Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt. Die ├╝berlebenden V├Âlker beginnen zu ahnen, dass der Schl├╝ssel zur Herrschaft ├╝ber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. W├Ąhrend die Almanen auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimb├╝nde der Schatten sehen in der Magie die m├Ąchtigste Waffe und f├╝r die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Regen in der W├╝ste

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S├Âldnerlager der Raubv├Âgel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen S├Âldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes S├Âldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spa├č zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Farael Dornenwind
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Regen in der W├╝ste

#1

Beitrag von Farael Dornenwind » Fr 8. Jun 2018, 22:48

Die Gliedma├čen f├╝hlten sich schwer an, als Farael allm├Ąhlich sein Bewusstsein wiedererlangte. Sein Schlaf war lang nicht so erholsam, wie er diesen nach der letzten Nacht gebraucht h├Ątte. Er fuhr sich mit der Rechten ├╝ber die Stirn, schlie├člich ein paar Centimeter herab, an der er mit Zeigefinger und Daumen seinen Nasenr├╝cken massierte. Offensichtlich hatte er sich doch ├╝beranstrengt. Die Verletzungen brannten, die Muskeln streikten und auch die M├╝digkeit konnte er nicht wie sonst einfach absch├╝tteln.

ÔÇ×Guten MorgenÔÇť, gr├╝├čte er schlie├člich in den Raum herein. Neben sich sp├╝rte er keinerlei Gewicht. Vermutlich war Ana bereits aufgestanden und sa├č am Tisch. Doch es war viel zu ruhig in seinem Haus. Langsam ├Âffnete Farael seine Augen und hob den Kopf an. Wo ist sie hin? Im gesamten Raum war nichts von der Sch├Ânheit zu sehen, mit der zuvor noch das Bett geteilt und sich letzten Abend ÔÇô gestritten hatte. So sehr hatte er sich gew├╝nscht, es nach seinem Schlaf einfach zu vergessen. Zumindest hatte es f├╝r eine kurze Zeit funktioniert.

Doch jetzt lag er da und lie├č seinen Kopf wieder in das Kissen sinken. Sein Blick gen Decke gerichtet, ├╝berschlug er noch einmal die Geschehnisse vom vorherigen Abend. Konnte man dies wirklich einen Streit nennen? Sicherlich war dies kein Grund, einfach zu verschwinden oder ihn allein zu lassen. Zumindest nicht, ohne ihm Bescheid zu geben.

M├╝heselig richtet sich Farael auf und setzte die F├╝├če auf den Boden. Von ihren Sachen war keine Spur zu sehen. Vielleicht war sie doch einkaufen gegangen? Augenblicklich sch├╝ttelte er mit seinem Kopf. Sie hatte kein Geld, wie sollte sie einkaufen gehen? Eine Ahnung kroch durch seinen Kopf. Augenblicklich bildete sich ein Knoten in seinem Bauch. Jedoch konnte er sich bei einer Sache sicher sein: Sie w├╝rde niemals ohne ihre Laute gehen. Das Instrument bedeutete ihr zu viel. Das war sein Anhaltspunkt. Dieser w├╝rde Gewissheit schaffen.

Tief in sich sp├╝rte er Angst aufkeimen, Unsicherheit. Wollte er es wirklich wissen? Hin- und hergerissen zwischen Wissen und bewusster Unwissenheit waren seine F├╝├če bereits von allein zur Kommode gelaufen. Der Durst nach Gewissheit lie├č seine Hand zum untersten Fach seiner Kommode vorschnellen und diese ├Âffnen.

In diesem Moment w├╝nschte er sich, er h├Ątte diese verdammte Schublade niemals ge├Âffnet.

Ihr Lautenkasten war verschwunden. Ebenso ihre Kleidung und jede einzelne Habseligkeit von ihr. Inklusive Faraels Hemd. Sie konnte nicht einfach gegangen sein. Ohne ein Wort. Ohne ihn zu wecken. Ohne sich zu verabschieden. Das konnte nicht sein. Farael konnte sich nicht so sehr in einem Menschen irren. Erst recht nicht Gef├╝hle f├╝r diesen Menschen entwickeln, wenn er nicht vertrauensw├╝rdig war.

