Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprünglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Überfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Arafis

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#21

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:19

Während Arafis den Schlägen des wütenden Priesters auswich, der alles andere als tierlieb zu sein schien, hörte sie plötzlich die besänftigende Stimme Selan’s. Die Wölfin verstand seine Worte nicht, denn ihr Verfolger achtete keinen Augenblick darauf und verfolgte stur den angeblichen Köter, der den Tempel zu entweihen drohte.
Als der Mann einen Moment stehen blieb, um nach Luft zu schnappen, erkannte die junge Albin in einiger Entfernung den Nekromanten stehen. Sofort machte sie kehrt und rannte winselnd zu dem Tiefling hinüber.

Arafis verstand nicht, warum ein Tier keinen Tempel betreten durfte. Schliesslich waren Tiere, auch Hunde, freier von Sühne als mancher Mensch. So war ihr Unverständnis und ihre Trauer über die Arroganz des Priesters in ihren Augen zu lesen.

Der feinfühlige Selan begriff sofort, dass das Tier ihn als Retter erwählt hatte und nahm sich dieser Aufgabe auch direkt an.
Was Arafis jedoch nicht erwartet hatte war, plötzlich den Boden unter den Füssen zu verlieren und hochgehoben zu werden. Einen Moment zappelte sie etwas nervös, dann begriff sie jedoch, dass das nur kontraproduktiv war und der Nekromant ihr zu helfen versuchte. Also leckte sie ihm stattdessen dankbar über die Wange.

"He Moment mal, das ist doch Urakos Anhänger stimmts? Bist du etwa sein neuer Hund, von dem ich gehört habe? Eigentlich siehst du mir ja eher wie ein Wolf aus mein bester. Ach nein, du warst ja eine sie, meinte Urako, Verzeihung bitte!"

Och herrjeh, sogar Selan hatte bereits von Urako‘s Schosshund erfahren… Wie sollte sie da wieder rauskommen ohne sich zu erkennen zu geben?
Doch das war momentan nicht ihr grösstes Problem, denn der Priester kam bereits mit dem Stab fuchtelnd und wütend schimpfend auf sie zu.
Doch Selan schaffte es mit seiner überlegten und bedachten Art, den älteren Mann zum Schweigen zu bringen, so dass dieser schliesslich leise grummelnd davonzog.

"Dem hätten wir‘s gezeigt, nicht wahr?",
sprach Selan zu der Wölfin und setzte sie langsam wieder ab.
Gleich schien er jedoch wieder in Sorge zu sein und bedeutete der geretteten Arafis, auf der Stelle zu verharren, dann hastete er auch schon geduckt davon.
Doch Arafis, welche erst gerade wieder zu ihren beiden Tieflingen zurückgefunden hatte, wollte nicht einfach so hier rumstehen, erst Recht nicht, falls hier noch weitere giftige Priester rumirrten.

Also folgte sie, ebenso geduckt, Selan ins Innere des Tempels. Überrascht blieb sie stehen und blickte sich erstaunt um. Das Gewölbe war riesig und beeindruckend. Arafis, welche sich nicht gerne in Gebäuden aufhielt, schaute sich sicherheitshalber nach möglichen Fluchtwegen um, doch ausser dem Tor, durch welches sie gerade geschritten war, schien es keinen weiteren Ausgang zu geben.

Wo war Selan verschwunden?, vor lauter Staunen hatte die Wölfin ihn aus den Augen verloren.
Plötzlich hörte sie eine laute Stimme durch den Raum hallen: "Dann schau mal nach wo hier deine Geräusche sind, viel Spaß du Idiot."
Arafis spürte instinktiv, dass etwas nicht in Ordnung war. Schnell suchte sie Deckung im Schatten des Tempels, wo man sie nicht so gut erkennen konnte. Von dort beobachtete sie aufmerksam das weitere Geschehen.

Plötzlich verbreitete sich ein unglaublicher Gestank in dem heiligen Tempel. Arafis schüttelte sich und winselte gequält auf. Das war pure Qual für ihre sensible Wolfsnase. Das musste wieder Selan’s Werk sein. Sie wurde von ihrem Leiden abgelenkt, als sie polternde Schritte vernahm und tatsächlich ein bekannter Dämon in ihrem Blickfeld auftauchte. Als sie die Gestalt erkannte, erinnerte sie sich wieder an das Geschehen auf dem Markplatz – Orobas !
Wütend knurrte Arafis und musste sich beherrschen, nicht einfach auf den Tiefling loszustürmen.

Kurz darauf roch die Wölfin jedoch etwas Neues, was sie zutiefst beunruhigte.
Die junge Albin war wie erstarrt und versuchte den Ursprung zu erkennen. Im selben Augenblick zischte Urako’s Feuerspatz hervor und umschwirrte den wütenden Tiefling. Arafis blickte unruhig dem fliegenden Spatz hinterher, sie hasste Feuer, doch von dem Flattervogel schien keine Gefahr auszugehen, vor Allem, da Orobas ihn mit einer Wasserkugel in tausend Funken zerschlug. Beruhigt amtete Arafis auf.

Doch da bahnte sich bereits die nächste Katastrophe an. Wie einen Schatten sah sie Urako an der Wand entlangschleichen. Kurz darauf hing wieder der verräterische Geruch von Rauch in der Luft. Arafis wurde unruhig und blickte sich ängstlich um. Dann sah sie, wie ein Vorhang nach dem anderen lichterloh brannte. Und sie erkannte, wie Urako den Tempel vorne zu in Flammen setzte. Sie hatte jedoch keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Sie wollte nur noch weg!

Orobas war bereits verschwunden und jetzt sah Arafis Urako und Selan. Sie blickten sich offensichtlich nach einem Fluchtweg um. Überall waren Flammen, die Hitze breitete sich aus und dunkle Rauchschwaden hüllten den Raum in schummriges Licht.
Alles brannte, Vorhänge, Bänke, Teppiche. Die Waldalbin begann zu winseln und schliesslich zitterte sie am ganzen Körper.
Plötzlich hörte sie ein Pfeifen – Urako.
Arafis riss sich zusammen, nahm ihren ganzen Mut und hechtete geduckt den beiden Tieflingen hinterher.

Ohne darauf zu achten, wo es hinführte, sprang sie Urako hinterher in ein dunkles Loch. Bloss weg von den Flammen, bloss weg von erstickenden Rauch, von der Hitze und dieser zerstörenden Kraft.
Kaum hüllte sie die Kühle und Dunkelheit ein, sank sie am ganzen Leibe zitternd wie Espenlaub zu Boden.
Auch Selan folgte ihnen durch den Geheimgang.
Während Arafis so zusammengekauert am Boden lag und sich zu beruhigen versuchte, dachte sie über das gerade Geschehene nach. Die Tatsache, dass Urako Macht über Feuer hatte, verunsicherte sie zutiefst. Zum Glück wusste der Tiefling nicht, was für eine Angst die Flammen in ihr entfachen konnten.

Langsam wurde sie ruhig und lauschte auf die Geräusche. Ein modriger Geruch umgab die drei Gefährten. In weiter Ferne meinte sie Stimmen zu vernehmen, doch die verwinkelten Gänge verschluckten die Worte.
Jemand hatte die Falltür zugezogen, womöglich, damit der Rauch nicht auch nach unten dringen würde. Völlige Dunkelheit umgab sie, doch das störte die Wölfin nicht allzu sehr. Der Gang erinnerte sie an eine Höhle. Schliesslich stand sie auf und begann am Boden nach der Spur der Kampfmagier zu schnüffeln. Völlig vertieft folgte sie dem Geruch und entfernte sich Schritt für Schritt von dem Eingangsbereich hinein in die dunkle Schwärze.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#22

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:20

Selan hielt sich stark hustend die Hand vor dem Mund, sein Brust schmerzte vor dem beissenden Rauch, den er noch vor wenigen Sekunden ein athmen musste. Seine Augen tränten und schmerzten, doch wurde es langsam besser und richtete sich langsam aus seiner gekrümmten Haltung wieder auf. Kurz schweiften seine Blicke umher, um sich zu orientieren, jedoch viel es sehr schwer, der Gang in dem sie sich befanden war nur spehrlich beleuchtet, hier und da waren fackeln angezündet worden. Ein Blick genügte um zu sehen, dass sie neu waren, somit also von Ibn Altsalat stammen mussten und dieser Gang wohl sonst nicht genutzt wurde, was man auch unscheinbar an den vielen Spinnweben bemerkte, die man immer wieder berührte und ins Gesicht bekam.
Selan schritt vorsichtig die wenigen Stufen herauf, die sie gerade herunter gekommen waren und berührte sie kurz mit der Hand.

"Mhhh, die Eisenfalltür ist kochend heiß, damit wäre wohl bewiesen, dass sich das Feuer verschlimmert hat, damit wäre dieser Weg als Ausgang für uns geschlossen Urako."

Besorgt blickte Selan sich zu Urako und setzte sích auf ein der untersten Sufen. "Warum tuhst du so etwas? Wir wären doch auch anders aus der Situation gekommen, du hast Brandstifterei begangen! Du hast ein Gotteshaus angezündet, was denkst du wird man mit dir machen, wenn man dies heraus bekommt oder was wird Athronos höcst persönlich sagen, wenn er mit bekommt, dass du sein Haus zerstört hast?!"

