Wolfsblut

Nirgendwo sonst liegen Gl├╝ck und Verderben n├Ąher beieinander. Am Grund der H├Ąuserschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, w├Ąhrend reiche Bandenbosse durch die bl├╝henden Dachg├Ąrten flanieren.

Freie Stadt Obenza
Nirgendwo sonst liegen Gl├╝ck und Verderben n├Ąher beieinander. Am Grund der H├Ąuserschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, w├Ąhrend reiche Bandenbosse durch die bl├╝henden Dachg├Ąrten flanieren.
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Fallon
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Re: Wolfsblut

#31

Beitragvon Fallon » Do 24. Aug 2017, 22:46

Misstrauisch be├Ąugte Fallon seinen Begleiter. Man sah Tsacko f├Ârmlich an, dass es in Tsacko Kopf ratterte und rumorte. F├╝r einen Moment dachte der Wolfswandler, der K├Âter w├Ąren gedanklich h├Ąngen geblieben und man m├╝sste ihm einen Schlag auf den Hinterkopf geben. Es war wahrlich ein seltsamer Anblick, der sich Fallon bot.

Gerade als der Gestaltwandler jedoch einfach weitergehen und Tsacko stehen lassen wollte, legte sich ein L├Ącheln auf die Lippen des Stra├čenk├Âters. Die n├Ąchsten Worte Tsackos trieften wieder vor Selbstsicherheit und Arroganz. Etwas, womit Fallon vermutlich sich arrangieren musste. Zugegeben, es war sehr nervig. Auch wenn es seine Stellung als Alpha in einem Rudel verst├Ąrkte, war diese Selbstsicherheit ein gro├čer Schwachpunkt. Tsacko ├╝bersch├Ątzt sich zu sehr.

Doch auf lange Sicht gesehen war das nicht Fallons Problem, ein Fakt der ihm durchaus bewusst war. Noch immer konnte er sich verteidigen und brauchte an sich keinen Geleitschutz. Sein Zustand, so musste er sich es eingestehen, bedarf dennoch an Hilfe. Schon allein aus dem Grund, dass Fallon nicht wusste, wie er sich in einer Stadt wie dieser zu orientieren hatte. Ebenso hilflos war er also der Stra├čenschluchten ausgeliefert, als der Stra├čenk├Âter einfach von dannen zog, um seinem Rudel Bescheid zu geben.

Geduldig wie Fallon aber war, lehnte er sich an die n├Ąchste Mauer und wartete. An ihm zogen Menschen, Alben und Wesen der verschiedensten Arten vorbei. Eins musste man der Stadt einfach lassen; und das war ihre Vielf├Ąltigkeit. Beinahe hatte er sogar Tsacko ├╝bersehen, wie er wieder zu ihm zur├╝ckkehrte. Offensichtlich hatte er seine Angelegenheiten geregelt.

Seine n├Ąchsten Worte jedoch ÔÇô schlichtweg die selbe Sache. Nach einer kurzen ├ťberlegung kam Fallon jedoch zu einem Schluss. "Du hast Recht. Dann wird es so laufen, Alpha." Der Wolfswandler merkte, dass er mit Diskussion und Logik nicht weiterkam. Die Tatsache an sich st├Ârte Fallon auch nicht, er sollte schlie├člich noch genug M├Âglichkeiten bekommen, die Worte des Stra├čenk├Âters zu widerlegen.

Damit f├╝hrte sie ihr Weg auch weiter durch die Stra├čen, der Abend durchbrach allm├Ąhlich das gesch├Ąftige Treiben der Stadt. Berufst├Ątige und H├Ąndler wurden seltener, daf├╝r vermehrten sich Reisende und M├╝├čigg├Ąnger. Durch diesen Trubel hindurch schafften sie es schlie├člich zum Schluckspecht, dem Gasthaus in dem Fallon zuvor schon gen├Ąchtigt hatte.

