Beiträge von Linhard von Hohenfelde

    Die Gruppe setzte sich umgehend in Bewegung und Linhard warf Ciel einen dankbaren Blick zu.


    "Dann kann es sich nur um Nicodemus handeln, ich glaube nicht, dass es hier ein anderes Vampirnest gibt. So nah an seiner Heimat würde er keine Konkurrenz dulden. Wobei wir nicht wissen, ob er andere Vampire als Konkurrenz sieht. Denn stammen sie nich alle von ihm als Urvater ab?", fragte Linhard in die Runde.

    "Das ist korrekt, der Legende nach war Nicodemus der erste aller Vampire. Jene die er persönlich gebissen hat, nennt man Urvampire und man sagt, dass sie mit die mächtigsten Vampire sind, die auf Asamura wandeln. Ob Nicodemus nur eine bestimmte Anzahl von Personen gebissen hat, oder heute immer noch Personen durch einen Biss in Vampire verwandelt wissen wir nicht. Ich gehe allerdings davon aus. Was sollte ihn davon abhalten? Jeder benötigt einen Kreis von Vertrauten um sich, gleich wie man sie nennen mag. Und so wird sich auch Nicodemus mit einem "Stab" umgeben. Er stammt von unserem Blut, davon ausgehend dass er ähnlich wie wir tickt, wird er nur seinem engsten Kreis vertrauen. Und wem würde ein Vampir vertrauen? Anderen Vampiren. Meine Vermutung", warf Dave freundlich ein.


    "Mon Cher Prince Ciel Felicien, seid Ihr sicher Eure Hoheit, dass Ihr einen Vampir besuchen möchtet, der von einer Horde Urvampire umgeben ist? Gerade jetzt des Nachts wo sie vielleicht alle ausgehungert ihre Zähne feilen?", fragte Conny besorgt.

    "Wir müssen zu Nicodemus, gleich ob er Hunger hat oder nicht, eines hat er - Antworten und ein benötigtes Artefakt. Seine Leute werden nicht wahllos Besucher angreifen. Das mag in Souvagne Sitte sein, erst Schädel zu spalten und dann zu fragen, aber an anderen Orten geht man doch etwas subtiler vor Cornelius", grinste Hector, während Conny eine seiner perfekt nachgezogenen Augenbrauen hob.


    "Trotzdem sollten wir nicht zu blauäugig an die Sache herangehen, nur weil sie uns nicht beim ersten Hallo umbringen, heißt das nicht, dass sie es nicht beim zweiten tun. Möglicherweise sind hier auch die Vampire das kleinste Übel, was wissen wir schon über die Frostalben oder Arashi? Beide Parteien könnten uns ebenfalls in die Quere kommen, wir müssen also auf Samtpfoten durch den Schnee stapfen. Seid gewarnt", sagte Justinian.

    "Von meinem fast verschiedenen Ex-Mann habe ich einst seinen "klapprigen" Onkel kämpfen sehen. Logischerweise war er genauso Frostalb wie mein Ex-Mann und ich sage Euch harmlos sieht anders aus. Er hat eine Gruppe von vier Magiern demontiert und sie umgelegt, als verspätetes Hochzeitsgeschenk. Nicht dass mich das sonderlich gestört hätte, die Burschen hatten eh ein sehr... befremdliches Interesse an Pavo und mir... Was ich damit sagen möchte, mit Frostalben ist nicht zu spaßen, wenn man sie vorher nicht vergiftet und so Schach-Matt gesetzt hat", erklärte Dave hilfreich.


    "So ist das doch mit jedem Dave, wir können ja keine ganze Nation vorsorglich vergiften... wobei... nein das geht nicht", lächelte Linhard in die Runde.

    "Kosten und Nutzen halten sich da nicht die Waage Mon-Cher, wir müssten ihre Brunnen vergiften. Aber im Land des Eises werden viele ihren Wasserbedarf über geschmolzenen Schnee oder Eis decken. Eine praktische zuverlässige Vergiftung eines gesamten Volkes ist damit nicht gegeben. Einzig und allein eine Vergiftung über die Atemluft wäre denkbar. Atmen muss jeder", sagte Conny grinsend.


    "Bis auf Vampire, ich habe seit Wochen nicht geatmet, bis heute, wegen dem Rauchen", grinste Hector zurück.

