Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Die Sch├Âne und der Ghul

Ehveros war das wohlhabendste Gro├čherzogtum, hat aber im Krieg gegen das Chaos viele Truppen verloren. Ricarda von Ehveros versucht, ihren intriganten Vater auf dem Thron abzul├Âsen. Die Friedensverhandlungen der am Krieg beteiligten Parteien finden momentan hier statt.
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Baxeda
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Die Sch├Âne und der Ghul

#1

Beitrag von Baxeda » Do 30. Nov 2017, 13:36

Dies ist die tragische Geschichte der almanischen Edelfrau Gregoria von Hohnstein, die den Fehler beging, sich in einen Ghul zu verlieben, der ihren Ehemann zum Fressen gern hatte. Es ist eine Geschichte von Treue und Reue, von Treulosigkeit und Boshaftigkeit. Und es ist die Geschichte ├╝ber die Geburtsstunde der Rivalit├Ąt zwischen den beiden gr├Â├čten Hochschulen der Dunklen K├╝nste, die bis zum heutigen Tage nichts an Feindseligkeit verloren hat. Und zugleich ist es die Geschichte eines Herzens, das von der Wahl zwischen Liebe und Leidenschaft entzwei gerissen wird, weil es nicht beides haben kann.

Es begab sich in einer mittelgro├čen Stadt in Almanien kurz vor Einbruch des Winters. Dass ihr Angetrauter schon vor Jahrzehnten zum Vampir geworden war, wusste die junge Gregoria. Er verhielt sich jedoch freundlich zu ihr und weder fiel er im Blutdurst ├╝ber sie her noch bedr├Ąngte er seine Gattin, sich seiner Unsterblichkeit anzuschlie├čen. Er war ein vornehmer Vampir, fast bieder, wie ihn einige nannten. Genau genommen hatte er in all den Jahren nicht ein einziges Mal Interesse an Beischlaf mit ihr gezeigt. Die Gr├╝nde daf├╝r behielt er seit jeher f├╝r sich. Gregoria vermutete eine Verst├╝mmlung, denn seine Stimme war f├╝r einen Mann ungew├Âhnlich hoch und niemals zeigte er sich unbekleidet.

Nach Jahren der von Freundlichkeit gepr├Ągten, doch unerf├╝llten Ehe traf Gregoria bei der Kirmes in der Stadt auf einen exotisch aussehenden Fremden, der sich als H├Ąndler gab. Sein Gesicht war verschleiert, doch die Augen konnte Gregoria sehen. Sie waren dunkel wie Kaffee und seine Haut hatte die Farbe von Bronze. Er verkaufte allerlei neckische Waren, die ihr Interesse erweckten, Fetische aus den S├╝mpfen Alkenas, ausgestopfte Tiere der fremdartigsten Gestalt, bunte V├Âgel und Salamander. Als Gregoria mit ihm ins Gespr├Ąch kam, zeigte er ihr, was er nur f├╝r besondere Kunden unter dem Ladentisch bereit hielt: nekromantische Fabrikate, wie das singende Skelett eines V├Âgelchens, das er ihr schenkte und das ihr Trost spenden sollte, wann immer sie sich einsam f├╝hlte.

Die Stadtwachen wurden misstrauisch von dem heimlichen Getue um diesen Ladenstand und als sie erkannten, dass der Mann aus dem fernen S├╝dosten mit nekromantischen Waren sein Geld verdiente, drohten sie ihn in den Kerker zu werfen. Gregoria, die als Edelfrau von nicht geringem Einfluss war, nahm ihn jedoch unter ihren Schutz. Und w├Ąhrend sie mit den Wachleuten im Streite lag, entschwand der Fremde unbemerkt.

Als Gregoria sp├Ąter nach Hause kam, sa├č er in seinem W├╝stengewand auf der Treppe. Es war kalt, erste Flocken trudelten hinab und er hatte all sein Hab und Gut aufgeben m├╝ssen. Die F├╝├če steckten nur in Sandalen und er kr├╝mmte die Zehen, als sei ihm sehr kalt. Von Mitleid erf├╝llt nahm Gregoria ihn mit hinein ihn ihr Anwesen, reichte ihm hei├čen Wein, verfeinert mit edlen Gew├╝rzen und h├╝llte ihn in eine weiche Decke von feinstem Zobel. Auch sie selbst trank ein um den anderen Kelch, um sich zu w├Ąmen. Doch zu ihrem Bedauern lehnte er alle angebotenen Speisen ab, obwohl sein Magen vernehmlich knurrte. Das anfangs von H├Âflichkeitsfragen gepr├Ągte Gespr├Ąch wurde bald immer pers├Ânlicher und herzlicher. Der Fremde stellte sich als geb├╝rtigen Rakshaner mit dem Namen Kamal Ash Gahadi vor, der aus dem fernen S├╝dosten kam, wo man in Zelten hauste und auf Hy├Ąnen durch die W├╝ste ritt. Kamal hatte ein humorvolles, einnehmendes Wesen, ganz anders als ihr h├Âflicher, doch zu jeder Zeit k├╝hler Gatte und nach einiger Zeit nahm Gregoria Kamal mit in ihr Schlafgemach, wo sie die Nacht in Hitze und Leidenschaft verbrachten. Noch vor Sonnenaufgang machte sie die Betten frisch, wusch sich und verwies Kamal auf das Sofa, denn immer, wenn die Sonne aufging, kehrte ihr Mann von seiner Jagd nach Blut zur├╝ck.

