Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Die Wiedererweckung des Brandur von Hohenfelde

Die einstige naridische Adelsfamilie von Hohenfelde beschloss, die blutige Vergangenheit hinter sich zu lassen und in Souvagne einen Neuanfang zu wagen. Mit von der Partie sind die verb├╝ndeten und verwandten Familien von Wigberg und von Eibenberg.
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Alexandre de la Grange
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Die Wiedererweckung des Brandur von Hohenfelde

#1

Beitrag von Alexandre de la Grange » Fr 1. Jun 2018, 17:55

Alexandre kniete vor dem steinernen Abbild Ainuwars, die Finger ineinander verschr├Ąnkt und tief im Gebet versunken. Seine Lippen bewegten sich lautlos, die Augen hielt er geschlossen. Ein d├╝nner Schwei├čfilm gl├Ąnzte in seinem Gesicht, obwohl es hier unten in den Gew├Âlben stets k├╝hl war.
Ciels Gebet war l├Ąngst zu Ende. Er hatte es kurz und pragmatisch formuliert gehabt. Er hatte Ainuwar angerufen, ihn dazu angehalten, das Ritual gelingen zu lassen und gefleht, dass sein Mentor es ├╝berleben mochte. Was Alexandre all die Zeit lang mit der Gottheit vereinbarte in seiner lautlosen Zwiesprache, war dem Prince unbekannt. Das Gebet w├Ąhrte nun schon ├╝ber eine Stunde. Insgeheim fragte Ciel sich, ob sein Meister sich vielleicht f├╝rchtete und darum Zeit schinden wollte, doch dann schalt er sich selbst einen Narren. Alexandre sp├╝rte keine Angst. Er war es selbst, der sich f├╝rchtete. Er unterbrach ihn daher nicht und wartete, bis sein Lehrer sich von allein wieder erhob. Endlich war es so weit. Ciel hatte auf diesen Augenblick gewartet, aber nun erfasste ihn noch gr├Â├čere Furcht als zuvor, denn nun w├╝rde es beginnen.
┬╗Ich gestatte dir, das Ritualmesser f├╝r mich zu tragen┬ź, sprach der Erzhexer, w├Ąhrend sein Blick unruhig hin und her huschte, aber niemals dem seines Sch├╝lers begegnete.
┬╗Meister...┬ź, begann Ciel, doch wurde sogleich unterbrochen.
┬╗Ruhe. Ich w├╝nsche keine Sentimentalit├Ąten. Die Risiken einer Wiedererweckung sind allen Teilnehmern bekannt. Die Verantwortung trage ich allein und sie ist entsprechend in guten H├Ąnden, also ├╝be dich in Gelassenheit.┬ź
Der Prince schwieg. Gern h├Ątte er sich noch einmal in aller Form von seinem Mentor verabschiedet, nur f├╝r den Fall, dass dieser bald nicht mehr unter ihnen weilte. Es gab so vieles, was er Alexandre noch hatte sagen wollen, doch es war ihm nicht gestattet. Der Meister allein hatte die Hoheit ├╝ber alle heutigen Abl├Ąufe inne.
Ciel biss sich so fest auf die Unterlippe, dass ein d├╝nner Blutfaden sein Kinn hinablief. Erst jetzt erbarmte der Meister sich, doch noch einen letzten Augenblick innezuhalten.
┬╗Ich wei├č, dass dass du besorgt bist, weil ich in keinem guten k├Ârperlichen Zustand bin. Nachdem ich in den letzten Jahren gleich zwei Wiedererweckungen durchgef├╝hrt habe, ist mein K├Ârper aufgezehrt. Aber ich ben├Âtige jetzt keine Abschiedsworte, die mich an mein nahende Ende denken lassen. Unsere Kunst schenkt Leben, auch wenn sie mir selbst den Tod bringen kann. Dieses Leben zu schenken ist, wof├╝r ich hier bin, denn auf keine andere Weise ist es mir verg├Ânnt, mein Erbe auf Asamura zu hinterlassen.┬ź
┬╗H├Ąttest du gern Kinder gehabt?┬ź, fragte Ciel leise und wischte sich das Blut vom Kinn.
┬╗Du sollst dein Blut nicht abwischen, sondern auflecken, um das Eisen im K├Ârper zu halten. Ein eventueller Kinderwunsch meinerseits steht nicht mehr zur Debatte. Aber es erf├╝llt mich mit einer gewissen Zufriedenheit, dass meine Lehre in dir weiterleben wird. Was andere ihren S├Âhnen beibringen, habe ich dir hoffentlich ein wenig beibringen k├Ânnen.┬ź
Ciel machte einen Schritt nach vorn, schlang die Arme um Alexandre und dr├╝ckte ihn an sich. Er merkte, dass sein Lehrer die Umarmung nicht mochte und dass er ihn wegschieben wollte. Aber Ciel war st├Ąrker, obgleich er einen halben Kopf kleiner war. Alexandre war vollkommen untrainiert bis hin zu Anzeichen von Muskelschwund. Das Fleisch auf seinem von Natur aus breiten Kreuz war ganz weich. Ciel dr├╝ckte ihn an sich, um seinen Herzschlag zu sp├╝ren. Tats├Ąchlich war der Meister dank der Meditation k├Ârperlich ganz ruhig. Wetter zitterte er, noch raste sein Herz.
┬╗Sag jetzt nichts┬ź, bat Alexandre. ┬╗Bitte. Ich wei├č, was du sagen willst. Es w├Ąre f├╝r mich nicht zu ertragen.┬ź
Ciel nickte. Er erf├╝llte den Wunsch seines Lehrers und schwieg, w├Ąhrend er Alexandres N├Ąhe regelrecht in sich aufsog. Der Erzhexer lie├č es ├╝ber sich ergehen, bis der Prince von allein wieder von ihm ablie├č. Ciels Gesicht dr├╝ckte eine Gefasstheit aus, die er mitnichten empfinden konnte. Er trat einen Schritt zur├╝ck und verneigte sich respektvoll, dann holte er die lange schmale Kiste, in welcher sich Alexandres Ritualmesser befand.
Der Meister gab den Weg vor und sein Sch├╝ler folgte ihm. Beide trugen die Roben, welche sie als Bluthexer auswiesen - Ciel die dunkelgraue Adeptenrobe, die er schon bald durch die schwarze Robe des Hexers ersetzen w├╝rde und Alexandre war in Dunkelrot gewandet. Sie trugen die Kapuzen auf dem Kopf und das Zingulum um die H├╝fte, einen Strick, der als G├╝rtel diente und f├╝r die Entsagung vom Weltlichen stand.
Verstohlen blickte Ciel auf Alexandres R├╝cken. Er ging aufrecht und z├╝gigen Schrittes. F├╝r seinen Herrn zu bluten war, wof├╝r der Erzhexer lebte, daf├╝r, den k├╝mmerlichen Rest seines Lebens zu opfern, damit Souvagne weiterbestehen konnte. Sein Verm├Ąchtnis. Nur, dass die heutige Wiedererweckung nicht Souvagne diente, sondern einem Naridier. Einem von Hohenfelde, der au├čer der Tatsache, dass er der Schwiegervater eines der Prinzen war, nichts mit dem Haus Souvagne zu tun hatte. Ciel merkte, dass er vor Wut das K├Ąstchen fester hielt als n├Âtig. Das war nicht, wof├╝r die Bluthexer gedacht waren, das war nicht, wof├╝r er Alexandre opfern wollte! Doch er war lediglich ein Adept, wenngleich von blauem Blut, so doch im Tempel nur ein Sch├╝ler unter vielen. Er w├╝rde Alexandres Konzentration nicht st├Âren, indem er seine Bedenken aussprach, unw├╝rdig herumjammerte oder die l├Ąngst gef├Ąllte Entscheidung diskutierte. Er hatte als Prince alles, was er sich w├╝nschte, und doch bekam er nun zu sp├╝ren, wie es war, vollkommen machtlos zu sein.
Sie betraten das Vivarium, wohin die Novizen Brandurs K├Ârper verfrachtet hatten. Der Raum war von unten beheizt, damit der gefrorene Leichnam auftaute. Das hatte einen gesamten Tag gedauert. Der Korpus lag entkleidet auf dem R├╝cken, die H├Ąnde auf der Brust gefaltet, ein Leinentuch ├╝ber der H├╝fte. Die Totenkleidung hatten die jungen Bluthexer, welche mit den Vorbereitungen beauftragt gewesen waren, gefaltet und auf das Tablett gelegt, welches die kleinere Statue auf den H├Ąnden hielt und das als Altar diente.
Bevor die anderen Teilnehmer gerufen wurden, vergewisserte sich Alexandre, dass alles seine Ordnung hatte. Die Kerzen standen ebenso bereit wie das R├Ąucherwerk. Das Vivarium war sauber geputzt bis in die letzte Gesteinsfuge und die Statuen ge├Âlt worden, um sie zu ehren und zu pflegen. Alexandre kniete sich am Kopfende des Leichnams nieder. Er hielt eine Hand ├╝ber die kalte Stirn des alten Mannes, f├╝hlte mit geschlossenen Augen und schien auf diese Weise die Luft ├╝ber dem gesamten K├Ârper zu ertasten. In Wahrheit sp├╝rte er nach dem Blut.
