Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

Nach dem gewaltsamen Tod von Timion Harruck beanspruchen zwei Parteien sein Erbe für sich: Auf der einen Seite Dr. Lana Setardio, die sich humanistischen Zielen verschrieben hat und von dem abtrünnigen Sentir Kabir unterstützt wird. Auf der andern Seite die Schachtsoldaten um Zaccaria samt Timions Familie.
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24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#1

Beitrag von Ziggi » Mo 7. Okt 2019, 08:03

Gemeinschaft


Ziggi hatte es sich gemütlich gemacht. Er war satt und glücklich, wie schon seit langem nicht mehr. Timion hatte sie aufgenommen und scheinbar wollten es wirklich alle miteinander versuchen. Das Zico seine Chance bekam, freute ihn ebenso, wie Tim wiederzusehen.

Das Labor auf Ebene 39 würde Dorian vermutlich die Antworten liefern, nach denen er sich sehnte. Ziggi konnte es ihm nicht verdenken.

Aber er hatte auch Oliver und seine Angst verstanden. Eine circa 200 Mann starke Sentir Truppe die die Krone, Olivers Familie, seinen Orden und sein Land bedrohten. Was hätte er tun sollen? Er brauchte eine Sicherheit, aber die gab es nicht. Ihre pure Existenz war für andere eine Gefahr. Selbst dann, wenn sie friedlich blieben, konnte eine andere Macht sie wegfangen. Man konnte sie für eigene Zwecke missbrauchen. Genauso konnte man mit ihnen züchten.

Sentir waren vermutlich völlig entfesselt die Katastrophe, die einst die Nekromantie geworden war. Augenscheinlich geschaffen um Land und Leute zu schützen, insgeheim aber doch eigenen Zielen dienend.

Oliver sah nur die Gefahr und nicht die Personen dahinter. Und Ziggi musste zugeben, dass selbst das keine Verbesserung gebracht hätte. Wie sagte Kabir? Sie waren am Reissbrett erschaffene Arschlöcher. Leider war das ein Fakt.

Aber Ziggi glaubte fest daran, dass keiner von ihnen dermaßen verloren war, dass eine Umkehr unmöglich wurde. Denn insgeheim wünschte sich jeder von ihnen ein anderes Leben.

Hier im Distrikt T konnten sie sich selbst die Chance geben. Und all jenen, die vielleicht noch folgten wie Kabirs Tochter. Sie selbst mussten alles daran setzen, dass die kommenden anders aufwuchsen. Falls es weitere Kommende gab.

Würden sie sich hier einen Schnitzer leisten und negativ auffallen, dann war es vorbei. Sie konnten sich nur eine Lebensberechtigung sichern, wenn sie die der anderen ebenso anerkannten. Das war der einzige Ausweg, sonst würde der Kampf nie enden. Man würde sie bis zum letzten Mann jagen und erlegen.

All die Überlegungen übermittelte er Zico.

"Falls Kabir nicht zurück kommt, müssen wir ihn holen. Nicht dass er uns in den Abgrund reißt. Er ist jung und verzweifelt, keiner weiß besser wie extrem er dann reagieren kann als Du Zico. Wir besorgen uns Nimarux, wenn wir eh in das Labor spazieren. Er bekommt eine Ladung davon verpasst. Ab dato sind die Karten neu gemischt. Er gegen uns ohne seine Gabe. Wir haben sie und können uns schützen. Wir werden ihn entwaffnen und zurück in die Gruppe holen.

Ich kann mir denken, was er denkt. Er hält uns für eine Gefahr und er steht allein. Begreift er, dass das nicht der Fall ist, haben wir alle was davon. Unser aller Überleben ist im Verbund sicherer als alleine. Er ist ein Endstufler, darauf sollten wir nicht verzichten. Er auf die Gruppe ebenso wenig. Nur in der Gemeinschaft sind wir stark und werden das packen.

Zac ruft den Kerl mal an oder noch besser Du Dorian. Dir hat er zugehört. Wir sitzen alle im selben Boot", warf Ziggi in die Runde.

Er musterte seinen Kollegen und deutete an ihm nach draußen zu folgen.

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24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#2

Beitrag von Zico » Mo 7. Okt 2019, 15:56

Zico erhob sich von seinem Platz auf dem Sofa. In der Hand hielt er das Pizzastück, dass Ziggi ihm geschenkt hatte. Futter teilen, hatte er dazu gesagt. In einer Wohlstandsgesellschaft hatte diese uralte Geste sich erhalten, die einst zeigte, dass man wünschte, dass der andere mit einem gemeinsam überlebte. Das Wertvollste, was man besaß und früher so mühsam zu beschaffen - Nahrung, essentiellste Grundlage des Überlebens. Essen war Leben. Ein unsagbar wertvolles Geschenk in Zeiten des Mangels. Man schenkte dem anderen damit ein weiteres Stück Zeit, indem man auf ein Stück seiner eigenen verzichtete. Nur wenige konnten diese Botschaft heute noch verstehen.

Zico selbst hatte niemals wirklich Hunger leiden müssen. Aber Tivoli hatte es, dem seine beiden Brüder eine Zeitlang jeden Bissen geraubt hatten mit Verweis auf seinen Körperumfang. Wirklich fett war Tivoli nie gewesen, aber da er schwer Muskeln ansetzte, hatte es so ausgesehen und das genügte als Grund. Während Meru und Zico es sich schmecken ließen, ging er Tag um Tag leer aus, bis hin zu völligen Verzweiflung. Und dann geschah etwas, womit niemand von ihnen gerechnet hatten, weder die beiden Cinq noch ihr Opfer. Zico hatte in Tivolis Geist gelesen, als Neko ihm etwas von ihrem Essen abgab. Das war das Merkwürdigste, was er je gesehen hatte. Zico und Meru hatten Neko gewähren lassen, um erstaunt all die Gedanken und Gefühle zu lesen, die in diesem Moment durch Tivolis Kopf schossen. Fast noch interessanter aber waren die Gedanken von Neko. Warum verzichtete sie auf einen Teil ihres eigenen Essens? Warum verschenkte sie etwas, das ihr gehörte? Stumm wohnten Zico und Meru dem grotesken Schauspiel bei, nicht begreifend, was sie dort sahen und spürten.

