Beiträge von Richard von Wigberg

    Bruno richtete sich auf und sie saßen somit noch ein Stück höher.


    "Habt keine Angst, ich renne nicht. Es reicht wenn ich ganz normal gehe, da seid Ihr schon etwas schneller. Einen Sattel gibt es nicht für mich, aber vielleicht würde ein Seil etwas nützen? Ob wir Deine Familie hätten beschützen können Dorian, dass kann ich Dir nicht sagen. Aber ich kann Dir schwören, dass wir es mit allen Mitteln versucht hätten. Greift jemand unsere Herren an, dann verteidigen wir sie mit unserem Leben. So verstehst Du sicher auch, dass es für mich kein angenehmes Gefühl ist, nicht einmal zu wissen wo sich Theodor aufhält. Ich weiß nicht ob er mich benötigt, ob er zurecht kommt oder vielleicht meinen Schutz braucht. Stattdessen beschütze ich dieses Haus. Nun es ist sein Zuhause, dass ist sehr viel wert. Jeder benötigt doch einen Ort wo er hingehört, aber er ist nur sehr selten hier. Drum freue ich mich Euch in die Himmellanze zu begleiten.


    Es wäre sehr schade, wenn wir eines Tages für immer verschwunden wären. Möglicherweise weint uns kaum einer eine Träne nach. Die meisten werden von uns nichts wissen. Andere werden uns nicht als schützenswert erachten. Nach menschlichen Maßstäben sind wir nicht schön, aber die meisten Menschen setzen auch falsche Maßstäbe an. Ihr beiden tut das nicht, Ihr seid vom alten Blut. Ihr seht die Welt mit anderen Augen und erkennt die wahre Schönheit hinter allem sein.


    Theodor wird Dir zuhören, wenn Du Dir einen Kamsor wünscht. Ob er Dir den Wunsch gewährt, dass weiß ich nicht. Allerdings bin ich guter Dinge. Ihr teilt das gleiche Schicksal und Du wünscht Dir jemanden, der Dich behütet. Du wünscht Dir einen Wächter, hast aber keine Möglichkeit einen zu schaffen. Du trägst keine Magie in Dir und Du kennst die alten Wege der Essenzen und Leere nicht. Er kennt sie und Ihr seid nun eine Sippe. So hat es Richard doch gesagt. Er wird Dir beistehen, ob er Dir einen Kamsor schafft oder bereit wäre mich fortzugeben weiß ich nicht. Aber anhören wird er Dich auf alle Fälle.


    Falls er Dir einen Kamsor gewährt, dann musst Du ihn unterstützen damit er ihn schaffen kann. Das wird er Dir genau erklären, ich werde für Dich sprechen und sagen wie wichtig es Dir ist. Es ist ein Herzenswunsch von Dir. Und Richard wird ganz gewiss auch für Dich sprechen und Kamloh haben wir hier, daran wird es nicht scheitern. Auf zum Altar, haltet Euch gut fest", sagte Bruno freundlich und lief auf seinen langen Beinen zu jenem Ort, den er angekündigt hatte.


    Dort angekommen schob er die Tür auf, duckte sich hindurch und blieb vor dem Altar stehen.

    "Der Altar oder der Schrein der Drei. Oder wie Ihr dachtet, die Männer mit Zopf auf der Stirn", sagte Bruno verschmitzt.


    Altar

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    Bruno kicherte, was bei seiner Größe und seinem Äußeren unheimlich wirkte.


    "Nun ich habe ihn gebissen, zusammengepresst und dann verschluckt. Sein Schädelknochen bereitet mir keine Probleme. Generell bereiten Knochen uns Kamsor keine Probleme, unsere Mägen verdauen so etwas. Unsere Magensäure ist sehr effektiv. Du kannst Dich zwischen meinen Vorder- und Hinterkörper setzen oder direkt auf mein Adomen also dem Hinterleib. Ja natürlich dürft Ihr Euch festhalten, aber ziept mich nicht", lachte Bruno gut gelaunt und wiegte sich hin und her, wie er bei guter Laune stets tat.


    Richard schaute zu Dorian auf und kletterte ebenfalls behutsam auf Brunos Rücken. Er setzte sich auf den breiten Hinterleib und nahm im Schneidersitz Platz. Vorsichtig griff er dem Kamsor in die schwarzen Haare und hielt sich fest. Schaute man von unten zu Bruno auf, hatte das Wesen schon eine beeindruckende Größe. Aber auf ihm zu sitzen und hinunter zu schauen, war etwas ganz anderes. Richard stellte sich vor, wie es wohl in alten Zeiten gewesen war. Hatte man die Kamsor ähnlich wie Taudisschwingen auch als Reittiere genutzt? Allein die Vorstellung das ein Haus mit Wesen wie Bruno in die Schlacht zog, war beeindruckend und beängstigend zugleich. Zumal er gesehen hatte, wie Bruno Wände und Decken erklimmen konnte.


    Hätte er selbst eine Schlacht mit einem Kamsor führen müssen, hätte er sich in ein Haus eingeschlichen und den Feinden von der Decke aus aufgelauert. Allerdings hätten sie dafür einen Sattel und eine Gurtsicherung benötigt. Aber so klug waren die alten Laurenloffs sicher auch. Nur hatten die anderen Häuser ihre eigenen Geschöpfe und Untertanen. Keines der Häuser hatte so lange bis Asa Karane überlebt, weil sie Stümper waren. Aber auch die Besten konnten fallen, wenn ein mächtiges Bündnis gegen sie stand oder sich der Erzhexer einen Fehler erlaubt hatte. Dann war sein Haus dem Untergang geweiht.


    Richard spürte auf Brunos Rücken, die Macht einer längst vergangenen Zeit. Eine Macht über die auch ihre Familie geboten hatte, über eine Magieform die heute als ausgestorben galt und die einige wenige Personen noch beherrschten. Bruno zu verlieren würde bedeuten nicht nur einen Freund zu verlieren, sondern auch das gesamte Wissen um Geschöpfe, die es dann auf der Welt nicht mehr geben würde. Bruno war ein Endling, der letzte seiner Art - genau wie sein Herr. Würden sie in die Leere eingehen, wäre das Wissen für immer verloren. Allein der Gedanke daran schmerzte Richard.


    Richard suchte den Blick von Dorian und fragte sich, ob dieser ganz ähnlich dachte. Sie beide hatten Bruno direkt ins Herz geschlossen und Wigbergs waren keine Personen die ihr Herz verschleuderten oder mit jeder daher gelaufenen Person Bruderschaft trinken würden. Sie waren zurückhaltend und warteten ab. Sie waren Lauerjäger, auch was Zuneigung anging. Man musste sie schon überzeugen und Bruno hatte dies geschafft. Möglicherweise war der Umstand dass er derart exotisch und selten war, ein großer Teil der den Reiz ausmachte. Aber damit wurde man dem Kamsor nicht gerecht und ihnen selbst auch nicht. Die Neugier herrschte schließlich auf beiden Seiten.


    Die Vorstellung von Bruno, dass sie im Wasser aufweichen würden, war witzig. Wobei sich Richard fragte, woher er den Unsinn hatte oder ob er Halbwissen aufgeschnappt hatte. Nun der große Kamsor hatte es gut gemeint und wollte sie sicher nicht als Wellfleisch aus dem Altwassertank fischen müssen. Und wer wusste, was dort im Tank hauste bei diesem Haus?


    Richard tippte Dorian gut gelaunt auf den Rücken, um zu zeigen dass er bereit war loszureiten.

    "Dorian hat Recht, er wird Dich nicht zurückschicken. Dazu besteht überhaupt keine Veranlassung. Zumal sollte Theodor uns hier abholen, dann sieht er das wir Dich mitnehmen wollen. Sollte er damit ein Problem haben, wird er es direkt ansprechen und wir können die Sache aus der Welt schaffen. Aber so wie ich ihn kenne, wird er nichts dagegen haben. Sprich wir werden ihm sagen, dass wir uns mit Dir angefreundet haben und Dir die Himmelslanze zeigen möchten. Was sollte er dagegen haben? Und wie Dorian schon sagt, notfalls lassen wir uns etwas einfallen. Theodor wird weder wütend noch stinkig reagieren, das ist nicht seine Art. Schlimmstenfalls möchte er wissen, weshalb Du mit möchtest und da haben wir so viele Gründe, dass seine schlichtweg untergehen werden und wir sind zu dritt", schmunzelte Richard und schnappte sich seinen Kulturbeutel.