    "Mon Dieu wir wollten die Frostalben vergiften, nicht die Vampire! Mit denen wollten wir reden!", erinnerte Conny nachdrücklich.


    "Stimmt", pflichtete Hector zerknirscht bei.

    "Na na, kein Grund zu streiten, wer nun eventuell wen vergiften wollte hm?", sagte Dave versöhnlich, was Lin losprusten ließ.


    "Alex, wo spürst Du diese Vampire?", hakte Lin nach, was nun Hector wie ein Schulmädchen losgackern ließ, so dass er in seinen Mantelärmel beißen musste.

    "Die Frage war glaube ich anders gemeint....", grinste Dave über beide Ohren.


    "Ihr seid so erwachsen...", stöhnte Linhard.

    "Unwahrscheinliche viele? Einer!", gab Hector zurück und schüttelte den Kopf.

    "Und ich bin nicht schuld an diesem Zustand, aber gut was solls. Proben? Welche Koffer? Woran ist Dein letzter Sklave gestorben? Sag das dem Typen der aussieht wie ein Vampir mit explodierter Frisur, Cornelius oder wie der hieß", verlangte Hec.


    "Conny! Cornelius Mon Cher, bitte wer heißt Cornelius? Mein Haar ist nur etwas wirr, sonst nichts", lachte Costantino.

    "Über Frisuren, Rasuren und so weiter können wir später noch streiten, wir sollten uns in Bewegung setzen, sonst ist gleich Tag und der freundliche Hector Asche...", warf Dave in einer Fröhlichkeit ein, die überhaupt nicht zu seinem finsteren Gesicht passte.


    "Jeder anständige Jäger ruht am Tage und erwacht zur Nacht, was können wir für die verdrehten Sitten der Arashi?", fragte Justinian scharf.

    "Er sagte nicht, dass dies die Sitten der Arashi wären, er warnte nur vor dem Tagesanbruch Erster, wir sollten aber tatsächlich an die Sicherheit des Siebten denken. Also lasst uns losziehen. Kakko Du bleibst an meiner Seite, gleich was geschieht", sagte Lieblich.


    "Eure Sorge ehrt mich, ich bin ebenfalls der Auffassung dass wir abrücken sollten. Rumstehend erreichen wir nichts", erklärte Hector und zündete sich eine Rauchstange an, die er an Justinian weiterreichte, um sich dann eine eigene anzuzünden.


    Schmachtend starrte Linhard auf die Rauchstange, ehe er sich an Ciel wandte.

    "Wir müssen wirklich los, Zeit noch groß die Koffer zu packen haben wir nicht. Wir haben Taschen und unsere Ausrüstung dabei, die wird wohl ausreichen. Und falls nicht können wir uns unterwegs noch mit zusätzlichen Taschen bei Gepäckhändlern eindecken. Macht Euch deshalb keine Sorgen. Aufbruch?", fragte er und bezog neben Ciel Stellung.

    Die Reihenfolge wurde nicht korrekt eingehalten, da Hector Kakko, Justinian, Kirimar und Vendelin direkt nach draußen schob. Er wollte schnellstmöglich von dem Schiff gelangen, was ebenfalls ein Ältester war. Das eine war, sich von Dunwolf abzuwenden, das andere einem fremden Ältesten ausgeliefert zu sein, mit dem er nichts als Abscheu verband. Draußen angekommen überprüfte Hector kurz, ob es seinen Leuten gut ging. Sie sahen alle unversehrt aus, bis auf Jus, der noch blasser als üblich war und hypernervös wirkte. Unterwegs war genug Zeit den Umstand der Nervösität zu klären.


    Im Anschluss folgten Linhard mit Dave und Vanja. Zum Schluss kam Conny der sich freudestrahlend umschaute und die Gesichter seiner Begleiter damit Lügen strafte.


    "Mon Dieu was für ein kaltes Land", sagte er fröhlich und zog seinen Reiseumhang fester.

    "So ist Arashima in allen Belangen - kalt", antwortete Kirimar tonlos.


    Hector zückte den Opak und schaute drauf.

    "Zwei Tage von hier, Dein nächstes Blut Kakko", sagte er freundlich und knuffte seine beiden Söhne.

    "Erst Nico, dann Dein Erzeuger Kakko", warf Justinian ein und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.


