Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

11 Kapitel 11 - Die Nacht nach dem Untergang der Aschgrauen Sonne

Nach dem gewaltsamen Tod von Timion Harruck beanspruchen zwei Parteien sein Erbe für sich: Auf der einen Seite Dr. Lana Setardio, die sich humanistischen Zielen verschrieben hat und von dem abtrünnigen Sentir Kabir unterstützt wird. Auf der andern Seite die Schachtsoldaten um Zaccaria samt Timions Familie.
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Hilarius von Hohenfelde
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11 Kapitel 11 - Die Nacht nach dem Untergang der Aschgrauen Sonne

#1

Beitrag von Hilarius von Hohenfelde » Fr 16. Aug 2019, 00:01

Die Nacht nach dem Untergang der Aschgrauen Sonne


Dorian konnte sich glücklich schätzen, dass er an diesem Tag auf einer Geschäftsreise war. Nichtsahnend saß er in seinem privaten Quadcopter und ließ sich von dem gleichmäßigen Rattern und Vibrieren der vier vertikalen Propeller in einen Zustand der Entspannung versetzen. Die Verhandlungen mit dem Lehnsherr der Scholle, wo seine Familie zu investieren wünschte, waren erfolgreich verlaufen, aber zäh und Dorian freute sich auf einen entspannten Abend im Whirlpool, während seine Verlobte ihm Cocktails kredenzte, ehe er sie zu sich ins Wasser rufen würde. Erst einmal brauchte er eine Stunde für sich, um den Stress abzuwaschen. Die Hochzeitsnacht war zwar noch nicht gekommen, aber gegen ein wenig näheres Kennenlernen im Vorfeld war nichts einzuwenden. Rasch noch Ägidius den Vertrag beibringen und dann ab nach Hause.
»Marquis, Eingreiftruppen betreten soeben die Basis«, klang die Stimme seines Piloten nervös aus dem Lautsprecher. »Souvrakasier, Tuteurs, Bluthexer ...«
»Sofort Höhe gewinnen und abdrehen«, sprach Dorian ins Mikrophon. »Auf direktem Weg zum Familienwohnsitz fliegen!«
Er versuchte, seinen Vater mit dem Handcom zu erreichen, dann seine Mutter, seine Schwester, seine Verlobte, doch niemand nahm ab. Nicht einmal jene Familienmitglieder, von denen er genau wusste, dass sie zu jeder Uhrzeit an ihr Handcom gingen. Nicht einmal das Personal war erreichbar! Und die Daten, die er über den Klapprechner hereinbekam, verhießen nichts Gutes. Es waren die letzten Warnungen von Todgeweihten. Dorian wurde kreideweiß.
»Herr, habe gerade eine Nachricht hereinbekommen vom Kollegen«, meldete der Pilot sich erneut. »Truppen in Wigberg veranstalten eine Säuberung. Wenn ein Rat gestattet ist, Ihr solltet dort nicht hin.«
»Eine Säuberung?«, rief Dorian voller Panik. »Stand Null?!« Schlagartig schoss sein Blutdruck in die Höhe. »Wo sind wir jetzt?«
»Über Hohenfelde, Herr.«
»Flieg über das nächstbeste Feld, ich nehme den Fallschirm. Das Handcom kann man orten, auch wenn wir es gesichert haben, ich bin nicht sicher, ob der Schutz hundertprozentig ist. Und dann fliegst du weiter nach Wigberg, als wüsstest du von nichts.«
Nur zwei Stunden später war Dorian nicht wiederzuerkennen. Den Fallschirm hatte er versteckt, war per Anhalter in die Stadt gefahren und hatte den Anzug gegen eine lässige Kluft mit engen Hosen, glitzerndem Nietengürtel und weiter Jacke getauscht, die gerade bei den Leuten seines Alters in Mode war. Natürlich bezahlte er nur in Bar, damit man die Transaktionen nicht nachvollziehen konnte. Dann hatte ein Barbier sein volles, braunes Haar bis auf die Kopfhaut abgeschoren, Nassrasur. Zu guter letzt musste ein Stylist ihn in einer Weise schminken, als wäre er auf eine Feier unterwegs, schwarzen Kajal, Mascara und Lipgloss. So sahen alle möglichen Leute aus, aber niemals ein Wigberg. Er hoffte, die vorübergehende Tarnung würde erst einmal reichen.
Kurz darauf klingelte es beim Herrenhaus der Hohenfelde Sturm.

Hilarius von Hohenfelde
Dorian hörte kaum die Klingel, denn wie bei fast allen Hohenfeldes üblich, erklang stattdessen ein infernalisches, tiefes Hundegebell. So wie die Hohenfeldes ihre Hunde liebten, schienen sie Familienmitglieder zu hassen. Wobei Dorian kein direktes Familienmitglied war, er war ein Sippenmitglied. Einen Augenblick später öffnete eine der Bediensteten die Tür. Die Frau war schlicht in schwarz-weiß gekleidet, eine Bediensteten-Uniform. Sie schaute etwas irritiert. "Wie kann ich Euch helfen?", fragte sie höflich. https://www.daz3d.com/media/catalog/pro ... -daz3d.jpg

Dorian von Wigberg
»Guten Tag, wertes Fräulein«, grüßte er und für die Nachricht, die er vor wenigen Stunden erhalten hatte, machte er eine gute Figur. Auf die Bedienstete wirkte er lediglich etwas angespannt, obgleich ihm zum Schreien, Heulen und Wüten zumute war. »Marquis Dorian von Wigberg. Ich möchte gern einen der Marquis sprechen.« Er ging davon aus, dass das Personal so zuverlässig war wie seine Herren, andernfalls würde es seinen Posten und womöglich seinen Kopf nicht lange behalten.

Hilarius von Hohenfelde
Die Bedienstete gab den Weg frei und machte eine einladende Geste ins Herrenhaus. "Der Marquis ist zu dieser Stunde im Wohnzimmer, wenn Ihr mir bitte folgen wollt. Möchtet Ihr eine Erfrischung? Was darf ich dem Hausherrn ausrichten? Familiärer Besuch, oder geht es um etwas Geschäftliches? Dies möchte der Marquis immer vorab wissen", sagte die Frau freundich und gab den Weg vor. Das Haus war alt und gediegen. Ein Mix aus Moderne und uralter Tradition. An den Wänden hingen Gemälde, vorwiegend von gewaltigen Prachtadlern und Drachenhühnern. Die Geschöpfe auf den Gemälden wirkten imposant. Dorian wusste, dass sie nicht nur auf der Leinwand so wirkten, sondern auch in Natura. Je höher sie stiegen, je dicker und weicher wurden die Teppiche. Selbst die Tapeten waren aus schwerem Samt. Eindeutig ging es hier in den privaten Bereich, denn es wurde gemütlich. Eine hochgewachsene Gestalt kam ihnen entgegen. An ihrer Seite ein gewaltiger Hund, neben dem ein Mastiff wie ein Schoßhund gewirkt hätte. "Babette, wen hast Du da im Schlepptau? Wer stört zu dieser Stunde Babette, dass Flocki anschlägt?", fragte der Mann und nahm einen Schluck aus seinem Glas. Souvagnischer Whisky, goldgelb und so golden wie die Farbe war, so hoch war auch der Preis. Flocki der struppige Bärenhund des Marquis schnupperte an Dorian. Der Marquis trat näher, stutzte und guckte nochmal genau hin. "Dorian?!?", fragte er. "Beim Abgrund, wie siehst Du denn aus? Komm rein", bat Hilarius und entließ Babette mit einer lässigen Handbewegnung. Flocki folgte ihnen.

Dorian von Wigberg
»Familiärer Besuch«, antwortete er der Bediensteten höflich. Doch sie kam nicht dazu, ihn anzukündigen, weil der Hausherr ihnen schon entgegenkam und auch sogleich erkannte, wie Dorian zerknirscht feststellen musste. Er hielt still, als der gewaltige Hund an ihm schnüffelte, weder hielt er ihm die Hand hin noch versuchte er, sich durch Streicheln bei ihm einzukratzen und er sprach ihn auch nicht an, sondern widmete alle Aufmerksamkeit seinem heutigen Gastgeber. »Vielleicht sollte ich mir besser noch die Nase machen und abstehende Ohren zaubern lassen«, überlegte er laut. »Hilarius, eine gefühlte Ewigkeit ist es her und ich hoffe, dein letzter Eindruck von mir war kein schlechter, ich muss dich zu dieser Unzeit dringend sprechen!«

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius führte Dorian ins Wohnzimmer, schenkte ihm aus einer Karaffe ebenfalls ein Glas Whisky ein und reichte es seinem Gast. Hila nahm Platz und deutete Dorian an, es ihm gleich zu tun. "Deine Farben", erläuterte er und nippte an seinem Glas. "Du kannst als was auch immer hier auftauchen mein Guter, ich erkenne Deine Farben. Wir hatten nie Probleme miteinander Dorian. Du bist hier und ich habe nichts vor. Sei mein Gast. Wo liegt Dein Problem? Rauchstange?", fragte Hilarius und hielt Dorian ein Päckchen hin.

Dorian von Wigberg
»Meine Farben?«, rief er noch aufgebrachter. »Ich sollte keine Farben haben! Ist jetzt auch noch meine Immunität gegenüber Magie dahin?« Er tastete seine Kleidung ab. »Oder habe ich noch etwas bei mir, dass einen so starken Nachhall hat? Wobei, ich sollte auch keinen Nachhall erzeugen!« Er nahm das Glas entgegen und nippte rasch. Hier im geschützten Rahmen musste er nicht ganz so sehr auf die Fassade achten und gestattete sich, seine Gefühle durchblitzen zu lassen. Nachdem er getrunken hatte, nahm er dankbar eine Rauchstange entgegen. »Die Krone lässt bei meiner Familie eine Bereinigung durchführen. Stand Null. Wir werden ausradiert. Ich weiß nicht, wie viele überhaupt noch am Leben sind. Kann ich auf deine Hilfe zählen?«

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius hielt mitten im Trinken inne und musterte Dorian scharf über den Rand seines Glases. Für diesen Moment sah er selbst aus, wie ein überdimensionaler Raubvogel durch seine dunklen Augen. Ganz langsam setzte er das Glas ab und nickte ruckartig. "Du bist bei mir sicher Dorian. Eine Bereinigung? Ich muss gestehen ich habe einige Tage die Außenwelt vernachlässigt. Was genau geht vor sich? Von einer Bereinigung hätte Anthony wissen müssen. Hätte er Euch nicht gewarnt? Die Fantome sind heute noch was sie damals waren, die Dolche der Krone. Die Reservedolche, vermute ich. Aber wieso schwieg Thony? Aus welchem Grund wird überhaupt eine Bereinigung vorgenommen? Weißt Du das? Eine Bereinigung bedeutet, sie werden jeden Wigberg hinrichten. Einer der Euren muss einen Hochverrat begangen haben, sprich bei einem erwischt worden sein. Woran habt Ihr gearbeitet Dorian?", fragte Hilarius offen. Die Zeit für Versteckspiele hatten sie beide nicht.