Als der Gatte an diesem Morgen heimkehrte, fand er seine Gattin mit einem s├╝dl├Ąndisch aussehenden Manne beim Tee sitzend. Missbilligend zog er die Stirn in Falten, doch als Gregoria ihm erkl├Ąrte, in welcher Not der Fremde sich befunden hatte, beruhigte er sich wieder und zog sich in das auch bei Tage vollkommen abgedunkelte Schlafzimmer zur├╝ck, um nach der Jagd zu ruhen. Gregoria schien es, als w├╝rde Kamal in der Luft schnuppern, ja, Witterung aufnehmen, als ihr Gatte an ihnen vorbeiging und unweigerlich fragte sie sich, ob Rakshaner es riechen konnten, wenn einer zum Vampir geworden war. Kamal bat darum, sich noch bis zum Mittag auf dem Sofa ausruhen zu d├╝rfen, ehe er seine lange und beschwerliche Heimreise zu Fu├č antreten w├╝rde. Da Gregoria wohlerzogen war und Mitleid hatte mit ihm, der ohne Hab und Gut ├╝ber Wochen durch die Lande streifen w├╝rde, willigte sie ein. W├Ąhrend er sich ausstreckte begab sie sich in die K├╝che, um mit der Magd zusammen eine Reisetasche f├╝r den Fremden zu packen.

Pl├Âtzlich h├Ârte sie Schreie. War das ihr Gatte? Sie eilte ins Schlafzimmer. Zu ihrem Entsetzen waren die schweren Vorh├Ąnge aufgerissen worden. Ihr Mann lag r├╝cklings im Bett und versuchte sich mit ausgestreckten H├Ąnden vor den t├Âdlichen Strahlen zu sch├╝tzen, w├Ąhrend seine Finger gl├╝hten und dampften, die Haut sich aufrollte wie verbrennendes Papier. Auf ihm sa├č Kamal, einen krummen Dolch in der Hand. Er hielt inne, als er Gregorias angstvollen Aufschrei h├Ârte, sie riss die Vorh├Ąnge zu und eilte zu dem Bette hin, um ihrem Gatten zu helfen. Er lag da in den Kissen, schwer verwundet von der Sonne und Kamal war fort.

ÔÇ×Ein GhulÔÇť, st├Âhnte er. ÔÇ×Es war ein Ghul. Sie fressen die Toten und am liebsten jene, die als Vampir noch auf Erden wandeln.ÔÇť

Voll Reue widmete sich Gregoria der Pflege ihres Mannes. Der Gro├čteil seines K├Ârpers hatte unter der Decke gelegen und war so gesch├╝tzt gewesen. Aber er verlor beide Arme bis kurz unter die Schultern, wo die Verbrennungen zu stark gewesen waren, um je wieder heilen zu k├Ânnen. Doch das gr├Â├čte Problem war, dass ihr Gatte nun nicht mehr jagen konnte, wo er doch so dringend Blut ben├Âtigte, um seinen geschundenen K├Ârper zu regenerieren! Also bot Gregoria ihm das ihre, um ihn zu retten und so wurde sie an jenem Tage selbst zum Vampir. Nat├╝rlich reichte diese Menge nicht und so schickte ihr Mann sie mit schwacher Stimme aus, Kontakt zu den Br├╝dern und Schwestern der Schatten aufzunehmen.

