Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Vorbereitung zur Exekution

Souvagne ist politisch neutral und hat sich als einziges Gro├čherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt.
Gro├čherzogtum Souvagne
Das almanische Gro├čherzogtum Souvagne ist gepr├Ągt von sanfte H├╝geln, auf denen Weinbau betrieben wird, fruchtbaren Feldern und weiten Obstplantagen. Souvagne h├Ąlt sich aus Kriegen gr├Â├čtenteils heraus und hat sich als einziges Gro├čherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt. Stattdessen setzt Duc Maximilien Rivenet de Souvagne auf politische Neutralit├Ąt. Von allen Herrschern ist er der Gem├Ą├čigtste. Die Grenzen Souvagnes wurden inzwischen gr├Â├čtenteils durch eine Wallanlage gesichert. Nur erlesenen Personen ist die Einreise nach strengen Kriterien noch gestattet.
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Vorbereitung zur Exekution

#1

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 13:41

Vorbereitung zur Exekution


Maximilien hatte gemeinsam mit Ansgar und Leon den Hof erreicht. Der Duc entsandte umgehend Bellamy, damit dieser seinem Sohn Ciel beistehen konnte und so reiste der Greif gleich wieder in die Richtung ab, aus der er gekommen war.

Max schaute dem imposanten Tier hinterher und w├╝nschte sich er k├Ânnte es dem gro├čen Gesch├Âpf gleich tun, seine Schwingen ausbreiten und allem davonfliegen. Aber dem war nicht so, er war erd- und amtsgebunden.

Maximilien wandte sich an seine Begleiter. Er schaute Leon lange schweigend an. Er h├Ątte den Mann jederzeit wieder erkannt, es gab kaum ein Gesicht dass er so gut kannte wie das Leons. Und dennoch, die Zeit lie├č alle Bilder verblassen, sogar das geliebter Personen. Die kleinen feinen Nuancen verschwanden und die Bilder wurden unscharf.

Im goldenen Schein von Leon geh├╝llt, frischte Maximilien die Erinnerungen an seinen langj├Ąhrigen Leibdiener, besten Freund und Ziehvater auf. Es gab so unendlich viel zu sagen, aber sie hatten sich im Grunde bereits alles gesagt. Das wusste Max und Leon wusste es ebenso.

"Leb wohl alter Freund", sagte Maximilien mit Wehmut zu Leon.
"Du m├Âchtest nicht dar├╝ber reden?", fragte der Geist des alten Leibdieners erstaunt.
"Nein es ist alles gesagt. Ruhe in Frieden Leon, das ist mein Scherbenhaufen, nicht Deiner", antwortete Maximilien und Ansgar gab den Geist frei.


****


Was Maximilien bevorstand waren einige der schwersten Stunden. Vielleicht nicht als Au├čenstehender betrachtet, aber nahm man sich die Zeit hinter die Kulissen zu schauen, sah man dass der Mann der alles besa├č, doch nichts wirklich sein Eigen nennen konnte.

Fast nichts.
Maximilien setzte sich zu Fabien und schaute seinen Leibdiener nachdenklich an. Fabien schaute freundlich zur├╝ck und schob seinen Kaffeebecher in die Mitte, damit Max einen Schluck nehmen konnte.

"Was tr├Ągt man als Teilnehmer einer Hinrichtung?", fragte Max Fabien, der ihn schockiert musterte.
"Bitte?", fragte Fabien perplex.

"Nicht meine eigene, die meiner Mutter. Aber auf gewisse Art f├╝hlt es sich wie meine eigene Hinrichtung an Fabs. Das einzige St├╝ck Wurzel, dass von mir ├╝brig geblieben ist, muss ich am kommenden Morgen selbst abhaken", sinnierte Max und nahm einen Schluck Kaffee.
"Ich kenne die Hintergr├╝nde nicht, aber das hie├če ja...", lie├č Fabien den Satz unvollendet und rutschte n├Ąher zu Max auf.

