[Götter-RPG] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Noldil


Taverne Zum Schluckspecht
Die Taverne ist politisch neutrales Territorium und jeder ist hier willkommen, unabhĂ€ngig von Fraktion oder Abstammung. Der Schluckspecht ist daher ein belieter Treffpunkt fĂŒr Abenteurer aus aller Herren LĂ€nder, um in rustikaler AtmosphĂ€re einen heben zu gehen, Mitrstreiter zu finden oder von hier aus die gemeinsame Reise zu planen.
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[Götter-RPG] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Noldil

#1

Beitragvon Rakshor » Di 29. Dez 2015, 14:31

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Etwas verstimmt war Rakshor, wĂ€hrend er das nĂ€chtliche Obenza erkundete. Dal hatte ihn versetzt. Etwas, das er nicht gewohnt war und noch weniger mochte. Als Rakshaner war er zwar selber nicht gerade die PĂŒnktlichkeit in Person, aber seit seinem Amtsantritt als Feldherr hatte man ihn selten warten und noch seltener einfach sitzen gelassen. So viel Ärger nur wegen eines dummen kleinen Kartenspiels! Er hatte ihr dennoch einen Schmutzgeier geschickt, an dessen Bein sich ein Brief befand. Andere Leute versendeten Brieftauben oder Falken, aber als jemand, der den Beinamen Verschlinger trug, bevorzugte Rakshor einen Aasfresser.

Die Nacht war schön und viel Volk war auf den Straßen unterwegs. Truppen von NachtwĂ€chtern mit Hellebarden und Laternen sorgten fĂŒr die Sicherheit der BĂŒrger, so dass Rakshor nicht ein einziges Mal von Dieben oder anderem Gesocks behelligt wurde. Doch eine Hure missverstand wohl seine spĂ€rliche Bekleidung und begleitete ihn, obwohl er ihr schon mehrfach versichert hatte, kein Geld bei sich zu tragen. Er war zu höflich um ihr mitzuteilen, dass er es obendrein nicht nötig hatte, fĂŒr Beischlaf zu bezahlen. Schon gar nicht mit Geld, der metallgewordenen Pest Asamuras! Dals Unrat, den sie ĂŒber das Antlitz der Welt verteilt hatte! Die Dame hakte sich bei ihm ein und versuchte, ihn in eine bestimmte Richtung zu fĂŒhren.

"Noldils SĂŒndentempel bietet Freuden fĂŒr jeden Geschmack", sĂ€uselte sie. "Neben einer Taverne mit hausgebrautem Bier und einer Arena gibt es in den oberen Etagen ein Freudenhaus. Alles sehr gepflegt, die Betten frisch, alle Damen gewaschen und mit guten ZĂ€hnen. Es gibt eine Saunalandschaft, ein Schwimmbecken unter freiem Himmel, von dem aus man die Sterne betrachten kann, um sich nach der Hitze der Leidenschaft wieder zu erfrischen. Und ihr werdet ins Schwitzen kommen, dafĂŒr bĂŒrgt der Tempel mit Noldils gutem Namen!"
"Noldis SĂŒndentempel", sinnierte Rakshor. "Wer hat sich denn diesen Namen ausgedacht? Etwas grĂ¶ĂŸenwahnsinnig."
"Wer den Tempel betreibt, weiß niemand. Das GebĂ€ude stand eines Tages plötzlich da, als sei es aus dem Erdboden gewachsen."

Nun hatte die Dame es doch geschafft, Rakshors Interesse zu wecken. Er ließ sich von ihr zu dem imposanten GebĂ€udekomplex fĂŒhren, der sich etwas außerhalb der Stadt im Wald erhob. Tempel? Das war ein Schloss! Eine frisch gepflasterte Straße aus rosa Marmor fĂŒhrte von Obenza aus quer durch den Wald dorthin, hell beleuchtet von kunstvoll geformten Öllaternen. Rakshor legte missbilligend die Stirn in Falten ob solcher Dekadenz. Als ob nicht auch ein simpler Trampelpfad genĂŒgt hĂ€tte und ein GebĂ€ude aus Natursteinen, wenn es schon ein festes Haus sein musste! Ein Festplatz unter freiem Himmel wĂ€re ihm freilich am liebsten gewesen, mit mehreren Feuerstellen. Zu beiden Seiten der sauber verlegten Straße, die im Mondlicht bar jeden Unkrauts glĂ€nzte, standen BĂ€ume, die Rakshor bisher nie gesehen hatte. Vermutlich seltene Importe aus exotischen LĂ€ndern.

"Darf ich Euch die oberen Etagen zeigen?", fragte die Dame.
Langsam, aber sicher, fĂŒhlte er sich belĂ€stigt. "Danke, aber ich finde mich allein zurecht." Er versuchte, seinen Arm zu befreien und musste gar etwas grob werden und sie anschnauzen, weil sie gar zu hartnĂ€ckig war. Beleidigt stolzierte sie schließlich von dannen und wĂŒrdigte ihn nicht eines einzigen Blickes mehr. Er erklomm die breite Marmortreppe mit dem SĂ€ulendach, das den Eingangsbereich zierte. Die TĂŒr eine solche zu nennen, glich schon fast einer Beleidigung, Portal traf es viel eher! Holz, mit Schnitzereien verziert und teilweise vergoldet, zierte die beiden massiven TorflĂŒgel, die geöffnet standen, um die milde Nachtluft hinein und den stickigen Tabakdunst hinaus zu lassen. Das Innere des Erdgeschosses war rustikal gehalten, mit Holzmöbeln und einem abgewetzten Dielenboden und von verschiedenstem Volk besucht. Rakshor entdeckte Menschen unterschiedlichster Herkunft, Alben in ihren furchbaren Trachten und einige Berggipfler, welche die SpezialitĂ€ten einer KĂ€seplatte diskutierten.