    Linhard schaute sich um, grinste Ciel gut gelaunt an und warf dann einen Blick auf Vanja und Dave, sowie Vendelin und Hector. Die beiden Brüder hatten genau unterschiedlich gewählt, der einen den Beißer, der andere ein Beißer-Opfer. Bis jetzt hatten sich alle an die Regeln gehalten, keiner war den anderen angegangen. Aber das hieß nichts, in vielen Gruppenmitgliedern war das Blut der Hohenfelde und der Sippe zu finden. Linhard hoffte, dass sie statt der düsteren Seite die andere Seite nutzten, die des Sippenzusammenhalts. Und letztendlich war immer noch Ciel dabei und er, sie würden gemeinsam mit Conny und Alex für Ruhe sorgen.


    Lin schaute über die Truppe, als Benito ebenfalls nach draußen kam. Der Heiler sah etwas verknittert aus und hatte vermutlich die Anlandung verschlafen. Einst hatte sein Bruder Dantoine seiner Familie als Leibarzt gedient. Lin wusste um die besonderen Fähigkeiten dieser Männer und war froh Ben an ihrer Seite zu haben. Jetzt waren sie jedenfalls vollzählig.


    "Alle bereit?", fragte er in die Runde.

    "Dito, pass ebenso auf Dich auf. Falls nicht, wir sehen uns auf der anderen Seite... wann immer es sein wird", antwortete Linhard und knuffte seinen besten Kumpel, im Grunde seinen einzigen Kumpel.


    "Ich werde auf das Drachenhuhn achten auf Euch warten, damit Ihr fliehen könnt. Warum redet keiner mit Dreux, damit er mit Eurem Vater redet?", fragte Ferrau verzweifelt.


    Dunwolf kam dem Wunsch von Ciel nach und informierte den Kapitän. Sie spürten einige Augenblicke später, wie sich die S1 in Bewegung setzte und beidrehte, dann nahm das Luftschiff erneut Fahrt auf.


    `Wir fliegen die Feuerinseln an. Du könntest in Souvagne leben... Du weißt was Du dafür zu tun hast... Räum den Thron...´, schlug Dunwolf vor.


    "Soviel zum Thema Urlaub", warf Fran ein, was Justinian grinsen ließ.

    "Vielleicht ist das seine Art von Urlaub... Du kennst meinen Opa nicht...", antwortete der Halbalb.

    "Ich hole ihn her", antwortete Justinian und verschwand um Linhard zu holen.

    "Wieso sollte Dein Vater etwas dagegen haben, dass Du das Land und die Familie beschützt? Soll ich mit ihm reden? Wenn die Tür so gesichert... oh ich verstehe. Es ist einer dieser Türen, eine der magisch versiegelten Tore von denen Verrill sprach nicht wahr? Ich weiß nicht, ob das alles so wahr ist, was sie da manchmal erzählt. Manches hielt ich für Inhalte aus ihren Büchern, als hätte sie diese zu wahr genommen. Oder es waren nur fanasievolle Gedanken die sie weitergab. Aber es gibt sie wirklich, habe ich Recht? Nun dann werde ich diese Tür für Dich öffnen", antwortete Fran, nahm eines der seidenen Taschentücher und versuchte Ciel so gut wie möglich zu reinigen.


    "Mir gefällt das nicht, dass Ihr so aktiv seid. Und ich muss mitkommen um auf Fran aufzupassen. Durch welches Tor wollen wir denn gehen? Und warum müssen sich alle ständig streiten? Warum hört Euer Vater nicht auf Euch?", fragte Ferrau und starrte störrisch umher.


    Einen Augenblick später kam Jus mit Linhard zurück.

    "Ciel", grüßte Lin ihn freundlich und knuffte ihn.


    "Es ist vorbei oder? Wir sollten Souvagne schnellstmöglich verlassen. Gut, Deinem Vater steht keine Luftstaffel mehr zur Verfügung. Die Himmelsaugen dienen ihm nicht mehr, aber die Marine und die restlichen Soldaten. Sie werden etwas herbeischaffen, dass die Luftschiffe vom Himmel holen wird. Und sie werden einen magischen Gegenschlag veranlassen. Das wird nicht ungesühnt bleiben. Gleich wie gut Du es gemeint hast. Du hast Deinen Vater gehört.


