Beiträge von Gregoire Verrill de Souvagne

    Verrill beobachtete gerührt, wie liebevoll sich Tazio um ihren Sohn kümmerte. Sie selbst zog sich auch aus, schmiegte sich an ihren Mann und schaute hinaus aufs Meer.


    "Ja es geht mir langsam besser, Danke der Nachfrage Taz. Dan kümmert sich gut um mich, er ist ein umsichtiger Mann. Wir sollten ihn am Hof behalten, er ist ein guter Heiler. Nello hat sich wirklich alle Mühe gegeben, er hat die Strandmuschel mit so viel Liebe gebaut und eingerichtet. Du bedeutest ihm sehr viel, weißt Du das? So wie er Dich behandelt, bist Du sein Sohn. Du kannst es nicht abstreiten und warum solltest Du auch? Er ist ein guter Kerl, der sich ständig um Dich sorgt und Dich sehr gerne umsorgt", antwortete Verrill und küsste Tazi zärtlich.


    Sie nahm ihn ganz fest in die Arme und nickte Richtung Meer.


    "Wollen wir hier übernachten und nachher ein bisschen schwimmen gehen? Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich das erste mal in Monleone war und vom Palast aus auf das Meer geschaut habe. Hier war alles so anders Tazi, hier war alles so sauber, rein und frei. Sogar die Luft und der Blick. Wie weit man hier schauen kann. Ich habe das Land direkt geliebt und Dich weit bevor ich Ledwick liebte. Du bist in mein Reich gespült worden. Tausende Bücher und doch habe ich nie etwas davon real erlebt. 


    Es ist etwas anderes vom Meer zu lesen, anstatt der Brandung zuzuhören, das Salz in der Luft zu schmecken und die kühle Luft zu genießen. Früher habe ich nicht verstanden, wovon die Seefahrer sprachen, heute verstehe ich was sie meinen. Manche benötigen einen Fixpunkt um sich auch in der Ferne sicher zu fühlen. Aber die See, sie ist endlos. Sie bietet keine Ecken, Kanten, keinen Halt. Sie bietet dafür Freiheit und die Ewigkeit. Und sie bietet Dich", sagte Verrill und kämmte mit den Fingern ihre Haare zusammen, die sie seit einiger Zeit wachsen ließ.

    Verrill wartete einen Moment und zog Tazio dann ganz nah zu sich heran.


    "Du könntest Dan einbürgern, so dass er ein Ledvico wäre. Er wurde mir als Hofstaat mitgegeben, aber ich würde mich freuen, wenn er ganz uns verschrieben wäre. Er hat mir mehrfach das Leben gerettet und ich vertraue ihm absolut. Ich frage mich, wie zwei Brüder derart verschieden sein können. Kann man unterschiedlicher sein als Dantoine und Benito? Wusstest Du, dass Dantoine vorher bei Linhards Vater gearbeitet hat? Er war der Heiler ihrer Familie und Linhards Vater fand Dan wohl schräg. Keine Ahnung was an dessen Verhalten schräg sein soll, meist ist er umgänglich und freundlich.


    Bei Deiner Beschreibung stelle ich mir eine Armee aus Ammen-Eutern vor. Das Muttermilch gesund ist, dass weiß ich. Deshalb macht es mich traurig, dass ich Delfio nichts geben kann. Er muss mit anderer Milch Vorlieb nehmen. Alles andere bekommt er von mir. Sicher dass Dein Großvater nur aus Sicherheitsgründe gerne an der Brust hing?", fragte Verrill verschmitzt und küsste ihren Mann zärtlich.


    Vianello betrat das Gemach und blieb gerührt vor dem Bett stehen.

    "Wie heißt der Kleine? Ich muss seine Hoheit doch standesgemäß begrüßen", erklärte Nello und schaute sich den kleinen zerknautschten Prinzen an.


    "Wie klein er ist, es ist immer wieder erstaunlich. Darf ich ihn einmal halten?", bat Nello glücklich.

    Verrill versuchte sich etwas aufzusetzen, aber Dan drückte sie sanft zurück ins Bett. Vorsichtig nahm sie den kleinen Delfio in die Arme und wischte Tazio behutsam und liebevoll die Tränen fort.


    "Wo auch immer Dein Vater nun ist Tazio, er schaut zu und er wird über seinen kleinen Enkel wachen. Die Amme? Ich habe mir keine Gedanken darum gemacht.Wir könnten die Amme von Laurie für Delfio wählen Schatz. Mir geht es gut, aber ich habe auch Schmerzen. Der kleine Mann hat gekämpft, ich glaube er wollte noch etwas in mir bleiben, als er gemerkt hat, jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Wir müssen auch meinen Vater, meinen Brüdern und ebenso Linhard bescheid geben. Du musst gut auf Delfio achten Tazi, er ist so klein und ich fühle mich so hilflos mit ihm. Ich kann ihm nichts geben, obwohl ich angeblich vollkommen bin. Ist das nicht lächerlich?", fragte Verrill betrübt.


    "Daran ist nichts lächerlich Eure Majestät, Ihr habt ihm das Leben geschenkt. Für die Milch finden wir eine Lösung, ich werde mich um eine Amme kümmern. Ihr habt einen sehr schönen Namen für Euren Sohn ausgesucht", sagte Dan und reichte Tazio ein Taschentuch.


    "Tazio leg Dich zu mir und nimm uns in den Arm. Möchtest Du Delfio hier behalten, oder soll er in ein eigenes Zimmer mit seiner Amme ziehen? Ich hätte ihn gerne hier, das beruhigt mich. Ich möchte ihn sehen, auch wenn er schläft. Bist Du damit einverstanden?", fragte Verrill und klopfte neben sich aufs Bett.


    Dan verließ leise das Zimmer und gab den beiden Zeit für sich, gleichzeitig wollte er sich direkt um die Amme kümmern. Draußen vor der Tür wartete immer noch Vianello. Der Leibdiener grüßte den Heiler mit einem erleichterten Lächeln, ehe er klopfte und den Kopf zur Tür hineinsteckte.