┬╗Die Kerntemperatur ist ausreichend hoch, gen├╝gend Blut ist vorhanden. Das Ableben erfolgte nicht aufgrund von externem Blutverlust, sondern aufgrund innerer Verletzungen, die innere Blutungen zur Folge hatten. Der Freiherr von Hohenfelde ist verblutet, ohne das Blut nach au├čen zu verlieren; es befindet sich nach wie vor im Inneren seines K├Ârpers. Die Voraussetzungen einer Wiedererweckung sind somit gegeben. Also lass uns beginnen. Bitte die Teilnehmer herein.┬ź
┬╗Ja, Meister.┬ź
Ciel begab sich ins Refektorium, den Speisesaal und Versammlungsraum des Tempels. An der langen Holztafel sa├čen sein Vater Duc Maximilien de Souvagne und Benito, der Heiler des Gro├čherzogs. Ciel hatte ihnen Tonbecher und eine Kanne Wasser hingestellt, von dem sie getrunken hatten. Es war eigentlich nicht ├╝blich, dass au├čer dem Erzhexer und seinem Gehilfen jemand den Ritualen beiwohnte. Die Bluthexerei war eine blutige und finstere Kunst, die sich schamvoll verborgen hielt. Man ahnte, dass die Bluthexer da waren und doch merkte man kaum etwas von ihnen. Sie vergossen schweigend ihr Blut, ohne Dank oder Anerkennung daf├╝r zu w├╝nschen. Es gen├╝gte ihnen, wenn man sie in Ruhe lie├č, anstatt dass sie sich f├╝r ihre selbstsch├Ądigende Arbeit rechtfertigen mussten, die dem Wohle der Allgemeinheit diente und doch verachtet wurde. Aber heute wohnte Duc Maximilien jenem Ritual bei, bei welchem der Erzhexer die h├Âchstm├Âgliche Macht demonstrieren w├╝rde, zu der diese Art der Magie f├Ąhig war. Heute w├╝rde er das erste Mal mit eigenen Augen sehen, was der verrufene Bund von Bluthexern wahrhaft f├╝r Macht innehatte.
┬╗Darf ich Euch bitten, mir zu folgen?┬ź, fragte Ciel seinen Vater und den Heiler h├Âflich.
Als sie das Vivarium betraten, kniete Alexandre bereits nackt hinter dem Kopf des Leichnams, die H├Ąnde vor dem Schritt verschr├Ąnkt und in Meditation versunken. Kerzen und R├Ąucherwerk waren entz├╝ndet. Die Nacktheit w├Ąhrend der Rituale war einer der Gr├╝nde f├╝r den negativen Ruf, den die Bluthexerei genoss und Ursache obsz├Âner Witze, so wie die regelm├Ą├čigen Selbstgei├čelungen. Tats├Ąchlich gab es f├╝r all dies jedoch einen pragmatischen Grund. In dem Falle, weil Eigenblut die wichtigste Zutat war und jeder einzelne Tropfen wertvoll. Ein Bluthexer konnte je Zauber nur eine bestimmte Menge seines Lebenssaftes opfern, ohne selbst gr├Â├čeren Schaden zu nehmen. Entsprechend durfte nichts vergeudet werden. Kleidung sog das kostbare Blut auf und war daher aus den gro├čen Ritualen verbannt.
Ciel wies wortlos auf die steinerne Bank, die in die Wand eingelassen war. Sein Vater und Benito nahmen dort Platz. Sie waren instruiert worden, keinesfalls die Konzentration des Meisters zu st├Âren. Das R├Ąucherwerk verstr├Âmte seinen herben, harzigen Duft. Ciel nahm in der N├Ąhe seines Meisters Aufstellung, das ausgepackte Ritualmesser in beiden H├Ąnden vor sich haltend. Alexandre meditierte nach der kurzen St├Ârung noch eine Weile, ehe er die Hand ausstreckte. Das Ritual konnte beginnen.
Ciel reichte ihm das Werkzeug. Jeder Bluthexer bevorzugte eine andere Art von Klinge, doch die meisten Ritualmesser erinnerten an schwarze, krumme Skalpelle. Das Messer Alexandres war etwas gr├Â├čer, extrem gekr├╝mmt, fast wie ein Haken, die schmale Klinge geschw├Ąrzt und rasiermesserscharf.
Er wartete nicht, bis Ciel wieder an seinem Platz stand. Er stach er die hakenartige Spitze hinter dem Ohr tief in seinen Hals. Dann zog er sie in einer glatten Bewegung nach vorn und schlitzte sich von einem Ohr zum anderen die Kehle auf. Augenblicklich wurde sein Gesicht wei├č. Eine rote Sch├╝rze von Blut breitete sich auf seiner vernarbten Brust aus. Doch es blieb nicht lange dort. Als roter Nebel stieg der Lebenssaft von ihm auf, als w├╝rde es von seiner Haut verdampfen. Binnen kurzer Zeit konnte man kaum die Hand vor Augen sehen, die Luft schmeckte nach Eisen. Schaudernd sp├╝rte Ciel den Lebenssaft seines Meisters bei jedem Atemzug in seine Lungen dringen. Ein unangenehm warmer Windhauch, wie ein gro├čes Ausatmen, brachte die Luft dazu, um den Bluthexer zu zirkulieren, der stoisch am Kopfende des Toten kniete, nur noch ein Schemen im roten Nebel.
Der Dampf verdichtete sich und nahm ├╝ber dem Toten die Gestalt eines schwebenden Menschen an. Brandurs Seele wurde aus dem Nexus zur├╝ck ins Diesseits gezerrt. Die Sicht wurde frei, alles Blut sammelte sich an diesem Punkt. Die rote Gestalt legte sich auf den Toten, wo das Blut kondensierte, so dass der Leichnam v├Âllig vom Blut ├╝berzogen wurde. Die Finger begannen zu zucken, dann auch das Gesicht.
Im gleichen Ma├če, wie das Leben in den Verstorbenen zur├╝ckkehrte, wich es aus Alexandre. Sein Kopf sank mit geschlossenen Augen auf seine narbige Brust und er hatte sichtlich M├╝he, sich weiterhin aufrecht zu halten.
┬╗Er soll aufh├Âren┬ź, rief Benito dazwischen. ┬╗Es ist genug!┬ź
Doch Alexandre beachtete ihn nicht. Seine Arbeit war keineswegs beendet, es reichte noch nicht, um Brandur endg├╝ltig zur├╝ckzurufen. Noch hatte er nicht genug geblutet.
Das Blut aus seinem offenen Hals schwebte wie ein Band zu dem Toten, kroch in dessen Nase und Mund. Brandurs Kiefer ├Âffnete sich und er schnappte nach Luft wie ein Ertrinkender, mehrmals hintereinander, ehe seine Atmung sich r├Âchelnd normalisierte. Seine schlaffen Gesichtsz├╝ge strafften sich, die eingefallenen Wangen nahmen Form an.
Das Gegenteil erlebte der Erzhexer. Kraftlos, als w├╝rde er jeden Augenblick in sich zusammensinken, legte Alexandre die Fingerspitzen auf Brandurs Glatze. Ein letztes Mal sammelte er all seine Konzentration, sp├╝rte nach den Vitalfunktionen und wirkte die Heilung der t├Âdlichen inneren Verletzungen. Brandur hustete und rollte den Kopf hin und her, bewegte die Arme und Beine wie jemand, der einen Alptraum durchlebt, aus dem er versucht, zu erwachen. Alexandre half ihm ├╝ber die letzte Schwelle.
Als Brandur endlich mit flatternden Lidern die Augen aufschlug, hob Alexandre kaum sichtbar die Hand. Sofort eilten Benito und Ciel an seine Seite.
W├Ąhrend Benito Brandurs weitere Rettung ├╝bernahm und die Heilung des verletzten K├Ârpers vollendete, damit er nicht sofort wieder starb, lie├č Ciel Alexandre gegen seine Brust sinken, schnitt sich die Pulsadern am Handgelenk auf und presste seine blutige Hand auf Alexandres auseinanderklaffenden Hals. Unter seiner Ber├╝hrung begann sich die Wunde zu verschlie├čen und der weitere Blutverlust wurde fast sofort gestoppt. Kurze Zeit sp├Ąter zeugte nur noch eine Narbe davon, was der Erzhexer sich soeben angetan hatte, um Linhards Vater zur├╝ckzurufen.
W├Ąhrend Brandur sich keuchend und zitternd aufsetzte, blieb Alexandre regungslos, schlaff und schwer in Ciels Armen liegen und r├╝hrte sich nicht mehr.
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Linhard von Hohenfelde
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Re: Die Wiedererweckung des Brandur von Hohenfelde

#2

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » So 3. Jun 2018, 01:03

Brandurs R├╝ckkehr

Brandur von Hohenfelde
Es klopfte an den Gem├Ąchern von Linhard und Gregoire.