Wirklich verinnerlicht hatte Zico nicht, was sich damals dort abspielte. Es war eher die logische Argumentationskette, die ihm half, zu verstehen, was Ziggi ihm gerade sagen wollte. So biss er ab von der Pizza, von dem Stück geschenkter Lebenszeit, und folgte dem Kollegen nach draußen.

›Oliver hatte keinen Grund, die Personen hinter dem Prädikat »Sentir« zu sehen. Weil wir ihm keinen Grund dazu gegeben haben. Du kennst es doch selbst, ein Ziel zu neutralisieren ist doch viel einfacher, als eine Person umzubringen. Beides bezeichnet den selben Vorgang. Für Oliver sind wir nicht Ziggi, Kabir und Zico. Wir sind eine potenzielle Gefahr. Welche Möglichkeit hat er zu überprüfen, wie jeder Einzelne von 200 Gefahrenquellen tickt? Mehr noch, welchen Anlass hat er dazu, seine Zeit und Energie zu verschwenden, unter 200 wandelnden Biowaffen die zwei, drei oder vier herauszupicken, deren Gesinnung sie nicht zum Feind macht?

Ich für meinen Teil hätte einer solchen Überprüfung nicht standgehalten. Ich wusste, welchem Ziel Darius diente und ich diente dem gleichen. Welche Rolle spielt es, dass ich die Bluthexer und Himmelsaugen gar nicht gehasst habe, sondern aus Loyalität zu Darius und dem Orden handelte? Macht mich das nicht sogar noch gefährlicher? Noch würdiger, in die Mündung eines Disruptors zu blicken?

Du möchtest Souvagne gern beweisen, dass wir auch anders können, damit sie uns nicht jagen. Aber in meinem Fall ist das zum Scheitern verurteilt. Für Hochverräter kann und darf es keine Gnade geben. Bei dir und Kabir sieht das vielleicht anders aus, ihr wart Unwissende, was die Pläne von Francis anbelangte, euch ging es stets nur darum, euren Job zu machen. Anders ist das bei mir. Die entfesselte Katastrophe von der du sprichst - sie steht vor dir und frisst deine Pizza. Dass Oliver und seine Familie noch leben, genau wie die Bluthexer und Himmelsaugen, ist nicht meinem Umdenken zu verdanken, sondern meinem Scheitern. Selbst wenn wir uns nicht innerlich voneinander separieren würden, so tut es unsere Biografie.

Eine Gemeinschaft, das hört sich so gut an, fast zu schön, um wahr zu sein. Doch ich weiß, dass sie kein Traum bleiben muss. Ich kenne dieses Gefühl, ich durfte es erleben, eine Ehre, die nur wenigen von uns zuteil wird. Ich spreche von dem Pakt mit Darius, meinem Leitwolf, mit dem ich noch lange nach Abschluss der Ausbildung zusammen arbeitete. Ich weiß nicht, ob er mir vertraute, aber er hätte es zu jedem Zeitpunkt gekonnt. Ich bin bei allem mir auf den Weg gegebenen Egoismus zu Loyalität fähig, Ziggi. Ein gutes Gefühl, wenn man es erleben darf, doch die Schattenseite spüre ich gerade - ein merkwürdiger Schmerz, wenn das Band zerrissen wird.‹


Er stopfte sich das letzte Stück Pizzarand in den Mund.

›Wie sieht es bei dir aus, Ziggi? Weißt du, was die Worte bedeuten, die du hier gerade übermittelst? Kennst du das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein?‹

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24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#3

Beitrag von Ziggi » Mo 7. Okt 2019, 20:18

Ziggi wartete auf Zico draußen. Er verstand die Geste des Futter teilens, in einer Welt voller Entbehrungen bedeutete sie Überleben. In einer Welt voller Feindschaften, war es ein Friedensangebot. Ein essbarer Pakt, den man mit Annahme besiegelte. Man gehörte zusammen, man kümmerte sich um den anderen und ging einander nicht mehr an.

Sie alle hatten nie Hunger leiden müssen, jedenfalls nicht was die Nahrung betraf. Mit Lebensmitteln waren sie bestens versorgt. Aber der Hunger nach Zuwendung, war etwas anderes. Auch wenn der Orden alles daran setzte, genau jenes Gefühl zu zerstören, insgeheim schlummerte es in den meisten noch irgendwo in einer dunklen Ecke, oft gut verborgen hinter Misstrauen, Sarkasmus oder Gehässigkeiten.

`Ja ich weiß, dass Oliver keinen Grund hatte die Personen zu sehen, er sah nur die Gefahr. Und wie Du richtig anführst, bei manchen wäre es sogar für alle fatal gewesen, hätte er die Person gesehen. Darius oder Du, natürlich hätte er Euch anders werten müssen, als einen reinen Mitläufer. Du warst Darius treu und nicht dem Orden. Allerdings hast Du so ebenso dem Orden gedient, wie jeder andere auch. Und das war alles was für Francis zählte, Du warst effektiv. Warum war dem Mann gleichgültig.

Wie sollte da Oliver anders entscheiden, dem der Orden fremd war? Jeden der 200 Sentir kennenlernen? Korrekt wäre es gewesen, aber machbar? Und da kommen dann auch Gedankenspiele auf, wie ab wann kennt man eine Person? Wer kennt sich schon selbst? Manche hätten im Trotz vielleicht ordensloyal gewirkt und wären gestorben. Andere hätten ordensfeindlich gewirkt als Heuchler und hätten überlebt. Oliver kann nicht in andere Köpfe gucken, wir können es.