    "Darf ich eintreten? Benötigt Ihr etwas?", fragte er fürsorglich.


    Der Thronfolger - 01.07.205 n.d.A.



    Die nächtliche Stille wurde von einem unmenschlichen Schrei zerrissen. Tazio fuhr aus dem Bett hoch, denn Verrill neben ihm krümmte sich vor Schmerzen. Panik wollte in ihm aufsteigen, als er seiner Frau die Hand auf die Stirn legte, um sie zu beruhigen. Aber Verrill ließ sich nicht beruhigen, sondern wälzte sich unter Krämpfen im Ehebett hin und her. Sie biss die Zähne zusammen und war angespannt wie ein Bogen. Gerade als Tazio nach Vianello rufen wollte, war sein treuer Leibdiener auch schon an seiner Seite. Nello warf ein Blick auf das Geschehen und stürzte sofort aus dem großherzoglichen Gemach, noch bevor Tazio ein Wort verlieren konnte.


    Verrill warf sich herum und klammerte sich hilfesuchend an ihren Mann.

    "Hilf mir Taz...", flehte sie ihn an.


    Tazio hörte das draußen auf dem Gang gerannt wurde, sein Leibdiener riss die Tür auf und stürzte mit Dantoine hinein. Der Heiler warf einen Blick auf Verrill und nickte knapp.


    "Das Baby kommt", stellte er ruhig und sachlich fest, um allen die Panik in der Situation zu nehmen.

    Dan beugte sich über Verrill, untersuchte sie kurz und schaute dann Vianello an.


    "Heißes Wasser, Tücher und dann raus Ihr beiden", befahl er, während er Verrills Nachtwäsche aufschnitt.

    "Ich hab Angst", flüsterte Verrill erstickt und krallte sich in die Decke.

    "Ich weiß, aber wir beide haben das schon einmal hinbekommen und wir werden es wieder hinbekommen", erklärte Dan beruhigend.

    "Das haben wir", stimmte Verrill mit tapferem Lächeln zu und schaute ihren Mann an.


    "Ich liebe Dich Tazi", sagte sie mit belegter Stimme.

    "Ich liebe Dich auch", antwortete Tazio und seine eigene Stimme klang kaum besser als sie seiner Frau.


    Vianello rannte aus dem Zimmer und kam mit dem gewünschten wenige Augenblicke später wieder. Kaum hatte er alles hingestellt, fasste er Tazio bei den Schultern und führte ihn sanft aus dem Schlafgemach. Leise schloss Nello hinter sich die Tür. Dann hieß es warten. Der ganze Palast schien in Schweigen zu versinken, selbst die See war ungewöhnlich ruhig, so als lauschte die ganze Nation samt ihrem Element darauf was nun geschah.


    Die Schreie die aus dem Schlafgemach kamen zerrissen Tazio das Herz, er wusste wie schwer es für Verrills Körper war, diese Tortur durchzustehen, die schon eine normale Frau an den Rand der Verzweiflung brachte. Irgendwann war die Stille vollumfänglich. Stunden waren vergangen und nun stand die Stille wie ein Monument im Raum. Tazio und Nello blickten sich für bange Sekunden an.


    Ein Schrei zerriss die Lautlosigkeit, er kündete nicht von Schmerz, sondern von neuem Leben!


    Dan verließ das Schlafgemach und gab Tazio ein Zeichen einzutreten.

    "Euer Sohn wurde geboren. Mutter und Kind sind wohlauf", sagte er freundlich und führte ihn zum Bett.


    Selten hatte Tazio Verrill so schwach und dennoch so glücklich gesehen.

    "Dein Sohn Tazio", sagte sie liebevoll und streichelte das kleine zerknautschte Köpfchen, "er benötigt einen Namen".

    "Dieser elende Wurm wird weder über Evalon regieren noch über Ehveros! Das werde ich mit meinen eigenen Händen verhindern. Schau ihn Dir nur an, diese Gestalt. Du hast völlig Recht, aber er sieht es nicht. Er sieht nicht ein wie er manipuliert wurde. Sein Hass auf Horatio hat ihn verblendet und so führte er den Feind Souvagnes nach Souvagne. Er behauptet er wolle unser Land retten und gibt es dem Untergang preis.


    Ciel war schon immer nichts weiter als ein verlogener Schaumschläger. Er predigt Wasser und trinkt Wein, dass ist Ciel der Namenlose. Sie sollen alle in ihrem eigenen Abgrund vermodern", antwortete Verrill und nahm den dargebotenen Arm von Tazio an.


    "Linhard hat uns ebenso verraten, Du musst entsprechend reagieren Tazio. Lass uns gehen und Vater soll den Notfallplan aktivieren, dann hat Ciel was er wollte", sagte Verrill und schaute Ciel verächtlich an.

    "Das war eine rethorische Frage und kein Angebot, warum sollte ich einem Verräter wie Dir etwas anbieten oder die Hand reichen? Alles was ich wünsche ist Dein Tod, sonst nichts. Vater wünscht sogar den Tod unseres Kindes. Grausam nicht wahr? Aber wie Du eben sagtest, es gibt Opfer die gebracht werden müssen. Wenn das der Preis ist, das Ledwick und Souvagne nicht in einen Krieg abrutschen, den Du verursacht hast, muss es wohl so sein.


    Dunwolf richtet nichts in Naridien an Du kurzsichtiger Tölpel, er schadet Souvagne. Immerhin ist er hier unter dem Palast, bedroht unseren Schutzpatron und bringt die Sicherheit eines ganzen Landes zu Fall. Wie er das geschafft hat? Mit einem kleinen verblendeten Princen, der gerne Held spielt und doch nur ein Bastard ist", antwortete Verrill ungerührt.

    Verrill musterte Ciel genauso kalt wie Maximilien es getan hatte.


