Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
Das Herzland
Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
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Jaro Balliv├▓r
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Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei├čige Feder in Bronze Schl├╝sselloch

Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#41

Beitrag von Jaro Balliv├▓r » So 29. Apr 2018, 17:31

Jaro Balliv├▓r
Schweigend verfolgten Jaro und Kirona die Diskussion. Er war froh, dass die Albin das Wort ergriffen hatte, nachdem die Situation zusehends merkw├╝rdiger und be├Ąngstigender geworden war. Woher sie all diesen Mut und das Gesp├╝r nahm... Die Anspannung war greifbar und Jaro ertappte sich dabei, wie er bereits abw├Ągte, vom Wagen zu springen. Wie musste er landen, um sich nicht die Kn├Âchel zu verstauchen? W├╝rde Foranir oder Morond hinterher eilen? Und Kirona? War sie schon wieder stark genug? Er schluckte schwer und sah zu ihr hin├╝ber, doch Kirona verfolgte aufmerksam das Gespr├Ąch. Dann - endlich - lenkte Sinyah ein. Es war wie ein kollektives Ausatmen. Kirona stand auf und ging zu der Mutter hin├╝ber, legte ihr den Arm auf den R├╝cken und strich dar├╝ber. Trotzdem entging ihr nicht, welch neue Wandlung die kleine Tinriel nahm, ebenso wenig Alaryahs Warnung, denn sie nickte knapp und auch Jaro sah es ein: irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
"Na, na, mein Schatz", sagte Morond wieder viel sanfter. "Mama geht es gut und niemand verl├Ąsst uns einfach, nicht wahr?" Er l├Ąchelte die drei an, doch Jaro erinnerte es eher an Z├Ąhne fletschen. "Au├čerdem sind wir schon fast da..." Sein Arm wies in Fahrtrichtung und unwillk├╝rlich folgte ihm Jaro mit den Augen, obwohl er nicht wusste, wonach er eigentlich Ausschau halten sollte. "Es ist alles gut, seht ihr?", fuhr Morond derweil unbeirrt fort. "Wir haben euch hierher gebracht, wie verspr-" Der Einschlag eines Pfeils in den Wagen unterbrach ihn. "Runter", br├╝llte Alaryah unmittelbar bevor ein zweiter Pfeil ├╝ber sie hinweg surrte, ein dritter sich neben dem ersten tief ins Holz bohrte.

Alaryah Schattenwind
Hastig tastete Alaryah nach ihren Waffen, endlich bekam sie den Umh├Ąngegurt ihres K├Âchers zu packen. Sie zog daran, doch hatte sich der Bogen irgendwo verkeilt. "Verdammt.", zischte sie und riss fester daran. Irgendetwas knackte und der verklemmte K├Âcher l├Âste sich ruckartig. Alaryah fiel nach hinten ├╝ber, der K├Âcher raste ├╝ber sie hinweg und hinterlie├č einen Schweif aus herausfallenden Pfeilen. So gut es ging rollte die Albin auf den Bauch, sah den Bogen dort am Ende des Karren liegen. Wieder flog ein Geschoss ├╝ber sie hinweg, dann zischte auch schon wieder eins aus der anderen Richtung vorbei. "Unten bleiben!", rief Alaryah ihren Gef├Ąhrten zu, die ebenfalls auf dem Boden des Karren umherkrochen. Dann robbte Alaryah in Richtung Bogen, bekam ihre Waffen endlich in die Hand. Ein Blick ├╝ber die Schulter verriet ihr, dass sowohl Morond, als auf Foranir nicht mehr auf dem Bock des Karren sa├čen. Hatte man sie niedergeschossen? Unm├Âglich, man h├Ątte Schreie h├Âren m├╝ssen. Keine Zeit daf├╝r. Alaryah wagte einen hastigen Blick ├╝ber die Bande des Karren hinweg. Gerade rechtzeitig zog sie den Kopf wieder ein, denn ein Pfeil h├Ąmmerte knapp unter der Kante in die Bande. "Kannst du etwas erkennen?!", fragte Jaro mit zitternder Stimme und zuckte bei jedem Einschlag zusammen. Seine Augen schienen feucht. "Wie viele sind es?", wollte Kirona wissen. Sinyah hatte Tinriel fest an sich gedr├╝ckt, nachdem diese von Alaryahs Scho├č gekullert war. Alaryah packte Jaro am Kragen und zog ihn ganz nah an sich heran. Sie erkannte deutlich einen Anflug von Panik in seinen Augen, begegnete ihm mit purer Entschlossenheit. "Wir werden hier nicht einfach von Pfeilen durchbohrt.", sagte sie ernst. "Wir werden aus dieser ganzen Sache rauskommen, wie auch aus den anderen davor. Ich lenke sie ab, versuch du an die Z├╝gel zu kommen. Bringt sie hier raus.". Alaryah nickte in Richtung Sinyah und Tinriel, die die beiden nun mit gro├čen Augen ansahen. "Fahrt mit dem Karren so weit fort von hier wie ihr k├Ânnt, folgt der Stra├če. Ich werde euch finden.".
Ohne auf eine Antwort zu warten rollte sich Alaryah von dem Karren hinab. Sie verschwand f├╝r wenige Sekunden aus Jaros Blickfeld und pl├Âtzlich trat Stille ein. Zu Jaros Erleichterung erhob sich Alaryah wieder, riss den Bogen hoch und der erste Pfeil l├Âste sich von der Sehne. Die Albin hatte einfach in die Richtung geschossen, aus der sie meinte den letzten Pfeil kommen gesehen zu haben. Dann raste ihr Kopf herum, erneut trafen sich ihre Blicke mit denen von Jaro. "Los doch!", rief sie und legte neu auf. Dann spurtete die kleine Albin los. Auch wenn Jaro und Kirona sie nicht sehen konnten, so h├Ârten sie deutlich die einschlagenden Pfeile und konnten somit ihre Laufrichtung erahnen. Zwischendurch zischte jedoch auch immer wieder der Bogen der Albin. Wie lange mochten die Pfeile, die sie aus dem Karren hastig aufgegriffen hatte, noch reichen? Irgendwann wurden die Einschl├Ąge an den W├Ąnden des Karrens weniger, doch nicht wirklich ungef├Ąhrlicher...

Jaro Balliv├▓r
Wie vom Donner ger├╝hrt sa├č Jaro da, wie Alaryah ihn zur├╝ck gelassen hatte. Unterdessen war Kirona auf die Beine gesprungen und ging geduckt nach vorne. Der Karren holperte und schwankte. Die Tiere waren vermutlich in Panik und es war unm├Âglich zu sagen, ob Morond und Foranir noch auf dem Bock sa├čen oder ob die Z├╝gel ohne F├╝hrung waren. "Tu was!", dr├Ąngte Jaro sich selbst. Sinyah hatte sich, die kleine Tinriel in den Armen, auf den Boden sinken lassen. Bogensehnen surrten und ein Schrei ert├Ânte - Oril sein Dank der Schrei eines Mannes... Dann kam pl├Âtzlich L├Ąrm vom vorderen Teil des Wagens. Es klang wie ein Handgemenge, doch gesprochen wurde nicht. Die Fahrt wurde unruhiger und Jaro wurde gegen die Wagenseite geworfen. Der Karren schwankte bedrohlich, dann schrie jemand, Foranir, wenn Jaro nicht irrte, und pl├Âtzlich sah er Kirona vom Karren springen. Sie war sofort aus seinem Blickfeld. "Jaro! Pass auf!", rief Sinyah. Es war gerade rechtzeitig. Der Karren schlingerte und kippte letztlich und Jaro warf sich in letzter Sekunde auf den Boden, um nicht hinausgeschleudert zu werden. Laut scheppernd schlugen das Gef├Ąhrt auf dem Boden auf und rutschte noch eine Weile. Die Hufschl├Ąge entfernten sich. Offenbar hatten die Pferde sich losgerissen. Jaro st├Âhnte auf. Er war hart mit der H├╝fte aufgekommen, doch ansonsten schien alles in Ordnung zu sein. "Sinyah? Tinriel?" rief er in die Staubwolke hinein. "Jaro?" Sinyahs Hand tastete den Boden entlang auf ihn zu. "Alles in Ordnung?", fragte sie. "Wir m├╝ssen hier weg, schnell!" Noch immer unf├Ąhig selber eine Entscheidung zu treffen, nickte Jaro nur und rappelte sich gemeinsam mit der Frau auf. Mehrere Pfeile schlugen in den gekippten Karren ein, w├Ąhrend sie geduckt in das sch├╝tzende Unterholz hetzten. Sie k├Ąmpften sich einige Meter in den Wald und blieben dann v├Âllig au├čer Atem stehen. Jaro hatte die Orientierung verloren, wo Kirona und Alaryah waren konnte er unm├Âglichlich sagen. Er hielt inne, seine Augen weiteten sich. "Wo ist Tinriel?" Sein Herz klopfte. Wie hatte Sinyah das nicht bemerken k├Ânnen?

Alaryah Schattenwind
Wieder und wieder schlugen Geschosse um sie herum ein. Alaryah rollte sich ├╝ber die Schulter ab, schoss erneut dahin, wo sie einen Sch├╝tzen meinte entdeckt zu haben. Es war keine Zeit die Sinne zu sch├Ąrfen, also musste sie sich auf ihren Instinkt und ihre Erfahrung verlassen. Dann passierte es pl├Âtzlich. Eine unfassbare Wucht riss die Albin herum und ihre linke Schulter f├╝hlte sich unnat├╝rlich warm an. Ungl├Ąubig schaute die Albin auf einen Pfeilschaft, der aus ihrem Oberarm ragte. Sie versuchte den linken Arm zu heben, doch gelang es ihr eher mittelpr├Ąchtig. Keine Zeit. Reflexartig warf sich die Albin auf zur Seite, als ein weiterer Pfeil sein Ziel verfehlte. "Das wirst du b├╝├čen!", fauchte Alaryah, lie├č Bogen und K├Âcher fallen und st├╝rmte in Richtung Unterholz. Unterwegs brach sie den Pfeilschaft ab, lie├č die Spitze jedoch stecken. Dann wurde die Albin von den ├ästen einens Geb├╝sches umarmt.

Sie wartete dort, bleib im Verborgenen. Der Karren war losgepoltert, was Alaryah zumindest etwas beruhigte. Doch war dies nur ein kurzer Moment, denn pl├Âtzlich krachte es laut gar nicht so weit entfernt. "Oh nein.", hauchte Alaryah und f├╝rchtete, dass ihre Gef├Ąhrten nun endg├╝ltig erledigt waren. Dann knackte es hinter ihr. Kaum merklich zuckte die Albin zusammen, zog leise einen Langdolch. Sie sah deutlich den Schatten, der auf das Geb├╝sch in dem sie sich verbarg herabfiel. Eine Person stand hinter ihr und brummte irgendetwas. Alaryah lie├č ihre Tarnung fallen, drehte sich um sich selbst und h├Ąmmerte den Dolch nach vorn. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, als sie in die leeren Augen eins anderen Alben sah. Es war ein Mann mittleren Alters, der mit Pfeil und Bogen und einem schartigen Schwert bewaffnet war. Der Mann r├Âchelte und spuckte Blut, Alaryah drehte die Klinge in seinem Hals und machte ihm ein schnelles Ende. "Alben?!", fl├╝sterte sie ungl├Ąubig und untersuchte die Leiche. Er war blass, doch seine Augen und Ohren waren unnat├╝rlich dunkel. Ein weiterer Alb griff Alaryah an. Er stach mit einem Speer nach ihr, doch konnte sie seinen Angriffen ausweichen. Alaryah bekam den Speer zu packen und lenkte ihn von sich ab, sodass der Angreifer in den Boden stach. Alaryah wusste, dass sie schon fast gewonnen hatte wenn sie nur an der Speerspitze vorbei war.

"Alaryah!". Was? Konnte das...? Alaryah war sich nicht sicher. "Alaryaaaah!!". "Tinriel.". Alaryah st├╝rmte los, ├╝berlie├č den sterbenden Speetr├Ąger seinem Schicksal. "Tinriel!", rief sie. "Alaryah hilf mir!". Die Stimme des kleinen Albenm├Ądchens war panisch. "Ich bin gleich bei dir!", gab Alaryah zur├╝ck, nun s├Ąmtliche Vorsicht fallenlassend...Dann endlich entdeckte Alaryah Tinriels Haarschopf in der N├Ąhe eines umgest├╝rzten Baumes. Ihre Blicke rasten umher. War das Kind wirklich ganz allein?

Jaro Balliv├▓r
"Wo ist Tinriel?", wiederholte Jaro und sah Sinyah eindringlich an. Fast meinte er, einen fragenden Ausdruck ├╝ber ihr Gesicht huschen zu sehen. "Eben war sie noch bei uns! Auf dem Karren!" Er konnte es nicht fassen. Wie konnte die Albin ihre eigene Tochter einfach vergessen? "Ich... ich wei├č es nicht", stammelte diese nun. Ihre Augen bewegten sich hektisch von Seite zu Seite, w├Ąhrend sie nachdachte. "Wir m├╝ssen sie suchen." Endlich fiel die Starre von Jaro ab. Nicht auszumalen, was der Kleinen alles zusto├čen konnte. "Wir m├╝ssen zur├╝ck." "Nein!" Sinyah packte Jaros Arm mit eisernem Griff. Ungl├Ąubig starrte er sie an. "Es ist deine Tochter." Verzweiflung schwang in seiner Stimme mit. "Ich sagte nein." Die Augen der Frau waren eiskalt. "Wenn wir gehen, sterben wir." "Und wenn nicht, stirbt vielleicht Tinriel!" Er w├╝rde nicht so schnell aufgeben. "Sinyah! Das muss dir doch klar sein." Mit gro├čen Augen starrte die Albin ihn an. Ihr Mund ├Âffnete sich ein St├╝ck, dann blinzelte sie mehrere Male. "Jaro?" Ihre Stimme war pl├Âtzlich leise und d├╝nn. "Was ist los?" "Was?" Fassungslos zog Jaro die Augenbrauen zusammen. "Ich sagte, wenn wir gehen, sterben wir." Die K├Ąlte war in ihre Augen zur├╝ckgekehrt. Einen Augenblick sahen sie sich einfach nur an, dann versuchte Jaro sich loszurei├čen. Erst z├Âgerlich, dann mit zunehmender Vehemenz, w├Ąhrend Sinyah ihn mit unfassbarer Kraft festhielt. "Lass mich los!", rief Jaro, der es langsam aber sicher mit der Angst zu tun bekam.

Alaryah Schattenwind
"Tinriel ich bin hier!". Das M├Ądchen reagierte nicht. Sie stand einfach nur so da, neben dem Baumstamm, mit dem R├╝cken Alaryah zugewandt. "Tinriel wir m├╝ssen hier weg. Ganz, ganz schnell.", erkl├Ąrte Alaryah nun wieder mit ged├Ąmpfter Stimme und sah sich um. Niemand schien in der N├Ąhe. Das war gut und schlecht zugleich. Zum einen war kein Feind zu sehen, jedoch fehlte auch jede Spur ihrer Gef├Ąhrten. "Tinriel, komm.", fl├╝sterte Alaryah und ging auf das M├Ądchen zu. Als die Albin das Kind ber├╝hrte drehte es sich langsam um. "Da bist du ja.", stellte Tinriel fest und langsam kippte ihr Kopf in Richtung rechter Schulter. "Wir haben gewusst, dass du uns finden wirst.". Alaryah schreckte zur├╝ck. "Tinriel...was...was zum...". Wie in Zeitlupe lie├č Tinriel ihre Puppe, die Alaryah vorher gar nicht bemerkt hatte, fallen. Dann reckte das Albenkind Alaryah langsam die Arme entgegen. "Jetzt wo du hier bist...bring uns weg von hier.". Alaryah schluckte einen Klos in ihrem Hals hinunter. "Tinriel, was ist mit dir passiert?", fragte sie leise und machte einen weiteren Schritt zur├╝ck, als das Kind mit ausgestreckten Armen auf sie zu kam. "Du musst mich zu meiner Mama zur├╝ckbringen.", sagte Tinriel und klang dabei so unschuldig und hilflos. "Tinriel bleib stehen.", mahnte Alaryah, weiterhin in R├╝ckw├Ąrtsbewegung. "Wir werden deine Familie finden und alles wird wieder gut werden.". "Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben.", sagte Tinriel und verzog das Gesicht. Tats├Ąchlich blieb sie stehen und wirkte traurig. "Du willst mir gar nicht helfen, oder?". "Sag doch sowas nicht!". Alaryah war sich nicht sicher, was gerade um sie herum passierte. Was war nur mit der kleinen Tinriel los?
Dann sp├╝rte Alaryah Widerstand hinter sich. Sie tastete nach hinten. Es war zu ihrem Erschrecken weder Baum noch Fels, es war eine Person! Alaryah drehte den Kopf. Ein gro├čer und breit gebauter Alb schaute auf sie mit leeren Augen hinab. Rasend schnell n├Ąherte sich eine Faust und wenige Augenblicke sp├Ąter fand sich Alaryah auf dem Boden liegend wieder. Tinriel stand direkt neben ihr und der gro├č gewachsene Alb zog einen gezackten Dolch. Wei├če Sterne tanzten hell in Alaryahs Blickfeld umher und sie war nicht in der Lage den kommenden Angriff zu sehen.

Jaro Balliv├▓r
Jaro stoppte seine Bem├╝hungen, um nach kurzer Atempause nur noch heftiger gegen ihren Griff anzuk├Ąmpfen. Mit der freien Hand schlug er ihr gegen Arm. Anfangs hatte er noch Hemmungen, doch schnell siegte die Furcht und er schlug fester und fester zu, bis Sinyah endlich loslie├č. Durch die pl├Âtzliche Befreiung st├╝rzte Jaro nach hinten und ehe er sich berappelt hatte, fand er die Frau ├╝ber sich. Ihre Gesicht war ausdruckslos, doch er wusste trotzdem genau, was sie wollte, erkannte es in diesem Augenblick. Sie w├╝rde ihn t├Âten. "Alaryah! Kirona!" Er rief so laut er konnte, bevor sich Sinyahs H├Ąnde um seinen Hals schlossen und zudr├╝ckten. Vergeblich k├Ąmpfte er gegen sie an. Sie hatte eine unglaubliche Kraft. Verzweifelt versuchte Jaro Luft zu schnappen, doch es war hoffnungslos. Das letzte, das er sehen w├╝rde, waren die kalten Augen einer Frau, die er eigentlich gemocht hatte. "Jaro?" Kironas Stimme ert├Ânte. "Jaro!" Die Frau st├╝rzte sich auf Sinyah und stie├č sie von Jaro herunter, der gierig nach Luft schnappte. M├╝hsam rappelte er sich auf die Beine. Kirona schlug Sinyah hart ins Gesicht. Ihr eigenes war blutverschmiert, wie auch der Gro├čteil ihrer Kleidung. "Du musst hier weg, Jaro", sagte sie ruhig. "Schnell." Hier sprach die Killerin zu ihm, die perfekte Waffe, doch sie war nicht sein Feind. "Wo ist Alaryah?", fragte er. "Was ist geschehen?" "Keine Zeit jetzt. Geh!" Kironas Stimme war bestimmt. Im Hintergrund sah Jaro eine Bewegung und Morond und Foranir sch├Ąlten sich aus dem Geb├╝sch. Beide waren ├╝bel zugerichtet. "Da ist sie ja!", knurrte Foranir und Kirona sprang auf die Beine. "Habt ihr noch nicht genug?" "Freu dich nicht zu fr├╝h." Ein fieses Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Jungen auf und fast im selben Moment traten drei weitere M├Ąnner hervor. Kirona straffte die Schultern und nickte, als best├Ątigte sie sich selbst einen Gedanken. "Jaro, du musst jetzt gehen. Tu was ich sage. Ich wei├č nicht, was gleich passiert" Die Beherrschtheit in ihrer Stimme erschrak Jaro. Das war keine Bitte, das war ein Befehel und was blieb ihm schon anderes ├╝brig? Nach einem letzten Blick in die Runde drehte Jaro um und rannte fort, versuchte vergeblich die Ger├Ąusche der ersten Gefechte zu ignorieren. Dann passierte pl├Âtzlich etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Die Welt verlor f├╝r einen kurzen Augenblick ihre Richtung. Es zog Jaro die F├╝├če weg und eine Druckwelle fegte ├╝ber seinen Kopf, gefolgt von einem roten Licht und einem schmerzhaften Dr├Âhnen. Reflexartig hielt er sich die Ohren zu und kniff die Augen zusammen. Er traute sich nicht, sich zu r├╝hren.

Alaryah Schattenwind
Dumpf grollend hob der Angreifer seine Waffe. Alaryah lag nur da, au├čer Stande sich zur Wehr zu setzen. "Tinriel.", hauchte sie noch und versuchte das Albenkind zu fassen zu kriegen. Wie ein toter Fisch fiel Alaryahs noch intakter Arm auf den weichen Waldboden, kraft- und nutzlos.
Dann pl├Âtzlich gab es einen Knall. Wie das H├Ąmmern aus tausenden Schmieden brandete eine Welle aus L├Ąrm durch den Wald, riss kleine ├äste und Bl├Ątter mit sich und wirbelte Erde auf. Hier und da bildete sich Glut an den Enden von ├ästen und Bl├Ąttern, doch bleib sie nicht lang und schon bald suchten viele d├╝nne Rauchschwaden ihren Weg gen Himmel. Dieser Moment war majest├Ątisch und grausam zugleich. Alaryah traute sich nicht sich zu bewegen. Entweder w├╝rde sie in die Augen eines Mannes sehen, der sie t├Âten w├╝rde oder etwas viel schlimmeres erblicken?
Es war eher ein Zwischending. Als Alaryah wieder wagte zu blinzeln sah sie immer noch den Angreifer vor sich, jedoch war da noch jemand. Langsam kl├Ąrte sich ihr Blickfeld. Eine Gestalt hatte den Alben zur├╝ckgehalten. Es rauschte einmal laut, dann waren Alaryahs Sinne wieder einigerma├čen im Normalzustand. Sie sch├╝ttelte den Kopf, als wolle sie eine Fliege vertreiben und dann erkannte sie es. Dieser Jemand hatte sie gerettet? Wer es auch war, die Person hatte sich in eine Robe gekleidet und eine Maske verbarg das Gesicht. Keuchend ging ihr Angreifer zu Boden, w├Ąhrend ein Schwall Blut seine Kehle verlie├č wie Wasser einen Springbrunnen. "Sorgt Euch nicht.", sagte eine dumpfe Stimme und lie├č von dem Alben ab. Dieser sackte nun leblos zusammen und verteilte r├Âchelnd viele Spritzer Blut auf dem sonst so gr├╝nen Waldboden. Alaryah versuchte aufzustehen, jedoch schaffte sie es nur auf alle viere. Dann sah sie Tinriel unweit von sich im Gras liegen. "Nein.", fl├╝sterte Alaryah und krabbelte in Richtung Albenkind. Dort angekommen tastete sie Tinriel ab. Tats├Ąchlich sp├╝rte Alaryah noch einen Puls. Tinriel war noch am Leben! Behutsam hob Alaryah das kleine M├Ądchen auf und stemmte sich mit letzter Kraft nach oben. Auf wackeligen Beinen stehend hob sie nun dem mit Dreck und Blut verschmierten Kopf in Richtung berobter Gestalt, ihr zerzaustes Haar wehte dabei sanft im Wind. "Ihr solltet nun besser gehen.", sagte die Person und Alaryah nickte. Stolpernd setzte sie sich in Bewegung, wollte Tinriel nur noch von diesem Ort wegbringen. Dann pl├Âtzlich blieb Alaryah stehen. "Ich...ich danke Euch f├╝r die Rettung.", sagte sie leise. Erst jetzt sp├╝rte die Albin den Schmerz, der sich in ihrer verwundeten Schulter breitmachte. Trotz allem hielt sie Tinriel sicher und fest in ihrem Arm. Sie w├╝rde sie retten. "Lauft nun.", sagte die Gestalt. "Geht zur├╝ck zu Euren Gef├Ąhrten.". "Ich h├Ątte tot sein k├Ânnen?!", sagte Alaryah und war etwas verwundert, dass ihre Rettung und der zugegeben schwache Dank so leicht abgetan wurde. "Du kannst es immer noch werden.", sagte die Gestalt. Alaryah wollte etwas erwidern, doch Tinriel ├Âffnete nun flackernd die Augen. "Geht nun, bevor doch noch alles anders wird.". Die Person hob langsam das von Blut triefende Messer, mit dem das Leben des Alben beendet worden war. Dann deutete die Gestalt mit der Klinge auf Alaryah, die sich nun endlich in Bewegung setzte. "Ich wollte dir nichts tun!", h├Ârte sie die Stimme der Person hinter sich. "Lauf zu deinen Freunden.". Die Stimme entfernte sich. "Flieg nur, V├Âgelchen, flieg!". Wie von Blitzen aus tausend Gewittern getroffen blieb Alaryah in der Dunkelheit des Waldes stehen. Sie hatte die Augen weit aufgerissen, den Mund vor Schreck aufgerissen. "Was?", hauchte sie, doch da war nichts. Ihr Herz raste und sie war kurz davor einfach zusammenzubrechen. Diese Worte. Es war, als gl├╝he ein Eisenbarren in ihren Gedanken. War es wirklich m├Âglich? "Das kann doch nicht...". Alaryah drehte sich um, fiel dabei fast hin. "Linor?", fragte sie kaum h├Ârber. Dann sp├╝rte die Albin pl├Âtzlich, dass ihr jemand an den Haaren zog. Es war Tinriel, die weiterhin von Alaryah im Arm gehalten wurde. "Alaryah.", sagte das Kind. "Ich...ich will...Wo ist Mama? Ich will zu meiner Mama!". Alaryah wusste weder ein noch aus. Sie w├Ąre am liebsten der Gestalt nachgerannt, doch konnte sie Tinriel unm├Âglich allein zur├╝cklassen. "Wo ist sie? Wo ist Mama?!", rief Tinriel und begann bitterlich zu weinen. Dicke Tr├Ąnen kullerten die Wangen des kleinen M├Ądchens hinab und Alaryah rannte los. Die Gestalt...Linor...w├╝rde sie bestimmt wiederfinden...
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Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#42

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Mo 11. Jun 2018, 07:48

Jaro Balliv├▓r
"Jaro" Eine Stimme fand den Weg in Jaros Geist. Hatte er das Bewusstsein verloren? "Jaro" Es klingelte in seinen Ohren, ihm schwindelte und einen Augenblick lang wusste er nicht, wo er sich befand. Seine Finger tasteten auf den Boden neben ihm und da fiel es ihm wieder ein. Er war im Wald, es hatte K├Ąmpfe gegeben und dann war irgendetwas geschehen... ein lauter Knall und dann? "Jaro, wach auf." Die Stimme war nun ganz nah. Er sp├╝rte eine Hand auf seiner Brust. "Kirona?", kr├Ąchzte er. "Ja, ich bin es", erwiderte die Frau und Jaro wagte endlich die Augen zu ├Âffnen. Ihr Anblick erschreckte ihn. Ihre Kleidung hing in Fetzen, sie blutete ├╝ber dem Auge und aus einem fiesen Schnitt an ihrer Wange und ihre Haare waren stellenweise versengt. "Was", setzte er an, doch sie winkte ab. "Sp├Ąter. Wir m├╝ssen Alaryah finden. Kannst du aufstehen?" Jaro nickte. Zwar schmerzte ihn jede Sehne seines K├Ârpers, doch unglaublicherweise schien er nicht ernster verletzt. Er wusste nicht, was ihn mehr erstaunte, seine Unversehrtheit oder die k├╝hle Gefasstheit, mit der ihm Kirona begegnete. "Kirona, Vorsicht!" Voller Schreck erkannte Jaro Foranir und Morond hinter ihr, doch sie sch├╝ttelte den Kopf. "Alles gut. Sie sind nicht unser Feind. Ich erkl├Ąre es euch sp├Ąter." Trotzdem be├Ąugte Jaro die beiden Alben misstrauisch, als er sich schlussendlich auf die Beine k├Ąmpfte. Sie sahen fast noch schlimmer aus, als Kirona. "Hier entlang." Ohne zu z├Âgern ging Kirona in eine Richtung und Jaro, Foranir und Morond blieb nichts, als ihr zu folgen.