Selan stand auf, ging zu Urako herüber und umarmte ihn. "Urako, du bist mein Schüler und bin froh, dass es dir gut geht und uns nichts passiert ist. Aber deine unüberlegten Handlungen werden uns noch mal richtig in Schwierigkeiten bringen! Hör bitte in Zukunft besser einmal auf mich, einverstanden? Ich möchte ja auch nicht schon wieder einen Schüler verlieren.", flüsterte Selan schon fast mütterlich Urako zu.

"Aber nun komm, wir haben noch etwas zu erledigen, wie wir uns entschuldigen und Wiedergutmachung leisten, überlegen wir uns später. Komm schon, die drei haben schon genug Vorsprung."

Selan erschrag kurz, gerade als er los gehen wollte sties er mit seinem Bein sacht gegen etwas weiches. Sofort zuckte er zurück und schaute was war, denn er befürchtete schon das schlimmst. Haben die drei etwa einem Priester etwas angetahn und hier versteckt? Doch war der Schreck um sonst, "Na sag einmal, was machst du denn hier, kleine Wöflin. Schau mal wer uns gefolgt ist Urako, deine kleine Freundin, will uns wohl nicht allein lassen?", freute sich Selan und streichelte die Wölfin auf dem rücken.

"Na kommt ihr beiden wir haben genug Zeit verloren."

Durch die Freude, dass beide Freunden nichts passiert was beflügelt, schritt Selan vorran in den nur gerade Mannshohen, nur spärlich beleuchteten Gang.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#23

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:20

Urako verschwand in dem finsteren Kellerloch. Instinktiv breitete er im Fall die Flügel aus, doch er fiel nicht weit. Seine Füße trafen auf kaltes Gestein und die Luft war angenehm kühl. Er atmete ein paar Mal tief durch, um den Rauch aus seinen Lungen zu bekommen. Da landete plötzlich die Hündin neben ihm. Sie krümmte sich zusammen. Das hatten auch die Straßenhunde getan, wenn er in Phintias alljährlich auf die Jagd nach ihnen gegangen war. Es bedeutete wohl so etwas wie Angst, falls Tiere dazu fähig waren.

Urako schaute, ob Selan gerade fort sah – er war gerade mit der zugeschlagenen Falltür beschäftigt – und klopfte sie sachte. Das hatte er sich von Arafis abgeschaut, die ihren Hund auf diese Weise manchmal lobte. Das Fell war weich wie das Haar einer Frau, nicht so hart und borstig wie der Pelz von Straßenkötern.
„Bist ein tapferes Mädchen“, flüsterte er. „Keine Angst, das Feuer kann dir hier unten nichts tun.“ Gleich darauf kam er sich dämlich vor. Das Tier verstand ihn ja doch nicht. Hoffentlich hatte Selan es nicht gehört, sonst machte er sich endgültig lächerlich. Doch sein Lehrer starrte noch immer auf den verschlossenen Ausgang.

"Mhhh, die Eisenfalltür ist kochend heiß, damit wäre wohl bewiesen, dass sich das Feuer verschlimmert hat, damit wäre dieser Weg als Ausgang für uns geschlossen Urako."
Urako spürte, wie sein Magen sich erneut zusammen zog bei der Vorstellung, meterdicken Stein über sich zu haben. Er musste würgen und erbrach sich, obwohl er gar nichts mehr im Magen hatte. Bis auf widerliche Säure kam nichts mehr heraus. Ihm wurde schwummrig und er musste sich an der Wand abstützen.

"Warum tust du so etwas? Wir wären doch auch anders aus der Situation gekommen, du hast Brandstifterei begangen! Du hast ein Gotteshaus angezündet, was denkst du wird man mit dir machen, wenn man dies heraus bekommt oder was wird Athronos höchst persönlich sagen, wenn er mit bekommt, dass du sein Haus zerstört hast?!"


„Danke, dass du dich so um mein Wohlbefinden sorgst“, krächzte Urako. „Mir ist hundeelend und alles, was dich interessiert, ist der kack Tempel.“

Selan stand auf, ging zu Urako herüber und umarmte ihn. "Urako, du bist mein Schüler und bin froh, dass es dir gut geht und uns nichts passiert ist. Aber deine unüberlegten Handlungen werden uns noch mal richtig in Schwierigkeiten bringen! Hör bitte in Zukunft besser einmal auf mich, einverstanden? Ich möchte ja auch nicht schon wieder einen Schüler verlieren."

„Schon gut, so war das nicht gemeint, kannst wieder garstig und abweisend zu mir sein, hörst du? Mein zermatschtes Gesicht hat dich ja auch nicht interessiert. Ach, ich vergaß, du musstest dich ja um denjenigen kümmern, der mir das angetan hat, musstest ihm Gürkchen auf seine Äuglein legen, während ich nicht mal einen Sitzplatz angeboten bekommen habe.“ Er sträubte sich und versuchte, so gut es ging zurück zu weichen. „Lass die Heuchelei, mir ist schon schlecht genug!“

Endlich ließ Selan ihn wieder los.

"Nun komm, wir haben noch etwas zu erledigen, wie wir uns entschuldigen und Wiedergutmachung leisten, überlegen wir uns später. Komm schon, die drei haben schon genug Vorsprung."


"Entschldigen? Ich muss mich für gar nichts entschuldigen! Wenn die Idioten hier zu dämlich sind, ordentlich zu bauen und alles beim kleinsten Fünklein in Flammen aufgeht, ist das nicht mein Problem. Im Gegenteil, es geschieht ihnen ganz recht."

Da bemerkte Urako, dass die Hündin begann herum zu schnüffeln. Rasch nahm sie eine Spur auf und folgte ihr den Gang entlang, die Nase dicht über dem steinernen Boden. Stolz kam in ihm auf und fegte seine schlechte Laune augenblicklich hinfort.

„Schau mal, was sie macht! Wie toll ich sie erzogen habe! Hat die stinkende Fährte vom ollen Altsalat aufgenommen, die Töle. Meine Töle, meine eigene! Jetzt brauchen wir ihr nur noch zu folgen, um dem Leichenknutscher den Arsch auf zu reißen.“

Und sie folgten ihr, Kilometer um Kilometer hinab in die Dunkelheit. Durch das Laufen kam Urakos Kreislauf wieder in Schwung und es ging ihm besser, je weiter sie kamen. Als Tiefling konnte er bei diesen Lichtverhältnissen auch ohne Fackel hervorragend sehen.

Unbeirrt trabte die Hündin vorneweg, so dass die Tieflinge manchmal Mühe hatten, ihr zu folgen. Urako troff vor Schweiß. So viel, wie er in der letzten Zeit gelaufen war, war er in seinem ganzen Leben noch nicht gelaufen. Seine Flügel hingen kraftlos herab, sein Pferdeschwanz klebte klatschnass in seinem Genick. Immer wieder wischte er sich mit dem Unterarm über die Stirn, da ihm der Schweiß in die Augen lief.

„Pause“, japste er. „Pause sage ich, blödes Viech!“
Doch die Hündin lief und lief, bis sie in einer großen Halle angelangten.
Urako verzog angewidert das Gesicht. Obwohl ihm vor Erschöpfung die Beine zitterten, blieb er stehen. Die Wände des Raums waren bedeckt von säuberlich gestapelten Gebeinen. Hunderte, wenn nicht gar tausende Tote mussten hier liegen.

„Was zum Henker ist das“, murmelte er und musste ein wenig grinsen. „Hehe, zum Henker“, wiederholte er. „Hast du verstanden, Selan? Zum Henker! Hr hr hr!“

„Großmeister, herrlicher Gebieter!“

„Wer, ich?“

„Wir haben nun genügend Probanden gefunden. Ich habe ihnen erzählt, die Familienmitglieder, mit denen sie noch einmal reden wollten, hätten mir mitgeteilt, sie seien von Handlangern der Allianz gemeuchelt worden. Nur die Blutrache könnte den Toten ihren Frieden bringen. Dreißig Probanden werden für uns gegen den Norden kämpfen.“

Jetzt begriff Urako, dass man nicht mit ihm redete.
Die Stimmen kamen aus einer verzierten Eisentür auf der anderen Seite des Saales.

„Das ist gut“, tönte eine zweite Stimme. „Weniger gut ist das, was mir ein Vöglein über dich gezwitschert hat. Etwas ist schief gelaufen.“

„Unmöglich! Ich habe auf alles geachtet. Die Preise waren so niedrig, dass niemand lästige Fragen stellt. Nicht alle haben sich ködern lassen, aber bei so einem preisgünstigen Angebot werden sie es wohl eher auf meine mangelnde Eignung als Nekromant schieben denn auf Betrug.“

„Es geht nicht um die … Kundschaft. Firxas hat in deinem Zelt etwas gefunden, wurde mir zugetragen.“

„Was sollte ...“

„Zeig es ihm. Zeig ihm, wie nachlässig er war!“

„Ja, Großmeister.“

Ibn schnappte nach Luft. „Das kann nicht ...“

„Offensichtlich doch! Jemand hat dir diesen Schädelspion untergejubelt! Was bedeutet, dass dieser Jemand von unserem Treffen heute weiß! Wir werden das Treffen mit den anderen trotzdem abhalten … mit einer kleinen Planänderung.“

Urako konnte hören, wie Orobas und Firxas kicherten.
Nur Ibn war offenbar ganz und gar nicht zum Lachen zumute.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#24

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:21

Arafis hörte dem Geplapper der beiden Tieflinge schon lange nicht mehr zu, sie hatte Witterung aufgenommen und folgte dem Gang hinab in die Dunkelheit. Auch Urako’s Gekeuche und sein Rumgejapse interessierte sie nicht weiter, nur der Geruch in ihrer Nase war noch von Wichtigkeit – und so schnell wie möglich eine grosse Entfernung zwischen sich und das Feuer zu bringen!