Dorian von Wigberg
»An flüssigem Wissen«, antwortete er genau so offen, wie er gefragt worden war. »Einer Methode zur Digitalisierung organischer Informationseinheiten. Wir haben am Bindeglied zwischen Mensch und Maschine geforscht, nicht in Form von Cyborgs, sondern im Sinne einer Datenbank. Und dabei haben wir ein System erschaffen, dass es uns erlaubt, Daten von Gehirnen zu extrahieren, sie sind dann nicht mehr vorhanden, anschließend werden sie woanders wieder eingespeist, je nach Bedarf. Wissen war schon immer unser wertvollstes Gut. Scheinbar sieht die Krone das anders ... vermutlich sind inzwischen die meisten tot. Ich wage nicht, auf das digitale Netzwerk meiner Familie zuzugreifen, sie könnten meinen Standort ausfindig machen und ich will dir keine Schwierigkeiten bereiten. Kannst du über Anthony herausfinden, was im Einzelnen passiert ist?«

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius hörte Dorian gedankenverloren zu und streichelte dabei seinen Hund. "Flüssiges Wissen? Das klingt hochinteressant, stell Dir dies umgemünzt auf Magie vor. Am Morgen bist Du noch ein Novize, am Abend ein Meister. Wobei Theorie und Praxis auch weit auseinander klaffen. Nehmen wir einen Arzt als Beispiel, Du wüsstest dann vielleicht wie man eine Operation durchführt, aber hattest Du je ein Skalpell in der Hand?

Ich an Deiner Stelle würde keine Elektronik mehr benutzen, die Deine Familie genutzt hat. Die Überwachungsmöglichkeiten der Krone sind gewaltig und jenseits unserer Vorstellungskraft. Allerdings ist die Datenmenge ebenso gewaltig, die MAX verarbeitet, dass heißt dadurch gibt es schon etwas Sicherheit.

Anthony war immer hilfsbereit, aber er wird auch einen Maulkorb verpasst bekommen haben, was geheime Dinge angeht. Stellt er die Krone über die Familie? Das tat der Irminabourg-Zweig schon immer, die Krone war für sie das Tor zur Freiheit.

Allerdings war ich bis vor kurzem auch über Einheirat Teil der Krone. Nun nicht wirklich, aber ich war der Schwager des Duc. Heute bin ich der Ex-Schwager, dank der Unfähigkeit meiner Schwester. Sie war die Duchesse Dorian und sie und die anderen dussligen Weiber haben es tatsächlich geschafft, dass der Duc sie alle vor die Tür setzte. Gemeinsam, synchron sozusagen. Was immer dort vorgefallen ist, Amber möchte nicht darüber reden.

Nun mein Neffe bleibt mein Neffe und wir haben guten Kontakt. Aber enttäuschend ist es trotzdem. Ich hoffe nicht, dass dies Auswirkungen auf meine Geschäfte hat. Wir beliefern nicht nur die Krone mit ausgezeichneten Tieren, sondern ein Teil unserer Zucht geht auch an die Himmelsaugen.

Mich ärgert es maßlos, dass meine Schwester so kurzsichtig war und nicht eine Vereinbarung mit Pierre getroffen hat. Sie hätten auf dem Papier verheiratet bleiben können. Was hat sie so erreicht? Außer dass er sie finanziell aushält?

Im Grunde ist sie eine gefallene Frau und ich habe sie an der Backe. Sind wir ehrlich, was ist die Aufgabe einer Ehefrau? Gut aussehen für repräsentative Zwecke und im Bett den Ehemann erfreuen. Ich glaube diese beiden Aufgaben sollte eine Frau doch drauf haben. Das hatte sie scheinbar einige Jahre. Was genau geschah, hat sie mir nicht erzählt und ich hatte auch nicht die Lust sie auszulesen.

Drum bei mir bist Du sicher, ich gewähre Dir Schutz und Unterschlupf Dorian.
Bei uns in Naridien ging auch mal ein Experiment schief, oder besser gesagt, es funktionierte zu gut. Es ist einige Jahrhunderte her, da schufen die Hohenfelde die Grauen. Sie waren als künstliche Düsterlinge geplant. Graue sind menschenähnliche Humanoide mit viel Düsterlingseinschlag, mit extrem schnellen Reflexen, es sind Raubtiere. Ihr Zusammenhalt ist groß und sie sind extrem clever. Ihre Haut ist zäh, wirklich richtig zäh. Eine normale Stichwaffe hat da kaum eine Schneidechance. Aber das Beste an den Grauen ist, ihre Vermehrung. Denn das ist die eigentliche Waffe in der Waffe.

Wenn man eine Horde Graue loslässt, werden sie sich wo ansiedeln. Ihre Gattung besteht nur aus Männchen. Das Gebiet, dass sie erobern, reinigen sie von den Männern die dort leben und erobern die Frauen. Gleich ob es Menschen, Alben, Orks oder Trolle sind - wenn sich ein Grauer mit einer dieser Frauen paart, wird sie einen Grauen werfen. Ihr Genom überschreibt in der Fortpflanzung das des anderen Partners komplett. Genetischer Parasitismus. Die eroberten Völker gebären sozusagen ihre eigenen Feinde. Und ein Grauer kann sich sehr leicht ein Weibchen krallen. Auf die Entfernung hin, würdest Du sie für Menschen halten. Oder diese glatzköpfigen Bluthexer. Wir haben also aus Menschen und Düsterlingen und noch zig anderen wundervollen Komponenten etwas einmaliges geschaffen. Aber der Rat war darüber scheinbar nicht so froh und so ging die ganze Charge ab in den Taudis. Dort leben sie angeblich heute noch. Falls das stimmt.

Zurück zu Dir Dorian. Du besitzt vermutlich nichts mehr, außer das auf Deiner Haut nicht wahr? Wir müssen Dich einkleiden und versorgen. Wann hat man Dich zum letzten Mal in der Heimat gesehen? Das muss vor Stand Null gewesen sein. Ich hätte da einen Vorschlag, wie wir Dich ganz offiziell aus der Schusslinie bekommen. Heirat", grinste Hilarius.

Dorian von Wigberg
»Ich soll deine Schwester heiraten? So wärst du sie los. Einverstanden. Wenn es nur das ist, was du an Gegenleistung wünschst ... es wird ihr gut gehen, sobald ich wieder eine Bleibe habe. Kann ich mich setzen?« Er steckte sich endlich die Rauchstange in den Mund, wollte sie entzünden und stellte fest, dass er sein Feuerzeug mitsamt dem Sakko entsorgt hatte. »Was wolltet ihr mit diesen Grauen? Was tun sie, außer sich wie die Karnickel zu vermehren, auf diese Weise ein feindliches Gebiet leerräumen? Was macht sie effektiver als Düsterlinge? Was bei der Krone vorgefallen ist, kann ich dir verraten. Prince Oliver ist nun Duc-Gemahl, de facto ein Zweit-Duc. Das wurde doch in den Medien breitgetratscht, es kam auf La Voix - Atriso-TV und auf Tempel TV wurde es hoch und runtergespielt. Gleichzeitig stieß seine Majestät all seine Frauen ab. Da liegt ein Zusammenhang nahe, wenn man die Lebensweise der Bluthexer bedenkt.«

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius machte erneut eine einladende Geste. "Setz Dich... hätte ich vielleicht dazu sagen sollen", erklärte Hila und reichte Dorian sein Feuerzeug. Es war schwer, massiv und aus Platin. "Nicht meine nichtsnutzige Schwester, sondern mich. Heiratest Du sie, wird sie eine Wigberg. Zwei weitere auf dem Block. Heiratest Du mich, wirst Du ein Hohenfelde. Was wir mit den Grauen wollten? Genau das wofür sie geschaffen wurden, einen Flecken Land leerräumen und uns dort niederlassen. Der Rat dachte wir wollten Naridien in die Knie zwingen. Nicht bedenkend, dass es schon seit über 800 Jahren in unserer Hand ist, diese Marionetten. Nein wir wollten zuerst einen Probelauf in Arashima starten. Und wir hätten dann natürlich auch nicht nein zu dem Land gesagt. Ein festes Ziel hatten wir bis dato noch nicht. Braucht man das neuerdings? Ihr sammelt Wissen für den Wennfall, wir Waffen Dorian. Sie sind effektiver als Düsterlinge, da sie härter im Nehmen sind, da ihnen Licht nichts ausmacht und sie haben Technisches Verständnis. Sie lernen schnell, sie sind zäh und brutal. Aber ein guter Düsterling hat trotzdem was familiäres nicht wahr? Ich sollte mich echt nicht zu lange im Nexus herumtreiben, wenn ich die Langeweile packt. Verzeih, aber das ist tatsächlich an mir vorrüber gegangen. Duc-Gemahl, Dir ist bewusst wie mächtig die Bluthexer nun sind durch diesen Mann? Ein kluger Bursche, das hätte ich Oli nicht zugetraut. Eifersüchtig war er schon immer, aber das ihn derart die Macht lockt? Schau an", sagte Hilarius und nippte an seinem Glas.

Dorian von Wigberg
Dankbar entzündete Dorian sein Feuerzeug und sog den Rauch in seine Lungen, das beruhigte ihn ein wenig. Dann ließ er sich in die Couch sinken, wo er durchatmete. Es gelang ihm, die Fassung zu wahren und das Gespräch fortzuführen, indem er die Erinnerung an die Vergangenheit völlig ausblendete und sich nur auf den Augenblick konzentrierte. Der Gedanke, dass seine Familie ermordet worden war oder gerade wurde, könnte auch ihn umbringen, wenn er sich dadurch zu unbedachten Handlungen hinreißen ließ. »Dich heiraten?« Er lächelte. »Da sage ich nicht Nein. Das ist ein sehr großzügiges Angebot, auch wenn mir bewusst ist, dass ich damit in die Schusslinie der Hohenfeldes gerate, sobald sie schlechte Laune aufeinander haben. Besser das, als gleich den Block. Ich werde versuchen, mir keine Feinde unter euch zu machen.« Er schaute sich Hilarius nun etwas genauer an als vorhin. Der Mann war etwa zwanzig Jahre älter als er, aber wie die meisten seiner Familie hatte er sich sehr gut gehalten und im Alter eher noch an Attraktivität gewonnen. »Wer ist im Moment euer Familienoberhaupt, musst du dir eine Erlaubnis einholen? Wenn alle Stränge reißen, könnte ich mich nach Naridien absetzen. Dort gibt es noch einen Zweig der Wigbergs. Ob Oliver so klug gehandelt hat, wage ich zu bezweifeln, ich denke, das war seiner Emotionalität geschuldet. Er ist schrecklich besitzergreifend.«

Hilarius von Hohenfelde
Hila neigte leicht das Haupt und schmunzelte Dorian an. "Seit Brandur und Linhard von Hohenfelde die Führung der Sippe übernahmen, ist es unser Zweig, ergo ich bin zur Zeit das Familienoberhaupt der Hohenfeldes. Die Sippe ist etwas weit verstreut, aber ich bin auch Sippenführer. Nobelitierung und Einbürgerung von Marquis Linhard von Hohenfelde in die Souvagne am 28.03.203 n.d.A. ab dato war es unser Zweig offiziell in Souvagne. Der andere Zweig der Hohenfeldes in Souvagne wurde von Davard von Hohenfelde gegründet. Die Scholle trägt heute noch den Namen seiner Tochter - Irminabourg. Nobelitierung und Einbürgerung von Marquis Davard von Hohenfelde-Eisseher in die Souvagne ebenfalls am 28.03.203 n.d.A., das ist Anthonys Linie. Nobelitierung und Einbürgerung von Marquis Wolfgang von Wigberg in die Souvagne ebenso am 28.03.203 n.d.A., dass dürfte dann Deine Linie sein. Oder entstammst Du einer Zweiglinie? Einer der Sicherungslinien?", fragte Hila. "Wenn Du nicht nein sagst, hast Du ja gesagt. Wir werden Naridien anreisen, heiraten und das Hochzeitsdatum zurückverlegen lassen. Kurzum wir haben vor vier Wochen oder so geheiratet", schmunzelte Hilarius und musterte seinerseits Dorian aufmerksam. Mit der Ehe konnte er sich gut arrangieren, Dorian war kein hässlicher Kerl und er schien Grips zu haben. Zumindest lebte er noch. Hilars Schmunzeln wurde zu einem Grinsen.

