Wolfsblut

Nirgendwo sonst liegen GlĂŒck und Verderben nĂ€her beieinander. Am Grund der HĂ€userschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, wĂ€hrend reiche Bandenbosse durch die blĂŒhenden DachgĂ€rten flanieren.

Freie Stadt Obenza
Nirgendwo sonst liegen GlĂŒck und Verderben nĂ€her beieinander. Am Grund der HĂ€userschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, wĂ€hrend reiche Bandenbosse durch die blĂŒhenden DachgĂ€rten flanieren.
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Dimicus
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Die Freien Völker Die fleißige Feder in Bronze SchlĂŒsselloch Quasselstrippe

Wolfsblut

#1

Beitragvon Dimicus » Di 23. Mai 2017, 21:02

Obenza war also der Ort, an dem Fallon nun gelandet war. Nach seiner seltsamen Begegnung mit dem Straßenhund, hatte sich der Söldner in das Gasthaus begeben und den Wirt nach ein paar Informationen ĂŒber die Stadt ausgefragt. Man musste ja wissen, wo man sich umher trieb und mit wem es zu tun bekommen konnte. TatsĂ€chlich konnte er in Erfahrung bringen, dass Straßenhunde auf wenig Gegenliebe in dieser Stadt stießen. Also hatte seine flĂŒchtige Bekanntschaft nicht gelogen und schien zumindest auf erstem Blick ehrlich zu sein. Warum auch immer sich Fallon fĂŒr den Auftrag ohne Bezahlung eingelassen hatte.

So lag er nach einer Nacht in seinem angemieten Zimmer im Bett, grĂŒbelte darĂŒber nach, wie er dort hinein geraten war. Seine mĂŒden Augen starrten der Decke entgegen. Die braunen Holzplanken wiesen verdĂ€chtig irrationale Maserungen und gar kleine Löche auf, die man beinahe als MĂ€uselöcher identifizieren konnte. Bis jetzt hat er aber noch keinerlei Nager gesehen, der diese Löcher hĂ€tte verursachen können.

Seiner Kehle entdrang ein Seufzen. Hatte er wirklich nichts besseres mehr zu tun, als eine Decke anzustarren und darĂŒber zu sinnieren, ob sie wohl von MĂ€usen befallen war? Seine HĂ€nden glitten zu seinem Halsband herab, suchten den Verschluss und öffneten diesen. Ohne MĂŒhe gab das weiche Leder nach und somit seinen Hals frei. Wie eine Reliquie erhob er das gute StĂŒck vor seine Augen und betrachtete es. Seine Finger fuhren ĂŒber das duftende Leder, dass trotz der langen Zeit in der er es nun getragen hatte seinen wĂŒrzigen Eigengeruch abgelegt hatte. Seine feine Nase nahm den Duft auf und genossen ihn.

Es war nicht ganz drei Monate her, als er die Bauernfamilie verlassen hatte. Das Leben bei ihnen war so schön gewesen, es hatte aber deutliche Spuren an ihm hinterlassen. Dazu musste er nur auf seine HĂ€nde schauen, die mittlerweile mehr Wolfspfoten als wirklich noch an menschliche HĂ€nde erinnerten. FĂŒr diesen Frieden hatte er einen preis bezahlt, der ihn endgĂŒltig als einen Gestaltwandler gebrandmarkt hatte. Dabei war es fĂŒr ihn nichts Schlimmes, doch die meisten Menschen waren fĂŒr solch eine Gabe nicht bereit und wĂŒrden ihn verachten.

Schweren Herzens schob er diese Gedanken wieder beiseite, als er sich das wohltuende Halsband um seinen Nacken legte. Es fĂŒhlte sich mittlerweile so natĂŒrlich an, dass er es schnell vergaß. Das durfte nicht passieren, vor niemanden. Noch einmal seufzte er auf, ehe er sich aufsetzte und herzhaft streckte.