    Unsere Zeit in Souvagne ist vorbei, meine ebenso wie Deine und nach Ledwick kann ich ebensowenig zurück. Ich muss zu Aquila und zurück ins Herrenhaus, oder in eine andere Bleibe. Vielleicht Wolframs Haus oder irgendwohin, nur weit weg von Almanien. Vielleicht wähle ich eine ähnliche Richtung wie Boldi und seine Leute, Arashima. Jedenfalls die Richtung dort hoch. Was wirst Du tun?", fragte Lin.

    Aurelien schwoll förmlich die Brust und er wurde einige Zentimeter größer, als er so von Prince Ciel Felicien de Souvagne begrüßt wurde.


    "Herr das weiß ich auch so, für die Akademie und deren Lehrpläne ist Comte Melville de la Cantillion zuständig. Ob Eure Familie davon Kenntnis hat, muss Euch Euer Vater beantworten. Ungefragt dürfen wir nicht in den Geist der Krone eindringen", antwortete Aurelien und war stolz Ciel direkt mit der Information helfen zu können.


    "Melville und Verrill sind sehr eng befreundet Ciel. Mit dem Rest hast Du Recht, ich habe Dir nur wiedergegeben was sich vor Ort abgespielt hat. Immerhin war ich auch anwesend", erinnerte Linhard seinen besten Freund.

    "Vermutlich handelt der Kerl dann im Namen von Horatios Schlüsselmeister", warf Justinian ein.


    `Dein rechtschaffener Zorn schmeckt süßer als Honig.... Ciel... Schau einer an, hat die gute Verrill sich da einen eigenen Zweig geschaffen? Oder hat sie das zu der Zeit befohlen, als sie Souvagne regierte? Beides wäre möglich.... Nun alles wäre möglich...´, ergänzte Dunwolf.


    `Meine Düsterlinge sind bereit, sie sammeln sich.... folgen meinem Ruf.... ´, teilte er Ciel gut gelaunt mit.

    `Nicht so theatralisch mein Bester.... WIR werden ganz sicher nicht untergehen oder sterben...

    Bei Horatio sieht die Sache schon anders aus.... Zur Not ziehen wir uns zurück.... Aufgeschoben ist nicht aufgehoben...


    Eine Schlacht entscheidet nicht über einen Krieg Ciel... und wir erwischen ihn dann... wenn er nicht damit rechnet´, antwortete Dunwolf mit grimmiger Genugtuung. Ciel spürte wie der Älteste der Menschenfresser seine Wut genoss, wie er darin schwelgte und Stolz auf Ciel empfand.


    "Da muss ich einhaken, die Operation "Der Schrei des Adlers" fand gar nicht unter der Federführung von Maximilien statt Ciel, dass war das Werk Deines Bruders Dreux. Max war genau wie Verrill, Du oder ich anwesend, als Dreux seine Pläne für Souvagne vorgestellt hat. Einschließlich der Akademie. Und ob Dein Vater oder Dreux überhaupt davon wissen, wissen wir nicht. Aber sie müssten es wissen, wenn es schon einem Außenstehenden wie Justinian bekannt ist.


    Auf der anderen Seite hat er anderes Wissen. Jenes das seinem Amt entspricht um seine Leute zu schützen oder Feinde zu fällen. Es wäre also möglich, dass er und seine Kollegen es vor uns wussten. Genauso wäre das bei jedem Wigberg logisch, was für sie alltäglich ist, ist für uns eine Wissensfundgrube.


    Wie sagte Archibald immer? Ein Wigberg hat in seinem Leben weitaus mehr vergessen, als einer von uns je wissen wird. Da ist was Wahres dran. Du musst Deinen Vater um seiner selbst Willen retten. Das er Dich liebt, steht außer Frage. Möglicherweise hat weder Max noch Dreux die Nekromantie erlaubt, sondern... Verrill", gab Linhard zu bedenken.


    "Das und einiges mehr ist unsere Aufgabe, Wissen hüten, bewahren und sammeln für die unterschiedlichsten Zwecke", bestätigte Justinian.


    Aurelien verneigte sich vor Ciel und vor den anderen Anwesenden.

    "Hoheit Ihr habt nach mir schicken lassen, wie kann ich Euch helfen?", fragte er und hoffte, dass er helfen konnte.

    Linhard steckte sein Schwert weg, ebenso wie Justinian.