Rakshor fand nach einigem Suchen den Wirt - eine Mumie tamjidischer Herkunft, die ihn als gebĂŒrtigen Rakshaner nicht gerade freundlich begrĂŒĂŸte - und musste lange mit diesem verhandeln, eher er ihn zum Inhaber des SĂŒndentempels vorließ. Rakshor hĂ€tte dem grantigen Kerl in seiner roten Weste selbst dann kein Trinkgeld gegeben, wenn er Geld als Zahlungsmittel nutzen wĂŒrde. Stattdessen nickte er ihm nur ein halbherziges Danke zu und ging. Gleich wĂŒrde sich zeigen, ob wirklich Noldil persönlich oder nur ein kleiner Aufschneider hinter dem Etablissement steckte!
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#2

Beitragvon Noldil » Di 29. Dez 2015, 16:43

Noldil lĂŒmmelte sich in ihrer Entspannungsecke, welche sich aus mit feinster Wolle gepolsterten Matratzen und bunt zusammengewĂŒrfelten seidenen, kunstvoll bestickten Kissen, gefĂŒllt mit weissen Greifenfedern zusammensetzte. Sie liess sich von gutaussehenden jungen MĂ€nnern und Frauen verwöhnen und wĂ€hrend die einen ihre Ă€usserst gepflegten FĂŒsse und verspannten Schultern massierten, schenkten ihr andere Wein nach oder boten ihr sĂŒsses, exotisches Obst dar.

GenĂŒsslich kostete sie eine gelbe, ovale Frucht und der klebrige Saft rann ihr wie Honig ĂŒber die Finger, wurde jedoch von einem tĂŒchtigen MĂ€del weggewischt, bevor er ihr feines Kleid zu bekleckern vermochte.
„Ich wĂŒnsche mir etwas AmĂŒsement. Lasst die "Fidelen Halbstarken" aufspielen". Mit vor Aufregung glĂ€nzenden, grĂŒnen Augen beobachtete Noldil, wie im nĂ€chsten Moment eine bunte Truppe von KĂŒnstlern in ihr Gemach eingelassen wurde. Es handelte sich dabei um zwei Zwerge, einen Goblin sowie ein Echsenwesen.
Sofort zogen die bĂ€rtigen Zwerge eine Holzflöte sowie eine kleine Trommel hervor und begannen ein fröhliches Lied zu spielen. Der Goblin begann dazu herumzutanzen und nur mit MĂŒhe unterdrĂŒckte Nodil ein amĂŒsiertes Kichern, das ihr jedoch schnell verging, als sie bemerkte, wie geschickt er seine kurzen Beinchen im Takt der Musik zu bewegen vermochte. Sie klatschte schliesslich munter Applaus und vergass ab der Darbietung sogar einen Moment den Wein.

Plötzlich jedoch geschah etwas Unerwartetes. Das Echsenwesen schien sich in dem Raum und mit den vielen Leuten nicht wohl zu fĂŒhlen. Gerade als der Trommelwirbel ansetzte, an dem das drachenĂ€hnliche Tierchen sein KunststĂŒck vollbringen sollte, quietschte es plötzlich laut auf und begann wie von der Tarantel gestochen in dem Zimmer herumzuwirbeln. „Was zum Gu
?“

Noldil zuckte zusammen, als das Wesen auf das Salontischchen hĂŒpfte und dabei mit seinem stacheligen Schweif die Kanne mit dem kostbaren Wein zu Boden schmetterte, der sich schnell als roter Fleck auf dem hellen Teppich ausbreitete.
Ab dem LĂ€rm erschrak es jedoch bloss noch mehr, spreizte plötzlich seine FlĂŒgel und sprang in die Luft.
Obwohl das Gemach eine ausladende Grösse besass, war es doch nicht geeignet fĂŒr spektakulĂ€re Flugmanöver. So rauschte der Drix nur knapp ĂŒber die Köpfe der jungen Frauen, welche gleich in hysterische Schreie ausbrachen. Entsetzt ob dieser Schande versuchten die Zwerge und der Goblin verzweifelt, das katzengrosse Tier zu fassen zu bekommen. Dabei stolperten sie jedoch ĂŒber die Teppiche und das Chaos schien komplett.
Als der Drix sich bei seinem Fluchtversuch jedoch auch noch in den edlen VorhÀngen verfing und diese mit einem lauten Reissen zerschlissen, vermochte es niemand mehr, Ruhe zu bewahren.

Bloss Noldil war noch immer in ihre Kissen gebettet und beobachtete die Szene. Der Goblin hatte sich vor ihr zu FĂŒssen geworfen und bat sie um Gnade und Verzeihung, wĂ€hrend die Zwerge noch immer versuchten, dem Unruhestifter habhaft zu werden.
Einen Moment schaute sich Noldil mit ernstem Blick in dem Gemach um, welches nur noch andeutungsweise seine Pracht zur Schau stellte.
Über den Boden kullerten FrĂŒchte, der Teppich war von roten Flecken besudelt, die alten Bilder waren herabgefallen und der Vorhang hing in Fetzen an den Fenstern herab. Der Drix hatte sich darin verfangen und versuchte sich vergeblich zu befreien.

Ein leises Glucksen war zu hören, doch Noldil rĂ€usperte sich schnell, um ihre Belustigung hinter einer Miene aus Ernsthaftigkeit und EntrĂŒstung zu verbergen. Der Goblin schaute sie noch immer mit gepeinigtem Gesichtsausdruck an und auch die Zwerge, MĂ€nner und Frauen verwarfen unglĂ€ubig die HĂ€nde.
Gerade als Noldil dazu ansetzte, eine eindringliche Rede zu halten und die Truppe zu sanktionieren, klopfte es an der TĂŒr. Doch noch bevor sie etwas erwidern konnte, wurde das Portal auch schon mit Schwung aufgestossen.

Dann geschah alles sehr schnell. Ein junger, braungebrannter Mann stand in der Pforte, doch lange vermochte ihr Blick nicht auf ihm zu verweilen, denn im nĂ€chsten Moment war ein Kreischen zu vernehmen und dann spickte der Drix, noch halb mit einem Vorhangfetzen verhĂŒllt wie eine Kanonenkugel auf die rettende Öffnung zu. Zu spĂ€t realisierte das Wesen den krĂ€ftigen Mann, der den Durchgang versperrte und so hörte man bloss ein erschrockenes Aufjapsen, als es im Halbflug mit voller Wucht gegen die Brust desjenigen prallte.

