Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
Der SĂŒdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#11

Beitrag von Finja » Fr 3. Feb 2017, 00:24

Ein Grinsen umspielte Finjas Lippen, als sie Nicolai und den Mönch bei ihren Verhandlungen beobachtete. <Oh man.>, sie schĂŒttelte amĂŒsiert den Kopf.

Finja bemerkte das schiefe Grinsen des HĂ€ndlers. Sie hob herausfordernd den Kopf, sagte jedoch nichts weiter. Schließlich wollte sie sich nicht wĂ€hrend eines VerkaufgesprĂ€chs aufregen, das kam nie sonderlich gut an wie sie wusste. Trotzdem brodelte es fĂŒr einen kurzen Moment in ihr auf.
Der HĂ€ndler preiste verschiedene Tiere an und Finja war froh, dass Nicolai so viel Fachwissen hatte.

Da war Damascus, doch Nicolais Blick entgingen die Details nicht. Finja verschrĂ€nkte nach Nicolais Zweifeln die Arme und legte den Kopf schief. <Nein, ĂŒber den Tisch werden wir wohl definitiv nicht gezogen.>
Dann ging es um einen Eduardo, doch Finjas Blicke wichen ab, wieder zurĂŒck auf das Pferd, welches sie schon vorher gesehen hatte. Entgegen ihrem Vorsatz genau bei den Verhandlungen aufzupassen beschĂ€ftigte sie sich lieber mit Arcadia. Sie schaffte es tatsĂ€chlich, das Tier zu sich zu locken und hielt diesem einen kleinen BĂŒschel Klee hin, den sie bei dem Zaun gefunden hatte. Das Pferd stubste die Almanin sanft mit dem Kopf an. "Na du?", kicherte Finja leise vor sich hin und streichelte Arcadia. Dann hörte Finja, wie Nicolai nach dem Preis fĂŒr Tier, Zaumzeug und Sattel fragte. Schlagartig schoss ihr Blick abwechselnd von dem Raktauren zu dem HĂ€ndler.
Als es darum ging das Tier einzufangen stand Finja aufgeregt neben Nicolai. Sie stellte sich sogar ab und an auf ihre Zehenspitzen um genau mitzubekommen, was dort vorging. Sie schien ein wenig mitzufiebern und hÀtte am liebsten eingegriffen, als das Pferd sich gegen Helfer behaupten wollte. "Hauptsache, die tun ihr nicht weh, dann ist hier was los.", brummelte Finja kaum hörbar in sich hinein.
Endlich wurde ihr das Pferd ĂŒbergeben. Finja wuschelte durch die MĂ€hne des Tieres, lĂ€chelte glĂŒcklich und mit großen Augen.

Nicolai half Finja beim Satteln von Arcadia und schließlich hatte das MĂ€del sich auf das Pferd geschwungen. Schlagartig schoss das Tier los, preschte ĂŒber eine alte SteinbrĂŒcke und machte einen großen Bogen ĂŒber eine Wiese. In langsamen Schritt kehrte Arcadia mitsamt etwas blasser Finja zu der SteinbrĂŒcke zurĂŒck und blieb dort abwartend stehen. "Alles unter Kontrolle!", meinte Finja und winkte Nicolai zu. "Mach sowas doch nicht mit mir!", hauchte sie dem Pferd zu. So machte sich die kleine Reisegruppe schließlich auf den Weg gen Norden.

Die Zeit verging und Finja saß mehr als stolz im Sattel. Jetzt konnte sie sich mit Nicolai sogar fast auf Augenhöhe unterhalten! Allerdings sprach sie die ersten Minuten ihrer Weiterreise nicht...doch bald platzte es aus ihr heraus. "Du...mir hat noch nie jemand etwas von so großem Wert gekauft. Ich meine...ein Pferd! Manche Leute sind froh, dass sie einen Esel oder ein anderes Packtier haben...und du schĂŒttelst einfach so ein Pferd aus dem Ärmel und dann sogar noch so ein wunderbares Tier!". Finjas große, grĂŒne Augen glitzerten im Licht der langsam untergehenden Sonne. "Ich...keine Ahnung. Du hast jetzt so viel Geld fĂŒr mich ausgegeben, ich weiss gar nicht, wie ich das mit den Zeichnungen wieder wett machen soll. Da werde ich doppelte, ach, was sag ich, dreifache MĂŒhe reinstecken! Mindestens!". Sie machte eine kurze Pause. "Ich habe dir ja in der Taverne noch gesagt, dass meine AuftrĂ€ge normalerweise anders ablaufen. Aber...das hier...das lĂ€uft auf jeden Fall noch mal GANZ anders ab. Andere Auftraggeber hĂ€tten mich einfach laufen lassen.". Sie wirkte fĂŒr einen Moment nachdenklich, schien dann einen dunklen Gedanken abzuschĂŒtteln. "Hey!", meinte sie schließlich und drehte sich zu Nicolai. "Was meinst du? Mache ich mich wirklich gut auf einem Pferd?".


Schließlich rasteten die beiden bei einem "Gasthaus". Gasthaus war sogar noch ĂŒbertrieben. Eigentlich handelte es sich um einen abgelegenen Streckenposten von Botenreitern. Dieser bestand aus einem Wachhaus, einem Stall und einer Feuerstelle. Ein kleiner Bach plĂ€tscherte in der NĂ€he vor sich hin. Ein alter Knecht hatte ihnen einen Schlafplatz ĂŒberlassen, da momentan an dieser Station nichts los war. Er hatte sogar noch ein paar Bissen Auflauf ĂŒbrig, die er Finja und Nicolai ĂŒberließ.
Arcadia kam im Stall unter und war bereits versorgt, als sich die beiden Reisenden an der Feuerstelle niederließen. Finja hatte sich an einen Baumstamm gelehnt und beobachtete die Sterne. Nicolai kritzelte irgendwas in ein Buch. "Was machst du da eigentlich?", unterbrach Finja schließlich die Stille, die vorher nur von dem Knistern des Feuers untermalt wurde. Eigentlich hĂ€tte sie direkt wissen mĂŒssen, dass Nicolai seinen Bericht schrieb. "Stört es dich wenn ich...?". Sie tippte mit der Spitze ihres Stiefels an die Laute, die sie mit zur Feuerstelle gebracht hatte.

Kurze Zeit spÀter hockten sie schweigend am Feuer, Nicolai schrieb und Finja spielte. Sogar der alte Knecht gesellte sich noch einmal dazu und lauschte zufrieden den Melodien.

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#12

Beitrag von Nicolai » So 5. Feb 2017, 12:39

Da Nicolai als Kind bei einer MĂŒllersfamilie aufgewachsen war, welche auch Pferde besass um die Karren zu ziehen, war er mit den Tieren vertraut.
Geduldig zeigte er Finja, wie sie zuerst die Schabracke und dann den Sattel auflegen sollte, und wie es am einfachsten ging, den Bauchgurt festzuzurren. Schnell stellte sich dabei heraus, dass dies Arcadia ganz und gar nicht passte und sie mĂŒrrisch nach ihm schnappte.
„Am Bebesten zuerst nur ganz leicht anziehen, wie du siehst, blĂ€ht sie ihren Bauch auf. Wenn sie einige Schritte gegagangen ist, kannst du nochmals nachziehen und wenn du oben sitzt, kannst du je nachdem noch ein Loloch höher zurren, damit du nicht bei den schnelleren GĂ€ngen nicht plötzlich zwischen ihren Beinen unten hĂ€hĂ€ngst“, riet er ihr mit einem Zwinkern.
Als es darum ging, ihr den Zaum anzulegen, wollte sie ihr Maul zu keinem Preis öffnen und hob den Kopf so hoch, dass Finja kaum hingelangte.
„Ein wenig Übung, dann wird das auch klaklappen!“, meinte der Raktaure zuversichtlich.
Er zeigte dem MÀdel, wie sie ihre Finger hinten ins Pferdemaul schieben, damit sich dieses öffnete und sie die Trense einschieben konnte.
„Und immer gut loben, aber das mumuss ich dir ja nicht sagen“, lachte er, als er sah, wie Finja die Stute betĂŒdelte.
Als sie dann oben sass, waren die beiden schneller davongeprescht als er bis drei zÀhlen konnte.
„Die sind glaub ĂŒber alle Beberge“, sagte er zum PferdehĂ€ndler, welcher bereits erschrocken die HĂ€nde verworfen hatte. Vermutlich glaubte er, Nicolai werde ihm VorwĂŒrfe machen wegen des Tieres, doch der Raktaure war sich sicher, dass Arcadia genau die Herausforderung war, die das junge MĂ€del brauchte. Und tatsĂ€chlich kehrten die beiden kurz darauf in völliger Harmonie und unbeschadet von ihrem Jungfernritt zurĂŒck, wobei die Stute zufrieden schnaubte, wĂ€hrend Finja etwas bleich im Gesicht schien.
Nun konnte die Reise also beginnen.