Alaryah Schattenwind
Die Z├Ąhne fest aufeinandergebissen spurtete Alaryah durch den Wald, direkt in die Richtung, in der sie ihre Gef├Ąhrten und Tinriels Familie in etwa vermutete. Tinriel weinte immer noch und es mochte Alaryah nicht gelingen das kleine M├Ądchen zu beruhigen. Wie auch? Sie konnte sich gerade nicht einmal selbst wirklich beruhigen?! Zu allem ├ťberfluss machten sich nun auch die Strapazen der letzten Ereignisse bei Alaryah bemerkbar. Erst war es ihr ein leichtes gewesen die kleine Tinriel zu tragen, doch mit jedem Schritt schien sie schwerer zu werden. Ab und an musste Alaryah sogar aufpassen, dass sie nicht nach vorn ├╝berkippte oder auch nur ins Stolpern geriet. Wieder und wieder warf sie einen Blick hinter sich, doch da war niemand, nur d├╝sterer Walt. Die Spuren der Explosion wurden nun deutlicher und Alaryah war sich sicher, dass dies nicht lange unbemerkt bleiben w├╝rde. Schon bald w├╝rde man bestimmt die ersten Waldl├Ąufer aussenden, wenn diese nicht schon unterwegs waren. Es w├╝rde einige Zeit dauern, bis sich der Wald an diese Stelle wieder komplett erholen w├╝rde. Doch daran durfte Alaryah nun nicht denken! "Rei├č dich zusammen.", mahnte sich die Albin in Gedanken und fokussierte sich wieder auf den vor ihr liegenden Weg. Da hinten! Hatte sie dort nicht gerade Sinyah gesehen? Tats├Ąchlich! "Sinyah!", rief Alaryah so laut sie konnte. Erst beim dritten Ruf trafen sich endlich ihre Blicke. Doch dann erinnerte sich Alaryah pl├Âtzlich an den Moment mit Tinriel im Wald zur├╝ck und blieb abrupt stehen. Bevor sie jedoch weiter reagieren konnte, stand Sinyah bereits vor ihr. "Tinriel! Oh, meine kleine Tinriel!". "Mamaaa!". Sinyah nahm Alaryah die kleine ab und umarmte sie so fest, als wolle sie sie nie wieder loslassen. Sinyah war ├╝bergl├╝cklich und konnte Alaryah gar nicht genug danken, dass sie ihre kleine Tochter gerettet hatte. Nun musste auch Alaryah eine kleine Tr├Ąne verdr├╝cken. "Wir sollten die anderen suchen.", meinte Alaryah schlie├člich und Sinyah nickte. Mit Tinriel auf dem Arm folgte die Albenfrau nun Alaryah, erkundigte sich immer wieder nach dem Wohlergehen der beiden. "Mir geht es gut.", brachte Alaryah wieder und wieder hervor, doch es war ihr deutlich anzusehen, dass es nicht so war. Die Albin war am Ende. Reflexartig wandte sich Alaryah pl├Âtzlich nach links und ihr Blick raste eine kleine Anh├Âhe hinauf. "Sieh doch.", sagte sie erleichtert zu Sinyah und die Anspannung fiel wieder etwas von ihr ab. "Da sind die anderen.". Tats├Ąchlich waren dort Kirona und Jaro, ebenso Morond und Foranir. Kurze Zeit sp├Ąter hatte sich die kleine Gruppe endlich wiedergefunden. W├Ąhrend Alaryah ihre Gef├Ąhrten herzlich umarmte blieb sie bei den anderen doch etwas distanzierter. "Kirona...geht es dir wirklich gut?", fragte Alaryah lieber noch einmal nach, nachdem sie Jaro durch das Haar gewuschelt hatte. Kirona nickte und rang sich ein schwaches L├Ącheln ab. "Jaro, ist mit dir auch alles in Ordnung?". Als Alaryah das Familiengl├╝ck unweit entfernt beobachtete wurde ihr Herz noch schwerer. Sie war schon oft von Zuhause weg gewesen, doch nach all den Erlebnissen...Die Albin versuchte sich abzulenken und begann die Schnittwunden ihrer Gef├Ąhrten zu heilen.

Jaro Balliv├▓r
"Mir fehlt nichts", murmelte Jaro, lie├č jedoch zu, dass Alaryah seine Blessuren versorgte. Auch Kirona lie├č sich ansehen, sog dann aber zischend Luft ein. "Alaryah... ich wei├č nicht, ob du es bemerkt hast, aber dir steckt ein Pfeil im Arm." Trotz der Umst├Ąnde mussten sie alle schmunzeln. Zugleich konnte Jaro nicht umhin, die Waldalbin zu bewundern. Sie musste h├Âllische Schmerzen leiden, doch es war ihr ein Drang, zuerst ihre Freunde zu umsorgen. Man k├Ânne hier und jetzt sowieso nichts dagegen tun. "Du hast Recht", sagte Kirona nun ernster. "Ohne richtige Arznei w├╝rde sich die Wunde furchtbar entz├╝nden. Es ist besser, der Pfeil bleibt vorerst drin. Nur nicht zu lange..." Sorgenfalten zierten ihre Stirn und Jaro teilte ihre Gef├╝hle. Sie mussten baldm├Âglichst zu einem Heiler. Alaryah winkte ab, auch wenn sie etwas blass aussah. Zuerst sagte sie, wolle sie wissen, was passiert sei. Kirona blickte kurz zu der kleinen Familie, r├Ąusperte sich und begann dann leise zu sprechen. "Ich hatte die Bef├╝rchtung schon l├Ąnger, doch ich war mir nicht sicher, wollte es vielleicht auch einfach nicht wahrhaben..." Kurz wirkte ihr Blick entr├╝ckt und als sie fortfuhr, war es nur mehr ein Fl├╝stern. "Jemand ist in ihren Geist eingedrungen." Sie nickte in Richtung des Gr├╝ppchens. "Sie wurden manipuliert. Ihr glasiger, starrer Blick, die Stimmungswechsel, die belegten Stimmen... ich h├Ątte es mir denken k├Ânnen. Aber es wurde mir erst im Gerangel mit Foranir klar. Er k├Ąmpfte nicht wie ein Junge. Er k├Ąmpfte wie ein wildes Tier... Ich war gezwungen ihnen richtig weh zu tun, um zu entkommen, doch sie verfolgten mich, lie├čen nicht locker..." Etwas Flehendes lag in Kironas Blick, als suche sie nach Vergebung, nach Best├Ątigung, dass sie richtig gehandelt hatte. Alaryah legte ihr den gesunden Arm auf die Schulter. "Schon gut." Kirona nickte, sich besinnend. "Ich fand Jaro... Sinyah war dabei ihn zu erw├╝rgen und dann tauchten die beiden wieder auf, mit Verst├Ąrkung im Schlepptau. Was dann geschah, kann ich kaum in Worte fassen. Der Stein aus der Ruine regte sich. Es war, als spr├Ąche er in meinem Geist. Wobei...", sie hielt kurz inne und suchte nach Worten. "Es waren keine Worte. Ich wusste einfach was zu tun war. Mit letzter Kraft ├╝bermannte ich Foranir und Morond, stie├č sie ins Geb├╝sch, um sie vor dem zu bewahren was dann passierte. Als ich mich umdrehte, war Sinyah fort... keine Ahnung wohin. Es war auch keine Zeit, das zu ├╝berpr├╝fen. Ich wusste, mir w├╝rde nichts geschehen und musste hoffen, dass sie und Jaro weit genug entfernt, dass Foranir und Morond gesch├╝tzt genug waren. Dann habe ich den Stein aktiviert. Fragt mich nicht wie. Alles, was ich f├╝hlte, war Hitze. Es gab einen lauten Knall und alles um mich herum wurde von einer Druckwelle ersch├╝ttert. Das war's. Ich suchte Jaro. Foranir und Morond fanden mich. Und nun sind wir hier." Sie zuckte mit den Schultern und endete. Alaryahs Gesichtsausdruck war von bitterer Erkenntnis gezeichnet. "Es ist schlimmer als bef├╝rchtet. Hier ist ein sehr m├Ąchtiger Feind am Werk. Wir m├╝ssen herausfinden, was er sucht... Weswegen eine unbedeutende Familie benutzen? Warum...", Mit einem Keuchen unterbrach sie sich. Sie hatte sich zu den anderen umdrehen wollen und dabei wohl den Schmerz in ihrem Arm erneut entfacht. Wie in Zeitlupe sah Jaro Alaryah taumeln, ehe sie bewusstlos niederging. Allein Kironas schneller Reaktion war es zu verdanken, dass sie nicht hart auf dem Boden aufschlug. Jaro wollte in die Hocke gehen, um zu helfen, als er kaltes Metall an seiner Kehle sp├╝rte. "Keine Bewegung."

Alaryah Schattenwind
Er war so schnell er konnte mit seiner Schar durch den Wald geeilt. Sie hatten sich leise fortbewegt, teilweise durch die Baumkronen, teilweise am Boden. Dann endlich waren sie auf weitere Personen gesto├čen, unweit von dem Ort entfernt, wo der f├╝rchterliche L├Ąrm zuvor hergekommen sein mochte. Deutlich konnte der Anf├╝hrer der Schar die Waldl├Ąuferin erkennen, die fast leblos in den Armen einer t├Ątowierten Frau hing. Wie angewurzelt stand eine kleine Familie unweit der Frau, ein weiterer Alb wollte sich der Waldl├Ąuferin n├Ąhern. Der Anf├╝hrer gab Handzeichen, seine Schar reagierte, kreiste die Gruppe nach und nach ein, blieb dabei im Verborgenen. Mehrere Haken schlagend n├Ąherte sich der Mann von hinten dem jungen Alben, zog dabei leise sein Schwert...

Alle schienen einen Moment lang wie versteinert. "Was war das gerade f├╝r ein Knall? Wer seid ihr?", verlangte der Alb zu wissen, der wie aus dem Nichts bei Jaro aufgetaucht war. Hier und da traten weitere Waldl├Ąufer aus ihrer Deckung hervor, jederzeit zu einem Angriff bereit. "Wir...also...". Jaro hob beschwichtigend die H├Ąnde. "Wir sind Reisende.", begann Kirona, die dem vernichtenden Blick des Soldaten gerade noch so standhalten konnte. "Jemand hat uns angegriffen!", platzte es pl├Âtzlich aus Morond heraus, der sich vor seine Familie stellte. "Seht doch dort hinten, da liegt unser Karren!". Er wedelte mit den Armen und deutete auf die Stelle. Zwei Waldl├Ąufer verschwanden wieder im Unterholz. "Die k├Ânnen immer noch hier in der N├Ąhe sein!", mischte sich nun auch Foranir ein. Der Blick des Anf├╝hrers wanderte durch die Gesichter der Anwesenden. "Was, wenn noch weitere Reisende hier auf dem Weg ├╝berfallen werden? So etwas hat es doch noch nie gegeben!". Sinyah brachte nun auch ein paar Worte hervor, war dabei erneut den Tr├Ąnen nahe. Tinriel wandte sich ab, klammerte sich noch fester an ihre Mutter. Die zwei Waldl├Ąufer kehrten zur├╝ck und einer fl├╝sterte dem Anf├╝hrer etwas zu. "Und diese Angreifer...wer waren sie? Konntet ihr jemanden oder etwas erkennen? Sind sie Schuld an...dem hier?". Er deutete auf eine Stelle, an der die Reste eines versengten Geb├╝sches traurig auf Halbmast hingen. Unsicher wechselten alle ein paar schnelle Blicke, dann fassten sich Kirona und Jaro schlie├člich ein Herz und berichteten von dem Angriff der Bogensch├╝tzen und einer Explosion. Sie bogen sich die Wahrheit etwas zurecht, doch wollten sie gerade niemandem wirklich trauen. Morond wollte etwas klarstellen, doch r├Ąusperte sich nur, als Foranir ihm einen leichten Sto├č mit dem Ellenbogen versetzte. "...und nun wissen wir nicht, in welche Richtung sie gelaufen sind.", schloss Kirona ihren Bericht ab. Die Augen des Anf├╝hrers verengten sich. Er schien ihnen nicht alles zu glauben, doch sprachen der Zustand der Gruppe, der Karren und die Pfeile B├Ąnde. Er beschloss erst einmal die Gegend weiter abzusuchen und den Weg zu sichern. "Falls es n├Âtig sein sollte, dass Ihr eure Beobachtungen und Erlebnisse erneut bezeugt, so werden wir euch finden.", versprach der Anf├╝hrer und zog das Schwert mit leisem Zischen von Jaros Hals weg. Dieser atmete erst einmal tief durch. "Nun zieht eurer Wege.". Mit knappem Nicken setzte sich der Waldl├Ąufer wieder in Bewegung. "Halt!", protestierte Kirona, die immer noch Alaryah festhielt und machte einen halbherzigen Schritt zur Seite. Sie h├Ątte sich dem Alben niemals wirklich in den Weg stellen k├Ânnen, doch blieb dieser mit vor Erstaunen hochgezogener Augenbraue stehen. "Ist euch doch noch etwas eingefallen was ich wissen sollte?", fragte er und musterte Kirona absch├Ątzend. Diese presste die Lippen aufeinander. "Ihr m├╝sst uns helfen.", brachte sie grimmig hervor. "Alaryah ist verletzt. Sie braucht Medizin. sie ist eine Waldl├Ąuferin, genau wie ihr. Sie hat uns gef├╝hrt, begleitet und besch├╝tzt. Wir k├Ânnen nichts tun, aber in euren Reihen muss doch jemand sein, der helfen kann.". Schwach keimte Verzweifelung in ihrer Stimme auf. "Nun...". Der Alb kam n├Ąher und betrachtete Alaryahs Wunde, untersuchte sie oberfl├Ąchlich. "Melrodan! Hierher!". Ein Alb mit gr├╝ner Kaputze, braunem Schal und Umh├Ąngetasche eilte heran. "Seht was ihr tun k├Ânnt, schlie├čt dann zu uns auf.". Der Soldat salutierte. "Auf bald.". brummte der Anf├╝hrer knapp in die Runde und rauschte davon, seine Schar folgte. Melrodan legte Alaryah neben dem Weg auf den weichen Waldboden, hatte inzwischen schon eine genaue Diagnose im Kopf und murmelte unverst├Ąndlich Worte vor sich hin. "Hier, das sollte helfen.", sagte er schlie├člich mit einer Stimme, die erstaunlich jung klang. Eine kleine Phiole wechselte den Besitzer. "Ich werde den Pfeil nun entfernen, stillt hiermit die Blutung und dann bindet ihr den Arm an dieser Stelle ab.". Er gab noch ein paar Anweisungen, die die Gef├Ąhrten durchaus in der Lage waren umzusetzen und verschwand dann ebenfalls. Als Kirona Alaryah den Inhalt der Phiole eingefl├Â├čt hatte kam diese langsam wieder zu sich.
Sie blickte schon bald in die erleichterten Gesichter ihrer Gef├Ąhrten und der Familie. "Wa...was ist passiert?", fragte sie leise und gemeinsam brachten sie die kleine Albin wieder auf den aktuellen Stand der Dinge. Dann waren sie sich alle einig: Sie sollten nicht weiter hier verweilen.

Jaro Balliv├▓r
Nach dem anf├Ąnglichen Schock war Jaro froh, dass die Waldl├Ąufer gekommen waren. Sie w├╝rden m├Âgliche weitere Angreifer zur Strecke bringen oder in Gewahrsam nehmen und sich des verwundeten Waldst├╝cks annehmen, vielleicht Naturmagier oder Schamanen herbei ordern. All das gab ihnen die M├Âglichkeit in Ruhe dar├╝ber nachzudenken, was zu tun sei. Eines war klar: sie mussten sich unbedingt von der Familie trennen. Aus einem Grund, den sie noch nicht sicher benennen konnten, waren sie ins Visir des Feindes geraten. Sie brachten die Alben in Gefahr, wenn sie bei ihnen blieben. Mit durchwachsenen Gef├╝hlen gingen sie auf Morond und die seinen zu, um ihnen dies mitzuteilen. Der Alb verstand sofort und nickte grimmig. "Es braucht euch nicht leid zu tun", sagte er. "Immerhin habt ihr uns letztlich das Leben gerettet." Als Jaro etwas die Schultern h├Ąngen lie├č, da er den Verdienst einzig bei seinen beiden Begleiterinnen sah, schien Sinyah dies zu bemerken. "Ihr alle." Sie l├Ąchelte. "Es tut mir furchtbar leid, dass ich dich angegriffen habe", f├╝gte sie an Jaro gewandt zu. "Ach das... es war nicht deine Schuld", sagte er unbeholfen. Tinriel schluchzte herzergreifend auf und st├╝rmte auf Alaryah zu, umklammerte ihr Bein. Es folgte ein Abschied, der so manche Tr├Ąne hervorrief. Alaryah w├╝nschte Foranir viel Erfolg bei seinen weiteren Versuchen, ein Waldl├Ąufer zu werden und versicherte ihm nochmals, dass sie ein gutes Wort einlegen w├╝rde. Der Junge entschuldigte sich hingegen bei allen dreien f├╝r sein r├╝des Verhalten zu Anfang. Schlie├člich, als es keinen ersichtlichen Grund mehr gab zu verweilen, alles gesagt und getan war, hob Morond die kleine Tinriel auf die Schulter und die junge Familie ging ihres Weges, gezeichnet und ersch├╝ttert, doch auch im Zusammenhalt gest├Ąrkt. Jaro war das Herz schwer und er sp├╝rte, dass es Kirona und vor allem Alaryah auch so erging. "Wieder zu dritt", murmelte er. "Was sollen wir nun tun? Wir k├Ânnen doch nicht einfach abhauen." "Nein, aber vorschnell handeln d├╝rfen wir auch nicht", erwiderte Alaryah. Kirona nickte zustimmend. "Wir m├╝ssen ├╝berlegen, was sie von uns wollen. Und w├Ąhrenddessen k├Ânnen wir gut schon ein paar Meilen zwischen uns und diesen Ort bringen. Lasst uns zu diesem St├╝tzpunkt gehen, Alaryah. Wir brauchen alle Ruhe, vor allem du und dein Arm. Von dort k├Ânnen wir in Sicherheit die n├Ąchsten Schritte planen."

Alaryah Schattenwind
Eine Trennung von der Familie war nur richtig. Das war auch Alaryah klar, auch wenn ihr besonders der Abschied von der kleinen Tinriel schwer fiel. Den Verlust des Karrens kaum beklagend zog die Familie weiter, es wurde noch gewunken, bis man sich schlie├člich aus den Augen verloren hatte...

Der Entschluss zu dem St├╝tzpunkt zu reisen war schnell gef├Ąllt, die weitere Reise verlief gl├╝cklicherweise ereignislos. Die drei Reisenden kamen nur langsam voran, sie waren ersch├Âpft, abgek├Ąmpft und wollten nur noch ausruhen. "Dort hinten...", meinte Alaryah sacht und hob die Hand. Kirona und Jaro sahen auf und in der Ferne erhoben sich erste Palisaden und Hecken. "Endlich...die Efeusenke.".
Zwei Soldaten kamen ihnen entgegen, trugen reich verzierte Speere mit langer, leicht gebogener Spitze. Alaryah machte den Gru├č der Waldl├Ąufer und stellte dann sich und ihre Gef├Ąhrten vor. Sie wurden in das Innere des St├╝tzpunktes geleitet und schnell hatte man ihnen ein Quartier zugeteilt. Der Hauptmann von der Efeusenke lie├č ihnen eine Einladung zukommen, aufdass sie am n├Ąchsten Tag gemeinsam speisen m├Âgen. Der Boter ├╝bergab das Schreiben Alaryah, als die drei sich gerade in ihrer Unterkunft einrichteten. Sie wechselten daraufhin noch ein paar Worte in der Sprache der Waldalben, dann verschwand der Bote wieder.
Alaryah drehte sich zu Jaro und Kirona um. "Ihr k├Ânnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf eine ruhige und sichere Nacht freue...", sagte sie, legte etwas unbeholfen aufgrund der Verletzung K├Âcher und Bogen ab und kratzte sich am Kopf. "Ich glaube wir werden schlafen wie schon lange nicht mehr.". Sie ging zu dem Bett hin├╝ber, auf welchem Teile ihres Gep├Ącks verstreut lagen. Neben einer gro├čen Waschsch├╝ssel mit klarem Wasser hatte man mehrere Handt├╝cher gelegt, von denen Alaryah eins an sich nahm. Eigentlich hatte sie ihren Gef├Ąhrten gern noch die Efeusenke genauer gezeigt, doch hatte gerade niemand wirklich ein Auge oder die Aufmerksamkeit daf├╝r. "Wisst ihr...", begann sie und starrte mit leicht leerem Blick auf das weiche Tuch in ihrer Hand. "Als ich Tinriel im Wald fand...". Sie stockte, musste einen Klos hinunterschlucken. Jaro und Kirona hatten ihre T├Ątigkeiten unterbrochen und sahen die kleine Albin nun abwartend an. "N...nichts...schon gut...". Alaryah griff das Handtuch fester, wandte den Blick ab und ihre Kiefermuskeln spannten sich. "Ich...ich bin mal...". Sie verlie├č ohne weitere Erkl├Ąrungen die Unterkunft.

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Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#43

Beitrag von Jaro Balliv├▓r » Do 14. Jun 2018, 07:26

Jaro Balliv├▓r
Als Jaro das gem├╝tliche Quartier, die weichen Decken und sauberen Handt├╝cher sah, wurde er sich der eigenen Ersch├Âpfung erst richtig bewusst. Wie gut tat es zu sitzen! Das Wenige, das Jaro noch bei sich trug, platzierte er feins├Ąuberlich neben seiner Bettstatt, als Alaryah ein neues Gespr├Ąch zu er├Âffnen schien. Bislang hatten sie noch keine Gelegenheit gehabt, ausf├╝hrlich ├╝ber das Erlebte seit Rankenfels zu sprechen und es hatte mit Sicherheit auf jedem von ihnen Spuren hinterlassen. Wobei Spuren vermutlich untertrieben war, dachte Jaro, eher waren es Wunden, die ihnen allen als Narben bleiben w├╝rden. Was Alaryah in diesem Augenblick auf der Seele brannte, erfuhren sie jedoch nicht.
"Wo... sollen wir?", begann Jaro aber Kirona sch├╝ttelte leicht, wenn auch bestimmt den Kopf.
"Ich glaube, sie braucht einen Moment f├╝r sich."
Das konnte Jaro sich gut vorstellen, aber trotzdem keimte Frucht in ihm, dass die letzten Wochen etwas in Alaryah verletzt hatten, das sie nicht einfach so abschalten konnte. Was, wenn sie im Drang allein zu sein in den Wald hinaus ging und vielleicht nicht mehr zur├╝ck kehrte?
"Sorge dich nicht Jaro. Sie hat das Handtuch mitgenommen. Wom├Âglich nimmt sie ein Bad."
Skeptisch flog Jaros Blick zu der Waschsch├╝ssel. "Sie h├Ątte sich hier waschen k├Ânnen."
Kirona schmunzelte. "Ich vermute, sie kennt noch bessere M├Âglichkeiten. Oder sie wollte es f├╝r uns lassen und hey - wir k├Ânnen es gut gebrauchen. Du zuerst."
Ihr Blick verriet Jaro, dass sie keine Widerrede duldelte, also nickte er. Kirona stand auf und zog den Vorhang ihres Schlafbereichs zu, damit Jaro sich entkleiden konnte. Er rechnete mir kaltem Wasser, doch es hatte eine angenehme Temperatur und obwohl es klar und rein war, verstr├Âmte es einen leicht s├╝├čen, kr├Ąuterigen Duft. Nachdem der ganze Dreck abgewaschen war, entdeckte Jaro einige Kratzer und blaue Flecken auf seiner hellen Haut, aber ansonsten war er erstaunlich heil geblieben. Eingewickelt in eines der weichen Handt├╝cher ging er in seine Nische und fand dort wie durch Zauberhand ein Tablett mit duftendem Tee und etwas Brot. Welch Luxus! Bevor er sich dar├╝ber hermachte, fiel im Kirona ein und er rief sie, um ihr zu sagen, dass sie sich nun ebenfalls waschen k├Ânnte.

Alaryah Schattenwind
"Du h├Ąttest ruhig etwas sagen k├Ânnen...", mahnte sich Alaryah selbst in Gedanken, nur um sich dann direkt selbst zu widersprechen. "Nein, wir m├╝ssen uns alle erst einmal ausruhen.". Dann biss sie sich leicht auf die Unterlippe. Irgendwann w├╝rde sie mit den anderen ├╝ber ihr Treffen mit "Wom├Âglich-Linor" reden m├╝ssen. Sie konnte es vor ihren Gef├Ąhrten einfach nicht verheimlichen, vor allem nicht dann, wenn von dem Kerl auch eine Gefahr ausgehen k├Ânnte! Aber nein, nicht jetzt. Sp├Ąter. Morgen.
Wenn ihre Erinnerungen sie nicht g├Ąnzlich t├Ąuschten, dann war dies der St├╝tzpunkt, an dem die Alben eine Art Becken angelegt hatten. Dort konnte man sich waschen und entspannen, manchmal legte man hei├če Steine mit in das Wasser um es zu erw├Ąrmen. Zu Alaryahs Erleichterung war dem auch so. Bei dem Becken war niemand, au├čer einer Albin mit freundlichem Gesicht und ersten, silbernen Str├Ąhnchen in dem sonst tiefbrauenen Haar. "Kind, du siehst ja furchtbar aus.", stellte die Albin fest und kam Alaryah ein paar Schritte entgegen. "Bitte, so nimm doch Platz und ruh dich aus. Es wird dir gut tun.". Alaryah ├╝bergab stumm das Handtuch und trat dann auf das Becken mit dem leicht dampfenden Wasser zu. Es duftete wunderbar.
Wenige Augenblicke sp├Ąter schlug Alaryah unter Wasser die Augen auf. Die Ger├Ąusche der Umgebung waren dumpf, kaum h├Ârber. Die W├Ąrme das Wassers umarmte die kleine Albin, die langsam mit den Armen ruderte um nicht an die Wasseroberfl├Ąche zu treiben. Irgendwann wurde jedoch die Luft knapp, sodass sie doch auftauchen musste. Tief durchatmend, etwas prustend, wischte sich Alaryah das nasse Haar aus dem Gesicht. Jah, f├╝r einen Moment war die Welt f├╝r sie einfach in Ordnung. Dann fiel Alaryahs Blick auf ihre am Beckenrand zusammengelegte Kleidung. Aus der Ferne konnte sie deutlich den gro├čen Blutfleck auf dem ├ärmel sehen und direkt danach schien ihre Wunde zu brennen wie hei├če Glut. Sie zischte, w├Ąhrend ihre Finger nach der Verletzung tasteten. "Schon gut, Kind, schon gut.", h├Ârte Alaryah die beruhigende Stimme der Albenfrau, die am Beckenrand sa├č und eine gro├če Harfe herbeigeholt hatte. Sie begann ein Lied zu singen und schon bald f├╝hlte sich Alaryah schon wieder besser. Wenn es nach ihr ging, so k├Ânnte sie gerade ewig im Wasser bleiben...

