Der Tod des Inspektors


Das Geisterhaus
Die Geister sind eine erfolgreiche und wohlhabende Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bietet das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause für Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen sind absolute Loyalität und Verschwiegenheit - sonst endet man rasch selbst auf der Todesliste.
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Davard von Hohenfelde
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Der Tod des Inspektors

#1

Beitragvon Davard von Hohenfelde » So 3. Dez 2017, 21:16

Der Tod des Inspektors


Yessi musterte Dave und Varmikan. Die Magierin schenkte dem Almanen ein Lächeln, dass jedem anderen einen Schauer über den Rücken jagte. Varmikan verzog keine Miene und schob sich schützend vor seinen Mann.

„Wen haben wir denn da? Unser neustes Gildenmitglied samt Verstärkung. Schön Dich wieder zu sehen, ganz ohne Goblin“, säuselte die Frau.

Yessi löste sich mit einer lasziven Geste von der Wand und schlenderte in aller Seelenruhe auf Dave zu. Sie kam ungefähr drei Schritte weit, als hinter ihr auf dem Boden eine schneeweiße Gestalt landete, sich blitzartig aufrichtete und ihr brutal in die nachtschwarzen Haare griff. Yessis Kopf wurde rücksichtslos in den Nacken gerissen und eine Klinge ritzte ihre empfinde Haut an der Kehle. Ein Frostalb schob seinen Kopf neben den von Yessi und musterte sie eisig. Die Aktion hatte nicht einen Atemzug gedauert.

„Einhalt!“, befahl eine Stimme aus einer Seitengasse und ein weiterer Frostalb trat aus dem Schatten. Er war älter, hager, trug Robe und war in Begleitung von zwei weiteren Magiern.

„Grund?“, hakte der Frostalb nach, der die Magierin in seiner Gewalt hatte. Zur Unterstreichung seiner Frage legte um einen Millimeter den Kopf schief.

„Sie untersteht mir“, erklärte Indraneel.
„Unterstand…“, korrigierte Mejdineel.

„Sie untersteht dem Schutz des Ordum Oculum Bruder“, hielt Indraneel dagegen.
„Lauf“, wies der Mejdineel Varmikan an.

Varmikan starrte seinen Onkel an und schüttelte langsam den Kopf. Während sich die Ohrenspitzen von Mej vor Wut rosa färbten, stahl sich ein breites Grinsen in Indraneels Gesicht.

Indraneels verhangener Blick wanderte von Mejdineel zu Varmikan und zurück, dabei grinste er noch breiter, geradezu zähnefletschend.

„Gib mein Eigentum frei Bruder. Letzte Warnung. Dann verschone ich Deinen Anhang. Ansonsten trag die Konsequenzen. Der Orden verschont keine Verräter, dass weißt Du“, bot der ältere Frostalb an.
„Deal“, stimmte Mej zu.

Mejdineel gab Yessi frei. Keine Sekunde später trat er ihr mit voller Wucht ins Kreuz. Die Magierin flog Indraneel in die Arme und räumte ihn samt Ben wie ein Geschoss aus dem Weg.

Die Drei krachten als ein Knäul hart zu Boden. Mej verschwendete keinen Gedanken an die Frau. Der Frostalb wartete nicht ab, sondern schleuderte sofort seinen Streitkolben dem noch stehenden Farisin vor den Schädel. Mit schmatzenden Knirschen drang die Waffe in den Kopf des Farisin ein. Der Schädel des Echsenwesens gab nach und gefällt stürzte der Feuermagier tot zu Boden.

„Scheiße“, keuchte Indraneel und befreite sich mit harten Tritten von Yessi und Ben, die ihm eindeutig zu lahmarschig auf die Beine kamen. Er legte beim Wegkrabbeln den Rückwärtsgang ein und bereute schlagartig ohne sein Frostalben-Stab losgezogen zu sein.

„Richtig“, pflichtete Mej bei, der mit einem gedrehten Seitwärtssprung bei der Gruppe landete.

Yessi brüllte wütend auf, während Ben erschrocken aufkreischte. Der Frostalb packte Ben am Schlafittchen seiner Roben, riss ihn auf die Beine und presste ihm brutal die Daumen in Augen.

Binnen Sekunden überzog Eis den Schädel des feindlichen Magiers und ließ ihn verstummen. Mit einem kurzen Ruck brach Mej dem Menschen das Genick.

Die Almanin rannte was ihre Beine hergaben, aber ein Dolch bohrte sich in ihre Schulter. Die Frostalbin die ihn vom Dach aus geworfen hatte, schaute der Menschenfrau nach, die sich taumelnd um die Ecke retten wollte.

Mej grinste Zähnefletschend.

Yessi schoss um die Ecke und prallte gegen einen schneeweißen Pelzbauch. Einen winzigen Augenblick später schlossen sich die gewaltigen Kiefer von Pranke um ihre Schulter. Der Eisbär schleuderte die Magierin mit solcher Wucht hin und her, dass man ihre Knochen brechen hörte. Das riesige Tier ließ sich wieder auf alle Viere herab und begann zu fressen.

Indraneel starrte das Schauspiel fĂĽr einen Moment an, ehe ein Schatten auf ihn fiel. Der Frostalb starrte nach oben und schaute Mejdineel ins Gesicht.

"Gnade", keuchte der ältere Alb und zeigte die offenen Handflächen.
"Ordum Oculum, Statuten - Regel 2, Absatz 1", gab Mejdineel zurĂĽck.

Mej trat unter den Streitkolben, so dass die Waffe hochgewirbelt wurde und fing ihn mit einer Hand auf. Aus der gleichen Bewegung heraus, schlug er Indraneel ohne zu zögern den Schädel ein.

Der Frostalb schaute kurz auf sein Werk, ehe er Varmikan musterte.

"Dein Hochzeitsgeschenk... nachträglich", sagte Mej freundlich.
"Danke", antwortete Varmikan total fassungslos.

"Was ist der Ordum Oculum?", fragte Dave.
"Geheim", gab Mej zurĂĽck.

"Ehm... in Ordnung. Was besagen die Statuten, Regel 2, Absatz 1?", fragte Dave neugierig.
"In einer Welt wo das Versagen des Einzelnen den Tod aller bedeuten kann, darf es keine Gnade geben. Und jene die es wagen Gnade zu erbitten, sind niemals Gnade wert", antwortete Mej, räusperte sich.

Er musterte Dave eingehend ehe er sich an Varmikan wandte und eine Augenbraue hochzog. Varmikan schĂĽttelte kaum merklich den Kopf und schob sich vor Dave.

"Zugehört hm? Geh in Frieden mit Deinem Mensch", erklärte Mej.

Der ältere Frostalb verschwand so schnell wie er aufgetaucht war.
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