Kaum einige Minuten spĂ€ter hatte er sich seine zweite Haut ĂŒbergezogen und Fangzahn an seine Seite gebracht, war er auch schon wieder bereits fĂŒr den Aufbruch. Seine Stiefel hallten durch den Raum, als er zur TĂŒr schritt und hinaus in den Flur des Gasthauses trat. Schon jetzt waren laute GesprĂ€che zu hören und ein Geist aus leckerem Duft umschmiegte seine Nase. War das Braten? Vielleicht sogar Huhn mit Knochen? Der Appetit auf diese Dinge schĂŒrte seinen Hunger. Jetzt schon gierig fuhr er sich mit der Zunge ĂŒber die Lippen. Sicherheitshalber ĂŒberprĂŒfte er noch einmal seinen Geldbeutel, der zu seinem GlĂŒck noch angemessen gefĂŒllt war. Dann konnte er sich sogleich etwas Gutes gönnen!

Der unsichtbare Angelhaken zog ihn an der Nase die Treppen herunter in den fĂŒr die Uhrzeit ungewöhnlich gut besuchten Schankraum. Der Geruch von Alkohol mischte sich zu dem köstlichen Bratenduft. So frĂŒh zu trinken wĂŒrde aber sicherlich nicht Sinn der Sache sein, er musste kĂŒhlen Kopf bewahren. Doch der Hahn der gerade ĂŒber dem Feuer gedreht wurde, ließ ihm endgĂŒltig das Wasser im Mund zusammen laufen. Beinahe hechelnd nĂ€herte er sich dem Tresen, der Wirt musterte ihn schon irritiert.

Die Augen Fallons klebten förmlich am Hahn, der da am Drehspieß verweilte. Mit einem behandschuhten Finger deutete er darauf, fragte: "Wieviel soll das gute StĂŒck kosten?" Er erntete einen fragenden Blick, der dickliche Mann in seiner SchĂŒrze suchte vergeblich nach Fallons Kumpanen. "Was? Habe ich etwas falsches gesagt?"

Ein weiterer verwunderter Blickkontakt fand statt. Sekunden des Schweigens vergingen. Schließlich durchbrach ein schallendes Lachen des Wirtes die Stille zwischen ihnen. "Du willst den ganzen Hahn haben? So viel passt doch gar nicht in dich herein!" War das etwa eine Herausforderung?

"So, Ihr glaubt mir nicht?" Fallon setzte sofort ein wölfisches Grinsen auf, wobei einer seiner FangzĂ€hne ĂŒber die Unterlippe ragte. "Wie wĂ€re es mit einer Wette? Ich verputze den ganzen Gockel und bezahle nur die HĂ€lfte. Wenn ich es nicht schaffe, bezahle ich fĂŒr ihn das Doppelte." Das Grinsen wurde nur noch breiter, erst recht als der Wirt noch lauter zu lachen begann.

Ohne groß zu zögern nahm er den prĂ€chtigen Hahn von dem Drehspieß und legte ihn auf den Tresen. "Na dann. Guten Hunger!", spottete der Wirt. Sein Feixen klang siegesicher. Was er aber nicht wusste war, dass Fallon schon seit ungefĂ€hr zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte. Dazu besaß er einen nicht zu unterschĂ€tzenden Magen, der groß genug war. Dazu ließ er sich noch das Besteck vom Wirt reichen, wĂ€hrend sich eine interessierte Menge um ihn bildete.

Kaum hatte Fallon das Besteck in den HĂ€nden, legte er es erst einmal beiseite. Mit der bloßen Hand riss er einer der Keulen aus und knabberte das Fleisch von dem Knochen. Das weiße Gold wĂŒrde er sich fĂŒr spĂ€ter aufheben. Kaum war die Keule verschwunden, folgte die nĂ€chste. So weit so gut, doch nun kam der eigentliche Teil des prĂ€chtigen Tieres. Messer und Gabel zur Hand, schnitt Fallon den Hahn an und damit ein saftiges StĂŒck ab. Mit nur wenigen Happen und einem reißenden Abbeißenden verschwand der Hahn. StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Im inneren merkte der Wolf, dass sein Bauch sich krĂ€ftig zu fĂŒllen begann.