Gaston
Gaston begab sich zur T├╝r und ├Âffnete diese. "Ja?", sagte er h├Âflich und schaute den Mann freundlich an.

Brandur von Hohenfelde
Vor der T├╝r Stand ein junger Mann im Alter von ungef├Ąhr 20 Jahren. Er trug schwarze Kleidung nach naridischer Art, dazu einen Dreispitz und einen Gehstock. Sein Haupt zierte volles, dunkelblondes Haar, welches mit einer Schleife zu einem Zopf gebunden war. ┬╗Guten Abend. Ich m├Âchte gern mit seiner Hoheit Prince Linhard sprechen.┬ź

Gaston
verbeugte sich kurz. "Sehr wohl, wen darf ich ank├╝ndigen?", fragte er resepktvoll.

Brandur von Hohenfelde
Brandur schmunzelte. ┬╗Wenn du die G├╝te h├Ąttest, einen lange vermissten Verwandten vorzustellen? Ich wei├č, dies ist nicht die ├╝bliche Art, aber ich m├Âchte Linhard die ├ťberraschung nicht verderben.┬ź

Gaston
Gaston nickte. "Sehr wohl", sagte er freundlich und ging zur├╝ck in die Gem├Ącher. "Ein Verwandter von Euch begehrt nach langer Abwesenheit Einlass Prince Linhard", erkl├Ąrte der Leibdiener.

Linhard von Hohenfelde
"Dann lass ihn herein, ehe der Mann dort noch Wurzeln schl├Ągt", grinste Lin.

Gaston
Gaston kehrte zur T├╝r zur├╝ck. "Tretet bitte ein, der Prince empf├Ąngt Euch", sagte Gaston und gab den Weg frei.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Vielen Dank, Gaston┬ź, antwortete Brandur und trat, gehstocksetzend, in die Wohnung ein. Er schmunzelte Linhard nur an. Er wollte sehen, ob dieser ihn erkannte.

Linhard von Hohenfelde
Linhard musterte den eintretenden Mann und legte verwundert den Kopf schief, ehe er in Zeitlupe aufstand und zu diesem her├╝ber ging. Eine Arml├Ąnge vor Brandur blieb er stehen und betrachtete ihn eingehend. Er erkannte ihn sofort wieder, da er sich ihm einmal bereits als Geist in dieser Form pr├Ąsentiert hatte. Andernfalls h├Ątte er selbst erst einmal ├╝berlegen m├╝ssen. Er wusste nicht, wie er reagieren sollte, also folgte er einfach seinem Gef├╝hl und umarmte Brandur felsenfest. "Papa...", war alles was er leise sagte und dr├╝ckte ihn noch fester an sich.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Mein lieber Junge┬ź, erwiderte Brandur und dr├╝ckte seinen Sohn fest an sich. Er hielt ihn sehr lange fest, sp├╝rte ihn, roch ihn. All die Empfindungen, die einem Geist verwehrt waren. Er hatte es vermisst, ihn k├Ârperlich sp├╝ren zu k├Ânnen, ihn v├Ąterlich in seine Arme zu schlie├čen. ┬╗Du hast dein Versprechen gehalten. Du hast als erster unserer Familie wahrhaftig sogar den Tod besiegt.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Sich auf dieser Seite wieder zu treffen ist besser oder? Ich habe mein Bestes gegeben, alle Deine W├╝nsche zu erf├╝llen. Wir beschritten neue Wege, wir sind in Almanien, wir haben unsere eigenen Schollen, jede unserer Familie, ich habe Wiedergutmachung an Dave in Deinem Namen geleistet und letztendlich bist Du wieder an meiner Seite. Ich habe es nicht selbst vollbracht und ich h├Ątte auch nicht mehr damit gerechnet, dass es noch geschieht. Hat Verrill Dreux ├╝berzeugt? Er hat nichts gesagt", fl├╝sterte Lin.

Linhard von Hohenfelde
Greg: Gregoire gesellte sich zu den beiden dazu und umarmte auch beide. "Nein, ich habe nichts damit zu tun. So sehr ich Dir den Wunsch erf├╝llt h├Ątte, es lag nicht an mir", gestand Greg ehrlich.

Brandur von Hohenfelde
Etwas steif und f├Ârmlich erwiderte Brandur die Umarmung von Gregoire, indem er ihm kurz die Hand auf den R├╝cken legte.
┬╗Maximilien selbst hat die Entscheidung getroffen, nachdem wir uns einige Male gut unterhalten haben. Ihm fehlte wohl ein weiterer Vater, mit dem er sich auf Augenh├Âhe ├╝ber die Probleme unterhalten konnte, die das Vatersein so mit sich bringen. Ich selbst werde mich dar├╝ber sicher nicht beklagen, aber ich habe den Eindruck, Prince Ciel war ├╝ber die Entscheidung weniger erfreut. Wenngleich ich mich zu erinnern glaube, dass er selbst einst diesen Vorschlag unterbreitete.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Ja das hat er Paps, er wollte Dich als Hofnekromanten einstellen, dass war seine Begr├╝ndung. Ich habe mich noch dar├╝ber aufgeregt, weil ich ihn fragte ob er f├╝r einen Angestellten bereit w├Ąre seinen besten Freund zu opfern. Verstehe mich nicht falsch, ich wollte dass man Dich rettet. Aber nicht um Dich als Marionette auszubeuten und zu missbrauchen. Er h├Ątte Dir doch st├Ąndig unter die Nase gerieben, dass Du nur lebst, weil sein bester Freund starb. Jedenfalls ging ich damals davon aus. Heute wei├č ich es auch besser. Er denkt ganz anders als wir. Vielleicht hat er sich mittlerweile eingestanden, was Alex ihm bedeutet. Was ja nicht schlecht w├Ąre. So oder so, Hauptsache ist Du bist wieder da und eine ganze Spur j├╝nger als Du gegangen bist. Wie f├╝hlst Du Dich? Und wie hat es sich angf├╝hlt zur├╝ck zu kehren? Hast Du noch Schmerzen oder sind sie weg?"

Brandur von Hohenfelde
┬╗Die R├╝ckkehr war noch unangenehmer, als die Beschw├Ârung durch Osmund, das kann ich euch beiden sagen. Stellt euch vor, man w├╝rde euch lebendigen Leibes durch ein Sieb streichen. So hat sich die R├╝ckkehr in den physischen K├Ârper angef├╝hlt. Und dann, einmal darin steckend, waren in der ersten Zeit die selben Qualen gegew├Ąrtig, welche ich auch bei meinem Ableben empfand. Nur, dass diesmal die Zeit r├╝ckw├Ąrts zu laufen schien. Anstatt immer schw├Ącher zu werden, wurde ich immer st├Ąrker, bis ich meinen ersten Atemzug tat. In der Tat f├╝hle ich mich, wie ich mich damals mit zwanzig f├╝hlte und mein Leben ist frei von Schmerzen. Ich bin mit der Qualit├Ąt dieser Wiedererweckung mehr als zufrieden.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Die Wiedererweckung klingt grauenvoll, aber Du hast schon anderes gemeistert Paps und f├╝r das Ergebnis, war es jede Qual wert. Leider kann man Schmerz nicht teilen, sonst h├Ątte ich Dir die Schmerzen abgenommen, dass wei├čt Du. Ich wei├č nicht was ich sagen soll. Wir sind fast im selben Alter Paps, ist Dir das aufgefallen? Mir kommt gerade ein Gedanke, den wohl der gesamte Stab als Hirnfurz abtun w├╝rde, aber ich verrate ihn Dir heute Abend. Falls Du m├Âchtest. Was m├Âchtest Du jetzt tun? Worauf hast Du Lust? M├Âchtest Du was essen, was trinken, was rauchen? Was?", freute sich Lin ein Bein aus.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich werde diesen K├Ârper behandeln wie einen Gral, ich werde ihn hegen und pflegen und ihm nur die besten Nahrungsmittel angedeihen lassen! Aber f├╝r heute, lasst uns ein wenig feiern. Eine Dorade mit Thymian, Limette und dazu einen lieblichen Wei├čwein l├Ąge im Fokus meines Interesses. Dazu w├╝rde ich mir eine s├╝├če Nachspeise und eine Wasserpfeife mit Fruchtpfeifenkraut w├╝nschen. Wie sieht denn dein sogenannter Hirnfurz aus? Ja, wir beide d├╝rften nun biologisch in etwa gleich alt sein. Ich kann dir kaum sagen, wie sehr ich dir f├╝r alles danken m├Âchte, Xavier!┬ź

Linhard von Hohenfelde
Gregoire gab Gaston ein Zeichen. "Ich k├╝mmere mich darum und lass Euch beiden mal etwas allein", sagte er freundlich und verabschiedete sich mit einem schelmischen Nicken.

