Beiträge von Dario

    Dario war froh gelaunt. Fast schon euphorisch. Brav tapste er neben Kolbakur, wobei ihm das schnell zu langweilig, weswegen er immer wieder nach vorne rannte, oder sich in den Wäldern versteckte, um Kolbakur zu erschrecken, oder ihn zu motivieren fangen mit ihm zu spielen.
    Der alte Centaure schien aber übermüdet zu sein, worauf Dario aber nicht reagierte. Er hatte seinen Spaß. Sprang nun von Baum zu Baum in schwindelerregenden Höhen, aber landete immer wieder sicher auf dem Boden.
    "Hast du gesehen wie weit ich gesprungen bin?," meinte er stolz.


    "Ich esse, das was die Menschen uns geben. Das ist immer was Anderes! Die Menschen sind nett. Beeren? Ja, das wäre nicht schlecht."


    "Du kannst doch noch nicht schlapp machen," sagte er zu Kolbakur, als dieser begann träge zu werden und sich auf den Boden niederließ. "Die Nacht hat doch gerade erst angefangen!"
    "Schau!"
    Dario riss die Augen weit auf und zog eine Grimasse.
    "Schläfst du schon?"
    Er klopfte auf seinem Kopf mit seinen harten Knochen, bestimmt tat das weh, obwohl Dario dies nicht beabscihtigt hatte. Ungeduldig haute er leicht auf seine Schulter, um seine Aufmerksamkeit zu erregen.
    "Guck mal, was ich kann", freute sich Dario. Er versuchte einen Handstand, brach aber dabei zusammen.
    "Ich schwör dir. Letztes Mal hats geklappt!"


    Dario schaute verärgert, als der alte Centaure nicht reagierte. Er saß etwa 10 Minuten brav an seiner Seite und wartete in der Hoffnung er würde gleich aufstehen. 10 Minuten Pause müssten doch reichen, dachte sich der Kleine. Dabei irrte er sich aber, denn Kolba schlief ein. Eine tiefe, flache Atmung und die geschlossenen Augen ließen darauf zurückschließen.


    Kritisch beäugte Dario ihn und begann wieder an Kolbas Fell zu spielen und es zu streicheln. Ihn faszinierte das sehr. Sowas derart Weiches hatte er noch nie gesehen. Es musste bestimmt cool sein, sowas immer bei sich zu haben! Ich würde mich immer selbst streicheln und gar keine Zeit mehr für andere Sachen haben, überlegte er.
    "Alles gut. Ich werde was zu essen besorgen, Freund!", sagte er. Es war eine relative kühle Sommernacht. Dario kam nicht wirklich auf die Idee ein Lager aufzuschlagen, ein Feuer zu entfachen oder einen sicheren Schlafplatz für Kolba zu suchen. Er ließ ihn einfach auf dem Waldweg liegen und tapste los. Auf dem Weg nach was zu essen.
    Lautloses Heranschleichen durch den Wald gehörte nicht gerade zu den Stärken des Volkes der Gargoyles. Ihre schweren Schritte konnten Tiere noch aus weiter Entfernung wahrnehmen. Aber dafür konnten die Gargoyles ja schnell auf Bäume klettern. Eine Stärke, die die Centauren nicht hatten. Im Grunde genommen waren Centauren noch weniger selbstständig als das Volk der Gargoyles. In freier Natur konnten sie unmöglich alleine überleben. Nur als Teil eines Rudels, oder eben unter Obhut der Menschen.


    Unterwegs fand er tatsächlich ein paar Beeren. Sofort aß er alle auf, ohne an Kolbakur zu denken. Zu groß war sein Hunger, denn Gargoyles brauchten viel Nahrung. Sie waren Allesfresser, konnten sogar Aas fressen, denn ihre Mägen konnten alles verdauen. Sogar Gras konnten die Mägen der Gargoyles verwerten. Drum plückte Dario allerhand Grünzeug.


    Erst jetzt nach so langer Zeit machte sich Dario wieder Sorgen. Was würde denn seine Mutter denken? Sie würde sich zu Tode ängstigen! Verdammt ich muss schnell nach Hause, sonst gibts Ärger! Während er durch die Gegend lief, malte er sich aus, wie das Gespräch zwischen ihm und seinen Eltern ausgehen würden. Und was er sagen würde. Er übte schon mal seine Worte. Im Geiste sah er ein kleines Drama auf sich zukommen.
    Als er plötzlich wieder realisierte, wo er war und die Orientierung verloren hatte. Links oder rechts? Wie oft war er links gegangen? Von wo kam er nochmal?
    Habe ich den Hügel schon mal gesehen?
    "Hallo?", fragte er auf der Hoffnung irgendwer würde antworten. Doch nichts passierte. Stattdessen fokussierte sich nun seine Wahrnehmung auf die Umgebung. Das Rascheln in den Bäumen, die seltsamen Tierlaute, Knacksen von Ästen, ein einfacher Uhu Laut ließ ihn sofort seine Abwehrhaltung einnehmen.
    "Zeig dich, du Monster!," rief Dario tapferer, als er erwartet hatte. Angespannt knurrte er, während er auf seinen Vieren stand und seine Krallen ausfuhr. "Vater hat mir genug vom Kämpfen gezeigt. Wir Gargoyles sind Kämpfer. Wir beschützen die Menschen!", sagte er stolz, aber auch etwas ängstlich in seiner Stimme. Als nichts passierte, richtete er sich wieder auf die Vorderbeine und schaute hektisch umher.
    Er hatte keine Ahnung, wo er war.


    Leise begann er zu schluchzen. In seiner Verzweiflung wurde er aber immer lauter und weinte minutenlang. Als er plötzlich ein Wolfsheulen hörte, reagierte er panisch. Das Essen warf er sofort auf den Boden, er kletterte auf einen Baum und sprang hastig von Baumkuppe zu Baumkuppe. Mit schlotternden Knieen bibberte er oben, während er nach einiger Zeit oben sitzend, plötzlich ein Licht aufflackern sah. Irgendein Bauer kam mit seinen Hunden und seinen Söhnen aus dem Haus und trat in seinen Hof, um sich vor den Wölfen zu verteidigen, die eine Schafsherde angefallen hatten.