Doch nach knapp weiteren zwanzig Minuten war es vollbracht. Der Hahn komplett im Schlund Fallons verschwunden, der sich mit einem Tuch den Mund abwischte. Die Menge um ihn herum als auch der Wirt selbst waren vollkommen fassungslos. Mit offenen MĂŒnden standen sie da, konnten gar nicht begreifen was sie gerade gesehen hatten. Dem konnte Fallon nur ein unschuldiges LĂ€cheln schenken. "Wie viel muss ich bezahlen?", sagte er sĂŒffisant.

"Ich ... Ă€hh ..." Ihm stand der Unglaube ins Gesicht geschrieben. "Eigentlich kostet der ganze Hahn zwanzig Taler. Jetzt sind es wohl nur noch zehn..." Augenblicklich kramte Fallon seinen geldbeutel hervor und legte die gewĂŒnschte Anzahl auf den Tresen.

"Bitte sehr. War schön mit Euch GeschĂ€fte zu machen." Die komplette Taverne war in Stille versunken, als Fallon sich mit gefĂŒllten Bauch erhob, die Knochen in einer seine Taschen packte und durch die stumm-starrende Menge stolzierte. Fallon genoss dieses GefĂŒhl. Es erfĂŒllte ihn mit einem aufregenden Kribbeln. So war es wirklich lustig, wie sie alle drein starrten. "Einen angenehmen Tag!", rief er ĂŒber die Schulter, als er letztendlich durch die TĂŒr nach draußen trat.

An der frischen Luft angekommen, umgarnte ihn sofort die salzige Luft Obenzas. Es war ein angenehmer Wind aufgezogen, der den frischen Duft des Ozeans mit sich trug. Es war klar und sonnig, die Völker dieser Stadt geschĂ€ftigt unterwegs. Der Wirt hatte Obenza als "Freie Stadt" bezeichnet, wirklich damit anfangen konnte Fallon allerdings nicht viel. FĂŒr ihn stand fest, dass er jetzt dort an der Mauer angelehnt auf den Straßenhund warten musste.
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GlĂŒck ist der Mangel an Informationen.
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Re: Wolfsblut

#2

Beitragvon Tsacko » Sa 27. Mai 2017, 18:40

Fallon hatte ihn offenbar nicht bemerkt. Tsacko lag in Hundegestalt entspannt auf der gepflegten Mauer, gesprenkelt von einem Spiel aus Licht und Schatten, das die Nachmittagssonne durch eine Baumkrone ĂŒber ihn legte, den Kopf auf die Pfoten gebettet und blickte auf den Mann unter sich. Fallon lehnte an den Steinen der Mauer und wartete auf ihn. Tsacko beschloss, zu warten und ihn ein bisschen zu beobachten, einfach nur zum Spaß.

Erst nach einer geraumen Weile gĂ€hnte Tsacko auf Hundeart mit weit aufgerissenem Maul und zurĂŒckgelehnten Ohren, wĂ€hrend gleichzeitig ein Quietschen im Ultraschallbereich aus seiner Kehle klang, von dem nur die letzten paar Töne fĂŒr ein menschliches Ohr zu vernehmen waren. Noch im Strecken verwandelte er sich in den Alben mit den raspelkurzen Haaren und den abstehenden Ohren, drehte sich auf den RĂŒcken, verschrĂ€nkte die HĂ€nde hinter dem Kopf und legte den Fuß auf das Knie.

"Guten Tag", sagte er. "Wie ich rieche, hast du gut gegessen."
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Re: Wolfsblut

#3

Beitragvon Fallon » Sa 27. Mai 2017, 19:07

Die Ruhe die Fallon durchströmte, war ein wundervolles und willkommens GefĂŒhl. Der wĂ€rmende Lichtschein streichelte sein Gesicht. Es war ein herrliches GefĂŒhl, selbst in einer so engen und großen Stadt dennoch dieses wunderbare GefĂŒhl der Natur auf der Haut spĂŒren zu können. Fallons Augen hatten sich geschlossen, wĂ€hrend die Sonne sein Äußeres wie auch inneres wĂ€rmte. Seine Rute hĂ€tte er am liebsten einfach freien Lauf gelassen und wild damit vor Freude gewedelt. Es erfreute ihn immer, wenn er zurĂŒck an die Luft und sich dieses GefĂŒhl einverleiben konnte.

