• Die Stille im Keller konnte wohltuend oder bedrückend sein. Hinter der Schleuse hörte Dijon die Stimmen der im Untergrund gefangenen Söldner, die dort auf ihre Essensration warteten. Scheinbar waren sie inzwischen so weit in die Tiefe vorgedrungen, dass sie Depots einrichteten, da ein Tagesmarsch nicht mehr ausreichte, um zurück zur Schleuse zu kommen. Gut so, sollten die Wachen ihnen ruhig ihre Rationen auf Vorrat ausgeben, er würde das entsprechend veranlassen. Doch nicht jetzt.


    Kurz nachdem Dreaux gegangen war, stand Dijon auf. Er war niemand, der seine Zeit vertrödelte, außer, wenn die Kräfte nachließen und die Pause unausweichlich war. Allerdings war er dankbar über den langen Weg hinaus aus dem Keller. Etage um Etage stieg er aus der trockenen Hitze hinauf, zurück ans Tageslicht. Dafür benötigte er eine gute Viertelstunde. Die Wege in einer Burg waren weit und der Sonnenstein gehörte aufgrund der vielen Etagen nach unten hin zu den flächenmäßig größten Burgen von Souvagne.


    Da Arkady noch mit Erwin unterwegs war, klopfte er eigenhändig an die Tür des Gemachs von Klingenberg.

  • Dijon hörte wie jemand sich aus einem Sessel wuchtete und langsam auf die Tür zuschritt. Das es sich um Klingenberg handelte, verriet das Geräusch des Gehstocks. Burkhard öffnete die Tür und seine Miene hellte sich auf, als er Dijon erblickte.


    "Dijon, wie schön Dich zu sehen, komm doch herein. Ich dachte schon, es wäre Erwin, der mich mit einer seiner Geschichten erheitern möchte. Deine Burg ist wirklich wunderschön und vor allem ist sie gemütlich. Ich war so frei mir aus Deiner Bibliothek einige Bücher zur Unterhaltung auszuleihen.


    Oh und Arkady war vorhin hier und hat mich mit Speis und Trank versorgt, Du hast ihn sehr gut auf seine neue Rolle vorbereitet. Setzt Dich zu mir", bat Burkhard und gab die Tür frei. Dabei machte er eine einladende Geste und ging zurück zu seinem Sessel, wo er es sich mit einem Beistelltisch vor dem Kamin gemütlich gemacht hatte.


    "Die Knochen, auch wenn es warm ist Dijon, so ein Feuer wärmt einen auf ganz andere Art und Weise. Das Klima hier ist erstklassig, klamme Kälte ade. Hocke Dich mein Freund", bat der General, stellte einen zweiten Becher dazu und goss Dijon großzügig Wein ein.

  • Man merkte Dijon keinen Unterschied zu sonst an, denn wenn er Klingenberg begegnete, sah er immer gleich aus: Die Haltung noch ein wenig aufrechter, doch die sonst oft steinerne Miene entspannt. Er schloss die Tür, nahm im zweiten Sessel Platz und hob das Weinglas vom Tisch. Er ließ den Wein darin kreisen, obwohl er ihn nur marginal interessierte. Er war guten Wein gewohnt und genoss die Nähe des alten Beißers, der es sich am Kamin gemütlich gemacht hatte. Wie immer strich sein Blick über Klingenbergs Beine, die heute nicht in Stiefeln steckten, sondern in gemütlichen Kleidern.


    "Erwin sorgt für deine Unterhaltung? Die Frage ist, ob er das mit Absicht tut oder ob es ein Nebeneffekt seiner Art und Weise ist. Langweilig wird es mit ihm nie. Arkady scheint die Zeit auf dem Sonnenstein gutzutun. Er entfaltet sich und seine Gehorsamkeit dürfte inzwischen bei Stufe 4 liegen. Er tut sich damit selbst einen Gefallen, denn im Rahmen seiner Anweisungen darf er sich freier bewegen als früher.


    Es ist erfreulich zu hören, dass du dich hier wohlfühlst. Die Bibliothek und alles andere steht dir zur freien Verfügung. Du wirst selbst am besten wissen, welche Bereiche dich interessieren. Hast du die Therme schon ausprobiert? Ich möchte dir das Angebot unterbreiten, hier dauerhaft einzuziehen, so lange es dir beliebt. Für Besuche in Naridien würde ich die Kosten und die Organisation übernehmen, ebenso für die Rückreise, falls die alte Heimat dich ruft. Was hältst du davon?"

  • Der General nahm einen Schluck Wein und stellte das Glas behutsam auf dem Tisch ab.


    "Erwin erheitert mich nicht wirklich, sondern er berichtet mir haargenau was er wann für Dich getan hat und wie wichtig hier seine Aufgabe ist. Mittlerweile taten mir selbst die Füße weh, von dem wo er überall langgelaufen ist. Ich fühle mich, als wäre ich selbst die Stufen gelaufen und hätte alle Soldaten inspiziert. Er scheint extreme Freude daran zu haben, Dein Wort zu verbreiten. Eigentlich müsste ich das nicht sein, aber wenn er Freude dran hat. Ein bisschen Schliff kann auch Erwin nicht schaden. Möglicherweise ist auch Arbeit eine völlig neue Erfahrung für ihn", schmunzelte Klingenberg.


    Bei der zweiten Antwort ließ er sich wesentlich mehr Zeit. Erneut nahm er das Glas zur Hand, trank jedoch nicht. Nein der General wollte etwas in den Fingern haben, als er antwortete.


    "Das Angebot freut mich Dijon, mehr als ich in Worte ausdrücken kann. Naridien ist meine Heimat, aber dort hält mich nichts und niemand. Mein Haus ist leer, bis auf meine Diener. Mein Werk ist vollbracht. Wie viele Schlachten habe ich geschlagen? An wie vielen Fronten gekämpft? Ob im tatsächlichen Krieg, oder jenen um den inneren Frieden zu wahren?