    Menschen!, dachte sich Dario.
    Er machte sich sofort auf den Weg zu ihnen.

    Dario hang kopfüber an einem Ast, als Kolbakur in einem tosenden Galopp ankam. Ihm schien die ganze Aufregung Spaß gemacht zu haben, denn er grinste breit und freute sich. "Das war lustig!," sagte er, als Kolbakur mit ihm sprach.
    Er hatte schon ganz vergessen, dass Kolbakur ihn allein gelassen hatte. Ohnehin war er nicht nachtragend. "Weg? Asoooooo," Dario lächelte.
    Er schwang sich, wie ein Turner am Ast nach oben, und landete dann heldenhaft auf seinen Pranken. "Nicht schlimm. Ich kam zurecht! Siehst du?"


    Kaum waren sie in Sicherheit hatte Dario wieder ein Haufen Fragen.
    "Was waren das für Menschen? Waren das deine Freunde? Aber warum griffen sie dich an? Musst du nichts essen? Ich hab Hunger."
    Kolbakurs Kompliment, wegen seinen guten Augen nahm er zur Kenntnis. Stolz erhob sich seine Brust ein wenig, als Kolbakur ihn lobte.


    "Keine Ahnung, wo wir sind. Ich war hier noch nie! Aber lass uns einfach gucken. Ich hab Hunger. Vielleicht finden wir ein paar Menschen in der Nähe".
    Dario sprang herunter vom Ast und tapste neben Kolbakur, als sie sich in Bewegung setzten. Ein Gargoyle war vollkommen abhängig von der Versorgung durch Menschen. Das Jagen hatten die Gargoyles schon längst verlernt. Dass man Früchte, Beeren oder Pflanzen in der Wildnis essen konnte, war Dario auch nicht bekannt. Er wollte nur so schnell, wie möglich zu einem Menschen, damit er ihm Essen geben konnte.
    "Wir müssen bald einen Menschen finden...," sagte Dario in einem bestimmenden Tonfall.

    Darios scharfer Blick ging flink aber dabei gleichezeitig sorgfältig von links nach rechts, während er im Mondlicht durch die Nacht gleitete.
    Der Kleine war zwar noch kein ausgewachsener Gargoyle und hatte noch nicht die wahre Kampfstärke und Körpergröße seines Volkes erreicht, doch seine Gleit- und Kletterfähigkeiten waren ausgezeichnet geschult.


    Vorsichtig durchstreifte er die Lüfte und versuchte dabei jeden Aufwind zu nutzen, der sich ihm bot, damit er länger in der Luft blieb. In der Ferne erblickte er einen Flusslauf nicht weit, dahinter ein endloses grünes Land silbern schimmernd im Mondlicht. Die bedrohlichen Bäume, die Vorboten des Waldes, beunruhigten den Kleinen eher.
    Er hatte viele schreckliche Geschichten von den Kreaturen des Waldes gehört. Riesige Spinnen, Monster mit drei Köpfen, gehörnte dämonische Fledermäuse. Doch es galt einen Freund zu helfen! Es gab keine Ausreden! Dario war sicher, dass Kolbakur in Schwierigkeiten war, also wagte er sich in den Wald und glitt durch die Bäume hindurch.


    Als er eine stämmige Kiefer erreichte, um sich auf der Spitze des Baumes auszuruhen, erblickte Dario zu seiner Verwunderung direkt unter ihm ein Lagerfeuer. Mit seinen guten Ohren konnte er zwar nicht wahrnehmen, was sie sagten, doch vom Stimmfall und der Tonhöhe konnte er identifizieren, dass sich die Personen unten ruhig unterhielten. Dario entschied von der Spitze des Baumes hinunterzuklettern, um die Lage beobachten und besser einschätzen zu können. Während er sich anfangs noch etwas ungeschickt anstellte, da der kleine Gargoyle sonst nie herunterklettern musste, entdeckte er schnell Spaß daran. Spielerisch sprang er von Baum zu Baum. Breitete immer wieder seine Flügel aus und japste glücklich dabei.


    Er vergaß sich völlig und dass er eigentlich vorgehabt hatte den Baum vorsichtig hinunterzuklettern, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Es machte ihm einfach zu viel Spaß! Er macht sich einfach keine Gedanken und machte aus dem Ganzen ein Spiel. Einmal rutschte er sogar aus, doch wie ein Akrobat konnte er sich mit einem Bein am Baum hochziehen und lachte glücklich dabei, als er es überlebte.


    Währenddessen wurden die Gestalten unten etwas aufgeregter und lauter. Doch Dario nahm das nicht wirklich wahr. Er war vollkommen in seinem Element, machte Flugkunststücke und fühlte sich lebendig.
    Gerade balancierte er an einem Ast in schwindelerregender Höhe, als plötzlich unten ein Schrei ertönte und Dario in seinem Spiel unterbrochen und zurück zur Realität befördert wurde. Gerade mal ein paar Meter von ihm entfernt erkannte er Kolbakur in der Menge und nicht unweit von ihm einen blutbefleckten Menschen, der reglos am Boden kauerte.
    Verwirrt sprang Dario zum nächsten Ast, welcher etwa noch immer 3 m Abstand zum Boden hatte und schrie zu Kolbakur aufgeregt:


    "Heh, was ist los? Wir müssen hier weg!"
    Dario hatte nicht wirklich Ahnung, warum er das sagte. Doch die Menschen schienen nicht freundlich gestimmt zu sein. Ihre grimmigen Fressen und ihre gezogenen Waffen sprachen Worte. "Los, los!," schrie der Gargoyle.
    "Lauf Richtung Osten, da ist eine Schneise. Ich habs von oben gesehen. Du kannst schnell durch!"


    Dario beförderte sich geschickt in Sicherheit, in dem er zum nächsten Baum sprang und von dort aus nach oben kletterte. Was in aller Welt war nur los?

    Es wurde Abend und wieder dunkel. Wie durch Magie lichtete sich die Gargoyle Statue und einzelne Steinbrocken fielen von ihr ab. Man hörte ein tiefes, zufriedenes Brummen, welches von Dario ausging. Der Kleine hatte sich ausgeschlafen. Sämtliche Verletzungen der Nacht zuvor waren verschwunden. Er war wieder fit und wie neu geboren.


