Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W√§hrend die Urv√∂lker auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb√ľnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
Das Herzland
Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
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Jaro Ballivòr
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Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei√üige Feder in Bronze Schl√ľsselloch

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#41

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » So 29. Apr 2018, 17:31

Jaro Ballivòr
Schweigend verfolgten Jaro und Kirona die Diskussion. Er war froh, dass die Albin das Wort ergriffen hatte, nachdem die Situation zusehends merkw√ľrdiger und be√§ngstigender geworden war. Woher sie all diesen Mut und das Gesp√ľr nahm... Die Anspannung war greifbar und Jaro ertappte sich dabei, wie er bereits abw√§gte, vom Wagen zu springen. Wie musste er landen, um sich nicht die Kn√∂chel zu verstauchen? W√ľrde Foranir oder Morond hinterher eilen? Und Kirona? War sie schon wieder stark genug? Er schluckte schwer und sah zu ihr hin√ľber, doch Kirona verfolgte aufmerksam das Gespr√§ch. Dann - endlich - lenkte Sinyah ein. Es war wie ein kollektives Ausatmen. Kirona stand auf und ging zu der Mutter hin√ľber, legte ihr den Arm auf den R√ľcken und strich dar√ľber. Trotzdem entging ihr nicht, welch neue Wandlung die kleine Tinriel nahm, ebenso wenig Alaryahs Warnung, denn sie nickte knapp und auch Jaro sah es ein: irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
"Na, na, mein Schatz", sagte Morond wieder viel sanfter. "Mama geht es gut und niemand verl√§sst uns einfach, nicht wahr?" Er l√§chelte die drei an, doch Jaro erinnerte es eher an Z√§hne fletschen. "Au√üerdem sind wir schon fast da..." Sein Arm wies in Fahrtrichtung und unwillk√ľrlich folgte ihm Jaro mit den Augen, obwohl er nicht wusste, wonach er eigentlich Ausschau halten sollte. "Es ist alles gut, seht ihr?", fuhr Morond derweil unbeirrt fort. "Wir haben euch hierher gebracht, wie verspr-" Der Einschlag eines Pfeils in den Wagen unterbrach ihn. "Runter", br√ľllte Alaryah unmittelbar bevor ein zweiter Pfeil √ľber sie hinweg surrte, ein dritter sich neben dem ersten tief ins Holz bohrte.

Alaryah Schattenwind
Hastig tastete Alaryah nach ihren Waffen, endlich bekam sie den Umh√§ngegurt ihres K√∂chers zu packen. Sie zog daran, doch hatte sich der Bogen irgendwo verkeilt. "Verdammt.", zischte sie und riss fester daran. Irgendetwas knackte und der verklemmte K√∂cher l√∂ste sich ruckartig. Alaryah fiel nach hinten √ľber, der K√∂cher raste √ľber sie hinweg und hinterlie√ü einen Schweif aus herausfallenden Pfeilen. So gut es ging rollte die Albin auf den Bauch, sah den Bogen dort am Ende des Karren liegen. Wieder flog ein Geschoss √ľber sie hinweg, dann zischte auch schon wieder eins aus der anderen Richtung vorbei. "Unten bleiben!", rief Alaryah ihren Gef√§hrten zu, die ebenfalls auf dem Boden des Karren umherkrochen. Dann robbte Alaryah in Richtung Bogen, bekam ihre Waffen endlich in die Hand. Ein Blick √ľber die Schulter verriet ihr, dass sowohl Morond, als auf Foranir nicht mehr auf dem Bock des Karren sa√üen. Hatte man sie niedergeschossen? Unm√∂glich, man h√§tte Schreie h√∂ren m√ľssen. Keine Zeit daf√ľr. Alaryah wagte einen hastigen Blick √ľber die Bande des Karren hinweg. Gerade rechtzeitig zog sie den Kopf wieder ein, denn ein Pfeil h√§mmerte knapp unter der Kante in die Bande. "Kannst du etwas erkennen?!", fragte Jaro mit zitternder Stimme und zuckte bei jedem Einschlag zusammen. Seine Augen schienen feucht. "Wie viele sind es?", wollte Kirona wissen. Sinyah hatte Tinriel fest an sich gedr√ľckt, nachdem diese von Alaryahs Scho√ü gekullert war. Alaryah packte Jaro am Kragen und zog ihn ganz nah an sich heran. Sie erkannte deutlich einen Anflug von Panik in seinen Augen, begegnete ihm mit purer Entschlossenheit. "Wir werden hier nicht einfach von Pfeilen durchbohrt.", sagte sie ernst. "Wir werden aus dieser ganzen Sache rauskommen, wie auch aus den anderen davor. Ich lenke sie ab, versuch du an die Z√ľgel zu kommen. Bringt sie hier raus.". Alaryah nickte in Richtung Sinyah und Tinriel, die die beiden nun mit gro√üen Augen ansahen. "Fahrt mit dem Karren so weit fort von hier wie ihr k√∂nnt, folgt der Stra√üe. Ich werde euch finden.".
Ohne auf eine Antwort zu warten rollte sich Alaryah von dem Karren hinab. Sie verschwand f√ľr wenige Sekunden aus Jaros Blickfeld und pl√∂tzlich trat Stille ein. Zu Jaros Erleichterung erhob sich Alaryah wieder, riss den Bogen hoch und der erste Pfeil l√∂ste sich von der Sehne. Die Albin hatte einfach in die Richtung geschossen, aus der sie meinte den letzten Pfeil kommen gesehen zu haben. Dann raste ihr Kopf herum, erneut trafen sich ihre Blicke mit denen von Jaro. "Los doch!", rief sie und legte neu auf. Dann spurtete die kleine Albin los. Auch wenn Jaro und Kirona sie nicht sehen konnten, so h√∂rten sie deutlich die einschlagenden Pfeile und konnten somit ihre Laufrichtung erahnen. Zwischendurch zischte jedoch auch immer wieder der Bogen der Albin. Wie lange mochten die Pfeile, die sie aus dem Karren hastig aufgegriffen hatte, noch reichen? Irgendwann wurden die Einschl√§ge an den W√§nden des Karrens weniger, doch nicht wirklich ungef√§hrlicher...

Jaro Ballivòr
Wie vom Donner ger√ľhrt sa√ü Jaro da, wie Alaryah ihn zur√ľck gelassen hatte. Unterdessen war Kirona auf die Beine gesprungen und ging geduckt nach vorne. Der Karren holperte und schwankte. Die Tiere waren vermutlich in Panik und es war unm√∂glich zu sagen, ob Morond und Foranir noch auf dem Bock sa√üen oder ob die Z√ľgel ohne F√ľhrung waren. "Tu was!", dr√§ngte Jaro sich selbst. Sinyah hatte sich, die kleine Tinriel in den Armen, auf den Boden sinken lassen. Bogensehnen surrten und ein Schrei ert√∂nte - Oril sein Dank der Schrei eines Mannes... Dann kam pl√∂tzlich L√§rm vom vorderen Teil des Wagens. Es klang wie ein Handgemenge, doch gesprochen wurde nicht. Die Fahrt wurde unruhiger und Jaro wurde gegen die Wagenseite geworfen. Der Karren schwankte bedrohlich, dann schrie jemand, Foranir, wenn Jaro nicht irrte, und pl√∂tzlich sah er Kirona vom Karren springen. Sie war sofort aus seinem Blickfeld. "Jaro! Pass auf!", rief Sinyah. Es war gerade rechtzeitig. Der Karren schlingerte und kippte letztlich und Jaro warf sich in letzter Sekunde auf den Boden, um nicht hinausgeschleudert zu werden. Laut scheppernd schlugen das Gef√§hrt auf dem Boden auf und rutschte noch eine Weile. Die Hufschl√§ge entfernten sich. Offenbar hatten die Pferde sich losgerissen. Jaro st√∂hnte auf. Er war hart mit der H√ľfte aufgekommen, doch ansonsten schien alles in Ordnung zu sein. "Sinyah? Tinriel?" rief er in die Staubwolke hinein. "Jaro?" Sinyahs Hand tastete den Boden entlang auf ihn zu. "Alles in Ordnung?", fragte sie. "Wir m√ľssen hier weg, schnell!" Noch immer unf√§hig selber eine Entscheidung zu treffen, nickte Jaro nur und rappelte sich gemeinsam mit der Frau auf. Mehrere Pfeile schlugen in den gekippten Karren ein, w√§hrend sie geduckt in das sch√ľtzende Unterholz hetzten. Sie k√§mpften sich einige Meter in den Wald und blieben dann v√∂llig au√üer Atem stehen. Jaro hatte die Orientierung verloren, wo Kirona und Alaryah waren konnte er unm√∂glichlich sagen. Er hielt inne, seine Augen weiteten sich. "Wo ist Tinriel?" Sein Herz klopfte. Wie hatte Sinyah das nicht bemerken k√∂nnen?

Alaryah Schattenwind
Wieder und wieder schlugen Geschosse um sie herum ein. Alaryah rollte sich √ľber die Schulter ab, schoss erneut dahin, wo sie einen Sch√ľtzen meinte entdeckt zu haben. Es war keine Zeit die Sinne zu sch√§rfen, also musste sie sich auf ihren Instinkt und ihre Erfahrung verlassen. Dann passierte es pl√∂tzlich. Eine unfassbare Wucht riss die Albin herum und ihre linke Schulter f√ľhlte sich unnat√ľrlich warm an. Ungl√§ubig schaute die Albin auf einen Pfeilschaft, der aus ihrem Oberarm ragte. Sie versuchte den linken Arm zu heben, doch gelang es ihr eher mittelpr√§chtig. Keine Zeit. Reflexartig warf sich die Albin auf zur Seite, als ein weiterer Pfeil sein Ziel verfehlte. "Das wirst du b√ľ√üen!", fauchte Alaryah, lie√ü Bogen und K√∂cher fallen und st√ľrmte in Richtung Unterholz. Unterwegs brach sie den Pfeilschaft ab, lie√ü die Spitze jedoch stecken. Dann wurde die Albin von den √Ąsten einens Geb√ľsches umarmt.

Sie wartete dort, bleib im Verborgenen. Der Karren war losgepoltert, was Alaryah zumindest etwas beruhigte. Doch war dies nur ein kurzer Moment, denn pl√∂tzlich krachte es laut gar nicht so weit entfernt. "Oh nein.", hauchte Alaryah und f√ľrchtete, dass ihre Gef√§hrten nun endg√ľltig erledigt waren. Dann knackte es hinter ihr. Kaum merklich zuckte die Albin zusammen, zog leise einen Langdolch. Sie sah deutlich den Schatten, der auf das Geb√ľsch in dem sie sich verbarg herabfiel. Eine Person stand hinter ihr und brummte irgendetwas. Alaryah lie√ü ihre Tarnung fallen, drehte sich um sich selbst und h√§mmerte den Dolch nach vorn. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, als sie in die leeren Augen eins anderen Alben sah. Es war ein Mann mittleren Alters, der mit Pfeil und Bogen und einem schartigen Schwert bewaffnet war. Der Mann r√∂chelte und spuckte Blut, Alaryah drehte die Klinge in seinem Hals und machte ihm ein schnelles Ende. "Alben?!", fl√ľsterte sie ungl√§ubig und untersuchte die Leiche. Er war blass, doch seine Augen und Ohren waren unnat√ľrlich dunkel. Ein weiterer Alb griff Alaryah an. Er stach mit einem Speer nach ihr, doch konnte sie seinen Angriffen ausweichen. Alaryah bekam den Speer zu packen und lenkte ihn von sich ab, sodass der Angreifer in den Boden stach. Alaryah wusste, dass sie schon fast gewonnen hatte wenn sie nur an der Speerspitze vorbei war.

"Alaryah!". Was? Konnte das...? Alaryah war sich nicht sicher. "Alaryaaaah!!". "Tinriel.". Alaryah st√ľrmte los, √ľberlie√ü den sterbenden Speetr√§ger seinem Schicksal. "Tinriel!", rief sie. "Alaryah hilf mir!". Die Stimme des kleinen Albenm√§dchens war panisch. "Ich bin gleich bei dir!", gab Alaryah zur√ľck, nun s√§mtliche Vorsicht fallenlassend...Dann endlich entdeckte Alaryah Tinriels Haarschopf in der N√§he eines umgest√ľrzten Baumes. Ihre Blicke rasten umher. War das Kind wirklich ganz allein?

Jaro Ballivòr
"Wo ist Tinriel?", wiederholte Jaro und sah Sinyah eindringlich an. Fast meinte er, einen fragenden Ausdruck √ľber ihr Gesicht huschen zu sehen. "Eben war sie noch bei uns! Auf dem Karren!" Er konnte es nicht fassen. Wie konnte die Albin ihre eigene Tochter einfach vergessen? "Ich... ich wei√ü es nicht", stammelte diese nun. Ihre Augen bewegten sich hektisch von Seite zu Seite, w√§hrend sie nachdachte. "Wir m√ľssen sie suchen." Endlich fiel die Starre von Jaro ab. Nicht auszumalen, was der Kleinen alles zusto√üen konnte. "Wir m√ľssen zur√ľck." "Nein!" Sinyah packte Jaros Arm mit eisernem Griff. Ungl√§ubig starrte er sie an. "Es ist deine Tochter." Verzweiflung schwang in seiner Stimme mit. "Ich sagte nein." Die Augen der Frau waren eiskalt. "Wenn wir gehen, sterben wir." "Und wenn nicht, stirbt vielleicht Tinriel!" Er w√ľrde nicht so schnell aufgeben. "Sinyah! Das muss dir doch klar sein." Mit gro√üen Augen starrte die Albin ihn an. Ihr Mund √∂ffnete sich ein St√ľck, dann blinzelte sie mehrere Male. "Jaro?" Ihre Stimme war pl√∂tzlich leise und d√ľnn. "Was ist los?" "Was?" Fassungslos zog Jaro die Augenbrauen zusammen. "Ich sagte, wenn wir gehen, sterben wir." Die K√§lte war in ihre Augen zur√ľckgekehrt. Einen Augenblick sahen sie sich einfach nur an, dann versuchte Jaro sich loszurei√üen. Erst z√∂gerlich, dann mit zunehmender Vehemenz, w√§hrend Sinyah ihn mit unfassbarer Kraft festhielt. "Lass mich los!", rief Jaro, der es langsam aber sicher mit der Angst zu tun bekam.

Alaryah Schattenwind
"Tinriel ich bin hier!". Das M√§dchen reagierte nicht. Sie stand einfach nur so da, neben dem Baumstamm, mit dem R√ľcken Alaryah zugewandt. "Tinriel wir m√ľssen hier weg. Ganz, ganz schnell.", erkl√§rte Alaryah nun wieder mit ged√§mpfter Stimme und sah sich um. Niemand schien in der N√§he. Das war gut und schlecht zugleich. Zum einen war kein Feind zu sehen, jedoch fehlte auch jede Spur ihrer Gef√§hrten. "Tinriel, komm.", fl√ľsterte Alaryah und ging auf das M√§dchen zu. Als die Albin das Kind ber√ľhrte drehte es sich langsam um. "Da bist du ja.", stellte Tinriel fest und langsam kippte ihr Kopf in Richtung rechter Schulter. "Wir haben gewusst, dass du uns finden wirst.". Alaryah schreckte zur√ľck. "Tinriel...was...was zum...". Wie in Zeitlupe lie√ü Tinriel ihre Puppe, die Alaryah vorher gar nicht bemerkt hatte, fallen. Dann reckte das Albenkind Alaryah langsam die Arme entgegen. "Jetzt wo du hier bist...bring uns weg von hier.". Alaryah schluckte einen Klos in ihrem Hals hinunter. "Tinriel, was ist mit dir passiert?", fragte sie leise und machte einen weiteren Schritt zur√ľck, als das Kind mit ausgestreckten Armen auf sie zu kam. "Du musst mich zu meiner Mama zur√ľckbringen.", sagte Tinriel und klang dabei so unschuldig und hilflos. "Tinriel bleib stehen.", mahnte Alaryah, weiterhin in R√ľckw√§rtsbewegung. "Wir werden deine Familie finden und alles wird wieder gut werden.". "Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben.", sagte Tinriel und verzog das Gesicht. Tats√§chlich blieb sie stehen und wirkte traurig. "Du willst mir gar nicht helfen, oder?". "Sag doch sowas nicht!". Alaryah war sich nicht sicher, was gerade um sie herum passierte. Was war nur mit der kleinen Tinriel los?
Dann sp√ľrte Alaryah Widerstand hinter sich. Sie tastete nach hinten. Es war zu ihrem Erschrecken weder Baum noch Fels, es war eine Person! Alaryah drehte den Kopf. Ein gro√üer und breit gebauter Alb schaute auf sie mit leeren Augen hinab. Rasend schnell n√§herte sich eine Faust und wenige Augenblicke sp√§ter fand sich Alaryah auf dem Boden liegend wieder. Tinriel stand direkt neben ihr und der gro√ü gewachsene Alb zog einen gezackten Dolch. Wei√üe Sterne tanzten hell in Alaryahs Blickfeld umher und sie war nicht in der Lage den kommenden Angriff zu sehen.

Jaro Ballivòr
Jaro stoppte seine Bem√ľhungen, um nach kurzer Atempause nur noch heftiger gegen ihren Griff anzuk√§mpfen. Mit der freien Hand schlug er ihr gegen Arm. Anfangs hatte er noch Hemmungen, doch schnell siegte die Furcht und er schlug fester und fester zu, bis Sinyah endlich loslie√ü. Durch die pl√∂tzliche Befreiung st√ľrzte Jaro nach hinten und ehe er sich berappelt hatte, fand er die Frau √ľber sich. Ihre Gesicht war ausdruckslos, doch er wusste trotzdem genau, was sie wollte, erkannte es in diesem Augenblick. Sie w√ľrde ihn t√∂ten. "Alaryah! Kirona!" Er rief so laut er konnte, bevor sich Sinyahs H√§nde um seinen Hals schlossen und zudr√ľckten. Vergeblich k√§mpfte er gegen sie an. Sie hatte eine unglaubliche Kraft. Verzweifelt versuchte Jaro Luft zu schnappen, doch es war hoffnungslos. Das letzte, das er sehen w√ľrde, waren die kalten Augen einer Frau, die er eigentlich gemocht hatte. "Jaro?" Kironas Stimme ert√∂nte. "Jaro!" Die Frau st√ľrzte sich auf Sinyah und stie√ü sie von Jaro herunter, der gierig nach Luft schnappte. M√ľhsam rappelte er sich auf die Beine. Kirona schlug Sinyah hart ins Gesicht. Ihr eigenes war blutverschmiert, wie auch der Gro√üteil ihrer Kleidung. "Du musst hier weg, Jaro", sagte sie ruhig. "Schnell." Hier sprach die Killerin zu ihm, die perfekte Waffe, doch sie war nicht sein Feind. "Wo ist Alaryah?", fragte er. "Was ist geschehen?" "Keine Zeit jetzt. Geh!" Kironas Stimme war bestimmt. Im Hintergrund sah Jaro eine Bewegung und Morond und Foranir sch√§lten sich aus dem Geb√ľsch. Beide waren √ľbel zugerichtet. "Da ist sie ja!", knurrte Foranir und Kirona sprang auf die Beine. "Habt ihr noch nicht genug?" "Freu dich nicht zu fr√ľh." Ein fieses Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Jungen auf und fast im selben Moment traten drei weitere M√§nner hervor. Kirona straffte die Schultern und nickte, als best√§tigte sie sich selbst einen Gedanken. "Jaro, du musst jetzt gehen. Tu was ich sage. Ich wei√ü nicht, was gleich passiert" Die Beherrschtheit in ihrer Stimme erschrak Jaro. Das war keine Bitte, das war ein Befehel und was blieb ihm schon anderes √ľbrig? Nach einem letzten Blick in die Runde drehte Jaro um und rannte fort, versuchte vergeblich die Ger√§usche der ersten Gefechte zu ignorieren. Dann passierte pl√∂tzlich etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Die Welt verlor f√ľr einen kurzen Augenblick ihre Richtung. Es zog Jaro die F√ľ√üe weg und eine Druckwelle fegte √ľber seinen Kopf, gefolgt von einem roten Licht und einem schmerzhaften Dr√∂hnen. Reflexartig hielt er sich die Ohren zu und kniff die Augen zusammen. Er traute sich nicht, sich zu r√ľhren.

Alaryah Schattenwind
Dumpf grollend hob der Angreifer seine Waffe. Alaryah lag nur da, außer Stande sich zur Wehr zu setzen. "Tinriel.", hauchte sie noch und versuchte das Albenkind zu fassen zu kriegen. Wie ein toter Fisch fiel Alaryahs noch intakter Arm auf den weichen Waldboden, kraft- und nutzlos.
Dann pl√∂tzlich gab es einen Knall. Wie das H√§mmern aus tausenden Schmieden brandete eine Welle aus L√§rm durch den Wald, riss kleine √Ąste und Bl√§tter mit sich und wirbelte Erde auf. Hier und da bildete sich Glut an den Enden von √Ąsten und Bl√§ttern, doch bleib sie nicht lang und schon bald suchten viele d√ľnne Rauchschwaden ihren Weg gen Himmel. Dieser Moment war majest√§tisch und grausam zugleich. Alaryah traute sich nicht sich zu bewegen. Entweder w√ľrde sie in die Augen eines Mannes sehen, der sie t√∂ten w√ľrde oder etwas viel schlimmeres erblicken?
Es war eher ein Zwischending. Als Alaryah wieder wagte zu blinzeln sah sie immer noch den Angreifer vor sich, jedoch war da noch jemand. Langsam kl√§rte sich ihr Blickfeld. Eine Gestalt hatte den Alben zur√ľckgehalten. Es rauschte einmal laut, dann waren Alaryahs Sinne wieder einigerma√üen im Normalzustand. Sie sch√ľttelte den Kopf, als wolle sie eine Fliege vertreiben und dann erkannte sie es. Dieser Jemand hatte sie gerettet? Wer es auch war, die Person hatte sich in eine Robe gekleidet und eine Maske verbarg das Gesicht. Keuchend ging ihr Angreifer zu Boden, w√§hrend ein Schwall Blut seine Kehle verlie√ü wie Wasser einen Springbrunnen. "Sorgt Euch nicht.", sagte eine dumpfe Stimme und lie√ü von dem Alben ab. Dieser sackte nun leblos zusammen und verteilte r√∂chelnd viele Spritzer Blut auf dem sonst so gr√ľnen Waldboden. Alaryah versuchte aufzustehen, jedoch schaffte sie es nur auf alle viere. Dann sah sie Tinriel unweit von sich im Gras liegen. "Nein.", fl√ľsterte Alaryah und krabbelte in Richtung Albenkind. Dort angekommen tastete sie Tinriel ab. Tats√§chlich sp√ľrte Alaryah noch einen Puls. Tinriel war noch am Leben! Behutsam hob Alaryah das kleine M√§dchen auf und stemmte sich mit letzter Kraft nach oben. Auf wackeligen Beinen stehend hob sie nun dem mit Dreck und Blut verschmierten Kopf in Richtung berobter Gestalt, ihr zerzaustes Haar wehte dabei sanft im Wind. "Ihr solltet nun besser gehen.", sagte die Person und Alaryah nickte. Stolpernd setzte sie sich in Bewegung, wollte Tinriel nur noch von diesem Ort wegbringen. Dann pl√∂tzlich blieb Alaryah stehen. "Ich...ich danke Euch f√ľr die Rettung.", sagte sie leise. Erst jetzt sp√ľrte die Albin den Schmerz, der sich in ihrer verwundeten Schulter breitmachte. Trotz allem hielt sie Tinriel sicher und fest in ihrem Arm. Sie w√ľrde sie retten. "Lauft nun.", sagte die Gestalt. "Geht zur√ľck zu Euren Gef√§hrten.". "Ich h√§tte tot sein k√∂nnen?!", sagte Alaryah und war etwas verwundert, dass ihre Rettung und der zugegeben schwache Dank so leicht abgetan wurde. "Du kannst es immer noch werden.", sagte die Gestalt. Alaryah wollte etwas erwidern, doch Tinriel √∂ffnete nun flackernd die Augen. "Geht nun, bevor doch noch alles anders wird.". Die Person hob langsam das von Blut triefende Messer, mit dem das Leben des Alben beendet worden war. Dann deutete die Gestalt mit der Klinge auf Alaryah, die sich nun endlich in Bewegung setzte. "Ich wollte dir nichts tun!", h√∂rte sie die Stimme der Person hinter sich. "Lauf zu deinen Freunden.". Die Stimme entfernte sich. "Flieg nur, V√∂gelchen, flieg!". Wie von Blitzen aus tausend Gewittern getroffen blieb Alaryah in der Dunkelheit des Waldes stehen. Sie hatte die Augen weit aufgerissen, den Mund vor Schreck aufgerissen. "Was?", hauchte sie, doch da war nichts. Ihr Herz raste und sie war kurz davor einfach zusammenzubrechen. Diese Worte. Es war, als gl√ľhe ein Eisenbarren in ihren Gedanken. War es wirklich m√∂glich? "Das kann doch nicht...". Alaryah drehte sich um, fiel dabei fast hin. "Linor?", fragte sie kaum h√∂rber. Dann sp√ľrte die Albin pl√∂tzlich, dass ihr jemand an den Haaren zog. Es war Tinriel, die weiterhin von Alaryah im Arm gehalten wurde. "Alaryah.", sagte das Kind. "Ich...ich will...Wo ist Mama? Ich will zu meiner Mama!". Alaryah wusste weder ein noch aus. Sie w√§re am liebsten der Gestalt nachgerannt, doch konnte sie Tinriel unm√∂glich allein zur√ľcklassen. "Wo ist sie? Wo ist Mama?!", rief Tinriel und begann bitterlich zu weinen. Dicke Tr√§nen kullerten die Wangen des kleinen M√§dchens hinab und Alaryah rannte los. Die Gestalt...Linor...w√ľrde sie bestimmt wiederfinden...
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#42

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Mo 11. Jun 2018, 07:48

Jaro Ballivòr
"Jaro" Eine Stimme fand den Weg in Jaros Geist. Hatte er das Bewusstsein verloren? "Jaro" Es klingelte in seinen Ohren, ihm schwindelte und einen Augenblick lang wusste er nicht, wo er sich befand. Seine Finger tasteten auf den Boden neben ihm und da fiel es ihm wieder ein. Er war im Wald, es hatte K√§mpfe gegeben und dann war irgendetwas geschehen... ein lauter Knall und dann? "Jaro, wach auf." Die Stimme war nun ganz nah. Er sp√ľrte eine Hand auf seiner Brust. "Kirona?", kr√§chzte er. "Ja, ich bin es", erwiderte die Frau und Jaro wagte endlich die Augen zu √∂ffnen. Ihr Anblick erschreckte ihn. Ihre Kleidung hing in Fetzen, sie blutete √ľber dem Auge und aus einem fiesen Schnitt an ihrer Wange und ihre Haare waren stellenweise versengt. "Was", setzte er an, doch sie winkte ab. "Sp√§ter. Wir m√ľssen Alaryah finden. Kannst du aufstehen?" Jaro nickte. Zwar schmerzte ihn jede Sehne seines K√∂rpers, doch unglaublicherweise schien er nicht ernster verletzt. Er wusste nicht, was ihn mehr erstaunte, seine Unversehrtheit oder die k√ľhle Gefasstheit, mit der ihm Kirona begegnete. "Kirona, Vorsicht!" Voller Schreck erkannte Jaro Foranir und Morond hinter ihr, doch sie sch√ľttelte den Kopf. "Alles gut. Sie sind nicht unser Feind. Ich erkl√§re es euch sp√§ter." Trotzdem be√§ugte Jaro die beiden Alben misstrauisch, als er sich schlussendlich auf die Beine k√§mpfte. Sie sahen fast noch schlimmer aus, als Kirona. "Hier entlang." Ohne zu z√∂gern ging Kirona in eine Richtung und Jaro, Foranir und Morond blieb nichts, als ihr zu folgen.

Alaryah Schattenwind
Die Z√§hne fest aufeinandergebissen spurtete Alaryah durch den Wald, direkt in die Richtung, in der sie ihre Gef√§hrten und Tinriels Familie in etwa vermutete. Tinriel weinte immer noch und es mochte Alaryah nicht gelingen das kleine M√§dchen zu beruhigen. Wie auch? Sie konnte sich gerade nicht einmal selbst wirklich beruhigen?! Zu allem √úberfluss machten sich nun auch die Strapazen der letzten Ereignisse bei Alaryah bemerkbar. Erst war es ihr ein leichtes gewesen die kleine Tinriel zu tragen, doch mit jedem Schritt schien sie schwerer zu werden. Ab und an musste Alaryah sogar aufpassen, dass sie nicht nach vorn √ľberkippte oder auch nur ins Stolpern geriet. Wieder und wieder warf sie einen Blick hinter sich, doch da war niemand, nur d√ľsterer Walt. Die Spuren der Explosion wurden nun deutlicher und Alaryah war sich sicher, dass dies nicht lange unbemerkt bleiben w√ľrde. Schon bald w√ľrde man bestimmt die ersten Waldl√§ufer aussenden, wenn diese nicht schon unterwegs waren. Es w√ľrde einige Zeit dauern, bis sich der Wald an diese Stelle wieder komplett erholen w√ľrde. Doch daran durfte Alaryah nun nicht denken! "Rei√ü dich zusammen.", mahnte sich die Albin in Gedanken und fokussierte sich wieder auf den vor ihr liegenden Weg. Da hinten! Hatte sie dort nicht gerade Sinyah gesehen? Tats√§chlich! "Sinyah!", rief Alaryah so laut sie konnte. Erst beim dritten Ruf trafen sich endlich ihre Blicke. Doch dann erinnerte sich Alaryah pl√∂tzlich an den Moment mit Tinriel im Wald zur√ľck und blieb abrupt stehen. Bevor sie jedoch weiter reagieren konnte, stand Sinyah bereits vor ihr. "Tinriel! Oh, meine kleine Tinriel!". "Mamaaa!". Sinyah nahm Alaryah die kleine ab und umarmte sie so fest, als wolle sie sie nie wieder loslassen. Sinyah war √ľbergl√ľcklich und konnte Alaryah gar nicht genug danken, dass sie ihre kleine Tochter gerettet hatte. Nun musste auch Alaryah eine kleine Tr√§ne verdr√ľcken. "Wir sollten die anderen suchen.", meinte Alaryah schlie√ülich und Sinyah nickte. Mit Tinriel auf dem Arm folgte die Albenfrau nun Alaryah, erkundigte sich immer wieder nach dem Wohlergehen der beiden. "Mir geht es gut.", brachte Alaryah wieder und wieder hervor, doch es war ihr deutlich anzusehen, dass es nicht so war. Die Albin war am Ende. Reflexartig wandte sich Alaryah pl√∂tzlich nach links und ihr Blick raste eine kleine Anh√∂he hinauf. "Sieh doch.", sagte sie erleichtert zu Sinyah und die Anspannung fiel wieder etwas von ihr ab. "Da sind die anderen.". Tats√§chlich waren dort Kirona und Jaro, ebenso Morond und Foranir. Kurze Zeit sp√§ter hatte sich die kleine Gruppe endlich wiedergefunden. W√§hrend Alaryah ihre Gef√§hrten herzlich umarmte blieb sie bei den anderen doch etwas distanzierter. "Kirona...geht es dir wirklich gut?", fragte Alaryah lieber noch einmal nach, nachdem sie Jaro durch das Haar gewuschelt hatte. Kirona nickte und rang sich ein schwaches L√§cheln ab. "Jaro, ist mit dir auch alles in Ordnung?". Als Alaryah das Familiengl√ľck unweit entfernt beobachtete wurde ihr Herz noch schwerer. Sie war schon oft von Zuhause weg gewesen, doch nach all den Erlebnissen...Die Albin versuchte sich abzulenken und begann die Schnittwunden ihrer Gef√§hrten zu heilen.