Linhard von Hohenfelde
"Du musst mir f├╝r nichts danken, wir sind ein Team Paps. Es kommt mir komisch vor Dich so zu nennen, wenn Du so alt bist wie ich. Mein Hirnfurz muss vorher eine Frage beantwortet bekommen. M├Âchtest Du noch einmal heiraten? Falls ja, warum heiratest Du nicht Verrill?", schlug Lin breit grinsend vor.

Brandur von Hohenfelde
Brandur schnappte nach Luft. ┬╗Meinem eigenen Sohn die Braut ausspannen? Mein lieber Xavier, wie seid ihr beide denn auf diese Idee gekommen! Und welcher Plan verbirgt sich dahinter? Du bist der Sohn deines Vaters, versuche nicht, mir weiszumachen, dass es keinen Plan g├Ąbe!┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard musste ├╝ber Brandurs entgeistertes Gesicht lachen. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder gefangen hatte. "Es gibt keinen Plan und Verrill wei├č nichts davon. Das ist mir vor einigen Minuten einfgefallen, weil Du unser Alter hast. Du musst gar nichts Paps, Du kannst aber. Und Du spannst mir niemanden aus, Du geh├Ârst dann dazu. Er wird vermutlich noch eine Frau heiraten. Im Gespr├Ąch war von Anfang an Magdalena de la Cantillion. Also w├╝rde Verrill Wolfi heiraten, w├╝rde Wolfi mir auch niemanden ausspannen. Mal als bl├Âden Vergleich. Hey ich bin Ansgars Ableger und ich habe nicht gerade viel von ihm - aber die spontane Planlosigkeit hat er mir vererbt. Was ihn aber noch nie dran gehindert hat, trotzdem irgendein einen Schwachsinn zu verzapfen", prustete Lin und dr├╝ckte Brandur an sich.

Brandur von Hohenfelde
┬╗├ťber den Gedanken muss ich erst einmal nachdenken. Du bist mir einer, gleich in den ersten Minuten unseres Wiedersehens einen solchen Vorschlag zu unterbreiten! Oh, nun wei├č ich, woher der Wind kommt. Es geht gegen Ciel! Ciel, der sich in Verrill vernarrt hat und der seinen besten Freund f├╝r mich opferte - dem nun auch noch das geliebte Geschwisterchen auszuspannen ausgerechnet durch mich, ist nat├╝rlich ein harter Brocken f├╝r den kleinen Prinz. Dabei dachte ich doch zwischendurch tats├Ąchlich, ihr h├Ąttet euch vers├Âhnt.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Das haben wir auch und Ciel war nicht mal Teil meines Gedanken, sondern Du - jung, Verrill - jung, ich - jung und es passt. Aber das mit Ciel stimmt, gegen zwei Hohenfelde kommt er nicht an. Aber dass muss er auch gar nicht, ich mag ihn wirklich, auch wenn er so d├╝rre ist wie seine Geschwister. Aber ├╝berlegen wir mal nicht Hirnfurz-Artig sondern logisch. Wir w├Ąren dann weit mehr verbunden, wir w├Ąren Vater und Sohn und wir w├Ąren sowas wie Geschwister oder? Wie nennt man in Souvagne die Ehepartner von dem Ehemann? Wie soll ich das erkl├Ąren, warte mal. Also von Maximilien die Frauen - dass sind alles seine Ehefrauen. Und er ist ihr Ehemann. Aber was sind Nathalie, Minette und Josey untereinander? Wie nennt man das? Das bist Du dann mit mir", lachte Lin.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Das kann ich dir nicht einmal genau beantworten, Xavier. Offiziell wohl nennt man sie angeheiratete Geschwister, wenn ich mich nicht t├Ąusche. Inoffiziell h├Ąngt dies wohl davon ab, wie die Konstellationen sind. Auch rakshanische Verh├Ąltnisse, wo jeder dann automatisch von jedem der Ehepartner ist, sind denkbar - in unserem Fall nat├╝rlich aufgrund des Verwandtschaftsverh├Ąltnisses au├čer Frage stehend. Nun, festzuhalten w├Ąre mein Dank f├╝r dein Vertrauen, deine Ehefrau mit mir zu teilen und die Feststellung, dass Ciel mich hernach noch mehr hassen w├╝rde als je zuvor.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Ciel verwechselt da aber etwas Paps, Verrill ist mein Eigentum, mein Ehepartner und das wird er auch bleiben. Ciel kann sich gerne etwas von ihm w├╝nschen oder besser gesagt von uns, aber verheiratet bin ich mit Verrill und nicht er. Er hat sich Olivie gew├╝nscht und beide sind verheiratet. Ich w├╝nsche ihm von Herzen, dass er mit ihr gl├╝cklich wird. Was mich angeht, ich sah es zuerst als Deal und habe auf Freundschaft gehofft. Freunde hatte ich nicht viele, streicht man mein Pferd war die Zahl leicht zu merken - Null. Das es mehr wurde, dass Greg und ich uns so gut verstehen, damit habe ich nicht gerechnet. Es war wie ein Gl├╝ckstreffer, verstehst Du? Und seine Natur an sich ist zwar manchmal sehr anstrengend oder auch verwirrend, aber trotzdem w├╝rde ich ihn gegen nichts in der Welt eintauschen wollen, selbst wenn er mal wieder total ├╝berreagiert. Was er hoffentlich nie wieder im Leben tun wird. Denn eines sage ich Dir - wenn Dich einer um f├╝nf Minuten Ruhe bittet, gew├Ąhre sie ihm niemals. Es k├Ânnten seine letzten f├╝nf Minuten sein. Wenn er jemals wieder in so einem Zustand ist, schleppe ich ihn sofort zum Arzt. Aber bis jetzt ist alles in Ordnung und ich glaube auch Gaston tut ihm gut. Ich habe mir ├╝berlegt ihm ein Haustier zu schenken. Etwas Lebendes woran er Freude hat. Nur B├╝cher und Kekse kann keinen Lebensinhalt decken. Wo wir gemeinsam am Meer sa├čen, war er auch gl├╝cklich. Der Umstand war traurig, da hatte er sich damals mit seinen Br├╝der gestritten, wegen uns beiden. Aber am Meer war alles irgendwie wie weggeblasen. Der Wind und man konnte offen reden. Es hat einfach gepasst. Wie gesagt, denk ├╝ber meinen Hirnfurz nach. Selbst wenn Du nicht m├Âchtest, Du wohnst trotzdem bei mir mit im Herrenhaus und somit bei uns beiden. Das Max f├╝r Dich gesprochen hat freut mich, dass ist ein gro├čes Kompliment".

