Wider der Hohen Magie
Asamura begann als klassische High-Fantasy-Welt. Sie war die Schöpfung von Göttern. Die Mächte der Ordnung und des Chaos zeigten sich auf ewig verfeindet. Dieser Konflikt wurde auch von den Sterblichen auf Asamura ausgetragen. Neben den Menschen waren das die üblichen EDO-Völker (Elves, Dwarfes, Orcs). Als Kulisse für ein Forenrollenspiel gedacht, sollten die Spieler viele vertraute Elemente vorfinden, um sich schnell einzuleben.
Doch je mächtiger die Götter, umso bedeutungsloser die Taten der Sterblichen. Ein Zustand, mit dem ich mich arrangierte, aber wenig glücklich war. Um auf einer von Göttern beeinflussten Welt etwas zu bewegen, muss eine Figur selbst von beinahe gottgleicher Macht sein. Eine Blaupause für Powerplay mit immer mächtigeren Magiern, denen eine normale Figur nichts entgegenzusetzen hatte, nicht einmal ihren Verstand, denn auch ihre Gedanken konnten von Magiern im Vorbeigehen gelesen und manipuliert weden. Ich hatte noch nie Interesse an solchen übermächtigen Figuren.
So mag es nicht verwundern, dass mit dem Schwinden der letzten Spieler im Jahr 2022, mit welchem auch eine plötzliche weltenbastlerische Freiheit verbunden war, Asamura sich wandelte - von seiner göttlichen Schöpfungsgeschichte hin zu einer Welt, die von der Natur geschaffen und vom Menschen nach dem Vorbild der Erde terraformiert wurde. Die Chronik bekam eine neue Struktur. Götter wurden zu Mythen, Magier von Hexenjägern entmachtet. Der Zenit ihrer Herrschaft liegt nun in der Vergangenheit, im zweiten Zeitalter der Asche.
Heute, im Dritten Zeitalter der Asche, sind Hexer auf Asamura selten und weniger machtvoll als ihre Vorfahren. Es ist die Zeit, in der Magie nur ein Machtfaktor von vielen ist, aber nicht mehr jener, welcher den Ausschlag gibt. Jene, die nach Macht hungern, müssen nun ihren Verstand gebrauchen, denn ihre angeborenen Fähigkeiten werden ihnen nicht länger die Arbeit abnehmen.
Mit diesem Zustand, in dem Magie nicht mehr das Weltgeschehen dominiert, bin ich zufrieden. Nun ist Raum für andere Themen, die ich interessanter finde, wie die Relikte der Vorzeit, die von alchemistischer Elektrizität betrieben und nur von wenigen Spezialisten verstanden werden. Man kann sie nutzen, doch nicht reproduzieren, was sie zu einem Machtfaktor der besonderen Art macht.
So war der Wandel hin zu Science Fantasy abgeschlossen. Ein Genre, welches in meinen Augen vielseitiger und interessanter ist als High Fantasy, und dass ich auch lesend viel lieber mag.
Die Gelehrten von Asamura vermuten, dass in wenigen Generationen überhaupt keine Magie mehr gewirkt werden kann, während die Wissenschaft, allen voran die Alchemie und die Mechanik, weiter voran schreitet.