinge lieber reifen, bis es Zeit für sie war. Er war froh, dass Maximilien die Bitte um Vergebung annahm. Es war, als ob ein Stein, von dem er erst jetzt gemerkt hatte, dass er auf seiner Seele drückte, heruntergerollt war. Seine Seele spürte den frischen Wind. »Auf den Frieden«, bestätigte Tazio glücklich.

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Auf den Frieden", bestätigte Max und trank einen Schluck zur Besiegelung und gönnte sich einen Bissen vom Muschelgebäck. Schokolade-Zimt, er hätte beschwören können, dass alle die oben lagen Schokolade-Zimt waren, aber natürlich konnte er nicht jede Muschel anbeißen. Allerdings kannte er Verrill mehr als gut genug, so etwas überließ sie niemals dem Zufall. Und selbst mit so winzigen Raffiniertheiten unterstützte sie Tazio, so dass der Gast serviert bekam was er liebte. Und wer wusste besser was Papa liebte als die eigenen Kinder? Sie wussten schließlich auch, wie sie ihm den Nerv rauben konnten. Max schaute Tazio an und schmunzelte wissend. "Vor dem Frieden steht die Befriedung und wie ich dem Schreiben entnehmen kann, hast Du schon alles entsprechende in die Wege leiten lassen. Einschließlich der Überwachung von Vendelin durch Linhard. Das freut mich. Toni wird solange Gast des Ledwicker Hofes bleiben, hast Du schon irgendetwas besonders mit ihm vor? Er verdient Unterstützung. Toni war zwar ein Gauner, aber nicht dem Herzen nach, sondern den Umständen geschuldet. In seinem neuen Leben als Hilfsbüttel hat er sich erstaunlich gut gemacht, wenn auch sicher einige Berichte über ihn freundschaftlich geschönt waren. Aber über sowas sehe ich gerne hinweg, denn es heißt schließlich, dass Toni nun zumindest einen Freund hat", sagte Max und aß in kleinen Bissen die Muschel.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
Auch Tazio trank einen Schluck und probierte danach eines der köstlichen Gebäcke. »Toni wird mit allen Annehmlichkeiten, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen konnte, bei Laune gehalten, vor allem aber hier gehalten. Was immer er sich wünscht, wenn es in meiner Macht steht, wird er es bekommen. Die Tage werden für ihn wie im Flug vergehen, satt und zufrieden wie nie zuvor wird er gar nicht daran denken, den Palazzo zu verlassen. Und wenn doch, wird er höflich von den Guardianos daran erinnert, was als nächstes eigens für ihn vorbereitet wurde und wie schade es wäre, würde er sich das entgehen lassen. Was nach seiner Abdikation mit ihm geschieht, darüber bin ich noch im Unklaren. Er wünschte sich eine Burg oder ein Haus, wo er mit seinen Freunden leben kann. Wenn das alles ist, werde ich ihm nicht im Weg stehen. Hast du eine bessere Idee für ihn? Und wann wird Vendelin seinen Auftrag erhalten? Ich denke, es ist am besten, Felipe so zeitnah wie möglich zum Abgrund zu schicken, mit Schuhen aus Blei.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Vendelin hat seinen Auftrag schon erhalten Tazio, er wurde im Eilverfahren von einem Himmelsauge beauftragt. Wir können umgehend Rücksprache mit Eurem Himmelsauge halten. Aber ich denke Jules de Mirault wird es sich nicht nehmen lassen, Vendelin den Auftrag persönlich überbracht zu haben. Der Gute muss also schon in diplomatischer Mission losgezogen sein um Felipe beim Abtauchen in den Abgrund Hilfe zu leisten. Nun eine Burg wo sich Toni samt seiner Freunde wohl und sicher fühlt, ist ein verständlicher und erfüllbarer Wunsch. Da er leider etwas unbedarft ist, wird er keine Ahnung von Verwaltung haben. Sprich er wird auch nicht in der Lage sein, eine Scholle zu verwalten. Sein Freund Gilbert war Büttel und ebenfalls mit solchen Aufgaben nicht betraut. Ich würde ihm einen Buchhalter zur Seite stellen, oder seine Scholle von jemand vertrauenswürdigem mitverwalten lassen. Du hast vertrauenswürdigen Adel. Teile jemandem diese Aufgabe zu und informiere ihn über den Hintergrund. So hat Toni einen geruhsamen und glücklichen Lebensabend und dieser Abend soll so lang wie möglich andauern. Mit allem anderen muss er sich nicht belasten. Denn letztendlich wäre das auch Deine Last, ginge es schief. Das ist für jeden von Stand nachvollziehbar. Wie lange Vendelin bis nach Ehveros braucht, entzieht sich meiner Kenntnis, aber auch ich zähle die Stunden. Hast Du schon bestimmte Pläne mit Ehveros?", hakte Max nach und nahm sich noch eine Muschel, was Fabien kurz schmunzeln ließ.

Tazio Ferdinando di Ledvicco
»Ich werde mir von Aurelien Bericht erstatten lassen, da mich interessiert, was genau der Magistral dem Mann mitteilte, wenn er solche Freude dabei empfand. Ich überlege noch, womit ich den Ehverosern trotz unserer momentan bescheidenen Mittel zeigen kann, dass es nicht zu ihrem Schaden ist, fortan Ledvigiani zu sein. Ich selbst weiß, dass es ihnen guttun würde, doch möchte ich auch die Herzen des Volks gewinnen. Möglichst rasch, nicht erst in zehn Jahren, wenn auch der gemeine Mann den Erfolg der Arbeit überdeutlich vor Augen sieht. Leider neigen Menschen oft dazu, die guten Dinge schweigend zu übersehen und die schlechten lautstark zu betonen. Die Ehveroser sollen nicht empfinden, dass ihnen etwas entrissen und etwas anders übergestülpt wird, auch wenn das hier und da notwendig sein wird um Homogenität zu erzeugen, ich kann keine Spaltung in meinem Land gebrauchen. Die Ehveroser können keine Ehveroser bleiben unter dem Leone di Marino. Vielleicht kann ich es mit unserem Männermangel kombinieren, so dass Hochzeiten und Zuzug ins alte Land von Ledvicco von Vorteil sind. Schließlich sind wir Almanen alle vom selben alten Blut, ganz gleich, ob wir in den Bergen, auf den Salzwiesen oder am Strand des Dhunico erwachten. Eine Vermischung würde gutes frisches Blut bringen, ohne das eigene zu verdünnen. Die Ehveroser würden sich dadurch nicht nur politisch, sondern auch familiär an uns binden und wir an sie, genau wie die Söhne Souvagnes, die hoffentlich bald hinzuziehen werden, bis es kein wir und sie mehr gibt, sondern nur noch ein wir. Das ist das Ziel. Doch alles zu seiner Zeit. Bis es spruchreif ist, kannst du mir von deinen Erfahrungen berichten, als die Hohe Mark Teil von Souvagne wurde.«
Auch Tazio verzehrte ein köstliches Muschelchen nach dem anderen, während die beiden noch lange saßen und redeten. Und als sie das Gespräch beendet hatten und Tazio wieder in seinen Gemächern war, erhielt der gute Vianello die dankbare Umarmung, die sein Herr ihm schon seit Stunden gerne zuteilwerden lassen wollte, ehe Tazio sich an der Seite seiner Frau zur Nachtruhe bettete. Auf ihrer anderen Seite schlief Linhard, den man um seinen Sohn betrogen hatte. Auch das nächste Kind würde nicht von ihm sein. Er sah erschöpft aus und selbst im Schlaf angespannt. Nachdem Verrill einen zärtlichen Kuss erhalten hatte, strich Tazio einmal über Linhards kurzes dunkles Haar, dann kuschelte er sich an seine Frau an und schloss die Augen.
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"Eine Entscheidung für etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

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Re: Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#4

Beitrag von Jules de Mireault » Di 21. Mai 2019, 00:32

Dem Lotos einen einstielen


Jules de Mireault
Aurelien, das ehrenwerte erste Ledvicco-Himmelsauge, oder einfacher gesagt der strafversetzte arme Tropf, hatte sich bei seinem Orden gemeldet und für den Duca die Ledvico um Übermittlung einer Botschaft gebeten. Normalerweise dienten die Himmelsaugen nur dem Duc de Souvagne. Sie waren weder Sekretäre noch Laufburschen, aber das sagte man einem fremden Großherzog nicht. Zumal es sich dabei um den Schwiegersohn seiner Majestät handelte und sie mit Ledwick in Eintracht und Frieden lebten. Und so beschloss Jules, sogar die Botschaft für Frieden und Glück persönlich zu überbringen. Natürlich war das nicht sein Grund, sondern die Botschaft selbst, denn damit konnte der dem Lotos einen einstielen. Diesem hinterhältigen, bösartigen und verschlagenen Nicht-Magier Timothee Mauchelin aka Vendelin von Wigberg und wer weiß wie viele akas noch. Der Mann war der Abgrund. Selbst beim Verhör unter Wahrheitsdrogen log er das sich die Balken bogen, davon war Jules fest überzeugt. Nur wie er das hinbekam, dass blieb sein Geheimnis. Vermutlich war nicht nur seine Seele aalglatt, der Rest war genauso schlüpfrig. Jules ließ sich die Botschaft noch einmal auf der Zunge zergehen, er sollte Timo zu einem Auftragsmord losschicken, zu einem von Rang und Namen. Na wenn sich das Blümchen mal da nicht verschluckte. Jules marschierte mit dem breitesten Grinsen zu dem sein mürrisches Gesicht in der Lage war zu Vendelin und betrat dessen Haus. "Grüße, Mauchelin bewegt Euch nach unten, ich habe Kunde von seiner Majestät für Euch! Einen direkten Befehl!", rief Jules und freute sich diebisch diesen Stumpfen herumkommandieren zu können. Er hatte die Beleidigung im Thronsaal nicht vergessen.

Timothée Mauchelin
Timothèe schloss kurz genervt die Augen. Sein neuer unfreiwilliger Mitbewohner hatte wieder einmal die Tür offen stehen gelassen. Er würde ihn zum hundertsten Mal daran erinnern, dass dies hier die Verwaltungszentrale eines Stählernen Lotos war, DES Stählernen Lotos. Selbst wenn das Haus innen genau wie außen so uralt und heruntergekommen wirkte, dass ein Langfinger vermutlich keine zwei Räume durchwühlt hätte, ehe er sich enttäuscht wieder abwandte, gab es hier hochsensible Unterlagen. Gut versteckt, aber es gab sie. Timothèe erhob sich von seinem Schreibtisch, stellte den Briefbeschwerer auf die Analyse, an der er gerade arbeitete und bequemte sich die Treppe herunter. Jules fiel auf, dass diese alte Holztreppe nur auf bestimmten Stufen aut knarrte und ansonsten vollkommen lautlos war. Das Gleiche galt für den Fußboden. Vendelins Schritte waren ansonsten lautlos.
»Hat man Euch nicht beigebracht, dass man zu klingeln hat, Chevalier?«, fragte er verstimmt, während er sein Gehör anstrengte um herauszufinden, wo Gideon sich im Haus oder Garten herumtrieb.

Jules de Mireault
"Das persönliche Himmelsauge seiner Majestät und Oberhaupt des Ordens muss nicht bei Niederen klingeln. Ich stehe hier als seine Majestät selbst, denn ich überbringe Euch einen persönlichen Befehl. Da seht Ihr die Wertigkeit Mauchelin. Euch hat man nicht magisch kontaktiert, weil man es nicht kann. Soviel zu Euer Besonderheit. Eure Besonderheit besteht darin, dass Ihr Euch sogar ganz geschickt selbst belügt. Aber ich komme Euch noch auf die Schliche. Heute mein lieber Lotos, mache ich Euch Beine. Packt Eure Sachen, Ihr reist umgehend ab, Ihr habt einen Auftrag! Da man mit Euch nicht nonverbal wie mit jedem anständigen Menschen kommunizieren kann, muss es wohl verbal bleiben. Wo können wir ungestört reden? Schändlich das so jemand wie ich mit einem Verstümmelten sprechen muss", grinste Jules und wippte auf den Hacken.

Timothée Mauchelin
»Ungestört? Im ganzen Haus, wenn Gideon nicht in der Nähe ist, also auch hier im Flur. Schließt die Tür hinter Euch. Ich werde nachsehen, wo der Mann ist.« Timothèe schaute an den üblichen Orten nach, an denen Gideon sich in der Regel aufhielt, während er sich gedanklich über die unverschämte Hakennase ärgerte.

Gideon:
Gideon hielt sich in der Küche auf, hatte einen großen Becher Kaffee in der Hand, ein Brot vor sich liegen und las in einem Buch. Als Timothee hereinkam musterte er ihn freundlich. "Was ist los? Du siehst aus als hätte Dir einer in den Kaffee gepisst", grinste Gideon und sein Gesicht wurde einen Moment später ernst. "Verstehe, Dein Schlepptau. Grüße Magistral", sagte Gladu. "Wie können wir Euch helfen?", fragte er nach.

Jules de Mireault
Jules lächelte freundlich. "Ihr als Magier hättet dies gekonnt, aber Mauchelin.... lassen wir das einfach mal so im Raum stehen. Ich habe persönlich mit dem "Oberhaupt" der Lotos zu reden. Es ist ein persönlicher Auftrag vom Duc, also verlasst bitte das Haus, wir benötigen nicht lange. Wenn Ihr zurückseid wird Mauchelin abgereist sein. Wundert Euch nicht", erklärte Jules.

Gideon:
Gideon warf Timothee einen nicht zu deutenden Blick zu, eine Mischung aus Erstaunen und Warnung, bevor er sich sein Brot und seinen Kaffee schnappte. "Wie der Duc wünscht Chevalier. Ich bin in zwei Stunden zurück", erklärte Gladu und ließ die beiden allein.

Timothée Mauchelin
Vendelin nickte knapp, als Gideon den Grund für seine miese Laune korrekt identifizierte. Nachdem der Pyromant gegangen war, lehnte er sich mit dem Gesäß an die Tischkante, damit Jules nicht auf die Idee kam, mit seinem flachen Hintern die Eckbank oder einen der Stühle zu entweihen, auf denen, Vittorio und Moritz sonst gemeinsam ihre Mahlzeiten eingenommen hatten. Schlimm genug, dass Gideon sie benutzte. Moritz hatte noch nicht einmal Gelegenheit gehabt, Vittorio nach der über ein Jahrzehnt währenden Trennung zu begrüßen. Der Junge wusste noch nicht einmal, dass er noch unter den Lebenden weilte, da wurde sein alter Nahkampfausbilder schon wieder abkommandiert. Vielleicht war Vittorio auch aus freien Stücken gegangen, das wusste man bei ihm nie genau. »Ich denke nicht, dass ich mich in irgendeinem Punkt belüge, und Euch noch weniger, welchen Grund hätte ich dafür? Wir sind Kollegen, Oberhäupter unserer jeweiligen Orden. Ist es nicht unsere Aufgabe, gemeinsam für das selbe Ziel zu kämpfen mit den Waffen, die Ainuwar uns gegeben hat?«

Jules de Mireault
"Aus Deinem Mund klingt das sogar aufrichtig, meinen Glückwunsch. Ja das wäre es, wenn ich einer Hochverräterin gedient hätte, aber Du verwechselst mich mit Parcival. Unter meiner Leitung sind die Himmelsaugen dass, wofür sie immer standen, die Wächter Souvagnes. Du warst der Wächter einer alten Verräterin, die ihren eigenen Mann ermordete, ihren eigenen Sohn ermordete und ihrem letzten Sohn immer noch nach dem Leben trachtete. Ihr habt einen anderen Orden vernichtet. Nun sicher Du könntest mir sagen, dass wir die Tat ausgeführt haben. Das ist korrekt, aber das wir uns noch einmal von Euch benutzen lassen Mauchelin, dass wird es nicht geben. Also versuch keine Verbindung herzustellen, die es nicht gibt. Du hast nie für andere gekämpft außer für Dich selbst. Loyalität ist Dir so fremd wie Magie, sie prallt regelrecht von Dir ab. Ich weiß wer und was Du bist, vergiss das nicht und damit weiß es der ganze Orden, wenn ich das möchte. Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Du bist hier der Kopf Mauchelin. Von uns war Parcival der Kopf und er wurde abgeschlagen. Was soll mir das sagen? Du kannst uns alle vom Gegenteil überzeugen, wenn Du Deinen Auftrag erledigst und zwar so, dass Deine Phrasen der Wahrheit entsprechen", erklärte Jules und verharrte für einen Moment. Er spürte nach dem Funken von Gideon, der sich ein ganzes Stück vom Haus entfernt hatte. Ansonsten waren sie hier allein. Sehr gut. Jules Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf sein Gegenüber. "Dein Auftrag. Du reist unverzüglich nach Ehveros und leistest Großherzog Felipe von Ehveros Sterbehilfe. Er soll so schnell wie möglich von seinem Leid erlöst werden. Jeden Tag den er noch aufwacht ist einer zuviel. Verstanden? Nach Ehveros reisen, Großherzog Felipe töten, zurückreisen, Raport. Fragen?", hakte Jules nach.