Und ich verstehe sein Dilemma, er musste die Krone und ganz Souvagne vor uns beschützen.
Ich hätte ihm gerne bewiesen, dass es dazu keinen Grund gab. Das es anders ginge, aber dazu kam es nicht mehr.

Wir sind nicht dumm Zico, uns selbst ist bewusst, dass von uns eine immense Gefahr ausgeht. Und wie oft haben wir uns genau der Angst bedient? Haben andere in Angst und Schrecken versetzt, haben sie eingeschüchtert um an Informationen zu kommen?

Da mache ich mir nichts vor.

Allerdings gilt mein Vorhaben nicht nur für Souvagne. Wir sind momentan frei und wollen es auch bleiben. Solange wir hier nicht unangenehm auffallen, wer sollte uns was tun? Bricht aber jeden Tag hier irgendwo der Abgrund los, wird man sich selbst in Obenza fragen, was das für Typen sind, die da ständig für Stunk vom Feinsten sorgen. Und wenn es nicht die Reichen sind, die die Sicherheit einschalten, dann die Syndikate. Sie wollen hier Geld verdienen und nicht jede Woche ihre Unterschlüpfe neu einrichten.

Das meinte ich damit. Kurzum keiner kackt sich in den eigenen Brunnen.
Wir wohnen hier, also jagen wir hier nicht. Wir verhalten uns ruhig und bauen uns hier was auf.

Und deshalb will ich Kabir zurückholen, er soll uns nicht aus der Entfernung in den Brunnen kacken. Zudem kann er ganz umgänglich sein. Auf der Flucht war er dass. Wir haben zusammengehalten, uns ein Aero organisiert, uns beigestanden und abends kam er sogar nach hinten mit unter die Decke gekrochen. Es war kalt, wir haben uns gewärmt. Es war in Ordnung mit ihm und er ist einer von uns.

Was mich zum Thema Gemeinschaft bringt. Ja natürlich kenne ich es, in der Gemeinschaft zu leben. Ich habe gerne in der Gemeinschaft meiner Brüder geleb. Timion war irgendwie meine Schutzperson, ich habe immer versucht auf ihn aufzupassen. Da war wohl ich derjenige, der grundlos Futter verschenkte und Schutz. Er war immer ein netter Kerl. Bis das Thema der Trennung begann und er das Opfer der anderen wurde. Ich habe ihm beigestanden, bis zu dem Tag wo Anton mich mit einem Messer angriff. Einfach verrückt wie weit es gekommen ist. Und sind wir ehrlich, am Ende hat das alles keiner gewollt. Jeder hat sich gefragt, warum das so laufen musste. Weil sie es so wollten.

Bezogen auf die Vermutung unserer genetischen Herkunft, kann ich nur sagen, wir werden etwas mehr Wigberg sein, als ein Hohenfelde. Letztere sind durch die Zeit hin als Meuchler bekannt, als das Grauen aus dem Dunklen. Wären wir mehr Hohenfelde als Wigberg, dann hätte es den Orden niemals gegeben. Denn als Hohenfelde hätte bei uns nur eine Handvoll Sentir überlebt und zwar jene, die am besten Morden und sich dabei am besten schützen.

Aber so war es nicht, zähneknirschend lebten wir zusammen, stets auf der Hut, aber dennoch selten uns wirklich grundlos angehend. Es sei denn man sperrte uns zu eng zusammen oder zwang uns zur Zusammenarbeit. Dann hat es irgendwann geknallt und einer zog den Kürzeren.

Dies war aber kein Hohenfelde-Erbe, sondern die Erziehung nach Francis Vorgabe. Wenn Du mal die Geschichtsbücher liest, weißt Du wie es endet, wenn ein Hohenfelde austickt. Er hinterlässt den Abgrund, er löscht alles und jeden aus.

Ergo müssen wir schon mehr Wigberg sein, allein um uns ertragen zu können.

Ich weiß dass Du Darius loyal warst und er war es Dir, sonst wärst Du nie in den Genuss gekommen mit ihm zu arbeiten. Du bist zur Loyalität fähig, ich auch und wir alle sind lernfähig. Wir können unseren Grips auch für andere Dinge anwenden, als zu lernen wie man die neusten Waffen benutzt.

Ja ich kenne das Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein und ich wäre es gerne wieder. Zudem wissen wir beiden auch, was uns fehlt. Das Mädchen war ganz nett und befriedigt die ersten Gelüste, aber sie kann nicht das Verlangen stillen, was unsere Art in uns trägt. Aidan hat es Zaccaria geschenkt vorhin, hast Du es gefühlt? Möchtest Du es fühlen?´, fragte Ziggi und schaute Zico ins Gesicht.

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24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#4

Beitrag von Zico » Di 8. Okt 2019, 17:29

'Der Fuchs jagt nicht vor dem eigenen Bau', bestätigte Zico. 'Was auch immer unser Dasein für uns noch bereithält - wir müssen davon absehen, uns innerhalb des eigenen Reviers oder dessen Umkreis an allem zu bedienen, als würde uns die Welt gehören. Nicht dem Größenwahn zu verfallen ist eine große Herausforderung für jemanden mit unserer Macht. Aber Größenwahn gebiert Leichtsinn. Und zum anderen werden sich bei solchem Gebaren Gegner aus dem Dunkel erheben, von denen wir bis dato gar nicht wussten, dass sie existieren.

Die Syndikate von Obenza sind machtvoll. Was ein Gast in der Stadt sieht, selbst wenn er meint, sich gut auszukennen, ist nur die Oberfläche. Den Untergrund kennen nicht einmal wir Sentir-Agenten wirklich. Wenn mit einem mal eine neue Macht ihre Geschäfte zu bedrohen scheint, werden die Syndikate die ganz großen Geschütze auffahren. Einer Privatarmee mit der entsprechenden Bewaffnung haben wir so wenig entgegenzusetzen wie einer vergifteten Suppe am Nudelstand, weil der Verkäufer das Kopfgeld einstreichen will.