    Man sah, wie sich die Glieder der Gargoyles zu regen begannen. Einen Augenblick später löste sich auch das Stein von Darios Augen. Seine Augen blintzelten und und das charakteristische Schwarz in seinen Augen wurde sichtbar. Kurz konnte man etwas Bedrohliches in seinen Augen erkennen, etwas Geheimnisvolles und Gefährliches, was alle Gargoyles tief in sich drinnen hatten. Doch nach ein paar Augenblicken normalisierte sich Darios Pupille wieder und er sprach:


    "Hallo, jemand da? Wo bin ich?", gegenwärtig befand sich der Kleine ganz allein. Man hatte ihn unter einer alten Eiche untergestellt und schon fing Dario an zu rätseln, was passiert war. Seine letzte Erinnerung an der gestrigen Nacht war, dass er bei dem Centauren gewesen war, ehe er zu Stein verfallen war. Doch warum hatte sich der Centaure nicht an sein Wort gehalten? Wo war die Burg? Wo war er nun?
    Dario sorgte sich ziemlich und fing an zu zittern.
    Seltsame Klänge des Waldes ertönen. Für den Gargoyle beunruhigende Laute, da er nicht im Wald aufwuchs und diese ganzen Dinge nicht wirklich kannte.


    "Hallo? Freund?", Dario war verzweifelt. Er hatte ihn im Stich gelassen.
    Vor Verzweiflung und weil Dario nicht weiter wusste, fing er an zu weinen. Er schluchzte fast eine Stunde, doch Kolbakur kam nicht zurück. Erst jetzt fing Dario an zu handeln. Vielleicht war ihm was passiert?
    Der Kleine entschloss sich auf den höchsten Baum in der Nähe zu klettern und sich von dort aus Überblick über die Landschaft zu schaffen.


    Als er oben angekommen war reichte sein Blick bis tief in das Herzogtum hinein, aufgrund der hervorragenden gargoylischen Sehkraft. Doch das Gebiet, wo sich der Gargoyle befand war ihm völlig unbekannt.
    Mama, wird sich zu Tode ängstigen, wurde Dario schlagartig bewusst.
    Was war wohl Kolbakur zugestoßen? Freund geht es dir gut?, fragte er sich.

    Dem sanften Riesen gelang es erneut Dario zu beruhigen.
    "Ich...ich...", stammelte Dario schüchtern, als Kolbakur ihm ein Freundschaftsangebot machte. Zwar war der Gargoyle neugierig und aufgeschlossen, doch auch sehr vorsichtig und nicht unbedingt so direkt zutraulich gegenüber neuen Leuten, weswegen er nichts weiter darauf erwiderte.


    Als Kolbakur Dario dazu ermutigte formte sich ein Lächeln auf der blauen Haut des Gargoyle. Er errötete leicht, als Dario feststellen musste, wie weich das Fell des Pferdemenschen war. "WUUUUAH!", freute sich Dario leicht euphorisch. Er ließ das Fell gar nicht mehr los und wünschte sich auch derartiges.


    "Ich will auch sowas!", jaulte der kleine Gargoyle.
    "Doch ich habe nur nackte, kalte Haut. Nicht mal fliegen kann ich richtig. Wir Gargoyles sind stark im Kampfe, aber schwach im Geiste. Ja, die Menschen halten uns für dumm. Ich glaube, ohne sie könnten wir nicht überleben," überlegte Dario laut.


    Kolbakurs Erzählung über Pferde und Ritter machte Dario neugierig.
    "Ruhm und Ehre".
    Dario fing an zu grübeln. Auch Mathis hatte einst so gedacht. Auch er hatte danach gestrebt ein großer Ritter zu werden. Schlachten wollte er kämpfen, und für die Almanen und für das heilige Kaisho Bündnis gegen große Feinde in den Krieg ziehen. Doch wohin hatte ihn diese Ehre gebracht? Diese Götter! Verflucht seien sie! Segira und Clawis! Sie sind Schuld am Tod meines Schützlings!, dachte sich der kleine Gargoyle.


    "Sag mir...", Dario suchte nach einem Namen für den Centauren, musste aber feststellen, dass er seinen Namen vergessen hatte und schaute beschämt auf den Boden. "...Freund," fügte er schnell hinzu.
    "Weißt du warum...?," fragte Dario, doch dann konnte er sich die Frage schon selbst beantworten.
    Seine Worte wurden etwas zusammenhangslos und hektisch, da Dario seine Sätze ungewollt im Geist vervollständigte.
    "Ja genau. Entschuldigung. Es wird bald Tag. Schau das Licht, ich werde bald zu Stein verfallen. Aber in der nächsten Tag werde ich wieder vollständig genesen sein. Wir Gargoyles sind zwar blöd, aber heilen sofort nach einem Tagesschlaf...ich muss jedoch", Dario wurde etwas nervös.
    "Kannst du meiner Mutter Bescheid sagen? Sie macht sich sonst Sorgen. ICh kann leider nicht mehr fort. Die Schmerzen sind weg, doch der Weg ist noch weit, ich schaffe es nicht mehr vor Sonnenaufgang. Ich...," Dario schaute erstaunt, als die ersten Sonnenstrahlen in die Stallung fielen.


    "Sie wohnt bei der Burg in..." erzählte er, als sich mitten im Satz seine Zellen verdichteten und seine Haut eine steinerne Form annahm, und der kleine Gargoyle sich leblos zu einer Statue verwandelte...

    "Aber wieso das? Wieso kann so ein Stück Eisen jemanden helfen sich mächtig zu fühlen?", der Gargoyle begriff nicht ganz.
    Doch dann erinnerte er sich an ein Gespräch, dass er einst mit Mathis gehabt hatte, als er noch gelebt hatte.
    Dieser hatte ihm gesagt, dass sich die Menschen, aufgrund ihrer schwachen Natur, gerne starke Werkzeuge aus Eisen bauten, um sich stärker zu fühlen. Um so stark wie Gargoyles und andere Kreaturen zu werden. Mit einem Eisenschwert in der Hand, fühlt sich selbst der feigste Mann, direkt stärker.