Kurzum betraten sie den reichlich gef├╝llten Schankraum. In der Luft hingen die D├╝fte verschiedenster Speisen und Getr├Ąnke. Lautes Gel├Ąchter, aufgeregte Gespr├Ąche und das Fallen von W├╝rfeln an einem der Tische war zu h├Âren. F├╝r Fallon war das unangenehm. Diese Enge und diese Anh├Ąufung von Menschen ÔÇô es widerstrebte seiner Natur. So wollte er schnell machen.

So eilte er zur Theke, an der ein ihm bekannter Wirt den Ausschank betrieb. "Na sieh einer an, unser Vielfra├č!" Sein Blick wirkte alles Andere als gl├╝cklich, als er Fallon musterte. "Was darf es denn sein?" Sein Blick glitt schlie├člich hinter Fallon, worauf er den doch recht verdreckten Tsacko sah. "Geh├Ârt der zu Euch?"

Fallon nickte. "Ja, das tut er. Wir h├Ątten gern zwei Zimmer. Ich nehme ein Kotelett mit einem starken Bier. F├╝r ihn alles, was er w├╝nscht."

"So wie der aussieht will ich aber nicht, dass er in einem meiner Zimmer schl├Ąft."

"Dann stellt ihm halt eine Badezuber bereit."

"Das kostet extra."

"Ja, das kann ich mir denken. Macht es einfach."

"Wie Ihr w├╝nscht."

Als Bezahlung leerte Fallon seinen Geldbeutel auf dem Tresen aus. Da ging sein letztes Geld hin. Am n├Ąchsten Tag musste er unbedingt einen Auftrag annehmen, der in seinem Zustand machbar war. Ansonsten hatte er weder Essen noch Unterkunft. Was er daf├╝r gebe, sich jetzt in einen Wolf zu verwandeln und einfach sein eigenes Essen zu jagen.

Auffordernd blickte Fallon Tsacko an, so dass er seine Bestellung t├Ątigen und sie in die Ruhe ihrer Zimmer einkehren konnten.
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Re: Wolfsblut

#32

Beitragvon Tsacko » Mi 30. Aug 2017, 18:50

Tsacko wusste, wie viel Geld wert war, wenn man ├╝ber kein festes Einkommen verf├╝gte. Bedr├╝ckt betrachtete er das H├Ąuflein M├╝nzen. Fallon war S├Âldner und so wie es aussah, k├Ârperlich momentan nicht in der Lage, seinen Unterhalt zu bestreiten. Nach dieser f├╝rstlichen Nacht w├Ąre er blank. Tsackos freudiges Wedeln, das bei der Aussicht, sich heute einmal nach herzenslust sattessen zu k├Ânnen, eingestellt hatte, verebbte und sein Rutenstummel hing herab.

"Ich bin satt, Fallon. Ich hab doch vorhin erst gegessen. Und schlafen kann ich drau├čen so gut wie ├╝berall sonst." Er blinzelte Fallon an. "Aber du kannst mich den Kotlettknochen knabbern lassen, die esse ich gerne!" Das Wedeln stellte sich wieder ein.
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Re: Wolfsblut

#33

Beitragvon Fallon » Do 31. Aug 2017, 10:21

Fallons Augenbrauen zogen sich zusammen, als er die Worte Tsackos h├Ârte. Lehnte der Stra├čenk├Âter tats├Ąchlich das Angebot auf ein warmes Bett und eine gro├čz├╝gige Mahlzeit ab? F├╝r einen Moment kam es Fallon in den Sinn, Tsacko nach seinem geistigen Befinden zu fragen. Niemand w├╝rde so ein Angebot abschlagen, erst recht nicht jemand wie Tsacko. Das war schlichtweg die falsche Zeit und der falsche Punkt um Bescheidenheit zu zeigen.

Ohne jedoch ein Wort an Tsacko zu verlieren, drehte sich Fallon zum Wirt herum. "Meine Bestellung bleibt", best├Ątigte er noch einmal. "Zwei Zimmer, zwei Mahlzeiten. F├╝r mich bitte einen Rinderbraten mit Kartoffeln und ein kr├Ąftiges Bier. F├╝r meinen Freund zwei saftige Koteletts und ein anst├Ąndiges Glas Met. Die Bezahlung seht ihr hier ja."

