Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt. Die √ľberlebenden V√∂lker beginnen zu ahnen, dass der Schl√ľssel zur Herrschaft √ľber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. W√§hrend die Almanen auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimb√ľnde der Schatten sehen in der Magie die m√§chtigste Waffe und f√ľr die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Vorbereitung zur Exekution

Souvagne ist politisch neutral und hat sich als einziges Großherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt.
Großherzogtum Souvagne
Das almanische Gro√üherzogtum Souvagne ist gepr√§gt von sanfte H√ľgeln, auf denen Weinbau betrieben wird, fruchtbaren Feldern und weiten Obstplantagen. Souvagne h√§lt sich aus Kriegen gr√∂√ütenteils heraus und hat sich als einziges Gro√üherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt. Stattdessen setzt Duc Maximilien Rivenet de Souvagne auf politische Neutralit√§t. Von allen Herrschern ist er der Gem√§√üigtste. Die Grenzen Souvagnes wurden inzwischen gr√∂√ütenteils durch eine Wallanlage gesichert. Nur erlesenen Personen ist die Einreise nach strengen Kriterien noch gestattet.
Antworten
Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Vorbereitung zur Exekution

#1

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 13:41

Vorbereitung zur Exekution


Maximilien hatte gemeinsam mit Ansgar und Leon den Hof erreicht. Der Duc entsandte umgehend Bellamy, damit dieser seinem Sohn Ciel beistehen konnte und so reiste der Greif gleich wieder in die Richtung ab, aus der er gekommen war.

Max schaute dem imposanten Tier hinterher und w√ľnschte sich er k√∂nnte es dem gro√üen Gesch√∂pf gleich tun, seine Schwingen ausbreiten und allem davonfliegen. Aber dem war nicht so, er war erd- und amtsgebunden.

Maximilien wandte sich an seine Begleiter. Er schaute Leon lange schweigend an. Er hätte den Mann jederzeit wieder erkannt, es gab kaum ein Gesicht dass er so gut kannte wie das Leons. Und dennoch, die Zeit ließ alle Bilder verblassen, sogar das geliebter Personen. Die kleinen feinen Nuancen verschwanden und die Bilder wurden unscharf.

Im goldenen Schein von Leon geh√ľllt, frischte Maximilien die Erinnerungen an seinen langj√§hrigen Leibdiener, besten Freund und Ziehvater auf. Es gab so unendlich viel zu sagen, aber sie hatten sich im Grunde bereits alles gesagt. Das wusste Max und Leon wusste es ebenso.

"Leb wohl alter Freund", sagte Maximilien mit Wehmut zu Leon.
"Du m√∂chtest nicht dar√ľber reden?", fragte der Geist des alten Leibdieners erstaunt.
"Nein es ist alles gesagt. Ruhe in Frieden Leon, das ist mein Scherbenhaufen, nicht Deiner", antwortete Maximilien und Ansgar gab den Geist frei.


****


Was Maximilien bevorstand waren einige der schwersten Stunden. Vielleicht nicht als Außenstehender betrachtet, aber nahm man sich die Zeit hinter die Kulissen zu schauen, sah man dass der Mann der alles besaß, doch nichts wirklich sein Eigen nennen konnte.

Fast nichts.
Maximilien setzte sich zu Fabien und schaute seinen Leibdiener nachdenklich an. Fabien schaute freundlich zur√ľck und schob seinen Kaffeebecher in die Mitte, damit Max einen Schluck nehmen konnte.

"Was trägt man als Teilnehmer einer Hinrichtung?", fragte Max Fabien, der ihn schockiert musterte.
"Bitte?", fragte Fabien perplex.

"Nicht meine eigene, die meiner Mutter. Aber auf gewisse Art f√ľhlt es sich wie meine eigene Hinrichtung an Fabs. Das einzige St√ľck Wurzel, dass von mir √ľbrig geblieben ist, muss ich am kommenden Morgen selbst abhaken", sinnierte Max und nahm einen Schluck Kaffee.
"Ich kenne die Hintergr√ľnde nicht, aber das hie√üe ja...", lie√ü Fabien den Satz unvollendet und rutschte n√§her zu Max auf.