"Ja, genau so ist es auch Fabien. Ich habe meinen Vater verloren, ich habe meinen Bruder verloren.
Am kommenden Morgen werde ich meine Mutter als Hochverr├Ąterin verlieren. Vor wenigen Minuten habe ich Leon erneut verloren.

Mein Vater starb, da meine Mutter nicht in einer Zwangsehe mit ihm leben konnte und wollte.
Mein Bruder wurde versehentlich mit in den Tod gerissen.
Und um das Ganze zu vertuschen, wurde von dieser Frau ein Orden in den Tod geschickt und in Misskredit gebraucht.

Lebe ich so anders als mein Vater? Nein. Auch ich f├╝hre eine Pflichtehe als Erstehe. Wie meine Frau tats├Ąchlich zu mir steht, ist mir unbekannt. Ich habe zwei weitere Frauen, gef├╝hrt als Liebesehen. Aber was diese von mir halten, ist mir ebenso unbekannt.

Heiratete eine von ihnen Maximilien oder heirateten sie alle nur den Duc?
Die Frage kann ich weder Dir noch mir beantworten.

Welches Grauen f├╝r alle Beteiligen aus solchen Absprachen entstehen kann, siehst Du am Beispiel meiner Eltern.

Dreux hingegen bestand darauf, dass auch die Erstehe eine Liebesehe sein darf, dass auch diese Ehe von Zuneigung, Vertrauen und Freundschaft getragen werden sollte. Er hat Recht und ich w├╝nsche ihm, dass seine Ehe genau das wird - eine Liebesehe.

Meine Mutter hatte ein Verh├Ąltnis mit Parcival. Scheinbar wurde er als Werkzeug f├╝r ihre Pl├Ąne genutzt. Ich denke beide haben sich gleichfalls mit Schuld beladen, denn es geh├Âren immer zwei dazu. Einer der benutzt und einer der sich ohne jede Gegenwehr benutzen l├Ąsst.

Ich musste mit 17 Jahren den Thron besteigen und von Null anfangen. Leon stand mir bei und lehrte mich die Dinge, die ich trotz aller Ausbildung nicht kannte. So war es Tradition, ebenso wie es Tradition war, dass die Erstehe eine Pflichtehe ist. Anstatt das Amt mit kalten, toten H├Ąnden weiterzureichen, wie es mir mein Vater ├╝berreichte, ├Ąnderte Dreux die Tradition und nun wird das Amt mit warmen, lebenden H├Ąnden weitergegeben. Auch hier hatte er Recht.

Vielleicht sollte man sich nicht jeder Tradition ungefragt beugen, sondern im Zweifelsfalle die Tradition ├Ąndern, wenn sich das Beugen zu sehr schmerzt.

Und den Umstand ├╝ber den Fall der Agenten der Autarkie, wie auch den Unfall meines Vater zu kl├Ąren wurde Leon mein alter Leibdiener beschworen. Er kl├Ąrte uns auf, was sich damals zugetragen hatte Fabien. Zum Kl├Ąrungsbedarf kam es, da sich zwei Kinder der Agenten der Autarkie als Paar zusammengeschlossen haben. Wir bef├╝rchteten ein B├╝ndnis gegen die Krone dahinter, aber Ciel war daf├╝r genau den Umstand offen anzusprechen. Allein den Kindern der Agenten wurde damals Gnade gew├Ąhrt, sie wurden mental bereinigt und dann in Kinderheime gegeben.

Und auf einmal aus heiterem Himmel, bittet mich Chevalier de Mancini im Thronsaal darum, Boldiszar meinen Leibgardisten erwerben zu d├╝rfen. Beides jene Kinder der Agenten. Dass ich in dem Fall nicht an Zuf├Ąlle glauben konnte, war klar.

Der Zufall f├╝hrte sie aber nicht zusammen um uns zu schaden, sondern um altes Unrecht zu s├╝hnen. Und um wieder zusammenzuf├╝gen, was zusammen geh├Ârt.

Die Kl├Ąrung fand bei der Ruine der Gewitterfeste statt, da sich Ciel dort vor Ort befand. Ein passender Ort - eine Ruine, genau dass was unsere Familie auch bald werden.