Nun schaute auch der Wort etwas verwundert drein, aber er zuckte nur mit den Schultern. "Wie ihr w├╝nscht. Ich z├Ąhle, was ich brauche und dann bringe ich Euch Eure Bestellung." Augenblicklich sammelte der Wirt das Geld vom Tresen und z├Ąhlte es. Nach einigen Verhasplern und unterdr├╝cktes Fluchen schob er schlie├člich einige M├╝nzen zur├╝ck, die Fallon auch sofort wieder in sein S├Ąckel packte.

Damit verschwand der Wirt schon in die K├╝che des Hauses, Tsacko und Fallon waren wieder "allein". Mit einem ruhigen Blick bedachte Fallon seinen Gef├Ąhrten, musterte ihn von oben bis unten. Schlie├člich breitete sich aber ein warmes L├Ącheln auf seinen Lippen aus. "Wenn du keinen Hunger hast, kannst du das Essen auch zu deinem Rudel bringen. Ich bin mir sicher, dass sie sich dar├╝ber freuen werden. Ihnen und dir habe ich es zu verdanken, noch hier stehen zu k├Ânnen. Also ist es mehr als verdient."

Etwas holprig stie├č sich Fallon von der Bar ab und stellte sich gerade hin. Jeder Schritt rief seine Verletzungen zur├╝ck in sein Bewusstsein. Schon bald sollten sie verheilt sein, doch bis dahin hie├č es Vorsicht bewahren. "Komm, lass uns einen Tisch suchen. Ich muss mich setzen." Damit schritt er auch schon an Tsacko vorbei, klopfte dem Streuner dabei auf die Schulter und steuerte auf einen der noch unbesetzten Tische zu.

Als er den Raum durchquerte, erhaschten sein Blick jedoch etwas, was mehr als befremdlich schien. Mitten im Raum hielt er f├╝r einen Moment inne, blickte in Richtung einer der Tische die am Rande des Schankraumes standen. Dort sa├č eine einsame Gestalt. Die Lederr├╝stung zerschlissen, zwischen den H├Ąnden ein Schnapsglas. Einige leere Gl├Ąsern daneben best├Ątigten die Trunkenheit dieses Mannes, der fast schon seelenlos in sein Glas zu blicken schien. Etwas an ihm kam Fallon bekannt vor. Dieses Gesicht, aber das konnte nicht sein. Die Statur, die Haare, der Bart. Dieses ungepflegte Etwas konnte er nicht sein. Mit einem Kopfsch├╝tteln vertrieb er schnell diese Gedanken, schritt weiter zu dem Tisch den er f├╝r sich und Tsacko ausgesucht hatte.

Kaum hatten sie dort Platz genommen, kam schon eine vollbusige Dame an ihren Tisch. Der Ausschnitt extrem weit. Vermutlich um den m├Ąnnlichen G├Ąsten ein durchaus ansehnliches Trinkgeld zu entlocken. Die Ablenkung gen├╝gte f├╝r Fallon, dass er nicht mitbekam wie sie mit einem Tablet ihre bestellten Speisen und Getr├Ąnke an den Tisch brachte. Selbst als der herzhafte Duft ihres Essens in seine Nase str├Âmte, kam er nicht umhin, die Frau zu begutachten. Fallon meinte sogar ein Zwinkern gesehen und erg├Ąnzend dazu ein Kichern geh├Ârt zu haben! Genau sagen konnte er es allerdings nicht, sie hatte sich bereits umgedreht und war gegangen.