„Naja, eine Kutsche kann ich Didir leider nicht anbieten. Dann soll es wenigstens ein Pferd sein“, versuchte er abzuwiegeln, errötete aber trotzdem freudig.
„Mein Meister ist sehr wohlhabend. Bereits seine Familie handelt mit Kunstwaren und hahat sich ein GeschĂ€ft aufgebaut. Und mein Herr hat sich auf wertvolle BĂŒcher veverlegt, die er an- und verkauft. Das Buchbinden ist sozusagen noch ein kleiner Nebenverdienst fĂŒr ihn, dodort bildet er auch Lehrlinge aus“, erklĂ€rte Nicolai ihr den Wohlstand.
„Ach, deine Zeichnungen werden meine Notizen um Vieles aufwerten, da bibin ich mir sicher. Wenn es Dich beruhigt, werde ich streng kontrolliere, ob deine Bilder meinen Anforderungen entsprechen“, lĂ€chelte er sie im Spasse an.
„Ausserdem wirst Du mich ja als Gegenleistung mit didiesem Ding auf meinem RĂŒcken vertraut machen“, er blickte zu ihr hinĂŒber und beglĂŒckwĂŒnschte sich dafĂŒr, ihr ein Reittier gekauft zu haben. Es war deutlich angenehmer, auf Augenhöhe zu kommunizieren. FĂŒr ihn war es furchtbar, wenn er dauernd auf die Menschen heruntersehen musste, entsprach dies doch ganz und gar nicht seinem Wesen.
WĂ€hrend er ĂŒberlegte, wie ihre AuftrĂ€ge sonst ablaufen könnten, gingen sie in Eintracht nebeneinander her, wobei ihm belustigt auffiel, dass sich Arcadia immer wieder vordrĂ€ngte, als wolle sie die FĂŒhrung ĂŒbernehmen.
"Hey!", meinte sie schließlich und drehte sich zu Nicolai. "Was meinst du? Mache ich mich wirklich gut auf einem Pferd?"
Einen Moment betrachtete er sie prĂŒfend. TatsĂ€chlich schien ihr Körper unter einer stĂ€ndigen und trotzdem natĂŒrlichen Spannung zu stehen. Das musste wohl mit ihrem Training zusammenhĂ€ngen, und damit, wie sie aufgewachsen war. Nun, es kam ihr auf jeden Fall zu Gute.
Er wollte sie jedoch etwas necken und meinte deshalb kritisch: „Ganz passabel. Die Schultern noch etwas mehr zurĂŒck, aber kein Hohlkreuz junge Dame! Brust raus, Fersen runter. Blick nicht aufs Pferd, sondern dorthin, wo Du reiten möchtest!“
Dann breitete sich jedoch ein breites Grinsen auf seinem Gesicht aus und er rĂŒckte seine Brille zurecht.
„Du machst das prima, Finja. Vor Allem scheint Arcadia Dich zu mögen. Ich habe so das GefĂŒhl, sonst wĂ€re sie schon ĂŒber alle Berge!“

Nicolai war erstaunt ĂŒber die Gastfreundlichkeit des Knechtes und dankend nahmen sie seine Gaben entgegen.
Dann liessen sie sich an der Feuerstelle nieder. WÀhrend der Raktaure die Taschen und den Bogen ablegte und seinen wÀrmenden Mantel um die Schultern zog, betrachtete Finja das Himmelszelt.
Schliesslich zog er das Notizbuch hervor und kritzelte seinen ersten Beitrag hinein.
Er genoss die Ruhe um sich herum, nur die StĂ€tte war nicht so weich, wie er es sich von zu Hause gewohnt war. Nun, daran mĂŒsste er sich nun wohl gewöhnen.
Unuhig rutschte er hin und her, bis er endlich meinte, eine bequeme Position gefunden zu haben, nur um eine Minute spĂ€ter wieder das unselige Pieksen eines neuen Steinchens an seinem Körper zu spĂŒren.
„Was fĂŒr ein Tag. Ich denke, wir waren sehr erfolgreich und sind nun gugut vorbereitet. Meinst Du nicht auch, junge Lady?“
Er begrĂŒsste es sehr, als sie schliesslich zu spielen begann auf ihrer Laute und unterbrach dafĂŒr sogar das Verfassen seines Tagebucheintrages.
„Ich dedenke, das können wir gerne jeden Abend so handhaben. Das gefĂ€llt mir vermutlich sogar noch besser, als regelmĂ€ssige SchiessĂŒbungen“, meinte er, als sie eine kurze Pause einlegte.
„Mit denen können wir dann ja Morgenabend beginnen“, seine BetrĂŒbtheit angesichts des Aufschubs hielt sich dabei sichtlich in Grenzen.

„Woher kennst Du alle diese Lieder? Und wer hat Dir das Spielen beigebracht? Dein Bruder?“
Dann lauschte er wieder aufmerksam, bis er auf einmal die Ohren spitzte.
„Gibt es hier Wölfe?“, fragte er plötzlich beklommen, denn er meinte ein Heulen vernommen zu haben.
„Ich hoffe Mal, die mögen unser Feuer nicht und hatten schon ihr Abendessen. Vielleicht wollen Sie auch einfach dein Lautenspiel mitbegleiten!“, versuchte er zu scherzen, doch die NervositĂ€t war ihm sofort anzusehen.
Wie sollte das denn noch werden, wenn sie fern jeglicher Zivilisation wÀren?
„Sollte immer einer von uns Wache halten?“
Doch auch, als Nicolai endlich schlafen sollte, war dies nicht so einfach, wie erwartet. Bei jedem GerÀusch schreckte er hoch und sogar in seinen TrÀumen hörte er noch das Heulen und Knurren der Wildtiere.
Als er am Morgen Finja begrĂŒsste, hatte er deutliche Augenringe und wirkte ziemlich zerknautscht. Selbst seine ansonsten nicht zu beanstandende Freundlichkeit hielt sich in Grenzen und er brummelte auf Fragen hin nur kurze Antworten. Erst als die Sonne ihn langsam aufwĂ€rmte, erwĂ€rmte sich auch sein GemĂŒt wieder.

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#13

Beitrag von Finja » Mo 6. Feb 2017, 14:14

Finja hatte gerade mal die HĂ€lfte der Fachbegriffe verstanden, die Nicolai bei seinen ErklĂ€rungen benutzte. Doch sie schien zu verstehen, was am Ende wo und wie sitzen musste und darauf kam es an. <Ich werde ihn bestimmt noch das ein oder andere Mal fragen mĂŒssen...>, dachte Finja mit einer Mischung aus Erleichterung und Verlegenheit, wĂ€hrend sie erneut ihr Pferd streichelte.

"Eine Kutsche?", fragte Finja leicht irritiert. Sie war bisher nie in einer Kutsche gereist und hoffte, dass Nicolai ihr nicht auch das noch irgendwann "ermöglichte". Er erzĂ€hlte von seinem Meister und seinen ĂŒberaus guten finanziellen Mitteln und Finja versuchte sich ein Bild von dem Herren zu machen. "Gut, machen wirs so!", sagte Finja selbstsicher und die Abmachung mit den Zeichnungen und dem Training wurde noch einmal bestĂ€tigt.

"Ganz passabel?!" brummelte Finja leise und bemĂŒhte sich dann, den Anweisungen Nicolais Folge zu leisten. Am Anfang war es noch etwas wackelig und sie musste sich selbst immer wieder dazu ermahnen die Schultern zurĂŒckzudrĂŒcken, aber nach und nach bekam sie den Dreh raus. Das Lob, welches sie von Nicolai erhielt, bestĂ€tigte Finja mit einem stolzen LĂ€cheln.