Ein Dasein als Räuber kann nicht unser Weg sein. Mit seiner momentanen Lebensweise schadet Kabir uns allen. Er zieht uns Souvagne auf die Fährte genau wie die Syndikate. Grauhaut ist Grauhaut, sie werden so wenig Unterschied zwischen ihm und uns machen wie Prince Oliver. Für sie sehen wir alle gleich aus. Für sie sind wir alle gleich, genau wie für unsere Erschaffer. Das Einzige, worin wir uns für andere unterscheiden, ist unsere Machtstufe. Und ist es inzwischen nicht auch das geworden, wie wir selbst einander sehen? Was ist die erste Frage bei einer Begegnung mit einem anderen Sentir? Wir selbst haben aufgehört, uns als etwas anderes zu sehen als wandelnde Biowaffen.'


Er blickte Ziggi offen an, ohne dabei auf seine Gabe zurückzugreifen. Ein offener Blick von einem Sentir bedeutete in der Regel eine Bedrohung, doch Ziggi spürte keine andere Präsenz in seinem Kopf als seine eigene. Auch starrte Zico ihn nicht an, sondern sein Gesicht war entspannt.

'Du und Timion, ihr wart Freunde. Und Tivoli, unser Prügelknabe, war bis vor der Separation ein lieber uns sensibler Kerl. Wer wären wir geworden ohne all das? Und was sind wir geworden? Wirklich das, wofür wir und alle anderen uns halten - nichts als biologische Waffeneinheiten?'

Auf Ziggis offenes Angebot hin gestattete Zico sich ein Grinsen, bei dem er ihm jedoch nicht mehr ins Gesicht schaute.

'Eine interessante Frage, ob ich das fühlen möchte, was Aidan Zaccaria schenkte. Vorhin habe ich es abgeblockt. Ich habe eine Gegenfrage für dich. Was war es, was dir bei dem Akt mit dem Mädchen gefehlt hat? Fehlte dir die psionische Gabe? Was ist das Verlangen, von dem du sprichst und von dem du glaubst, dass jeder von uns es in sich trägt?'

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Re: 24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#5

Beitrag von Ziggi » Di 8. Okt 2019, 21:22

Ziggi nickte beipflichtend.

`Ganz genau. Obenza das sind nicht nur die Bonzen, die Syndikate, die Labore, die Firmen und und und, da gibt es Mächte jenseits von Gut und Böse die so manche der Firmen in den Händen halten wie allmächtige Könige oder Götter. Es war nie die Aufgabe eines Sentir oder anderen Agenten diese Mächte aufzuspüren und zu Fall zu bringen.

Wurde die SouvSec aktiv, oder schickte man uns, dann galt es etwas zurückzuholen oder zu vernichten, dass souvagnisches Eigentum ist. Siehe wie die Baupläne der Tuteurs, oder unsere Waffen. Und so unerbittlich wie Souvagne bei so etwas vorgeht, so unerbittlich werden auch andere Großmächte vorgehen. Dazu müssen sie kein Staat sein.

Wobei ich davon ausgehe, dass sie Staaten gleichzusetzen sind. Die Supermacht hier ist nicht Obenza, dass kann das Goblin-Syndikat sein, oder Firma XYZ. Wer die Finanzen in der Hand hält, hält auch die Macht in der Pfote. Und mit solchen Leuten ist niemals zu spaßen. Niemand mit solcher Macht lässt sie sich streitig machen oder nur an der Fassade kratzen. Da wird ein Exempel statuiert, dass geschieht mit unseren Feinden. Handelt Souvagne anders?

Nein, wenn wir uns ein normales Leben wünschen, müssen wir auch eines führen. Wenn wir hier eine Götterdämmerung ausrufen und uns zu Gottkönigen erheben, werden sie jemanden schicken der uns vom Thron pustet. Wie auch immer. Eine Armee wäre genauso möglich, wie Dein Gift in der Nudelsuppe. Wobei ich glaube, sie würden einen Spezialisten schicken. Eine Armee wäre auffällig, sichtbar, wir könnten uns vorbereiten, den Feind kennen.

Nein der Feind würde das gleiche tun wie Osmund, er würde sich so tarnen, dass man ihn gar nicht wahrnimmt. Er wird unseren Radar unterlaufen, er wird niemals als Feind gesehen, auch nicht als Freund und auch nicht als Statist. So eine Person wird man vermutlich niemals zu Gesicht bekommen und falls doch, ist es das Letzte was Du siehst, während Dein Leben in die Gosse läuft.

Es wäre aber auch noch etwas ganz anderes möglich. Obenza ist bekannt für seine Labore, anstatt uns den Krieg zu erklären, könnten wir auch ein wesentlich schlimmeres Grauen heraufbeschwören. Nämlich das Grauen namens Interesse! Dann werden sie uns fangen und in ein Labor stopfen. Vermutlich ist dagegen der Anschluss an der grauen Sonne Erholungsurlaub. Sie könnten uns genauso mit Fremdtech vollstopfen, uns zu Gehorsam zwingen. Was wissen wir, über welche Möglichkeiten diese Labore verfügen?

Bedenke, nicht umsonst wird vor den unteren Gefilden gewarnt, sozusagen Reisewarnung für aktive Agenten. Man betritt diesen Bereich nur, wenn es gar nicht anders geht unter höchster Sicherheit, die man aufbieten kann. Dort möchte man keine der Firmen von innen kennenlernen.

Und deshalb kann unser Weg nicht der eines Kriminellen sein. Timion hat sich hier seine Ecke aufgebaut, etwas außerhalb von Souvagne. Sie verkaufen Wasser? So habe ich das halb mitbekommen. Wenn wir hier einfach leben, so wie es Zac und die anderen getan haben, werden wir weder auffallen noch jemanden stören. Machen wir das Land hier urbar, wird das auch niemanden kratzen.