Nach Leons Aufkl├Ąrung, bat Ciel darum, mit Parcival pers├Ânlich die Aussprache suchen zu d├╝rfen. Ich gew├Ąhrte ihm seine Bitte. Abseits von uns f├╝hrten sie das Gespr├Ąch und es zog sich besorgniserregend in die L├Ąnge.

Bis zu jenem Punkt, so Parcival Ciel magisch angriff. Gl├╝cklicherweise hatte mich Davard begleitet. Leon lenkte Parcival ab, Davard st├Ârte den Angriff auf Ciel und in dem Moment enthauptete ich Parcival um das Leben meines Sohnes zu retten.

Eine Handlung, die jeder liebende Vater begangen h├Ątte.
Eine Handlung, die in den Augen von Ciel verachtenswert war.

Ciels Wut nach Parcivals Tod richtete sich gegen mich. Seine Trauer galt nicht Paricvals Opfer, sondern dem Verr├Ąter. Weder kann ich dies logisch noch emotional erfassen, es entzieht sich meinem Verst├Ąndnis.

Ciel warf vor dem Gespr├Ąch die Frage auf, ob es m├Âglich w├Ąre, dass ich der Sohn von Duchesse Francoise Esme de Souvagne und Parcival w├Ąre. Demzufolge w├Ąren wir, sprich ich sowie alle meine Nachkommen keine de Souvagnes und der Thron w├╝rde an die de Neufvilles ├╝bergehen. Seltsamerweise schien er von der Idee sehr angetan zu sein, ebenso davon, dass Parcival sein Gro├čvater sein k├Ânnte.

Wenn dem tats├Ąchlich so w├Ąre Fabien und ich kein de Souvagne w├Ąre, dann w├Ąre mein gesamtes Leben eine Farce. Weder hatte ich eine Kindheit, noch hatte ich ein richtiges Erwachsenenleben, noch habe ich eine Familie wie man sie allgemein hin kennt. Ich hatte und habe stets ein Amt erf├╝llt und selbst das w├Ąre nicht das meine gewesen. Meine gesamte Existenz w├Ąre sinnlos.

F├╝r Dreux, Greg und Ciel w├Ąre ein Umdenken sowie eine Umkehr nicht zu sp├Ąt. Zwar hatten sie auch die Kindheit eines Adligen zu leben, aber ich habe ihnen alle M├Âglichkeiten geboten, die mir zur Verf├╝gung standen. Ich wei├č was ich selbst vermisst habe, aber ich wei├č auch, wo man f├╝r junge Adlige und vor allem f├╝r zuk├╝nftige Monarchen die Grenze ziehen muss.

Wenn man mit dem goldenen L├Âffel im Mund geboren wurde, kann man gerne behaupten auf alles zu verzichten. Aber w├╝rden sie das wirklich wollen? W├╝rde Ciel das tats├Ąchlich wollen? Der Palast, die Diener, die gesamte h├Âfische Leben, die Lebensart und die Lebensweise, der Reichtum, die existenzielle Sorglosigkeit - all das was wir genie├čen d├╝rfen, w├Ąre fort.

Nichts davon w├╝rde bleiben, denn die Geburtslinie des Mannes ist ausschlaggebend und Parcival war nicht einmal von Stand oder Adel. W├╝rde Ciels Wunschtraum in Erf├╝llung gehen w├╝rde er als freier, mittelloser Mann aufwachen. Es w├Ąre von Vorteil, dann auf die Freiheit zu verzichten und sich einen guten Lehnsherren zu suchen, denn einen Beruf der einen ern├Ąhrt haben wir nicht gelernt. Wir k├Ânnten uns h├Âchstens als Buchhalter, B├╝ttel oder S├Âldner verdingen, resultierend aus dem was ein Adliger nebenbei lernt.

Trotz all seiner W├╝nsche, Tagtr├Ąume und Hirngespinste kann ich jedem versichern der Sohn meines Vaters Alain Etienne de Souvagne zu sein, denn ich w├╝rde einem Mann nicht derma├čen optisch ├Ąhnlich sehen, wenn wir nicht blutsverwandt w├Ąren.