"Ja, genau so ist es auch Fabien. Ich habe meinen Vater verloren, ich habe meinen Bruder verloren.
Am kommenden Morgen werde ich meine Mutter als Hochverräterin verlieren. Vor wenigen Minuten habe ich Leon erneut verloren.

Mein Vater starb, da meine Mutter nicht in einer Zwangsehe mit ihm leben konnte und wollte.
Mein Bruder wurde versehentlich mit in den Tod gerissen.
Und um das Ganze zu vertuschen, wurde von dieser Frau ein Orden in den Tod geschickt und in Misskredit gebraucht.

Lebe ich so anders als mein Vater? Nein. Auch ich f√ľhre eine Pflichtehe als Erstehe. Wie meine Frau tats√§chlich zu mir steht, ist mir unbekannt. Ich habe zwei weitere Frauen, gef√ľhrt als Liebesehen. Aber was diese von mir halten, ist mir ebenso unbekannt.

Heiratete eine von ihnen Maximilien oder heirateten sie alle nur den Duc?
Die Frage kann ich weder Dir noch mir beantworten.

Welches Grauen f√ľr alle Beteiligen aus solchen Absprachen entstehen kann, siehst Du am Beispiel meiner Eltern.

Dreux hingegen bestand darauf, dass auch die Erstehe eine Liebesehe sein darf, dass auch diese Ehe von Zuneigung, Vertrauen und Freundschaft getragen werden sollte. Er hat Recht und ich w√ľnsche ihm, dass seine Ehe genau das wird - eine Liebesehe.

Meine Mutter hatte ein Verh√§ltnis mit Parcival. Scheinbar wurde er als Werkzeug f√ľr ihre Pl√§ne genutzt. Ich denke beide haben sich gleichfalls mit Schuld beladen, denn es geh√∂ren immer zwei dazu. Einer der benutzt und einer der sich ohne jede Gegenwehr benutzen l√§sst.

Ich musste mit 17 Jahren den Thron besteigen und von Null anfangen. Leon stand mir bei und lehrte mich die Dinge, die ich trotz aller Ausbildung nicht kannte. So war es Tradition, ebenso wie es Tradition war, dass die Erstehe eine Pflichtehe ist. Anstatt das Amt mit kalten, toten H√§nden weiterzureichen, wie es mir mein Vater √ľberreichte, √§nderte Dreux die Tradition und nun wird das Amt mit warmen, lebenden H√§nden weitergegeben. Auch hier hatte er Recht.

Vielleicht sollte man sich nicht jeder Tradition ungefragt beugen, sondern im Zweifelsfalle die Tradition ändern, wenn sich das Beugen zu sehr schmerzt.

Und den Umstand √ľber den Fall der Agenten der Autarkie, wie auch den Unfall meines Vater zu kl√§ren wurde Leon mein alter Leibdiener beschworen. Er kl√§rte uns auf, was sich damals zugetragen hatte Fabien. Zum Kl√§rungsbedarf kam es, da sich zwei Kinder der Agenten der Autarkie als Paar zusammengeschlossen haben. Wir bef√ľrchteten ein B√ľndnis gegen die Krone dahinter, aber Ciel war daf√ľr genau den Umstand offen anzusprechen. Allein den Kindern der Agenten wurde damals Gnade gew√§hrt, sie wurden mental bereinigt und dann in Kinderheime gegeben.

Und auf einmal aus heiterem Himmel, bittet mich Chevalier de Mancini im Thronsaal darum, Boldiszar meinen Leibgardisten erwerben zu d√ľrfen. Beides jene Kinder der Agenten. Dass ich in dem Fall nicht an Zuf√§lle glauben konnte, war klar.

Der Zufall f√ľhrte sie aber nicht zusammen um uns zu schaden, sondern um altes Unrecht zu s√ľhnen. Und um wieder zusammenzuf√ľgen, was zusammen geh√∂rt.

Die Klärung fand bei der Ruine der Gewitterfeste statt, da sich Ciel dort vor Ort befand. Ein passender Ort - eine Ruine, genau dass was unsere Familie auch bald werden.