    Der Centaure fuhr fort mit seiner Schilderung.
    Und als er ihm erklärte, dass sich die Menschen vor ihm fürchteten, weil er eine Kreatur war, die viele Menschen nicht kannten, begann der Gargoyle darüber nachzudenken. Wieder stellte Dario dazu eine Frage:
    "Also gibt es mehrere von deiner Sorte?"


    Kolbakur erklärte ihm, dass er ein Menschenfreund sei, genau wie das Volk der Gargoyle auch. Das ist ja verblüffend! , dachte sich der Kleine.
    Und dass er nichts Böses getan hatte. Er erklärte ihm, dass er sich ein Centaure nur von Pflanzen ernährte, wodurch auch die letzte Anspannung aus Darios Körper entwich und er keine Bedenken mehr hatte, dass Kolbakur irgendeine Gefahr darstellen könnte.


    In einer kurzen Pause, wo Kolbakur nicht sprach, kam Dario mit ihm dahingehend weiter ins Gespräch und Dario erklärte:


    "Wir Gargoyles sind schon seit Jahrhunderten mit dem Schicksal der Menschen verbunden. Meine Familie kennt kein Leben mehr ohne die Menschen," Dario lächelte leicht und errötete im Gesicht, als er sah, wie ihm Kolbakur geduldig zuhörte. Das brachte ihm etwas aus dem Konzept, sodass er ein wenig ins Stocken geriet: "Ich..., nein...," stammelte er. "Wir...ja!", er leckte sich nervös über die Lippen. "Wir wissen nichts mehr über unsere Herkunft. Seit wir denken, leben wir bei den Menschen. Wir sind die Beschützer der Menschen. Wir leben auf ihren steinernen Burgen und verfallen bei Tag zu Stein," erklärte er.


    Dario lächelte freundlich und sah dann an Kolbakurs Reaktion, dass sich dieser wohl Sorgen machte, dass er Probleme mit dem Menschen namens Abel bekommen könnte. Dario dachte noch nicht mal dran, dass mit dem Begriff "Morgen" nicht der Beginn der Nacht gemeint war, sondern der Beginn des Tages. Er ignorierte diese Aussage, aus seinem kindischen Verstand heraus und sagte: "Ach, dieser Abel ist kein Problem. Ich kenne viele Menschen. Sie mögen uns. Mein bester Freund war einst ein Mensch. Mein Schützlingggg...," sagte er und begann zu schluchzen. "Ich hätte alles für ihn getan."

    Als der mächtige Mann sich zu Dario hinunterbeugte, erhaschte er die Aufmerksamkeit des Gargoylekindes, sodass Dario für einige Zeit aufhörte zu weinen. Kolbakurs vorsichtige und mitfühlende Worte bewirkten zudem, dass Dario Vertrauen fasste und schließlich ganz aufhörte zu weinen. Leicht schluchzend wischte er sich die Tränen vom Gesicht und hörte ihm zu.


    Als Kolbakur auf seine Kette verwies, schockierte dies Dario sehr. Mitleid kam in dem kleinen Dario auf. Obwohl er diesen fremden Mann nicht kannte und es gewiss dumm war so zu fühlen, machte er sich tausende, verschiedene Gedanken. Er wollte ihm helfen, wusste aber nicht, ob das eine gute Entscheidung wäre. In seinem Kopf hörte er die Stimme seiner Eltern, die zur Vorsicht ermahnten. Doch er konnte aufgrund seiner Neugierde nicht anders und traute sich schließlich zu fragen:


    "Wieso bist du angekettet? Hast du was Böses getan?"


    Fürsorglich wie Dario war, waren ihm seine eigene Sorgen nicht mehr so wichtig. Dank der hervorragenden Regenerationsfähigkeit der Gargoyles, spürte er auch die Schmerzen in seinem geprelltem Schienbein nicht mehr so stark. Jedoch konnte er, und das war ihm durchaus bewusst, den Heimweg nicht antreten und musste wohl zwecks des Tagesschlafes an diesem Ort verweilen müssen. In der nächsten Nacht wäre dann alles wieder verheilt. Noch nicht mal einen Kratzer würde man später noch erkennen.


    "Anfangs tat es weh, aber wir Gargoyles sind stark, " sprach Dario in der einfachen Ausdrucksweise eines Kindes. Für ihn war es absolut normal, dass die Schmerzen verursacht aufgrund einer frischen Verletzung innerhalb von wenigen Sekunden abklingen und so kam er gar nicht auf die Idee, auf Kolbakurs Gedanken weiter ein zugehen.


    "Ich habe mich nicht verirrt!", sagte er leicht gekränkt. Man erkannte an seinem aufgeweckten, und kecken Gesichtsausdruck, dass in dem Gargoyle, trotz seiner melancholischen Lebenslage, dennoch noch viel Leben steckte.
    "Ich hörte seltsame Geräusche und wollte hier rein. Sowas wie dich habe ich noch nie gesehen!", antwortete er, so als ob dies alles erklären würde.


    Er schien sich augenscheinlich wohl bei dem älteren Herrn zu fühlen. Seine angespannte Körperhaltung entspannte sich immer mehr. Auch weinte er nicht mehr. Denn Darios ganze Aufmerksamkeit galt nun diesem fremden Mann.
    "Du hast auf meine Frage nicht geantwortet. Das ist unhöflich!"
    "Ich sage dir erst, wie ich heiße, wenn du mir sagst, warum du angekettet bist!", meinte Dario mit kindischer Beherztheit.

    Darios Herz pochte. Was war das bloß für ein Geschöpf, was so seltsame Laute machte! Das Wiehern des Pferdes war ein gleichsam faszinierendes, wie erschreckendes Geräusch.


    Der kleine Gargoyle kletterte den Balken immer höher hoch. Das wilde Tier ließ er währenddessen aber nicht aus den Augen und er achtete nicht so ganz darauf, woran er sich mit seinen Klauen festhielt. Die fremde Stimme murmelte ihm irgendetwas zu, was Dario aber ausblendete, da er viel zu fixiert auf die Gefahr war. Und so bekam er gar nicht richtig mit, dass eine Person mit ihm sprach.