Trotzdem bleibt immer ein Restrisiko, einfach weil wir sind was wir sind - Grauhäute.
Nettes Wort, aber es ist absolut passend.

Wir müssen uns nicht noch durch unser Verhalten selbst Schilder um den Hals hängen, "Achtung Psioniker". Nein eben, Oliver sah eine Grauhaut und damit sah er uns alle. Einer zeigte welche Macht und welcher Abgrund in uns schlummert und aus Angst vernichtete er uns alle.

Du selbst hast Kabir erlebt, wenn er austickt. Du bist einer seiner Art, Du hast Dich besser gehalten, als es jeder Seize jemals könnte. Er hat auch hier keine Rücksicht genommen. Er ist durch den Schacht spaziert und hat ihn komplett bereinigt. Jetzt stell Dir Papa Kabir im Kaufhaus vor, wenn er sich bedroht fühlt. Oder sonstwo wo gewaltige Personenmassen sind. Eine Handlung und er löst eine Massenpanik aus. Er war 14 Jahre als er hier alles einstampfte. Wir hätten vermutlich anders gehandelt, wir sind älter. Wir denken jetzt auch in anderen Bahnen, weil wir eben älter und erfahrener sind.

Genau das fehlt unserer Art, wenn wir sie erhalten wollen Zico. Uns fehlt eine innere Struktur, wo die Jungen auf die Alten hören, wo sie von ihnen lernen. Die Struktur gab es bewusst nie. Schick jemanden der verunsichert ist, was wird er wohl im Zweifelsfall tun? Die Waffen sprechen lassen bis zum Äußersten.

Und mit den Stufen hast Du völlig Recht, wie stellen wir uns vor? Wir benennen unsere Stufe, Name und Stufe, oder sogar zuerst die Stufe. Wer von uns sagt ich bin Zico, Ziggi? Niemand. Ich bin ein Sentir, Stufe XYZ und dann der Name. Aber die Stufe wird immer genannt, sie ist unsere Hirarchie. Wir haben die Sicht des Ordens über uns übernommen, so wie die Welt. Es wird Zeit, dass wir uns eine eigene Sicht samt Bezeichnung für uns zulegen. Und dass die Welt lernt unsere Bezeichnung samt Sicht zu übernehmen. Dafür ist Timions Werk doch eine gute Möglichkeit.

Drum müssen wir Kabir sichern und zurückholen.
Er ist einer von uns, er ist sehr mächtig und wenn wir es besser machen wollen, als der Orden dürfen wir ihn nicht ausschalten. Und nebenbei ich möchte ihn auch nicht ausschalten, ich möchte ihn tja... bekehren? Ich möchte dass er zu uns gehört, genau wie die anderen Sentir, falls es da draußen noch welche von uns gibt. Was ich hoffe, aber irgendwie gleichzeitig bezweifele´, übermittelte Ziggi und dachte einige Zeit angestrengt nach.

`Timion und ich waren mehr als Freunde, wir waren Brüder. Ich weiß nicht was wir geworden wären Zico, aber wir sollten versuchen genau das herauszufinden. Und sollte es eine nächste Generation geben, dann müssen wir alles dran setzen, dass sie frei aufwachsen und frei bleiben. Wenn mit uns die letzten unserer Art untergehen, dann haben wir nichts erreicht.

Meine Frage ob Du es fühlen möchtest war ehrlich und offen gemeint.
Was mir an dem Mädchen gefehlt hat?

Die Vertrautheit des sechsten Sinns, des Psi. Es war ein rein körperliches Abreagieren, es war eindimensional. Akt, abspritzen. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was es sein kann. Eine außersinnliche Erfahrung, wo die Vereinigung von Körper und Geist verschmelzen. Wo man in dem anderen aufgeht um dennoch als man selbst zurückzukehren. Sie kann mich nicht mit ihrem Psi berühren und streicheln, während sie zeitgleich ihren Körper benutzt. Sie kann nicht meine Gefühle spiegeln, nicht auf bloßen Gedankenimpuls hin so handeln, als wären wir eins. Sie kann nichts außer das Loch hinhalten und warten bis ich fertig bin. Das ist nicht ihre Schuld, aber sie ist... unvollständig.

Sich mit einem unserer Art einlassen ist ein Spaziergang auf einem Mienenfeld. Man muss den Gleichklang finden, den Punkt an dem beide sich sicher sind, der andere wird nicht angreifen. Er möchte das Gleiche wie ich. Und dann vereinigt man sich und dennoch blieb immer ein Rest Vorsicht. Als wäre jeder bereit sofort aufzuspringen. Mal Deine Frage aufgegriffen, was wäre, wenn beide sich absolut fallen lassen könnten und es würden?

Es war schon anders, als Kabir neben mir im Aero lag, wir hatten nichts miteinander. Wir lagen Rücken an Rücken, so hat er sich hingelegt. Auch wenn die Geste abweisend ist, war er mir dennoch in dem Moment näher als es das Mädchen je sein könnte.

Es ist stets so, als verstehen sie nur die Hälfte von dem, was wir ausdrücken wollen. Rede ich offen mit einem Sentir, übermittele ich ihm Informationen mit dem dazugehörigen Gefühl. Bleiben wir in den unteren Gefilden, Infos über die Firmen und Vorsicht oder Angst. Da muss ich nicht mehr viel erklären. Warum es da gefährlich ist, muss man einem Seize lang und breit erläutern, wo man sich denkt schnallst Du das nicht? Nein, schnallt er nicht, er spürt nicht was ich neben den Worten "sage". Es sei denn ich übermittele es ihm bewusst.

Drum das was mir fehlt ist Vertrautheit.
Und das ist genau dass, was ich meine was jedem von uns fehlt.

Sich in Vertrautheit und Vertrauen mit einem seiner Art vereinigen zu können´, antwortete Ziggi.