    "Souvagne steht für Souvagner über allem, was schert es Dich? Falls Du so vollkommen bist wie Du behauptest, warum öffnest Du das Siegel nicht selbst, als perfekter Mensch der Du scheinbar bist? Was weißt Du über Horatio? Nichts! Was weißt Du über Dunwolf? Genausowenig. Aber Du hast in Deiner selbstherrlichen Art beschlossen das Horatio schlecht ist und Dunwolf gut. Ich frage mich wer den Orden der Menschenfresser gründete, ebenso den Abgrund des Herrenhauses. Horatio? Wohl kaum, dass war Dein Dunwolf.


    Wovon ernährt sich denn Dunwolf? Ist er so heilig, dass er wie Du nur von Luft und Liebe lebt? Zudem wenn es Dir nicht um jeden Einzelnen geht, dann geht es Dir auch nicht um das ganze Volk. Dir geht es schlichtweg um Dich, damit Du Dich profilieren kannst und mit erhobenen Zeigefinger auf andere herabschaust. Nur darum geht es Dir.


    Nebenbei ein Land in den Krieg zu stürzen oder zig, dass ist Dir gleichgültig. Deine Mutter soll mit dem Wissen sterben, dass Du sie für unwert befunden hast. Du weißt es gibt kein Weg mehr zurück. Es ist Dir gleich das Du geächtet bist? Wirklich? Warum bist Du dann geflohen? Wenn ich das Siegel öffne und Du tun kannst, was Du wolltest, gehst Du dann nach oben und stellst Dich dem Urteil von Vater? Ich denke nicht", antwortete Verrill.

    `Sicher Horatio der Gründer der Nekromatie wird doch nichts gegen Tote oder Untote haben oder?

    Aber die Kastration lässt Du sein...

    Der Akt ist mehr als nur ein Akt der Lust... Vermehrung... Bestrafung...

    Es ist ein Verbund... mit dem man sogar Magie besiegeln und... formen kann...

    Falls Dich der andere Schlüsselmeister über den Schaufen schießt... ich bin bei Dir´, lachte Dunwolf mental.


    "Warum sollte Lomeo Gernot denn den Hort des Lichten verlassen? Sie hat nichts zu fürchten, sie trägt keine Finsternis in sich. Du kannst es einfach haben oder kompliziert. Überlege Dir was Du willst. Oder soll ich das Siegel für Dich öffnen? Du bist so einfältig, dumm und borniert, dass Du nicht mal die Bedeutung des Siegels erkennst. Aber was erwartet man auch schon von einem, der ständig seine Meinung wechselt? Was ich einst an Dir liebenswürdig fand, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber es geht nicht nur mir so, auch Vater und alle anderen verfluchen Deinen Namen. Deine Mutter ebenso, denn sie stirbt, weil Du sie mit in den Tod gerissen hast.


    Du wolltest Souvagne retten? Du?

    Ist das die Rettung die Du wolltest?


    Deine Mutter tot, Du ein Verräter und des Landes verwiesen, die Orden der Bluthexer und Himmelsaugen geächtet. Damit das Land möglichen Angriffen preisgegeben. Krieg in Almanien, dass wolltest Du und den wird es Dank Dir auch geben", antwortete Verrill.

    Verrill schmunzelte Ciel freundlich an und neigte leicht den Kopf.


    "Ich bin eine de Souvagne und eine di Ledvico, aber Du Ciel bist ein namenloser, hochverräterischer Bastard der mit dem abgrundartigen Dunwolf im Bunde steht. Du willst die Nekromantie vernichten? Du bist doch selbst ein Nekromant und trägst den Herren der Leichenfledderer in Deinem Körper.


    Wer dies ist? Meine Schwester", antwortete Verrill leichthin.


    "Und nun pack Deine Sachen und verschwinde, Du bist weiter gekommen als Du durftest und selbstgefälliger Sex-Mönch", befahl sie.

    "Grüße", sagte der andere Horatio-Schlüsselmeister und deutete mit einer Armbrust auf Ciel.

    Justinian berührte das Siegel, strich fest darüber und roch dann an seiner Hand.


    "Wie vermutet, Messing, es hält also nicht nur etwas draußen, sondern auch etwas dort drinnen. Was logisch ist, je nachdem was dort in Verwahrung liegt", sagte der Schlüsselmeister.


    Eine Person schritt durch das Tor, die Ciel ziemlich bekannt vorkam. Statt einem Schürhaken trug sie ein Schwert in der Hand. Der brennende Blick von Verrill ruhte auf Ciel und schien sich in seine Seele zu bohren. An ihrer Seite stand eine weitere Person, von der Ciel nicht sagen konnte, ob diese männlich oder weiblich war.


    "Hier ist Schluss", sagte Gregoire unmissverständlich.

    Die Hand Horatios


    Gründer: Prince Gregoire Verrill de Souvagne vom 04.02.203 - 04.05.203 n.d.A. Vertreter im Amt des Duc de Souvagne

    Partner-Orden: Blut und Gebeine

    Datum der Gründung: 10.02.203 n.d.A.

    Hauptsitz: Cantillion, Akademie: Flamme des Wissens

    Einsatzgebiet: In- und Ausland Souvagnes



    Weisungsbefugte der Hand Horatios:

    Prince Gregoire Verrill de Souvagne


    Persönlicher Ansprechpartner des Ordens der Hand Horatios/

    seiner Hoheit Gregoire Verrill de Souvagne:

    Comte Melville de la Cantillion


    Ordensoberhaupt der Hand Horatios:

    Chevalier Ansgar de Chouinard, ehemals Freiherr von Hohenfelde



    ***



    ...Und so zogen die Gräul des Krieges über dem Horizont Almaniens auf, geführt von Hunden die auf Hyänen ritten und die Zivilisation selbst angriffen. Horatio der Lichte wusste, dass dass man Schrecken nur mit noch größerem Schrecken besiegen kann. Und was schreckt einen Menschen mehr als der Tod? Der Untod! Und so erhoben sich auf den Schlachtfeldern die gefallenen Feinde und wurden zu Kameraden. Die Wüstenhunde prallten auf einen Wall aus untoten Leibern, geschaffen aus ihrer Armee, geschmiedet aus den Leichen ihrer Kameraden. Gesichter die ihnen einst gelacht hatten, lechzten nun nach ihrem Blut. Und so wendete sich das Blatt, als die einstigen Freunde ihnen das Fleisch von den Knochen schälten und sie verschlangen. Der finstere Untod, dargereicht von dem Lichten trieb die Schergen des Choas zurück in die Wüste.