Damit war sich Farael auch sicher, dass Ana im Laufe des Tages zur├╝ckkehren w├╝rde und ihm davon berichten sollte, was sie getrieben hatte. Sicher grinste Farael, als er seine Vermutung als richtig ansah. Ana zog es immer wieder zum Meer. Ihrer wahren Heimat. Sie hatte offensichtlich nur genug von der stickigen Luft der Stadt und hatte sich eine Brise des Salzwassers holen wollen. Vor seinen Augen zeichnete sich das Bild der jungen Norkara ab, die am Strand von Obenza mit ihrer Laute den Tag begr├╝├čte.

Also wartete Farael auf seine Freundin. Den neuen Tag nutzte er, um sein Haus auf Vordermann zu bringen. Es war lang ├╝berf├Ąllig gewesen, dass er sich dem Chaos in seinen eigenen vier W├Ąnden widmete. Auch an seiner Waschstelle, dort wo Zuber, Waschbrett und W├Ąscheleine waren, brauchte es Pflege. Dort fand er auch die schmutzigen Sachen Anas, die er im selben Zug ebenso wusch und aufhing.

Als sie jedoch zum Mittag noch immer nicht erschienen war und Farael selbst die Zeit ausging, um auf sie zu warten, schrieb er ihr kurzerhand einen Zettel.

A.
Ich bin auf der Arbeit, mich mit den anderen treffen und weiter an dem Projekt arbeiten.
F.


Diesen Zettel klemmte Farael an seiner T├╝r, schloss diese ab und machte sich auf den Weg zum alten S├Âldnerlager. Wie immer um die Mittagszeit waren die Stra├čen voll und die Bewohner gingen ihren Gesch├Ąften nach. Von seinem Haus aus war es ein weiter Weg bis zum S├Âldnerlager, einen Umstand, den er in Zukunft zu ├Ąndern gedachte. Doch stimmte zu dem Zeitpunkt weder die Kasse, noch die M├Âglichkeit etwas daran zu ├Ąndern. Dabei gingen seine ├ťberlegungen in jene Richtung, schon Auftr├Ąge anzunehmen und zu verteilen, um die ersten Gewinne und somit Investitionsm├Âglichkeiten zu erzeugen. Doch ohne feste Unterkunft, h├Ątte er Sodo, Cherax und Bolgur einen ungeheuerlichen Anteil zahlen m├╝ssen, damit sie sich selbst versorgen konnten. Da w├Ąre nichts ├╝briggeblieben. Also schob er diese Gedanken beiseite.

Kaum war er bei dem alten S├Âldnerlager eingetroffen, traf er sich wie ├╝blich mit den drei S├Âldnern. Sie fuhren ihre gemeinsame Arbeit fort, unterhielten sich, lernten sich besser kennen und schafften obendrein ein gutes St├╝ck der Arbeit. Doch von Ana blieb keine Spur. Langsam kroch Farael das Gef├╝hl der Sorge die Kehle hinauf. Seine Gedanken kreisten die meiste Zeit um sie und ihren Verbleib. War sie wirklich einfach gegangen? Schon wieder diese Frage in seinem Kopf, die er nicht beantworten wollte. Vehement redete er sich ein, dass sie wiederkommen w├╝rde. Dabei war er sich ganz sicher.

Entgegen jeder seiner Erwartung und Hoffnung, bekam Farael Anas wundersch├Ânes Gesicht an diesem Tag nicht mehr zu sehen. Am Abend versuchte er sein Gl├╝ck in einigen, nahegelegenen Schenken, doch konnte er sie auch dort nicht finden. Geschlagen begab er sich am selben Abend nach Hause, nur um den Zettel vorzufinden, wie er ihn hinterlassen hatte. Sie war nicht einmal zur├╝ckgekehrt. Das wollte und konnte Farael nicht akzeptieren. Das aufkeimende Gef├╝hl, von ihr verlassen worden zu sein, war absurd. Diese Frau hatte sich vor ein paar Tagen in sein Leben begeben. Doch er f├╝hlte diese unheimliche Leere, wenn sie nicht in der N├Ąhe war. Das durfte nicht wahr sein!