Mit einem Schukterzucken blickte er auf sein Essen, genau wie jenes welches Tsacko vorgesetzt worden war. Es sah vorz├╝glich zubereitet aus. Die Speisen genau wie Tsackos Met dampften, das Bier war gek├╝hlt. Besser konnte man einen Abend doch nicht ausklingen lassen! "Guten Hunger", w├╝nschte Fallon mit einem L├Ącheln auf den Lippen an Tsacko gerichtet. Dem Wolf war es egal, ob Tsacko a├č oder es sich aufsparte. Das Einzige was z├Ąhlte, waren seine eigenen Z├Ąhne die sich in den Rinderbraten vergruben.
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Re: Wolfsblut

#34

Beitragvon Tsacko » So 3. Sep 2017, 09:25

Ts, dieser unverbesserliche Wolfswandler! Aber es war nicht Tsackos Schuld, wenn der Kerl nun pleite war.

W├Ąhrend Fallons sich auf die Dirne konzentrierte, flutschte Tsacko, eines der so├čentriefenden Kotelette in der Hand, fort vom Tisch, um den Mann in Beschlag zu nehmen, den er da finster vor sich hinstarrend einsam an einem Tische entdeckt hatte und der bereits eine ziemliche Fahne wehen hatte. Tsacko hatte in Obenza ganze Tausendschaften von Bekannten, ├╝berall kannte er irgendwen und sein Ged├Ąchtnis sorgte daf├╝r, dass er sich alle Gesichter und Ger├╝che und die meisten der Namen merkte. Diesen Mann hier hatte er, wie die meisten anderen seiner Bekanntschaften, ├╝bers Schnorren kennengelernt.

"Eo, altes Haus", rief Tsacko gut gelaunt, zerrte sich einen Stuhl heran und lie├č sich gegen├╝ber von Eorur an dessen Tisch nieder. "Mann, siehst du abgewrackt aus! Dein Bart war auch mal k├╝rzer, aber hey, wenigstens guckst du so m├╝rrisch drein wie eh und je! Hast du mal ├╝berlegt, den Arbeitgeber zu wechseln?" Er sagte dies breit grinsend, denn er selber sah mindestens genau so sehr wie ein Penner aus, was daran lag, dass er ein Penner war. Tsacko wedelte vor Freude ├╝ber das Wiedersehen, als wolle er die Stuhllehne hinter sich sauberfegen und biss gen├╝sslich vom Kotelett ab, dessen Saft seinen Hals hinablief. K├Âstlich!

"Was machst du hier ├╝berhaupt", nuschelte er mit vollem Mund, hielt Eorur wohlwollend sein angenagtes St├╝ck Fleisch vor den Mund und zog auffordernd die Augenbrauen hoch. Wenn er schon mal was so leckeres zu Essen hatte, dann teilte er es auch. "Ich bin hier mit meinem Kumpel, der da dr├╝ben gerade der Dirne nachgafft." Er wies schwungvoll mit dem Kotelett in Richtung von Fallon. Die So├če spritzte ├╝ber den Tisch und ein Fettauge schwamm in Eos Schnaps. Tsacko bemerkte seinen Fehler. Er sollte nicht mit so leckerem Essen rumfuchteln, besonders nicht, wenn dabei wertvolle So├če verloren gehen konnte. Nein, sie mussten heute ordentlich vom Teller essen und nicht aus der Hand. "Willst du einen Klo├č? Setz dich doch einfach zu uns, ich hab zwei Kl├Â├če und zwei Koteletts, du kannst von meinem Teller essen! Besoffen herumsitzen und finster gucken kannst du an unserem Tisch so gut wie an diesem! Rotkraut gibt`s auch und leckere So├če!"

Ungefragt griff er nach Eos Schnapsglas, um es an ihren eigenen Tisch zu tragen, doch mitten in der Bewegung fiel ihm ein, dass Eo in der Lage war, einen Mann mit einem einzigen Fausthieb ins Reich der Tr├Ąume zu bef├Ârdern und gerade wenig gn├Ądig dreinblickte. Darum ├Ąnderte er im letzten Moment die Richtung der Bewegung und tat er so, als habe er nur einen So├čenfleck mit dem Finger aufwischen und davon ablecken wollen. Er eilte zu ihrem Tisch und begann die Nahrungsmittel auf seinem Teller gerecht aufzuteilen und in zwei Gruppen auseinander zu schieben, so dass jeder von einer Tellerh├Ąlfte essen konnte. Dabei wedelte sein Stummelschwanz unver├Ąndert vor sich hin.