    "Dann sollten wir umgehend auch Alexander informieren. Er wird nichts über Horatio wissen, genauso wenig wie Du oder ich. Meine Vermutung wäre, dass der Eingang seines Tempels in Cantillion liegt. Dort steht die Akademie "Die Flamme des Wissens", die Akademie ist Horatio Rochenoir geweiht. Eine riesige Statue von ihm steht ebenfalls dort", sagte Linhard, zeitgleich fiel ihm ein, dass er eine Schwarzfels kennengelernt hatte. Den Umstand verschwieg er allerdings. Ehe ihm auch noch diese Frau genommen wurde.


    "Der Tempel des Lichts ruht unter dem gleichnamigen Hof, tief verborgen unter den Sammlungen des Wissens. Die Akademie hat nichts mit dem Tempel zu tun. Sie wurde erst am 14.03.203 eröffnet, also lange Zeit nach dem Tempel des Lichts. Dennoch könnte es dort Wissenswertes geben.


    Schirmherren der Akademie sind Duc Maximilien Rivenet de Souvagne, Ciel Felicien de Souvagne, Comte Melville de la Cantillion und Comte Massimo de la Cantillion. Unterrichtet wird an dieser Akademie Geistmagie, Naturmagie, Artefaktmagie, Elementarmagie, Kampfmagie und Nekromantie.... obwohl in Souvagne ein Nekromantieverbot gilt.


    Die Akademie bildet hier eine Ausnahme, hier ist die Lehre der Nekromantie erlaubt und wird praktiziert.

    Ihr selbst Prince Ciel habt dafür Sorge getragen, dass die Akademie keine Studiengebühren verlangt.


    Nach meinem Wissenstand befindet sich das Siegel zum Tempel des Lichts genau unter der Bibliothek des Hofes, unter der Bibliothek des Schlüsselmeisters. Und nur er-sie kann das Siegel heben und das Tor des Tempels öffnen. So steht es in den Lexika "die anderen" geschrieben.


    Mein Schwert ist meinem Gott und Meister geweiht, es ist ein Schwert der Finsternis und ein Teil von mir selbst. Also ja, ich führe eine derartige Waffe. Mein Vater ist unterwegs nach Arashima. Ich brach seine Verfolgung ab, als ich Euren Ruf vernahm Gebieter. Er ist momentan... Sekunde", sagte er und zückte seinen Opak.


    "Eine Stunde nordwestlich von uns entfernt... dort verharrt mein Blut, Perlenbucht. Dort muss er sein, Richtung, Zeitangabe, Entfernung stimmen mit der Annahme überein", antwortete Justinian ergeben.


    "Dein Vater könnte das als Kriegserklärung werten, oder als Angriff auf seine Person Ciel. Bist Du sicher dass Du derart dort einmarschieren möchtest, anstatt mit ihm zu reden?", fragte Linhard verunsichert.


    "Reden?!? Mit Horatio kann man nicht reden, er versteht nur die Sprache der Gewalt und des Blutes. Reden.... Ich kann meine Enttäuschung über so einen unsinnigen Vorschlag gar nicht in Worte fassen...

    Zur Tarnung und Täuschung wäre ich dazu.... möglicherweise.... bereit...

    ABER Horatio wird sich kaum zu Tode schwafeln lassen Linhard von Hohenfelde...", sagte Dunwolf aus Ciels Mund.


    "Eure Worte sind pure Weisheit. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. Oder wie es in den Weisheiten der Dogmen heißt...

    Ehre einen guten Feind, aber vergewissere Dich dass er auch wirklich tot ist...", warf Justinian ein und lächelte Ciel freundlich wie zähnefletschend an.


    "Na dann. Nathan eile zurück auf das Schiff und hole uns sofort Aurelien hierher und am besten auch Remy den Rammler. Sie müssen sofort mit den Himmelsaugen Kontakt aufnehmen und uns abholen lassen. Der Hof, Souvagne, der Duc selbst schwebt in höchster Gefahr Nathan. Lauf und rette Dein Land und hole die beiden. Wir wissen nicht wieviel Zeit uns bleibt. Jede Minute macht Horatio stärker, er wird sich vorbereiten", sagte Lin energisch.

    Linhard begrüßte Nathan mit einem freundlichen Knuff. Er war da, wenn man ihn brauchte.