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich werde gut dar├╝ber nachdenken. Und du habe bitte in der Zwischenzeit die G├╝te, deine arme Braut ├╝ber deine Idee in Kenntnis zu setzen. Ein Haustier f├╝r dies zarte Seelchen - exotische Singv├Âgel sind das erste, was mir einf├Ąllt. Nicht in einem K├Ąfig, sondern in einem eigenen Wintergarten, wo sie frei fliegen k├Ânnen und man sich auf einer Sitzgruppe dazugesellen kann. Dann w├Ąre sie beim Lesen nicht stets in der Stille der Bibliothek gefangen, sondern k├Ânnte auch dort ihre Lekt├╝re genie├čen. Ich bin froh, dass es ihr wieder gut geht. Ciel wird dich vermutlich immer als Rivalen sehen, unabh├Ąngig von der rechtlichen Lage. Er ist ja sogar auf die Ehefrauen seines Vaters eifers├╝chtig. Der arme Junge. Und der arme Vater erst. Womit wir beim n├Ąchsten Thema sind, ├╝ber welches ich mit Maximilien sprach. Ich muss gestehen, die Idee dazu stammt nicht von mir, ich habe sie von Nathan, aber das wollte ich Maximilien nicht auf die Nase binden, wo er doch meinen Rat w├╝nschte und nicht den eines farbenblinden Domestiken. Hast du einmal dar├╝ber nachgedacht, Verrill ein Kleid zu schenken?┬ź

Linhard von Hohenfelde
"V├Âgel sind eine gute Idee! Vielleicht diese sprechenden bunten vom Markt? Sie werden richtig Handzahm wie Katzen. Du meinst einen Wintergarten? Ja so etwas w├Ąre sch├Ân. Richtig gut w├Ąre gelogen, manchmal f├Ąngt er an zu denken und kommt von einem Thema zu n├Ąchsten und denkt und denkt bis ich ihm mal sage, entspann Deinen Kopf mal. Sagen wir mal Verrill denkt ├╝ber das Meer nach. Dann denkt er f├╝nf Minuten sp├Ąter ├╝ber die Erosion der Wellen nach. Dann wieviel Strand man verliert. Dann welche H├Ąuser wohl als erste in die Brandung st├╝rzen k├Ânnten und was den Menschen geschehen k├Ânnte, wenn man das nicht absichert... HALLO? Noch ist doch gar nichts passiert, das Wasser ist im Ozean und die H├Ąuser sind meilenweit entfernt und es gab noch keine Erosion, sorg Dich doch in 3000 Jahren wenn es soweit ist! Man! Und so war das sicher auch mit der Beleidigung von Ciel. Das f├Ąngt klein an mit einem Kieselstein der Beleidigung Paps und endet als massiver Gebirgszug in Verrills Kopf. Ich glaube ich sollte ihm irgendwas zur Entspannung besorgen. Lesen entspannt ja nicht immer, sonst h├Ątte er sich ja ein Buch schnappen k├Ânnen. Wieso ist Ciel denn nun auch noch eifers├╝chtig auf die Frauen von seinem Vater? Was ist denn mit ihm los? Ich werde Verrill dar├╝ber in Kenntnis setzen, keine Sorge. Du meinst ich soll ihm ein Kleid schenken? Wirklich? Dass wird er doch niemals tragen... naja vielleicht doch. Keine Ahnung, meinst Du ich sollte das tun?"

Brandur von Hohenfelde
┬╗Nun, wie gesagt, ich habe zuf├Ąllig das ein oder andere Gespr├Ąch mitgeh├Ârt. Ich denke, Nathan hat da eine ganz vortreffliche Idee gehabt. Wie w├Ąre es, wenn du ihn dazu um Rat befragst? Er scheint mir ein umg├Ąngliches, wenn auch sehr naives Pers├Ânchen zu sein. Verrill ist nicht nur hochempathisch, sondern obendrein sehr intelligent. Alle drei Prinzen sind vom Naturell her so gestrickt, dass sie Sicherheit suchen und Sicherheit schaffen m├Âchten. Doch jeder von ihnen schl├Ągt daf├╝r andere Wege ein, die manchmal sehr merkw├╝rdig anmuten. Verrills Gedanken sind wahrhaftig wie V├Âgel, sie ziehen sehr weite, bisweilen abstrakte Kreise. Dabei sitzt sie selbst wie ein gefangenes V├Âgelchen im K├Ąfig daheim. Verl├Ąsst nie das sichere Nest, von allen beh├╝tet, von den wenigsten verstanden. Vielleicht der tragische der drei Prinzen. Warum Ciel so eifers├╝chtig ist, liegt vermutlich daran, dass er der Feldherr von ihnen ist und dazu neigt, Feinde zu sehen, die er vertreiben muss, um das, was ihm lieb und teuer ist, vor dem Verlust zu bewahren.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Die Gedanken sind frei... der Rest von Verrill ehr nicht. Jedenfalls verh├Ąlt er sich bewusst oder unbewusst selbst so. Niemand sperrt ihn ein, er k├Ânnte einfach zum Hoftor hinausspazieren und sich Souvagne anschauen. Wer hindert ihn daran? Niemand. Gut allein reisen w├╝rde er nicht, er w├╝rde sicher einige Bewacher mitbekommen, aber es w├Ąre m├Âglich. Ja das ist ein sehr gutes Beispiel, seine Gedanken fliegen davon, oder in weiten Kreisen umher. Nun dass Ciel Feinde vertreiben m├Âchte, bevor sie etwas anrichten, kann ich nur guthei├čen. Allerdings sollte er uns als das sehen was wir sind, Gef├Ąhrten, Kampfgeschwister und keine Gegner. Ich bem├╝he mich um ein Auskommen mit ihm und sogar um seine Freundschaft, aber manchmal denkt er genau wie Verrill einfach zu abstrakt. Nat├╝rlich muss man auch Visionen haben, planen k├Ânnen, die Zukunft im Auge behalten. Aber das muss alles in geordneten Bahnen ablaufen, denn wer so weit in die Zukunft starrt verliert das hier und jetzt. Genau wie die alten Leute, die im Gestern leben - fr├╝her war alles besser. Ja? Dann pack heute mit an, dass es wieder so wird. Vom Jammern hat sich noch nichts ge├Ąndert. Und wenn man anpackt, dann f├╝r heute oder morgen, aber nicht f├╝r in hundert Jahren, denn dann verlierst Du genauso den Bezug zu all jenen die heute auf Dich warten und Dir wichtig sind. Vielleicht sollte ich ihm das mal sagen. Ob Nathan einfach so mit mir spricht? Ich k├Ânnte ihn ja mal vorsichtig auf das Thema ansprechen und fragen, ob er dar├╝ber reden m├Âchte. Ihn dazu anzuweisen, w├Ąre ja nicht gerade dass, was man tun sollte. Vielleicht hat er eine Idee womit ich Verrill eine Freude machen k├Ânnte. Ich hatte ehr an was heimeliges gedacht da er ja ein Stubenhocker ist. Vielleicht einen sch├Ânen Kamin, ein Kaminzimmer wo man es sich richtig gem├╝tlich machen kann. Aber vielleicht sollte ich ihn auch mal aus seinem Schneckenhaus locken, dass er rausgeht. Es ist schon was anderes ├╝ber den Wald zu lesen, als drin zu stehen, den Wind in den B├Ąumen zu h├Âren, das Harz von ihnen zu riechen und die Pflanzen unter den F├╝├čen zu sp├╝ren, oder durchzureiten. Dass hat doch was ganz anderes, dass kann kein Buch der Welt wiedergeben. Ebensowenig ein Kleid. Da kann man sicher tausend Bilder anschauen, aber er wei├č ja nicht, wie es sich auf der Haut anf├╝hlt. Gut ich auch nicht, aber warum schaut er sich sowas an? Vielleicht hast Du da wirklich Recht. Wo ist Nathan?"