Dorian von Wigberg
»Ich stamme in direkter Linie von Wenzel von Wigberg ab. Seine Linie und die von Wolfgang spaltete sich mit ihnen. Sie hatten noch einen gemeinsamen Vater, Kieran von Wigberg, danach lebte Wenzels Linie verborgen von den anderen. Später haben sie sich wieder aneinander angenähert, vermutlich nur zum Schein, denn kurz darauf erfolgte eine weitere Spaltung und so ging das einige Male. Anstelle eines Familienstammbaums haben wir eher eine Art unterirdisches Familienmyzel. Und wir beide sind fortan Verlobte.« Er schmunzelte freundlich. »Dann sollten wir noch Ringe besorgen, sonst kauft uns das niemand ab. Wie stellst du es dir nach der Hochzeit vor, soll ich das Herrenhaus dann verlassen? Ich weiß deinen Schutz zu schätzen und möchte deine Gastfreundschaft nicht überstrapazieren.«

Hilarius von Hohenfelde
"Wozu sollte ich Dich schützen, wenn ich Dich danach aus dem Haus jage Dorian? Das ergäbe keinen Sinn, Du bist und bleibst mein Ehemann und damit an meiner Seite. Ich denke Du wirst Dich schon erkenntlich zeigen. Wir finden da sicher etwas, was uns beiden gefällt. Zudem wäre es schade um Dein Wissen. Als Oberhaupt in Souvagne ist es ja nicht nur meine Pflicht, ich tue es gerne. Auch wenn sich das vielleicht komisch anhört. Wir Hohenfelde hatten immer mehr Emphathie für die anderen Sippen, als für die eigene Familie. Jedenfalls die meisten von uns. Und das Wissen Deiner Familie ist hier ebenso sicher und willkommen Dorian. Und Du ganz persönlich ebenso. Ich verweise Dich nicht des Hauses, wenn ich Dich geheiratet habe. Allerdings sollten wir uns dann schon etwas wie Eheleute verhalten. Woran hast Du Interesse? Mann? Frau? Beides? Droiden? GMOs?", hakte Hilarius nach und beobachtete Dorian so genau, dass es fast unangenehm wurde.

Dorian von Wigberg
Dorian blickte ihm so offen entgegen, wie es nur jemand konnte, der keine Geistmagie zu fürchten hatte. »Du wirst dich daran gewöhnen müssen, dich allein auf meine Körpersprache zu verlassen«, sagte er freundlich. »Und auf mein Wort, auch wenn das natürlich immer so eine Sache ist bei einem Wigberg. Wie sagt man so schön, wie erkennt man einen lügenden Wigberg? Seine Lippen bewegen sich. Innerhalb der Familie gilt dieses Gesetz nicht, denn wir glauben an die Macht einer starken Gemeinschaft. Wenn ich bei dir unterkommen darf, hütest du mich, damit mein Wissen und somit ein wertvolles Relikt aus der souvagnischen Linie. Wenn sie mich kriegen, ist diese Linie tot. Ich hoffe, ich kann hier und da noch einen Verwandten und unsere Wissensdepots bergen.« Er schloss gequält die Augen. »Die Bibliothek! Ich muss die Bibliothek bergen und neu verstecken. Komm her zu mir, Verlobter.« Einladend legte er den Arm auf die Rückenlehne des Sofas. »Es ist vielleicht schwer zu glauben, da unüblich, aber ich bin mit 27 Jahren noch recht unerfahren in Sachen Zärtlichkeit. Wer überall Intrigen wittert, wahrt lieber eine gewisse Distanz, auch körperlich. Droiden würden mir sicher aufgrund ihrer Programmierbarkeit gefallen, würde ich nicht befürchten, dass sie genau so meine Daten sammeln wollen wie die Menschen auch. Natürlich weiß ich, wie es funktioniert, aber ich hatte daran immer weniger Interesse als andere. Ich glaube aber daran, dass das Geschlecht und das Aussehen nicht so entscheidend sind wie die Chemie, wie man so schön sagt. Ich stehe nicht auf Frauen oder auf Männer oder auf GMOs, sondern auf die oder den, wo ich mich nahe fühle. Meine erste Verlobung war eine Frau, eine rein geschäftliche Sache, die Beziehung zu den Eibenbergs festigen, steuerliche Vergünstigungen, Fortbestand der Linie und so weiter. Ich habe sie mir nicht ausgesucht, sondern mein Vater. Du hingegen hast mir ohne zu zögern Hilfe angeboten, obgleich du dich damit auch selbst in Gefahr bringst und das sind sicher bessere Voraussetzungen. Wer weiß, vielleicht wird es mehr als nur eine Ehe auf dem Papier oder eine freundschaftliche Verbundenheit.«

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius stand auf und setzte sich zu Dorian. Er legte seinem Verlobten einen Arm um die Schulter. "Es gehört mehr dazu, als reine Chemie. Die ganze Person muss Dir Appetit machen. Und ich denke wir beide sind uns nicht abgeneigt. Mehr als eine Ehe auf dem Papier, ist es. Wir sind schon eine Sippe und mein Angebot ist ehrlich gemeint. Was sich zusätzlich entwickelt, wissen wir nicht. Aber für etwas Bonus wäre ich zu haben und für eine Freundschaft... nun wieso nicht? Selten gesäht in der eigenen Familie. Vielleicht klappt es ja mit uns. Aber so schön das auch wäre, das erste Ziel ist es, Deinen Hintern zu retten, das Wissen das Dein Kopf birgt und wir werden Eure Bibliothek sichern. Was Droiden angeht, natürlich sammeln sie Wissen. Das was sie auf ihren internen Speichern haben, damit Sie Dir besser dienen können. Aber es gibt auch jene die ihr Wissen teilweise oder ganz auf Server lagern. Dann hat nicht nur der Droide Zugriff, sondern jeder. Das ist gefährlich. Ich bevorzuge Diener auf Fleisch und Blut oder Droiden Du nichts ans Netz angeschlossen sind, also weder ans Hive in Obenza, noch an den Courant. Erfahrungen sammelt man, kleiner Wigberg, genau wie Wissen. Richte Dich ein, sag mir was Du benötigst, ich werde morgen früh Anthony kontaktieren, ansonsten Licinius, Euer naridisches Oberhaupt. Aber nun - willkommen in der Familie Dorian", antwortete Hilarius und küsste seinen Verlobten zärtlich auf den Mund.

Dorian von Wigberg
Dorian ließ das Gefühl auf sich wirken und erwiderte den Kuss mit langsamen Lippenbewegungen, ehe er den Kopf auf Hilarius` Schulter sinken ließ. »Danke«, sagte er. Die Erschöpfung in seiner Stimme war nicht zu überhören, aber er war nicht allein. Und an der Seite des Familienoberhaupts der Hohenfeldes leben zu dürfen, war in dieser Situation mehr, als er sich erhofft hatte. »Ich werde euch keinen Ärger machen und die Bibiliothek wird vielleicht einiges in sich bergen, das auch für dich von Interesse sein könnte.« Er schloss die Augen und an der Schulter von Hilarius fiel es ihm nicht ganz so schwer, die Ereignisse zu verdrängen und ein wenig Schlaf zu finden.

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Re: 11 Kapitel 11 - Die Nacht nach dem Untergang der Aschgrauen Sonne

#2

Beitrag von Hilarius von Hohenfelde » So 18. Aug 2019, 05:36

Ein neues Band


Dorian hatte ein Gästezimmer für die Nacht bekommen. Es gab nichts, was er in den Schrank einräumen musste, er hängte nur seine Lederjacke über den Stuhl. Er legte sich ins Bett und schaute auf die Uhr. Er gönnte sich 47 Minuten der Trauer, in denen er das Gesicht in dem Kissen vergrub und seinen Schmerz in die Federn schrie. Als der Wecker piepte, stand er auf, wusch sein Gesicht, drehte das Kissen herum und legte sich schlafen. Als der Wecker erneut ging, hatte er siebeneinhalb Stunden geschlafen, das genügte. Er stand auf und nach der Morgentoilette verließ er das Zimmer. Barfuß ging er über die weichen Teppiche. Sie mit Schuhen zu betreten, käme Blasphemie gleich. Der Privatbereich des Herrenhauses roch durch und durch gemütlich, nach Kerzen, Möbelpolitur und gutem Pfeifenkraut. Dorian schaute sich um, ob er Personal fand oder, besser noch, seinen Verlobten. Herrje, verlobt waren sie ... Er fuhr sich über den Kopf und spürte die Glatze, wo gestern noch langes braunes Haar gewachsen war. Er war ab heute nach außen ein anderer Mensch. Für einen Wigberg nichts ungewöhnliches, die Identitäten zu wechseln wie die Socken, aber in den meisten Fällen war die Familie der Punkt, wo man sich erdete, wo Dorian er selbst sein durfte. Nur gab es seine Familie seit gestern nicht mehr. Er verbot sich die aufsteigende Trauer und blickte einen Moment böse, ehe er sich wieder entspannte, das Hemd zurechtzupfte und nach Hilarius suchte. Hilarius war nun seine Familie, bald würde er den Namen Hohenfelde tragen. Ein Name, der Unheil verhieß, aber vielleicht wurde es halb so schlimm. Er war ein Wigberg und wenn er etwas wirklich konnte, dann war es, unnötigen Konflikten auszuweichen wie ein Aal. Bei den Hohenfeldes gab es unterschiedliche Zweige, nicht jeder war so grausam wie ihr Ruf und Hilarius war zudem das Oberhaupt. Dorian steckte die zitternde Hand in die Hosentasche, als er um die Ecke bog. »Hallo?«, fragte er in den Gang hinein.

Lola:
Eine hochgewachsene Frau in einem weißen Servant-Dress erschien und verneigte sich kurz vor Dorian. "Ich wünsche wohl genächtigt zu haben. Möchtet Ihr zu seiner Herrschaft Eurem Verlobten Herr, oder wünscht Ihr zu Frühstücken? Mein Name ist Lola und ich bin der Vorstand der Mädchen. Es wäre für uns hilfreich, wenn Ihr mir kurz Eure generell Wünsche und Vorlieben mitteilen würdet. So müsstet Ihr morgens nicht nach der Toilette ersuchen oder auf Euer Frühstück warten. Habt Ihr für heute besondere Wünsche?", fragte die Frau.