    Der Gargoyle brachte sich immer weiter in eine größere Entfernung zum Tier, bis der Balken plötzlich mitten im Stallgebäude einfach endete, und Dario im hohen Bogen vom Ende des Balken überrascht, runterkrachte und auf den harten Boden landete. Unglücklicherweise landete er ausgerechnet auf der Stelle, wo sich kein Heu befand. Vor Schmerzen schrie er kurz auf. Er hatte sich beim unglücklichen Aufprall wohl etwas geprellt! Klagend zog er sich mit seinen Klauen nach vorne.


    Doch erst jetzt bemerkte er die Gestalt, die sich nur wenige cm vor seinem Gesicht befand und ihm scheinbar helfen wollte.
    Ein Mensch, nein ein Tier. Ein Menschtier!


    Dario schrie erneut auf. Als darauf Adrenalin in seinen Blutkreislauf gepumpt wurde, konnte Dario, trotz der Schmerzen, unerwartet einen großen Sprung in die Ecke machen.
    "Was bist du! Bleib mir vom Leib!", sagte er und fing an zu weinen.
    "Ich hab mich bloß verirrt...ich dachte... ich wollte..."
    Der Kleine vergaß sich völlig.


    "Es tut mir Leid," schluchzte er. Wie ein kleines Kind vergrub er sich in seine Schultern und versteckte sich hinter seiner Hand, so als ob er dadurch verschwinden könnte.

    Die Nacht brach ein. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages spiegelten sich noch im Hofteich, ehe die Sonne dann endgültig unter ging und die Gargoyles zum Leben erwachten.


    Überall am Gemäuer des Schlosses, wo die steinernen Statuen der Gargoyles gestanden hatten, brachen nun einzelne Stücke von den Statuen ab und fielen zu Boden. Zunächst lösten sich nur winzige Steinchen im Bereich des Gesichtes von der Statue ab. Doch mit Zunahme der Dunkelheit begannen sich auch die Glieder der Gargoyles zu regen. Sie blinzelten und das charakteristische Schwarz in ihren Augen wurde sichtbar.
    Überall im gesamten Schloss ertönte nun das geheimnisvolle Geräusch von Stein, das auseinander brach und im fernen Abgrund auf den Boden aufschlug. Die Gargoyles waren wach!


    Auch der kleine Dario zählte zum Volk der Gargoyles. Er war jung, gerade mal 15 Jahre alt und doch hatte er schon Vieles gesehen im Leben. Mehr als die Meisten in seinem Alter...vorallem traumatisch war der Tod seines besten Freundes gewesen. Sowas konnte niemand so Recht vertragen, aber schon gar nicht Dario, der solch ein treues und liebes Wesen war.


    Eine Träne kullerte die Wange herab, als Dario realisieren musste, dass eine weitere Nacht angebrochen war. Eine weitere Nacht ohne seinen einstigen Freund und Schützling Mathis. Dario atmete enttäuscht aus und schluchzte kurz auf. Er hatte insgeheim gehofft, dass er vielleicht diesen Tagesschlaf endlich sterben würde und nie mehr aufwachen würde. Doch leider war dies nicht passiert.


    Dario leckte sich einmal reflexartig über die Klauen, als plötzlich eine Stimme ertönte:
    "Dario, Schatz. Du musst was Essen," sagte die Mutter.
    "Mutter...ich...", antwortete der kleine Gargoyle zaghaft. Er sprang den 5m Hang zur ihr runter. Aber das ohne die Leichtigkeit und den Frohsinn, mit der er dies sonst tat.
    "Dario, was ist denn los. Du isst schon seit Nächten nichts mehr. Und ich hab dich die letzten Nächte kaum gesehen. Wo hast du dich denn getrieben? Warst du wieder mit deinem Freund unterwegs?", fragte Gabrielle besorgt.


    Als seine Mutter Gabrielle seinen verstorbenen Mathis erwähnte schrie der Kleine auf. Er hatte ihr bis jetzt noch nichts von Mathis Tod erzählt.


    "NEIN!", schrie er plötzlich erregt. Er wurde ganz rot im Gesicht, wie es immer war, wenn Dario emotional wurde.
    ""Ich...ich", Dario stammelte.
    "Verdammt Mutter! Mathis ist tot!"
    Gabrielle erschrak, als sie dies erfuhr. Sie nahm ihren Kleinen in den Arm, welcher darauf sofort in Tränen ausbrach. "Ich kann nicht mehr," weinte der kleine Gargoyle.
    "Aber wie konnte dies passieren?", fragte Gabrielle besorgt.
    Doch Dario antwortete nicht. Erst nach einem Happen zu essen, hatte er sich wieder beruhigt und so meldete er sich:
    "Mutter, ich muss bisschen raus. Kann ich?"
    Gabrielle sichtlich bemüht, nicht das Falsche zu tun, erwiderte mit trauriger Stimme:
    "In Ordnung. Aber pass auf dich auf und melde dich in ein paar Stunden wieder!"
    "Danke Mutter, du bist die Beste!", keuchte der Kleine und glitt mit diesen Worten in die Tiefen der Nacht.


    * * * * *
    - Ein paar Stunden später-


    Dario machte seine übliche Route und war gerade schon auf dem halben Weg zurück, als plötzlich etwas unheilvoll am Horizont leuchtete, was der kleine Gargoyle noch nie wirklich wahrgenommen hatte. In dem Gebäude brennt Licht!, stellte Dario fest.
    Er war neugierig und so glitt er etwas mehr in die Nähe des Gebäudes. Auf halber Strecke musste er aber einen Baum wieder ganz nach oben klettern, da er zuviel an Höhe verloren hatte. Als er schließlich nah genug dran war, schlich er sich langsam an das Gebäude heran. Er verhielt sich dabei so leise, dass ihn unmöglich jemand hören konnte.
    Dario setzte vorsichtig ein Fuß nach dem Anderen und hörte seltsame Laute. Das Wiehern der Pferde, das Scharen von Hufen und andere Pferdegeräusche, die Dario aber nicht zuordnen konnte, da er solche Laute zum ersten Mal in seinem Leben wahrnahm.