Timothée Mauchelin
Vendelin lächelte, als Jules selbst den Finger in den schwächsten Punkt seiner Argumentationskette legte. »Was die Agenten der Autarkie angeht, so war es ein gemeinschaftliches Werk. Grandiose Gemeinschaftsarbeit, wie sie es sein sollte. Auch unser Orden verlor seinen Kopf dabei, das hast du vergessen. Pascal Rouvallet starb an der Seite seiner Kameraden und der tödlichen Umarmung mit der Person, der er einst sagte, dass er sich wünschte, in ihren Armen zu sterben. Dass sein Wunsch sich erfüllen würde, hat er sicher nicht geahnt. So gesehen war es vielleicht ein schöner Tod. Meine Zielperson ist also Felipe von Ehveros. Wünscht man nicht, meinen Tod wie eine offizielle Hinrichtung aussehen zu lassen? Das erklärt vielleicht das plötzliche Verschwinden von Vittorio. Ihr hattet ihn damit beauftragen wollen?« Vendelin blickte Jules aufmerksam in die Augen. »Wie geht es eigentlich Eurem Vogel?«

Jules de Mireault
Jules lehnte sich an die andere Seite des Türrahmens und musterte Mauchelin scharf. Jedenfalls sah es für den Lotos so aus. Allerdings zog Jules seine mentalen Fühler zurück, es war ein Fakt, diesen Kerl konnte man nicht auslesen oder erspüren. Das ärgerte Mireault einerseits, verursachte ihm aber auch ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Nicht dass er was gegen Nichtmagier hätte, so war es nicht. Er ritt heute nur für Mauchelin darauf herum, da ihn dieser im Thronsaal angegriffen hatte. Aber im Gegensatz zu normalen nichtmagischen Menschen die man auslesen konnte und das sogar sehr leicht, blieben die Gedanken von Mauchelin sein Geheimnis. Etwas das weder Jules, noch der Orden der Himmelsaugen einfach akzeptieren konnte. Im Moment musste er dies wohl, denn so gerne er sich weiter gestritten hätte, hier ging es um den Auftrag und das Wohl aller Almanen. Und mit seinem Einwand hatte der Kerl sogar Recht, ob es ihm gefiel oder nicht. "Das ist korrekt, aber war die Zusammenarbeit freiwillig? Glaubt Ihr das tatsächlich? Ich vermute Ihr habt unseren Orden benutzt, genau wie die Agenten. Und wir wären vermutlich die nächsten gewesen, die auf der Abschussliste gestanden hätten. Zu nah am Duc, zu sehr auf dessen Schutz bedacht, jeden feindlichen Gedanken nachgehend, kontrollierend, eliminierend. Nicht gerade dass, was einen Lotos gefällt. Allerdings entzieht Ihr Euch unserer Wahrnehmung und das wisst Ihr auszunutzen. Versucht gar nicht erst, das abzustreiten. Ob die Gemeinschaftsarbeit gut war oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich war acht Jahre alt, als seine Majestät den Thron bestiegt und sein Vater ermordet wurde. Ob es ein schöner Tod für Pascal gewesen ist, wage ich zu bezweifeln. Oder glaubt Ihr, dass er im Gegensatz zu Euch ehrlich gewesen ist? Dann wären die Agenten nicht gefallen Mauchelin, dann hätte er dem Duc gedient und nicht einer Hochverräterin. Nein sind wir aufrichtig, Euch Lotos mangelt es an Magie, Seele und Gefühl. All das was ein normaler Mensch hat, neidet Ihr ihm. Es ist der Neid der Besitzlosen. Und Personen wie uns neidet Ihr die Gabe. Jeder Person die über eine Gabe verfügt und sei sie noch so klein, neidet Ihr sie. Denn sie ist da. Ihr zeichnet Euch durch Nichtsein aus. Nicht einmal im Nexus seid Ihr zu spüren. Ihr existiert auf dieser Ebene gar nicht. Ist Euch das bewusst? Denkt mal darüber nach Mauchelin. Folglich wird er seinen Tod betrauert haben, wie alle Egomanen um sich selbst flennen, aber in wessen Armen er starb, wird bedeutungslos für ihn gewesen sein. Euer Tod ist nicht gewünscht, so sehr ich das bedauere, denn ich halte Euch für einen Staatsfeind. Man wünscht den Tod von Felipe von Ehveros, dem Anti-Almanen. Jenem Mann, der uns alle in den Tod reißen wollte, für seinen persönlichen Vorteil. Für seinen Gewinn. Ihr sollt den Auftrag ausführen, erfolgreich versteht sich und Ihr sollt lebend zurückkehren. Das ist Eure Chance Mauchelin. Ich hätte sie Euch nicht gewährt, aber ich bin nicht der Duc und ich zweifele seine Entscheidung nicht an. Vielleicht sieht er etwas in Euch, was nur er als Ainuwargesegneter sehen kann. Möge dem so sein. Gufo geht es gut, weshalb fragt Ihr?", hakte Jules nach.

Timothée Mauchelin
Timothèe nickte. »Ihr habt durchaus Recht, mir einen Mangel an Magie, Seele und Gefühl zu attestieren. Die ersteren beiden besitze ich naturgemäß nicht, Letzteres ist nichts, dessen Abwesenheit in irgendeiner Form bedauerlich wäre. Felipe von Ehrveros also, der nicht minder gut gesichert ist als unser Duc. Eine Aufgabe, an der man sich die Zähne ausbeißen dürfte, es sei denn, man nimmt das eigene Ableben durch die Leibgarde in Kauf. Und wenn ich an diesem Auftrag scheitere, wird es mich ebenso Kopf und Kragen kosten, weil es als der Beweis für meine feindliche Gesinnung dienen wird, da man mir in dem Fall unterstellt, absichtlich gescheitert zu sein. Dieser Auftrag ist mein Todesurteil, Jules, das wisst Ihr so gut wie ich. Was Eure Eule betrifft, hatte ich gehofft, sie sei inzwischen gestorben und fragte danach, um Euch zu verletzen.«

Jules de Mireault
"Das was Ihr über meinen gefiederten Kameraden sagt, ist das erste was ich Euch glaube. Vermutlich Eure erste wahre Aussage seid Jahren. War es sehr schwer die Wahrheit auszusprechen? Zu behaupten man benötige weder Seele, Gefühl noch Magie kann nur von jemanden kommen, der nie in dessen Besitz war. Sonst würdet Ihr nicht so einen Unfug daher reden. Aber da ich um Euren Mangel weiß, weiß ich die Aussage auch zu werten. Zurück zu Eurem Auftrag. Ihr solltet anfangen Euer Amt ernstzunehmen Mauchelin. Damit meine ich, es wird immer Aufgaben geben, an denen man zu scheitern gedenkt und nein, der Duc wählt diese Aufgaben nicht um Euch oder sonst irgendwen zu töten, sondern weil diese Aufgabe etwas ist, dass erledigt werden muss. Etwas was früher die Agenten getan haben. Eine einzige gezielte Tötung, kann Millionen Menschen retten. Ihr könnt doch nicht so borniert sein und annehmen, dass Ihr dermaßen wichtig seid, dass der Duc für Euch so etwas inzenieren würde. Er hätte Euch mit der alten Duchesse gemeinsam auf den Block schicken können. Die Menge hätte gejohlt, der Gerechtigkeit wäre genüge getan worden. Aber er erwies Euch Gnade. Ich bin Jules de Mireault, nicht Bellamy Bourgeois und ebenso wenig Massimo de la Cantillion. Jenen hätte er Euch geschickt, hätte er Euch tot sehen wollen. Ihr bei Eurem Netzwerk wisst dies so gut wie ich. Aber wenn es Euerem flattrigen Nervenkostüm hilft, spreche ich für Euch gerne das Offensichtliche aus. Das Offensichtliche Mauchelin - es geht nicht um Euch. Es geht um den Frieden ganz Almaniens und weitere Kriege oder andere Hinterhältigkeiten zu verhindern. Und dafür ist Euer Orden da. Und da dies eine schier unüberwindbare Aufgabe ist, schickt man nicht einen Eurer Lehrlinge, sondern das Oberhaupt. Versteht Ihr nun was dieser Auftrag bedeutet? Mittlerweile wünschte ich, sie würden die Agenten zurück ins Leben rufen. Oder soll ich mich vertrauensvoll an Euren Verwandten im Orden der Fantome wenden? Ein Hohenfelde dürfte wissen, wie man tötet", sagte Jules mit süffisantem Lächeln.

Timothée Mauchelin
»Vor allem wissen sie, wie man die eigenen Verwandten tötet. Spätestens nach diesem erneuten Wink mit dem Vorschlaghammer wäre mir die Bedeutsamkeit meines Auftrages bewusst geworden. Habt Ihr ein Schriftstück, welches euch authentifiziert, mir die Exekution eines almanischen Staatsoberhauptes in Auftrag zu geben? Mich erstaunt, dass seine Majestät jemanden wie Euch schickt. Welchen Zeitrahmen stellt man mir zur Verfügung, fünf Jahre? Zehn?«

Jules de Mireault
"Wollt Ihr mich verhöhnen? Mir wurde von einem meiner Untergebenen genau jener Auftrag mental ausgerichtet, da unser Duc in Ledwick weilt. Ihr könnt ihm gerne einen Boten schicken und Euch bestätigen lassen, dass Ihr mir nicht glaubt. Gleich welcher Hass uns verbindet, oder trennt, ich bin immer noch das persönliche Himmelsauge des Duc. Wenn Ihr mir nicht glaubt, glaubt Ihr seiner Majestät nicht. Ihr könnt jeden Geistmagier Eures Vertrauens fragen, ob meine Aussage den Tatsachen entsprechen. Für einen Eurer Sorte seid Ihr verdammt dünnhäutig Mauchelin. Solche Angst vor der eigenen lieben Verwandtschaft? Ihr seid doch Teil von ihnen. Nun lassen wir das. Das bringt uns nicht weiter. Ihr habt keinen festen Zeitrahmen, aber dieser Auftrag hat absolute Priorität und Dringlichkeit. Es hieß wortwörtlich - jeden Tag den Felipe erneut aufwacht ist ein Tag zuviel. Entscheidet Euch welche Rückantwort ich meinem Kollegen vor Ort gebe. Bestätigung, Negierung oder Anzweifelung Mauchelin. Mit solchen Dingen spaße ich garantiert nicht", erklärte Jules kalt. Wieder einmal fragte er sich, weshalb man so einen Orden überhaupt duldete. Für ihn war es schon schlimm genug, dass es keinen Erlass gab, dass jeder Geistmagier oder geistmagisch Befähigte ein Himmelsauge zu werden hatte. Je größer sie waren, je besser waren sie aufgestellt und je vollumfänglicher war ihr Schutz. Weshalb entzogen sich einige Geistmagier dem Orden? Wer nicht zu verbergen hatte, musste das Kollektiv nicht fürchten. Jules beschloss mit Prince Ciel darüber zu sprechen. Der Prince war seinem Vater sehr ähnlich, er würde vielleicht diesen Erlass in die Wege leiten. Der Lotos blieb trotzdem etwas, das Jules nicht erfassen konnte. Und Dinge die man nicht erfassen konnte, waren eine Bedrohung. Jedenfalls meisten und Mauchelin hatte sogar damit geprahlt der alten Duchesse gedient zu haben, vorbei am Duc, vorbei an Souvagne. Eine Blume die keine Blüten tragen konnte, drum trieb sie Dornen. So poetische, ja wundervolle Worte für eine alte Gewitterhexe und Hure, die ihre eigenen Kinder verraten und verkauft hatte und ihren Mann ebenso. Was immer mit Mauchelin nicht stimmte, das wusste Jules nicht. Er war auf seine Art sogar unterhaltsam, absolut gerissen und hatte die verdrehteste Weltsicht die ihm je untergekommen war. Ja Jules spürte es, Mauchelin war fast so etwas wie... wie ein Naridier.

Timothée Mauchelin
»Was meine Haut zu dünn sein mag, ist Eure Nase zu lang. Ich nehme den Auftrag an, werde mich aber während meiner Vorbereitungen vom Wahrheitsgehalt der Details überzeugen. Eine bloße Routine, die natürlich nichts damit zu tun hat, dass ich Euch nicht ausstehen kann, Chevalier. Allerdings werde ich nicht heute abreisen, es sei denn dies ist nachweislich Bestandteil seiner Majestät, sondern Eure persönliche Interpretation, da ich noch dies und das vorzubereiten habe. Auch ich bin nur ein Mann, der nach bestem Gewissen seine Pflicht tut. Wenn ich den Auftrag erfolgreich zu Ende bringe, denkt Ihr vielleicht anders von mir.«

Jules de Mireault
Jules nickte knapp. "Das wäre durchaus möglich, dass ich Euch anderes sehen würde. Bis jetzt waren alles nur Worte Mauchelin, lasst Taten sprechen. Noch ist keine Tat erfolgt, also spreche ich keine weitere Wertung aus. Nur zu, es steht Euch offen die Richtigkeit meiner Angaben zu überprüfen. Ich kann Aurelien gerne ausrichten, dass er sich mit Eurem Kollegen Gideon in Verbindung setzen soll. Das wäre die einfachste und schnellste Lösung. Oder was schwebt Euch vor? Ich kann Euch nichts übermitteln, dass Euch bestätigen würde, dass ich die Wahrheit spreche. Und das meine ich diesmal wertefrei. Glaubt mir, ich erledige meine Pflichten ebenfalls nach besten Wissen und Gewissen, dazu gehört auch die Überbringung solcher Nachrichten. Falls Ihr keinen der Unseren zu Rate ziehen wollt, überlegt wen Ihr ins Vertrauen zieht. Der Duc hat nicht grundlos mich für die Botschaft und Euch für den Auftrag gewählt. Die Geheimhaltung hat oberste Priorität und sollte nicht an unserem Disput scheitern. Sonst landen wir beide am Ende auf dem Block für diesen kindischen Streit", warnte Jules.

Timothée Mauchelin
»Üblicherweise erhalte ich meine Befehle von seiner Majestät persönlich, was momentan schwierig ist aufgrund seiner Abwesenheit. Ich werde ein anderes Himmelsauge um Rat fragen, leider nicht mehr den guten Quennel, einer der wenigen sympathischen Männer eures Ordens trotz seiner Verfehlungen, aber es gibt ja noch genügend andere Himmelsaugen, die zur Auswahl stehen. Und nein, dies ist keine Anspielung, ich fand ihn schlichtweg umgänglich, was man von anderen Himmelsaugen leider nicht sagen kann. Er warf mit jedenfalls nie Dinge vor, für die ich nichts kann. Warum Ihr so einen Hass auf mich hegt, ist mir schleierhaft, aber das kann ich akzeptieren. Ich möchte Euch nur bitten, die Abneigung nicht auf meinen Sohn zu projizieren, sollte ich demnächst nicht mehr sein, um meine schützende Hand über ihn zu halten.«

Jules de Mireault
"Warum ich Euch hasse? Mauchelin mal unter uns beiden, meint Ihr die Frage ernst? Dann beantworte ich sie Euch gerne, aber ich denke das wisst Ihr auch ohne meine Antwort. Trotzdem würde ich sie Euch geben. Ja, ich verstehe was Ihr meint. Grundlos wird Parcival nicht mit Quennel befreundet gewesen sein. Der Mann konnte laut den Unterlagen charmant, freundlich, ja gerade zu angenehm sein. Aber er konnte auch genau das Gegenteil werden, für seine Feinde. Nun dass kann man ihm nicht absprechen. Er diente bis zu seinem Verrat den Himmelsaugen mehr als ausgezeichnet. Wobei bis zu seinem Verrat? Das ist vielleicht falsch ausgedrückt, vielleicht war seine ganze Existenz Verrat. Ich weiß es nicht, dass gebe ich zu. Wieso sollte ich Eurem Sohn böses wollen? Euer Sohn hat wie alle anderen unter Euch gelitten. Ich würde ihn sogar vor Euch schützen, ich bin kein Anhänger von Sippenhaft, es sei denn sie ist wirklich angebracht. Auch wenn Ihr drauf spukt, ich gebe Euch mein Wort, dass Euer Sohn sicher ist. Er untersteht meinem Schutz", antwortete Jules.

Timothée Mauchelin
»Ich spucke nicht auf Euer Wort. Es ist vielmehr so, dass Ihr mir bislang keinen Grund gegeben habt, Euch als vertrauenswürdig zu betrachten. Ein gesundes Misstrauen liegt nicht nur in der Natur eines Stählernen Lotos, sondern auch in der Familie. Ich sprach nicht von den offiziellen Gründen für Eure Abneigung, den Verrat, als den man meine Treue und mein Schweigen gewertet hat, sondern Eure ganz persönlichen Gründe. Da wird mehr sein als Solidarität zu Duc Maximilien, oder irre ich mich in diesem Punkt? Ich meine, eine ganz persönliche Fehde zwischen uns beiden zu spüren, andernfalls würden wir uns nicht so vortrefflich miteinander streiten.«

Jules de Mireault
"Mehr als mein Wort kann ich Euch nicht geben, dass muss Euch ausreichen. Ob Ihr mir glaubt, ist Euch überlassen. Von mir geht keine Gefahr für Euren Sohn aus, er ist eine eigenständige Person, die mir nie etwas getan hat. Das ist eine Sache zwischen uns beiden. Moritz hat damit nichts zu tun, allerhöchstens als Opfer, ansonsten wäre seine Behandlung nicht nötig gewesen. Zuerst war es nur genau das - Euer Verrat, ich sehe meinen Beruf als Berufung. Er ist mein Lebensinhalt, er ist das wofür ich existiere, das was ich lebe. Was mich dazu bewog Euch privat persönlich den speckigen Hals umdrehen zu wollen war der Angriff auf Gufo. Damit hattet Ihr verschwissen. Ansonsten hätte ich Euch vielleicht sogar neutral gewertet", gab Jules unumwunden zu.