Jaro Ballivòr
"Mir fehlt nichts", murmelte Jaro, lie√ü jedoch zu, dass Alaryah seine Blessuren versorgte. Auch Kirona lie√ü sich ansehen, sog dann aber zischend Luft ein. "Alaryah... ich wei√ü nicht, ob du es bemerkt hast, aber dir steckt ein Pfeil im Arm." Trotz der Umst√§nde mussten sie alle schmunzeln. Zugleich konnte Jaro nicht umhin, die Waldalbin zu bewundern. Sie musste h√∂llische Schmerzen leiden, doch es war ihr ein Drang, zuerst ihre Freunde zu umsorgen. Man k√∂nne hier und jetzt sowieso nichts dagegen tun. "Du hast Recht", sagte Kirona nun ernster. "Ohne richtige Arznei w√ľrde sich die Wunde furchtbar entz√ľnden. Es ist besser, der Pfeil bleibt vorerst drin. Nur nicht zu lange..." Sorgenfalten zierten ihre Stirn und Jaro teilte ihre Gef√ľhle. Sie mussten baldm√∂glichst zu einem Heiler. Alaryah winkte ab, auch wenn sie etwas blass aussah. Zuerst sagte sie, wolle sie wissen, was passiert sei. Kirona blickte kurz zu der kleinen Familie, r√§usperte sich und begann dann leise zu sprechen. "Ich hatte die Bef√ľrchtung schon l√§nger, doch ich war mir nicht sicher, wollte es vielleicht auch einfach nicht wahrhaben..." Kurz wirkte ihr Blick entr√ľckt und als sie fortfuhr, war es nur mehr ein Fl√ľstern. "Jemand ist in ihren Geist eingedrungen." Sie nickte in Richtung des Gr√ľppchens. "Sie wurden manipuliert. Ihr glasiger, starrer Blick, die Stimmungswechsel, die belegten Stimmen... ich h√§tte es mir denken k√∂nnen. Aber es wurde mir erst im Gerangel mit Foranir klar. Er k√§mpfte nicht wie ein Junge. Er k√§mpfte wie ein wildes Tier... Ich war gezwungen ihnen richtig weh zu tun, um zu entkommen, doch sie verfolgten mich, lie√üen nicht locker..." Etwas Flehendes lag in Kironas Blick, als suche sie nach Vergebung, nach Best√§tigung, dass sie richtig gehandelt hatte. Alaryah legte ihr den gesunden Arm auf die Schulter. "Schon gut." Kirona nickte, sich besinnend. "Ich fand Jaro... Sinyah war dabei ihn zu erw√ľrgen und dann tauchten die beiden wieder auf, mit Verst√§rkung im Schlepptau. Was dann geschah, kann ich kaum in Worte fassen. Der Stein aus der Ruine regte sich. Es war, als spr√§che er in meinem Geist. Wobei...", sie hielt kurz inne und suchte nach Worten. "Es waren keine Worte. Ich wusste einfach was zu tun war. Mit letzter Kraft √ľbermannte ich Foranir und Morond, stie√ü sie ins Geb√ľsch, um sie vor dem zu bewahren was dann passierte. Als ich mich umdrehte, war Sinyah fort... keine Ahnung wohin. Es war auch keine Zeit, das zu √ľberpr√ľfen. Ich wusste, mir w√ľrde nichts geschehen und musste hoffen, dass sie und Jaro weit genug entfernt, dass Foranir und Morond gesch√ľtzt genug waren. Dann habe ich den Stein aktiviert. Fragt mich nicht wie. Alles, was ich f√ľhlte, war Hitze. Es gab einen lauten Knall und alles um mich herum wurde von einer Druckwelle ersch√ľttert. Das war's. Ich suchte Jaro. Foranir und Morond fanden mich. Und nun sind wir hier." Sie zuckte mit den Schultern und endete. Alaryahs Gesichtsausdruck war von bitterer Erkenntnis gezeichnet. "Es ist schlimmer als bef√ľrchtet. Hier ist ein sehr m√§chtiger Feind am Werk. Wir m√ľssen herausfinden, was er sucht... Weswegen eine unbedeutende Familie benutzen? Warum...", Mit einem Keuchen unterbrach sie sich. Sie hatte sich zu den anderen umdrehen wollen und dabei wohl den Schmerz in ihrem Arm erneut entfacht. Wie in Zeitlupe sah Jaro Alaryah taumeln, ehe sie bewusstlos niederging. Allein Kironas schneller Reaktion war es zu verdanken, dass sie nicht hart auf dem Boden aufschlug. Jaro wollte in die Hocke gehen, um zu helfen, als er kaltes Metall an seiner Kehle sp√ľrte. "Keine Bewegung."

Alaryah Schattenwind
Er war so schnell er konnte mit seiner Schar durch den Wald geeilt. Sie hatten sich leise fortbewegt, teilweise durch die Baumkronen, teilweise am Boden. Dann endlich waren sie auf weitere Personen gesto√üen, unweit von dem Ort entfernt, wo der f√ľrchterliche L√§rm zuvor hergekommen sein mochte. Deutlich konnte der Anf√ľhrer der Schar die Waldl√§uferin erkennen, die fast leblos in den Armen einer t√§towierten Frau hing. Wie angewurzelt stand eine kleine Familie unweit der Frau, ein weiterer Alb wollte sich der Waldl√§uferin n√§hern. Der Anf√ľhrer gab Handzeichen, seine Schar reagierte, kreiste die Gruppe nach und nach ein, blieb dabei im Verborgenen. Mehrere Haken schlagend n√§herte sich der Mann von hinten dem jungen Alben, zog dabei leise sein Schwert...

Alle schienen einen Moment lang wie versteinert. "Was war das gerade f√ľr ein Knall? Wer seid ihr?", verlangte der Alb zu wissen, der wie aus dem Nichts bei Jaro aufgetaucht war. Hier und da traten weitere Waldl√§ufer aus ihrer Deckung hervor, jederzeit zu einem Angriff bereit. "Wir...also...". Jaro hob beschwichtigend die H√§nde. "Wir sind Reisende.", begann Kirona, die dem vernichtenden Blick des Soldaten gerade noch so standhalten konnte. "Jemand hat uns angegriffen!", platzte es pl√∂tzlich aus Morond heraus, der sich vor seine Familie stellte. "Seht doch dort hinten, da liegt unser Karren!". Er wedelte mit den Armen und deutete auf die Stelle. Zwei Waldl√§ufer verschwanden wieder im Unterholz. "Die k√∂nnen immer noch hier in der N√§he sein!", mischte sich nun auch Foranir ein. Der Blick des Anf√ľhrers wanderte durch die Gesichter der Anwesenden. "Was, wenn noch weitere Reisende hier auf dem Weg √ľberfallen werden? So etwas hat es doch noch nie gegeben!". Sinyah brachte nun auch ein paar Worte hervor, war dabei erneut den Tr√§nen nahe. Tinriel wandte sich ab, klammerte sich noch fester an ihre Mutter. Die zwei Waldl√§ufer kehrten zur√ľck und einer fl√ľsterte dem Anf√ľhrer etwas zu. "Und diese Angreifer...wer waren sie? Konntet ihr jemanden oder etwas erkennen? Sind sie Schuld an...dem hier?". Er deutete auf eine Stelle, an der die Reste eines versengten Geb√ľsches traurig auf Halbmast hingen. Unsicher wechselten alle ein paar schnelle Blicke, dann fassten sich Kirona und Jaro schlie√ülich ein Herz und berichteten von dem Angriff der Bogensch√ľtzen und einer Explosion. Sie bogen sich die Wahrheit etwas zurecht, doch wollten sie gerade niemandem wirklich trauen. Morond wollte etwas klarstellen, doch r√§usperte sich nur, als Foranir ihm einen leichten Sto√ü mit dem Ellenbogen versetzte. "...und nun wissen wir nicht, in welche Richtung sie gelaufen sind.", schloss Kirona ihren Bericht ab. Die Augen des Anf√ľhrers verengten sich. Er schien ihnen nicht alles zu glauben, doch sprachen der Zustand der Gruppe, der Karren und die Pfeile B√§nde. Er beschloss erst einmal die Gegend weiter abzusuchen und den Weg zu sichern. "Falls es n√∂tig sein sollte, dass Ihr eure Beobachtungen und Erlebnisse erneut bezeugt, so werden wir euch finden.", versprach der Anf√ľhrer und zog das Schwert mit leisem Zischen von Jaros Hals weg. Dieser atmete erst einmal tief durch. "Nun zieht eurer Wege.". Mit knappem Nicken setzte sich der Waldl√§ufer wieder in Bewegung. "Halt!", protestierte Kirona, die immer noch Alaryah festhielt und machte einen halbherzigen Schritt zur Seite. Sie h√§tte sich dem Alben niemals wirklich in den Weg stellen k√∂nnen, doch blieb dieser mit vor Erstaunen hochgezogener Augenbraue stehen. "Ist euch doch noch etwas eingefallen was ich wissen sollte?", fragte er und musterte Kirona absch√§tzend. Diese presste die Lippen aufeinander. "Ihr m√ľsst uns helfen.", brachte sie grimmig hervor. "Alaryah ist verletzt. Sie braucht Medizin. sie ist eine Waldl√§uferin, genau wie ihr. Sie hat uns gef√ľhrt, begleitet und besch√ľtzt. Wir k√∂nnen nichts tun, aber in euren Reihen muss doch jemand sein, der helfen kann.". Schwach keimte Verzweifelung in ihrer Stimme auf. "Nun...". Der Alb kam n√§her und betrachtete Alaryahs Wunde, untersuchte sie oberfl√§chlich. "Melrodan! Hierher!". Ein Alb mit gr√ľner Kaputze, braunem Schal und Umh√§ngetasche eilte heran. "Seht was ihr tun k√∂nnt, schlie√üt dann zu uns auf.". Der Soldat salutierte. "Auf bald.". brummte der Anf√ľhrer knapp in die Runde und rauschte davon, seine Schar folgte. Melrodan legte Alaryah neben dem Weg auf den weichen Waldboden, hatte inzwischen schon eine genaue Diagnose im Kopf und murmelte unverst√§ndlich Worte vor sich hin. "Hier, das sollte helfen.", sagte er schlie√ülich mit einer Stimme, die erstaunlich jung klang. Eine kleine Phiole wechselte den Besitzer. "Ich werde den Pfeil nun entfernen, stillt hiermit die Blutung und dann bindet ihr den Arm an dieser Stelle ab.". Er gab noch ein paar Anweisungen, die die Gef√§hrten durchaus in der Lage waren umzusetzen und verschwand dann ebenfalls. Als Kirona Alaryah den Inhalt der Phiole eingefl√∂√üt hatte kam diese langsam wieder zu sich.
Sie blickte schon bald in die erleichterten Gesichter ihrer Gefährten und der Familie. "Wa...was ist passiert?", fragte sie leise und gemeinsam brachten sie die kleine Albin wieder auf den aktuellen Stand der Dinge. Dann waren sie sich alle einig: Sie sollten nicht weiter hier verweilen.

Jaro Ballivòr
Nach dem anf√§nglichen Schock war Jaro froh, dass die Waldl√§ufer gekommen waren. Sie w√ľrden m√∂gliche weitere Angreifer zur Strecke bringen oder in Gewahrsam nehmen und sich des verwundeten Waldst√ľcks annehmen, vielleicht Naturmagier oder Schamanen herbei ordern. All das gab ihnen die M√∂glichkeit in Ruhe dar√ľber nachzudenken, was zu tun sei. Eines war klar: sie mussten sich unbedingt von der Familie trennen. Aus einem Grund, den sie noch nicht sicher benennen konnten, waren sie ins Visir des Feindes geraten. Sie brachten die Alben in Gefahr, wenn sie bei ihnen blieben. Mit durchwachsenen Gef√ľhlen gingen sie auf Morond und die seinen zu, um ihnen dies mitzuteilen. Der Alb verstand sofort und nickte grimmig. "Es braucht euch nicht leid zu tun", sagte er. "Immerhin habt ihr uns letztlich das Leben gerettet." Als Jaro etwas die Schultern h√§ngen lie√ü, da er den Verdienst einzig bei seinen beiden Begleiterinnen sah, schien Sinyah dies zu bemerken. "Ihr alle." Sie l√§chelte. "Es tut mir furchtbar leid, dass ich dich angegriffen habe", f√ľgte sie an Jaro gewandt zu. "Ach das... es war nicht deine Schuld", sagte er unbeholfen. Tinriel schluchzte herzergreifend auf und st√ľrmte auf Alaryah zu, umklammerte ihr Bein. Es folgte ein Abschied, der so manche Tr√§ne hervorrief. Alaryah w√ľnschte Foranir viel Erfolg bei seinen weiteren Versuchen, ein Waldl√§ufer zu werden und versicherte ihm nochmals, dass sie ein gutes Wort einlegen w√ľrde. Der Junge entschuldigte sich hingegen bei allen dreien f√ľr sein r√ľdes Verhalten zu Anfang. Schlie√ülich, als es keinen ersichtlichen Grund mehr gab zu verweilen, alles gesagt und getan war, hob Morond die kleine Tinriel auf die Schulter und die junge Familie ging ihres Weges, gezeichnet und ersch√ľttert, doch auch im Zusammenhalt gest√§rkt. Jaro war das Herz schwer und er sp√ľrte, dass es Kirona und vor allem Alaryah auch so erging. "Wieder zu dritt", murmelte er. "Was sollen wir nun tun? Wir k√∂nnen doch nicht einfach abhauen." "Nein, aber vorschnell handeln d√ľrfen wir auch nicht", erwiderte Alaryah. Kirona nickte zustimmend. "Wir m√ľssen √ľberlegen, was sie von uns wollen. Und w√§hrenddessen k√∂nnen wir gut schon ein paar Meilen zwischen uns und diesen Ort bringen. Lasst uns zu diesem St√ľtzpunkt gehen, Alaryah. Wir brauchen alle Ruhe, vor allem du und dein Arm. Von dort k√∂nnen wir in Sicherheit die n√§chsten Schritte planen."

Alaryah Schattenwind
Eine Trennung von der Familie war nur richtig. Das war auch Alaryah klar, auch wenn ihr besonders der Abschied von der kleinen Tinriel schwer fiel. Den Verlust des Karrens kaum beklagend zog die Familie weiter, es wurde noch gewunken, bis man sich schließlich aus den Augen verloren hatte...

Der Entschluss zu dem St√ľtzpunkt zu reisen war schnell gef√§llt, die weitere Reise verlief gl√ľcklicherweise ereignislos. Die drei Reisenden kamen nur langsam voran, sie waren ersch√∂pft, abgek√§mpft und wollten nur noch ausruhen. "Dort hinten...", meinte Alaryah sacht und hob die Hand. Kirona und Jaro sahen auf und in der Ferne erhoben sich erste Palisaden und Hecken. "Endlich...die Efeusenke.".
Zwei Soldaten kamen ihnen entgegen, trugen reich verzierte Speere mit langer, leicht gebogener Spitze. Alaryah machte den Gru√ü der Waldl√§ufer und stellte dann sich und ihre Gef√§hrten vor. Sie wurden in das Innere des St√ľtzpunktes geleitet und schnell hatte man ihnen ein Quartier zugeteilt. Der Hauptmann von der Efeusenke lie√ü ihnen eine Einladung zukommen, aufdass sie am n√§chsten Tag gemeinsam speisen m√∂gen. Der Boter √ľbergab das Schreiben Alaryah, als die drei sich gerade in ihrer Unterkunft einrichteten. Sie wechselten daraufhin noch ein paar Worte in der Sprache der Waldalben, dann verschwand der Bote wieder.
Alaryah drehte sich zu Jaro und Kirona um. "Ihr k√∂nnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf eine ruhige und sichere Nacht freue...", sagte sie, legte etwas unbeholfen aufgrund der Verletzung K√∂cher und Bogen ab und kratzte sich am Kopf. "Ich glaube wir werden schlafen wie schon lange nicht mehr.". Sie ging zu dem Bett hin√ľber, auf welchem Teile ihres Gep√§cks verstreut lagen. Neben einer gro√üen Waschsch√ľssel mit klarem Wasser hatte man mehrere Handt√ľcher gelegt, von denen Alaryah eins an sich nahm. Eigentlich hatte sie ihren Gef√§hrten gern noch die Efeusenke genauer gezeigt, doch hatte gerade niemand wirklich ein Auge oder die Aufmerksamkeit daf√ľr. "Wisst ihr...", begann sie und starrte mit leicht leerem Blick auf das weiche Tuch in ihrer Hand. "Als ich Tinriel im Wald fand...". Sie stockte, musste einen Klos hinunterschlucken. Jaro und Kirona hatten ihre T√§tigkeiten unterbrochen und sahen die kleine Albin nun abwartend an. "N...nichts...schon gut...". Alaryah griff das Handtuch fester, wandte den Blick ab und ihre Kiefermuskeln spannten sich. "Ich...ich bin mal...". Sie verlie√ü ohne weitere Erkl√§rungen die Unterkunft.

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Jaro Ballivòr
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#43

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » Do 14. Jun 2018, 07:26

Jaro Ballivòr
Als Jaro das gem√ľtliche Quartier, die weichen Decken und sauberen Handt√ľcher sah, wurde er sich der eigenen Ersch√∂pfung erst richtig bewusst. Wie gut tat es zu sitzen! Das Wenige, das Jaro noch bei sich trug, platzierte er feins√§uberlich neben seiner Bettstatt, als Alaryah ein neues Gespr√§ch zu er√∂ffnen schien. Bislang hatten sie noch keine Gelegenheit gehabt, ausf√ľhrlich √ľber das Erlebte seit Rankenfels zu sprechen und es hatte mit Sicherheit auf jedem von ihnen Spuren hinterlassen. Wobei Spuren vermutlich untertrieben war, dachte Jaro, eher waren es Wunden, die ihnen allen als Narben bleiben w√ľrden. Was Alaryah in diesem Augenblick auf der Seele brannte, erfuhren sie jedoch nicht.
"Wo... sollen wir?", begann Jaro aber Kirona sch√ľttelte leicht, wenn auch bestimmt den Kopf.
"Ich glaube, sie braucht einen Moment f√ľr sich."
Das konnte Jaro sich gut vorstellen, aber trotzdem keimte Frucht in ihm, dass die letzten Wochen etwas in Alaryah verletzt hatten, das sie nicht einfach so abschalten konnte. Was, wenn sie im Drang allein zu sein in den Wald hinaus ging und vielleicht nicht mehr zur√ľck kehrte?
"Sorge dich nicht Jaro. Sie hat das Handtuch mitgenommen. Womöglich nimmt sie ein Bad."
Skeptisch flog Jaros Blick zu der Waschsch√ľssel. "Sie h√§tte sich hier waschen k√∂nnen."
Kirona schmunzelte. "Ich vermute, sie kennt noch bessere M√∂glichkeiten. Oder sie wollte es f√ľr uns lassen und hey - wir k√∂nnen es gut gebrauchen. Du zuerst."
Ihr Blick verriet Jaro, dass sie keine Widerrede duldelte, also nickte er. Kirona stand auf und zog den Vorhang ihres Schlafbereichs zu, damit Jaro sich entkleiden konnte. Er rechnete mir kaltem Wasser, doch es hatte eine angenehme Temperatur und obwohl es klar und rein war, verstr√∂mte es einen leicht s√ľ√üen, kr√§uterigen Duft. Nachdem der ganze Dreck abgewaschen war, entdeckte Jaro einige Kratzer und blaue Flecken auf seiner hellen Haut, aber ansonsten war er erstaunlich heil geblieben. Eingewickelt in eines der weichen Handt√ľcher ging er in seine Nische und fand dort wie durch Zauberhand ein Tablett mit duftendem Tee und etwas Brot. Welch Luxus! Bevor er sich dar√ľber hermachte, fiel im Kirona ein und er rief sie, um ihr zu sagen, dass sie sich nun ebenfalls waschen k√∂nnte.

Alaryah Schattenwind
"Du h√§ttest ruhig etwas sagen k√∂nnen...", mahnte sich Alaryah selbst in Gedanken, nur um sich dann direkt selbst zu widersprechen. "Nein, wir m√ľssen uns alle erst einmal ausruhen.". Dann biss sie sich leicht auf die Unterlippe. Irgendwann w√ľrde sie mit den anderen √ľber ihr Treffen mit "Wom√∂glich-Linor" reden m√ľssen. Sie konnte es vor ihren Gef√§hrten einfach nicht verheimlichen, vor allem nicht dann, wenn von dem Kerl auch eine Gefahr ausgehen k√∂nnte! Aber nein, nicht jetzt. Sp√§ter. Morgen.
Wenn ihre Erinnerungen sie nicht g√§nzlich t√§uschten, dann war dies der St√ľtzpunkt, an dem die Alben eine Art Becken angelegt hatten. Dort konnte man sich waschen und entspannen, manchmal legte man hei√üe Steine mit in das Wasser um es zu erw√§rmen. Zu Alaryahs Erleichterung war dem auch so. Bei dem Becken war niemand, au√üer einer Albin mit freundlichem Gesicht und ersten, silbernen Str√§hnchen in dem sonst tiefbrauenen Haar. "Kind, du siehst ja furchtbar aus.", stellte die Albin fest und kam Alaryah ein paar Schritte entgegen. "Bitte, so nimm doch Platz und ruh dich aus. Es wird dir gut tun.". Alaryah √ľbergab stumm das Handtuch und trat dann auf das Becken mit dem leicht dampfenden Wasser zu. Es duftete wunderbar.
Wenige Augenblicke sp√§ter schlug Alaryah unter Wasser die Augen auf. Die Ger√§usche der Umgebung waren dumpf, kaum h√∂rber. Die W√§rme das Wassers umarmte die kleine Albin, die langsam mit den Armen ruderte um nicht an die Wasseroberfl√§che zu treiben. Irgendwann wurde jedoch die Luft knapp, sodass sie doch auftauchen musste. Tief durchatmend, etwas prustend, wischte sich Alaryah das nasse Haar aus dem Gesicht. Jah, f√ľr einen Moment war die Welt f√ľr sie einfach in Ordnung. Dann fiel Alaryahs Blick auf ihre am Beckenrand zusammengelegte Kleidung. Aus der Ferne konnte sie deutlich den gro√üen Blutfleck auf dem √Ąrmel sehen und direkt danach schien ihre Wunde zu brennen wie hei√üe Glut. Sie zischte, w√§hrend ihre Finger nach der Verletzung tasteten. "Schon gut, Kind, schon gut.", h√∂rte Alaryah die beruhigende Stimme der Albenfrau, die am Beckenrand sa√ü und eine gro√üe Harfe herbeigeholt hatte. Sie begann ein Lied zu singen und schon bald f√ľhlte sich Alaryah schon wieder besser. Wenn es nach ihr ging, so k√∂nnte sie gerade ewig im Wasser bleiben...

Jaro Ballivòr
Das Rascheln seines Vorhangs weckte Jaro aus seinem Schlummer und er schrak so schnell hoch, dass er den Tee √ľber sich ergoss. Er war mit Tasse in der Hand wegged√∂st. "Oh Entschuldige", ert√∂nte Kironas Stimme. Sie hatte sich das nasse Haar zu einem Knoten zusammengebunden und trug saubere Kleidung, die Jaro noch nie zuvor an ihr gesehen hatte. Sie bemerkte seinen Blick und schob einen kleinen Stapel Stoff zu ihm hin.
"Jemand hat uns neue Kleider gebracht. Ich weiß nicht, wie diese Alben das machen, doch es passt mir wie angegossen."
Ungeschickt versuchte Jaro aufzustehen, ohne sich dabei komplett zu entbl√∂√üen und nahm das B√ľndel entgegen.
"Ich warte drau√üen", sagte Kirona leicht am√ľsiert. "Sie haben uns auch noch mehr zu Essen gebracht und etwas von dem guten Wein, den wir auf dem Fest getrunken haben. Beeile dich, bevor ich alles austrinke."
Nun, da Kirona au√üer Sichtweite zwar, sch√§lte Jaro sich aus dem Handtuch und begutachtete die neuen Kleider. Der Stoff unglaublich weich. Auf der Haut war er trotzdem kaum sp√ľrbar und irgendwo her wusste Jaro, dass er bei warmer wie bei kalter Witterung ebenso seinen Zweck erf√ľllen w√ľrde. Neben einer braunen Hose und einem gr√ľnen Leinenhemd, das er an der Brust schn√ľren konnte, hatte man ihm sogar eine Weste da gelassen. Wieder war Jaro von der selbstverst√§ndlichen Gastfreundschaft der Waldalben verbl√ľfft. Neu eingekleidet trat er in den Gemeinschaftsraum, doch Kirona war hinaus auf die Veranda gegangen. Trotz der fortgeschrittenen Stunde zwitscherten die V√∂gel um die Wette.
"Schick", kommentierte Kirona und klopfte auf einen Hocker neben sich. Auf dem Tisch stand tats√§chlich ein Tablett und bei dem Geruch, den es verstr√∂mte lief Jaro das Wasser im Mund zusammen. Es gab mehr von dem weichen Brot, dazu einen duftenden Eintopf mit Wurzelgem√ľse, ger√∂stete Bohnen und Obst mit Honig f√ľr danach. Daneben stand eine ganze Karaffe des lieblichen Weines.
"Lang zu", lud Kirona ihn ein. "Wenn Alaryah nicht rechtzeitig zur√ľck kommt, essen wir eben alles alleine." Sie grinste und prostete Jaro zu.

Alaryah Schattenwind
Das n√§chste Lied war verstummt, kein weiteres schien zu folgen. Langsam √∂ffnete Alaryah wieder ihre Augen, musste mehrmals blinzeln um wieder einen klaren Blick zu bekommen. Hatte sie geschlafen? Wie lange war sie im Becken geblieben? Leicht benommen und etwas verwirrt sah sich die kleine Albin um. "Du solltest langsam mal rauskommen, Kind.", meinte die Albenfrau sanft und stellte die Harfe beiseite. "Wie lange war ich...?", murmelte Alaryah und griff nach dem Handtuch, welches ihr die Frau reichte. "Lange genug, damit es dir besser geht, aber noch nicht zu lang um das Essen zu verpassen.", gab diese l√§chelnd zur√ľck und half Alaryah beim Verlassen des Beckens. "Ein Satz frischer Kleidung liegt f√ľr dich bereit. Geh dann zu deinen Freunden, sie warten bestimmt schon auf dich." Alaryah nickte nur und bedankte sich leise f√ľr die Lieder und das Bad. Dann tappte sie von dannen, das gro√üe Handtuch um sich gewickelt, zur√ľck in Richtung Unterkunft. Mit jedem Schritt schienen die Lebensgeister mehr und mehr zur√ľck in die Albin zu fahren, bald schon genoss sie das weiche Gras unter ihren F√ľ√üen, die angenehme Luft und die Ger√§usche des Waldes. Den neuen Satz Kleidung hatte sie v√∂llig vergessen mitzunehmen, bemerkte dies jedoch erst, als sie vor der Unterkunft von einem jungen Alben eingeholt wurde, der ihr, leicht ausser Atem, ein B√ľndel √ľbergab.

"Ist auch noch etwas f√ľr mich √ľbrig?", erklang pl√∂tzlich eine Stimme an der Treppe. Kirona und Jaro sahen eine flauschig eingepackte Alaryah, die ein kleines B√ľndel bei sich trug. Sie hatte wieder Farbe bekommen und ihr Gesicht war endlich nicht mehr so blass wie zuvor. "Ich ziehe mich noch kurz zuende an.", erkl√§rte sie und huschte an ihren Gef√§hrten vorbei, dabei einen frischen und angenehmen Duft hinter sich herziehend. Wenig sp√§ter trat Alaryah dann wieder ins Freie. Sie hatte eine h√ľbsche und gut geschnittene Tunika bekommen, die neue Waldl√§uferuniform sowie die Stiefel blieben jedoch bei ihrem Bett. Jetzt war einfach nicht die Zeit f√ľr Uniformen und Ausr√ľstung fand Alaryah und so lie√ü sie sich in ihrer neuen Freizeitkleidung bei Kirona und Jaro nieder (auch wenn es etwas ungewohnt war sie so zu sehen). W√§hrend Alaryah nun ihr Haar k√§mmte und Kirona ihr einen Kelch einschenkte, begann sie mit einer Art Entschuldigung. "Ich...nunja, ich brauchte...ich musste kurz etwas allein sein.". Alaryah schien verlegen. "Ich hoffe es geht euch gut. Ich wollte euch keine Sorgen bereiten oder dergleichen.". Die Worte kullerten einfach so aus der kleinen Albin heraus. "Aber seid unbesorgt, mir geht es jetzt schon viel besser.". Sie legte den Kamm beiseite, l√§chelte endlich wieder und nahm dankend den Kelch an, welcher ihr von Kirona gereicht wurde.

Jaro Ballivòr
Es war k√∂stlich. Mit jedem L√∂ffel sp√ľrte Jaro wie Energie in seine Glieder fuhr und sein Geist weiter entspannte. Zwischenzeitlich hegte er sogar den Verdacht, man h√§tte beruhigende Kr√§uter unter gemischt, doch selbst wenn dem so w√§re, es sollte ihm Recht sein. Ohnehin legte sp√§testens der Wein einen Schleier √ľber seine Gedanken. Eine Weile a√üen er und Kirona schweigend, genossen schlicht die Mahlzeit und die sanften Ber√ľhrungen des Windes, der hin und wieder an ihnen vorbei strich. Dann kam Alaryah zur√ľck und trotz der eingetretenen Entspannung sp√ľrte Jaro, wie sich Erleichterung in ihm breit machte. Schnell r√ľckten sie den dritten Hocker zurecht und f√ľllten Alaryah etwas in die bereit stehende Sch√ľssel. Frisch gekleidet kam die Waldalbin zur√ľck.
"Jaro hatte Furcht, du w√§rst uns √ľberdr√ľssig", feixte Kirona, woraufhin Jaro sofort err√∂tete und ihr einen b√∂sen Blick zuwarf.
"Ich hatte Angst, du w√ľrdest in den Wald hinaus gehen und dir k√∂nnte etwas zusto√üen", rechtfertigte er sich mit hei√üen Ohren.
"Jedenfalls geht es uns gut. Man hat uns alles gebracht, was wir brauchen, mehr als das", beantwortete Kirona die Frage und Jaro nickte zustimmend.
"Es tut gut, einen Augenblick zu ruhen und den Kopf auszuschalten", erg√§nzte er. "Alles kommt mir so unwirklich vor, seit wir Rankenfels verlassen haben. Dort dachte ich kurz, wir h√§tten alles √ľberstanden."

Alaryah Schattenwind
Nat√ľrlich bemerkte Alaryah die pl√∂tzliche R√∂te in Jaros Gesicht und versuchte ein Grinsen hinter vorgehaltener Hand zu verbergen. Dann zwang sie sich selbst zur puren Ernsthaftigkeit. Mit grimmigem Blick fixierte sie nun Jaro, dem sofort s√§mtliche Farbe wieder aus dem Gesicht wich. "Du denkst also, dass ich euch einfach zur√ľcklasse?", fragte sie trocken und legte den Kopf schief. Sie kniff die Augen etwas zusammen. "Und dann, so glaubst du, w√§re ich unvorsichtig genug, dass mir hier etwas passiert? Hier?!". Sie stellte laut den Kelch ab und ehe sich Jaro versah stand die Albin auch schon direkt neben ihm. "Ich habe wirklich gedacht, dass du besser von mir denkst du fieser. Kleiner. Ungehobelter...". Bei jedem der letzten Worte piekste sie Jaro in die Seite, der daraufhin zusammenzuckte und versuchte die Albin abzuwehren. Dabei konnte Alaryah ihre Maskerade kaum noch aufrecht erhalten und schon bald erklang helles Gel√§chter der drei Reisenden.