Brandur von Hohenfelde
┬╗Abstraktes Denken. Da gibst du ein gutes Stichwort. Sie beide neigen dazu, sich ein Konstrukt der Welt zu erschaffen aus ihren Gedanken, ein Traumschloss, dass vielleicht mehr ein Alptraumschloss ist. Das Entscheidende sind die Statisten darin. Verrills tragen Masken aus Hohn und Spott, lachende Fratzen ob ihrer wahren Natur. Ciels tragen die Masken der Feinde, die drohten, ihm alles zu nehmen, als die Last von Souvagnes Sicherheit auf seinen schmalen Kinderschultern ruhte. Und beide wundern sich, wenn etwas, dass sie sehen, nicht in das Traumschloss hineinpassen will. Anstatt das Schloss anzupassen, anstatt ihr Gedankenkonstrukt zu ├╝berdenken - drehen und verzerren sie die Wirklichkeit, bis sie gewaltsam in einen Sinn gepresst wurde, der ihnen genehm ist. Interessant w├Ąre zu erfahren, ob auch Dreaux diese Neigung teilt. Nathan habe ich zuletzt - zuf├Ąllig - bei Fabien gesehen.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Ich denke ja, Dreux wird auf ├Ąhnliche weise ticken wie Ciel und Greg. Und allen vorran tickt auch so ihr Vater. Frei nach dem Motto, was nicht passt - wird passend gemacht. Falls ihn etwas st├Ârt oder er sich bedroht f├╝hlt, passt er seine Welt dahingehend an. Sind wir ehrlich, dass ist auch richtig so, denn daf├╝r ist er das Oberhaupt aller. Sozusagen der Mega-Familien-Vorstand. Wir haben niemanden auf unserem Grundst├╝ck rumschn├╝ffeln lassen, er h├Ąlt es mit Souvagne so. Aber manchmal glaube ich dass die Vier genau deshalb ab und an Probleme haben, weil sie soviel Grips haben. Guck Dir Archibald an, clever ohne Ende und st├Ąndig steht er sich selbst damit ihm Weg. Oder anderen, was fatal endet. Ciel ist genauso, wenn nicht noch wesentlich kl├╝ger als Arch und den in die Tasche zu stecken hei├čt schon etwas. Also sind die drei als Trio - Ciel, Dreux und Greg schon eine gewaltige Hausnummer, wenn die sich was in Kopf setzen. Und Papa Souvagne ist nicht nur clever bis zum Erbrechen, er hat auch noch ziemlich viel Erfahrung. Sie meinen es alle gut, sie sind nun auch unsere Familie, aber manchmal muss man ihren Tatendrang etwas abbremsen glaube ich. Sicherheit ist wichtig, kein B├╝rger kann ohne Sicherheit leben und einem geregelten Leben nachgehen. Das ist das Versprechen von Treue und Loyalit├Ąt gegen Schutz und Schirm. Jeder Adlige tut es, wir tun es Paps. Die Souvagnes tun es f├╝r uns alle. Aber Sicherheit bedeutet nicht total Verzicht auf Freiheit. Du kannst auch in die Welt hinaus ziehen mit einem Schwert am G├╝rtel. Kannst Du damit umgehen, bist Du auch sehr sicher unterwegs. Und Ciel muss sich angew├Âhnen nicht jeden als Feind zu betrachten. Nat├╝rlich auch nicht als Freund, dass w├Ąre strunzdumm. Er ben├Âtigt eine neutrale Sicht, anschauen, dann beurteilen. Souvagner sind erstmal - kenn ich nicht, will ich nicht, mach ich nicht, macht es tot. Und dann schauen sie mal... Oft hatten sie sicher auch damit Recht, sonst h├Ątten sie nicht so lange ├╝berlebt. Aber Tradition und Moderne k├Ânnen doch Hand in Hand gehen. Es geht, man sieht es hier. Harte Traditionen die Sicherheit vermitteln, zeitgleich Forschung die Neues entdeckt. Da geht es doch bereits. Was Gregoire bef├╝rchtet ist nicht dass wer ├╝ber ihn lacht, sondern dass man ihn f├╝r das was er ist bestialisch ermordet. DASS bef├╝rchtet er und darum hat er sich so ge├Ąrgert, es mehr Leuten gesagt zu haben, als er je wollte. Aber mal ehrlich, wer sollte einen Princen bestialisch ermorden? Wer immer das versuchen w├╝rde, der w├╝rde nicht auf dem Block landen, sondern am Pfahl oder in einer Tonne voller Krebse, oder w├╝rde lebendig in gel├Âschten Kalk geschmissen, bis ihm das Fleisch von den Knochen f├Ąllt durch Kalkfra├č. Niemand kann solche Gedanken hegen, denn hegt einer so einen Gedanken, meinst Du wie schnell die Himmelsaugen ihn abholen und seinen Kopf in die H├Âhe recken? Aber Verrill glaubt das! Ich wei├č auch warum. Max hat ihm als kleines Kind erz├Ąhlt, was drau├čen - ergo au├čerhalb Souvagnes, mit Leuten wie ihm passiert. Vermutlich um ihn zu besch├╝tzen. Machen Eltern so. Wenn man etwas oft genug h├Ârt, wird es wahr. Und ich habe Dir erkl├Ąrt wie Verrill denkt. Dann liest er hier noch etwas und dort und was manche so mit diesen Menschen taten. Und dass hat er sein Leben lang getan, folglich geht er davon aus, dass wenn er ├╝ber die Grenze zu Ledwick latscht, er direkt im Kochtopf endet oder sowas. Ehrlich, dass klingt witzig, aber solche Horrorvorstellungen hat er von fremden V├Âlkern. Ich meine Menschenfresser gibt es ├╝berall, dazu muss man keine Orks ├Ąrgern oder bei Arch im Keller schlafen. Aber der normale angrenzende Ledwicker ist Almane wie Du oder ich. Der sagt nicht Hallo und bei├čt zu. Das w├Ąre schon verwunderlich. Ich meine so lapidar erkl├Ąrt, klingt das sogar witzig, aber f├╝r Verrill ist jeder Unbekannte erstmal ein potentieller M├Ârder. Ein Wunder dass er mir den Hof machte. Und Ciel zieht dabei noch irgendwie mit, zeitgleich versucht er genau das zu verhindern. Letzteres finde ich sehr gut und ich hoffe er tut es. Er wollte ein neus Gesetz erlassen. Allein dass es so ein Gesetz gibt, wird Verrill beruhigen. Aber manchmal denkt er echt ein Kraut. Auf der anderen Seite Paps, kannst Du vor Verrill den Hut ziehen, was er an allgemeinbildung hat. Ich glaube die Bibliothek im Hof hat er im Kopf gespeichert, ehrlich. Frag ihn zu einem Wissensgebiet, er wei├č es. Aber ich m├Âchte dass er die Welt nicht nur aus B├╝chern kennt, sondern in ihr lebt, weil ich den d├╝rren Kerl liebe mit allen Seiten die er hat. Lass uns zu Nathan gehen, er wird uns helfen hoffe ich".

Brandur von Hohenfelde
┬╗Das arme Kind┬ź, murmelte Brandur, was aus dem Munde eines Zwanzigj├Ąhrigen, der ├╝ber einen Dreiundzwanzigj├Ąhrigen sprach, sehr skurril anmutete, wenn man nicht wusste, dass seine Seele bereits mehr als sechzig Sommer und Winter gesehen hatte und die eines alten Mannes war. ┬╗Obgleich in einer Familie geboren, die sie liebt und mit allem nur erdenklichen Luxus gesegnet, ├Ąhnelt ihr Leben ganz dem, das wir einst f├╝hrten: st├Ąndige Angst davor, den n├Ąchsten Tag nicht mehr zu erleben. Nein, es wird wirklich Zeit, dass er, dass sie, aus dem Gef├Ąngnis herauskommt, dessen Mauern sie selbst errichtet hat.┬ź Brandur und Linhard schlenderten in trauter Eintracht nebeneinander durch den Flur, bis sie vor der T├╝r des entsprechenden Gemachs standen. ┬╗Nach dir, Xavier.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Lin klopfte an die T├╝r und schaute etwas nerv├Âs, da es sich um die Gem├Ącher des Duc handelte. Es dauerte einen Augenblick, dann ├Âffnete Fabien die T├╝r. "Ihr w├╝nscht Prince Linhard?", fragte er respektvoll. "Entgegen Deiner Vermutung nichts von meinem Schwiegervater, ich ben├Âtige Nathans Hilfe Fabien. Und ich h├Ârte er ist zur Zeit bei Dir", erkl├Ąrte Linhard. Fabien nickte zustimmend und ging Nathan holen. "Prince Linhard ben├Âtigt Deine Hilfe", warnte er Nathan vor.

Nathan
┬╗Oh┬ź, piepste es und Nathan zog sich rasch an, k├Ąmmte sich mit den Fingern die Haare, gab Fabien einen Abschiedskuss - das lie├č er sich nicht nehmen - und trat vor die beiden Herren, die da auf ihn warteten. ┬╗Hoheit und Monsieur, wie kann ich Euch helfen?┬ź, erkundigte er sich.

Linhard von Hohenfelde
"Folge uns bitte, wir m├Âchten ein ernstes Thema mit Dir besprechen, wobei Du mir helfen sollst", bat Linhard und gab den Weg vor. Als sie sich ein St├╝ck entfernt hatten, schnitt Lin das Thema an. "Mir ist zu Ohren gekommen, dass Du Dich auch mit Kleidern auskennst. Und genau dabei ben├Âtige ich Deine Hilfe. Als Du meinen Mann f├╝r die Hochzeitsfeier vorbereitet hast, hat er Dich in ein Geheimnis eingeweiht?", fragte Lin.

Nathan
Nathan wurde unsicher. ┬╗├ťber die Vorbereitungen zur Hochzeit darf ich nichts sagen, Herr. Das macht man nicht. Aber ja, mit Kleidern kenne ich mich aus. Ein bisschen, ein ganz Kleines.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Wenn Du nicht sprechen darfst, kennst Du Verrills Geheimnis. Und ich m├Âchte ihr eine Freude machen, sie mit ihrer anderen Seite etwas mehr verbinden. Was f├╝r eine Art Kleid w├╝rdest Du ihr schenken?", fl├╝sterte Lin kaum h├Ârbar.