    Mit dieser Lehre war die erste Ultima Ratio geboren, geschaffen aus uraltem Wissen und der Weisheit, dass es in einem Krieg keine schmutzigen Waffen gibt.


    Noch heute verwahrt der Orden "Blut und Gebeine" die alten Kampfsprüche, auf dass sich der Orden todbringend erhebt, sobald sich der Feind aus der Wüste erheben sollte.


    Vater war nicht im Land, sein Thronfolger war nicht im Land, sogar Ciel war in Ehveros. All das hatte nur eines zu bedeuten, die Zeichen am Himmel standen auf Sturm, obwohl der erste Sturm erst gerade an uns vorübergezogen war. Sie verhandelten in Ehveros mit einer Natter, die schlimmer war als jeder Wüstenhund. Und so tat ich das, was jeder Regent getan hätte, ich rief den Orden Blut und Gebeine im Namen Horatios zusammen und ließ einen weiteren Orden von ihnen ausbilden.


    Die Hand Horatios, so heißt mein Orden, meine nekromantische Eingreiftruppe.

    Es handelt sich um Kampfmagier, ähnlich den Himmelsaugen nur bedienen sie sich der Nekromantie.


    Hätten sich erneut die Rakshaner oder wer auch immer erhoben, wäre jeder Gefallene eine Verstärkung unserer Armee geworden. Sie beschützen Souvagne, sie verteidigen Almanien. Was denkt Ciel sich dabei, genau jenen Mann zu verunglimpfen und herauszufordern, der uns seit dem Anbeginn der Zeit beigestanden hat? Er leitete uns an, teilte sein Wissen und verlangte nichts dafür bis auf die Seelen unserer Feinde.



    ****

    Verrill streichelte liebevoll Tazios Wange.


    "Der Leone di Marino hat Recht, er ist ewiglich so wie der Schreiadler, der Duca oder der Duc. Es hat immer eine Duca gegeben nicht wahr? Manches was man sieht, erklärt sich erst später. Der Vergleich mit Thabit ist ein gutes Beispiel, Du hast Recht. Ein Schiff das über den Meeresgrund fährt und ein Loch im Bauch hat.


    Der Drache, vielleicht ist er kein wahrer Drache mit Klauen und Schwingen. Oder er ist es doch, ein Mann der ein Flugerät hat, dass einem Drachen ähnelt. Was wissen wir, was zukünftige Generationen noch hervorbringen werden? Und wann die Zeit in der Zukunft jene des Drachen ist?


    Ich denke das der andere Schlüsselmeister der Abtrünnige ist. Er hat Dunwolf den Rücken gekehrt und stand mir bei.

    Tazi ich befürchte, dass ich nicht kämpfen kann, sollte ich für uns alle einstehen müssen. Deshalb bin ich den Bund mit ihm eingegangen. Er wird das Schwert führen, aber nun ist er fort. Wohin dass wissen wir nicht und ich bin nicht in der Lage zu kämpfen. Möglicherweise ist kein Kampf mit Waffen nötig und er verschwand deshalb. Weil es so sein muss, weil genug Blut vergossen wurde.


    Ich muss mit Iriving sprechen Tazio, unser Start mag nicht gut gewesen sein. Aber wenn es drauf ankam, standen wir zusammen. Er half Dir die schwerste Last zu tragen, die Du je stemmen musstest. Vielleicht kann er auch mir helfen", antwortete Verrill etwas beruhigt.

    Verrill faltete die Hände in ihren Schoss und schaute Tazio ernst an.


    "Woraus der Teppich ist, dass kann ich Dir nicht sagen. Sollte er aus Seide sein, dann kühlt er bei Hitze und wärmt bei Kälte. Er wäre hauchfein und von besonderem Glanz. Deine Worte erinnern mich an eine Weisheit, die ein Leon meinem Vater vor langer Zeit sagte.


    Er sagte, es gibt von allen Dingen vier Seiten Riv. Deine Sicht, deren Sicht, die Wahrheit und das was tatsächlich passiert ist.

    Und damit hatte der alte Leibdiener meines Vaters Recht, es kommt auf den Betrachtungswinkel an und auf die Person, die betrachtet.


    Was nützt die größte Weitsicht, wenn sich der Blick durch Wut verengt? Nichts.

    Niemandem ist damit geholfen.


    Jeder folgt seinem eigenen Schicksalsfaden durch den Teppich der Zeit, lebt seine Geschichte. Dort wo er sich mit anderen Fäden verbindet, entstehen Freundschaften, Liebschaften, Kinder, Feindschaften und alles was Menschen verbindet und trennt. Es kann sein, dass alles so geschieht, weil es geschehen muss. Unabhängig davon, ob wir es gutheißen und was wir dabei fühlen.


    Denn anders kann man nicht erklären, warum manches trotz der Ältesten und der Götter geschieht. Aber schaut man auf den Teppich, so sind auch sie dort eingewoben. Denn der Teppich hat nicht nur eine Forderseite das Diesseits, sondern er hat auch eine Rückseite den Nexus. Und wer weiß wieviele Zwischenstufen bis zum eigentlichen Ende der Zeit. Und das Ende der Zeit besagt, das kein Faden lose hängt. Es endet nichts, denn es vergeht und entsteht neu und so werden die Fäden gesponnen und verwoben.


    Bis zu dem Tag, wo der Drache beschließt die Zeit selbst zu töten.

    Ich habe Dir von dem Drachen erzählt, aber ich berichte es Dir gerne erneut. Damit Du weißt, was ich sah.