Auch wenn der reizende Gestank nach Rauch weniger wurde und die brennende Hitze im Tempel zurückgeblieben war, wollte Arafis weg vom Ort des Geschehens.
Plötzlich blieb die Wölfin abrupt stehen, so dass einer ihrer Gefährten beinahe über sie gestolpert wäre.
Wie gebannt blickte sie in die grosse Halle, welche sich vor ihnen in die Höhe wölbte. Sie schnüffelte etwas verwirrt in der Luft. Es roch abgestanden. Dann entdeckte sie die Gebeine, welche seltsame Gebilde formten. Angewidert verzog sie die Lefzen und eine komische Grimasse zeichnete sich einen Moment ganz untypisch auf dem Wolfsgesicht ab.
Sie schüttelte sich, wie um das grausige Bild abzuschütteln, als sie Stimmen hörte.

„Wir haben nun genügend Probanden gefunden. Ich habe ihnen erzählt, die Familienmitglieder, mit denen sie noch einmal reden wollten, hätten mir mitgeteilt, sie seien von Handlangern der Allianz gemeuchelt worden. Nur die Blutrache könnte den Toten ihren Frieden bringen. Dreißig Probanden werden für uns gegen den Norden kämpfen.“

Arafis verstand nicht, worum es ging. Verwirrt blickte sie zu Selan und Urako hoch, welche gebannt lauschten. So verhielt sich die Wölfin ruhig und versuchte die Unterhaltung mit zu verfolgen.
Irgendetwas schien eine der Stimmen zu verärgern.

„Zeig es ihm. Zeig ihm, wie nachlässig er war!“, fauchte die Stimme wütend.
„Das kann nicht ...“, versuchte sich der Beschuldigte zu verteidigen, und Angst schwang in seiner Stimme mit.
„Offensichtlich doch! Jemand hat dir diesen Schädelspion untergejubelt! Was bedeutet, dass dieser Jemand von unserem Treffen heute weiß! Wir werden das Treffen mit den anderen trotzdem abhalten … mit einer kleinen Planänderung.“

Während ihre Gefährten still waren und die anderen Tieflinge belauschten, hatte die junge Frau plötzlich das Bedürfnis, sich der Eisentür zu nähern. Auf leisen Pfoten schlich sie sich an dem Rand der Halle entlang. Neben ihr reihten sich die Gebeine hoch und ein Schauer lief ihr über den Rücken.
Als sie die Tür beinahe erreicht hatte, hörte sie neben sich plötzlich ein erschrecktes Aufquietschen und nahm eine schnelle Bewegung aus den Augenwinkeln war.
Im nächsten Moment blickten sie zwei feurig rote, weit aufgerissene Augen an. Vor Schreck gab Arafis einen erschrockenen Laut von sich und sprang zurück. Dabei prallte sie gegen eines der Knochengebilde, welches laut knatterte und wankte, jedoch glücklicherweise stabil genug war.
Das kleine Wesen nutzte unterdessen die Gelegenheit und die Wölfin erblickte gerade noch einen langen, haarlosen Rattenschwanz, der in die Dunkelheit davonhuschte.

„Was war das? Los geht nachschauen! Bewegt euch!“, knurrte gleich darauf die befehlerische Stimme und im nächsten Augenblick wurde die Tür weit aufgerissen. Arafis blieb wie erstarrt stehen, als das Licht einer Fackel auf ihrem Körper schimmerte.
„Na was haben wir denn da!“, lachte eine dämonische Stimme. Orobas kam mit drohenden Schritten auf die Wölfin zu.

Arafis erkannte den Tiefling, als sie seine rauhe Stimme hörte und seine massige Gestalt auf sich zukommen sah. Sie fühlte sich hilflos und hoffte, dass Selan und Urako sich nicht blicken liessen, denn offensichtlich waren sie in der Minderzahl. Gleichzeitig wünschte sich die Waldalbe nichts sehnlicher, als die Augen zu öffnen und aus einem bösen Traum erwachen zu können.

Ihre Augen waren starr auf Orobas gerichtet, so dass sie viel zu spät bemerkte, wie Firxas sich von hinten an sie herangeschlichen hatte. Als sie im nächsten Moment zwei kräftige, klauenbesetze Hände an ihrem Nacken spürte und sie von dem Gewicht des Tieflings zu Boden gedrückt wurde, war es bereits zu spät.
Arafis versuchte sich zu befreien, doch Firxas hatte sie fest im Griff und schliesslich gab die junge Frau nach und blieb regungslos liegen, abwartend, was nun weiter geschehen würde. Ihr Herz pochte ihr bis zum Hals und sie war überzeugt, dass man es in der ganzen Halle hören müsste.

„Hier, nimm den Strick, kannst dem Köter das Maul zuschnüren und die Beine, damit er nicht wegläuft. Das gibt n leckeres Abendessen! Scheint zwar nicht allzu viel Fleisch auf den Knochen zu haben, aber was soll‘s… Besser als diese matschige Gemüsebrühe! Und sobald wir das Schädelproblem von unsrem Altsalat gelöst haben, gönnen wir uns das Festmahl“, grinste Orobas und tätschelte sich zufrieden seinen Bauch.
In seiner Vorfreude auf ein Abendessen schien er gar nicht zu überlegen, wie der Wolf hierhergekommen sein könnte. Doch ob die anderen Tieflinge auch so gedankenlos wären?
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Selan Todaric

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#25

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:22

„Offensichtlich doch! Jemand hat dir diesen Schädelspion untergejubelt! Was bedeutet, dass dieser Jemand von unserem Treffen heute weiß! Wir werden das Treffen mit den anderen trotzdem abhalten … mit einer kleinen Planänderung.“

Selan schluckte, als ihn einige Schweißperlen über die Stirn liefen. Die fremden Gestalten wussten also nun, dass er im Zelt Ibns einen Schädelspion versteckt hatte. Glücklicherweise wussten sie nicht wer es war, auch nicht das sie wirklich hier waren und wo sie versteckt waren, konnten sie nicht einmal erahnen. Was dieser Raum auch war, er schien ein Knotenpunkt zu sein, dutzende Gänge führten zu ihm und wieder von ihm hinweg.

Nun war war Vorsicht angebracht, kein Laut durfte zu den Ohren jener, die sich in dieser riesigen Kuppel befanden vor dringen, waren sie doch gewarnt. Kurz huschte Selans Blick zu Urako hinüber, der zum Glück mit gedacht hatte. Kein Geräusch war von ihm zu hören, sowohl langsam waren alle seine Bewegungen. Er hatte instinktiv in diesem Moment richtig reagiert, was man jedoch nicht von sein Wölfin sagen konnte, denn diese schlich in diesem Moment aus dem sicheren Gang in die Kuppel und verschwand.

"Psssttt, Wölfchen komm wieder her. Bitte!", flüsterte Selan der davon schleichenden Wolfsdame noch hinterher. Aber diese zuckte nicht einmal mit den Ohren. Gehört hatte sie ihn sicher, da war der Tiefling sich sicher, was aber nicht bedeutete, dass sie auf ihn hörte.

Augenblicklich sah Selan zu Urako hinüber und ihre blicke kreuzen sich. Ernsthaft besorgt blickte Selan in die Augen seines Schülers, der ebenfalls für einen Moment sprachlos zu seien schien. "Versuch deine Wölfin bitte zurück zu rufen, sie wird uns noch verraten."

Doch war es schon zu spät, in diesem Augenblick hörte er ein kurzes jaulen und schon gleich darauf, dass zusammenstürzen eines Knochenhaufens.

„Was war das? Los geht nachschauen! Bewegt euch!“

Instinktiv zuckte Selan mit dem Kopf zurück und presste sich gegen die Wand des Ganges, in dem er sich mit Urako befand. Sein Herz klopfte schnell, spürte er es doch schon bis zum Hals. Schweiß lief ihm über die Stirn und schon zum zweiten male heute Abend merkte er, dass er für solcherlei Abenteuer keine alt zu guten Nerven hatte. Am liebsten wäre er in dem kalten, modrig nassen Steinwand hinter sich versunken.

Er hoffte nur alt zu sehr, dass man ihn und Urako nun nicht durch die Wölfin finden würde, denn ein Kampf wäre gegen diese Gestalten aussichtslos und auch der Rückweg ist durch den Brand verschlossen.

„Na was haben wir denn da!“

Selans Blut schien in diesem Moment zu Eis zu erstarren, als er diesen Satz hörte. Jeden Moment würde in seinen Gang einer der beiden Kerle eintreten können. Der Nekromant schloss kurz die Augen und ging jegliche Möglichkeit durch wie sie entkommen konnten, doch war der Tiefling das erste mal seit langer Zeit sehr ratlos. So ging ihm nur noch eines durch den Kopf. Hoffentlich bemerkte Urako nichts davon, war er doch sein Schüler. Ein Meister muss immer einen kühlen Kopf bewahren und selbst bei den bremsligsten Situationen noch einen Ausweg wissen, aber hatte dies hier mit einer normalen Ausbildung zu tun?