Jaro Balliv├▓r
Das Rascheln seines Vorhangs weckte Jaro aus seinem Schlummer und er schrak so schnell hoch, dass er den Tee ├╝ber sich ergoss. Er war mit Tasse in der Hand wegged├Âst. "Oh Entschuldige", ert├Ânte Kironas Stimme. Sie hatte sich das nasse Haar zu einem Knoten zusammengebunden und trug saubere Kleidung, die Jaro noch nie zuvor an ihr gesehen hatte. Sie bemerkte seinen Blick und schob einen kleinen Stapel Stoff zu ihm hin.
"Jemand hat uns neue Kleider gebracht. Ich wei├č nicht, wie diese Alben das machen, doch es passt mir wie angegossen."
Ungeschickt versuchte Jaro aufzustehen, ohne sich dabei komplett zu entbl├Â├čen und nahm das B├╝ndel entgegen.
"Ich warte drau├čen", sagte Kirona leicht am├╝siert. "Sie haben uns auch noch mehr zu Essen gebracht und etwas von dem guten Wein, den wir auf dem Fest getrunken haben. Beeile dich, bevor ich alles austrinke."
Nun, da Kirona au├čer Sichtweite zwar, sch├Ąlte Jaro sich aus dem Handtuch und begutachtete die neuen Kleider. Der Stoff unglaublich weich. Auf der Haut war er trotzdem kaum sp├╝rbar und irgendwo her wusste Jaro, dass er bei warmer wie bei kalter Witterung ebenso seinen Zweck erf├╝llen w├╝rde. Neben einer braunen Hose und einem gr├╝nen Leinenhemd, das er an der Brust schn├╝ren konnte, hatte man ihm sogar eine Weste da gelassen. Wieder war Jaro von der selbstverst├Ąndlichen Gastfreundschaft der Waldalben verbl├╝fft. Neu eingekleidet trat er in den Gemeinschaftsraum, doch Kirona war hinaus auf die Veranda gegangen. Trotz der fortgeschrittenen Stunde zwitscherten die V├Âgel um die Wette.
"Schick", kommentierte Kirona und klopfte auf einen Hocker neben sich. Auf dem Tisch stand tats├Ąchlich ein Tablett und bei dem Geruch, den es verstr├Âmte lief Jaro das Wasser im Mund zusammen. Es gab mehr von dem weichen Brot, dazu einen duftenden Eintopf mit Wurzelgem├╝se, ger├Âstete Bohnen und Obst mit Honig f├╝r danach. Daneben stand eine ganze Karaffe des lieblichen Weines.
"Lang zu", lud Kirona ihn ein. "Wenn Alaryah nicht rechtzeitig zur├╝ck kommt, essen wir eben alles alleine." Sie grinste und prostete Jaro zu.

Alaryah Schattenwind
Das n├Ąchste Lied war verstummt, kein weiteres schien zu folgen. Langsam ├Âffnete Alaryah wieder ihre Augen, musste mehrmals blinzeln um wieder einen klaren Blick zu bekommen. Hatte sie geschlafen? Wie lange war sie im Becken geblieben? Leicht benommen und etwas verwirrt sah sich die kleine Albin um. "Du solltest langsam mal rauskommen, Kind.", meinte die Albenfrau sanft und stellte die Harfe beiseite. "Wie lange war ich...?", murmelte Alaryah und griff nach dem Handtuch, welches ihr die Frau reichte. "Lange genug, damit es dir besser geht, aber noch nicht zu lang um das Essen zu verpassen.", gab diese l├Ąchelnd zur├╝ck und half Alaryah beim Verlassen des Beckens. "Ein Satz frischer Kleidung liegt f├╝r dich bereit. Geh dann zu deinen Freunden, sie warten bestimmt schon auf dich." Alaryah nickte nur und bedankte sich leise f├╝r die Lieder und das Bad. Dann tappte sie von dannen, das gro├če Handtuch um sich gewickelt, zur├╝ck in Richtung Unterkunft. Mit jedem Schritt schienen die Lebensgeister mehr und mehr zur├╝ck in die Albin zu fahren, bald schon genoss sie das weiche Gras unter ihren F├╝├čen, die angenehme Luft und die Ger├Ąusche des Waldes. Den neuen Satz Kleidung hatte sie v├Âllig vergessen mitzunehmen, bemerkte dies jedoch erst, als sie vor der Unterkunft von einem jungen Alben eingeholt wurde, der ihr, leicht ausser Atem, ein B├╝ndel ├╝bergab.

"Ist auch noch etwas f├╝r mich ├╝brig?", erklang pl├Âtzlich eine Stimme an der Treppe. Kirona und Jaro sahen eine flauschig eingepackte Alaryah, die ein kleines B├╝ndel bei sich trug. Sie hatte wieder Farbe bekommen und ihr Gesicht war endlich nicht mehr so blass wie zuvor. "Ich ziehe mich noch kurz zuende an.", erkl├Ąrte sie und huschte an ihren Gef├Ąhrten vorbei, dabei einen frischen und angenehmen Duft hinter sich herziehend. Wenig sp├Ąter trat Alaryah dann wieder ins Freie. Sie hatte eine h├╝bsche und gut geschnittene Tunika bekommen, die neue Waldl├Ąuferuniform sowie die Stiefel blieben jedoch bei ihrem Bett. Jetzt war einfach nicht die Zeit f├╝r Uniformen und Ausr├╝stung fand Alaryah und so lie├č sie sich in ihrer neuen Freizeitkleidung bei Kirona und Jaro nieder (auch wenn es etwas ungewohnt war sie so zu sehen). W├Ąhrend Alaryah nun ihr Haar k├Ąmmte und Kirona ihr einen Kelch einschenkte, begann sie mit einer Art Entschuldigung. "Ich...nunja, ich brauchte...ich musste kurz etwas allein sein.". Alaryah schien verlegen. "Ich hoffe es geht euch gut. Ich wollte euch keine Sorgen bereiten oder dergleichen.". Die Worte kullerten einfach so aus der kleinen Albin heraus. "Aber seid unbesorgt, mir geht es jetzt schon viel besser.". Sie legte den Kamm beiseite, l├Ąchelte endlich wieder und nahm dankend den Kelch an, welcher ihr von Kirona gereicht wurde.

Jaro Balliv├▓r
Es war k├Âstlich. Mit jedem L├Âffel sp├╝rte Jaro wie Energie in seine Glieder fuhr und sein Geist weiter entspannte. Zwischenzeitlich hegte er sogar den Verdacht, man h├Ątte beruhigende Kr├Ąuter unter gemischt, doch selbst wenn dem so w├Ąre, es sollte ihm Recht sein. Ohnehin legte sp├Ątestens der Wein einen Schleier ├╝ber seine Gedanken. Eine Weile a├čen er und Kirona schweigend, genossen schlicht die Mahlzeit und die sanften Ber├╝hrungen des Windes, der hin und wieder an ihnen vorbei strich. Dann kam Alaryah zur├╝ck und trotz der eingetretenen Entspannung sp├╝rte Jaro, wie sich Erleichterung in ihm breit machte. Schnell r├╝ckten sie den dritten Hocker zurecht und f├╝llten Alaryah etwas in die bereit stehende Sch├╝ssel. Frisch gekleidet kam die Waldalbin zur├╝ck.
"Jaro hatte Furcht, du w├Ąrst uns ├╝berdr├╝ssig", feixte Kirona, woraufhin Jaro sofort err├Âtete und ihr einen b├Âsen Blick zuwarf.
"Ich hatte Angst, du w├╝rdest in den Wald hinaus gehen und dir k├Ânnte etwas zusto├čen", rechtfertigte er sich mit hei├čen Ohren.
"Jedenfalls geht es uns gut. Man hat uns alles gebracht, was wir brauchen, mehr als das", beantwortete Kirona die Frage und Jaro nickte zustimmend.
"Es tut gut, einen Augenblick zu ruhen und den Kopf auszuschalten", erg├Ąnzte er. "Alles kommt mir so unwirklich vor, seit wir Rankenfels verlassen haben. Dort dachte ich kurz, wir h├Ątten alles ├╝berstanden."

Alaryah Schattenwind
Nat├╝rlich bemerkte Alaryah die pl├Âtzliche R├Âte in Jaros Gesicht und versuchte ein Grinsen hinter vorgehaltener Hand zu verbergen. Dann zwang sie sich selbst zur puren Ernsthaftigkeit. Mit grimmigem Blick fixierte sie nun Jaro, dem sofort s├Ąmtliche Farbe wieder aus dem Gesicht wich. "Du denkst also, dass ich euch einfach zur├╝cklasse?", fragte sie trocken und legte den Kopf schief. Sie kniff die Augen etwas zusammen. "Und dann, so glaubst du, w├Ąre ich unvorsichtig genug, dass mir hier etwas passiert? Hier?!". Sie stellte laut den Kelch ab und ehe sich Jaro versah stand die Albin auch schon direkt neben ihm. "Ich habe wirklich gedacht, dass du besser von mir denkst du fieser. Kleiner. Ungehobelter...". Bei jedem der letzten Worte piekste sie Jaro in die Seite, der daraufhin zusammenzuckte und versuchte die Albin abzuwehren. Dabei konnte Alaryah ihre Maskerade kaum noch aufrecht erhalten und schon bald erklang helles Gel├Ąchter der drei Reisenden.

Wieder einmal erfreute es Alaryah, dass man ihre Gef├Ąhrten so gut aufgenommen und versorgt hatte. "Jah, den Kopf ausschalten.", wiederholte Alaryah leise Jaros Worte. "Ich glaube, dass wir noch lange nicht am Ende unserer Reise sind.", f├╝gte die Albin dann hinzu und sah wieder in die Runde. "Ich muss zugeben, dass ich manchmal wirklich Angst hatte...". Sie umklammerte nun ihre Knie und legte ihren Kopf darauf ab. "Aber mit dem Wissen, dass ihr bei mir seid, f├╝hle ich mich f├╝r die noch kommenden Situationen besser gewappnet.". Alaryah hatte schon einige Boteng├Ąngen und Patrouillen in ihrem Leben hinter sich gebracht, auch hier war es nicht immer ungef├Ąhrlich gewesen. Sie konnte zwar immer auf ihre damaligen Begleiter z├Ąhlen, jedoch war es mit Jaro und Kirona anders. Sie waren keine Soldaten, mit denen Alaryah einen Auftrag zu erledigen hatte. Sie waren kein Geleitschutz, keine Eingreiftruppe. Sie waren einfach drei Gef├Ąhrten, die zusammengef├╝hrt worden waren und von denen wahrscheinlich noch das ein oder andere abverlangt werden w├╝rde. Diese Gedanken teilte Alaryah mit den beiden, schenkte sich dabei nach und hob dann den Kelch. "Ich vermisse mein Zuhause, meine Familie, mein Pferd Sonnenstrahl...doch f├╝hlt es sich ebenso richtig an mit euch diesen Weg zu gehen.".

Jaro Balliv├▓r
Oh nein... er hatte Alaryah ver├Ąrgert! So war das doch gar nicht gemeint gewesen! Jaro setzte an, sich zu entschuldigen, doch Alaryah war schneller und richtete sich vor ihm auf. "Hey", entfuhr es ihm, doch er schaffte es weder sich zu wehren, noch sich zu rechtfertigen. Jaro begriff den Scherz erst, als Alaryah zu lachen begann, so geschockt war gewesen. Als die Tatsache dann endlich in seinem Bewusstsein angekommen war, fiel auch er in das Gel├Ąchter ein. Da hatte sie ihn aber dran gekriegt!
Er nahm einen weiteren Schluck Wein, der ihn schon wohlig umgarnte. Noch voller Erleichterung, dass Alaryah nur gescherzt hatte, folgte er fast ein wenig tr├Ąumerisch ihren Worten. Sie waren zu einer Gemeinschaft geworden, das stimmte. Sie waren Freunde.
"Was soll ich erst sagen?", meldete sich Kirona zu Wort. "Ihr habt mich gerettet. Ohne euch w├Ąre ich..." Sie stockte.
"Irgendwie bin ich trotzdem froh, all das erlebt zu haben", h├Ârte Jaro sich sagen. "Ich meine, sonst h├Ątten wir uns nie kennengelernt, oder?"
Der Zusammenhalt, der diesen Moment erf├╝llte, gab ihm Zuversicht, dass sie den Schrecken der letzten Tage ├╝berwinden konnten. Wom├Âglich lag es sogar in ihrer Hand alles zum Guten zu drehen.

Alaryah Schattenwind
In diesem Moment bleib Alaryah nichts weiter ├╝brig als einfach zu nicken. Was h├Ątte sie dem auch noch hinzuf├╝gen sollen? Sie griff wieder nach ihrem Kelch, nippte daran. Der Wein war wirklich gut. Die drei sa├čen noch eine ganze Weile beieinander, befreiende Plauderei wechselte sich mit entspannenden Schweigemomenten ab und irgendwann konnte Alaryah ihr G├Ąhnen nicht mehr unterdr├╝cken. Sie mochte zwar das Beisammensein, jedoch machte sich nun bleiernde M├╝digkeit in ihr breit. "So ihr Lieben. Ich werde nun...", flink griff sich Alaryah noch eine halbe Handvoll Waldbeeeren als Mitternachtsimbiss und erhob sich. "Oh.", hauchte sie und merkte nun deutlich die Wirkung des Weines in ihrem Kopf. Sie behielt gerade so das Gleichgewicht, w├Ąhrend Jaro Alaryah eine helfende Hand anbot. "Gute Nacht, Kirona.", verabschiedete sich Alaryah freundlich und umarmte die Frau anschlie├čend einmal fest. Dann machte sie sich, mit etwas Schlagseite, auf den Weg in das Innere der Unterkunft. Jaro begleitete Alaryah noch ein paar Meter aus Sorge, sie k├Ânnte st├╝rzen oder sich sonstwie verletzen. Am Eingang hielt Alaryah Jaro dann aber zur├╝ck. "Ich...schaff das schon.", erkl├Ąrte sie und hauchte dem skeptisch dreinblickenden Jaro recht plump einen Gute-Nacht-Kuss seitlich an den Kopf. Dann verschwand Alaryah in der Dunkelheit und lie├č ihre beiden Gef├Ąhrten zur├╝ck. Es polterte einmal laut, als die Albin die Waschsch├╝ssel von dem kleinen Beistelltisch stie├č gegen den sie gelaufen war, doch ert├Ânten direkt danach die Worte "Keine Sorge, es geht mir gut, hab nur die Sch├╝ssel hier abger├Ąumt!".
Dann fiel Alaryah endlich wieder in ein wolkenweiches Bett. Es schien, als sei sie bereits im Reich der Tr├Ąume bevor ihr K├Ârper komplett auf der Matratze lag...

Als Alaryah am n├Ąchsten Morgen erwachte und langsam und gem├╝tlich in den Tag startete, fiel ihr Blick schon fast beil├Ąufig auf die am Boden liegende Waschsch├╝ssel. "Die haben bestimmt noch lange gezaubert...", brummelte die Albin in sich hinein und dachte dar├╝ber nach, wie es wohl Jaro und Kirona gehen mochte. Schlie├člich waren die beiden l├Ąnger wach geblieben als sie!

Jaro Balliv├▓r
Es war ein Impuls und pl├Âtzlich fand Jaro sich an Alaryahs Seite wieder, um sie zu st├╝tzen. Als er sie dann aber an der Hand hielt, wusste er nicht recht, was er eigentlich tun sollte. Wie fest sollte er sie greifen? Bis wohin sollte er mitgehen? Sollte er ihr noch etwas bringen, etwas Wasser, eine weitere Decke? Mitten in diesen Gr├╝beleien, wies Alaryah ihn von alleine zur├╝ck, als sie die Schwelle zu den R├Ąumlichkeiten erreichten. Er blieb an Ort und Stelle stehen. Innen schepperte es, doch alles schien in Ordnung und schlie├člich drehte sich Jaro wieder um und erblickte das grinsende Gesicht von Kirona.
"Du bist noch nicht oft mit Frauen zusammen gewesen, oder?", fragte sie und Jaros Gesicht wurde hei├č. "Nein, tut mir leid", f├╝gte sie schnell an. "So meinte ich das nicht." Dann fehlten auch ihr die Worte und sie begann zu lachen. Auch Jaro musste grinsen, obwohl er immer noch besch├Ąmt war und hoffte, alles richtig gemacht zu haben. Er schenkte sich und Kirona nach und damit war der Krug leer. Der Wein tr├╝bte auch Jaros Geist schon ein wenig, doch er hatte sich erstaunlich schnell an das Getr├Ąnk gew├Âhnt. Von einer Ecke des Lagers drang Musik und ein Lagerfeuer warf sein Licht an die umstehenden B├Ąume.
"Was meinst du? Sollen wir da noch vorbei schauen?", fragte Kirona.
"Ich wei├č nicht... ich glaube ich bin zu m├╝de." Es fiel Jaro schwer "nein" zu sagen, aber er f├╝hlte, dass Schlaf dringend n├Âtig war.
"Nicht schlimm... ich werde mich noch ein wenig umsehen." Damit stand Kirona auf, gab Jaro ihrerseits einen Kuss auf die Stirn und lie├č ihn auf der Veranda zur├╝ck. Noch einmal atmete er tief ein, dann ging er auch zu Bett. Es war eine Offenbarung. Augenblicklich fiel er in tiefen Schlaf, h├Ârte Kirona nicht mehr zur├╝ckkommen.
~ Die gr├Â├čte Offenbarung ist die Stille ~

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Alaryah Schattenwind
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#44

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Do 21. Jun 2018, 20:53

Alaryah Schattenwind
Alaryah war die erste, die am n├Ąchsten Morgen erwachte. Erst ├╝berlegte sie, ob sie sich nicht doch noch einmal umdrehen sollte, aber nein, daf├╝r war sie einfach schon zu wach. Langsam richtete sich die Albin in ihrem Bett auf, streckte sich ausgiebig und schaute dann nach ihren Gef├Ąhrten. Kirona und Jaro schliefen noch. "Lassen wir sie noch etwas liegen.", entschied Alaryah und machte sich auf den Weg nach drau├čen. Sie kam an einer am Boden liegenden Waschsch├╝ssel vorbei, hob diese auf und stellte sie zur├╝ck an ihren Platz. "Ging wohl wieder gut zur Sache...", murmelte Alaryah und grinste. Kirona konnte wirklich was vertragen.

Die Sonne stand schon recht hoch am Himmel und Alaryah musste die Hand den durch die Baumkronen fallenden Sonnenstrahlen entgegenstrecken, damit sie ├╝berhaupt etwas sehen konnte. Ihre Augen hatten sich an das schummrige Licht im Inneren der Unterkunft gew├Âhnt, daher brauchte sie einen kurzen Moment.
Im St├╝tzpunkt herrschte bereits reges Treiben. Hier und da gingen Waldl├Ąufer ihren Aufgaben nacht, trainierten oder machten sich auf den Weg zu einer Patrouille. Alaryahs Blick begleitete eine kleine Gruppe Alben, die durch das Tor schritten und kurze Zeit sp├Ąter mit dem Gr├╝n des Waldes verschmolzen. "Gute Wacht.", w├╝nschte Alaryah in Gedanken und wandte sich nach rechts. Sie fuhr zusammen, denn sie hatte den dort stehenden Alben nicht bemerkt. "Oh, verzeiht.", sagte der junge Mann mit gelassener Stimme und machte einen Schritt zur├╝ck. "Ich wollte euch nicht erschrecken.". Seine Stimme klang ├╝beraus beruhigend. "Hauptmann Selanir schickt mich, er w├╝rde gern mit euch speisen.". Alaryah musterte den Alben. Er war in recht feine Gew├Ąnder geh├╝llt, die Haare ordentlich zusammengebunden. Scheinbar musste es sich um einen Boten oder Kammerdiener handeln, so sch├Ątzte Alaryah. "Ich werde eine Nachricht f├╝r meine Gef├Ąhrten zur├╝cklassen m├╝ssen?", antwortete Alaryah etwas erstaunt, doch der Alb sch├╝ttelte den Kopf. "Das wird nicht n├Âtig sein, Schattenwind. Die Menschenfrau und euer Albenfreund sind ebenfalls eingeladen.". Alaryah verstand. "Nun, lassen wir deinen Herren nicht zu lang warten.", antwortete die Albin und rauschte davon. Der junge Mann sah ihr erst hinterher, folgte dann in geb├╝hrendem Abstand.

Jaro Balliv├▓r
In dieser Nacht tr├Ąumte Jaro von Calorod. Es war ein ungemein friedlicher Traum, ebenso erholsam wie der Schlaf in dem gem├╝tlichen Bett. Fern von Gefahren und benenbelt vom Wein erlaubte er sich tief hinab in sein eigenes Bewusstsein zu sinken. Er verlie├č das Haus seiner Eltern und strich eine Weile umher, ehe ihn seine F├╝├če ans Meer trugen. Jaro atmete tief ein und aus, sp├╝rte den Wind auf der Haut. Etwas kitzelte ihn im Gesicht und er strich dar├╝ber. Wieder kitzelte es ihn, dieses Mal an der Nasenspitze. Was auch immer es war, es st├Ârte die Ruhe, die er im Angesicht des Wassers empfand, also kratzte er sich eilig und versuchte sich wieder auf das Bild und die Ger├Ąusche zu konzentrieren. Wieder. Schon etwas gereizt fuhr Jaro sich ├╝ber das Gesicht, doch immer und immer wieder kitzelte es ihn. Er ├Âffnete die Augen und sah keinen Strand vor sich und keine Brandung sondern das fr├Âhliche Gesicht Alaryahs. Es dauerte noch ein paar Sekunden, bis Jaro begriff, dass er nur getr├Ąumt hatte. "Du...", sagte er schl├Ąfrig, als sein Geist das Kitzeln in seinem Gesicht mit dem St├╝ckchen Stoff in Alaryahs Hand in Zusammenhang brachten. Alaryah lachte. Schnell setzte Jaro sich auf und zog die Decke bis zur Brust hoch. "Habe ich verschlafen? M├╝ssen wir los?" Leichte Kopfschmerzen machten sich bemerkbar und er griff nach einer Schale mit kaltem Tee, der auf wundersame Weise den Weg neben sein Bett gefunden hatte.
"Nein, nein", beschwichtigte ihn Alaryah vergn├╝gt, "aber du musst mir helfen Kirona zu wecken. Wir sind zum Essen bei Hauptmann Selanir geladen."
Eilig band Jaro seine Haare zusammen und schl├╝pfte in sein Hemd. Dann folgte er der Albin nach neben an. Im Voraum wartete ein vornehmer Alb und nickte Jaro freundlich zu. Zum Gl├╝ck hatte er sich wenigsten die Haare gebunden! Als sie Kironas Vorhang zur├╝ckschoben, waberte ihnen alkoholgeschw├Ąngerte Luft entgegen. Sie hatte alle viere von sich gestreckt und schnarchte. Jaro und Alaryah wechselten einen Blick, dann zogen sie ihr die Decke weg. Keine Reaktion. "Kitzeln hat auch nichts genutzt", sagte Alaryah. "Schade, dass jemand die Waschsch├╝ssel umgeworfen hat..." Verdutzt sah Jaro die Albin an, sagte aber nichts zu seinem Verdacht. Mehrfach sprachen sie Kirona an, doch sie wollte und wollte nicht aufwachen. Hinter ihnen ert├Ânte ein R├Ąuspern. "Vielleicht hilft das." Der junge Mann reichte ihnen ein kleines Sch├Ąlchen Wasser. Schelmisch grinsend nahm Alaryah es entgegen und begann Kirona davon ins Gesicht zu spritzen. Sie ermutigte Jaro, es ihr gleich zu tun und er musste zugegeben, dass er Gefallen daran fand. Dann endlich schrak Kirona hoch und sprang auf die Beine. "Was zum...", sie hielt inne und fasste sie an die Stirn. "Uuuuuh", st├Âhnte sie. "Mist... ich glaube mein Kopf platzt gleich."

Alaryah Schattenwind
Letztendlich beschlossen sie Kirona die Zeit zu geben, die sie brauchte. Alaryah wartete zusammen mit Jaro und dem Boten vor der Unterkunft und schlie├člich qu├Ąlte sich Kirona heraus. Sie murmelte etwas unverst├Ąndliches und schaute dann in die Runde. "Gut, gehen wir.", gab Alaryah schlie├člich vor und so setzten sie sich in Bewegung.
Nach nicht ganz zehn Minuten hatten die Gef├Ąhrten unter der F├╝hrung des Boten ihren Zielort erreicht. Sie schritten eine breite Treppe empor, die mit gewundenen Schnitzereien verziert war. Wenige Stufen sp├Ąter machte sich vor ihnen eine gro├če Terrasse breit. An den Seiten hatte man in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden gro├če Pflanzenk├╝bel aufgereiht, in denen die unterschiedlichsten Blumen, Str├Ąuche und B├Ąumchen wuchsen. Es waren auch eben diese Pflanzen, die f├╝r einen frischen und angenehmen Duft sorgten. Mitten auf der Terrasse war ein runder Tisch aufgebaut an dem, der Gruppe zugewandt, Hauptmann Selanir Platz genommen hatte. Alaryah hatte bisher nur von ihm geh├Ârt, jedoch hatte sie ihn nie selbst getroffen. Die Albin war etwas verwundert ├╝ber die Erscheinung des Hauptmanns, der sich von seinem Platz erhoben hatte und die Gef├Ąhrten freundlich begr├╝├čte. Er war so ganz anders als die Hauptm├Ąnner, die Alaryah bisher kennengelernt hatte. Statt R├╝stung oder Uniform trug der Alb weit geschnittene, gem├╝tliche Gew├Ąnder, keinerlei Waffen und anstatt eines Helmes zierte ein silberner Reif seine Stirn. Des Weiteren musste Alaryah feststellen, dass der Alb recht wohlgen├Ąhrt schien. Sie lie├č sich nichts anmerken.
"Bitte, kommt, setzt euch doch.". Mit einer einladenden Geste winkte Selanir die Gef├Ąhrten heran. Ein Blick zu dem Boten hin├╝ber verriet diesem, dass er sich nun entfernen konnte und er kam dieser Anweisung schnell und leise nach.
Die Gef├Ąhrten nahmen Platz und schon bald brachte man ihnen zu Essen. Fr├╝chte und sogar frisch gebackenes Brot wurden aufgetragen, etwas weiter hinten dampften fein zugeschnittene St├╝cke Fisch vor sich hin.
"Nun, man hat mir zugetragen, dass ihr abseits der Wege von Rankenfels gereist seid?", lenkte Selanis schlie├člich das h├Âfliche Vorgepl├Ąnkel in eine ernstere Richtung. Die Gef├Ąhrten sahen einander an und nickten dann. "Wir stie├čen auf...nunja.", Alaryah schaute auf ihren Teller, biss dann von einer gro├čen Erdbeere ab. "Da waren stillgelegte Festungsanlagen.", murmelte sie zwischen den Bissen hindurch. Nat├╝rlich sollten ihre Entdeckungen unter der Erde nicht unerw├Ąhnt bleiben, doch fiel es der Albin schwer dar├╝ber zu berichten, da die Schatten der Ereignisse nun wieder ihre Finger nach ihr ausstreckten. Hilfesuchend warf Alaryah einen kurzen Blick zu Jaro und Kirona.