Was ist nun die Quintessenz aus dem heutigen Tage?

Das ist trotz all meines Wohlstands nichts besitze.
Weder Vater, Mutter, noch Bruder, aufgrund ihres Todes.
Weder Ehefrauen, noch Kinder, aufgrund seelischer Distanz.
Weder Freunde, Kameraden, noch Kumpel, aufgrund meines Amtes.
Die wahre Bedeutung von Duc ist allein.

Ich besitze einzig und allein einen einzigen Vertrauten - Dich.

Und morgen fr├╝h gilt es, nicht nur das tonnenschwere Ornat zu tragen, sondern auch das Reichs- und Richtschwert um damit die Duchesse pers├Ânlich vor aller Augen zu richten. Niemand, auch nicht die alte Duchesse steht ├╝ber dem Duc selbst. Keine Person in Souvagne steht ├╝ber dem Gro├čherzog. Ein Angriff auf ihn wird stets und in aller H├Ąrte mit dem Tode geahndet.
Auch wenn mir die Duchesse Francoise Esme de Souvagne nie etwas als Mutter bedeutete, ist sie dennoch die Frau die mich gebar, ein Teil meiner Wurzeln, ein Teil von mir selbst.

Ich m├Âchte sie nicht t├Âten, ich will sie nicht pers├Ânlich richten. Aber ich werde es tun, wie stets der Tradition folgend. Und der Tradition folgend, werde ich R├╝stung tragen, so wie der Duc de Souvagne einem Feind auf dem Feld gegen├╝bertritt.

Ich ├╝berlege ob dies meine letzte Amtshandlung als Duc sein wird. In dem Fall werden wir den Hof, aber nicht Sovagne verlassen Fabien. Die Verhaftung aufgrund von Hochverrats m├╝sste bereits erfolgt sein. Sei so gut und rufe Remy zu mir", erkl├Ąrte Maximilien sanft.

Fabien stand auf, nickte stumm und machte sich umgehend auf den Weg. In der T├╝r blieb er stehen und schaute zu seinem Herrn und besten Freund zur├╝ck. M├╝de und ausgelaugt, sa├č der Duc am Tisch und trank gedankenverloren seinen Kaffee.
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Re: Vorbereitung zur Exekution

#2

Beitrag von Remy de Remuer » Sa 1. Sep 2018, 15:56

Wenig sp├Ąter kam Remy herbei. Man konnte ihm viele charakterliche Unzul├Ąnglichkeiten ankreiden, wie Verschwendungssucht und einen einseitigen Blick auf die Damen, der sich auf die Freuden beschr├Ąnkte, den ihre sinnlichen K├Ârper zu bieten hatten, aber als Himmelsauge und auch als Freund war er immer zuverl├Ąssig gewesen. Er sah heute arg zerknautscht aus. Man sah ihm an, dass er die Nacht mit dem Genuss seines Lieblingslasters verbracht hatte und sein Leibdiener noch zu unerfahren war, um die Spuren der Nacht in der K├╝rze der Zeit auch nur ann├Ąhernd glaubw├╝rdig zu verdecken.