Kaum jedoch trat er aus dieser Trance, vernahm er doch bald einem ihm bekannten Duft, gefolgt von einer tiefen Stimme. War der Köter wirklich schon die gesamte Zeit hier? Etwas verwundert blickte sich der Wolf um und versuchte ausfindig zu machen, woher diese Worte gekommen waren. Sein Gehör war sonst auch gut, aber er war abgelenkt. Zumindest musst er dies zĂ€hneknirschend eingestehen. Schon bald erfassten seine Augen jedoch ein von der Mauer baumelndes Bein. Wohlgemerkt ein nacktes Bein, dass nach weiterem Hinaufschauen in einen komplett nackten Körper mĂŒndete.

Die Augen Fallons wurden groß und leicht errötend wandte er den Blick von dem Mann ab, der sich da so selbstverstĂ€ndlich der Öffentlichkeit prĂ€sentierte. "Du hĂ€ttest dir ja wenigstens etwas anziehen können.", murmelte Fallon, als er in seiner Tasche nach etwas zu suchen schien. Wenige Sekunden spĂ€ter umfasste er auch schon den noch immer warmen Knochen des HĂ€hnchens und warf ihn nach oben, direkt zu Tsacko hinauf. "Ich dachte, du könntest auch mal eine Kostprobe haben. Magst ja Knochen so."

Darauf lehnte sich Fallon einfach wieder zurĂŒck an die Wand und dachte gar nicht daran, auf den nackten Mann auf der Mauer zu schauen. Einige seltsame Blicke gab es bereits von vorbeilaufenen Passanten. Der Typ hatte sie doch nicht mehr alle! Mit einer Hand fasste sich Fallon an die Stirn und blickte zu Boden, als ob er gar nicht erst wĂŒsste, dass da ein mĂ€nnliches Exemplar Freilauf hatte.
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Re: Wolfsblut

#4

Beitragvon Tsacko » Sa 27. Mai 2017, 19:16

"Ja klar, ich renne als Hund in Klamotten rum", antwortete Tsacko halb scherzend, halb verstĂ€ndnislos und ließ sich hinter die Mauer fallen. Dort hatte er in einem Stoffbeutel seine Kleidung deponiert, den er in der Schnauze mitgetragen hatte. Er kleidete sich an und schwang sich zurĂŒck ĂŒber die Mauer.

Als Alb stank er noch schlimmer denn als Hund. Er war barfuß und seine FĂŒĂŸe schmutzig ohne Ende. "Also, du willst Obenza sehen. Die bekannteste SehenswĂŒrdigkeit ist hier, der SĂŒndentempel. Und jetzt zeig ich dir den Hafen. Komm mit." Er marschierte los.

In Albengestalt dauerte es eine gefĂŒhlte Ewigkeit und Tsacko wĂ€re viel lieber Hund geblieben. Er erntete schiefe Blicke und auch einige blöde Kommentare wegen seiner Ungepflegtheit. Unterwegs fragte er einige Touristen nach Geld. Die meisten ignorierten ihn einfach, als wĂ€re er Luft. Einer von ihnen unterstellte, er wĂŒrde sich davon eh nur Alkohol kaufen. Erst nach zwanzig Versuchen gab ihm jemand eine winzige Menge Kleingeld, das er in einer Reißverschlusstasche seines Schals verstaute, den er trotz der WĂ€rme trug.

"Da sind wir. Der Hafen von Obenza, der weltgrĂ¶ĂŸte Handelshafen. Schau dir diese Schiffe an!"
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Re: Wolfsblut

#5

Beitragvon Fallon » So 28. Mai 2017, 15:53

Abermals schlĂ€ngelte sich das Blut Fallons in die Wangen, als er Tsacko von der Mauer springen sehen. Dieser Köter war echt die Krone seiner Schöpfung. Im negativen Sinne. Kein GefĂŒhl dafĂŒr, warum ihn die Völker Obenzas verabscheuen. Es verwunderte Fallon aber auch nicht sonderlich, aber er hatte ein Verpsrechen gegegeben und wollte es einhalten. Letzten Endes hatte er auch etwas davon, selbst wenn Tsacko sehr anstrengend werden wĂŒrde.