Timothée Mauchelin
»Dass ich Euren Uhu angriff, war Eurer Drohung gegen meinen Sohn geschuldet. Jenen Sohn, den Ihr soeben verteidigt und dessen Kopf Ihr mir an jenem Tage bringen wolltet, bevor ich sterbe«, gab Vendelin zu bedenken. »Ihr habt keine Kinder, nehme ich an.«

Jules de Mireault
"Das war genauso eine Provokation wie Eure nette Nachfrage nach Gufo. Hat vielleicht etwas zu gut gezogen. Nein ich habe keine Kinder, bis auf Gufo", gestand Jules.

Timothée Mauchelin
»Dann versteht Ihr mich vielleicht zumindest ein wenig. Ich mag keine Seele besitzen, das Gefühlsleben eines Eisbergs und das Nichts wird es sein, das mich nach meinem Tode erwartet, aber ich weiß, was Verantwortung bedeutet. Ich habe Moritz gesagt, was Ihr mir im Gefängnis angedroht habt, damit er entsprechende Vorsicht walten lassen kann. Wenn dies alles ist, würde ich mich nun gern meinen Vorbereitungen widmen.«

Jules de Mireault
"Verantwortung? Mauchelin ich habe Euch nur provoziert, als ich Euch sagte, dass ich Euch den Kopf Eures Sohnes bringen wollte. Aber Ihr wart es, der ihn tatsächlich in Stücke gehackt hat. Ist Euch das eigentlich nicht bewusst? Habt Ihr nicht begriffen, was Ihr getan habt? Nun vielleicht habt Ihr das sogar, ich weiß es nicht. Es wäre für Moritz zu hoffen. Mit welchem Himmelsauge möchtet Ihr sprechen bezüglich der Bestätigung?", fragte Jules umgänglich.

Timothée Mauchelin
»Mir ist bewusst, was Moritz vollbracht hat und ich bin auf seine Leistung stolz. Er muss nur noch ein wenig an seiner Disziplin arbeiten. Weniger gut finde ich, was mit ihm angestellt wurde. Einen Teil seiner Seele in einen neuen Körper zu überführen, das hat etwas Ghulisches. Es ist, wie einen Arm an eine andere Person zu nähen. Habt Ihr Euch Patrice einmal gewidmet nach der Trennung? Oder Louis? Ist Euch bewusst, was für völlig hilflose und unmündige Kinder Ihr dort erzeugt habt? Ich würde gern mit einem Himmelsauge sprechen, welches am westlichen Tor nahe der Salzstraße Dienst schob und die eingehenden Händler kontrollierte. Sein Name ist mir nicht bekannt, aber der Mann wird mich erkennen, wenn Ihr ihm mein Bild übermittelt. Ich ließ ihm ein Päckchen Pfeifenkraut zukommen.«

Jules de Mireault
"Genau das sind sie Timothee, es sind Kinder Eures Sohnes, Seelensprosse wenn Ihr so wollt. Wobei man sich dann fragen muss, wie sie entstehen konnten, wenn Ihr keine Seelen habt. Patrice ist in der Obhut von Tekuro Chud und Louis ist in der Obhut von Benito Brassac. Etwas ghulisches mag es haben, dass kann ich nicht abstreiten. Ein Seelentransfer, diese Macht entstammt der Nekromantie und die Nekromantie entstammt der Geistmagie. Wenn man es genau wissen möchte. Nahe der Salzstraße? Wartet ich horche mich um", antwortete Jules und öffnete seinen Geist für das Kollektiv seines Ordens. Einen Augenblick später schaute Jules erneut Timothee an. "Chevalier Serge de Meniotte, Ihr wart so freundlich ihm ein Päckchen Tabak zu schenken, soll ich Euch ausrichten. Das lässt sich einrichten. Wo möchtet Ihr ihn treffen und wann?", fragte Jules.

Timothée Mauchelin
»In der Obhut von Benito und Tekuro«, wiederholte Vendelin mit einer deutlichen Betonung des Wortes ›Obhut‹. »Ob man das als Erfolg werten kann, ist fraglich. Sie sind demnach meine Enkel. Es sind Patrice von Wigberg und Louis von Wigberg. Interessant, führwahr. Eine Seelenspaltung ohne Seele. Vielleicht sollte man die Definition der Seele überdenken - oder die des Antimagiers. Wärt Ihr so gut, bei Gelegenheit zu testen, ob auch die beiden Spaltlinge Antimagier sind? Serge de Miniotte würde ich gern beim Passieren der Grenze nach Ehveros treffen, also in, sagen wir, einer Woche am entsprechenden Tor. Es sollte jenes sein,welches die Zubringerstraße nach Drakenstein sichert.«

Jules de Mireault
"Diese Frage könnte Euch Benito Brassac beantworten, er ist Heilmagier wie Ihr wisst. Und ob jemand eine Seele hat wird er wissen. Oder das was wir für eine Seele halten. Ich könnte die beiden auf meine Art testen und Euch mitteilen ob es Antimagier sind. Hättet Ihr lieber selbst die beiden Enkel in Eurer Obhut? Wartet", bat Jules und wandte sich mental an seinen Ordensbruder. "Heute in einer Woche wird Euch Chevalier Serge de Meniotte an der Grenze zu Ehveros treffen, Zubringerstraße nach Drakenstein", erklärte Jules und nickte zur Bekräftigung.

Timothée Mauchelin
»Danke«, antwortete Vendelin. »Ein Gespräch mit Benito wäre fürwahr aufschlussreich. Welchen Preis verlangt Ihr, um die beiden Seelenkinder auf Antimagie zu testen? Und ja.« Vendelin blickte in Richtung der Wand. »Ich würde sie gern in meiner eigenen Obhut wissen.«

Jules de Mireault
"Ehrlichkeit mir und etwas mehr Anstand und Respekt Gufo gegenüber, dass ist der Preis für den Test. Vielleicht solltet Ihr das dem Duc vorschlagen, nachdem Ihr Eure Aufgabe erfüllt und damit Eure Loyalität bewiesen habt. Was ist wenn beide keine Antimagier sind? Habt Ihr dann immer noch Interesse an der Obhut der beiden?", fragte Jules, da es ihn wirklich interessierte um Mauchelin besser einschätzen zu können.

Timothée Mauchelin
»Ehrlichkeit ist ein Preis, den ich Euch nicht zahlen kann, das wisst Ihr. Und diese Aussage ist diesmal keine Lüge. Da es ein Handel ist, möchte ich mein Wort nicht brechen müssen. Allein seine Majestät hat ein Anrecht auf Ehrlichkeit. Euren Uhu Gufo werde ich künftig in Ruhe lassen. Ich habe nichts gegen Vögel, es wart Ihr, den ich angriff, um meinen Sohn zu schützen. Das Tier war nur die Waffe. Da wir den Sachverhalt jedoch klären konnten, wird dergleichen nicht mehr nötig sein und ich werde auch davon absehen, Gufo als verbales Instrument zur Schmerzerzeugung zu verwenden.« Vendelin überlegte nicht lange, als Jules sich nach seinem Interesse an den Seelenanteile erkundigte. »Es sind Kinder meines Sohnes. Meine Enkel. Unsere Gabe vererbt sich auch auf natürlichem Wege unzuverlässig und lückenhaft. Dass Moritz ein Antimagier geworden ist, war Glück und hätte auch anders kommen können. Er wäre dennoch mein Sohn gewesen, wenngleich er kein Lotos hätte werden können.«

Jules de Mireault
"Eine ehrliche Aussage, dass ist doch schon ein Anfang. Nun ich würde vermutlich ähnlich denken, hätte ich einen Sohn und hätte dieser Kinder. Aber das wird nicht geschehen. Sprecht mit dem Duc, Ihr wisst besser als jeder andere, dass er seinen Landsleuten zuhört und manchmal sogar Gnade vor Recht ergehen lässt. Gutes Gelingen Vendelin, möge Eure Klinge am Richttag von Felipe so scharf sein wie Eure Zunge und Euer Verstand", sagte Jules, nickte knapp und verließ dass Haus des Lotos anders als er gekommen war nicht mehr als Feind.

Timothée Mauchelin
Vendelin sah Jules kurz von der Tür aus nach. Er war niemand, der sich gern Feinde machte, denn Freunde waren weitaus nützlicher. Der Ausgang des Gesprächs hatte ihn dennoch überrascht, er hatte Jules für nicht so umgänglich eingeschätzt, wenn er sich einmal festgebissen hatte. Wenn Vendelin seinen Auftrag erfüllte und dabei nicht, wie es durchaus geschehen konnte, starb, würde er noch einmal das Gespräch mit dem Himmelsauge suchen. Er ging zum Briefkasten, um die Post reinzuholen, als er im Gehen die Briefe in der Hand durchblätterte, strahlte ihn auf einmal das türkisblau einer Postkarte aus Ledwick an, darauf ein Schiff mit gebauschten, strahlend weißen Segeln, das durch die Wellen des Ozeans glitt. Vendelin beeilte sich, zurück ins Haus zukommen, denn für einen Moment hatte er die Kontrolle über seine Mimik verloren und ein breites Lächeln gezeigt.

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Re: Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#5

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Di 4. Jun 2019, 23:52

Sturmfreie Bude im Hause Wigberg


Caillou Langeron
In Vendelins Haus herrschte ein merkwürdiger Mix aus Chaos und Ordnung. Caillou war neben seinem Zwillingsbruder aufgewacht, hatte ihm, so lange er noch schlief, zwei Zöpfchen gebunden, die wie Hasenohren nach oben standen und sich dann über das Essen hergemacht. Er ließ sich all die Köstlichkeiten aus Fleisch und Blut schmecken, während Pascal schlecht gelaunt den Abwasch erledigte. Caillou ließ sich davon nicht beirren und speiste munter weiter. »Milli«, nuschelte er mit vollem Mund, da ihm langweilig wurde. Er schluckte herunter und rief noch einmal lauter: »Aufwachen! Keine Sau ist da. Die Schweine haben uns allein gelassen.« Er rüttelte Camille am Schienbein.


Camille Langeron
Camille hatte angenehm geschlafen, alles war ruhig, es war warm und vor allem war es gemütlich. Etwas, jemand rüttelte an seinem Bein und eine Sekunde später wusste er ohne hinzusehen, dass es seine andere Hälfte Caillou war. Camille rieb sich die Augen und grinste seinen Bruder an. "Keiner ist da? Die haben die ganzen Fressalien da gelassen, dass sollten wir ausnutzen. Wir können auch was für Papa einpacken, er sieht so aus, als könnte er den einen oder anderen Happen vertragen", antwortete Milli seinem Bruder. Er rollte sich auf die Beine und schaute was es noch Leckeres für ihn zu futtern gab und bediente sich direkt großzügig beim Fleisch. Es war zwar schon kalt, aber kalter Braten auf Brot schmeckte auch herrlich.

Caillou Langeron
»Ich frag mich wo die Säcke sind, jemand hat die Tür eingelatscht. Hättest du je geglaubt, dass ausgerechnet der Oberlangweiler Timo uns solche Köstlichkeiten servieren würde? Meinst du, er hat das nur für unsere Mutter getan oder hat er dabei auch an uns gedacht? Für Papa einen Happen einzupacken ist eine gute Idee. Schau mal.« Er zeigte Camille eine Schüssel mit ovalen rosa Organen. »Sogar Eier. Damit bei der Zeugung auch ja nichts schiefgeht. Die hätte er eher Pascal unterschieben sollen als den Gästen. Ob wir die für Papa mitnehmen sollten, jetzt mal ohne Scheiß? Damit er nicht verweiblicht?«

Camille Langeron
Camille schaute in die Schale voller Eier, nahm vorsichtig eines heraus und untersuchte es, ehe er es in den Mund steckte und langsam zerkaute. "Weiche Konsistenz, fast cremig, wie Hirnpastete vom Lamm. Also ich würde sie lieber gewürfelt mitnehmen. Und falls er fragt, sagen wir dass sind Hirnwürfelchen, eine Delikatesse. Nachher meint er noch, wir wollen uns über ihn lustig machen, wo wir uns nur sorgen. Vertragen kann er sie auf alle Fälle. Falls es so nichts nützt, sind sie schön kräftigend, wie eine gute Brühe. Ich glaube Vendelin wollte zeigen was er so auffahren kann, damit die Gästegesellschaft in Hochstimmung kommt, so kommt der Orgasmus von ganz allein", kicherte Camille und reichte Caillou die Schale voller Hoden, während er sich einen Teller mit den anderen Fleischsorten belud. "Was glaubst Du woher stammt das alles? Ist das von einer gefangenen Person, oder aus dem Beauforter Krankenhaus? Stell Dir mal vor, die Kastraten die Eier muss man ja nicht wegwerfen. Dann verkaufen sie die abgeschnippelten Eierchen und Beine, Arme und so weiter als Abfälle für die Hofhunde oder für die Feinschmecker", lachte Milli während er genüsslich und geräuschvoll das Fleisch mampfte.

Caillou Langeron
»Ihhh«, kicherte Caillou und aß dann auch eines der menschlichen Eier. Ihm sträubten sich die Nackenhaare, er schüttelte sich, kaute aber herunter. »Bei manchen Dingen ist es besser, man weiß nicht, welches Organ das ist. Wie bei Sülze, wenn man da noch sehen würde, dass das mal ein Gesicht war, würde das kaum einer essen. Wir würfeln es für Papa, gewürzt ist es ja schon. Aber ich glaube kaum, dass Vendelin damit die Stimmung anheizen wollte, zumindest nicht die des Bräutigams für eine Nacht. Pascal weiß gutes Essen einfach nicht zu würdigen. Wollte er uns testen? Oder ist das eine Drohung? Will er damit sagen, ich weiß genau, was ihr für kleine Halunken seit? Die Eier von Kastraten zu verkaufen, macht Sinn, ist doch schade drum, das alles wegzuschmeißen. Aber das sind eindeutig die Eier von Erwachsenen, also erwachsene Kastraten? Macht das irgendeinen Sinn?« Er richtete sich im Sitzen etwas auf, weil er Schritte hörte, die aus dem Kellergang kamen. Vendelin kam, im schwarzglänzenden Satinmorgenmantel, barfuß die Treppe hochgerannt. Er sah blass und zerknittert aus.

Camille Langeron
Milli nickte. "Ja bei einem Schlachttier wird alles verwandt, auch die Innereien, Blut, Fett, Haut, eben alles und natürlich auch die Eier, denk nur an Hammelhoden. Ich denke die Eier von Erwachsenen sind von besonderen Sklaven, denen man alles genommen hat. Sprich reine Arbeitssklaven, die eigentlich ein Todesurteil kassiert hätten. Das vermute ich, genaueres kann ich Dir nicht sagen, ich habe nur geraten", erklärte Milli und stupste Caillou an, damit er sich Vendelin anschaute. "Hallo, Du siehst ja fertig aus, was ist denn mit Dir geschehen und wo kommst Du her?", fragte Camille und konnte gerade noch ein Aufstoßen unterdrücken.

Timothée Mauchelin
»Aus dem Palastverlies«, antwortete Vendelin grantig. »Wenn ihr Eure Mutter sucht, sie ist noch dort. Mir konnten sie nichts nachweisen, ihr leider schon, sie wird bekanntlich seit etlichen Jahren schon gesucht, genau wie euer Großvater, der nun ebenfalls dem endgültigen Tod ins Gesicht blicken muss. Wir wurden überfallen, es gab eine undichte Stelle, vermutlich dieser Nathan. Das kommt davon, wenn man sich mit dem falschen einlässt, den Fehler hatten schon die Agenten der Autarkie begangen. Die Menschen werden einfach nicht schlau. Ich werde für einige Wochen verreisen. Pascal hat den Schlüssel, falls ihr hierbleiben wollt, lasst das Haus heil und meine Schreibstube in Ruhe.«

Camille Langeron
Camille kratzte sich am Kopf und dann im Schritt. "Nathan? Das kann doch nicht sein. Nathan war doch völlig harmlos, Du hast doch selbst gesehen, wie sehr er an Archibald hing. Möglich wäre natürlich, dass er die Verbindung lösen wollte. Ist günstiger als sich in Todesgefahr zu begeben und zu sagen Schatz ich mache Schluss. Er hätte ihn in den Reis geschnibbelt. Das ist doch sowieso seltsam oder? Ein gut betuchter, abgesicherter Leibdiener der Krone, lässt sich mit jemanden wie Archibald ein. Er ist zwar ein Leibeigener, aber überlegt mal über welche Macht er trotzdem verfügt, wenn er ihm Namen seines Herrn spricht. Und der Mann zieht dann einfach so mit Archibald herum. Und darf das auch noch? Da sagt sein Herr nichts? Da hätten schon bei Archibald alle Alarmglocken schrillen müssen. Der Mann wird alt", sagte Milli und nahm sich noch ein Ei, dass er genüsslich kaute.