„Was fĂŒr ein Tag. Ich denke, wir waren sehr erfolgreich und sind nun gugut vorbereitet. Meinst Du nicht auch, junge Lady?“ Finja nickte, den Blick weiter gen Himmel gerichtet. Jetzt sah die Sache schon etwas anders aus und Finja war optimistischer, was die Zukunft der Expedition anging.
"Du, um die Übungen kommst du nicht herum, das kann ich dir versprechen.", grinste sie Nicolai an, wĂ€hrend sie eine Saite nachstimmte. "Aber du hast recht, jetzt ist es zu dunkel fĂŒr die Grundlagen."

"Oh die Lieder habe ich nach und nach gelernt, wĂ€hrend ich mit meiner Familie und dem Heerlager auf Reisen war. Eine Zeit lang hat uns ein Barde begleitet und ich wollte danach unbedingt auch ein Instrument spielen können. Leider war nicht genug Geld dafĂŒr da, so musste ich mir das selbst zusammensparen.". Finja legte die Laute auf ihren Schoß. "Seweryn hat immer gesungen. Das Spielen hat mir einer der KĂ€mpfer aus dem Heerlager beigebracht...der alte "Einauge".". Es war deutlich sichtbar, wie sich hinter ihren Augen diverse Erinnerungen abspielten. "Der hatte ein Auge beim KĂ€mpfen verloren, sich dann aber als BogenschĂŒtze versucht. Er meinte, dass er jetzt besser zielen könne.", murmelte Finja, schaute dann wieder zu ihrer Laute. "Ich habe mir dieses gute StĂŒck kaufen können, nachdem ich mich in die Dienste des Feldkoches gestellt habe. Er hat wenig gezahlt, aber es war wenigstens etwas. Seweryn hat mir einen Großteil des Geldes irgendwann heimlich zugesteckt, da bin ich mir sicher.". Diesen Gedanken ließ Finja so stehen und ĂŒberlegte, welches Lied sie als nĂ€chstes spielen könnte.

"Wölfe...kann schon sein.", ĂŒberlegte sie kurz und sah sich um. "Das mit der Wache ist eine gute Idee. Wir werden auf unserer weiteren Reise bestimmt immer mal wieder Nachtwachen aufstellen mĂŒssen.". Finja streckte die Arme aus, drehte die HĂ€nde und ihr linkes Handgelenk knackte leise. "Dann können wir ja anstatt Bogenschießen heute mal Nachtwache ĂŒben!", meinte sie und nickte Nicolai optimistisch zu.

Die Zeit verging und die erste Wachschicht stand bevor. Nicolai sollte sie ĂŒbernehmen. "Wenn was ist, dann weck mich einfach.", sagte Finja mĂŒde und rollte sich wie eine Katze unter ihrem Umhang zusammen. Neben ihr lag der Speer, die Umrisse ihrer Klinge waren deutlich unter dem Umhang zu erkennen. Es dauerte nicht lange, da war die kleine Almanin auch schon eingeschlafen...

WĂ€hrend der eigenen Wachschicht passte Finja eher halbherzig auf. Was sollte auch schon passieren, hier bei dem Streckenposten? Schließlich entschied sie sich die Beine etwas zu vertreten und stand leise auf. Zwischen all den GerĂ€uschen der Nacht meinte Finja jedoch plötzlich noch etwas anderes zu hören. <Was...war das?>. Langsam wanderte ihre Hand zum Griff ihres Schwertes. Wie erstarrt stand Finja so da, konzentrierte sich auf die GerĂ€usche um sie herum. Dann passierte einen Moment lang gar nichts. <Mh. Hab' mich wohl geirrt.>. Skeptisch sah sich Finja noch einmal um, ging dann aber doch zurĂŒck zum Nachtlager. Kurzzeitig fĂŒhlte sie sich beobachtet.

Am nĂ€chsten Morgen war Finja frĂŒh wach. <Möchte gar nicht wissen, wie ich wieder aussehe...>, dachte sie genervt und wischte sich durch das Gesicht. Nicolai begrĂŒĂŸte sie. "Wooah. Nicolai. Du siehst echt nicht gut aus.", blubberte es aus ihr heraus. "Hast du so schlecht geschlafen?". Die knappe Antwort des sonst so freundlichen Raktauren sagte alles. Immerhin wurde seine Laune besser, als die Sonne weiter gen Himmel stieg.
"Der Treffpunkt, naja, was ist das fĂŒr einer? Eine Taverne? Eine BrĂŒcke? Eine Kreuzung?", fragte Finja schließlich. Je weiter die Reise voran ging, desto aufgeregter wurde sie. <Wie wohl die anderen Expeditionsteilnehmer so sind?>. Finjas Blick flog ĂŒber ihre Schulter. Da war es wieder, das GefĂŒhl beobachtet zu werden.

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#14

Beitrag von Nicolai » Do 9. Feb 2017, 16:37

"Wooah. Nicolai. Du siehst echt nicht gut aus.", blubberte es aus Finja heraus, als er sich mĂŒde aufrappelte.
„Danke fĂŒfĂŒr das Kompliment“, brummte der Raktaure mit hochgezogener Augenbraue und begann umstĂ€ndlich die BrillenglĂ€ser an seiner Decke sauber zu wischen.
Dabei rutschte sie ihm jedoch aus den HĂ€nden und landete mitten im Dreck. So war er dazu gezwungen, mit den Vorderbeinen in die Knie zu gehen und wie eine blinde Maus danach zu tasten. Seine Begleiterin um Hilfe zu bitten, wĂ€re ihm in seiner momentanen GefĂŒhlslage nicht in den Sinn gekommen.
Er war froh, als sie endlich wieder unterwegs waren, obwohl Arcadia ihm heute noch biestiger erschien als am Vortag. Sie drÀngte sich stÀndig vor ihn und schnappte nach dem Raktauren, wenn er ihr seitlich zu nahekam.
Ausserdem hatte sie einen zackigen Schritt drauf und er ahnte bereits, dass er am Folgetag mit Muskelkater zu kÀmpfen hÀtte.

Erst als die Sonne den Himmel verschönerte, taute er wieder auf und so wagte sich schliesslich auch Finja wieder, das Wort an ihn zu richten.
„Der Treffpunkt, naja, was ist das fĂŒr einer? Eine Taverne? Eine BrĂŒcke? Eine Kreuzung?"
„Nunun, es ist eine kleine Stadt. Wir werden unsere Reise nĂ€mlich zu Schiff fortsetzen. Auf diese Weise mĂŒssen wir ninicht das zwergische Gebirge durchqueren, was uns einiges an Weg und vielleicht auch Komplilikationen erspart.“
Nicolai wirkte dabei aufgeregt und seine Augen leuchteten vor Zuversicht.
„Warst du schon auf See, Finja? Ich zu meinem Teil freue mimich unglaublich auf dieses Erlebnis. Nur hoffe ich natĂŒrlich, dass wir ninicht auf Grund laufen oder in einen Sturm hineingeraten. Doch ich habe mich erkundigt, und die See soll an der Stestelle keine besonders gefĂ€hrlichen Passagen aufweisen.“
Der Raktaure war inzwischen wieder ganz er selbst und die ĂŒbliche Sorge war kurz aus seiner Stimme herauszuhören.
„Aber um noch einmal auf deine Frage zurĂŒckzuzukommen. Wir werden am Anlegesteg auf die anderen Mitglieder treffen. Zu unserer Truppe gehören etwa fĂŒnf Wachleute, ein Heiler, ein Kokoch sowie ein Forscherteam. Mein Meister hat nur die Besten ausgewĂ€hlt. Doch leider weiss ich selbst nicht, woher die Beteiligten stammen. Ich bin sesehr gespannt auf das Zusammentreffen!“

Eine Weile gingen sie eintrĂ€glich nebeneinander her, bis Nicolai der Bauch zu knurren begann. Am Morgen hatte er brummlig auf ein FrĂŒhstĂŒck verzichtet. Da es ihm peinlich war, nahm er das GesprĂ€ch wieder auf.
„Kannst Du eigentlich jajagen? Also nicht, dass ich das von dir erwarten wĂŒrde, schliesslich muss eine Lady dies nicht können. Ich kakann es ja auch nicht. Aber Du scheinst immer eine Überraschung bereit zu halten. Wie dem auch sei, die wiwilden Centauren ernĂ€hren sich ausschliesslich von pflanzlicher Nahrung. Wir Raktauren haben uns inzwischen an eine vevegetarische ErnĂ€hrung gewöhnt, doch Fleisch beschert uns bloss Verdauungsprobleme.
Weisst Du, ich kann es mir gagar nicht vorstellen, ein unschuldiges Kakaninchen zu erschiessen, geschweige denn einen Menschen. Wir ĂŒben das zuerst schon an einer Zielschscheibe oder?“
, fragte er leicht nervös.