„Hier, nimm den Strick, kannst dem Köter das Maul zuschnüren und die Beine, damit er nicht wegläuft. Das gibt n leckeres Abendessen! Scheint zwar nicht allzu viel Fleisch auf den Knochen zu haben, aber was soll‘s… Besser als diese matschige Gemüsebrühe! Und sobald wir das Schädelproblem von unsrem Altsalat gelöst haben, gönnen wir uns das Festmahl“

Selans Augenlider schossen nach oben, sein Herzschlag wurde deutlich langsamer. Ein Moment der Ruhe kehrte in ihn ein. Sie wurden noch nicht entdeckt, dafür aber leider Urakos Wölfin.

Im Moment wusste Selan jedoch nicht, wie sie die arme befreien sollten, doch war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, jener würde aber kommen. Abwarten heißt in diesem Moment die Devise, dann könnte auch Urakos Haustier gerettet werden.

"Schaut doch mal Meister was wir gefunden haben, sieht der nicht lecker aus?"

Angewidert, sah der in einer dunklen Kutte da stehende die beiden an. "Lecker? Wiederwertige Kreaturen, dass seit ihr! Wo hast du solches Gesindel aufgetrieben Ibn? Aber gleich und gleich gesellt sich gern oder Ibn?"

"Werd nicht frech du, sonst....", hatte er noch nicht zu Ende gesagt, als ihm der Fremde mit der rechten Hand auf die Brust fasste. Nur einen Wimpernschlag später schleuderte ihn ein starker Windstoß gute acht Meter nach hinten, wo er auf dem harten Boden unsanft aufschlug.

"Ibn, dass war das letzte mal! Ich sagte es dir schon einmal, erhebe nicht das Wort gegen mich oder du bereust es.", sprach der Fremde mit erregter Stimme und näherte sich den am Boden liegenden Ibn und umschritt ihn andächtig im Kreis.

"Ibn, Ibn, Ibn, du denkst wohl immer noch, dass du ein ganz großer bist oder? Dabei dachte ich, diese Flausen hätten wir dir schon ausgetrieben?! Tja, tja... Als du damals in unseren Orden eingetreten bist und dies auch nur mit Hilfe eines guten Freundes im Rat, hatten wir dir gesagt, halte dich an die Rangordnung. Dabei müsstest du es doch so langsam wissen. Die 13 großen Priester des Palion Rates stehen an der Spitze, jeder dieser hat drei persönliche Diener, die ebenfalls auch Leibwächter und Boten für spezielle Aufträge sind, so wie ich es einer bin. Du hingegen bist nur einer der zehn untergebenen die jeder Diener wiederum hat. Also stehst du ganz unten auf der Stufe der Wichtigkeit. Du magst zwar stark sein, auch wichtig, auch ein guter Freunde von einem Priester, was aber nicht heißt, dass du nicht ersetzbar bist, verstehst du? So dass ich mich überhaupt herab lasse und hier her komme in dieses vor Ekel schäumende etwas.... Ibn, fühle dich geehrt. Hast du dies Verstanden?"

Langsam stand Ibn wieder auf, schmerzvoll musste für ihn dieser Zauber und die Landung gewesen sein, drückte er doch immer noch die Hand auf seine Brust. Stück für Stück raffte er sich auf bis er wieder auf beiden Beinen stand, sein Gesicht gezeichnet vom Schmerz.

"Mhhhh, ja oh großer Nocro...", sprach Ibn mit einem merklich ironischem Unterton.

Sehr gut, vielleicht machst du ja doch noch Fortschritte. Aber nur vielleicht, jedoch.... das du jemanden hier her gelockt hast, ist wahrlich... Tja was ist das richtige Wort? Falsch? Unglücklich? Schwachsinnig? Vielleicht einfach nur dumm? Vielleicht bist du ja auch nur Unaufmerksam geworden oder bist du Müde vom Leben, soll ich dir da vielleicht etwas weiterhelfen? Ein Wort genügt, tu mir den Gefallen, bitte! Aber nun ja, ich werde mir noch eine passende Bestrafung für dich einfallen lassen. Alles was du erfahren solltest, werde ich erst einmal für mich behalten. Ich werde dir alles weitere auf dem Schiff erzählen, sobald wir auf hoher See sind.

Ungläubig blickte Ibn Nocro an, "Auf einem Schiff, wohin und warum?"

"Es wird ein großes Treffen geben, mehr musst du im Moment nicht wissen. Kleiner Tip von mir, du solltest dir etwas warmes einpacken, wenn es nach Reikja geht. Wir treffen uns morgen Abend Punkt 17 Uhr, bei einem Schiff im Hafen. Geh einfach in die Bar "Zur betrunkenen Möwe" und frag den Wirt nach der "Eisernen Lanze im Drink", er wird dir weitere Anweisungen geben und wie du zu mir findest."

Mit weit aufgerissenem Mund und Augen blickte Selan Nocro hinterher, als er ohne ein weiteres Wort zu verlieren in einem dunkel Gang hinter sich verschwand.

Nur schrittweise zog Selan den Kopf langsam wieder in den Gang zurück und kauerte sich auf den Boden. Als hätte er ein Gespenst gesehen blickte er auf den Erdboden vor sich. Die rot gewordenen Augen zitterten in dem starken Farbgegensatz zu seiner weiß gewordenen Haut. Wie gelähmt lehnte er sich gegen die Wand und merkte dabei nicht, dass seit wenigen Minuten der kleine Rinnsal Wasser immer größer und tiefer wurde.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#26

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:22

Urako musste hilflos zusehen, wie seine Hündin gefesselt wurde. Man schnürte ihr alle vier Beine zusammen und dann auch noch das Maul zu. Firxas schien dabei besonders viel Spaß zu haben denn er blödelte die ganze Zeit herum, während Orobas lachte wie ein Vollidiot. Wie passend, er sah ja auch genau so aus.

Es fiel Urako schwer, ruhig zu bleiben. Sie vergingen sich an seiner Hündin, an seinem Eigentum! Dem, was ihm gehörte! Am liebsten würde er Firxas noch ein zweites Mal zerbeulen und Orobas den sorgfältig gescheitelten Skalp von der Rübe ziehen und seinem Kumpel die picklige Glatze. Natürlich, während sie am Leben und bei vollem Bewusstsein waren, fest gebunden auf einer …

Jetzt trat auch noch die weißhaarige Eiterbeule von Altsalat in Erscheinung – und ein mysteriöser Mann in einer schwarzen Kutte, der höchst unheimlich aussah, aber eine lächerlich hohe Stimme hatte. Vielleicht war er ein Kastrat.

Er und Ibn zankten sich wegen irgendeiner Rangfolge und dann folgte ein wahrer Wasserfall von Zahlen und Hierarchien, die Urako schon nach dem zweiten Nebensatz nicht mehr verstand.

"Es wird ein großes Treffen geben, mehr musst du im Moment nicht wissen. Kleiner Tip von mir, du solltest dir etwas warmes einpacken, wenn es nach Reikja geht. Wir treffen uns morgen Abend Punkt 17 Uhr, bei einem Schiff im Hafen. Geh einfach in die Bar "Zur betrunkenen Möwe" und frag den Wirt nach der "Eisernen Lanze im Drink", er wird dir weitere Anweisungen geben und wie du zu mir findest."

Der Kuttenmann, der von Ibn Nocro genannt worden war, machte kehrt, um erneut eins mit der Dunkelheit der Katakomben zu werden. Urako blickte fragend in Richtung seines Lehrers. Der kauerte da, hellgrün wie ein Kohlrabi und mit weit aufgerissenen Augen, die im Dunkel glühten. Er sah nicht aus, als ob er wüsste, was zu tun sei.

„Stehenbleiben“, befahl Urako und trat aus dem Dunkel. Sein Fuß patschte dabei in ekelhaft warmes Wasser und ihm sträubten sich sofort die Nackenhaare. Das Wasser war doch vorhin noch nicht da gewesen...? Egal, er hatte wichtigeres zu tun als sich um ein Rinnsal von Pisse zu kümmern.

Auf seinen barschen Befehl hin zuckte Firxas zusammen, der offenbar seine Stimme wieder erkannte. Der Kuttenmann vollführte augenblicklich eine Kehrtwendung. Vier Augenpaare starrten ihn an und plötzlich merkte er, dass er einen riesengroßen Fehler begangen hatte. Orobas hielt seine Hündin unter seine Achsel geklemmt und presste sie viel zu fest an sich. Urako sah sie für den Bruchteil einer Sekunde an, dann huschte sein Blick wieder zu Nocro.

„Die Dreizehn schicken mich.“

Die Augen der anderen schienen ihn in Flammen aufgehen lassen zu wollen, so sehr loderte der Hass in ihnen. Oder war das nur seine Aufregung? Sie starrten ihn an, als warteten sie darauf, dass er weiter sprach.

„Die dreizehn Priester des Palionrates, verdammt, ihr wisst schon! Ich soll euch sagen, dass, äh, dass der Treffpunkt geändert wurde, weil es eine undichte Stelle gab. Aus Sicherheitsgründen trefft ihr euch nicht in der Betrunkenen Möwe, sondern im Wabbligen Walross. Das neue Kennwort lautet, äh, es lautet Scheißhurensohn.“

„Quatsch, du bist kein Gesandter, du bist nur ein blöder Henker. Seit Jahren schon, schließlich haben wir von Anfang an für dich gearbeitet“, sagte Firxas und dann knackte er herausfordernd mit den Fäusten. „Du bist wohl scharf auf noch mehr Schläge, wie? Aber diesmal brauchst du nicht erwarten, dass ich mich mit meinen magischen Fähigkeiten zurückhalte. Hier ist niemand, der dein Gequieke hören wird, du Spanferkel.“

Urako blieb vor Empörung die Luft weg.