"Fallooon! Bist du noch da drin? Wir kriegen Besuch! R├╝ck mal zur Seite und mach dich nicht so fett mit deinem Teller!"
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Re: Wolfsblut

#35

Beitragvon JEELEN » So 3. Sep 2017, 22:32

Eorur

Eorur war wie so oft dabei, seinen Frust im Schnaps zu ertr├Ąnken. Irgendwie hatte sich diese Unart bei ihm verselbstst├Ąndigt. Es war nicht mal mehr so, dass ihm das Zeug schmeckte. Aber darauf kam es ihm auch nicht an, sondern auf die Wirkung. Im Schnapsglas, oder besser gesagt auf dessen Boden fand er Vergessen.

Die alten Zeiten waren vor├╝ber und er war nicht mehr der Mann, der er einst war. Sein Haar wurde d├╝nner, er selbst wurde fetter und daran schien nichts auf der Welt etwas ├Ąndern zu k├Ânnen. Griesgr├Ąmig schaute er auf, als zwei neue G├Ąste die Spelunke betraten. Scheinbar lie├čen sie sich bewusst Zeit an der Theke.

Sollte das so weitergehen, dann w├╝rde seine n├Ąchste Schnapsrunde noch Stunden auf sich warten lassen. F├╝r einen Moment sah er einen der beiden Burschen an und irgendetwas klingelte in seinem Kopf. Er wusste nicht was, aber etwas kam ihm bekannt vor... vertraut... auf seltsame Art und Weise.

Eorur sch├╝ttelte sein ergrautes Haupt. Da war wohl mehr Wunschdenken und Einbildung im Spiel, als tats├Ąchliches Erkennen. Er nahm noch einen Schnaps und versank wieder in seinen tr├╝bsinnigen Gedanken.

Pl├Âtzlich riss ihn jemand aus seinen alkoholischen Zerstreutheiten. Eorurs Miene verfinsterte sich zusehends, bis der Tsacko erkannte. Den Schnorrer vom Dienst, der ├╝berschw├Ąnglich und gut gelaunt an seinem Tisch Platz nahm.

Auf die Frage "was machst Du hier ├╝berhaupt", zog Eorur nur fragend eine Augenbraue hoch und hob kurz sein Schnapsglas. Das h├Ątte er besser unterlassen, denn Tsacko w├╝rzte seinen Tropfen augenblicklich mit einem sch├Ânen Kotelettfettauge.

Die Augenbrauen von Eorur trafen mittlerweile fast seine Nasenwurzel, so sehr verfinsterte sich sein Blick. Tsacko schien davon aber nichts mitzubekommen, denn er bot ihm etwas zu Essen an. Einen Klo├č. Eorur hatte bereits sein Knurren auf den Lippen und wollte gerade ablehnen, als nicht sein Mund sondern sein Magen knurrte. Der war scheinbar v├Âllig anderer Meinung.

M├╝de strich sich der alte Haudegen ├╝ber das Gesicht. Er musterte kurz seinen Zaungast am Tisch und das Kotlett mit dem er Zeichen wie ein F├Ąhnrich gab. Wieso eigentlich nicht? In sein Schnapsglas starrte er jeden Abend, etwas Abwechslung w├╝rde ihm gut tun. Und falls Tascko ihn die letzten Nerven kostete, hatte er wenigstens einen Grund weiter zu saufen.

"Meinetwegen", brummte Eorur und folgte dem Gestaltwandler mit leicht schwankendem Gang.