"Entschuldigt bitte meinen Aufzug, Majest├Ąt", erkl├Ąrte Remy mit einer eleganten Verneigung. "Ich bin sehr ├╝bereilt vom Nachtlager aufgebrochen, als mich Davard kontaktierte. Was f├╝r ein Schock! Ein Eimer kaltes Wasser ist nichts dagegen. So schnell bin ich noch nie aus dem Bett aufgestanden. Ich bin geradewegs zu Jules geeilt, ach was geeilt, ich bin gerannt, und habe ihm den Befehl bez├╝glich Eurer Mutter ├╝bermittelt. Jules war genau so von den Socken. Aber er hat nicht verraten, in wie weit die Himmelsaugen den Tod Parcivals mitbekommen haben. Ich glaube, er ist momentan selbst nicht mit ihnen verbunden, kann das sein? Ich vermute aber, der Tod des Erzmagiers wird eine tsunamiartige Ersch├╝tterung aller magischen Ebenen nach sich gezogen haben, besonders aber in der Frequenz, in der sich die Himmelsaugen tummeln. Ich meine selbst auch etwas gesp├╝rt zu haben, obwohl ich geblockt werde, aber es k├Ânnte auch ein Beben der Wiedersehensfreude gewesen sein, denn Olivie hat mich sehr herzlich in ihren Gem├Ąchern empfangen. Jules und ich hatten uns jedenfalls gerade besprochen, wie wir am kl├╝gsten Vorgehen. Das ist n├Ąmlich nicht so einfach, wisst Ihr? Ich kann da nicht einfach reinmarschieren und sagen: Mutter des Ducs, folgen Sie mir ins Verlies, Sie sind verhaftet. Das hei├čt, wenn Ihr mir das befehlt, dann mache ich es, aber ich wollte eigentlich noch eine Weile leben und dachte, dies l├Ąge vielleicht auch in Eurem Interesse. Ich bin noch nicht sehr lange Prince und obendrein eingeheiratet, man w├╝rde es vielleicht missverstehen. Mir w├╝rde man nicht abkaufen, dass dieser unerh├Ârte Befehl von Euch stammt, sondern ├ťbles vermuten, vielleicht sogar den st├╝mperhaften Auftakt eines Staatsstreichs! Wir waren daher gerade zu dem Schluss gekommen, Jules und ich, zuvor Dreaux zu informieren, so dass der Befehl von ihm ausgesprochen werden kann, damit ich nicht den Schwertern einer ├╝bereifrigen Leibgarde zum Opfer falle, aber auf dem Weg zu ihm hat mich Euer Fabien abgefangen. Sehr t├╝chtiger Bursche ├╝brigens, Maurice sollte sich von ihm einarbeiten lassen. Ihr seht ja, wie ich aussehe, Majest├Ąt."

Er unterbrach seinen Redeschwall, richtete sich wieder auf und sah Maximilien mit gesenkten Augen an. In die Augen blicken durfte man dem Duc nicht und er als Geistmagier noch weniger, da dies im doppelten Sinne als Angriff missverstanden werden konnte. Wie Maximilien da an seinem Tisch hing und Kaffee schl├╝rfte, wirkte er durch und durch ungl├╝cklich.

"Max?", fragte Remy vorsichtig.
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Re: Vorbereitung zur Exekution

#3

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 20:55

Maximilien h├Ârte Remy zu, oder vielmehr h├Ârte er die permanente Ger├Ąuschkullisse die Remy verursachte. Es st├Ârte Max nicht weiter, im Grunde tat die Beschallung gut um sich nicht v├Âllig allein zu f├╝hlen. Wie wenn man morgens fr├╝h das Fenster aufriss um den V├Âgeln beim Gesang zuzuh├Âren, damit man ├╝berhaupt etwas h├Ârte.

Max verfolgte Remys Bericht mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege und schl├╝rfte seinen Kaffee, oder besser gesagt den kalten Kaffee von Fabien. Er vermisste einen gewaltigen Schluck Rum oder Klaren im Kaffee, aber soviel wie er gerade trinken wollte um zu vergessen, vertrug er gar nicht.

W├Ąhrend seiner Gedankeng├Ąnge fiel ihm ein weiterer wichtiger Punkt ein, der Marquis Mayhew de Cheverette.

Mit dem Marquis musste er umbedingt reden. Denn der Mann war zur Zeit nicht nur sein Gast, sondern er war ebenso sein Onkel. Seine Mutter Duchesse Francoise Esme de Souvagne war die Schwester von Mayhew und es galt zu kl├Ąren in welchem Verh├Ąltnis Mayhew zu dem Verrat und seiner Schwester stand.