Wieder einmal erfreute es Alaryah, dass man ihre Gef√§hrten so gut aufgenommen und versorgt hatte. "Jah, den Kopf ausschalten.", wiederholte Alaryah leise Jaros Worte. "Ich glaube, dass wir noch lange nicht am Ende unserer Reise sind.", f√ľgte die Albin dann hinzu und sah wieder in die Runde. "Ich muss zugeben, dass ich manchmal wirklich Angst hatte...". Sie umklammerte nun ihre Knie und legte ihren Kopf darauf ab. "Aber mit dem Wissen, dass ihr bei mir seid, f√ľhle ich mich f√ľr die noch kommenden Situationen besser gewappnet.". Alaryah hatte schon einige Boteng√§ngen und Patrouillen in ihrem Leben hinter sich gebracht, auch hier war es nicht immer ungef√§hrlich gewesen. Sie konnte zwar immer auf ihre damaligen Begleiter z√§hlen, jedoch war es mit Jaro und Kirona anders. Sie waren keine Soldaten, mit denen Alaryah einen Auftrag zu erledigen hatte. Sie waren kein Geleitschutz, keine Eingreiftruppe. Sie waren einfach drei Gef√§hrten, die zusammengef√ľhrt worden waren und von denen wahrscheinlich noch das ein oder andere abverlangt werden w√ľrde. Diese Gedanken teilte Alaryah mit den beiden, schenkte sich dabei nach und hob dann den Kelch. "Ich vermisse mein Zuhause, meine Familie, mein Pferd Sonnenstrahl...doch f√ľhlt es sich ebenso richtig an mit euch diesen Weg zu gehen.".

Jaro Ballivòr
Oh nein... er hatte Alaryah verärgert! So war das doch gar nicht gemeint gewesen! Jaro setzte an, sich zu entschuldigen, doch Alaryah war schneller und richtete sich vor ihm auf. "Hey", entfuhr es ihm, doch er schaffte es weder sich zu wehren, noch sich zu rechtfertigen. Jaro begriff den Scherz erst, als Alaryah zu lachen begann, so geschockt war gewesen. Als die Tatsache dann endlich in seinem Bewusstsein angekommen war, fiel auch er in das Gelächter ein. Da hatte sie ihn aber dran gekriegt!
Er nahm einen weiteren Schluck Wein, der ihn schon wohlig umgarnte. Noch voller Erleichterung, dass Alaryah nur gescherzt hatte, folgte er fast ein wenig träumerisch ihren Worten. Sie waren zu einer Gemeinschaft geworden, das stimmte. Sie waren Freunde.
"Was soll ich erst sagen?", meldete sich Kirona zu Wort. "Ihr habt mich gerettet. Ohne euch wäre ich..." Sie stockte.
"Irgendwie bin ich trotzdem froh, all das erlebt zu haben", hörte Jaro sich sagen. "Ich meine, sonst hätten wir uns nie kennengelernt, oder?"
Der Zusammenhalt, der diesen Moment erf√ľllte, gab ihm Zuversicht, dass sie den Schrecken der letzten Tage √ľberwinden konnten. Wom√∂glich lag es sogar in ihrer Hand alles zum Guten zu drehen.

Alaryah Schattenwind
In diesem Moment bleib Alaryah nichts weiter √ľbrig als einfach zu nicken. Was h√§tte sie dem auch noch hinzuf√ľgen sollen? Sie griff wieder nach ihrem Kelch, nippte daran. Der Wein war wirklich gut. Die drei sa√üen noch eine ganze Weile beieinander, befreiende Plauderei wechselte sich mit entspannenden Schweigemomenten ab und irgendwann konnte Alaryah ihr G√§hnen nicht mehr unterdr√ľcken. Sie mochte zwar das Beisammensein, jedoch machte sich nun bleiernde M√ľdigkeit in ihr breit. "So ihr Lieben. Ich werde nun...", flink griff sich Alaryah noch eine halbe Handvoll Waldbeeeren als Mitternachtsimbiss und erhob sich. "Oh.", hauchte sie und merkte nun deutlich die Wirkung des Weines in ihrem Kopf. Sie behielt gerade so das Gleichgewicht, w√§hrend Jaro Alaryah eine helfende Hand anbot. "Gute Nacht, Kirona.", verabschiedete sich Alaryah freundlich und umarmte die Frau anschlie√üend einmal fest. Dann machte sie sich, mit etwas Schlagseite, auf den Weg in das Innere der Unterkunft. Jaro begleitete Alaryah noch ein paar Meter aus Sorge, sie k√∂nnte st√ľrzen oder sich sonstwie verletzen. Am Eingang hielt Alaryah Jaro dann aber zur√ľck. "Ich...schaff das schon.", erkl√§rte sie und hauchte dem skeptisch dreinblickenden Jaro recht plump einen Gute-Nacht-Kuss seitlich an den Kopf. Dann verschwand Alaryah in der Dunkelheit und lie√ü ihre beiden Gef√§hrten zur√ľck. Es polterte einmal laut, als die Albin die Waschsch√ľssel von dem kleinen Beistelltisch stie√ü gegen den sie gelaufen war, doch ert√∂nten direkt danach die Worte "Keine Sorge, es geht mir gut, hab nur die Sch√ľssel hier abger√§umt!".
Dann fiel Alaryah endlich wieder in ein wolkenweiches Bett. Es schien, als sei sie bereits im Reich der Träume bevor ihr Körper komplett auf der Matratze lag...

Als Alaryah am n√§chsten Morgen erwachte und langsam und gem√ľtlich in den Tag startete, fiel ihr Blick schon fast beil√§ufig auf die am Boden liegende Waschsch√ľssel. "Die haben bestimmt noch lange gezaubert...", brummelte die Albin in sich hinein und dachte dar√ľber nach, wie es wohl Jaro und Kirona gehen mochte. Schlie√ülich waren die beiden l√§nger wach geblieben als sie!

Jaro Ballivòr
Es war ein Impuls und pl√∂tzlich fand Jaro sich an Alaryahs Seite wieder, um sie zu st√ľtzen. Als er sie dann aber an der Hand hielt, wusste er nicht recht, was er eigentlich tun sollte. Wie fest sollte er sie greifen? Bis wohin sollte er mitgehen? Sollte er ihr noch etwas bringen, etwas Wasser, eine weitere Decke? Mitten in diesen Gr√ľbeleien, wies Alaryah ihn von alleine zur√ľck, als sie die Schwelle zu den R√§umlichkeiten erreichten. Er blieb an Ort und Stelle stehen. Innen schepperte es, doch alles schien in Ordnung und schlie√ülich drehte sich Jaro wieder um und erblickte das grinsende Gesicht von Kirona.
"Du bist noch nicht oft mit Frauen zusammen gewesen, oder?", fragte sie und Jaros Gesicht wurde hei√ü. "Nein, tut mir leid", f√ľgte sie schnell an. "So meinte ich das nicht." Dann fehlten auch ihr die Worte und sie begann zu lachen. Auch Jaro musste grinsen, obwohl er immer noch besch√§mt war und hoffte, alles richtig gemacht zu haben. Er schenkte sich und Kirona nach und damit war der Krug leer. Der Wein tr√ľbte auch Jaros Geist schon ein wenig, doch er hatte sich erstaunlich schnell an das Getr√§nk gew√∂hnt. Von einer Ecke des Lagers drang Musik und ein Lagerfeuer warf sein Licht an die umstehenden B√§ume.
"Was meinst du? Sollen wir da noch vorbei schauen?", fragte Kirona.
"Ich wei√ü nicht... ich glaube ich bin zu m√ľde." Es fiel Jaro schwer "nein" zu sagen, aber er f√ľhlte, dass Schlaf dringend n√∂tig war.
"Nicht schlimm... ich werde mich noch ein wenig umsehen." Damit stand Kirona auf, gab Jaro ihrerseits einen Kuss auf die Stirn und lie√ü ihn auf der Veranda zur√ľck. Noch einmal atmete er tief ein, dann ging er auch zu Bett. Es war eine Offenbarung. Augenblicklich fiel er in tiefen Schlaf, h√∂rte Kirona nicht mehr zur√ľckkommen.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#44

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Do 21. Jun 2018, 20:53

Alaryah Schattenwind
Alaryah war die erste, die am n√§chsten Morgen erwachte. Erst √ľberlegte sie, ob sie sich nicht doch noch einmal umdrehen sollte, aber nein, daf√ľr war sie einfach schon zu wach. Langsam richtete sich die Albin in ihrem Bett auf, streckte sich ausgiebig und schaute dann nach ihren Gef√§hrten. Kirona und Jaro schliefen noch. "Lassen wir sie noch etwas liegen.", entschied Alaryah und machte sich auf den Weg nach drau√üen. Sie kam an einer am Boden liegenden Waschsch√ľssel vorbei, hob diese auf und stellte sie zur√ľck an ihren Platz. "Ging wohl wieder gut zur Sache...", murmelte Alaryah und grinste. Kirona konnte wirklich was vertragen.

Die Sonne stand schon recht hoch am Himmel und Alaryah musste die Hand den durch die Baumkronen fallenden Sonnenstrahlen entgegenstrecken, damit sie √ľberhaupt etwas sehen konnte. Ihre Augen hatten sich an das schummrige Licht im Inneren der Unterkunft gew√∂hnt, daher brauchte sie einen kurzen Moment.
Im St√ľtzpunkt herrschte bereits reges Treiben. Hier und da gingen Waldl√§ufer ihren Aufgaben nacht, trainierten oder machten sich auf den Weg zu einer Patrouille. Alaryahs Blick begleitete eine kleine Gruppe Alben, die durch das Tor schritten und kurze Zeit sp√§ter mit dem Gr√ľn des Waldes verschmolzen. "Gute Wacht.", w√ľnschte Alaryah in Gedanken und wandte sich nach rechts. Sie fuhr zusammen, denn sie hatte den dort stehenden Alben nicht bemerkt. "Oh, verzeiht.", sagte der junge Mann mit gelassener Stimme und machte einen Schritt zur√ľck. "Ich wollte euch nicht erschrecken.". Seine Stimme klang √ľberaus beruhigend. "Hauptmann Selanir schickt mich, er w√ľrde gern mit euch speisen.". Alaryah musterte den Alben. Er war in recht feine Gew√§nder geh√ľllt, die Haare ordentlich zusammengebunden. Scheinbar musste es sich um einen Boten oder Kammerdiener handeln, so sch√§tzte Alaryah. "Ich werde eine Nachricht f√ľr meine Gef√§hrten zur√ľcklassen m√ľssen?", antwortete Alaryah etwas erstaunt, doch der Alb sch√ľttelte den Kopf. "Das wird nicht n√∂tig sein, Schattenwind. Die Menschenfrau und euer Albenfreund sind ebenfalls eingeladen.". Alaryah verstand. "Nun, lassen wir deinen Herren nicht zu lang warten.", antwortete die Albin und rauschte davon. Der junge Mann sah ihr erst hinterher, folgte dann in geb√ľhrendem Abstand.

Jaro Ballivòr
In dieser Nacht tr√§umte Jaro von Calorod. Es war ein ungemein friedlicher Traum, ebenso erholsam wie der Schlaf in dem gem√ľtlichen Bett. Fern von Gefahren und benenbelt vom Wein erlaubte er sich tief hinab in sein eigenes Bewusstsein zu sinken. Er verlie√ü das Haus seiner Eltern und strich eine Weile umher, ehe ihn seine F√ľ√üe ans Meer trugen. Jaro atmete tief ein und aus, sp√ľrte den Wind auf der Haut. Etwas kitzelte ihn im Gesicht und er strich dar√ľber. Wieder kitzelte es ihn, dieses Mal an der Nasenspitze. Was auch immer es war, es st√∂rte die Ruhe, die er im Angesicht des Wassers empfand, also kratzte er sich eilig und versuchte sich wieder auf das Bild und die Ger√§usche zu konzentrieren. Wieder. Schon etwas gereizt fuhr Jaro sich √ľber das Gesicht, doch immer und immer wieder kitzelte es ihn. Er √∂ffnete die Augen und sah keinen Strand vor sich und keine Brandung sondern das fr√∂hliche Gesicht Alaryahs. Es dauerte noch ein paar Sekunden, bis Jaro begriff, dass er nur getr√§umt hatte. "Du...", sagte er schl√§frig, als sein Geist das Kitzeln in seinem Gesicht mit dem St√ľckchen Stoff in Alaryahs Hand in Zusammenhang brachten. Alaryah lachte. Schnell setzte Jaro sich auf und zog die Decke bis zur Brust hoch. "Habe ich verschlafen? M√ľssen wir los?" Leichte Kopfschmerzen machten sich bemerkbar und er griff nach einer Schale mit kaltem Tee, der auf wundersame Weise den Weg neben sein Bett gefunden hatte.
"Nein, nein", beschwichtigte ihn Alaryah vergn√ľgt, "aber du musst mir helfen Kirona zu wecken. Wir sind zum Essen bei Hauptmann Selanir geladen."
Eilig band Jaro seine Haare zusammen und schl√ľpfte in sein Hemd. Dann folgte er der Albin nach neben an. Im Voraum wartete ein vornehmer Alb und nickte Jaro freundlich zu. Zum Gl√ľck hatte er sich wenigsten die Haare gebunden! Als sie Kironas Vorhang zur√ľckschoben, waberte ihnen alkoholgeschw√§ngerte Luft entgegen. Sie hatte alle viere von sich gestreckt und schnarchte. Jaro und Alaryah wechselten einen Blick, dann zogen sie ihr die Decke weg. Keine Reaktion. "Kitzeln hat auch nichts genutzt", sagte Alaryah. "Schade, dass jemand die Waschsch√ľssel umgeworfen hat..." Verdutzt sah Jaro die Albin an, sagte aber nichts zu seinem Verdacht. Mehrfach sprachen sie Kirona an, doch sie wollte und wollte nicht aufwachen. Hinter ihnen ert√∂nte ein R√§uspern. "Vielleicht hilft das." Der junge Mann reichte ihnen ein kleines Sch√§lchen Wasser. Schelmisch grinsend nahm Alaryah es entgegen und begann Kirona davon ins Gesicht zu spritzen. Sie ermutigte Jaro, es ihr gleich zu tun und er musste zugegeben, dass er Gefallen daran fand. Dann endlich schrak Kirona hoch und sprang auf die Beine. "Was zum...", sie hielt inne und fasste sie an die Stirn. "Uuuuuh", st√∂hnte sie. "Mist... ich glaube mein Kopf platzt gleich."

Alaryah Schattenwind
Letztendlich beschlossen sie Kirona die Zeit zu geben, die sie brauchte. Alaryah wartete zusammen mit Jaro und dem Boten vor der Unterkunft und schließlich quälte sich Kirona heraus. Sie murmelte etwas unverständliches und schaute dann in die Runde. "Gut, gehen wir.", gab Alaryah schließlich vor und so setzten sie sich in Bewegung.
Nach nicht ganz zehn Minuten hatten die Gef√§hrten unter der F√ľhrung des Boten ihren Zielort erreicht. Sie schritten eine breite Treppe empor, die mit gewundenen Schnitzereien verziert war. Wenige Stufen sp√§ter machte sich vor ihnen eine gro√üe Terrasse breit. An den Seiten hatte man in regelm√§√üigen Abst√§nden gro√üe Pflanzenk√ľbel aufgereiht, in denen die unterschiedlichsten Blumen, Str√§uche und B√§umchen wuchsen. Es waren auch eben diese Pflanzen, die f√ľr einen frischen und angenehmen Duft sorgten. Mitten auf der Terrasse war ein runder Tisch aufgebaut an dem, der Gruppe zugewandt, Hauptmann Selanir Platz genommen hatte. Alaryah hatte bisher nur von ihm geh√∂rt, jedoch hatte sie ihn nie selbst getroffen. Die Albin war etwas verwundert √ľber die Erscheinung des Hauptmanns, der sich von seinem Platz erhoben hatte und die Gef√§hrten freundlich begr√ľ√üte. Er war so ganz anders als die Hauptm√§nner, die Alaryah bisher kennengelernt hatte. Statt R√ľstung oder Uniform trug der Alb weit geschnittene, gem√ľtliche Gew√§nder, keinerlei Waffen und anstatt eines Helmes zierte ein silberner Reif seine Stirn. Des Weiteren musste Alaryah feststellen, dass der Alb recht wohlgen√§hrt schien. Sie lie√ü sich nichts anmerken.
"Bitte, kommt, setzt euch doch.". Mit einer einladenden Geste winkte Selanir die Gef√§hrten heran. Ein Blick zu dem Boten hin√ľber verriet diesem, dass er sich nun entfernen konnte und er kam dieser Anweisung schnell und leise nach.
Die Gef√§hrten nahmen Platz und schon bald brachte man ihnen zu Essen. Fr√ľchte und sogar frisch gebackenes Brot wurden aufgetragen, etwas weiter hinten dampften fein zugeschnittene St√ľcke Fisch vor sich hin.
"Nun, man hat mir zugetragen, dass ihr abseits der Wege von Rankenfels gereist seid?", lenkte Selanis schlie√ülich das h√∂fliche Vorgepl√§nkel in eine ernstere Richtung. Die Gef√§hrten sahen einander an und nickten dann. "Wir stie√üen auf...nunja.", Alaryah schaute auf ihren Teller, biss dann von einer gro√üen Erdbeere ab. "Da waren stillgelegte Festungsanlagen.", murmelte sie zwischen den Bissen hindurch. Nat√ľrlich sollten ihre Entdeckungen unter der Erde nicht unerw√§hnt bleiben, doch fiel es der Albin schwer dar√ľber zu berichten, da die Schatten der Ereignisse nun wieder ihre Finger nach ihr ausstreckten. Hilfesuchend warf Alaryah einen kurzen Blick zu Jaro und Kirona.

Jaro Ballivòr
Obwohl er frisch gewaschen und ausgeschlafen war, kam Jaro sich sch√§big vor, als sie die Stufen zu ihrem Gastgeber erklommen. Hier war nichts dem Zufall √ľberlassen worden. Jede Schnitzerei, jede Pflanze, sogar deren Duft, war genau so, wie es sein musste. So zumindest die Wirkung auf Jaro. Er ertappte sich dabei, wie er versuchte das neue Hemd glatt zu streifen. Sch√ľchtern nahm er schlie√ülich Platz. Beim Anblick der dargebotenen Speisen lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Das war genau das Richtige, um das flaue Gef√ľhl in seinem Magen zu b√§ndigen. Wie so oft und nicht ohne schlechtes Gewissen, √ľberlie√ü er Alaryah das Reden. Kirona blieb ebenso stumm und ihre bleichen Wangen hinterlie√üen den Eindruck, dass sie auch gut beraten war, die Lippen geschlossen zu halten. Dann sp√ľrte Jaro nicht nur Alaryahs sondern auch Selanirs Blick auf sich und verschluckte sich beinahe an einem Bissen. Der eigent√ľmliche Hauptmann sah aber freundlich aus und so fasste er seinen ganzen Mut zusammen. "Es war ein geheimer Ort. Ohne... nur durch Zufall haben wir den Eingang gefunden." Rechtzeitig korrigierte er sich. Er wollte Kirona nicht in eine schwierige Situation bringen, indem er ausplauderte, dass sie den Zugang freigelegt hatte. Vor allem nicht gerade jetzt, wo ihr immer wieder die Augen zu fielen. "Alles wirkte so, als sei schon seit vielen Jahren niemand mehr dort gewesen. Zumindest in einem Gro√üteil der Anlage... wir fanden eine Art Labor, das offenbar k√ľrzlich erst benutzt wurde." Der Ausdruck Alaryahs verriet ihm, dass die d√ľstere Erinnerung an den Ort sie ebenso einholte wie ihn. Selanir h√∂rte ihnen schweigend zu. Es war schwer zu sagen, was er dachte, doch er sagte momentan noch nichts.

Alaryah Schattenwind

Alaryah nickte zustimmend, als Jaro geendet hatte. Gemeinsam setzten sie das Bild der Geschehenisse aus den Fragmenten ihrer Erinnerungen wieder zusammen, an manchen Stellen half sogar Kirona mit ein paar knappen Bemerkungen aus. Dann passierte ein paar Augenblicke einfach gar nichts. Der Hauptmann sa√ü wie versteinert auf seinem Stuhl, starrte kurzzeitig ins Leere. Dann hob der den Kopf und lehnte sich zur√ľck. "So wie es aussieht habt ihr dort eine Anlage gefunden, die schon lange verloren und eigentlich h√§tte verborgen bleiben sollen.". Diese doch recht schweren Worte passten nicht wirklich zu dem freundlichen Gesichtsausdruck des Hauptmanns und so hatte Alaryah anfangs ihre Schwierigkeiten diese richtig einzuordnen. "Ihr habt doch den Zugang wieder versiegelt, nicht wahr?", fragte Selanir weiter und griff erneut nach seinem Besteck. S√§mtliche Farbe wich aus Alaryahs Gesicht. "Das darf doch nicht...". Sie war sich nicht sicher. Was war passiert? Auch ihre Gef√§hrten waren wie vom Blitz getroffen. Niemand wagte sich zu r√ľhren. Eine Zeit lang h√∂rte man nur das Klimpern des Bestecks von Selanir, dann ein leises Kauen und Schmatzen. "Nicht? Nun, dann sollten wir uns schleunigst darum k√ľmmern, nicht wahr?". Er machte eine knappe Handbewegung und Alaryah rechnete schon damit tierischen √Ąrger zu bekommen. Sie zuckte reflexartig zusammen und presste die Lippen aufeinander. Doch √Ąrger blieb aus? Stattdessen setzten sich pl√∂tzlich mehrere Waldl√§ufer etwas weiter entfernt in Bewegung. Wieder traute sich niemand das Wort zu ergreifen. "Seid unbesorgt, wir werden uns schon darum k√ľmmern.", unterbrach der Hauptmann die unangenehme Stille. "Wir wussten nicht...ich meine...wir...wir wollten...waren...", Alaryah r√ľckte unruhig auf ihrem Platz umher. "Schattenwind, bitte.". Sie verstummte. "Ich m√∂chte euch und euren Freunden etwas zeigen.". Selanir erhob sich. "So folgt mir bitte.".
Gem√§chlich gimg der Hauptmann vor der kleinen, schweigenden Gruppe her. Ein leises Rascheln der Gew√§nder von Selanir war bei jedem seiner Schritte zu vernehmen und schlie√ülich hielt er an einem kleinen H√§uschen inne. Mit leisem Knirschen √∂ffnete sich die T√ľr und gab den Blick auf einen langen Raum frei, an dessen W√§nden viele Schriftrollen s√§uberlich geordnet und sortiert gelagert wurden. Mit einer Mischung aus Neugier und Respekt betraten sie nun das innere des Geb√§udes.

Jaro Ballivòr
W√§hrend sie gingen, wog Jaro ab, ob er Selanir mochte oder nicht. Er war vollkommen anders, als sie anderen waldalbischen Kommandeure, mit denen er bis dahin zu tun gehabt hatte. Seine freundliche Art war entwaffnend, doch befremdlich zugleich und Jaro fragte sich, wie viel davon echt war. Noch viel st√§rker als bei anderen Walbalben hatte er das Gef√ľhl, dass Selanir alles zu wissen und jede Notwendigkeit vorauszuahnen schien. Das Sammelsurium an geballtem Wissen in dem kleinen Haus durchbrach seine √úberlegungen. Innen wirkte das Geb√§ude wesentlich gr√∂√üer als von au√üen. Fast schien es, als fl√ľsterte das Pergament, bereit sein Wissen weiter zu geben. Die Einrichtung war ansonsten schmucklos, die Aura des Raumes dadurch aber nicht weniger erhaben. Was mochte hier alles schlummern? "Immer weiter, hier entlang, bitte", ert√∂nte Selanirs Stimme und Jaro f√ľhlte sich ertappt, wie ein Junge, der versucht hatte, etwas S√ľ√ües von einem Marktstand zu stibizen. Obwohl es keine gro√üen Fenster gab, war der Raum so geschickt angelegt, dass das Tageslicht f√ľr ausreichend Helligkeit sorgte. Auf etwa halbem Wege kamen sie zum Halt und Selanir griff zielgerichtet in eines der Regale. Zwar gab es in regelm√§√üigen Abst√§nden Beschriftungen, doch Jaro hatte ihn nicht einmal zur Seite blicken sehen. Er musste den Inhalt dieses Raumes in und auswendig kennen. "Ich denke, dies wird euch helfen." Wissend grinster er und ging dann weiter zu einem steinernen Pult, das von einem eintretenden Lichtstrahl erhellt wurde. Vorsichtig entrollte er das Pergament. Es war eine Karte. Nie zuvor hatte Jaro eine derart detailreiche Darstellung gesehen. Sogar verschiedenen Baumarten konnten unterschieden werden. "Seht hier", Selanir wies mit einem Zeigefinger auf eine Ansammlung winziger H√§user, "das ist die Efeusenke. Und hier", er fuhr einen kleinen, gewundenen Pfad entlang, "ist euer Ziel." Jaro gab seiner Neugierde nach und beugte sich ein wenig nach vorne. Neben Selanirs Finger zogen sich d√ľnne Rauchf√§den durch die B√§ume und als der seine Hand wegnahm, kam eine einzelne H√ľtte zum Vorschein. "Er wird euch helfen k√∂nnen." Selanir sah sie mit glitzernden Augen an, w√§hrend sie alle noch fasziniert die Karte musterten. "Auf, auf! Wollt ihr den Weg nicht √ľbertragen? Dieses Exemplar kann ich euch nicht mitgeben. Es w√ľrde eine Reise nicht √ľberstehen. Doch wer von uns w√ľrde das schon mit mehreren Hundert Jahren auf dem Buckel, nicht wahr?"

Alaryah Schattenwind
Schlagartig kam Bewegung in die Gef√§hrten. Die starre Ehrfurcht war pl√∂tzlich wie verpufft und die drei kramten recht hastig in ihren mitgebrachten G√ľrtel- und Umh√§ngetaschen. Tats√§chlich schafften sie es einen Bogen Pergament und einen Kohlestift zusammenzutragen und schon bald machten sie sich daran die Karte abzuzeichnen. Selanir beobachtete das Treiben mit einem leicht am√ľsierten L√§cheln. Wie Schulkinder waren die drei brav seinen Anweisungen nachgekommen. Irgendwann wandte sich Alaryah ab und drehte sich zu dem Hauptmann hin√ľber. "Sagt, Selanir, wen werden wir dort vorfinden? Dieser Weg ist, wenn ich mich richtig erinnere, nicht auf den Karten der Waldl√§ufer eingezeichnet?". Selanir lachte leise, zog eine Augenbraue hoch und schaute Alaryah tief in die Augen. "Nicht alle Wege sind auf euren Karten festgehalten. Es gibt Wege, die nur die Besatzung hier kennt, Wege, die bewusst und gewollt versperrt und verborgen sind.". Auch Jaro und Kirona, die die Arbeiten an der eigenen Karte nun beendet hatten, h√∂rten nun gespannt zu. Ein schwacher Anflug von Misstrauen und Skepsis huschte √ľber Alaryahs Gesicht, was von Selanir nicht unbemerkt blieb. Er legte den Kopf schief und einer seiner Mundwinkel zuckte kurz. "Wirklich?", fragte er und sah nun auch zur Kirona und Jaro hin√ľber. "Ich lasse euch doch nicht in euer Verderben ziehen?", fragte der Hauptmann schon fest etwas emp√∂rt. "Ihr werdet dort einen Gelehrten antreffen. Er lebt zur√ľckgezogen, schon fast wie ein Einsiedler. Es geschah auf seinen Wunsch hin, dass der Weg zu seinem Haus von den bekannten Karten entfernt wird.". Die Situation entspannte sich zusehends. Dann kam Selanir n√§her zu den dreien hin. Mit ged√§mpfter Stimme fuhr er fort:"Manche sagen, dass ihm diese Einsamkeit nicht gut tut. Einige Stimmen sprechen gar von Verfolgungswahn.". Der Blick des Hauptmanns wechselte zwischen den Gef√§hrten umher. Dann richtete er sich wieder in voller Gr√∂√üe auf und stemmte die H√§nde in die H√ľfte. "Doch genug der Worte. Ihr habt nun eure eigene Karte und ihr werdet ihn finden, da bin ich mir ganz sicher. Jedoch kann ich euch nicht versprechen, dass ihr auf alle eure Fragen eine Antwort erhalten werdet.". Sie nickten. "Bleibt von mir aus noch bis zum Nachmittag, doch dann solltet ihr euch auf den Weg machen, sonst wird es sp√§t sein wenn ihr bei ihm ankommt.". Der Empfehlung wollten sie folgen. Bevor der Hauptmann ging machte Alaryah noch mal zwei Schritte hinter dem Alben her. "Eine Frage noch, Hauptmann. Wie...nunja, wie ist sein Name?".

Jaro Ballivòr
Es war das erste Mal, das Selanir um eine Antwort verlegen schien. Nach kurzem Z√∂gern sprach er aber ebenso heiter wie zuvor. "Einst war er Nesolion Cudor. Doch seit Jahren h√∂rt er nur noch auf einen Namen: Nativus - der Besondere." Damit wandte er sich ab und schritt aus dem Geb√§ude. Jaro zwang seinen Blick zur√ľck auf die Karte. Alles hier faszinierte ihn. Der Drang, sich nun, da Selanir sie alleine gelassen hatte, genauer umzusehen, kochte in ihm hoch, doch er war sich sicher, dass sie √ľberwacht wurden, auch wenn sie nichts davon mitbekamen. Also machte er sich daran, gemeinsam mit seinen Freundinnen m√∂glichst viele Details zu √ľbertragen. Schlie√ülich waren sie zufrieden. "Sollen wir", setzte Jaro an und deutete auf die Karte, doch wie so oft erschien ein Alb aus dem Nichts und beantwortete die Frage f√ľr sie. Er war komplett in einen dunklen Umhand geh√ľllt und trug ein gro√ües h√∂lzernes Medallion um den Hals. "Schon gut. Ich k√ľmmere mich darum." Seine Stimme war sanft und leise. Vermutlich war er eine Art W√§chter.
Das grelle Tageslicht vor der H√ľtte blendete sie. Die Mittagszeit musste bereits verstrichen sein und Jaro versp√ľrte schon wieder Hunger. "Meint ihr, wir k√∂nnen noch eine Mahlzeit bekommen, bevor wir aufbrechen?", fragte er sch√ľchtern.