    "Danke für Deine Hilfe Nathan. Sicher ist es so, hast Du daran gezweifelt? Was sind unsere nächsten Schritte? Und wie willst Du gegen Horatio vorgehen? Licht oder Schatten, vielleicht hat das eine Bedeutung bei der Wahl der Waffen. Du hast den Dolch geschenkt bekommen. Aber ich vermute, er kann Horatio nicht verletzen. Wir benötigen sozusagen ein Gegenstück, einen Dolch von Dunwolf. Leider habe ich meinen Dolch der Finsternis Tazio gegeben. Eigentlich aus einer guten Überzeugung heraus, da ich Iriving damit gepiekst hatte.


    Aber jetzt könnten wir so einen Dolch gebrauchen. Besser noch als ein Dolch wäre ein Schwert, denn für einen Dolch muss man nah genug an Horatio herankommen. Und Du kannst Dich dort nicht in den Schatten verbergen, ich vermute in seinem Tempel des Lichts wird es keine Schatten geben", sagte Linhard.


    "Grüße... Wo Licht ist, dort ist auch Schatten", warf eine heisere Stimme ein, die der von Hector ganz ähnlich klang. Ein klein wenig höher und melodischer, wie die eines Alben.


    Linhard drehte sich in einer extrem schnellen fließenden Bewegung um und hatte zeitgleich sein Schwert herausgerissen. Die Waffe wurde in der gleichen Sekunde von einem Jian zur Seite gelenkt.


    "Ich bin hier um zu helfen, mein Meister rief mich zu sich", erklärte Justinian und nickte Richtung Ciel.

    "Mein Gebieter", grüßte er ehrfürchtig.


    `Er wird Dich führen und Dir zur Seite stehen, Justinian Schlüsselmeister des ersten Nestes, Sohn von Hector. Sein Schwert, seine Waffen, sein Wissen gehören Dir in dieser Schlacht. Er wird uns wie alle anderen Schlüsselmeister und Beißer zur Seite stehen, ebenso wie die Grauen´, plauderte Dunwolf in Ciels Gedanken.




    Linhard hakte Ciel unter um ihn hinab zum Hafen und dann zum Meer zu führen. Er ging ganz vorsichtig, so dass Ciel erstmal wieder ein Körpergefühl bekommt.


    "Habt Ihr keinen Bund? Ihr habt einen Pakt geschlossen, Ihr kämpft Seite an Seite Ciel. Ihr solltet versuchen Euch zu respektieren, Du Dun und Dun Dich, sonst endet es vermutlich für Euch beide fatal. Stell Dir vor so ein Kräfte- und Machtmessen erfolgt im Kampf gegen Horatio, er knüpft Euch beide auf!


    Ich bin wie immer an Deiner Seite, dass weißt Du. Wir haben unsere Reise vor langer Zeit gemeinsam begonnen und wir gehen sie auch bis zum Schluss. Dafür sind Freunde da Ciel. Nebenbei Du hast Fran und Ferrau Zuhause gelassen, sie sind doch gar nicht dabei. Julien ist hier, er kann Dich auch waschen", grinste Lin schief.

    Linhard schnaubte durch die Nase, ein Geräusch bei dem Ciel nicht sagen konnte ob Lin belustigt war oder angefressen.


    "Vernichtet? Glaub mir, Dunwolf ist nicht vernichtet. Er hat Dich geküsst... fest, gewaltig fest und seine Zähne haben sich dabei in Dein Gesicht gegraben. Und dann... nun er löste sich von unten her auf. Es sah so aus, als stieg der Nebel in ihm selbst empor. So als rollte er sich nach innen auf und wurde dadurch kleiner....


    Das was unten verschwand pumpte er während des Kusses in Dich von Mund zu Mund hinein...

    Anders kann ich es nicht beschreiben. Dabei wurdest Du immer durchscheinender und dunkler. Ein schwarzes Geflecht breitete sich wie ein wuchernder Pilz über Deinem Körper aus und Du fingst an schwarz zu bluten....


    Ganz zum Schluss verschwand sein schwarzer Haarschopf in Deinem Rachen...

    Ich dachte es wäre vorbei, aber dann ging es erst richtig los. Du hast getobt und gewütet, geschrieben, gekotzt und Dir einen gehobelt als wärst Du durchgedreht und dann bist Du zusammengebrochen...


    Also nein, er ist nicht weg und schon gar nicht vernichtet", antwortete Linhard und reichte Ciel eine Decke als Umhang.