Nun vermochte sich Noldil nicht mehr zu halten. Mit vor Lachen zusammengekniffenen Augen erhob sie sich aus ihren Kissen und der Klang ihrer berauschten Stimme war ĂŒber den gesamten Flur zu vernehmen. Die langen rotgelockten Haare umhĂŒllten ein sympathisches, rundliches Gesicht voller Sommersprossen, mit vollen Lippen und roten Wangen.
Der ganze wohlgeformte Körper schien in ihr Lachen mit einzustimmen und die ĂŒppigen BrĂŒste hĂŒpften in dem ausladenden DekolletĂ© fröhlich um die Wette. Auch das hĂŒbsche Kleid mit den RĂŒschen hatte einige Weinflecken abbekommen, doch das bemerkte die Göttin gar nicht.
„Was fĂŒr ein Spass! Was fĂŒr ein Durcheinander! Ihr hĂ€ttet einmal eure Gesichter sehen mĂŒssen!“

Die Zwerge und der Goblin starrten sie noch immer erschrocken, doch auch etwas besorgt an. Bloss die angestellen MĂ€nner und Frauen begannen bereits wieder seelenruhig Ordnung zu schaffen, denn sie waren sich der oftmals ausgelassenen Stimmung ihrer Herrin bewusst.

„Doch wen haben wir denn da? Ein Gast! Ich hoffe, Ihr habt den BegrĂŒssungsansturm gut ĂŒberwunden? Normalerweise herrscht hier eine gesittete GleichmĂ€ĂŸigkeit
 und nicht solch ein
 Chaos.“ Ein verschmitztes LĂ€cheln begleitete ihre Worte, denn sie meinte den Ankömmling erkannt zu haben, obwohl sie im schon lange, sehr lange nicht mehr begegnet war.
„Ich sollte mich kurz umziehen
 in diesem Aufzug scheint es mir nicht Recht zu sein, Euch zu empfangen.“

Mit einem Schnipsen ihrer Finger, verwandelte sie sich in einem Rauschen in einen mĂ€chtigen Herren. Mit seinem Bart und der gutbĂŒrgerlichen Gewandung stellte er einen starken Kontrast zu seinem nur wenig bekleideten, dafĂŒr muskulös gebauten Gast dar. "Mein guter, alter Freund! Bist Du's wirklich? Lass Dich umarmen!"
Mit beschwingten, ausladenden Schritten trat er auf Rakshor zu und liess ohne jede Hemmung seine mĂ€chtigen Pranken auf dessen Schultern klatschen. "Was fĂŒr eine Freude Dich zu sehen! Das Chaos ist komplett!"
Unter dem fröhlichen Lachen, das nun folgte, hĂŒpfte das BĂ€uchlein des Noldil munter mit.
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#3

Beitragvon Rakshor » Di 29. Dez 2015, 18:28

Bong.

Der Drix prallte gegen Rakshors Brust wie gegen eine Panzerplatte. Das lag weniger an Rakshors muskulöser Statur, sondern vielmehr an der Tatsache, dass er ein Gott war und sich instiktiv gegen den Stoß panzerte, kaum dass er diesen kommen sah. Sein Auge war schnell wie das einer Fliege. Der Drix fiel bewusstlos zu Boden und verschwand unter den Vorhangfetzen, die ihn umhĂŒllten. Rakshor kam nicht dazu, den Drix höflich aufzuheben, welcher sicher das Haustier seiner Gastgeberin war. Noldil verwandelte sich im Nu in den wohlbeleibten Mann, als der er mit Rakshor zusammen so manchen Krug gelehrt hatte.

Der Verschlinger lĂ€chelte. Nicht das oberflĂ€chliche, herablassende LĂ€cheln, voller Mitleid mit der Dummheit seines GegenĂŒbers, das er meist an den Tag legte, sondern ein LĂ€cheln, das von Herzen kam.

"Noldil", sagte er und erwiderte dessen herzliche Umarmung. Wenn es einen gab, den er Freund nennen konnte, dann war es dieser Gott - oder diese Göttin, je nachdem. Noldil war der Einzige unter den Göttern gewesen, der an Rakshors Visionen geglaubt hatte - wenn er auch nicht immer mit allem einverstanden gewesen war. Und er war es auch gewesen, der ihn auffing, als Rakshor von der Macht des Dunklen hinab auf Asamura geschleudert wurde wie ein Ball, ein lebender Komet, ohne GedĂ€chtnis, ohne Wissen, wer und was er war. Noldil hatte ihn im Fluge gefangen - Rakshor sah sie noch vor sich, ihr Gesicht mit den vollen Wangen, die sommersprossige Stirn in Falten gelegt, umgeben von wehendem roten Haar, das von der freigewordenen Energie Funken sprĂŒhte, als wĂŒrde ihr Haupt in Flammen stehen - und wĂ€hrend des gemeinsamen Sturzes hatte Noldil ihn in aller Eile mit einem energetischen Schutzmantel umhĂŒllt. "Frag nicht, vertrau mir einfach", hatte sie gesagt und ihn wieder losgelassen. Inzwischen hatte Rakshor auch erfahren, wovor sie ihn hatte schĂŒtzen wollen: ein gewaltiges Ereignis von kosmischen Ausmaßen hatte sich in der Astralebene abgespielt, wĂ€hrend dessen mehrere Götter sich völlig verĂ€nderten, andere vergingen ganz. Nur Noldil blieb, wie sie - oder er - war. Und Rakshor, den er in den schĂŒtzenden Mantel gehĂŒllt hatte, so dass der Zeitsprung an ihm vorĂŒber strich. Auf diese Weise hatte Rakshors Reise nach Asamura weitaus lĂ€nger gedauert, als sie hĂ€tte dauern sollen. Aber er hatte sie heil ĂŒberstanden.

