Der Kettenraucher und der Knirps - 21.12.167 n.d.A.

  • Der Kettenraucher und der Knirps - 21.12.167 n.d.A.



    Urban musterte den Knirps, der mit baumelnden Beinen neben der Baronin saß und gut gelaunt eine Blutmilch trank. Das Getränk war sozusagen das Beißer-Gegenstück zum Kiba - Kirsch-Banane-Saft der Gabadwelpen.

     

    Feuerheuffen schenkte dem Knirps ein zähnefletschendes Grinsen und Hector grinste genauso breit zurück. Ab heute war er für den Kurzen verantwortlich. Hector war der Sohn von Archibald von Dornburg, aber er würde ihn aufziehen und ausbilden. Die Bestie konnte ihre Kinder nicht betreuen, er hingegen konnte das problemlos. Zudem sollte der winzige Hector irgendwann in seine Fußstapfen treten.

     

    Eines hatten sie schon gemeinsam, die Frisur, dachte Urban belustigt.

     

    "Baronin", grüßte Urban die uralte Frau erst jetzt, nachdem er nonverbal Kontakt mit Hec aufgenommen hatte.

    "Schlüsselmeister Urban. Heute bekommst Du Hector als Mündel überreicht. Er wird Dich zu seinem Quartier führen, dass Ihr fortan gemeinsam bewohnt. Du weißt welches Vertrauen damit in Dich gesetzt ist", erklärte die alte Frau mit Raubvogelblick.

     

    "Das ist mir bewusst. Er ist bei mir in besten Händen, ich beschütze ihn wie jeden Anvertrauen. Mehr noch wie mein eignes Kind", antwortete Urban, während er sprach tanzte die Rauchstange zwischen seinen messerscharfen Zähnen auf und ab.

     

    Die Baronin hielt einen Moment den Blick von Urban mit eiserner Härte fest, ehe sie knapp nickte.

    "Geht", sagte sie etwas milder.

     

    Von Feuerheuffen streckte die Hand nach Hector aus. Der Knirps drückte der Baronin sein leeres Glas in die Hand, hopste vom Sessel und verließ gemeinsam mit Urban die Gemächer von Mabel.

     

     

    ****

     

     

    Urban musste nicht von Hector zu dessen Quartier geführt werden. Er wäre ein lausiger Schlüsselmeister, hätte er nicht gewusst wo jedes einzelne seiner Wölfchen wohnen würde. Hec wusste das genauso wie jeder andere, schien aber Spaß daran zu haben, ihn hinter sich her zu schleifen.

     

    "Hier mach auf", grinste der Kurze zu ihm hoch und reichte ihm den Schlüssel.

    "Ich hab einen Generalschlüssel Hec, einem Schlüsselmeister einen Schlüssel anbieten witzig", antwortete Urban freundlich, schloss auf und schob Hector in die Wohnung.

     

    Hector blieb wie angewurzelt stehen und schaute auf den winzigen Hund, der kaum mehr als eine Handvoll Hündchen war. Überglücklich nahm er das kleine Tier aus dem Korb und drückte es vorsichtig an sich.

     

    "Ist der für mich?", fragte er mit großen Augen.

    "Ja der ist für Dich Heci. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag", sagte Urban, hockte sich vor Hector und drückte den kleinen Kerl.

     

    "Danke", freute sich Hec und drückte Urban ebenfalls.

    "Du bleibst schön hier und ich hole meine Sachen. Ohne mich gehst Du nirgendwohin Kleiner. Ab heute behüte ich Dich, von nun an bist Du mein Schatten", erklärte Urban Hector freundlich und so kam es auch.

     

     

    ****

     

     

    Monate später

     

    Urban saß auf Hectors großem Bett, las in seinen Büchern, machte sich Notizen und drückte die eine weitere Rauchstange im Aschenbecher aus, um sich direkt eine neue zwischen die Zähne zu klemmen und anzuzünden. Hector kam aus dem Nebenzimmer und musterte Urban, als wollte er ihn sezieren.

     

    "Kurzer?", fragte Urban mit hochgezogener Augenbraue. Der Rauchstangenqualm quoll dabei zwischen seinen Reißzähnen hervor, was ihm im Dämmerlicht das Aussehen eines Drachen verlieh.

     

    "Wie lange hockst kritzelst Du da noch? Es ist schon mitten am Tag und ich bin müde wie ein Stein Urbi, ich muss schlafen", stöhnte Hector theatralisch.