Doch es wurde wahr. Und gestaltete seine Zeit, nach der Ana spurlos verschwunden blieb. Die erste Woche verging langsam, beinahe qu├Ąlend. Weiterhin wollte sich Farael nicht mit den Gedanken abfinden, dass Ana einfach gegangen war, weil sie eine einfache Bettgeschichte dargestellt hatte. Es musste einfach wesentlich mehr dahinterstecken, als es schien. Entgegen der Situation glaubte er fest daran, dass ihr etwas zugesto├čen sein musste. H├Ąufig fand sich Farael nach der Arbeit im S├Âldnerlager auf den Stra├čen Obenzas wieder, um nach ihr Ausschau zu halten. Nebenbei musste er noch Geld mit kleineren Auftr├Ągen verdienen, damit er nicht aus seinem Haus flog oder kein Essen mehr hatte.

Ana blieb derweilen verschwunden. Sporadisch erhielt Farael die Information von Wirten und trunkenen M├Ąnnern, dass seine verschwundene Geliebte in einer Taverne gesichtet wurde. Doch sie schien ein H├Ąndchen daf├╝r zu haben, ihm aus den Weg zu gehen. Immer mehr wandelte sich seine verzweifelte Hoffnung in bittere Wahrheit. Nach der dritten Woche nach Anas Verschwinden gab er schlie├člich seine Suche ganz auf. Widerwillig hatte er akzeptieren m├╝ssen, dass Ana nicht gefunden werden wollte und eine Meisterin darin war, in der Stadt unterzugehen. Der Gedanke, dass sie sich mit anderen M├Ąnnern oder Frauen traf, um mit diesen das Bett zu teilen, lie├č Farael keine Ruhe.

Aufgew├╝hlt verbrachte er die N├Ąchte in seinem Bett. Er schreckte hoch, wenn er jemanden vor seiner Haust├╝r h├Ârte, der nicht wie ein betrunkener Kerl wirkte. Noch immer lag Anas gewaschene Kleidung auf seiner Kommode. Fein s├Ąuberlich zusammengelegt und darauf wartend, dass sich ihre Besitzerin endlich meldete. Doch sie kam nicht und so war die Kleidung Anas dazu verdammt, ein Erinnerungsst├╝ck zu sein. Eine Erinnerung die in Verbindung mit seinen Gef├╝hlen, aber auch mit ihren gemeinsamen N├Ąchten zu tun hatte. Auch wenn diese schmerzten, so schaffte er es nicht loszulassen und die Kleidung wegzuwerfen. Etwas hinderte ihn daran. Dabei bemerkte Farael, wie er Ana nicht loslassen konnte. Sie verblieb in seinem Kopf, in seinen Gedanken. Doch ihr Fehlen machte dieses Bild zu einer grausamen Tortur, die er ertragen musste. Er f├╝hlte sich wie ein Schuljunge, der sich in ein M├Ądchen verknallt hatte. Er war so naiv. Dennoch zerriss es sein Herz.

Schnell schlug die Trauer in Bitterkeit um. Farael konnte das Geschehene nicht akzeptieren. Genau so wenig, wie er den Schmerz ertrug, den er durch das Verschwinden Anas und ihrem Verhalten erdulden musste. Seine Einnahmen durch kleinere Auftr├Ąge wurden deutlich geschm├Ąlert, als Alkohol das Schmerzmittel f├╝r seinen Kummer wurde. Das Gef├╝hl der Trunkenheit bet├Ąubte seine Sinne, besonders zum Abend, als der Schmerz am st├Ąrksten wurde.

So kam es, als er eines Abends, vier Wochen nach ihrem verschwunden nach Hause torkelte. Der Geruch von billigem Schnaps und Bier haftete ihm an, verfolgte ihn wie ein Schatten. Seine H├Ąnde zitterten etwas, die Welt drehte sich leicht und dennoch war er nicht betrunken. Diesen Zustand konnte er sich nicht leisten. Auch wenn mittlerweile seine Wunden verheilt waren, er kein Geld hatte, was ihm gestohlen werden konnte, und es niemanden gab, auf den er achten musste. Dennoch war es seine Vernunft, die verhinderte, dass er sich allein abschoss und somit sein Leben ruinierte.

Die Nacht war k├╝hl. Auf den Stra├čen waren die Laternen entz├╝ndet worden und die Menschenmassen hatten sich zu zwielichtigen Gestalten und Betrunkenen ausged├╝nnt. Obenza verwandelte sich nachts zu einer Stadt, in der allein das Wandern mit dem Tod enden konnte. Doch dieser Zustand war Farael egal. Was hatte er noch gro├č zu verlieren? Seine erste gro├če Liebe war einfach gefl├╝chtet. Obendrein war er pleite und musste sich dar├╝ber sorgen, wie er seine Miete, zudem noch Sodo bezahlen sollte.