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#15

Beitrag von Finja » Do 9. Feb 2017, 23:58

Zuerst bekam Finja gar nicht mit, wie Nicolai auf dem Boden nach seiner Brille suchte. Sie packte ihre Sachen zusammen und warf einen flĂŒchtigen Blick zu ihrem Begleiter. Als sie ihn dort so knien sah wollte sie sich erheben und dem Raktauren zur Hilfe kommen, entschied sich dann aber dagegen. <Ist ihm bestimmt wieder unangenehm.>, dachte Finja und packte still weiter, so tuend als hĂ€tte sie nichts bemerkt.

Finja hatte ein paar Probleme Arcadia unter Kontrolle zu bringen. Aus irgendeinem Grund schien das Pferd mit Nicolai nicht sooo gut klarzukommen. <Ich frag' ihn bald mal, was man da machen kann. Vielleicht mach' ich ja auch was falsch?>.

"M..mit dem Schiff?", murmelte Finja leise und versuchte ihre Unsicherheit zu verstecken. Sie hatte schon mal kleine Boote gesehen, einmal sogar ein etwas grĂ¶ĂŸeres Handelsschiff...aber selbst auf einem gereist war sie noch nie. "Ist das erste Mal, dass ich auf See bin.", gab sie etwas verlegen zu und verzog skeptisch das Gesicht. "Aber gut, wenn wir dadurch schneller voran kommen. Vielleicht ist das fĂŒr mich dann ja auch so ein Erlebnis.". Sie redete sich selbst Mut zu. "Wird schon werden.". <Hoffentlich.>

<Scheint ja doch eine grĂ¶ĂŸere Gruppe zu werden, als ich dachte.>, ĂŒberlegte Finja, als Nicolai von dem Zusammentreffen berichtete. "Ja, ich bin auch gespannt, was das fĂŒr 'ne Truppe ist. Aber eins kann ich dir jetzt schon versprechen. Du brauchst dir keine Sorgen um mich machen. Also, wenn mir einer von denen quer kommt meine ich. Dann erziehe ich mir den schon.", grinsend nickte sich Nicolai zu und trotz ihrer scherzenden Stimmlage schwang eine Spur Ernsthaftigkeit mit. "Lassen wir uns einfach mal ĂŒberraschen."

Eine Zeit lang schwiegen die beiden Reisenden und trotteten gemĂ€chlich den Weg entlang. Die Sonne erhellte den Tag, ab und zu schloss Finja die Augen und genoss einfach die angenehme WĂ€rme in ihrem Gesicht. Nicolai brach bald dieses Schweigen. "Jagen? Naja, sagen wir es mal so: Ich komme in der Wildnis zurecht. Ich wĂŒrde mich jetzt nicht als ausgezeichnete JĂ€gerin bezeichnen...aber es reicht.". Nicolai erklĂ€rte die ErnĂ€hrung der Raktauren. "Nur pflanzliche Nahrung.", wiederholte Finja und ĂŒberlegte einen Moment. Dann schĂŒttelte sie knapp den Kopf. "Also fĂŒr mich ist das glaube ich nichts. Aber hey, falls unser Koch einen Braten zubereitet, kann ich dann deine Portion haben?", fragte sie und lachte. "Keine Sorge, natĂŒrlich wirst du zuerst auf ein Übungsziel schießen.", fĂŒgte sie schließlich zu Nicolais Erleichterung hinzu.

Der Tag ging ins Land und das Duo kam an einer kleinen Lichtung vorbei. "Hey, guck mal da!", rief Finja plötzlich und lenkte Arcadia in Richtung eines knorrigen Baumes. Dort angekommen stieg Finja ab und band das Pferd an. Das Tier bockte kurz, doch beruhigte sich rasch als sich Finja mit erhobenem Zeigefinger aufbaute. Sie winkte Nicolai zu sich. "Siehst du den großen, umgestĂŒrzten Baum da vorne?", fragte sie Nicolai mit großen Augen und zeigte in Richtung Waldrand. Dort hatte anscheinend ein Sturm den Baum entwurzelt. "Komm, wir ziehen deine SchieĂŸĂŒbung vor! Man kann sich nicht immer aussuchen, wann man den Bogen zieht.", meinte Finja, zwinkerte Nicolai zu und spurtete in Richtung Baum. Sie begutachtete die "Zielscheibe" und eilte dann zurĂŒck zu dem raktauren. "Komm schon, los. Bogen in die Hand. Legen wir los!". Sie schien ebenfalls etwas aufgeregt. "Versuch mal folgendes. Nimm den Bogen in die rechte Hand und leg dann den Pfeil auf. Am besten du...Sekunde mal.". Finja unterbrach sich und nahm den Bogen selbst in die Hand. Er war natĂŒrlich zu groß fĂŒr die kleine Almanin, doch sie versuchte trotzdem mit dieser Waffe zurechtzukommen. "Wenn du den Bogen so hĂ€lst, dann musst du den Pfeil so auflegen.", erklĂ€rte sie und spannte etwas unbeholfen einen Pfeil. Anschließend ließ sie den Bogen sinken und gab Nicolai beides zurĂŒck. "Du greifst die Sehne und den Pfeil so wie ich es gemacht habe, mit zwei oder drei Fingern und ziehst dann aus der Schulter heraus bis neben das Kinn.". Ohne den Bogen machte Finja die Bewegung vor. "Pass auf deine Brille auf.", merkte sie an. "Dann lĂ€sst du die Sehne einfach los - und zwar immer die Sehne, niemals den Bogen.". Nicolai versuchte den Anweisungen nachzukommen und Finja nahm sich die Zeit um den Raktauren richtig zu positionieren. "So. Und jetzt konzentrier dich. Am besten du...sieh nicht mich an, fixiere dein Ziel!". Sie winkte mit einer Hand in Richtung Baum. "Aufrecht stehen, atme ruhig, lass dir Zeit.". Aufgeregt und abwartend zugleich stand sie da, streng und doch euphorisch. Noch bevor Nicolai reagieren konnte stand sie wieder neben ihm. "Warte mal einen Moment!". Sie stapfte davon und kramte ein Tuch aus ihrem Reiserucksack hervor. "Hier, wickel dir das mal so um die Hand, mit der du die Sehne hĂ€lst.", schlug sie vor, griff Nicolais Hand und knotete das Tuch darum. "Das sollte fĂŒr den Anfang helfen.". Sie stemmte anschließend die Arme in die HĂŒfte, atmete tief durch und nickte dem Raktauren zu. "Jetzt noch mal ganz in Ruhe. Pfeil auflegen, gut so. Jetzt...aaaaaus der Schulter ziehen. Aus der Schulter! Ziel fixieren....atme ruhig....geeeeenau so...UND SCHUSS!"

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#16

Beitrag von Nicolai » Fr 10. Feb 2017, 23:17

„Nun ja, ich bibin selbst noch nie mit dem Schiff gefahren. Doch so eine Reise ĂŒber See stelle ich mir schon spannend vor. Unser KakapitĂ€n wird bestimmt ein erfahrener Mann sein!“, versuchte er ihr Mut zuzusprechen.
Dabei kam ihm unvermittelt in den Sinn, dass er der erste wĂ€re, der wie ein Stein untergehen wĂŒrde, sollte das Schiff tatsĂ€chlich kentern. Centauren konnten von Natur aus nicht schwimmen, das liess ihre körperliche Statur nicht zu. Gleich wurde ihm etwas mulmiger zu Mute, doch er versuchte es vor der jungen Frau mutig zu verbergen.