Das wurde er auch. Öfter als es Fallon lieb war, rutschte er von dem Streuner weg und tat so, als ober ihn nicht kennen wollte. Er bettelte wahrlich wie ein Straßenköter alles an, was nicht bei drei auf den BĂ€umen war. Statt einfach Fallon zu fragen. Nein, er musste sich und Fallon selbst mit seiner Bettelei blamieren. Ganz abgesehen davon, dass er den leckeren HĂŒhnerknochen einfach hat im Dreck liegen lassen. Das sollte aber nicht sein Problem sein. Trotzdessen, dass es einer der wohl grĂ¶ĂŸten Verschwendungen war.

Nach einem recht qualvollen Weg fĂŒr den Verstand Fallons, kamen sie nun also am Hafen an. Hier hatte sich der Geruch von Salz und Fisch nur noch verstĂ€rkt, was aufgrund des Anblickes wirklich kein Wunder war. Doch zugegeben, solch riesigen Schiffe hatte er noch nie gesehen! Er kannte nur kleine, vielleicht eher mittelgroße Fischerboote, aber die Schiffe die hier vor Anker lagen, ĂŒbertrafen alles was er bisher gesehen hatte. "Woooooww...", entglitt seiner Kehle, wĂ€hrend er mit offenem Mund dastand und die Segelschiffe vor sich betrachtet.

"Sieht das hier immer so aus?", fragte er, ohne seinen Blick von den Schiffen zu lösen. "Das ist wahrlich beeindruckend. Hier zu leben ist bestimmt ein wahrer Traum." Tief atmete er den Geruch des Meeres ein, gefolgt von dem Gestank des Fisches. Doch war er ein Wolf, was hatte er schon zu meckern? "Du musst mir spÀter unbedingt noch mehr davon zeigen!", japste er freudig und voller Abenteuerlust, wandte sich dann aber wieder Tsacko zu, der sicherlich schon weiter wollte.
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Re: Wolfsblut

#6

Beitragvon Tsacko » Di 30. Mai 2017, 07:47

"Manchmal ist es sogar noch beeindruckender, wenn die Goblins mit ihren Zeppelinen anrĂŒcken! Aber die sieht man leider nur sehr selten. Ob es sich in Obenza schön lebt, kommt darauf an, ob man oben oder unten wohnt. Man kann hier besser als irgendwo sonst auf Tasmeron leben, aber auch sehr viel schlechter. Nirgendwo sonst klaffen arm und reich derart weit auseinander."

Tsacko pulte sich etwas aus dem Ohr und lutschte es vom Fingernagel. Dass Fallon ihn trotz der freundlichen Worte schon zuvor missbilligend gemustert und ĂŒbermĂ€ĂŸig großen Abstand zu ihm gehalten hatte, war ihm nicht aufgefallen.

"Also, was sind die Sachen, die dich am meisten interessieren? Wenn ich dir ganz Obenza zeige, sind wir einige Wochen unterwegs. Ich kann dir die HĂ€ngenden GĂ€rten zeigen, den Fischmarkt, das Söldnerlager, auch wenn die uns da nicht reinlassen, den Fischmarkt - ach nee, hatte ich schon gesagt - den Wassercircus, ungefĂ€hr zwanzigtausend verschiedene Kneipen, den Großen Park mit seinen Liegewiesen, das Rotlichtviertel, den Zeltplatz der fahrenden HĂ€ndler und noch vieles mehr. Such dir was aus."
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Re: Wolfsblut

#7

Beitragvon Fallon » Mi 31. Mai 2017, 15:13

Mit einem freudigen Funkeln in den Augen lauschte Fallon Tsacko, der von den riesigen Goblinluftschiffen sprach. Es regte wahrlich die Fantasie des Wolfes an. Solche Dinge hatte er noch nie gesehen! Wie sahen sie wohl aus? Wie Segelschiffe, nur in der Luft? Die Segel fingen die Winde ein und ließen die Giganten ĂŒber die Wolken schwebe? Doch wie kamen sie sicher herunter? Es musste doch bestimmt eine beĂ€ngstigende Erfahrung sein, keinen festen Boden unter den FĂŒĂŸen zu wissen. Innerlich setzte er ein solches Schiff auf seine gedankliche Liste der Dinge, die er unbedingt noch erleben wollte.