    Wie viele Sklaven habe ich ausgebildet und ihren neuen Herren übergeben? Wie viele Sklaven aus meiner Hand wurden sogar mit Töchtern verheiratet, um ihren Schwiegervätern zu dienen? Ihren wahren Herrn? Männer die durch die Straßen wandeln, ein Leben führen und dennoch nur ein Werkzeug ihres wahren Herrn sind. Gleich wie der Befehl lautet, sie setzen ihn um.


    Wie viele Seelen habe ich gebrochen und neu zusammengesetzt als Mosaik, damit sie in ihren wahren Farben und ihrer Bestimmung erstrahlen können? Hast Du je ein Pferdchen geritten, das gerade gebrochen wurde? Hast Du ihm in die Augen gesehen? Es gibt nichts tieferes Dijon.


    Aber das sind vergangene Tage, ich bin ein alter Mann, dem schon der Nebel oder der Regen Schmerzen in den Knien zufügt.


    Meine Antwort lautet ja, ich nehme Dein Angebot an. Wir können das Kapitel Naridien schließen. Nur muss dafür gesorgt werden, dass mein Haus beißergerecht weitergegeben wird. Es wäre schade darum, die dort vorhandene Ausstattung nicht in fähige Hände zu wissen.


    Ich Danke Dir für dieses Angebot", erklärte Burkhard ergriffen.

  • Klingenberg davon sprechen zu hören, wie fortgeschritten seine Zeit war, versetzte Dijon einen Stich, den auch die Aussicht, dass er bei ihm bleiben würde, nicht vertreiben konnte. Jeder Tag war unsagbar kostbar in diesem Alter, jede Stunde, jede Minute. Dijon dachte auch an die Worte von Dreaux. Dijon rang mit sich, kreiselte immer noch mit seinem Wein.


    "Es ist mir eine Freude, dass du hier bleiben wirst, Burkhard. Ich denke, es ist die bessere Variante, zum einen wegen des milden und trockenen Klimas im Vergleich zu Naridien und zum anderen wirst du hier gut versorgt sein, auch wenn die Kräfte dereinst schwinden. In deinem Anwesen wärst du allein mit deinen Dienern, vielleicht würden sie übermütig werden oder faul. In jedem Fall werden sie dich nicht mit der gleichen Hingabe versorgen, wie ich es für dich organisieren werde.


    Um welche besondere Ausstattung handelt es sich? Ein Haus wie deines bedarf eines wohlhabenden Beißers, es sei denn, du möchtest ein wohltätiges Werk für die Erwins des Zirkels tun. Ob unser Erwin je gearbeitet hat, muss ich ihn noch fragen. Schliff braucht er sicher, doch manches schleift sich von allein ein mit der Erfahrung. Er hat den Willen, sich nützlich zu machen und sogar Freude daran, das sind die besten Voraussetzungen."

  • "Einsamkeit ist kein Freund Dijon, sie führt Dir vor Augen wer Du wirklich bist. Nun wir sind nicht einsam, wir haben den Zirkel. Aber was nützt einem das, allein in einem Haus voller Diener? Ein Diener ist keine Vertrauensperson. Es sind auch keine Sklaven Dijon. Ein gut ausgebildeter Sklave in der Endstufe, würde Dich sogar verteidigen. Sogar vor seinem eigenen möglichen Retter. Aber Diener? Eines Tages bist Du alt und schwach und sie werden Dir auf der Nase herum tanzen.


    Werden in Dein Essen spuken, Deinen Wein trinken und faul in der Sonne liegen. So ist es schon vielen ergangen. Möchtest Du diese Tage abwarten? Das möchte niemand von uns. Mag Dein Geist auch noch so scharf bleiben, eines Tages kommt die Zeit, da werden Deine Krallen stumpf und Du wirst müde. Die Zeit geht an niemanden spurlos vorbei Dijon.


    Von mir hat sie auch schon den einen oder anderen Tribut verlangt. Nun dies sogar schon in jungen Jahren, das brachte mein Beruf und meine Passion mit sich. Wer Pferdchen ausbildet, wird auch einmal abgeworfen. Und wer in die Schlacht zieht, wird sich Verletzungen zuziehen.


    Hier bei Dir werde ich ein neues Kapitel in meinem Leben beginnen.


    Wie ich mit dem Haus verbleibe, darüber müssten wir uns Gedanken machen. Es hat einen zweiten Keller, Verschläge, Sitzungsräume für Vorführungen, die üblichen Hilfsmittel in Hülle und Fülle, passende Ausstattungen wie Tische und Stühle zur Fixierung. Alles was das Herz begehrt und die Ausbildung verlangt Dijon.


    Weißt Du Dijon, es schwang auch immer etwas Angst mit in meinem alten Haus. Was ist wenn etwas geschieht? Es wäre niemand da, niemand den es schert. Ich hatte überlegt ins Nest zu ziehen, aber dort in einer Wohnung zu leben? Ich weiß nicht. Natürlich hätte ich dort Anschluss, aber auf der anderen Seite ist ein Nest auch ständiger Stress. Das was es bei mir Zuhause zu ruhig ist, ist dort zu viel an Trubel.


    Deshalb weiß ich nicht was ich sagen soll, außer Danke. Wir könnten auch mein Haus an einen entsprechenden Kunden verkaufen und mit dem Geld könnten wir hier etwas anfangen. Was meinst Du?", schlug Burkhard gut gelaunt vor.

  • "Geld ist meine geringste Sorge und deine als mein Gast wird es auch nie wieder sein. Aber falls du es verkaufen möchtest, fällt mir Vendelin von Wigberg als wohlhabender Beißer ein. Ob der es haben möchte, steht auf einem anderen Blatt. Er behauptet, sein Privathaus sei ein ganz normales Haus ohne Spielzimmer. Glauben kann ich das nicht. Alternativ mach doch eine Ausschreibung im Zirkel.