Man brachte die vampirischen Eheleute nach Nebreszko, einer Schule der Dunklen K├╝nste, hineingeschlagen in die sturmgepeitschten Klippen am s├╝dlichen Meer. Hier erfuhr Gregoria, dass ihr Mann Professor im Ruhestand war und fr├╝her Nekromantie unterrichtet hatte. Bevor er diese Macht mit seiner Verwandlung zum Vampir verlor, war er ein Gro├čer unter den Totenbeschw├Ârern gewesen. Man pflegte ihn und reichte ihm Blut, bis er wieder imstande war, f├╝r sich selbst zu sorgen, so weit das ohne Arme m├Âglich war. Den Rest der Pflege ├╝bernahm seine Frau. Sie bereute, den Ghul bei sich aufgnommen zu haben und sie bereute die gemeinsame Nacht. Und doch tr├Ąumte sie immer wieder von seinen dunklen Augen, in denen die Hitze Rakshanistans zu brennen schien und sie hasste sich daf├╝r.

Umgeben von den Gro├čmeistern der Dunklen K├╝nste und von umfangreichen Bibliotheken, begann Gregoria selbst zu studieren, um ihr brennendes Herz zu vergessen. Ein Vampir konnte keine Nekromantie beherrschen, doch sie lernte die geheime und verbotene Sprache, Demonai, zu verstehen und weiter zu geben. Diese Sprache war notwendig, um Nekromantie zu erlernen. Sie wurde so gut darin, dass sie als Dozentin selbst Demonai zu unterrichten begann und bald ├╝bertraf sie alle, die sonst diese Sprache beherrschten. Und so wurde sie nach einigen Jahren, in denen sie Trost und Vergessen in ihrer Arbeit suchte, gar Dekanin der Hochschule f├╝r Dunkle K├╝nste im windumtosten Nebreszko.

Kurz nach ihrer offiziellen Ernennung erhielt sie einen Brief von dem Dekan einer anderen Dunklen Schule. Darin stand geschrieben:

ÔÇ×An ihre Spektabilit├Ąt Dekanin Gregoria von Hohnstein. Ich ├╝bermittle meiner neu ernannten Kollegin einen respektvollen Gru├č und die besten Gl├╝ckw├╝nsche f├╝r ihre ehrenvolle Aufgabe. M├Âge Rakshor mit Euch sein. Hochachtungsvoll, Kamal Ash Gahadi, Dekan der Akademie f├╝r Nekromantie, Serband im Jahre 118 nach der Asche. P. S. Ich hoffe, Eurem Gatten geht es wieder gut. Ich habe mir erlaubt, einen seiner Finger, den ich an dem schicksalstr├Ąchtigen Tage entwenden konnte, s├Ąuberlich abgenagt und vor der Sonne gesch├╝tzt in einen kn├Âchernen Anh├Ąnger zu betten, den ich fortan um meinen Hals trage. F├╝r den Fall, dass Ihr dieses Kleinod zur├╝ck haben m├Âchtet, hei├če ich Euch in Serband willkommen und biete Euch Unterkunft in meinen privaten Gem├Ąchern.ÔÇť

Voller Zorn verbrannte Gregoria den Brief in den Flammen des Kamins. Dies war die Geburtsstunde der erbitterten Rivalit├Ąt zwischen den beiden Schulen, die bis zum heutigen Tage anh├Ąlt. Der Gatte Gregorias wird seither der armlose Zauberer genannt. Er unterrichtet die Kunst der Geistmagie als eine Koryph├Ąe seines Fachs. Denn ohne Arme ben├Âtigt man andere Wege, seinen Alltag zu bew├Ąltigen. Sein Geist wurde seine st├Ąrkste Waffe.

Jedes Jahr findet seit dieser Zeit in der geheimen Knochenarena ein magischer Wettstreit statt, in welchem die Studenten aller Dunklen Schulen im sportlichen Wettkampf gegeneinander antreten. Die Siegestroph├Ąe ist das kn├Âcherne Medaillon mit dem eingeschlossenen Finger, welches der Dekan der siegreichen Schule bis zum n├Ąchsten Jahr stolz um seinen Hals tr├Ągt.

Ob Dekanin Gregoria von Hohnstein je der Einladung stattgab, Kamal in seinen privaten Gem├Ąchern zu besuchen, dar├╝ber schweigen die Aufzeichnungen. Bekannt ist nur, dass sie, wie die rakshanischen Frauen es tun, bisweilen ein im Nacken von einem Knoten zusammengehaltenes Kopftuch tr├Ągt, welches er ihr zum ersten Sieg ihrer Hochschule zusammen mit dem Medaillon ├╝berreichte. Zu diesem Ereignis hatte er sein Gesicht befreit von dem keuschen Schleier, so dass sie sein charmantes L├Ącheln sah und seine wei├čen Z├Ąhne.
"Lieber ein lebender Feigling als ein toter Held."
Avatar mit freundlicher Genehmigung von: http://direwrath.deviantart.com/

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