Nicolai gefiel ihr unbeschwertes Denken. Offensichtlich schien sie sich langsam fĂŒr die Expedition zu erwĂ€rmen und machte sich weit weniger Sorgen als er selbst.
Er nickte ihr grosszĂŒgig zu.
„Ich gebe Dir gegerne den Braten ab. Auch wenn ich sagen muss, dass ich den Geschmack eines fein gewĂŒrzten Rebhuhns auch ninicht verschmĂ€hen wĂŒrde. Nur leider“, er tĂ€tschelte mit einer bedauernden Miene seinen Bauch, „wĂŒrde das bloss in BauchkrĂ€mpfen enden. Hoffen wiwir also, dass der Koch etwas von seinem Fache versteht, und wenigstens Du in diesen Genuss kommst.“

Als Finja abrupt innehielt, ahnte der Raktaure bereits Böses. Besorgt blickte er sich um, konnte aber keine nahende Gefahr erkennen. Doch das musste noch lange nichts bedeuten.
Hatte sie etwas gesehen, was er noch nicht einmal erahnen konnte?
Als sie auf den umgestĂŒrzten Baum wies, kratzte sich Nicolai nachdenklich an der Nase.
Im nÀchsten Moment scharrte er schon unruhig am Boden rum, als sie ihn in ihren Plan einweihte.
„Nun ja, alalso
 ich bibin doch seelisch noch gagar nicht darauf vorbebereitet und
“, doch weiter kam er nicht, denn seine Begleiterin war bereits von ihrem Reittier abgestiegen und spurtete davon.
Nicolai trabte ihr mit grossem Unwillen nach.
„Hast Du sowas dedenn schon einmal gemamacht?“

Bereitwillig hÀndigte er ihr den Bogen aus, nachdem ihre sprachlichen Anweisungen nur auf mÀssiges VerstÀndnis bei dem Raktauren stiessen.
Er unterdrĂŒckte ein Grinsen, als er sah, wie der Bogen sie ĂŒberragte. Obwohl er das Ding vielleicht richtig halten konnte auf Grund seiner Statur, musste das noch nicht heissen, dass er damit auch besser zu Rande kĂ€me, als die taffe, junge Frau.
Selbst ihr Körper war gespannt wie eine Bogensehne und Nicolai konnte nicht anders, als sie bewundernd anzustarren. Sie war wirklich hĂŒbsch. Und liebenswert und klug noch dazu.
Ausserdem eindeutig praktischer veranlagt, als er selbst – was aber auch keine grosse Schwierigkeit darstellte.
Völlig in seinen Überlegungen gefangen, verpasste er ihre ErklĂ€rung und hielt darauf den Pfeil so seltsam schief, dass Finja sich bereits um sein Brillengestell sorgte.

"Dann lÀsst du die Sehne einfach los - und zwar immer die Sehne, niemals den Bogen."
Meinte sie das wirklich ernst? Sie machte sich ĂŒber ihn lustig! Er musste sich wirklich dĂ€mlich anstellen.
Nun völlig aus dem Konzept gebracht und verunsichert stolperte der Raktaure beinahe ĂŒber seine eigenen Beine, als sie ihn zu positionieren versuchte.
Hilflos blieb sein Blick an ihr hĂ€ngen. Wie lange ihre Geduld noch andauern wĂŒrde?
"So. Und jetzt konzentrier dich. Am besten du...sieh nicht mich an, fixiere dein Ziel!"
Erschrocken zuckte er zusammen, und wandte seine Augen von ihr ab. Das Ziel. Was sollte er noch einmal abschiessen? Ahja, genau. Den Baum da hinten.
Angestrengt starrte er auf sein Ziel, das immerhin eine passable AngriffsflÀche bot.

"Aufrecht stehen, atme ruhig, lass dir Zeit."
Aufrecht stand er tatsÀchlich, genaugenommen sah er aus, als hÀtte er einen Besen verschluckt. Wie festgewurzelt bewegte er sich keinen Millimeter mehr, um Finjas vorgegebene Stellung nicht wieder zu verwischen.
Ruhig atmen?
Das hingegen stellte sich schon weitaus schwieriger dar!
Sein Puls schien zu rasen und am liebsten hÀtte er einmal mehr die Flucht ergriffen.
Himmel, er war doch mit Pferden verwandt, und das waren eindeutig keine Raub- sondern Fluchttiere!

Dann stand sie auch schon wieder neben ihm und band ihm ein Tuch um die Hand.
"Das sollte fĂŒr den Anfang helfen."
„Hehelfen? Wobei?“
Anstatt einer ErklÀrung folgten jedoch noch einmal die Anweisungen.
„Ich kann den nicht mehr lalange hahalten!“, meinte Nicolai verzweifelt und spĂŒrte, wie sein Arm langsam aber sicher zu erlahmen begann. Auch seine Schultern schien im Gleichtakt mit seinem Puls zu pochen.
"Jetzt noch mal ganz in Ruhe. Pfeil auflegen, gut so. Jetzt...aaaaaus der Schulter ziehen. Aus der Schulter! Ziel fixieren....atme ruhig....geeeeenau so...UND SCHUSS!"
Bei ihrem plötzlich lauten Ruf, zuckte Nicolai verschreckt zusammen und machte einen linkischen Satz zur Seite. Gleichzeitig liess er den Pfeil los, welcher als gefĂ€hrliches Flugobjekt davonzischte und spĂŒrte dabei wie die Bogensehne nachvibrierte.
Instinktiv schloss Nicolai die Augen. Als das Geschoss am völlig falschen Ort einschlug, stand der Raktaure noch immer wie zu einer SalzsÀule erstarrt da.
„Hahabe ich etwas gegetroffen?“, kam es schliesslich mit unsicherer Stimme aus seiner Richtung, bevor er vorsichtig zu Finja hinĂŒberblinzelte.
Sein Arm zitterte vor Anstrenung und NervositÀt gleichermassen.
„Ich glaube, das mĂŒmĂŒssen wir noch einige Male ĂŒben. Wie lalange hast Du denn gebraucht, um Deine Fertigkeiten zu erlernen?“

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#17

Beitrag von Finja » So 12. Feb 2017, 20:59

Der Zuspruch schien Finja zu beruhigen. Als Nicolai ihr dann noch seine Portion braten versprach erhellte sich ihr Gesicht zusehends. "Echt nett von dir, danke.". Trotzdem hatte Finja noch ein eher mulmiges GefĂŒhl im Bauch, was die Seefahrt anging.

"Getroffen?", fragte Finja und sah abwechselnd zum Waldrand und dann zu Nicolai herĂŒber. "Ja, du hast tatsĂ€chlich irgendwas getroffen. Zwar nicht das eigentliche Ziel, aber der Pfeil ist irgendwo da hinten eingeschlagen.". Sie deutete in die ungefĂ€hre Richtung. "Komm, lass uns nachsehen!".
Auf dem Weg zum Waldrand beantwortete sie auch schließlich Nicolais Frage. "Das hat lange gedauert. Ich bin allerdings davon ĂŒberzeugt, dass man immer wieder was lernen kann. Irgendwer wird immer besser sein als man selbst.". Dann musste Finja grinsen. "Also keine Sorge, selbst mir kann man noch was beibrigen.", lachte sie und versuchte Nicolai dadurch etwas optimistischer zu stimmen. Sie sammelten den Pfeil wieder ein, der in dem Stamm einer Weide gelandet war. "Treffer ist Treffer, was?". Finja reichte Nicolai den Pfeil und sie machten sich wieder auf den RĂŒckweg zu Arcadia. WĂ€hrend Nicolai vorging blieb Finja plötzlich abrupt stehen. Sie sah sich um. <Da war doch was?>. Einen Moment lang stand sie angespannt und reglos einfach nur so da. Nicolai sah sich nach der Almanin um. "Ich dachte, da wĂ€re...ach...schon gut, da ist nichts. Gehen wir.". Sie gingen zurĂŒck zu Arcadia und Finja verengte noch einmal die Augen in Richtung Waldrand. "Lass uns erst mal weiterziehen.", murmelte sie leise und band das Pferd wieder los.