Alaryah Schattenwind
"Du hast doch quasi gerade erst gegessen?!", fragte Alaryah und lachte. "Aber keine Sorge, ich denke, wir k√∂nnen uns hier noch etwas genehmigen.". Sie sollte recht behalten. Tats√§chlich war noch gen√ľgend Zeit f√ľr ein Mittagessen und die Gef√§hrten konnten sich bei den Waldl√§ufern noch mit etwas Proviant eindecken. Eigentlich war der Weg auf der Karte gar nicht so weit, doch wer konnte schon genau sagen, ob sie die H√ľtte von Nativus direkt auf Anhieb finden w√ľrden?
Bald hatte Alaryah wieder ihre Uniform und die leichte R√ľstung angelegt. Ihre Wunde am Arm heilte gut ab und sie brauchte fast gar keine Hilfe mit ihrer Ausr√ľstung, was die kleine Albin sichtlich erfreute. Trotz allem war ihr etwas mulmig, als sie nach ihren Waffen griff...
So zog die kleine Reisegruppe bald weiter, Hauptmann Selanir stand auf einem Podest an der Palisade, hob zum Abschied noch einmal die Hand. Alaryah h√§tte sich gern noch von der Frau mit der Harfe am Becken verabschiedet, doch war diese dort nicht mehr anzutreffen. Schade, fand Alaryah, und so lie√ü sie der Frau noch einmal ihren Dank √ľbermitteln.
Das Wetter war wunderbar. Es war nicht zu warm, nicht zu kalt und selbst der Wind war genau richtig. Beinahe h√§tten die drei die Abzweigung verpasst, die...eigentlich laut Karte nun vor ihnen liegen m√ľsste? "Seltsam.", fand Alaryah und sah sich um. Der Weg ging hier nur in eine Richtung weiter und hatte fast gar nichts mit dem gemeinsam, den sie auf ihrer Karte eingezeichnet hatten. "Haben wir da einen Fehler gemacht?". Nachdenklich kratzte sich Alaryah am Kinn, weiterhin die Umgebung mit ihren Blicken absuchend. Kirona drehte sich und die Karte hin und her, auch Jaro schaute sich um. "Eigentlich m√ľsste es hier doch weitergehen?", dachte Alaryah laut und blieb vor dichtem Unterholz stehen. "Da kann man keine drei Meter weit gucken.", stellte Kirona fest und hielt erneut das Pergament hoch. Alaryah kniete ab, wischte mit der Hand √ľber den Waldboden und die Grasnarbe. "Wenn hier ein Weg gewesen ist, dann m√ľsste man das doch noch erkennen?". Ratlos wischte sie die Erde von ihrer Hand und erhob sich. Dann ging Alaryah noch mal ein paar Schritte zur√ľck, verfolgte ihre Schritte noch einmal. "Wege, die bewusst und gewollt versperrt und verborgen sind.", sprach Alaryah die Worte des Hauptmanns noch einmal nach. "Wir sind hier ganz bestimmt richtig...nur was √ľbersehen wir?!".

Jaro Ballivòr
Mehr als ein Schulterzucken konnte Jaro ihr nicht zur Antwort geben. Ohne die Karte w√§re er einfach gerade aus weiter gegangen, doch Alaryah hatte Recht. Die Kontur des Pfades war eindeutig. Hier musste der Abzweig sein. Er untersuchte das Geb√ľsch, den Boden und den Weg in beide Richtungen. Nicht einmal Alaryah schien eine L√∂sung zu erkennen. Der Wald um sie herum leuchte in sattem Gr√ľn und hoch √ľber ihnen sangen die V√∂gel ihr Lied. "Das Gras ist noch jung", murmelte Jaro pl√∂tzlich halb unbewusst. "Was?", fragte Kirona. "Das Gras, es wurde erst vor kurzem gepflanzt." Nun wurde es Jaro erst richtig bewusst. Es war zu gr√ľn, zu zart. Genau so, wie die Ziegen es geliebt h√§tten. Mit dieser Erkenntnis nahm Jaro auch die Umgebung genauer in Augenschein. Das Unterholz war wirklich dicht, fast undurchdringlich. Er trat nahe heran und sp√§hte durch eine L√ľcke hindurch. Kirona hatte Recht, man konnte nicht weit sehen. Trotzdem bem√ľhte Jaro seine Augen. Seinem frostalbischen Erbe verdankte er das besonders scharfe Sehen. Er lie√ü den Blick von links nach rechts schweifen und erkannte schlie√ülich, dass das Dickicht ungleichm√§√üig war. Das mochte vielleicht nichts Ungew√∂hnliches sein, doch fiel ihm auf, dass sich nicht nur die Dichte, sondern auch die Art der Pflanzen unterschied. Auch diese Gew√§chse waren nicht nat√ľrlich. Jemand hatte sie gepflanzt. Jaro ging ein wenig nach links, ohne vom Wegesrand zur√ľck zu treten. Pl√∂tzlich stie√ü er mit der Schulter gegen Ge√§st. An dieser Stelle wuchsen die Str√§ucher weiter in die Stra√üe hinein. Doch nicht nur das. Sie bildeten einen kleinen Spalt. "Seht nur!", sagte er lauter, w√§hrend er seine letzten Erkenntnisse leise vor sich hingemurmelt hatte. Mit etwas M√ľhe schob er sich in den Spalt. Es war schwierig aber es ging und anstelle nun komplett von Str√§uchern umzingelt zu sein, fand er sich vor einem geraden Durchgang wieder. Er ging ein paar Schritte, bis er wieder auf eine scheinbar undruchdringliche Wand stie√ü, folgte ihr zusehends aufgeregter zur√ľck nach rechts, bis er einen √§hnlichen Vorsprung fand. Das war der Weg! So schnell es die Enge zu lie√ü, ging Jaro zur√ľck zum Pfad. "Das ist es!", triumphierte er. "Es sind kleine seitliche Spalten, die man nur sieht, wenn man direkt davor steht! So geht es im Zickzack... wie weit wei√ü ich nicht. Gut m√∂glich, dass sich in sicherem Abstand wieder ein breiterer Pfad auftut." Er l√§chelte stolz.

Alaryah Schattenwind
Alaryah war so in Gedanken vertieft, dass sie erst gar nicht mitbekam, wie Jaro sich seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Dann aber war sie wieder voll und ganz da. "Nat√ľrlich!". Sie grinste. "Gut gemacht, Jaro. Scheinbar wirst du auch noch irgendwann zu einem guten Waldl√§ufer.". Sie zwinkerte ihm zu, dann setzten sie sich in Bewegung. Jaro ging vor, Kirona folgte. Bevor Alaryah sich nun auch durch den Spalt schob hielt sie inne. Sie lauschte einen Moment, sch√§rfte ihre Sinne. Nichts. Nur die Ger√§usche des Waldes. Gut. Sie hatte nicht wirklich mit einem Verfolger gerechnet...doch war es sicherlich nicht falsch auf Nummer sicher zu gehen. "Alaryah, kommst du?", h√∂rte sie dann etwas ged√§mpft Kironas Stimme. "Jah...ja ich bin sofort da.". Ein paar Sekunden blieb sie noch so stehen, dann folgte sie Jaro und Kirona.
Es war kein einfacher Weg und manchmal dachte Alaryah, sie h√§tte den Anschluss verloren. Jaro schien in seiner Begeisterung und mit frischem Mut und Tatentrang wie von selbst den Pfad entlang zu schweben, hatte dabei Kirona im Schlepptau. "Wir sollten dennoch vorsichtig sein. Wer weiss, wer sich hier sonst noch so verst...aaah..". Wieder blieb sie an einem Ast h√§ngen und verfluchte sich innerlich selbst. "Du bist hier die Waldl√§uferin?!", mahnte sich die Albin gedanklich selbst und ordnete ihre Gedanken neu. Irgendwie hatte all das gerade etwas bedr√ľckendes. Trotzdem kamen die drei gut und z√ľgig voran, Jaro fand wieder und wieder Vorspr√ľnge und Durchg√§nge. Alaryah schaute noch einmal zur√ľck, doch war da nur (scheinbar) undurchdringliches Unterholz und dichter Wald.
Bald kam es so, wie Jaro es prophezeit hatte. Da war ein Pfad, breit genug, dass die drei bequem nebeneinander herlaufen konnten. Zu Alaryahs Erstaunen wuchsen hier sogar Pflanzen, die sie zuvor noch nie in ihrem Abschnitt des Waldes gesehen hatte. Auch die Ger√§usche des Waldes waren hier anders, dumpfer, ruhiger. Es war, als w√ľrde der Waldboden einen Gro√üteil der Umgebungsger√§usche verschlucken, fast wie ein dicker Teppich, auf dem Schritte so gut wie gar nicht zu h√∂ren waren. "Langsam.", fl√ľsterte Alaryah Jaro und Kirona zu. "Hier ist etwas anders.". Auch die beiden schienen dies nun zu bemerken und wurden langsamer. Dann zeigte Kirona pl√∂tzlich nach vorn. "Seht doch, dort!".

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Jaro Ballivòr
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#45

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » Di 17. Jul 2018, 21:53

Jaro Ballivòr
Es war wie eine Schatzsuche. Jaro entdeckte kindliche Abenteuerlust in sich, als er einen Weg durch das Dickicht suchte. Beinahe war er entt√§uscht, als sich der Weg schlie√ülich verbreiterte. Doch auch, wenn das Gehen nun leichter war, war die Umgebung nicht weniger mystisch. Sp√§testens Alaryahs Worte machten klar, dass dies kein normaler Pfad war und der Wald um sie herum ebenso wenig. Kirona sah ihn zuerst. Es war, als verschmelze er mit dem Hintergrund. Entweder war seine Kleidung aus Pflanzen gefertigt oder sie war eine t√§uschend echte Imitation. Gr√ľnes Haar fiel ihm wirr √ľber die Schultern und er stand vollkommen regungslos. Ob er gerade erst erschienen war, oder schon l√§nger dort verweilte, konnte Jaro nicht sagen. War das der Gelehrte, den sie aufsuchen sollten? Die Gef√§hrten waren stehen geblieben und eine Weile sprach niemand. Dann √∂ffnete der Fremde den Mund. Seine Stimme klang trocken und br√ľchig, wie knisterndes Laub. "Ich sehe, ihr habt den Weg gefunden. Meine Freunde haben es mir gesagt, doch ich wollte es nicht recht glauben." Langsam ging er ein paar Schritte auf sie zu. Er trug keine Schuhe. "Keine Furcht. Ihr seid willkommen", fuhr er fort. Jaro merkte, dass er nicht blinzelte, ja √ľberhaupt keine Regung zeigte. Sein Mund war das einzige, das sich in seinem Gesicht bewegte. Alaryah fand als erstes die Sprache wieder und gr√ľ√üte Nesolion h√∂flich.
"Nesolion - ja, das war einst mein Name", antwortete dieser vertr√§umt. "Nein, nicht nur mein Name, mein Wesen, ein Teil von mir. Aber er ist nicht mehr. Nesolion ist fort. Es existiert nur noch Nativus. Mit ihm m√ľsst ihr Vorlieb nehmen." Ein Vogel landete auf seiner Schulter und zwitscherte. Nativus nickte, als verst√ľnde er, was das Tier sagte. Dann l√§chelte er. Wieder hatte es allen dreien die Sprache verschlagen. Jaro fragte sich, ob Alaryah und Kirona ebenso √ľber den Geisteszustand des Mannes gr√ľbelten wie er. Selanir hatte ihnen gesagt, er sei besonders, aber ein Schock war es trotzdem.
"Nun. Wir m√ľssen hier nicht herum stehen, wenn es ganz in der N√§he ein gem√ľtliches Heim mit Sitzgelegenheiten gibt. Folgt mir, nur zu, keine Furcht!"

Alaryah Schattenwind
So ganz wohl war Alaryah bei der ganzen Sache noch nicht, dennoch folgte sie mit Kirona und Jaro dem Gelehrten. Sie wagte es nicht einmal ihren Gef√§hrten etwas zuzufl√ľstern. Irgendwie hatte der Fremde etwas respektvolles an sich, auch wenn er recht w√ľst aussah. Der Weg zu seinem Heim war zwar nicht weit, dennoch hielten sie unterwegs hier und da an, weil Nativus innehielt, lauschte, etwas vor sich hinbrummelte und wieder und wieder Kontakt zu Tieren aufnahm. Der Weg knickte nach links ab. "Ah, fast da.", stellte Nativus fest und bog um die Ecke. Die drei sahen sich einmal an, gingen Nativus dann hinterher.
Vor ihnen streckte sich nun eine steinernde Treppe einen kleinen Hang empor. Nativus hatte bereits die H√§lfte der Stufen hinter sich gelassen und winkte ihnen zu. Erst nach ein paar Stufen fielen Alaryah die Blumen auf, die neben der Treppe gepflanzt worden waren. Vor allem ein gro√üer Bund Orchideen fing ihren Blick f√ľr etwas l√§ngere Zeit ein. Diese satten Farben und der allgemeine Blumenduft um sie herum war bezaubernd. Alaryah blieb stehen und ging in die Hocke. Erst als die anderen bereits einen kleinen Vorsprung hatten bemerkten sie, dass die Albin nicht mehr bei ihnen war. "Wo ist...?", fragte Jaro und sah sich um. Die kleine Albin hob gerade die Hand und wollte eine der Blumen ber√ľhren, z√∂gerte dann jedoch und nahm die Hand wieder runter. Auch aus der Entfernung konnte man deutlich das L√§cheln in ihrem Gesicht sehen. "Alaryah, komm schon!", sagte Kirona mit leicht erhobener Stimme. Keine wirkliche Reaktion. "Alaryah!?", dieses Mal etwas lauter. Vertr√§umt sah Alaryah nun zu Jaro und Kirona, hatte ihre Fassung jedoch erst einen kurzen Augenblick sp√§ter wiedererlangt. "Oh...verzeiht.", sagte sie und erhob sich, dann eilte sie die Stufen zu Jaro und Kirona empor. Die beiden grinsten.
Am Ende der Treppe angekommen trafen die drei wieder auf Nativus. Er hatte sich auf eine aus gestapelten Baumst√§mmen errichtete Bank gesetzt, die vor einer kleinen H√ľtte stand. Erst beim zweiten Blick konnten die Freunde erkennen, dass die H√ľtte nicht wie ein normales Geb√§ude gebaut worden war. Viel mehr schien es, als w√ľrden die Pflanzen, Ranken und Zweige aus dem Boden kommen und die H√ľtte so zu formen. Alaryah wollte sich das ganze genauer ansehen, doch blieb stehen. Nativus lehnte sich nach vorn und machte eine einladende Geste. "Setzt euch doch.". Auch f√ľr die Gef√§hrten waren dort Sitzgelegenheiten, Gro√üe Steine mit einer dicken und weichen Moosschicht, Baumst√ľmpfe und St√§mme. Alaryah ging langsam zu einem der Steine, stellte ihren K√∂cher mit dem Bogen daran ab und setzte sich im Schneidersitz auf das Moos. Es war erstaunlich bequem. Erwartungsvoll sa√ü sie nun mit gro√üen Augen da. "Ich kann euch leider nur Quellwasser anbieten.", sagte Nativus, doch Alaryah lehnte dankend ab. "Nun sagt mir doch, wie genau soll ich euch denn nun helfen?". Er schaute in die Runde.#

Jaro Ballivòr
Dieser Ort war... schon beim Gedanken daran, Nativus' Zuhause zu beschreiben, fehlten Jaro s√§mtliche Worte. Auch wenn er versuchte zu greifen, wie er sich f√ľhlte, tasteten seine Sinne ins Leere. Es war, als bef√§nden sie sich in einer Blase, losgel√∂st von allem anderen und was blieb war die Sch√∂nheit der Natur selbst. Ja, dachte Jaro. Das beschreibt es vielleicht am besten. Das Herz der Natur selbst. Nicht nur er war bezaubert. Zumindest schloss er dies aus den Reaktionen seiner Begleiterinnen und konnte nicht anders, als sich dar√ľber zu freuen. Ihm war angenehm leicht ums Herz. So musste er tats√§chlich auch erst einen Augenblick nachdenken, weswegen sie den merkw√ľrdigen Alben aufgesucht hatten. Dass es gerade das bedr√ľckendste Erlebnis war, an das er sich zu erinnern versuchte, war der Geschwindigkeit seiner Antwort nicht gerade zutr√§glich. Sein Unterbewusstsein schien sich nur ungern von der angenehmen Ruhe zu l√∂sen, die es gefunden hatte. Trotzdem war er der erste, der sprach. Vielleicht wollten ihm die Frauen auch nur das Wort √ľberlassen. "Wir sind auf der Suche nach Informationen √ľber eine versunkene Festung, ganz hier in der N√§he. Der Hauptmann eines St√ľtzpunktes sagte uns, Ihr k√∂nntet uns vielleicht weiterhelfen."
"Selanir, mhm. Schlau von ihm, schlau in der Tat."
Jaro warf einen skeptischen Seitenblick zu Alaryah, die ihm ermutigend zunickte und so fuhr er fort.
"Ihr könnt uns also helfen? Wisst Ihr von welcher Festung ich spreche?"
Blitzschnell sprang Nativus auf, gar nicht wie ein alter Mann. Er drehte sich um, eilte zur einen und dann zur anderen Seite des kleinen H√ľgels und legte als er zur√ľckkam den Finger auf die Lippen.
"Psst! Leise, leise!", mahnte er. "Selbstverst√§ndlich wei√ü ich welche Festung ihr meint. Es gibt nur eine einzige versunkene Festung im ganzen Waldreich. Und dass sie versunken und vergessen ist, ist ein Segen f√ľr uns alle! Sie darf nicht gefunden werden. Niemals." Abermals sah er sich verstohlen um.#

Alaryah Schattenwind
Alaryah erschrak als Nativus aufsprang und w√§re beinahe von dem Stein gefallen. "Warum?", fragte sie knapp und setzte sich wieder gem√ľtlicher hin. "Warum? Warum?!", entgegnete Nativus und sch√ľttelte den Kopf. "Warum fragt sie.". Nun war Alaryah noch weniger Wohl bei der ganzen Sache und warf einen fl√ľchtigen Blick zu Kirona und Jaro. "Ich kann euch genau sagen warum, doch das besprechen wir besser nicht hier.". Ohne auf eine Reaktion zu warten huschte Nativus in die H√ľtte. "Wir...sollten mit ihm gehen, oder?", fragte Kirona und stand auf. Sie betraten nun auch die H√ľtte, wobei Alaryah dicht bei Jaro blieb. Die ganze Sache war ihr nicht geheuer, es war einfach zu viel in der letzten Zeit passiert. Doch Alaryahs Bef√ľrchtungen bewahrheiteten sich gl√ľcklicherweise nicht.
Im Inneren von Nativus H√ľtte war das Licht schummrig und die Luft war erf√ľllt von dem Geruch frisch geschnittenen Rasens. Ansonsten war die Inneneinrichtung sp√§hrlich. Eine Schlafst√§tte aus gro√üen Bl√§ttern, eine kleine Kochstelle, sowie eine gro√üe Kiste waren die auff√§lligsten Einrichtungsgegenst√§nde.
"Ruhig jetzt.", sprach Nativus mit ged√§mpfter Stimme, huschte noch einmal an den dreien vorbei und lugte aus dem Eingang der H√ľtte hinaus. "Da ehm...naja uns ist niemand gefolgt als wir...?", Alaryah verstummte, als Nativus herumwirbelte und sie direkt ansah. "Da kann man nie sicher sein, junge Albin!", zischte er und rauschte wieder heran. "Woher wisst ihr √ľberhaupt von der Festung?", fragte Nativus nun und kratzte sich am Kopf. Alaryah sah zu Kirona hin√ľber. "Es war mehr ein Zufall.", begann die Albin zu erkl√§ren, wollte dabei so wenig √ľber Kironas Zustand wie m√∂glich verraten. "Zufall? So erkl√§rt mir den Zufall doch bitte etwas genauer.". Er n√§herte sich Alaryah, die leicht verunsichert einen Schritt nach hinten machte. "Wir waren im Wald unterwegs und dann fanden wir pl√∂tzlich...". Weiter kam sie nicht. Nativus riss die Augen weit auf und hob die Arme. "Ihr wisst davon, weil ihr sie gefunden habt?! Wie k√∂nnt ihr sicher sein, dass es eine versunkene Festung ist? Ihr wart doch nicht etwa...?". Alaryah konnte seinem Blick nicht standhalten und schaute auf den Boden. "Aber der Eingang! Ihr habt ihn doch wieder versteckt?". Nun n√§herte sich Nativus auch Kirona und danach Jaro. "Wer weiss noch alles davon? Sprecht!". Nativus wurde sich der eigenen Stimmlautst√§rke bewusst, sah sich erneut um und sprach leiser, jedoch weiterhin aufgebracht, weiter. "Ihr ahnt nicht, was dort f√ľr Wissen erlangt wurde! Was dort einst passierte!". Alaryah f√ľhlte sich schuldig. "Wir waren nicht die ersten, die dort waren.", wagte sie zu berichten und fuhr dann mit den Erlebnissen in dem Labor fort, ebenso sprach sie von der Kreatur, die sie gefunden hatten und dem mysteri√∂sen Verfolger. Zwischendurch wurden ihre Knie weich, doch zwang sie sich einfach weiter zu reden. Erinnerungen kamen wieder ans Tageslicht, doch rang Alaryah diese Erlebnisse und die Tr√§nen nieder so gut sie konnte. Es schien keinen Zweck zu haben vor Nativus etwas √ľber die Festung zu verschweigen. Vielleicht war es noch nicht zu sp√§t? #

Jaro Ballivòr
Mit weit aufgerissenen Augen folgte Nativus den Erl√§uterungen. Jaro konnte nicht anders, als den eigent√ľmlichen alten Mann anzustarren. Hin und wieder bewegte sich sein Mund und wiederholte tonlos Alaryahs Worte, als k√∂nne er nicht fassen, was er da h√∂rte. Nachdem der Bericht geendet hatte, brach unangenhmes Schweigen aus. Nativus kaute an seinen Fingern√§geln. "Das ist...", setzte er schlie√ülich an, "schlimm... Furchtbar! Eine Katastrophe!" Er sprang auf und eilte zu der Kiste, riss den Deckel hoch und begann darin zu w√ľhlen. Schlie√ülich zog er ein kleines K√§sten hervor, sch√ľttete sich etwas davon auf die Hand und schnupfte es in einem Zug. "Ah," seufzte er und zog ein, zwei Mal die Nase hoch. Langsam kam er zur√ľck und setzte sich. Seine Stimme war viel ruhiger, jedoch auf unheilk√ľndigende Weise resigniert. "Ich habe gebetet, dass ich diesen Tag nicht erleben muss. Wir m√ľssen uns keine Sorgen um den machen, der das Labor vor euch fand. Der liegt tot und begraben in seiner eigenen Errungenschaft."
"Das Monster", fl√ľstere Jaro und Nativus nickte hektisch.
"Ja, ja, so kann man es nennen. Selbst hat er sich zum Monster gemacht. Und Sorgen sollte uns machen, wen ihr dort hinein gef√ľhrt habt - unbewusst, unabsichtlich", f√ľgte er schnell an, als er die entsetzten Ausdr√ľcke auf dem Gesicht der Gef√§hrten entdeckte. "Ihr habt den Schrecken gesp√ľrt, der in diesen Hallen schwebt. Es scheint, ein Teil davon wurde wieder erweckt und ich schw√∂re euch, es ist nur ein kleiner Teil. Nicht auszumalen, wenn sich jemand weiter vor wagt. Eine weitere Inquistition w√§re von N√∂ten, um das Waldreich zu retten." Er sch√ľttelte sich bei dem Gedanken. "Nein, nein...", sagte er dann mehr zu sich selbst. "Sie k√∂nnen es nicht wissen, k√∂nnen es nicht finden. Niemand wei√ü es. Nesolion hat das Wissen mit ins Grab genommen."#

Alaryah Schattenwind
"Eine...weitere Inquisition?", fragte Alaryah leise und √ľberlegte. Hatte sie schon einmal von so etwas geh√∂rt? Nein. Irgendwie war da keine Erinnerung an ein Buch oder eine Schrift √ľber eine...Inquisition. Nativus schaute auf, unterbrach sein "Sie k√∂nnen es nicht wissen, k√∂nnen es nicht finden.", was er weiterhin vor sich hermurmelte. "Ja, Inquisition. Sie nannten sich selbst "Orden der Feuerrose", wollten Experimente, die dort vorgenommen worden sind, stoppen. Zu gro√ü war die Gefahr! Diplomatie half dort nicht mehr weiter, zu sehr waren diese Narren der Machtgier verfallen.". Sein Blick wanderte leicht entr√ľckt in die Ferne. "Sie waren wenige. So wenige. Doch die wenigen, die von dem Orden in der Festung waren, haben ausgereicht um sie alle zu t√∂ten. Es gab einfach kein Entkommen.". Alaryah dachte an die Verliese und die Gr√§ber und ihr Herz wurde schwer. "Die ganze Sache musste unter den Mantel des Schweigens geh√ľllt werden. Die Leichen wurden an einem unbekannten Ort verbrannt, keine √úberreste sollten dort bleiben. Einige wurden aus der Festung und in Hinterhalte gelockt. Ein Blutbad.". Alaryah musste sich setzen. In ihrem Kopf rasten Bilder umher. Nativus sprach weiter. "Nur wenige wissen von den Laboren, die nicht gefunden wurden. Eben diese wenigen befinden sich weiterhin in Gefahr.". Kurz herrschte Stille, dann ergriff Kirona das Wort. "Was k√∂nnen sie nicht wissen oder finden? Wer sind "Sie"? Etwa die Streiter des Ordens?". Nativus nickte nur. "Der Orden hatte an Bedeutung verloren und wurde offiziell aufgel√∂st. Einige Mitglieder waren sich jedoch sicher, dass Personen aus der Festung entkommen konnten, dass jemand dieses Schlachthaus unverseht verlassen konnte. Sie streifen heute noch umher, sind auf der Suche.". Nativus schaute nun die drei Gef√§hrten nacheinander an. "Ich warne euch, seid wachsam! Man spricht von Mitteln, die die Kampfkraft steigern. Von Personen mit enormen Kr√§ften. Von Wesen, eher Bestie als Alb.". "Wer spricht davon?", h√∂rte sich Alaryah selbst fragen. "Die Augen des Waldes.", gab Nativus zur√ľck und lauschte. Nichts. Weiterhin blieben Fragen scheinbar ungekl√§rt. Alaryah war sichtlich ungl√ľcklich. Wie konnte es nur so weit kommen, dass eine ganze Festung niedergemetzelt worden war? Kirona fragte noch einmal nach. "Welches Wissen hat Nesolion mit ins Grab genommen?".#

Jaro Ballivòr
Jaro schwirrte der Kopf. Was Nativus erzählte, erklärte den Zustand der Festung. Als sei sie einfach verlassen worden... so ähnlich war es wirklich gewesen, auch wenn es wohl gewaltsam geschah. Kein Wunder, dass sie heimgesucht worden waren, während sie sich dort aufgehalten hatten. Alle... Kirona nicht. Ob ihre Trance auch damit zu tun hatte? War diese Festung womöglich das Ziel ihres Peinigers? Jaro tat die Gedanken ab. Das konnte er nicht lösen, lieber sollte er dem Gespräch folgen.
"Mmmmmh", machte Nativus gerade und umfasste seine Knie. Mit misstrauischen Seitenblicken begann er vor und zur√ľck zu wippen. "Guter Nesolion. Er hat alles aufgeschrieben, worum man ihn bat. Alles. Weil es verlangt wurde. Eine Zeit lang hat er sich nichts bei dem gedacht, das er aufschrieb. Doch dann begann er dar√ľber nachzudenken und es durchfra√ü sein Wesen und nie wieder konnte er es vergessen. Bis es ihn umgebracht hat." Vielsagend blickte Nativus in die Runde. "Dieses Wissen, meine Liebe. Alles. Forschungsergebnisse, Rezepturen, Mechanismen, Orte... Wissen, das nie erlangt werden h√§tte d√ľrfen!"
"Ich verstehe nicht", begann Kirona.
"Einfach alles!", Nativus hatte die Stimme wieder erhoben, ermahnte sich aber sogleich selbst zu Ruhe. "Wie man so ein Monster erschafft zum Beispiel. Oder ganz viele davon."
Er musste nicht weiter sprechen. Jeder konnte sich vorstellen, was es bedeutete, wenn eine Horde solcher Kreaturen √ľber das Waldreich herfiel.
"Diese Aufzeichnungen", fragte Jaro sch√ľchtern, "was ist mit ihnen passiert?"
"Verbrannt. Unwiederruflich vernichtet. Dass niemand jemals die Geheimnisse der Festung enth√ľllen kann. Dass niemand jemals die Festung findet... Doch es war umsonst." Er stockte und sch√ľttelte den Kopf. Dann sah er abrupt auf. "Wie sagtet ihr noch gleich, seid ihr in die Festung gelangt?"#

Alaryah Schattenwind
Erst schwiegen die drei, niemand traute sich wirklich etwas genauer zu werden. Irgendwann seufzte Alaryah schwach, sch√ľttelte knapp den Kopf und beschrieb den ungef√§hren Weg durch den Wald aus ihren Erinnerungen. Nativus h√∂rte genau zu, kniff die Augen zusammen und bewegte die Lippen. Dann f√ľgte Kirona pl√∂tzlich hinzu:"Der Weg...wir kannten...nein...ich kannte ihn. Wobei auch das nicht wirklich stimmt...Viel mehr hat er hier mich gerufen.". Nativus schaute nun Jaro an, der etwas erstaunt ob der pl√∂tzlichen Aufmerksamkeit war. "Wie habt ihr sie gerufen?", fragte er und ging auf Jaro zu. Noch bevor jemand reagieren konnte, hatte Kirona den Feuerstein aus der Tasche gezogen. "Nicht Jaro. Dieser Stein hier.". Fast s√§mtliche Farbe schien aus Nativus Gesicht zu entweichen, hastig machte er einen Satz nach hinten. "Wo...wie....wie...ihr k√∂nnt doch nicht...". Sein Blick zuckte zwischen den dreien hin und her. "Wie k√∂nnt ihr diesen Stein einfach so ber√ľhren?!". Alaryah dachte daran zur√ľck, als sie den Stein ber√ľhrt hatte und was das f√ľr Folgen gehabt hatte. Sie schluckte einen Klos im Hals hinunter. "Ich...weiss es auch nicht so genau.", murmelte Kirona und sah nun gebannt den Stein an. Ihre Augen wurden leicht feucht und man konnte ein schwaches Spiegelbild des Steins darin erahnen. "Von diesem Stein geht eine gro√üe und gef√§hrliche Macht aus! Seid gewarnt, handelt nicht leichtfertig.". Bedrohlich hob Nativus den Finger, doch es war als schwinge auch ein Hauch von Furcht in seiner Ansage mit. "Dennoch ist es vielleicht ein gutes Zeichen, dass ihr den Stein halten k√∂nnt.". "Wie soll es denn nun weitergehen?", fragte Alaryah etwas ratlos und lie√ü die Schultern h√§ngen. "Ich muss dar√ľber nachdenken.", sagte Nativus trocken. "Geht. Verlasst diese H√ľtte. Wartet am Fu√üe des H√ľgels auf mich, ich werde euch dann aufsuchen, sobald ich zu einem Entschluss gekommen bin.". Er machte eine ausladende Geste, drehte sich von den drei Gef√§hrten weg und ging murmelnd in die hintere Ecke der H√ľtte. Etwas erstaunt sah Kirona Jaro und Alaryah an, doch schlie√ülich kamen die drei der Anweisung von Nativus nach. So stiegen sie die Stufen wieder hinab, lie√üen sich am Fu√üe des H√ľgels nieder. Dieses Mal blieb Alaryah nicht bei den h√ľbschen Blumen stehen, zu tief war sie in Gedanken vergraben.#

Jaro Ballivòr
Jaro dachte √ľber Nativus nach. Der Alb hatte wohl den ganzen Schrecken, der sich in und um die verfallene Festungsanlage zugetragen hatte, mit erlebt oder zumindest gekannt. Nach seinen eigenen Eindr√ľcken in dieser Ruine konnte Jaro gut verstehen, dass der alte Mann Milderung gesucht und sie in Verdr√§ngung gefunden hatte. Selanir hatte ihnen seinen richtigen Namen genannt - Nesolion, den Nativus zu einer eigenen und verstorbenen Person gemacht hatte. Er hat versucht, diese Episode, dieses Wissen aus seinem Bewusstsein zu l√∂schen, dachte Jaro. Aber das war nicht gelungen. Alles, was sie ihm berichtet hatten, war ihm bekannt gewesen. Gewissensbisse kochten in Jaro hoch. Ob sie seine hart erk√§mpfte innere Ruhe nachhaltig gest√∂rt hatten? Andererseits war es ihre Pflicht, von den Ereignissen zu berichten, wenn sie nicht einer der Ausl√∂ser f√ľr ein erneutes d√ľsteres Kapitel sein wollten.
Nach einigen Augenblicken setzte Jaro sich, denn es schien, Nativus w√ľrde nicht so schnell wieder aus seiner H√ľtte heraus kommen. Neugierig lie√ü er den Blick schweifen. Das Gras war gr√ľner, als Jaro es je gesehen hatte und der alte Alb hatte sich eine wahre Pracht an verschiedenen Pflanzen und Bl√ľten gez√ľchtet. Oder die Natur war zu Nativus gekommen.
Jeder war in seine eigenen Gedanken versunken oder wollte die heilige Stille nur nicht st√∂ren und nach einer gef√ľhlten Ewigkeit kam Nativus die Stufen hinab. Er trug eine Schatulle in der Hand.
"Ich habe nachgedacht", begann er. "Ihr habt der Festung und ihren Geistern getrotzt, ihr habt ihr einen Teil ihres b√∂sartigen Herzens entrissen", dabei wies er auf Kirona, "Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ihr die richtigen seid, der Sache ein Ende zu machen." Jaro schluckte. Verlangte Nativus, dass sie in die Festung zur√ľckkehrten?!
"Ihr könnt tun, wozu Nesolion... wozu... mir damals der Mut fehlte. Ihr könnt mir Frieden schenken und das Waldreich möglicherweise vor einer neuen Katastrophe bewahren."
"Was sollen wir tun?", fragte Alaryah und Jaro bewunderte sie einmal mehr f√ľr ihre Entschlossenheit.
Nativus √∂ffnete die Schatulle. In ihrem Inneren waren verschiedenen farbige Steine gebettet, √§hnlich wie Kironas Feuerstein, doch viel kleiner, kaum gr√∂√üer als Murmeln. "Du", er wies auf Kirona, "ich wei√ü nicht warum, doch die hast die F√§higkeit die magischen Steine zu ber√ľhren. Jeder erf√ľllt eine eigene Funktion. Der, den du besitzt, bringt Tod und Feuer. Diese hier sind dazu da, die verschiedenen Eing√§nge der Festungsanlage zu versiegeln und dem Spuk ein f√ľr alle Mal ein Ende zu bereiten."
"Wie?", fragte Kirona schlicht, doch die Neugier stand ihr ins Gesicht geschrieben. Auch von diesen Steinen schien sie angezogen zu werden.
"Das wei√ü ich leider nicht genau", seufzte Nativus. "Jeder Eingang wird von einem Element bewacht." Nach einander wies er auf die Steine. "Licht, der gelbe Stein, Wasser, der blaue, braun die Erde oder auch die Natur selbst, wei√ü die Luft und dieser kleine rote f√ľr das Feuer. Alles, was ihr tun m√ľsst, ist die Eing√§nge suchen und herausfinden, wie die Steine funktionieren. Nach euren Erz√§hlungen m√ľsstet ihr durch den Eingang der Erde eingetreten sein. Das ist schon mal ein Anfang."
Jaro sah seine Gefährtinnen an. Er wusste nicht, wie sie das sahen, doch ihm erschien dies recht wenig Information zu sein.