Timothée Mauchelin
»Schmeckt`s?«, fragte Vendelin und beobachtete Camille beim Kauen. Caillou summte vor sich hin und pickte sich aus der Suppe die besten Stücken heraus, die er sich ohne Rücksicht auf andere, die noch davon essen wollten, mit dem Löffel herausangelte und in den Mund steckte, ehe er den Löffel wieder eintauchte. »Ich vermute in Nathan einen Schatten aus einem anderen Orden. Jemand, der sich gekonnt dumm stellt und vermutlich einen Intelligenzquotienten jenseits des Messbaren besitzt. Das würde erklären, warum die Krone seine Ausflüge billigt.«

Camille Langeron
Camille nickte, da sein Bruder ihn unterstützte, wie sie es immer taten. "Richtig, sei schlau und stell Dich dumm. Einfach trottelig kann jeder sein oder sich anstellen, aber das die ganze Zeit durchzuhalten und einem vorzuspielen, dass man förmlich abhängig ist, da muss man schon Fingerspitzengefühl haben und der geringste Fehler ist das Todesurteil. Ich wette er ist ein Schatten oder ein Himmelsauge. Oder einer von den versteckten Schutzorden der Krone, wie es früher auch immer von Leon behauptet wurde. Ihr wisst wer das ist?", fragte Camille und nahm sich noch ein Ei. Irgendwie fing seine Hose an zu spannen.

Timothée Mauchelin
»Nun, im Dummstellen hat manch einer hier ja Erfahrung. Über Leon weiß man alles und nichts. Als gesichert gelten kann, dass er weit mehr war als nur ein Leibdiener. Er wusste zu kämpfen, zu schützen und die Augen und Ohren überall zu haben. Er hat es geschafft, Maximilien vor einer Gefahr zu schützen, die damals jeden anderen, den sie hatte treffen sollen, niederstreckte. Aber so, wie du fragst, weißt du sicher noch mehr. Falls du etwas gegen das Hosenspannen brauchst, bedien dich im Alchemielabor.« Obwohl der Spruch keineswegs humorvoll gemeint war, feixte Caillou und aß auch noch zwei Eier.

Camille Langeron
"Wieso? Pascale ist der Mann von Caillou, ich glaube Du verwechselst uns Onkel. Tja wer weiß? Ist Wissen und Schweigen nicht unser Beruf? Aber Leon war ein Fall für sich, für jeden gut sichtbar stets an der Seite des Duc und dennoch unsichtbar, nicht greifbar. Ich habe mich oft gefragt wer und was er war oder welchem Orden er angehörte. Zwei schließe ich aus, die Agenten und die steinerne Wacht. Wohin musst Du reisen und wann bist Du zurück?", fragte Milli und aß noch ein Ei, er war irgendwie auf den Geschmack gekommen und zu allem Überfluss schienen sich seine eigenen Eier darüber zu freuen.

Timothée Mauchelin
»Du bist nicht mein Schwiegersohn, Camille, und doch gestatte ich dir, ein Fläschlein Hängolin zu borgen«, erklärte Vendelin in gönnerhaftem Ton. »Das Zeug kostet nicht viel. Wie ich sehe, schmeckt es euch. Eure Mutter kam leider nicht in den Genuss des Nachtisches, den ich für sie zubereitet habe und Pascal hat seinen Eiersalat nicht angerührt. Ihr könnt ihn mitnehmen. Den Orden des Stählernen Lotos können wir für Leon wohl auch ausschließen, da sein Agieren dafür viel zu offensichtlich war. Ich reise geschäftlich nach Ehveros, wie lange ich brauchen werde, kann ich noch nicht sagen. Ich hoffe, nicht länger als einen Monat.«

Camille Langeron
"Hängolin? Vielen Dank, ich werde mir eine Flasche ausborgen. Tja oder er war ein perfekter Lotos, denn bekanntlich ist man in der Höhle des Löwen am sichersten. Und er hat es sogar geschafft in der Höhle zum Löwendomteur aufzusteigen. Falls man das so sagen darf, aber uns kann ja eh kein Himmelsäuglein belauschen. Pass bloss auf in Ehveros, Du weißt wie es da zugeht, da haben die Wände Ohren, wie hier die Himmel Augen. Wir werden bei Dir die Stellung halten und nach dem Rechten sehen. Pascal ist ja auch hier", beruhige Milli Vendelin.

Timothée Mauchelin
»Dann esst noch in Ruhe auf und macht dann hier sauber, ich möchte keine Reste irgendwo finden, wenn ich wiederkomme. Und einer von euch muss die Tür reparieren.« Er hielt inne und fragte sich, wo Gideon gerade war. Als er feststellte, dass der noch im Palast weilen musste, überkam ihn eine diebische Freude. »Ich muss mich beeilen. Bleibt artig.« Vendelin rauschte in seine Schreibstube und ignorierte den anzüglichen Pfiff, den Caillou gerade ausstieß, womit er vermutlich auf seinen wehenden Morgenmantel hinwies. Nichts könnte Vendelin gleichgültiger sein. In Windeseile packte er seine Sachen in einen Koffer und zog sich an. Nicht einmal eine halbe Stunde später war er reisefertig und schleppte seinen Koffer zum Flur. Er verabschiedete sich von seinem Sohn, der gerade in der Küche den Abwasch machte, indem er ihn drückte. Es war ihm gleich, dass Moritz sich steif machte und die Umarmung nicht erwiderte. Der Auftrag war gefährlicher als je einer zuvor und es war vielleicht das letzte Mal, dass er seinen Sohn sah. »Pass auf dich und das Kleine auf«, flüsterte Vendelin, ehe er seinen bockenden Sohn wieder freigab, der nur: »Jaaa, jaaa«, sagte und ihn nicht mehr ansah. Vendelin wäre froh gewesen, wenn er in dem Alter noch einen Vater gehabt hätte, der ihn in den Arm nahm, doch er war da bereits 16 Jahre Vollwaise gewesen. Er streckte den Zwillingen zum Abschied kurz den Arm mit der ausgebreiteten Hand durch die Tür, dann verließ er das Haus und eilte mit dem Koffer zu den Kutschen.

Camille Langeron
Camille schaute Vendelin hinterher wie er nach oben und dann ein wenig später abrauschte. Der Mann war schnell und effektiv, in allem was er tat. Das erstaunte Milli immer wieder. Er kannte ihn nicht anders. Milli wartete einen Augenblick, dann schaute er sich die Tür an, von der im Grunde nichts weiter übrig geblieben war als Kleinholz und Splitter. Milli machte sich daran, die gefährlichen Holzsplitter wegzuräumen, damit sich niemand verletzte. Nebenbei wünschte er Vendelin stumm alles Glück. Es musste ein harter Auftrag sein, sonst würde man kein Ordensoberhaupt schicken. Aber es war noch mehr, es war eine Chance sich dem Duc zu beweisen und ihren Orden von den tönernen auf stählerne Füße zu stellen. Milli schaute über die Schulter und grinste seinen Bruder an. "Wirf mal ein Ei rüber", lachte er.

Timothée Mauchelin
Vendelin suchte sich eine Kutsche mit schnellen Pferden und gab dem Kutscher eine großzügige Anzahlung. Die Reise dauerte ungefähr eine Woche, dann erreichte er Burg Drakenstein in Ehveros. Ihm tat alles weh von der Reise in der ungefederten Kutsche, er spürte langsam, dass er auf die fünfzig zuging, ganz gleich, wie faltenlos sein Gesicht sich dank teurer Alchemiecremes noch zeigte. So gönnte er sich zwei Tage Pause nach seiner Ankunft, in denen er im Badehaus in einer heißen Wanne seine schmerzenden Glieder mit Bädern und Massagen lockern ließ, sein Äußeres wieder in Ordnung brachte und seine Reisekleider in der Reinigung weilten. Ab dem dritten Tag nach seiner Ankunft ging es ans Eingemachte. Er hatte Glück. Im Rahmen einer Feierlichkeit zum Beginn der Honigernte würde Großherzog Felipe sich mit seinem Gefolge in der Öffentlichkeit zeigen.

Davard von Hohenfelde
Dave hatte den Auftrag vom Archi-Duc Dreux erhalten, Timothee Mauchelin zu verfolgen. Der Mann hatte einen einfachen wie bombastischen Auftrag - den Mord an Großherzog Felipe von Ehveros. Sollte ihm das gelingen, konnte er sich mit Stolz Königsmörder in die Klinge gravieren lassen. Aber bis dato war es noch ein weiter Weg. Und so wie es schien, ging der Archi-Duc nicht davon aus, dass Timothee ein verlässlicher Assassine war. Dave war schon lange im Geschäft was das beschleunigte Ableben anging. Im Grunde war er in diesem Geschäft schon vor seiner Geburt. Seine Familie hatte diese Zunft zu einer Art Religion erhoben und als er sie verlassen hatte, oder vielmehr als Pavo ihn vor seiner eigenen Familie rettete, hatte er seinen Beruf nicht umstellen müssen. Ein Mörder gerettet von einem Mörder. Eigentlich paradox und auf der anderen Seite so logisch, dass es keiner Erklärung bedurfte. Wobei bei Pavo die Heilerseite ausschlaggebend gewesen war. Wie hatte sein bester Freund damals gesagt? Ich habe Dich nicht gerettet, damit sie Dich endgültig töten... Nun Pavo war meilenweit entfernt in Souvagne, genauer gesagt in Irminabourg und hütete dort gemeinsam mit Varmikan Irmina. Er selbst stand in der Menschenmenge am Wegesrand, die sich für Großherzog Felipe von Ehveros versammelt hatte. Beginn der Honigernte, das war das Fest, das hier gefeiert wurde. Überall herum waren fleißige Bienchen bei der Arbeit, sogar jene aus Souvagne. Dave musterte Timothee der Position bezogen hatte. Nur einen winzigen Augenblick, einen Hauch eines Moments, nicht mehr, nicht weniger und er schaute langsam weg. Jeder kannte das Gefühl beobachtet zu werden, ein zu langer Blick verriet jedem, dass man belauert wurde. Das lag in der Natur des Menschen. War man darin geschult, reichten Sekunden aus um zu fühlen, ob der Blick versehentlich über einen streifte, oder ob man als Beute taxiert wurde. Timothee war geschult, er musste hochgradig gefährlich sein, ansonsten wäre der Mann nicht hier und heute anwesend um sich einen derartigen Titel zu verdienen. Aber ob er es tat, dass war die große Frage. Weshalb der Archi-Duc an ihm zweifelt, wusste Dave nicht. Möglicherweise war der Mann von zögerlicher Natur? Ein Umstand der zu begrüßen war, denn dann lebte man als Mörder länger, allerdings die Opfer auch. Leichtfertigkeit konnte man sich in ihrem Beruf nicht leisten. Der Dolch war schnell gezückt, der Lebensfaden rasch durchtrennt. Aber unentdeckt wie ein Geist vom Tatort zu verschwinden, dass war die hohe Kunst eines Assassinen. Hinein kam man immer, heraus aus der Situation nur als Profi. Dave ließ sich mit der Menschenmasse treiben, aber stets so, dass er wusste zu welcher Hand sich Timothee befand. Am Ende des langsamen Marsches stand er schräg versetzt hinter dem Mann. Er hatte zu beobachten, nicht Timo selbst, sondern seine Tat. Er musste fast den gleichen Blickwinkel haben wie sein Kollege. Er musste sehen, ob Felipe fiel. Falls nicht, war er der Dolch aus der Dunkelheit. Dann würde Felipe durch seine Hand sterben und Timothee ebenso. Dave wartete, so wie er stets gewartet hatte in völliger Ruhe.

Timothée Mauchelin
Vendelin blickte in die selbe Richtung wie die Menge, doch er achtete im Moment nicht auf das, was seine Augen wahrnahmen. Die Ohren waren es, die nun für ihn sahen. Die Stimmen tausender Menschen waren wie ein Meer, sie verschmolzen zu einer gleichförmigen Masse, doch hin und wieder erhoben sich entfernt die Wellen einer aufbrandenden Stimmung. So konnte Vendelin abschätzen, ob man den Großherzog schon sah und wusste dessen Entfernung, obgleich er selbst ihn noch lange nicht sehen konnte. Vendelin hatte unsichtbare Vorbereitungen getroffen, wortwörtlich im Vorbeigehen, von denen man noch nichts merkte, während er sich durch die Menschenmenge drängte. Die Menge rückte dichter, als der Geräuschpegel stieg. Er spürte in seinem Rücken zwei üppige Brüste, die unfreiwillig an ihn gepresst wurden. Nach vorn ging es nicht weiter, da ein Soldatenspalier die Menge von der Prachtstraße fernhielt. Vendelin selbst fühlte sich auch wie eine Sardine und musste mit einem pickligen Jugendlichen kuscheln, der nach Alkohol roch. Von der Seite nahm jemand die Gelegenheit wahr, ihn zu betatschen. Solche Leute gab es in jedem Menschenauflauf. Er hatte keine Ahnung, zu wem die Hand gehörte, doch so lange sie sich nur für seinen Hintern interessierte, störte sie nicht, denn seine Ausrüstung verbarg er anderswo. Seine Ausrüstung war leicht und minimal, unter seiner biederen, langweiligen braun-grauen Kleidung nicht auszumachen. Er versuchte, weiter nach vorn zu kommen, so lange es noch ging. Es kostete ihn einige Mühe und bisweilen auch unhöfliche Brutalität, ehe er zu den Soldaten gelangte, die mit den Waffen in Richtung der Menge standen. Vendelin suchte sich einen aus, der jung und unerfahren aussah. Dem lächelte er zu und zeigte ihm seine Amtskette. Es war eine überzeugende Fälschung der Amtskette von Ehveroser Würdenträgern. Der Soldat ließ Vendelin nah an sich herantreten. »Wichtige Unterlagen seiner Majestät«, sprach er im ehveroser Dialekt. »Es ist von großer Wichtigkeit, dass sie ihren Weg in seinen Fundus finden.« Er überreichte ihm einen versiegelten Brief. Dann steckte er ihm noch einen Silberling zu. »Rasch.« Der Soldat nickte und entfernte sich tatsächlich von seinem Posten. Sehr schön. Die Reihe der Soldaten rückte zusammen und verschloss die Lücke.

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Re: Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#6

Beitrag von Fabien Lacomb » Do 13. Jun 2019, 00:17

Unerwarteter Besuch in Rosa


Nathan
Eine Gestalt, die merkwürdig und vertraut zugleich anmutete, tapste barfuß durch den Palastgarten. Es handelte sich um einen jungen Herrn, der eine sehr markante Gewandung trug:
https://www.joggen-online.de/sport/QYYD ... 014279.jpg

Über einem kurzen rosa Hemdchen mit Rüschen trug er einen ebenso rosa gefärbten Kimono. Dieser reichte kaum bis zur Mitte der Oberschenkel und das Hemdchen nur bis zur Hüfte. Da Nathan von diesen beiden Kleidungsstücken abgesehen nichts trug, presste er den Stoff mit den Händen im Gehen flach an die Hüfte. Mit nackten Füßen huschte er über den Schotterweg. Zwei neue Gardisten schauten ihm sehr verstört nach und überlegten, ob sie ihn des Geländes verweisen sollten, doch die Älteren waren den Anblick gewohnt und gaben ihren Kameraden eindringlich zu verstehen, diesen Mann besser in Ruhe zu lassen. So tippelte Nathan trotz seines Aufzugs unbehelligt in Richtung der Palasttreppe, als er zwischen den Büschen am Wegesrand seinen alten Freund Fabien auf einer Bank sitzen sah. Erst wollte Nathan einfach weitergehen, doch dann blieb er stehen und knetete den Saum seines Kleidchens. »Hallo Fabs.«

Fabien Lacomb
Fabien schaute sich erstaunt um, bei dem Ausruf. Nur wenige nannten ihn Fabs, genau genommen drei Personen und zwar seine Mutter, Maximilien und Nathan. Natty hier im Palastgarten, mit allem hätte er gerechnet, damit nicht. Und er trug eines seiner üblichen hellblauen Kleidungsstücke, die mit hellblau überhaupt nichts zu tun hatten. Fabien lächelte ihn freundlich an und machte eine einladende Geste. "Du hier? Hallo Natty, setz Dich doch zu mir. Für wen hast Du Dich denn dermaßen hübsch gemacht? Und was machst Du überhaupt hier? Ich hatte mich um Dich gesorgt und habe gehofft, dass Du in Deinem neuen Leben glücklich bist. Wie geht es Dir so? Ich hoffe gut. Einige Deiner Sachen sind noch bei mir, ich habe alles aufgehoben und in meiner Kiste verstaut. Ist Archibald gut zu Dir?", fragte Fabien und hielt Nathan die Zigaretten hin, damit er sich eine nehmen konnte.

