Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W√§hrend die Urv√∂lker auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb√ľnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Schwärmereien eines Reisenden [Oneshot]

So erbarmungslos wie die Natur sind auch die Bewohner der n√∂rdlichen Reiche. Die dunklen Meere und die von Packeis starrenden K√ľsten werden beherrscht von den Norkara und Shezem. Den Nordwesten kontrollieren die Frostalben.
Der Norden
So erbarmungslos wie die Natur sind auch die Bewohner der n√∂rdlichen Reiche. Die dunklen Meere und die von Packeis starrenden K√ľsten werden beherrscht von den Norkara und Shezem. Den Nordwesten kontrollieren die Frostalben.
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Jaro Ballivòr
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Schwärmereien eines Reisenden [Oneshot]

#1

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » Do 8. M√§r 2018, 12:28

Xash'ir ist ein Ort der Stille. An manchen Tagen ist es so still, dass man das Eis knarzen h√∂rt, das sich unter der Last der Sonne windet. Man sagt, nicht einmal die V√∂gel wagen zu schreien, wenn sie √ľber die stolzen D√§cher der Hauptstadt fliegen.
Dringt man aber tiefer in ihre Gassen hinein, entdeckt man dann und wann die unterschwellige Ger√§uschkulisse gesch√§ftigen Treibens. Werkzeuge klopfen und klacken, F√ľ√üe pochen, Stoffe rascheln, Wasser pl√§tschert, Tiere st√∂hnen und schnauben und der Wind singt sein Lied an den W√§nden und Zinnen der Stadtmauer. Gesprochen wird in Xash'ir hingegen so gut wie nie und schon gar nicht in der √Ėffentlichkeit. Die Frostalben sind per se ein schweigsames Volk, doch man ist geneigt zu glauben, dass das Schweigen aus der Andacht um die Sch√∂nheit der Stadt geboren wird, aus Ehrbietung und Respekt und Staunen. Xash'irs Antlitz ist von einer Erhabenheit gepr√§gt, wie nur Eis sie versteht. Kompromisslos und kalt, dabei ebenso furchteinfl√∂ssend wie einladend, und zutiefst geheimnisvoll. Schon wenn man durch das gro√üe Tor schreitet, durch die zwei Fl√ľgel, die beinahe bis in den Himmel reichen, mit ihm verschmelzen und ihn tragen, trifft einen der Zauber wie eine Offenbarung und es bleibt einem nichts, als mit offenem Mund nach oben zu blicken und zu erahnen, wo die gigantische Pforte wohl endet. Zu beiden Seiten spannt sich von dort in pinibler Symmetrie der Eiswall aus, schlie√üt Xash'ir in seinen eisigen Griff und sch√ľtzt seine Geb√§ude und Bewohner. Wagt man die ersten Schritte hinein zu gehen, findet man sich auf einem kleinen Platz wieder, dessen Wege von Eisskulpturen ges√§umt und von unterirdischen Wasserl√§ufen flankiert werden, in denen verschiedenste Fische ihre Bahnen ziehen. Dahinter er√∂ffnet sich ein Labyrinth aus Gassen und H√§usern, die immer h√∂her wachsen, sich zunehmend edler und pr√§chtiger hervortun und schlie√ülich nur noch von den nahen Gipfeln des Taiwenggebirges √ľbertrumpft werden, die bedrohend und beh√ľtend zugleich ihren Schatten werfen. Wenn man in Xash'ir geht, f√ľrchtet man, die eigenen Schritte k√∂nnten die heilige Stille st√∂ren, das eigene Aussehen das Stadtbild besch√§men und der Atem die Luft verschmutzen. Umso unglaublicher erscheint es, dass dieser Ort Schauplatz der grausamsten Ereignisse ist, die man sich vorstellen kann, dass das √úberleben hier keine Selbstverst√§ndlichkeit darstellt, dass die Bewohner, so herrlich ihr Schaffenswerk auch sein mag, in ihren Herzen kalt und verk√ľmmert sind.
Aber ich schweife ab... Ihr habt mich nach dem beeindruckendsten Ort gefragt, den ich auf meinen Reisen sah und ich habe viel gesehen! Dutzende St√§dte habe ich auf der ganze Welt besucht und doch ist es Xash'ir, die mich am meisten in ihren Bann gezogen hat. Ob es an ihrer Aura liegt, als Sitz der gro√üen Magierakademie und als Heim des unsterblichen Regenten oder blo√ü an der mystischen Sch√∂nheit, die sich in all den unz√§hligen Bauwerken und Eispal√§sten manifestiert, kann ich nicht sagen. Sie nimmt einen mit allen Sinnen in Beschlag und versteht es zu √ľberraschen und zu faszinieren wie kaum ein anderer Ort auf der Welt. In wessen Vorstellung Xash'ir nach der ersten Beschreibung zum Beispiel hell und strahlend ist, der ist weit gefehlt. Es gibt zwar Tage im Sommer, an denen das Licht auch in die dunkelsten Ecken dringt, wo es an den Geb√§uden in alle Facetten des Regenbogens bricht, glitzert und funkelt, doch an diesen Tagen ist in Xash'ir niemand auf der Stra√üe anzutreffen und dies sind die Stunden, von denen Albenkinder sich gruselige Geschichten erz√§hlen. Solche Augenblicke sind ebenso gef√ľrchtet wie selten. Die Stadt ist bewusst so gebaut, dass das Licht im Zaum gehalten wird, dass es jederzeit Zuflucht gibt vor der entbl√∂√üenden Helligkeit und Schutz vor der W√§rme der Sonne. Nicht weniger sch√∂n ist Xash'ir dadurch. Die Magie der Schatten strebt hier zu Perfektion, Formen bekommen eine ganz andere Gestalt und Kunst ein anderes Gesicht. Xash'ir ist seinem hellen Baumaterial zum Trotz eine d√ľstere Stadt, die ihr Antlitz fast trotzig gen Himmel reckt und bei Nacht mehr strahlt als bei Tage.

Wie es dazu kam, dass ich die große Hauptstadt des Frostkönigreiches besuchte? Das eine Geschichte, die ich euch ein anderes Mal erzähle.

Unbekannter Autor
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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