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Dorian von Wigberg
»Gute Morgen, Lola«, grüßte er. »Ja, ich suche Hilarius. Was Frühstück angeht, esse ich gern zwei gekochte Eier, sechseinhalb Minuten, geschält und halbiert. Dazu warmes Brot mit Butter, Salz und einen geschälten und geschnittenen Apfel. Zu trinken nehme ich eine Kanne Kräutertee, Kaffee und ein Glas hundertprozentigen Direktsaft ohne Fruchtfleisch. Ich würde allerdings gern mit meinem Verlobten gemeinsam frühstücken, sofern er noch nicht gegessen hat. Möchten Sie noch etwas wissen?«

Lola:
"Sehr gerne, wir servieren Ihnen Ihr Frühstück bei seiner Herrschaft. Folgen Sie mir bitte. Wünschen Sie einen Mann für die Morgentoilette? Möchten Sie angewärmte Handtücher wie die Herrschaft? Dann würden wir diese zeitgleich erwärmen. Da mir aufgetragen wurde, Ihnen Kleidung zu beschaffen, eine erste Garnitur möchte ich gerne wissen welche Kleidung sie bevorzugen. Mit Verlaub, Ihre jetzige Kleidung ist nicht angemessen. Verzeiht mir diese Worte, aber sie stammen von Eurem Verlobten. Der Marquis möchte Sie ehr in gediegenere Kleidung sehen. Seine eigenen Worte möge er selbst an Sie richten. Seine Herrschaft hat noch nicht gespeist. In einer Viertelstunde wird er vom Fechttraining in seinem Gemach speisen. Sie können dort so lange auf ihn warten. Ich denke das wird ihn freuen. Und bitte, ignorieren Sie einfach seinen Hund Flocki, falls es keine Annäherung gab, unterlassen Sie es den Hund zu streicheln. Das ist eine Warnung zu ihrer eigenen Sicherheit. Solange Sie sich ruhig verhalten, können Sie sich im Gemach des Herrn frei bewegen. Der Hund weiß, dass Sie erwünscht sind. Ich denke er hat Sie beschnuppert. Das fürs Erste, damit Sie sich wohl fühlen. Haben Sie vielleicht einen Wohlfühlduft, ein Parfüm, dass wir Ihnen besorgen sollen? Oder sonstige Wünsche? Der Marquis ließ mich heute morgen wissen, dass Sie leider ohne jegliches Gepäck angekommen sind, da Sie gerade dem Tode entronnen sind. Hierzu unser aller Beileid Herr. Wir tun unser Bestes um Ihnen den Aufenthalt bei uns so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein neues Com und einige andere Dinge hat der Marquis für sie bereitlegen lassen. Sie liegen im Wohnzimmer, er hatte angeordnet Sie nicht zu stören, damit Sie sich ausschlafen können. So da wären wir", sagte Lola und öffnete die Tür zum Gemach von Hilarius. Es war nicht einfach nur ein Schlafzimmer, sondern es war ein kompletter Wohnbereich, eine Wohnung im Herrenhaus. Der Eingangsbereich war der Empfang, ein Miniwohnzimmer. Davon führten links und rechts Räume ab. Links ging es zum Schlafzimmer mit angrenzendem Bad. Rechts ging es zum Wohnzimmer und zu einem kleinen Küchenbereich. Dahinter verbarg sich zudem ein weiterer Trainingsbereich. Flocki der im Empfang schlief hob seinen dicken, struppigen Kopf, musterte sie aus seinen kleinen Knopfaugen und legte sich wieder hin. Für ihn schien damit die Inspektion der Gäste abgeschlossen zu sein. "Nehmt bitte Platz, macht es Euch gemütlich, ich hole Eure Sachen", sagte Lola und ließ Dorian allein.


Dorian von Wigberg
Dorian freute sich darüber, dass Lola sich so ausführlich nach seinen Wünschen erkundigte. Als sie seine Kleidung ansprach, schmunzelte er. »Ich bevorzuge gedeckte Farben, aber kein Schwarz. Tannengrün, Marineblau, Grau ... das Spektrum.« Er zog eine Broschüre aus der Tasche. »Die habe ich in der Stadt mitgenommen. Schauen Sie mal, der Anzug gefällt mir.« Er zeigte Lola einen Anzug für den Geschäftsmann. Anstelle von Knöpfen hielt ein Reißverschluss das Sakko in Form und ein Stehkragen verdeckte den Hals. Über der Bügelfaltenhose wurde ein zum Stil passender Rock getragen, der bis zu den Knien reichte.

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»Ich würde auch die Tasche, Sonnenbrille und Schuhe nehmen, gleich das ganze Set, das spart die Sucherei. Ich bin gewohnt, mich um mein körperliches Wohl selbst zu kümmern, aber ein persönlicher Ansprechpartner wäre gut, damit ich nicht immer Sie oder meinen Verlobten behelligen muss. Anstelle von angewärmten Handtüchern hätte ich gern harte und raue Handtücher, das ist gut für die Haut. Was Düfte anbelangt, so schätze ich Unisex-Parfums. In der Kopfnote süßliche Düfte und in der Basis darf es etwas herber sein. Von Corvin Grande gefällt mir Bronze, es kann aber auch ein anderes Parfum sein.« Dorian machte es sich auf dem Sofa gemütlich. Den Hund ignorierte er, auch wenn das Tier ihm Respekt einflößte. Die Bediensteten würden das Tier einzuschätzen wissen.

Hilarius von Hohenfelde
Dorian hatte sich etwas mehr als eine Viertelstunde zu gedulden. Als er Schritte vernahm stand Flocki auf und erneut ertönte das inernalische, tiefe, dröhnende Gebell des Hundes. Diesmal allerdings nicht warnen, sondern man hörte, dass der Brocken sich freute. Wenige Augenblicke später betrat Hilarius sein Gemach, knuddelte seinen Hund und schaute Dorian gut gelaunt an. "Du bist ja schon wach, ausgezeichnet. Ich habe extra anordnen lassen, Dich nicht zu stören. Damit Du ausschlafen kannst. Ich denke der gestrige Tag war anstrengend genug. Da Du hier bist, gehe ich davon aus, dass Lola mit Dir gesprochen hat. Sie wird sich Deiner Sachen annehmen, heute Nachmittag hast Du einen vollen Kleiderschrank und was so zur Grundausstattung eines Herrn gehört. Wie war Deine Nacht? Auch wenn ich mir meinen Teil denken kann, würde ich es gerne von Dir hören. Komm mal her, ich mache Euch beide mal bekannt", sagte Hila und deutete auf Flocki. "Gleich gibt es Frühstück, danach reisen wir nach Naridien. Ich habe für alles gesorgt, Kontakte. Du verstehst schon. Wenn nicht Du, wer dann? Möchtest Du vor Ort einige Verwandte besuchen? Licinius ist in Alessa", erklärte Hila und band sich die Haare mit einer Haarsträhne zusammen.

Dorian von Wigberg
»Guten Morgen«, grüßte Dorian freundlich und kam zu Hilarius hinüber. Für das, was er erlebt hatte, sah Dorian lediglich ein wenig gerötet aus, da sein Blutdruck höher war als sonst. Er wirkte ansonsten ausgeschlafen und vital. »Resilienz ist eine unserer wichtigsten Eigenschaften. Wir trainieren unsere psychische Widerstandskraft gezielt. Ich bin todunglücklich und habe Angst, aber das wird mich weder zerstören noch in meiner Effizienz beeinträchtigen. Ich werde kein Ballast, das versichere ich dir. Ich habe siebeneinhalb Stunden geschlafen, damit komme ich gut zurecht. Lola hat mich ausgefragt und sich um alles gekümmert, sie macht ihre Arbeit gut. Hast du einen Leibdiener? Sie hat mir einen angeboten, aber ich habe dankend abgelehnt. Mir ist es lieber, wenn ich im Notfall allein zurechtkomme. Ich kann mich nur noch einmal für die Hilfe bedanken und inzwischen freue ich mich richtig auf die Hochzeit. Ist die Verwandtschaft geladen? Wenn Licinius in Alessa ist, würde ich ihn gern besuchen oder wir laden ihn zur Feier ein. Ich muss ihn über alles Informieren, er wird das meiste schon wissen, aber es ist etwas anderes, das persönlich von einem Verwandten zu hören.« Er schaute Hilarius von der Seite an. Vorsichtig streichelte er seinen Oberarm mit der Rückseite seiner Hand und legte ihm dann das Kinn auf die Schulter. Es tat gut, jemanden zu spüren. »Lola meinte, dir gefällt mein Aufzug nicht«, sagte er schmunzelnd.

Hilarius von Hohenfelde
Hila umarmte Dorian und hielt ihn fest umschlungen. "Das weiß ich, bei uns ist es ganz ähnlich. Wenn sich die Welt selbst zu unserem Feind erklärt, dann entfacht das unseren Überlebenswillen. Es gab keinen Hohenfelde der in Lethargie versank. Nun vielleicht doch, aber ich spreche von jenen die überlebten und deren Blut sich vorsetzte. Es hat niemals einen Schwächling in unserer Reihe gegeben. Das hätte keiner der unseren geduldet. Was nicht heißt, dass man nicht einmal einen schwachen Moment hat. Den kennt jeder, Du wie auch ich Dorian. Du kannst um Deine Verwandten trauern, oder Du kannst Dich freuen überlebt zu haben. Wir bevorzugen Letzters, meist auch deshalb, weil es bei uns selten vorkommt, dass ein anderer unsere Familienmitglieder auslöscht. Dafür sorgen wir meist selbst, wenn sich diese als untragbar erweisen. Früher war es sogar so, dass es eine Tradition war, dass man sich in unserer Familie selektierte. Ein Mann konnte zig Söhne haben. Es spielte keine Rolle wer Erstgeborener war. Bei uns war wichtig, wer der letzte Überlebende war, denn er übernahm den Familienthron nachdem er alle anderen zum Abgrund schickte. Alle Angestellten im Haus sind weiblich Dorian, mit Ausnahme der Diener für die Gartenarbeit und eben solche Dinge. Deshalb Lolas Frage. Entweder bekommst Du einen Droiden oder ich müsste einen Leibdiener einstellen. Ich selbst habe keinen Leibdiener, sondern eine Dienerin. Oder eine Zofe? Von mir aus nenne es exzentrisch, aber ich fühle mich wohl dabei. Zudem hat es auch gewisse Vorteile. In Souvagne ist es Tradition Frauen zu unterschätzen, diese hier bis auf mein Eheweib bitte nicht. Du wärst erstaunt wozu sie in der Lage sind, aber dazu später mehr. Zu Dir selbst, ich weiß dass Du einsam bist und das Du es gewöhnt bist, in einer Familie zu leben. Das wirst Du hier auch, wenn auch nicht im gleichen Umfang wie bei einem Wigberg. Unser Kreis hier ist kleiner. Anthony zählt nicht als direkter Kreis, ist mir aber nahe. Nur bitte, wenn Du mit ihm sprichst, denk an unsere alte Weisheit - ein Hohenfelde lernt bereits zu schweigen, wenn andere noch das Sprechen lernen. Anthony kann Deine Lebensrettung sein. Allerdings auch Dein Untergang, denn er ist das Sprachrohr des Duc. Drum darf er von mir aus alles essen, aber nicht alles wissen. Es gibt keine Feier Dorian, die Feier fand vor 6 Wochen statt. So habe ich es arrangieren lassen. Privat, intern wird es eine Feier geben. Wir können bei Licinius feiern, er wird sich darüber freuen. Aber offiziell wird es keine Feier geben. Deiner Sicherheit geschuldet. Und da wir gerade beim Thema Sicherheit sind, Flocki", sagte Hilarius und nahm Dorians Hand. Gemeinsam mit seiner streichelte er Flocki und legte sie auf den großen Kopf des Hundes. "Er wird Dir nichts tun. Flocki wird Dich nicht angreifen oder stellen. Nur bei einer einzigen Gelegenheit wird er es dennoch tun, in dem Moment wo Du mich angreifst. Er ist ein guter Hund, wie die meisten Hunde ist er eine liebe und treue Seele. Wer sagt dass man sich Freunde nicht kaufen kann, der kennt Hunde nicht. Tja Licinius muss über das Geschehene informiert werden. Möglicherweise ist er es auch schon, über Quellen die mir nicht bekannt sind. Aber ich würde ihm dennoch alles aus Deiner Sicht erzählen. Du hast großes Glück gehabt. Wie ich herausgefunden habe, ist Euer Osmund leichtsinnig geworden. Er ist mit seinem Orden aufgeflogen. Vielleicht hätte er sich doch lieber eine Armee schaffen sollen, die etwas mehr Loyalität kennt. Keine Armee von Leibwächtern nützt etwas, die nur den Arsch runzeln, wenn Sie Dich an den Eiern aus Deinem Haus schleifen. Sagen wir mal, dass ist der Sache ganz schön abträglich. So sehr ich Osmund schätze, aber er hat den Tod verdient. Er war schwach Dorian. Du bist das nicht und ich werde Dich unterweisen. Glaubst Du an Gott?", fragte Hilarius und küsste Dorian sanft auf den Mund.