Jaro Balliv├▓r
Obwohl er frisch gewaschen und ausgeschlafen war, kam Jaro sich sch├Ąbig vor, als sie die Stufen zu ihrem Gastgeber erklommen. Hier war nichts dem Zufall ├╝berlassen worden. Jede Schnitzerei, jede Pflanze, sogar deren Duft, war genau so, wie es sein musste. So zumindest die Wirkung auf Jaro. Er ertappte sich dabei, wie er versuchte das neue Hemd glatt zu streifen. Sch├╝chtern nahm er schlie├člich Platz. Beim Anblick der dargebotenen Speisen lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Das war genau das Richtige, um das flaue Gef├╝hl in seinem Magen zu b├Ąndigen. Wie so oft und nicht ohne schlechtes Gewissen, ├╝berlie├č er Alaryah das Reden. Kirona blieb ebenso stumm und ihre bleichen Wangen hinterlie├čen den Eindruck, dass sie auch gut beraten war, die Lippen geschlossen zu halten. Dann sp├╝rte Jaro nicht nur Alaryahs sondern auch Selanirs Blick auf sich und verschluckte sich beinahe an einem Bissen. Der eigent├╝mliche Hauptmann sah aber freundlich aus und so fasste er seinen ganzen Mut zusammen. "Es war ein geheimer Ort. Ohne... nur durch Zufall haben wir den Eingang gefunden." Rechtzeitig korrigierte er sich. Er wollte Kirona nicht in eine schwierige Situation bringen, indem er ausplauderte, dass sie den Zugang freigelegt hatte. Vor allem nicht gerade jetzt, wo ihr immer wieder die Augen zu fielen. "Alles wirkte so, als sei schon seit vielen Jahren niemand mehr dort gewesen. Zumindest in einem Gro├čteil der Anlage... wir fanden eine Art Labor, das offenbar k├╝rzlich erst benutzt wurde." Der Ausdruck Alaryahs verriet ihm, dass die d├╝stere Erinnerung an den Ort sie ebenso einholte wie ihn. Selanir h├Ârte ihnen schweigend zu. Es war schwer zu sagen, was er dachte, doch er sagte momentan noch nichts.

Alaryah Schattenwind

Alaryah nickte zustimmend, als Jaro geendet hatte. Gemeinsam setzten sie das Bild der Geschehenisse aus den Fragmenten ihrer Erinnerungen wieder zusammen, an manchen Stellen half sogar Kirona mit ein paar knappen Bemerkungen aus. Dann passierte ein paar Augenblicke einfach gar nichts. Der Hauptmann sa├č wie versteinert auf seinem Stuhl, starrte kurzzeitig ins Leere. Dann hob der den Kopf und lehnte sich zur├╝ck. "So wie es aussieht habt ihr dort eine Anlage gefunden, die schon lange verloren und eigentlich h├Ątte verborgen bleiben sollen.". Diese doch recht schweren Worte passten nicht wirklich zu dem freundlichen Gesichtsausdruck des Hauptmanns und so hatte Alaryah anfangs ihre Schwierigkeiten diese richtig einzuordnen. "Ihr habt doch den Zugang wieder versiegelt, nicht wahr?", fragte Selanir weiter und griff erneut nach seinem Besteck. S├Ąmtliche Farbe wich aus Alaryahs Gesicht. "Das darf doch nicht...". Sie war sich nicht sicher. Was war passiert? Auch ihre Gef├Ąhrten waren wie vom Blitz getroffen. Niemand wagte sich zu r├╝hren. Eine Zeit lang h├Ârte man nur das Klimpern des Bestecks von Selanir, dann ein leises Kauen und Schmatzen. "Nicht? Nun, dann sollten wir uns schleunigst darum k├╝mmern, nicht wahr?". Er machte eine knappe Handbewegung und Alaryah rechnete schon damit tierischen ├ärger zu bekommen. Sie zuckte reflexartig zusammen und presste die Lippen aufeinander. Doch ├ärger blieb aus? Stattdessen setzten sich pl├Âtzlich mehrere Waldl├Ąufer etwas weiter entfernt in Bewegung. Wieder traute sich niemand das Wort zu ergreifen. "Seid unbesorgt, wir werden uns schon darum k├╝mmern.", unterbrach der Hauptmann die unangenehme Stille. "Wir wussten nicht...ich meine...wir...wir wollten...waren...", Alaryah r├╝ckte unruhig auf ihrem Platz umher. "Schattenwind, bitte.". Sie verstummte. "Ich m├Âchte euch und euren Freunden etwas zeigen.". Selanir erhob sich. "So folgt mir bitte.".
Gem├Ąchlich gimg der Hauptmann vor der kleinen, schweigenden Gruppe her. Ein leises Rascheln der Gew├Ąnder von Selanir war bei jedem seiner Schritte zu vernehmen und schlie├člich hielt er an einem kleinen H├Ąuschen inne. Mit leisem Knirschen ├Âffnete sich die T├╝r und gab den Blick auf einen langen Raum frei, an dessen W├Ąnden viele Schriftrollen s├Ąuberlich geordnet und sortiert gelagert wurden. Mit einer Mischung aus Neugier und Respekt betraten sie nun das innere des Geb├Ąudes.

Jaro Balliv├▓r
W├Ąhrend sie gingen, wog Jaro ab, ob er Selanir mochte oder nicht. Er war vollkommen anders, als sie anderen waldalbischen Kommandeure, mit denen er bis dahin zu tun gehabt hatte. Seine freundliche Art war entwaffnend, doch befremdlich zugleich und Jaro fragte sich, wie viel davon echt war. Noch viel st├Ąrker als bei anderen Walbalben hatte er das Gef├╝hl, dass Selanir alles zu wissen und jede Notwendigkeit vorauszuahnen schien. Das Sammelsurium an geballtem Wissen in dem kleinen Haus durchbrach seine ├ťberlegungen. Innen wirkte das Geb├Ąude wesentlich gr├Â├čer als von au├čen. Fast schien es, als fl├╝sterte das Pergament, bereit sein Wissen weiter zu geben. Die Einrichtung war ansonsten schmucklos, die Aura des Raumes dadurch aber nicht weniger erhaben. Was mochte hier alles schlummern? "Immer weiter, hier entlang, bitte", ert├Ânte Selanirs Stimme und Jaro f├╝hlte sich ertappt, wie ein Junge, der versucht hatte, etwas S├╝├čes von einem Marktstand zu stibizen. Obwohl es keine gro├čen Fenster gab, war der Raum so geschickt angelegt, dass das Tageslicht f├╝r ausreichend Helligkeit sorgte. Auf etwa halbem Wege kamen sie zum Halt und Selanir griff zielgerichtet in eines der Regale. Zwar gab es in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden Beschriftungen, doch Jaro hatte ihn nicht einmal zur Seite blicken sehen. Er musste den Inhalt dieses Raumes in und auswendig kennen. "Ich denke, dies wird euch helfen." Wissend grinster er und ging dann weiter zu einem steinernen Pult, das von einem eintretenden Lichtstrahl erhellt wurde. Vorsichtig entrollte er das Pergament. Es war eine Karte. Nie zuvor hatte Jaro eine derart detailreiche Darstellung gesehen. Sogar verschiedenen Baumarten konnten unterschieden werden. "Seht hier", Selanir wies mit einem Zeigefinger auf eine Ansammlung winziger H├Ąuser, "das ist die Efeusenke. Und hier", er fuhr einen kleinen, gewundenen Pfad entlang, "ist euer Ziel." Jaro gab seiner Neugierde nach und beugte sich ein wenig nach vorne. Neben Selanirs Finger zogen sich d├╝nne Rauchf├Ąden durch die B├Ąume und als der seine Hand wegnahm, kam eine einzelne H├╝tte zum Vorschein. "Er wird euch helfen k├Ânnen." Selanir sah sie mit glitzernden Augen an, w├Ąhrend sie alle noch fasziniert die Karte musterten. "Auf, auf! Wollt ihr den Weg nicht ├╝bertragen? Dieses Exemplar kann ich euch nicht mitgeben. Es w├╝rde eine Reise nicht ├╝berstehen. Doch wer von uns w├╝rde das schon mit mehreren Hundert Jahren auf dem Buckel, nicht wahr?"

Alaryah Schattenwind
Schlagartig kam Bewegung in die Gef├Ąhrten. Die starre Ehrfurcht war pl├Âtzlich wie verpufft und die drei kramten recht hastig in ihren mitgebrachten G├╝rtel- und Umh├Ąngetaschen. Tats├Ąchlich schafften sie es einen Bogen Pergament und einen Kohlestift zusammenzutragen und schon bald machten sie sich daran die Karte abzuzeichnen. Selanir beobachtete das Treiben mit einem leicht am├╝sierten L├Ącheln. Wie Schulkinder waren die drei brav seinen Anweisungen nachgekommen. Irgendwann wandte sich Alaryah ab und drehte sich zu dem Hauptmann hin├╝ber. "Sagt, Selanir, wen werden wir dort vorfinden? Dieser Weg ist, wenn ich mich richtig erinnere, nicht auf den Karten der Waldl├Ąufer eingezeichnet?". Selanir lachte leise, zog eine Augenbraue hoch und schaute Alaryah tief in die Augen. "Nicht alle Wege sind auf euren Karten festgehalten. Es gibt Wege, die nur die Besatzung hier kennt, Wege, die bewusst und gewollt versperrt und verborgen sind.". Auch Jaro und Kirona, die die Arbeiten an der eigenen Karte nun beendet hatten, h├Ârten nun gespannt zu. Ein schwacher Anflug von Misstrauen und Skepsis huschte ├╝ber Alaryahs Gesicht, was von Selanir nicht unbemerkt blieb. Er legte den Kopf schief und einer seiner Mundwinkel zuckte kurz. "Wirklich?", fragte er und sah nun auch zur Kirona und Jaro hin├╝ber. "Ich lasse euch doch nicht in euer Verderben ziehen?", fragte der Hauptmann schon fest etwas emp├Ârt. "Ihr werdet dort einen Gelehrten antreffen. Er lebt zur├╝ckgezogen, schon fast wie ein Einsiedler. Es geschah auf seinen Wunsch hin, dass der Weg zu seinem Haus von den bekannten Karten entfernt wird.". Die Situation entspannte sich zusehends. Dann kam Selanir n├Ąher zu den dreien hin. Mit ged├Ąmpfter Stimme fuhr er fort:"Manche sagen, dass ihm diese Einsamkeit nicht gut tut. Einige Stimmen sprechen gar von Verfolgungswahn.". Der Blick des Hauptmanns wechselte zwischen den Gef├Ąhrten umher. Dann richtete er sich wieder in voller Gr├Â├če auf und stemmte die H├Ąnde in die H├╝fte. "Doch genug der Worte. Ihr habt nun eure eigene Karte und ihr werdet ihn finden, da bin ich mir ganz sicher. Jedoch kann ich euch nicht versprechen, dass ihr auf alle eure Fragen eine Antwort erhalten werdet.". Sie nickten. "Bleibt von mir aus noch bis zum Nachmittag, doch dann solltet ihr euch auf den Weg machen, sonst wird es sp├Ąt sein wenn ihr bei ihm ankommt.". Der Empfehlung wollten sie folgen. Bevor der Hauptmann ging machte Alaryah noch mal zwei Schritte hinter dem Alben her. "Eine Frage noch, Hauptmann. Wie...nunja, wie ist sein Name?".

Jaro Balliv├▓r
Es war das erste Mal, das Selanir um eine Antwort verlegen schien. Nach kurzem Z├Âgern sprach er aber ebenso heiter wie zuvor. "Einst war er Nesolion Cudor. Doch seit Jahren h├Ârt er nur noch auf einen Namen: Nativus - der Besondere." Damit wandte er sich ab und schritt aus dem Geb├Ąude. Jaro zwang seinen Blick zur├╝ck auf die Karte. Alles hier faszinierte ihn. Der Drang, sich nun, da Selanir sie alleine gelassen hatte, genauer umzusehen, kochte in ihm hoch, doch er war sich sicher, dass sie ├╝berwacht wurden, auch wenn sie nichts davon mitbekamen. Also machte er sich daran, gemeinsam mit seinen Freundinnen m├Âglichst viele Details zu ├╝bertragen. Schlie├člich waren sie zufrieden. "Sollen wir", setzte Jaro an und deutete auf die Karte, doch wie so oft erschien ein Alb aus dem Nichts und beantwortete die Frage f├╝r sie. Er war komplett in einen dunklen Umhand geh├╝llt und trug ein gro├čes h├Âlzernes Medallion um den Hals. "Schon gut. Ich k├╝mmere mich darum." Seine Stimme war sanft und leise. Vermutlich war er eine Art W├Ąchter.
Das grelle Tageslicht vor der H├╝tte blendete sie. Die Mittagszeit musste bereits verstrichen sein und Jaro versp├╝rte schon wieder Hunger. "Meint ihr, wir k├Ânnen noch eine Mahlzeit bekommen, bevor wir aufbrechen?", fragte er sch├╝chtern.

Alaryah Schattenwind
"Du hast doch quasi gerade erst gegessen?!", fragte Alaryah und lachte. "Aber keine Sorge, ich denke, wir k├Ânnen uns hier noch etwas genehmigen.". Sie sollte recht behalten. Tats├Ąchlich war noch gen├╝gend Zeit f├╝r ein Mittagessen und die Gef├Ąhrten konnten sich bei den Waldl├Ąufern noch mit etwas Proviant eindecken. Eigentlich war der Weg auf der Karte gar nicht so weit, doch wer konnte schon genau sagen, ob sie die H├╝tte von Nativus direkt auf Anhieb finden w├╝rden?
Bald hatte Alaryah wieder ihre Uniform und die leichte R├╝stung angelegt. Ihre Wunde am Arm heilte gut ab und sie brauchte fast gar keine Hilfe mit ihrer Ausr├╝stung, was die kleine Albin sichtlich erfreute. Trotz allem war ihr etwas mulmig, als sie nach ihren Waffen griff...
So zog die kleine Reisegruppe bald weiter, Hauptmann Selanir stand auf einem Podest an der Palisade, hob zum Abschied noch einmal die Hand. Alaryah h├Ątte sich gern noch von der Frau mit der Harfe am Becken verabschiedet, doch war diese dort nicht mehr anzutreffen. Schade, fand Alaryah, und so lie├č sie der Frau noch einmal ihren Dank ├╝bermitteln.
Das Wetter war wunderbar. Es war nicht zu warm, nicht zu kalt und selbst der Wind war genau richtig. Beinahe h├Ątten die drei die Abzweigung verpasst, die...eigentlich laut Karte nun vor ihnen liegen m├╝sste? "Seltsam.", fand Alaryah und sah sich um. Der Weg ging hier nur in eine Richtung weiter und hatte fast gar nichts mit dem gemeinsam, den sie auf ihrer Karte eingezeichnet hatten. "Haben wir da einen Fehler gemacht?". Nachdenklich kratzte sich Alaryah am Kinn, weiterhin die Umgebung mit ihren Blicken absuchend. Kirona drehte sich und die Karte hin und her, auch Jaro schaute sich um. "Eigentlich m├╝sste es hier doch weitergehen?", dachte Alaryah laut und blieb vor dichtem Unterholz stehen. "Da kann man keine drei Meter weit gucken.", stellte Kirona fest und hielt erneut das Pergament hoch. Alaryah kniete ab, wischte mit der Hand ├╝ber den Waldboden und die Grasnarbe. "Wenn hier ein Weg gewesen ist, dann m├╝sste man das doch noch erkennen?". Ratlos wischte sie die Erde von ihrer Hand und erhob sich. Dann ging Alaryah noch mal ein paar Schritte zur├╝ck, verfolgte ihre Schritte noch einmal. "Wege, die bewusst und gewollt versperrt und verborgen sind.", sprach Alaryah die Worte des Hauptmanns noch einmal nach. "Wir sind hier ganz bestimmt richtig...nur was ├╝bersehen wir?!".

Jaro Balliv├▓r
Mehr als ein Schulterzucken konnte Jaro ihr nicht zur Antwort geben. Ohne die Karte w├Ąre er einfach gerade aus weiter gegangen, doch Alaryah hatte Recht. Die Kontur des Pfades war eindeutig. Hier musste der Abzweig sein. Er untersuchte das Geb├╝sch, den Boden und den Weg in beide Richtungen. Nicht einmal Alaryah schien eine L├Âsung zu erkennen. Der Wald um sie herum leuchte in sattem Gr├╝n und hoch ├╝ber ihnen sangen die V├Âgel ihr Lied. "Das Gras ist noch jung", murmelte Jaro pl├Âtzlich halb unbewusst. "Was?", fragte Kirona. "Das Gras, es wurde erst vor kurzem gepflanzt." Nun wurde es Jaro erst richtig bewusst. Es war zu gr├╝n, zu zart. Genau so, wie die Ziegen es geliebt h├Ątten. Mit dieser Erkenntnis nahm Jaro auch die Umgebung genauer in Augenschein. Das Unterholz war wirklich dicht, fast undurchdringlich. Er trat nahe heran und sp├Ąhte durch eine L├╝cke hindurch. Kirona hatte Recht, man konnte nicht weit sehen. Trotzdem bem├╝hte Jaro seine Augen. Seinem frostalbischen Erbe verdankte er das besonders scharfe Sehen. Er lie├č den Blick von links nach rechts schweifen und erkannte schlie├člich, dass das Dickicht ungleichm├Ą├čig war. Das mochte vielleicht nichts Ungew├Âhnliches sein, doch fiel ihm auf, dass sich nicht nur die Dichte, sondern auch die Art der Pflanzen unterschied. Auch diese Gew├Ąchse waren nicht nat├╝rlich. Jemand hatte sie gepflanzt. Jaro ging ein wenig nach links, ohne vom Wegesrand zur├╝ck zu treten. Pl├Âtzlich stie├č er mit der Schulter gegen Ge├Ąst. An dieser Stelle wuchsen die Str├Ąucher weiter in die Stra├če hinein. Doch nicht nur das. Sie bildeten einen kleinen Spalt. "Seht nur!", sagte er lauter, w├Ąhrend er seine letzten Erkenntnisse leise vor sich hingemurmelt hatte. Mit etwas M├╝he schob er sich in den Spalt. Es war schwierig aber es ging und anstelle nun komplett von Str├Ąuchern umzingelt zu sein, fand er sich vor einem geraden Durchgang wieder. Er ging ein paar Schritte, bis er wieder auf eine scheinbar undruchdringliche Wand stie├č, folgte ihr zusehends aufgeregter zur├╝ck nach rechts, bis er einen ├Ąhnlichen Vorsprung fand. Das war der Weg! So schnell es die Enge zu lie├č, ging Jaro zur├╝ck zum Pfad. "Das ist es!", triumphierte er. "Es sind kleine seitliche Spalten, die man nur sieht, wenn man direkt davor steht! So geht es im Zickzack... wie weit wei├č ich nicht. Gut m├Âglich, dass sich in sicherem Abstand wieder ein breiterer Pfad auftut." Er l├Ąchelte stolz.

Alaryah Schattenwind
Alaryah war so in Gedanken vertieft, dass sie erst gar nicht mitbekam, wie Jaro sich seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Dann aber war sie wieder voll und ganz da. "Nat├╝rlich!". Sie grinste. "Gut gemacht, Jaro. Scheinbar wirst du auch noch irgendwann zu einem guten Waldl├Ąufer.". Sie zwinkerte ihm zu, dann setzten sie sich in Bewegung. Jaro ging vor, Kirona folgte. Bevor Alaryah sich nun auch durch den Spalt schob hielt sie inne. Sie lauschte einen Moment, sch├Ąrfte ihre Sinne. Nichts. Nur die Ger├Ąusche des Waldes. Gut. Sie hatte nicht wirklich mit einem Verfolger gerechnet...doch war es sicherlich nicht falsch auf Nummer sicher zu gehen. "Alaryah, kommst du?", h├Ârte sie dann etwas ged├Ąmpft Kironas Stimme. "Jah...ja ich bin sofort da.". Ein paar Sekunden blieb sie noch so stehen, dann folgte sie Jaro und Kirona.
Es war kein einfacher Weg und manchmal dachte Alaryah, sie h├Ątte den Anschluss verloren. Jaro schien in seiner Begeisterung und mit frischem Mut und Tatentrang wie von selbst den Pfad entlang zu schweben, hatte dabei Kirona im Schlepptau. "Wir sollten dennoch vorsichtig sein. Wer weiss, wer sich hier sonst noch so verst...aaah..". Wieder blieb sie an einem Ast h├Ąngen und verfluchte sich innerlich selbst. "Du bist hier die Waldl├Ąuferin?!", mahnte sich die Albin gedanklich selbst und ordnete ihre Gedanken neu. Irgendwie hatte all das gerade etwas bedr├╝ckendes. Trotzdem kamen die drei gut und z├╝gig voran, Jaro fand wieder und wieder Vorspr├╝nge und Durchg├Ąnge. Alaryah schaute noch einmal zur├╝ck, doch war da nur (scheinbar) undurchdringliches Unterholz und dichter Wald.
Bald kam es so, wie Jaro es prophezeit hatte. Da war ein Pfad, breit genug, dass die drei bequem nebeneinander herlaufen konnten. Zu Alaryahs Erstaunen wuchsen hier sogar Pflanzen, die sie zuvor noch nie in ihrem Abschnitt des Waldes gesehen hatte. Auch die Ger├Ąusche des Waldes waren hier anders, dumpfer, ruhiger. Es war, als w├╝rde der Waldboden einen Gro├čteil der Umgebungsger├Ąusche verschlucken, fast wie ein dicker Teppich, auf dem Schritte so gut wie gar nicht zu h├Âren waren. "Langsam.", fl├╝sterte Alaryah Jaro und Kirona zu. "Hier ist etwas anders.". Auch die beiden schienen dies nun zu bemerken und wurden langsamer. Dann zeigte Kirona pl├Âtzlich nach vorn. "Seht doch, dort!".

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Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#45

Beitrag von Jaro Balliv├▓r » Di 17. Jul 2018, 21:53

Jaro Balliv├▓r
Es war wie eine Schatzsuche. Jaro entdeckte kindliche Abenteuerlust in sich, als er einen Weg durch das Dickicht suchte. Beinahe war er entt├Ąuscht, als sich der Weg schlie├člich verbreiterte. Doch auch, wenn das Gehen nun leichter war, war die Umgebung nicht weniger mystisch. Sp├Ątestens Alaryahs Worte machten klar, dass dies kein normaler Pfad war und der Wald um sie herum ebenso wenig. Kirona sah ihn zuerst. Es war, als verschmelze er mit dem Hintergrund. Entweder war seine Kleidung aus Pflanzen gefertigt oder sie war eine t├Ąuschend echte Imitation. Gr├╝nes Haar fiel ihm wirr ├╝ber die Schultern und er stand vollkommen regungslos. Ob er gerade erst erschienen war, oder schon l├Ąnger dort verweilte, konnte Jaro nicht sagen. War das der Gelehrte, den sie aufsuchen sollten? Die Gef├Ąhrten waren stehen geblieben und eine Weile sprach niemand. Dann ├Âffnete der Fremde den Mund. Seine Stimme klang trocken und br├╝chig, wie knisterndes Laub. "Ich sehe, ihr habt den Weg gefunden. Meine Freunde haben es mir gesagt, doch ich wollte es nicht recht glauben." Langsam ging er ein paar Schritte auf sie zu. Er trug keine Schuhe. "Keine Furcht. Ihr seid willkommen", fuhr er fort. Jaro merkte, dass er nicht blinzelte, ja ├╝berhaupt keine Regung zeigte. Sein Mund war das einzige, das sich in seinem Gesicht bewegte. Alaryah fand als erstes die Sprache wieder und gr├╝├čte Nesolion h├Âflich.
"Nesolion - ja, das war einst mein Name", antwortete dieser vertr├Ąumt. "Nein, nicht nur mein Name, mein Wesen, ein Teil von mir. Aber er ist nicht mehr. Nesolion ist fort. Es existiert nur noch Nativus. Mit ihm m├╝sst ihr Vorlieb nehmen." Ein Vogel landete auf seiner Schulter und zwitscherte. Nativus nickte, als verst├╝nde er, was das Tier sagte. Dann l├Ąchelte er. Wieder hatte es allen dreien die Sprache verschlagen. Jaro fragte sich, ob Alaryah und Kirona ebenso ├╝ber den Geisteszustand des Mannes gr├╝belten wie er. Selanir hatte ihnen gesagt, er sei besonders, aber ein Schock war es trotzdem.
"Nun. Wir m├╝ssen hier nicht herum stehen, wenn es ganz in der N├Ąhe ein gem├╝tliches Heim mit Sitzgelegenheiten gibt. Folgt mir, nur zu, keine Furcht!"