Nathan
Zögerlich stellte Nathan sich mit seinem Gesäß in Richtung der Bank, strich das Kleidchen unter die Oberschenkel und nahm neben Fabien Platz. »Ich hab mich für Ciel schön gemacht, ich wollte ihn gern besuchen. Seh ich schön aus damit? Archibald kann gar nicht mehr gut zu mir sein, weil ihn jemand eingesperrt hat, im Gefängnis! Da ist er allein und weint.« Nathan senkte die Stimme. »Ich war eigentlich glücklich, aber manchmal macht mein Archi sehr unheimliche Dinge. Dabei ist er so lieb, so lieb, schau!« Er zeigte Fabien die kleine Damenhandtasche, die er um die Schultern trug. Darin lagen die geschnitzten Figürchen, teils aus dem Bestand von Prince Ciel, teils von Archibald geschnitzt. »Was ist denn noch bei mir? Ich schenk dir einfach alles, mein Fabs, ich brauch das ja nicht mehr. Und wie geht es dir?«

Fabien Lacomb
"Archibald macht immer unheimliche Dinge, da er ein gefährlicher Mann ist. Ebenso wie Robere, aber der ist es nicht mehr. Der ist höchstens auf andere Art gefährlich. Ich meinte Du hast Deinen kleinen Fabs noch bei mir gelassen und einige Kleidungsstücke oder? So genau weiß ich das nicht mehr, da ich nicht in die Kiste gucke. Das stimmt mich immer traurig. Hör zu Nathan, bevor wir nicht mehr dazu kommen. Ich wollte Dir sagen, dass ich Dich nie verletzten wollte. Du warst mir immer wichtig und ich habe Dich ehrlich geliebt und mich tatsächlich um Dich gesorgt. Du bist zu lieb für diese Welt um das Böse überhaupt erkennen zu können. Du weißt oft nicht, in welcher Gefahr Du schwebst. Aber vielleicht entgehst Du der Gefahr genau deshalb, weil Du sie selbst nicht wahrnimmst. Jedenfalls wollte ich Dir Danke für die schöne Zeit sagen. Und das ich Dir niemals wehtun wollte. Auch wollte ich Dich nicht anfahren und so anfauchen. Das habe ich getan, weil ich Angst um Dich hatte. Nun die habe ich immer noch, aber Du hast Deine Wahl getroffen und scheinst glücklich mit Archibald zu sein. Vielleicht bist Du für die Freiheit gemacht Natty, ich bin das nicht. Mir geht es gut, Danke der Nachfrage. Gestern hatte Max seit langem mal wieder Kopfschmerzen. Also habe ich ihm die Haare gewaschen, einen nassen Lappen auf die Stirn gedrückt und ihm beim Einschlafen den Kopf massiert. Zum Dank gab es heute Morgen Kuchen für mich. Dabei habe ich es gerne gemacht. Ciel möchtest Du besuchen? Ich glaube er wird sich freuen, Dich nach so langer Zeit munter und gesund wiederzusehen. Erzähl, wie ist es Dir so ergangen und was hast Du gemacht? Und wieso ist Archibald eingesperrt?", fragte Fabien neugierig.

Nathan
»Max ist ein glücklicher Mann«, seufzte Nathan. »Weil er so einen lieben Fabs hat. Leider braucht er einen Nathan so wenig wie du oder wie Ciel. Aber mein neuer Herr ist auch sehr gut zu mir, nur dass er mich manchmal in dunkle Ruinen einsperren muss und dann tagelang weg ist, macht mir Angst. Ansonsten hab ich gar nichts gemacht, außer, mich um meinen Archi zu kümmern, er braucht sehr viel Liebe und Zuwendung und die bekommt er natürlich, wann immer es ihm beliebt. Leider isst er manchmal ... Kinder ... auf.« Nathan schluckte tapfer den Kloß in seinem Hals herunter. »Ich war gern dein Natty, darum musst du dich gar nicht bedanken. Du hast mir ganz viel beigebracht, was mir nun hilft, weil du immer so klug bist. Meinen Minifabs habe ich mitgenommen, Fabs, er wollte nicht hierbleiben, auch wenn er kein so schönes Puppenbett mehr hat wie früher. Robere findest du nicht mehr gefährlich? Aber warum nicht? Wegen dem ... also wegen dem Glasdingsda ,den du dir bestellt hast?«

Fabien Lacomb
"Nein das ist wohl wahr, Max braucht keinen Nathan aber er hätte Dich gewollt und das ist doch mehr wert als gebraucht zu werden oder? Du warst immer willkommen und Du warst ihm ein Freund. Genau wie Gregoire, er hat Dich auch immer sehr gemocht und ich ebenso. Na so klug bin ich gar nicht Nathan, ich habe nur meine Erfahrungen gemacht. Und bevor Du selbst in den Dreck fällst, erzähle ich Dir von meinen, damit es Dir erspart bleibt. Das Du den Mini-Fabs bei Dir hast freut mich. So bin ich ja noch ein bisschen bei Dir. Archibald sperrt Dich ein? Sei vorsichtig und lass Dich nicht einsperren. Stell Dir vor er kommt nicht zurück, so wie jetzt. Was wäre, wenn er Dich eingesperrt hätte und Du wärst in so einer Ruine gefangen? Du könntest dort drinnen verdursten und verhungern. Also sei bitte vorsichtig. Mir würde es auch Angst machen, wenn er kleine Kinder auffrisst. Dem Glasdingsda? Du meinst den Dildo? Der gehört nicht mir, sondern Max. Max hat Tekuro also Robere mal im Rübenhof besucht und da mochten sie sich ziemlich. Danach kam Robere uns mal besuchen und war freundlich zu uns beiden. Und da er nun einige Zeit weg ist, ist das sozusagen der Ersatz von ihm. Natürlich aufs Wesentliche reduziert. Das Spielzeug gehört aber Max und nicht mir Natty", sagte Fabien leise und grinste.

Nathan
Nathan zog die Brauen sehr weit nach oben, in der Mitte kräuselten sie sich. »Aber du hast gesagt, dass ich mich von Robere fernhalten muss! Ich musste es dir versprechen. Weil du ihn selber für dich und Max behalten wolltest, stimmt`s? Ich bin nämlich nicht so dumm, wie immer alle denken! In meinem Kopf hab ich mir das überlegt!« Er tippte an seine Schläfe. »Wenn ich nicht gebraucht werde, fühle ich mich nicht wohl, Fabs. Das ist dann so, als ob ich nutzlos bin. Du hast nicht gesagt, dass ich schön aussehe in dem Kleid, also ist es auch noch hässlich. Dabei wollte ich, dass Ciel sich freut.«

Fabien Lacomb
Fabien hob beschwichtigend die Hände. "Langsam Natty bitte. Manche Dinge ändern sich und lass es mich Dir bitte erklären. Robere war und ist immer noch gefährlich. Vielleicht gefährlicher als jemals zuvor. Und ich wollte ihn nicht für mich, denn er ist nicht mein Freund oder zeitweiliger Besucher, sondern der von Max. Also ich habe Dich vor ihm gewarnt, weil er Dir wehgetan hat Nathan. Und ich hatte Angst, dass er Dir noch schlimmer wehtun wird. Das er Dir noch ganz andere Dinge antun könnte. Robere hat mir nichts angetan, weil ich zu Max gehöre. Allein, keine Ahnung. Aber er und Max verstehen sich auf eine unerklärliche Art und sie scheinen sich zu mögen, was Zärtlichkeiten angeht. Er hat ihn sogar in seinen Gemächern besucht, da er Sehnsucht nach ihm hatte und Max hat ihn empfangen. Aus dem Spaß zu zweit, wurde dann Spaß zu dritt Natty. Aber mich kam Robere nicht besuchen, dass wollte ich Dir gesagt haben. Er mag Max und Max ihn. Darum auch dieses Trösterli in Roberes Abwesenheit. So kann er ihn ja immer noch spüren, wenn er Lust drauf hat. Was Du wegen dem Brauchen sagst, verstehe ich und ich fühle ganz ähnlich. Einfach mal nichts zu tun zu haben ist für eine Stunde oder so schön, aber danach macht man sich Sorgen und fühlt sich komisch. Sei mir nicht böse Nathan, ich habe Dich damals wirklich aus Sorge gewarnt und nicht, weil ich Dir was wegnehmen wollte. Das will ich doch gar nicht, ich habe immer gewollt das es Dir gut geht. Vor unserer Beziehung, währenddessen und jetzt auch noch Natty. Ich hab Dich doch immer noch lieb, auch wenn ich nicht verstehe warum Du den Palast verlassen musstest für diesen Unhold. Aber das ist Deine Wahl und wenn Du mit ihm glücklich bist, schön. Nur bitte pass auf Dich auf", bat Fabien. Er dachte einen Moment lang nach. "Weißt Du wen ich letztens im Thronsaal getroffen habe? Du glaubst es kaum Natty, meinen Vater. Weißt Du wer mein Vater ist? Gideon de Gladu, das hat mir Max erzählt. Meine Mutter hatte mir früher erzählt, dass mein Vater sie einfach sitzen gelassen hat. Und genau den Kerl dann vor dem Thron stehen zu sehen, war schon heftig. Am liebsten hätte ich ihn für meine Ma geohrfeigt. Aber leider darf man das nicht, auch wenn er es verdient hätte", sagte Fabien und hielt Nathan die Hand hin.

Nathan
Nathans zarte Hand legte sich in die starke, gepflegte Hand von Fabien. »Du bist ganz schön schwierig manchmal«, gab Nathan altklug von sich. »Aber ich hab dich trotzdem immer noch sehr lieb.« Nathan lehnte sich an Fabiens Schulter und schenkte ihm ein Küsschen. »Ich kann dir sagen, warum ich Archibald folgen musste. Weil er sonst niemanden hat, der ihn mag. Niemand kümmert sich um ihn, er ist völlig allein, sogar seine Eltern haben ihn verlassen. Er hat keine Familie mehr, niemanden! Es ist gar kein Wunder, dass er manchmal ein bisschen komisch ist. Und du hast deinen Papa jetzt kennengelernt? Gideon?« Nathan überlegte. Dann lächelte er plötzlich. »Ich weiß, wo Gideon wohnt, er wohnt bei Onkel Timo zu Hause!«

Fabien Lacomb
"Ich bin alles andere als schwierig Nathan, es hat sich einfach ergeben das Robere und ich im Bett gelandet sind. Von allein wäre das sicher nicht passiert, da ich ihn stets gefürchtet habe. Und wenn ich ehrlich bin, ich fürchte ihn immer noch, auch wenn es Spaß gemacht hat. Er ist ein Vampir, dass kommt noch dazu. Das heißt er ist noch gefährlicher als vorher. Aber er kann auch ziemlich heiß sein, das gebe ich zu und habe ich vorher nicht erwartet. Nun ich kannte ihn auch nur als Knochenbrecher und Schläger und nicht als Stecher. Kennengelernt ist etwas übertrieben, er wurde vor Max zitiert und musste sich dann zu einem Sachverhalt äußern. Und damit ich vorher Bescheid wusste, hat mir Max erklärt wer Gideon ist. Also wusste ich, dass der Kerl der dort vor dem Thron steht, mein Vater ist. Und ich war verdammt wütend, wütend für meine Mutter und für mich. Wer ist Onkel Timo?", fragte Fabien und zog Nathan liebevoll an sich um ihn in dem dünnen Hemdchen zu wärmen.

Nathan
Nathan schmiegte sich an Fabien. Seine kühle Haut wurde gewärmt an Fabiens warmem Körper. Schlagartig merkte Nathan, wie sehr Fabien ihm wirklich gefehlt hatte. »Ich hab dich vermisst, mein Fabs«, sagte Nathan ganz leise und eine Träne kullerte über seine Wange. »Onkel Timo ist doch der Freund von Archibald! Timo hat ihm die Kinder gebracht, das hat er getan, hat sich um Archibald gekümmert, aber so böse! Und dann sollte Archibalds Tochter mit Patrice Vertcuis von der Leibgarde schlafen. Du musst Onkel Timo kennen, er war hier auch im Palast, er hatte eine Anhörung! Der Papa von Patti Vertcuis ist das! Und bei ihm wohnt auch Gideon zu Hause, das weiß ich genau, weil ich das gesehen habe mit meinen eigenen Augen! Hat Robere dir weh getan? Oder war er wirklich immer ganz lieb zu deinem Poloch?«

Fabien Lacomb
"Na nicht weinen Nathan, es gibt keinen Grund für Tränen", flüsterte Fabien und küsste Nathan liebevoll. "Ich hab Dich auch ganz gewaltig vermisst Natty, ach man wie oft hätte ich Dich einfach nur gerne im Arm gehalten. Oder Dich zwischen mich und Max ins Bett gequetscht. Weißt Du noch unsere Pyjamaparty, wo wir gemeinsam gepennt haben und Du Dich an Max gedrückt hast. Ach das war schön und gemütlich war es zudem auch noch. Ich vermisse die Zeit Natty, irgendwie war alles rund. Ah ja ich weiß wer Timo ist, Du hast Recht. Stimmt wegen der Anhörung von Timo war Gideon da, aber ich hatte mich jetzt ehrlich gesagt nicht an den Namen von Timo erinnert. Dafür hatte ich mich zu sehr auf Gideon konzentriert und mir ihn ganz genau angeschaut. Trotz meiner Wut wollte ich wissen wie er aussieht. Da kann einem Timo ja leidtun dass er Gideon bei sich wohnen hat. Nein Robere hat mir nicht wehgetan, er war anständig zu mir und zu Max auch. Ich glaube er hat einiges dazugelernt, oder er hat einfach gewaltigen Respekt vor Max. Gut wer hat den nicht. Ein falscher Fick - Block", kicherte Fabien.

Nathan
»Du willst deinen Papa nicht besuchen?«, fragte Nathan und kuschelte sich noch fester an Fabien an. »Oh«, hauchte er dann, »falls Ciel keine Zeit hat, darf ich dann bei dir und Max zu Gast bleiben? Ich mach mich auch ganz klein, ihr merkt mich gar nicht, ich bin nur lieb und leise! Sonst nichts! Dass Robby lieb zu dir war, das tut mich beruhigen. Weil er das manchmal leider nicht ist, aber ich weiß nicht, warum. Zu Patti war er ganz am Anfang freundlich, plötzlich immer so böse und plötzlich ist er ganz, ganz lieb zu ihm? Ich hoffe, dass er es sich bei euch beiden nicht auch plötzlich anders überlegt. Und plötzlich wieder bös wird ...«

Fabien Lacomb
"Ehrlich gesagt würde ich den Mistkerl schon gerne einiges fragen, allen voran, warum er meine Mutter einfach verlassen hat. Aber will ich die Antwort wirklich hören? Wer weiß wie er über meine Mutter spricht. Ich könnte es nicht ertragen, wenn er über sie herzieht und sie nur als billiges was weiß ich abtut. Ich muss mir das mal in Ruhe überlegen Natty, drum kann ich Dir das noch gar nicht beantworten. Also vielleicht werde ich ihn mal besuchen, vielleicht auch nicht. Hör zu, warum bleibst Du heute Nacht nicht bei uns? Wir würden Dich gerne bemerken, ein bisschen plaudern, kuscheln, Kakao trinken und eine Waffel oder Kekse essen. Du musst hier keine Angst haben. Max hat Dir auf meinen Wunsch hin Absolution erteilt. Also Du bist hier willkommen, Archibald ist es nicht. Darum wurde er auch festgenommen. Du kannst morgen früh Ciel besuchen, was meinst Du?", fragte Fabien aufgekratzt.

Nathan
»Darf ich wirklich?«, fragte Nathan mit viel zu hoher Stimme. »Entschuldigung«, sagte er dann leise, »ich bin ein bisschen nervös. Weil ich hab dich doch vermisst. Absolution heißt, ich darf alles machen, oder? Ich mach aber gar nichts Böses, ich versuche, nur liebe Dinge zu tun. Ich glaube, wenn ich zu Archibald lieber gewesen wäre und nicht so oft genörgelt hätte, wäre er vielleicht ein ganz anderer Mann heute. Gideon hat gar nicht böse über irgendwen gesprochen, er war eigentlich ganz nett. Er hatte nur ein bisschen komische Sachen an, das hätte dir bestimmt nicht gefallen. Also ich hätte die ihm nicht rausgelegt, er hat einen dummen Diener.« Nathan überlegte, dann schüttelte er bedauernd den Kopf. »Ach nein, er hat überhaupt gar keinen!«

Fabien Lacomb
"Natürlich darfst Du Nathan, sonst hätte ich es Dir doch nicht angeboten. Ich freue mich, dass Du das Angebot annehmen möchtest und Max wird sich auch freuen. Komm lass uns nach oben gehen. Du bekommt auch von mir Schlafklamotten rausgelegt, dann zerknautscht Du nicht Dein Hemd für Ciel. Es sei denn, Du möchtest es gerne anbehalten. Tja ob das Archibald wirklich geholfen hätte? Das kann ich Dir nicht sagen, manche Menschen ändert sowas. Aber manche Menschen bleiben immer wie sie sind Nathan, da kannst Du Dir noch so große Mühe geben. Das ist leider traurig aber wahr. Du wenn er keinen Leibdiener hat, ist es kein Wunder wenn er so rumläuft. Eindeutig am falschen Ende gespart sage ich da nur. Das er über niemanden gelästert hat, klingt ganz annehmbar", sagte Fabien und drückte den Rest seiner Rauchstange aus und warf sie in den passenden Behälter. Er zog Nathan auf die Füße und ging mit ihm gemeinsam zurück zu den großherzoglichen Gemächern. Fabien trat ein und zog Nathan mit sich. "Max ist bestimmt schon im Schlafzimmer, geh ruhig zu ihm, ich ziehe mich schnell um und komm dann nach. Oder warte, wie Du magst", grinste Fabien glücklich und schloss die Tür.