    Neugierig schlich er sich immer näher an das Gebäude heran, kletterte durch ein offenes Fenster hindurch und sah sich in Ruhe um.
    Ihn ließ nicht mehr locker, woher dieses seltsame Geräusch kam und er tapste immer näher zur Quelle, von wo das Geräusch stammte.


    Was ist das?, Dario kratzte sich am Kopf und stellte sich kurz in Sicherheit, in eine dunkle Ecke, um nachzudenken.
    So ein komisches Geräusch habe ich noch nie gehört! Ich will wissen, was das ist!, sagte seine Neugier in ihm.
    Aber was, wenn das ein böses Monster ist, was kleine Gargoyles frisst?, fragte sich der Kleine.
    Ich sollte besser abhauen. Das ist zu gefährlich!, sagte die vorsichtige Stimme der Vernunft in ihm. Er ging schon bereits ein paar Schritte zurück, als sich die Neugier wieder meldete.
    Wenn du jetzt nicht guckst, wirst du dich immer fragen, was das für ein Geräusch war... Mit diesem Gedanken ging er wieder ein paar Schritte vor zurück zu der Ecke, wo er gestanden hatte.
    Jetzt trau dich, Feigling!, sprach er sich selbst Mut zu und öffnete dann die vermoderte Stalltür, die laut knatterte, als der kleine Gargoyle sie einen Spalt weit öffnete, um hindurchzuschlüpfen.


    Als der Kleine das große vierfüßige Geschöpf sah, erschrak er. Er fing an zu fauchen an und sprang reflexartig an die nächstgelegene Wand. Das gewöhnliche Pferd wiederum war genauso erstaunt und wieherte noch lauter.
    "Hey!", rief Dario mit leicht verzweifelter Stimmlage.
    "Ruhig, sonst hört uns noch jemand!"

    Dario
    Kurzinfo


    Name: Dario von der Tränenburg
    (Tränenburg = Gargoylischer Name für die Burg in Chasseaux)
    Alter: 15 Jahre
    Volk: Gargoyles
    Fraktion: Keine
    Herkunft: Chasseaux
    Geschlecht: Männlich


    Wichtigste Familienmitglieder:

      Großmutter: Aurelie von der Tränenburg (125 Jahre)
      Vater: Benoit von der Tränenburg (75 Jahre)
      Mutter: Gabrielle von der Tränenburg (67 Jahre)
      Onkel: Gael von der Tränenburg (62 Jahre)
      Geschwister: Théo von der Tränenburg (22 Jahre), Eric von der Tränenburg (30 Jahre), Lucie von der Tränenburg (37 Jahre)



    Profession:
    Dario hat keinen Beruf erlernt. Er ist wie alle Gargoyles ein Wächter der almanischen Burgen bei Nacht. Bei Tag verfällt er zu Stein, und ziert die almanische Burg in Chasseaux als Statue. Sein Platz war bis zum Tod von Mathis stets auf der Terrasse des Dauphin Mathis (frz. für kleiner Prinz).


    Aufgrund der tiefen Freundschaft zum Dauphin hatte er ihm gegenüber einen besonders starken Beschützerinstinkt entwickelt. Seitdem Mathis tot ist, hat Dario den Sinn in seinem Leben verloren.



    Glaube:
    Als der Dauphin Mathis de Chasseaux noch lebte, eiferte er seinem Schützling nach und übernahm Mathis ehrgeizigen Glauben an Clawis und Segira.
    Seitdem Mathis aber tot ist, hat Dario seinen Glauben verloren. Er macht den beiden Göttern sogar Vorwürfe, dass sie Schuld am Tod von Mathis sind.



    Erscheinungsbild


    Dario hat eine Größe von 1.40 m. Er ist noch mitten im Wachstumsprozess und hat noch nicht seine volle Größe erreicht, die bei Gargoyles üblicherweise bei 2,00 - 2,50 m liegt. Für sein Alter ist Dario jedoch sehr durchschnittlich gebaut, auch bezogen auf seine Muskulatur.
    Er besitzt den für Gargoyles typischen Schweif, welcher bei ihm eine Länge von 40cm besitzt, aber gewiss noch länger wird. Zudem hat er Schwingen, die eine Flügelbreite von 1,20 m haben, mit denen er hervorragend gleiten kann. Wie alle Gargoyles ist es für ihn jedoch unmöglich mit seinen Schwingen zu fliegen.


    Wie für Gargoyles typisch besitzt er keine Körperhaare, ihm wachsen auch keine Augenbrauen oder ein Bart. Er ist vollständig haarlos. Nicht mal ein einziges Kopfhaar wächst dem kleinen Dario. Zuletzt besitzt er 4 gliedrige Klauen an Händen und Füßen und das Charakteristische Knochensporn an der Ferse.


    Darios Hautfarbe ist bläulich. Es ist jedoch zu erwarten, dass seine Hautfarbe sich mit der Zeit in das typische Gargoyle-Grau färbt. Ein bläulicher Farbton kommt bei jungen Gargoyles nämlich durchaus vor, doch nur die Wenigsten behalten diese Hautfarbe, wenn sie älter werden.
    Weiterhin ungewöhnlich sind die beiden, kleinen Hörner, die sich kaum merklich auf seinem Oberkopf befinden. Darios Gesicht wird stark von seinen tief runter hängenden Ohren und dunklen Kulleraugen geprägt, wodurch Dario auf fast alle Leute, sehr lieb und süß wirkt.


    An Kleidung trägt Dario nur eine lumpenartige Brouche aus Leinenfasern, die vom Regen total verwaschen ist. Den einzigen wertvollen Gegenstand und den einzigen Schmuck, den Dario besitzt ist ein kunstvoll verarbeiteter Talisman, den Mathis ihn einst zum Geburtstag geschenkt hat.



