Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W√§hrend die Urv√∂lker auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb√ľnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Flucht aus Rantamar

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
Der S√ľdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Arafis
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Flucht aus Rantamar

#1

Beitrag von Arafis » So 15. Okt 2017, 15:38

Bozzy war tot. Wie ein Lauffeuer breitete sich diese Nachricht in Rantamar aus. Dies war jedoch nicht allein dem Versterben des jungen Goblins geschuldet, sondern vermehrt den Umst√§nden seines Todes. Er war von einem seiner Klienten gefunden worden im Keller des Hauses. Mit durchgebissener Kehle und weiteren Biss- und Kratzspuren an den Armen. Der Geruch der Verwesung hatte noch nicht eingesetzt, doch das Blut war bereits eingetrocknet und begann in die schweren Steinplatten zu sickern und sie in einem dunklen Rot zu verf√§rben. Der arme Goblin, welcher den Toten fand, hatte kreischend kehrtgemacht und war die Treppe hochgest√ľrmt, denn auch die heulenden und fauchenden Ger√§usche hinter den verschlossenen T√ľren im Kellerraum verhiessen nichts Gutes.
Es wurde gemunkelt. √úber eine Bestie mit Reissz√§hnen und leuchtend roten Augen. √úber frevelhafte Experimente, die Bozzy Zeit seines Lebens in dem Kellergew√∂lbe durchgef√ľhrt haben soll. √úber weitere seltsame Kreaturen, die er gefangen und seziert h√§tte. Obwohl viele Goblins bei Bozzy ein und aus gingen, um seine Heilkunst zu beanspruchen oder sich einen Schlummertrunk geben zu lassen, wollte nun pl√∂tzlich jeder etwas √ľber seine Schandtaten zu erz√§hlen haben. Jedem schien er schon immer suspekt gewesen und keiner wollte seine Dienste in Anspruch genommen haben.

Während in Rantamar Aufruhr herrschte, hatte sich die Verursacherin längst in einen dunklen, stinkenden Abfluss verkrochen und harrte dort wundenleckend der Nacht.
Arafis konnte sich kaum entsinnen, wie sie vom Haus in diesen Schacht gelangt war, der sie vor neugierigen Blicken und dem grellen Tageslicht sch√ľtzte.
Umso deutlicher waren ihr jedoch die grässlichen Ereignisse davor in Erinnerung geblieben. Sie war kaum zu einem Gedanken fähig, doch die Bilder des Grauens spielten sich immer wieder vor ihrem inneren Auge ab.
Die Wölfin kauerte eng an den Boden gepresst und zitterte am ganzen Leib. War es der muffige Gestank des Abflusses, der in ihrer Nase kratzte oder der beissende Geruch ihres eigenen Körpers? Es spielte keine Rolle, denn ihr Geruchsinn war abgestumpft in den Jahren unter der Erde. Er war nur noch ein billiger Abklatsch dessen, was er einmal war und nicht besser als der eines einfachen Menschen.
Auch ihre Augen hatten gelitten, verbrachte sie doch ihre Tage in fast immerw√§hrender Dunkelheit. Und wenn Bozzy sie dann einmal aus ihrem Gef√§ngnis hatte holen lassen, und eine Lampe ihre Augen blendete, hatten die H√∂llenqualen f√ľr sie erst so richtig begonnen. Nein, das Licht war nicht ihr Freund. Sie verabscheute die Helligkeit und umarmte die Dunkelheit, welche ihr Sicherheit und Schonung versprochen hatte.
Einzig ihre Ohren zuckten unentwegt, um jedes kleinste Schaben, jedes leise Trippeln, jedes unerwartete Geräusch gierig aufzunehmen. Wer konnte schon wissen, ob nicht auch hier unten diese grässlichen Goblins lauerten und nach ihr suchten?

Als jedoch das Fiepen einer Ratte erklang, horchte die W√∂lfin auf. Automatisch gab ihr leerer Bauch ein uns√§gliches Knurren von sich. Arafis konnte sich nur noch vage vorstellen, wie Gem√ľse schmecken mochte oder auch Fr√ľchte, die sie doch fr√ľher liebend gern genascht hatte. Hingegen lief ihr das Wasser im Maul zusammen, wenn sie nur schon an Rattenfleisch dachte.
Es war das Einzige gewesen, was sie in den Jahren gefressen hatte. Gut, zwischendurch auch eine Schabe, die sie selbst fing und manchmal sogar, wenn Bozzy einen guten Tag hatte oder von seinen Sezierereien Abfall √ľbrigblieb, ein St√ľck Knochen mit Resten dran. Arafis wollte gar nicht wissen, was oder wen sie da gerade frass, aber der Hunger war auch viel zu gross gewesen. Die meiste Zeit √ľber hatte man ihr jedoch Ratten hineingeworfen ‚Äď tot oder lebendig.
Obwohl sie sich kaum in der Lage f√ľhlte aufzustehen, wollte sie einen Versuch wagen. Der abgemagerte Leib k√§mpfte sich hoch und das brackige Wasser tropfte aus ihrem verfilzten Fell. Jede einzelne Rippe h√§tte man an dem Wolfsk√∂rper z√§hlen k√∂nnen. Selbst das Gesicht wirkte eingefallen und mehr wie ein Totensch√§del.
Einen hoffnungslosen Versuch später, das kleine Getier zu erschnuppern, lauschte sie wieder auf ihre Umgebung.

Pl√∂tzlich zuckten ihre Ohren, als sie ein Ger√§usch vernahm, das nicht in die Stille der Kanalisation hineinpasste. Sofort war ihr ganzer K√∂rper unter Spannung, denn eindeutig waren es Schritte und Stimmen, die sich der Gestaltwandlerin n√§herten. Ihre Instinkte rieten ihr zur Flucht vor der unbekannten Gefahr, und so trabte sie z√ľgig los, weg von der Quelle der Unruhe.
Inzwischen h√ľllte Dunkelheit sie ein, doch sie meinte an den W√§nden ein schwaches Flackern zu erkennen, als ob jemand mit einem Licht durch die G√§nge streifte.
Diese unsäglichen Goblins! Warum konnten diese kleinen Teufel sie nicht einfach in Ruhe lassen!
Panisch rannte sie los, so dass die Br√ľhe zu ihren F√ľssen um sie herum aufspritzte und die Ratten verschreckt davonstoben.
‚ÄěHabt ihr das geh√∂rt? Da vorne ist was!‚Äú, erklangen aufgeregte und zornige Rufe. Nun war sich Arafis sicher, dass die Gr√ľnlinge sie aufgesp√ľrt hatten.
Avatar Foto: Arafis

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