Da k├╝mmerte es ihn auch nicht mehr, dass eine Gestalt vor seinem Haus herumlungerte. Eine Frau. Vermutlich Ana, ihren Gesichtsz├╝gen nach. Doch was sollte es schon? Sie war doch eh nicht da und w├╝rde nicht wiederkommen. Also warum sollte er sie schon gro├č beachten? Eher griff er seinen Schl├╝ssel in seiner Tasche und schloss die T├╝r auf.

Bis er schlagartig n├╝chtern wurde. Faraels Blick schoss mit klarem Blick hinunter auf dem Boden neben seiner T├╝r, neben der Ana sa├č. Ihre Gesichtsz├╝ge waren blass, beinahe kr├Ąnklich. Hatte sie abgenommen? Ihre Wangenknochen waren deutlicher zu erkennen. Ihre gesamte Gestalt schien schmaler. Dann noch diese ungepflegten Haare. Sie war ein Schatten ihrer Selbst. Mit weit aufgerissenen Augen betrachtete er das kr├Ąnkliche B├╝ndel vor sich, welches ebenso baff seinen Blick erwiderte. Z├Âgerlich streckte Farael seine Hand nach ihr aus, ber├╝hrte ihre Wange, die sich eiskalt unter seiner Ber├╝hrung anf├╝hlte. ÔÇ×Ana?ÔÇť, fragte er ungl├Ąubig. F├╝r ihn schien es v├Âllig fern von jeder Realit├Ąt, jene Frau vor sich sitzen zu haben, durch welche er die letzten Wochen durch die H├Âlle gegangen war.

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Re: Regen in der W├╝ste

#2

Beitrag von Schwarze Ana » So 10. Jun 2018, 18:53

Ana st├╝rzte zur T├╝r hinaus und fiel auf die Knie. Es kam nicht viel, denn sie hatte tags zuvor kaum gegessen und so w├╝rgte sie mehr, als dass sie erbrach. Als ihr K├Ârper sich wieder beruhigt hatte, versuchte sie ihre Gedanken zu sammeln. Wo war sie gestern gewesen? Es passierte nicht selten, dass sie von ├ťbelkeit erwachte und im ersten Moment nicht wusste, wo sie war. Nach einigen Augenblicken kamen stets die ersten Fragmente ihrer Erinnerung zur├╝ck, die ihr f├╝r einen groben Anhaltspunkt meist reichten. Dieses Mal weitete die Erkenntnis ihre Augen vor ├ťberraschung. Sie hatte ├╝berhaupt nicht getrunken! Sie war n├╝chtern ins Bett gegangen, das sich in einem gut situierten Gasthaus befand. Vor dem Auftritt war sie viel zu aufgeregt, danach viel zu ersch├Âpft gewesen, um wie sonst gleich einen gro├čen Teil ihrer Gage in Fl├╝ssiges einzutauschen. Nein. Sie war n├╝chtern. Und doch rebellierte ihr K├Ârper wie nach dem schlimmsten Rausch. Ana japste nach Luft und setzte sich zur├╝ck an die Hauswand. Wenn es ihr selbst nach einer abszinenten Nacht so ging, konnte sie ebenso gut ordentlich trinken. Immerhin h├Ątte sie dann wenigstens Spa├č zuvor. F├╝r einen Moment schloss sie die Augen und wischte sich den kalten Schwei├č von der Stirn. Passanten murrten beim Vorbeigehen.
"Das Gesinde erobert noch die ganze Stadt", brummte einer.
Ana ignorierte sie. Bauchkr├Ąmpfe nahmen ihr die Luft zum Atmen und wenn sie aussah, wie sie sich f├╝hlte, h├Ątte es ohnehin nicht geklappt, den Leuten weis zu machen, sie sei weder Alkohol noch einer anderen Droge erlegen; im Augenblick zumindest nicht. M├╝hsam versuchte sie ihren Atem in gleichm├Ą├čige Bahnen zu zwingen, zog die Knie so eng an den K├Ârper, wie es nur ging und wartete, das der Schmerz nachlie├č und sie es wagen konnte, aufzustehen.