Bestenfalls war er genauso ein Opfer der Umst├Ąnde wie Alain, Bernard und er selbst. Maximilien empfand es als trauig, so etwas als beste Umst├Ąnde bezeichnen zu m├╝ssen, aber dem war leider so. Sein Onkel w├╝rde sich von einem Himmelsauge und zwar von Jules auslesen lassen m├╝ssen. Maximilien hoffte, dass Mayhew unschuldig war und der Spuk mit der Hinrichtung von Duchesse Francoise Esme de Souvagne ein Ende hatte.
Dennoch w├╝rde er als Zeichen der Ehrlichkeit und Ehrbarkeit von Mayhew erneut den Treueschwur verlangen.

Als Zeichen seiner Ehrbarkeit und seines Vertrauens k├Ânnte er der Bitte entsprechen Mayhews Tochter zu ehelichen. Und mit diesem Akt schloss sich erneut der Kreis der Tradition. Eine erneute Zweckehe um etwas zu besiegeln, dass ├╝berhaupt nichts mit einer Ehe zu tun hatte. Wieder eine Pflichterf├╝llung, die erst zu dem ganzen Desaster gef├╝hrt hatte.

Am Rande seines Bewusstseins bekam Maximilien mit, das Remy die Duchesse Francoise Esme de Souvagne nicht verhaftet hatte. Warum? Das hatte er nicht mitbekommen. Nat├╝rlich konnte man die Sache auch v├Âllig schmerzfrei unter den Teppich kehren, wenn die Duchesse des Nachts entschlafen w├╝rde.

Aber den Gefallen w├╝rde ihm seine Mutter nicht freiwillig tun. Wo war einer dieser verfluchten Lichs wenn man ihn ben├Âtigte? Nun er hatte andere M├Âglichkeiten, weitreichende sehr t├Âdliche und effektive M├Âglichkeiten, eine davon war unter anderem Davard und seine Fantome. Aber man konnte kaum das Recht repr├Ąsentieren, indem man es selbst brach.

Allerdings konnte man so den Frieden wieder herstellen, ohne allzugro├čen Staub aufzuwirbeln, wie es seinerzeit durch die Agenten gehandhabt wurde und wie es heute noch in Einzelf├Ąllen die Lotusse zu tun pflegten.

├ľffentliche Aburteilung und Hinrichtung mit dem Rattenschwanz der dazu geh├Ârte versus Meuchelmord und absolutem Frieden.

Maximilien nahm noch einen gro├čen Schluck, irgendwie schmeckte ihm der Kaffee schlagartig nicht mehr, er hinterlie├č etwas widerw├Ąrtiges pelziges auf seiner Zunge. Angewidert stellte er den Becher beiseite. Er rieb sich gerade ersch├Âpft ├╝ber das Gesicht um seine h├Ąmmernden Kopfschmerzen zu vertreiben, als jemand seinen Namen sagte und ihn somit aus seinen tr├╝ben Gedanken riss.

Max schaute sich kurz irritiert um und musterte Remy, als s├Ąhe er ihn zum ersten mal.

"Remy?", gab Maximilien zur├╝ck.
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Re: Vorbereitung zur Exekution

#4

Beitrag von Remy de Remuer » Sa 1. Sep 2018, 21:02

Remy sparte sich die Frage, ob der Duc ihm zugeh├Ârt hatte. Maximilien sah aus, als w├Ąre er gerade aus einem Traum erwacht.

"Kann ich etwas f├╝r dich tun?", fragte er und klang dabei besorgt.
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Re: Vorbereitung zur Exekution

#5

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 21:18

Maximilien schaute Remy in die Augen und hielt dessen Blick f├╝r einen Moment fest. Das Angebot r├╝hrte Max, aber leider konnte Remy ihm nicht helfen, niemand konnte das.

"Danke der Nachfrage Remy. Nein Du kannst nichts f├╝r mich tun.
Es liegt nicht daran ob jemand etwas f├╝r mich tun kann. Es geht nicht um das tun, sprich die Ausf├╝hrung.
Es geht um die Entscheidung was getan werden muss und diese kann mir niemand abnehmen.