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Re: 24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#6

Beitrag von Zico » Do 10. Okt 2019, 19:54

'Eine innere Struktur hätten die überlebenden Sentir, wenn sie Teil von Distrikt T werden würden. Hier herrscht bereits Ordnung. Eine gewöhnungsbedürftige Art von Ordnung, anders, als was wir kennen, aber man muss auch den Altersdurchschnitt der Schachtsoldaten bedenken, wenn man sich hier umschaut. Zaccaria wird Mitte zwanzig sein und gehört schon zu den alten Hasen. Unser Ordensoberhaupt hingegen hatte ein Jahrtausend auf dem Buckel. Natürlich gibt es da Unterschiede. Beides aber hat auf seine Weise funktioniert.

Eine andere Art Struktur würden wir erhalten, wenn wir uns dem kleinen Wigberg anschließen. Die einer Familie. Etwas, das wir für Neuland halten, doch wenn man unser Genom betrachtet, sind wir längst eine. Nur haben wir nicht als Familie gelebt. Was würde dir gefallen? Distrikt T oder Wigberg? Oder dass wir gänzlich unter uns bleiben? Was wünschst du dir für die Gemeinschaft der gestrandeten Sentir?'


Er unterließ es, in Ziggis Gedanken nach der Antwort zu forschen, auch wenn er Lust darauf verspürte. Auf die Weise nahm man eine ganz andere Qualität der übermittelten Informationen wahr, die auf mehr als nur Wissen basierte. Ein ganzer Fächer an Nuancen offenbarte sich, ein Netz von Assoziationen und Gefühlen, eine sehr persönliche Art, über die Dinge zu sprechen. Freiwillig sprach man nur mit sehr vertrauten Personen so, unfreiwillig musste man mitunter höherrangigen Sentir auf die Weise Rede und Antwort stehen oder wurde von diesen mit Befehlen penetriert, denen man sich nicht wiedersetzen konnte. Es war vergleichbar damit, nackt unter einer Neonlampe bei einem Verhör Rede und Antwort zu stehen und marionettengleich Übungen zu vollführen. Anders sah es aus, wenn beide ihren Geist öffneten und ein gleichmäßiger Austausch erfolgte - das war, was Ziggi meinte.

Zico meinte das Gleiche. Und doch zögerte er.

'Es hat bislang nur einen Sentir gegeben, mit dem ich mich auf die Weise vereinte. Wer das war, kannst du erahnen. Es war eine unglaublich intensive Erfahrung. Wir vereinigten uns nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, wir wurden zu einer Person, die in zwei Körpern leben musste. Nachdem wir uns wieder voneinander gelöst hatten, war da plötzlich ein Gefühl der Leere und Einsamkeit, obwohl der andere noch da war. Eine unendliche Trauer über das Schicksal, dazu verdammt zu sein, in getrennten Körpern zu wohnen. Und als dann auch noch die räumliche Trennung erfolgte und jeder seiner Wege ging, tat das weh. Was ich jetzt fühle, seit der Tod eine endgültige Mauer zwischen uns zog, kannst du dir vorstellen, wenn du dich bereits mit einem Sentir vereinigt hast. Hast du? Wenn nicht, hier eine Warnung: Es ist wundervoll, aber bringt irrationale Schmerzen mit sich.'

Er schloss kurz die Augen.

'Was wäre, wenn wir überlebenden Sentir uns alle zeitgleich miteinander verbinden? Ein Ring steht für die Ewigkeit. Danach wären alle Zweifel beiseitegewischt. Wir alle wären eins.'

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Re: 24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#7

Beitrag von Ziggi » Do 10. Okt 2019, 20:56

`Es war in einem Einsatz, da die Wissensdatenbank von Zumo Tharit, sollte ausgehoben werden. Zumo war ein alter Arashi, sehr schlau und wohl auch sehr mächtig, deshalb arbeiteten wir zu zweit. Damals hatte ich mich gefragt, was unser Ordensoberhaupt mit dem alten Arashi-Zeug will. Heute wo ich weiß, dass er ein Wigberg war, ist es mir klar - er sammelte einfach das Wissen.

Mein Kollege war Noqua, ein Neuf wie ich. Eine Ewigkeit haben wir auf einem der gegenüberliegenden Dächer gehockt und gewartet. Die Ausrüstung um uns herum, alles so angeordnet, dass nichts als eine Ahnung zurückbleiben würde, falls sie keinen anderen Psi oder Geistmagier schicken würden. Unsere Waffen waren bereit, ebenso unsere Gedanken.

Geschärft, wie Stahl, einer spitzen Kugel gleich, wenn man sie nach unterdrückter Anspannung losließ.

Wir kannten den Tagesablauf von Zumo vermutlich besser als er und so warteten wir. Bei brennender Sonne, bei Wind mit Nieselregen. Wir warteten. Wir wechselten uns mit Dösen ab, selbst dann wenn Zumo schon den Schlaf der Gerechten schlief.

Und dann kam der Tag des Zugriffs. Zumo war alleine.
Er war tatsächlich allein!

Noqua richtete sich auf und verpasste unserer Zielperson ein Gedankenprojektil, Scharfschützen die auch mit Gedanken scharf schießen. Aber da war nicht nur eine Mauer, Zumo hatte Noqua binnen Sekunden im Griff. Solange bis ich den Finger krumm gemacht hatte. Anstatt Noquas Gedanken schoss ihm da ein 12mm Hohlmantelgeschoss durch die Birne.

Wir sofort unsere Sachen eingesackt, rüber und die gewünschten Infos aus den Rechnern gesichert. Lass die Aktion mal 20 Minuten gedauert haben. Danach im Schiff, haben wir uns vereinigt. Es gab keine Absprache, die Info war einfach da und die Antwort ebenso. Es war wie Du sagst, es war unbeschreiblich.