„Spanferkel, ja?!“


Er war sonst nicht auf den Mund gefallen, aber dass sein ehemaliger Untergebener ihm jetzt Beleidigungen ins Gesicht schleuderte und nicht einmal den Hauch von Unsicherheit dabei zeigte, zerrte an der Fassade, die er gerade mühsam hochzog.

Er räusperte sich und steckte die Hände in die Hosentaschen, damit man nicht sah, dass sie zitterten. Dort fand er den pinken Stachelstein, den Arafis ihm geschenkt hatte. Die feige Trulla machte es sich bestimmt gerade in Selans Entspannungssessel bequem und fraß seine Gemüsevorräte weg. Er schloss die Finger um den Stein, bis die Stacheln sich in seine Handflächen bohrten. Fast augenblicklich spürte er, wie sein Herzschlag ruhiger wurde.

„Spanferkel, ach, du alter Scherzkeks!“ Er lachte gekünstelt und klopfte Firxas auf die Schulter wie einem guten Kumpel, was dieser höchst argwöhnisch zur Kenntnis nahm. Auch Orobas zog die Augenbrauen hoch und blickte fragend in Richtung von Ibn, der wiederum fragend in Richtung des Kastraten schaute. Und der schaute zu Urako, doch sein Gesicht blieb im Schatten der Kapuze verborgen. Urako beschloss, ihnen keine Zeit zum Nachdenken zu geben und redete einfach weiter, was ihm gerade einfiel.

„Natürlich arbeite ich offiziell als Henker. Das ist natürlich meine Tarnung und irgendwie muss der Kult ja auch Geld ran kriegen. So schicke Kutten wie Herr …“ - er starrte den Kastraten an um zu schauen, ob er mit der Anrede überhaupt richtig lag, doch der rührte sich nicht - „... wie Herr Nocro eine trägt, müssen ja auch irgendwie bezahlt werden. Aber eigentlich ist es mir pupsegal ob ihr mir glaubt. Wenn nicht, dann ist das euer Problem, denn ihr seid es, die das Treffen dann verpassen.“

Nocro kam näher und trat unverschämt dicht an Urako heran. Sein Gesicht war die grobholzige Visage eines waschechten Poraha. Urako musste sich das Lachen verkneifen, weil die Erscheinung und die Stimme so überhaupt nicht zueinander passten. Er hatte den Drang ihn auf seine wahrscheinlich fehlende Männlichkeit anzusprechen und ihn nach allen Regeln der Kunst mit allerlei Schmähungen zu überhäufen. Er mochte keine Porahas. Er mochte überhaupt keine anderen Völker außer Tieflinge und gewöhnlich hielt er damit auch nicht hinter dem Berg.

Nocro - was sicher nur ein Tarnname war, denn so hieß kein Poraha – hatte ein Gesicht so hart, als sei es aus Stein gemeißelt. Es war sicher klüger, die Klappe zu halten, auch wenn er ohne seine Lakaien hier gewesen wäre.

„Wenn du wirklich von den Dreizehn gesandt wurdest, dann hast du doch sicher auch das Amulett mit, das dich als Boten ausweist“, piepste er.

„Das Amu... natürlich habe ich das Amulett dabei!“, sprach Urako im Brustton der Überzeugung und zog seinen Wutstein aus der Tasche. Er hielt ihn Nocro genau vor die grüne Nase. „Da, das haben sie mir persönlich gegeben. Und ich soll dir ausrichten, wenn du Probleme machst, dann fehlt dir bald noch ein Körperteil mehr.“

Die Kampfmagier und Ibn schnappten geräuschvoll nach Luft. Volltreffer, genau ins Schwarze! Urako triumphierte innerlich. Für so was hatte er ein Talent. Zwar für sonst nichts anderes, aber immerhin. Nocros Augen verengten sich zu funkelnden Schlitzen und er trat noch näher an ihn heran, so dass Urako seinen Kopf ins Genick legen musste, um ihm weiterhin in die Augen sehen zu können.

„Gut“, sagte Nocro unnatürlich ruhig. Und dann lächelte er. Urako lief ein Schauder über den Rücken. „Sehr gut sogar! Da du ja persönlich ausgewählt wurdest, uns diese Nachricht zu überbringen, ist dir ja ach bekannt, was dich nun erwartet.“

„Ja. Nein. Doch. Also ich wusste es, aber ich bin leider sehr vergesslich.“

Nocro kicherte glucksend wie eine Frau und legte den Arm um Urakos Schultern.
Dann schob er ihn unerbittlich mit sich.

„Komm. Du wirst uns auf der Reise begleiten. Du musst der senile Koch sein, den man mir versprach. Ich hatte dich zwar erst am Treffpunkt in der Hafenkneipe erwartet und nicht unbedingt einen Tiefling, aber das macht nichts, es müssen ja nicht alle Tieflinge so kulinarische Banausen sein wie die zwei hier. Es ist sehr aufmerksam von den Dreizehn, dich jetzt schon zu schicken. Wenn es etwas gibt, das ich liebe, dann ist es gutes Essen und senile Mitarbeiter! Die behalten die Details so gut für sich. Nicht wahr, Ibn?“

Orobas und Firxas lachten lauthals. Ibn zog einen krummen Mund und schwieg. Die Kampfmagier flankierten Nocro, ein Fluchtversuch war aussichtslos. Jetzt breitete sich Furcht in dem Henkerlein aus. Er war auf einmal gar nicht mehr Vorlaut und bereute es, seine Haut für einen blöden Hund riskiert zu haben. Er warf einen Blick nach hinten über seine Schulter, wo Selan in der Dunkelheit hocken musste. Seine Augen waren voller Angst.
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warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#27

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:23

Die Wölfin liess alles wohl oder übel mit sich geschehen, bis sie schliesslich an den Beinen gefesselt und mit zugeschnürter Schnauze unsanft zu Boden gedrückt wurde.
Was habe ich bloss wieder angestellt... Und wie komme ich aus dieser dummen Situation wieder raus?
Mit ängstlich aufgerissenen Augen starrte sie die Männer an, welche vor ihr standen und untereinander diskutierten.

"Es wird ein großes Treffen geben, mehr musst du im Moment nicht wissen. Kleiner Tip von mir, du solltest dir etwas Warmes einpacken, wenn es nach Reikja geht. Wir treffen uns morgen Abend Punkt 17 Uhr, bei einem Schiff im Hafen. Geh einfach in die Bar "Zur betrunkenen Möwe" und frag den Wirt nach der "Eisernen Lanze im Drink", er wird dir weitere Anweisungen geben und wie du zu mir findest."

Reikja? Arafis verstand kein Wort, trotzdem waren ihre Ohren gespitzt.
Einer der Männer wollte sich nun gerade abwenden, um in der Dunkelheit unterzutauchen, als die junge Albe Schritte hörte und gleich darauf eine bekannte Stimme: „Stehenbleiben!“

Urako? War ja klar, dass der wieder nicht abwarten konnte, sondern sich in Gefahr begeben musste. Ihm musste doch klar sein, dass er und Selan in der Minderzahl waren und keine Chance gegen diese Bande hatten.
Trotz ihrer aufblitzenden Wut war sie doch erleichtert, dass sich ihre beiden Gefährten offensichtlich nicht einfach aus dem Staub machten.

Doch der hellhäutige Tiefling liess sich nicht beirren und begann irgendwelche Märchen aufzutischen, die sogar in Arafis’s Ohren nach Lügen mieften!
Darauf sollten diese Bösewichte reinfallen?!

Aber zu ihrem Erstaunen meisterte Urako die Situation mit Bravour und veräppelte die Kapuzenmänner auf wundersame Art und Weise.
Doch Nocro, der wohl der Anführer war, liess sich nicht so leicht beirren, „Wenn du wirklich von den Dreizehn gesandt wurdest, dann hast du doch sicher auch das Amulett mit, das dich als Boten ausweist“, piepste er.

Schon wurde die Wölfin wieder unruhig, was für ein Amulett sollte Urako aufweisen können?
Doch zu ihrem grossen Erstaunen präsentierte er Nocro doch tatsächlich ihren pinken, stacheligen Stein, dem sie im ganz am Anfang ihrer Reise geschenkt hatte. Er hatte ihn tatsächlich bis heute aufbewahrt. Die Albin freute sich darüber, obwohl sie das gegenüber Urako bestimmt nicht zugegeben hätte.

Urako schien den Poraha überzeugt zu haben, doch direkt darauf bahnte sich das nächste Problem an.
„Komm. Du wirst uns auf der Reise begleiten. Du musst der senile Koch sein, den man mir versprach. Ich hatte dich zwar erst am Treffpunkt in der Hafenkneipe erwartet und nicht unbedingt einen Tiefling, aber das macht nichts, es müssen ja nicht alle Tieflinge so kulinarische Banausen sein wie die zwei hier. Es ist sehr aufmerksam von den Dreizehn, dich jetzt schon zu schicken. Wenn es etwas gibt, das ich liebe, dann ist es gutes Essen und senile Mitarbeiter! Die behalten die Details so gut für sich. Nicht wahr, Ibn?“

Orobas und Firxas gröhlten los und Arafis lief ein Schauer über den Rücken.
Im nächsten Moment spürte sie einen festen Griff, und wurde hochgehoben. Einer der Tieflinge hatte sie sich unter seinen Arm gesteckt und sein Körpergeruch kratzte sie unangenehm in ihrer empfindlichen Nase.
Urako trottete hinter ihnen her, seine Selbstsicherheit von vorhin schien sich in Luft aufgelöst zu haben.