Fr├╝her hatte er auch mehr vertragen, stellte Eorur bek├╝mmert fest. Dass der Schnaps in dieser Kaschemme h├Ąrter geworden war, wagte er stark zu bezweifeln. Bei Tsacko angekommen, stellte er fest, dass der fremde Kerl vom Tresen bei ihm sa├č. Jener Kerl der es in seinen besoffenem Kopf klingeln lie├č. Es klingelte immer noch bei Eorur, aber der Schnaps vernebelte sein Hirn.

Der alte S├Âldner murrte eine kaum verst├Ąndliche Begr├╝├čung und lie├č sich schwerf├Ąllig auf den Stuhl neben Tsacko fallen. Mit rot ge├Ąderten Augen schaute er den Wandler an.

"Nen Klo├č sagtest Du? Den k├Ânnte ich vertragen", murmelte Eorur und klopfte sich auf den Bauch.
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Re: Wolfsblut

#36

Beitragvon Fallon » So 3. Sep 2017, 23:36

Kaum nahm Fallon den ersten Bissen seines Essens, erhob sich Tsacko mit dem Kotelett in der Hand vom Tisch. Etwas verwunderlich war der Anblick durchaus. Ein Mann der sein direkt auf der Hand trug und damit quer durch den Schankraum der Taverne schlenderte. Scheinbar hatte Tsacko irgendwen gesehen den er kannte und wollte ihn unbedingt nerven. Dem Wolfswandler sollte es recht sein, so hatte er seine Ruhe vor dem K├Âter.

Auch wenn er sich den abwertenden Gedanken direkt wieder aus dem Kopf trieb, war es eine angenehme Abwechslung Tsacko einmal nicht sprechend zu h├Âren oder sich gar wie ein Wildling zu benehmen zu sehen. So lehnte sich Fallon zur├╝ck, nahm gen├╝sslich ein St├╝ck des Schweinebratens auf die Gabel und schob es sich zwischen die Lippen. Sofort zog ein wohliges Gef├╝hl der W├Ąrme von oben herab bis in sein Innerstes. Eine anst├Ąndige Mahlzeit, die gleich noch mit einem kr├Ąftigen Schluck Schwarzbier untermalt wurde. Fallons Gaumen war hocherfreut. Ein zufriedenes Seufzen entglitt seiner Kehle. Er musste unbedingt daran denken, dem Wirt Gr├╝├če und ein Dank f├╝r das l├Âbliche Mahl zu ├╝berbringen.

Seine Ruhe w├Ąhrte jedoch nicht lang, als Tsacko mit lauter Ank├╝ndigung wieder zum Tisch zur├╝ckkehrte. Im Schlepptau hatte er einen wankenden Mann. Die Alkoholfahne und der Geruch eines ungepflegten Lebens wehte um ihn herum. Etwas in seinem Duft schwang mit. Etwas einzigartiges. Das war der greisgr├Ąmige Kerl, den Fallon zuvor gesehen hatte! Der Wolfswandler hielt in jeder seiner Bewegungen inne und musterte den Neuank├Âmmling auf's genauste. Der Geruch, die Gesichtsz├╝ge. Doch nein, das konnte nicht sein. Sicherlich ein dummer Zufall.

Unter einem lauten Poltern lie├č sich der Mann auf den Stuhl neben Tsacko fallen. Fallon tat, als ob nichts w├Ąre und versuchte weiterhin herauszufinden, ob es wirklich er war. Vor ihm spielte sich jedoch ein Schauspiel ab, dass er nicht g├Ąnzlich einordnen konnte. Beinahe selbstverst├Ąndlich teilte Tsacko sein Essen mit dem Mann. Sie schienen sich zu kennen. Viel wichtiger war jedoch eine Frage: Kannte Fallon den Mann? Seine Stimme schien auch beinahe identisch. Kratziger als fr├╝her noch, aber der selbe Unterton.