"Du hast eine interessante Inneneinrichtung, mein Freund", sagte Rakshor mit einem Schmunzeln, als sie ihre Umarmung wieder lösten. "Man fĂŒhlt sich hier auf Anhieb wohl bei all der Unordnung. Viel gemĂŒtlicher als vorher. Lebendig, es sieht lebendig aus, nicht so tot und steril. Du hast doch nichts dagegen, wenn ich mich auf ein Glas Wein zu dir setze?" Rakshor wusste, wie die Antwort ausfallen wĂŒrde und so nahm er Platz in der unordentlichen Kuschelecke. Er angelte sich eine Frucht, die auf dem besudelten Teppich lag. "Lange ist es her, doch nicht lang genug, als dass ich die Freuden des Fleisches vergessen hĂ€tte - und den, der sie uns einst gebracht hat. Was wĂ€re die Welt nur ohne dich!" Er biss ab, das Obst knackte und der sĂ€uerliche Saft erfrischte Rakshors Rachen. Wie herrlich ein ordinĂ€rer Apfel doch schmecken konnte!

Vom Schankraum klangen aufgeregte Laute zu ihnen hinauf. Da unten herrschte ein plötzlicher Tumult. Draußen hörte man Leute durch die GĂ€nge rennen.
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#4

Beitragvon Noldil » Di 29. Dez 2015, 21:13

„Interessant? Du hast Dir natĂŒrlich wieder den passendsten Moment ausgesucht, hier hereinzustĂŒrmen. Aber das hast Du schon immer beherrscht. Du packst die Gelegenheit am Schopf, um aus einem unbedeutenden ChrĂŒsimĂŒsi ein vollendetes Chaos entstehen zu lassen!“, mit einem Handwedeln scheuchte Noldil die Bediensteten von Dannen, welche darĂŒber nicht unglĂŒcklich zu sein schienen.

„Ach, ich habe Dich vermisst, alter Freund
 oder soll ich Dich eher Jungspund nennen
 die Zeit scheint nicht an deinem Körper genagt zu haben, obwohl Du Dich bekanntlich so oft unter Aasgeiern aufhĂ€ltst!“
Noldil gluckste zufrieden ĂŒber seine Wortwahl und sinnierte einen Moment vergangenen Tagen nach, wĂ€hrend er sich neben Rakshor in die Kissen plumpsen liess.
„Wo hast Du so lange gesteckt? Junge, Junge, was sich die Götter die MĂ€uler zerrissen haben ĂŒber Dich. Das hĂ€tte Dir gefallen! Eine Theorie jagte die nĂ€chste und zurĂŒck blieb ein immenser Haufen Einzelteilchen, die niemand zusammenzufĂŒgen vermochte
 und mich
 haben sie ja nicht gefragt!“
Noldil grinste sein GegenĂŒber an und tĂ€tschelte zufrieden sein BĂ€uchlein, bis ihm jedoch seine Pflichten wieder einfielen. „Was bin ich doch fĂŒr ein elender Gastgeber! Kein Wein wurde Dir angeboten und anstatt einem gut gewĂŒrzten Braten nimmst Du mit herumliegenden FrĂŒchten Vorlieb. Nicht in meinem Haus!“, donnerte die Stimme Noldils plötzlich wie ein Gewittersturm los.
Im nĂ€chsten Augenblick schwang die TĂŒr auf und eine grossgebaute Almanin brachte eine Karaffe und mit Edelsteinen besetzte GlĂ€ser vom besten Wein herein. Sie verneigte sich, und verschwand so schnell und lautlos wieder, wie sie aufgetaucht war.

Noldils Blick haftete noch an ihrem wiegenden Hintern, als sich die Pforte bereits wieder hinter ihr schloss. „Wunderschön. Diese Kurven! Die weiblichen Formen sollten nicht nur aus Kanten und Ecken bestehen. Nur Aasgeier lieben Knochen“, er rĂ€usperte sich, und quittierte Rakshors sichtlichen Genuss fĂŒr den Apfel mit einem nachsichtigen LĂ€cheln. „Vielleicht hĂ€tte ich doch in weiblicher Gestalt verharren sollen, um Deine Aufmerksamkeit nicht mit einer Frucht teilen zu mĂŒssen
“

Plötzlich erklangen aus den unteren RĂ€umen laute Rufe und Schreie. „Ach, es gibt doch nichts besseres, als zwischendurch eine ordentliche PrĂŒgelei in der Schenke!“, grölte Noldil noch mit Begeisterung in der Stimme.
Als das Gepolter jedoch zunahm und sich auszubreiten schien, wurde der Gott unwillig. „Kaum bist Du hier, bricht ein Tumult aus
 war ja nicht anders zu erwarten! Hoffentlich zertrĂŒmmern sie mir nicht noch meine seltenen SammlerstĂŒcke“, sein Blick blieb drohend an Rakshor hĂ€ngen, „den mechanischen Flaschenöffner eines Ă€usserst kreativen Goblins...sein Name ist mir entfallen... oder die von Waldalben aus einem BĂ€umchen geformte Statue meiner Selbst wird mir niemand so leicht ersetzen können.“
Schliesslich stemmte er sich etwas umstĂ€ndlich aus der gepolsterten Ecke heraus. „Schauen wir und das doch Mal aus der NĂ€he an. Wir sind uns schliesslich fĂŒrs Nichts zu schade, stimmt‘s, alter Freund?“, mit diesen Worten steuerte er auf die TĂŒr zu, welche mit lautem Tosen wie von einem Windstoss aufgedrĂŒckt wurde.
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#5

Beitragvon ErzĂ€hler » Mi 30. Dez 2015, 11:07

Der Hinterhof des Tempels glich einer Oase. BlĂŒhende BĂ€ume bildeten eine Parklandschaft, in der die tagsĂŒber Vögel zwitscherten und nachts die Zikaden zirpten. Der Hof war von einer hohen Mauer umgeben, welche die GĂ€ste vor unerwĂŒnschten Blicken von draußen schĂŒtzte, so dass sie sich in aller Ruhe auf Decken unter freiem Himmel vergnĂŒgen, nackt baden oder anderen Freuden nachgehen konnten. Andere nutzten die Lichtungen und Wege einfach, um sich auszuruhen, ehe es in die nĂ€chste Runde ging. Das Herz der Oase bildete ein kĂŒnstlich angelegtes Wasserbecken, kunstvoll geschwungen und mit blau bemalten Kacheln ausgekleidet in dem eine prachtvolle FontĂ€ne sprudelte.