Arafis wusste nicht, wie sie sich aus dieser Klemme befreien könnte.
Während sie durch dunkle Gänge gingen, die nur von einigen Fackeln beleuchtet wurden, blickte sie immer wieder ängstlich zu Urako zurück. Doch dieser war wohl gerade mit seinem eigenen Schicksal allzu beschäftigt.

Eine lange Zeit liefen sie nun schon, als die Truppe schliesslich stehen blieb. „Hier ist das Tor nach Draussen. Geht gestaffelt, es ist zu auffällig, wenn wir alle zusammen hinaustreten! Wir treffen uns im Walross“, erklang der Befehl des Anführers. So teilten sie sich auf. Orobas trat zusammen mit Nocro und Ibn hinaus, etwas später folgten Firxas mit Arafis unter dem Arm, sowie Urako.

Helles Licht flutete der Wölfin entgegen, und mit einem leisen Winseln presste sie die Augen zusammen. „Ruhe Mistköter, bald wirst du im Kochtopf braten! Ich hoffe du weisst, wie man gutes Hundegulasch zubereitet, Henkerlein!“, lachte Firxas böse und trat dann mit grossen Schritten vorwärts.
„Auf zum wabbligen Walross, ich brauch n kräftigen Met!“, brummte der Tiefling dann und verschwand mit Urako im Schlepptau in Richtung einer engen Gasse.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#28

Beitrag von Ainuwar » Sa 21. Mär 2015, 14:23

Die letzten Worte Necros verhallten in der unterirdischen Halle. Sanft legte er dabei seinen Arm um Urakos Hals, als sie langsam in den Katakomben verschwanden und dabei nicht bemerkten wie der Raum, den sie gerade verließen immer düsterer wurde. Ein eiskalter Lufthauch schlich langsam und beharrlich durch die Katakomben. Er brachte eine Stimmung mit sich, die jeden, den der Nebel berührte, die einem die Nackenhaare zu Berge stehen ließen.

Die Luft fühlte sich plötzlich, wie elektrisch aufgeladen an, ein kribbeln, ein unbeschreibliches Gefühl auf der Haut, welches für jeden der es merkte unnatürlich war, nicht von dieser Welt. Immer stärker und bedrohlicher wurde der eisige Wind, peitschend. Ein bedrohlicher dunkler Schatten kroch langsam über die alten modrigen und übel riechenden Wände der Katakomben. Immer stärker flatterten die wenigen Fackeln die die unterirdische Halle erleuchteten, bis sie fast ihre gesamte Leuchtkraft verloren und nur noch trüb daher leuchteten.

Genau in diesem Moment begann ein Stück der Mauer, gleich neben dem Ausgang der Halle an optisch zu verschwimmen. Es sah aus, als würde die Wand leben, sie bewegte sich, wie stürmische Wellen am Meer, immer rythmischer wurden die Bewegungen, bis ein dunkler Wirbel von gut drei Meter Durchmesser entstand. Ein dunkles blaues Licht begann sich seinen Weg durch den Wirbel, der gerade entstand in die Halle zu bahnen. Dunkle Rauchschwaden krochen langsam und beachtlich aus dem Wirbel heraus und überfluteten schnell den Boden der Halle.

Zwei helle Punkte mitten im Wirbel glänzten hervor und starrten beängstigend und unheimlich stur gerade aus. Urplötzlich schnellte eine dunkle Hand aus dem Wirbel, bedrohlich, faltig sah sie aus, mit fünf langen Fingern, die spitze Krallen an ihren Enden hatten.

„Du!“, erschütterte plötzlich eine Stimme die Halle!

Ein finsterer Kopf ragte aus dem Wirbel heraus und gleich drauf ein Oberkörper. Nur unwirklich erschienen die Umrisse dieses Wesens, begann doch diese dunkle Person, beinahe mit dem Nebel der aus der Öffnung kam eine Einheit zu bilden. Nur Ansatzweise war die Gestalt, um die ein dunkler Neben zu existieren schien zu erkennen. Zentimeter für Zentimeter verließ sie den dunklen unheimlichen Wirbel.

„Du! Ich habe dich gesucht!“, sprach die bedrohliche dunkle Gestalt und zeigte mit dem Finger mitten in den Raum.

„Du.... Wo bist du? Wo seit ihr Sterbliche?“

Unsicher blickte die Person aus dem Wirbel heraus und sah sich um. Der Wirbel Schloss sich, als die Gestalt heraus getreten war. Nun Mitten in der Halle stand die finstere Gestalt mit langen Armen, die er kurz gebeugt vor dem Arm hielt. Ständig waren die langen und spitzen Finger in Bewegung, als würde es ein Instrument spielen. Beachtlich schwebte die Gestalt über den Boden, Beine hatte es keine. Ging doch sein Torso in diesen dunklen Nebel direkt über, der den gesamten Boden bedachte.

Immer noch blickte die Person sich um. Suchend streiften die Blicke durch den schwach erleuchteten Raum.

„Wo sind die denn alle hin? Verdammt noch eins, ich bin Gott Athronos, zollt mir Respekt und kriecht aus euren Rattenlöchern, ich befehle es euch!“, hallte es durch die Halle und die anschließenden Katakomben. Aber erschien, selbst darauf niemand.

„Mhhh, war mein Auftritt wieder zu theatralisch und langatmig? Nein, der war eindeutig gelungen! Sogar sehr gelungen, wie es sich für den Gott der Unterwelt gehört.“, sprach die Gestalt und schlug mit der rechten Faust selbstsicher in die linke Handfläche.

„Kurze, schwache Auftritte auf dem Niveau von Kargon... Nein, auf so etwas lasse ich mich nicht herab.“, begann der Gott selbst über sich zu philosophieren, schwebte im Raum Ziel los umher und stützte dabei dabei mit der rechten Hand sein Kinn.

„Wo ist diese halbe Promenadenmischung nur hin? Das gibt es doch nicht! Hat denn keiner mehr Respekt vor Göttern? Da lässt man sich einmal ein paar hundert Jahre nur selten sehen und schon denkt jeder die Seelen putzen sich von allein oder!? Elendes Sterbliche!“

Lachen war von fernen zu hören, es musste weit durch die Gänge geschallt sein, war es doch nur unscheinbar zu hören. „Du machst Scherze, Athronos Tempel abgefackelt, wirklich?!“, piepste eine hässliche kleine Stimme.

„Was? Sind sie etwa einfach weiter gegangen, ohne mein Erscheinen ab zu warten und was kommt mir da zu Ohren?“

Rot glühten die Augen im dunklen Nebel und Augenblicklich war der Spuk vorbei und die Gestalt war verschwunden.

Anderer Orts:

Helles Licht flutete den Kanalschacht, aus den Ibn, Urako, Firxas und Orobas gerade kletterten. Schnell presste die Wölfin die Augen zusammen, da das Licht der grellen Sonne, die an die gerade noch dunklen Gänge gewöhnten Augen schmerzten. Ein letzter Schritt und Ibn, Urako, Orobas und Firxas der die Wölfin im Schlepptau hatte standen mitten auf einer vom Regen ausgewaschenen Pflasterstraße.
Ein leises Winseln entwich der Wölfin, beinahe unhörbar.

„Ruhe Mistköter, bald wirst du im Kochtopf braten! Ich hoffe du weißt, wie man gutes Hundegulasch zubereitet, Henkerlein!“, lachte Firxas böse und trat dann mit großen Schritten vorwärts.

„Auf zum wabbligen Walross, ich brauch n kräftigen Met!“, brummte der Tiefling dann und verschwand mit Urako im Schlepptau in Richtung einer engen Gasse.

„Stehen bleiben!“, donnerte plötzlich eine Stimme, die von überall her zu kommen schien.

Schlagartig zog der Himmel zu, dunkle Wolken sperrten beinahe jegliches Licht der Sonne aus. Mächtige blaue Blitze zuckten vom Himmel herab, steckten dabei hier und da Bäume in Brand.

Urako, Orobas und Firxas, zuckten zusammen.

Firxas lies vor Schreck die Wölfin fallen und schlug die Hände über den Kopf zusammen. „Was ist, dass? Was passiert hier?“

„Pfff, billige Zauberei, vermutlich von unserem Spion wie ich vermute.“, erwiderte Ibn trocken, ohne auch nur den Hauch von Angst zu zeigen, ganz und gar im Gegensatz zu Firxas und Orobas, die am ganzen Leib zitterten.

„Billige Zauberei? Ich zeige dir gleich billige Zauberei, du kleiner unwichtiger sterblicher Nekromant!“, sprach es abermals. Dieses mal aus einer bestimmten Richtung. Schlagartig drehten sich alle um.

Ibn, war noch der einzige der sich halbwegs beherrschen konnte, nur seine Augen wurden größer und seine Hände fingen an zu zittern. Orobas und Firxas hingegen erblickten mit groß aufgerissen Augen und Mund eine mächtige Gestalt, die weit über zwei Meter groß war und gerade immer größer wurde.

Drei Meter, vier Meter, fünf Meter, die dunkle Gestalt, die von einem dunklen Nebel umhüllt war schien immer größer zu werden. Feuerrot leuchteten die Augen, reine Bösartigkeit und Wut war für jeden ersichtlich der es schaffte auch nur einen Augenblick in das unheimliche Gesicht zu schauen.