Alaryah Schattenwind
Die pl√∂tzlich aufflammende Entschlossenheit Alaryahs hatte Eindruck hinterlassen. Sie konnte einfach nicht anders, war daraufhin etwas verlegen, h√∂rte dann jedoch weiter gespannt zu. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen um ebenfalls einen Blick in die Schatulle werfen zu k√∂nnen, die Nativus schlie√ülich Kirona aush√§ndigte. Es h√∂rte sich alles so einfach an, doch waren sich die Gef√§hrten sicher, dass es l√§ngst nicht so einfach war. "Wie k√∂nnen wir die anderen Eing√§nge denn finden?", fragte Alaryah und verzog etwas den Mund. Insgesamt waren f√ľnf Eing√§nge zu versiegeln, einen kannten sie bereits. "Die anderen vier liegen verborgen.", begann Nativus und zog ein in weiches Tuch gewickeltes Etwas aus der G√ľrteltasche hervor. Er entfaltete das Tuch und eine ramponierte, kleine Tafel kam zum Vorschein. "Du wirst die alten Verse wahrscheinlich noch am ehesten lesen k√∂nnen.", sagte Nativus und √ľberreichte Alaryah die Tafel, welche sie vorsichtig entgegen nahm. Tats√§chlich konnte Alaryah hier und da bereits erste Worte entziffern, doch war jetzt nicht die Zeit daf√ľr. Sch√ľtzend legte Alaryah nun die Hand auf die Tafel, wickelte sie dann doch lieber wieder in das Tuch ein. "Dies sind alte Aufzeichnungen niedergeschrieben, welche Euch hilfreich sein k√∂nnen.". Alaryah nickte schon fast ehrf√ľrchtig und verstaute die Tafel so sicher sie konnte in ihrer Tasche. "Nun w√ľnsche ich euch viel Erfolg auf der weiteren Reise. Ihr solltet aufbrechen und so schnell wie m√∂glich den Eingang der Erde, der Natur, verschlie√üen und f√ľr unsere Feinde unzug√§nglich machen.". "Was, wenn sie...", begann Alaryah ihren Satz, doch unterbrach sich dann selbst. Sie w√ľrden etwaige Feinde scheinbar einfach in der Festungsanlage einsperren. Doch was, wenn Freunde und Verb√ľndete dort unten waren? Was, wenn Selanir eine Erkundungstruppe zusammengestellt hatte, die die Festungsanlage auskundschaftete? Nativus schien Alaryahs Gedanken zu h√∂ren. "Ihr m√ľsst die Eing√§nge um jeden Preis versiegeln. Es wird viel mehr Tod geben, wenn das B√∂se, was dort ist, entkommt.". Alaryah gefiel der Gedanke ganz und gar nicht. Doch n√ľchtern betrachtet hatte Nativus wahrscheinlich Recht. Und so rang Alaryah noch etwas mit sich, auch dann noch, als Kirona sie sanft an der Schulter packte und in Richtung des Weges schob, den sie gekommen waren. Gerade waren die drei ein paar Schritte gegangen, da zischte ein Sperling an ihnen vorbei. Der kleine Vogel streifte fast Kironas Kopf und sie zuckte leicht erschrocken zusammen. Wie wild flatterte der Sperling um Nativus herum, der sich ebenfalls bereits zum Gehen abgewandt hatte. "Oh, nat√ľrlich, du hast recht.", h√∂rten die drei den Mann sagen und er fasste sich an die Stirn. "Wie konnte ich das nur vergessen?". Er eilte erneut zu ihnen und griff nach Jaros Hand. "Hier. Nehmt dies noch mit. Vielleicht ist es eine Hilfe.". Dann huschte Nativus davon. "Viel Erfolg, ihr Streiter des Waldes!", rief er noch aus der Ferne und hob die Hand zum Gru√ü. "Was hast du bekommen?", fragte Alaryah und legte interessiert den Kopf schief. Jaros Blick fiel auf einen d√ľnnen Packen Pergament. "Das...". Er schaute sich die einzelnen Bl√§tter an. "Das sind...Fragmente...Fragmente einer Karte?".

Jaro Ballivòr
Eine seltsame Wehmut nahm Jaro in Beschlag, als sie aufbrachen. Dieser Ort war so zauberhaft, dass er gerne noch geblieben und all seine Geheimnisse erkundet h√§tte. Auch Nativus hatte sein Interesse geweckt, so merkw√ľrdig er gewesen war. Gleichzeitig steckte ihn Alaryahs Entschlossenheit an. Sie konnten helfen.
Der Stapel der Kartenausschnitte, der sich nun in Jaros Tasche befand, weckte Ehrfurcht in ihm. Wie alt mochten diese Aufzeichnungen wohl sein? Hatte Nativus sie selbst angefertigt? Ohne weiter etwas von ihnen zu verlangen, hatte er sie gehen lassen. Vielleicht war er aber auch froh, sie und die d√ľsteren Erinnerungen wieder los zu sein.
Zu Beginn hatte Jaro einige der Karten beim Gehen inspiziert, doch es hatte sich als unm√∂gliches Unterfangen herausgestellt. Es schien, als m√ľssten die Fragmente wie ein Puzzle zusammen gesetzt werden. An den R√§ndern hatte er sich wiederholende Muster und Symbole entdeckt, die als Hinweise daf√ľr dienen konnten. Daf√ľr brauchte er Platz und au√üerdem erreichten sie bald den unsichtbaren Pfad, wo kaum Raum war, die Arme zu heben, geschweige denn mit Pergament zu hantieren.
Alaryah hatte vorgeschlagen, einen ihr bekannten Rastplatz aufzusuchen. Es war ein beliebter Ort bei den Waldl√§ufern, der von sonstigen Reisenden gemieden wurde, da er sich zu weit von gr√∂√üeren Pfaden befand. Er lag g√ľnstig, da sie am darauffolgenden Tag den Eingang der Festung erreichen konnten, aber noch weit genug davon entfernt waren, um nicht in Gefahr vor herumlungernden Feinden zu sein. Ohne die Waldalbin w√§ren Kirona und Jaro an dem Rastplatz vorbei gelaufen. Er wurde gewisserma√üen von den umliegenden B√§umen gebildet. Kleinere Gew√§chse bildeten ein sch√ľtzendes Dach und die √úberreste eines vom Blitz getroffenen Riesen boten Sitz- und Ablagem√∂glichkeiten. Jaro entdeckte eingeritzte Symbole und Alaryah erkl√§rte, dass dies Nachrichten waren, die die Waldl√§ufer sich gegenseitig hinterlie√üen. Sie gaben Entfernungen an, Wasser- und Nahrungsquellen und falls n√∂tig warnten sie vor Gefahren. Schnell entfachten sie ein kleines Feuer. Die Nacht hatte bereits ihren Schleier √ľber den Wald gelegt. Mithilfe der Kennzeichnung fanden sie essbare Pilze und ein paar Wurzeln, sodass sie ihre Vorr√§te vom St√ľtzpunkt Selanirs aufsparen konnten. Schon w√§hrend dem Essen probierte Jaro, die Kartenst√ľcke zusammen zu setzen. Das Prinzip wollte ihm aber nicht wirklich einleuchten. Es schien, als passten mehrere Fragmente zu einander. War die Karte so geschickt geteilt worden? Oder war sie ver√§ndert, entsprach nicht mehr der wirklichen Topologie und zeigte trotzdem die richtigen Wege? Das schummrige und flackernde Licht des Lagerfeuers half ihm nicht gerade bei seinen Versuchen. Jaro seufzte und sah auf. Vielleicht hatten Alaryah und Kirona eine Idee oder die Aufzeichnungen auf dem Stein konnten helfen.#

Alaryah Schattenwind
Der Rastplatz, an den sich Alaryah pl√∂tzlich erinnerte, lag in einer g√ľnstigen Position. So konnten sie noch einmal ausruhen um sich dann frisch und gest√§rkt den neuen Aufgaben und Gefahren entgegenzustellen. Das Mahl war nicht gerade √ľberaus schmackhaft oder abwechslungsreich gewesen, doch erf√ľllte es seinen Zweck. Bald waren sie gut ges√§ttigt und sowohl Kirona als auch Alaryah bemerkten wieder und wieder, wie Jaros Aufmerksamkeit auf die Kartenfragmente fiel, welche er von Nativus bekommen hatte. Sie grinsten sich an, als der Alb v√∂llig vertieft in die Aufzeichnungen vor sich hin murmelte, hier und da Teile zusammenlegte, dann drehte und wieder neu zusammensetzte. Alaryah legte schlie√ülich ihre Waffen zusammen und holte ein kleines Set zur Ausr√ľstungspflege hervor. Leise erklang das Ger√§usch einer Klinge, die gerade mit einem Wetzstein geschliffen wurde und auch Kirona verfiel in ihre eigenen Gedanken. Sie sa√ü einfach nur da, die Schatulle lag ge√∂ffnet vor ihr. Kirona hatte die Finger an die Lippen gelegt und starrte die Steine an, so als wartete sie darauf, dass die Steine ihr Fragen beantworteten, die sie ihnen gedanklich stellte. Irgendwann hob Jaro seufzend den Kopf. Direkt traf sein Blick den von Alaryah. Die Albin sa√ü am Feuer, hatte das eine Bein angewinkelt und fuhr wieder und wieder mit einem Stein √ľber eine ihrer Klingen, langsam beginnend, ruckartig endend. Ihre Miene war wie versteinert und schon fast emotionslos. Die tanzenden Flammen taten dann auch noch ihr √ľbriges. Leicht eingesch√ľchtert senkte Jaro den Kopf, doch bemerkte er, wie Alaryah ihn weiterhin mit leeren Augen anstarrte. "Ich...komme hier nicht weiter.", murmelte er schlie√ülich und Kirona wandte sich ihm zu. "Wir k√∂nnen uns das gern gemeinsam ansehen.", schlug sie vor und tippte Alaryah am Oberarm an. "Was? Nein! Er war es vielleicht...". Alaryah erschrak bei der Ber√ľhrung, doch sammelte sie sich rasch wieder. "Ehm...alles in Ordnung?", fragte Kirona und sah die Albin skeptisch an. "Jah...ja nat√ľrlich. Ich war nur in Gedanken. Was machen wir?". Ihr Blick fiel nun auf die vor Jaro liegenen Fragmente. "Die Karte. Nat√ľrlich.". Alaryah schob die Gedanken an Linor beiseite, zu duster und bedrohlich waren diese Schatten in ihrem Kopf. Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und legte ihre Ausr√ľstung beiseite. Kurze Zeit sp√§ter hockten Kirona und Alaryah nun etwas hinter Jaro und gemeinsam starrten sie die Fragmente an. Da waren Linien, Schriftzeichen, Symbole und und und. Irgendwann bemerkte Alaryah, dass sie ihren Kopf auf Jaros Schulter abgelegt hatte und fuhr hoch. Warum hatte sie...? Doch dann, als Alaryah so da stand, konnte sie diese Gedanken nicht weiter verfolgen. "Wartet mal...", sagte sie und ging ein paar kleine Schritte um die Kartenfragmente herum. "Das k√∂nnte doch...". Kirona wollte etwas sagen, doch Alaryah hob die Hand. Kirona blieb stumm. "Jaro, leg das Teil mal da hinten hin. Nein, nach links gedreht. Kirona. Halt das mal daneben.". Jetzt bemerkten auch Jaro und Kirona, was Alaryah zu sehen schien. Es handelte sich gar nicht um eine gro√üe Karte. Es waren mehrere kleine Ausschnitte. Insgesamt f√ľnf. Dann traf die Erkenntnis Jaro wie ein Blitz.#

Jaro Ballivòr
Dieser verr√ľckte alte Alb! Nativus hatte die Karten nicht nur vergessen, bis es ihm buchst√§blich ein V√∂gelchen gezwitschert hatte, er hatte auch behauptet, er wisse nicht, wo die Eing√§nge sich befanden. Es war so klar! Wieso war Jaro das vorher nicht aufgefallen? Es waren exakt f√ľnf Papierst√ľcke. F√ľnf St√ľcke - f√ľnf Eing√§nge. Triumphierend sprach Jaro dies aus. Er hatte den Eindruck, nach Alaryahs Eingebung war es ihnen dreien exakt zeitgleich wie Schuppen von den Augen gefallen. Jetzt, wo er wusste, nach was er Ausschau halten musste, war es so einfach die Hinweise zu finden. Die Symbole wiederholten sich zwar auf jeder Karte, doch jede hatte ein dominantes Thema. Die Elemente. Auch der Eingang selber war entsprechend dargestellt und vielleicht nicht nur das. Als Jaro sich die Erd-Karte genauer ansah, stellte er fest, dass der Pflanzenbewuchs auch in Wirklichkeit so ausgesehen hatte. Hie√ü das, dass sich der Wasser-Eingang hinter einem Wasserfall befand? Der des Lichts nur bei Sonnenlicht zur Mittagszeit zu finden war? Auch diese Ideen teilte er mit Alaryah und Kirona. "Du hast Recht", rief letztere aus. "Dann muss dieser hier erh√∂ht liegen und dem Wind ausgesetzt sein. Und dieser..." Sie stockte und alle drei sahen sie zu den verbrannten √úberresten des vom Blitz getroffenen Baumes.#
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#46

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Di 24. Jul 2018, 23:21

Alaryah Schattenwind
"Das kann doch nicht...". Kirona war als erstes zu den √úberresten des Baumes gehuscht und hatte angefangen dort zu w√ľhlen, zu tasten und zu untersuchen. Jaro schloss sich kurzerhand an, auch Alaryah folgte. Irgendwann jedoch erhob sich die Albin. Ihre H√§nde waren schmutzig und sie klopfte sie an ihrer Kleidung ab. "Meint ihr nicht...naja...Meint ihr nicht, dass das etwas zu...einfach w√§re?". Der anf√§ngliche Tatendrang der Gruppe bekam einen kleinen D√§mpfer. "Dann lasst uns doch zuerst den Eingang der Erde oder der Natur schlie√üen.", schlug Kirona vor und erfuhr allgemeine Zustimmung.

Am n√§chsten Morgen waren die Gef√§hrten bereits fr√ľh auf den Beinen. Niemand konnte wirklich lange schlafen, doch waren die wenigen Stunden Schlaf wohltuender gewesen als gedacht. So brachen sie das Lager ab und machten sich zur√ľck auf den Weg zu dem Eingang in die Festung, der ihnen den Auftakt zu diesem doch recht packenden und gef√§hrlichen Abenteuer geliefert hatte.
Mit jedem Schritt, den sie n√§her an den Eingang der Festung kamen, f√ľhlte Alaryah eine Art Beklommenheit in sich heranwachsen. Eigentlich hatte sie sich immer sicher innerhalb der Grenzen des Waldreiches gef√ľhlt, doch irgendwie war es dieses Mal anders. Sie dachte an das erlebte und hoffte, dass sie nicht zu bald wieder in die Hallen, Kavernen und Verliese vordringen mussten. Vor allem hoffte die Albin jedoch, dass sie nicht wieder auf einen Feind treffen mochten. "Ich schlage vor ihr wartet hier einen Moment.", sagte Alaryah bestimmend und deutete per Handzeichen an langsamer zu werden. "Ich werde ein St√ľck vorausgehen und nachschauen, ob wir dort bei dem ersten Eingang ungest√∂rt sind.". Zaghaftes Nicken. Auch die Wachsamkeit ihrer Gef√§hrten steig nun an. Alaryah verschwand im Unterholz. "Sei vorsichtig!", h√∂rte sie noch hinter sich w√§hrend sie erneut ihre Sinne sch√§rfte.

"Nichts.". Alaryah war so pl√∂tzlich wieder aufgetaucht, wie sie verschwunden war. "So wie es aussieht ist dort niemand. Keine Spuren, keine Anzeichen auf...Gesellschaft.". Dann wurden Alaryahs Gesichtsz√ľge wieder weicher. "Kommt, gehen wir!".

Jaro Ballivòr
Was Jaro zuerst auffiel war, dass es nichts Auff√§lliges gab. Der Ort war ebenso unscheinbar wie bei ihrem ersten Besuch und auch dieses Mal h√§tte er hier nie und nimmer einen Eingang zu einer riesigen Festungsanlage vermutet, h√§tte er es nicht besser gewusst. Hatte ihr unheimlicher Verfolger seine Spuren verwischt? Oder lag es in der Magie der Pforten, sich wieder zu verbergen, nachdem sie genutzt worden waren? Langsam n√§herten sie sich der Stelle, wo Kirona den Eingang freigelegt hatte. Jaro hatte das entsprechende Kartenst√ľck herausgeholt, weil er hoffte, Hinweise zu entdecken, wie die Eing√§nge zu finden waren. Es stellte sich aber heraus, dass sie es sogar dringend f√ľr die eigentliche Suche brauchten, denn Kirona konnte sich nicht an ihr Handeln erinnern. Wage besann sich Jaro, dass sie den Boden mit ihrem Stock abgeklopft und schlie√ülich mithilfe einer Liane den Weg zur Pforte gefunden hatte. Er blickte auf das Kartenfragment. "Seht", sagte er. "Diese Verzierung am Rand k√∂nnte die Schlingpflanze sein, die uns zu der Wand mit den Schriftzeichen gef√ľhrt hat. K√∂nnte... wenn ich nicht nur sehe, was ich sehen will." Zwischen den verzierten Strichen waren die Symbole der Elemente aufgetragen. Hatte Kirona auf der Steinwand nicht eben solche Elementsymbole aktiviert? Unsicher sah er auf und dann wieder hinab zu der Karte. Alaryah folgte mit dem Finger den geschwungenen Linien. "Hier f√ľhrt sie in die Karte hinein." Tats√§chlich! Aufgeregt flog Jaros Blick √ľber die Abbildung und dann auf den umliegenden Bereich. Alaryah war bereits ein paar Schritte zur Seite gegangen. "So ungef√§hr hier..." Sie knieten ab und tasteten den Boden entlang. "Da!", rief Kirona aus und packte den kr√§ftigen gr√ľnen Strang. Eilig folgten sie ihm und begannen ebenso hektisch wie Kirona damals die Pflanzen von der verborgenen Wand zu rei√üen. "Da ist er...", fl√ľsterte Jaro und schluckte schwer. Blo√ü nicht noch einmal hinein gehen... "Nun m√ľssen wir nur noch herausfinden, was wir mit dem Erdstein anfangen sollen." Kirona hatte den kleinen braunen Stein heraus geholt und Jaro h√§tte schw√∂ren k√∂nnen, dass er schwach pulsierte ob der N√§he zu seinem Bestimmungsort.

Alaryah Schattenwind
Mit gro√üen Augen verfolgte Alaryah die Szenerie. "Erdstein...Mh...". Sie murmelte leise vor sich hin, dachte laut, kam aber zu keinem wirklichen Ergebnis. "Seht doch, dort!", rief Kirona schlie√ülich und zeigte mit ihrem Stock auf den Sturz des Eingangs. Dort oben, fast gar nicht zu erkennen, hatte man eine kleine Einkerbung in den Rahmen gepresst. "Vielleicht muss der Stein ja dort hinein?". Die drei Gef√§hrten sahen sich an. Keiner von ihnen war gro√ü genug um den Stein in die Fassung zu bringen. Erst sahen sie sich um, ob man nicht einen Baumstumpf oder √§hnliches organisieren konnte, doch dann ging Alaryah zu Jaro hin√ľber. "Komm, wir heben Kirona hoch.". Erst schien Jaro etwas irritiert. "Wie sollen wir denn...?". "Ich zeigs dir. Pass auf, wir stellen uns hier dr√ľben hin.". Sie fasste Jaro am Handgelenk und positionierte ihn dann neben dem Sturz. "So. Jetzt legst du deine Hand hier auf meine Schulter, ich greife dann hier deinen Arm und dann...". Kurze Zeit sp√§ter war es dann soweit. Alaryah und Jaro standen sich gegen√ľber, die Knie leicht gebeugt. "Kirona, steig jetzt hier auf den Oberschenkel, dann kannst du hier oben hin.". Kirona war skeptisch. "Kirona, nun mach schon. So heben wir Waldl√§ufer schon seit Ewigkeiten unsere Leute √ľber Hindernisse oder in Richtung hoch gelegener √Ąste, die wir durch klettern nicht erreichen k√∂nnen.". Jaro nickte ihr aufmunternd zu. Kirona seufzte. "Ich hoffe wir brechen uns dabei nichts...w√§re ein ruhmloses Ende unserer ersten Etappe.". Dann wagte Kirona schlie√ülich den Aufstieg. Langsam kamen Alaryah und Jaro aus ihrer leicht hockenden Position, balancierten Kirona dabei sicher und gleichm√§√üig. Auch wenn es, aufgrund der unterschiedlichen K√∂rpergr√∂√üe der beiden, nicht ganz so leicht war kam Kirona letztendlich doch an die Einkerbung. "Geschafft!", freute sich die junge Frau und ein leises Klacken war zu vernehmen. Dann brummte es laut und ein sanftes Beben war zu sp√ľhren. Eine seltsame Schicht, vielleicht Lehm, Schlacke oder etwas ganz anders, bahnte sich ihren Weg aus Richtung des Erdsteins nach unten. Das Beben wurde St√§rker und Alaryah und Jaro hatten enorme Schwierigkeiten Kirona zu halten. Alaryah biss die Z√§hne aufeinander und kniff die Augen zusammen. Sie versuchte sich zu konzentrieren, doch gelang es ihr aufgrund des Get√∂ses um sie herum nicht. Ihre H√§nde wurden schwitzig und schlie√ülich rutschte sie ab. Die von den dreien gebildete Pyramide brach in sich zusammen wie ein Kartenhaus und wenige Augenblicke sp√§ter lagen sie wie ein Kn√§ul vor dem Eingang der Festung. Alaryah √∂ffnete die Augen. Es war still um sie herum. "Seht.", sagte Kirona leise und entwirrte sich aus dem Gew√ľhl. Auch Jaro erhob sich, half dann Alaryah auf die Beine. Nun sahen sie es. Der gesamte Eingang war mit einer Schicht bedeckt, die Harz oder gar Bernstein glich. Der Stein selbst war verschwunden. "Sonderbar.". Alaryah nahm all ihren Mut zusammen und ber√ľhrte die neu geschaffene Barriere. Kein Lichtschein fiel hindurch. Die Barriere hatte sich wie eine Kralle um den Eingang geschlossen. "Ich glaube...wir sind hier fertig.", h√∂rte Alaryah Kirona von hinten sagen. "Hoffen wir mal, dass es bei den anderen Eing√§ngen auch so schnell und problemlos geht...", fl√ľsterte Alaryah kaum h√∂rbar vor sich hin.

Jaro Ballivòr
Ja... das hoffte Jaro auch. Wenn unter seinen Freunden begraben zu werden, das einzige Risiko darstellte, sollte ihm das Recht sein. "Vor allem m√ľssen wir die anderen erst einmal finden", seufzte Jaro. Er verstaute das Kartenst√ľck f√ľr den Erdeingang in seiner Tasche und f√§cherte die √ľbrigen auf, sodass sie alle sehen konnten. Die Liane war als Indiz f√ľr den Eingang an den Rand der Karten gezeichnet gewesen und die Karte selber hatte nur deren Position grob wiedergegeben. Was, wenn die Verzierungen die eigentliche Information bargen? An den R√§ndern der Feuerkarte zuckten Blitze hinab, es gab Rauch und Flammen und zwischen allem fanden sich die anderen Elemente, B√§ume und Lichtstrahlen. Die anderen waren √§hnlich. Wasser zeigte Tropfenmuster und einen sich schl√§ngelnden Flusslauf, Licht wies Planeten und Licht und Schatten auf und Luft war dominiert von Str√∂mungslinien und Gipfeln. "Lasst uns doch mit dem Offensichtlichsten beginnen", sagte Kirona und Jaro fragte sich, was das sein sollte. "Gibt es hier einen Flusslauf in der N√§he?" Alaryah kniff die Augen ein wenig zusammen. "Das Waldreich wird √ľberall von Wasserl√§ufen durchzogen, aber einen gro√üen Fluss gibt es hier nicht." Kirona sch√ľttelte den Kopf. "Das macht nichts. Ich denke sowieso nicht, dass es ein gro√ües Gew√§sser ist. Lasst uns einfach zum n√§chstgelegenen Bach gehen und uns dort umsehen. Besser, als hier herzum zu stehen ist das allemal."

Mit einem letzten Blick auf das versiegelte Portal machten sie sich auf den Weg. Alaryah hatte eine Vermutung, in welche Richtung sich die Festungsanlage unterirdisch ungef√§hr erstreckte und dieser folgten sie, da dort auch ein mittelgro√üer Bach verlief. Jaro konnte nicht sagen, ob sie mit der Richtung Recht hatte. In dem Augenblick, in dem ihn die Finsternis der Ruine verschlungen hatte, hatte er s√§mtliche Orientierung verloren gehabt. Beim Gehen √ľberpr√ľfte er immer wieder seine Karten. Bereits zuvor hatte er erkannt, dass - wie die Liane - alle Rahmensymbole an einer Stelle in die Karte m√ľndeten. Im Falle des Fl√ľssleins wirkte es, als werde es immer d√ľnner, je n√§her es der Mitte der Pergaments kam. Vielleicht hatte Kirona Recht und sie waren auf der Suche nach einem kleinen Gew√§sser. Das w√ľrde die Suche nicht gerade erleichtern. In der Stille des Waldes begann Jaro trotz allen Schwierigkeiten Gefallen an der Aufgabe zu finden. Bislang waren sie unbehelligt voran gekommen und hatten einen ersten Erfolg erzielt. Gerade als er sich der freudigen Anspannung hingeben wollte, krachte er in Alaryah, die urpl√∂tzlich stehen geblieben war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah zuckte zusammen, Jaro presste ein dumpfes "Uff." zwischen den Lippen hervor. "Das kann ja heiter werden.". Kironas Blick folgte Alaryahs Fingerzeig und auch Jaro schaute nun an der kleinen Albin vorbei. Der Bach wurde nun von mehreren weiteren, kleineren Flussl√§ufen gespeist, die aus unterschiedlichen Richtungen kamen. Die kleine Albin lie√ü entt√§uscht die Schultern h√§ngen. Das w√ľrde nicht einfach werden. "Welchem Flusslauf folgen wir nun am besten?". Ein erster Entschluss war schnell gef√§llt und so machten sich die drei wieder auf den Weg. Leider erfolglos. Wieder und wieder liefen Bachl√§ufe zusammen, teilten sich, versiegten oder endeten in einem kleinen See oder T√ľmpel. Irgendwann hatten sie schlie√ülich die Orientierung verloren. Alaryah verfluchte sich. Wie konnte das passieren? Sie? Die Orientierung verloren?! Je weiter sie gingen und je mehr Misserfolge sich abzeichneten, desto gereizter wurde die kleine Albin. Es war ihr unangenehm, war sie doch bisher eine gute F√§hrtenleserin gewesen. Sie war eine Waldl√§uferin! In ihrem eigenen Wald! Bald schon schwieg Alaryah nur noch, murmelte finster dreinblickend Worte vor sich hin. "...doch nicht sein..." oder "...nicht schon wieder...". "Dort vorn ist auch noch ein...". "ICH WEISS...", unterbrach Alaryah pl√∂tzlich Kirona, die die Albin dann erschrocken und mit aufgerissenen Augen ansah. "Ich weiss, dass dort noch eine weitere Abzweigung ist.", sprach Alaryah weiter, zwang sich selbst zur Gelassenheit. In Gedanken versuchte Alaryah noch einmal den Weg zu verfolgen, den sie bereits gegangen waren. Machte es √ľberhaupt Sinn diese Route zu nehmen? Aber was sollten sie tun? Die Festung m√ľsste unterirdisch hier verlaufen...oder in der N√§he. Der Bach war der richtige, so viel stand fest. Alaryah lies den Bogen fallen, trat gegen ein am Boden liegendes Steinchen, welches mit leisem "Plupp" im Wasser landete. "Verzeiht.". Diese Gef√ľhle der Wut waren recht neu f√ľr Alaryah. Sie waren √§hnlich wie dieses Feuer das sie empfand, w√§hrend sie auf der Jagd oder in K√§mpfe verwickelt war. Zus√§tzlich waren ihr die Gef√ľhle auch noch in Gegenwart ihrer Gef√§hrten entglitten. "Wir haben...wir sind hier falsch.". Mit einer Mischung aus Entt√§uschung, Wut auf sich selbst und die Situation setzte sich Alaryah auf den Boden und grummelte vor sich hin. "Das war doch v√∂llig umsonst. Wir m√ľssen vielleicht noch einmal ganz von vorn beginnen.", sprach sie leise in ihren √Ąrmel hinein.