    Als Schlüsselmeister habe ich eine Aufgabe erhalten, sehen und erkennen. Und so liegt es an mir, jenen in den fernen Zeiten mit den Waffen auszustatten, den heiligen Gobelin der Zeit zu beschützen. Den eines Tages wird er am Himmel erscheinen, der Dämon - der Drache, der die Zeit selbst vernichten will. Diese Pflicht dieses Wesen aufzuhalten ruht auf den Schultern eines Mannes. Er trägt diese Bürde unwissend im Herzen, er trägt sie weise.


    Man kann den Drachen der die Zeit vernichten will auf zwei Arten erschlagen - durch Überzeugung und durch den Tod. Seine Seele ist verloren, sie weilte nie wirklich im Nexus hinter den Sternen, sondern sie fristet ein Dasein in Finsternis, die sich in seinem Herzen vor langer Zeit eingenistet hat. Die Seele des Drachen benötigt zwei Relikte um gerettet zu werden, eine Laterne des heiligen Lichts um ihn aus der Dunkelheit zu führen und ein Schwert von gleicher Machart um sich im Licht zu verteidigen. Oder der Weise selbst nutzt beides, um Erkenntnis zu erlangen und den Drachen mit dem Schwert zu erschlagen.


    Vergesst eines nicht, der Drache ist die Pein, die man ihm einimpfte. Er ist ein Schatten des Chaos, der eine nekrotische Haut trägt. Er trachtet danach, die in dem Leid zu ertränken, dass er selbst erdulden musste. Dadurch wird er etwas anderem den Weg ebnen, der Auflösung von allem und Nichts. Er der den Gobelin der Zeit zerfasern will. Jene die nur einen Blick auf diese Welt haben, vergleichen die Stunden die durch ein Stundenglas rieseln mit der Zeit, die tatsächlich verstreicht. Für den Drachen der die Zeit vernichten will, ist die Zeit selbst der Feind. Können Zeitmessung und wahre Zeit je dasselbe sein? Oder anders gefragt, sind sie wirklich verschieden? Die Antwort darauf kennt nur Ainuwar selbst - oder der Drache.


    Der Drache ist die Frage, die Bedrohung und die Antwort selbst.


    Dem Pfad dem er folgt, von dem muss sich der Weise leiten lassen. Ich spreche als Schlüsselmeister und Meisterin nicht von einem Ort, sondern von einer Zeit, einem Geschehnis, das im ewigen Kreislauf immer wieder erzählt werden wird. Wir alle sind verwoben im Gobelin der Zeit Ainuwars, zugleich innerhalb seiner Geschichte und außerhalb. Eng in seine Fäden gewickelt, während wir zeitgleich versuchen sie zu entwirren - ja zu verstehen. Aber dies steht nur denen zu, die die Welt auf beiden Winkeln betrachten können oder jene, die von Ainuwar mit dem Blick gesegnet sind. Denn Ainuwar ist jener, der den Gobelin der Zeit selbst webt und er ist zeitgleich dessen Fäden.


    Endet der Faden der Zeit jemals, wird nichts mehr existieren - dass weiß der Drache. Wir alle werden untergehen, im Nichts verschwinden, denn wir sind in diesem Gobelin eingewoben. Wir befinden uns stets im Reich der Zeit! Im Reiche Ainuwars.


    Der Drache wart in der Höhle der Finsternis geboren, dennoch trug er Licht im Herzen. Er war vom Schicksal dazu auserkoren, Leid zu erdulden. Und eines Tages, wurde er selbst Teil des Leids und durchtrennte seinen Faden. Seine Seele wurde besudelt, sie blutete, wie blutroter Wein. Und er hörte auf eine Stimme, die ihm die Lösung versprach - ein Wispern, uralt, mächtig und vergessen.


    Und so beschloss der Drache, alle Fäden zu durchtrennen, denn im Nichts existiert nichts - nicht einmal Schmerz. Denn auch dies weiß der Drache, nur aus dem Nichts kann etwas Neues entstehen. Dies beschloss er in der Zukunft, bevor er sich auf den Weg machte, die Welt zu verschlingen und die Zeit zu töten - bevor er sich völlig selbst verlor.


    Was ist mit uns Tazio? Werden wir uns alle verlieren in einem höheren Kampf der nicht der unsere ist? Werden wir wählen müssen zwischen Mann und Bruder? Wie kann das eigene Blut abgewählt werden?", fragte Verrill mit müdem Gesichtsausdruck.


    "Was sieht Irving bei all dem? Sieht er? Siehst Du?

    Und was sieht der Abtrünnige, der im Abgrund geboren wurde und ihn im lebte? Bis zu dem Tag wo ihn die Finsternis verschlang und er das Licht wählte? Was seht Ihr? ", hakte sie nach.

    "Nein das ich Ciel und Linhard niederstrecken muss, habe ich nicht wirklich gesehen. Es ist nur eine Vermutung, bei der mir ganz anders wird. Einst Tazio haben wir uns geliebt und waren uns nah. Möglicherweise zu nah, so dass das Schicksal diesen Knoten gewoben hat.


    Der Teppich von dem ich spreche ist ein Sinnbild, entweder für Wissen oder für die Zeit selbst. Ainuwar webt ihn, wir sind in dem Teppich verwoben und die Fäden, dass ist unser Schicksal. Ciel will diese Fäden durchtrennen, so scheint es mir.


    Ebenso jemand anderes, das habe ich gesehen aber Du wirst es nicht verstehen. Eine Person die jetzt schon existiert, aber nicht das ist was sie einst werden wird. Diese Person wird in ferner Zukunft versuchen den Teppich zu zerstören, alle Fäden zu kappen, um so die Zeit selbst zu töten. Wenn ich ihn sehe, so ist er ein Drache. Der Drache der die Zeit selbst verschlingen will, so wird er genannt. Aber der Drache hat mit all dem hier nichts zu tun Tazio.


    Du hast Recht, die Entscheidung über Ledwick obliegen alleine Dir, dennoch würde ich versuchen Dich zu retten und Vater ebenso. Wir würden doch nicht zuschauen, wenn Du untergehst. Seltsame Wortwahl, denn einem Leone wird das Versinken im Meer nichts ausmachen", sagte Verrill und drehte die Tasse in ihren Händen.