    Linhard stand ganz in der Nähe und beäugte Ciel mit einer Mischung aus Faszination und Misstrauen. Er hatte einem Schauspiel beigewohnt, von dem er nicht sagen konnte, was er dort gesehen hatte. Lin war alles andere als zimperlich, er entstammte einer Familie, die das Wort nicht einmal kannten, genausowenig wie Mitleid.


    Und Dunwolf... Dunwolf war einer von ihnen.

    Nein das war falsch. Sie waren welche von ihm... er war vor ihnen da, weit länger existent als ein anderer Hohenfelde zuvor und zu einem Gott aufgestiegen.


    "Ciel", antwortete Linhard und hoffte, dass von seinem Freund noch etwas übrig war.

    Linhard wusste nicht was er zu all dem sagen sollte. Dunwolfs Nähe war anziehend und abstoßend zugleich. Lin dachte an eine Motte. Genauso fühlte er sich. So wie die Motte vom Licht angezogen wurde und Gefahr lief, darin zu verbrennen, so fühlte er sich von der Finsternis Dunwolfs angezogen. Wohlwissend, dass sie ihn verschlingen würde, sobald er sich in ihre Umarmung begab.


    Ein Pakt mit Dunwolf bedeutete den eigenen Untergang. Gleich wie freundlich er wirkte, ungeachtet wie sehr er einem beistand, all dass wurde im Zweifelsfall bedeutungslos. Dazu bedurfte es nicht einmal einer Gefahr für Dunwolf selbst, es reichte eine seiner Launen. War Dun einer Person überdrüssig, ließ er sie fallen. Andere wiederum knüpfte er zum Spaß auf, oder sah darin eine persönliche Herausforderung. Seinen ureigenen Sport - Mord.


    Wieder andere umgarnte er wie ein Liebhaber, charmant selbst in dieser widerwärtigen Gestalt. Aber man durfte nicht vergessen, wer diese Wesenheit war. Nichts tat sie ohne Hintergedanken, so weitreichende Hintergedanken dass ein Normalsterblicher nicht annähernd abschätzen konnte, welche Ränke er schmiedete oder an welchen Fäden er gerade zupfte.


    Sein Interesse galt ausschließlich ihm, bestenfalls konnte man für sich selbst etwas herausschlagen, wenn man ihn ein Stück des Weges begleitete. Nur die Lossagung, dass war das Problem. Wer sich einmal in die messerscharfen Klauen von Dunwolf begeben hatte, blieb in der tödlichen Umarmung gefangen.


    Dunwolfs Finsternis und die damit verbundene Gefahr, hatte ihren ureigenen Reiz.

    Niemand wusste das besser als ein Hohenfelde.


    Linhard schaute Ciel rückversichernd an. Ein Blick, eine wortlose Frage die alles beinhaltete....

    willst Du Dein Leben geben?

    Linhard freute sich über Patrice Anwesenheit, er erinnerte sich noch gut an diesen warmen, geschmeidigen Körper der ihn mehr als nur verwöhnt hatte. Zu gerne hätte er erneut von seinen Lippen und Lenden gekostet, aber Ciel stand der Sinn nach etwas anderem und sein bester Freund hatte Recht damit.


    Eine Bedrohung war aufgetaucht, die sie zuvor nicht wahrgenommen hatten. Ein vermeintlicher Freund, jedenfalls gab er sich dafür aus und war doch nichts anderes als ein Feind. Was die Feinde taten wusste man, was die Freunde taten hingegen nicht. Deshalb musste man sie besonders im Auge behalten.


    Und wie Ciel anmerkte, ein Ältester war ein Ältester, sie waren nicht an ihre Macht und ihren Status gekommen, wären sie zimperlich oder zögerlich gewesen. Sie waren die Elite der Nekromantie, oder welche Magie es dafür zusätzlich geben mochte. Sie hatten Wege gefunden dem Nexus zu trotzen und überdauerten Jahrhunderte. Das tat niemand, indem er sich nur von Salat ernährte und sanfte Musik hörte. Sie benötigen Leben, sie mussten es anderen stehlen um ihr eigenes unvorstellbar in die Länge zu ziehen.


    Ciel hatte etwas Weises gesagt, Dunwolf war ehrlich darin, was seine Nahrung betraf. So ehrlich wie ein Hohenfelde sein konnte, den andere nicht scherten. Er hatte es nicht nötig zu lügen. Möglicherweise war er sogar der ehrlichste von den Dreien um die es hier ging, denn er hatte ihnen gegenüber nichts zu verlieren. Die anderen beiden scheinbar schon, ihre Gönner samt deren Völker.