    Aber denk daran, dass du damit alle Brücken abreißt. Ich bin der Letzte, den das traurig stimmen würde, jedoch möchte ich, dass du das bedenkst. Es wird dein Schaden nicht sein, doch Heimweh kann niemand kurieren. Wie das schmerzt, habe ich erfahren müssen. Du hast mich in diesem elenden Zustand angetroffen und mir beigestanden.


    Wir haben nicht viel über das Drumherum gesprochen, ich habe schweigend genommen und du hast schweigend gegeben. Dass ich mich nun revanchiere, ist Ehrensache. Trotzdem hätte ich gern gewusst, was damals in deinem Kopf vorgegangen ist. Warum hast du mir geholfen, Burkhard?"

  • "Natürlich lasse ich ein Großteil zurück, aber alles was mir wichtig ist, werde ich mitnehmen. Von meinen Büchern bis hin zu einigen Dekogegenständen. Viel Nippes habe ich nicht, aber einiges davon das ich habe ist mir lieb und teuer. Der Rest kann im Haus verbleiben. Vendelin? Nun Geld und Einfluss hätte er um sich ein derartiges Haus leisten zu können. Und sollte es mich dennoch einmal nach Naridien ziehen Dijon, gibt es genug Pensionen die einen alten Mann Unterschlupf gewähren würde. Aber ich muss Dir sagen, bis jetzt habe ich hier den Aufenthalt genossen und mein Haus nicht vermisst.


    Es ist das was ein Haus füllt Dijon, nicht das Haus selbst. Jedenfalls ergeht es mir so. Hier fühle ich mich willkommen, gewünscht, heimisch. In meinem alten Haus fühle ich mich allein und vergessen. Einst gab es andere Zeiten, aber die sind wie gesagt vorbei. Auch ich muss nach vorne schauen und hier tue ich es gerne.


    Warum ich Dir geholfen habe Dijon?


    Ach mir ist damals so vieles durch den Kopf gegangen. Noch nie habe ich einen Menschen getroffen, der verlorener ausgesehen hat als Du. Du hattest Würde, Haltung, Stolz und dennoch hast Du etwas in mir berührt, dass mir sagte, dass ich Dich beschützen muss. Du warst einer der meinen auf Deiner eigenen Insel der Verdammten Dijon. Ich habe gegen sehr vieles gekämpft und auch um sehr vieles. Du hast mich gebraucht. Du hast eine Hand gebraucht, die Dir gereicht wird und die Dich hält. Jemand der Dich aus Deiner eigenen Finsternis führt.


    Ich lebe schon so lange in der Finsternis Dijon, dass ich mich dort sehr gut zu Recht finde und ich kannte den Weg, den Du beschreiten musstest. An meiner Seite würdest Du nicht straucheln, stolpern oder stürzen. Du bist vom gleichen Geist, wie hätte ich Dich Deinem Schicksal überlassen können? Uns verbindet mehr als Du denkst", gab Burkhard zu bedenken.

  • Dijon trank einen Schluck Wein, als Burkhard davon sprach, er hätte Würde, Haltung und Stolz gewahrt. Das war, was er versucht hatte auszustrahlen, doch innerlich war er voller Erbärmlichkeit gewesen.


    "Uns verbindet manches, das in einfache Worte zu kleiden ist. Wir sind Veteranen, Beißer, mögen Reitstiefel. Waren Wanderer im Dunkeln. Und dann gibt es Dinge, bei denen es schwieriger ist, sie zu kategorisieren. Ich weiß nicht, ob ich es dir irgendwann erzählt hatte. Damals sicher nicht, denn ich war damit beschäftigt, mich zu sortieren. Als du mich im Zirkel antrafst, war ich gerade aus der Kriegsgefangenschaft befreit worden."


    Inzwischen konnte er darüber sprechen, doch er fühlte sich dennoch unwohl dabei, denn es kratzte an der Aura der Unnahbarkeit und Stärke. Warum kümmerte ihn das überhaupt? Der General hatte die Maskerade ohnehin durchschaut, sonst hätte er nicht gesehen, dass er Hilde benötigte, denn Dijon hatte nie um welche gebeten. In seinem gesamten Leben nicht - nicht einmal gegenüber den Rakshanern, die ihn gefangenhielten. Erst recht nicht ihnen gegenüber.


    "Wann bist du in die Finsternis gestürzt, Burkhard? Wer stieß dich hinein und wer ließ dich fallen - und wer verzichtete darauf, dich hinauszuziehen?"

  • "Was Dir zugestoßen war, wusste ich nicht und Du hast auch nie darüber gesprochen. Möchtest Du es, dann sprich Dijon, ich höre Dir zu. Das ist etwas zugestoßen ist, was Dein Weltbild erschüttert hat, war für mich klar ersichtlich. Das Bild dass Du von Dir hattest, hat es nicht mehr gegeben. Du warst auf der Suche nach Dir selbst und wusstest nicht, ob Du jemals wieder zu Dir zurückfinden wirst.


    Was haben sie Dir angetan? Haben sie versucht Dich zu brechen und Du hast standgehalten? Manchmal ist nachgeben so viel leichter, als sich selbst treu zu bleiben. Ich weiß es, denn ich habe damit gearbeitet. Aber wir beide wissen es auch, weil wir selbst noch dort standhalten, wo andere alles und jeden verraten würden.


    Irgendwie hast Du mich an mich selbst erinnert und dennoch warst Du so völlig anders. Alles was ich wollte war Dir beistehen und Dich wieder auf die Füße stellen. Du selbst hast ja nicht einmal mehr gewusst, wo oben und unten ist.


    Gestürzt bin ich als junger Mann, ich stürzte Dank meines Ausbilders in die Dunkelheit Dijon. Ein Mann von dem ich dachte, dass er jener ist zu dem man aufblickt. Vorbild und Vater zugleich, am Ende weder das eine noch das andere. Als es drauf ankam und unsere Männer zu sterben begannen hat er versagt. Wir mussten uns selbst durchschlagen, das was uns rettete war Disziplin und Fleisch.