Sp├Ątestens die ehrliche Besorgnis der Wirtin h├Ątte Ana in Erinnerung gerufen, dass sie in einem hochwertigen Gasthaus gen├Ąchtigt hatte. Auch nach dem f├╝nften vorgeschlagenen Fr├╝hst├╝ck gab sie nicht auf und br├╝hte zumindest einen starken Kr├Ąutertee auf.
"M├Ądchen, M├Ądchen...du wirst doch nicht Dhanga nehmen? Nein...", korrigierte sie sich unmittelbar selbst, "das w├╝rde ich erkennen, jawohl."
Sie murmelte kopfsch├╝ttelnd weiter vor sich hin, aber Ana h├Ârte nicht zu. Sie war dankbar, keine Frage, doch die Anstrengung war zu gro├č. Der Tee tat gut, aber sie wusste, dass sie essen musste. Nur was?
"Hier, Kleines", drang die Wirtin in ihren Geist und presste ihr ein nasses Tuch auf die Stirn. "Halte das eine Weile hin. Ich habe es in einer Essenz eingelegt, die meine Gro├čmutter schon verwendet hat. Es beruhigt den Geist und k├╝hlt das Blut, hat sie immer gesagt und ein ruhiger Geist heilt den K├Ârper."
Und ein vergifteter Geist? Vergiftet der den K├Ârper? Das h├Ątte Ana gerne gefragt, stattdessen fl├╝sterte sie nur ein "Danke" und tat wie ihr gehei├čen.

Die Bauchkr├Ąmpfe wurden schlimmer. Es gab Tage, da konnte Ana kaum aufstehen und vermutlich h├Ątte sie sich ihrem Schicksal einfach ergeben, wenn die Wirtin nicht zwei Mal pro Tag mit dick eingekochten Suppen bei ihr aufgeschlagen w├Ąre, um sie zum Essen zu zwingen. Womit sie diese F├╝rsorge verdiente, wusste Ana nicht, denn zahlen konnte sie schon seit zwei Tagen nicht mehr. Die Wirtin hatte das bislang noch mit keinem Wort erw├Ąhnt, aber Ana nagte es am Gewissen. Ja - sie war eine Diebin und eine L├╝gnerin und es war ihr ein Leichtes von Unbekannten zu nehmen oder gar von solchen, die ihr feindlich gesinnt waren. Niemals aber stahl sie von Bed├╝rftigen. Niemals nutzte sie Menschen aus, die freim├╝tig mit ihr teilten und niemals betrog sie jene, die es ehrlich mit ihr meinten. "Wirklich?", schoss es ihr durch den Kopf, bitter wie Galle. "Und was ist mit Farael?" Von einem auf den anderen Augenblick brach sie in haltloses Schluchzen aus. Sie konnte nicht aufh├Âren. Selbst, als schon lange keinen Tr├Ąnen mehr kamen, schluchzte sie weiter. Ihr Kopf dr├Âhnte, als wollte er bald zerspringen und ihr Hals war wund und rau, als die Wirtin abends nach oben kam. Sie warf einen Blick auf sie, stockte und eilte zu ihr, nahm sie in ihre Arme und wiegte sie wie ein kleines Kind.
"Kind... wann hattest du zuletzt deine Blutung?", fragte sie leise, nachdem Ana sich einigerma├čen beruhigt hatte.
Ana zwang sich dar├╝ber nachzudenken. "Ich wei├č nicht."
"Ich habe f├╝nf Kinder. Es hat ein bisschen gedauert, doch ich meine, eine Schwangerschaft zu erkennen, wenn ich eine sehe. Ist das m├Âglich?"
Wie viel Tage waren vergangen, seit sie zuletzt mit jemandem geschlafen hatte? Die Zahlen drehten sich in Anas Kopf und ihr war schwindelig. Nein. Nein, nein, nein. Das durfte nicht sein!
"Es ist m├Âglich", h├Ârte sie sich selbst sagen. Sie war wie paralysiert.
"Ich kenne einen Heiler, der gelernt hat den Geist fr├╝hen Lebens in einem K├Ârper zu ersp├╝ren. Soll ich ihn holen lassen?"
"Ich habe kein Geld."
"Ach!" Die Stimme der Wirtin klang gereizt. "Geld, Geld, Geld! Mach dir deshalb mal keinen Kopf. Wenn es dich so bedr├╝ckt, kannst du es nachher in Form eines Gratisauftrittes zur├╝ck zahlen. Viel wichtiger ist deine Gesundheit. Und die des kleinen Sprosses, sollte es einen geben."
Ana wollte das nicht h├Âren. Gewaltsam versuchte sie ihren Geist gegen diese M├Âglichkeit zu verschlie├čen, aber es war zwecklos und das Schluchzen kam zur├╝ck.