    "Es freut mich dass unsere Kinder in Sicherheit sind. Ich muss die Ruhe bewahren, gerade in dieser schweren Zeit und eigentlich gilt meine vorrangige Loyalität nun Ledwick. Aber mir wurde einst eine Aufgabe überreicht, die nicht ruhen kann. Damit behüte ich nicht nur Souvagne, sondern Almanien. Jedenfalls ist das mein Ziel, ich weiß nicht wie ich handeln soll. Horatio ist gewarnt, er kann sich verteidigen. Jedenfalls gehe ich davon aus. Vielleicht bin ich nur so wütend, weil ich gleichfalls von Ciel und Linhard enttäuscht bin.


    Ich hatte ein anderes Verhalten von beiden erwartet, stattdessen hat mir niemand zugehört. Ein ehemaliger Feind der mich erkannte, stand mir bei. Und mein Bruder und Ehemann die mir beistehen sollten, boten mir die Stirn. Nichts gegen Beistand, aber ich hätte ihn gerne auch von meiner Familie gehabt Tazio.


    Gerettet aus all dem Trubel und dem Wahnsinn den Ciel losgetreten hat, hast Du mich", erklärte Verrill liebevoll und küsste Tazio erneut.

    Verrill nahm mit dankbaren Nicken den Tee von Irving entgegen und trank einen Schluck.


    "Damit hast Du Recht Tazio, alle Verknüpfungen der Fäden im großen Teppich des Wissens betreffend Souvagne kennt nur Vater. Jetzt verstehst Du sicher auch, warum manche Ältesten Schlüsselmeister haben, ihre Fäden reichen Jahrhunderte oder länger zurück und es ist für sie einfacher, wenn sie das Wissen auf mehrere verteilen. Sozusagen wie Sekretäre die ihnen mit dem Wissen zuarbeiten. Stell Dir vor, all Dein Wissen würdest Du mit Vianello teilen und er kümmert sich ab dato um einen bestimmen Bereich. Dann weißt Du, da kannst Du nichts vergessen. Nello behält das Wissen und Dein Ziel im Auge, damit Du Dich nicht verzettelst.


    Ja rede mit Vater von Schwiegersohn zu Vater und von Duca zu Duc.

    Vater würde auch nicht in die Geschicke von Ledwick eingreifen, ebensowenig ich. Es sei denn unsere Existenz steht auf dem Spiel, dann würde ich es tun und Vater sicher ebenso. Rettung steht über allem.


    Linhard hat sich Ciel angeschlossen Tazio, er kam nicht mit mir mit und er hat Partei für Ciel ergriffen. Ob ich das so einfach verzeihen kann, muss ich mir überlegen. Er hat mich zwar gestützt und beschützt, aber ich hätte gar nicht vor Hector beschützt werden müssen, sondern vor Ciel. So unglaublich das klingt. Hector ist der andere Schlüsselmeister, falls er die Wahrheit sprach.


    Ausgerechnet Ciel hat er den Dolch des Lichten ausgehändigt, damit dieser Dunwolf verletzt. Ciel muss sich ein Ei aus der Hose gelacht haben. Aber gut, wer konnte auch ahnen dass mein Bruder so ein Wendehals ist. Trotzdem hätte Hector den Dolch besser selbst behalten oder mir geben müssen. Wir schlittern gerade von einer Katastrophe in die andere, ich sehe es schon kommen, dass ich Ciel und Linhard erschlagen muss", stöhnte Verrill und nahm noch einen Schluck Tee.

    Verrill küsste Tazio und ergriff danach sein Gesicht mit beiden Händen.


    "Tazio ich verlasse Dich nicht, ich benötige Dich an meiner Seite. Wir beide sind so unzertrennlich wie Irving und Thabit. Wir müssen Ciel aufhalten, er wird das zerstören, was uns geschützt hat. Ist das Wissen schlecht, nur weil es von einem Naridier stammt? Würdest Du solches Wissen nicht sammeln? Es geht um alles Tazio, um das verwahrte Wissen und auch um Horatio selbst.


    Alexandre muss hingerichtet werden, er ist ein Unhold sondern gleichen. Er hat den Geist von Ciel mit seinen widernatürlichen Lehren vergiftet. Und Ciel hat Linhard vergiftet. Linhard hat sich ebenso von uns abgewandt Tazio. Er dient Ciel, seine Treue gehört ihm. Vielleicht war es schon immer so.


    Du hättest hören sollen, wie Ciel über Horatio sprach, als wäre er das Übel der Welt. Zeitgleich lobte er seinen einstigen Feind in den höchsten Tönen.


    Tazio, der fremde Schlüsselmeister bat mich um Beistand. Er hat sich von Dunwolf abgewandt und bat um Hilfe. Er weiß was seinem Ältesten schaden kann, wir müssen es ebenso wissen. Denn wenn wir in die Schlacht ziehen, dann müssen wir Dunwolf in die Knie zwingen, damit Horatio obsiegt.


    Möchtest Du in ewiger Finsternis und in einem lebenden Abgrund dahinvegetieren? Möchtest Du als magisches Füllhorn für ihn herhalten, als Bennstoff für seine Sprüche? Thabit kann uns ebenso beistehen, er hat unendliches Wissen. Aber wir benötigen das Wissen aus Dunwolfs Nähkästchen, wir müssen den Schlüsselmeister abgreifen. Ciel hat den Kerl vertrieben, großartig hat er das gemacht.


    Ich schwöre Dir, Ciel war schon immer mit Dunwolf im Bunde. Der ganze Zenober im Herrenhaus diente nur dazu uns zu täuschen, damit er Dunwolf nach Souvagne schleusen kann. Er wurde verfolgt, von wegen er brachte ihn mit. Das Blut eines der Verräter muss durch seine Adern fließen, so sehr wie er seine Familie und sein Land hasst. Und ich habe seine Kinder ausgetragen. Gut es sind meine Kinder. Meine eigenen, er wird sie nicht in seine finsteren Klauen bekommen.


    Wo sind meine Kinder überhaupt?", fragte Verrill nervös.