Fallons Blick fixierte sich auf den Kopf des Mannes. Nebenbei griff seine Hand an den Krug Bier. Gerade als er das Getr├Ąnk an seine Lippen f├╝hren wollte, traf sich aus Zufall ihr Blick. Fallon hielt inne. Seine Gesicht weitet sich vor Schreck. Diese Augen. Wenn auch matt und glanzlos. Er erkannte sie unter Millionen anderen. Jeder Muskel wurde schwach. Der Krug glitt aus seiner Hand, das Getr├Ąnk versch├╝ttete sich ├╝ber seine R├╝stung. Sein Gesicht hatte jede Spannung verloren. Nur noch ungl├Ąubig starrte er ihn an. Vollkommen unter Schock gesetzt. Vor ihm sa├č Eorur.
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Re: Wolfsblut

#37

Beitragvon JEELEN » Mo 4. Sep 2017, 06:43

Eorur

Der alte S├Âldner hatte sich gerade schwerf├Ąllig auf den Stuhl fallen lassen, als ihn sein neuer Tischnachbar mit Argusaugen musterte. An seiner Sch├Ânheit konnte es nicht liegen, die war lange vorbei, falls er je welche besessen hatte.

Das Leben, der Verlust und vor allem der Alkohol hatten ihn gezeichnet. Aber der Alkohol war nur seine Reaktion auf einen Verlust der so lange her war und doch noch so gewaltig tief in seiner tonnenf├Ârmigen Brust schmerzte.

Das Starren des Mannes wurde seltsam. Vielleicht starrte er auch nur so, weil Eorur erb├Ąrmlich stank?

Sei es drum, dachte der alte Veteran. Was interessierten ihn die Nasen anderer Leute, sie sollten sie in ihre eigenen Angelegenheiten stecken, dann wurden sie auch nicht mit seltsamen Ger├╝chen bel├Ąstigt.

Der Bursche kam ihm dennoch seltsam vertraut vor. Eorur ├╝berlegte, ob er dem Kerl eventuell Geld schuldete, bei diesem intensiven Blick musste es schon eine etwas gr├Â├čere Summe sein.

An eine geprellte Zeche konnte er sich nicht erinnern. Seinen Schnaps zu bezahlen, war f├╝r ein eine Form des Anstands. Was er versoff, dass zahlte er auch.

Urpl├Âtzlich und aus heiterem Himmel entgleisten die Gesichtsz├╝ge seines Tischnachbarn. Sein Gegen├╝ber erschlaffte und zwar so schnell, schlagartig und nachhaltig, dass er sogar sein Bier versch├╝ttete! Eorur konnte es nicht fassen.

ÔÇ×Meine G├╝te, so pass doch auf! Das gute Bier!ÔÇť, brummte er missbilligend.

Er nahm seinem Tischnachbarn den Humpen aus der Hand und versuchte etwas davon durch Aufwischen mit der Hand aufzufangen. Einige Tropfen konnte er retten, aber der gro├če, sch├Âne mit Schaum gekr├Ânte Rest des Bieres hatte der Tollpatsch verloren. Den Krug samt geretteten Bier und einigem Dreck vom Tisch, stellte Eorur dem Kerl wieder vor die Nase.

ÔÇ×Besser versch├╝ttetes Bier als SchnapsÔÇť, sagte der alte S├Âldner und verpasste dem Burschen einen Knuff vor die Schulter.

Eorur zuckte zusammen. Irgendwie f├╝hlte sich diese Schulter vertraut an. Er konnte nicht sagen warum, aber scheinbar vertrug er den Schnaps wirklich lange nicht mehr so, wie in seinen jungen Jahren.

Er schnappte sich den Klo├č von Tsacko Teller und kaute gedankenverloren darauf herum, um seine Gedanken zu ordnen und nat├╝rlich um seinen Hunger zu stillen.
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Re: Wolfsblut

#38

Beitragvon Tsacko » Mo 4. Sep 2017, 09:38

"Oh nein, du und deine Grobmotorik! Mal ehrlich, du auf dem Schlachtfeld, du ├╝berlebst keine Stunde! Das ist echt kein Wunder, dass Grizzly dich fast aufgefressen h├Ątte. Zum Gl├╝ck war ich dabei, um dich zu retten."