Mehr als sieben Meter war die Gestalt nun groß, Orobas reckte den Kopf nach oben, ohne auf sein Gleichgewicht zu achten und viel dabei Rücklinks auf seinen Hintern und konnte sich dabei gerade noch einal mit den Händen abstützen, um nicht komplett auf der Straße zu liegen.

„Das, dass ist mir zu viel, ich bin weg!“, brüllte er, schnellte auf und rannte einige Meter weg, bis ihn ein vom Himmel herab fahrender Blitz stoppte und er abermals auf den Hintern viel.

„Hier geblieben, du unnützes Wesen, ihr habt Athronos wütend gemacht! Unwürdige! Erst wartet ihr nicht bis mein Erscheinen in der unterirdische Hallte beendet ist, dann entführt ihr diese Promenadenmischung mit der ich ein Wörtchen reden muss, dann höre ich was von einem zerstörten Tempel von mir und nun ist meine Macht billige Zauberei?“

Athronos redete sich in rage, die Erde bebte bei jedem Wort.

„Diese Wölfin!“, sprach der Gott und zeigte mit dem rechten langen Zeigefinger auf sie. „Du hast mich angebetet und ich sollte erscheinen, nun hier bin ich. Jedoch, warum bist du in dieser Gestalt? Sprich!“

„Und du! Warst du es nicht der mich gerade einen billigen Zauberer nannte? Aber noch wichtiger, wer von euch, hat meinen Tempel zerstört? Wer ist der Frevler! “

Selan Todaric

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#29

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:24

War da gerade Urako zusammen mit Ibn, Orobas, Firxas und dieser ominösen Gestalt Necro verschwunden? Selan konnte es nicht glauen, was war hier los? Ein Kult der Palion aus seiner Gefangenschaft befreien will, ist schon schlimm genug, aber was sollte das von Urako?
Selan grübelte, während um ihn herum unmerklich immer mehr das Wasser anstieg.

War Urako wirklich nur ein abgesannter der 13 und hatte allses so eingefädelt, dass er hier her kam?
Hatte er Selan die gesamte Zeit getäuscht? Oder war dies alles nur eine Finte von ihm, jedoch, nein..... Selan begann alles immer und immer wieder nach zu denken. So richtig wollte ihm keine Möglichkeit so richtig zu sagen. Verfolgte Urako vielleicht noch ganz andere Plände, eigene? Nutzte Urako Selan nur aus?

Würde er sich selbst so in Gefahr bringen und Necro, sowohl den anderen ein Lügenmärchen aufbinden, um in Sicherheit zu kommen? Jedoch, warum ist er nicht in den Katakomben geblieben, keiner wusste, dass sie da waren. Keiner hatte sie bemerkt und waren doch schon am gehen. Zudem, wo sollte Urako sonst so etwas geheimes von Necro wissen, wenn nicht von den 13? Zudem hatte er ja auch den Beweis dabei.

Genau, der Beweis! Hatte er ihn nicht von Arafis? Sollte Arafis auch zu den 13 gehören. Erzählte nicht Nercro etwas von untergebenen der 13, sollte Arafis auch dazu gehören?

Selan liefen einige Tränen über seine dunkle gelbe Haut. Alles begann für ihn plötzlich einen Sinn zu ergeben. Sein Herz schmerzte und war kurz davor zu zerspringen. Gedanken und Bilder schossen ihm durch den Kopf. Gedanken über die schöne, wenn auch kurze Zeit, die sie mit einander hatten.
Schwer war es dies zu ertragen, wenn Selan nun daran denken musste, dass beide ihn nur benutzt hatten. Jedoch warum? Warum gerade er?

Der Nekromant war vollkommen verwirrt, hätte er doch nicht gedacht, von den beiden so betrogen zu werden.

„Du! Ich habe dich gesucht!“

Riss ihn plötzlich aus seiner Gedankenspirale wieder heraus und dachte er doch gerade man habe ihn entdeckt, als er merkte, dass alles um ihn herum dunkler geworden war. Ein kurzer Blick in die Kammer erschrack ihn zu tiefst. Eine unheimliche dunkle, in schwarzen Nebel gehüllte Gestalt stand plötzlich da. Schnell zog er den Kopf in sein Versteck zurück, wer war dies? Einer der 13?

„Du.... Wo bist du? Wo seit ihr Sterbliche?“

„Wo sind die denn alle hin? Verdammt noch eins, ich bin Gott Athronos, zollt mir Respekt und kriecht aus euren Rattenlöchern, ich befehle es euch!“

>Athronos, dass kann nicht sein, was hat der Gott der Unterwelt und der Toten hier zusuchen.<, dachte sich Selan.

Erst jetzt bemerkte er, dass das Wasser immer stärker anstieg und er schon eine weile vom Wasser umgeben war, im sitzen reichte es ihm schon bis zum Bauch, zudem schien es immer schneller an zu steigen. Langsam sah er noch einmal nach der Gottheit, sie schien wütend zu sein. Noch ein Grund mehr für Selan, sich besser nicht zu zeigen. Doch lange könnte er seine Anwesenheit nicht mehr verbergen, dass Wasser stieg und stieg.

>Bitte, verschwindet Gott Athronos, sonst ertrinke ich.<, schoss dem Nekromanten durch den Kopf. Der Gott der Unterwelt, schien es aber nicht eilig zu haben und lobte sich selst und sein Erscheinen über alle Maßen, dass Selan schon etwas grinsen musste, wie eitel er doch war.

„Was? Sind sie etwa einfach weiter gegangen, ohne mein Erscheinen ab zu warten und was kommt mir da zu Ohren?“

>Ich habe es dir gesagt Urako, so eine Schande bleibt nicht unbeachtet, Gott Athronos wird dich strafen, so leid es mir tut. Aber hören wolltest du ja nie.<

Selan schnaufte leise vor sich her. Saß der Schmerz immer noch sehr tief, machte er sich doch aber trotzdem Sorgen um Urako, war er doch in einem Teil seines Herzens immer noch sein Schüler und konnte sich mit den unumstößlichen Fakten und Tatsachen nicht abfinden.

Und plötzlich war die Gottheit verschwunden. Selan athmete tief durch, nicht zu knapp, wie er sich dachte, stand ihm das Wasser doch mittlerweile im stehen schon bis knapp zur hüfte.

"Ich muss hier schnellstens raus, doch wohin?", ängstlich blickte Selan sich um. Sieben Ausgänge hatte die Halle, doch welchen sollte er benutzen? Aus den Augenwinkeln bemerkte Selan, dass sich ein kleiner Teil des dunklen Nebels in einmem Tunneleingang samelte. Wusste er nicht warum, aber sagte ihm irgend etwas in seinem innersten, dass er in den Gang dieses Nebels gehen sollte.

Schwer waren die Schritte für Selan. Jeder Schritt in dem kalten Wasser war anstrengender, als jegliche Bergstrecke. Zäh bewegten sich seine Beine und nur langsamen schrittes kam er vorran. Anfangs dachte er noch, die kälte, die ihn mittlerweile einholte spielte seinem Kopf schon streiche, aber schien es wirklich, dass der schwarze Nebel sich nicht verzog, sondern ihn durch die Katakomben führen würde.

"Hoffentlich irre ich mich nicht mit diesem Nebel, in ein paar Minuten ist hier alles mit Wasser voll. Wohin führt er mich, macht er dies überhaupt oder bilde ich mir dies alles ein. Warum sollte mir auch der Nebel bzw. Athronos helfen, bin ich doch kein Anhänger von ihm."

Wieder ging es einige dutzend Meter gerade es, einen Bogen nach links, nur um gleich wieder schräg nach rechts ab zu biegen. Dem Nekromanten pochte das Herz bis zum Hals, todesangst machte sich in ihm breit. Schweiß tropfte von der Stirn und jeder tropfen schien den Wasserspiegel nur noch mehr ansteigen zu lassen. Bis zum Hals stand Selan das Wasser und noch immer war kein Ausgang in Sicht.

Ist es Möglich das diese Katakomben so wenig Ausgänge haben oder führt ihn der Nebel nur im Kreis? Ist das ein Scherz Athronos, will er Selan zu sich holen, aber warum so qualvoll, weil er ihn nicht anbetete?

Immer hecktischer wurden Selans bewegungen, immer langsamer kam er vorran. Unter seinen Füßen gab etwas nach, er rutschte weg und war unter Wasser. Am liebsten hätte er vor Angst geschrien, doch riss er sich noch einmal zusammen und tauchte nach oben. Kaum hatte sein Kopf noch an der Oberfläche platz und der Nebel war verschwunden.

Hecktisch blickte sich Selan um, wo war der Nebel? Sollte es das für Selan gewesen sein?

Nein! Er wollte nicht aufgeben und versuchte noch zur nächsten Abbiegung zu kommen. Ein letzter Blick um die Ecke offenbarte den Nebel an einen leicht erhellten Ecke eines Ganges, bis das Wasser die Decke erreichte.