Nathan
Nathan war etwas traurig, weil er nicht zusehen durfte, wie Fabien sich umzog. Aber er fügte sich und tapste vorsichtig zu Maximiliens Schlafzimmer, wo er sacht klopfte. »Majestät«, sagte er leise. »Hier ist Nathan.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Natty? Komm rein ist offen", antwortete Maximilien gut gelaunt. Den ehemaligen Leibdiener von Ciel hatte er eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen. Gregoire hatte ein besonderes Verhältnis zu ihm, da ihn die Anwesenheit von Nathan gut getan hatte. Nat hatte ihm das erste Kleid spendiert, besser gesagt ihr das erste Kleid spendiert. Und auch Dreux war gut mit Nathan ausgekommen. Und er selbst ebenso, er mochte den kleinen lieben Kerl, auch wenn manche behaupteten er wäre der Barde des Abgrunds. Nathan war genau das Gegenteil, er war lieb und wollte einfach nur lieb gehabt werden. "Komm rein Natty und leg Dich dazu, dass heißt lass Dir von Fabien passende Sachen geben", sagte Max.

Nathan
»Ich bin schon passend angezogen«, sprach Nathan freundlich. »Das heißt, eigentlich passend für Ciel, er mochte immer, wenn ich solche Kleidchen angezogen hab. Ich hoffe, er mag das noch immer. Aber ich kann das die Nacht über auch hier anlassen, es ist ganz frisch. Weil, ich weiß nicht, ob Fabs ein Nachthemd für mich hat, andere Schlafanzüge mag ich nicht so gerne.« Nathan kroch zu Maximilien ins Bett und legte sich so zu ihm, dass Fabien auf Maximiliens anderer Seite Platz hätte. So wurde es für ihn und Maximilien kuschlig, was Nathan ein wenig aufgeregt machte. »Ich hatte meinen Fabs vermisst und meinen Ciel und noch viele andere. Weil Archibald ist immer allein und wenn er jagen geht, sperrt er mich weg und dann bin ich allein. Euch hab ich auch ein bisschen vermisst, ich hoffe, das darf ich sagen, aber nun hab ich es sowieso schon gesagt.« Er legte den Arm um Maximilien und kuschelte sich an ihn.

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Selbstverständlich darfst Du das sagen Nathan und ich höre sehr gerne, dass Du mich vermisst hast. Ich habe Dich und Deine fröhliche, liebe Art auch vermisst. Ich sehe doch, dass Deine Sachen frisch und sauber sind, mach Dir darum keine Gedanken. Jeder trägt das, was für ihn nachts am bequemsten ist. Ich trage meistens eine Unterhose und ein Hemd, dass reicht. Dafür gibt es ja den Ofen. Na komm her", sagte Max freundlich und nahm Nathan fest in die Arme. "Fabien soll sich mal was beeilen", flüsterte er Nathan ins Ohr.

Fabien Lacomb
"Das macht der Fabien auch, ich höre was Du flüsterst", antwortete Fabien schmunzelnd und legte sich zu die beiden dazu. "Ihr habt es Euch schon schön gemütlich gemacht was?", fragte er liebevoll und breitete die Tagesdecke über sie alle aus. "Schön wieder so zusammen zu liegen. Dein Besuch freut mich sehr Natty. Schlaft schön Ihr beiden", sagte Fabien gerührt und gab zuerst Max und dann Nathan einen langen gute Nachtkuss.

Nathan
»Schlaft auch schön«, sprach Nathan, nachdem der lange Kuss vorbei war. Er beschloss, irgendwann in der Nacht, wenn er aufwachte, auf Fabiens Seite zu krabbeln und zu probieren, ob er ihn nicht vorsichtig wecken konnte. Da Maximilien wie ein Stein schlief, konnten sie vielleicht ein bisschen schmusen, ohne dass er es merkte. Aber jetzt musste erst einmal Maximilien von beiden Seiten liebgehabt werden. Nathan hatte das Gefühl, dass Maximilien das auch guttun würde. Er gab dem Duc ein Küsschen auf die Wange und schloss zufrieden die Augen.

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Re: Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#7

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Do 13. Jun 2019, 00:18

Die Gefangenen sind verschwunden


Ciel hatte sich so für Alexandre gefreut. Von Caillou hatte er soeben erfahren, dass Alexandres Peinigerin, Derya zusammen mit ihrem Vater Archibald dingfest gemacht worden war. Doch nun, als Ciel die Kellertreppe hinabschritt, die zu den Verliesen führte, spürten seine magischen Sinne kein Lebenszeichen mehr hier unten. Weder das eines Sterblichen, noch das eines Untoten. Der Geruch des Todes quoll aus dem Schacht hinauf. Ciel sollte nicht hinabsteigen, er sollte jemanden schicken, doch er wollte mit eigenen Augen sehen, was geschehen war. Ein Erdrutsch vielleicht, der alle Insassen verschüttet hatte? Doch als er den Zellentrakt erreichte, standen die Türen offen. Die Gefangenen waren fort. Im Gang lag die bereits riechende Leiche eines Leibgardisten, ein Neuling aus Unitè D. Ciel schrak zurück, dann rannte er die Treppe hinauf. Es war noch sehr zeitig am Morgen, vor der üblichen Weckzeit, darum würde er seinen Vater vermutlich noch in dessen Gemächern antreffen. »Papa«, rief Ciel und hämmerte wie besessen gegen die Tür, während einer der wachhabenden Gardisten unauffällig die Faust zurückzog, mit der er gerade für den Prince hatte klopfen wollen, um dessen zarte Knöchel zu schonen.
Maximilien Rivenet de Souvagne
Fabien öffnete Ciel die Tür und ließ ihn sofort ungehindert eintreten, denn der Prince würde nicht grundlos auf dem Flur nach seinem Vater rufen. Maximilien ging seinem Sohn entgegen und schaute ihn besorgt an. "Was ist los? So wie Du aussiehst, hast Du einen Geist gesehen. Komm rein und erzähl", bat Max und band sich die Haare zusammen, während Fabien hinter Ciel die Tür schloss.

Ciel Felicien de Souvagne
»Gerade war Caillou vom Stählernen Lotos bei mir. Er hat mich im Auftrag von Vendelin von Wigberg darüber informiert, dass Derya und Archibald im Verlies festgesetzt wurden. Da ich mich so für Alexandre gefreut habe, wollte ich soeben nach den Gefangenen sehen, sie vielleicht ein wenig ärgern. Aber der Zellentrakt ist leer, niemand ist mehr dort! Die Türen stehen offen und im Gang liegt ein toter Gardist, der Neuling von Unitè D, der den Platz von Edoardo Lombardi eingenommen hat!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max hörte seinem Sohn zu und glaubte kaum was er dort hörte. "Schätze ab, wie lange der Tote schon tot ist. Also könnten die Gefangenen noch im Palast sein? Welche Einheit der Garde hatte zum Fluchtzeitpunkt Dienst? Alle Gefangenen sind geflohen und ein Gardist wurde ermordet. Folglich können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, wer für den Tod des Mannes verantwortlich ist. Wir benötigen sofort die Liste, aller ehemals dort Inhaftierten. Die Geflohenen sind als Mörder zu werten und dementsprechend zu verfolgen. Wie verhält es sich mit Archibald und seiner Brut?", fragte Max besorgt.

Ciel Felicien de Souvagne
»Da der Tote Unitè D angehörte, wird diese Dienst gehabt haben. Die Leiche riecht schon, allerdings nicht sehr stark, ich denke, er liegt da höchstens drei Tage. Ich habe ihn aber nicht genau untersucht. Manche riechen ja bereits im Sterbebett nach Tod, er könnte genau so gut erst 24 Stunden da liegen. Ich denke aber nicht, dass die Geflohenen noch auf dem Palastgelände sind, es sei denn, sie sind strunzdämlich. Archibald und Derya waren nirgends zu sehen, niemand ist mehr dort unten!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Es hätte ebenso sein können, dass sie gerade erst geflohen sind Ciel. Trotzdem werde ich den Palast sichern lassen. Und gerade Archibald und Derya, wären nicht so strunzdumm, sondern so schlau sich genau hier zu verstecken bis die Suche beendet ist. Unite D hat damit sträflich seinen Dienst vernachlässigt", erklärte Max. "WACHEN!", rief Maximilien und die beiden Leibgardisten, die vorab noch vor der Tür gestanden haben, stürmten sofort in die Gemächer um nach einem vermeintlichen Feind Ausschau zu halten. "Die Gefangenen des Kerkertraktes sind geflohen. Scheinbar vor längerer Zeit. Leitet umgehend eine Suche nach den Gefangenen ein. Durchkämmt den Palast. Wer von den Gefangenen aufgegriffen wird, ist umgehend zu töten. Ein Gardist der Unite D wurde beim Ausbruch ermordet, folglich kennen wir mit diesen Unpersonen keine Gnade. Der Mörder Archibald von Dornburg und seine Tochter Derya sind ebenfalls geflohen. Der Palast ist nach beiden zu durchsuchen und zwar sofort mit allen zur Verfügung stehendem Personal. Bei Sichtung sind beide sofort zu töten. Die Gefahr die von beiden Personen ausgeht, muss nicht gesondert erwähnt werden. Ferner hat man uns umgehend eine Dienstliste jener Gardisten vorzulegen, die Dienst während der Flucht schoben. Da ein Kollege der Unite D fiel, hatte die Unite D Dienst. Wir erwarten binnen einer halben Stunde alle Angehörigen der Unite D im Hof. Ferner wünschen wir umgehend Magistral Jules de Mirault zu sehen und unseren Scharfrichter Dominique Dubois, beide einsatzbereit", befahl der Duc und die Gardisten eilten sofort aus den Gemächern. Max, Ciel und Fabien hörten wie sie draußen den Kollegen entsprechende Weisungen zubrüllten. Sekunden später hörte man durch den ganzen Palast die schweren Panzerstiefel rennen, während Alarm ausgelöst wurde. Damit war jedem im Palast klar, dass die Tore geschlossen wurden. Niemand kam mehr herein oder heraus, es sei denn er hatte eine persönliche Ausnahmegenehmigung des Duc. "Ein grauenvoller Morgen", murrte Max.

Ciel Felicien de Souvagne
»Und das vor dem Kaffee«, sagte Ciel bedauernd. »Fabien, bitte bring uns rasch zwei Kaffee, die müssen wir noch trinken in der verbleibenden halben Stunde, um einen klaren Kopf zu bekommen.« Ciel setzte sich auf einen Stuhl, der Schrecken saß ihm noch in den Gliedern. »Ob am Ende Vendelin selbst dahinter steckt? Ich hatte gehofft, wenn Archibald fällt, das Nathan endlich wieder frei von seinem Einfluss wäre und vielleicht zu uns zurückkehrt.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Fabien nickte und machte sich sofort daran für die beiden Herrschaften einen Kaffee zuzubereiten. Max deutete Ciel an ihm zu folgen und machte es sich im Wohnzimmer gemütlich. "Ja das wäre zu wünschen, ich glaube Nathan ist nicht bewusst, in welcher Gefahr er schwebt und wie gefährlich sein Begleiter tatsächlich ist. Auf der einen Seite ist es sogar löblich wie neutral er die Menschen betrachtet. Er geht immer nur von dem Guten aus, gleich wie bösartig eine Person auch sein mag. Das kann aber leider fatal enden und Archibald ist keine Person die Gnade verdient hätte. Ob Vendelin damit zu tun hat? Möglich, nur weil er nicht vor Ort ist, ist er nicht handlungsunfähig. Sollte er damit zu tun haben, war es sein letzter Streich. Dann wird ihm mehr geprellt als nur die Daumen. Er mag vielleicht davon ausgehen, dass der Krone nur der Block als Endmittel zur Verfügung steht, aber dem ist nicht so. Wir können in unserer unendlichen Weisheit jede weltliche Strafe verhängen, von Pfählen bis zum Vier-Teilen oder was uns passend zu einem solchen Hochverräter einfällt. Immerhin soll die Strafe das Vergehen wiederspiegeln, deshalb werden Brandstifter schließlich auch auf dem Scheiterhaufen verbrannt, damit sie selbst erleben, was sie anderen angetan haben. Soweit ich weiß, ist Derya schwanger. Ist das korrekt? Sie sollte sicherheitsverwahrt werden, bis zur Entbindung", sagte Max, während ihnen Fabien Kaffee und Frühstücksgebäck vor die Nase stellte.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sicherheitsverwahrt? Dann war sie nicht in dem Trakt, in dem ich schauen war, hoffentlich ist sie noch vor Ort! Wenn ja, sollten wir keine Zeit verlieren. Wo hast du sie sicherheitsverwahren lassen? Wenn wirklich Vendelin hinter der Massenflucht steht, gehört er nackt in ein Fass voller Giftspinnen gesetzt, wie er selbst eine ist!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Spinnen in dem Ausmaß kann ich leider nicht bieten Ciel, aber Krebse haben wir ausreichend in der Azursee. An eine Hafensteele gebunden und gewartet, da erledigen sie das Handwerk. So sagt man es jedenfalls, ob es stimmt wissen wir nicht, könnten es aber dann ausprobieren. Die Sicherheitszellen sind in einem gesonderten Trakt unterhalb des Palastes. Nun die Kerkerzellen sollten auch nicht für jedermann zugänglich sein", grübelte Max und strich sich über sein unrasiertes Kinn. "Fabien eile zu Brandur und sag ihm, dass er sich sofort hier einfinden soll. Er soll den Toten im Kerker beschwören. Seine Aufgabe ist es, herauszufinden wer in den Kerker eingedrungen ist um die Gefangenen zu befreien. Ohne Hilfe von außen, ist eine Flucht nicht möglich. Zudem soll der Gardist uns schildern, was genau vorgefallen ist. Beeil Dich und komm schnellstmöglich zurück", befahl der Duc. Fabien verneigte sich knapp und machte sich sofort auf den Weg zu Brandur.

Ciel Felicien de Souvagne
»Aber dann so, dass der Kopf noch herausschaut. Ertrinken ist ein zu gnädiger Tod für einen Hochverräter, der dermaßen viel Schaden angerichtet hat. Die Sicherheitsbestimmungen der Verliese sollten erhöht werden, aber wir werden ja gleich sehen, wo die Sicherheitslücke zu finden ist.« Ciel griff nach einer der Kaffeetassen und schlürfte verstimmt, bis es klopfte. Das würde Brandur von Hohenfelde sein.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien schaute seinen Sohn an und lächelte freundlich. "Fabien ist scheinbar nicht dabei, öffne bitte die Tür und lass den guten Brandur eintreten Ciel. Sei ein braver Sohn", grinste Max und strich ihm über die Stoppeln. "Sie kommen tatsächlich wieder", freute sich Max.

Brandur von Hohenfelde
»Danke.« Brandur schritt an Ciel vorbei in das Gemach. »Majestät und Hoheit, Ihr wünscht zu so früher Stunde?«, fragte Brandur unter einer höflichen Verneigung. Im Gegensatz zu Maximilien und Ciel hatte er noch nicht geschlafen, da er eine nachtaktive Lebensweise bevorzugte, sondern gerade ein wenig gelesen, um sich auf die bevorstehende Tagruhe einzustellen.

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Es hat einen Vorfall gegeben Brandur. Genauer gesagt, sind aus dem Kerkertrakt die Gefangenen geflohen. Einzig und alleine was zurückblieb ist ein ermordeter Gardist der Unite D. Ohne Weiteres kommt man nicht in diesen Trakt. Wir sprechen privat, als Familie. Ich wünsche zu erfahren wer dort in den Trakt eingedrungen ist und die Gefangenen befreit hat, oder wie die Gefangenen sich befreien konnten. Ferner muss ich erfahren, wer den Gardisten ermordet hat. Archibald von Dornburg war dort inhaftiert, nun ist das Scheusal wieder frei. Ihm hat die Todesstrafe gewunken. Nun winkt sie allen, die dort eingesessen haben. Beschwöre den Geist des Gardisten und lass Dir erzählen, was sich zugetragen hat", antwortete Max und nickte Ciel dankbar zu.