Jaro Ballivòr
Jaros Abenteuerlust wich Unbehagen, als er Alaryahs Resignation sp√ľrte. Die meiste Zeit verhielt er sich recht still. Wie sollte er auch helfen, wenn selbst die Waldalbin Schwierigkeiten hatte, einen vielversprechenden Weg zu finden? Alles sah gleich aus und nichts deutete darauf hin, dass sich irgendwo unter ihnen eine eingemauerte H√∂lle befand. Als Alaryah sich hinsetzte, wagte Jaro nicht zu fragen, wie weit der n√§chste Bach entfernt sei. Stattdessen ging er zum Ufer und starrte in das vorbei pl√§tschernde Nass, in der Hoffnung es m√∂ge ihm sein Geheimnis verraten. Das Wasser war glasklar und k√ľhl. Jaro trank ein paar Schl√ľcke aus der hohlen Hand. Es war k√∂stlich. "Wie das Wasser, dass daheim in den Bergen entspringt", dachte er. Fast im selben Moment durchfuhr ihn ein Geistesblitz und er zog eilig die Karten hervor. Die Linie des angedeuteten Baches f√ľhrte exakt in die Mitte - und die Mitte zeigte neben dem schematischen Wald auch etwas anderes: Stein. Was wenn... "Eine Quelle?", murmelte Jaro. "Der Eingang ist vielleicht die Quelle des Baches." Er war aufgestanden und ging auf Alaryah und Kirona zu. "Vielleicht sind wir ihm einfach noch nicht weit genug gefolgt." Zwar reichte seine Idee nicht, Alaryah die Zuversicht wieder zu geben, doch zum Aufbrechen, um der Sache auf den Grund zu gehen, schon. Wie zuvor war es gar nicht so leicht dem Lauf des Hauptbaches zu folgen, da er sich wand und schl√§ngelte und √ľber alle kleinere Seitenarme abzweigten. Als Jaro schon meinte, es nehme nie ein Ende, erreichten sie einen kleinen Felsvorsprung, aus dem das Wasser etwa auf halber H√∂he in einem kleinen Wasserfall heraus pl√§tscherte. Gemeinsam inspizierten sie den Fels, w√ľhlten im Grund des Baches, griffen in die √Ėffnung aus der das Wasser herausscho√ü, doch nichts. Hatte er sie auf einen falschen Pfad gef√ľhrt? War der ganze Weg umsonst gewesen? "Aber das Wasser zeigt hier in die Mitte", beharrte er, wie um sich zu verteidigen und hielt die Karte hoch. "Vielleicht", sprang Kirona ein, "ist nicht das Wasser, sondern das Fehlen von Wasser das Indiz... Immerhin mussten wir an der ersten Pforte auch den Bewuchs entfernen..." Mit diesen Worten trat sie wieder an den Austritt heran und hielt ihre H√§nde davor. "Helft mir mal", bat sie, da die √Ėffnung zu gro√ü war und so legten sie alle drei ihre H√§nde auf, bis nur noch ein kleines Rinnsal hervor trat. Ihre Blicke trafen sich. Die Wand war mit glitschigen Algen √ľberzogen, doch die Symbole waren nicht zu √ľbersehen. "Das ist es..." fl√ľsterte Jaro. Kirona musste ihre H√§nde wegnehmen, um den Wasserstein herauszufischen und kurz verschwand ein Teil der Markierungen wieder unter dem jungen Bach. Der Stein leuchtete hell, dieses Mal war Jaro sich sicher und nach einigem Suchen und etlichen Verrenkungen hatten sie die Kerbe gefunden, die den Stein aufnehmen konnte. "Auf drei... Drei, zwei, eins..." Jaro sah nur noch Wasser. Eine wuchtige Font√§ne schleuderte ihn gut drei Meter nach hinten, Alaryah und Kirona ebenso. Sie waren klatschnass. Jaro k√§mpfte sich auf die Beine. Gott sei Dank war er auf weichem Grund gelandet und auch den anderen schien es gut zu gehen. Dort, wo zuvor ein kleiner Sturzbach aus der Wand getreten war, dr√∂hnte nun ein beachtlicher Wasserfall herunter. Die H√§lfte des Felsens war weggerissen worden, sodass es unm√∂glich war, in die N√§he der Quelle zu klettern ohne vom Wasser fort gerissen zu werden. "Nummer zwei", triumphierte Kirona und grinste in die Runde.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#47

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » Do 9. Aug 2018, 08:42

Alaryah Schattenwind
Prustend rappelte sich Alaryah wieder auf. Sie war patschnass. Etwas m√ľhsam wischte sie sich die nun triefenden Haarstr√§hnen aus dem Gesicht, von dem blauen Dreieck unter ihrem Auge war nur noch ein unf√∂rmiger Fleck √ľbrig geblieben. "War das wirklich n√∂tig?!", fragte sie in die Runde, ganz so als h√§tte auch nur irgendjemand von Ihnen Einfluss auf das Geschehene gehabt.
Es dauerte nicht lange, da hatten die drei sich einen Platz gesucht um ihre Kleidung und vor allem sich selbst zu trocknen. Kirona kicherte leise, als Alaryah missmutig ihre Stiefel voller Wasser ausleerte, doch verstummte abrupt als die Blicke der Albin hochschossen. Als Alaryah wieder mit sich selbst beschäftigt war trafen sich die Blicke von Kirona und Jaro, auch er musste sich ein Grinsen verkneifen.

Die Ausr√ľstung war durch den pl√∂tzlichen Wassereinbruch zum Gl√ľck nicht besch√§digt worden, auch die Kartenausschnitte und Pergamente hatten die Feuchtigkeit gut √ľberstanden.
"Lasst uns schon einmal weiterziehen.", schlug Alaryah vor und warf sich die restlichen, noch etwas klammen Kleidungsst√ľcke √ľber die Schulter. Ihre Stiefel in der linken Hand tragend tappte sie etwas umher, genoss das Gef√ľhl von Wiese unter ihren F√ľ√üen. "Kommt schon!".
So zogen die drei schließlich weiter und suchten den neuen Eingang, der zu verschließen war.

Leider verlief die weitere Suche eher erfolglos. Alaryah las wieder und wieder von ihren Tafeln vor, versuchte Jaros suche per Kartenausschnitt zu unterst√ľtzen. "Das wird doch heute nichts mehr...", grummelte die Albin schlie√ülich und sah sich um. Langsam aber sicher wurde es dunkler und schon bald war es Zeit ein Lager aufzuschlagen.
"Meint ihr nicht, dass dort ein guter Platz ist?", fragte Kirona und deutete auf einen flachen H√ľgel, um welchen sich mehrere Kiefern reihten. Die B√§ume w√ľrden sie verbergen, doch w√ľrden die drei, falls sie Nachtwachen aufstellen wollten, jederzeit das Geschehen um sich herum verfolgen k√∂nnen.
Alaryah z√∂gerte einen Moment. Dann schob sie einen d√ľsteren Gedanken beiseite und schaute in die Runde. "Ja, gehen wir!".

Jaro Ballivòr
Wie schon nach dem Verschlie√üen der Erdeingangs, war Jaro euphorisch und voll Tatendrang und ebenso ern√ľchternd waren ihre direkt folgenden Bem√ľhungen. Hatten sie einfach Gl√ľck gehabt? Oder war das Wasser schlicht das einfachste gewesen? Jaro versuchte sich Mut zu machen. Auch diesen Eingang hatten sie nicht gleich entdeckt. Wie lange waren sie den Wasserl√§ufen gefolgt? Wie verzweifelt waren sie schon gewesen? Nein. Es gab keinen Grund zu resignieren. Wenn sie nur beharrlich blieben, w√ľrde ihnen eine Einzelheit auffallen, ein entscheidendes Detail, das ihre Schritte lenkte. Feuer, Licht und Luft waren noch √ľbrig... Immer wieder hatte Jaro die Karten studiert, aber au√üer, dass sie einen eindeutigen Bezug zu ihrem jeweiligen Element hatten, war ihm nichts aufgefallen. Selbst mit Bezug zu Alaryahs alten Schrifttafeln, waren sie immer nur wieder bei den Elementen selbst gelandet. Und so allumgebend Licht und Luft hier im Wald waren, so rar war das Feuer. Wieder dachte er an den vom Blitz getroffenen Baum. Es war gut m√∂glich, dass es nur Spuren des Elements waren, das sie suchten. Seufzend folgte er Kirona und Alaryah auf den kleinen H√ľgel. Die Dunkelheit verleibte sich den Wald St√ľck f√ľr St√ľck ein. Grillen zirbten und die ersten Gl√ľhw√ľrmchen schwebten durch das Unterholz. Jaro fand den Lagerplatz perfekt, obwohl ihm Alaryahs Z√∂gern nicht entgangen war.
"Ist alles in Ordnung?", fragte er, w√§hrend sie ihr Gep√§ck ablegten und die Albin sich daran machte, ein Feuer zu entz√ľnden. F√ľr gew√∂hnlich vermochte Alaryah Hinweise in ihrer Umgebung zu erkennen, die ihm und Kirona unsichtbar blieben. Hatte sie etwas gemerkt? Oder war es der Ort selbst, der ihr Unbehagen bereitete?

Alaryah Schattenwind
"Ich...hmmm...ich bin mir nicht sicher.", gab Alaryah zögerlich zu. In Gedanken vertieft entfachte sie schließlich ein Feuer und die Gefährten konnten zu Abend essen. Auch Kirona war auf Alaryahs Wachsamkeit aufmerksam geworden, so sprach auch sie die Albin auf ihr Verhalten an. "Diese Gegend hier. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor...und das, obwohl ich selbst noch nicht hier gewesen bin.". Alaryah kramte in den Tiefen ihrer Erinnerungen und Gedanken. Gab es da nicht irgendetwas?
Die drei verfielen in Schweigen, nur das Knistern der Flammen durchtrennte die Stille wieder und wieder. Auch dies bereitete Alaryah in gewisser Weise Unbehagen. Wo waren die nächtlichen Geräusche des Waldes? Die Tiere? Der Wind?
Aus den Augenwinkeln konnte Alaryah erkennen, dass Kirona die Augen zufielen und langsam neigte sich ihr Kopf zur Seite. Es raschelte leise, als Kirona sich in eine bequeme Schlafposition begab und schließlich war ruhig und leise ihr Atem zu hören.
"Kommt es dir nicht komisch vor?", fragte Alaryah Jaro mit ged√§mpfter Stimme. Er war etwas irritiert und so erl√§uterte Alaryah ihre Frage etwas. "Nunja, h√∂rst du etwas?". Sie lauschten gemeinsam. Abgesehen von dem Feuer als Ger√§uschquell war nun wieder Stille um sie herum. "Sonst treibt sich doch immer etwas im Unterholz herum, oder?". Alaryahs Frage war eigentlich mehr eine Feststellung. Weiterhin gr√ľbelnd, ob sich nicht doch noch eine Erinnerungen finden lassen w√ľrde, sa√ü die kleine Albin nun da und starrte in die Flammen. Erst Jaros ebenfalls ged√§mpfte Stimme riss sie wieder aus ihren ergebnislosen Gedanken.

Jaro Ballivòr
Angstrengt lauschte er. "Du hast recht!" Es war tats√§chlich so still, dass er sich kaum traute, die Stimme zu heben. Nun, da Alaryah ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, konnte Jaro nicht mehr anders, als nach den √ľblichen Lauten des Waldes zu forschen. "Vielleicht... vielleicht hat das etwas mit diesem Ort zu tun; mit dieser Festung. Wenn ich eine W√ľhlmaus w√§re, w√ľrde ich hier auch nicht leben wollen." Es war aufmunternd gemeint gewesen, doch als er es aussprach, klang es irgendwie kl√§glich. "Was, wenn die Tiere das B√∂se dieses Ortes sp√ľren?", fuhr er fort, um zu zeigen, dass er es ernst meinte und nicht √ľber Alaryahs Sorge scherzte. Jaro kannte sich nicht besonders mit Tieren und Pflanzen aus, doch er hatte schon immer das Gef√ľhl gehabt, dass sie ihre Umgebung ganzheitlicher wahrnahmen. Was sollte sonst jegliches Leben von hier vertrieben haben? Der Wald war √ľppig und gr√ľn, bot alles, was es brauchte, um f√ľr Lebewesen aller Art zum Heim zu werden. Immerhin die Natur schien dem B√∂sen zu trotzen, das hier geschehen war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah dachte kurz √ľber Jaros Worte nach. "Das mag nicht ganz unrichtig sein.", murmelte sie. "Aber bisher war doch immer etwas los, auch in unmittelbarer N√§he der Festung. Sind wir gerade wirklich so nah? Oder direkt dar√ľber? Das kann ich mir gerade nicht ganz vorstellen.". Man konnte nicht genau sagen, ob Alaryah sich dies einreden wollte, oder ob sie es wirklich ernst meinte.
Wieder passierte ein paar Augenblicke nichts, dann hob Alaryah den Kopf. √úber die Flammen hinweg schaute sie Jaro nun direkt an. "Jaro, ich...". Eigentlich hatte sie seinem nun folgenden Blick ausweichen wollen, doch starrte sie Jaro weiterhin fest an. "Ich glaube, ich habe ihn wieder gesehen. Im Wald. Als ich Tinriel gesucht habe. Linor.".

Jaro Ballivòr
Nat√ľrlich... Wieder hatte Alaryah Recht. "Hm", machte er und starrte nachdenklich in die Flammen. Hatte es doch etwas mit dem H√ľgel zu tun, auf dem sie sa√üen? Oder waren sie m√∂glicherweise nicht allein? In mitten dieser Gedanken setzte Alaryah an und augenblicklich schlug Jaros Herz fester. Es war die Art wie sie begann und ihn ansah, gepaart mit der merkw√ľrdigen Stille an diesem Ort, die ihm Angst machte. "Linor?", wiederholte er ungl√§ubig. "Der Musiker?" Alaryah machte nicht den Eindruck, als sei es ein freudiges Wiedersehen gewesen. "Mitten im Wald?" Jaro ertappte sich dabei, wie er seine Gedanken laut aussprach. "Aber was hatte er dort... war er einer der Angreifer?" platzte er schlie√ülich hervor. Was, wenn Linor nicht zuf√§llig bei diesem Fest gewesen war? Nein. Das war alles viel zu verr√ľckt. Bestimmt war er nur auf Reisen gewesen; zur n√§chsten Stadt, zum n√§chsten Auftritt. Bestimmt. Hoffentlich. Doch ein Blick in Alaryahs Augen gen√ľgte, um diese Hoffnung in Luft aufzul√∂sen.

Alaryah Schattenwind
Erst nickte Alaryah nur, dann verzog sie skeptisch den Mund. "Nicht ganz. Also...ich weiss es einfach nicht.". Sie wandte f√ľr ein paar Sekunden den Blick von Jaro ab. "Jemand rettete Tinriel und mich vor einem Angreifer. Ich kann nicht genau sagen, wer es war...aber da waren diese Worte...". Ihr Blick flog zur√ľck zu Jaro. ""Flieg nur, V√∂gelchen, flieg.".", zitierte Alaryah und kauerte sich bei den Worten zusammen. "Linor hatte es bei dem Fest gesagt.", brummelte sie leise. "Was, wenn er es war? Was hatte er dort zu suchen?".

Jaro Ballivòr
Gebannt folgte Jaro Alaryahs Worten. "Das... das hast du ja gar nicht erz√§hlt! Ich meine, kein Vorwurf... aber das ist ja furchtbar gruselig. Du hast das die ganze Zeit mit dir herum geschleppt?" Mit einem Stock stocherte Jaro im Boden vor sich herum. "Vielleicht hat jemand diese Worte belauscht... aber wer?" Andererseits, f√ľgte er in Gedanken hinzu, hatte Linor Alaryah gemocht... m√∂glicherweise war er ihr gefolgt, einfach, um sie wiederzusehen und ihr dann zur Rettung geeilt. Das erkl√§rte aber nicht, wie ein Musiker in der Lage war, einen Angreifer zu besiegen, mit dem Alaryah alleine scheinbar nicht klar gekommen war. "Sein Gesicht hast du nicht gesehen?", fragte Jaro vorsichtig. Er war neugierig und er wollte Alaryah helfen. Auf der anderen Seite wollte er nicht zu tief bohren, da ihr dieses Thema offensichtlich und nachvollziehbar nicht geheuer war.

Alaryah Schattenwind
"Nicht wirklich.", musste Alaryah leise zugeben. "Ich habe nur diese Worte geh√∂rt und es traf mich wie ein Blitz. Das kann doch kein Zufall gewesen sein?". Ratlos schaute Alaryah nun Jaro zu, wie er weiter mit dem Stock im Boden stocherte und ihn dann in das Feuer hielt. "Es hat sich irgendwie nicht die Gelegenheit ergeben dar√ľber zu sprechen.", versuchte sich Alaryah zu erkl√§ren. Ein schlechtes Gewissen kroch in ihr hoch, vielleicht hatte sie mit ihrem Schweigen ja sogar ihre Gef√§hrten in Gefahr gebracht? Auch diesen Gedanken teilte sie nun schlie√ülich mit Jaro. "Wenn ich eins nicht wollte, dann das.", sagte sie noch. Die M√∂glichkeit, dass Linor ebenfalls hinter ihnen her war, behagte Alaryah √ľberhaupt nicht. "Jaro, noch etwas...Linor kam uns entgegen. Als wir mit der Familie unterwegs waren. Er h√§tte eigentlich aus der gleichen Richtung kommen sollen wie wir..."

Jaro Ballivòr
Jaro setzte ein aufmunterndes L√§cheln auf. "Du machst dir zu viele Gedanken, Alaryah. Ich denke nicht, dass die Gefahr f√ľr uns gr√∂√üer war, als wenn wir es gewusst h√§tten... aber du sollst wissen, dass du immer mit uns reden kannst." Irgendwie fiel es Jaro leichter, in der Merhzahl zu sprechen, als von sich alleine. Trotz allem, was sie bereits gemeinsam erlebt hatten, hatte er seine Sch√ľchternheit nicht komplett ablegen k√∂nnen. "Vor allem, wenn dich etwas bedr√ľckt." Alaryah war noch immer tief in Gedanken versunken und was sie dann sagte, traf Jaro wie ein Schlag. Er hatte komplett vergessen, dass sie Linor schon zuvor getroffen hatten... geschweige denn, dass ihm aufgefallen w√§re, woher der Alb gekommen war. "Das..." Er stockte. "Mir gef√§llt das nicht... Meinst du wir werden paranoid? Vielleicht gibt es eine einfach Erkl√§rung. Was, wenn er direkt nach dem Fest aufgebrochen ist, um irgendetwas zu erledigen und dann schon wieder auf dem R√ľckweg war? Ich meine, wir wurden verh√∂rt, wir waren in dieser Festung..." Jaro klammerte sich an diesen Gedanken. "Er h√§tte genug Zeit gehabt, etwas zu besorgen und wieder zur√ľck zu kehren... Oder?" Hilfesuchend sah er Alaryah an. "Oder... er hat uns gesucht... aber dann h√§tte er uns ja nicht einfach weiter fahren lassen. Das macht doch alles keinen Sinn!"

Alaryah Schattenwind
Jaros liebe Worte bauten Alaryah wieder etwas auf. Sie versprach sogar, das n√§chste Mal eher mit der Sprache herauszur√ľcken. Dann atmete Alaryah tief durch. "Vielleicht √ľbertreiben wir gerade einfach etwas...interpretieren zu viel hinein?". Ihre Worte sollten beruhigend wirken, doch irgendwie gelang es Alaryah nicht ihre sonst so selbstsichere Ader hineinflie√üen zu lassen. Gedanken prasselten nun wieder auf sie hernieder, ein Bild eines Linor entstand, der sich mit unnat√ľrlicher Schnelligkeit fortbewegte. Sie sch√ľttelte den Kopf. "Er h√§tte uns, Tinriel und mich, einfach t√∂ten k√∂nnen.", stellte sie dann fest. "Vorausgesetzt es war tats√§chlich Linor.". Nun legt Alaryah einen kleinen Holzscheit nach. Langsam griffen die Flammen um das St√ľck Holz, es gab einen leisen Knall und mehrere Funken flogen in alle Richtungen davon. "Dieser verdammte Linor. Wie kann er erst so wunderbar und dann doch so...", Alaryah h√∂rte ihre Worte erst, als es zu sp√§t war. "Wie kann sich ein Alb nur so √§ndern? Vorausgesetzt er war es?", f√ľgte sie hastig hinzu.

Jaro Ballivòr
"Aber er hat euch gerettet." Wom√∂glich lag ihm tats√§chlich mehr an Alaryah, aber das traute Jaro sich nicht sagen. Die merkw√ľrdige Situation auf dem Fest war noch zu lebhaft in seiner Erinnerung. "Zumindest ist er mehr als blo√ü ein Musiker. Mein Gef√ľhl sagt mir, dass er es war." Eigentlich war es Alaryah, die ihm dieses Gef√ľhl gab. "Ich werde auch versuchen wachsam zu sein", versicherte er. "Ich bin zwar kein Waldl√§ufer, aber meine Augen sind gut." Verlegen grinste er. "Lass uns hoffen, dass er auf unserer Seite ist, falls er uns folgt." Automatisch lauschte Jaro wieder in den Wald hinein, doch das fr√∂hliche Knistern des Feuers war noch immer das einzige, das er h√∂ren konnte. Auch die Luft stand noch immer still. Immerhin konnten die √Ąste der Kiefern so keine gruseligen Schatten werfen. Auf einmal f√ľhlte Jaro sich gar nicht mehr so selbstsicher, wie er eben gesprochen hatte. Ob er so einschlafen konnte? "Du? Heute hast du niemanden gesehen, oder?", fragte er vorsichtig, um diese Sorge zu bes√§nftigen.

Alaryah Schattenwind
"Lass...lass uns vielleicht erst einmal nicht √ľber ihn reden.", schlug Alaryah vor. Es war ihr sowieso schon unangenehm gewesen, dass sie einen Anflug von Gef√ľhlen f√ľr den Musiker gehabt hatte. Und Jaro? Ja. Da war auch noch Jaro. Zum Gl√ľck stellte er ihr eine Frage, sodass Alaryah wieder etwas von ihren Gedanken weg kam.
"Nein, heute nicht, keine Sorge.". Alaryah zwang sich zu einem Lächeln. "Wenn wir gemeinsam wachsam sind, dann wird uns wohl nicht so schnell wieder etwas zustoßen.". Dieses Mal klangen Alaryahs Worte deutlich positiver. Jaro holte erneut Luft, doch Alaryah kam ihm zuvor. "Ja, ich werde das nächste mal eher mit euch reden.". Nun lächelte die kleine Albin endlich wieder. Die friedliche Ruhe wurde plötzlich von einem lauten Knacken zerrissen. Es kam von weiter weg, aus Richtung der Bäume im Norden. Dann wieder. Und wieder. Jemand näherte sich. Oder etwas? Es waren mehr als nur eine Person. Alaryahs Blick raste umher. "Mach das Feuer aus!", zischte sie Jaro zu und hechtete in Richtung ihrer Waffen.

Jaro Ballivòr
Erleichtert erwiderte Jaro das L√§cheln, wenn es auch nur kurz wehrte. Sofort sprang Jaro auf die F√ľ√üe. Das Feuer... "Womit?", rief er, doch er sah ein, dass er selbst eine L√∂sung finden musste. Alaryah hatte Wichtigeres zu tun. Jaro f√ľrchtete die Hitze. Trotzdem nahm er den Stock, mit dem er herum gespielt hatte und schob die restlichen gr√∂√üeren Scheite zur Seite. Er warf sich auf die Knie und begann Erde in die Glut zu schaufeln. Es half. Ohne gro√ü zu rauchen versiegten die letzten Flammen. Hoffentlich waren die Kiefern dicht genug, um das Glimmen der letzten Glutherde in der finsteren Nacht zu verstecken. Alaryah hatte in den Baumreihen Stellung bezogen und sp√§hte in die Finsternis. Leise trat Jaro zu ihr. Kirona schlief noch immer tief und fest. Angestrengt kniff Jaro die Augen zusammen und sp√§hte in die Richtung der Ger√§usche. Es dauerte eine ganze Weile, bis seine Augen sich an die Dunkelheit gew√∂hnt hatten, nachdem er gerade noch in ein Feuer geblickt hatte. Dann aber konnte er dank seines Frostalbischen Erbes Konturen erkennen. Er sah B√§ume und Str√§ucher... und Schemen, die sich bewegten. Es waren mehrere. Jaro erkannte mindestens f√ľnf. Sie hielten Gegenst√§nde, vermutlich Waffen und sie kamen direkt in ihre Richtung. Die Ger√§usche, die sie verursachten, schienen ihnen v√∂llig egal zu sein.

Alaryah Schattenwind
Sie kauerten eine Weile in der Finsternis. Insgeheim hoffte Alaryah, dass die Gestalten weiterziehen m√∂gen...doch sie hielten nur kurz inne um dann direkt auf die beiden Alben zuzugehen. "Wir m√ľssen zu Kirona.", fl√ľsterte Alaryah und robbte so leise sie konnte zur√ľck. Jaro folgte, wenn auch etwas unbeholfen. Sie kamen bei Kirona an, weckten sie kaum h√∂rbar und griffen nach ihren Habseligkeiten. "Alaryah...", sagte Kirona pl√∂tzlich und viel zu laut. "Leise!", zischte Alaryah w√ľtend und warf einen Blick √ľber die Schulter. Es war zu sp√§t. Die Gestalten waren bereits da. Sie hatten scheinbar rasant aufgeholt oder wussten, wo sich die drei Reisenden befanden. Eine Person hatte die Hand auf Kironas Schulter gelegt. Kirona selbst st√ľtzte sich nur schwach mit einem Arm ab. Jaro wurde von zwei weiteren Gestalten in Schach gehalten. Sie alle trugen zerrissenen Roben mit hohen Kragen. Hier und da funkelte ein Helm im schwachen Licht des Mondes. S√§mtliche Ausr√ľstung der Gestalten war heruntergekommen und verrostet. Dann pl√∂tzlich stellte sich eine weitere Gestalt vor Alaryah. Starr vor Schreck lie√ü die Albin ihren Rucksack zu Boden fallen. Die Person vor ihr zog die Kaputze zur√ľck. Ein blasser Alb mit str√§hnigem Haar kam unter der Kaputze zum Vorschein. In seinen eingefallenen Augen lag nur tiefe Dunkelheit, die Haut selbst wirkte fast wie altes Pergament. Er st√ľtzte sich auf einen Speer, der eine schartige und gebrochene Spitze hatte. "Wasss sucht ihr hieer?", fragte er und beugte sich zu Alaryah hinab. Seine Stimme klang wie das Rascheln von verdorrtem Bl√§ttern im Wind. Alaryah √∂ffnete den Mund, doch brachte sie keinen Ton heraus. "Wasssss sucht ihr hieeer auf dem H√ľgel der Ahnen?", fragte die Person erneut und kam bis auf einen Fingerbreit an Alaryah heran. Fast ber√ľhrten sich ihre Nasen. Die kleine Albin schluckte. "Wir...wir wollten nur...rasten.". Die Gestalt fuhr zur√ľck. Es schien, als w√ľrde sie lachen. "Hieer rasssten keine Lebenden.". Dann traf Alaryah die Erkenntnis wie ein Hammerschlag. "Seid...seid ihr es wirklich? Die Totenwache?". Sie bekam keine Antwort. "Ich...ich habe von euch geh√∂rt. Ihr bewacht die Gr√§ber der Ahnen seit √Ąonen. Haben wir etwa...?". Alaryah warf hastige Blicke zu Kirona und Jaro. Sie hatten nicht einfach auf einem H√ľgel gerastet. Sie waren auf einem Friedhof! Sofort schleuderte Alaryah ihre Waffen beiseite und warf sich zu Boden. "Verzeiht unser Vordringen und unser un√ľberlegtes Handeln!". Sie hoffte, dass Kirona und Jaro ebenfalls reagieren w√ľrden. Zeit f√ľr Erkl√§rungen w√ľrde es geben, solange sie hier heile aus der Situation rauskommen w√ľrden...
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#48

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Di 11. Sep 2018, 21:45

Jaro Ballivòr
Toten-was? Jaro versuchte die Informationen, die auf ihn einprasselten zu verarbeiten. Das war gar nicht so leicht, wo sein Verstand sich eben noch auf ein Gefecht oder eine Flucht vorbereitet hatte. Erschwerend kam hinzu, dass er kaum den Blick von den Neuank√∂mmlingen nehmen konnte. H√§tte er es nicht besser gewusst, h√§tte er sie selbst f√ľr tot gehalten. In all diesem Durcheinander dauerte es einen Moment, bis er reagierte und so war Kirona Alaryah wesentlich schneller auf die Knie gefolgt als er. Angespannt hielt er den Kopf unten. Was hatte das zu bedeuten? Befanden sie sich auf einem Grab? Es mochte den akkuraten Aufbau erkl√§ren, den Kreis der Kiefern, die den H√ľgel wie ein Schutzwall umgaben...
"Wasss sucht ihr hier?", wiederholte der Anf√ľhrer seine Frage. "Hieer rastet nieeemand. Hieeeer ruht man aaauuf ewig odeeer gar niiicht."
"Verzeiht. Wir möchten die Ahnen nicht belästigen."
Jaro bewunderte Alaryah f√ľr ihre Ruhe oder zumindest die F√§higkeit, ihre Stimme ruhig zu halten.
"Neeeein. Dassss wollt ihr nicht. Ich kann es sp√ľreeen."
Erleichterung wärmte Jaros Innerstes.
"Abeeeer trotzzzdem bringt ihr Gefaaahr. Das Böse haftet an eeeuch. Steht auuuf!"
Z√∂gerlich erhob sich Jaro. Die Gruppe der Totenw√§chter hatte sich kein St√ľck bewegt.
"Alsssso: eeein letztes Mal fragee ich eeeuch. Wasss sucht ihr hieeer?"
Gerne h√§tte Jaro Alaryah die B√ľrde abgenommen und berichtet, doch seine Intuition hielt ihn zur√ľck. Was, wenn die eigent√ľmlichen Alben nur mit anderen Waldalben sprechen wollten? Was, wenn er zu viel verriet oder im Gegenteil, etwas auslie√ü und direkt durchschaut wurde? Somit war es erneut an Alaryah das Sprechen zu √ľbernehmen und kurz und sachlich schilderte sie ihre Mission - das Verschlie√üen der Eing√§nge.
Ein Ruck ging durch die Gruppe der Totenwächter. Mechanisch wie ein Mann gingen sie in Kampfstellung, die Waffen erhoben.
"Dieeeser Orrrrt wird vom B√∂sssen selbst bewohnt! Die Toten f√ľrrrchten ihn. Die Toten meeeeiden ihn. Und wo Tote niiiicht wandeeeln, habeeen auch die Lebendeeen nichts verlorrren."