Alaryah Schattenwind
So ganz wohl war Alaryah bei der ganzen Sache noch nicht, dennoch folgte sie mit Kirona und Jaro dem Gelehrten. Sie wagte es nicht einmal ihren Gef├Ąhrten etwas zuzufl├╝stern. Irgendwie hatte der Fremde etwas respektvolles an sich, auch wenn er recht w├╝st aussah. Der Weg zu seinem Heim war zwar nicht weit, dennoch hielten sie unterwegs hier und da an, weil Nativus innehielt, lauschte, etwas vor sich hinbrummelte und wieder und wieder Kontakt zu Tieren aufnahm. Der Weg knickte nach links ab. "Ah, fast da.", stellte Nativus fest und bog um die Ecke. Die drei sahen sich einmal an, gingen Nativus dann hinterher.
Vor ihnen streckte sich nun eine steinernde Treppe einen kleinen Hang empor. Nativus hatte bereits die H├Ąlfte der Stufen hinter sich gelassen und winkte ihnen zu. Erst nach ein paar Stufen fielen Alaryah die Blumen auf, die neben der Treppe gepflanzt worden waren. Vor allem ein gro├čer Bund Orchideen fing ihren Blick f├╝r etwas l├Ąngere Zeit ein. Diese satten Farben und der allgemeine Blumenduft um sie herum war bezaubernd. Alaryah blieb stehen und ging in die Hocke. Erst als die anderen bereits einen kleinen Vorsprung hatten bemerkten sie, dass die Albin nicht mehr bei ihnen war. "Wo ist...?", fragte Jaro und sah sich um. Die kleine Albin hob gerade die Hand und wollte eine der Blumen ber├╝hren, z├Âgerte dann jedoch und nahm die Hand wieder runter. Auch aus der Entfernung konnte man deutlich das L├Ącheln in ihrem Gesicht sehen. "Alaryah, komm schon!", sagte Kirona mit leicht erhobener Stimme. Keine wirkliche Reaktion. "Alaryah!?", dieses Mal etwas lauter. Vertr├Ąumt sah Alaryah nun zu Jaro und Kirona, hatte ihre Fassung jedoch erst einen kurzen Augenblick sp├Ąter wiedererlangt. "Oh...verzeiht.", sagte sie und erhob sich, dann eilte sie die Stufen zu Jaro und Kirona empor. Die beiden grinsten.
Am Ende der Treppe angekommen trafen die drei wieder auf Nativus. Er hatte sich auf eine aus gestapelten Baumst├Ąmmen errichtete Bank gesetzt, die vor einer kleinen H├╝tte stand. Erst beim zweiten Blick konnten die Freunde erkennen, dass die H├╝tte nicht wie ein normales Geb├Ąude gebaut worden war. Viel mehr schien es, als w├╝rden die Pflanzen, Ranken und Zweige aus dem Boden kommen und die H├╝tte so zu formen. Alaryah wollte sich das ganze genauer ansehen, doch blieb stehen. Nativus lehnte sich nach vorn und machte eine einladende Geste. "Setzt euch doch.". Auch f├╝r die Gef├Ąhrten waren dort Sitzgelegenheiten, Gro├če Steine mit einer dicken und weichen Moosschicht, Baumst├╝mpfe und St├Ąmme. Alaryah ging langsam zu einem der Steine, stellte ihren K├Âcher mit dem Bogen daran ab und setzte sich im Schneidersitz auf das Moos. Es war erstaunlich bequem. Erwartungsvoll sa├č sie nun mit gro├čen Augen da. "Ich kann euch leider nur Quellwasser anbieten.", sagte Nativus, doch Alaryah lehnte dankend ab. "Nun sagt mir doch, wie genau soll ich euch denn nun helfen?". Er schaute in die Runde.#

Jaro Balliv├▓r
Dieser Ort war... schon beim Gedanken daran, Nativus' Zuhause zu beschreiben, fehlten Jaro s├Ąmtliche Worte. Auch wenn er versuchte zu greifen, wie er sich f├╝hlte, tasteten seine Sinne ins Leere. Es war, als bef├Ąnden sie sich in einer Blase, losgel├Âst von allem anderen und was blieb war die Sch├Ânheit der Natur selbst. Ja, dachte Jaro. Das beschreibt es vielleicht am besten. Das Herz der Natur selbst. Nicht nur er war bezaubert. Zumindest schloss er dies aus den Reaktionen seiner Begleiterinnen und konnte nicht anders, als sich dar├╝ber zu freuen. Ihm war angenehm leicht ums Herz. So musste er tats├Ąchlich auch erst einen Augenblick nachdenken, weswegen sie den merkw├╝rdigen Alben aufgesucht hatten. Dass es gerade das bedr├╝ckendste Erlebnis war, an das er sich zu erinnern versuchte, war der Geschwindigkeit seiner Antwort nicht gerade zutr├Ąglich. Sein Unterbewusstsein schien sich nur ungern von der angenehmen Ruhe zu l├Âsen, die es gefunden hatte. Trotzdem war er der erste, der sprach. Vielleicht wollten ihm die Frauen auch nur das Wort ├╝berlassen. "Wir sind auf der Suche nach Informationen ├╝ber eine versunkene Festung, ganz hier in der N├Ąhe. Der Hauptmann eines St├╝tzpunktes sagte uns, Ihr k├Ânntet uns vielleicht weiterhelfen."
"Selanir, mhm. Schlau von ihm, schlau in der Tat."
Jaro warf einen skeptischen Seitenblick zu Alaryah, die ihm ermutigend zunickte und so fuhr er fort.
"Ihr k├Ânnt uns also helfen? Wisst Ihr von welcher Festung ich spreche?"
Blitzschnell sprang Nativus auf, gar nicht wie ein alter Mann. Er drehte sich um, eilte zur einen und dann zur anderen Seite des kleinen H├╝gels und legte als er zur├╝ckkam den Finger auf die Lippen.
"Psst! Leise, leise!", mahnte er. "Selbstverst├Ąndlich wei├č ich welche Festung ihr meint. Es gibt nur eine einzige versunkene Festung im ganzen Waldreich. Und dass sie versunken und vergessen ist, ist ein Segen f├╝r uns alle! Sie darf nicht gefunden werden. Niemals." Abermals sah er sich verstohlen um.#

Alaryah Schattenwind
Alaryah erschrak als Nativus aufsprang und w├Ąre beinahe von dem Stein gefallen. "Warum?", fragte sie knapp und setzte sich wieder gem├╝tlicher hin. "Warum? Warum?!", entgegnete Nativus und sch├╝ttelte den Kopf. "Warum fragt sie.". Nun war Alaryah noch weniger Wohl bei der ganzen Sache und warf einen fl├╝chtigen Blick zu Kirona und Jaro. "Ich kann euch genau sagen warum, doch das besprechen wir besser nicht hier.". Ohne auf eine Reaktion zu warten huschte Nativus in die H├╝tte. "Wir...sollten mit ihm gehen, oder?", fragte Kirona und stand auf. Sie betraten nun auch die H├╝tte, wobei Alaryah dicht bei Jaro blieb. Die ganze Sache war ihr nicht geheuer, es war einfach zu viel in der letzten Zeit passiert. Doch Alaryahs Bef├╝rchtungen bewahrheiteten sich gl├╝cklicherweise nicht.
Im Inneren von Nativus H├╝tte war das Licht schummrig und die Luft war erf├╝llt von dem Geruch frisch geschnittenen Rasens. Ansonsten war die Inneneinrichtung sp├Ąhrlich. Eine Schlafst├Ątte aus gro├čen Bl├Ąttern, eine kleine Kochstelle, sowie eine gro├če Kiste waren die auff├Ąlligsten Einrichtungsgegenst├Ąnde.
"Ruhig jetzt.", sprach Nativus mit ged├Ąmpfter Stimme, huschte noch einmal an den dreien vorbei und lugte aus dem Eingang der H├╝tte hinaus. "Da ehm...naja uns ist niemand gefolgt als wir...?", Alaryah verstummte, als Nativus herumwirbelte und sie direkt ansah. "Da kann man nie sicher sein, junge Albin!", zischte er und rauschte wieder heran. "Woher wisst ihr ├╝berhaupt von der Festung?", fragte Nativus nun und kratzte sich am Kopf. Alaryah sah zu Kirona hin├╝ber. "Es war mehr ein Zufall.", begann die Albin zu erkl├Ąren, wollte dabei so wenig ├╝ber Kironas Zustand wie m├Âglich verraten. "Zufall? So erkl├Ąrt mir den Zufall doch bitte etwas genauer.". Er n├Ąherte sich Alaryah, die leicht verunsichert einen Schritt nach hinten machte. "Wir waren im Wald unterwegs und dann fanden wir pl├Âtzlich...". Weiter kam sie nicht. Nativus riss die Augen weit auf und hob die Arme. "Ihr wisst davon, weil ihr sie gefunden habt?! Wie k├Ânnt ihr sicher sein, dass es eine versunkene Festung ist? Ihr wart doch nicht etwa...?". Alaryah konnte seinem Blick nicht standhalten und schaute auf den Boden. "Aber der Eingang! Ihr habt ihn doch wieder versteckt?". Nun n├Ąherte sich Nativus auch Kirona und danach Jaro. "Wer weiss noch alles davon? Sprecht!". Nativus wurde sich der eigenen Stimmlautst├Ąrke bewusst, sah sich erneut um und sprach leiser, jedoch weiterhin aufgebracht, weiter. "Ihr ahnt nicht, was dort f├╝r Wissen erlangt wurde! Was dort einst passierte!". Alaryah f├╝hlte sich schuldig. "Wir waren nicht die ersten, die dort waren.", wagte sie zu berichten und fuhr dann mit den Erlebnissen in dem Labor fort, ebenso sprach sie von der Kreatur, die sie gefunden hatten und dem mysteri├Âsen Verfolger. Zwischendurch wurden ihre Knie weich, doch zwang sie sich einfach weiter zu reden. Erinnerungen kamen wieder ans Tageslicht, doch rang Alaryah diese Erlebnisse und die Tr├Ąnen nieder so gut sie konnte. Es schien keinen Zweck zu haben vor Nativus etwas ├╝ber die Festung zu verschweigen. Vielleicht war es noch nicht zu sp├Ąt? #

Jaro Balliv├▓r
Mit weit aufgerissenen Augen folgte Nativus den Erl├Ąuterungen. Jaro konnte nicht anders, als den eigent├╝mlichen alten Mann anzustarren. Hin und wieder bewegte sich sein Mund und wiederholte tonlos Alaryahs Worte, als k├Ânne er nicht fassen, was er da h├Ârte. Nachdem der Bericht geendet hatte, brach unangenhmes Schweigen aus. Nativus kaute an seinen Fingern├Ągeln. "Das ist...", setzte er schlie├člich an, "schlimm... Furchtbar! Eine Katastrophe!" Er sprang auf und eilte zu der Kiste, riss den Deckel hoch und begann darin zu w├╝hlen. Schlie├člich zog er ein kleines K├Ąsten hervor, sch├╝ttete sich etwas davon auf die Hand und schnupfte es in einem Zug. "Ah," seufzte er und zog ein, zwei Mal die Nase hoch. Langsam kam er zur├╝ck und setzte sich. Seine Stimme war viel ruhiger, jedoch auf unheilk├╝ndigende Weise resigniert. "Ich habe gebetet, dass ich diesen Tag nicht erleben muss. Wir m├╝ssen uns keine Sorgen um den machen, der das Labor vor euch fand. Der liegt tot und begraben in seiner eigenen Errungenschaft."
"Das Monster", fl├╝stere Jaro und Nativus nickte hektisch.
"Ja, ja, so kann man es nennen. Selbst hat er sich zum Monster gemacht. Und Sorgen sollte uns machen, wen ihr dort hinein gef├╝hrt habt - unbewusst, unabsichtlich", f├╝gte er schnell an, als er die entsetzten Ausdr├╝cke auf dem Gesicht der Gef├Ąhrten entdeckte. "Ihr habt den Schrecken gesp├╝rt, der in diesen Hallen schwebt. Es scheint, ein Teil davon wurde wieder erweckt und ich schw├Âre euch, es ist nur ein kleiner Teil. Nicht auszumalen, wenn sich jemand weiter vor wagt. Eine weitere Inquistition w├Ąre von N├Âten, um das Waldreich zu retten." Er sch├╝ttelte sich bei dem Gedanken. "Nein, nein...", sagte er dann mehr zu sich selbst. "Sie k├Ânnen es nicht wissen, k├Ânnen es nicht finden. Niemand wei├č es. Nesolion hat das Wissen mit ins Grab genommen."#

Alaryah Schattenwind
"Eine...weitere Inquisition?", fragte Alaryah leise und ├╝berlegte. Hatte sie schon einmal von so etwas geh├Ârt? Nein. Irgendwie war da keine Erinnerung an ein Buch oder eine Schrift ├╝ber eine...Inquisition. Nativus schaute auf, unterbrach sein "Sie k├Ânnen es nicht wissen, k├Ânnen es nicht finden.", was er weiterhin vor sich hermurmelte. "Ja, Inquisition. Sie nannten sich selbst "Orden der Feuerrose", wollten Experimente, die dort vorgenommen worden sind, stoppen. Zu gro├č war die Gefahr! Diplomatie half dort nicht mehr weiter, zu sehr waren diese Narren der Machtgier verfallen.". Sein Blick wanderte leicht entr├╝ckt in die Ferne. "Sie waren wenige. So wenige. Doch die wenigen, die von dem Orden in der Festung waren, haben ausgereicht um sie alle zu t├Âten. Es gab einfach kein Entkommen.". Alaryah dachte an die Verliese und die Gr├Ąber und ihr Herz wurde schwer. "Die ganze Sache musste unter den Mantel des Schweigens geh├╝llt werden. Die Leichen wurden an einem unbekannten Ort verbrannt, keine ├ťberreste sollten dort bleiben. Einige wurden aus der Festung und in Hinterhalte gelockt. Ein Blutbad.". Alaryah musste sich setzen. In ihrem Kopf rasten Bilder umher. Nativus sprach weiter. "Nur wenige wissen von den Laboren, die nicht gefunden wurden. Eben diese wenigen befinden sich weiterhin in Gefahr.". Kurz herrschte Stille, dann ergriff Kirona das Wort. "Was k├Ânnen sie nicht wissen oder finden? Wer sind "Sie"? Etwa die Streiter des Ordens?". Nativus nickte nur. "Der Orden hatte an Bedeutung verloren und wurde offiziell aufgel├Âst. Einige Mitglieder waren sich jedoch sicher, dass Personen aus der Festung entkommen konnten, dass jemand dieses Schlachthaus unverseht verlassen konnte. Sie streifen heute noch umher, sind auf der Suche.". Nativus schaute nun die drei Gef├Ąhrten nacheinander an. "Ich warne euch, seid wachsam! Man spricht von Mitteln, die die Kampfkraft steigern. Von Personen mit enormen Kr├Ąften. Von Wesen, eher Bestie als Alb.". "Wer spricht davon?", h├Ârte sich Alaryah selbst fragen. "Die Augen des Waldes.", gab Nativus zur├╝ck und lauschte. Nichts. Weiterhin blieben Fragen scheinbar ungekl├Ąrt. Alaryah war sichtlich ungl├╝cklich. Wie konnte es nur so weit kommen, dass eine ganze Festung niedergemetzelt worden war? Kirona fragte noch einmal nach. "Welches Wissen hat Nesolion mit ins Grab genommen?".#

Jaro Balliv├▓r
Jaro schwirrte der Kopf. Was Nativus erz├Ąhlte, erkl├Ąrte den Zustand der Festung. Als sei sie einfach verlassen worden... so ├Ąhnlich war es wirklich gewesen, auch wenn es wohl gewaltsam geschah. Kein Wunder, dass sie heimgesucht worden waren, w├Ąhrend sie sich dort aufgehalten hatten. Alle... Kirona nicht. Ob ihre Trance auch damit zu tun hatte? War diese Festung wom├Âglich das Ziel ihres Peinigers? Jaro tat die Gedanken ab. Das konnte er nicht l├Âsen, lieber sollte er dem Gespr├Ąch folgen.
"Mmmmmh", machte Nativus gerade und umfasste seine Knie. Mit misstrauischen Seitenblicken begann er vor und zur├╝ck zu wippen. "Guter Nesolion. Er hat alles aufgeschrieben, worum man ihn bat. Alles. Weil es verlangt wurde. Eine Zeit lang hat er sich nichts bei dem gedacht, das er aufschrieb. Doch dann begann er dar├╝ber nachzudenken und es durchfra├č sein Wesen und nie wieder konnte er es vergessen. Bis es ihn umgebracht hat." Vielsagend blickte Nativus in die Runde. "Dieses Wissen, meine Liebe. Alles. Forschungsergebnisse, Rezepturen, Mechanismen, Orte... Wissen, das nie erlangt werden h├Ątte d├╝rfen!"
"Ich verstehe nicht", begann Kirona.
"Einfach alles!", Nativus hatte die Stimme wieder erhoben, ermahnte sich aber sogleich selbst zu Ruhe. "Wie man so ein Monster erschafft zum Beispiel. Oder ganz viele davon."
Er musste nicht weiter sprechen. Jeder konnte sich vorstellen, was es bedeutete, wenn eine Horde solcher Kreaturen ├╝ber das Waldreich herfiel.
"Diese Aufzeichnungen", fragte Jaro sch├╝chtern, "was ist mit ihnen passiert?"
"Verbrannt. Unwiederruflich vernichtet. Dass niemand jemals die Geheimnisse der Festung enth├╝llen kann. Dass niemand jemals die Festung findet... Doch es war umsonst." Er stockte und sch├╝ttelte den Kopf. Dann sah er abrupt auf. "Wie sagtet ihr noch gleich, seid ihr in die Festung gelangt?"#

Alaryah Schattenwind
Erst schwiegen die drei, niemand traute sich wirklich etwas genauer zu werden. Irgendwann seufzte Alaryah schwach, sch├╝ttelte knapp den Kopf und beschrieb den ungef├Ąhren Weg durch den Wald aus ihren Erinnerungen. Nativus h├Ârte genau zu, kniff die Augen zusammen und bewegte die Lippen. Dann f├╝gte Kirona pl├Âtzlich hinzu:"Der Weg...wir kannten...nein...ich kannte ihn. Wobei auch das nicht wirklich stimmt...Viel mehr hat er hier mich gerufen.". Nativus schaute nun Jaro an, der etwas erstaunt ob der pl├Âtzlichen Aufmerksamkeit war. "Wie habt ihr sie gerufen?", fragte er und ging auf Jaro zu. Noch bevor jemand reagieren konnte, hatte Kirona den Feuerstein aus der Tasche gezogen. "Nicht Jaro. Dieser Stein hier.". Fast s├Ąmtliche Farbe schien aus Nativus Gesicht zu entweichen, hastig machte er einen Satz nach hinten. "Wo...wie....wie...ihr k├Ânnt doch nicht...". Sein Blick zuckte zwischen den dreien hin und her. "Wie k├Ânnt ihr diesen Stein einfach so ber├╝hren?!". Alaryah dachte daran zur├╝ck, als sie den Stein ber├╝hrt hatte und was das f├╝r Folgen gehabt hatte. Sie schluckte einen Klos im Hals hinunter. "Ich...weiss es auch nicht so genau.", murmelte Kirona und sah nun gebannt den Stein an. Ihre Augen wurden leicht feucht und man konnte ein schwaches Spiegelbild des Steins darin erahnen. "Von diesem Stein geht eine gro├če und gef├Ąhrliche Macht aus! Seid gewarnt, handelt nicht leichtfertig.". Bedrohlich hob Nativus den Finger, doch es war als schwinge auch ein Hauch von Furcht in seiner Ansage mit. "Dennoch ist es vielleicht ein gutes Zeichen, dass ihr den Stein halten k├Ânnt.". "Wie soll es denn nun weitergehen?", fragte Alaryah etwas ratlos und lie├č die Schultern h├Ąngen. "Ich muss dar├╝ber nachdenken.", sagte Nativus trocken. "Geht. Verlasst diese H├╝tte. Wartet am Fu├če des H├╝gels auf mich, ich werde euch dann aufsuchen, sobald ich zu einem Entschluss gekommen bin.". Er machte eine ausladende Geste, drehte sich von den drei Gef├Ąhrten weg und ging murmelnd in die hintere Ecke der H├╝tte. Etwas erstaunt sah Kirona Jaro und Alaryah an, doch schlie├člich kamen die drei der Anweisung von Nativus nach. So stiegen sie die Stufen wieder hinab, lie├čen sich am Fu├če des H├╝gels nieder. Dieses Mal blieb Alaryah nicht bei den h├╝bschen Blumen stehen, zu tief war sie in Gedanken vergraben.#

Jaro Balliv├▓r
Jaro dachte ├╝ber Nativus nach. Der Alb hatte wohl den ganzen Schrecken, der sich in und um die verfallene Festungsanlage zugetragen hatte, mit erlebt oder zumindest gekannt. Nach seinen eigenen Eindr├╝cken in dieser Ruine konnte Jaro gut verstehen, dass der alte Mann Milderung gesucht und sie in Verdr├Ąngung gefunden hatte. Selanir hatte ihnen seinen richtigen Namen genannt - Nesolion, den Nativus zu einer eigenen und verstorbenen Person gemacht hatte. Er hat versucht, diese Episode, dieses Wissen aus seinem Bewusstsein zu l├Âschen, dachte Jaro. Aber das war nicht gelungen. Alles, was sie ihm berichtet hatten, war ihm bekannt gewesen. Gewissensbisse kochten in Jaro hoch. Ob sie seine hart erk├Ąmpfte innere Ruhe nachhaltig gest├Ârt hatten? Andererseits war es ihre Pflicht, von den Ereignissen zu berichten, wenn sie nicht einer der Ausl├Âser f├╝r ein erneutes d├╝steres Kapitel sein wollten.
Nach einigen Augenblicken setzte Jaro sich, denn es schien, Nativus w├╝rde nicht so schnell wieder aus seiner H├╝tte heraus kommen. Neugierig lie├č er den Blick schweifen. Das Gras war gr├╝ner, als Jaro es je gesehen hatte und der alte Alb hatte sich eine wahre Pracht an verschiedenen Pflanzen und Bl├╝ten gez├╝chtet. Oder die Natur war zu Nativus gekommen.
Jeder war in seine eigenen Gedanken versunken oder wollte die heilige Stille nur nicht st├Âren und nach einer gef├╝hlten Ewigkeit kam Nativus die Stufen hinab. Er trug eine Schatulle in der Hand.
"Ich habe nachgedacht", begann er. "Ihr habt der Festung und ihren Geistern getrotzt, ihr habt ihr einen Teil ihres b├Âsartigen Herzens entrissen", dabei wies er auf Kirona, "Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ihr die richtigen seid, der Sache ein Ende zu machen." Jaro schluckte. Verlangte Nativus, dass sie in die Festung zur├╝ckkehrten?!
"Ihr k├Ânnt tun, wozu Nesolion... wozu... mir damals der Mut fehlte. Ihr k├Ânnt mir Frieden schenken und das Waldreich m├Âglicherweise vor einer neuen Katastrophe bewahren."
"Was sollen wir tun?", fragte Alaryah und Jaro bewunderte sie einmal mehr f├╝r ihre Entschlossenheit.
Nativus ├Âffnete die Schatulle. In ihrem Inneren waren verschiedenen farbige Steine gebettet, ├Ąhnlich wie Kironas Feuerstein, doch viel kleiner, kaum gr├Â├čer als Murmeln. "Du", er wies auf Kirona, "ich wei├č nicht warum, doch die hast die F├Ąhigkeit die magischen Steine zu ber├╝hren. Jeder erf├╝llt eine eigene Funktion. Der, den du besitzt, bringt Tod und Feuer. Diese hier sind dazu da, die verschiedenen Eing├Ąnge der Festungsanlage zu versiegeln und dem Spuk ein f├╝r alle Mal ein Ende zu bereiten."
"Wie?", fragte Kirona schlicht, doch die Neugier stand ihr ins Gesicht geschrieben. Auch von diesen Steinen schien sie angezogen zu werden.
"Das wei├č ich leider nicht genau", seufzte Nativus. "Jeder Eingang wird von einem Element bewacht." Nach einander wies er auf die Steine. "Licht, der gelbe Stein, Wasser, der blaue, braun die Erde oder auch die Natur selbst, wei├č die Luft und dieser kleine rote f├╝r das Feuer. Alles, was ihr tun m├╝sst, ist die Eing├Ąnge suchen und herausfinden, wie die Steine funktionieren. Nach euren Erz├Ąhlungen m├╝sstet ihr durch den Eingang der Erde eingetreten sein. Das ist schon mal ein Anfang."
Jaro sah seine Gef├Ąhrtinnen an. Er wusste nicht, wie sie das sahen, doch ihm erschien dies recht wenig Information zu sein.

Alaryah Schattenwind
Die pl├Âtzlich aufflammende Entschlossenheit Alaryahs hatte Eindruck hinterlassen. Sie konnte einfach nicht anders, war daraufhin etwas verlegen, h├Ârte dann jedoch weiter gespannt zu. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen um ebenfalls einen Blick in die Schatulle werfen zu k├Ânnen, die Nativus schlie├člich Kirona aush├Ąndigte. Es h├Ârte sich alles so einfach an, doch waren sich die Gef├Ąhrten sicher, dass es l├Ąngst nicht so einfach war. "Wie k├Ânnen wir die anderen Eing├Ąnge denn finden?", fragte Alaryah und verzog etwas den Mund. Insgesamt waren f├╝nf Eing├Ąnge zu versiegeln, einen kannten sie bereits. "Die anderen vier liegen verborgen.", begann Nativus und zog ein in weiches Tuch gewickeltes Etwas aus der G├╝rteltasche hervor. Er entfaltete das Tuch und eine ramponierte, kleine Tafel kam zum Vorschein. "Du wirst die alten Verse wahrscheinlich noch am ehesten lesen k├Ânnen.", sagte Nativus und ├╝berreichte Alaryah die Tafel, welche sie vorsichtig entgegen nahm. Tats├Ąchlich konnte Alaryah hier und da bereits erste Worte entziffern, doch war jetzt nicht die Zeit daf├╝r. Sch├╝tzend legte Alaryah nun die Hand auf die Tafel, wickelte sie dann doch lieber wieder in das Tuch ein. "Dies sind alte Aufzeichnungen niedergeschrieben, welche Euch hilfreich sein k├Ânnen.". Alaryah nickte schon fast ehrf├╝rchtig und verstaute die Tafel so sicher sie konnte in ihrer Tasche. "Nun w├╝nsche ich euch viel Erfolg auf der weiteren Reise. Ihr solltet aufbrechen und so schnell wie m├Âglich den Eingang der Erde, der Natur, verschlie├čen und f├╝r unsere Feinde unzug├Ąnglich machen.". "Was, wenn sie...", begann Alaryah ihren Satz, doch unterbrach sich dann selbst. Sie w├╝rden etwaige Feinde scheinbar einfach in der Festungsanlage einsperren. Doch was, wenn Freunde und Verb├╝ndete dort unten waren? Was, wenn Selanir eine Erkundungstruppe zusammengestellt hatte, die die Festungsanlage auskundschaftete? Nativus schien Alaryahs Gedanken zu h├Âren. "Ihr m├╝sst die Eing├Ąnge um jeden Preis versiegeln. Es wird viel mehr Tod geben, wenn das B├Âse, was dort ist, entkommt.". Alaryah gefiel der Gedanke ganz und gar nicht. Doch n├╝chtern betrachtet hatte Nativus wahrscheinlich Recht. Und so rang Alaryah noch etwas mit sich, auch dann noch, als Kirona sie sanft an der Schulter packte und in Richtung des Weges schob, den sie gekommen waren. Gerade waren die drei ein paar Schritte gegangen, da zischte ein Sperling an ihnen vorbei. Der kleine Vogel streifte fast Kironas Kopf und sie zuckte leicht erschrocken zusammen. Wie wild flatterte der Sperling um Nativus herum, der sich ebenfalls bereits zum Gehen abgewandt hatte. "Oh, nat├╝rlich, du hast recht.", h├Ârten die drei den Mann sagen und er fasste sich an die Stirn. "Wie konnte ich das nur vergessen?". Er eilte erneut zu ihnen und griff nach Jaros Hand. "Hier. Nehmt dies noch mit. Vielleicht ist es eine Hilfe.". Dann huschte Nativus davon. "Viel Erfolg, ihr Streiter des Waldes!", rief er noch aus der Ferne und hob die Hand zum Gru├č. "Was hast du bekommen?", fragte Alaryah und legte interessiert den Kopf schief. Jaros Blick fiel auf einen d├╝nnen Packen Pergament. "Das...". Er schaute sich die einzelnen Bl├Ątter an. "Das sind...Fragmente...Fragmente einer Karte?".

