Kommandant Meqdarhan - Abschied f├╝r immer

Nirgendwo sonst liegen Gl├╝ck und Verderben n├Ąher beieinander. Am Grund der H├Ąuserschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, w├Ąhrend reiche Bandenbosse durch die bl├╝henden Dachg├Ąrten flanieren.

Freie Stadt Obenza
Nirgendwo sonst liegen Gl├╝ck und Verderben n├Ąher beieinander. Am Grund der H├Ąuserschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, w├Ąhrend reiche Bandenbosse durch die bl├╝henden Dachg├Ąrten flanieren.
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Firxas
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Kommandant Meqdarhan - Abschied f├╝r immer

#1

Beitragvon Firxas » Fr 16. Jun 2017, 17:11

<< Was zuvor geschah.

"Hast du Zeit?"
Firxas ├Âffnete die Augen und rieb sich das Gesicht, w├Ąhrend der Bewegung setzte er sich bereits auf. So aus dem Tiefschlaf gerissen, verschwamm in den ersten Momenten das Bild vor seinen Augen. Kobro, ein Halbork aus seiner Einheit, stand vor ihm. Er erinnerte mehr an einen gr├╝nh├Ąutigen Menschen mit bestens gestutztem Milit├Ąrhaarschnitt als an einen Ork. Er war ein Haudegen, aber optisch fehlte ihm die Grobheit seiner orkischen Mutter.
"Worum geht es denn? Eigentlich hab ich grad frei und brauche eine Pause."
"Komandant Meqdarhan."

Firxas`Laune sank, aber die Gef├╝hlsregung fand nicht den Weg zu seinem Gesicht. Er erhob sich und verlie├č zusammen mit Kobro das Mannschaftsquartier. Er fragte sich, warum sein Kamerad ihm nicht einfach sagte, was Sache war. Stattdessen gingen sie in die enge Gasse zwischen Baracke und Mauer, wo man relativ gut f├╝r sich sein konnte und Kobro zauberte einen kleinen Weinschlauch unter seiner Trainingsr├╝stung hervor.

"Firxas, alter Foxi, ich hab keine Ahnung, wer von den Jungs gebetet hat, aber dessen Gebete wurden erh├Ârt! Kommandant Meq ist tot! Darauf m├╝ssen wir ansto├čen!" Er prostete Firxas zu, trank etwas und reichte ihm dann den Schlauch. Auch Firxas nahm einen gro├čen Schluck. Es war die billigste Pl├Ârre und obendrein gepanscht, aber darauf kam es nicht an. Es dauerte eine Weile, ehe die Information wirklich bei ihm angekommen war und er antwortete.
"Und wie ist das passiert?"
"Kannst du dich nicht einfach mal einfach freuen? Du ziehst noch genau so eine Fresse wie immer! Meq ist fort! Tot, abgekratzt! Hat den L├Âffel abgegeben! Ist verreckt! Vielleicht gibt es doch manchmal so was wie h├Âhere Gerechtigkeit."
Firxas schnaubte nur ver├Ąchtlich durch die Nase. An so was glaubte niemand, der den Krieg erlebt hatte und auch Kobro nicht. "Wie ist es passiert? Im Einsatz?"
"Nee! Im Badehaus! Sie haben abgesperrt, aber durch ein Fenster sieht man es. Meq wurde regelrecht ausgeweidet!" Er strahlte beim Reden bis zu den Ohren.
Firxas wurde um eine halbe Nuance blasser, als er das h├Ârte.
"Ich muss da sofort hin."
"Nicht n├Âtig. Ich hab f├╝r dich mit draufgespuckt. Das Fenster war offen."

Firxas lie├č Kobro einfach stehen. Er marschierte in dem schnellen Tempo, an das man ihn in den letzten Monaten gew├Âhnt hatte, zum Badehaus des Lagers. Die S├Âldner hatten eine eigene Stelle am Fluss, wo sie sich jeden Tag zu waschen hatten, aber f├╝r die Offiziere gab es ein eigenes Badehaus mit temperierten und mit Duft├Âlen versehenen Wannen.