Irgendwann war es zu viel. Ana konnte die Gro├čz├╝gigkeit der Wirtin nicht l├Ąnger ertragen. Eine weitere Schmach, ein weiterer schwarzer Fleck auf ihrer Seele, die durch die ungewollte Schwangerschaft ohnehin schon am Rande des Abgrunds hing. Also kapitulierte sie; mithilfe einer weiteren L├╝ge. Machte die denn noch einen Unterschied? Ana versicherte der Hausherrin, den Vater des Kindes aufzusuchen, denn sie wusste, anders h├Ątte sie sie nicht gehen lassen. Aus gutem Grund. Wo sollte sie hin? Sie hatte kein Geld, keinen Zufluchtsort, nichts. Ein Gedanke kam ihr. Reela. Nach ihrem Verschwinden bei Farael war sie der jungen Frau eher zuf├Ąllig ├╝ber den Weg gelaufen und, obwohl sie sich zuvor nur ein einziges Mal begegnet waren, hatte diese sie ohne lange zu ├╝berlegen in einer Nacht mit zu sich nach Hause genommen. Erst viel sp├Ąter war Ana klar geworden, welch miserables Bild sie abgegeben haben musste. Ungewaschen, betrunken, verheult und krank. Eigentlich, so dachte sie, war es ein Wunder, dass sie das Kind in der fr├╝hen Anfangszeit nicht verloren hatte. Nun zog es sie unwillk├╝rlich wieder vor Reelas T├╝r.
Der Nebel um Anas Geist lichtete sich genug, um Freude dar├╝ber zuzulassen, dass Reela sich des alten Kerls entledigt und einen neuen gefunden hatte. Er schien anst├Ąndig zu sein und gestattete Ana bei ihnen zu wohnen. Auch die Tatsache, dass sich die beiden Frauen das Bett teilten, st├Ârte ihn nicht. Er wich in einen anderen Raum aus und lie├č zu, dass Ana sich in die Z├Ąrtlichkeit von Reelas Armen fl├╝chtete. Nach ein paar Tagen, wie als h├Ątte sie eine Schonfrist abgewartet, sprach diese sie an.
"Wei├čt du, wer der Vater ist?"
Ana sah verdutzt von ihrem Fr├╝hst├╝ck auf. Sie hatte Reela nichts von der Schwangerschaft erz├Ąhlt.
"Ach komm schon! Hast du gedacht, ich w├╝rde es nicht merken?"
Das hatte sie. Sie nickte. "Ich glaube schon."
"Du glaubst?"
"Eigentlich kann es nur einer sein. Mit den anderen..."
Dankbar brach sie ab, als Reelas Nicken ihr verriet, dass sie verstanden hatte und weitere Ausf├╝hrungen nicht n├Âtig waren.
"Und er? Wei├č er davon?"
Ana sch├╝ttelte nur den Kopf.
"Du willst das Kind nicht", stellte Reela fest.
"Ich wei├č nicht." Anas Stimme war nur ein Fl├╝stern. "Ich wei├č es einfach nicht."
"Diese Entscheidung kannst nur du alleine treffen. Niemand kann dir dabei helfen, niemand sollte es. Aber versprich mir eines." Sie legte ihre Hand an Anas Wange, um ihren Blick zu fangen. "Wenn du dich dagegen entscheidest, sag ihm nichts davon."
"Keine Sorge. Er ist sowieso Geschichte."
Kurz machte es den Eindruck als wolle Reela etwas entgegnen, doch sie blieb still und das Gespr├Ąch war beendet.