ZurĂŒck auf der Straße schaute Finja zu Nicolai, der nicht so ganz zufrieden mit seiner ersten SchieĂŸĂŒbung zu sein schien. "Als ich den Umgang mit dem Schwert oder dem Speer gelernt habe, da war ich alles andere als erfolgreich. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele blaue Flecken und Beulen ich von diesen verdammten hölzernen Übungswaffen hatte. Von meiner ersten SchieĂŸĂŒbung möchte ich gar nicht erst reden. Es hat eine gefĂŒhlte Ewigkeit gedauert, bis ich ĂŒberhaupt mal irgendwas getroffen habe.". Sie schaute nach vorne. "Glaub mal, wir kriegen das schon hin. MĂŒssen uns dann sowieso mal ĂŒberlegen, wie wir das auf dem Schiff machen. Das Üben meine ich.". Aber auch da wĂŒrde es bestimmt eine Lösung fĂŒr geben. "Das nĂ€chste Mal können wir uns auch vorher noch aufwĂ€rmen.", schlug Finja vor und kraulte Arcadia hinter dem Ohr.
"Du sag mal, warum zickt die gute hier eigentlich manchmal so rum? Meinst du sie sieht in dir sowas wie eine Konkurrenz oder so? Ich habe da nicht wirklich eine Ahnung."

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#18

Beitrag von Nicolai » Mi 22. Feb 2017, 17:25

Mit Stolz betrachtete Nicolai den Pfeil, welcher mitten in der Rinde einer Weide steckte. Dass er sein eigentliches Ziel dabei um mehrere Meter verfehlt hatte, liess er ausser Acht.
Er war derselben Meinung wie Finja, dass Lernen ein Leben lang andauerte. Er hatte also noch viel Zeit, seine SchiesskĂŒnste zu perfektionieren.
Auf dem RĂŒckweg hielt die junge Frau plötzlich inne und der Raktaure blickte sich verwundert zu ihr um.
„Finja? Wawas ist los?“, fragte er besorgt, als er bemerkte, wie sie den Waldrand absuchte.
Auch seine Augen richteten sich auf die BĂ€ume, doch er konnte nichts erkennen. Lauerte dort eine Gefahr? Wurden sie verfolgt von RĂ€ubern? Oder war es ein Raubtier?

Obwohl sie ihn mit ihren Worten beruhigen wollte, konnte Nicolai die plötzliche Unruhe nicht mehr einfach so abschĂŒtteln.
Wie bei anderen Herdentieren schwappte Finjas Anspannung auf ihn ĂŒber und auch als sie bereits wieder unterwegs waren, wĂ€re er am liebsten bei jeder unverhofften Bewegung eines Vogels losgestĂŒrmt.
Erst als Finja von ihren ersten eigenen KampfĂŒbungen erzĂ€hlte, liess er sich ablenken.
„Blaue Fleflecken und Beulen?“, Nicolai schauderte bei dem Gedanken und war froh, sich schlussendlich fĂŒr einen Bogen und nicht fĂŒr ein Schwert entschieden zu haben.
„Das hat dadann bestimmt keinen Spass gemacht! Kökönnen da wo Du her kommst alle Frauen mit Wawaffen umgehen? Und wer kĂŒmmert sich dadann um die Kinder?“

Nicolai blickte hoffnungsvoll in die Ferne.
„Ich dedenke auf dem Schiff mĂŒssen wir dann halt wohl oder ĂŒbel eine Pause einlegen mit dem Schiessen. Wiwir wollen ja nicht versehentlich das Segel durchlölöchern oder jemanden töten!“, obwohl er dies nur gesagt hatte, um sich von den Übungen und peinlichen Momenten vor der ganzen Expedition zu drĂŒcken, war seine Aussage gar nicht so unwahrscheinlich.
„Vielleicht bekommst du dann ja bereits die Gelegenheit, erste Zeichnungen anzufefertigen“, er grinste sie an, wohlwissend, dass er sie bloss vom anderen Thema abzulenken gedachte.

Auf die Frage, was mit Arcadia los sei, zuckte er nur mit den Schultern.
„Sie scheint einen starken Charakter zu hahaben und sich gewohnt zu sein, dass die andren aus der Herde ihr hinterherdackeln. Du kannst sie zwischendurch Mal einige Schritte rĂŒckwĂ€rtsgegehen lassen. Und wenn sie das nĂ€chste Mal nanach mir schnappt, werd ich ihr Mal eins austeilen, also nicht erschrecken“, riet er ihr, ahnte aber gleichzeitig, dass er und Arcadia wohl nicht beste Freunde werden wĂŒrden.

Die nÀchsten Tage kamen sie gut voran, wobei Nicolai dies auf seinen Kompass schob, wo er alle Stunde einmal die Richtung kontrollierte und Finja dies bloss mit einem skeptischen Nicken hinnahm.
TatsĂ€chlich fĂŒhrte Finjas Weg die beiden GefĂ€hrten jedoch sicher ihrem Ziel entgegen.
Nicolais SchiessĂŒbungen verliefen hingegen weniger erfreulich. Das erste schien ein wahrlicher GlĂŒckstreffer gewesen zu sein, denn weitere SchĂŒsse landeten meist irgendwo in der Erde.
So war der Raktaure dankbar, als endlich die kleine Hafenstadt in Sichtweite kam.
Und natĂŒrlich hoffte er auch auf eine trockene Schlafgelegenheit, denn in einer Nacht hatte zu allem Übel auch noch leicht geregnet.

Fasziniert blickte er durch sein Brillengestell hindurch in die Ferne.
„Da ist die See!“, begeistert blieb er stehen, so dass Arcadia beinahe in ihn hineinprallte und dies mit einem giftigen Schnappen kommentierte. Ihr Verhalten ihm gegenĂŒber liess noch immer zu wĂŒnschen ĂŒbrig.
Noch in den Anblick vertieft, hörte Nicolai plötzlich eine helle Stimme empört rufen.
„Hallo, ihr da! Entschuldigt Mal bitte! Das Betreten dieses GrundstĂŒcks ist verboten! Seht ihr nicht das Schild und den Zaun da!“
Verwirrt blickte der Raktaure sich um, doch nichts dergleichen war zu sehen, zudem sie auch nicht vom Weg abgekommen waren.
Die Stimme gehörte einer sehr jungen Albin. Als Nicolai sich zu ihr umwandte bemerkte er, dass sie noch kleiner war als Finja und zudem einen blassgrĂŒnen Hautton hatte. Eine Waldalbe, so vermutete er. Ihre braunen Haare fielen ihr bis zu den HĂŒften herab und um ihr Haupt rankte sich eine BlĂŒtenranke.
„Guten Tag Mylady“, grĂŒsste er sie höflich, doch sie schien ihn gar nicht richtig wahrzunehmen.
„Schwester! Bist du auch fern von zu Hause? Ich habe lange keine mehr von meinem Volk gesehen!“, voller Euphorie war sie aufgesprungen von ihrem Stein und steuerte zielstrebig auf Finja zu.
Sie schien dabei leicht zu wanken, was Nicolai sorgenvoll beÀugte.

WÀhrend Rhodesia, wie sie sich bei der jungen Reiterin vorstellte, seiner GefÀhrtin nun zu einer Tasse Tee einlud, bemerkte der Raktaure einen Korb in der Wiese stehen, wo kurz zuvor die Albin noch im Gras herumgewuselt war.
Die Albin schien verwirrt zu sein, weswegen sie sie besser nicht hier zurĂŒckliessen. Deswegen wollte er ihre Habseligkeiten mitnehmen.
Als er kurz darauf damit zu Finja zurĂŒckkehrte, blickte er sie vielsagend an.
„Ich glaube, unsere Rhodesia hier ist nicht gaganz sie selbst. Offensichtlich kennt sie sich ninicht sehr gut mit den Pflanzen aus“, er deutete in den Korb hinein, wo eine Menge unterschiedlicher Pilze und KrĂ€uter sich tummelten.
„Meiner Meinung nach sind nicht alle davon gaganz ungefĂ€hrlich. Wir sollten sie in die Stadt geleiten."
An die Albin gewandt meinte er galant: „Mylady, wir wĂŒrden gerne eine Tatasse Tee mit euch trinken. Ich kenne da ein gutes Gasthaus, eine kurze Wegstrecke von hier entfernt!“
Rhodesia starrte ihn einen Moment verdattert an, dann zeigte sie mit ihrem Finger auf ihn und begann wie verrĂŒckt loszugackern.
"Hast du das gehört, Schwester? Eine Tatasse will er trinken! eine Tatasse!", ihre dunkelgrĂŒnen Augen funkelten belustigt, wĂ€hrend Nicolai eindeutig pikiert wirkte.