Schnell drĂ€ngte sich aber der Auftrag und seine Bezahlung wieder in den Vordergrund. Er war nicht dort um zu staunen, sondern um zu arbeiten. Dementsprechend wĂ€gte Fallon als nĂ€chstes seine Optionen ab, welche Tsacko ihm bot. FĂŒr kneipen und den Fischmarkt interessierte er sich nicht. Doch zwei Dinge stachen bei den VorschlĂ€gen des Streuners genau hervor. "Zeige mir bitte das Söldnerlager und den Park. Danach schlage ich vor, dass wir zum Friedhof gehen. Dort wartet jemand auf uns." Mit einem breiten Grinsen deutete Fallon in eine beliebige Richtung, trat einen Schritt zur Seite um seinen Begleiter den Vortritt zu gewĂ€hren.
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Re: Wolfsblut

#8

Beitragvon Tsacko » Mi 31. Mai 2017, 17:17

Tsacko schob sich an seinem Begleiter vorbei und umwölkte diesen dabei mit einer Wolke von UndĂŒften, die von vernachlĂ€ssigter Körperhygiene zeugten, so wie seine ganze heruntergekommene Erscheinung. Er ging voran, die Steinquader, mit denen die Straßen gepflastert waren, fĂŒhlten sich heiß unter seinen nackten FĂŒĂŸen an.

"Das Söldnerlager", sprach er, "liegt natĂŒrlich außerhalb. Wir haben sogar mehrere davon, sie wechseln manchmal, aber ich zeige dir das grĂ¶ĂŸte und bekannteste."

Vom Hafen aus schlenderten sie die Promenade entlang, Silbermöwen kreischten und die silbernen Finnen von SandjÀgern teilten das Wasser des Meeres. Irgendwann endete die Uferbefestigung und machte einem schmutzigen, stark frequentierten Sandstrand Platz. Glasscherben und Unrat lagen verstreut, gelegentlich wurde ihr Weg von ZÀunen unterbrochen und sie mussten einen Umweg gehen. Es dauerte lange, ehe sie endlich das Lager erspÀhten, eine Ansammlung von geometrisch angeordneten GebÀuden, die von einem Palisadenzaun umgeben wurden.

"Das ist es. HĂŒbsch, oder? Und frĂŒhmorgens wird man vom lieblichen Geschrei der Offiziere geweckt, wenn man den Fehler macht, hier in der NĂ€he zu pennen. Komm mit. Ich will mal bei der Wachstube schauen, vielleicht hat mein Kumpel grad Dienst."

Sie nÀherten sich dem Eingang, der schwer bewacht wurde. Tsacko fragte nach einem gewissen Firxas und nach einem kurzen Hin und Her kam ein beleibter Tiefling in einer leichten, sehr gebraucht aussehenden Kampfmontur heraus.

"Werde ich nicht auf einen Eintopf eingeladen?", fragte Tsacko enttÀuscht.
"Heute nicht, ist viel los. Haufen AnwÀrter, die gemustert und zugeteilt werden wollen. Hab nicht viel Zeit, gibt es was Neues?"
TatsÀchlich herrschte ein reger Andrang von MÀnnern allen Alters.
"Wir reißen Grizzly den Arsch auf! Er hier hilft mir!" Tsacko schlug Fallon die Hand auf die Schulter, als hĂ€tte er persönlich ihn ausgebildet.
"Ah, ja?", erwiderte Firxas und betrachtete den Wolf.
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Re: Wolfsblut

#9

Beitragvon Fallon » Do 1. Jun 2017, 16:07

Den ganzen Weg kam Fallon nicht umher, ĂŒber den stinkenden aber dfennoch Ă€ußerst potenten Geruch Tsackos nachzudenken. Fallon kannte es selbst, wenn er einige Tage fĂŒr einen Auftrag unterwegs war und sich deswegen nicht sĂ€ubern konnte. Geschweige denn von den Zeiten dazwischen, in denen er keine wirkliche Bleibe hatte und somit ungewaschen durch die Lande zog. Doch etwas anderes prĂ€gte sich vom Geruch des StrĂ€uners ein, dass Fallons feine Nase nicht richtig ausmachen konnte.