Dorian von Wigberg
Dorian erwiderte den Kuss sanft. »Ich glaube an keine übernatürlichen Kräfte, nein. Alles ist wissenschaftlich erklärbar, auch Magie. Meine Familie ist nicht sonderlich religiös, ich glaube, das hängt damit zusammen, dass von uns nahezu alle Antimagier sind. Das hat uns schon früh sehr rational gemacht in solchen Dingen. Während andere von ihrer unsterblichen Seele sprachen, gab es für uns nur das gottlose Nichts. Natürlich gibt es Seelen, aber sie sind letztlich auch nur feinstoffliche Materie.« Mit ruhigen Fingerbewegungen kraulte er den gewaltigen Schädel des Hundes. Unter dem Fell konnte er die harte Kiefermuskulatur spüren. »Ich werde dich nicht angreifen, Hilarius. Es gibt dazu nicht den geringsten Grund, mehr noch, es wäre eine gewaltige Dummheit und dann hätte ich den Tod wirklich verdient. Ob Osmund nachlässig war, kann ich nicht sagen. Die meisten von uns sind vorsichtig, andererseits war er Nekromant im Rang eines Lichs. Die neigen manchmal zum Größenwahn.« Die Information, was die Zofe von Hilarius betraf, war für Dorian vollkommen in Ordnung. Er fragte sich jedoch, was die Warnung vor diesen Frauen betraf. »Warum klammerst du deine Ehefrau von dem Rat, die Frauen nicht zu unterschätzen, aus? Und was spricht gegen männliches Personal, von den Vorzügen seiner weiblichen Kollegen abgesehen? Männer sind für körperlich schwere Arbeiten besser geeignet, sie verrichten sie schneller und werden darob nicht so schnell krank in den Gelenken und im Rücken.«

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius genoss es, dass Dorian den Kuss erwiderte. Ob es der junge Wigberg aus Genuss, Zugneigung, Dankbarkeit oder positiver Berechnung tat, war vorerst gleich. Es würde ihr Zusammenleben erleichtern, wenn sie sich beide aufeinander einließen. Er war dazu bereit und Dorian scheinbar auch. Vermutlich war Dorian ebenso wie er, nicht an feste Normen gebunden oder er hatte seine Normen noch nicht gefunden. Das Männer ihn als Partner abstießen konnte jedenfalls nicht dazugehören, denn ansonsten hätte er sich schon geäußert. Mit manchen Dingen konnte man leben, manche waren ein unumstößliches Tabu. Sexuelle Dinge gehörten für Hila nicht mit einem Tabu belegt, manches versuchte er vielleicht kein zweites Mal, aber er war was dieses Thema ging aufgeschlossen und er machte es nicht an einem Geschlecht fest, mit wem er sich verband, sondern daran was er sich erhoffte. Gleichwohl natürlich auch, ob er diese Person appetitlich fand und Dorian war dies eindeutig. Über die Gottlosigkeit der Wigbergs schmunzelte Hilarius. Hatten sie nicht selbst einst eine Gottheit hervorgebracht in Form der Trinität? Aber darüber konnte er später mit Dorian philosophieren. "Frauen sind oft ebenso gute Kämpfer wie Männer. Ihre Fähigkeiten sind nicht auf Kraft, sondern auf Schnelligkeit, Brutalität und effektives Töten ausgelegt. Denn sie haben der Kraft eines Mannes nichts entgegenzusetzen. Was nicht heißt, dass sie ihn nicht trotzdem zu Fall bringen können. Und genau dafür sind meine Bediensten da. Eine Horde Tuteurs und jeder wüsste, wozu diese Gruppe da ist. Ein Haufen scheinbar harmloser Dienstmädchen in ihren schlichten Uniförmchen, wirkt da ganz anders nicht wahr? Meine Ehefrau dient der Repräsentation und dem Vergnügen. Sie ist keine GMO, sie ist, tja wie sage ich das? Eine profane Souvagnerin, mit einem äußerst leckeren Körper und einem sehr strammen Loch", lachte Hilarius.

Dorian von Wigberg
»Was sind deine Dienstmädchen denn für GMOs?«, wollte Dorian wissen und beließ sein Kinn auf Hilarius` Schulter. »Danke für die Warnung, aber auch hier kann ich nur noch einmal bekräftigen, dass ich für niemanden aus der Familie eine Gefahr darstelle. Natürlich fließt auch in meinem Blut ein wenig Hohenfelde, so wie auch in deinem das meiner Familie, aber ich wurde als Wigberg erzogen. Bei uns überlebt nicht der Beste, sondern alle und jeder erhält seine Aufgabe, auch der letzte Taugenichts kann unserer Familie nützen, wenn man ihn nur so einsetzt, dass seine Fähigkeiten zur Aufgabe passen. Hast du deine Familie schon eigenhändig reduziert und gibt es jemanden, vor dem ich mich, von Anthony abgesehen, besonders in Acht nehmen sollte?« Über die Beschreibung der Ehefrau musste Dorian schmunzeln. Ihre körperlichen Vorzüge waren offenbar der einzige Grund der Ehe gewesen, aber warum nicht? Seine Verlobte hatte einen Vater gehabt, zu dem man die Freundschaft festigen wollte und das war genau so in Ordnung. »Bevor ich ins Fettnäpfchen trete, weil ich mich zu prüde oder zu entgegenkommend verhalte - wenn wir beide verheiratet sind, in welcher Beziehung stehe ich dann zu deiner Frau? Wenn du das wünschst, mache ich um sie einen Bogen, wenn du Spaß zu dritt wünschst, bin ich dafür ebenso zu haben und wenn du froh bist, wenn ich mich gelegentlich allein um sie kümmere, kann ich auch das tun.«

Hilarius von Hohenfelde
"Es gibt mehr als nur Tuteurs die auf Verteidigung spezialisiert sind. Meine Damen stammen aus Obenza, Importware. Sie haben andere Reflexe als ein Menscho der Souvagner, ein anderes Schmerzempfinden und und und. Das erkläre ich Dir einmal in Ruhe. Die Tuteurs setzten auf Abschreckung, dass ist in den meisten Fällen richtig. Aber wenn mögliche Feinde nicht wissen sollen, dass Du Beschützer hast, wähle welche, die als solche nicht zu erkennen sind. Bis auf Flocki würde hier niemand jemanden erwarten, der einem die Arme und Beine ausreißen kann. Natürlich Dorian, wir sind eine Sippe. Seit uralten Zeiten, bereits zu Zeiten der Siedler schlossen sich unsere Familien zusammen. Ein Pakt der Jahrhunderte überdauerte und der unser Überleben sicherte. Das der Familie, nicht das des Einzelnen. Bei uns beiden geht es genau darum, das Überleben des Einzelnen. Du hast Dich an mich gewandt, aus familiären Gründen. Meinen Stand in der Familie hast Du erfragt. Ich gehe davon aus, dass Du die Wahrheit gesprochen hast. Für Spielchen hast Du keine Zeit. Und ein Spielchen Marke ich lösche meine Familie aus und ziehe so lange zu meinen Verwandten traue ich Dir nicht zu. Theoretisch schon, die Handwerkskunst beherrscht Du. Praktisch nicht, so ist kein Wigberg erzogen. Ihr vertraut einander, Ihr steht einander bei und jeder von Euch findet bei Euch in der Familien seinen Platz. Ein Umstand der mir gefällt, aber mich zeitgleich auch ein wenig ängstigt. Das ist der Art meiner Familie geschuldet. Bei Euch erwartet einen vielleicht schlimmstenfalls sein belangloser Beruf, bei uns könnte einen eine Klinge erwarten. Von daher bin ich ehr der vorsichtige Typ, auch wenn ich hier so freimütig erzähle. Bei Dir ist das jedoch möglich, denn immerhin gehörst Du mir, Dein Leben liegt in meiner Hand und Du gehörst zu mir. Selten dass wir uns gegen unsere Lieben wenden. Du verstehst was ich meine? Kaum ein Hohenfelde tötet seine Frau, seinen Mann, seine Kinder. Die der Brüder wäre schon drin. Aber hier wohnen keine weiteren Verwandten und die entfernten liegen in Naridien. Über eventuelle persönlich von mir entfernte Verwandte, sprechen wir zwei Hübschen nach dem Ja-Wort. Vorher wäre das unziemlich. Meine Frau ist Deine Frau Dorian. Sie ist Dein Eheschwester. Wir beide sind verheiratet, dass heißt Du bist mein Mann, sie ist meine Frau. Vertrag Euch, wenn Ihr beiden dazu Sex haben möchtet, bitte. Wenn es sich zu dritt ergibt, wieso nicht. Wie steht es mit Treue? Du hast gesagt, Du hast nicht viel Erfahrung? Wieviel Erfahrung hast Du und mit wem? Die geringe Erfahrung, was hast Du dort bevorzugt? Dienstliche Zuwendung, private Zuwendung? Lass ein bisschen hören, damit ich Dich einschätzen kann. Ich persönlich würde Dich als Gefährten an meiner Seite willkommen heißen, Freund und Partner in einem. Mein Wunsch wäre es, meine Gedanken zu teilen, Flocki ist ein sehr guter Zuhörer doch sein Rat ist sehr... still", antwortete Hilarius ehrlich.