    Linhard strich Ciel über den Kopf und schmunzelte ihn freundlich an.


    "Ich hatte früher einen Leibdiener, dann war es Kasimir eine Zeit, später einer der Duponts. Keine Ahnung, alle fort. Jetzt im Moment auch nicht wichtig. Dunwolf beschwörst Du, indem Du zu ihm betest als einer seiner Verwandten oder Anhänger. Oder indem Du ihn über Magie rufst. Also versuche es über Magie oder bete", sagte Lin freundlich.

    "Na dann komm, ab in die Kajüte mit Dir", sagte Linhard und begleitete Ciel zurück in sein Quartier.


    "Ich kann Dir nicht sagen, was mit Verrill los war oder warum sie uns nichts von Horatio erzählte. Denn wo war er, als man sie quälte? War er da? Sah er zu? Oder glänzte er wie jeder Älteste in so einem Fall durch Abwesenheit? Das hätte ich sie gerne gefragt, aber dafür ist später immer noch Zeit und jetzt ist nicht der richtige Augenblick wo sie schwanger ist. Wie für so vieles nicht. Ich hatte Angst als er sie im Griff hatte. Sie hat einfach nicht verstanden, dass wir uns um sie gesorgt haben. Sie ist manchmal so stur, sturer noch als Du. Ihr seid wirklich Geschwister, dass kann keiner leugnen", schmunzelte Linhard und setzte Ciel auf seinem Bett ab.


    "Soll ich versuchen Dunwolf zu rufen, oder möchtest Du ihn selbst rufen?", fragte Lin.

    Linhard hielt Ciel ganz fest, so dass dieser nicht stürzen konnte.


    "Ich stehe Dir immer bei, dass weißt Du doch. Soll ich versuchen ihn zu rufen? Damit Du mit ihm reden kannst? Ich weiß nicht, ob er erneut meinem Ruf folgen wird, aber er könnte uns sagen, ob eine derartige Abschirmung möglich ist. Oder es könnte jemand meinen Onkel fragen, Dave müsste so etwas wissen. Vermute ich jedenfalls", sagte Linhard aufmunternd.

    Linhard zog fragend eine Augenbraue hoch.


    "In meiner Seele existiert nur Schwärze? Na schau mal einer an, das lässt tief blicken", antwortete er mürrisch.

    "Du bist ja nur neidisch, weil heute meine Lanze gefragt war und Du nicht mitspielen durftest", fügte er flötend an.


    "Er existiert? Nun das tut er Prince Ciel, was geschieht, wenn man die Lanze berührt?", fragte Bellamy misstrauisch.

    "Nichts, man verbrennt sich die Flossen. Sie wird heiß. Eigentlich ideal um unterwegs Wasser heiß zu machen, für einen Kaffee oder Tee. Aber ich glaube sie hat einen anderen Verwendungszweck", grinste Linhard.


    "Das vermute ich auch. Sie sieht jedenfalls äußerst mächtig und prächtig aus. Daran besteht nicht der geringste Zweifel, die Lanze des Lichts. Also wollt Ihr immer noch Dunwolf jagen?", fragte Belly und grinste so breit wie Lin.

    "Er ist noch was unentschlossen, jagen, töten, einstellen oder heiraten", prustete Linhard.


    Der faulige Piet trat aufs Deck und legte eine Hand über die Augen.

    "Wo ist das Jungchen?", fragte er und man roch die Schnapsfahne bis zu ihnen, Arbo trat neben ihn und legte ihn einen Arm um die Schulter.

    Linhard fing ihn auf und hielt ihn stützend fest.


    "Alles in Ordnung mit Dir? Ciel? Selbst im Urlaub fällst Du ihn Ohnmacht oder bist Deiner Kräfte beraubt. Lass Archibald frei, wenn Du ihn nicht verhaften willst. Sonst haben wir nachher einen Krieg Beißer gegen Beißer an Bord. Wer hält zu wem? Kaz zu Archi oder zu Tekuro. Hector zu Archibald oder zu Teku. Es wird in einem Chaos enden und wir haben Silvano an Bord!", warnte Linhard, als spräche er von einem Tornado.


    Währenddessen funkelte die Fledermaus Boldiszar so giftig an, wie das mit Knopfaugen überhaupt möglich war.