Diese FontĂ€ne war eine der grĂ¶ĂŸten Attraktionen des Tempels, denn jedermann rĂ€tselte, wie sie wohl zustande kam. Die meisten vermuteten eine Magiequelle dahinter, doch in Wahrheit war dies das Resultat von Goblintechnologie der neusten Generation: Wasserkunst. Eine ganz neue Disziplin, mit der man sich spĂ€ter gute Kundschaft in Adelskreisen erhoffte, doch momentan war Noldil der Einzige, der ĂŒber eine solch kĂŒnstliche FontĂ€ne in seinem Garten verfĂŒgte. Die Funktionsweise war aufwĂ€ndig, aber nicht kompliziert: In einem Turm des Tempels befand sich, gut verborgen, ein Wasserheber, der das nasse Element bis in die höchste Spitze hinauf brachte. Von dort aus rauschte es durch ein Rohrsystem wieder hinab in Richtung Wasserbecken und sorgte dafĂŒr, dass das Wasser im Zentrum der Oase als FontĂ€ne hervorsprudelte, so hoch wie ein Haus. Die ausgelassenen GĂ€ste spielten darin, sprangen hindurch oder ließen sich die Tropfen auf den RĂŒcken prasseln, um ihre verschwitzten Körper zu reinigen und die Haut massiert zu bekommen.

Doch heute morgen war die FontÀne versiegt.

Den ganzen Tag schon waren die Goblins beschĂ€ftigt gewesen, die Urache fĂŒr den Defekt zu finden. Der Wasserheber war intakt und so vermutete man, dass das Hauptrohr verstopft war. Man hatte einen Erdmagier geordert, der helfen sollte, die Rohre freizulegen. Dieser stellte fest, dass irgendetwas grundlegend mit dem Erdreich unter der Oase nicht stimmte, das ĂŒber eine gewöhnliche Rohrverstopfung hinaus ging und orderte einen Wassermagier zur UnterstĂŒtzung. Dieser bestĂ€tigte, dass auch das Grundwasser erheblich gestört war und sich von ihm nicht kontrollieren ließ. Die neugierigen GĂ€ste des SĂŒndentempels hatten sich um das Wasserbecken versammelt, um die Magier belustigt beim Versagen zu beobachten.

Irgendwann schienen die BemĂŒhungen der beiden dann doch Wirkung zu zeigen. Das Zentrum des Wasserbeckens beulte sich nach oben. Erst ein wenig, dann stĂ€rker, so dass es ĂŒber die WasseroberflĂ€che hinaus ragte.

"Hör auf damit, du machst das Fundament kaputt!", rief der Erdmagier erbost.
"Ich bin das nicht! Du machst das mit deinem Rumgepfusche!", entgegnete der Wassermagier.

Beide stellten ihre Zauberei ein, doch der Berg wurde trotzdem immer grĂ¶ĂŸer. Einen Meter, zwei, dann sogar drei und es schien nicht aufhören zu wollen! Das Fundament riss, die blau bemalten Fliesen polterten klirrend hinab. Einige lachten die Magier aus, andere schimpften auf die Magie und forderten ein Verbot.

Der Wirt der Taverne des SĂŒndentempels, die Mumie Zott, eilte umher und versuchte die GĂ€ste des Platzes zu verweisen, um die offensichtliche Panne aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit zu tilgen und den guten Ruf des Tempels zu wahren. Vergebens. Er war froh, als er gewahr wurde, dass Noldil in der Begleitung eines anderen am Ort des Geschehens auftauchte.

"Herr!", rief er erleichtert. "Seht euch das an! Der ganze Betrieb des Tempels liegt still, weil alle diesen ... diesen sich bĂ€umenden Erdberg anschauen! Die Magier haben versagt und die Goblintechniker ebenso, selbst dann, als ich ihnen doppelten Lohn anbot. Ihr mĂŒsst diesen Missstand dort schnellstmöglich beheben, damit die GĂ€ste wieder zahlenden TĂ€tigkeiten nachgehen!"
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#6

Beitragvon Nyel » Mi 30. Dez 2015, 12:22

Er stieß die Arme zu beiden Seiten und dann brach die Kruste endgĂŒltig auseinander. Gleißendes Licht empfing ihn. Schlamm und Kacheln spritzten zu allen Seiten davon. Ein unmenschliches Heulen entrang sich seiner Kehle, er warf den Kopf in den Nacken um all den Hunger und Schmerz heraus zu lassen, die ihn plagten.

Er stand da, halb aufgerichtet in der Gestalt des Weißen, wie eine riesige, fette Kobra mit Stacheln auf dem RĂŒcken. Er kniff die Augen zusammen, das Licht blendete ihn nach all der Zeit, die er im Dunkeln verbracht hatte, um sich durch die unterirdischen Wasseradern hier her zu schlĂ€ngeln - hin zu demjenigen, der ihn rief. Sein Leib war schmutzig und zerkratzt, die Harpunenwunden bluteten wieder und bereiteten ihm unertrĂ€gliche Schmerzen.