    "Das er ungehalten reagiert habe ich nicht befürchtet, sondern dass er es verbieten könnte. Ich vertraue Euch. Bleibt nicht zu lange im Wasser, ich habe gehört dass Menschen dann aufweichen und mir ist keine Gegenmaßnahme bekannt um Euch wieder in feste Form zu bekommen. Also passt bitte selbst auf", antwortete Bruno gut gelaunt und tätschelte Dorian mit einem seiner Vorderbeine zurück.


    Richard nahm sehr dankbar die umsichtige Handlung von Dorian an. Während dieser sich zum kleinen Gäste-WC führen ließ, nutzte er die Gelegenheit sich zu duschen und zeitgleich zu rasieren. Die Duschkabine stand neben der großen Badewanne die verlockend und einladend wirkte. Allerdings hatte Richard nicht vor, die Zeit dösend in der Wanne zu verbringen. Der Tag war frisch angebrochen und es gab noch ein ganzes Herrenhaus zu entdecken. Lediglich von der ersten Etage hatten sie zwei Lagepläne. Der Rest war ein Mysterium, dass es zu ergründen galt. Und wer wäre dafür besser geeignet, als zwei Wibergs?


    Gäste-WC

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    Als Dorian eintrat, war Richard gerade dabei sich abzutrocknen und anzuziehen.


    "Danke für Deine Rücksichtnahme. Und wie sah das kleine Gäste-WC aus? Hier hat mich die Badewanne angelacht, aber ich habe ihrem Ruf widerstanden. Immerhin haben wir heute wichtigeres zu tun, als uns im Bad zu entspannen. Heute geht es auf Entdeckungstour. Ich überlasse das Bad gleich Dir", versprach Richard und zog sich fertig an, um sich dann zu kämmen.

    "Ja so ist es, ich begleite Euch in die Himmelslanze. Hoffentlich schickt mich Theodor nicht wieder zurück. Das Haus wird bestimmt teuer sein, mit dem Grundstück und alles was drin ist. Aber das fragt Ihr ihn besser selbst, was ich als teuer empfinde, hat keinen Maßstab", lachte der Kamsor und machte eine winkende Bewegung mit einem seiner Vorderbeine.


    "Da es Dich drückt, werde ich Dich sofort ins Bad führen. Denn wenn man muss, muss man. Das ist ein genereller Spruch und keiner der Leere, nur damit Ihr ihn nicht versehentlich rezitiert", grinste Bruno und betrachtete Dorian und Richard.


    "Da hast Du wirklich Deinen Spaß dran was? Ich würde mich gerne rächen und Dich durchkitzeln, aber bei meinem Glück bin ich dann voller Kaffeeflecken und Ihr beiden bekommt nichts ab", antwortete Richard und versuchte krampfhaft nicht rot anzulaufen. Was selbstverständlich nicht gelang, je heftiger er es versuchte. Als Strafe knuffte er Dorian gespielt vors Kinn.


    Bruno gab die Führung und führte die beiden zu dem kleinen Gäste-WC.

    "Hier ist das Gäste-Bad mit WC. Es ist hell und freundlich und sehr sauber. Nur zu, macht Euch frisch", forderte Bruno die beiden auf.


    Gäste-Bad

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    Bruno nickte beipflichtend und hob ein Spinnenbein wie einen Zeigefinger.


    "Selbstverständlich meine ich Richard. Er passt auf Dich auf, er sorgt für Dich, er beschützt Dich, er handelt wie ein Kamsor oder wie ein wahrer Freund. Richtig wir kommen schneller voran, aber viel wichtiger ist es, dass Ihr auf meinem Rücken sicher seid. Festhalten müsst Ihr Euch schon selbst, dass kann ich nicht gewähren. Solange Ihr in meiner Nähe seid, wird Euch nichts geschehen. Das verspreche ich Euch, Ihr müsst keine Angst haben. Allein werdet Ihr die Keller aber niemals aufsuchen. Das müsst Ihr mir versprechen. Möchtet Ihr jetzt den Altarraum sehen? Er ist nicht weit entfernt und Ihr werdet dann einiges verstehen. Das hoffe ich zumindest. Den Rest zeige ich Euch stückchenweise, so ist es am Besten", warf Bruno ein und stand auf.


    Richard legte Dorian ebenfalls einen Arm um die Schultern.


    "Mitleid sollte nicht einfach nur empfunden werden, sondern es sollte einen dazu veranlassen zu helfen. Jemanden einfach nur zu bedauern, hilft ihm nicht aus seiner Situation. Nur gibt es leider Situationen die kann man nicht ändern oder erträglicher machen. Da steht man vor einem Problem wie vor einer Wand und weiß nicht weiter. Alles was man in so einem Fall tun kann, ist einen Umweg zu einem neuen Ziel suchen und gemeinsam mit dem Betroffenen durchhalten. Was man alleine nicht erträgt, wird zu zweit vielleicht irgendwie erträglich. Ob man reden mag oder eine Schulter zum Anlehnen benötigt, beides hast Du Dorian", sagte Richard und drückte ihn fest.


    "Das Haus hat mehr zu bieten, als Theodor denkt. Wir haben hier innere Ruhe gefunden und Du hast zurück zu Dir selbst und Deinem Lachen gefunden. Also falls er das Haus nicht mehr haben möchte, kaufen wir es ihm ab", schlug Richard schmunzelnd vor.

    Richard schmunzelte Dorian an.


    "Sibi habe ich nicht als Sklaven oder Haustier mitgenommen Dorian, sondern weil ich ihn aufziehen wollte. Nun natürlich könnte man sagen, er lebte eingesperrt und versteckt. Und dennoch war er freier als jeder seiner Artgenossen. Ich war fasziniert von ihnen und ich wollte das einer von ihnen die Möglichkeit bekommt, mehr zu werden als ein Schauobjekt. So wie Du Deine Aldos freilassen wirst und Melvin, wenn er seinen Bürgerstatus erhalten hat, so werde ich auch Sibi freilassen. Er soll ein Leben nach seinen Wünschen führen können. Dafür muss er allerdings wissen, dass er eine Wahl hat. Für Sibi habe ich das Gleiche beantragt wie Du für Melvin. Und für beide hoffe ich, dass sie den Status erhalten werden.


    Allerdings wird es für sie nicht leicht, selbst mit dem Status gibt es immer Personen die Vorbehalte haben. Nun die gab es schon immer und die wird es auch immer geben. Schließlich braucht der Mensch einen Schuldigen und da ist es immer leichter mit dem Finger auf andere zu zeigen, als sich zu fragen woran ein misslicher Umstand liegen könnte und noch besser wie man ihn behebt. Menschen hatten schon immer ihre Feindbilder.


    Wobei Naridien wohl immer noch der beste Ort ist, um ein selbständiges Leben zu führen. Schildi würde vielleicht die servierten Mahlzeiten vermissen, aber mich persönlich? Nein. Er käme in der Natur problemlos zu Recht und er ist groß und gefährlich genug sich seiner Haut zu wehren. Schildi ist nicht nur dazu da, um meine Einsamkeit zu mildern. Er ist ein effektiver Wächter, was er bewacht ist Dir bekannt.


    Warum ich meinem Vater von Dir geschrieben habe? Weil es mir das Herz gebrochen hat, Dich derart zerstört und am Boden zu sehen. Du hast so vieles benötigt, aber am wichtigsten war ein Freund. Jemand der bedingungslos für Dich da ist. Du hattest selbst genug Sorgen, einen ganzen Rucksack davon voll, der Dich in den Abgrund zog. Also was nützt es Dir, wenn ich mit Dir trauere? Was hast Du davon, wenn ich Deine Sorgen bestätige oder offen zeige, was ich empfinde? Damit ist Dir nicht geholfen Dorian. Du hast eine helfende Hand gebraucht und zwei Arme die Dich halten. Aber auch ich musste irgendwo meinen Kummer loswerden, also habe ich meinem Vater von Dir geschrieben und wie schlecht es Dir geht. Ich hatte sehr große Sorge um Dich", antwortete Richard offen.


    Bruno wartete geduldigt ab und zog währenddessen seinen Schlundkiefer in seinen Rachen zurück, so dass sein Gesicht wieder die bekannte Form hatte. Glücklich nahm er einen Schluck Linsen und schaute von Dorian zu Richard.


