Der Wecker klingelte schrill in Basarams Ohren. Langsam kämpfte sie sich auf, hielt sich dabei den Kopf. Am Ende hatte sie doch kaum geschlafen – zur einen Hälfte lag es an der Aufregung, zur anderen daran, dass sie versucht hatte sich mit einer Runde Orbital Champion 3 abzulenken. Einer Runde, aus der ganz schnell 15 wurden, 25, 50. Immerhin hatte sie zwei ihrer bisherigen Streckenrekorde knacken können.
Den Rollladen vor ihrem Bett zog sie auf, rollte sich heraus, und viel von der Bettkante. Erst kurz vor dem Boden konnte sie sich abbremsen und abfangen. „Urgh. Ach ja, da war ja was,“ sagte sie zu sich selbst, während sie sich ins Bad schleppte. Ihre Morgenroutine um eine unfreiwillige kalte Gesichtsdusche erweitert als sie den Wasserhahn zu stark aufdrehte, warf sie eine viertelstunde später einen kontrollierenden Blick in den Frachtraum, der inzwischen bis unter die Decke gefüllt war, bevor sie mit einer dampfenden Tasse Ussalstrauchtee aus dem Schiff trat.
Hinter den Scheinwerfern des Hafens und den Straßenlaternen der Hafenstadt fing der Himmel gerade an sich aufzuhellen. Die salzige Meeresluft vermischte sich in ihrem Rachen mit dem Tee. Das leise Murmeln der Wellen wurde nach und nach von den Geräuschen der erwachenden Stadt und ihrer Maschinerie verdrängt.
So stand sie da. Sie nahm sie den letzten, inzwischen kalten Schluck und schaute in den hellblauen Himmel, als von der Seite ein „Heeeyaaah!“ kam und sie herumwirbeln ließ.
Eine weitere Frau stand da, schwer atmend, und winkte mit großen Schwüngen, obwohl sie keine zehn Meter von Basaram entfernt war. Pechschwarze Haare umrahmten ein trotzdem breit grinsendes Gesicht. Kra’iki, erinnerte sie sich an das Gespräch von vorgestern abend, war ihr Name. „Ich seh ich bin noch rechtzeitig gekommen, gut.“
„Rechtzeitig?“
„Der Zug ist hängen geblieben. Hab mich extra beeilt, nicht dass ihr am Ende noch ohne mich losfliegt. Überall sind noch die Laternen an, ich konnte mich also nichtmal um die ganzen Leute herummogeln! Ich hoffe, du und die andren habt nicht zu lang auf mich warten müssen,“ sagte Kra’iki, ihre Mine jetzt ernster.
„Warum sollten wir ohne… naja, egal. Nein, die anderen beiden sind auch noch nicht da, du brauchst dir also keine Sorgen zu machen.“
„Ich bin nicht die Letzte? Yay! Aber hast du von den andren denn schon was gehört?“
Basaram zuckte mit den Schultern und machte sich auf, Kra’iki ins Schiff zu führen. „Noch nicht.“
Zwei weitere Stunden vergingen, ehe sich draußen auf dem Anlegeplatz wieder etwas bewegte. Ein Kranzug fuhr durch das Tor und hielt gerade vor dem Schiff, als die beiden wieder auf das Dock kamen. Der Fahrer, ein Baxis mit farblos blauer Haut, grüßte sie.
„Ah, gut dass ihr gearde da seid, werte Aufgestiegene. Der Erhabene Nedolik hat über Nacht noch einige weitere Gefährte organisieren können. Für euren Aufenthalt auf dem Planeten, das hat er gesagt,“ sagte der Baxis und deutet auf den Wagen hinter dem Kran. „Einen Allgelände-Trike für kurze Strecken am Boden. Und nen leichten Jäger für ein bisschen mehr Verteidigung am Schiff – mehr erlauben die Kroohb nicht in ihrem System für unsere Leute. Und ein bisschen Auswahl habt ihr auch. Solltet ihr nämlich doch mal in den Orbit müssen, könnt ihr entweder den hier nehmen, das ist ein ausgemustertes Landungsboot vom KatSchutz, oder das Shuttle. Das Landungsboot ist schneller, deutlich schneller, aber dafür ein bisschen einfacher ausgestattet. Sitze etwas enger, weils für mehr Leute ausgelegt ist, weniger Stauraum, und so weiter. Das übliche eben, mehr Leistung und weniger Komfort.“
„Also das Shuttle wär mir lieber,“ schoss Basaram hervor. Der Hafenmitarbeiter hob den erwähnten Trike, ein schickes, sandbeiges Gefährt mit orangenen Verziehrungen, vom Zug. Während er es in die untere Fahrzeugkammer fuhr, zogen zwei Paar Schritte Basarams Aufmerksamkeit auf sich.
Kohru stapfte grimmig dreinblickend durch das Docktor in ihre Richtung, halb von Deedruas geschoben. Als die beiden sie erreichten, rammte die andere Frau den Teleskopspeer, den sie bei sich trug, in den Boden, und stützte ihre Arme darauf. „Gibt’s hier noch was zu tun?“ grummelte sie.
Der Baxis wiederholte was er schon Basaram und Kra’iki gesagt hatte, und verbrachte den Jäger in eine der Beibootbuchten.
„Das Landungsboot ist definitiv die bessere Option,“ meldete Kohru. Deedruas schaute sie verwirrt an. „Ich hab keine Lust, in so nem Shuttle dahinzuschleichen wenn wir in irgendwas verwickelt werden.“
„Wie gesagt, ich hab beides hier drin,“ sagte der Baxis und schaute zu Basaram. Sie ließ sich die Worte noch einmal kurz durch den Kopf gehen.
„Ich denke nicht, dass das nötig ist,“ sagte sie schließlich. „Jahlua ist sicher. Ich glaube nicht dass wir uns deswegen in ein engeres Boot quetschen müssen.“
„Und wenn doch was passiert?“
„Die Kroohb haben ihre Systeme gut im Griff, das muss man ihnen lassen. Seit sie hier eingefallen sind gab es in den Systemen die sie erobert haben keine wirkliche Piratenaktivität. Seit gut acht jahren, nichts.“
„Und wenn sie jetzt nach acht Jahren eben zurückkommen, was machste dann?“
„Werden sie schon nicht. Die Systemsicherheit ist gut genug.“
„Ach mach doch was du willst!“ sagte die orangehaarige Frau schließlich, und machte sich mit einem „Hmpf“ auf den Weg zum Frachter.
„Dann das Schuttle,“ sagte Basaram sofort.
„Bist du sicher?“ fragte der Dockmitarbeiter, sie bekräftigte es noch einmal, und er machte sich wieder an die Arbeit.
„Ist das wirklich nötig, sich jetzt schon zu streiten?“ fragte Kra’iki, eine Hand dabei auf Kohrus Schulter gelegt. „Jetzt aus unserer Einigkeit zu fallen? Wir haben noch nicht einmal richtig angefangen, wie soll es dann weitergehen?“