Mit einigem Warten auf einen g├╝nstigen Augenblick gelangte Firxas zur selben Stelle, von der aus Kobro den verst├╝mmelten Leichnam gesehen hatte. Es war ein Fenster, was der Bel├╝ftung diente, damit es im Inneren nicht schimmelte und Meq hatte vermutlich die Abendsonne genie├čen wollen, so dass er seinen Zober hatte schr├Ąg vor dem offenen Fenster hatte platzieren lassen. Die Blutspuren waren extrem. Der Mann war nicht ermordet, sondern geschlachtet worden. Man hatte den Toten neben einer Wanne abgelegt und ihn mit einem Tuch abgedeckt. Firxas wiegte nachdenklich den Kopf hin und her, dann verschaffte er sich durch das Fenster Zutritt.

Er gr├╝├čte den Toten, als w├╝rde er noch leben, eine kleine Geste, die er sich im Umgang mit Leichen angew├Âhnt hatte, da sie ihm das beklemmende Gef├╝hl nahm, die mit dem Kontakt einherging. Dann hob er das Tuch an.

Meq hatte die Augen halb offen, genau wie den Mund. Der Kerl war ein Arsch gewesen, der sich nach oben gearbeitet hatte, indem er nach unten trat und nach oben buckelte. Firxas hatte ihm oft genug den Tod gew├╝nscht, doch jetzt fand er, dass Meq das nicht verdient hatte. Nicht das! Nicht so! Seine Bauchdecke war der L├Ąnge nach aufgeschnitten und der Darm lag durcheinander. Wahrscheinlich hatte er sich au├čerhalb des K├Ârpers befunden und irgendwer Zimperliches hatte lieblos versucht, ihn so schnell wie m├Âglich wieder hineinzustopfen. Eine Darmschlinge hing noch heraus. Firxas holte alles noch einmal ans Tageslich und verstaute es noch einmal neu in ordentlichen Schlingen in der leeren Bauchh├Âhle. Jetzt konnte irgendwer die Bauchdecke wieder zun├Ąhen, bevor man den Mann bestattete.

"Was machen Sie hier?", br├╝llte jemand, als man bemerkte, dass das zuvor nur angelehnte Fenster sperrangelweit offen stand. "Raus!"
"Hier ist nichts mehr zu verschlimmern", sagte Firxas schulterzuckend. "Ich habe lediglich Abschied genommen."
"Was haben Sie gemacht, sind Sie von Sinnen?! Sie zerst├Âren die Beweisspuren!"
Fast h├Ątte Firxas gelacht, aber nur fast. Er blickte genau so m├╝rrisch drein wie immer. "Was braucht es da noch f├╝r Beweise! Das war dieses Scheusal, der Gelbe Goblin. Der Mord tr├Ągt seine Handschrift. Suchen Sie besser nach dem."

Unendlich m├╝de lie├č Firxas zu, dass man ihn hinausf├╝hrte. Er hoffte, dass sein Kommandant bereits tot gewesen war, als man ihn ausgeweidet hatte. Irgendwer nahm noch seinen Namen, Rang und seine Einheit auf, was er stoisch herunterrasselte und seine Hundemarke zum Beweis zeigte. Erst dann lie├č man ihn gehen. Er f├╝hlte sich leer. Ein einzelner Gedanke hallte wie ein hartn├Ąckiges Echo in der Leere wieder.

Der Mord an Kommandant Meqdarhan war kein Zufall gewesen, kein beliebiger Toter in der langen Kette, deren Ende zum Gelben Goblin f├╝hrte. Der Gedanke, dass der Gelbe Goblin gewusst haben k├Ânnte, dass Firxas ├ärger mit Meq hatte, dr├Ąngte sich auf. Wurde er paranoid? Oder entsprach es der Wahrheit? Nahm man letzteres an, dann w├╝rde die Botschaft lauten:

Ich finde Dich. ├ťberall. Ich komm ├╝berall hin, egal, wo du dich versteckst und wie gut der Ort auch gesichert sein mag. Und ich wei├č alles ├╝ber dich, alles, was ich wissen will.

Firxas war schlecht. Er trottete zur├╝ck in sein Quartier und legte sich auf sein unbequemes, quietschendes Eisenbett. Unf├Ąhig zu schlafen starrte er an die Unterseite des Bettes ├╝ber ihm.

Er war nur paranoid, redete er sich ein. Es war Zufall gewesen nichts als ein dummer, bl├Âder Zufall. Wahrscheinlich war es noch nichtmal der Gelbe gewesen, sondern irgendein S├Âldner, der von dem Kommandanten genau so sehr die Schnauze voll gehabt hatte, wie Firxas. Oder sogar einer der anderen Offiziere.

"Kobro?"
Das Bett ├╝ber ihm bewegte sich. "Ja?"
"Hast du noch Wein?"
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