Brandur von Hohenfelde
Brandur nickte. Für einen Hohenfelde war ein solches Ereignis weder überraschend noch sonderlich erschütternd, der Alltag im Herrenhaus hatte kaum anders ausgesehen. Er hatte den Toten nicht gekannt, doch in Anbetracht der Frische der Tat konnte er dessen Spur im Nexus auch von dem bequemen Sessel aus verfolgen, auf dem er nun Platz nahm. »Wir es dein Wunsch ist, Maximilien«, sprach er und ließ sich in leichte Trance fallen. »Auf das Anlegen zweier Bannkreise verzichte ich in Anbetracht der zu erwartenden Gutartigkeit und geringen Macht des Toten.« Geisterbeschwörung war ein Anfängerzauber der Nekromanten und so begann sich bald der Geist in ihrer Mitte zu materialisieren, ein blaues Leuchten, das zu einem Mann heranwuchs.

Geister Gardist:
Der Geist nahm in dem großherzoglichen Gemach Gestalt an. Er schaute sich um und schien recht verwirrt. Als er Maximilien und Ciel erblickte, verneigte sich der Geist respektvoll, so wie er es gewohnt war. Ihm selbst schien gar nicht bewusst zu sein, dass er ein Geist war. "Eure Majestät und Eure Hoheit", sagte er ergeben.

Ciel Felicien de Souvagne
»Guten Morgen, Monsieur. Ich hoffe, sie haben trotz der Unnanehmlichkeiten im Gang des Zellentraktes angenehm geruht. Ihr Leichnam wird zeitnah durch einen Priester versorgt. Wie ist überhaupt Ihr Name?«, verlangte Ciel zu wissen. »Und wie kamen Sie zu Tode?«

Geister Gardist:
"Herr ich... ", antwortete der Geist und stockte. Ein Zittern ging durch die leuchtende Gestalt, es dauerte einige Minuten, aber dann schien sich der Geist gefasst zu haben. "Mein Name ist Arnaud Vertefeuille und ich bin Leibgardist der Unite D. Euer ehemaliger Leibdiener war hier zugegen, er hat in einem der Gastgemächer übernachtet. Der junge Mann fragte nach seinem Gefährten Archibald von Dornburg und seinen eigenen Besitztümern. Dabei weinte er bitterlich. Seine Habseeligkeiten waren in seinem Nachttisch verwahrt worden. Zuerst hielt ich die vermissten Personen für reale Personen und nicht für Spielzeugsoldaten. Nathan Garcia bat darum, zu Archibald geführt zu werden. Ich kam seiner Bitte nach und führte ihn hinab in die kerkerlichen Katakomben. Vor der Tür von Dornburg blieben wir stehen. Niemand sonst war in dem Gang, als ich einen Stoß erhielt und gegen die Gitterzellentür geschleudert wurde. Der Insasse von Dornburg packte mich und saugte mir das Blut aus den Adern. Es kann nur Nathan Garcia gewesen sein, der mich in die Arme dieses Mörders stieß und so mein Mörder wurde", klagte der Geist.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel empfand tiefes Mitleid mit dem zitternden Geist und musste schlagartig daran denken, dass der Mann vielleicht Familie gehabt hatte, vielleicht Kinder, die nun vergeblich auf die Heimkehr ihres Vaters warteten. Eine weitere Mutter weinte um ihren gefallenen Sohn. Und Schuld daran war ... »Nathan«, rief Ciel aufgebracht. »Das ist doch nicht die Möglichkeit! Nathan! Nathan?« Er griff sich an den Kopf. »Er hat Sie ermordet, nachdem Sie ihm seine Spielzeugfiguren gegeben und ihn zu Archibalds Zelle geführt habt. Und was geschah dann? Waren Sie sofort tot oder konnten Sie sehen, was geschah?«

Geister Gardist:
"Ich starb langsam, da mich dieser Vampir aussaugte. Dann wurde ich fallen gelassen und spürte wie die Kälte nach mir griff. Nathan sagte, dass man die anderen nicht hier lassen könnte. Archibald befahl ihm, mir den Schlüssel abzunehmen. Daraufhin durchsuchte mich Nathan, drehte mich sogar um und ich könnte nichts mehr sehen. Er nahm mir den Schlüssel aus der Gesäßtasche ab und irgendwann hörte ich wie aus weiter Ferne das Schloss von der Zelle aufspringen. Dann die anderen Schlösser und sie Fußgetrappel. Sie liefen weg und ich lag dort... Ich weiß nur, dass dann alles schwarz wurde", erklärte Arnaud.
Fabien:
Fabien kehrte zurück und nahm direkt neben Maximilien Platz. "Entschuldige, dass ich erst jetzt zurückkehre, ich war unten im Hochsicherheitstrakt, Derya ist noch dort. Ich habe die Wachen um ihre Zelle verdoppeln lassen und jeden Zutritt in Deinem Namen verboten. Falls Archibald noch hier ist, kommt er an seine Tochter nicht heran", sagte Fabs und aß selbst ein Stück vom Frühstückskuchen.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel bedauerte zutiefst, was dem Gardisten widerfahren war. Er war für seinen Beruf schlichtweg viel zu freundlich gewesen, indem er Nathan, der seinen Partner angeblich vermisste, zu diesem führte, obwohl er im Verlies saß und kein Besuchsrecht bestand. Dafür, dass er gerade feststellte, dass er ermordet worden war, machte Arnaud Vertefeuille eine gute Figur und erstattete weitestgehend gefasst Bericht. Die Nachricht, dass wenigstens Derya noch vor Ort weilte, beruhigte Ciel. »Was wird mit Nathan nun geschehen?«, fragte Ciel. »Und wann wird Derya ihrem Henker vorgestellt, Alexandre weiß noch gar nichts von seinem Glück.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max brach sich eine Ecke von Fabiens Kuchenstück ab und dachte angestrengt nach. "Eigentlich hatte Nathan Absolution erhalten, aber in Anbetracht der Tatsache dass er seinem Partner derart nacheifert, muss ich genau darüber nachdenken, wie mit ihm zu verfahren ist. Ist er Täter, oder höriges Opfer? Als Täter lautet die Antwort Block für den Mord. Als Opfer war er nur Werkzeug und der Mord wird Archibald zugerechnet. Seine Hinrichtung wird demzufolge seiner weiteren Schandtat angepasst. Das Derya noch in ihrer Zelle sitzt, ist wirklich beruhigend. Du hast gut mitgedacht Fabs. Dreux hatte entschieden, dass Derya so lange am Leben bleibt, bis das Kind von ihr entbunden ist. Er gab Vendelin zudem sein Wort. Das Wort, dass man einem Hochverräter gab, ist nichtig. Allerdings ist es gleichgültig was Derya tat oder was Vendelin für Verbrechen beging, wenn wir über das ungeborene Kind urteilen. Es ist unschuldig und ist auch so zu behandeln. Das heißt, wir werden die Geburt des Kindes abwarten und Derya danach unverzüglich hinrichten lassen. Ob Vendelin Großvater wird, oder Derya folgt, wird sich zeigen müssen. Das Kind wird seinem Sohn Moritz übergeben. Vorschläge zu Nathan?", fragte Max in die Runde.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich muss gestehen, dass ich im Falle Nathans voreingenommen bin«, sprach Ciel leise. »Ich kann kein vernunftbasiertes Urteil fällen.« Die Vorstellung, dass sein ehemaliger Leibdiener gemeinsam mit Archibald auf dem Pfahl enden sollte, war nahezu unerträglich.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max nickte wohlwissend. "Brandur entlasse den Geist aus seiner Bindung, er soll seine Ruhe finden. Wir danken Dir für Deinen Dienst, Deine Treue und Loyalität, Ainuwar sei mit Dir Arnaud Vertefeuille", sagte Max bekümmert.

Ciel Felicien de Souvagne
»Adieu«, sprach Ciel traurig, als Brandur die Bindung löste und der Geist verblasste und verging, als wäre er blauer Nebel, der vom Wind verweht wurde. Er atmete tief durch, dann sah er fragend seinen Vater an.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max stand auf, marschierte zum Schlafzimmer und riss die Tür auf. "NATHAN GARCIA!", bellte er in einem scharfen Ton, den man selten bei Max hörte. "Auf die Beine mit Dir, Du hast uns einiges zu erklären, aber zügig!", befahl der Duc.

Nathan
Nathan sprang aus dem Bett, zog sich in Sekundenschnelle den rosa Kimono über das rosa Hemdchen, zurrte eine Schleife vor dem Bauch und war im nächsten Augenblick in der Wohnstube. »Hallo Ciel«, rief er, dann verneigte er sich erschrocken vor Maximilien. »Herr!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Du hast den Gardisten Arnaud Vertefeuille der Unite D laut seiner Aussage ermordet, indem Du ihn an die Gitterstäbe der Zellentür gestoßen hast, so dass Archibald von Dornburg ihn aussaugen konnte. Zudem hast Du Dich daran beteiligt, dass der gesamte Zellentrakt fliehen konnte. Wir erwarten eine Erklärung und zwar die Wahrheit Nathan. Wo ist Archibald jetzt?", fragte Max und schaute Nathan genau in die Augen.

Nathan
Nathan fing an zu zittern, die Wiedersehensfreude wich schlagartig aus seinem Gesicht. Hilflos blickte er in Richtung von Fabien, dann zu Ciel, doch wie sollten die beiden ihm helfen, wenn der Duc Höchstselbst ihm zürnte? » ... ha-ni-ni-ni ...«, stotterte er und vor lauter Angst gab er zwei Minuten lang nur sinnlose Tonfolgen von sich, ehe es ihm gelang, einen halbwegs verständlichen Satz zu formulieren. » ... weil, sie waren eingesperrt und traurig!« Er wischte sich die Tränen mit dem Ärmel ab, weil er kein Taschentuch einstecken hatte. »Ich wollte das nicht! Archibald ist ganz weit weg!«

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Max trat einen Schritt auf Nathan zu und starrte ihn an. "Nathan Du kannst uns antworten, oder Du kannst Jules antworten und den Rest Deiner Gedanken zusammenklauben, also wo ist Archibald von Dornburg? Entweder er bekommt seine Strafe oder Du kassierst sie für ihn. Sicher waren sie eingesperrt und traurig, jeder Kriminelle wird traurig, wenn er erwischt wurde. Sie heulen, klagen und jammern, aber um sich selbst. Auf einmal entdecken sie ihre Reue. Hätten sie auch Reue empfunden, wären sie nicht erwischt worden? Nein. Also ich frage Dich nur noch ein einziges mal, wo ist Archibald?", fragte Max streng.
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Re: Kapitel 12 - Der Biss des Leone di Marino

#8

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Fr 14. Jun 2019, 00:34

Im Angesicht des Duc de Souvagne


Nathan
Nathan schlug sich beide Hände auf den Mund und schüttelte den Kopf. Die Zeit schien stillzustehen und selbst die Nachtigall vor dem Fenster hörte auf zu singen. Seine grünen Augen waren weit aufgerissen und glänzten nass. Archibald war sein Herr und Nathan war sein Leibdiener. Er würde nicht ein einziges Wort sagen. Mehr noch, sie waren ein Liebespaar und eigentlich hatten sie bald heiraten wollen. Als Nathan an seine Holzritter denken musste, die in ihrem Beutel lagen und mit denen nie wieder jemand spielen würde, kullerten ihm die Tränen über die Wangen. Aber Archibald war wichtiger. Ganz egal, was sie mit ihm anstellen würde, Nathan würde kein einziges Wort sagen, das seinen Herrn und Verlobten in Gefahr brachte.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien starrte Nathan an und schüttelte langsam den Kopf. "Sicher dass Du nichts sagen möchtest? Damit missachtest Du einen direkten Befehl des Duc. Ferner schützt Du einen Massenmörder und wir werden Dein Schweigen nicht akzeptieren Nathan. Das dürfte Dir bewusst sein, bis vor wenigen Minuten, gingen wir noch von Deiner Unschuld aus. Als der ermorderte Gardist erklärte, was vorgefallen war, waren wir gewillt davon auszugehen, dass Du diesem Monster von Dornburg hörig bist. Dies wäre die einmalige Gelegenheit sich von ihm zu befreien. Aber gleich was wir persönlich für Dich empfinden mögen Nathan, wir werden die Information bekommen die wir verlangen. Es liegt an Dir, ob Du einfach antwortest, oder ob Domi die Frage auf seine Art stellt, bis er die Antwort hat. Natürlich könnte auch Jules an die Antwort gelangen, aber für eine so direkte Befehlsverweigerung finde ich solltest Du vorher in den Genuss von Domis Arbeitskünsten kommen. Da bist Du sicher mit uns einer Meinung, zumal Du es gewesen warst, der Palaisin Bellamy und Gardist Robere auf den Richtplatz schickte. Nun wirst Du selbst diesen Platz kennenlernen Nathan, wenn Du nicht antwortest", sagte Maximilien ruhig.

Nathan
Nathan kniff die Augen ganz fest zusammen, damit er nicht das Gesicht von Maximilien sehen musste, dass auf einmal so ganz anders war, als er es kannte. Der Duc kam ihm auf einmal ungeheuer bösartig und kaltherzig vor. Archibald hatte ihn nie so angesehen, sein Blick war immer voller Liebe gewesen, nie hatte er auch nur ein strenges Wort an Nathan gerichtet. Sollte so Nathans dank aussehen, dass er ihn auslieferte? »Was wollt Ihr mit Archibald machen?«, fragte er und schniefte.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien spürte wie die Wut in ihm hochkochte. Für dieses menschenfressende Ungeheuer war ein guter Mann gestorben, der nichts weiter verbrochen hatte, außer in seinem Dienst zu freundlich gewesen zu sein. Und nicht einmal das konnte man dem Gardisten Arnaud Vertefeuille vorhalten, denn Nathan galt als unbescholtener Bürger. Mehr noch, die meisten kannten ihn als ehemaligen Leibdiener seines Sohnes. Wer hatte denn vor wenigen Minuten Fabien davon abgehalten einfach in den Hochsicherheitstrakt zu spazieren und nach dem Rechten zu sehen? Sich anzuschauen, dass Derya noch in der Zelle saß? Nun einen winzigen Unterschied gab es, Fabien war sein Leibdiener und durfte in seinem Namen handeln und sprechen. Nathan hatte nicht mehr in Ciels Namen zu sprechen. Aber welcher Gardist oder Diener fragte danach? Sie sahen sein Milchgesicht mit Popelbremse und zeitgleich dachten sie an Ciel. Und schon durfte Nathan passieren. Was hatte Bellamy immer gesagt? Nathan wäre eine der gefährlichsten Personen, da ihn jeder für so gefährlich hält wie eine Topfpflanze. Niemand nimmt ihn wahr, bis es zu spät war. Er selbst hatte Bellamy gesagt, dass nichts an der These des Terror-Barden dran war. Aber was war Wahrheit, was Fiktion und was war Wut und Tatsache? Maximilien erinnerte sich an Leons weise Worte - ein wahrhaft großer Mann wird weder einen Wurm zertreten, noch vor einem anderen Regenten kriechen. Nathan Gewalt anzudrohen, war nichts anderes als einen Wurm zu zertreten. Es war keine Kunst in seiner Position jemanden in Todesangst zu versetzen. Wenn er es drauf anlegte, konnte er jeden seiner Untertanen in Todesangst versetzen. Glücklicherweise sogar die meisten Feinde, nicht umsonst waren sie bis an die Zähne bewaffnet und derart hochgerüstet, als hätten sie vor dem Taudis selbst den Krieg zu erklären. Aber sie wollten niemandem den Krieg erklären, sie starrten vor Waffen zur Abschreckung. Wer sie bedrohte konnte sich nicht einmal ausmalen, welche Katastrophe er damit für sich entfesseln würde. Nathan hingegen war kein Feind, er war ein Landsmann und er war wie Leon sagen würde, nur ein Wurm. Aber eines hatte Max auch gelernt, nämlich das was sein Vater früher auf Leons Annekdoten antwortete - um einen fetten Fisch zu angeln, musst man einen Wurm auf den Haken spießen. Beides stimmte, um an Archibald heranzukommen musste er vielleicht Nathan opfern. Aber leichtfertig wollte er diese Seele auch nicht opfern, denn dann hätte dieser Vampir eine weitere Kerbe in der Klinge. Zudem ließ sich Max nicht gerne zu einer Handlung zwingen. Er nickte knapp. "Du möchtest also schweigen?", fragte Max eine ganze Spur umgängliche, auch sein Blick verlor die Härte, die eben noch in seinen Augen gelegen hatte.

Nathan
Nathan nickte mehrmals hintereinander. »Er ist mein Herr und er war immer, in jeder einzelnen Sekunde, lieb zu mir! Er hat nie geschimpft, nie ein strenges Wort gesagt, obwohl ich manchmal so unartig bin. Und Archibald hat doch niemanden sonst! Alle haben ihn immer im Stich gelassen, sogar seine Eltern und seine alten Diener und Sklaven. Ich hab ihm versprochen, dass er sich auf mich verlassen kann und das tut ihm gut, er ist schon gar nicht mehr so gefährlich wie früher, er hat versprochen keine Kinder mehr zu essen!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Das sind ja großartige Informationen. Nun wenn Du ihm vielleicht noch weiter die Hand hältst und er sich an eine strenge Alben-Diät hält, wird er vermutlich nur noch dreimal die Woche unschuldige Opfer zerfleischen. Oder was meinst Du? Nun mit Sarkasmus kommen wir hier nicht weiter. Ist Dir völlig gleich, wie seine Opfer sterben? Interessiert Dich das so wenig? Ist für Dich nur maßgeblich, das er zu Dir gut ist und was er anderen antut spielt für Dich keine Rolle?", hakte Max nach.