    "Du hast einen zweibeinigen Kamsor Dorian. Danke für die pürierten Linsen. Wer sind die beiden Aldos, Melvin und Sibi? Lerne ich sie in der Lanze kennen? Ihr könnt hier die Kamloh kennenlernen, am besten setzt Ihr Euch auf meinen Rücken. Betrachtet sie und genießt es, sie stammen aus einer längst vergangenen Zeit. Ich werde Euch viele schöne Dinge zeigen", freute sich Bruno und schlürfte die Suppe durch den Halm.

    Richard beobachtete ebenso Bruno und war heilfroh darüber, dass der Kamsor sie nicht gebissen hatte, oder gar in Erwägung gezogen hatte sie zu fressen. Niemals kam ihm ein Schlüssel wertvoller vor, als in diesem Moment.


    "Nein ein Tier kann keinen Partner ersetzen, aber es kann einem ein sehr guter Freund sein. So gut, dass es einen davon abhält jeden Lebensmut zu verlieren. Und manche Personen sind derart einsam und verloren, dass für sie nur noch ihr Tier ihr Gefährte ist. Dieses Wesen nimmt nicht den Part eines Partners ein, sondern es ist der einzige Freund und Vertraute Dorian. So wie ein Haustier von seinem Herrn abhängig ist, ist es dieser "Herr" seelisch von dem anderen Geschöpf. Er hat keine anderen Bezugspersonen, die anderen Personen in seinem Leben sind seine Foltermeister. Das ist das wahrhaft traurige an den Hohenfelde-Hunden, wofür sie stehen. Natürlich steht ein solcher Hund für Treue, aber er steht auch für völlige Vereinsamung.


    Ich frage mich, ob auch Dunwolf der Älteste einst einen Hund besessen hat und ich frage mich, wann der erste Hund angeschafft wurde. Sprich wer begann damit? Wer war derart einsam, dass er ohne Hund nicht existieren konnte? Oder wer war so perfide, jemanden einen Hund an die Seite zu geben, um ihn ans Leben zu ketten dass er dem anderen selbst zu Nichte machte?


    Valerian wird sich darum kümmern oder hat es bereits Dorian. In solchen Dingen ist er ehrlich und er meint es mit Melvin gut. Ebenso wollte er sich um Sibi kümmern. Wir werden ihn nach unserer Rückkehr fragen, falls er nicht selbst auf uns zukommt. Nein ich selbst möchte auch keine Sklaven halten, wobei ich Sibi nicht als Sklave sehe oder Schildi. Würde ich Schildi morgen in einen Teich werfen, würde er davon schwimmen und überleben. Vermutlich hätte er mich schon vergessen, während er noch über das Wasser fliegt und bevor er untergeht und losschwimmt. Wer weiß?", sagte Richard nachdenklich.


    Alles was Bruno erreichte war, einige Linsen zu verspeisen und einen Teil zu verschütten.

    "Gibt es ein Röhrchen für Linsen?", fragte er betrübt.


    "Manchmal erscheint es mir so, als wären Menschen besser für eine Symbiose mit anderen Spezies geeignet, als unter ihresgleichen zu leben", warf Bruno ein und zuckte mit den vier Vorderbeinen, ein Schulterzucken nachahmend.

    "Vielen lieben Dank Dorian. Nun siehst Du auch hier ergänzen wir beide uns, Du siehst was Euch trennt, ich sehe was Euch verbindet und gemeinsam sehen wir somit alles. Ist das nicht genau so, wie es sein soll?", fragte Richard schmunzelnd und hob den Löffel.


    "Guten Appetit Ihr Lieben und Danke an den Koch", grinste er.


    "Wir sind leider ohne Partner, aber ich hoffe allein sind wir nicht mehr Dorian. Weißt Du welche Gedanken ich mir einmal über Miles gemacht habe? Jeder Hohenfelde hat einen Hund nicht wahr? Irgendwie haben so manche Hunde dafür gesorgt, dass ihre Herren trotz aller Qual überlebt haben. Denke nur an den Hund Siman von Davard von Hohenfelde. Valerian hat keinen Hund als Kind geschenkt bekommen. Er bekam stattdessen einen Fuchs. Und genau wie Siman und alle anderen Seelengefährten die es in der Familiengeschichte gab, hat der Fuchs sein Überleben gesichert. Wie Servatio an den Fuchs gekommen ist, kann man sich denken. Aber was am Ende daraus wurde, dass hat er vermutlich weder geplant noch gewollt. Das waren einmal meine Gedanken dazu", warf Richard ein und nahm genüsslich einen Löffel Linsen zu sich.


    "Meinem Vater hatte ich einst von Dir geschrieben Dorian, allerdings nur Gutes", schmunzelte er genauso von Herzen zurück.


    Bruno nickte stumm und betrachtete die Linsen, als würde er alle Antworten in dem Eintopf finden.


    "So ist es Brauch, wenn der Körper des Herrn den Flammen übergeben wird, dann hocken wir uns auf ihn und folgen ihm in die Leere. Aber die Herren waren schon fort, also musste es so geschehen. Damit sie folgen konnten. Was Du sagst, ist ein sehr schöner Gedanke Dorian, dann ist noch etwas von ihnen da. In den Bäumen, im Garten, überall rund um das Haus", antwortete Bruno und betrachtete die Linsen eingehend.


    Bruno hockte sich ganz nah vor den Tisch und lockerte seinen Kiefer. Einen Augenblick später sahen Dorian und Richard weshalb. Der Kamsor öffnete seinen Mund und zwar so weit, wie sie es nicht für möglich gehalten hatten. Die seltsamen Falten aus seinem Gesicht ergaben somit auch schlagartig Sinn, sie waren die Haut die er für die Bewegung benötigte. Der Unterkiefer klappte extrem weit nach unten und die Lippen hingen wie schlabberige Lefzen herab. Zeitgleich schob sich ein zweiter Kiefer aus Brunos Schlund nach vorne. Als er ihn aufriss klappten gewaltig lange Fangzähne aus dem zweiten Ober- und Unteriefer. Beide Kieferhälften teilten sich ein Stück und die beiden Wigbergs sahen, wie beweglich diese gewaltigen Bisswaffen waren. Allerdings schnappte Bruno nicht nach seinen Freunden sondern versuchte so die Suppe zu essen.

    "So verschieden sind unsere Auffassungen nicht, denn ein Grund zu leben ist auch für seine Freunde da zu sein. Falls Du einen Zweck erfüllen musst. Dein Wohlbefinden muss sich nicht nur auf Dich beziehen, schau ich bin auch ein egoistischer Mensch. Ich versuche alles in meiner Macht stehende, dass es jenen Menschen die mir etwas bedeuten besser geht und dass sie sich wohl fühlen. Das sorgt dafür, dass auch ich mich wohl fühle. Wenn Moritz in diesem Zustand glücklich ist, dann soll er es sein. Mein Glück setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen und eine davon sind jene Personen die mir wichtig sind.


    Du weißt doch wofür Du lebst Dorian. Du lebst dafür, dass Du für Deine persönlichen Ziele kämpfst. Bedenke was wir beide erreicht haben. Der Bücherwurm oder die Empfangsdame, nicht wahr? Das sollte uns erst einmal einer nachmachen. Wir haben einen gemeinsamen Traum, ihn am Leben zu erhalten ist ein sehr großes Ziel Dorian. Wir werden es eines Tages in gute Hände weitergeben, dass hoffe ich jedenfalls.


    Valerian konnte Dir nichts geben außer Schutz und Unterschlupf, da er selbst nicht weiß wer er ist Dorian. Aber er hat einiges gelernt und das dank Dir. Manchmal frage ich mich, warum er all seine Fähigkeiten nicht für etwas Positives einsetzt. Er hat Freude daran etwas zu erschaffen, keines seiner Geschöpfe im Zoo ist gesichert. Aber das was er beruflich geschaffen hat, ist ein Abziehbild von Servatio. Manchmal frage ich mich, was er hätte erreichen können hätte er all seinen Verstand dazu gebraucht um etwas Gutes zu schaffen. Nicht Geschöpfe die andere vernichten, sondern was würde er schaffen können für uns und unsere Sippe oder sogar für alle, wenn er sich dahinter klemmt und es ernst meint? Seine Spielereien zeigen mehr von ihm, als seine tatsächliche Arbeit.