    Ich verzichtete darauf mich aus der Finsternis ziehen zu lassen. Sie mag für andere bedrohlich sein Dijon, doch mir schenkte sie im richtigen Augenblick die Kraft, die ich zum Überleben brauchte. Sind einmal bestimmte Grenzen gefallen, sind Tore in Deinem Verstand geöffnet worden die in eine andere Welt führen, weshalb diese Tore zuschlagen? In dieser Welt Dijon lebe ich als der, der ich wirklich bin. Und wenn es mich danach gelüstet, dann hole ich mir Pferdchen in meine Welt. Sie leben nach meinen Regeln, sie leben durch meine Gnade.


    So konnte ich überleben, im Grunde war es eine Metamorphose zu meinem wahren Ich. Warum sollte ich mich selbst aufgeben wollen Dijon? Stell Dir vor Du wärst ein Vogel und ich werfe Dich in die Luft, damit Du fliegen lernst. Würdest Du die Luft und das Fliegen aufgeben? Oder würdest Du immer raffinierte Flugmannöver lernen? Letzteres, denn die Luft ist Dein Lebensraum. Hast Du dies einmal begriffen, wirst Du eins mit ihm werden.


    Ich wurde eins mit der Finsternis und mit dem Zirkel. Ein Teil davon zu sein, nicht allein zu sein, hat etwas Beruhigendes. Und so wie ich meinen Dienst am Zirkel leistete, leistete er seinen Dienst an mir. Es ist ein Geben und Nehmen.


    Ich wollte dass Du die Wahl hast Dijon. Wähle das Licht oder die Finsternis, aber wähle selbst wer Du sein möchtest und wer Du bist. Das war mir sehr wichtig und das ist es heute noch. Du sollst frei im Geiste sein, Du bist ein Jäger, kein Raubtier soll in Ketten liegen. Nicht Du Dijon, nicht der Sandpanther mit dem Blutroten Fell", sagte Burkhard bedrückt.

  • "Ich danke dir für die offene Darstellung. Wie hieß der Mann, der dir das antat? Er wird älter gewesen sein als du." Und folglich wohl nicht mehr am Leben, doch sprach Dijon diesen ungeheuerlichen Gedanken nicht aus. "Wer durch die Finsternis wandelt, sollte eine Laterne dabei haben. Deine Lichter waren die Pferdchen, nicht wahr? Gute Geschöpfe.


    Und was mich betrifft ... sie haben versucht mich zu brechen und es ist ihnen gelungen. Nicht jenen mit den Knochenknüppeln und dem Geruch von gestohlenem Wein im Atem. Nicht jenen, die mich zusehen ließen, was sie mit meinen Soldaten anstellten. Nicht den Männern, die darüber lachten, was sie den Söhnen der Souvagne antaten. Nein, ihnen gelang das nicht, ich war bereit, zu sterben."


    Und Dijon fuhr fort, hatte endlich das Bedürfnis, zu sprechen.


    "Mich brach jener, der mir zu Trinken gab, als ich verdurstete. Der es nicht hätte tun dürfen, der aber Mittel und Wege fand. Ahnst du, wie? Er ließ mich aus seinem Körper trinken. Er goss etliche Liter Wasser in sich selbst hinein, um für mich etwas Trinkbares zu produzieren. Du kennst die Mechanismen des menschlichen Geists, die Verknüpfung mit dem Belohnungseffekt. Ich sehnte mich nach seinem Schwanz und danach, ihn in den Mund nehmen zu dürfen. Sein Schwanz war etwas Gutes. ER war etwas Gutes, das einzige Gute, was ich zu dieser Zeit erlebte. Mein Lebensretter. Ich muss einen ... erbärmlichen Anblick abgegeben haben, wie Gabad nach einem Schwanz zu betteln, der mich vollpisst."


    Sein Kopf war gerötet, er konnte Burkhard nicht in die Augen sehen.


    "Und doch tat es gut. Es wurde ein Spiel daraus, ich konnte ein wenig lachen, obwohl es mir elend ging. Wir spielten mit seinem Schwanz und dem, was er damit tat. Irgendwann habe ich mich revanchiert und ich fresse einen Hahn im Ganzen samt Federn, wenn er es nicht genossen hat. Ich bin davon nicht mehr losgekommen. Der Verstand sagt, es ist vorbei, doch das ist es nicht, Burkhard, es geht niemals vorbei. Du kennst mein Piercing? Mein finsteres Sehnen richtet sich darauf und das, was noch folgte, es war ein unwahrscheinlich schmutziges Spiel und es erregt mich, allein daran zu denken und es bei anderen zu sehen, wenn sie auf diese Weise spielen. Ich bin ein sehr dreckiger Sandpanther, Burkhard, mein Fell ist besudelt und ich kann nicht anders, als dafür auch noch Dankbarkeit zu empfinden und mir zu wünschen, man würde es wieder tun."

  • Der alte General musterte Dijon mit einem Blick als wäre dieser aus einer Schlacht als einziger Überlebender zurückgekehrt. Erstaunen und Stolz, lag in den alten Augen.


    "Du hast Dich diesem Mann angeschlossen Dijon. Du hast Dich ihm gefügt, Du hast begriffen dass diese Führung die er Dir bietet etwas Gutes ist. Gehorche und lebe, gehorche und es geht Dir gut. Du hast gehorcht, Du hast Dich gefügt und es ging Dir gut. Es heißt jeder Herr hat selbst einen Herren. Jemanden der ihn formte.


    Solltest Du das nicht besser wissen als ich als Souvagner? Du bist Dein eigener Herr Dijon, aber spricht der Duc einen Befehl aus, so wirst Du ihm gehorchen. Diese Befehle sprach kein Duc, aber Dein Herr. Und Du Dijon hast gehorcht und Folge geleistet. Wir alle haben unsere Herren, auch wenn wir keine Sklaven sind. Ein jeder, selbst die gefährlichsten von uns haben jemanden vor dem sie das Haupt neigen.