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#19

Beitrag von Finja » Mi 22. Feb 2017, 21:08

"Oh...nichts. Gar nichts.", meinte Finja rasch auf Nicolais Frage. Nicolai schaute sie skeptisch an. Finja schaffte es nicht wirklich ihre Unsicherheit zu verbergen. <Ah. War bestimmt nur Einbildung. Reiss dich mal zusammen, MÀdel.>, sprach sie sich selbst Mut zu. "Ich dachte ich hÀtte da...keine Ahnung...Irgendwas gesehen. War wahrscheinlich nur ein aufgeschrecktes Tier oder so.".

Auf den nĂ€chsten Metern der Reise konnten Finjas Worte Nicolai kaum beruhigen, doch die Anspannung legte sich, als sie ĂŒber Training sprachen.
"Blaue Flecken und Beulen.", bestĂ€tigte Finja und nickte. "Naja, es soll ja auch keinen Spaß machen. Weißt du...mir ist es lieber beim Training einen drĂŒber zu kriegen. Dann lernt man draus und wenn es hart auf hart kommt macht man diesen Fehler nicht noch mal. Kann dich sonst den Kopf kosten.", sagte sie trocken und zuckte mit den Schultern. Auf die Frage hin wer sich um die Kinder kĂŒmmerte musste Finja schmunzeln. "Es hat sich gezeigt, dass es vorteilhaft ist wenn sich jeder im Heerlager zumindest zur Wehr setzen kann. Pöbeliges Bauernvolk oder dreckige Banditen sind dann bei weitem nicht mehr so bedrohlich. Außerdem unterschĂ€tzen die die Frauen oft, was sich dann als böser Fehler rausstellt.". Finja schaute Nicolai verwegen mit hochgezogener Augenbraue an, sie war wohl der beste Beweis fĂŒr ihre Aussage. "Um die Kinder kĂŒmmern sich eben die Eltern, wobei die Söhne mehr Zeit mit ihrem Vater verbringen, Töchter mit den MĂŒttern. Die Eltern geben ihr Handwerk an die Kinder weiter, aber das KĂ€mpferische hat bei uns irgendwann jeder zumindest grundlegend gelernt.".

"Stimmt. Gibt bestimmt Ärger wenn wir da die Pfeile fliegen lassen. Aber du kannst ja trotzdem ĂŒben, wie man den Bogen richtig spannt. Weisst schon, gut fĂŒr die Arme.". Grinsend knuffte Finja Nicolai auf den Oberarm, musste dann allerdings Arcadia wieder etwas von dem Raktauren weglenken. "Klar, ich denke ich werde sowieso das ein oder andere einfach so zeichnen. Falls dir etwas besonders ins Auge springt sag einfach bescheid.". <Dein Training vergesse ich trotzdem nicht, mein Lieber.>

Auf der weiteren Reise versuchte Finja die Tipps von Nicolai Arcadia betreffend umzusetzen. Dabei war sie aber bei weitem nicht so erfolgreich, wie sie sich das vorgestellt hatte. Auch die weiteren Trainingseinlagen waren Ă€hnlich. Die kleine Almanin hatte sogar einmal MĂŒhe ihre Wut ĂŒber die Gesamtsituation zu unterdrĂŒcken. <Das kann doch alles nicht so schwer sein!!>. Sie zweifelte sogar an sich selbst, konnte sich aber gerade noch so zusammenreißen. Immerhin gab es zwischen den beiden Reisenden keinen Streit.

Endlich kam die kleine Hafenstadt in Sichtweite. Finja war erleichtert. Vielleicht blieb noch genug Zeit, sodass sie einfach mal einen Moment lang fĂŒr sich sein konnte.
"Da ist die See!", rief Nicolai und starrte in die Ferne. Finja bemerkte, wie gebannt er von dem Meer war, welches ihr ein mulmiges GefĂŒhl in der Magengegend verschaffte. Viel Zeit zum TrĂ€umen blieb nicht, denn plötzlich ertönte eine helle Stimme in der NĂ€he. Auch Finja schaute sich irritiert um und schließlich fiel ihr Blick auf eine kleine, junge Albin. Finja hatte sie zuerst nur fĂŒr ein Kind gehalten. "Was fĂŒr ein Grundst...", Finja konnte ihre Frage nicht zuende stellen, wurde als Schwester bezeichnet und schon steuerte das kleine Wesen auf die Almanin zu. Finja schaute zu Nicolai hinĂŒber, der von der Albin nicht wirklich beachtet wurde. "Was...was passiert hier?!".

"Ehm...Rhodesia...", begann Finja unsicher und legte den Kopf leicht schief. "Wieso "Schwester"? Ich weiss nicht, aber vielleicht verwechselst du mich?". Einen kurzen Moment schien Rhodesia abwesend und starrte nur vor sich hin. Finja beugte sich von dem Pferd aus etwas in ihre Richtung. "Geht es dir gut? Ich meine hast du irgendwas? Sag doch was?!".
Dann kehrte zum GlĂŒck Nicolai mit dem Korb zurĂŒck. "Nicht ganz sie selbst?", fragte Finja und musterte Rhodesia. "Was meinst du mit nicht alle sind ungefĂ€hrlich? Ist sie irgendwie vergiftet oder hat sie nur falsche KrĂ€uter genascht?". Finja erinnerte sich. Manche Söldner hatten KrĂ€uter in langen Pfeifen geraucht. Als Kind mochte sie die verschiedenen DĂŒfte, aber oftmals holte ihre Mutter sie von den Qualmwolken weg. <Hatte wohl einen guten Grund.>. "Gut, nehmen wir sie mit.", schmunzelte Finja und schaute wieder zu der Albin, die mittlerweile wieder zu plappern begonnen hatte. "Ist doch guuut.", meinte sie beruhigend und hob die Hand. "Du kannst mir unterwegs in die Stadt noch mal in Ruhe erklĂ€ren wo du herkommst.". Finja machte sich keine wirklichen Hoffnungen, dass da etwas Sinnvolles bei rumkam, aber sie hoffte Rhodesia dadurch zumindest abzulenken.
Nicolai lud Rhodesia zu einer Tasse Tee ein, was diese komplett aus dem Konzept zu bringen schien. Dann lachte sie los, wĂ€hrend sie auf Nicolai zeigte und diesen nachĂ€ffte. Er wirkte pikiert, schien aber nichts weiter zu unternehmen. Selbst als Finja ihn abwartend ansah passierte nichts. Finja seufzte, verdrehte die Augen und stieg flink vom Pferd. "Ja, ich habe es gehört. Tatasse. Wirklich witzig.", antwortete Finja trocken und schritt auf Rhodesia zu. <Mal gucken, ob das hinhaut...>, spekulierte Finja und blieb vor der (selbst fĂŒr ihre VerhĂ€ltnisse) kleinen Albin stehen. "Hör mal, Schwester.", begann Finja zuckersĂŒĂŸ mit einem LĂ€cheln und ging etwas in die Hocke. "Du darfst nicht so frech zu Nicolai sein. Du weisst doch, das ist nicht besonders nett." sachte schĂŒttelte sie mit großen Augen den Kopf um ihre Aussage zu unterstreichen. Rhodesia hatte aufgehört zu gackern und versuchte mit unruhigen Blicken Finja zu fixieren. "Weisst du, meine liebe Schwester, wir haben uns alle schon Sorgen gemacht. Du warst nĂ€mlich schon recht lange weg, nicht wahr?", fragte Finja und nickte. Langsam schloss sich Rhodesia dem Nicken an. "Und wir haben uns gedacht, wir holen dich einfach ab. Ist doch nett von uns, oder?". "Wirklich sehr nett, Schwester.", bestĂ€tigte Rhodesia. "Und es ist niemand besser geeignet um dich wieder in die Stadt zu bringen als eine große Schwester und dein guter Freund Nicolai, oder?". "Richtig. Schwester, gut, dass du da bist. Hallo Nicolas. Schön dich zu sehen.", sie winkte Nicolai halbherzig zu. Finja wusste, dass er bestimmt etwas dazu sagen wollen wĂŒrde und hob einfach nur den Finger in seine Richtung. Er schien verstanden zu haben. WĂ€hrenddessen schaute Finja Rhodesia weiter an. "Gut, Schwester, dann lass uns mal losziehen.".