Nathan
Nathan schüttelte den Kopf. »Es ist mir nicht egal, ich hab geweint. Aber er ist nicht böse geboren, die Menschen haben ihn so gemacht. Er ist oft einsam und dann wieder ist ihm alles zu viel und er lässt mich an einem sicheren Ort, um für sich sein zu können. Dann kehrt er zurück und muss mich schnell in beide Arme schließen. Wenn man von Anfang an gut zu ihm gewesen wäre, dann müsste er nun nicht so sein, wie er ist. Er leidet große Qualen, auch wenn er oft grinst und seltsame Scherze macht. Aber in seinem Herzen sieht es ganz anders aus. Er versteht, wie wichtig mir meine Spielsachen sind und weil meinem Chevalier Laurenz das Beinchen abgebrochen ist, hat er ihm ein Pferd geschnitzt. Tut so was jemand, der böse ist? Er hätte die Strafe nicht verdient, wie auch immer sie aussehen mag, sondern all die Menschen, die ihn gequält haben. Denn eigentlich sind sie Schuld an jeder schlimmen Tat, die er begangen hat.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Das ist durchaus möglich, die wenigsten Personen werden als Monster geboren, Monster werden gemacht. Entweder von ihren Mitmenschen, oder durch gewisse Umstände. Allerdings gibt es auch Personen, denen jegliches Gefühl für andere fehlt. Und diese Personen sind geborene Monster. Eines wohnt in Obenza und sein Ruf eilte ihm sogar bis nach Souvagne voraus - Jozo. Diese Kreatur ist bekannt wie ein bunter Hund. Und sollte er keine düstere Legende sein, sondern tatsächlich existieren, würde er hier sofort auffallen, er ist ein Goblin und zwar ein gelber Goblin. Laut Information nennt er sich selbst "der gelbe Goblin", aber ich werde so ein Untier nicht bei einem Namen nennen, den er selbst wie eine Königswürde trägt. Möglicherweise ist Dein Archibald eine zerbrochene Seele. Aber hier hat man ebenfalls zu unterscheiden Nathan. Denn Archibald hatte genau wie jeder andere Mensch irgndwann einmal die Wahl. Er stand an einer Weggabelung wo er sich entscheiden konnte. Entweder er gibt all das Leid weiter, was er erlebt hat. Oder es endet bei ihm und er sorgt dafür das kein anderer leiden muss. Archibald entschied sich bewusst dafür, die Welt an seinem Schmerz teilhaben zu lassen, indem er andere leiden lässt. Mehr noch, indem er sie bestialisch ermordet und Archibald ist keine gruslige gute Nachtgeschichte von gelben Goblin aus Obenza, sondern dieses Monster ist real. Eine Frage an Dich Nathan, würden sich Jozo und Archibald durch Deine Eingeweide fressen, würdest Du Archibald verzeihen? Würdest Du es als weniger schlimm empfinden? Wir denken nicht, dem Opfer ist es letztendlich gleich, warum es von so einer Person angegriffen oder gar getötet wurde. Niemand möchte auf so eine Weise sterben. Die Gründe für die Tat sind irrelevant, relevant ist die Tat selbst. Denn Archibald wird von niemandem dazu gezwungen. Oder ist da ein Geistmagier im Hintergrund der ihn zwingt? Wohl kaum. Also beantworte unsere Frage, möchtest Du von einer zerbrochenen Seele gefressen werden?", hakte Max nach.

Nathan
»Majestät, verzeiht bitte, wenn ich wage ungezogen zu sein, aber Ihr irrt Euch. Archibald hat nicht die Wahl. Er ist ganz anders, wenn er so böses tut, dann kann ich ihn auch nicht mehr ansprechen, er hört mich dann gar nicht. Er hat mir sogar verboten, ihn dann zu berühren, weil er sagt, dass er mich dann nicht mehr erkennt. Wie soll er Nein sagen zu dem Bösen in ihm, wenn er nicht mehr er selbst ist? Ich schwöre Euch, er ist nicht so, er will nur lieben und liebgehabt werden und dieses ... andere, dafür kann er nichts!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Dich zu fragen, ob Du gerne gefährlich lebst ist überflüssig oder? Zuerst ein Mord oder Beihilfe zum Mord, dann Ungehorsam gegenüber dem Duc, nun Widerworte gegenüber dem Duc, spar Dir den tätlichen Angriff Nathan wir warnen Dich im Guten. Allerdings denke ich in diesem Fall an die alten Worte meines ersten Leibdieners Leon - nur ein Gott und ein Narr bedürfen keiner Beratung. Wir überhören dieses "Ihr irrt Euch". Nun wenn dies tatsächlich der Fall sein sollte, hatte Archibald wirklich niemals eine Wahl, sondern der Mann ist krank. Kurzum er ist geisteskrank. Danke für den Hinweis, aber Dir ist bewusst was dies bedeutet? Wäre er ein bösartiger Mensch, dann könnte man auf ihn einwirken. Man könnte mit ihm über seine Probleme reden. Und er könnte es begreifen, er könnte sein Fehlverhalten einsehen und sein Verhalten ändern. Aber da er krank ist, kann man weder mit ihm reden, noch ist er dazu in der Lage ein Einsehen zu haben. Es gibt nur zwei Möglichkeiten um die Allgemeinheit vor solchen Kranken zu schützen, Sicherungsverwahrung oder den Block. Eine Heilung gibt es für ihn nicht, wir können ihn schlecht in den Tempel des heilsamen Wortes schicken. Jedes Wort wäre vergeblich. Ciel Deine Meinung dazu", bat Max.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel blickte all die Zeit über neutral, zumindest versuchte er es. Aber seinem Vater konnte er nichts vormachen: Ciel würde am liebsten einfach den Raum verlassen, da das Problem, mit dem sie sich hier zu befassen hatte, ihn tief berührte. »Ehrlich gesagt frage ich mich momentan vor allem, ob Nathan nicht in eine solche Einrichtung gehört. Ist er überhaupt schuldfähig oder trifft zu, was man hinter vorgehaltener Hand munkelt, dass er geistig auf dem Niveau eines Kleinkindes ist? Dann würde auch ein Tempel keine Heilung bringen. Wie dann zu verfahren ist, weiß ich nicht. Gab es schon einen solchen Fall vor dem Gesetz? Oder ist dies ein Präzedenzfall?«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Du meinst ob es Zurückgebliebene gibt? Natürlich gibt es solche Personen Ciel. Aber das ist nichts Verwerfliches oder etwas wofür die Person bestraft gehört. Diese Personen sind meist von gutartigem Charakter, bedürfen aber der besonderen Obhut durch ihre Verwandten. Eben wie das besagte vierjährige Kind, nur bleibt die Person für immer auf diesem geistigen Stand. Hätte nun so eine minderbemittelte Person selbst einen Mord begangen, ist ihr Leumund dafür haftbar. Sprich wäre Nathan in der Obhut seines Vaters, würde ihn die Schuld an Nathans Morde treffen. Hier ist die Fragestellung anders. Archibald hat sich Nathan zu eigen gemacht. Wieviel Einfluss hat er auf Nathan ausgeübt, dass Nathan ihm dermaßen dient? Oder anders gefragt, wieviel Einfluss ist überhaupt notwendig, um Nathan zu so einer Tat zu missbrauchen? Nathan war in diesem Falle das Werkzeug, was Archibalds Taten noch schlimmer wiegen lässt. Denn dieser Mann wählte bewusst Nathan um ihn derart zu missbrauchen. Gleich ob er geisteskrank ist. Oft haben solche kranken Personen gerade ein Gespür für Schwache und Manipulierbare. Und sie verfügen über ihre eigene Logik und Gerissenheit, die Krankheit schließt das scheinbar nicht aus, sie fördert so etwas. Demzufolge gehört Archibald zum Schutz der Bevölkerung auf den Block und Nathan gehört in Verwahrung, bis geklärt ist, wer ihn in seine Obhut nimmt. Alleine auf sich gestellt, scheint er in die falschen Hände zu geraten. Er bedarf der Führung und zwar einer sehr genauen und strengen Führung", antwortete Max seinem Sohn.

Ciel Felicien de Souvagne
»Offiziell ist Nathan doch meinem Bruder Dreaux unterstellt? Aber man kann Dreaux nicht haftbar machen für die Verbrechen von Archibald, so etwas würde er nie dulden! Hätte er davon gewusst, was Nathan hinter seinem Rücken tut, hätte er ihn nicht ziehen lassen. Ließ er ihn überhaupt ziehen? Hat er je danach gefragt, wo Nathan geblieben ist? Nathans Vater ist kaum intelligenter als sein Sohn. Er ist ein argloser und freundlicher Kerl, aber es ist fraglich, ob er in der Lage ist, seine Vormundschaft zu übernehmen.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Die Rechte über Leibeigene haben deren Herrn und nicht deren Eltern. All Deine Leibeigenen unterstehen Dir Ciel. Du denkst gerade in falschen Bahnen, Du denkst in Adelsbahnen. Beispiel ich könnte Fabien verkaufen, Fabiens Mutter könnte Fabien nicht verkaufen. Nichts für ungut Fabs", schmunzelte Max, als Zeichen dass er Fabien niemals verkaufen würde. "Dreux hat Nathan nicht gehen lassen, sondern Nathan ist mit Archibald durchgebrannt. Deshalb war Nathan ebenfalls zur Fahndung ausgeschrieben. Ein Leibeigener darf sich nur mit Erlaubnis seines Herrn ungefragt entfernen. Er darf weder unerlaubt heiraten, noch auf eine fremde Scholle ziehen. Würde der Leibeigene Bauer von Melville de la Cantillion einfach auf die Scholle der Neufville ziehen, gäbe es gewaltigen Ärger. Er hat seinen Herrn nicht ungefragt zu verlassen und Neufville würde ihn zu seinen Herrn zurückschleifen lassen. Deshalb hatte Toni von mir die Erlaubnis bekommen aus Souvagne wegziehen zu dürfen, alles andere wäre Untreue und Verrat. Aufgrund Fabiens Bitte und Deiner wie auch Dreux Zuneigung zu Nathan habe ich ihm für seine Flucht Absolution erteilt und ihm die Freiheit geschenkt. Das heißt, er wird dafür nicht belangt. Das er das aus seiner Freiheit macht, zeigt uns eines, manche sind für die Freiheit nicht geschaffen. Ein sehr großer Teil der Bevölkerung ist es nicht. Müssen sie auch nicht, sie legen ihr Leben vertrauenvoll in die Hände ihrer Herrn und diese in ihre Herrn und all jene letztendlich ihre aller Leben in meine Hände. So ist die Hierarchie Ciel. Nathan hat wie ein Naridier gelebt und ihm ist das Gleiche widerfahren wie dem Land Naridien, er ist um es salopp zu sagen, auf die Schnauze gefallen. Die Erkenntnis löst aber nicht unser Problem, dass wir einen streunenden Mörder im Land haben. Neben dem Ur-Lich und den beiden anderen. Wir benötigen die Information, denn wie heißt es so schön? Treue und Loyalität, gegen Schutz und Schirm. Wir sind dazu verpflichtet unsere Untertanen zu beschützen und zu beschirmen, gerade vor solchen Personen. Jeder rechtschaffene Untertan hat unseren Schutz zu genießen, wie wir seine Treue und Loyalität genießen. Es gibt überhaupt keine Veranlassung, unschuldige Menschen für einen derart kranken Geist zu opfern, gleichgültig von wem dieser selbst Opfer wurde. Maßgeblich ist, was er anrichten kann und wird, nicht weshalb er so wurde. Darüber benötigen wir kein Urteil. Wichtig ist, er ist ein Mörder. Er wird weiter töten, da er als Vampir töten muss. Er ist krank, also weder belehrbar noch heilbar. Zudem ist er kein Souvagner, sondern ein Fremdländer, damit hat er jede Gnade die ihm als Landsmann zugestanden hätte verwirkt. Wir handeln zum Schutz und Erhalt des souvagnischen Volkes, was schert uns ein geisteskranker Naridier und seine Krankengeschichte? Wir haben dafür zu sorgen, dass sie hier endet. Nathan hingegen muss in eine Einrichtung verbracht werden, in der er von seiner Sucht auf diesen Charakter Archibald loskommt. Du verstehst diese Sucht besser als jeder andere Ciel", sagte Max. Fabien schaute wortlos von Max zu Ciel während er in winzigen Krümmeln sein Stück Kuchen aß. Das ihm Nathan unendlich leid tat, sah man ihm deutlich an.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich stimme vollumfänglich zu. Als Naridier wird Archibald die volle Härte des souvagnischen Gesetzes erfahren. Ich erinnere noch einmal an die Macht, welche Alexandre über Vampire hat. Du hast sie noch nicht erlebt, Vater, doch du wirst sie erleben, wenn er Archibald in seine Reichweite bekommt. In welche Einrichtung wird Nathan verbracht? Archibald wird ihn suchen«, stellte Ciel fest und ließ für eine Sekunde eine seiner Brauen nach oben hüpfen.

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Wir werden Archibald über Jules suchen lassen und über den Orden. Jules soll Nathan auslesen. Zur Heilung wird Nathan in den Orden des heilsamen Wortes mit entsprechender Sicherheitsverwahrung. Jenem Orden der auch Silvano de Mancini geholfen hat. Hätte Boldiszar nicht die Vormundschaft übernommen, wäre Mancini dort ebenfalls in Sicherheitsverwahrung gekommen. Die Mönche sind darauf bedacht, ihren Patienten zu helfen. Sie gehören zu den Orden, in denen auch Ehen geschlossen werden, also ein Alltagsleben außerhalb der Askese stattfindet. Genau wie die Himmelsaugen, sie leben auch nicht keusch und nur im Glauben. Die Mönche des heilsamen Wortes, lassen nicht nur den Patienten sprechen, sondern geben auch heilsame Wort - also Ratschläge von sich. Sie haben eine breit gefächerte Sicht auf die Dinge. Ich war mit Leon selbst einige Male dort als junger Mann, da ich nicht wusste wie ich mit meiner Trauer umgehen sollte. Sie haben sich meiner Sorgen angenommen und konnten mir teilweise helfen. Jedenfalls konnten sie meine Sicht auf das Ganze etwas klären. Den Verlust konnten sie nicht heilen, das konnte niemand. Bestenfalls ein Nekromant, aber was hätte ich davon gehabt, meinen Bruder oder Vater beschwören zu lassen um sie einige Minuten später erneut zu verlieren? Nichts. Gar nichts. Aber ich bin hier nicht das Thema, Nathan und der Orden ist es. In dem Orden wird Nathan gut aufgehoben sein und sobald er geheilt ist, wird er entlassen. Ab dato untersteht er wieder Dir Ciel", sagte Max freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Hast du gehört, Nathan?«, sprach Ciel und unterdrückte nur mühsam seine Aufgewühltheit. »Du erhältst, was niemand sonst erhielt und was du eigentlich auch gar nicht verdienst: Eine dritte Chance. Wenn du sie nutzt, wirst du hinterher wieder unter meiner Obhut leben. Ich bitte dich als dein ehemaliger Herr und als dein Spielgefährte aus Kindertagen und Freund: Lass dir helfen!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Fabien: "Du hast es gehört Nathan, ich bitte Dich ebenso lass Dir helfen. Wir alle haben es doch immer gut mit Dir gemeint Natty", sagte Fabien leise und schaute Ciel und Max dankbar an.

Maximilien Rivenet de Souvagne
"Es liegt an Dir Nathan, mach Dir selbst nicht das Leben unnötig schwer. Fabien Jules soll umgehend hier erscheinen. Solange Jules noch nicht hier ist Nathan, hast Du die Chance es selbst zu gestehen. Das werten wir positiv, also denke gut nach. Fabien jetzt", sagte Max und legte seinem Leibdiener kurz die Hand auf die Schulter. Fabien nickte und eilte sofort los um Jules zu holen. Er hoffte, dass Nathan sich besinnen und sprechen würde.

Nathan
»Max, ich kann das nicht tun«, sprach Nathan leise. »Ich kann Archibald nicht verraten! Ich mein das nicht böse, ich hab Fabs und Ciel und dich sehr lieb. Archibald und ich werden heiraten. Ich werde sein Mann.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Max streichelte Nathan über den Kopf. "Ich verstehe das Nathan, Du kannst und möchtest ihn nicht verraten. Jules wird Dich auslesen, somit bist Du frei von jeder Schuld. Du hast Archibald dann nicht verraten, Jules hat sich die Information gezogen. Ich weiß dass Du das nicht böse meinst, wir auch nicht Nathan. Wir meinen es gut mit allen Souvagnern und dazu zählst auch Du", gab Max zurück.
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"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung für etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

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