Man war nicht mehr allein unter vielen, man war nicht mehr ein Fremdkörper in einer fremden Welt, man gehörte zu wem und zwar ganz. Ohne jedes Limit, es gab nichts was wir nicht teilten. Nichts was uns trennte. Und es hinterlässt einen faden, öden Geschmack wenn man sich trennt. Eine Leere bei der sich einem das Herz zusammenzieht und verkrampft. Das Gefühl der Einsamkeit ist danach erstickend.

Wir lagen danach im Flur des Schiffes, ganz eng aneinander gedrückt und dennoch war da auf einmal ein unüberwindbarer Graben. Ich hätte es gerne wieder erlebt, aber es gab keine Wiederholung. Es gab nicht einmal ein Gespräch darüber. So wie es schlagartig über mich kam, so habe ich es auch wieder verloren. Gefühlsgewitter sozusagen.

Man wird nicht nur eine Person Zico, man handelt und fühlt ebenso. Jeder spiegelt den anderen. Du willst streicheln und gestreichelt werden, Dein Gegenpart tut es. Jeder Gedanke, jedes Gefühl wird umgesetzt. Soweit ich weiß, wäre das theoretisch auch im Kampf möglich. Es soll Sentir gegeben haben, die sich auch im Kampf vereinten und so als eine Person angriffen, mit doppelter Macht. Aber das war laut Statuten bei Todesstrafe verboten. Mehr als zwei können sich nicht liebend oder kämpfend vereinen, weil Du den Gedanken gar nicht nachkommen kannst. Stell Dir 20 Personen vereint vor und jeder Geist hat seine Wünsche und Sehnsüchte. Dein Geist würde quasi überschnappen vor Informationsflut. Lass da mal einen Endstufler drunter sein, der hat 19 Marionetten oder geht mit allen mit unter. Allein da seine Gedanken zusätzlich hochgetrieben werden.

Ich kann mir denken, wer Dein Gegenpart war, aber dazu halte ich mich zurück.
Es ist Euere Privatangelegenheit, Eure Nähe, die rühre ich nicht an.
Das gehört alleine Dir Zico.

`Sich rein zur Information zu verbinden müsste gehen, Gruppenquatschen sozusagen. Es wäre eine gute Möglichkeit um zu beweisen, dass jeder es ehrlich meint. Und wer nicht mitmachen möchte, hat auch schon seine Antwort gegeben.

Zu der Frage welche Form der Ordnung ich mir wünsche, da würde ich die familiäre von Dorian bevorzugen. Allerdings hat für mich sein Nachnamen einen leicht bitteren Beigeschmack. Ich möchte nicht vom Regen in die Traufe gelangen. Auf der anderen Seite hat er seine Familie verloren und sieht in uns Familienmitglieder. Osmund? Nun was immer der Mann in uns sah, Familienmitglieder sicher nicht. Ich wäre für Dorian, oder das wir beide Systeme vereinen. Denn auch die andere Seite scheint eine Wahlfamilie zu sein oder etwas ähnliches´, antwortete Ziggi.

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Zico
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Re: 24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#8

Beitrag von Zico » Fr 11. Okt 2019, 13:51

'So unterschiedlich ist die Beurteilung der Ereignisse', antwortete Zico. 'Der Name Wigberg klingt für mich, seit wir wissen, dass Francis in Wahrheit Osmund von Wigberg war, tröstlich. Auch wenn man seine Methoden hinterfragen könnte - nicht, dass ich das je getan hätte - so ist er doch der Grund dafür, das wir existieren. Er hat uns erschaffen, er ist unser Schöpfer und der Erschaffer unserer Welt, er ist unser Gott. Und falls wir wirklich seinem Genom entstammen, unser Übervater. Aber ging es uns denn schlecht damit?

Geboren um zu töten und zu leiden, so könnte man den Sinn unserer Existenzen zusammenfassen. Aber sind wir denn die Einzigen? Wir beide sind weit genug über Asamura gereist, um zu erkennen, dass es Leute gibt, die sehr viel schlimmer dran sind. Die Menschen in den Gruben von Obenza zum Beispiel. Im Gegensatz zu uns haben die kein Dach über dem Kopf und ob sie an diesem Tag etwas zu Essen bekommen, steht in den Sternen. Und was ist mit den Naridiern in den Eisenminen und Stahlwerken von Trux?

Vom Regen in die Traufe, sagst du. Welcher Regen denn? Ein leichter Niesel doch schlimmstenfalls. Auf mich wirkst du gesund und wohlgenährt, du trägst hochwertige Kleidung. Die schwere Gesichtsverletzung wurde medizinisch behandelt, in der Unterschicht von Obenza hätte man dich eiskalt verrecken lassen. Mit fast fünfzig sind deine Zähne in einem besseren Zustand als die eines dreißigjährigen Grubenkriechers. Sind wir denn wirklich so schlecht dran gewesen, wie viele von uns behauptet haben, allen voran der ewig unzufriedene Jammerlappen Kabir? Oder sind das nicht wahre Luxusprobleme?

Der Gedanke, von den Händen Osmunds in die Hände seines Nachfahren zu übergehen, birgt für mich Hoffnung, allen voran die auf vertraute Strukturen. Im Moment sind wir treibende Blätter im Wind, das ist kein gutes Gefühl, wenn man nicht als Nomade geboren ist. Und nun stell dir vor, wir würden nicht nur unter dem kleinen Wigberg leben, sondern die wenigen Dinge, die wir wirklich vermissen, auch noch bekommen - die Möglichkeit, als Familie zu leben. Die Separation rückgängig zu machen. Das hört sich für mich nicht nach Traufe an.'


Zico machte mit dem Kopf eine Bewegung in Richtung Schacht. 'Die anderen warten auf uns.'

Ziggi
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Re: 24 Kapitel 24 - Sentir unter sich

#9

Beitrag von Ziggi » Fr 11. Okt 2019, 19:15

Ziggi kramte eine Packung Rauchstangen hervor, zündete sich eine an und hielt Zico die Packung hin.