    Es gibt keinen Grund zur Scham, es war der Tag an dem Du als das geboren wurdest, was Du wirklich bist.


    Du hast Pisse gesoffen, als es nichts zu saufen gab Dijon. Und Dein Herr hat sie Dir dargeboten. Ich habe Fleisch gefressen von verrotteten Leichen, weil mein Herr mich dazu zwang. Ich habe kranke, infizierte Kadaver gesehen und wie sich andere an ihnen vergingen in ihrem Wahn. Dabei habe ich Fleisch gefressen, dass den Namen nicht einmal mehr verdient. Und ich aß und ich überlebte. Vermutlich hätte sogar ein Ghul abgelehnt was ich mir in den Rachen stopfte. Aber ein Ghul hatte nicht meine Probleme, oder Deine Dijon.


    Der Geist ist das Tor in eine fantastische Welt voller Licht und Güte und zeitgleich ist er das Tor in den finstersten Abgrund. In keinem Abgrund kann das geboten werden, was in unserem Geist entsteht. Kein Abgrund kann an Qualen und Verlockungen bereit halten, die wir in uns selbst finden. So verdreht und wunderschön zu gleich. Wie eine Blüte von unvergleichlicher Schönheit die nach Aas duftet. Was ist sie nun? Licht oder Abgrund? Welche Seite zieht Dich an?


    Du hast ihm den Schwanz gelutscht, weil Du wusstest, alles was Du von diesem Mann wünscht, wird er Dir geben. Und noch wesentlich mehr. Alles was er verlangte war, dass Du Dich fügst. Sex war nicht einmal die Komponente um die es dabei ging Dijon, mir geht es ebenso wenig um Sex, deshalb kann ich es Dir erklären. Der Sex, die Erregung ist wohltuendes Beiwerk. Das was ich verlange, dass was ich beschaffe ich Macht. Ich gebiete über jemanden und dabei tritt die Lust ihren Siegeszug an.


    Du hast Dich gefügt und Lust empfunden, in diesem Moment den Du für Schwäche hältst. Es war keine Schwäche, es war ein Erkennen. Du hast vor Deinem Meister gekniet und ihm den Schwanz so gelutscht wie er es wünschte. Er belohnte Dich dafür. Er versorgte Dich dafür. Sorglos, glücklich und beschützt.


    Wie würde ein Pferdchen leben, dass gelernt hat freiwillig zu dienen und sogar Gefallen am Dienen gefunden hat? Es würde bestens leben Dijon. Jene die das begreifen leben lange und gut bei ihren Herrn. Jene die es nicht begreifen und sich nicht als Mosaik zu einem vollkommenen Werk zusammen setzen lassen, bleiben das was sie sind - Bruchstücke. Du hast eines im Haus Dijon.


    Nimm die Lehren Deines Meisters an Dijon, denn ein Mann der einen Kerl wie Dich zu zähmen weiß, ist es wert, dass Du vor ihm gekniet hast. Du hast Dich nicht grundlos von ihm zeichnen lassen nicht wahr? Nein das hast Du nicht", schmunzelte der alte General und strich Dijon einmal über sein rotes Haar.

  • "Warum zwang er dich, dieses Fleisch zu essen? Und warum hat er dich im Stich gelassen, was geschah damals? Dann hatten wir einst beide unseren Herrn und Meister. Was fühlst du für deinen?


    Ich habe meinen in den hintersten Winkel meines Geistes gesperrt. Denke nicht an ihn, träume nicht von ihm. Und doch hat er noch immer Kontrolle über mich, er hat mich für immer verändert und ich trage seinen Ring.


    Seinen Ring, ich würde sagen, ich habe ihn geliebt, aber wie gesagt - ich kenne die Fallstricke der Psyche, ich bin krank an dieser Stelle. Es ist ein pathogenes Phänomen, sich als Gefangener an seinen Häscher zu binden und zu glauben, das sei Liebe. Darum gebe ich dem keinen Raum. Dass ich danach erneut lieben lernte, hat es mir recht leicht gemacht, die bewussten Gedanken an ihn zu verdrängen. Was blieb, ist die Veränderung, die er in mir bewirkte.


    Richtig, es ging nicht um Sex. Es ging ums Überleben. Und später, als ein bisschen vorsichtiges Spielen daraus wurde, darum, etwas Gutes zu fühlen. Ich glaube, genau das war der Moment, an dem ich mich ihm gänzlich hingab. Lachen verbindet, sagt man, und auch wenn wir nur sehr leise lachten und kaum sichtbar scherzten, denn es war ja nicht gestattet, war es, als würden wir in dem Moment Verbündete werden. Er war meiner und ich war seiner.


    Mein Leben gegen - was? Er verlangte nichts, er schenkte und was ich gab, gab ich ihm willig. Man könnte es als Gegenleistung bezeichnen, doch so dachte ich in diesem Moment nicht. Es fühlte sich sehr natürlich an und ich glaube, so fühlt sich ein Sklave der Stufe 5. Mir ist das sehr peinlich, Burkhard, ich danke dir für deine freundlichen Worte zu etwas, das den meisten nur Ekel entlockt."

  • "Falls Du mit den meisten Gabad meinst, ist ihre Meinung eh einen Scheiß wert. Oder fragst Du Dein Brathähnchen bevor Du es genüsslich verspeist nach seiner Meinung über Dich oder das Weltgeschehen? Nichts weiter als heiße Luft. Ein Gabad ist weniger wert als ein Sklave Dijon und das nicht grundlos. Ein Sklave erzählt uns das, was wir hören wollen. Was wir ihm eingeimpft haben. Stöhnt er vor Schmerzen unter Dir, willst Du das doch wohl nicht hören. Er wird Dir sagen wie gut Du bist, wie geil Du bist. Dass er erfreut ist so einem Herrn wie Dir zu dienen. Ab Stufe 5 glaubt er es selbst.


    Und weshalb glaubt er es? Weil wir es ihm eingeimpft haben. Wir haben seinen Verstand geformt. Seine Sicht, sein Können und sein Gehorsam ergeben das Gesamtbild von einem Sklaven.