Jaro Balliv├▓r
Eine seltsame Wehmut nahm Jaro in Beschlag, als sie aufbrachen. Dieser Ort war so zauberhaft, dass er gerne noch geblieben und all seine Geheimnisse erkundet h├Ątte. Auch Nativus hatte sein Interesse geweckt, so merkw├╝rdig er gewesen war. Gleichzeitig steckte ihn Alaryahs Entschlossenheit an. Sie konnten helfen.
Der Stapel der Kartenausschnitte, der sich nun in Jaros Tasche befand, weckte Ehrfurcht in ihm. Wie alt mochten diese Aufzeichnungen wohl sein? Hatte Nativus sie selbst angefertigt? Ohne weiter etwas von ihnen zu verlangen, hatte er sie gehen lassen. Vielleicht war er aber auch froh, sie und die d├╝steren Erinnerungen wieder los zu sein.
Zu Beginn hatte Jaro einige der Karten beim Gehen inspiziert, doch es hatte sich als unm├Âgliches Unterfangen herausgestellt. Es schien, als m├╝ssten die Fragmente wie ein Puzzle zusammen gesetzt werden. An den R├Ąndern hatte er sich wiederholende Muster und Symbole entdeckt, die als Hinweise daf├╝r dienen konnten. Daf├╝r brauchte er Platz und au├čerdem erreichten sie bald den unsichtbaren Pfad, wo kaum Raum war, die Arme zu heben, geschweige denn mit Pergament zu hantieren.
Alaryah hatte vorgeschlagen, einen ihr bekannten Rastplatz aufzusuchen. Es war ein beliebter Ort bei den Waldl├Ąufern, der von sonstigen Reisenden gemieden wurde, da er sich zu weit von gr├Â├čeren Pfaden befand. Er lag g├╝nstig, da sie am darauffolgenden Tag den Eingang der Festung erreichen konnten, aber noch weit genug davon entfernt waren, um nicht in Gefahr vor herumlungernden Feinden zu sein. Ohne die Waldalbin w├Ąren Kirona und Jaro an dem Rastplatz vorbei gelaufen. Er wurde gewisserma├čen von den umliegenden B├Ąumen gebildet. Kleinere Gew├Ąchse bildeten ein sch├╝tzendes Dach und die ├ťberreste eines vom Blitz getroffenen Riesen boten Sitz- und Ablagem├Âglichkeiten. Jaro entdeckte eingeritzte Symbole und Alaryah erkl├Ąrte, dass dies Nachrichten waren, die die Waldl├Ąufer sich gegenseitig hinterlie├čen. Sie gaben Entfernungen an, Wasser- und Nahrungsquellen und falls n├Âtig warnten sie vor Gefahren. Schnell entfachten sie ein kleines Feuer. Die Nacht hatte bereits ihren Schleier ├╝ber den Wald gelegt. Mithilfe der Kennzeichnung fanden sie essbare Pilze und ein paar Wurzeln, sodass sie ihre Vorr├Ąte vom St├╝tzpunkt Selanirs aufsparen konnten. Schon w├Ąhrend dem Essen probierte Jaro, die Kartenst├╝cke zusammen zu setzen. Das Prinzip wollte ihm aber nicht wirklich einleuchten. Es schien, als passten mehrere Fragmente zu einander. War die Karte so geschickt geteilt worden? Oder war sie ver├Ąndert, entsprach nicht mehr der wirklichen Topologie und zeigte trotzdem die richtigen Wege? Das schummrige und flackernde Licht des Lagerfeuers half ihm nicht gerade bei seinen Versuchen. Jaro seufzte und sah auf. Vielleicht hatten Alaryah und Kirona eine Idee oder die Aufzeichnungen auf dem Stein konnten helfen.#

Alaryah Schattenwind
Der Rastplatz, an den sich Alaryah pl├Âtzlich erinnerte, lag in einer g├╝nstigen Position. So konnten sie noch einmal ausruhen um sich dann frisch und gest├Ąrkt den neuen Aufgaben und Gefahren entgegenzustellen. Das Mahl war nicht gerade ├╝beraus schmackhaft oder abwechslungsreich gewesen, doch erf├╝llte es seinen Zweck. Bald waren sie gut ges├Ąttigt und sowohl Kirona als auch Alaryah bemerkten wieder und wieder, wie Jaros Aufmerksamkeit auf die Kartenfragmente fiel, welche er von Nativus bekommen hatte. Sie grinsten sich an, als der Alb v├Âllig vertieft in die Aufzeichnungen vor sich hin murmelte, hier und da Teile zusammenlegte, dann drehte und wieder neu zusammensetzte. Alaryah legte schlie├člich ihre Waffen zusammen und holte ein kleines Set zur Ausr├╝stungspflege hervor. Leise erklang das Ger├Ąusch einer Klinge, die gerade mit einem Wetzstein geschliffen wurde und auch Kirona verfiel in ihre eigenen Gedanken. Sie sa├č einfach nur da, die Schatulle lag ge├Âffnet vor ihr. Kirona hatte die Finger an die Lippen gelegt und starrte die Steine an, so als wartete sie darauf, dass die Steine ihr Fragen beantworteten, die sie ihnen gedanklich stellte. Irgendwann hob Jaro seufzend den Kopf. Direkt traf sein Blick den von Alaryah. Die Albin sa├č am Feuer, hatte das eine Bein angewinkelt und fuhr wieder und wieder mit einem Stein ├╝ber eine ihrer Klingen, langsam beginnend, ruckartig endend. Ihre Miene war wie versteinert und schon fast emotionslos. Die tanzenden Flammen taten dann auch noch ihr ├╝briges. Leicht eingesch├╝chtert senkte Jaro den Kopf, doch bemerkte er, wie Alaryah ihn weiterhin mit leeren Augen anstarrte. "Ich...komme hier nicht weiter.", murmelte er schlie├člich und Kirona wandte sich ihm zu. "Wir k├Ânnen uns das gern gemeinsam ansehen.", schlug sie vor und tippte Alaryah am Oberarm an. "Was? Nein! Er war es vielleicht...". Alaryah erschrak bei der Ber├╝hrung, doch sammelte sie sich rasch wieder. "Ehm...alles in Ordnung?", fragte Kirona und sah die Albin skeptisch an. "Jah...ja nat├╝rlich. Ich war nur in Gedanken. Was machen wir?". Ihr Blick fiel nun auf die vor Jaro liegenen Fragmente. "Die Karte. Nat├╝rlich.". Alaryah schob die Gedanken an Linor beiseite, zu duster und bedrohlich waren diese Schatten in ihrem Kopf. Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und legte ihre Ausr├╝stung beiseite. Kurze Zeit sp├Ąter hockten Kirona und Alaryah nun etwas hinter Jaro und gemeinsam starrten sie die Fragmente an. Da waren Linien, Schriftzeichen, Symbole und und und. Irgendwann bemerkte Alaryah, dass sie ihren Kopf auf Jaros Schulter abgelegt hatte und fuhr hoch. Warum hatte sie...? Doch dann, als Alaryah so da stand, konnte sie diese Gedanken nicht weiter verfolgen. "Wartet mal...", sagte sie und ging ein paar kleine Schritte um die Kartenfragmente herum. "Das k├Ânnte doch...". Kirona wollte etwas sagen, doch Alaryah hob die Hand. Kirona blieb stumm. "Jaro, leg das Teil mal da hinten hin. Nein, nach links gedreht. Kirona. Halt das mal daneben.". Jetzt bemerkten auch Jaro und Kirona, was Alaryah zu sehen schien. Es handelte sich gar nicht um eine gro├če Karte. Es waren mehrere kleine Ausschnitte. Insgesamt f├╝nf. Dann traf die Erkenntnis Jaro wie ein Blitz.#

Jaro Balliv├▓r
Dieser verr├╝ckte alte Alb! Nativus hatte die Karten nicht nur vergessen, bis es ihm buchst├Ąblich ein V├Âgelchen gezwitschert hatte, er hatte auch behauptet, er wisse nicht, wo die Eing├Ąnge sich befanden. Es war so klar! Wieso war Jaro das vorher nicht aufgefallen? Es waren exakt f├╝nf Papierst├╝cke. F├╝nf St├╝cke - f├╝nf Eing├Ąnge. Triumphierend sprach Jaro dies aus. Er hatte den Eindruck, nach Alaryahs Eingebung war es ihnen dreien exakt zeitgleich wie Schuppen von den Augen gefallen. Jetzt, wo er wusste, nach was er Ausschau halten musste, war es so einfach die Hinweise zu finden. Die Symbole wiederholten sich zwar auf jeder Karte, doch jede hatte ein dominantes Thema. Die Elemente. Auch der Eingang selber war entsprechend dargestellt und vielleicht nicht nur das. Als Jaro sich die Erd-Karte genauer ansah, stellte er fest, dass der Pflanzenbewuchs auch in Wirklichkeit so ausgesehen hatte. Hie├č das, dass sich der Wasser-Eingang hinter einem Wasserfall befand? Der des Lichts nur bei Sonnenlicht zur Mittagszeit zu finden war? Auch diese Ideen teilte er mit Alaryah und Kirona. "Du hast Recht", rief letztere aus. "Dann muss dieser hier erh├Âht liegen und dem Wind ausgesetzt sein. Und dieser..." Sie stockte und alle drei sahen sie zu den verbrannten ├ťberresten des vom Blitz getroffenen Baumes.#
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Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#46

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Di 24. Jul 2018, 23:21

Alaryah Schattenwind
"Das kann doch nicht...". Kirona war als erstes zu den ├ťberresten des Baumes gehuscht und hatte angefangen dort zu w├╝hlen, zu tasten und zu untersuchen. Jaro schloss sich kurzerhand an, auch Alaryah folgte. Irgendwann jedoch erhob sich die Albin. Ihre H├Ąnde waren schmutzig und sie klopfte sie an ihrer Kleidung ab. "Meint ihr nicht...naja...Meint ihr nicht, dass das etwas zu...einfach w├Ąre?". Der anf├Ąngliche Tatendrang der Gruppe bekam einen kleinen D├Ąmpfer. "Dann lasst uns doch zuerst den Eingang der Erde oder der Natur schlie├čen.", schlug Kirona vor und erfuhr allgemeine Zustimmung.

Am n├Ąchsten Morgen waren die Gef├Ąhrten bereits fr├╝h auf den Beinen. Niemand konnte wirklich lange schlafen, doch waren die wenigen Stunden Schlaf wohltuender gewesen als gedacht. So brachen sie das Lager ab und machten sich zur├╝ck auf den Weg zu dem Eingang in die Festung, der ihnen den Auftakt zu diesem doch recht packenden und gef├Ąhrlichen Abenteuer geliefert hatte.
Mit jedem Schritt, den sie n├Ąher an den Eingang der Festung kamen, f├╝hlte Alaryah eine Art Beklommenheit in sich heranwachsen. Eigentlich hatte sie sich immer sicher innerhalb der Grenzen des Waldreiches gef├╝hlt, doch irgendwie war es dieses Mal anders. Sie dachte an das erlebte und hoffte, dass sie nicht zu bald wieder in die Hallen, Kavernen und Verliese vordringen mussten. Vor allem hoffte die Albin jedoch, dass sie nicht wieder auf einen Feind treffen mochten. "Ich schlage vor ihr wartet hier einen Moment.", sagte Alaryah bestimmend und deutete per Handzeichen an langsamer zu werden. "Ich werde ein St├╝ck vorausgehen und nachschauen, ob wir dort bei dem ersten Eingang ungest├Ârt sind.". Zaghaftes Nicken. Auch die Wachsamkeit ihrer Gef├Ąhrten steig nun an. Alaryah verschwand im Unterholz. "Sei vorsichtig!", h├Ârte sie noch hinter sich w├Ąhrend sie erneut ihre Sinne sch├Ąrfte.

"Nichts.". Alaryah war so pl├Âtzlich wieder aufgetaucht, wie sie verschwunden war. "So wie es aussieht ist dort niemand. Keine Spuren, keine Anzeichen auf...Gesellschaft.". Dann wurden Alaryahs Gesichtsz├╝ge wieder weicher. "Kommt, gehen wir!".

Jaro Balliv├▓r
Was Jaro zuerst auffiel war, dass es nichts Auff├Ąlliges gab. Der Ort war ebenso unscheinbar wie bei ihrem ersten Besuch und auch dieses Mal h├Ątte er hier nie und nimmer einen Eingang zu einer riesigen Festungsanlage vermutet, h├Ątte er es nicht besser gewusst. Hatte ihr unheimlicher Verfolger seine Spuren verwischt? Oder lag es in der Magie der Pforten, sich wieder zu verbergen, nachdem sie genutzt worden waren? Langsam n├Ąherten sie sich der Stelle, wo Kirona den Eingang freigelegt hatte. Jaro hatte das entsprechende Kartenst├╝ck herausgeholt, weil er hoffte, Hinweise zu entdecken, wie die Eing├Ąnge zu finden waren. Es stellte sich aber heraus, dass sie es sogar dringend f├╝r die eigentliche Suche brauchten, denn Kirona konnte sich nicht an ihr Handeln erinnern. Wage besann sich Jaro, dass sie den Boden mit ihrem Stock abgeklopft und schlie├člich mithilfe einer Liane den Weg zur Pforte gefunden hatte. Er blickte auf das Kartenfragment. "Seht", sagte er. "Diese Verzierung am Rand k├Ânnte die Schlingpflanze sein, die uns zu der Wand mit den Schriftzeichen gef├╝hrt hat. K├Ânnte... wenn ich nicht nur sehe, was ich sehen will." Zwischen den verzierten Strichen waren die Symbole der Elemente aufgetragen. Hatte Kirona auf der Steinwand nicht eben solche Elementsymbole aktiviert? Unsicher sah er auf und dann wieder hinab zu der Karte. Alaryah folgte mit dem Finger den geschwungenen Linien. "Hier f├╝hrt sie in die Karte hinein." Tats├Ąchlich! Aufgeregt flog Jaros Blick ├╝ber die Abbildung und dann auf den umliegenden Bereich. Alaryah war bereits ein paar Schritte zur Seite gegangen. "So ungef├Ąhr hier..." Sie knieten ab und tasteten den Boden entlang. "Da!", rief Kirona aus und packte den kr├Ąftigen gr├╝nen Strang. Eilig folgten sie ihm und begannen ebenso hektisch wie Kirona damals die Pflanzen von der verborgenen Wand zu rei├čen. "Da ist er...", fl├╝sterte Jaro und schluckte schwer. Blo├č nicht noch einmal hinein gehen... "Nun m├╝ssen wir nur noch herausfinden, was wir mit dem Erdstein anfangen sollen." Kirona hatte den kleinen braunen Stein heraus geholt und Jaro h├Ątte schw├Âren k├Ânnen, dass er schwach pulsierte ob der N├Ąhe zu seinem Bestimmungsort.

Alaryah Schattenwind
Mit gro├čen Augen verfolgte Alaryah die Szenerie. "Erdstein...Mh...". Sie murmelte leise vor sich hin, dachte laut, kam aber zu keinem wirklichen Ergebnis. "Seht doch, dort!", rief Kirona schlie├člich und zeigte mit ihrem Stock auf den Sturz des Eingangs. Dort oben, fast gar nicht zu erkennen, hatte man eine kleine Einkerbung in den Rahmen gepresst. "Vielleicht muss der Stein ja dort hinein?". Die drei Gef├Ąhrten sahen sich an. Keiner von ihnen war gro├č genug um den Stein in die Fassung zu bringen. Erst sahen sie sich um, ob man nicht einen Baumstumpf oder ├Ąhnliches organisieren konnte, doch dann ging Alaryah zu Jaro hin├╝ber. "Komm, wir heben Kirona hoch.". Erst schien Jaro etwas irritiert. "Wie sollen wir denn...?". "Ich zeigs dir. Pass auf, wir stellen uns hier dr├╝ben hin.". Sie fasste Jaro am Handgelenk und positionierte ihn dann neben dem Sturz. "So. Jetzt legst du deine Hand hier auf meine Schulter, ich greife dann hier deinen Arm und dann...". Kurze Zeit sp├Ąter war es dann soweit. Alaryah und Jaro standen sich gegen├╝ber, die Knie leicht gebeugt. "Kirona, steig jetzt hier auf den Oberschenkel, dann kannst du hier oben hin.". Kirona war skeptisch. "Kirona, nun mach schon. So heben wir Waldl├Ąufer schon seit Ewigkeiten unsere Leute ├╝ber Hindernisse oder in Richtung hoch gelegener ├äste, die wir durch klettern nicht erreichen k├Ânnen.". Jaro nickte ihr aufmunternd zu. Kirona seufzte. "Ich hoffe wir brechen uns dabei nichts...w├Ąre ein ruhmloses Ende unserer ersten Etappe.". Dann wagte Kirona schlie├člich den Aufstieg. Langsam kamen Alaryah und Jaro aus ihrer leicht hockenden Position, balancierten Kirona dabei sicher und gleichm├Ą├čig. Auch wenn es, aufgrund der unterschiedlichen K├Ârpergr├Â├če der beiden, nicht ganz so leicht war kam Kirona letztendlich doch an die Einkerbung. "Geschafft!", freute sich die junge Frau und ein leises Klacken war zu vernehmen. Dann brummte es laut und ein sanftes Beben war zu sp├╝hren. Eine seltsame Schicht, vielleicht Lehm, Schlacke oder etwas ganz anders, bahnte sich ihren Weg aus Richtung des Erdsteins nach unten. Das Beben wurde St├Ąrker und Alaryah und Jaro hatten enorme Schwierigkeiten Kirona zu halten. Alaryah biss die Z├Ąhne aufeinander und kniff die Augen zusammen. Sie versuchte sich zu konzentrieren, doch gelang es ihr aufgrund des Get├Âses um sie herum nicht. Ihre H├Ąnde wurden schwitzig und schlie├člich rutschte sie ab. Die von den dreien gebildete Pyramide brach in sich zusammen wie ein Kartenhaus und wenige Augenblicke sp├Ąter lagen sie wie ein Kn├Ąul vor dem Eingang der Festung. Alaryah ├Âffnete die Augen. Es war still um sie herum. "Seht.", sagte Kirona leise und entwirrte sich aus dem Gew├╝hl. Auch Jaro erhob sich, half dann Alaryah auf die Beine. Nun sahen sie es. Der gesamte Eingang war mit einer Schicht bedeckt, die Harz oder gar Bernstein glich. Der Stein selbst war verschwunden. "Sonderbar.". Alaryah nahm all ihren Mut zusammen und ber├╝hrte die neu geschaffene Barriere. Kein Lichtschein fiel hindurch. Die Barriere hatte sich wie eine Kralle um den Eingang geschlossen. "Ich glaube...wir sind hier fertig.", h├Ârte Alaryah Kirona von hinten sagen. "Hoffen wir mal, dass es bei den anderen Eing├Ąngen auch so schnell und problemlos geht...", fl├╝sterte Alaryah kaum h├Ârbar vor sich hin.

Jaro Balliv├▓r
Ja... das hoffte Jaro auch. Wenn unter seinen Freunden begraben zu werden, das einzige Risiko darstellte, sollte ihm das Recht sein. "Vor allem m├╝ssen wir die anderen erst einmal finden", seufzte Jaro. Er verstaute das Kartenst├╝ck f├╝r den Erdeingang in seiner Tasche und f├Ącherte die ├╝brigen auf, sodass sie alle sehen konnten. Die Liane war als Indiz f├╝r den Eingang an den Rand der Karten gezeichnet gewesen und die Karte selber hatte nur deren Position grob wiedergegeben. Was, wenn die Verzierungen die eigentliche Information bargen? An den R├Ąndern der Feuerkarte zuckten Blitze hinab, es gab Rauch und Flammen und zwischen allem fanden sich die anderen Elemente, B├Ąume und Lichtstrahlen. Die anderen waren ├Ąhnlich. Wasser zeigte Tropfenmuster und einen sich schl├Ąngelnden Flusslauf, Licht wies Planeten und Licht und Schatten auf und Luft war dominiert von Str├Âmungslinien und Gipfeln. "Lasst uns doch mit dem Offensichtlichsten beginnen", sagte Kirona und Jaro fragte sich, was das sein sollte. "Gibt es hier einen Flusslauf in der N├Ąhe?" Alaryah kniff die Augen ein wenig zusammen. "Das Waldreich wird ├╝berall von Wasserl├Ąufen durchzogen, aber einen gro├čen Fluss gibt es hier nicht." Kirona sch├╝ttelte den Kopf. "Das macht nichts. Ich denke sowieso nicht, dass es ein gro├čes Gew├Ąsser ist. Lasst uns einfach zum n├Ąchstgelegenen Bach gehen und uns dort umsehen. Besser, als hier herzum zu stehen ist das allemal."

Mit einem letzten Blick auf das versiegelte Portal machten sie sich auf den Weg. Alaryah hatte eine Vermutung, in welche Richtung sich die Festungsanlage unterirdisch ungef├Ąhr erstreckte und dieser folgten sie, da dort auch ein mittelgro├čer Bach verlief. Jaro konnte nicht sagen, ob sie mit der Richtung Recht hatte. In dem Augenblick, in dem ihn die Finsternis der Ruine verschlungen hatte, hatte er s├Ąmtliche Orientierung verloren gehabt. Beim Gehen ├╝berpr├╝fte er immer wieder seine Karten. Bereits zuvor hatte er erkannt, dass - wie die Liane - alle Rahmensymbole an einer Stelle in die Karte m├╝ndeten. Im Falle des Fl├╝ssleins wirkte es, als werde es immer d├╝nner, je n├Ąher es der Mitte der Pergaments kam. Vielleicht hatte Kirona Recht und sie waren auf der Suche nach einem kleinen Gew├Ąsser. Das w├╝rde die Suche nicht gerade erleichtern. In der Stille des Waldes begann Jaro trotz allen Schwierigkeiten Gefallen an der Aufgabe zu finden. Bislang waren sie unbehelligt voran gekommen und hatten einen ersten Erfolg erzielt. Gerade als er sich der freudigen Anspannung hingeben wollte, krachte er in Alaryah, die urpl├Âtzlich stehen geblieben war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah zuckte zusammen, Jaro presste ein dumpfes "Uff." zwischen den Lippen hervor. "Das kann ja heiter werden.". Kironas Blick folgte Alaryahs Fingerzeig und auch Jaro schaute nun an der kleinen Albin vorbei. Der Bach wurde nun von mehreren weiteren, kleineren Flussl├Ąufen gespeist, die aus unterschiedlichen Richtungen kamen. Die kleine Albin lie├č entt├Ąuscht die Schultern h├Ąngen. Das w├╝rde nicht einfach werden. "Welchem Flusslauf folgen wir nun am besten?". Ein erster Entschluss war schnell gef├Ąllt und so machten sich die drei wieder auf den Weg. Leider erfolglos. Wieder und wieder liefen Bachl├Ąufe zusammen, teilten sich, versiegten oder endeten in einem kleinen See oder T├╝mpel. Irgendwann hatten sie schlie├člich die Orientierung verloren. Alaryah verfluchte sich. Wie konnte das passieren? Sie? Die Orientierung verloren?! Je weiter sie gingen und je mehr Misserfolge sich abzeichneten, desto gereizter wurde die kleine Albin. Es war ihr unangenehm, war sie doch bisher eine gute F├Ąhrtenleserin gewesen. Sie war eine Waldl├Ąuferin! In ihrem eigenen Wald! Bald schon schwieg Alaryah nur noch, murmelte finster dreinblickend Worte vor sich hin. "...doch nicht sein..." oder "...nicht schon wieder...". "Dort vorn ist auch noch ein...". "ICH WEISS...", unterbrach Alaryah pl├Âtzlich Kirona, die die Albin dann erschrocken und mit aufgerissenen Augen ansah. "Ich weiss, dass dort noch eine weitere Abzweigung ist.", sprach Alaryah weiter, zwang sich selbst zur Gelassenheit. In Gedanken versuchte Alaryah noch einmal den Weg zu verfolgen, den sie bereits gegangen waren. Machte es ├╝berhaupt Sinn diese Route zu nehmen? Aber was sollten sie tun? Die Festung m├╝sste unterirdisch hier verlaufen...oder in der N├Ąhe. Der Bach war der richtige, so viel stand fest. Alaryah lies den Bogen fallen, trat gegen ein am Boden liegendes Steinchen, welches mit leisem "Plupp" im Wasser landete. "Verzeiht.". Diese Gef├╝hle der Wut waren recht neu f├╝r Alaryah. Sie waren ├Ąhnlich wie dieses Feuer das sie empfand, w├Ąhrend sie auf der Jagd oder in K├Ąmpfe verwickelt war. Zus├Ątzlich waren ihr die Gef├╝hle auch noch in Gegenwart ihrer Gef├Ąhrten entglitten. "Wir haben...wir sind hier falsch.". Mit einer Mischung aus Entt├Ąuschung, Wut auf sich selbst und die Situation setzte sich Alaryah auf den Boden und grummelte vor sich hin. "Das war doch v├Âllig umsonst. Wir m├╝ssen vielleicht noch einmal ganz von vorn beginnen.", sprach sie leise in ihren ├ärmel hinein.

Jaro Balliv├▓r
Jaros Abenteuerlust wich Unbehagen, als er Alaryahs Resignation sp├╝rte. Die meiste Zeit verhielt er sich recht still. Wie sollte er auch helfen, wenn selbst die Waldalbin Schwierigkeiten hatte, einen vielversprechenden Weg zu finden? Alles sah gleich aus und nichts deutete darauf hin, dass sich irgendwo unter ihnen eine eingemauerte H├Âlle befand. Als Alaryah sich hinsetzte, wagte Jaro nicht zu fragen, wie weit der n├Ąchste Bach entfernt sei. Stattdessen ging er zum Ufer und starrte in das vorbei pl├Ątschernde Nass, in der Hoffnung es m├Âge ihm sein Geheimnis verraten. Das Wasser war glasklar und k├╝hl. Jaro trank ein paar Schl├╝cke aus der hohlen Hand. Es war k├Âstlich. "Wie das Wasser, dass daheim in den Bergen entspringt", dachte er. Fast im selben Moment durchfuhr ihn ein Geistesblitz und er zog eilig die Karten hervor. Die Linie des angedeuteten Baches f├╝hrte exakt in die Mitte - und die Mitte zeigte neben dem schematischen Wald auch etwas anderes: Stein. Was wenn... "Eine Quelle?", murmelte Jaro. "Der Eingang ist vielleicht die Quelle des Baches." Er war aufgestanden und ging auf Alaryah und Kirona zu. "Vielleicht sind wir ihm einfach noch nicht weit genug gefolgt." Zwar reichte seine Idee nicht, Alaryah die Zuversicht wieder zu geben, doch zum Aufbrechen, um der Sache auf den Grund zu gehen, schon. Wie zuvor war es gar nicht so leicht dem Lauf des Hauptbaches zu folgen, da er sich wand und schl├Ąngelte und ├╝ber alle kleinere Seitenarme abzweigten. Als Jaro schon meinte, es nehme nie ein Ende, erreichten sie einen kleinen Felsvorsprung, aus dem das Wasser etwa auf halber H├Âhe in einem kleinen Wasserfall heraus pl├Ątscherte. Gemeinsam inspizierten sie den Fels, w├╝hlten im Grund des Baches, griffen in die ├ľffnung aus der das Wasser herausscho├č, doch nichts. Hatte er sie auf einen falschen Pfad gef├╝hrt? War der ganze Weg umsonst gewesen? "Aber das Wasser zeigt hier in die Mitte", beharrte er, wie um sich zu verteidigen und hielt die Karte hoch. "Vielleicht", sprang Kirona ein, "ist nicht das Wasser, sondern das Fehlen von Wasser das Indiz... Immerhin mussten wir an der ersten Pforte auch den Bewuchs entfernen..." Mit diesen Worten trat sie wieder an den Austritt heran und hielt ihre H├Ąnde davor. "Helft mir mal", bat sie, da die ├ľffnung zu gro├č war und so legten sie alle drei ihre H├Ąnde auf, bis nur noch ein kleines Rinnsal hervor trat. Ihre Blicke trafen sich. Die Wand war mit glitschigen Algen ├╝berzogen, doch die Symbole waren nicht zu ├╝bersehen. "Das ist es..." fl├╝sterte Jaro. Kirona musste ihre H├Ąnde wegnehmen, um den Wasserstein herauszufischen und kurz verschwand ein Teil der Markierungen wieder unter dem jungen Bach. Der Stein leuchtete hell, dieses Mal war Jaro sich sicher und nach einigem Suchen und etlichen Verrenkungen hatten sie die Kerbe gefunden, die den Stein aufnehmen konnte. "Auf drei... Drei, zwei, eins..." Jaro sah nur noch Wasser. Eine wuchtige Font├Ąne schleuderte ihn gut drei Meter nach hinten, Alaryah und Kirona ebenso. Sie waren klatschnass. Jaro k├Ąmpfte sich auf die Beine. Gott sei Dank war er auf weichem Grund gelandet und auch den anderen schien es gut zu gehen. Dort, wo zuvor ein kleiner Sturzbach aus der Wand getreten war, dr├Âhnte nun ein beachtlicher Wasserfall herunter. Die H├Ąlfte des Felsens war weggerissen worden, sodass es unm├Âglich war, in die N├Ąhe der Quelle zu klettern ohne vom Wasser fort gerissen zu werden. "Nummer zwei", triumphierte Kirona und grinste in die Runde.