"Ich hab solchen Hunger!", heulte er. Die Schmerzen raubten ihm den Verstand, doch sie betĂ€ubten nicht die Gier in seinem Bauch. Nyel warf sich in einem gewaltigen Schwung nach vorn, die Erde bebte unter dem Gewicht seiner zweieinhalb Tonnen, das Wasser spritzte. Dann robbte er unerwartet schnell auf seinen Armen nach vorn und zog den Rest seines sieben Meter langen, walzenförmigen Leibes aus dem Erdkanal. Das Fett wabbelte bei jeder Bewegung. Seit Tagen war er nur am Fressen, doch hatte er noch lange nicht genug. Wahllos ergriff er die umstehenden Landwandler und stopfte sie in seinen Rachen, biss ab, ließ den Rest fallen, ergriff den nĂ€chsten. Biss und riss, biss und riss. Sie schrien und quiekten und versuchten, vor ihm davon zu laufen, doch eine Mauer umgab das Areal und der einzige Ausgang war verstopft von den Körpern jener, die in Panik hindurchdrĂ€ngen wollten. Er brauchte nur zuzugreifen. Was fĂŒr ein himmlischer Ort! Blut lief Nyels Kinn und seine Kehle hinab. Es leuchtete dunkelrot auf seiner weißen Narbenhaut.
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"Die FlĂŒsse sind meine Adern, die Meere mein Fleisch und alles, was in ihnen lebt, meine Seele."
Nyel, Herr des Wassers

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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#7

Beitragvon Noldil » Di 5. Jan 2016, 16:09

„Bei allen Pampelmusen!“
Einen Moment war Noldil sprachlos, als das UngetĂŒm aus seinem Brunnen herausschoss und das Kunstwerk in einen Haufen aus Schutt verwandelte.
„Wie haben die Goblins den da bloss reinbekommen?!“, sinnierte er entgeistert und starrte den dreckverkrusteten und mit schartigen Wunden ĂŒbersĂ€ten Körper des Weissen unglĂ€ubig an.

„Ich hab solchen Hunger!“
, heulte da das Wasserwesen auf.
Im nÀchsten Augenblick wÀlzte sich der Leib bereits vorwÀrts, streckte seine Arme aus und griff nach den GÀsten, die sich nicht schnell genug in Sicherheit brachten.
„Was zum
?!“, als einer seiner Goblinmeister mit fehlendem Bein vor ihm achtlos auf den Boden geworfen wurde, bekam Noldil seit langem wieder seinen ersten richtigen Wutanfall.
„WAS fĂ€llt Dir ein? Wie kannst Du es wagen, meinen Tempel auf diese Weise in die Schande zu ziehen? Du kannst Dir nicht vorstellen, was fĂŒr eine Konzentration und einen Aufwand es mich gekostet hat, mit all den Goblins, Zwergen, Allmanen und Alben zu verhandeln, bis sie sich endlich gemeinsam an einen Tisch gesetzt und sich nur schon auf die Farbe der Marmorplatten zu einigen vermochten!“ Das Gesicht des Gottes lief rot an, wie der Wein, den er tief unter dem Tempel in einem Gewölbe gelagert hatte.

Die Schreie seiner Untertanen liessen ihn verzweifelt die Arme verwerfen. „Meine lieben GĂ€ste! Beruhigt Euch wieder
 ich gebe fĂŒr alle eine Runde aus! Oder nein, besser, Ihr seid den Rest des Tages eingeladen, alle Freuden des Tempels auf meine Kosten zu geniessen
 aber rennt doch bitte nicht davon!“

Wie eine fette Schlange wand sich das Wesen in Noldils Innenhof und schien die Welt um sich herum nicht mehr wahrzunehmen. Sowohl eigenes wie auch fremdes Blut lief ihm ĂŒber den Körper, denn die Tempelwachen hatten versucht, das UngetĂŒm zu attackieren, leider vergeblich.
Plötzlich formte sich eine Idee in des Gottes Gedanken.
„Macht die Tore frei, ebnet dem Herrn der Meere den Weg in seine Heimat!“

Im nÀchsten Moment schnippte Noldil mit den Fingern und nach einer kurzen Drehung stand eine in Leder und Felle gekleidete Norkara an seiner Stelle. Um ihren Hals trug sie Ketten aus ZÀhnen von Raubkatzen und Wölfen, doch auch HaifischzÀhne waren zu erkennen. Ihre langen Haare waren kunstvoll geflochten, und nur einige vorwitzige StrÀhnen hatten sich aus dem Kunstwerk herausgewunden.
In den HÀnden hielt sie ein spiralförmig gewundenes GehÀuse von mÀchtigem Ausmass. Das ehemalige Haus der Wasserschnecke war mindestens so ausladend, wie der Kopf der Frau selbst und schimmerte perlmuttfarben.
„So mein werter Freund, ihr habt tatsĂ€chlich die Ehre, in den Genuss meiner musikalischen KĂŒnste zu gelangen. Geniesst das Konzert!“, meinte Noldil mit einem Zwinkern zu Rakshor hinĂŒber.
Dann ĂŒbertönte sie mit magisch verstĂ€rkter Stimme das Geschrei und GetĂŒmmel: „Du hast Deinen Hunger nun gestillt, Bewohner des Meeres! GesĂ€ttigt, mĂŒde, doch zufrieden und ohne Schmerzen sollst Du nun in Deine Heimat zurĂŒckkehren.“
Einen Augenblick schien Nyel innezuhalten, doch sobald Noldils Stimme verklungen war, glitt sein Blick bereits weiter suchend ĂŒber das TrĂŒmmerfeld.
Doch nun schloss die Göttin die Augen und setzte ihr wundersames Instrument an die Lippen.