    Er hat alles von Dir verlangt Dijon, er sprach es nur nicht aus. Welchem Pferdchen habe ich gesagt, ich möchte das Du gehorchst und Deinem Reiter gleich was für ein Trottel er ist, die wunderbarsten Komplimente machst? Oder je nach Lust, dass Du so tust als hättest Du Schmerzen, Respekt, Angst und so weiter? Das könnte man ihnen schlicht erklären, würden sie es verinnerlichen, begreifen und leben?


    Nach einer Lektion, nach einer Brechung wo sie wissen nichts an ihnen gehört ihnen selbst, sieht [definition='6','1']die Welt[/definition] anders aus. Sie haben keine Verfügungsgewalt über ihren Körper. Weder über eines der Löcher noch über ihren Verstand. Meine Erziehung ist die Gerte, der Drill. Die Deines Meisters war Honig Dijon und er war ein Meister seines Faches, sonst hätte er nicht gewusst, wann er wie ansetzen muss.


    Sehe ich Dich deshalb nicht mehr als Jäger? Nein. Schau Dich in der Natur um. Ein Fuchs frisst eine Maus. Er ist ein Jäger. Aber er kann von einem Wolf gerissen werden. Und ein einzelner Wolf von einem Sandpanther. Sie alle sind Jäger Dijon, Du hast dort im Wüstensand Deinen Meister gefunden. Daran ist nichts verwerfliches. Es gibt sogar bewusst Jäger, Beißer, die sich jemandem fügen mit dem sie gemeinsam jagen.


    Mein Meister zwang mich dieses Fleisch zu essen, um zu wissen ob er es essen könnte. Ob es ihn retten würde. Aber als die Gefahr zu groß wurde und der Hunger ebenso Dijon da hat er sich davon gemacht. Er ließ mich zurück. Seine Worte nichts als leere Versprechungen. Sein scheinbarer Mut, nichts als Fassade. Was ich für ihn empfinde? Zuneigung und Verachtung zugleich. Er zeigte mir den Weg, aber ließ mich ihn dann allein gehen ohne jede Führung. Für den Weg bin ich ihm dankbar, für den Rest nicht.


    Ich habe Dich nicht Dir selbst überlassen, als Du ohne jede Führung dort gehockt hast. Wartend nicht wissend auf was Dijon. Ich nicht", sinnierte Burkhard melancholisch.

  • "Da hast du recht. Es gibt kein Raubtier in der Natur, was nicht durch Überzahl oder bloße Schwäche von anderen gerissen werden könnte, und sei es der Sandpanther."


    Dijon spürte noch die Nachwirkung des kurzen Streichelns auf seiner Kopfhaut. Auch er hatte Burkhard oft in vergleichbarer Weise berührt.


    "Honig, ja, das kann sein. Damit triffst du es. Er gab mir Honig ... und Honigwasser. Es kann durchaus sein, dass er das Machtspiel genoss. Dass er mich durch Taktik brach, wo Gewalt versagt hatte."


    Dijon sah Burkhard nun in das alte, faltige Gesicht, auf dem das Kaminfeuer seinen warmen Schein spielen ließ.


    "Du hast mich nicht allein gelassen, das ist richtig. Und du wirst es auch jetzt nicht tun, denn du bist hier. Und ich, Burkhard, werde dich ebenfalls nicht allein lassen, wenn du mich brauchst."

  • "Du bist kein Mann der derartige Worte leichtfertig ausspricht. Danke Dijon. Für Dein Vertrauen, für Deine Hilfe und für meine Aufnahme. Und gern geschehen. Du hast auch ein bisschen von mir gelernt, aber nicht als Sklave und nicht mit Honig, sondern als mein Welpe. Zähne und Klauen nützen nichts, wenn man sie nicht weiß wofür man sie eigentlich trägt. Du weißt es und Du wirst es nie vergessen.


    Dich reißt Honigwasser und Fangobad, mich Muschelsuppe und gehorsame Pferdchen. Pure Gewalt wird immer versagen Dijon, pure Gewalt verspricht keine Hoffnung. Doch genau das muss bei jeder Dressur mitschwingen, es ist die ultimative Belohnung. Ein gutes Leben für Deinen Gehorsam. Irgendwann hat man vergessen, dass es je anders war. Wir nicht, wir sind Jäger. Aber die Sklaven vergessen es irgendwann.


    Deshalb schmerzt es Dich, weil Du Dich daran erinnerst, was Du ihm freiwillig geschenkt hast. Und Dijon Du würdest es wieder tun, denn Du erinnerst Dich an seine gütige Hand, oder besser gesagt seinen Schwanz der für Dich das Symbol der Freude und der Lebensrettung wurde.


    Wir werden uns nicht verlassen Dijon und wir werden einander beistehen. Ich Dir heute und in Zukunft wie damals, das versichere ich Dir. Wo werde ich wohnen? Genau hier? Das wäre mir lieb, denn dieses Gemach ist irgendwie schon ein bisschen mein Zuhause geworden. Es wäre freundlich, wenn ich einen "Diener" zugeteilt bekommen könnte. Das wäre eine Erleichterung für mich. Ich könnte auch einen kaufen, falls man das hier so macht", schlug Burkhard vor und grinste dann verschmitzt.

  • Vom Alter her könnte Burkhard sein Vater sein, so war es nachvollziehbar, dass er Dijon trotz dessen fortgeschrittenen Alters als Welpe wahrgenommen hatte. Dijon rührte das. Fast schämte er sich dafür, den alten Mann auf eine andere Weise zu lieben, als würde er dessen Werk und Zuneigung damit besudeln. Und war diese Art von Zuneigung nicht viel wertvoller, da sie unbrechbar war?