    Miles kann Dir viel geben und er ist auch bereit dazu. Ihr seid nur sehr hart aneinander geraten Dorian. Ihr beiden wart befreundet und ich hoffe für Euch beide, Ihr seid es noch. Der Mann mag Dich sehr. Soweit ich weiß, wollte er Dir im Wenn-Fall sogar sein Kind anvertrauen und Du wolltest es aufziehen, sollte ihm etwas geschehen. So etwas sagt man nicht leichthin.


    Ebenso verhält es sich auch mit Tekuro oder Bellamy, die bei uns wohnen. Weißt Du was sie alle verbindet, einschließlich Dich?

    Ihr seid allein. Absolut und unbarmherzig allein. Manche von Euch hatten von Anfang an niemanden, der sich für sie interessierte. Sie mussten sich komplett allein durch das Leben schlagen, wie Tekuro und Bellamy. Anderen wie Miles nahm man die Familie in seiner Kindheit und trotz seiner Adoption war er bis auf Valerian alleine. Und Valerian? Er hatte eine Familie, aber ich glaube er wäre besser dran gewesen, er hätte keine gehabt.


    Und Du? Dir hat man die Familie entrissen, so dass Du ebenfalls in den gleichen Abgrund gestürzt bist. Theodor hat das Gleiche erlebt, ich weiß allerdings nicht wie und wodurch.


    Du suchst einen Sinn Dorian, Du hast ihn gefunden. Es ist doch kein Zufall, dass Ihr Euch alle gefunden habt oder? Jene die alles verloren haben, jene die ein Halt und eine Familie benötigen finden auf unerklärliche Weise zusammen. Dein Zweck war und ist es, sie alle zu vereinen. Ihnen zu zeigen, dass es einen anderen Weg gibt, als den der Einsamkeit und Finsternis. Du hast sogar die Unbelehrbaren belehrt Dorian und da sprichst Du davon Du hättest keinen Zweck?


    Wie ich bereits einmal sagte, Du solltest Dich nur einmal mit meinen Augen sehen.

    Ich glaube in dem Fall würdest Du rot werden Dorian.


    Halte Dein Glück fest und versuche es zu vermehren. Du bist ein wunderbarer, liebevoller und sehr warmherziger Mensch Dorian. Du bist wertvoll auch wenn Du es nicht siehst, ich sehe es.


    Du hast selbst gesagt, wir sind keine Maschinen, folglich wirst auch Du kein Teil einer Maschinerie. Das wir alle verschieden sind, trägt auch dazu bei, dass sich unser Wissen vermehrt, dass darfst Du nicht vergessen. So können wir ein Thema von vielen Seiten beleuchten. Ich mache mir immer für meine Lieben Hoffnung Dorian, da sind wir nun verschieden", lachte Richard gut gelaunt.


    "Die Aussage finde ich betrüblich, ich denke würdest Du sehen wie ich speise, würdest Du Deine Aussage widerrufen. Und ich würde Dich nicht fressen. Selbst wenn Du mich darum bittest", gab Bruno zu bedenken und nahm noch einen Schluck Kaffee.


    "Theodors Familie starb bei einem Schiffsabsturz. Falls der Absturz die Familienmitglieder nicht alle getötet hat, starben sie danach, denn das Wrack brannte völlig aus. Die Leichen waren nur noch schwarze Briketts. Seine Familie war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Er selbst ist an dem Tag nicht mitgeflogen. Theodor war krank und musste das Bett hüten. Als die Büttel hier waren und es ihm mitgeteilt haben, da starrte er sie nur an. Er sagte keinen Ton und kehrte in das Haus zurück. Sein Blick war das Grauenvollste was ich je gesehen habe. Ich sah in seinen Augen, dass ein Teil von ihm mit seiner Familie gestorben war. Er sprach nie wieder einen Namen von den seinen aus.


    Vorher war sein Vater einmal sehr krank, er hatte bei einem Unfall einen Arm verloren. Das er einige Implantate getragen hat, erkennt man sogar auf dem Bild. Thorsten war ein ruhiger und sehr lieber Mann, die ganze Familie ist eigentlich so.


    An dem Tag wo die Kamsor erfahren haben, dass ihre Herren tot sind, gingen sie freiwillig in die Leere. Ich weiß noch, dass ich sie nach draußen schaffen musste, hinten in den Hof. Dort haben wir sie verbrannt und stumm den Flammen zugeschaut, die auch den Rest unserer Familie fraßen. Es war Nacht und die Funken stieben in den schwarzen Himmel empor. Wohin sie auch immer geweht sein mögen", erzählte Bruno leise.

    "Ob wir Dich von Gegenteil überzeugen sollen oder nicht, spielt für mich keine Rolle Dorian. Dennoch werde ich niemals müde werden, es zu versuchen. Weder bei Dir, noch bei Theodor. Du sollst ihn nicht überzeugen, er soll auch nicht auf Dich hören. Du hast hier zurück ins Leben gefunden, wie Du uns selbst gesagt hast. Was hat Dich zurück ins Leben finden lassen? Was hat Dir Dein Lachen zurückgegeben? In welchem Moment hast Du beschlossen, so bescheiden auch alles ist, das Leben kann dennoch schön sein und hier mit meinen beiden Freunden ist es schön? Wo und in welchem Augenblick hast Du das gesehen und vor allem gefühlt? Das Dorian ist der Augenblick Deiner Wiedergeburt, den ich Dir von Herzen wünsche.


    Jenen Moment und jenes Gefühl sollst Du Theodor beschreiben, Du als Betroffener. Dein Wort und Deine Erfahrung hat hundert Mal mehr Gewicht als meines. Du verstehst ihn wirklich und ich hoffe für ihn, er versteht Dich. Dann wird er so hoffe ich, dass Gleiche empfinden können, sobald er sich drauf einlässt.


    Ich möchte keinen von Euch beiden verlieren, Ihr seid mir lieb und teuer. Schau Dorian, niemand braucht den anderen wirklich. Legen wir alle unsere Hand aufs Herz, dann wissen wir, jeder von uns könnte völlig alleine überleben. Brauchen wir jemanden an unserer Seite? Nein. Aber wir möchten jemanden an unserer Seite! Das ist der kleine aber feine Unterschied. Jemanden der uns nahe ist, jemand der uns ein Freund ist, der uns beisteht, uns zuhört, dem wir zuhören und ihm beistehen. Jemanden mit dem das Leben schöner ist. Was haben wir hier außergewöhnliches entdeckt bis jetzt? Eigentlich nichts. Aber wir haben einen Freund gefunden und zwar Bruno. Allein dafür war es die Reise schon wert und mehr noch, dass Du zurück zu Dir selbst gefunden hast.


    Niemand braucht uns wirklich Dorian. Auch ich brauche Dich nicht Dorian, aber ich möchte Dich in meinem Leben und an meiner Seite haben. Wie viel schöner ist alles, was man teilt? Bruno ergeht es nicht anders, sonst wäre er auch nicht in der kurzen Zeit so aufgeblüht. Also sprich nicht von Dir, als wärst Du ein Gegenstand, der eine Daseinsberechtigung braucht. Du brauchst gar nichts, Dein wahrer Lebenszweck ist zu leben und das so gut und glücklich wie möglich.


    Auch kleine Dinge können einen erfreuen und das Herz wärmen Dorian. Sei es eine Tasse Schokolade, Vanillekekse, ein gutes Buch, ein nettes Gespräch oder ein Ausflug mit jemanden der Dich gerne hat. Es hätte mir unglaublich weh getan, wärst Du gegangen", antwortete Richard mit einem wehmütigem Lächeln.


    "Zu den Linsen, ja ich esse sie aber ich fand es gerade seltsam in Kombination mit dem Kaffee. Wobei das Getränk vielleicht keine Rolle spielt. Testen wir es einfach aus", schmunzelte er.


    "Du wolltest dass ich Dich fresse?", fragte Bruno irritiert und besorgt zugleich.

    Richard quittierte Dorians Rücksichtnahme mit einem dankbaren Lächeln. Ebenso freute er sich über den Extrakaffee für Bruno, er selbst hätte daran denken können. Allerdings hatte er abgewartet, ob der Kamsor überhaupt Kaffee trinken wollte. Es wäre schade um das bisschen Kaffee gewesen, dass sie zur Zeit besaßen, falls sie ihn hätten wegschütten müssen.


    "Schütte bitte Zucker und Weißer in meinen Kaffee", freute sich Bruno und hörte Dorian aufmerksam zu.


    "Am Röhrchen saugen, alles klar Danke. Nein ich wusste nicht, dass dieses Zitat von den Rakshanern stammt. Theodor sagte es öfter, wenn er Kaffee trank.