Nach Leons Aufkl√§rung, bat Ciel darum, mit Parcival pers√∂nlich die Aussprache suchen zu d√ľrfen. Ich gew√§hrte ihm seine Bitte. Abseits von uns f√ľhrten sie das Gespr√§ch und es zog sich besorgniserregend in die L√§nge.

Bis zu jenem Punkt, so Parcival Ciel magisch angriff. Gl√ľcklicherweise hatte mich Davard begleitet. Leon lenkte Parcival ab, Davard st√∂rte den Angriff auf Ciel und in dem Moment enthauptete ich Parcival um das Leben meines Sohnes zu retten.

Eine Handlung, die jeder liebende Vater begangen hätte.
Eine Handlung, die in den Augen von Ciel verachtenswert war.

Ciels Wut nach Parcivals Tod richtete sich gegen mich. Seine Trauer galt nicht Paricvals Opfer, sondern dem Verräter. Weder kann ich dies logisch noch emotional erfassen, es entzieht sich meinem Verständnis.

Ciel warf vor dem Gespr√§ch die Frage auf, ob es m√∂glich w√§re, dass ich der Sohn von Duchesse Francoise Esme de Souvagne und Parcival w√§re. Demzufolge w√§ren wir, sprich ich sowie alle meine Nachkommen keine de Souvagnes und der Thron w√ľrde an die de Neufvilles √ľbergehen. Seltsamerweise schien er von der Idee sehr angetan zu sein, ebenso davon, dass Parcival sein Gro√üvater sein k√∂nnte.

Wenn dem tats√§chlich so w√§re Fabien und ich kein de Souvagne w√§re, dann w√§re mein gesamtes Leben eine Farce. Weder hatte ich eine Kindheit, noch hatte ich ein richtiges Erwachsenenleben, noch habe ich eine Familie wie man sie allgemein hin kennt. Ich hatte und habe stets ein Amt erf√ľllt und selbst das w√§re nicht das meine gewesen. Meine gesamte Existenz w√§re sinnlos.

F√ľr Dreux, Greg und Ciel w√§re ein Umdenken sowie eine Umkehr nicht zu sp√§t. Zwar hatten sie auch die Kindheit eines Adligen zu leben, aber ich habe ihnen alle M√∂glichkeiten geboten, die mir zur Verf√ľgung standen. Ich wei√ü was ich selbst vermisst habe, aber ich wei√ü auch, wo man f√ľr junge Adlige und vor allem f√ľr zuk√ľnftige Monarchen die Grenze ziehen muss.

Wenn man mit dem goldenen L√∂ffel im Mund geboren wurde, kann man gerne behaupten auf alles zu verzichten. Aber w√ľrden sie das wirklich wollen? W√ľrde Ciel das tats√§chlich wollen? Der Palast, die Diener, die gesamte h√∂fische Leben, die Lebensart und die Lebensweise, der Reichtum, die existenzielle Sorglosigkeit - all das was wir genie√üen d√ľrfen, w√§re fort.

Nichts davon w√ľrde bleiben, denn die Geburtslinie des Mannes ist ausschlaggebend und Parcival war nicht einmal von Stand oder Adel. W√ľrde Ciels Wunschtraum in Erf√ľllung gehen w√ľrde er als freier, mittelloser Mann aufwachen. Es w√§re von Vorteil, dann auf die Freiheit zu verzichten und sich einen guten Lehnsherren zu suchen, denn einen Beruf der einen ern√§hrt haben wir nicht gelernt. Wir k√∂nnten uns h√∂chstens als Buchhalter, B√ľttel oder S√∂ldner verdingen, resultierend aus dem was ein Adliger nebenbei lernt.

Trotz all seiner W√ľnsche, Tagtr√§ume und Hirngespinste kann ich jedem versichern der Sohn meines Vaters Alain Etienne de Souvagne zu sein, denn ich w√ľrde einem Mann nicht derma√üen optisch √§hnlich sehen, wenn wir nicht blutsverwandt w√§ren.

Was ist nun die Quintessenz aus dem heutigen Tage?

Das ist trotz all meines Wohlstands nichts besitze.
Weder Vater, Mutter, noch Bruder, aufgrund ihres Todes.
Weder Ehefrauen, noch Kinder, aufgrund seelischer Distanz.
Weder Freunde, Kameraden, noch Kumpel, aufgrund meines Amtes.
Die wahre Bedeutung von Duc ist allein.