    Für einen Moment verstand er Prince Ciel, dessen übertrieben moralische Debatten mit Alexandre ihn gequält hatten, wenn sie in seiner Festung zu Gast gewesen waren, dessen Wunsch, ein reines Wesen zu sein und sich seines Verlangens zu entledigen. Interessant war, dass auch Dreaux Vergleichbares umtrieb. Wie kam es, dass gleich zwei Kinder von Maximilien von diesem Reinheitswahn befallen waren? Lag es an Alexandres Einfluss? Dijon wusste es nicht. Doch er wusste, dass er den Dreck liebte und niemals Herr über dieses Verlangen werden würde. Er wollte es auch gar nicht.


    Nein, er wollte nicht darauf verzichten, sich von der Gegenwart des Generals, von dessen Ausstrahlung von Macht betören zu lassen. Er genoss sie, seine ureigene Dunkelheit und er würde auch die Häppchen, die sie gemeinsam vernascht hatten, ebenso in Zukunft genießen. Sie waren nicht wie Dreaux und Ciel und Alexandre, sie waren Beißer. Aus dem Alter der Selbstzweifel war er längst heraus, er war ein Schmutzgeier und er stand dazu, auch wenn er die Gründe niemandem mitteilte. Niemandem, außer dem General.


    "Wir werden uns nicht verlassen", bestätigte Dijon wie einen Trinkspruch oder einen Schwur, hob sein Glas, sah Burkhard in die Augen und trank seinen ersten Schluck Wein. "Aber was ist denn Muschelsuppe? Du kannst hier in diesem Gemach gern wohnen bleiben. Wähle dir einen persönlichen Diener von meinen oder hol deine eigenen aus Naridien nach, wie es dir beliebt. Auch einen neuen Sklaven können wir dir organisieren, nachdem der Aal dich beraubt hat. Es hängt ganz davon ab, was du dir wünschst."

  • Burkhard musterte Dijon, als machte dieser einen Scherz und schüttelte gut gelaunt den Kopf.


    "Dijon entweder scherzt Du oder hast das Wort vergessen. Aber beim Arsche des Ältesten, ich hoffe nicht dass Du die Vorführung von Arkady samt der Muschelsuppe vergessen hast. Aber ich frische Deine Erinnerungen gerne auf, vielleicht sollten wir eine derartige Vorführung wiederholen. Also Muschelsuppe ist die Bestellung einesMizifiri-Infizierten. Erinnerst Du Dich wie Arkady durchgeritten wurde von dem Infi?


    Arkady Orgarrio, Naridier, Herkunftsort Dürnewald, 18 Jahre alt, 178 groß, 70 Kilo schwer, damals Stufe 3... oh ja mein lieber Dijon.


    Dudak stand eine Weile dort, während der Gefesselte sich in die Eisen stemmte und versuchte soviel Distanz wie möglich zwischen sich und den anderen Sklaven zu bringen. Viel Distanz war es nicht, maximal 20 cm die er herausholen konnte. Mit einem brutalen Ruck an der Kette riss Milreno Dudak näher an den Burschen heran.


    Der Infizierte schien etwas aus seiner Starre zu erwachen und schnüffelte an dem Burschen, der versuchte nach ihm zu treten. Die zu Klauen gekrümmten, knorrigen Finger von Dudak grabschten schlagartig zu und packten die Hüfte des Burschen. Sein deformierter Schwanz zuckte nach oben und grub sich mit einem harten Stoß fest in das Fleisch des Burschen auf dem Bett.


    Eine Mischung aus Brüllen und ungläubigem Kreischen kam unter dem schwarzen Sack hervor, während der junge Kerl versuchte seinen verseuchten Stecher loszuwerden. Aber dieser wurde von der Zappelei nur noch mehr angestachelt und verfiel regelrecht in Raserei. Wie besessen nagelte er den Burschen mit seinem Ding durch, das mehr Ähnlichkeit mit einer Seegurke als einem Penis hatte.


    Mizifiri sind ob Du es glaubst oder nicht Muscheln. Der kleine schwarze Punkt den Du siehst, ist der Rest des Gehäuses, den die Natur ihnen gelassen hat. Sie leben extrem parasitär. Haben sie einmal einen Wirt befallen, graben sie sich mit ihrem Fuß tief in dessen weichem Gewebe ein und ernähren sich so von seinem Fleisch und seinen Säften.


    Du infizierst Dich durch direkten Kontakt, indem die Mizifiri von einem Wirt auf den nächsten übergehen, oder indem Du die Eier in Deinem Körper aufnimmst. Dann treiben diese in Deinem Körper umher und dringen von innen nach außen durch, statt von außen nach innen. Normalerweise haftet sich eine Nymphe an und bohrt sich ihren Gang in Dein Fleisch. Dein Körper wird versuchen sich dagegen zu wehren. Das löst Entzündungen und damit diese dicken Beulen aus.


    Früher hat man vor allem männliche aufgebrauchte Sklaven damit infiziert. So hatten sie einen schönen Noppenprügel. Mit Schutz drüber hatten viele Spaß an so einem Ritt mit dem besonderen Kick. Es soll extrem stimmulierend sein.


    Mir reicht es aus, wenn ich ein Pferd stimmuliert sehe, vor allem ist die Frage ob das Pferd dann selbst zum Mizifiri-Träger wird. Kommt bei einigen Ritten vor, je nach Bedarf wird der Infizierte dann kurriert oder eben als neuer Stecher belassen.


    Du erinnerst Dich sicher als wir im Nest waren und diese ganz besondere Bestellung bei Lucian von Dornburg aufgegeben haben. Wo wir nebeneinander gesessen haben und es uns gut gehen ließen Dijon.


    Meine alten Diener kann ich nicht mehr sehen, die selben langweiligen Gesichter Dijon. Ich möchte hier neu anfangen, völlig neu in unserer altbekannten Finsternis. Ein Diener und ein Sklave, auch ein alter Mann hat Bedürfnisse und irgendwer muss uns die Stiefel lecken", lachte Burkhard gut gelaunt.


    "Natürlich nur ein gesunder Sklave, ich möchte ja nicht auf meine alten Tage als riesige Seegurke enden", warf Klingenberg lieber sicherheitshalber ein.