    "Geh in den Trainingsraum und hau Dich dort auf die Matten. Ich bekomme nachher noch Besuch von Manfredo. Du schläfst heute im Trainingsraum. Hopp jetzt, zieh Dich um und ab auf die Matte", sagte Urban schmunzelnd.

     

    Hector sprang aufs Bett und kickte den Aschenbecher weg, so dass sich Urban ducken musste, um ihn nicht als Geschoss vor die Rübe zu bekommen.

     

    "Das gibts doch nicht! HECTOR!", blaffte er und schnappte sich den Burschen.

    "Manfredo kann mir gestohlen bleiben!", fauchte Hec und versuchte sich zu befreien.

     

    "Du ziehst Dich jetzt augenblicklich um und ab mit Dir auf die Matte. Manfredo und ich haben was zu bereden", sagte Urban versöhnlich.

    "Ihr redet eh nicht. Ihr wackelt nur albern und röchelt rum", giftete der Knirps.

     

    "Bitte?!?", fragte Urban baff und setzte Hec neben sich.

    "Hab Euch gesehen", grinste Hector diabolisch, was den vierjährigen Knirps schlagartig alles andere als niedlich aussehen ließ.

     

    Einen Moment später schaute er Urban mit großen Kulleraugen an und klammerte sich schutzsuchend an ihn. Feuerheuffen nahm sein Mündeln in die Arme, legte ihm eine Decke um die Schultern und legte ihm eines der Bücher auf die Knie.

     

    "Eine Seite ordentlich lesen, dann ab ins Bett mit uns. Ich schreibe Manni eine Nachricht an die Tür", grinste Urban.

    "Mach ich. Fluffy schläft mit im Bett", freute sich Hector und versuchte die Schriftzeichen zu entziffern, während Urban eine Nachricht schrieb und an die Wohnungstür klebte.

     

    Kaum das er wieder abgeschlossen hatte, räumte er die Bücher ordentlich weg, setzte Fluffy ins Bett und löschte die Lichter bis auf ein kleines Nachtlicht. Urban deckte Hector und Fluffy zu, legte eine dicke Deckenwurst in die Mitte, so wie es der Kleine liebte und machte es sich neben ihm gemütlich.

     

    "Schlaf schön Heci", sagte Urban und schaute zu dem kleinen Kerl rüber, aber sein Mündel war schon mit seinem Hund im Arm eingeschlafen.

     

    Urban rollte sich auf die Seite und musterte Hector.

     

    `Er ist mein Lehrling. Aber er ist weitaus mehr. Im Kampf müssen wir uns hundertprozentig aufeinander verlassen können. Als Welpe muss er mir vertrauen, und ich musst das Vertrauen bestärken und ihn beschützen.


    Ich erinnere mich daran, wie es war Dich das erste Mal zu halten Heci.

    Ich hatte Dich eigentlich noch gar nicht richtig kennengelernt.


    Aber ab unserem ersten Tag, hast Du mich so behandelt, als wäre ich Dein einziger Freund. Du bist "warm". In meinem Arm hatte ich etwas Weiches, Warmes. Du hast geschlottert bei unserer ersten gemeinsamen Wacht. Es war Nacht und es war wirklich extrem kalt.


    "Mir ist so kalt", hattest Du geflüstert.


    Du hast die Worte gestammelt und ich habe mich richtig erschrocken und Dich in meinen Mantel gehüllt. Mein Mündel, meine Verantwortung! Ich konnte fühlen wie Du Dich entspannt und Deinen kleinen Körper gegen meinen gedrückt hast.


    Deine seelische und körperliche Wärme verschmolz mit meiner.

    Nie hätte ich gedacht, so ein Gefühl zu erfahren.

    So warm und innig.


    Einige Minuten verharrten wir so, Du unter meinem Mantel, ich schützend einen Arm um Dich gelegt. Kurz darauf hast Du Deinen struppigen Schädel hervor gestreckt und mich ganz genau angeschaut.


    Egal was Du warst und was Du sonst schon mit vier Jahren drauf hattest, Du bist nur ein kleiner Junge.

    Die Wacht verblasste, die Wärme kroch bis in mein Herz.

    Nicht ein Junge Du Idiot, mein Junge!

    Und ich begriff was es heißt Mündel zu führen.


    Da stand ich nun, ziemlich überrascht und hatte einen zitternden Bengel an der Seite. Dein Leben lag in meiner Hand.

    Was hatte ich durch den Zirkel verloren oder nie besessen?


    Die Antwort klammerte sich durch Dich an meine Seite.

    Zuneigung, Vertrauen....´, dachte Urban.


    Erneut nahm er den Kleinen in den Arm. `und ...eine Familie´.




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