    Kapitel 26 - Der Schlüsselmeister des Lichts



    An Bord von Thabit schritt Verrill unruhig auf und ab, während Chiara versuchte die Ducachessa zu beruhigen. In ihrem Zustand war jede Aufregung Gift, denn sie trug das Kind seiner Majestät unter dem Herzen. Mit grimmigem Gesichtsausdruck ließ sich Verrill auf eine der Sitzgelegenheiten nieder. Für die außergewöhnliche

    Bauart von Thabit, hatte die Ducachessa im Moment keine Augen. Ebensowenig für die Technik, die nicht von dieser Welt zu sein schien. Sie hing ihren eigenen finsteren Gedanken nach.


    Thabit hingegen beobachtete seine Gäste sehr genau, allen vorran Tazio und seine Frau. Er überwachte durch seine Sensoren den Herzschlag des Ungeborenen, denn er wollte nicht, dass Tazios Kind in Gefahr geriet. Die Inbesitznahme schien Verrill gut verkraftet zu haben. Dennoch war Thabit nicht weniger wütend als Verrill, nur aus einem völlig anderen Grund. Er fand es unverantwortlich von Horatio nach dem Leib dieser Frau zu greifen, während sie das Kind von Tazio Ferdinando di Ledvico unter dem Herzen trug.


    Darüber war noch nicht das letzte Wort gesprochen, auch wenn Verrill der Schlüsselmeister von Horatio war. Wer war zur ihrer Rettung geeilt? Wo lebte sie? Welches Land nannte sie Heimat? Sie gehörte Tazio, sie war seine Frau, seine Ducachessa, die Mutter seiner Kinder. Dadurch gehörte sie zur Familie und Thabit würde alles daran setzen, das Ungeborene und sie zu beschützen. Der Leviathan pflügte mit finsteren Gedanken durch die See, Irving spürte jeden einzelnen dieser Gedanken.


    Vianello trat zu Verrill und reichte ihr einen Tee, den sie mit dankbarem Nicken entgegen nahm.


    "Begleitet mich bitte Hoheit, Ihr solltet nicht derart brütend durch das Schiff laufen, Ihr müsst Euch schonen", bat Nello.

    "Da hast Du völlig Recht! Ich muss zu Tazio! Mein Bruder ist nicht ganz bei Sinnen! Er kreidet unserem Schutzpatron an, das Land zu bedrohen? Lächerlich. Seine waghalsigen Aktionen haben unser Land gefährdet, weshalb kam Dunwolf überhaupt nach Souvagne? Weil Ciel ihn zu uns gelockt hat. Bis dato hatten wir nichts mit den naridischen Problemen was Dun-Haru-Mar betrifft zu tun. Er sollte anfangen selbst zu denken, stattdessen plappert er nach, was der Kastrat Alex ihm vorbetet. Wie erbärmlich ist das für einen Princen? Und dieser Tropf von einem Mann soll ein Land regieren? Er?", donnerte Verrill.


    "Hoheit beruhigt Euch bitte, dies ist ein Beruhigungstee. Versucht ihn wirken zu lassen. Atmet tief durch, versucht zu entspannen. All das können wir auch in Harmonie klären. Euer geliebter Bruder hat sicher auch damals versucht, die Welt vor einer Bedrohung zu retten. Und was es mit Horatio auf sich hat, dass kann ich nicht beurteilen. Ich bin nur ein einfacher Leibdiener Hoheit, mir entzieht sich derartiges Wissen. Und offen gestanden bin ich froh darum. Nun kommt bitte und begleitet mich zu Tazio. Er vergeht vor Kummer und Sorge um Euch", bat Vianello und machte eine einladende Geste.

    "Du hast Recht, ich muss zu Tazio, mein Mann wird wissen wie man mit Ciel verfährt. Sich mit Dunwolf verbünden wollen, war er nicht sein Erzfeind? Und nun trinken sie Bruderschaft? Wenn Ciel versucht die Welt zu retten, sollte jeder den Kopf einziehen. Es reicht was ich über die Ältesten weiß Nello. Niemand hat von Dir einen Vortrag über ihre Fähigkeiten verlangt. Und keiner kann alle Ältesten kennen, einige haben Wächter ihres Wissens wie mich, andere nicht. Selbst ich kann nicht alle kennen oder ihre Fähigkeiten, ich kann nur das Wissen verwahren, was mir Horatio zur Verfügung stellt, oder eigenes sammeln", sagte Verrill und schritt durch Thabit in einem Stechschritt das Vianello und Chira Mühe hatten mit ihr Schritt zu halten.


    Verrill enterte die Brücke und warf sich Tazio in die Arme. Sie drückte ihren Mann, als hätte sie vor ihn zu ersticken. Die Wut war schlagartig in Tazios Armen verraucht, sie fühlte sich müde, wach und hilfslos und klammerte sich regelrecht an ihm fest.


    "Tazio wir müssen Ciel aufhalten, bitte. Du weißt nicht, was er anrichten wird. Horatio hat niemanden angegriffen, im Gegenteil er steht unserem Volk seit Äonen von Jahren bei. Ganz ähnlich wie Thabit unserem Ledwick. Ciel hat nicht die geringste Ahnung, er verurteilt Horatio für etwas, dass er nie tat. Schau einst brachte er den Teil einer uralten Magie in die Welt um Almanien zu schützen. Normalerweise ist er neutral eingestellt und ehr ein Beobachter. Er schreitet nur ein, wenn es wirklich sein muss. Er ist ein Forscher, ein Wissenssammler, daher auch die Flamme des Wissens. Unwissenheit zerstört, wenn man etwas versteht, entwickelt man auch Verständnis, so sagt er.


    Als die Rakshaner unsere bekannte Welt in Stücke reißen wollten, als sie die Burgen und Bibliotheken schleifen wollten, da nahm er menschliche Gestalt an und lehrte unserem Volk den Gebrauch eines Magiesplitters. Dieser Zweig einer uralten Magie, das war die Nekromantie.