Ich besitze einzig und allein einen einzigen Vertrauten - Dich.

Und morgen fr√ľh gilt es, nicht nur das tonnenschwere Ornat zu tragen, sondern auch das Reichs- und Richtschwert um damit die Duchesse pers√∂nlich vor aller Augen zu richten. Niemand, auch nicht die alte Duchesse steht √ľber dem Duc selbst. Keine Person in Souvagne steht √ľber dem Gro√üherzog. Ein Angriff auf ihn wird stets und in aller H√§rte mit dem Tode geahndet.
Auch wenn mir die Duchesse Francoise Esme de Souvagne nie etwas als Mutter bedeutete, ist sie dennoch die Frau die mich gebar, ein Teil meiner Wurzeln, ein Teil von mir selbst.

Ich m√∂chte sie nicht t√∂ten, ich will sie nicht pers√∂nlich richten. Aber ich werde es tun, wie stets der Tradition folgend. Und der Tradition folgend, werde ich R√ľstung tragen, so wie der Duc de Souvagne einem Feind auf dem Feld gegen√ľbertritt.

Ich √ľberlege ob dies meine letzte Amtshandlung als Duc sein wird. In dem Fall werden wir den Hof, aber nicht Sovagne verlassen Fabien. Die Verhaftung aufgrund von Hochverrats m√ľsste bereits erfolgt sein. Sei so gut und rufe Remy zu mir", erkl√§rte Maximilien sanft.

Fabien stand auf, nickte stumm und machte sich umgehend auf den Weg. In der T√ľr blieb er stehen und schaute zu seinem Herrn und besten Freund zur√ľck. M√ľde und ausgelaugt, sa√ü der Duc am Tisch und trank gedankenverloren seinen Kaffee.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung f√ľr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Remy de Remuer
Chevalier
Beiträge: 20
Registriert: Sa 10. Mär 2018, 19:09
Volk: Almane (Souvagner)

Re: Vorbereitung zur Exekution

#2

Beitrag von Remy de Remuer » Sa 1. Sep 2018, 15:56

Wenig sp√§ter kam Remy herbei. Man konnte ihm viele charakterliche Unzul√§nglichkeiten ankreiden, wie Verschwendungssucht und einen einseitigen Blick auf die Damen, der sich auf die Freuden beschr√§nkte, den ihre sinnlichen K√∂rper zu bieten hatten, aber als Himmelsauge und auch als Freund war er immer zuverl√§ssig gewesen. Er sah heute arg zerknautscht aus. Man sah ihm an, dass er die Nacht mit dem Genuss seines Lieblingslasters verbracht hatte und sein Leibdiener noch zu unerfahren war, um die Spuren der Nacht in der K√ľrze der Zeit auch nur ann√§hernd glaubw√ľrdig zu verdecken.