Im nĂ€chsten Moment ertönte ein Klang, der an das Rauschen des Meeres erinnerte, durchzogen von den unterschiedlichsten Stimmen von Wasserwesen, welche selbst den mutigsten Forschern noch nicht unter die Augen gekommen waren. Wie eine Flöte vermochte Noldil das spiralförmige GehĂ€use zu gebrauchen und wiegte sich dazu sanft umher, als wĂŒrde sie sich von einer Meeresströmung treiben lassen.
Die Schreie verklangen und die GÀste und Untertanen schauten vorsichtig aus ihren Verstecken hervor, um ihre Göttin und das Schauspiel, das sich ihnen bot, im Blick zu behalten.
Bloss das Schmatzen und Stöhnen von Nyel war noch zu vernehmen, doch Noldil liess sich nicht beirren.
Sie liess ihre Magie in das mĂ€chtige und doch so filigrane Instrument hineinfliessen, und wie eine sanfte Meeresbrise streichelten die KlĂ€nge ĂŒber den wuchtigen und doch so verletzlichen Körper des Weissen.
Ganz allmĂ€hlich verschlossen sich die blutigen und eitrigen Wunden, und zurĂŒck blieben Narben. Selbst die abgebrochenen Lanzen schienen mit dem Körper zu verschmelzen und wie die natĂŒrlichen Stacheln eines Seeigels eins zu werden, gleich so, als wĂ€ren sie schon immer ein Teil des Meereswesens gewesen.
Der Gigant lauschte den KlĂ€ngen und begann sich plötzlich wie hypnotisiert im Gleichklang mit Noldil hin und her zu wiegen. Der Hunger wurde unwichtig, schwand gar dahin, genauso wie auch die Schmerzen nur als eine verblassende Erinnerung zurĂŒckblieben.

Darauf hatte die Göttin gewartet.
Langsam begann sie voranzugehen
 wie ein Nachtwandler hievte sich der mÀchtige Leib des Weissen langsam hinterher, nicht ohne dabei weitere Marmorplatten und Statuen in Mitleidenschaft zu ziehen. Voller Bewunderung und Staunen kamen die Menschen aus ihren Verstecken hervor und so setzte sich die seltsame Prozession langsam in Bewegung, dem Meer entgegen.
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#8

Beitragvon Rakshor » So 10. Jan 2016, 11:20

AmĂŒsiert beobachtete Rakshor, wie Noldil das Monstrum mit den KlĂ€ngen ihrer Musik hypnotisierte. Und mehr als das - der geschundene Leib heilte. So, wie Nyels Schmerzen und sein Hunger versiegten, versiegte auch die verzweifelte Wut, die ihn getrieben hatte. Sein Blick wurde schlĂ€frig und er robbte hinter Noldil her, die in tĂ€nzerisch wiegendem Schritt der zartrosa Marmorstraße folgte. Rakshor schlenderte neben ihr. Ihm gefielen die KlĂ€nge der Schneckenflöte, ĂŒberhaupt liebte er gute Musik.

"Ihr habt nichts von Eurer VirtuositĂ€t eingebĂŒĂŸt, Noldil. Ich möchte gar behaupten, ihr habt eure Kunst an den Gipfel ihrer Vollendung getrieben. Dass ihr nun sogar meine Untertanen damit beeinflussen könnt ..."

"Ich bin nicht ... Euer Untertan, Herr des Chaos", Àchzte Nyel. "Clawis allein vermag es, mir Befehle zu erteilen. Er ist der Gott der Elemente und somit auch Herr von uns Elementaren!"

Rakshors Gesicht wurde hart. "SandstĂŒrme, Taifune, FeuersbrĂŒnste und Sturmfluten", er blieb stehen und hob beide Arme in die Luft, mit ihnen erhob sich der Sand der Umgebung, "gibt es ein grĂ¶ĂŸeres Chaos als das, was die Sterblichen Naturkatastrophen nennen? Gibt es etwas Schöneres? Mein sollten die Elemente sein! Und nicht DomĂ€ne dieses Pfuschers!"

Der Sand begann sich um Rakshor zusammen zu ziehen und langsam um ihn zu kreisen. Nyel heulte auf und schlug mit den Armen um sich, als wĂŒrde er in Flammen stehen. Niemand außer den Göttern sah, wie der feine Sand in seine Kiemen drang, in seine Augen, Nase und Ohren und ihn von innen stach wie Milliarden von Nadeln. Nyels gewaltige Schwanzflosse schwang hin und her, als wolle er davon schwimmen und fĂ€llte die BĂ€ume zu beiden Seiten des Weges.

"Du wirst mir gehorchen", sprach Rakshor hart. Seine Stimme erhob sich im Sturm, der um sie toste. "Die Elemente werden kĂŒnftig dem Chaos dienen und nicht lĂ€nger diesem Handwerker! Nyel, du hast die Ehre, die Fluten unter meine Herrschaft zu bringen. Das Wasser wird fortan meinem Willen folgen! Nicht eher wirst du diese HĂŒlle, in der du hier vor mir liegst, wieder verlassen, ehe du nicht all meine WĂŒnsche zu meiner vollsten Zufriedenheit erfĂŒllt hast! Und nicht eher werde ich dich von diesen Schmerzen erlösen, ehe du dich nicht bedingungslos meiner Herrschaft beugst!"

Er ballte die Finger seiner ausgestreckten HĂ€nde zur FĂ€usten. Nyel schrie auf, zuckte zusammen und schlug dabei derart mit der Schanzflosse auf die Straße, dass er einen tiefen Krater hinein trĂŒmmerte. Gestein prasselte wie Hagel auf sie herab. Die Kiemen an seinen Flanken tropften rot. Der Krater fĂŒllte sich rasend schnell mit Grundwasser, das er gerufen hatte und Nyel stĂŒrzte sich hinein. Es reichte nicht mal, um seinen RĂŒcken zu bedecken. Er tauchte den Kopf unter, verschrĂ€nkte die Arme ĂŒber dem Genick und versuchte, möglichst wenig von sich aus dem Wasser heraus schauen zu lassen. Seine RĂŒckenflosse zitterte.

"Noldil, mein Freund, werdet Zeuge des historischen Zeitpunkts, als der Sand sich mit den Fluten verbĂŒndete! Werdet Zeuge dessen, wie das Element des Lebens zum Werzeug der Zerstörung wurde!" Die Augenhölen seiner SchĂ€delmaske begannen zu leuchten. "Nyel, sprich mir nach", befahl Rakshor. "Ich, Nyel, der Herr des Wassers, schwöre euch, Rakshor, die Treue, bis das diese Welt entzwei geht und als eine Staubwolke im Chaos versinkt!"
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#9

Beitragvon Noldil » Mi 27. Jan 2016, 20:06

Noldil runzelte die Stirn und ein verĂ€rgerter Zug schien ĂŒber ihr hĂŒbsches Gesicht zu huschen.
Es war nicht in ihrem Sinne, den Elementar leiden zu lassen.
„Du strafst meine Worte LĂŒgen, Rakshor mein Freund!“
Ihr Blick blieb an Nyel hÀngen, welcher sich in seiner Qual windete und versuchte, der Folter des Gottes zu entkommen. Als er vor Schmerz aufschrie und Noldil das Blut bemerkte, welches das Wasser rot fÀrbte, zuckte sie zusammen.
Als sie realisierte, dass ihr Instrument nichts gegen Rakshors Methoden auszurichten vermochte, liess sie es in hundert Seifenblasen verschwinden, welche bei jedem einzelnen Zerplatzen einen sanften Ton von sich gaben.