`Eine wahre systemtreue Seele bist Du Zico. Ich tat meinen Job und hinterfragte das System nicht und Kabir hat es vermutlich gehasst. Auch da gibt es zwei Seiten, er ist für Dich der Jammerlappen. Ich weiß dass er auf der Neuro war und in der Sonne. Weder war ich auf der Neuro, noch jemals in der Sonne, deshalb bin ich da vorsichtig mit meinem Urteil, was seine Art angeht. Ebenso bin ich vorsichtig mit meinem Urteil, was Deine Systemtreue angeht. Sicher Du hattest es gut, Du hattest Darius, Du hattest Privilegien, alles sei Dir gegönnt.

Aber vergiss eines nicht, andere hatten das nicht. Andere waren nicht geboren um zu töten, sondern um die Übungsopfer ihrer Brüder zu werden oder eben in die Neuro zu wandern.

Zudem zählen die aufgezählten Möglichkeiten nicht Zico, ich kann immer auf Leute zeigen, denen es noch schlechter geht. Deshalb muss mir aber meine Situation nicht gefallen. Ich lebe mein Leben, nicht das eines Minenarbeiters, oder das eines Grubenkindes, also kann ich nur mein Leben bewerten und versuchen das Beste daraus zu machen. Vielleicht sogar versuchen es zu verbessern.

Und selbstverständlich wurden wir mit genug Essen versorgt, medizinisch behandelt, mit bester Ausrüstung ausgestattet. Was nützt Dir das schnellste Cheval Viande, wenn es ungepflegt, krank und ohne Sattel und Zaumzeug vor sich hinvegitiert? Du wirst mit dem Tier niemals ein Rennen gewinnen.

Unsere Rundumversorgung war reine Logik, um uns so funktionstüchtig wie möglich zu halten. Dahinter steckte weder Zuneigung noch Hass, es war einfach eine Nutzen- Leistungsrechnung.

Unsere Zähne wachsen nach Zico und was die Heilung meiner Gesichtshälfte nachgeht, eine Tankbehandlung wäre schön gewesen, mit zwei Augen sieht es sich besser und räumlicher. Die dachten sich sicher, hat er es sich gespart, beim Schießen ein Auge zuzukneifen.

Zudem würde ich nicht behaupten, ich bin geboren um zu töten. Ich bin geboren um zu warten und wie der blöde Spruch schon sagt, die meiste Zeit des Lebens, wartet man vergebens. Wobei ich dagegen nichts hatte, den so hatte ich meine Ruhe, meinen Auftrag, meine Zeit für mich. Ich saß irgendwo, mein Gewehr vor mir und alles was ich benötigte dabei. Die Lebensweise eines Scharfschützen.

Osmund würde ich weder als Allvater noch als Gott bezeichnen. Er liebte seine Schöpfung nicht, er mochte sie nicht einmal. Nun Ainuwar handelt da nicht anders. Er ist genauso desinteressiert, wie jeder "gute" Sentir. Vermutlich ist er einer. Also wofür sollte ich Osmund dankbar sein? Hätte er uns nicht erschaffen, dann hätte es ein anderer. Und wenn nicht, nun dann hätte es uns alle nicht gegeben. Aber auch das steht nicht fest, denn wohlmöglich wären wir als andere Wesen auf die Welt gekommen. Denn so gerne sie es auch gehabt hätten, seelenlose Apparate sind wir nicht.

Treibende Blätter im Wind, ist eine schöne bildliche Vorstellung Zico.
Dich beunruhigt nur, dass Du dann nicht weißt, wohin die Reise geht. Du hast Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten, das ist normal. Aber jeder Scharfschütze berechnet den Wind mit ein, ansonsten wirst Du Dein Ziel niemals treffen.

Hoffnung birgt für mich nicht der Name Wigberg, sondern Dorian als Person. Sein Auftreten und seine Art uns zu sehen. Als Ding gesehen zu werden, schmerzt auch wenn man es nicht zugibt. Gut man denkt auch nicht ständig dran. Aber sobald man daran durch irgendwen erinnert wird, fühlt man trotzdem einen Stich, Wut oder beides. Allerdings ändern diese Gefühle nichts an der Sachlage oder an den Gesetzen. Beides machte allerdings möglich uns so zu behandeln, wie wir behandelt wurden. Desozialisierung, Drill, Töten jener die nicht der Norm entsprechen, Versuche an Personen, OPs in Versuchsform und und und.

Das Zico hast Du bei Deiner Aufzählung vergessen. Ich glaube kaum, das einem Minenarbeiter oder einem Grubenkind die Schädeldecke entfernt wird und man ihm Sonden ins Hirn schiebt um bestimmte Areale zu untersuchen, indem man sie stimuliert oder zerstört um zu schauen was dann geschieht. Denn auch das war der Orden der Sentir Zico, für Dich meilenweit entfernt, für mich ebenso, für manche anderen wie Kabir tägliche Realität. Zudem ist der Kerl jung und wir beide sind alte Hasen die sich mit dem Ist-Stand damals abgefunden haben.

Das hätte er auch irgendwann, wie alle anderen, aber nicht aus Freude am Schmerz, sondern aus Resignation. Ebenso wie die meisten anderen.

Du bist zu sehr auf Darius geeicht und dieser war Osmund treu ergeben. Du siehst die positiven Seiten des Ordens, die negativen blendest Du aus. Kabir macht es umgekehrt, ich würde Euch beiden vorschlagen in der neutralen Mitte anzukommen. Beileibe war nicht alles schlecht, aber es war auch nicht alles gut.

Ich schaue mir an, was die Zukunft bringt und ich freue mich sogar drauf. Vielleicht geht Timions und Dorians Traum in Erfüllung, falls nicht haben wir es wenigstens versucht. Gehen wir zurück´, antwortete Ziggi, während er genüsslich seine Rauchstange rauchte.

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