"Entschuldigt bitte meinen Aufzug, Majest√§t", erkl√§rte Remy mit einer eleganten Verneigung. "Ich bin sehr √ľbereilt vom Nachtlager aufgebrochen, als mich Davard kontaktierte. Was f√ľr ein Schock! Ein Eimer kaltes Wasser ist nichts dagegen. So schnell bin ich noch nie aus dem Bett aufgestanden. Ich bin geradewegs zu Jules geeilt, ach was geeilt, ich bin gerannt, und habe ihm den Befehl bez√ľglich Eurer Mutter √ľbermittelt. Jules war genau so von den Socken. Aber er hat nicht verraten, in wie weit die Himmelsaugen den Tod Parcivals mitbekommen haben. Ich glaube, er ist momentan selbst nicht mit ihnen verbunden, kann das sein? Ich vermute aber, der Tod des Erzmagiers wird eine tsunamiartige Ersch√ľtterung aller magischen Ebenen nach sich gezogen haben, besonders aber in der Frequenz, in der sich die Himmelsaugen tummeln. Ich meine selbst auch etwas gesp√ľrt zu haben, obwohl ich geblockt werde, aber es k√∂nnte auch ein Beben der Wiedersehensfreude gewesen sein, denn Olivie hat mich sehr herzlich in ihren Gem√§chern empfangen. Jules und ich hatten uns jedenfalls gerade besprochen, wie wir am kl√ľgsten Vorgehen. Das ist n√§mlich nicht so einfach, wisst Ihr? Ich kann da nicht einfach reinmarschieren und sagen: Mutter des Ducs, folgen Sie mir ins Verlies, Sie sind verhaftet. Das hei√üt, wenn Ihr mir das befehlt, dann mache ich es, aber ich wollte eigentlich noch eine Weile leben und dachte, dies l√§ge vielleicht auch in Eurem Interesse. Ich bin noch nicht sehr lange Prince und obendrein eingeheiratet, man w√ľrde es vielleicht missverstehen. Mir w√ľrde man nicht abkaufen, dass dieser unerh√∂rte Befehl von Euch stammt, sondern √úbles vermuten, vielleicht sogar den st√ľmperhaften Auftakt eines Staatsstreichs! Wir waren daher gerade zu dem Schluss gekommen, Jules und ich, zuvor Dreaux zu informieren, so dass der Befehl von ihm ausgesprochen werden kann, damit ich nicht den Schwertern einer √ľbereifrigen Leibgarde zum Opfer falle, aber auf dem Weg zu ihm hat mich Euer Fabien abgefangen. Sehr t√ľchtiger Bursche √ľbrigens, Maurice sollte sich von ihm einarbeiten lassen. Ihr seht ja, wie ich aussehe, Majest√§t."

Er unterbrach seinen Redeschwall, richtete sich wieder auf und sah Maximilien mit gesenkten Augen an. In die Augen blicken durfte man dem Duc nicht und er als Geistmagier noch weniger, da dies im doppelten Sinne als Angriff missverstanden werden konnte. Wie Maximilien da an seinem Tisch hing und Kaffee schl√ľrfte, wirkte er durch und durch ungl√ľcklich.

"Max?", fragte Remy vorsichtig.
[ externes Bild ]
Avatar of the character created with ePic Character Generator

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Vorbereitung zur Exekution

#3

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 20:55

Maximilien h√∂rte Remy zu, oder vielmehr h√∂rte er die permanente Ger√§uschkullisse die Remy verursachte. Es st√∂rte Max nicht weiter, im Grunde tat die Beschallung gut um sich nicht v√∂llig allein zu f√ľhlen. Wie wenn man morgens fr√ľh das Fenster aufriss um den V√∂geln beim Gesang zuzuh√∂ren, damit man √ľberhaupt etwas h√∂rte.

Max verfolgte Remys Bericht mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege und schl√ľrfte seinen Kaffee, oder besser gesagt den kalten Kaffee von Fabien. Er vermisste einen gewaltigen Schluck Rum oder Klaren im Kaffee, aber soviel wie er gerade trinken wollte um zu vergessen, vertrug er gar nicht.

Während seiner Gedankengänge fiel ihm ein weiterer wichtiger Punkt ein, der Marquis Mayhew de Cheverette.

Mit dem Marquis musste er umbedingt reden. Denn der Mann war zur Zeit nicht nur sein Gast, sondern er war ebenso sein Onkel. Seine Mutter Duchesse Francoise Esme de Souvagne war die Schwester von Mayhew und es galt zu klären in welchem Verhältnis Mayhew zu dem Verrat und seiner Schwester stand.

Bestenfalls war er genauso ein Opfer der Umst√§nde wie Alain, Bernard und er selbst. Maximilien empfand es als trauig, so etwas als beste Umst√§nde bezeichnen zu m√ľssen, aber dem war leider so. Sein Onkel w√ľrde sich von einem Himmelsauge und zwar von Jules auslesen lassen m√ľssen. Maximilien hoffte, dass Mayhew unschuldig war und der Spuk mit der Hinrichtung von Duchesse Francoise Esme de Souvagne ein Ende hatte.
Dennoch w√ľrde er als Zeichen der Ehrlichkeit und Ehrbarkeit von Mayhew erneut den Treueschwur verlangen.