Alaryah Schattenwind
Alaryah f√ľrchtete sich. Nur mit dem Aufbringen all ihrer Willenskraft war es ihr m√∂glich in der Situation einen relativ k√ľhlen Kopf zu bewahren. Sie hob die H√§nde, wollte damit beruhigend wirken, zeigen, dass von ihr und ihren Gef√§hrten keine Gefahr ausging. "Und genau deswegen m√ľssen wir diesen Ort wieder verstecken, die Eing√§nge versiegeln! Niemand soll je wieder dort eindringen, noch aus den dunklen Kellern und Verliesen zu uns empor klettern.". Von den W√§chtern kam keinerlei Reaktion zur√ľck, hier und da wehte nur sanft der Stoff der Roben im sanften Wind. "Wir wollen selbst nicht wieder dort hinunter.". Ein Hauch von Verzweiflung schwang nun in der Stimme der Albin mit. Erneut n√§herte sich der Hauptmann der Wache der Albin. "Ihr wisssst nicht, was ihr geweckt habt, dort unten in der Finssssterniss. Welchesss Wissssen ihr freigesetzt haabt. Der Feeeind ist wohl bereitsss auf dem Weeeg. Er wird Tod und Verderben bringen.". Alaryah warf einen Blick √ľber die Schulter zu ihren Gef√§hrten. Auch in ihren Gesichtern fand sich nur Ratlosigkeit, ja, sogar Hilflosigkeit. "Wir wollen doch nur helfen!", platzte es aus der Albin heraus. "Wir wollen Nativus helfen. Wir sind auf der Suche nach den letzten Eing√§ngen, niemand wird an dieses Wissen kommen, solange wir die Eing√§nge rechtzeitig finden!". Alaryahs Stimme √ľberschlug sich fast. Sie dachte √ľber einen Fluchtversuch nach. Wom√∂glich konnten die W√§chter sie nicht bis √ľber die Grenzen des Grabh√ľgels verfolgen? Sie verwarf den Gedanken wieder, es w√ľrde nichts bringen. "Wir k√∂nnen das √úbel abwenden!", versuchte Alaryah erneut ihre guten Absichten zu erkl√§ren. Dann kramte sie in ihrer Tasche und holte die Steintafel hervor. "Seht, es ist keine L√ľge! Ja, das B√∂se mag uns verfolgen und ist uns bereits mehrfach begegnet, doch konnten wir es wieder und wieder zur√ľckdr√§ngen! Helft uns, den n√§chsten Eingang zu finden oder teilt euer Wissen mit uns! Wir m√∂gen keine Streitmacht haben, noch sind wir die besten K√§mpfer des Waldreiches...wir sind nicht einmal von gleichem Blute oder Volk. Aber wir k√∂nnen es schaffen.". Alaryah verstummte, presste die Lippen aufeinander. Rasselnd holte der Hauptmann der Totenwache Luft...zumindest, wenn man es so nennen konnte...

Jaro Ballivòr
Alaryahs Worte dr√ľckten die Verzweiflung aus, die auch Jaro empfand. Es war eine merkw√ľrdige Mischung aus Furcht, Resignation und trauriger Wut dar√ľber, dass sie st√§ndig auf neue Hindernisse stie√üen, wo sie doch nichts weiter wollten, als zu helfen. Gespannt hielt er den Atem an.
"Nativussss?" Die Augen des Hauptmannes fixierten die Steintafel. "Ihr sssprecht die Wahrheit", murmelte er mit einem Hauch Erstaunen.
"Ihr kennt Nativus?", wagte sich Kirona hervor und ohne aufzusehen antwortete der Wächter.
"Kannteee. Nativusss issst nicht mehr. Das Bössse hat ihn geholt. Er issst schlimmerrr als tot."
"Nein. Er exisitiert noch." Erschrocken stellte Jaro fest, dass er selbst die Worte gesprochen hatte. "D-deshalb m√ľssen wir ihm helfen. Wir m√ľssen die Eing√§nge zerst√∂ren."
"Uunnnd zwei habt ihr schon versssschlossssen."
"Woher...", setzte Kirona an, doch schien sich eines Besseren zu besinnen.
"Du!" Ein d√ľrrer Finger zeigte auf Jaro. "Du bisssst ein Lichtalb. Wieeeeso siehst du den Eingang des Lichtssss dann nicht? Und du", er wies auf Kirona, "Feuer schl√§ngelt ssssich durch deine Haut und doch bissst du blind daf√ľrrr. Esss steht alles hieeeer." Er wies auf die Steintafel in Alaryahs Hand und verharrte einen Moment. Als er schlie√ülich erneut die Stimme erhob, bebte sie vor Zorn.
"Als letztesss Lufffft. Den kennen wirrrr zu gut. Essss ist das H√∂chssste; das Wertvollssste und dasss Heiligste. Und es ist bessschmutzt!" Spucketropfen flogen aus seinem Mund und seine Augen funkelten trotz der D√ľsternis bedrohlich.

Alaryah Schattenwind
"Die...Hohe Wacht.", murmelte Alaryah und ihre Augen wurden gr√∂√üer und gr√∂√üer. Der Blick des Hauptmanns schoss zu Alaryah hin√ľber. "Ich habe geglaubt es sei nur eine Legende.", fl√ľsterte die kleine Albin schon fast ehrf√ľrchtig. "Und doch isssst es keine.", setzte der Hauptmann fort. "Der Feind hat die Hohe Wacht beschhhhhmutzt. Er hat sssssich dort eingenissstet, ist auf der Suuuuche. Dieees soll euer n√§chstes Ziel sein.". "Ein Ort, der eigentlich eine Legende ist? Wie sollen wir DEN finden?!". Alaryahs Blick zu Kirona war vernichtend, die Frau verstummte direkt wieder. Wie konnte sie nur? Die W√§chter jedoch gingen nicht weiter auf Kironas Gef√ľhlsausbruch ein. "Nehhmt dieeessss.". Es schien, als w√ľrde der fahle Alb in seinen eigenen Brustkorb greifen. Dann erschien eine Pusteblume in seiner Hand. Diese jedoch war wie aus Glas geformt, fein und √§u√üerst detailliert. Ein schwach pulsierendes Leuchten ging von ihr aus. Mit zittriger Hand nahm Alaryah die gl√§serne Blume entgegen, zuckte zusammen, als ihre Finger die d√ľrre Hand des Alben ber√ľhrten. "Dieees wird euch den Weeeg weisen. Doch gebt acht! Isssst diese Blume einmal zerst√∂rt, so werdet ihr den Weg nicht finnnden.". Alaryah wagte kaum, sich die Pusteblume genauer anzusehen. Sie war k√ľhl, jedoch nicht aus Eis. Langsam hob die kleine Waldl√§uferin den Kopf. "Danke.", murmelte sie nur. Sie sp√ľrte kein wirkliches Gewicht, versuchte ihre H√§nde ruhig zu halten. So behutsam wie nur eben m√∂glich und √§u√üerst langsam drehte sich Alaryah nun von dem Hauptmann weg, wandte sich ihren Gef√§hrten zu. "Dann soll Luft unser n√§chstes Ziel sein.". "Woooohlan denn.", zischte der Hauptmann und zog wieder die Kaputze auf. "Geht nun.". Die drei Gef√§hrten verbeugten sich in der Hoffnung, dass es der Situation angebracht war. "Ssssolltet ihr wiederkehren, ssssso solltet ihr erfolgreich gewesen sein.". Alaryah mochte sich gar nicht ausmalen was wohl passieren k√∂nnte, wenn sie die Blume fallenlassen und um eine neue bitten w√ľrde. Scheinbar hatten sie gerade eine Art Freilos bekommen. Langsam zogen sich die W√§chter zur√ľck, weiterhin den Gef√§hrten zugewandt. Zuletzt verschwand der Hauptmann, schien dabei noch etwas zu fl√ľstern. Kirona nickte nur. Sie hatte verstanden.

Jaro Ballivòr
Hoch und Luft, das brachte Jaro noch zusammen, ansonsten verstand er nicht viel mehr, als dass sie einen weiteren unauffindbaren Ort finden mussten. Immerhin schien Alaryah ihn zu kennen, zumindest dessen Namen. Alles andere lie√ü Jaros Gedanken wirr zirkulieren. Was hatte seine Herkunft mit dem Eingang in eine versunkene Festung mitten im Wald zu tun? Und Feuer auf Kironas Haut? Etwa die T√§towierungen? Vor lauter R√§tseln rauchte Jaro der Kopf. Eins nach dem anderen, sagte er sich, gerade als der Hauptmann einen Gegenstand hervor holte. Gebannt betrachtete Jaro das zerbrechliche Kunstwerk. Glas. Lange hatte er kein Glas mehr gesehen. Behutsam nahm Alaryah die Blume entgegen. Immerhin hatten sie nun wieder ein Ziel und wenn Jaro ganz ehrlich war, war er froh, die Totenw√§chter wieder los zu sein. Ihre Gegenwart schauderte ihm und st√§ndig beschlich ihn das Gef√ľhl, sie k√∂nnten seine Gedanken lesen.
Sein Blick fuhr zu Kirona, doch bevor er die Frage stellen konnte, sah er in ihren Augen, dass sie ihm keine Antwort geben w√ľrde. Was auch immer der Hauptmann ihr vermittelt hatte, war f√ľr sie allein bestimmt. F√ľr den Moment zumindest.

Gemeinsam mit Kirona verr√§umte Jaro ihre wenigen Habe und b√ľckte sich nach Alaryahs Waffen. Er z√∂gerte.
"Darf ich?"
Alaryah musste schmunzeln und das war Jaro Antwort genug. Er nahm ihre Dolche an sich und schn√ľrte ihr B√ľndel an seines. Die Waldalbin trug an der Blume Last genug, wenn auch nicht in Form von Gewicht.
"Und nun?", fragte Kirona. "Wo lang?"
Alle starrten sie gespannt auf das gläserne Kunstwerk.

Alaryah Schattenwind
Bald hatten sie ihr Gep√§ck verstaut. Alaryah vertraute ihre Waffen und die sonstige Ausr√ľstung Jaro an, auch wenn sie sich irgendwie nicht komplett f√ľhlte. Nat√ľrlich w√ľrde Jaro gut auf ihre Habe achtgeben, doch was, wenn sie einer Bedrohung gegen√ľberstehen w√ľrden? Doch f√ľr solcherlei Gedanken war gerade nicht der richtige Zeitpunkt!
Langsam drehte sich Alaryah auf der Stelle, beobachtete genau die Blume. Dann ging sie ein paar Schritte, blieb stehen, drehte sich erneut um. Das ganze ging noch ein paar Minuten so weiter, dann schienen die drei ein Muster zu erkennen. Je nach Marschrichtung schien das Licht in der Blume selbst etwas schneller zu pulsieren. "Ich denke, dass wir erst einmal in diese Richtung gehen m√ľssen.". Sie machten sich auf den Weg. Immer dann, wenn das Licht schw√§cher wurde hielten die Gef√§hrten inne und tasteten sich in eine andere Richtung weiter vor. "Was mag das nur f√ľr ein Gegenstand sein?", fragte Kirona schlie√ülich. Alaryah dachte √ľber diese Frage lange nach. Sie hatte schon von Wegesteinen geh√∂rt, einer Art Kompass, doch dass diese Steine in Form von gl√§sernen Blumen auftauchten, das war ihr neu. "Scheinbar ist es ein Artefakt aus l√§ngst vergangenen Tagen.", brummelte Alaryah und war selbst nicht mit dieser Erkl√§rung zufrieden. "Wie mag wohl der Hauptmann an diesen Gegenstand gekommen sein?", fragte sie dann. "Ob er selbst einmal in der Festung gedient hat? Vielleicht ist es ein Schl√ľssel und er kann oder m√∂chte ihn nicht mehr besitzen oder benutzen?". Gedanklich war Alaryah nun abgelenkt, was direkt bestraft wurde. Sie stolperte √ľber eine Wurzel. "NEIN!", schrie sie erschrocken und raste dem Waldboden entgegen. Der Aufprall lie√ü die kleine Albin laut aufst√∂hnen und dann lag sie regungslos mehrere Sekunden einfach dort am Boden. Alaryah hatte die Augen fest zusammengekniffen, ihr Kiefer schmerzte schon fast vor lauter Druck. Langsam √∂ffnete die Albin zuerst ihr linkes, dann das rechte Auge. Sie lag am Boden, kerzengerade ausgestreckt, die Arme weit vor sich haltend. Dort lag sie. Die Blume. Unversehrt auf ihren Handfl√§chen. "Puuuuuuuuh....". Erleichtert lie√ü die Albin den Kopf sinken, sodass ihr Gesicht den Boden ber√ľhrte. "Nichts passiert.". Zum Gl√ľck. Sie mussten schon jetzt wachsamer und vorsichtiger sein, so viel stand fest.

Jaro Ballivòr
Jaro hielt den Atem an. Dann, als feststand, dass sowohl Alaryah als auch die Blume den Sturz √ľberstanden hatten, konnte er nicht umhin zu lachen. "Deine Haltung war super! Wie hast du es nur geschafft, die Blume zu sichern?" Auch Kironas Gesicht zierte ein Grinsen. Einen derart kerzengeraden Sturz hatte Jaro noch nie gesehen.
"Ein dunkler Wald voller Stolperfallen ist auch kein Ort f√ľr eine gl√§serne Blume", sagte er, als sie weiter gingen.
"Ich denke, es ist genau der richtige Ort." Kirona ging ein St√ľck neben ihm und untersuchte den Untergrund bei jedem Schritt. "√úberlege doch. Wann sieht man Licht am besten? Und wann kann es einen am besten leiten?"
"Wenn es dunkel ist."
"Genau. Dunkelheit ist nichts anderes als das Fehlen von Licht. Ich habe schon zuvor dar√ľber nachgedacht, ob die Gegens√§tze die L√∂sung sind. Erinnerst du dich an das Kartenst√ľck?"
"Ja." Der Rand war wie bei allen anderen mit Symbolen verziert, doch nun, mit einem anderen Blickwinkel, fiel Jaro ein kleiner Unterschied auf. Er brauchte es nicht einmal herauszuholen: bei den √ľbrigen waren die Symbole mit dunklen Linien auf hellem Grund gezogen. Bei der Karte zum Element des Lichts waren sie im Negativ gezeichnet. Sie bildeten sich durch helle Fl√§chen auf dunklem Hintergrund.
"Hei√üt das, wir m√ľssen den Eingang bei Dunkelheit finden?"
"Gut möglich." Alaryahs Blick wanderte zwischen dem pulsierenden Wegweise in ihrer Hand und dem dunklen Waldboden hin und her. "Genauso gut kann es aber das erste oder das letzte Licht des Tages sein. Oder das zur Mittagsstunde..."
"Ein Gl√ľck haben wir die Blume..." Er hielt inne. Erst meinte er, seine Augen t√§uschten ihn, doch es war eindeutig. "Sie wird heller", fl√ľsterte er.

Alaryah Schattenwind
Ganz so witzig fand Alaryah die Situation nicht. Es hätte so einiges passieren können, was, wenn die Blume verloren gegangen wäre?! Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
Gemeinsam rätselten sie weiter, bis Jaro schließlich zuerst auffiel, dass die Blume heller wurde. Er sollte Recht behalten. "Wir sind auf dem richtigen Weg.".
Langsam aber sicher bahnte sich die kleine Reisegruppe ihren Weg durch den Wald und das Unterholz. Der nächste Tag brach an, dies war deutlich anhand der Morgendämmerung zu erkennen. Trotz des Zwielichts konnten sie gut sehen, da die Blume den Weg erhellte. "Das sieht doch gut aus!", freute sich Kirona, als die Blume erneut heller leuchtete.
Pl√∂tzlich blieb Alaryah stehen. "Wartet.", sagte sie trocken und wandte den Kopf ab. Sie hatte die Augen geschlossen und lauschte. Dort in der Ferne, da war doch etwas. "Wir m√ľssen vorsichtig sein.", mahnte sie. Mit nun deutlich verlangsamten Schritten ging es weiter. Alaryah versuchte nun das immer st√§rker scheinende Licht mit den H√§nden etwas abzuschirmen, doch gelang dies erst mit Hilfe ihrer Gef√§hrten und einer dicken Wolldecke. Sie wollten einfach keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Blume wies ihnen den Weg, es ging h√∂her und h√∂her, die Steigung nahm zu. Irgendwann wurde jeder Schritt schwerer und die Muskeln in den Beinen der drei Gef√§hrten protestierten bald. Der Weg war m√ľhsam und st√§ndig mussten sie Hindernissen ausweichen. Und dann waren da auch noch diese Ger√§usche in der Ferne. Was hatte der W√§chter noch gesagt? Der Feind habe sich eingenistet? Alaryah vermisste schon fast das Gewicht ihrer Waffen am G√ľrtel.
Dann endlich erreichten sie das Ende der Bergkuppe. Alte Mauern erhoben sich pl√∂tzlich im d√ľsteren Licht der Morgensonne vor ihnen, doch war deutlich das Moos und das Efeu zu erkennen. Die Natur holte sich wieder, was ihr vor langer Zeit genommen worden war. Alte Wehranlagen waren schaurige schatten und ein einzelner Turm ragte hinter der nicht gerade hohen Mauer empor. Die drei hielten inne. "Was zum...". Alaryah erschrak. Eine Windb√∂e schwappte wie eine Welle √ľber sie hinweg, riss dabei die Samen der Pusteblume mit sich. Das gl√§serne Kunstwerk flackerte und dann erlosch das Licht. "Bitte nicht...", fl√ľsterte Alaryah und ein leises klirren war zu h√∂ren, als die Pusteblume in den H√§nden der kleinen Albin zu einem Haufen Glassplitter zerfiel. Noch bevor einer der Gef√§hrten etwas sagen konnte, h√∂rten sie Stimmen. Jaro deutete auf die Spitze des Turms. Jemand hatte dort ein Feuer entz√ľndet!

Jaro Ballivòr
Augenblicklich hielt Jaro den Atem an, ganz, als hätte das kollektive Luftholen nach dem langen Aufstieg den Windhauch bewirkt.
"Wir m√ľssen am Ziel sein, oder? Bestimmt h√§tte die Blume uns sonst nicht verlassen. Noch dazu durch Wind..." Er h√∂rte den eigenen Wunsch aus seinen gefl√ľsterten Worten heraus. Sofort reichte er Alaryah ihre Waffen.
"Was nun?", sagte Kirona leise. "Es ist unmöglich zu sagen, wie viele da oben sind. Besser sie bemerken uns nicht."
"Seht doch!" Der Splitterhaufen zu Alaryahs F√ľ√üen versickerte langsam aber sicher im Boden und augenblicklich schossen neue Pusteblumen in die H√∂he, dieses Mal nicht aus Glas. Wie sie ihre H√∂he erreicht hatten, wurden sie von einer neuen Windb√∂e erfasst, die ihre Samen davon trug. Die Gef√§hrten blickten sich an und marschierten in blindem Einverst√§ndnis hinterher. Ein St√ľck weiter, n√§her an der Mauer, rieselten die Flugk√∂rper zu Boden und verschwanden im Gras. Die Reste der gl√§sernen Blume glitzerten dazwischen.
"Sie landen nicht einfach irgendwie", stellte Alaryah fest. "Sie bilden ein Muster." Sie hatte Recht. Aus einem bestimmten Winkel betrachtet, reihten sie sich stromlinienf√∂rmig ein, wie ein Symbol f√ľr Wind. Sie wiesen auf die Mauer. Kirona, Alaryah und Jaro begannen, die Wand mit Augen und H√§nden abzusuchen, kratzten hier und da Moos ab, und klopften pr√ľfend gegen den Stein.
"Sch!", machte Alaryah plötzlich. Jaro presste sich gegen die Mauer. Nun konnte er es auch hören. Schritte. Jemand patroullierte die andere Seite. Jaro wagte kaum zu atmen. Er machte sich so klein wie möglich und hoffte die Mauer möge ihn ausreichend verdecken. Die Schritte verstummten, direkt hinter ihm. Flehentlich schloss Jaro die Augen. Nach schier endlosem Bangen, setzte der Mann sich wieder in Bewegung, weg von Jaros Versteck. Er öffnete die Augen. "Das war knapp", sagte sein Blick.

Alaryah Schattenwind
Langsam l√∂ste sich die Anspannung auch aus Alaryahs K√∂rper. Sie lockerte den Griff um den einen Langdolch, w√§re sie doch bereit gewesen den bis dato unbekannten Feind anzugreifen w√§re er Jaro zu nahe gekommen. Vorsichtig lugte die Albin nun √ľber die Mauer. Ein Mann, gekleidet in einen Plattenrock, schlurfte von dannen. Er hatte einen Speer geschultert und sein Helm blitzte im Schein der Fackel, die er in der anderen Hand trug. Lange w√ľrde er die Fackel wohl nicht mehr tragen, war doch das erste Licht des Tages nicht mehr fern. Alaryah duckte sich wieder hinter der Mauer ab, lehnte sich nun mit dem R√ľcken dagegen. Kirona tastete bald schon weiter die Mauer ab, doch Alaryah sch√ľttelte bald den Kopf. "Wir sind hier nicht richtig. Dies hier kann nicht der Eingang sein. Es ist nur eine Mauer."., stellte sie fest. "Ich bef√ľrchte fast, dass unser Ziel dort oben ist.". Sie nickte Knapp in Richtung Turmspitze. "Wenn dies der Eingang des Lichts oder des Windes ist, dann k√∂nnen wir von dort aus bestimmt unser Ziel sehen.". Alaryah lie√ü ihrn Gedanken freien Lauf, jedoch immer darauf bedacht die Stimme gesenkt und ged√§mpft zu halten. "Ich folge dem W√§chter, wartet hier einen Moment.".
Wie ein Schatten huschte Alaryah schlie√ülich die Mauer entlang, krabbelte eine Bresche empor und verschwand auf der anderen Seite. Bald schon hatte sie den W√§chter, der gerade seine Runde beendete, eingeholt. Der Mann kam tats√§chlich am Fu√üe des Turms an, schaute sich dann mehrmals um. Er klopfte an die mit Eisen beschlagene T√ľr, Alaryah versuchte sich das Muster zu merken, leider erfolglos. Ein leicht geb√ľckt stehender Kerl mit Lederkappe und Streitkoblen am G√ľrtel √∂ffnete, die beiden M√§nner sprachen miteinander und verschwanden schlie√ülich beide im Inneren. Erst jetzt fiel der Albin das Wappen an der T√ľr auf, auf dem ein Symbol eingelassen zu sein schien. Alaryah wollte gerade n√§her rangehen, da bemerkte sie eine weitere Gruppe Personen von Rechts kommend. Es waren M√§nner und Frauen, alle unter Waffen. Sie trugen Holzscheite, verteilten sich um den Turm herum und entz√ľndeten Feuerk√∂rbe. Hier und da begannen die Leute ein karges Fr√ľhst√ľck √ľber den Feuern zuzubereiten, andere plauderten in einer schweren, rauen Sprache miteinander und wieder andere machten sich auf den Weg zu einem weiteren Rundgang die Mauer entlang. Langsam aber sicher kroch Alaryah wieder zur√ľck in den Schatten, huschte dann zu ihren Gef√§hrten.
"Es sieht wie folgt aus.", erkl√§rte die Albin leise und zog mit einem kleinen Stock Kreise und Linien in den Boden. "Hier ist der Turm...hier sind Feuerk√∂rbe...die Posten befinden sich hier, hier und hier. Wir m√ľssen irgendwie dort hinein...". Nachdenklich dr√ľckte Alaryah den Stock auf die Stelle, die den Turm darstellen sollte.

Jaro Ballivòr
Es blieb Jaro nichts √ľbrig, als sich ruhig zu verhalten. Dabei entging ihm nicht, dass Kirona ihre √Ąrmel nach oben schob und leise vor sich hin murmelnd ihre T√§towierungen untersuchte. Vor ein paar Wochen noch w√§re Jaro misstrauisch geworden, doch nach all den Erlebnissen sagte ihm sein Gef√ľhl, dass Kirona lediglich an einer L√∂sung ihrer Aufgabe arbeitete. Sobald sie es f√ľr richtig erachtete, w√ľrde sie ihn und Alaryah einweihen. Seltsam war das schon. Vermutlich hatte er nie eine weniger vertrauensw√ľrdige Person als Kirona gekannt und doch war sie - nach Goldanil und Alaryah - die dritte Person au√üerhalb seiner Familie, der er vertraute. Und genau diese Art Zutrauen lie√ü ihn auch ruhig abwarten, bis Alaryah von ihrer Streife zur√ľck war.
Der Turm... es wäre auch zu schön gewesen, wenn sie das Portal im Schutz der Mauer gefunden hätten. Seufzend blickte Jaro auf die Glassplitter im Gras, die in der heller werdenden Morgensonne nur noch mehr glitzerten. Sie wiesen ebenso sehr auf die Mauer wie auf den Turm.
"Wenn wir die Posten leise ausschalten können, könnten wir in den Turm gelangen bevor uns jemand bemerkt", sagte Kirona. "Wenn sie aber Alarm schlagen, war es das."
"Haben wir denn eine andere Wahl?" Jaro sah von Kirona zu Alaryah.
"Ich könnte sie täuschen. Ich bin kein Alb. Sie werden neugierig sein, wer ich bin. Und wenn sie... wenn sie zu ihm gehören... werden sie mich bestimmt einlassen."
Jaro war alles andere als begeistert von Kironas Vorschlag. Und ihrem Gesichtsausdruck zu Folge, f√ľhlte sie sich selbst auch alles andere als wohl dabei.

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Jaro Ballivòr
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#49

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » Di 25. Sep 2018, 09:51

Alaryah Schattenwind
Alaryah dachte √ľber Kironas Worte nach. Vielleicht w√ľrde sie sich wirklich recht unbehelligt den Posten n√§hern k√∂nnen. "Aber was willst du ihnen sagen, Kirona?", fragte Alaryah die Frau, w√§hrend sie weiterhin wie gebannt auf den "Lageplan" starrte. Erst nach einer kurzen Pause hob die Albin den Kopf und sah erst die Frau, dann Jaro an. "Was, wenn sie dich fragen wer du bist, wo du herkommst, so ganz pl√∂tzlich?". Weitere Ideen und Gedanken von Alaryah folgten. "Was, wenn sie geheime Zeichen oder Parolen haben?". Sie lie√ü den Stock, mit dem sie gezeichnet hatte, fallen. Hatten sie √ľberhaupt eine andere Wahl? "Wir k√∂nnen sie nicht einfach alle nach und nach umbringen, daf√ľr wird die Zeit nicht reichen. Es wird langsam hell, was die ganze Sache erschwert. Und wenn wir in den Turm gelangen und sie aussperren k√∂nnen...", wieder machte Alaryah eine kurze Pause, "...dann wissen wir immer noch nicht, wie viele vielleicht noch im Turm sind. Au√üerdem m√ľssen wir dann ja auch irgendwie wieder aus dem Turm raus? Man wird uns wahrscheinlich nicht einfach so gehen lassen.". Bei den letzten Worten zwang sich Alaryah etwas zur Ruhe. Sie war aus Versehen beim Fl√ľstern lauter geworden, doch es schien als sei es unbemerkt geblieben. Langsam drehte Alaryah den Kopf, schaute zu ihren Waffen. "So oder so.", murmelte sie, "Friedlich wird das bestimmt nicht von statten gehen.". Sie sah sich erneut um, ihr Blick wanderte ziellos umher. Jaro und Kirona sagten etwas, doch war Alaryah etwas abgelenkt. "Wir k√∂nnten einen Hinterhalt legen.", sagte die Albin nur ganz leise und kaum h√∂rbar zu sich. Kirona und Jaro hatten den Vorschlag noch nicht wirklich wahrgenommen, doch m√∂glicherweise hatte Alaryah tats√§chlich einen Plan...zumindest...eine ganz grobe Idee.

Jaro Ballivòr
"Ich werde eben improvisieren." Kirona zuckte mit den Schultern, doch Jaro musste der Waldläuferin Recht geben. "Alaryah hat Recht. Es ist zu riskant und wenn du auffliegst, war's das. Nicht nur mit diesem Eingang... wer weiß, vielleicht verursachen wir einen erneuten Angriff auf das Waldreich. Wir wissen ja noch immer nicht, wer diese Leute sind und was sie eigentlich vorhaben." Ohne wirklich etwas zu fixieren, starrte er auf Alaryahs Skizze.
"Ich werde euch nicht verraten... wenn sie mich kriegen, tue ich so, als wäre ich alleine unterwegs."
"Und was, wenn sie √ľber dich Bescheid wissen? Dann wissen sie vielleicht auch, wer dir geholfen hat." Es war aussichtslos. Wie sollten sie an all diesen W√§chtern vorbei kommen? Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass sie ihr Ziel nicht wirklich kannten? Selbst wenn sie in den Turm hineink√§men, sie m√ľssten zun√§chst suchen, was viel zu viel Zeit kosten w√ľrde. Anschlie√üend, auch wenn sie f√ľndig werden w√ľrden, mussten sie den Eingang versiegeln und hatten keinen blassen Schimmer wie. Und auch wenn das noch gelang: Eine Flucht, so viel war sicher, war unm√∂glich. Auch Kirona schien das langsam einzusehen.
"Aber wenn nicht so, wie dann? Sollen wir unverrichteter Dinge abziehen und vielleicht nachts wieder kommen? Oder in ein paar Tagen? Alaryah, was meinst du?... Alaryah?"
Jaro sah zu der Waldl√§uferin hin√ľber, die ihrem konzentrierten Gesichtsausdruck zufolge, das Gespr√§ch wohl nicht mehr verfolgt hatte.
"Hey", Kirona wedelte mit einer Hand vor ihrem Gesicht herum. "Sag nicht, du hast schon des Rätsels Lösung und lässt Jaro und mich hier weiter im Dunkeln tappen."

Alaryah Schattenwind
Zuerst r√ľhrte sich Alaryah nicht, dann schoss ihr Blick pl√∂tzlich zu Kirona, deren Hand leicht zur√ľckzuckte. "Wir k√∂nnten einen Hinterhalt legen.", sagte die Albin erneut und dieses Mal so, dass ihre Gef√§hrten sie verstehen konnten. Bevor jemand nachfragen konnte erl√§uterte Alaryah ihre Gedanken. "Es muss doch m√∂glich sein einen dieser Posten wegzulocken. Dann √ľberw√§ltigen wir ihn, trennen ihn von der Gruppe. Wir m√ľssen dann wieder etwas zur√ľck, damit er nicht Alarm schlagen kann...und dann k√∂nnen wir ihn befragen.". Ein Hauch von K√§lte legte sich auf Alaryahs Gesicht und Stimme. Ohne weitere Information war es unm√∂glich und t√∂richt zu planen. Das Risiko in eine Falle oder ausweglose Situation zu kommen war einfach zu hoch. "Sollte es uns gelingen und wir schaffen es einen von ihnen gefangen zu nehmen, dann m√ľssen wir wachsam sein.", mahnte Alaryah zur Vorsicht. "Sollten sie auch irgendwelche Kr√§fte haben, dann k√∂nnen wir diese Person wahrscheinlich zu dritt gut in Schach halten. Aber wir d√ľrfen nicht z√∂gern, wenn es zum √Ąu√üersten kommt.". Kirona nickte. Alaryah brauchte Jaro nicht anzusehen um zu merken, dass ihm der Gedanke an das weitere Vorgehen nicht sonderlich gefiel. Sie versuchte ein beruhigendes L√§cheln aufzusetzen und kam einen Schritt n√§her zu Jaro her√ľber. "Das wird schon werden.", sagte sie und hoffte, dass es wirklich so kommen w√ľrde. "Ihr habt auch keinen besseren Plan, oder?", fragte die Albin dann noch einmal und zurrte ihre Waffengurte zurecht. "Wer holt den Posten?", fragte sie schlie√ülich und sah in die Runde.