Die Stadt war zwar nicht mehr weit entfernt, aber mit der taumelnden Albin schien sich der Weg zu verdreifachen. Doch gemeinsam schafften es Nicolai und Finja Rhodesia heile bis an den Stadtrand zu bringen. Mittlerweile war Finja wirklich genervt. Am Anfang war es zwar noch recht witzig mit der plappernden Albin gewesen...aber jetzt...
Nicolai konnte sehen, dass Finja die Kiefer aufeinanderpresste. Sie hatte sogar die ZĂŒgel so fest gepackt, dass ihre Fingerknöchel hell hervorschienen.
"In welcher Richtung liegt das verdammte Gasthaus?", zischte Finja gestresst und schaute dann erschöpft zu Nicolai hinĂŒber. "Hoffentlich ists nicht mehr weit.", brummelte sie und hielt Rhodesia erneut davon ab, sich auf den Boden zu setzen. Die Diskussion, dass Rhodesia doch weitergehen mĂŒsse, wollte Finja nicht noch einmal fĂŒhren. Stumm stapfte Finja neben Nicolai her, bis sie schließlich das von ihm angekĂŒndigte Gasthaus erreicht hatten.

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Re: Wirbelwind trifft Leseratte - Forschungsreise mal anders

#20

Beitrag von Nicolai » Fr 24. Feb 2017, 21:00

Als sie endlich zur GaststÀtte gelangten, war Finja anzusehen, dass sie mit den Nerven am Ende war. Hingegen zeigte Nicolai eine erstaunliche Geduld mit der jungen Waldalbin, nachdem diese von seiner GefÀhrtin zurechtgewiesen wurde. Seither hatte sie ihn nicht mehr ausgelacht, auch wenn ihre Mundwinkel gelegentlich in die Höhe schossen, wenn er seine Worte stammelte.
Rhodesia hatte auf Finjas Fragen wie ein Quellbach losgesprudelt und in wildem Durcheinander alles Mögliche ausgeplaudert.
Angeblich war sie mit einer Gruppe in der Stadt, konnte sich aber nicht erinnern, was sie hergefĂŒhrt hatte. Dann erzĂ€hlte sie von Pilzsuppen und KrĂ€utersuden, zu denen sie eigene Rezepte verfasst hatte und bewunderte dann wieder Arcadia, welche sich zu der Albin hingezogen zu fĂŒhlen schien.
Sie behauptete, dass sie mit dem Pferd kommunizieren könne, was Finja mit einem Stirnrunzeln kommentierte, Nicolai jedoch tatsĂ€chlich fĂŒr möglich befand.
Er hatte bereits davon gelesen, dass Waldalben der Natur sehr nahestanden. Doch ob sie bloss fantasierte oder die Wahrheit sprach, konnte er nur vermuten.

Finja verabschiedete sich, kaum dass sie einen Stallplatz fĂŒr Arcadia erhalten hatten. Nicolai blickte ihr einen Moment lang sehnsĂŒchtig hinterher. Auch er wĂ€re lieber zum Hafen gelaufen, um die See zu bewundern, anstatt die jugendliche Albin zu hĂŒten. Doch er hatte sich entschieden sie nicht zurĂŒckzulassen, also musste er sich nun auch um sie sorgen.
So betrat das seltsame Paar schliesslich die Taverne und wurde auch gleich von allen Seiten neugierig beÀugt.
„Rhodesia?“, rief plötzlich eine krĂ€chzige Stimme ihren Namen. Auch Nicolai fuhr zu der Person herum und entdeckte einen hellgrau gewandeten Ă€lteren Herrn. Ein Priester? Was hatte denn der mit der Waldalbin zu tun?
„Guguten Tag, Pater. Kennt Ihr die junge Lady hier?“, fragte Nicolai höflich.
Der Alte betrachtete den Raktauren interessiert, dann nickte er zustimmen.
„Ja. Rhodesia ist meine ReisegefĂ€hrtin. Wir sind zusammen unterwegs mit einer Expeditionsgruppe. Wir haben die Albin bereits gesucht. Die anderen werden froh sein zu wissen, dass es ihr gut geht. Es hĂ€tte unsere Abreise weiter verzögert, wenn wir eine neue Botanikerin hĂ€tten rekrutieren mĂŒssen!“
„Thalon? Bist Du das?“, wandte sie sich plötzlich an den Priester und umarmte ihn stĂŒrmisch, als er zögerlich nickte. Der Ă€ltere Mann schob sie vorsichtig wieder von sich weg.
„Wir konnten ihr die Suchtmittel leider nicht austreiben. Akorr, unser AnfĂŒhrer, wollte sie erst gar nicht mitnehmen. Aber wir brauchen sie. Und wer seid Ihr, junger Mann? Entschuldigt meine Unhöflichkeit. Kann ich Euch zu einem Krug Bier einladen?“
Irritiert starrte der Raktaure den Priester an, bis dieser ihm zuzwinkerte.
„Ich denke, Clawis wird es mir nicht ĂŒbelnehmen, wenn ich mir zwischendurch eine kleine SĂŒnde gönne.“
Thalon fasste die kleine Albin bei der Hand und zog sie auf einen Schemel an der Bar, wo er ihr ein Glas Wasser offerierte.
Nicolai lehnte höflich das Bier ab, und bestellte stattdessen einen GrĂŒntee.
„Also, erzĂ€hlt mir, was einen Raktauren in diese Gegend fĂŒhrt?“

Es begann bereits einzudunkeln, so gut unterhielten sich die beiden MĂ€nner miteinander.
Thalon stellte sich als ein humorvoller Almane heraus, der Clawis als Priester diente. Schnell hatten die beiden herausgefunden, dass sie derselben Expedition angehörten und der Pater die Aufgabe des Alchemisten innehatte. Ausserdem sollte er die Centauren in seiner Religion unterweisen, falls denn Bedarf bestand. Und natĂŒrlich reiste es sich auch sicherer, wenn man einen göttlichen FĂŒrsprecher an seiner Seite hatte.
Der Priester wusste ausserdem, dass Rhodesia zumindest der Theorie nach ein ausgeprÀgtes Wissen zur Flora und Fauna beisteuern sollte.

„Die anderen werden sich schon fragen, ob ich auch verschollen bin“, meinte Thalon plötzlich besorgt, als eine Sprechpause zwischen den beiden einsetzte und nur noch das leise Schnarchen von der Albin zu hören war, die ihren Kopf in ihren Armen auf dem Tresen verborgen hatte.
„Der Goblin und die Fee sind nette GefĂ€hrten. Sie sind fĂŒr das Handwerk und die Heilkunde zustĂ€ndig. Doch Akorr und seine MĂ€nner sind von anderem Schlag. Und auch der Koch ist etwas eigen, doch du sollst Dir dann selbst ein Bild machen können.“
Sanft versuchte Thalon die Albin wach zu rĂŒtteln, welche daraufhin unwillige Laute von sich gab und mit den HĂ€nden nach dem alten MĂ€nnlein schlug.
Nicolai seufzte und auch der Priester verdrehte unauffÀllig die Augen.
„Ich bin Dir und deiner Freundin wirklich dankbar, dass ihr Rhodesia in die Stadt gebracht hat. Clawis behĂŒte, was ihr da Draussen alles hĂ€tte zustossen können!“
Der Raktaure nickte höflich, war sich aber bei aller Freundlichkeit nicht mehr ganz so sicher, ob dies wirklich eine gute Entscheidung gewesen sei


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