Dorian von Wigberg
»Ich wurde entsprechend ausgebildet«, antwortete Dorian widerstrebend. »Das gehört bei uns dazu wie die schon erwähnte Stärkung der Resilienz. Es gibt einen Kanon, wie die Ausbildung des Adels aussehen muss, doch jede Familie hat ihre eigenen Schwerpunkte und Ergänzungen. Ich muss in der Lage sein, mir Freunde zu machen, Bündnisse zu sichern und Sex ist ein machtvolles Werkzeug und richtig eingesetzt auch eine Waffe. Eine, die auch gegen mich eingesetzt werden könnte und darum ist es wichtig, dass ich diese Methoden erkenne, wenn man versucht, sie an mir anzuwenden. Das sind keine schönen Worte vor einer Hochzeit. Aber ich habe dir ehrliche Antworten versprochen. Ich habe Erfahrungen mit allem und nichts. Ich kann Männer und Frauen glücklich machen, genau wie sämtliche Zwischenformen. Ich weiß ihre Körper zu lesen und die Zeichen zu deuten, ich könnte dir auf den Tag genau den Eisprung deiner Frau vorhersagen und ihre empfängnisbereiten Tage. Was ich nicht weiß, ist, wie ich mich selber glücklich machen könnte in dieser Hinsicht, weil alles nur Teil eines langen Lernprozesses war. Ich hatte nie den Bedarf, aus reinem Vergnügen die Nähe zu suchen. Dafür war es von Anfang an zu tief in mir drin, das Ganze rational zu betrachten. Einer der größten Fehler, die man machen kann, ist eine Hochzeit aus Liebe, gleichwohl ist sie ein so verlockendes Ideal. Eine Ahnung davon, was mir wohl gefallen würde, habe ich bei einem Tuteur verspürt. Seine Größe, sein gemütliches Wesen, die Wärme seines Körpers, all das hat dazu beigetragen, dass ich mich in seinen Armen so wohl fühlte, dass ich tatsächlich den Augenblick genießen konnte. Ich würde mir wünschen, dass wir beide eines Tages das Gleiche fühlen, und sei es nur zeitweise. Dass wir einander festhalten und uns so nahe sind, dass die Welt uns nichts mehr anhaben kann. Nicht die Welt da draußen und nicht die unserer Gedanken. Du hast deutlich gemacht, dass du dir mehr als eine Zweckehe wünschst und auch wenn wir heiraten, um mein Leben zu retten, teile ich diesen Wunsch. Du bist ein hilfsbereiter und intelligenter Mann, nicht zuletzt ein wirklich hübscher noch dazu.« Dorian schmiegte sich etwas enger an ihn und streichelte langsam seine Flanke. »Treu kann man einander nur sein, wenn man einander versprochen ist. Das bin ich erst seit heute, in meiner vorherigen Verlobung habe ich Zärtlichkeit eher gemieden. Ich werde dir nicht im Weg stehen, wenn du dich nach den Körpern von anderen sehnst. Das wäre anmaßend.«

Hilarius von Hohenfelde
Gerade als Hilarius antworten wollte, erschien Lola mit zwei Mädchen und servierte Frühstück für sie beide. Hila wartete ab, bis alle wieder verschwunden waren und deutete Dorian an, Platz zu nehmen. "Lass es Dir schmecken", sagte er freundlich und nahm ebenfalls Platz. Flocki hockte sich neben Hilarius und schaute ihn abwartend an, in der Hoffnung das für ihn ein Happen abfiel. Hilarius dachte über die Worte von Dorian nach, während er sich sein Brot belegte. "Treue definiere ich etwas anders, sie ist eine Geisteshaltung. Du kannst mit drei Personen im Bett liegen und keine davon bin ich und dennoch bist Du mir in diesem Moment treu. Du würdest mich nicht verraten, dass ist die Treue die ein Hohenfelde meint. Wenn Du tiefere Treue wünscht, darüber können wir sprechen. Auch wenn es bei uns nicht üblich ist, solche Dinge offenzulegen, wir beide sind in einer Ausnahmesituation. Die Tatsache liegt auf der Hand. Folglich bin ich auch bei anderen Dingen offen. Wer sehnt sich nicht nach einer vertrauten Seele? Einer Person der er wirklich absolut vertrauen kann? So wie man die alten Leibdiener in Holofilmen oder Coms darstellt. So wie es guter Hund wäre? Gibt es jene Bande auch unter Menschen? Ja es gibt sie. Wer wünscht sich keinen Beschützer wie Flocki der sich für einen zerreißen lassen würde? Der gleich was die Welt sagt zu einem steht? Selbst wenn er wüsste, dass Du falsch liegst? Wünscht Du Dir das nicht? Eine Person die Dein Zuhause ist, bei der Du sein kannst? Schwäche tötet, aber muss das so sein? Soll das Zuhause so sein? Dass sind Dinge die man allein nicht erörtert bekommt Dorian, aber es sind auch jene Dinge die man nicht mit einem weiteren Hohenfelde besprechen kann, denn dann wittert er Beute. So wie ein Wolf, der ein verletztes Reh erschnüffelt hat. Angelernt was Sexualität angeht, wird jeder. Ihr werdet es, wir werden es. Ihr zu Euren Zwecken, der Informationsbeschaffung. Wir nun um selbst in dem Moment wenn es drauf ankommt wieder man selbst zu sein. Das heißt, auch mit Ständer noch so klar im Kopf zu sein, um jemanden mit Zungenmesser die Kehle durchzuschneiden. Das klingt grausam, das ist es auch. Denn Deine Form und die unsere instrumentalisiert Sex zu einem Werkzeug. Dafür gedacht war er nicht. Allerdings müssen wir diesen Pfaden nicht folgen. Du kannst Sex haben, um Deinen Bedürfnissen zu folgen. Oder Deine Lust auszuleben Dorian. Aber dazu musst Du umlernen, Du musst lernen was Dir Lust bereitet. Das habe ich ebenso gelernt und was ich lernen kann, kannst Du ebenso. Manchmal muss man die Rationalität über Bord werfen und seinen niedersten Instinkten folgen. Verlass Dich auf Dein Gefühl, Deinen Geschmack, den Geruch und Du wirst von dem geleitet, was Dich antreibt. Das Grundprogramm trägt jeder in sich Dorian, sonst wäre die Menschheit und ebenso die Souvagner bereits ausgestorben. Wir müssen nur herausfinden, was Dich dazubringt den Verstand auszuschalten und nur noch zu fühlen. Reine Extase zu erleben. Manchmal hilft es, wenn man sich gewisser Mittelchen bedient, die einen über die eigene Schutzgrenze schubsen. Manche werden von Alkohol lockere, andere von anderen Stimulanzen. Wieder andere benötigen gar nichts von alle dem, sondern ein klein wenig Zeit. Was immer Du brauchst Dorian, ich gewähre es Dir. Meine Aufgabe spannt mich hier oft ein, aber manche Abende sind ehrlich gesagt einsam. Eine Ehefrau Candy - genauer Candice sind ein wundervoller Zeitvertreib. Aber man sehnt sich nicht nur nach Zärtlichkeit, man wünscht sich auch etwas Substanz hinter all dem. Nicht das sie dumm wäre, sie hat ihre eigene Intelligenz um zu bekommen was sich möchte. Aber solche Gespräche wie wir sie gerade führen, kann man von Candy nicht erwarten. Ob ich Ihr da Unrecht tue, weiß ich nicht einmal. Möglicherweise, aber es ist nichts was ich mit ihr anstrebe. Denn würde ich ihr diesen Einblick in meine Gedanken gewähren, dann hätte sie mich in der Hand. Sie wäre mir nah, zu nah. Verstehst Du? Dass Du Dich nach dieser Wärme des Tuteurs sehnt, ist verständlich. Er spricht die Urinstinkte in Dir an, Wärme, Geborgenheit, Schutz, Zuneigung. Daran ist nichts Verwerfliches, es ist etwas Schönes. Genieß es, wenn er es Dir gewährt. Oder ist der Mann mit den anderen gefallen? Warum sollten wir beide nicht das Gleiche fühlen können? Du hast Dich an mich gelehnt, weshalb? Wie hat sich meine Umarmung für Dich angefühlt? Mir hat sie gefallen, sehr sogar. Nun wir heiraten nicht aus Liebe, das tun die Wenigsten Dorian. Aber bei einigen wird Liebe daraus. Warten wir doch ab, was sich ergibt. Vertraute oder Freunde wäre doch auch etwas. Prost mein Lieber", sagte Hilarius und hielt den Kaffeebecher hoch.

Dorian von Wigberg
Dorian lächelte, als die Kaffeebecher mit einem leisen Klong aneinanderstießen und trank dann einen Schluck. Er stellte die Tasse wieder ab, legte eine Eierhälfte auf das mit Butter beschmierte Brot, gab Salz darüber und biss ab. Nach dem Runterkauen trank er eine Tasse Tee am Stück aus. Der Geschmack seines gewohnten Frühstücks tat ihm gut. »Ich habe mich an dich gelehnt, da ich mich verloren fühle ohne meine Familie und du mir Hilfe versprochen hattest. Natürlich meintest du damit mein Überleben, doch für jemanden, der vor nicht einmal 24 Stunden fast alles verloren hat, ist das ein überwältigendes Gefühl, ein Glück, was kaum zu fassen ist. Dich zu umarmen, war wohltuend. Ich schätze deine Stärke, sie fühlt sich gut an. Ich möchte mich an dir festhalten, das ist es, was ich fühlte, und die Augen einen Moment schließen dürfen, während du dich um die Dinge kümmerst, die mich jagen und sie notfalls mit roher Gewalt von mir fernhältst. Vermutlich war es auch das, was mir bei dem Tuteur gefiel. Nein, er ist nicht gefallen, er ist momentan zu einer Weiterbildung in der SouvSec. Es ist der Wunsch, dir zu vertrauen und eine neue Familie in dir zu finden. Die Dinge, die andere bei den Tuteurs oder Hohenfeldes fürchten, sind jene, die meiner Sicherheit dienen. Ich hegte die Hoffnung, in deinen Armen Zuwendung zu erfahren. Und ja, auch ich wünsche mir, jemandem vertrauen zu können und das konnte ich, meine Familie war immer für mich da. Du kannst das von deiner Familie nicht behaupten, aber bedenke, dass ich auch nach der Hochzeit und der Namensänderung im Herzen ein Wigberg bleibe. Es sind nur Worte, wenn ich dir sage, dass du mir vertrauen kannst, aber du wirst sehen, dass sie stimmen. Vielleicht gelingt es mir sogar, dir dabei zu helfen, alte Feindschaften innerhalb eurer Familie in Bündnisse zu verwandeln. Was ist eine Candice?«

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius hörte Dorian gut zu und nickte beipflichend. Natürlich war er dem Herzen nach ein Wigberg, aber genau deshalb würden sie sich beistehen können. Nur deshalb konnten sie so unbefangen miteinander umgehen. Das Dorian seinen gesamten sozialen Halt verloren hatte, schmerzte Hila. Er wusste was Dorian verloren hatte, das was er bis dato nie besessen hatte. Etwas das sich aber jeder, sogar ein Hohenfelde, insgeheim wünschte. Halt und Sicherheit konnte er dem jungen Mann geben, solange er selbst seine Stärke bewahrte, war das kein Problem. Und zur Not konnte er sie heucheln, auch darin waren sie Meister. Als Dorian fragte was eine Candice ist, musste Hilarius wiedererwartend schallend auflachen. Mit allem hatte er gerechnet, aber nicht mit so einer Frage. Er benötigte einen Moment um sich zu beruhigen, dabei wischte er sich die Lachtränen aus den Augen, während ihn sein Hund mit schräg gelegtem Kopf anschaute. "Was ist eine Candice? Die Frage ist genial. Nicht was ist eine Candice, wer. Meine Frau, sie heißt Candice. Moment ich zeige sie Dir", grinste Hila und zückte sein Com. Er wischte etwas hin und her und hielt es dann Dorian unter die Nase. "Das ist Candice - kurz Candy", sagte er mit unterdrücktem Lachen.