Nathan
┬╗Ein ganz weiches, ein ganz kuschliges Kleid┬ź, sagte er ebenso leise zur├╝ck. ┬╗Eines, was h├╝bsch aussieht, aber dabei nicht unbequem ist. Ohne Korsett. Eines, wo nicht zu wenig Stoff dran ist, damit es sch├Ân wallt und damit sie sich v├Âllig frei bewegen kann, ohne f├╝rchten zu m├╝ssen, damit gegen die guten Sitten zu versto├čen. Und dazu einen riesengro├čen weichen Sommerschal aus luftigem Tuch. Ein Kleid zum wohlf├╝hlen. Wie eine Kuscheldecke, die man am K├Ârper tr├Ągt.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Das klingt sehr sch├Ân Nathan. Es klingt angenehm, sowas w├╝rde jeder gerne tragen, halt nur nicht als Kleid, sondern als Wohlf├╝hlkleidung. Kannst Du mir so etwas besorgen? Nat├╝rlich gebe ich Dir das Geld vorher, damit Du auch entsprechend einkaufen kannst. Was genau w├╝rdest Du dazu kaufen? Ein Kleid und ein Tuch, was tr├Ągt man noch dazu?", wisperte Lin freundlich.

Nathan
┬╗Also das kommt darauf an, wo man sich damit zeigen m├Âchte. Aber ich w├╝rde sagen, weiches, flaches Schuhwerk, weil hohe Schuhe f├╝r sie ungewohnt sind. Sie m├╝sste sich ja sonst die ganze Zeit nur darauf konzentrieren, die F├╝├če korrekt zu setzen, weil wenn man das falsch macht sieht es unm├Âglich aus. Guckt, so sieht das dann aus.┬ź Nathan demonstrierte es. ┬╗Wer solche Schuhe nicht zu tragen wei├č, dr├╝ckt die Knie beim Gehen nicht durch und stakst dann so hier, wie ein Storch im Salat. Oder kratzt mit dem Absatz, das klingt ganz h├Ąsslich! Oder tritt fehl, das ist das Schlimmste, dann rei├čt man sich die B├Ąnder! Darum lieber flache Schuhe, damit sie das Kleid genie├čen kann und nicht nur auf die F├╝├če achten muss. Wisst Ihr, was Ihre Lieblingsfarben sind? Dann kauf ich so ein Kleid und dazu sch├Âne Schuhe. Und vielleicht hohe Schuhe f├╝r zu Hause mal ausprobieren, wenn sie mag, aber nicht zum Rumlaufen, da rate ich wirklich von ab. Man kann auch eine Tasche dazu tragen, aber ich wei├č nicht, ob sie die mag. Ich finde Handtaschen doof, obwohl ich Kleider mag, aber nur ein bisschen. Und, hm, wenn sie sich verstecken m├Âchte, einen Hut. Oder sie legt den Schal als luftige Kapuze um. Das finde ich noch sch├Âner.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard stockte, da ihm schlagartig bewusst wurde, wie wenig er eigentlich ├╝ber Verrill wusste. Er wusste um ihr Geheimnis und er wusste um die B├╝cherliebe. Das nicht mitzubekommen, w├Ąre auch schon eine Kunst f├╝r sich gewesen. Aber ihre Lieblingsfarbe? Die kannte er nicht. Ihr Lieblingsessen? Lin vermutete Kekse f├╝r zwischendurch, da Verrill immer welche da hatte und auch a├č und Austern. Aber viele kleine allt├Ągliche Dinge wusste er nicht. Er schaute Brandur etwas hilfesuchend an, aber woher sollte sein Paps das wissen, wenn er es nicht wusste? Er sch├Ąmte sich f├╝r seine Unwissenheit. Er h├Ątte Verrill fragen m├╝ssen, oder lernte man das automatisch, wenn man nur lange genug zusammen war? Lin wusste es nicht. "Ich kenne Ihre Lieblingsfarbe nicht, ich muss zu meiner Schande gestehen, ich wei├č so einiges nicht von ihr. Noch nicht, ich werde mich drum bem├╝hen. Aber ich glaube sie mag dunkle Farben, denn fast die gesamte Garderobe ist schwarz, dunkelbrau oder blau. Wenige Sachen sind hell", fl├╝sterte Lin.

Nathan
Brandur zuckte nur mit den Achseln. Er war viel herumgespukt und hatte ├╝berall gelauscht, wo er nicht hatte lauschen sollen, doch das hatte er nicht in Erfahrung bringen k├Ânnen.
Nathan st├Ârte es nicht. ┬╗Dann suche ich eine sch├Âne Farbe f├╝r sie aus┬ź, freute er sich. ┬╗Ich nehme Fabien mit, damit ich ihr nicht aus Versehen etwas Nathanblaues kaufe. Ihr seid ein sehr aufmerksamer Ehemann, so an Prince Gregoire zu denken. Wirklich! Aber ich kaufe lieber was Helles, was farblich zur Bibliothek passt. Ich glaube n├Ąmlich, in Wahrheit mag Gregoire freundliche Farben viel lieber. Sonst w├Ąre die Bibliothek ja auch aus dunklem Holz. Und Gregoire liebt seine Bibliothek sehr!┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Warte ist Nathan-blau pink? Alle ihre Kekse sind stets Nathan-Blau!", wisperte Linhard grinsend. "Du bist ein guter Beobachter, ja in unserer Wohnung ist alles hell, die Bibliothek ist hell, eigentlich ist alles hell, bis auf ihre Kleidung!"

Nathan
┬╗Vielleicht, weil sie die Kleidung als Ver-Kleidung tr├Ągt?┬ź, mutma├čte Nathan. ┬╗Oder sie trauert um etwas ... fragt sie, ├Ąhm, ihn doch einfach. Er ist sehr lieb und einf├╝hlsam. Ihr k├Ânnt ihn alles fragen, er ist niemals b├Âse. Die blauen Kekse schmecken gut, davon durfte ich mal kosten. Ich hatte nie zuvor blaue Kekse gegessen.┬ź

Linhard von Hohenfelde
Linhard musste lachen bei Nathans Erkl├Ąrung und knuffte ihn gut gelaunt. "Die Kekse sind pink Nathan, sie sind rosa. Aber Du k├Ânntest Recht haben, dass sie die Kleidung als Verkleidung sieht. Wobei er in R├╝stung alles andere als verkleidet aussah, ehr so als w├Ąre er sie gew├Âhnt und man sollte sich besser nicht mit ihm anlegen. Lieb und einf├╝hlsam ist sie ja und manchmal ein bisschen verr├╝ckt, drum muss ich aufpassen. Ob sie um etwas trauert, wei├č ich nicht. Ich werde fragen. Wenn Du mir die Sachen gekauft hast, dann k├Ânntest Du sie ja beraten, was zu tragen w├Ąre. Bist Du dazu bereit?"

Nathan
┬╗Oh ja, gern!┬ź, hibbelte Nathan aufgeregt. ┬╗Wisst Ihr, warum sie in R├╝stung so sicher war? Weil sie doch beides ist! Nicht nur eins! Das ist doch ganz einfach. Sogar f├╝r mich und ich wei├č sonst eigentlich nicht so viel. Ich wei├č gar nicht, warum alle das immer kompliziert machen. Gregoire ist gar nicht kompliziert. Er ist nur einfach zwei.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Einfach zwei...", echote Lin und nickte langsam. "Ja wenn ich sie auf die Frau redziere ist das nicht besser, als wenn ich nur den Mann sehe. Sie ist einfach beides zu jeder Zeit. Damit hast Du v├Âllig Recht Nathan! Sie ist gar nicht kompliziert, wir machen es ihr kompliziert, weil wir alles irgendwie immer verstehen m├╝ssen und in eine eindeutige Schublade packen wollen. Nur manches ist eben nicht eindeutig, sondern es ist wie es ist. Und Verrill ist das auch. Folgich ist er quasi Seidenunterw├Ąsche unter einer Stahlr├╝stung", grinste Lin.

Nathan
Nathan gab ein am├╝siertes Quietschen von sich. ┬╗Das ist ein sch├Âner Vergleich, den mag ich.┬ź Er freute sich schon darauf, Verrill wiederzusehen.

Linhard von Hohenfelde
"In Ordnung wieviel Geld meinst Du ben├Âtigst Du? Ich gebe Dir 300 Taler mit und Du kaufst Ihr etwas Sch├Ânes. Danach kommst Du zu mir. Lass alles sch├Ân verpacken, es soll ja eine ├ťberraschung sein. Und Du kannst gleich bleiben um zu helfen", sagte Lin gut gelaunt.