    Richtig ausgelegt möchte die Lehre der Leere einem nicht alles Gefühl rauben, es geht darum nur im Hier und Jetzt zu denken. Sich auf den Moment zu konzentrieren und ihn auszukosten, denn Du hast nur diesen Moment. Was war ist vergangen, ob etwas nach diesem Moment kommt weißt Du nicht. Also lebe diesen Moment, lass Dich nicht von Regeln, Normen, Meinungen davon abhalten. Denn sie sind von anderen gemacht, sie sind für Dich und Deinen Moment bedeutungslos.


    Aber dieser Grundsatz sagt genau das Gegenteil von dem aus, was Du empfiehlst. Nach der Leere lebt man dass, was man gerade empfindet und blendet seine eigene Zukunft aus und versucht die Vergangenheit zu vergessen. Allerdings kann die Lehre der Leere dahin gehend auch sehr selbstschädigend sein. Folgst Du jedem Impuls und jedem Verlangen ohne Rücksicht auf Verluste und Deine eigene Geschichte, nimmst Du auch keine Rücksicht auf Dich.


    Die Leere kann Schmerz verschlingen, sie kann Hoffnungslosigkeit verzehren, aber sie kann einen auch selbst verschlingen folgt man ihr Wort für Wort. Es ist wie vieles Auslegungssache.


    Möglicherweise würde es Theodor besser gehen, würde er aufhören ständig dem einen Moment nachzujagen und den Rest mit Scheuklappen regelrecht auszublenden. Seine Vergangenheit interessiert ihn nicht, jedenfalls gibt er das vor. Das es anders ist, weiß ich. Und eine Zukunft hat er nicht, wie er sagt. Also kann er tun und lassen was er will und mit wem er will. Was er nicht wirklich umsetzt, denn er hält sich letztendlich auch in seinem Rahmen an die Gesetze dieses Landes. Nun fast immer, permanent sicher nicht, sonst wäre ich schon verhungert.


    Du hast Dein Haus verloren und er ebenso. Ihr solltet miteinander reden, vielleicht kannst Du ihm Deine Sicht näher bringen oder das was Dich hier heilte. Das würde mich freuen, denn ich möchte nicht, dass er in die Leere eingeht durch unachtsame Handlungen. Soll er Euch jetzt schon abholen, wo Ihr noch gar nicht alles gesehen habt? Das wäre doch schade", sagte Bruno betrübt und saugte an dem Röhrchen, um Kaffee zu trinken.


    "Den Moment zu leben ist eine verharmlosende Beschreibung für selbstzerstörerisches Verhalten. Bist Du mal mit ihm im Moto gefahren? Natürlich nicht, aufgrund Deiner Größe. Allein wie er fährt, dafür könnte ich den Mann ohrfeigen. Ich möchte nicht, dass man ihn irgendwann von der Straße kratzen muss und Du hast sicher schon das Moto von ihm gesehen.


    Du nicht Dorian, er fährt einen Yamaki GTX-R. Was ein Yamaki GTX-R ist? Der Unterschied zwischen Yamaki GTX und GTX-R? Die Frage wäre, wo liegt der Unterschied zwischen einem Fahrrad und einem Aero Moto? Der Yamaki GTX-R sieht nicht nur aus abgrundartig schnell aus, er ist es auch. Bei dem Yamaki GTX-R handelt es sich um eines der schnellsten, bodengebundenen Fahrzeuge überhaupt. Das Fahrzeug wurde kaum nach Marktzulassung trotz des enormen Kaufpreises und der Limitierung extrem beliebt. Besonderen Anklang fand der GTX-R in der Unterwelt, für illegale Straßenrennen oder auch als Fluchtfahrzeug. So oder so ist der Yamaki GTX-R ein Fahrzeug, dass die Leute gleichermaßen anzieht wie auf Abstand hält. So das Werbeversprechen und es entspricht der absoluten Wahrheit.


    Dieses Abgrundgeschoss klebt wie Potoxx Klebstoff auf der Fahrbahn und beschleunigt derart, dass man vor Abfahrt Windeln anziehen sollte. Und sein GTX-R ist schwarz wie das Nichts. Ich habe keine Ahnung wie viele Tickets Miles für ihn schon löschen musste, oder umgeschrieben hat auf dienstliche Belange. Genauso wie er fährt parkt er auch. Da ist Platz und da stellt er sein Fahrzeug ab.


    Und so geht er generell mit sich um, deshalb versuche ich ihn schon in eine andere Richtung zu lenken. Ab und an gelingt es mir, er ist sogar schon mit mir im Roland mitgefahren und hat sich jeden Kommentar bezüglich der Geschwindigkeit verkniffen.


    Das Du Dich entleiben wolltest, schmerzt mich extrem zu hören Dorian. Um so glücklicher bin ich, dass Du von diesem grauenvollen Vorhaben Abstand genommen hast. Gefühle sollen nicht zu ungesundem oder gar gefährlichem Verhalten verleiten. Was immer Du empfindest, fühlst oder vorhast, Du kannst jederzeit mit mir reden Dorian. Wie gesagt, ich bin immer für Dich da, gleich was Du benötigst und wenn Du nur jemanden zum Zuhören brauchst. Bitte denke nie wieder in sochen Bahnen", bat Richard und beobachtete Dorian der mit der Dose kämpfte und am Ende den Sieg davon trug.


    "Keiner soll sich selbst das Leben nehmen, man sollte es als Geschenk betrachten. Kann es wirklich so grausam sein, dass man freiwillig auf das Leben verzichtet? Oder durch die eigenen Handlungen ein Ableben provoziert? Ich mag Euch sehr, auch wenn ich Euch nur kurz kenne. Aber das spielt keine Rolle. Ich möchte Euch nicht vermissen", sagte Bruno freundlich und schlürfte weiter seinen Kaffee.


    "Dorian mal eine Frage, warum machst Du Linsen?", fragte Richard irritiert.

    "Ich denke er möchte sie essen", warf Bruno ein.

    Richard schmunzelte verlegen bei Dorians liebevollen Worten.


    "Ja manche Eintöpfe aus der Dose sind wirklich gut. Linseneintopf gibt es und auch Nudeln aus der Dose. Wir haben für zig Tage etwas zu essen, keine Sorge", sagte Richard leichthin. Alles andere musste Dorian Bruno selbst beantworten, es stand ihm nicht zu.


    Bruno nahm einen Schluck Kaffee und genoss den Geschmack einen Moment auf der Zunge, ehe ihn herunterschluckte.


    "Er schmeckt süß und bitter zugleich, wie das Leben. Du warst allein, kein leichter Umstand. Es freut mich, dass Du Dich entschieden hast zu bleiben. Schmerz kann manchmal so groß werden, dass er Dir die Luft zum atmen raubt. Eigentlich ist es Sinn der Lehre von Chuntajar, genau diesen Schmerz zu neutralisieren. Aber welcher Lehre gelingt dies schon, wenn der Schmerz alles andere überwiegt? Wenn der Schmerz selbst zur Leere des eigenen Seins wird? Wenn er nichts hinterlässt als das Gefühl völliger Hoffnungslosigkeit und den Schlund des Abgrund in Deiner Seele öffnet?


    Wo nichts ist, findet man auch keinen Halt. Manche finden Trost im Nichts, denn es bedeutet auch, es gibt keinen Schmerz. Sich selbst und alles zu vergessen, heißt eins werden mit allem. Die Flut von Deinen Gedanken wird enden, Du wirst zur Ruhe kommen und dabei Stille und die Leere erfahren. Wenn Du es denn möchtest. Es freut mich, dass Du nicht in die Leere eingehen willst durch eigene Hand Dorian. Du bist nicht allein, Du hast Richard und mich. Und vielleicht schenkt Dir Theodor auch einen Kamsor. Ansonsten hast Du schon einen - mich", lachte Bruno gut gelaunt.


    "Sobald Ihr bereit seid zeige ich Euch den Altarraum und dann könnt Ihr Euch endlich frisch machen", grinste der Kamsor verschwörerisch.

    Richard prostete Dorian mit seinem Kaffeebecher zu und grinste von einem Ohr zum anderen, hier waren sie unter sich und was gab es schon für Normen einzuhalten? Außer jene die sie sich selbst auferlegten.