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Re: Unter B├Ąumen - Nichts bleibt verborgen

#47

Beitrag von Jaro Balliv├▓r » Do 9. Aug 2018, 08:42

Alaryah Schattenwind
Prustend rappelte sich Alaryah wieder auf. Sie war patschnass. Etwas m├╝hsam wischte sie sich die nun triefenden Haarstr├Ąhnen aus dem Gesicht, von dem blauen Dreieck unter ihrem Auge war nur noch ein unf├Ârmiger Fleck ├╝brig geblieben. "War das wirklich n├Âtig?!", fragte sie in die Runde, ganz so als h├Ątte auch nur irgendjemand von Ihnen Einfluss auf das Geschehene gehabt.
Es dauerte nicht lange, da hatten die drei sich einen Platz gesucht um ihre Kleidung und vor allem sich selbst zu trocknen. Kirona kicherte leise, als Alaryah missmutig ihre Stiefel voller Wasser ausleerte, doch verstummte abrupt als die Blicke der Albin hochschossen. Als Alaryah wieder mit sich selbst besch├Ąftigt war trafen sich die Blicke von Kirona und Jaro, auch er musste sich ein Grinsen verkneifen.

Die Ausr├╝stung war durch den pl├Âtzlichen Wassereinbruch zum Gl├╝ck nicht besch├Ądigt worden, auch die Kartenausschnitte und Pergamente hatten die Feuchtigkeit gut ├╝berstanden.
"Lasst uns schon einmal weiterziehen.", schlug Alaryah vor und warf sich die restlichen, noch etwas klammen Kleidungsst├╝cke ├╝ber die Schulter. Ihre Stiefel in der linken Hand tragend tappte sie etwas umher, genoss das Gef├╝hl von Wiese unter ihren F├╝├čen. "Kommt schon!".
So zogen die drei schlie├člich weiter und suchten den neuen Eingang, der zu verschlie├čen war.

Leider verlief die weitere Suche eher erfolglos. Alaryah las wieder und wieder von ihren Tafeln vor, versuchte Jaros suche per Kartenausschnitt zu unterst├╝tzen. "Das wird doch heute nichts mehr...", grummelte die Albin schlie├člich und sah sich um. Langsam aber sicher wurde es dunkler und schon bald war es Zeit ein Lager aufzuschlagen.
"Meint ihr nicht, dass dort ein guter Platz ist?", fragte Kirona und deutete auf einen flachen H├╝gel, um welchen sich mehrere Kiefern reihten. Die B├Ąume w├╝rden sie verbergen, doch w├╝rden die drei, falls sie Nachtwachen aufstellen wollten, jederzeit das Geschehen um sich herum verfolgen k├Ânnen.
Alaryah z├Âgerte einen Moment. Dann schob sie einen d├╝steren Gedanken beiseite und schaute in die Runde. "Ja, gehen wir!".

Jaro Balliv├▓r
Wie schon nach dem Verschlie├čen der Erdeingangs, war Jaro euphorisch und voll Tatendrang und ebenso ern├╝chternd waren ihre direkt folgenden Bem├╝hungen. Hatten sie einfach Gl├╝ck gehabt? Oder war das Wasser schlicht das einfachste gewesen? Jaro versuchte sich Mut zu machen. Auch diesen Eingang hatten sie nicht gleich entdeckt. Wie lange waren sie den Wasserl├Ąufen gefolgt? Wie verzweifelt waren sie schon gewesen? Nein. Es gab keinen Grund zu resignieren. Wenn sie nur beharrlich blieben, w├╝rde ihnen eine Einzelheit auffallen, ein entscheidendes Detail, das ihre Schritte lenkte. Feuer, Licht und Luft waren noch ├╝brig... Immer wieder hatte Jaro die Karten studiert, aber au├čer, dass sie einen eindeutigen Bezug zu ihrem jeweiligen Element hatten, war ihm nichts aufgefallen. Selbst mit Bezug zu Alaryahs alten Schrifttafeln, waren sie immer nur wieder bei den Elementen selbst gelandet. Und so allumgebend Licht und Luft hier im Wald waren, so rar war das Feuer. Wieder dachte er an den vom Blitz getroffenen Baum. Es war gut m├Âglich, dass es nur Spuren des Elements waren, das sie suchten. Seufzend folgte er Kirona und Alaryah auf den kleinen H├╝gel. Die Dunkelheit verleibte sich den Wald St├╝ck f├╝r St├╝ck ein. Grillen zirbten und die ersten Gl├╝hw├╝rmchen schwebten durch das Unterholz. Jaro fand den Lagerplatz perfekt, obwohl ihm Alaryahs Z├Âgern nicht entgangen war.
"Ist alles in Ordnung?", fragte er, w├Ąhrend sie ihr Gep├Ąck ablegten und die Albin sich daran machte, ein Feuer zu entz├╝nden. F├╝r gew├Âhnlich vermochte Alaryah Hinweise in ihrer Umgebung zu erkennen, die ihm und Kirona unsichtbar blieben. Hatte sie etwas gemerkt? Oder war es der Ort selbst, der ihr Unbehagen bereitete?

Alaryah Schattenwind
"Ich...hmmm...ich bin mir nicht sicher.", gab Alaryah z├Âgerlich zu. In Gedanken vertieft entfachte sie schlie├člich ein Feuer und die Gef├Ąhrten konnten zu Abend essen. Auch Kirona war auf Alaryahs Wachsamkeit aufmerksam geworden, so sprach auch sie die Albin auf ihr Verhalten an. "Diese Gegend hier. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor...und das, obwohl ich selbst noch nicht hier gewesen bin.". Alaryah kramte in den Tiefen ihrer Erinnerungen und Gedanken. Gab es da nicht irgendetwas?
Die drei verfielen in Schweigen, nur das Knistern der Flammen durchtrennte die Stille wieder und wieder. Auch dies bereitete Alaryah in gewisser Weise Unbehagen. Wo waren die n├Ąchtlichen Ger├Ąusche des Waldes? Die Tiere? Der Wind?
Aus den Augenwinkeln konnte Alaryah erkennen, dass Kirona die Augen zufielen und langsam neigte sich ihr Kopf zur Seite. Es raschelte leise, als Kirona sich in eine bequeme Schlafposition begab und schlie├člich war ruhig und leise ihr Atem zu h├Âren.
"Kommt es dir nicht komisch vor?", fragte Alaryah Jaro mit ged├Ąmpfter Stimme. Er war etwas irritiert und so erl├Ąuterte Alaryah ihre Frage etwas. "Nunja, h├Ârst du etwas?". Sie lauschten gemeinsam. Abgesehen von dem Feuer als Ger├Ąuschquell war nun wieder Stille um sie herum. "Sonst treibt sich doch immer etwas im Unterholz herum, oder?". Alaryahs Frage war eigentlich mehr eine Feststellung. Weiterhin gr├╝belnd, ob sich nicht doch noch eine Erinnerungen finden lassen w├╝rde, sa├č die kleine Albin nun da und starrte in die Flammen. Erst Jaros ebenfalls ged├Ąmpfte Stimme riss sie wieder aus ihren ergebnislosen Gedanken.

Jaro Balliv├▓r
Angstrengt lauschte er. "Du hast recht!" Es war tats├Ąchlich so still, dass er sich kaum traute, die Stimme zu heben. Nun, da Alaryah ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, konnte Jaro nicht mehr anders, als nach den ├╝blichen Lauten des Waldes zu forschen. "Vielleicht... vielleicht hat das etwas mit diesem Ort zu tun; mit dieser Festung. Wenn ich eine W├╝hlmaus w├Ąre, w├╝rde ich hier auch nicht leben wollen." Es war aufmunternd gemeint gewesen, doch als er es aussprach, klang es irgendwie kl├Ąglich. "Was, wenn die Tiere das B├Âse dieses Ortes sp├╝ren?", fuhr er fort, um zu zeigen, dass er es ernst meinte und nicht ├╝ber Alaryahs Sorge scherzte. Jaro kannte sich nicht besonders mit Tieren und Pflanzen aus, doch er hatte schon immer das Gef├╝hl gehabt, dass sie ihre Umgebung ganzheitlicher wahrnahmen. Was sollte sonst jegliches Leben von hier vertrieben haben? Der Wald war ├╝ppig und gr├╝n, bot alles, was es brauchte, um f├╝r Lebewesen aller Art zum Heim zu werden. Immerhin die Natur schien dem B├Âsen zu trotzen, das hier geschehen war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah dachte kurz ├╝ber Jaros Worte nach. "Das mag nicht ganz unrichtig sein.", murmelte sie. "Aber bisher war doch immer etwas los, auch in unmittelbarer N├Ąhe der Festung. Sind wir gerade wirklich so nah? Oder direkt dar├╝ber? Das kann ich mir gerade nicht ganz vorstellen.". Man konnte nicht genau sagen, ob Alaryah sich dies einreden wollte, oder ob sie es wirklich ernst meinte.
Wieder passierte ein paar Augenblicke nichts, dann hob Alaryah den Kopf. ├ťber die Flammen hinweg schaute sie Jaro nun direkt an. "Jaro, ich...". Eigentlich hatte sie seinem nun folgenden Blick ausweichen wollen, doch starrte sie Jaro weiterhin fest an. "Ich glaube, ich habe ihn wieder gesehen. Im Wald. Als ich Tinriel gesucht habe. Linor.".

Jaro Balliv├▓r
Nat├╝rlich... Wieder hatte Alaryah Recht. "Hm", machte er und starrte nachdenklich in die Flammen. Hatte es doch etwas mit dem H├╝gel zu tun, auf dem sie sa├čen? Oder waren sie m├Âglicherweise nicht allein? In mitten dieser Gedanken setzte Alaryah an und augenblicklich schlug Jaros Herz fester. Es war die Art wie sie begann und ihn ansah, gepaart mit der merkw├╝rdigen Stille an diesem Ort, die ihm Angst machte. "Linor?", wiederholte er ungl├Ąubig. "Der Musiker?" Alaryah machte nicht den Eindruck, als sei es ein freudiges Wiedersehen gewesen. "Mitten im Wald?" Jaro ertappte sich dabei, wie er seine Gedanken laut aussprach. "Aber was hatte er dort... war er einer der Angreifer?" platzte er schlie├člich hervor. Was, wenn Linor nicht zuf├Ąllig bei diesem Fest gewesen war? Nein. Das war alles viel zu verr├╝ckt. Bestimmt war er nur auf Reisen gewesen; zur n├Ąchsten Stadt, zum n├Ąchsten Auftritt. Bestimmt. Hoffentlich. Doch ein Blick in Alaryahs Augen gen├╝gte, um diese Hoffnung in Luft aufzul├Âsen.

Alaryah Schattenwind
Erst nickte Alaryah nur, dann verzog sie skeptisch den Mund. "Nicht ganz. Also...ich weiss es einfach nicht.". Sie wandte f├╝r ein paar Sekunden den Blick von Jaro ab. "Jemand rettete Tinriel und mich vor einem Angreifer. Ich kann nicht genau sagen, wer es war...aber da waren diese Worte...". Ihr Blick flog zur├╝ck zu Jaro. ""Flieg nur, V├Âgelchen, flieg.".", zitierte Alaryah und kauerte sich bei den Worten zusammen. "Linor hatte es bei dem Fest gesagt.", brummelte sie leise. "Was, wenn er es war? Was hatte er dort zu suchen?".

Jaro Balliv├▓r
Gebannt folgte Jaro Alaryahs Worten. "Das... das hast du ja gar nicht erz├Ąhlt! Ich meine, kein Vorwurf... aber das ist ja furchtbar gruselig. Du hast das die ganze Zeit mit dir herum geschleppt?" Mit einem Stock stocherte Jaro im Boden vor sich herum. "Vielleicht hat jemand diese Worte belauscht... aber wer?" Andererseits, f├╝gte er in Gedanken hinzu, hatte Linor Alaryah gemocht... m├Âglicherweise war er ihr gefolgt, einfach, um sie wiederzusehen und ihr dann zur Rettung geeilt. Das erkl├Ąrte aber nicht, wie ein Musiker in der Lage war, einen Angreifer zu besiegen, mit dem Alaryah alleine scheinbar nicht klar gekommen war. "Sein Gesicht hast du nicht gesehen?", fragte Jaro vorsichtig. Er war neugierig und er wollte Alaryah helfen. Auf der anderen Seite wollte er nicht zu tief bohren, da ihr dieses Thema offensichtlich und nachvollziehbar nicht geheuer war.

Alaryah Schattenwind
"Nicht wirklich.", musste Alaryah leise zugeben. "Ich habe nur diese Worte geh├Ârt und es traf mich wie ein Blitz. Das kann doch kein Zufall gewesen sein?". Ratlos schaute Alaryah nun Jaro zu, wie er weiter mit dem Stock im Boden stocherte und ihn dann in das Feuer hielt. "Es hat sich irgendwie nicht die Gelegenheit ergeben dar├╝ber zu sprechen.", versuchte sich Alaryah zu erkl├Ąren. Ein schlechtes Gewissen kroch in ihr hoch, vielleicht hatte sie mit ihrem Schweigen ja sogar ihre Gef├Ąhrten in Gefahr gebracht? Auch diesen Gedanken teilte sie nun schlie├člich mit Jaro. "Wenn ich eins nicht wollte, dann das.", sagte sie noch. Die M├Âglichkeit, dass Linor ebenfalls hinter ihnen her war, behagte Alaryah ├╝berhaupt nicht. "Jaro, noch etwas...Linor kam uns entgegen. Als wir mit der Familie unterwegs waren. Er h├Ątte eigentlich aus der gleichen Richtung kommen sollen wie wir..."

Jaro Balliv├▓r
Jaro setzte ein aufmunterndes L├Ącheln auf. "Du machst dir zu viele Gedanken, Alaryah. Ich denke nicht, dass die Gefahr f├╝r uns gr├Â├čer war, als wenn wir es gewusst h├Ątten... aber du sollst wissen, dass du immer mit uns reden kannst." Irgendwie fiel es Jaro leichter, in der Merhzahl zu sprechen, als von sich alleine. Trotz allem, was sie bereits gemeinsam erlebt hatten, hatte er seine Sch├╝chternheit nicht komplett ablegen k├Ânnen. "Vor allem, wenn dich etwas bedr├╝ckt." Alaryah war noch immer tief in Gedanken versunken und was sie dann sagte, traf Jaro wie ein Schlag. Er hatte komplett vergessen, dass sie Linor schon zuvor getroffen hatten... geschweige denn, dass ihm aufgefallen w├Ąre, woher der Alb gekommen war. "Das..." Er stockte. "Mir gef├Ąllt das nicht... Meinst du wir werden paranoid? Vielleicht gibt es eine einfach Erkl├Ąrung. Was, wenn er direkt nach dem Fest aufgebrochen ist, um irgendetwas zu erledigen und dann schon wieder auf dem R├╝ckweg war? Ich meine, wir wurden verh├Ârt, wir waren in dieser Festung..." Jaro klammerte sich an diesen Gedanken. "Er h├Ątte genug Zeit gehabt, etwas zu besorgen und wieder zur├╝ck zu kehren... Oder?" Hilfesuchend sah er Alaryah an. "Oder... er hat uns gesucht... aber dann h├Ątte er uns ja nicht einfach weiter fahren lassen. Das macht doch alles keinen Sinn!"

Alaryah Schattenwind
Jaros liebe Worte bauten Alaryah wieder etwas auf. Sie versprach sogar, das n├Ąchste Mal eher mit der Sprache herauszur├╝cken. Dann atmete Alaryah tief durch. "Vielleicht ├╝bertreiben wir gerade einfach etwas...interpretieren zu viel hinein?". Ihre Worte sollten beruhigend wirken, doch irgendwie gelang es Alaryah nicht ihre sonst so selbstsichere Ader hineinflie├čen zu lassen. Gedanken prasselten nun wieder auf sie hernieder, ein Bild eines Linor entstand, der sich mit unnat├╝rlicher Schnelligkeit fortbewegte. Sie sch├╝ttelte den Kopf. "Er h├Ątte uns, Tinriel und mich, einfach t├Âten k├Ânnen.", stellte sie dann fest. "Vorausgesetzt es war tats├Ąchlich Linor.". Nun legt Alaryah einen kleinen Holzscheit nach. Langsam griffen die Flammen um das St├╝ck Holz, es gab einen leisen Knall und mehrere Funken flogen in alle Richtungen davon. "Dieser verdammte Linor. Wie kann er erst so wunderbar und dann doch so...", Alaryah h├Ârte ihre Worte erst, als es zu sp├Ąt war. "Wie kann sich ein Alb nur so ├Ąndern? Vorausgesetzt er war es?", f├╝gte sie hastig hinzu.

Jaro Balliv├▓r
"Aber er hat euch gerettet." Wom├Âglich lag ihm tats├Ąchlich mehr an Alaryah, aber das traute Jaro sich nicht sagen. Die merkw├╝rdige Situation auf dem Fest war noch zu lebhaft in seiner Erinnerung. "Zumindest ist er mehr als blo├č ein Musiker. Mein Gef├╝hl sagt mir, dass er es war." Eigentlich war es Alaryah, die ihm dieses Gef├╝hl gab. "Ich werde auch versuchen wachsam zu sein", versicherte er. "Ich bin zwar kein Waldl├Ąufer, aber meine Augen sind gut." Verlegen grinste er. "Lass uns hoffen, dass er auf unserer Seite ist, falls er uns folgt." Automatisch lauschte Jaro wieder in den Wald hinein, doch das fr├Âhliche Knistern des Feuers war noch immer das einzige, das er h├Âren konnte. Auch die Luft stand noch immer still. Immerhin konnten die ├äste der Kiefern so keine gruseligen Schatten werfen. Auf einmal f├╝hlte Jaro sich gar nicht mehr so selbstsicher, wie er eben gesprochen hatte. Ob er so einschlafen konnte? "Du? Heute hast du niemanden gesehen, oder?", fragte er vorsichtig, um diese Sorge zu bes├Ąnftigen.

Alaryah Schattenwind
"Lass...lass uns vielleicht erst einmal nicht ├╝ber ihn reden.", schlug Alaryah vor. Es war ihr sowieso schon unangenehm gewesen, dass sie einen Anflug von Gef├╝hlen f├╝r den Musiker gehabt hatte. Und Jaro? Ja. Da war auch noch Jaro. Zum Gl├╝ck stellte er ihr eine Frage, sodass Alaryah wieder etwas von ihren Gedanken weg kam.
"Nein, heute nicht, keine Sorge.". Alaryah zwang sich zu einem L├Ącheln. "Wenn wir gemeinsam wachsam sind, dann wird uns wohl nicht so schnell wieder etwas zusto├čen.". Dieses Mal klangen Alaryahs Worte deutlich positiver. Jaro holte erneut Luft, doch Alaryah kam ihm zuvor. "Ja, ich werde das n├Ąchste mal eher mit euch reden.". Nun l├Ąchelte die kleine Albin endlich wieder. Die friedliche Ruhe wurde pl├Âtzlich von einem lauten Knacken zerrissen. Es kam von weiter weg, aus Richtung der B├Ąume im Norden. Dann wieder. Und wieder. Jemand n├Ąherte sich. Oder etwas? Es waren mehr als nur eine Person. Alaryahs Blick raste umher. "Mach das Feuer aus!", zischte sie Jaro zu und hechtete in Richtung ihrer Waffen.

Jaro Balliv├▓r
Erleichtert erwiderte Jaro das L├Ącheln, wenn es auch nur kurz wehrte. Sofort sprang Jaro auf die F├╝├če. Das Feuer... "Womit?", rief er, doch er sah ein, dass er selbst eine L├Âsung finden musste. Alaryah hatte Wichtigeres zu tun. Jaro f├╝rchtete die Hitze. Trotzdem nahm er den Stock, mit dem er herum gespielt hatte und schob die restlichen gr├Â├čeren Scheite zur Seite. Er warf sich auf die Knie und begann Erde in die Glut zu schaufeln. Es half. Ohne gro├č zu rauchen versiegten die letzten Flammen. Hoffentlich waren die Kiefern dicht genug, um das Glimmen der letzten Glutherde in der finsteren Nacht zu verstecken. Alaryah hatte in den Baumreihen Stellung bezogen und sp├Ąhte in die Finsternis. Leise trat Jaro zu ihr. Kirona schlief noch immer tief und fest. Angestrengt kniff Jaro die Augen zusammen und sp├Ąhte in die Richtung der Ger├Ąusche. Es dauerte eine ganze Weile, bis seine Augen sich an die Dunkelheit gew├Âhnt hatten, nachdem er gerade noch in ein Feuer geblickt hatte. Dann aber konnte er dank seines Frostalbischen Erbes Konturen erkennen. Er sah B├Ąume und Str├Ąucher... und Schemen, die sich bewegten. Es waren mehrere. Jaro erkannte mindestens f├╝nf. Sie hielten Gegenst├Ąnde, vermutlich Waffen und sie kamen direkt in ihre Richtung. Die Ger├Ąusche, die sie verursachten, schienen ihnen v├Âllig egal zu sein.

Alaryah Schattenwind
Sie kauerten eine Weile in der Finsternis. Insgeheim hoffte Alaryah, dass die Gestalten weiterziehen m├Âgen...doch sie hielten nur kurz inne um dann direkt auf die beiden Alben zuzugehen. "Wir m├╝ssen zu Kirona.", fl├╝sterte Alaryah und robbte so leise sie konnte zur├╝ck. Jaro folgte, wenn auch etwas unbeholfen. Sie kamen bei Kirona an, weckten sie kaum h├Ârbar und griffen nach ihren Habseligkeiten. "Alaryah...", sagte Kirona pl├Âtzlich und viel zu laut. "Leise!", zischte Alaryah w├╝tend und warf einen Blick ├╝ber die Schulter. Es war zu sp├Ąt. Die Gestalten waren bereits da. Sie hatten scheinbar rasant aufgeholt oder wussten, wo sich die drei Reisenden befanden. Eine Person hatte die Hand auf Kironas Schulter gelegt. Kirona selbst st├╝tzte sich nur schwach mit einem Arm ab. Jaro wurde von zwei weiteren Gestalten in Schach gehalten. Sie alle trugen zerrissenen Roben mit hohen Kragen. Hier und da funkelte ein Helm im schwachen Licht des Mondes. S├Ąmtliche Ausr├╝stung der Gestalten war heruntergekommen und verrostet. Dann pl├Âtzlich stellte sich eine weitere Gestalt vor Alaryah. Starr vor Schreck lie├č die Albin ihren Rucksack zu Boden fallen. Die Person vor ihr zog die Kaputze zur├╝ck. Ein blasser Alb mit str├Ąhnigem Haar kam unter der Kaputze zum Vorschein. In seinen eingefallenen Augen lag nur tiefe Dunkelheit, die Haut selbst wirkte fast wie altes Pergament. Er st├╝tzte sich auf einen Speer, der eine schartige und gebrochene Spitze hatte. "Wasss sucht ihr hieer?", fragte er und beugte sich zu Alaryah hinab. Seine Stimme klang wie das Rascheln von verdorrtem Bl├Ąttern im Wind. Alaryah ├Âffnete den Mund, doch brachte sie keinen Ton heraus. "Wasssss sucht ihr hieeer auf dem H├╝gel der Ahnen?", fragte die Person erneut und kam bis auf einen Fingerbreit an Alaryah heran. Fast ber├╝hrten sich ihre Nasen. Die kleine Albin schluckte. "Wir...wir wollten nur...rasten.". Die Gestalt fuhr zur├╝ck. Es schien, als w├╝rde sie lachen. "Hieer rasssten keine Lebenden.". Dann traf Alaryah die Erkenntnis wie ein Hammerschlag. "Seid...seid ihr es wirklich? Die Totenwache?". Sie bekam keine Antwort. "Ich...ich habe von euch geh├Ârt. Ihr bewacht die Gr├Ąber der Ahnen seit ├äonen. Haben wir etwa...?". Alaryah warf hastige Blicke zu Kirona und Jaro. Sie hatten nicht einfach auf einem H├╝gel gerastet. Sie waren auf einem Friedhof! Sofort schleuderte Alaryah ihre Waffen beiseite und warf sich zu Boden. "Verzeiht unser Vordringen und unser un├╝berlegtes Handeln!". Sie hoffte, dass Kirona und Jaro ebenfalls reagieren w├╝rden. Zeit f├╝r Erkl├Ąrungen w├╝rde es geben, solange sie hier heile aus der Situation rauskommen w├╝rden...
~ Die gr├Â├čte Offenbarung ist die Stille ~

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Alaryah Schattenwind
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#48

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Di 11. Sep 2018, 21:45

Jaro Balliv├▓r
Toten-was? Jaro versuchte die Informationen, die auf ihn einprasselten zu verarbeiten. Das war gar nicht so leicht, wo sein Verstand sich eben noch auf ein Gefecht oder eine Flucht vorbereitet hatte. Erschwerend kam hinzu, dass er kaum den Blick von den Neuank├Âmmlingen nehmen konnte. H├Ątte er es nicht besser gewusst, h├Ątte er sie selbst f├╝r tot gehalten. In all diesem Durcheinander dauerte es einen Moment, bis er reagierte und so war Kirona Alaryah wesentlich schneller auf die Knie gefolgt als er. Angespannt hielt er den Kopf unten. Was hatte das zu bedeuten? Befanden sie sich auf einem Grab? Es mochte den akkuraten Aufbau erkl├Ąren, den Kreis der Kiefern, die den H├╝gel wie ein Schutzwall umgaben...
"Wasss sucht ihr hier?", wiederholte der Anf├╝hrer seine Frage. "Hieer rastet nieeemand. Hieeeer ruht man aaauuf ewig odeeer gar niiicht."
"Verzeiht. Wir m├Âchten die Ahnen nicht bel├Ąstigen."
Jaro bewunderte Alaryah f├╝r ihre Ruhe oder zumindest die F├Ąhigkeit, ihre Stimme ruhig zu halten.
"Neeeein. Dassss wollt ihr nicht. Ich kann es sp├╝reeen."
Erleichterung w├Ąrmte Jaros Innerstes.
"Abeeeer trotzzzdem bringt ihr Gefaaahr. Das B├Âse haftet an eeeuch. Steht auuuf!"
Z├Âgerlich erhob sich Jaro. Die Gruppe der Totenw├Ąchter hatte sich kein St├╝ck bewegt.
"Alsssso: eeein letztes Mal fragee ich eeeuch. Wasss sucht ihr hieeer?"
Gerne h├Ątte Jaro Alaryah die B├╝rde abgenommen und berichtet, doch seine Intuition hielt ihn zur├╝ck. Was, wenn die eigent├╝mlichen Alben nur mit anderen Waldalben sprechen wollten? Was, wenn er zu viel verriet oder im Gegenteil, etwas auslie├č und direkt durchschaut wurde? Somit war es erneut an Alaryah das Sprechen zu ├╝bernehmen und kurz und sachlich schilderte sie ihre Mission - das Verschlie├čen der Eing├Ąnge.
Ein Ruck ging durch die Gruppe der Totenw├Ąchter. Mechanisch wie ein Mann gingen sie in Kampfstellung, die Waffen erhoben.
"Dieeeser Orrrrt wird vom B├Âsssen selbst bewohnt! Die Toten f├╝rrrchten ihn. Die Toten meeeeiden ihn. Und wo Tote niiiicht wandeeeln, habeeen auch die Lebendeeen nichts verlorrren."