Nathan
┬╗300 reichen. Ich bringe Euch den Rest ja auch zur├╝ck. Alles h├╝bsch verpackt, versprochen. Meint Ihr, ich soll jetzt bleiben oder dann, wenn ich wieder da bin?┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Nein wenn Du die Sachen gekauft hast nat├╝rlich. Warte! Bring das Restgeld nicht zur├╝ck. Kaufe auf dem Markt einen der kleinen Rosenfinken. Diese bunten die handzahm werden. So einen ben├Âtigt sie auch", erkl├Ąrte Lin.
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Nathan
┬╗Was f├╝r eine h├╝bsche Idee! Ich wusste gar nicht, dass Ihr so feinf├╝hlig seid. Bisher haben Euch alle Bediensteten hier f├╝r einen ungehobelten Grobklotz gehalten. Aber das stimmt ja gar nicht, sonst h├Ąttet Ihr Euch nicht solche Gedanken gemacht und so wunderbare Einf├Ąlle entwickelt. Ich mach das, ich kauf das alles und danach helfe ich, nur meinen Fabs muss ich noch holen, wenn es mir gestattet ist, zu gehen.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Eh... ja... nur zu. Und Danke Nathan, Du hast was bei mir gut", freute sich Linhard.

Nathan
┬╗Ich helfe gern, wirklich! Oh, bei Dreaux muss ich mich auch noch abmelden ... bis sp├Ąter und raucht bitte nicht immer so viel. Wir machen uns Sorgen.┬ź Damit verneigte sich Nathan und ging davon, um sich zu verabschieden und gemeinsam mit Fabien seine Pflicht zu erf├╝llen.

Linhard von Hohenfelde
"Ja ich versuche es mir abzugew├Âhnen...", sagte Linhard und wandte sich danach an seinen Paps. "Meinst Du Verrill wird sich freuen oder mir den Arsch quer aufrei├čen?", lachte Lin leise.

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich denke, sie wird sich freuen. Wenn nicht ├╝ber das Kleid und den Vogel, so doch zumindest ├╝ber die Geste und ├╝ber die Gedanken, die du dir gemacht hast. Du brauchst ja nicht zu sagen, dass die Idee mit den V├Âgeln von mir stammt und die mit dem Kleid von Nathan. Dann wirst du vielleicht irgendwann deinen grobklotzigen Ruf wieder los.┬ź Brandur schmunzelte.

Linhard von Hohenfelde
"Also bis jetzt hat Verrill meine ruppige Art gefallen und da wo es drauf ankommt, bin ich ja nicht ruppig, im Gegenteil", prustete Lin. "Falls sie fragt, sage ich, dass ich mir Gedanken gemacht habe und von wem die Gedanken stammen. Fair bleiben, ich schm├╝cke mich nicht mit fremden Federn. Ich hoffe auch dass es ihr gef├Ąllt. Und einen kleinen Wohlf├╝hlraum bekommt sie auch Zuhause. Beides schlie├čt sich ja nicht aus. Zudem habe ich ja auch was davon, wenn sie halbnackt vor dem Kamin liegend ein Buch lesen kann".

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich w├╝rde mir w├╝nschen, dass du meine Idee als von dir stammend ausgibst. Ich schenke sie dir. Wenn deine Art deinem Manne gef├Ąllt und deiner Frau, dann ist doch alles bestens. Dann besteht auch kein Grund, es mit der Anpassung an Souvagnische H├Âflichkeitsvorstellungen zu ├╝bertreiben. M├Âchtest du deine Glatze eigentlich behalten, nun, wo ich wieder volles Haar mein eigen nenne?┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Ja die behalte ich, warum? Sie ist recht praktisch, aber Verrill mag sie nicht sonderlich. Er hat mich mehrmals gefragt welche Haarfarbe ich habe. Habe ich nat├╝rlich beantwortet und den Wink mit dem Zaunpfahl ├╝bersehen. Ich m├Âchte sie eigentlich behalten".

Brandur von Hohenfelde
Brandur strich ihm ├╝ber die Kopfhaut. ┬╗Ich finde, sie steht dir gut. Was meinst du, soll ich nun mit meiner wiedererlangten Haarpracht anstellen? Sollte ich sie vielleicht auch einfach abscheren, damit du mich trotz all der Ver├Ąnderungen als deinen Paps wiedererkennst?┬ź Brandur schmunzelte.

Linhard von Hohenfelde
"Ach was Unfug, Dir stehen die langen Haare gut und Du warst wegen Deiner Glatze immer traurig Paps. Also lass Deine Haare wo sie sind. Meine k├Ânnen ja wieder nachwachsen und ich habe sie aus Loyalit├Ąt zu Dir abgeschnitten. Das hei├čt nicht, dass Du jetzt gleichziehen musst. Ich werde meine nachwachsen lassen, dann sehen wir wieder gleich aus", grinste Lin und dr├╝ckte seinen Kopf gegen die Hand von Brandur.

Brandur von Hohenfelde
Liebevoll streichelte Brandur das Haupt seines Sohnes. ┬╗Jetzt, wo do meine Haarpracht siehst, verstehst du vielleicht, warum mich das so traurig machte - insbesondere, da der Rest meiner Familie von Haarausfall verschont blieb. Wenn ich wieder alt bin, werden sie erneut ausfallen und ich werde den Rest wieder scheren. Es sei denn, an dem M├Ąrchen, dass sie vor lauter ├ärger ausfielen, ist doch mehr dran, als ich dachte und bei dem gl├╝cklichen Leben, das uns erwartet, bleiben sie mir bis ins hohe Alter erhalten.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Dann guck Dir mal all die gl├╝cklichen Schl├Ąchter an, die haben volle Matten dass jeder andere neidisch wird Paps. Oder ist es nicht so? Wir d├╝rfen uns nicht ├╝ber alles aufregen. Wir m├╝ssen es entweder ├Ąndern oder hinnehmen. Aber Haarausfall sollten wir deshalb nicht bekommen. Du hast sch├Âne Haare, so wie Wolfi oder Dave auch. Oder wie Dunwin sie hatte."

Brandur von Hohenfelde
┬╗Mit mehr Gelassenheit bleibt uns vielleicht die Haarpracht erhalten - in jedem Falle aber ein froheres Gem├╝t, denn als wandelnde Gewitterwolken. Und allein das ist Grund genug, sich diese F├Ąhigkeit anzueignen.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Ja und wir m├╝ssen die Zeit genie├čen, die uns geschenkt wurde. Eines der gr├Â├čten Geschenke die es gibt, an das man gar nicht zu glauben wagte, weil es so weit weg ist. Und dennoch habe ich gehofft und innerlich gefleht und ├╝berlegt mit wem ich sprechen k├Ânnte. Wie ich es noch erreichen k├Ânnte, aber das die Hilfe von Maximilien kommen wird, damit habe ich nicht gerechnet. Aber es freut mich sehr. Das schwei├čt uns als Familie alle enger zusammen. Und das Ihr beiden Euch m├Âgt und versteht ist umso besser. Dass kann nur positiv f├╝r uns alle sein Paps".

Brandur von Hohenfelde
┬╗Ich muss mich Maximilien noch in meiner neuen Gestalt vorstellen. Er sah meine Wiedererweckung, doch da war ich blutig und mit dem puren ├ťberleben besch├Ąftigt. Er sah mich noch nicht, wie ich hier stehe, bekleidet und wohlauf. Ihm geb├╝hrt mein tiefster Dank. Und du, lieber Xavier - tu mir den Gefallen und sieh nach Alexandre und nach dem st├Ârrischen Prinzlein, das am Lager seines besten Freundes unerm├╝dlich Wache schiebt. Ich verdanke Alexandre mein Leben und du verdankst ihm deinen Vater. Nun lass uns aber erst einmal die Dorade genie├čen. Ich kann es nicht erwarten, die erste Mahlzeit in meinem neuen K├Ârper zu mir zu nehmen.┬ź

Linhard von Hohenfelde
"Versprochen, Du bekommst Deinen Fisch und danach ruhst Du Dich in unseren Gem├Ąchern aus, w├Ąhrend ich Alex einen Krankenbesuch abstatte und gemeinsam mit Ciel ├╝ber ihn wache. Das hat er sich wirklich verdient. Und Ciel kann auch etwas Beistand gebrauchen. Er ist kein schlechter Kerl, im Gegenteil, er nimmt seine Aufgaben ernst. Manchmal zu ernst. Aber Daran k├Ânnen wir ja alle gemeinsam arbeiten. Auch er braucht mal etwas Freiraum und etwas Luft zum Atmen um neu durchstarten zu k├Ânnen. Aber jetzt auf in die K├╝che, ein Fisch will verputzt werden", grinste Lin und f├╝hrte Brandur in die K├╝che.
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"Niemand wendet sich gegen die Familie, sonst wendet sich die Familie gegen Dich" - Linhard von Hohenfelde

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