    "Von Herzen gerne Dorian, es freut mich, dass Du wieder lachen kannst. Da stimme ich Dir zu, allein dafür hat sich der Besuch schon gelohnt. Aber auch dahingehend werde ich Dich beruhigen, wir werden nicht ohne Bücher abreisen. Wir haben uns herausgenommen, wie man so schön sagt. Wir haben alles und jeden für einige Zeit hinter uns gelassen. Manchmal ist das die beste Medizin und wie Du siehst, sie wirkt. Es tut gut, Dich so glücklich zu sehen", antwortete Richard freundlich. Er stand auf und kramte in den Schränken nach etwas Essbarem.


    "Also wir haben hier ausreichend Konservenbüchsen, abgepacktes Essen dass man im Backofen erhitzen muss und Frühstücksflocken. Beim nächsten Herrenhausbesuch müssen wir unbedingt Verpflegung mitnehmen. Denk bitte mit daran", bat Richard und stellte die Frühstückflocken auf den Tisch, ehe er wieder Platz nahm.


    "Ich bin nicht traurig, ich glaube Euch dass Ihr mich mitnehmt. Was der Zopf ist? Das seht Ihr gleich. Du musst die Tasse für mich bitte festhalten, damit ich einen Schluck nehmen kann. Mit meinen Beinen kann ich sie nicht packen. Warum möchtest Du das Theodor hier ist? Und warum würde das seine Sicht ändern? Warum warst Du vorher so traurig? , fragte Bruno neugierig.

    Richard lehnte sich zurück und ein kaum merkliches Schmunzeln schlich sich in seine Mundwinkel. Man konnte es eher vermuten als sehen, vor allem da der ältere Wigberg einen Augenblick später in seinen Kaffeebecher schaute.


    "Ja bei mir ist alles in Ordnung, ich habe nur gefühlt wie stachelig ich bin, folglich wie ich wohl aussehe. Normalerweise gehe ich nicht vor die Tür, bevor ich rasiert und vorzeigbar bin. Alte Angewohnheiten sitzen tief, aber hier sind wir ja privat. Jedenfalls werte ich unseren Ausflug als ein private Abenteuer. Ich könnte Retour fragen, aber ich bin höflich genug es nicht zu tun", antwortete er mit einem verschwörerischen Gesichtsausdruck.


    Im gleichen Moment pfiff der Kessel ohrenbetäubend los und ließ Bruno vor Schreck aufspringen.


    "Warum heißt das Ding Flötenkessel? Kreischkessel wäre logischer!", zischte Bruno und starrte den Kessel anklagend an, ehe er sich wieder hinhockte und sich als Übersprungshandlung putzte, damit es nicht zu peinlich wirkte.


    Richard nahm den Kessel vom Herd, schaltete den Herd sicherheitshalber aus und überprüfte es genau dreimal, da er nicht wollte dass das Haus abfackelte, während sie Kaffee tranken. Gemütlich goss er Dorian und sich selbst den Kaffee auf, schüttete ausreichend Zucker dazu und kramte noch den Milchweißer aus dem Schrank.


    "Richtige Milch gibt es leider nicht Dorian", sagte er und rührte seinen Kaffee um, bevor er sich wieder hinsetzte.

    "Der Geruch von Feuer ist gemütlich und unheimlich zugleich. Ich probiere einen Schluck von Euch, ich habe noch nie Kaffee getrunken. Der Altar der Drei, Vater und die beiden Brüder. Also Thorsten, Thomas und Tilo. Sobald Ihr ihn seht, werdet Ihr verstehen. Ich verstehe nicht, warum Ihr Eure Haare abschabt, seid doch froh dass Ihr welche habt", sagte Bruno freundlich.


    "Wir haben Haare, nur nicht gerne im Gesicht. Der Altar der Drei, ich glaube ich verstehe was damit gemeint ist. Eine Gedenkecke für jene die ihm wichtig waren. Wo ist die Mutter und wie hieß die Mutter von Theodor?", fragte Richard und nahm einen Schluck Kaffee und lächelte versonnen.

    "Seine Mutter hieß Odilia, eine geborene Von Leuenburg zu Dallbach. Aber von ihr hat er keine Erinnerung", sagte Bruno und es klang, als wäre eine Spur Betrübnis in der Stimme des Kamsor.


    "Also hatte er zwei Brüder, oder gibt es nur von den beiden Erinnerungen?", hakte Richard nach.

    "Theodor hatte nur zwei Brüder, dass ist richtig", sagte Bruno und hielt ein Vorderbein über den Kaffee von Dorian.


    "Er hat nie von seinen Eltern oder Brüdern erzählt, er hat auch nie von Dir erzählt. Er erzählte nichts von seinem Hintergrund und wenn ich ehrlich bin, weiß ich auch nicht viel über ihn selbst. Nur dass, was ich gemeinsam mit ihm erlebt habe. Sprich seit dem er in der Himmelslanze wohnt. Aber ich kenne die Antwort, sie sind fort, es ist unnütz über sie zu reden. Es bringt sie ja nicht zurück. Dann ist die Frage, wieso hat er einen Altar und Bilder, ich vermute von seinen Brüdern gibt es ebenso Bilder", warf Richard ein und nahm noch einen Schluck Kaffee.
    "Das ist richtig, Du bringst niemanden aus der Leere zurück, wenn Du über ihn sprichst. Alles was Du zurückbringst, ist Deinen eigenen Schmerz. Also spricht er nicht über jene die gegangen sind. Aber das heißt nicht, dass er sich nicht erinnert. Das er nicht über mich spricht, nun warum sollte er?", erklärte Bruno eine Spur zu ruhig.

    Richard drehte sich in Zeitlupe zu Dorian um und blinzelte erstaunt.


    "Ich soll das Gas andrehen und anzünden? Sollen wir vorher lieber die Bücher aus dem Haus bringen? Also allein bei der Vorstellung habe ich ein sehr ungutes Gefühl. Naja aber vermutlich geht es nicht anders", antwortete Richard während er zurück zum Herd blickte. Er kramte erneut in den Schubladen und brachte ein Stabfeuerzeug zu Tage.


    "In Ordnung. Also selbst bei einem Herd ist hier alles anders, da lobe ich mir dieTokuma Kanegi Vollautomatika Kichynetta, nur leider kann sich die keiner einfach mal eben so leisten. Bei dem Haus hier gehe ich allerdings davon aus, dass sich Theodor eine kaufen könnte. Und den Job bei uns nicht nötig hat. Nun jedenfalls nicht, was das Geld anbelangt. Allerdings ist das ein voreiliger Schluss und ich rede nur wie ein Wasserfall, da ich gerade etwas Muffensausen habe den Herd anzuzünden", gestand Richard verlegen ein.


    Er drehte den Herd auf kleinster Stufe auf, zündete das Feuerzeug an und hielt die Flamme an die Herdplatte. Die Flamme des Herdes erwachte zum Leben und Richard atmete erleichtert aus.


    "Das war gar nicht schlecht für den Anfang", lobte Bruno kichernd und schaute Dorian belustigt an.

    "Danke", seufzte Richard und stellte den Flötenkessel auf die Herdplatte.


    "Was ist in dem Raum mit dem Mann, der den Zopf auf der Stirn trägt?", fragte Richard, dabei kramte er zwei Becher aus den Schränken und Instantkaffee. Großzügig füllte er Kaffee und Zucker in beide Becher und nahm gegenüber von Dorian am Tisch Platz.

    "Ein Altar befindet sich dort", gab Bruno zurück und beobachtete die beiden fasziniert.


    Richard zog eine Flunsch und strich sich über sein unrasiertes Kinn.

    Richard fühlte sich, als hätte er gerade die Augen geschlossen, da trommelte Bruno auf der Bettdecke herum. Quälend langsam öffnete er die Augen und hätte sich am liebsten nicht gerührt. Das Bett war weich, warm und unheimlich gemütlich. Aber wer konnte Bruno schon eine Bitte abschlagen? Zumal er sich derart freute. Richard setzte sich auf, rieb sich müde über das Gesicht und kämmte sich mit den Fingern die Haare zurecht. Was sollten die beiden von ihm denken, wenn er aussah wie ein Besen.


    "Es wäre wunderbar wenn wir einen Kaffee oder Tee bekommen könnten. Und wir würden gerne ins Badezimmer gehen. Zuerst bitte mit dem Waschbecken und der Toilette und danach gerne in den Baderaum. Dorian hat Recht, Du wirst Theodor wesentlich besser in der Himmelslanze dienen können. Er wird vielleicht überrascht sein, aber damit muss er leben. Es kommt schließlich alles so, wie es kommen soll nicht wahr? Wir benötigen ein Com, sprich wir müssten Theodor anrufen. Habt Ihr so etwas im Haus?", fragte Richard und stieg aus dem Bett.