Jedenfalls kamen sie schon bald vor den Toren des Söldnerlagers an, welche einem riesigen Ansturm an MĂ€nnern Herr werden mussten. War der Beruf des Söldner tatsĂ€chlich so beliebt, dass man sich förmlich dafĂŒr anstellte? Der Wolf selbst musterte ein paar, viele sahen schon weitem unbrauchbar aus. Entweder zu alt oder schwĂ€chlich. Manchmal auch beides. Die Ausbilder dieser Kompanie mussten sicherlich einiges an Ärger und Frust an diesen Rekruten haben. In diesem Moment war Fallon froh, dass sein Ausbildung gĂ€nzlich anders verlaufen war, weswegen er sich nicht mehr in diese Schlange einreihen musste.

Seine Musterung wurde jedoch von einer krÀftigen Hand auf seiner Schulter unterbrochen. "-hilft mir!", bekam er nur noch mit. Fallon hatte gar nicht richtig zugehört. Zwei Augenpaare ruhten auf ihn, wÀhrend der dicke Kerl vor ihm ihn fragend beÀugte. Das konnte niemals ein Söldner sein, geschweige denn ein Ausbilder. Viel zu ungelenk. Vielleicht ein stupider Haudrauftyp?

"Ähh, ja. Fallon. Fallon DĂŒsterwind. Freier Söldner und Tsacko hier ist mein Auftraggeber.", antwortete er wahrheitsgemĂ€ĂŸ, wobei er schließlich ein wölfisches Grinsen an den Tag legte.
"Der arme Alpha hier, schafft es ja nicht sein Territorium zu verteidigen. Da dachte ich, dass er Hilfe ganz gut gebrauchen könne." Unschuldig zuckte Fallon mit den Schultern, wobei in seiner Stimme offensichtlich eine Infragestellung der Position Tsackos war.
"Die neuen Rekruten scheinen recht armselig, wenn Ihr mich fragt." Fallons Blick schweifte einmal mehr ĂŒber den Andrang.
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Re: Wolfsblut

#10

Beitragvon Tsacko » Sa 3. Jun 2017, 12:50

Firxas bewegte die Augen in Richtung der gut gelaunten Rekruten und schaffte es, dabei nicht das Gesicht zu verziehen.
"Obenza liegt hier an einer wichtigen Position", erklĂ€rte er. "Sowohl Naridier als auch Kaishos nehmen gern die Dienste unserer Söldner in Anspruch. Es gab schon genĂŒgend Schlachten, da war Obenza das ZĂŒnglein an der Waage, das den letzten Ausschlag gegeben hat. Und auch im Inneren der Stadt unterstĂŒtzen wir hin und wieder die ein oder andere Gruppierung, wenn auch in zivliler Aufmachung, so dass man uns meist nicht gleich als Söldner erkennt. Die Auftragslage ist hervorragend, aber auch mit den entsprechenden Risiken verbunden. Darum ist der Dienst hier verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gut bezahlt. Also wenn du mal einen Job brauchst ..."
Firxas betrachtete Fallon, der ihm vermutlich besser zusagte als ein Großteil der Pfeifen, die da in der Schlange standen, die er heute noch durchzuarbeiten hatte.

"Fallon hat schon einen Job", erzĂ€hlte Tsacko. "Er arbeitet nĂ€mlich fĂŒr mich. Sogar unentgeldlich."
Er betrachtete arrogant seine ungepflegten FingernÀgel. Firxas zog eine seiner kahlen Augenbrauen um einen halben Millimeter hoch, man sah es nur, wenn man genau hinschaute. Aber Tsacko sah es genau.
"Brauchst gar nicht so dumm zu glotzen!", keifte er. "Also, hast du nun was zu Essen oder nicht?"

Firxas winkte einen Söldner heran, der kurz verschwand und dann mit zwei in altes Papier eingewickelten Paketen wiederkam. Jedem Gestaltwandler reichte er eins. "Dem Besitzer der Rationen ist leider kurzfristig der Appetit vergangen. Ich sagte ja, gefÀhrliches Pflaster. Lasst es euch schmecken."