Momentan ist nicht der beste Zeitpunkt f├╝r ein Gespr├Ąch, ich h├Ątte Dich zu einer anderen Stunde rufen lassen sollen. Trotzdem Danke ich Dir f├╝r Deinen Besuch und Deine Umsicht. Sei so gut und halte Dich bitte mit Jules bereit. Sobald das Problem behoben wurde, lade ich Dich als Dankesch├Ân auf ein privates Treffen ein. Aber nun geh bitte, ich ben├Âtige einen Augenblick der Ruhe und Besinnung"
, bat Maximilien.
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Re: Vorbereitung zur Exekution

#6

Beitrag von Remy de Remuer » Sa 1. Sep 2018, 21:26

Remy guckte verwirrt. Er merkte sehr deutlich, dass Max neben sich stand. Erst lie├č er ihn rufen, dann h├Ârte er ihm nicht zu und nun schickte er ihn einfach wieder weg. Es war offensichtlich, wie elend es ihm ging. Aber der neue Schwiegersohn war offenbar ungeeignet, ihm in dieser Stimmung Trost zu spenden. Remy beschloss also in seiner Geistesgegenwart, Minette vorbeizuschicken. Sie galt als die Lieblingsfrau des Ducs. Ob es wirklich so war, wusste er nicht, aber zumindest ging sie immer sehr liebevoll und z├Ąrtlich mit ihrem Mann um. Das w├╝rde Maximilien sicher gut tun.

"Wie Ihr w├╝nscht", sagte er ergeben, verneigte sich und verlie├č r├╝ckw├Ąrts den Raum. Kurz bevor die T├╝r von den Gardisten verschlossen wurde, kr├Ąhte Remy noch hindurch: "Aberfallsduesdiranders├╝berlegstsageinfachbescheid!" Dann klickte das Schloss. Remy marschierte im Eiltempo los und suchte Minette auf.
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Re: Vorbereitung zur Exekution

#7

Beitrag von Minette de Thibodeau » Sa 1. Sep 2018, 21:36

Maximilien musste nicht lange warten. Minette betrat den Raum, dicht gefolgt von ihrer Zofe. Als sie ihren Mann sah, wusste sie, das irgendetwas Schlimmes vorgefallen sein musste. Allerdings sah er nicht so ├╝bel aus, dass sie f├╝rchten m├╝sste, Ciel w├Ąre etwas zugesto├čen. Das beruhigte sie ein wenig.

Sie gab ihrer Zofe ein Zeichen. Diese l├Âste die Schn├╝rung von Minettes Korsett, so dass sie es ihr abnehmen konnte. Sie l├Âste ihr auch vorsichtig das Brustband unter dem Oberteil heraus, so dass Minettes Oberk├Ârper ganz weich war. Das war Sinn und Zweck der Sache. Minette hielt sich nicht mit irgendwelchem Geplapper auf, sondern nahm Maximiliens Hand und zog ihn mit sanfter F├╝hrung in Richtung Sofa. Ihre Zofe zog es derweil aus und legte die Kissen so zurecht, dass sie beide sich hineinlehnen konnten. Minette setzte zuerst ihren Mann hinein und sich dann daneben. Halb sa├čen, halb lagen sie. Sie griff ihm an den Hinterkopf und zog seinen Kopf auf ihre weiche Brust, um ihn liebevoll zu kraulen. Wenn er sprechen wollte, konnte er das tun, oder einfach nur ihre N├Ąhe genie├čen. Sie w├╝rde f├╝r ihn da sein.
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Re: Vorbereitung zur Exekution

#8

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 21:43

Maximilien war erstaunt einige Minuten sp├Ąter Minette zu sehen. Er beobachtete irritiert ihr Treiben, bis sie ihn aufs Sofa gesetzt, in den Arm genommen und an sich gedr├╝ckt hatte.

Sie sagte ihm alles was er wissen musste, ohne ein einziges Wort zu verlieren.
Er antwortete ebenso, hielt sich an seiner Frau fest, schmiegte sich an und lie├č seinen Tr├Ąnen stumm freien Lauf.
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