    Für einen Moment fror er, dennoch nahm er seinen Kulturbeutel und seine Kleidung und deutete auf die Tür.


    "Die Himmelslanze reicht sie bis in den Himmel? Ich bin einverstanden Euch zu begleiten. Die Geräusche stammen von allem hier Dorian, von den Leitungen, von den Böden, von den Speichern. Du wirst es sehen, sei unbesorgt. Ein Com haben wir nicht, niemand benötigt so etwas. Ihr könntet in den Krämerladen gehen, unten am Pass, dort werdet Ihr sicher so etwas finden. Mein Herr bringt solche Geräte selbst mit, sobald er hier zu Besuch ist", erklärte Bruno hilfreich.


    "Zuerst führe ich Euch in die kleine Küche. Dort gibt es in den Schränken Kaffee und auch Tee. Es sind immer Vorräte dort. Ansonsten gehen wir in die größere Küche. In die Hausküche nicht, sie ist riesig und kalt. Sie wurde ewig nicht benutzt und dort findet Ihr nichts, was Ihr benötigt. Danach führe ich Euch in die Bäder. Seid Ihr bereit?", fragte Bruno fast schon aufgekratzt und gab den Weg vor.


    Der große Kamsor führte die beiden Gäste einige Räume weiter, weit hatten sie nicht zu laufen, dann blieb er stehen und schob Dorian und Richard in eine kleine, gemütliche Küche. Sogar ein Radio war vorhanden, ein Com allerdings nicht.


    Küche

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    "Ihr wisst wie man Kaffee oder Tee zubereitet? Dafür müsst Ihr den Wasserkessel mit Wasser füllen, auf den Herd stellen und es erhitzen. Und dann gießt Ihr es über das Kaffeepulver oder über den Tee. Ich kann Euch da nur mit Rat zur Seite stehen", erklärte Bruno der sich mit in die Küche quetschte.


    "Danke für den Tipp, dass bekommen wir gemeinsam hin Bruno", lächelte Richard und durchstöberte die Schränke nach dem Flötenkessel. Als er ihn gefunden hatte, drehte Richard den Wasserhahn auf, der ein schauerliches Geräusch von sich gab. Er quietschte, bullerte und gluckerte, ehe braunes Wasser aus der Leitung kam. Es dauerte einen ganzen Moment, dann wurde es klar. Die Leitungen waren alt, dass stand fest. Richard füllte das Wasser in den Kessel und stellte ihn auf den Herd.


    "Weißt Du wie man so einen Herd anzündet?", fragte er Dorian etwas verzweifelt.

    Richard aß in aller Ruhe noch sein Brot auf, wischte sich am Papier die Hände sauber und schaltete das Licht aus. Im Dunklen tapste er zurück ins Bett und kroch zurück unter die Decke.


    "Du auch Dorian, schlaft gut Ihr beiden. Morgen früh müsstest Du uns bitte einmal das Bad zeigen Bruno. Wir würden uns gerne frisch machen. Das heißt Duschen oder Baden, wäre sehr angenehm. Deine Aufgabe ist es über Theodor oder seinen Besitz zu wachen. Theodor befindet sich in der Himmelslanze Bruno. Das ist ein Haus ähnlich einem Turm aus Panzerglas und Stahl. Es ist ein vertikales Dorf, wie alle Türme dieser Art. Du wärst erstaunt, was es dort alles gibt.


    Jedenfalls hat Theodor dort eine Wohnung, er lebt dort. Folglich kannst Du ihn auch dort beschützen und seinen Besitz bewachen. Falls Du Bedenken hast, dass das Herrenhaus unbewacht ist, dann lass doch die Keller-Kamloh das Haus bewachen. Dann könntest Du auch untersucht werden, was genau Du bist. Sprich man würde Dir Blut abnehmen und Dir sagen können, ob Du geschlechtslos bist, was wir nicht glauben. Nun jetzt aber erstmal gute Nacht, schlaft schön und träumt was Schönes", wünschte Richard den beiden und schloss die Augen, auch wenn er noch lange nicht schlafen konnte. Seine Gedanken kreisten um Bruno, die Bibliothek und das gesamte Haus.


    Bruno hielt still und ließ sich bereitwillig von Dorian kraulen.


    "Euch auch eine gute Nacht. Das Bad hat ein Klo und ein Waschbecken, falls Ihr ins Wasser wollt müsst ihr in den Baderaum. Ich werde Euch hinführen. Er ist sehr gemütlich und aufgestellt ist dort ein altes Relikt. Ein Rundstein. Wofür er einst gewesen ist, weiß ich nicht. Und warum man ihn mitschleppte, weiß ich noch weniger. Aber er passt in den Baderaum, Ihr werdet es sehen. Ansonsten gibt es noch einen kleinen Baderaum, auch den werde ich Euch zeigen. Aber den großen könnt Ihr gemeinsam benutzen, da passt Ihr zu zweit rein. Ich werde Euch morgen früh wecken", anwortete Bruno. Er spießte das Brot mit einem seiner Vorderbeine auf, öffnete den Mund und verschlang es mit einem Bissen ohne es zu kauen.


    Dorian und Richard hörten nachdem auch Bruno schwieg die Geräusche die in einem derartigen Haus allgegenwärtig zu sein schienen. Knacken und Knarzen der alten Dielen, aus weiter Ferne hörte man eine große Standuhr oder etwas ganz ähnliches. Manchmal hörten sie so etwas wie einen Boiler der ansprang und andere Apparaturen, es schien als würde das Haus selbst leben. Vielleicht kämpfte das Haus sogar um sein Überleben, denn hier klang alles gedämpft, verzögert, so als wäre das Gemäuer selbst der Lethargie erlegen, dass sie einst so zahlreich bewohnt hatte.


    Gefühlt waren sie gerade eingeschlafen, als sie von Bruno geweckt wurden. Der große Kamsor lächelte die beiden Gäste an und klopfte mit den Vorderbeinen auf der Decke herum.


    "Aufwachen Ihr Schlafmützen", verkündete er gut gelaunt.

    Richard dachte über das Gesagte von Dorian nach.


    "Ja da muss ich Dir Recht geben, Reaktionsfähigkeit ist der Schlüssel, um so manche Katastrophe noch abwenden zu können. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass man aus der Vergangenheit und den Gründen lernen kann und sollte. Du hast Recht, das erste Konzil scheiterte an den Backfischen. Sie waren klug, raffiniert und sie waren dreist. Wir müssen reaktionsfähig und vor allem wachsam bleiben. Wachsam bedeutet ja nicht zwangsläufig frustiert. Sprich wir sollten weder pessimistisch, noch optimistisch sein, sondern realistisch.


    Dazu müssen wir aber auch wissen, wie wir passend, schnell und sicher reagieren können. Das eine schließt für mich das andere nicht aus. Wir haben so viel gemeinsam geschaffen Dorian und wir werden sicher noch einiges mehr auf die Beine stellen, das lasse ich uns nicht nehmen. Weder von einigen Backfischen, noch von anderen. Natürlich werde ich nicht alles verhindern können, ich weiß wer und was ich bin. Aber ich weiß auch, was wir beide gerissen haben. Und wir sind nicht allein, dass dürfen wir auch nicht vergessen. Allerdings waren wir der Kopf von dem ganzen Plan und dass soll uns erstmal einer nachmachen. Viele Dinge begannen mit einem Traum oder einer schlichten Idee. Es wäre schade, wenn alles scheitern würde. Wo sogar einige scheinbar Unbelehrbare sich belehren ließen", antwortete Richard freundlich.


    Bruno betrat das Zimmer und brachte seine Tasche mit. Richard krabbelte aus dem Bett, öffnete seine Tasche und entnahm seinen Schlafanzug. Einen weiteren zum Wechseln beförderte er zu Tage und legte ihm Dorian auf das Bett. In aller Ruhe zog er seine Nachtwäsche an und hörte Bruno und Dorian zu. Als das Gespräch auf den Kokon und die kleinen Spinnen kam, dachte Richard einen Moment an Sibi, der Zuhause in der Lanze in seiner Wohnung verweilte. Gedanklich sandte er ihm liebe Grüße. Dies war keine Botschaft, die Sibi je erreichen würde, Richard war kein Magier. Er war sogar ein Stumpfer, aber gute Gedanken sandte er seinem "Kind" trotzdem gerne.