"Oh, Mann, du bist der Beste!" Unter der Jacke, die Tsacko um die HĂŒfte trug, wedelte wie verrĂŒckt der kurze Schwanzstummel, den er auch in Albengestalt nicht los wurde.

"Vielleicht erinnerst du dich irgendwann mal daran. Ich muss wieder. Tsacko. Fallon."
Der Tiefling nickte beiden nacheinander zu und stapfte zurĂŒck zur Wachstube.

Fröhlich spazierte Tacko wieder in Richtung Stadt.
"Siehst du? Sogar hier beschenkt man mich. Da zweifel du noch mal meinen Alphastatus an. Du kĂ€mpfst fĂŒr mich ohne Bezahlung, Firxas fĂŒttert mich durch ... ich sehe vielleicht nicht so aus wie der geborene AnfĂŒhrer, aber in eurem Unterbewusstsein spĂŒrt ihr, dass ihr euch mir unterordnen mĂŒsst. Eines Tages wirst du das verstehen. Aber ich bin nachsichtig in Anbetracht dieses so gut begonnenen Tages. Und jetzt zeig ich dir den Großen Park, dort können wir frĂŒhstĂŒcken!"

Er kletterte eine Eisenleiter hinauf, balancierte mit dem Essen im Mund ĂŒber ein Rohr, das quer ĂŒber einer Gasse verlief und so gelangten sie auf die erste Ebene der DĂ€cher. Hier sah es schon etwas gepflegter aus als in den unteren Gassen. Sie spazierten ĂŒber schlecht gewartete BrĂŒcken und DĂ€cher, die den Charme von Hinterhöfen in Mietskasernen hatten und kletterten schließlich eine Dachrinne hinauf.

"Dritte Ebene! Auf die noch höheren kommen wir leider nicht so einfach, da sie bewacht werden. Das riskiere ich nicht ohne Not und schon gar nicht vor dem FrĂŒhstĂŒck. Aber hier ist es schon ziemlich hĂŒbsch!"

TatsĂ€chlich waren die terassenartigen DachgĂ€rten hier grĂŒn und ĂŒberall blĂŒhte irgendetwas. Es gab zahlreiche öffentliche PlĂ€tze mit BĂ€nken und sauber gepflasterte Wege. Auch die BrĂŒcken waren hĂŒbsch geschwungen und mit Rosentoren versehen. Doch umso abweisender schaute man die beiden an und nicht selten wurden sie beschimpft oder man versuchte, sie davonzujagen. Aber Tsacko war das gewohnt und er konnte sehr gut unterscheiden, ob jemand nur meckerte oder ob Gefahr von ihm ausging, also blieb er rundum entspannt. Auch die Luft hier oben war frisch und sauber, kein feuchter Uringestank, kein aufgeweichtes Zeitungspapier, keine vermoosten und verlotterten Mauern wie in den Gassen. Und so erreichten sie den großen Park.

Er hatte das Aussehen eines Amphitheaters mit Ringen auf allen Ebenen, die jedoch nicht miteinander verbunden waren und nur ĂŒber die jeweilige Ebene erreichbar waren. blĂŒhende HĂ€ngepflanzen wehten im Wind und die KirschbĂ€ume standen in voller BlĂŒte. Ganz unten war eine riesige, schlammige Wiese mit einem dunklen Teich, der von Schilf und wilden Baumgruppen umgeben war, wo Leute badeten oder mit ihren Hunden spazieren gingen, auf den höher gelegenen Ringen nahm der gepflegte Parkcharaker immer weiter zu. Ganz oben gab es verglaste Kuppeln, so dass man auch bei Regen draußen sitzen konnte und seltene exotische Pflanzen so wie moderne Skulpturen, doch dieser Ring war fĂŒr sie unerreichbar. Doch auch ihrer war bereits sehr schön.

Tsacko setze sich an einer sonnigen Stelle in das frisch gemĂ€hte Gras und ließ die Beine von der gemauerten Kante baumeln. Es ging mehre Meter in die Tiefe bis zur darunter gelegenen Ebene. Er packte sein FrĂŒhstĂŒck aus, dunkles Brot, ein StĂŒck Kochschinken und ein Apfel.

"Guten Appetit, Fallon!"
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