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Dorian von Wigberg
»Hups.« Dorian musste grinsen. Dass Hilarius so lachen musste, steckte an und vertrieb die Schwermut ein wenig. Er schaute in das hingehaltene Handcom und stieß einen anerkennenden Pfiff aus. »Ich hatte damit gerechnet, dass das eine weitere GMO-Form ist, du magst dir nicht ausmalen, was es da alles gibt inzwischen. Warte, ich zeige dir meinen Tuteur.« Er zog ein altmodisches Foto aus seiner Tasche. »Mein Handcom habe ich aus Sicherheitsgründen nicht mitgenommen, aber ich habe die wichtigsten Daten dabei und mir einige Ausdrucke auf Fotopapier genehmigt. Das ist Melvin.«

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Hilarius von Hohenfelde
Hilarius rutschte näher und nahm das Foto entgegen. Der Mann auf dem Bild war eindeutig gut in Form, ein optischer Leckerbissen und er hatte auch genug in der Hose. Im Gegensatz zu manch anderen Tuteurs war er nicht einer dieser bullenschweren Typen, die aussahen wie humaoide Schränke, sondern er war eine gute Mischung. "Ausgesprochen hübscher Kerl, nicht zu viel und nicht zu wenig. Eine sehr gute Mischung. Die meisten schaffen sich diese Kanten an, riesig, extrem schwer, eine atmende Muskelmauer und dabei sind die Kerle noch ziemlich schnell unterwegs. Er ist eine gemäßigte Variante, das gefällt mir. Er ist inn der SouvSec zur Weiterbildung? Ich hoffe wir haben eine Chance ihn zurückzubekommen. Es wäre durchaus möglich, dass er dort verwahrt und verhört wird. Bedienstete schnappen mehr auf, als so mancher glaubt. Aber da erzähle ich Dir nichts neues. Ich verstehe, dass Du Dich bei ihm sicher gefühlt hast. Seine Nähe zu genießen ist ein leichtes bei der Optik", grinste Hila und reichte das Foto zurück. "Auf Geschäftsreise benötigt man eine Frau, die die Blicke auf sich zieht. Sie ist Dein Aushängeschild Dorian. In Souvagne mehr als anderswo, oder sage ich einmal in Almanien ist dies so üblich. In Naridien könnte eine Frau selbst Geschäftsfrau sein. Aber ganz ehrlich? Dass muss ich nicht haben, was das anbelangt bin ich durch und durch Almane und Souvagner geworden. Wie steht es mit Dir? Und warum isst Du so viele Eier?", fragte Hilarius.

Dorian von Wigberg
»Ich mag Eier. Oh, der war flach.« Dorian grinste, aß das letzte Stück seines Brotes und spülte mit Kaffee nach. »Sie schmecken mir, besonders das flüssige Eigelb. Es ist nicht nur Mels Aussehen, schau in sein Gesicht. So was von freundlich, so entspannt und liebenswürdig kann nur ein Tuteur sein, der gerade eine Trainingseinheit hinter sich hat, Duschen war und sein Abendbrot verdrückt hat. Den meisten ist er zu leicht gebaut, er war ein Sonderangebot. Der Preis hat mich nicht interessiert, sondern seine Dankbarkeit, dass ich ihn trotz seiner Schlankheit gekauft habe. Man kann sich keinen loyaleren Freund wünschen. Es wäre ein Jammer, wenn sie ihn nicht mehr herausrücken. Er weiß nichts, das von Bedeutung ist, aber ich würde sein Fehlen bedauern. Was würde geschehen, hättest du keine repräsentative Frau an deiner Seite? Wir Wigbergs gehen meist allein in die Verhandlungen.«

Hilarius von Hohenfelde
"Ah in Ordnung, ich dachte das hätte irgendeine Bewandnis mit den Eiern. Dann lass sie Dir schmecken. Ich werde versuchen Melvin auszulösen. Vorher muss ich mich schlau machen, wo er sitzt und ob er verhört wird oder noch werden soll. Ja er wirkt freundlich, jemanden den man gerne um sich hat. Die anderen wirken wie Totschläger und Türsteher. Was geschehen würde, hätte ich keine attraktive Frau an der Seite? Nun die meisten Geschäftspartner würden sich ausschließlich auf das Geschäft konzentrieren. So eine Frau erleichtert die Verhandlungen. Darum geht es, darum ging es auch bei der Duchesse. Repräsentieren, die Optik des Mannes unterstreichen. Oder auch von etwas ablenken, was gerade gefragt ist. Und letztendlich hat man so eine Frau auch zu seinem Spaß. Man kauft ihr Kleidung, Schmuck, alles mögliche. Das macht man nicht, weil man so barmherzig ist, sondern weil man auch etwas davon hat. Bewunderung, Neid, persönlichen Spaß. Allein zu Verhandlungen würde ich gehen, wenn es mir rein um die Sache geht. Da handhabe ich es ebenfalls so. Ich hoffe Du verträgst Deine Eier-Orgie, nicht dass Du unterwegs an den Nebenwirkungen leidest. Du verstehst schon", gibbelte Hilarius und trank seinen Kaffee aus. "Ich mache mich fertig, iss Du in Ruhe zuende. Dann brechen wir auf", sagte er freundlich und strich über Dorians Schulter, während er im Schlafzimmer verschwand. Einige Minuten später öffnete sich die Tür und eine junge Frau trat ein. "Guten Morgen", grüßte sie Dorian freundlich. "Mein Name ist Martine und ich bin "der Page" Eures Verlobten. Beachtet mich nicht weiter", bat Martine und verschwand ebenfalls im Schlafzimmer.

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Dorian von Wigberg
»Guten Morgen, Martine«, grüßte Dorian. Während Hilarius sich ausgehfertig machen ließ oder auch mehr, aß er in Ruhe den Rest seines Frühstücks auf und dachte nach. Einen Wigberg konnte man durch eine attraktive Begleitperson nicht ablenken. Schon allein darum nicht, weil er den Versuch durchschauen würde oder weil er, wie Dorian, dermaßen darauf gedrillt war, seinen Verstand zu gebrauchen, dass er in solchen Situationen immun war gegen diese plumpen Versuche der Manipulation. Er hoffte, Hilarius war nicht anfällig dafür, wenn doch, musste er mit ihm trainieren oder ihm bei den Verhandlungen beistehen. Es hatte schon seinen Grund, warum die Verhandlungskünstler der Familie eher bei den Eibenbergs zu finden waren, wenn es um das Durchsetzen von Interessen ging. Was das anging, waren sie sogar den Wigbergs überlegen, denen es eher darum ging, an Schlüsselpositionen zu gelangen, die Einfluss und Information verhießen. Vielleicht machte er sich aber auch unnötig Sorgen und Hilarius hatte nicht mit hochkarätigen Verhandlungspartnern zu tun sondern eher mit kleinen Fischen, die leicht zu manipulieren waren. Er schaute auf die Tür, während er seinen Tee austrank. Wenn er das Eiweiß anderweitig gebrauchen konnte, verhieß das vielleicht eine gute Hochzeitsnacht. Er wusste nicht, ob Hilarius darauf heute noch Lust hatte, wenn Martine mit ihm fertig war, aber falls ja, war Dorian vorbereitet.

Hilarius von Hohenfelde
Dorian konnte sein Frühstück in Ruhe beenden, denn Hilarius verbrachte fast eine Stunde im Bad. Danach gesellte er sich gekleidet und aufgehübscht zu Dorian. Bei einem Hohenfelde hieß das allerdings immer noch, dass die trotz allem Kleidung schwarz war. Hila schaute auf den Teller von Dorian und schmunzelte ihn an. "Bereit für die Hochzeit, wie ich sehe. Brechen wir auf. Einen Flug über den Dhunik hatte ich schon einige Zeit nicht mehr. Möchtest Du in einem Shuttle reisen, oder mit einem Adler? Sie stammen aus der besten Voliere, meiner", grinste Hilarius.

Dorian von Wigberg
»Mit dem Shuttle«, antwortete Dorian schmunzelnd. »Ich möchte nicht meine einzigen Sachen verlieren, wenn wir in einen Regenguss kommen. Unterwegs muss ich mit dir reden. Es geht um deine Verhandlungstaktik, die mir Sorgen bereitet.« Er stand auf und musterte seinen zukünftigen Mann von oben bis unten. »Du siehst gut aus. Schwarz könnt ihr Hohenfelde wirklich gut tragen. Mit den grauen und dunkelgrünen Kleidern, die ich bei Lola bestellt habe, bin ich vermutlich ein Paradiesvogel. Besser, ich organisiere mir auch noch etwas Schwarzes für die Familienfeiern.«

Hilarius von Hohenfelde
"Das enttäuscht mich etwas, obwohl ich es verstehe. Wir holen den Ausflug mit Adler nach. Vielen Dank für das Kompliment. Die Sachen von Dir sind etwas auffällig, deshalb wäre ich schon mit dezentem grün absolut zufrieden. Worum sorgst Du Dich?", fragte Hilarius und deutete Dorian an, ihm zu folgen. Gemeinsam verließen sie das Privatgemach und durchquerten das Herrenhaus. Sie hatten noch ein Stück zu laufen, ehe sie bei der Garage für die Shuttle angelangt waren. Das Shuttle sah aus wie ein Fahrzeug und schien eine Mischung aus Aero und Shuttle zu sein. Hilarius stieg ein und wartete bis Dorian und Flocki Platz genommen hatten. Er startete das Luft-Moto und es hob langsam ab. Als sie eine gewisse Höhe erreicht hatten, schoss es davon.




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Sie waren ziemlich flott unterwegs und hatten bald den Dome passiert. Als der Dhunik unter ihnen hinwegzog, verlangsamte Hilarius den Flug und schaute zu Dorian rüber. "Was beunruhigt Dich? Sprich offen", bat er freundlich.