Als Zeichen seiner Ehrbarkeit und seines Vertrauens k√∂nnte er der Bitte entsprechen Mayhews Tochter zu ehelichen. Und mit diesem Akt schloss sich erneut der Kreis der Tradition. Eine erneute Zweckehe um etwas zu besiegeln, dass √ľberhaupt nichts mit einer Ehe zu tun hatte. Wieder eine Pflichterf√ľllung, die erst zu dem ganzen Desaster gef√ľhrt hatte.

Am Rande seines Bewusstseins bekam Maximilien mit, das Remy die Duchesse Francoise Esme de Souvagne nicht verhaftet hatte. Warum? Das hatte er nicht mitbekommen. Nat√ľrlich konnte man die Sache auch v√∂llig schmerzfrei unter den Teppich kehren, wenn die Duchesse des Nachts entschlafen w√ľrde.

Aber den Gefallen w√ľrde ihm seine Mutter nicht freiwillig tun. Wo war einer dieser verfluchten Lichs wenn man ihn ben√∂tigte? Nun er hatte andere M√∂glichkeiten, weitreichende sehr t√∂dliche und effektive M√∂glichkeiten, eine davon war unter anderem Davard und seine Fantome. Aber man konnte kaum das Recht repr√§sentieren, indem man es selbst brach.

Allerdings konnte man so den Frieden wieder herstellen, ohne allzugroßen Staub aufzuwirbeln, wie es seinerzeit durch die Agenten gehandhabt wurde und wie es heute noch in Einzelfällen die Lotusse zu tun pflegten.

√Ėffentliche Aburteilung und Hinrichtung mit dem Rattenschwanz der dazu geh√∂rte versus Meuchelmord und absolutem Frieden.

Maximilien nahm noch einen gro√üen Schluck, irgendwie schmeckte ihm der Kaffee schlagartig nicht mehr, er hinterlie√ü etwas widerw√§rtiges pelziges auf seiner Zunge. Angewidert stellte er den Becher beiseite. Er rieb sich gerade ersch√∂pft √ľber das Gesicht um seine h√§mmernden Kopfschmerzen zu vertreiben, als jemand seinen Namen sagte und ihn somit aus seinen tr√ľben Gedanken riss.

Max schaute sich kurz irritiert um und musterte Remy, als sähe er ihn zum ersten mal.

"Remy?", gab Maximilien zur√ľck.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung f√ľr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Remy de Remuer
Chevalier
Beiträge: 20
Registriert: Sa 10. Mär 2018, 19:09
Volk: Almane (Souvagner)

Re: Vorbereitung zur Exekution

#4

Beitrag von Remy de Remuer » Sa 1. Sep 2018, 21:02

Remy sparte sich die Frage, ob der Duc ihm zugehört hatte. Maximilien sah aus, als wäre er gerade aus einem Traum erwacht.

"Kann ich etwas f√ľr dich tun?", fragte er und klang dabei besorgt.
[ externes Bild ]
Avatar of the character created with ePic Character Generator

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Vorbereitung zur Exekution

#5

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 21:18

Maximilien schaute Remy in die Augen und hielt dessen Blick f√ľr einen Moment fest. Das Angebot r√ľhrte Max, aber leider konnte Remy ihm nicht helfen, niemand konnte das.

"Danke der Nachfrage Remy. Nein Du kannst nichts f√ľr mich tun.
Es liegt nicht daran ob jemand etwas f√ľr mich tun kann. Es geht nicht um das tun, sprich die Ausf√ľhrung.
Es geht um die Entscheidung was getan werden muss und diese kann mir niemand abnehmen.

Momentan ist nicht der beste Zeitpunkt f√ľr ein Gespr√§ch, ich h√§tte Dich zu einer anderen Stunde rufen lassen sollen. Trotzdem Danke ich Dir f√ľr Deinen Besuch und Deine Umsicht. Sei so gut und halte Dich bitte mit Jules bereit. Sobald das Problem behoben wurde, lade ich Dich als Dankesch√∂n auf ein privates Treffen ein. Aber nun geh bitte, ich ben√∂tige einen Augenblick der Ruhe und Besinnung"
, bat Maximilien.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung f√ľr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Benutzeravatar
Remy de Remuer
Chevalier
Beiträge: 20
Registriert: Sa 10. Mär 2018, 19:09
Volk: Almane (Souvagner)