    Ausrüstung


    Kleidung:

      :punkt: Eine graue Brouche (eine einfache Unterhose) aus Leinenfasern


    Wertgegenstände:

      :punkt: Ein kunstvoll verarbeiteter Talisman mit einer persönlichen Widmung zu Ehren von Clawis. (Ein Geschenk von Mathis)


    Sonstiger Besitz

      :punkt: Eine Notizseite mit der Handschrift von Mathis
      :punkt: Das Tagebuch von Dauphin Mathis
      :punkt: Ein Silberlöffel (Aus der Küche des Schlosses entwendet)
      :punkt: Ein Holzschwert (Ein Geschenk von Mathis)



    Charakter


    Dario ist ein recht schüchterner, lieber, kleiner Gargoyle. Er möchte niemanden Schaden zufügen, oder freiwillig Gewalt zufügen. Wenn er sich oder seine Verwandten jedoch beschützen muss, wäre er bereit bis zum Tod zu kämpfen.


    Zudem ist er grundsätzlich eher von vorsichtiger Natur, da ihm seine Eltern beigebracht haben, dass die Welt draußen gefährlich und unberechenbar ist.
    Jedoch ist Dario grundsätzlich sehr interessiert an der Welt. Er ist ziemlich neugierig, und offen für Neues. Alles was fremd und neu für ihn ist fasziniert ihn ungemein. Da Dario aber noch recht jung ist und sehr behütet aufwuchs, ist er noch sehr leichtgläubig und unerfahren. Der kleine Gargoyle ist edelmütig und ein treuer Freund. Wenn Dario einmal eine Person mag sieht er über alle Schwächen seines Freundes hinweg.


    Aufgrund seiner Neugierde lernte der Gargoyle auch das Almanenkind Mathis kennen, mit dem er sich anfreundete und für welchen er einen starken Beschützerinstinkt entwickelte. Mathis gegenüber verhielt er sich fürsorglich und aufopfernd. Er wäre vermutlich absolut selbstlos jedes Risiko für seinen Freund eingegangen und wäre auch für ihn gestorben.


    Umso frustrierender und trauriger ist es, dass Darios ehemaliger Schützling vor kurzem bei einem Reitunfall starb. Dario macht sich seitdem extreme Vorwürfe, dass er ihn nicht hatte beschützen können. Er wünscht sich seitdem sehnlichst auch am Tag reisen zu können und nicht zu Stein zu zerfallen.
    Denn wenn Dario nicht täglich seinen Tagesschlaf halten müsste, wäre das seiner Meinung nach gar nicht erst passiert.
    Wegen Mathis Tod ist Dario deswegen sehr melancholisch und teilweise depressiv. Unkontrolliert fällt er schon bei den kleinsten Stresssituationen an zu weinen und jedes Mal, wenn er sich an Mathis erinnert.


    Dario hat viele Träume. Er ist für einen Gargoyle ungewöhnlich kreativ und ehrgeizig, was vermutlich an der frühkindlichen Prägung durch Mathis liegt.
    Darios größer Traum ist es irgendwann fliegen zu können. Einst stellte er sich vor, dass er mit Mathis zusammen die Welt erkunden könnte. Doch dieser Traum ist seit Mathis Tod nur noch reine Phantasie.


    Seine größte Angst ist, dass auch seine nahstehenden Verwandten, vorallem seine Eltern, sterben könnten. Der Tod hat für Dario etwas unglaublich Bedrohliches und er fürchtet ihn sehr.



    Fähigkeiten


    Stärken:

      + Typische Volksstärken der Gargoyles: Hohe Lebenserwartung, hervorragende Heilungsrate, Nachtsicht, körperliche Stärke, Flügel zum Gleiten
      + Kann hervorragend klettern und gleiten
      + Begabt darin sich gut zu verstecken und unbemerkt zu verschwinden
      + Kann mittelmäßig mit dem Schweif und den Klauen kämpfen (sein Vater bringt ihm das bei)
      + Schätzt den Wert von Sprache und Bildung:
      Mathis hat ihm versucht lesen und schreiben beizubringen. Mit zweifelhaftem Erfolg. Jedoch hat Dario deswegen ein wenig mehr Verständnis für Sprache und Bildung entwickelt und weiß den Wert dessen mehr zu schätzen.
      + Etwas geschickter im Umgang mit seinen Klauen, als der Durchschnitt der



    Gargoyles:


    Mathis hat ihm versucht den Schwertkampf beizubringen. Ebenfalls mit zweifelhaftem Erfolg, da die Gargoyles mit ihren Klauen nicht gut greifen können. Darios kann jedoch aufgrund der Schwertübungen etwas geschickter mit seinen Klauen umgehen, als der Durchschnitt.



    Schwächen:

      - Typische Volksschwächen der Gargoyles: Verfällt zu Stein am Tag, aufopfernder Beschützerinstinkt
      - Er hat keinen Glauben (mehr)
      - Keine handwerklichen und kaufmännische Fähigkeiten, keine magischen Fähigkeiten, schlechte Bildung, kein Verständnis für komplexe Dinge
      - Abhängig von der Versorgung durch die Almanen
      - Hat seinen Lebenssinn verloren



    Lebenslauf


    Dario war schon immer sehr aufgeweckt und neugierig gewesen. Er wuchs am Gemäuer vom Schloss Chasseaux auf. 7 Jahre lang blieb er ausschließlich nur unter seiner Familie und lebte isoliert und behütet vor den „schrecklichen Gefahren der Welt“.


    Schicksalhafte Begegnung (7-8 Jahre)


    Eines Nachts, kurz bevor die Sonne aufging, machte Dario die unglaublichste Erfahrung seines Lebens. Neugierig wie Dario war, flog er durch ein offenes Küchenfenster in das Schloss hinein.
    Dort traf er den gleichaltrigen Almanenprinz Mathis, welcher ein Frühaufsteher war und in dem Schloss lebte.


    Mathis ging zu jener frühen Morgenstunde in die Küche, um sich ein paar Kekse zu holen, die die Hausköchin Eloire am Vortag gebacken hatte.
    Sie hatte dem kleinen Prinzen zwar verboten die Kekse zu stehlen, doch Mathis kannte das Versteck, wo sich ihre Keksdose befand. Und so schlich sich Mathis quer durch das Schloss zur Kammer der Hausköchin, und entwendete ihren Schlüssel zur Küche, während sie schlaf.
    Voller Erwartung und Anspannung lief Mathis darauf zurück zur Küche, öffnete den Raum und erschrak. Was war das? Lautes Krachen und Geräusche ertönte aus der Küche! Fast schon dachte Mathis, dass sein Bruder, der drei Jahre ältere Raufbold Jules auf die gleiche Idee gekommen war.