  • "Wie könnte ich diesen Ritt vergessen? Es war ein besonderer Abend. Für mich eine Premiere, mein erster Mizifiri. Der Anblick war schon speziell, ein Jammer, dass es so ansteckend ist. Nur die Bezeichnung war mir entfallen. Es war Arkadys letzter Einsatz für den Zirkel, ehe er in meinen Besitz überging. Was einen Sklaven wie Jerome angeht, muss ich nachdenken. Dank Vendelin von Wigberg", er sprach den Namen aus wie brechendes Eis, "sind sämtliche Bezugsquellen innerhalb Souvagnes ausgehoben worden. Seine genaue Rolle ist mir nicht bekannt, aber es ist zu auffällig, dass alle souvagnischen Beißer dieser Spezialisierung bei der Aushebung auf dem Block landeten oder starben, bis auf ihn persönlich. Dass es mich nicht erwischte, verdanke ich lediglich dem gehobenen Alter meiner Spielgefährten."


    Er hielt inne, da ihm klar wurde, dass Burkhard nicht wissen konnte, von wem er sprach.


    "Onkel Timo. Bürgerlich Vendelin von Wigberg, wie ich mit seiner Einbürgerung nach Souvagne erfahren habe. Er ist entweder ein Genie oder ein faules Ei. Wir müssen jedenfalls auf naridisches Material zurückgreifen. Und ich muss mit dem Duc reden."


    Dijon war nicht sicher, ob es dem Duc gleichgültig sein würde, wenn es sich um fremdländische Pferdchen handelte. Es mochte sein, dass dies ebenso dessen Unwillen erregte. Er wollte sich absichern.


    "Notfalls werden wir regelmäßige Erholungsreisen unternehmen. Es darf und wird dir an nichts mangeln, Burkhard. Wie stellst du dir deinen Diener vor? Hast du hier jemanden im Blick?"

  • "Falls Du Erwin abdrücken willst, Erwin nicht. Auf keinen Fall Erwin. Erholung, Ruhe, Freude, dass sind hier meine Ziele. Erwin ist wie ein Sturm im Wasserglas, wenn man gerade daraus trinken möchte. Der Verschlinger ist ein guter Jäger und ein guter Mann, aber meine Nerven sind nicht für einen Erwin rund um die Uhr geschaffen. Das gebe ich zu. Mein Diener sollte so sein, wie ich es aus den Berichten von Souvagne und Ledwick hörte. Auch in Naridien sind Leibdiener bekannt, aber bei Euch haben sie einen ganz anderen Status. Es sind Eure Leibeigenen und sie sind tatsächliche Vertraute. Einen derartigen Leibdiener wünsche ich mir.


    Nun keine Sorge, so einem Mann wird kein Leid geschehen, ich benötige leider wirklich etwas Hilfe. So hätte er Dir die Tür öffnen können, wäre für mich zur Bibliothek gegangen und hätte mir eine Flasche Wein geholt. Spaß beiseite, Erwin hätte dies auch getan, aber darum wollte ich ihn als Gast nicht bitten. Er ist einer der unseren.


    Als Sklave weißt Du was mein Schritt begehrt. Jung, geschmeidig, schöne lange Haare, weich und anschmiegsam. Aber nicht zu anschmiegsam, ich möchte ihm den letzten Schliff verpassen. Ein Rohdiamant geht selbstverständlich auch.


    Onkel Timo, Vendelin von Wigberg. Das Grauen in der Haut einer grauen Maus, ein Buchhalter des Todes. Wer weiß ob er ein Nestbeschmutzer ist Dijon? Vielleicht hat er alle Souvagnischen Beißer auch schlicht sehr teuer verkauft. Ein Wigberg, es war vermutlich nicht mal etwas persönliches. Genau wie ein Eibenberg unter jemanden einen Haken setzt und ihn wortwörtlich abhakt, es geht um das Geschäft. Worum es immer Onkel Timo gegangen ist, wir werden es wohl nie erfahren.


    Dieser Mann taucht nirgendwo grundlos auf, auch wenn er so unschuldig erscheint. Schau Dich und mich an, wirken wir auf andere abstoßend oder gefährlich? Wäre dem so, hätten wir niemals unsere Lust entdeckt. Nein dieser Mann ist wie Nebel, kommt er einmal über Dich verlierst Du die Orientierung und Du fährst in die Klippen. Ist das seine Schuld? Nein. Das graue Etwas zieht weiter und lächelt sein versonnenes Immer-Lächeln, so als wäre es in sein Gesicht gemeißelt.


    Hat jemals jemand Timo ohne Maske gesehen? Ohne das Gesicht dass er stets zu Schau trägt? Sind ihm jemals die Gesichtszüge entglitten? Jede Porzelanpuppe hat mehr Leben im Antlitz Dijon. Solltest Du Nachforschungen anstellen, sei vorsichtig, Du läufst auf zerbrochenem Glas und jeder Schritt wird Blutzoll verlangen.


    Was Dich gerettet hat, war das Alter Deines Pferdchens? Nun ich hätte gedacht, Dein Titel hätte Dich gerettet. Adel verpflichtet, den Duc nicht etwa auch? Wäre er Dir gegenüber nicht wohlwollender, als einem anderen Mann gegenüber? Wie ich hörte ist sogar sein Sohn zu Gast, der Thronfolger. Wer weiß welche Gründe dieser Mann gehabt hat, seine Hand über Dich zu halten. Das weiß nur er und möglicherweise Du.


    Dijon wie gut bist Du zu Pferd und wie gut bist Du was das Jagen angeht? Die Wüste ist nicht weit nicht wahr? Wie wäre es,wenn wir dort auf Sklavenjagd gehen? Was hältst Du davon? Oder zur Grenzregion nach Ledwick hin? Oder ist das zu heikel? Aus der Wüste würde keiner vermisst. Wüste?", schlug Burkhard grinsend vor.