„Was werden meine GĂ€ste ĂŒber mich denken, wenn mein Versprechen gegenĂŒber dem Herr der Meere auf solche Art und Weise in den Staub gezogen wird? Wenn seine Wunden aufbrechen, anstatt verheilen? Er von noch mehr Schmerzen gepeinigt wird, als ich versprach, sie ihm zu nehmen?“
EntrĂŒstet baute sich die ĂŒppige Frau vor Rakshor auf und stemmte ihre Arme in die HĂŒfte. Als Norkara war sie gross gebaut und mit Rakshor beinahe auf einer Höhe. Ihre Augen funkelten zornig.
Trotzdem konnte sie dem JĂŒngling nicht wirklich böse sein. Auch wenn sie sein Handeln nicht gutheissen wollte, schĂ€tze sie ihn doch zu sehr. Aber manchmal musste man auch den Göttern die Leviten lesen.

Plötzlich jedoch trat ein schelmisches Funkeln in ihre Augen und die Haltung verÀnderte sich. Die Aufgebrachtheit schien von ihr abzufallen und machte stattdessen einem neckischen Gebaren Platz.
Sie trat mit wiegender HĂŒfte nĂ€her zu Rakshor heran, so nah, dass ihre Haarlocke, welche sich aus ihrer kunstvollen Hochsteckfrisur gelöst hatte, ihn an der Schulter kitzelte, wĂ€hrend sie sich vorbeugte und ihm leise ins Ohr flĂŒsterte: „Und was soll ich von meinem liebsten Gast halten, der sich doch ansonsten auf solch charmante Weise darauf zu verstehen weiss, zu bekommen, was er gerne möchte?“
Mit einem Finger streichelte sie hauchzart der nackten Brust ihres ansehnlichen GegenĂŒbers nach.
"Du hast es doch gar nicht nötig, auf solche Mittel zurĂŒckzugreifen. Bereits dein Anblick bringt Frauenherzen zum Schmelzen und lĂ€sst die tapferen Krieger ihre Schwerter schwingen.“
Ihr warmer Atem war als Lufthauch zu spĂŒren und roch nach sĂŒssem Wein und saftigen FrĂŒchten, ihre Stimme klang wie die Versuchung selbst.
„Sogar ich bin nicht vollstĂ€ndig dagegen gefeit
 du könntest mir deine Macht auch auf weniger rĂŒde und phantasielose Art beweisen.“
Ein LĂ€cheln umspielte ihre vollen Lippen, als sie sich wieder etwas von ihm zurĂŒckzog, ihn aus dunklen Augen aufmerksam musterte und versuchte einen Blick auf seine Regungen hinter der Maske zu erhaschen.
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Re: [Götter-rpg] Rakshors Besuch bei seinem alten Freund Nol

#10

Beitragvon Rakshor » Sa 6. Feb 2016, 20:51

Die kalte, sadistische Freude, die Rakshor empfand, als er Nyel seiner Macht ausgeliefert vor ihm lag, begann im Angesicht von Noldils LĂ€cheln zu weichen, so wie sich die eisigen Gletscher ins Gebirge zurĂŒckziehen, wenn die FrĂŒhlingssonne nahte und der Natur wieder ihren Raum gaben. Rakshor lockerte die FĂ€uste und der Sand sank als feiner Schleier zu Boden. Die letzten verbliebenen Seifenblasen zerplatzten mit leisen Tönen, als wĂŒrde jemand ein Glockenspiel mit sanften SchlĂ€gen betĂ€tigen und die gleichzeitig wichen die Schmerzen von Nyel. Die mĂ€chtige Flosse hörte auf zu zittern.

"Danke mir", sagte Rakshor. "Ich habe dich erlöst."
"Danke", erwiderte Nyel schwach.
"Worte sind mir nicht Dank genug. Ich will deinen Schwur."
"Vielleicht spÀter ... Herr des Chaos." Nyels Stimme war kaum noch zu hören und nur einen Augenblick spÀter war er eingeschlafen.

Missgestimmt verzog Rakshor die Augenbrauen. Sein Blick schweifte von dem schlafenden Koloss herĂŒber zu Noldil, die nur eine ArmlĂ€nge entfernt stand und ihn auf eine verlockende Weise herausfordernd ansah, wĂ€hrend ein schelmisches Grinsen ihre vollen Lippen umspielten. Er schob seine SchĂ€delmaske zurĂŒck, so dass sie seinen Mund sehen konnte, wĂ€hrend seine Augen im Schatten verborgen blieben.

"Noldil, meine Sonne", sprach er nun sanfter. "Du solltest die Herrin des Sandsturms sein ... denn du verstehst es besser, ihn zu bĂ€ndigen, als ich." Er griff nach ihrer Hand und drĂŒckte sie einen Moment sanft. "Die letzten Jahre - oder waren es Äonen? - waren ein einziges Martyrium. Ich trage blanken Hass in meinem Herzen. Er ist mal wie Eis, das mich grausam und kaltherzig macht und mal wie Feuer, das mich von innen verzehrt." Er löste den Griff, schĂŒttelte den Kopf und zog die Maske wieder ĂŒber sein Gesicht. "Dieser Hass verlangt, dass ich ihm Gehör verschaffe. Jemand wird bĂŒĂŸen mĂŒssen, oder er verbrennt mich."
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