Alaryah Schattenwind
Alaryah f├╝rchtete sich. Nur mit dem Aufbringen all ihrer Willenskraft war es ihr m├Âglich in der Situation einen relativ k├╝hlen Kopf zu bewahren. Sie hob die H├Ąnde, wollte damit beruhigend wirken, zeigen, dass von ihr und ihren Gef├Ąhrten keine Gefahr ausging. "Und genau deswegen m├╝ssen wir diesen Ort wieder verstecken, die Eing├Ąnge versiegeln! Niemand soll je wieder dort eindringen, noch aus den dunklen Kellern und Verliesen zu uns empor klettern.". Von den W├Ąchtern kam keinerlei Reaktion zur├╝ck, hier und da wehte nur sanft der Stoff der Roben im sanften Wind. "Wir wollen selbst nicht wieder dort hinunter.". Ein Hauch von Verzweiflung schwang nun in der Stimme der Albin mit. Erneut n├Ąherte sich der Hauptmann der Wache der Albin. "Ihr wisssst nicht, was ihr geweckt habt, dort unten in der Finssssterniss. Welchesss Wissssen ihr freigesetzt haabt. Der Feeeind ist wohl bereitsss auf dem Weeeg. Er wird Tod und Verderben bringen.". Alaryah warf einen Blick ├╝ber die Schulter zu ihren Gef├Ąhrten. Auch in ihren Gesichtern fand sich nur Ratlosigkeit, ja, sogar Hilflosigkeit. "Wir wollen doch nur helfen!", platzte es aus der Albin heraus. "Wir wollen Nativus helfen. Wir sind auf der Suche nach den letzten Eing├Ąngen, niemand wird an dieses Wissen kommen, solange wir die Eing├Ąnge rechtzeitig finden!". Alaryahs Stimme ├╝berschlug sich fast. Sie dachte ├╝ber einen Fluchtversuch nach. Wom├Âglich konnten die W├Ąchter sie nicht bis ├╝ber die Grenzen des Grabh├╝gels verfolgen? Sie verwarf den Gedanken wieder, es w├╝rde nichts bringen. "Wir k├Ânnen das ├ťbel abwenden!", versuchte Alaryah erneut ihre guten Absichten zu erkl├Ąren. Dann kramte sie in ihrer Tasche und holte die Steintafel hervor. "Seht, es ist keine L├╝ge! Ja, das B├Âse mag uns verfolgen und ist uns bereits mehrfach begegnet, doch konnten wir es wieder und wieder zur├╝ckdr├Ąngen! Helft uns, den n├Ąchsten Eingang zu finden oder teilt euer Wissen mit uns! Wir m├Âgen keine Streitmacht haben, noch sind wir die besten K├Ąmpfer des Waldreiches...wir sind nicht einmal von gleichem Blute oder Volk. Aber wir k├Ânnen es schaffen.". Alaryah verstummte, presste die Lippen aufeinander. Rasselnd holte der Hauptmann der Totenwache Luft...zumindest, wenn man es so nennen konnte...

Jaro Balliv├▓r
Alaryahs Worte dr├╝ckten die Verzweiflung aus, die auch Jaro empfand. Es war eine merkw├╝rdige Mischung aus Furcht, Resignation und trauriger Wut dar├╝ber, dass sie st├Ąndig auf neue Hindernisse stie├čen, wo sie doch nichts weiter wollten, als zu helfen. Gespannt hielt er den Atem an.
"Nativussss?" Die Augen des Hauptmannes fixierten die Steintafel. "Ihr sssprecht die Wahrheit", murmelte er mit einem Hauch Erstaunen.
"Ihr kennt Nativus?", wagte sich Kirona hervor und ohne aufzusehen antwortete der W├Ąchter.
"Kannteee. Nativusss issst nicht mehr. Das B├Âssse hat ihn geholt. Er issst schlimmerrr als tot."
"Nein. Er exisitiert noch." Erschrocken stellte Jaro fest, dass er selbst die Worte gesprochen hatte. "D-deshalb m├╝ssen wir ihm helfen. Wir m├╝ssen die Eing├Ąnge zerst├Âren."
"Uunnnd zwei habt ihr schon versssschlossssen."
"Woher...", setzte Kirona an, doch schien sich eines Besseren zu besinnen.
"Du!" Ein d├╝rrer Finger zeigte auf Jaro. "Du bisssst ein Lichtalb. Wieeeeso siehst du den Eingang des Lichtssss dann nicht? Und du", er wies auf Kirona, "Feuer schl├Ąngelt ssssich durch deine Haut und doch bissst du blind daf├╝rrr. Esss steht alles hieeeer." Er wies auf die Steintafel in Alaryahs Hand und verharrte einen Moment. Als er schlie├člich erneut die Stimme erhob, bebte sie vor Zorn.
"Als letztesss Lufffft. Den kennen wirrrr zu gut. Essss ist das H├Âchssste; das Wertvollssste und dasss Heiligste. Und es ist bessschmutzt!" Spucketropfen flogen aus seinem Mund und seine Augen funkelten trotz der D├╝sternis bedrohlich.

Alaryah Schattenwind
"Die...Hohe Wacht.", murmelte Alaryah und ihre Augen wurden gr├Â├čer und gr├Â├čer. Der Blick des Hauptmanns schoss zu Alaryah hin├╝ber. "Ich habe geglaubt es sei nur eine Legende.", fl├╝sterte die kleine Albin schon fast ehrf├╝rchtig. "Und doch isssst es keine.", setzte der Hauptmann fort. "Der Feind hat die Hohe Wacht beschhhhhmutzt. Er hat sssssich dort eingenissstet, ist auf der Suuuuche. Dieees soll euer n├Ąchstes Ziel sein.". "Ein Ort, der eigentlich eine Legende ist? Wie sollen wir DEN finden?!". Alaryahs Blick zu Kirona war vernichtend, die Frau verstummte direkt wieder. Wie konnte sie nur? Die W├Ąchter jedoch gingen nicht weiter auf Kironas Gef├╝hlsausbruch ein. "Nehhmt dieeessss.". Es schien, als w├╝rde der fahle Alb in seinen eigenen Brustkorb greifen. Dann erschien eine Pusteblume in seiner Hand. Diese jedoch war wie aus Glas geformt, fein und ├Ąu├čerst detailliert. Ein schwach pulsierendes Leuchten ging von ihr aus. Mit zittriger Hand nahm Alaryah die gl├Ąserne Blume entgegen, zuckte zusammen, als ihre Finger die d├╝rre Hand des Alben ber├╝hrten. "Dieees wird euch den Weeeg weisen. Doch gebt acht! Isssst diese Blume einmal zerst├Ârt, so werdet ihr den Weg nicht finnnden.". Alaryah wagte kaum, sich die Pusteblume genauer anzusehen. Sie war k├╝hl, jedoch nicht aus Eis. Langsam hob die kleine Waldl├Ąuferin den Kopf. "Danke.", murmelte sie nur. Sie sp├╝rte kein wirkliches Gewicht, versuchte ihre H├Ąnde ruhig zu halten. So behutsam wie nur eben m├Âglich und ├Ąu├čerst langsam drehte sich Alaryah nun von dem Hauptmann weg, wandte sich ihren Gef├Ąhrten zu. "Dann soll Luft unser n├Ąchstes Ziel sein.". "Woooohlan denn.", zischte der Hauptmann und zog wieder die Kaputze auf. "Geht nun.". Die drei Gef├Ąhrten verbeugten sich in der Hoffnung, dass es der Situation angebracht war. "Ssssolltet ihr wiederkehren, ssssso solltet ihr erfolgreich gewesen sein.". Alaryah mochte sich gar nicht ausmalen was wohl passieren k├Ânnte, wenn sie die Blume fallenlassen und um eine neue bitten w├╝rde. Scheinbar hatten sie gerade eine Art Freilos bekommen. Langsam zogen sich die W├Ąchter zur├╝ck, weiterhin den Gef├Ąhrten zugewandt. Zuletzt verschwand der Hauptmann, schien dabei noch etwas zu fl├╝stern. Kirona nickte nur. Sie hatte verstanden.

Jaro Balliv├▓r
Hoch und Luft, das brachte Jaro noch zusammen, ansonsten verstand er nicht viel mehr, als dass sie einen weiteren unauffindbaren Ort finden mussten. Immerhin schien Alaryah ihn zu kennen, zumindest dessen Namen. Alles andere lie├č Jaros Gedanken wirr zirkulieren. Was hatte seine Herkunft mit dem Eingang in eine versunkene Festung mitten im Wald zu tun? Und Feuer auf Kironas Haut? Etwa die T├Ątowierungen? Vor lauter R├Ątseln rauchte Jaro der Kopf. Eins nach dem anderen, sagte er sich, gerade als der Hauptmann einen Gegenstand hervor holte. Gebannt betrachtete Jaro das zerbrechliche Kunstwerk. Glas. Lange hatte er kein Glas mehr gesehen. Behutsam nahm Alaryah die Blume entgegen. Immerhin hatten sie nun wieder ein Ziel und wenn Jaro ganz ehrlich war, war er froh, die Totenw├Ąchter wieder los zu sein. Ihre Gegenwart schauderte ihm und st├Ąndig beschlich ihn das Gef├╝hl, sie k├Ânnten seine Gedanken lesen.
Sein Blick fuhr zu Kirona, doch bevor er die Frage stellen konnte, sah er in ihren Augen, dass sie ihm keine Antwort geben w├╝rde. Was auch immer der Hauptmann ihr vermittelt hatte, war f├╝r sie allein bestimmt. F├╝r den Moment zumindest.

Gemeinsam mit Kirona verr├Ąumte Jaro ihre wenigen Habe und b├╝ckte sich nach Alaryahs Waffen. Er z├Âgerte.
"Darf ich?"
Alaryah musste schmunzeln und das war Jaro Antwort genug. Er nahm ihre Dolche an sich und schn├╝rte ihr B├╝ndel an seines. Die Waldalbin trug an der Blume Last genug, wenn auch nicht in Form von Gewicht.
"Und nun?", fragte Kirona. "Wo lang?"
Alle starrten sie gespannt auf das gl├Ąserne Kunstwerk.

Alaryah Schattenwind
Bald hatten sie ihr Gep├Ąck verstaut. Alaryah vertraute ihre Waffen und die sonstige Ausr├╝stung Jaro an, auch wenn sie sich irgendwie nicht komplett f├╝hlte. Nat├╝rlich w├╝rde Jaro gut auf ihre Habe achtgeben, doch was, wenn sie einer Bedrohung gegen├╝berstehen w├╝rden? Doch f├╝r solcherlei Gedanken war gerade nicht der richtige Zeitpunkt!
Langsam drehte sich Alaryah auf der Stelle, beobachtete genau die Blume. Dann ging sie ein paar Schritte, blieb stehen, drehte sich erneut um. Das ganze ging noch ein paar Minuten so weiter, dann schienen die drei ein Muster zu erkennen. Je nach Marschrichtung schien das Licht in der Blume selbst etwas schneller zu pulsieren. "Ich denke, dass wir erst einmal in diese Richtung gehen m├╝ssen.". Sie machten sich auf den Weg. Immer dann, wenn das Licht schw├Ącher wurde hielten die Gef├Ąhrten inne und tasteten sich in eine andere Richtung weiter vor. "Was mag das nur f├╝r ein Gegenstand sein?", fragte Kirona schlie├člich. Alaryah dachte ├╝ber diese Frage lange nach. Sie hatte schon von Wegesteinen geh├Ârt, einer Art Kompass, doch dass diese Steine in Form von gl├Ąsernen Blumen auftauchten, das war ihr neu. "Scheinbar ist es ein Artefakt aus l├Ąngst vergangenen Tagen.", brummelte Alaryah und war selbst nicht mit dieser Erkl├Ąrung zufrieden. "Wie mag wohl der Hauptmann an diesen Gegenstand gekommen sein?", fragte sie dann. "Ob er selbst einmal in der Festung gedient hat? Vielleicht ist es ein Schl├╝ssel und er kann oder m├Âchte ihn nicht mehr besitzen oder benutzen?". Gedanklich war Alaryah nun abgelenkt, was direkt bestraft wurde. Sie stolperte ├╝ber eine Wurzel. "NEIN!", schrie sie erschrocken und raste dem Waldboden entgegen. Der Aufprall lie├č die kleine Albin laut aufst├Âhnen und dann lag sie regungslos mehrere Sekunden einfach dort am Boden. Alaryah hatte die Augen fest zusammengekniffen, ihr Kiefer schmerzte schon fast vor lauter Druck. Langsam ├Âffnete die Albin zuerst ihr linkes, dann das rechte Auge. Sie lag am Boden, kerzengerade ausgestreckt, die Arme weit vor sich haltend. Dort lag sie. Die Blume. Unversehrt auf ihren Handfl├Ąchen. "Puuuuuuuuh....". Erleichtert lie├č die Albin den Kopf sinken, sodass ihr Gesicht den Boden ber├╝hrte. "Nichts passiert.". Zum Gl├╝ck. Sie mussten schon jetzt wachsamer und vorsichtiger sein, so viel stand fest.

Jaro Balliv├▓r
Jaro hielt den Atem an. Dann, als feststand, dass sowohl Alaryah als auch die Blume den Sturz ├╝berstanden hatten, konnte er nicht umhin zu lachen. "Deine Haltung war super! Wie hast du es nur geschafft, die Blume zu sichern?" Auch Kironas Gesicht zierte ein Grinsen. Einen derart kerzengeraden Sturz hatte Jaro noch nie gesehen.
"Ein dunkler Wald voller Stolperfallen ist auch kein Ort f├╝r eine gl├Ąserne Blume", sagte er, als sie weiter gingen.
"Ich denke, es ist genau der richtige Ort." Kirona ging ein St├╝ck neben ihm und untersuchte den Untergrund bei jedem Schritt. "├ťberlege doch. Wann sieht man Licht am besten? Und wann kann es einen am besten leiten?"
"Wenn es dunkel ist."
"Genau. Dunkelheit ist nichts anderes als das Fehlen von Licht. Ich habe schon zuvor dar├╝ber nachgedacht, ob die Gegens├Ątze die L├Âsung sind. Erinnerst du dich an das Kartenst├╝ck?"
"Ja." Der Rand war wie bei allen anderen mit Symbolen verziert, doch nun, mit einem anderen Blickwinkel, fiel Jaro ein kleiner Unterschied auf. Er brauchte es nicht einmal herauszuholen: bei den ├╝brigen waren die Symbole mit dunklen Linien auf hellem Grund gezogen. Bei der Karte zum Element des Lichts waren sie im Negativ gezeichnet. Sie bildeten sich durch helle Fl├Ąchen auf dunklem Hintergrund.
"Hei├čt das, wir m├╝ssen den Eingang bei Dunkelheit finden?"
"Gut m├Âglich." Alaryahs Blick wanderte zwischen dem pulsierenden Wegweise in ihrer Hand und dem dunklen Waldboden hin und her. "Genauso gut kann es aber das erste oder das letzte Licht des Tages sein. Oder das zur Mittagsstunde..."
"Ein Gl├╝ck haben wir die Blume..." Er hielt inne. Erst meinte er, seine Augen t├Ąuschten ihn, doch es war eindeutig. "Sie wird heller", fl├╝sterte er.

Alaryah Schattenwind
Ganz so witzig fand Alaryah die Situation nicht. Es h├Ątte so einiges passieren k├Ânnen, was, wenn die Blume verloren gegangen w├Ąre?! Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
Gemeinsam r├Ątselten sie weiter, bis Jaro schlie├člich zuerst auffiel, dass die Blume heller wurde. Er sollte Recht behalten. "Wir sind auf dem richtigen Weg.".
Langsam aber sicher bahnte sich die kleine Reisegruppe ihren Weg durch den Wald und das Unterholz. Der n├Ąchste Tag brach an, dies war deutlich anhand der Morgend├Ąmmerung zu erkennen. Trotz des Zwielichts konnten sie gut sehen, da die Blume den Weg erhellte. "Das sieht doch gut aus!", freute sich Kirona, als die Blume erneut heller leuchtete.
Pl├Âtzlich blieb Alaryah stehen. "Wartet.", sagte sie trocken und wandte den Kopf ab. Sie hatte die Augen geschlossen und lauschte. Dort in der Ferne, da war doch etwas. "Wir m├╝ssen vorsichtig sein.", mahnte sie. Mit nun deutlich verlangsamten Schritten ging es weiter. Alaryah versuchte nun das immer st├Ąrker scheinende Licht mit den H├Ąnden etwas abzuschirmen, doch gelang dies erst mit Hilfe ihrer Gef├Ąhrten und einer dicken Wolldecke. Sie wollten einfach keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Blume wies ihnen den Weg, es ging h├Âher und h├Âher, die Steigung nahm zu. Irgendwann wurde jeder Schritt schwerer und die Muskeln in den Beinen der drei Gef├Ąhrten protestierten bald. Der Weg war m├╝hsam und st├Ąndig mussten sie Hindernissen ausweichen. Und dann waren da auch noch diese Ger├Ąusche in der Ferne. Was hatte der W├Ąchter noch gesagt? Der Feind habe sich eingenistet? Alaryah vermisste schon fast das Gewicht ihrer Waffen am G├╝rtel.
Dann endlich erreichten sie das Ende der Bergkuppe. Alte Mauern erhoben sich pl├Âtzlich im d├╝steren Licht der Morgensonne vor ihnen, doch war deutlich das Moos und das Efeu zu erkennen. Die Natur holte sich wieder, was ihr vor langer Zeit genommen worden war. Alte Wehranlagen waren schaurige schatten und ein einzelner Turm ragte hinter der nicht gerade hohen Mauer empor. Die drei hielten inne. "Was zum...". Alaryah erschrak. Eine Windb├Âe schwappte wie eine Welle ├╝ber sie hinweg, riss dabei die Samen der Pusteblume mit sich. Das gl├Ąserne Kunstwerk flackerte und dann erlosch das Licht. "Bitte nicht...", fl├╝sterte Alaryah und ein leises klirren war zu h├Âren, als die Pusteblume in den H├Ąnden der kleinen Albin zu einem Haufen Glassplitter zerfiel. Noch bevor einer der Gef├Ąhrten etwas sagen konnte, h├Ârten sie Stimmen. Jaro deutete auf die Spitze des Turms. Jemand hatte dort ein Feuer entz├╝ndet!

Jaro Balliv├▓r
Augenblicklich hielt Jaro den Atem an, ganz, als h├Ątte das kollektive Luftholen nach dem langen Aufstieg den Windhauch bewirkt.
"Wir m├╝ssen am Ziel sein, oder? Bestimmt h├Ątte die Blume uns sonst nicht verlassen. Noch dazu durch Wind..." Er h├Ârte den eigenen Wunsch aus seinen gefl├╝sterten Worten heraus. Sofort reichte er Alaryah ihre Waffen.
"Was nun?", sagte Kirona leise. "Es ist unm├Âglich zu sagen, wie viele da oben sind. Besser sie bemerken uns nicht."
"Seht doch!" Der Splitterhaufen zu Alaryahs F├╝├čen versickerte langsam aber sicher im Boden und augenblicklich schossen neue Pusteblumen in die H├Âhe, dieses Mal nicht aus Glas. Wie sie ihre H├Âhe erreicht hatten, wurden sie von einer neuen Windb├Âe erfasst, die ihre Samen davon trug. Die Gef├Ąhrten blickten sich an und marschierten in blindem Einverst├Ąndnis hinterher. Ein St├╝ck weiter, n├Ąher an der Mauer, rieselten die Flugk├Ârper zu Boden und verschwanden im Gras. Die Reste der gl├Ąsernen Blume glitzerten dazwischen.
"Sie landen nicht einfach irgendwie", stellte Alaryah fest. "Sie bilden ein Muster." Sie hatte Recht. Aus einem bestimmten Winkel betrachtet, reihten sie sich stromlinienf├Ârmig ein, wie ein Symbol f├╝r Wind. Sie wiesen auf die Mauer. Kirona, Alaryah und Jaro begannen, die Wand mit Augen und H├Ąnden abzusuchen, kratzten hier und da Moos ab, und klopften pr├╝fend gegen den Stein.
"Sch!", machte Alaryah pl├Âtzlich. Jaro presste sich gegen die Mauer. Nun konnte er es auch h├Âren. Schritte. Jemand patroullierte die andere Seite. Jaro wagte kaum zu atmen. Er machte sich so klein wie m├Âglich und hoffte die Mauer m├Âge ihn ausreichend verdecken. Die Schritte verstummten, direkt hinter ihm. Flehentlich schloss Jaro die Augen. Nach schier endlosem Bangen, setzte der Mann sich wieder in Bewegung, weg von Jaros Versteck. Er ├Âffnete die Augen. "Das war knapp", sagte sein Blick.

Alaryah Schattenwind
Langsam l├Âste sich die Anspannung auch aus Alaryahs K├Ârper. Sie lockerte den Griff um den einen Langdolch, w├Ąre sie doch bereit gewesen den bis dato unbekannten Feind anzugreifen w├Ąre er Jaro zu nahe gekommen. Vorsichtig lugte die Albin nun ├╝ber die Mauer. Ein Mann, gekleidet in einen Plattenrock, schlurfte von dannen. Er hatte einen Speer geschultert und sein Helm blitzte im Schein der Fackel, die er in der anderen Hand trug. Lange w├╝rde er die Fackel wohl nicht mehr tragen, war doch das erste Licht des Tages nicht mehr fern. Alaryah duckte sich wieder hinter der Mauer ab, lehnte sich nun mit dem R├╝cken dagegen. Kirona tastete bald schon weiter die Mauer ab, doch Alaryah sch├╝ttelte bald den Kopf. "Wir sind hier nicht richtig. Dies hier kann nicht der Eingang sein. Es ist nur eine Mauer."., stellte sie fest. "Ich bef├╝rchte fast, dass unser Ziel dort oben ist.". Sie nickte Knapp in Richtung Turmspitze. "Wenn dies der Eingang des Lichts oder des Windes ist, dann k├Ânnen wir von dort aus bestimmt unser Ziel sehen.". Alaryah lie├č ihrn Gedanken freien Lauf, jedoch immer darauf bedacht die Stimme gesenkt und ged├Ąmpft zu halten. "Ich folge dem W├Ąchter, wartet hier einen Moment.".
Wie ein Schatten huschte Alaryah schlie├člich die Mauer entlang, krabbelte eine Bresche empor und verschwand auf der anderen Seite. Bald schon hatte sie den W├Ąchter, der gerade seine Runde beendete, eingeholt. Der Mann kam tats├Ąchlich am Fu├če des Turms an, schaute sich dann mehrmals um. Er klopfte an die mit Eisen beschlagene T├╝r, Alaryah versuchte sich das Muster zu merken, leider erfolglos. Ein leicht geb├╝ckt stehender Kerl mit Lederkappe und Streitkoblen am G├╝rtel ├Âffnete, die beiden M├Ąnner sprachen miteinander und verschwanden schlie├člich beide im Inneren. Erst jetzt fiel der Albin das Wappen an der T├╝r auf, auf dem ein Symbol eingelassen zu sein schien. Alaryah wollte gerade n├Ąher rangehen, da bemerkte sie eine weitere Gruppe Personen von Rechts kommend. Es waren M├Ąnner und Frauen, alle unter Waffen. Sie trugen Holzscheite, verteilten sich um den Turm herum und entz├╝ndeten Feuerk├Ârbe. Hier und da begannen die Leute ein karges Fr├╝hst├╝ck ├╝ber den Feuern zuzubereiten, andere plauderten in einer schweren, rauen Sprache miteinander und wieder andere machten sich auf den Weg zu einem weiteren Rundgang die Mauer entlang. Langsam aber sicher kroch Alaryah wieder zur├╝ck in den Schatten, huschte dann zu ihren Gef├Ąhrten.
"Es sieht wie folgt aus.", erkl├Ąrte die Albin leise und zog mit einem kleinen Stock Kreise und Linien in den Boden. "Hier ist der Turm...hier sind Feuerk├Ârbe...die Posten befinden sich hier, hier und hier. Wir m├╝ssen irgendwie dort hinein...". Nachdenklich dr├╝ckte Alaryah den Stock auf die Stelle, die den Turm darstellen sollte.

Jaro Balliv├▓r
Es blieb Jaro nichts ├╝brig, als sich ruhig zu verhalten. Dabei entging ihm nicht, dass Kirona ihre ├ärmel nach oben schob und leise vor sich hin murmelnd ihre T├Ątowierungen untersuchte. Vor ein paar Wochen noch w├Ąre Jaro misstrauisch geworden, doch nach all den Erlebnissen sagte ihm sein Gef├╝hl, dass Kirona lediglich an einer L├Âsung ihrer Aufgabe arbeitete. Sobald sie es f├╝r richtig erachtete, w├╝rde sie ihn und Alaryah einweihen. Seltsam war das schon. Vermutlich hatte er nie eine weniger vertrauensw├╝rdige Person als Kirona gekannt und doch war sie - nach Goldanil und Alaryah - die dritte Person au├čerhalb seiner Familie, der er vertraute. Und genau diese Art Zutrauen lie├č ihn auch ruhig abwarten, bis Alaryah von ihrer Streife zur├╝ck war.
Der Turm... es w├Ąre auch zu sch├Ân gewesen, wenn sie das Portal im Schutz der Mauer gefunden h├Ątten. Seufzend blickte Jaro auf die Glassplitter im Gras, die in der heller werdenden Morgensonne nur noch mehr glitzerten. Sie wiesen ebenso sehr auf die Mauer wie auf den Turm.
"Wenn wir die Posten leise ausschalten k├Ânnen, k├Ânnten wir in den Turm gelangen bevor uns jemand bemerkt", sagte Kirona. "Wenn sie aber Alarm schlagen, war es das."
"Haben wir denn eine andere Wahl?" Jaro sah von Kirona zu Alaryah.
"Ich k├Ânnte sie t├Ąuschen. Ich bin kein Alb. Sie werden neugierig sein, wer ich bin. Und wenn sie... wenn sie zu ihm geh├Âren... werden sie mich bestimmt einlassen."
Jaro war alles andere als begeistert von Kironas Vorschlag. Und ihrem Gesichtsausdruck zu Folge, f├╝hlte sie sich selbst auch alles andere als wohl dabei.

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