Re: Vorbereitung zur Exekution

#6

Beitrag von Remy de Remuer » Sa 1. Sep 2018, 21:26

Remy guckte verwirrt. Er merkte sehr deutlich, dass Max neben sich stand. Erst lie√ü er ihn rufen, dann h√∂rte er ihm nicht zu und nun schickte er ihn einfach wieder weg. Es war offensichtlich, wie elend es ihm ging. Aber der neue Schwiegersohn war offenbar ungeeignet, ihm in dieser Stimmung Trost zu spenden. Remy beschloss also in seiner Geistesgegenwart, Minette vorbeizuschicken. Sie galt als die Lieblingsfrau des Ducs. Ob es wirklich so war, wusste er nicht, aber zumindest ging sie immer sehr liebevoll und z√§rtlich mit ihrem Mann um. Das w√ľrde Maximilien sicher gut tun.

"Wie Ihr w√ľnscht", sagte er ergeben, verneigte sich und verlie√ü r√ľckw√§rts den Raum. Kurz bevor die T√ľr von den Gardisten verschlossen wurde, kr√§hte Remy noch hindurch: "Aberfallsduesdiranders√ľberlegstsageinfachbescheid!" Dann klickte das Schloss. Remy marschierte im Eiltempo los und suchte Minette auf.
[ externes Bild ]
Avatar of the character created with ePic Character Generator

Benutzeravatar
Minette de Thibodeau
Zweitcharakter
Beiträge: 8
Registriert: So 18. Feb 2018, 16:53
Volk: Almane (Souvagne)

Re: Vorbereitung zur Exekution

#7

Beitrag von Minette de Thibodeau » Sa 1. Sep 2018, 21:36

Maximilien musste nicht lange warten. Minette betrat den Raum, dicht gefolgt von ihrer Zofe. Als sie ihren Mann sah, wusste sie, das irgendetwas Schlimmes vorgefallen sein musste. Allerdings sah er nicht so √ľbel aus, dass sie f√ľrchten m√ľsste, Ciel w√§re etwas zugesto√üen. Das beruhigte sie ein wenig.

Sie gab ihrer Zofe ein Zeichen. Diese l√∂ste die Schn√ľrung von Minettes Korsett, so dass sie es ihr abnehmen konnte. Sie l√∂ste ihr auch vorsichtig das Brustband unter dem Oberteil heraus, so dass Minettes Oberk√∂rper ganz weich war. Das war Sinn und Zweck der Sache. Minette hielt sich nicht mit irgendwelchem Geplapper auf, sondern nahm Maximiliens Hand und zog ihn mit sanfter F√ľhrung in Richtung Sofa. Ihre Zofe zog es derweil aus und legte die Kissen so zurecht, dass sie beide sich hineinlehnen konnten. Minette setzte zuerst ihren Mann hinein und sich dann daneben. Halb sa√üen, halb lagen sie. Sie griff ihm an den Hinterkopf und zog seinen Kopf auf ihre weiche Brust, um ihn liebevoll zu kraulen. Wenn er sprechen wollte, konnte er das tun, oder einfach nur ihre N√§he genie√üen. Sie w√ľrde f√ľr ihn da sein.
Avatar created with ePic Character Generator

Benutzeravatar
Maximilien Rivenet de Souvagne
Duc
Beiträge: 257
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:04
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Vorbereitung zur Exekution

#8

Beitrag von Maximilien Rivenet de Souvagne » Sa 1. Sep 2018, 21:43

Maximilien war erstaunt einige Minuten sp√§ter Minette zu sehen. Er beobachtete irritiert ihr Treiben, bis sie ihn aufs Sofa gesetzt, in den Arm genommen und an sich gedr√ľckt hatte.

Sie sagte ihm alles was er wissen musste, ohne ein einziges Wort zu verlieren.
Er antwortete ebenso, hielt sich an seiner Frau fest, schmiegte sich an und ließ seinen Tränen stumm freien Lauf.
[ externes Bild ]

"Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
"Eine Entscheidung f√ľr etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."

Antworten