    Neu eingekleidet und sichtlich glücklich darüber, kramte er in seiner Tasche und entnahm die letzten belegten Brote. Eines davon reichte er Dorian, eines nahm er sich. Ob Bruno auch ein Brot essen konnte und wollte, wusste er nicht. Er legte ihm dennoch eines hin, bevor er es sich selbst wieder im Bett gemütlich machte.


    Bruno legte sich neben das Bett und zog die Beine an, so dass er nahe bei ihnen liegen konnte.


    "Nein darüber habe ich nie nachgedacht. Meine Gedanken waren andere, ich dachte darüber nach wie schön es wäre, würde es mehrere meiner Art geben. So wie es früher war. Wo wir gemeinsam das Haus und unsere Herren hüteten. Das war sehr schön und hat mich glücklich gemacht. Ich würde sagen, da war ich glücklich. Und manchmal denke ich darüber nach, ob mein Herr selbst einmal Kinder haben wird. Dann gäbe es auch wieder einen Kamsor mehr. Es sieht nicht danach aus, ich glaube er möchte nicht. Wobei ich denke er möchte schon und möchte wiederum auch nicht. Er möchte mit niemanden näheren Kontakt haben, dessen Verlust er bedauern wurde. Deshalb sind die Bilder da und doch versteckt. Falls er sie sehen muss, schaut er sie sich an und versucht es zu verstehen. Manchmal schaut er sie nicht an. Man sieht mich nicht immer, wisst Ihr. Aber ich sehe hier viel.


    Möglicherweise ist er deshalb nicht oft hier, zu viele Erinnerungen und ich bin ein Vertrauter. Er möchte niemanden vertrautes um sich haben. Denn wäre die Person fort, dann ist die Leere in ihm noch größer. Er hat Angst dass sie eines Tages alles einnimmt und er gar nicht in sie eingeht.


    Solange ich hier alleine bin, schaue ich das seine Räume so sind, dass er jederzeit einziehen kann. Er kommt nach Hause. Die anderen Räume sind da, weil sie da sind. Manche Räume betrachte ich öfter, auch wenn sie dunkel und verwaist sind. Andere sind dunkel und gemütlich. Natürlich erinnern wir uns auch, auch wir denken an jene die fort sind. Aber wir wissen, dass keine Trauer jemanden zurückbringt. Das der Schmerz um jemanden nichts ändert. Er verändert einen selbst, man verletzt sich selbst und das obwohl man weiß, dass es unabänderlich ist. Niemand kann die Lehre vollumfänglich leben um absolut im Augenblick aufzugehen. Nicht einmal die höchsten Meister haben dies vollbracht, vermute ich", antwortete Bruno und legte eines seiner langen Beine über das Bett.

    Richard drehte sich zu Dorian und lächelte ihn freundlich an.


    "Wir können uns auch die letzten Brote teilen, das ist kein Problem für mich. Das mache ich gerne. Eine sehr gute Idee, alles zu notieren was uns Bruno offenbart. Wir müssen auch gar nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen Dorian. Wir beide nicht und ich mit Theodor ebenso wenig. Vielleicht ist es auch gerade die unterschiedliche Sicht, die unser Verständnis im Team erweitert.


    Theodor würde die Sache mit Hilarius vermutlich völlig anders sehen als Du. Nicht für Hilarius, der wäre ihm absolut gleichgültig, wäre er an Deiner Stelle gewesen. Theo würde es auf einen Nenner herunter brechen. Du musstest überleben und das war das primäre Ziel. Hilarius war der Schlüssel dazu, also bist Du den Handel eingegangen. Absolut richtig gehandelt. Du hast gefragt, er stimmte zu, also hat er keine Rechnung aufzumachen. Er wollte selbstlos helfen? Na also, dann soll er auch. Du hattest nebenbei mit ihm Spaß, er hat Dich verköstigt, er hat Dir das Leben gerettet. Super gelaufen. Die Huren hatte er vorher, die scheren Dich nicht, die sind sein Problem, die hätten Dich also in dem Fall Theo nicht gekratzt. Du bist in Sicherheit, Danke das war es. Ende des Deals. Es war eine Scheinehe, der Schein ist nun zu Ende. Mach es gut. Du bist als Gewinner und Überlebender aus der Situation hervorgegangen. Das dazu, so ungefähr wird seine Sicht aussehen. Für ihn bist Du richtig und logisch vorgegangen.


    Meine Sichtweise ist folgende, sobald ich die Gründe einer Handlung verstehe, dann könnte ich möglicherweise die nächste Handlung dieser Art unterbinden. Das meine ich generell auf alle Probleme bezogen Dorian.


    Nun kein Außenstehender überzeugt mal eben den Duc de Souvagne von einer anderen Meinung und keiner hätte Hilarius entlieben können. Aber vielleicht hätte man auf beide Personen etwas Einfluss nehmen können, wäre man vorgewarnt gewesen. In dem Punkt gebe ich Theodor und auch Bruno Recht, ebenso Dir. Was geschehen ist, ist geschehen Dorian. Aber sollte man gerade deshalb nicht nach dem Grund forschen und daraus lernen?


    Manche Dinge sind vermutlich wirklich nicht zu ändern. Bleiben wir einfach einmal beim Duc de Souvagne. Könnte man den Mann in einem Gespräch von etwas überzeugen? Möglicherweise. Aber komme ich überhaupt mit diesem Mann jemals persönlich ins Gespräch? Wie viele Menschen kennen den Duc? Er ist fast allen Bewohnern Asamuras bekannt, ebenso wie andere Regenten und Staatsmänner. Er ist eine Person der Öffentlichkeit, auch wenn sich Souvagne geschlossen hält. Niemand ruft mal eben den Duc an und spricht mit ihm. Man benötigt dazu Hilfe, passende Kontakte und so weiter. Hätte man die, hätte man eine Möglichkeit.


    Allerdings Dorian, das hätten auch viele über unser Vorhaben behauptet nicht wahr?


    Unser Ziel war es eine neue Sippe auszurufen, alle Häuser einzuladen, vom Höchsten bis zum Niedersten. Wer hätte uns geglaubt, dass sogar zig Älteste unserer Einladung folgen würden? Wer hätte uns abgenommen, dass wir es schaffen würden, all die Häuser zu vereinen? Auch hier mussten wir nach dem Grund fragen. Warum scheiterte es? Das müssen wir uns ehrlichen Herzens fragen, um nicht erneut zu scheitern. Und jenen die vielleicht nur verzweifelt sind, oder Angst haben beistehen zu können. Hier ist die Hand der Familie, nimm sie habe keine Angst. Ebenso müssen wir wachsam bleiben für jene, die sich möglicherweise schuldig machen und abwenden. Sie bekommen die Hand anders gereicht und zwar als Faust.


    Das meine ich damit, dass wir die Gründe hinterfragen sollen. Es bezog sich nicht auf Dich und Hilarius oder den Duc de Souvagne. Dass Du dort nicht zweimal hinschauen möchtest, dass verstehe ich nur zu gut. Dort offenbart sich Dir Dein persönlicher Abgrund. Aber ich darf für Dich hinschauen, nach dem warum fragen und solltest Du erneut einen Fuß in so einen Sumpf setzen, werde ich Dich festhalten, bevor Du hineintrittst. Das verspreche ich Dir.


    Es geht mir nicht darum, Dich zu belehren, Dir meine Sicht aufzuzwingen oder das Du für jemanden eine Entschuldigung finden sollst, wo es keine Entschuldigung gibt. Nein Dorian, darum geht es mir nicht. Mir geht es schlicht um Deinen Schutz, darum dass Dir so etwas nie wieder zustößt. Deshalb passe ich auf Dich und Theodor auf und deshalb solltet Ihr ab und an auch nach den Gründen fragen. Jedenfalls dort, wo Ihr fragen könnt, ohne in den Abgrund zu starren. Ich passe auf Euch auf Dorian, weil Ihr mir viel bedeutet", antwortete Richard und zog die Decke um Dorians Schultern höher.


    Es pochte scheppernd an der Tür und einen Augenblick später stand Bruno im Raum, über einen seiner Arme hing die Tasche von Richard. Der Raum wirkte durch den großen Kamsor auf einmal sehr eng und klein. Bruno lächelte freundlich und legte die Tasche auf dem Sofa ab.


    "Soll ich bleiben oder soll ich von außen wachen?", fragte er gut gelaunt.