    ...Und so zogen die Gräul des Krieges über dem Horizont Almaniens auf, geführt von Hunden die auf Hyänen ritten und die Zivilisation selbst angriffen. Horatio der Lichte wusste, dass dass man Schrecken nur mit noch größerem Schrecken besiegen kann. Und was schreckt einen Menschen mehr als der Tod? Der Untod! Und so erhoben sich auf den Schlachtfeldern die gefallenen Feinde und wurden zu Kameraden. Die Wüstenhunde prallten auf einen Wall aus untoten Leibern, geschaffen aus ihrer Armee, geschmiedet aus den Leichen ihrer Kameraden. Gesichter die ihnen einst gelacht hatten, lechzten nun nach ihrem Blut. Und so wendete sich das Blatt, als die einstigen Freunde ihnen das Fleisch von den Knochen schälten und sie verschlangen. Der finstere Untod, dargereicht von dem Lichten trieb die Schergen des Choas zurück in die Wüste.


    Mit dieser Lehre war die erste Ultima Ratio geboren, geschaffen aus uraltem Wissen und der Weisheit, dass es in einem Krieg keine schmutzigen Waffen gibt.

    Noch heute verwahrt der Orden "Blut und Gebeine" die alten Kampfsprüche, auf dass sich der Orden todbringend erhebt, sobald sich der Feind aus der Wüste erheben sollte.


    Vater war nicht im Land, sein Thronfolger war nicht im Land, sogar Ciel war in Ehveros. All das hatte nur eines zu bedeuten, die Zeichen am Himmel standen auf Sturm, obwohl der erste Sturm erst gerade an uns vorübergezogen war. Sie verhandelten in Ehveros mit einer Natter, die schlimmer war als jeder Wüstenhund. Und so tat ich das, was jeder Regent getan hätte, ich rief den Orden Blut und Gebeine im Namen Horatios zusammen und ließ einen weiteren Orden von ihnen ausbilden.


    Die Hand Horatios, so heißt mein Orden, meine nekromantische Eingreiftruppe.

    Es handelt sich um Kampfmagier, ähnlich den Himmelsaugen nur bedienen sie sich der Nekromantie.


    Hätten sich erneut die Rakshaner oder wer auch immer erhoben, wäre jeder Gefallene eine Verstärkung unserer Armee geworden. Sie beschützen Souvagne, sie verteidigen Almanien. Was denkt Ciel sich dabei, genau jenen Mann zu verunglimpfen und herauszufordern, der uns seit dem Anbeginn der Zeit beigestanden hat? Er leitete uns an, teilte sein Wissen und verlangte nichts dafür bis auf die Seelen unserer Feinde.


    Sag was Tazi, ich benötige Deinen Rat. Ich musste uns in die Lage versetzen es mit dem Rest der Welt aufzunehmen um meinen Vater und meine Brüder zu retten oder zu rächen!", erklärte Verrill verzweifelt.

    Hector rappelte sich wieder auf, zog sich ein Stück zurück, da er weder mit den Pretorianos noch mit Tazio anecken wollte. Er hatte mit keinen von ihnen eine Fehde. Allerdings mit Linhard und Ciel bis dato auch nicht. Er warf kurz einen Blick auf das gewaltige, seltsame Schiff, dass das ihre gerammt hatte und schaute die neue Erscheinung an. Das musste Thabit sein, es konnte gar nicht anders sein. Sein Blick suchte den von Vendelin, ehe er sich so stellte, dass er so viel wie möglich im Blick behalten konnte.


    Horatio ließ Tazio und seine Männer passieren. Sie waren nicht gekommen um ihm zu schaden, sondern um seinem Schlüsselmeister beizustehen.


    "Wir sind keine Feinde, wir stehen durch Verrill auf der gleichen Seite", erklärte er umgänglich.

    Verrill nahm die Hand ihres Mannes und drückte sich in seine Arme.


    "Tazio. Ich weiß nicht was in Linhard und Ciel gefahren ist, aber sie beide bedrohen unseren Schutzpatron, das wäre so als würden sie Thabit bedrohen. Weshalb sie derart davon besessen sind ihm zu schaden, kann ich Dir nicht sagen. Ich vermute es steckt Dunwolf und seine Machenschaften dahinter. Ich habe versucht ihnen zu erklären, das Horatio niemandem schadet. Das er nur eingreift, wenn es unumgänglich ist. Dass er uns sonst mit Wissen beisteht. Aber niemand wollte auf mich hören.


    Jener Mann ist ein Abgeschworener von Dunwolf, er hat ihm entsagt. Er erbat meine Hilfe und die von Horatio. Er erbat nichts weiter als die Sicherheit seiner Kinder und seiner Leute. Wir sollten an anderer Stelle darüber sprechen was zu tun ist. Irgendwo in Sicherheit Tazio, ohne Ciel und Linhard, sie sind verblendet", bat Verrill und steckte ihr Schwert ein.

    Verrill schaute Nathan in die Augen und schüttelte sanft den Kopf.


    "Will er Almanien teilen bevor er als großes Ganzes vereint wurde? Ich hätte schweigen sollen, so wie immer. Sag ihm, ich führe gegen niemanden Krieg. Krieg hat uns schon genug gekostet, aber sollte er Ledwick angreifen, wer wir uns verteidigen", sagte Verrill und drückte Nathan.


    Langsam stand sie auf und verließ ebenso die Kajüte.

    "Wir werden hinabsteigen und Du wirst ihm zuhören. Was denkst Du denn von Leon? Er war ein Wächter des Wissens und hat Vater beigestanden. Er hat ihn beschützt Ciel. Denk doch nicht gleich schlecht von jedem. Dunwolfs Ernährung scheint Dich nicht zu stören.Was die Sicht auf Horatio und die Nekromantie anbelangt, da magst Du Recht haben, dennoch ist es kein Frevel. Es ist ein anderer Weg, wenn die Not am größten ist. Und jetzt hör auf so bösartig zu sein", verlangte Verrill, "sonst gehe ich mit dem fremden Schlüsselmeister allein und erzähle Dir, was wir gefunden haben!"