Dorian von Wigberg
»Den Flug auf dem Adler holen wir nach, aber ich habe nur diese eine Hose und sie wäre bei der Hochzeit voller Federn.« Dorian genoss den Flug, er flog gern. »Es geht um deine Verhandlungstaktik, eine attraktive Dame zur Ablenkung mitzunehmen«, dozierte Dorian besorgt. »Das wird bei einem erfahrenen Verhandlungspartner nicht funktionieren, stattdessen werden alle Alarmglocken schrillen. Er ist vorgewarnt, dass du mit unfairen Mitteln zu spielen bereit bist. Er wird dir mehr Vertrauen entgegenbringen, wenn du eben jene Dame gezielt von der Verhandlung ausschließt und ihr in seiner Gegenwart zu verstehen gibst, dass sie stören würde. Zeige ihm, dass du ihn ernst nimmst und nicht für einen hormongesteuerten Schwachkopf hältst. Erweise ihm höflichen Respekt, das wird ihn positiv überraschen, denn das sind die wenigsten gewohnt. Die Frauen kommen an anderen Stellen ins Spiel - vorher oder, noch häufiger, nachher. Vorher als Bedienstete und Empfangsdamen, um es ihm angenehm zu machen, hinterher, wenn die Besiegelung des Vertrags inoffiziell gefeiert wird. Wenn es um richtig große Anlagen geht, wird das in den entsprechenden Kreisen sogar erwartet. In der Verhandlung aber steht der Verhandlungspartner ohnehin unter Adrenalin. Um je mehr es geht, umso weniger wird er sich um die Dame scheren. Sie ist dort an der Stelle vollkommen nutzlos oder, wie ich dir bereits sagte, sogar schädlich. Wenn ich dir den Rat geben darf, ändere diese Taktik, so dass sie nützlich wird. Für Naridien gelten noch einmal andere Bedingungen, was, wenn den Verhandlungspartner überraschenderweise eine Frau ist? In Naridien kann dir das passieren und damit kannst du dich richtig lächerlich machen oder in ein riesengroßes Fettnäpfchen treten, wenn es eine bösartige alte Frau ist, die junge Konkurrenz hasst. Drum solltest du auch immer einen charmanten jungen Mann dabei haben, der dem gleichen Zweck dient, wie die attraktive Dame.«

Hilarius von Hohenfelde
"Danke für den Rat, ich werde ihn beherzigen. Nach Naridien verkaufe ich keines unserer Tiere. Erstens ist das laut Dekret der Krone verboten und wird mit der Todesstrafe geahndet. Zweitens möchte ich nicht, das meine Tiere in feindliche Hand fallen. Denn sie werden auf Kampffähigkeiten abgerichtet. Nicht nur die Himmelsaugen erwerben sie, auch andere Einrichtungen. Deshalb damit würde ich mir selbst schaden. Man möchte keinen Feind bewaffnen. Naridien ist eine Sache für sich Dorian, obwohl wir von dort stammen, ist es mir gefühlsmäßig fremd geworden. Jedenfalls glaube ich das. Wie verhält es sich mit Dir? Was Du über Frauen sagst stimmt. Hassen sie einmal, dass ist dieser Hass unauslöschbar. Und dafür bedarf es nicht einmal etwas von der Gegenseite. Eine alte Frau die der jungen ihre Jugend und das Aussehen neidet, wird sich nicht von ihrem Hass abbringen lassen. Da stimmte ich Dir völlig zu. Wir fliegen zuerst Shohiro an, denn dort heiraten wir im Rathaus. Die Papiere sind entsprechend vorbereitet. Danach fliegen wir nach Alessa und besuchen Licinius. Es ist nicht mehr weit, möchtest Du noch etwas wissen, etwas loswerden? Irgendwas? Gleich sind wir verheiratet", erinnerte Hila.

Dorian von Wigberg
»Wir sind Hohenfelde und Wigberg und dafür bestimmt, einander zu ergänzen. Von dir erhalte ich Schutz nach außen, ich helfe dir beim Schutz von innen. Du kannst mich immer um Rat fragen. Selbst wenn du meinen Vorschlag verwirfst, hilft dir meine Ansicht vielleicht, noch einmal über alles nachzudenken und manchmal kommt man so auf eine dritte, bisher nicht bedachte Möglichkeit. Gespräche sind wichtig während des Prozesses der Gedankenbildung.« Dorian wischte sich eine Träne aus den Augen und legte seine Hand auf den Arm von Hilarius. »Ich fürchte, ich bin schrecklich unromantisch. Ich suche gerade nach Worten, die schöner klingen, bedeutsamer. Aber mir fallen keine ein, ich kann nur kluge Sprüche klopfen, Informationen vermitteln. Das ist, was ich vorhin meinte. Möchtest du noch etwas loswerden?«

Hilarius von Hohenfelde
"Solange uns Deine klugen Sprüche und Informationen nutzen, ist doch alles gut", antwortete Hilarius und nahm Dorians Hand. "Das wir uns ergänzen werden, stimmt. Ebenso haben sich Dun-Haru-Mar ergänzt, das meinte ich vorhin mit der Frage, glaubst Du an Gott. Glaubst Du an die Trinität, an den Ältesten? Er hat seine eigenen Theorien vom Glauben und von der Welt. Was ist schon romantisch Dorian? Für jeden etwas anderes. Manch eine Frau erwartet Blumen, ein Kleid, Parfüm, eine andere ein Pfund Fleisch aus den Rippen des Feindes. So nehmt ein Pfund meines Herzens... wie in der Oper gesungen. Meint er das im übertragenen Sinne, das er sein Herz verschenkt, oder sprich er da die Personen mit einem besonderen Appetit an? Jene die gerne ein menschliches Herz verspeisen würden? Romantisch für die einen, Albtraum für die anderen. Nur wer sich vor der Rose gruselt und wer vor dem Herzchen, dass ist doch die Frage. Du machst Dir zuviele Gedanken Dorian. Das ist die Trauer. Ich kann Dir nur raten, streif sie ab, denn sie verleitet Dich dazu Fehler zu machen. Und Fehler kannst Du Dir in Deiner Situation nicht leisten. Sie könnten Dich den Kopf kosten. Mein Schutz ist Dir gewiss, aber Du musst selbst stets wissen was Du wann wem sagst. Keine flaschen Vertraulichkeiten, zu niemandem. Auch nicht zu Licinius, hast Du mich verstanden? Er weiß was los ist, aber er weiß nicht was mit Dir los ist. So soll es bleiben. Du hast überlebt, Du zeigst Stärke. Trauere nicht um die Verwandten, nicht offen. Dazu hast Du keine Zeit. Allein Dein Überleben ist das, was momentan zählt. Das was wir feiern. Licinius könnte bereit sein, Dich für die Informationen zu opfern, denn Du bist ein aussterbender Zweig. Was sollte ihn daran hindern, Euer Wissen abstauben zu wollen? Also vorsichtig, geh auf Katzenfüßen und lass die Krallen draußen. Den Rest in der Sache überlässt Du mir. Nur zur Not, merk Dir gut wo wir geparkt haben. Da Du über keine Magie verfügst...", sagte Hilarius und reichte Dorian einen Disruptor. "Du hast das Ding nie gesehen. Ziehen, töten, wegstecken. Klar? Shohiro unter uns", erklärte Hilarius und das Luft-Moto ging in den Sinkflug. Genau neben dem Rathaus parkte Hila und schaute sich um. "Sieht gut aus", sagte er und gab sich einen Moment seiner magischen Wahrnehmung hin, ehe er ausstieg und auf Dorian wartete. Gemeinsam betrat er mit ihm das Rathaus und führte ihn direkt zu dem Büro des Standesbeamten. "Da wären wir", flüsterte er Dorian zu und klopfte. Einen Augenblick später hörten sie ein näselndes "Herein". Hilarius betrat das Büro und zog Dorian mit sich. "Ah Marquis von Hohenfelde und Marquis von Wigberg, schön schön", sagte der Mann und deutete auf die beiden Sitzplätze. "Nur eine ganz kleine kuschlige Runde", sagte der Beamte. "Ganz genau, so wünschen wir es", stimmte Hila zu.

Dorian von Wigberg
»Ah, nein, das war eine Freudenträne«, antwortete Dorian auf dem Weg zum Rathaus und lächelte. »Ich habe gestern getrauert, 47 Minuten habe ich mir dafür eingeräumt, das muss reichen. Mit den naridischen Wigbergs hatte ich bislang nicht viel zu tun, aber deine Warnung vor Licinius macht mir Sorgen. Ich halte die Augen und Ohren offen.« Er klopfte auf die Jacke, unter der auf der Innenseite der Disruptor schlummerte. »Die Trinität ist real, unbestreitbare Wirklichkeit. Macht sie das zu einem Gott? Ich denke nicht. Aber das würde ich ihr nicht ins Gesicht sagen.« Im Standesamt hielt Dorian sich an der Hand seines Verlobten fest. Ihm gefiel die Kraft in Hilarius` Hand. Auch er selbst war kein Schwächling, aber sein Griff war eine Spur sanfter, als man es erwarten würde.

Hilarius von Hohenfelde
Beamter: "Wir haben uns heute den 04.07.1078 hier zusammengefunden um den Bund der Ehe zu besiegeln. Somit frage ich Sie, Marqis Dorian von Wigberg, möchten Sie den hier anwesenden Marquis Hilarius Wilbur von Hohenfelde zu ihrem angetrauten Ehemann nehmen? Dann antworten Sie bitte mit JA ich will", sagte der Standesbeamte.

Dorian von Wigberg
»Je mehr man kennt, je mehr man weiß, erkennt man: Alles dreht im Kreis. Auf eine weitere Verbindung unserer Familien. Danke für alles, du wirst es nicht bereuen«, sagte Dorian aufrichtig. »Ja, ich will!«

Hilarius von Hohenfelde
Beamter: Der Beamte nickte erfreut und wandte sich Hilarius zu. "Und somit frage ich auch Sie, möchten Sie den hier Anwesenden Marquis Dorian von Wigberg zu Ihrem angetrauten Ehemann nehmen? Dann antworten Sie bitte mit JA ich will", sagte der Standesbeamte.

Hilarius von Hohenfelde
"Auf eine wahre Verbindung, Blut singt zu Blut Dorian. JA ich will", antwortete Hilarius klar und deutlich.

Hilarius von Hohenfelde
Standesbeamte: "Die Ringe tauschen Sie später, wie Sie mir versichert haben, dann dürfen Sie sich jetzt küssen", erklärte der Beamte feierlich.

Hilarius von Hohenfelde
Hilarius nahm Dorian bei der Hand, zog ihn nahe zu sich heran und nahm ihn fest in die Arme. Genauso küsste er ihn auch. Fest, liebevoll und verlangend. Immerhin war Dorian nun sein Ehemann, da sollte der erste Kuss schon ein richtiger sein. "Marquis Dorian von Hohenfelde, klangvoll", schmunzelte Hilarius.

Dorian von Wigberg
Hilarius musste nicht viel ziehen, da ihm Dorian von sich aus entgegenrückte, die Arme um ihn legte, den Kopf neigte und den Kuss mit gleicher Leidenschaft erwiderte. Der Kuss währte ziemlich lange dafür, dass es nur ein symbolischer Kuss sein sollte. »Mir gefällt der neue Name und er ist ein machtvoller Schild. Jetzt freue ich mich auf die Hochzeitsnacht.« Er stupste ihm mit der Nase gegen die Wange.

Hilarius von Hohenfelde
Hila strich Dorian über die Wange. "Ich mich ebenso, wo wir sie verbringen, überlasse ich Dir. Mal sehen ob ich Dich dazu bekomme, sie zu genießen. Rein für Dich", sagte Hilarius gut gelaunt. Der Standesbeamte schrieb fleißig und händigte Hilarius die Eheurkunde aus.


Bescheinigung der Eheschließung
Heiratsurkunde

Zwischen dem

Marquis Hilarius Wilbur von Hohenfelde
geboren am 15.08.1033 n.d.A. in Hohenfelde, Souvagne
wohnhaft in Hohenfelde, Souvagne

und

Marquis Dorian von Wigberg
geboren am 15.08.1050 n.d.A. in Wigberg, Souvagne
wohnhaft in Hohenfelde, Souvagne

beurkundet,

ist vor dem unterzeichnenden Standesbeamten heute die Ehe geschlossen worden.

Shohiro, 04.07.1078

Unterzeichner:
Emil Bindhardt

Hilarius von Hohenfelde
Marquis
Beiträge: 11
Registriert: Do 15. Aug 2019, 20:17
Steckbrief: Hilarius

Re: 11 Kapitel 11 - Die Nacht nach dem Untergang der Aschgrauen Sonne

#3

Beitrag von Hilarius von Hohenfelde » So 18. Aug 2019, 06:20

Fortsetzung - Hochzeitsnacht im V-Aero


Ü18
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