    Doch als sich Mathis vorsichtig näherte sah er eine ganz andere Gestalt: Er erschrak zunächst, als er Dario den kleinen Gargoyle erblickte, welcher ebenfalls nach Leckereien suchte.
    Mathis beobachtete ihn eine längere Zeit und stellte dann mit kindlicher Naivität fest, dass alles in Ordnung sei. Mutig kam er aus seiner Ecke hervor und redete:


    „Die Kekse sind dort oben, hinter dem Regal. Da ist ein Geheimfach“.
    Dario wiederum erschrak! Seine Flügel breiteten sich mit Einem mal aus und er fing reflexartig an zu fauchen.
    „Ich…ich“, stammelte er bloß schüchtern und ging einige Schritte zurück.
    Der mutige Mathis hingegen klettere auf einen Hocker, holte die Kekse hervor und warf dem Gargoyle ein paar rüber.
    „Sind lecker. Probier mal!“, meinte Mathis.


    Dario eingeschüchtert, aber neugierig hob die Kekse vom Boden auf und probierte. War das ein hervorragender Geschmack! Mit glänzenden Augen leckte sich der Gargoyle nach dem Essen über die Lippen und fragte ganz vorsichtig:
    „Wer bist du. Du siehst komisch aus!“
    Mathis setzte sich auf den Boden und sprach: „Ach weißt du. Ich heiße Mathis. Du siehst aber auch komisch aus!“
    „Dario heiße ich“, sagte der kleine Gargoyle und setzte sich ebenfalls auf den Boden zu Mathis.


    Dario und Mathis saßen dort noch bis zu Sonnenaufgang und unterhielten sich. Dann musste Dario gehen und verabschiedete sich von ihm mit folgenden Worten: „Ich muss los“. Er stand am Fenstersims und war bereit für den Gleitflug, doch er konnte dem Drang nicht widerstehen, Mathis noch Folgendes zu fragen: „Bist du morgen wieder da? Zur selben Zeit?“.
    Mit einem Lächeln im Gesicht und einem Keks in der Hand antwortete der kleine Prinz: „Ich werde da sein“.


    Von diesem Zeitpunkt an wurden die beiden unzertrennlichen Freunde.
    Sie durchlebten die verrücktesten Sachen, sie machten Schabernack, spielten und plauderten. Das alles jeden Tag immer zur selben Zeit: Kurz vor Sonnenaufgang.



    Darios 8. Geburtstag (8-12 Jahre)


    Zu Darios 8. Geburtstag schenkte ihm Mathis ein Holzschwert. Mit dem Holzschwert machten die Beiden dann kleine Schwertübungen, denn Mathis war aufgrund der Erziehung seines Vaters ein begeisterter Anhänger von Segira. Mathis Mutter hingegen liebte die Elementarkunde und war eine leidenschaftliche Clawis Gläubige. Und so übenahm auch Dario im Laufe der Zeit den Glauben an die beiden Götter und eiferte Mathis nach.



    Darios 12. Geburtstag (12-15 Jahre)


    Zu Darios 12. Geburtstagschenkte ihm Mathis etwas ganz Besonderes: Ein kunstvoll verarbeiteter Talisman mit einer Inschrift zu Ehren von Clawis, für den Mathis ein halbes Jahr gespart hatte. Für Dario ist dies heute immer noch der wertvollste Gegenstand, und er hielt diesen Talisman in Ehren.


    Als Dario eines Nachts Mathis unbemerkt dabei beobachtete, wie er seltsame Handbewegungen mit einer Feder machte, sammelte er während eines unabsichtlichen Luftstoßes das Notizblatt mit Mathis Handschrift auf, was er sich sofort einsteckte. Dieses Stück Pergament bekam Mathis seitdem nie mehr zu sehen und Dario hütet es wie einen Schatz.
    In der darauffolgenden Nacht stellte Dario dann Mathis zur Rede, was er denn da Seltsames gemacht hätte. Mathis erklärte ihm, dass er ein Gedicht geschrieben hätte, was Dario aber nicht lesen konnte, sodass Mathis zum Entschluss kam, dass er Dario das Lesen und Schreiben beibringen müsse.
    Allerdings hatte Mathis dabei keinen Erfolg konnte aber das Verständnis für Sprache und Bildung bei Dario stärken.



    Der Reitunfall und der plötzliche Tod des Dauphin (15 Jahre - Ende offen)


    Im Alter von 15 Jahren passierte allerdings das Schreckliche.
    Während eines Reitunfalls eines Mittags im Wald kam der Dauphin Mathis ums Leben. Dario kam in der Nacht, wie immer, zum vereinbarten Treffpunkt, doch diesmal tauchte Mathis nicht auf. Nächtelang kehrte Dario immer wieder auf, doch Mathis kam nicht wieder. Und so nahm sich Dario eines Tages all sein Mut zusammen und fragte einer Hofdiener, was denn mit Mathis passiert sei.

    Mit trauriger Miene antwortete dieser: „Der Dauphin ist tot. Ainuwar hab ihn selig“.
    Als Dario dies erfuhr, brach eine Welt für ihn zusammen. Fassungslos stand er dort einfach mehrere Minuten. Erst danach fing er an zu weinen. Und er weinte die ganze Nacht und all die anderen Nächte, die darauf folgten.


    Er machte sich Vorwürfe, dass er seinen Schützling nicht hatte beschützen können, vor dieser Gefahr. Sein Lebenssinn zerbrach mit einem Mal. All die Fürsorge und Hingabe. All die aufopfernden Taten des Gargoyles: Sie schienen plötzlich bedeutungslos.


    Und deshalb befindet sich Dario momentan in einem tiefen Trauerzustand. Er ist ein trauernder Beschützer und oft der resignierenden Depression nah, da er erkennen muss, das sein Leben keinen Sinn mehr ergibt.