Jaro Ballivòr
Seine Sorge stand ihm wohl ins Gesicht geschrieben. Er konnte nicht umhin sich auszumalen, sie fingen einen einfachen Soldaten, der sich pl√∂tzlich in ein Monster mit langen Krallen verwandelte. Und was, wenn er dann versagte und die beiden Frauen seinetwegen verletzt wurden? Nach Alaryahs beruhigenden Worten schluckte er die Zweifel hinunter und sch√ľttelte den Kopf. Wenn Kirona nicht pl√∂tzlich auch fliegen konnte, wusste er nicht, wie sie sonst oben auf den Turm gelangen sollten.
"Nein, das ist ein guter Plan", stimmte auch Kirona zu.
Alaryahs Frage hing fast greifbar zwischen ihnen in der Luft. Jaro ertappte sich dabei, wie er zu Boden blickte. Mit Sicherheit hatte die Waldl√§uferin sowieso nicht im Sinn ihn zu schicken. Wie sollte er es schaffen, einen erwachsenen K√§mpfer au√üer Gefecht zu setzen oder zu √ľberzeugen ihm zu folgen, ohne, dass dieser ihn √ľberw√§ltigte oder Alarm schlug?
"Und welchen", f√ľgte Kirona an. "Welchen kriegen wir unbemerkt da weg?"
"Den hier." Alaryah deutete auf ihre Skizze. "Die Mauer ist dort recht nieder und verwittert und von dort können wir schnell verschwinden. Also?"
Jaro sah von der Skizze hinauf zu dem realen Turm. Am Horizont stieg die Sonne auf und färbte die Welt golden ein. Die Taunässe auf dem Gras klitzerte. Plötzlich kam ihm eine Idee.
"Ich mach's", sagte er. "Ich locke den Posten hierher, dann k√∂nnt ihr beide ihn niedermachen, bevor er merkt, was mit ihm geschieht." Leise und gebeugt ging er auf die Reste der gl√§sernen Blume zu und hob einen Splitter auf. Er drehte ihn im jungen Licht und wie erwartet strahlte er in den verschiedenen Farben des Regenbogens und funkelte immer wieder hell auf w√§hrend er sich bewegte. Effekte wie diesen machte man sich in Avinar h√§ufig zunutze. "Damit werde ich ihn blenden, bis er hersieht und dann wird ihn das Funkeln vielleicht anlocken. Ich hoffe es klappt." Ein wenig unsicher zuckte er die Schultern, doch Alaryah und Kirona hat nichts dagegen einzuwenden. "Wenn er es nicht merkt oder nicht darauf hereinf√§llt, k√∂nnen wir uns immer noch etwas anderes √ľberlegen", sagte die t√§towierte Frau.
Jaro nahm seine Kette mit dem Dunkelstein ab und f√ľhlte sich augenblicklich nackt und ungesch√ľtzt. Er verstaute den Stein sicher in seinem B√ľndel und band stattdessen das Glaselement an die Schnur. Er nickte Alaryah und Kirona zu, die bereits Stellung bezogen hatten und schob den Anh√§nger vorsichtig durch ein Loch in der Mauer. Die Sonnenstrahlen dr√§ngten sich am Turm vorbei und strahlten exakt auf diesen Teil der Mauer. Vorsichtig schwenkte und drehte Jaro den Glassplitter darin, bis er die richtige Position gefunden hatte und die glei√üenden Reflektionen √ľber das Gesicht des W√§chters blitzten.

Alaryah Schattenwind
Zuerst war Alaryah tats√§chlich etwa √ľberrascht von Jaros pl√∂tzlichem Anflug von Tatendrang, hatte er doch vor wenigen Momenten noch alles andere als gl√ľcklich oder tapfer gewirkt. Nun schien es aber, als lie√üe Jaro keinerlei Einw√§nde mehr zu und so nickte die Albin ihm mit hochgezogener Augenbraue anerkennend zu. "Dann soll es so sein.". Kirona z√∂gerte kurz, doch auch sie fand ihre Entschlossenheit schnell wieder. "Wir werden uns erst einmal dort dr√ľben verstecken.", erkl√§rte Alaryah schlie√ülich und deutete auf die Reste einer S√§ule, welche sich im festen Griff einer Efeuranke befand. Kirona schulterte ihren Stab und huschte davon, Jaro atmete noch einmal tief durch und wollte sich dann ebenfalls auf in die andere Richtung machen. Alaryah blieb noch, hielt Jaro am Unterarm fest. "Oh, was...". Die Albin zog Jaro noch einmal zur√ľck. "Wenn etwas schief l√§uft, dann renn.", sagte sie mit fester Stimme. "Ich kann dich von der S√§ule aus wahrscheinlich nicht sehen. Falls du Hilfe brauchst...", sie fl√ľsterte Jaro ein Wort in Albensprache zu, "Sag es einfach und wir werden kommen und dich holen.". Jaro wiederholte das Wort leise und Alaryah nickte. "Viel Gl√ľck, Jaro.". Dann lie√ü die Albin seinen Arm los und eilte Kirona hinterher.

Beim Versteck angekommen legte Alaryah ihren K√∂cher ab, steckte einen ihrer Pfeile in den weichen Boden und lehnte den Bogen an die S√§ule. Einen der Langdolche stellte sie daneben. Im Augenwinkel konnte sie erkennen, wie sich auch Kirona f√ľr den Zugriff bereit machte. Sie umklammerte den Stab so fest, dass die Fingerkn√∂chel wei√ü hervortraten. Dann schloss Alaryah die Augen. Es dauerte eine Zeit, bis sie sich beruhigt hatte. Um sie herum wurde es ruhiger. Dunkler. Die Ger√§usche waren dumpf, manche kaum noch zu h√∂ren. Sie suchte. Da! Da war er. Alaryah erkannte Jaro anhand seiner Schritte und meinte sogar seinen Herzschlag wahrnehmen zu k√∂nnen. Er schien sich dem Ziel zu n√§hern. Es kostete Alaryah etwas Konzentration, doch gelang es ihr sich auf Jaro zu fokussieren. Sollte er das Wort sagen, so w√ľrde sie es h√∂ren. Sie waren bereit.

Jaro bekam von all dem nichts mit. Je n√§her er seinem Ziel kam, desto zittriger wurden seine H√§nde. "Jetzt rei√ü dich aber mal zusammen!", mahnte er sich und umklammerte seine "Waffe" fester. Er w√ľrde es schaffen. Jaro biss die Z√§hne zusammen und huschte umher, die Mauer von der Alaryah gesprochen hatte war nicht mehr weit. Tats√§chlich sollte es nicht mehr lange dauern, da h√∂rte Jaro auch schon die schlurfenden Schritte des Postens. Dann tauchte pl√∂tzlich ein Speer hinter der Mauer auf, dicht gefolgt von seinem Tr√§ger. Nur ein Satz nach vorn rettete Jaro gerade so davor entdeckt zu werden. Dumpf schlug er mit dem R√ľcken gegen die Mauer, kniff Augen und Mund zusammen. War es vorbei? Hatte man ihn jetzt schon entdeckt? Was, wenn er die Augen √∂ffnete und direkt in das Gesicht des Mannes sah? Sollte er Alaryah und Kirona um Hilfe rufen? Langsam √∂ffnete Jaro zittrig das eine Auge, dann das andere. Der Mann hatte etwas geh√∂rt, war stehen geblieben. "'s isn das gewesen?", brummte der Kerl und blieb scheinbar stehen. Das Schicksal meinte es gut mit Jaro, denn besser h√§tte der Posten nicht innehalten k√∂nnen. Jaro nahm all seinen Mut zusammen, jetzt war er am Zug!

"Ey!", zischte der Kerl und wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht herum als wolle er eine Fliege verscheuchen. "Was soll das?!", fragte er lauter als er bemerkte, dass es kein Tier war, was ihn da √§rgerte. "Wer ist da?", fragte der Mann roh und hielt seinen Speer mit beiden H√§nden, bereit einem Angriff zu begegnen. "Glaubt ihr, ihr k√∂nnt euch verstecken und einfach eure Sp√§√üe mit mir treiben? Pah!". Langsam schritt er voran. "Wenn ich euch zu packen kriege setzts was!". Jaro lie√ü erneut die Reflektionen frei. "Verdammt noch mal!". Getroffen. "Da seid ihr also!". Der Mann r√ľckte seinen verbeulten Helm zurecht und stampfte nun grunzend in Richtung Jaros Position. "Euch kauf ich mir..."

Jaro Ballivòr
Zu sp√§t wurde Jaro bewusst, dass er sich nun nicht mehr verstecken konnte. Von Alaryah und Kirona gab es keine Spur. War er nicht weit genug gegangen? Er presste sich so nah er konnte an die Wand, doch es war zwecklos. Der Mann w√ľrde ihn sofort sehen. Schnell rappelte Jaro sich auf und ging in die Hocke, damit er wenigstens losrennen konnte. Er entdeckte einen Steinbrocken und griff danach, gerade als der Speer um die Ecke kam.
"Was zum...?" Überraschung lähmte den Wächter einen Augenblick und Jaro und er starrten sich an. Schließlich breitete sich ein böses Grinsen auf dem Gesicht des Postens aus. "Was hast du hier zu suchen, du Wurm? Bist du ein Albino, oder was?"
Jaro packte den Stein so fest, dass seine Hand schmerzte. Anzugreifen wagte er nicht, aus Furcht in den Speer zu rennen oder den Kerl auf die Idee zu bringen, Alarm zu schlagen. Offenbar hielt er ihn f√ľr einen harmlosen Herumtreiber, der die Aufregung nicht wert war. Aber was sollte er stattdessen tun? Wie sollte er den Typ √ľberw√§ltigen? Und wo waren Alaryah und Kirona? Das Signalwort!... wie Schuppen fiel es ihm von den Augen und er setzte an zu rufen, als er im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Der Posten merkte es ebenfalls und sah zur Seite, doch es war zu sp√§t. Schon hatte Alaryah sich lautlos hinter ihn bewegt und rammte ihm den Griff eines der Dolche seitlich in den Hals. St√∂hnend zuckte der Mann zusammen, sein Helm verrutschte, doch er verlor nicht das Bewusstsein, fuhr stattdessen herum und stie√ü mit dem Speer zu, dem Alaryah durch einen beh√§nden Sprung auswich. Kirona stob von hinten heran und schlug ihren Stab in die ungesch√ľtzten Kniekehlen ihres Opfers. Er fiel auf alle Viere und schrie auf. Nein!, dachte Jaro. Sie werden uns h√∂ren! Ehe er sich versah, war er aufgesprungen und schleuderte den Mauerstein so fest er konnte auf den Kopf des Kerls. Er hatte gut gezielt... oder Gl√ľck. Der Brocken prallte gegen die durch den verrutschten Helm entbl√∂√üte Schl√§fe und endlich sackte der Posten in sich zusammen.
"Schnell!", drängte Alaryah, während aus dem Innern schon Stimmen herausdrangen.
"Wibalt!", rief eine tiefe Stimme. Den Rest konnte Jaro nicht verstehen.
Alaryah und Kirona zerrten den bewusstlosen Wibalt von der Mauer fort und Jaro folgte ihnen gebeugt. Jeden Augenblick rechnete er damit, von einem Pfeil durchbohrt und zu Boden gestreckt zu werden.

Alaryah Schattenwind
Gerade noch rechtzeitig verschwand die kleine Gruppe mit ihrem unfreiwilligem Mitreisenden hinter einer Hecke. "Wibalt?! Verdammt noch mal, wo treibst du dich schon wieder rum?". Die Rufe kamen n√§her und ein weiterer Mann erschien an der Mauer, wo eben noch der nun bewusstlose gestanden hatte. Dieser Kerl trug eine dicke Lederkappe und einen Bogen. Er suchte die Gegend mit leicht verengten Augen ab. Alaryah presste sich so fest auf den Boden wie nur eben m√∂glich, auch ihre Gef√§hrten verbargen sich leise keuchend hinter dem Blattwerk. "Das darf doch alles nicht wahr sein.", flucht der Bogensch√ľtze und spuckte gegen die Mauer. "Wibalt, ich habe...". Der Mann hielt nun pl√∂tzlich inne und lehnte sich zur Seite. Er schien etwas entdeckt zu haben. Alaryah riss die Augen auf. Hastig sah sie sich um. Hatte er sie entdeckt? Unm√∂glich. Der bewusstlose K√∂rper lag regungslos da, Kirona war schr√§g dahinter. Jaro war aus dem Blickwinkel unm√∂glich f√ľr den Sch√ľtzen zu sehen, da war sich Alaryah sicher. Sie tastete nach ihrem Bogen, konnte ihn aber nicht wirklich erreichen. Der K√∂cher war verrutscht. Sie fluchte innerlich. Der Bogensch√ľtze kam mehrere Schritte in ihre Richtung, schwang sich dann recht geschickt √ľber die Mauerreste. Er b√ľckte sich, hatte scheinbar etwas gefunden. Alaryah rutschte das Herz in die Hose. Hatten sie etwa einen der Steine verloren?! Der Kerl erhob sich wieder, hatte den Speer von Wibalt in der Hand. "War wohl wieder n√∂tig, was?", h√∂hnte der Sch√ľtze und stellte den Speer an die Mauer. "Wenn das mit deiner Verdauung so weitergeht, dann solltest du wirklich einen Medicus aufsuchen!", rief der Mann und sch√ľttelte den Kopf. "So ein T√∂lpel. Frisst ja auch nur st√§ndig Mist in sich rein.", brummte er fast nicht h√∂rbar, dann erhob er wieder die Stimme. "Wenn du wieder leer bist, dann sieh zu, dass du deinen Hintern in den Turm bewegst! Es gibt was zu tun!". Dann machte der Sch√ľtze kehrt und trottete wieder von dannen. "Puuuuuuuuh.". Alaryah lie√ü erleichtert den Kopf in den weichen Boden unter der Hecke fallen. "Los, wir m√ľssen hier weg.", zischte Kirona und gemeinsam schafften sie es, den bewusstlosen W√§chter in eine kleine Senke zu tragen. Dort legten sie ihm Fesseln an und warteten darauf, dass er wieder zu sich kam. "Das reicht jetzt.", fand Kirona schlie√ülich und holte ihre Feldflasche hervor. "Ich wecke ihn jetzt.". Kurz bevor sie ihre Ank√ľndigung in die Tat umsetzen konnte sprang Jaro auf. "Kirona! Nicht, warte!". Sie hielt inne, auch Alaryah sah zu dem Alben hin√ľber. "Knebel! Wir sollten ihm erst noch einen Knebel verpassen, damit er nicht direkt losschreit.". Einer von Alaryahs Mundwinkeln wanderte nach oben. "Sicher ist sicher.", best√§tigte sie.
"MMMpppfppfpffmhhh." waren die ersten Laute, die Wibalt von sich gab als Kirona ihm etwas Wasser aus der Flasche ins Gesicht sch√ľttete. Langsam kam der Mann zu sich, doch es dauerte, bis er wieder einen klaren Blick hatte. In weiser Voraussicht hatten die drei gepr√ľft, ob Wibalt irgendwelche T√§towierungen trug oder versteckte Waffen bei sich hatte. Keins von beidem war der Fall...zum Gl√ľck. "Guten Morgen.", sagte Kirona geh√§ssig und grinste. "Wir haben ein paar Fragen.", sprach Alaryah weiter. Dann fanden die Blicke des Kerls Jaro. "Bmmm fmmmm ppfh mpfff hhhppmmm!!!". Es war mehr als eindeutig, dass er ihn erkannte und ihm wahrscheinlich gerade w√ľste Beschimpfungen entgegenwarf. "Na, na, na.", sagte Kirona, stand auf rammte das eine Ende des Stabs in den Magen des Mannes. Die Verw√ľnschungen erstarben und Wibalt kr√ľmmte sich zusammen. "Wer wird denn gleich so ungehobelt sein?". Kirona dr√ľckte fester zu, der Scherge schnaufte. "K...Kirona?". Alaryah sah die Frau an. "Kirona ich denke es reicht erst mal.". Kirona lie√ü sich nicht beirren. "Kirona!", sagte Alaryah, nun etwas lauter. Die Frau schaute zu ihren beiden Gef√§hrten, dann wieder zu Wibalt. "Benimm dich.", zischte sie und riss dann ihren Stab zur√ľck. Alaryah hatte ein ungutes Gef√ľhl und beschloss Kirona im Auge zu behalten...
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#50

Beitrag von Alaryah Schattenwind » So 7. Okt 2018, 19:27

Jaro Ballivòr
Hektisch sog Wibalt Luft durch die Nase ein und gab so etwas wie ein Keuchen von sich. Seine Augen traten hervor und sein Gesicht war knallrot. Allerdings war nicht er es, der im Augenblick die größte Aufmerksamkeit genoss. Alaryah und Jaro hatten ihren Blick gleichermaßen auf Kirona gerichtet, die den Stab ein, zwei Mal um ihr Handgelenk kreisen und dann neben sich auf den Boden schnellen ließ.
"Mmmmmh", machte Wibalt und dieses Mal klang es eher wie Gejammer als Geschimpfe. Kironas √ľberharte R√ľge hatte gesessen.
"Also", setzte Alaryah erneut an, "wir haben ein paar Fragen und die Qualität deiner Antworten entscheidet, wie wir weiter mit dir verfahren." Sie warf einen weiteren Seitenblick auf Kirona, die Wibalt ununterbrochen anstarrte und den Stab fest umklammert hielt.
"Mmmhhmmmhhmmm", machte der Wächter und deutete auf den Knebel.
"Alles zu seiner Zeit", Alaryah nickte Jaro zu und er näherte sich vorsichtig dem Mann, um ihm den Stoffballen aus dem Mund zu nehmen. "Wenn du schreist, stopfe ich ihn dir sofort wieder rein", sagte er und zuckte zusammen, als ein sausendes Geräusch die Luft zerschnitt.
"Keine Sorge. Er ist tot, bevor ein Ton seine Kehle verlässt." Wie aus dem Nichts war eine kurze Klinge an Wibalts Hals erschienen und Kirona sah nicht so aus, als scherzte sie. "Nur zu, Jaro." Zwar lächelte sie, doch Jaro war trotzdem mulmig zumute. Mit zittrigen Händen nestelte er an dem Knoten herum und schaffte es schließlich ihn zu lösen. Als erstes nahm Wibalt einen tiefen Luftzug und befeuchtete seine Mundhöhle.
"Das ist meiner", knurrte er dann.
"Jetzt nicht mehr", entgegnete Kirona. "Ein schöner Dolch. Arashi Schmiedekunst?"
"Kirona, die Fragen...", sagte Jaro vorsichtig.
"Eine Antwort habe ich schon: die Dreckskerle kommen aus Naridien."
"Wie viele seid ihr dort oben?" Alaryah nickte in Richtung Ruine.
Ein fieses Grinsen breitete sich auf Wibalts Gesicht aus.
"Mehr, als ihr jemals bezwingen könnt, Albenweib."
"Beantworte die Frage!", knurrte Kirona und Wibalt keuchte auf, als sie die Klinge fester auf seinen Hals dr√ľckte und einzelne Bluttropfen hervorquollen.
"Vierunzwanzig", beeilte er sich zu sagen.
"Warum seid ihr hier? In dieser Ruine?"
Kurz zuckten Wibalts Augen zu Kirona und er entschied scheinbar, dass es besser war, direkt zu antworten.
"Wir beh√ľten ihn."
"Wen?"
"Den Eingang."
Jaro und Alaryah warfen sich vielsagende Blicke zu. Das war das schlimmste, was passieren h√§tte k√∂nnen. Wenn die Posten genau das bewachten, wohin sie zu gelangen suchten, w√ľrden sie niemals heimlich dorthin kommen.
"Was f√ľr einen Eingang?", h√∂rte Jaro sich selbst fragen.
"Keine Ahnung... ein Geheimgang, ein Eingang, irgendwas. Es hie√ü "Bewacht es mit eurem Leben" und jetzt versauern wir seit Wochen hier und keine Menschenseele hat sich die M√ľhe gemacht diesen verschissenen H√ľgel hinauf zu laufen. K√∂nntest du BITTE ein bisschen weniger fest dr√ľcken??"

Alaryah Schattenwind
"Wer schickt euch?", fragte Alaryah nun erstaunlich k√ľhl. Es war fast so, als f√ľrchte sie nun schon die Antwort des Schergens. "Was weiss ich denn?", blaffte Wibalt und versuchte von der Klinge wegzurutschen. Es wollte ihm jedoch nicht sonderlich gut gelingen. "Sag uns, was du √ľber euren Auftraggeber weisst.", zischte Kirona, packte Wibalts Kopf und zog ihn nach hinten. Die Klinge bohrte sich sanft unter das Kinn des Mannes, der nun sichtlich eingesch√ľchtert die Augen aufriss. "Und ich hoffe f√ľr dich, dass es wertvolle und vor allem richtige Informationen sind.". Langsam bewegte Alaryah den Arm nach vorn. Sanft legte sie ihre Hand auf die von Kirona und vorsichtig, aber auch bestimmend, zog die Albin die Klingenhand unter Wibalts Kopf etwas weg. Er bemerkte es erst gar nicht. "Ich kann da nichts Genaues sagen.", murmelte der Mann und bewegte langsam den Kopf, weiterhin mit der K√§lte der Klinge rechnend. "Vor etwa zwei Monaten kam so ein Kerl in unser Lager. Ich habe den selbst nur aus der Ferne gesehen, trug eine Robe mit Kaputze. Er hat auch mit niemandem wirklich geredet, nur mit unserem Hauptmann.". Die drei sahen sich abwechselnd an. "Und euer Hauptmann hat dann die Vereinbarung getroffen? Muss aber auf jeden Fall ein guter Preis gewesen sein, dass ihr etwas mit eurem Leben verteidigt von dem ihr nicht einmal wisst, was es genau ist.". "Klimperne M√ľnzen lassen doch irgendwann jedes Herz erweichen.", antwortete Wibalt schon fast gleichg√ľltig. "Scheinbar gab es ordentlich Asche, sonst w√§ren wir hier l√§ngst schon wieder weg. Niemand h√§ngt freiwillig in einem Wald voller Alben herum und sitzt auf einem H√ľgel voller Mysterien. Pah! So ein Unfug.". Alaryah biss die Z√§hne zusammen. Sie hatte eine Hand zur Faust geballt und bemerkte erst jetzt, dass diese zitterte. Sie war kurz davor gewesen zuzuschlagen. Diese Art, dieses Fehlen von Ehre und Loyalit√§t, dieser ganze Haufen dort oben... Alaryah wandte einen Moment den Blick ab. Derweil fragte Kirona Wibalt weiter aus. Sie wollte Informationen √ľber Bewaffnung und Verteilung der Posten, sowie deren Schichten und Wachwechsel. "Kommt euer Auftraggeber hier her?", fragte Jaro schlie√ülich, doch Wibalt sch√ľttelte nur den Kopf. "Nein, er selbst nat√ľrlich nicht. Diese Leute haben doch f√ľr alles ihre Untergebenen. Nein. Er nicht, er wollte jemanden schicken. Es hie√ü, derjenige w√ľrde sich uns schon zu erkennen geben.". Wibalt machte eine kurze Pause. "Ich hoffe f√ľr euch drei nur, dass dies nicht gleich passiert. Dann habt ihr auf jeden Fall √§u√üerst schlechte Karten will ich meinen.". Ein dumpfer Schlag lenkte Alaryahs Aufmerksamkeit wieder auf das Geschehen. Kirona hatte dem Schergen erneut eine verpasst. "Spuckt nicht zu gro√üe T√∂ne, seid ihr es doch, der hier in einer √§u√üerst schlechten Lage ist.". Sie wandte sich dann Jaro und Alaryah zu. "Wir k√∂nnen auch noch einen anderen von ihnen befragen. Ich w√ľrde mich auch hierum k√ľmmern.", meinte Kirona und deutete mit der Klinge auf Wibalt, der nun erschrocken den Kopf sch√ľttelte. "Oder wir pr√ľfen seine Aussagen. Falls er gelogen hat geh√∂rt er dir.". Alaryah war von sich selbst √ľberrascht. Hatte sie gerade tats√§chlich das Leben von jemandem in die H√§nde einer Person gegeben, die urspr√ľnglich zu einer Waffe h√§tte ausgebildet werden sollen?!

Jaro Ballivòr
Grimmig nickte Kirona und auf einen Wink von Alaryah, brachte Jaro den Knebel wieder an. Er war froh, dass Wibalt sich dabei nicht weiter wehrte, was wohl daran liegen musste, dass sich noch immer eine scharfe Klinge an seinem Hals befand.
"R√ľhr dich nicht von der Stelle." Kirona grinste und nahm den Dolch zur√ľck.
Geduckt schlichen die Gef√§hrten den Weg zur√ľck, den sie gekommen waren. "Wir sollten nicht allzu viel Zeit verlieren, oder?", fl√ľsterte Jaro. "Werden sie nicht irgendwann doch nach ihm suchen?"
Alaryah Blick flog zu ihm hin√ľber. "Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht kriegen wir so einige von ihnen da weg!"
"Lasst uns erst mal sehen, ob er uns die Wahrheit sagt." Kirona klang bei diesem Gedanken beinahe enttäuscht.
Aufmerksam und vorsichtig näherten sie sich der Mauer. Alaryah ging durch, was sie selbst schon beobachtet hatte und Kirona zeigte auf einige Stellen und Fenster im Turm, die Wibalt als Posten benannt hatte. "Es stimmt alles", seufzte sie. "Sogar die Waffen..."
Alaryah sah zur Sonne hinauf. "Dann m√ľsste es bald einen Wachwechsel geben. Ein guter Zeitpunkt, um sie auf die Idee zu bringen, ihren Kameraden zu suchen. Los."
Sie fanden Wibalt in sich zusammen gesunken. Er hatte wohl versucht, die Fesseln zu lockern, die sich dadurch aber nur in seine Haut geschnitten hatten.
"So du Wurm," begann Kirona pl√∂tzlich, "das nennst du mit dem Leben bewachen? Ich hatte es bef√ľrchtet, deshalb wollte ich mir selbst ein Bild machen..."
Wibalt hob den Kopf, einen fragenden Ausdruck im Gesicht.
"Ja ganz recht. Er schickt mich." Fast beiläufig legte Kirona ihre Arme frei. "Und jetzt sprich", dabei zog sie den Dolch und nickte Jaro zu, der den Knebel entfernte. "Ist er sicher?"
"Ich glaube dir nicht. Du bist mit Alben unterwegs."
"Die? Ich habe sie mir gef√ľgig gemacht. Also? Meine Geduld ist bald am Ende."
"Wenn du zu uns gehörst, warum marschierst du dann nicht einfach oben ein?" Ein letzter Widerstand flammte in Wibalts Augen auf.
"Weil ich sehen wollte, ob ihr meine Befehle angemessen ausf√ľhrt und ich bin mehr, als entt√§uscht..." Die Spitze der Klinge bohrte sich in Wibalts Kehlkopf, der panisch auf das Metall schielte.
"Er ist sicher... niemand hat das obere Turmzimmer betreten, wie befohlen."
"Danke." Kirona grinste breit und sah zufrieden von Alaryah zu Jaro. Er musste zugeben, die Idee war gut gewesen, doch gefiel ihm der Ausdruck in Kironas Augen √ľberhaupt nicht.

Alaryah Schattenwind
Alaryah atmete tief durch. Tats√§chlich war Kironas List gegl√ľckt. Zufrieden nickte sie Kirona zu. "Dann brauchen wir dich ja nun nicht mehr.", stellte Kirona pl√∂tzlich n√ľchtern fest und legte, weiterhin breit grinsend, den Kopf schr√§g. Erneut versuchte Wibalt Abstand zwischen sich und die Frau zu bringen, doch hatte sie ihn nat√ľrlich mit einem kurzen Schritt direkt wieder eingeholt. "L√§cherlich.", h√∂hnte die Frau und lie√ü die Klinge in ihrer Hand kreisen. "Alaryah, sie wird doch nicht...", fl√ľsterte Jaro und tastete nach der Albin, die allerdings zu weit weg von ihm stand. Seine Hand griff ins Leere. Alaryah verfolgte die Szenerie mit gro√üen Augen. "Kirona, nicht!", sagte sie etwas lauter, zwang sich jedoch ruhig zu bleiben. Doch die Frau war weiterhin in ihrem Element. "Ein nichtsnutziger Haufen seid ihr! Der gr√∂√üte Nichtsnutz bist du, l√§sst dich einfach so √ľberrumpeln. Er hatte Recht, ihr seid einfach nur Figuren in unserem Spiel, Schafe, die man jederzeit zur Schlachtbank f√ľhren kann, Soldaten, die man in der Schlacht verheizen kann.". Unerbittlich kam Kirona n√§her und n√§her, Jaro und Alaryah schienen wie angewurzelt. "Nein...", stammelte Wibalt wieder und wieder. "Nein, bitte...so h√∂rt doch...bitte.". Kirona machte sich nun einen Spa√ü daraus Wibalt scheinbar die Flucht zu erm√∂glichen, nur um ihm dann wieder zuvor zu kommen. Alaryah fasste als erstes einen klaren Gedanken. "Halt!", sagte sie nun lauter und ging auf Kirona zu. Diese hockte bereits neben dem Schergen und hatte zum t√∂dlichen Streich ausgeholt. Gerade noch so fing Alaryah Kironas Arm ab und hielt ihn mit gr√∂√üter Anstrengung fest. Alaryah biss sich vor Anstrengung auf die Lippe. Kirona schien wahnsinnige Kraft in diesen Hieb legen zu wollen. "Was soll das?", presste die Frau zwischen den gefletschten Z√§hnen hindurch und schaute nun Alaryah direkt in die Augen. Ein b√∂ses Funkeln war in Kironas Augen zu sehen. Mordlust. Wut. "Kirona, bitte. Komm zu dir, das bist doch nicht du.", Alaryahs Stimme war ged√§mpft und sie hoffte, dass sonst niemand ihre Worte h√∂rte, vor allem nicht Wibalt. "Kirona, wir m√ľssen los wenn wir den Wachwechsel ausnutzen wollen. Wir k√∂nnen nicht noch einen halben Tag verschwenden.". Langsam schien Kirona zu Vernunft zu kommen. Sie kniff die Augen zusammen und sch√ľttelte dann den Kopf. Der Druck in ihrem Arm wurde weniger und lie√ü dann, zu Alaryahs Erleichterung, komplett nach. Langsam erhob sich Kirona. "Gehen wir.". Ohne weitere Worte zu verlieren und ohne auf eine Reaktion ihrer Gef√§hrten zu warten machte sich Kirona auf den Weg in Richtung der Befestigung. Alaryah folgte ein paar Schritte, blieb dann jedoch stehen. "Wir m√ľssen...also...". Sie schaute Kirona nach und dann wieder zur√ľck zu Jaro, der auch aus seiner Starre erwacht war. Die Albin schaute hin und her, Kirona war schon fast aus ihrem Sichtfeld verschwunden. Innerlich fluchte Alaryah. Was sollte sie nur tun? Es blieb ihr scheinbar nicht viel √ľbrig. Hastig schritt sie zu Jaro hin√ľber, griff mit der rechten Hand seinen Nacken und zog ihn zu sich. Als sich die K√∂pfe der beiden nebeneinander befanden sagte Alaryah leise:"Du wirst das richtige tun. Und wir werden uns finden.". Dann zog sie ihren K√∂cher zurecht und eilte in die Richtung, in die Kirona verschwunden war.

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