Ein guter Schwimmer war Selan nicht, doch kämpfte er sich die wenigen Meter tauchend vorwärts. Konnte er in der Finsternis nur erahnen wohin er schwamm, aber war dies die letzte Chance die er hatte. Ein dumpfer Schmez durchfuhr ihn, als er mit dem Kopf gegen etwas prallte. Schnell griff er zu, es musste eine Leiter sein. Schnell griff er mit der anderen Hand zu und folgte ihr nach oben. Mit letzter Kraft durchstieß er die Wasseroberfläche und holte tief Luft. Erst in so einem Augenblick merkt man, wie wichtig und kostbar, dass ist was man nie beachtet, die kostbare Luft zum Athman, ging Selan in diesem Moment durch den Kopf.

Wenige Meter weiter folgte er der alten rostigen Leiter nach oben, bis er an eine runde löchrige Metallplatte kam. Mit aller kraft stemmte sich Selan gegen sie, bis sie nach einigen Augenblicken nach gab und den Weg in die Freiheit frei gab.

Selan kletterte aus dem Katakomben, die beinahe sein Grab geworden wären. Total durchgenässt viel Selan um auf den Rücken. Die ersten Sonnenstrahlen berührten sein Gesicht. Fast wie eine Streicheleinheit kam es ihm vor. Er schloss die Augen, konnte er es kaum fassen, dass er dies überlebt hatte.

Ein mächtiger Blitzeinschlag nur wenige Meter neben ihnin einem Baum beendeten seine Träumereien. Der Nekromant öffnete die Augen und wo gerade noch die ersten Sonnenstrahlen des Tages waren, war nun ein stock finsterer Himmel, von denen sich blaue Blitze ihren Weg zur erde suchten.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#30

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:24

„Und du! Warst du es nicht der mich gerade einen billigen Zauberer nannte? Aber noch wichtiger, wer von euch, hat meinen Tempel zerstört? Wer ist der Frevler! “

Urako stand da mit offenem Mund und starrte auf den baumhohen Schattenman.

„Er war`s, er hat den Tempel angezündet, ich hab`s gesehen“, platzte er geistesgegenwärtig heraus und zeigte auf Firxas, mit dem er sowieso noch eine Rechnung offen hatte. Firxas widerum zeigte auf Orobas und machte dabei große unschuldige Augen, die ihm denkbar schlecht zu Gesichte standen. Orobas schüttelte so rasch er konnte seinen Kopf und zeigte auf Ibn. Und Ibn lachte.

„Ihr solltet euch mal sehen, ein Haufen Waschweiber!“
Er trat einen Schritt vor und stemmte beide Hände in die dürren Hüften.
„Und wenn ich es gewesen bin, was dann? Hm?“
Er streckte seine Hühnerbrust heraus.
„Eine derart schlechte Illusionsmagie habe ich schon lange nicht gesehen. Der Kontrast zur Realumgebung ist viel zu schwach und die Frequenz der Schwingungen ist vollkommen unrealistisch. Das Machwerk eines Amateurs.“
Er spuckte in den Schatten hinein.

Die drei Tieflinge sahen sich an. Triumphierend registrierte Urako die hilfesuchenden Blicke der beiden Kampfmagier. Nocro hingegen betrachtete gebannt das Schauspiel, ohne sich um die Ratlosigkeit seiner Untergebenen zu kümmern.

„Los, wir verziehen uns", übernahm Urako das Kommando. "Bewegt eure Ärsche, Altsalat schmeißt hier den Laden.“ Es tat gut, wieder einmal jemanden herum zu kommandieren. Sie machten sich eilig auf in Richtung des Wabbligen Walrosses, fort von der unheimlichen Erscheinung. Auch Nocro riss sich aus seiner Starre und rannte ihnen hinterher. Sie keuchten im Laufen, bei Nocro klang es wie eine stöhnende Frau, was das Henkerlein belustigte. „Ibn ist zwar ein Schussel", keuchte der Magiermeister, "aber manchmal bin ich froh, dass ich ihn habe. Er wird sich um den Scharlatan kümmert. Ich hoffe, in der Ersatzschänke, die du genannt hast, ist es auch so gemütlich wie in der Betrunkenen Möwe.“
Urako grinste.
„Noch viel gemütlicher.“

Das Wabblige Walross war schon von weitem zu riechen. Im Gegensatz zu anderen Kneipen roch es hier nicht nach Tabakdunst, Bratenfleisch und Alkohol, sondern der Duft erinnerte an ungewaschene Füße und alte Abwaschlappen.
„Käse“, sagte Orobas, während er das mit Kreide auf eine Tafel geschriebene Menü las. „Nichts als Käse! Käsesuppe, Käsehappen, Brot mit Käse, Käse mit Käse, sogar Käsebier!“

Sein Kumpel Firxas blickte sich verunsichert um. Seine Glatze glänzte feucht, denn der große Kachelofen war mehr als großzügig angeheizt worden. „Ich war noch nie in einer Berggipfler-Kneipe“, sprach er mit gerunzelter Stirn. „Es ist hier so ordentlich und sauber, dass ich mich kaum traue zu furzen.“

„Seht nur diese herrlichen Holzbänke“, quiekte Nocro entzückt. „Und die Tische, sogar mit Tischdecken! Da haben sich die Dreizehn endlich mal einen Treffpunkt überlegt, der meines Standes angemessen ist. Ich habe diese herunter gekommenen Säuferabsteigen ja so was von satt!“
Zufrieden grinsend ließ er sich an einem Vierertisch nieder. „Die meisten glauben, ein Poraha müsse automatisch primitive Umgangsformen pflegen und sich mit den Hunden auf dem Erdboden sielen. Ich freue mich, dass man sich meine Beschwerden endlich zu Herzen genommen hat. Kommt, setzt euch doch!“

Die Tieflinge nahmen auf den polierten Holzbänken Platz. Urako registrierte voller Genugtuung den sauberen Lehmfußboden und die sorgfältig in Falten gelegten Fenstervorhänge. Er war froh, dass ihm im richtigen Moment eingefallen war, dass sein Vater während seiner Amtszeit als Fürst gern hier gespeist hatte. Jetzt würde Urako sich auf Nocros Kosten den Wanst mit erlesenen Spezialitäten voll schlagen, bis er platzte!

Eine dicke Zwergin mit roten Apfelbacken kam lächelnd zu ihnen herüber gewatschelt. Sie sprach eine Reihe von Empfehlungen aus, aber Urako wusste schon genau, was er wollte: das Leibgericht seines Vaters. Ein einziges Mal in seinem Leben wollte auch er speisen wie ein Fürst!
„Ein Laib Dornhammer Edelherb mit Kastaniensplittern, dazu zehn Scheiben Wiesenländer, gefüllt mit Hundskäse. Zum Nachtisch gebackene Raschtar-Rolle im Honigmantel. Für meinen Hund ein großer Teller Pferdequark mit Elaner Riesenraspeln. Zum Nachspülen nehme ich einen großen Krug Takaresch.“
Die Augen der Wirtin wurden immer größer und ihr Lächeln immer breiter, je mehr Urako aufzählte. Als Firxas einfach das Selbe haben wollte, wie er, schien es, als würde sie am liebsten einen Luftsprung machen. Wahrscheinlich war dies das teuerste Menü im ganzen Laden.

Ein paar Kaufleute in feinen Gewändern blickten höchst irritiert in die Richtung der seltsamen, nach Kanalisation miefenden Gestalten. Dann schauten sie in Richtung der gepanzerten Zwerge, die als Türsteher arbeiteten, deren Anblick sie wieder zu beruhigen schien.

Als die Käsespezialitäten geliefert wurde, fielen die Tieflinge darüber her wie Verhungernde. Urako schob die Köstlichkeiten mit zwei Gabeln gleichzeitig in seinen Mund und die beiden anderen aßen mit den bloßen Händen, bis sie von Nocro ermahnt wurden, sich gefälligst anständig zu benehmen. Der Meister pickte den Käse mit einer winzigen Gabel auf, die in seinen groben Fingern wirkte wie ein Zahnstocher.

Als sie fertig gespeist hatten, tupfte er sich vornehm seinen breiten Mund mit den hervorstehenden Hauern ab.
„Also dann, meine Lieben. Es ist Zeit, mit der Arbeit fort zu fahren. Orobas, wenn du so freundlich wärst!“
Firxas rülpste feucht.
„Ach was. Urako hat uns verarscht. Das hier ist nie und nimmer der Treffpunkt.“
Nocro starrte ihn mit einer Mischung aus Empörung und Zorn an.
„Warum sollte es nicht der Treffpunkt sein? Weil wir Rassen angehören, denen man einen Hang zum Primitiven nachsagt?"
"Nun ja ..."
"Urako hat uns das Amulett gezeigt. Es gibt für mich keinen Grund, an seiner Loyalität zu zweifeln. Orobas, bitte walte deines Amtes und informiere die Gastgeber über unser Ansinnen.“
„Natürlich, Meister.“
Orobas erhob sich und ging zum Tresen. Firxas ließ mörderisch einen fahren und Urako lachte schallend. "Mach nochmal!", rief er mit Tränen in den Augen.
"Sag bitte."
"Bittebittebitte!"

Der Mann der Berggipflerin, ebenso beleibt wie diese, erschien mit einer Geschwindigkeit am Tresen, die man ihm niemals zugetraut hätte.
„Was darf es sein, mein Herr?“
Orobas zögerte. Hinter ihm furzte Firxas ein weiteres Mal und Urako heulte vor Lachen.
„Scheißhurensohn“, sagte Orobas. Schlagartig verstummten alle Gespräche. Er wiederholte das Losungswort noch einmal lauter und deutlicher, da er glaubte, der Mann habe ihn vielleicht nicht richtig verstanden. „Scheißhurensohn.“
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

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