Schockiert betrachtete Tsacko das versch├╝ttete Bier. Zum Gl├╝ck konnte Eo einen Teil davon retten, auch wenn nun ein paar Kr├╝mel vom Vorg├Ąnger und Ascheflocken darin schwammen.

"Puh, das war echt knapp! Schade drum, einfach nur schade!"

Das angenagte Kotelett, das er ihm hingehalten hatte, hatte Eo verschm├Ąht, was Tsacko ziemlich albern fand. Als ob er giftig w├Ąre. Er hatte schon zehntausendmal mit anderen Leuten seine Nahrung geteilt oder diese mit ihm. Er w├Ąre verhungert, wenn er da so zimperlich gewesen w├Ąre. Aber er wollte mal nicht so sein und schob ihm das andere zu den ├ťberresten seines Klo├čes hin.

"Da hab ich noch nicht abgebissen, lass es dir schmecken!"

Die anderen beiden waren ziemlich still und gucken komisch. Tsacko blickte zwischen ihnen hin und her und begann sich unbehaglich zu f├╝hlen. Eigentlich hatte er Eo dazugeholt, damit sie sich zu dritt unterhalten konnten und nun schwiegen die zwei Haudegen an seinem Tisch noch mehr als vorher. Tsacko sa├č dazwischen wie ein d├╝rrer Winzling, der fehl am Platz war, dabei war er doch in Wahrheit das Zentrum der Interaktion. Besonders Fallon schaute etwas seltsam drein. Er war erstarrt und glotzte. Lebte der ├╝berhaupt noch? Vorsichtshalber pikte Tsacko ihn mit der Gabel in die Hand, um zu schauen, ob er sich bewegte oder gerade einen Herzinfarkt bekommen hatte.
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Re: Wolfsblut

#39

Beitragvon JEELEN » Mo 4. Sep 2017, 09:56

Eorur

Nahm den Rest des Essens dankbar entgegen. Bei dem Kommentar musste der alte S├Âldner grinsen und bleckte dabei eine quittegelbe Kauleiste.

"Ob Du davon abgebissen hast, interessiert mich nicht. Das ist fettig und Fett hindert den Alkohol an seiner Wirkung. Daf├╝r bezahle ich den Schnaps doch nicht, dass der wirkungslos meine Kehle herunter rinnt", erkl├Ąrte Eorur schmatzend.

Allerdings war der Klo├č mit So├če auch nicht weniger fetthaltig wie er feststellte. Scheinbar kam nicht nur ihm, sondern auch Tsacko das Starren seltsam vor.
Eorur tippte Tascko mit einem fettigen Finger an.

"Tsacko Dein Begleiter kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich zermartere mir das Hirn, ich komme nicht drauf woher ich ihn kenne. Woher kennst Du den Kerl?", fragte der alte S├Âldner fl├╝sternd.

Allerdings fl├╝sterte er so, dass er sich das Fl├╝stern h├Ątte sparen k├Ânnen, zumal sein Tischnachbar auf der anderen Seite auch so nah genug gesessen h├Ątte um selbst ein tats├Ąchliches Fl├╝stern zu verstehen.
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Re: Wolfsblut

#40

Beitragvon Tsacko » Mo 4. Sep 2017, 13:10

"Den?", fragte Tsacko in normaler Lautst├Ąrke. "Den hab ich von der Stra├če aufgesammelt! Er hat sich in meinem Revier rumgetrieben und mich herausgefordert. Da ich aber kein Arschloch bin, und gesehen habe, dass er keine Chance hat, habe ich ihn mit einem blauen Auge davonkommen lassen."

Tsacko lachte und obwohl er sonst so entsetzlich ungepflegt aussah, waren seine Z├Ąhne perlwei├č, da er in letzter Zeit als Hund einige Knochen zur Zahnpflege geknabbert hatte. Er piekste Fallon noch immer hartn├Ąckig mit der Gabel. Da der sich immer noch nicht bewegte, bohrte er etwas mehr.

"Ich glaube, er ist gerade gestorben."
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