Ana war erstaunt und geschockt, wie leicht sie sich an ein Leben bei Reela und Jesper gew├Âhnen h├Ątte k├Ânnen, w├Ąre da nicht die offene Entscheidung gewesen, die sie wie ein d├╝sterer Schatten ├╝berall hin verfolgte. Sie hatte es bei Farael nicht eine Unze schlechter gehabt. Wieso hatte sie sich dort nicht ebenso wohl f├╝hlen k├Ânnen? Was hatte er getan, dass ihre Reaktion rechtfertigte? Er liebt mich, dachte sie. Das ist sein Verbrechen. Ana seufzte und fuhr fort, ihre Laute zu polieren. Wie gerne h├Ątte sie in solchen Momenten zur Flasche gegriffen! Es war so einfach, dem Strudel f├╝r ein paar Stunden zu entfliehen. Doch sie hatte es Reela versprochen. Bis ihre Entscheidung bez├╝glich des Kindes getroffen war, w├╝rde sie nicht trinken. Ihr Geld verdiente sie sich wieder mit Musik. Reela und Jesper berechneten ihr nichts f├╝r die Bleibe, doch zumindest f├╝r ihre Ern├Ąhrung wollte sie selbst sorgen. Es tat ihr gut, das Instrument zu spielen und mit geschlossenen Augen den Kl├Ąngen nachzugehen. Das war aber auch das einzig Positive. St├Ąndig plagte sie die Angst, sie k├Ânne Farael ├╝ber den Weg laufen und was dann? Hinzu kam der Entzug von einer Sucht, die sie zuvor als solche gar nicht wahrgenommen hatte. Nicht zu trinken fiel ihr wirklich am schwersten. Ihr zweites Laster hatte sich zum Gl├╝ck beruhigt, seit sie bei Reela wohnte und mit ihr schlief. Trotzdem dachte Ana ungern an die ersten N├Ąchte nach ihrem Ausbruch bei Farael zur├╝ck. Gerade im Hinblick auf die z├Ąrtlichen N├Ąchte, die sie mit ihm verbracht hatte, erf├╝llte die Erinnerung an die folgenden sie mit Abscheu. Doch was sie auch alles belasten mochte, es war nichts im Vergleich zur der ausstehenden Entscheidung, die erhaben und gnadenlos ├╝ber allem schwebte. Sie konnte es nicht l├Ąnger hinausschieben. Noch war der Gedanke, dass etwas in ihr wuchs - dass ein Kind in ihr wuchs - abstrus, aber w├╝rde sie nicht bald schon die Rundung ihre Bauches sehen k├Ânnen, die ersten Tritte und das Herzklopfen sp├╝ren? Um wie viel schwerer w├╝rde ihr die Entscheidung dann fallen? Es musste jetzt sein.


Mit zitternden H├Ąnden gab Ana ein paar Tage sp├Ąter das Pulver in das Glas. Sie folgte den kreisenden Partikeln mit den Augen, r├╝hrte, schaute, r├╝hrte, schaute. Man hatte ihr versichert es sei unfehlbar, sei schmerzfrei und nach wenigen Stunden w├╝rde sie das schwache Leben, das sich in ihr regte in Form von schleimigen Blut ausscheiden, nicht viel anders als bei ihren regelm├Ą├čigen Blutungen. Wie hypnotisiert starrte sie das Glas an. Sie war sich sicher. Es musste sein. Sie konnte kaum f├╝r sich selbst sorgen. Wie sollte sie ein Neugeborenes ├╝ber die Runden bringen? Sie hatte nicht einmal ein festes Dach ├╝ber dem Kopf, denn so freundlich sie auch waren, stand doch fest, dass sie nicht ewig bei Jesper und Reela bleiben konnte. "Du h├Ąttest eines haben k├Ânnen", sagte sie sich mit bitterer Stimme. Der Gedanke an Farael schmerzte. Vor ebendiesem Dach war sie weggelaufen. Wie damals. Wie jedes Mal. Und mit welchem Ergebnis? Jetzt konnte sie noch nicht einmal sicher sein, dass das Kind von ihm war. "Nat├╝rlich ist es das!", zischte sie so laut, dass sich einige der Insassen zu ihr umdrehten. Ana beugte sich tiefer ├╝ber den Tresen und warf sich das Haar als Sichtschutz vor das Gesicht. Farael... Es passte von der Zeit und sie hatte sich mit niemanden auf die gleiche Weise vereint wie mit dem Alben. Trotzdem nagten Zweifel an ihr. Doch sei es drum. So oder so durfte er es nicht erfahren. Niemals w├╝rde er zulassen, dass sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzte, niemals, solange es den kleinsten Funken Hoffnung gab, dass es sein Spross war, der in ihr heran wuchs. Bei der Vorstellung einer Miniversion von Farael wuchs ihr ein Klo├č im Hals. Nur mit M├╝he rang sie die Bilder nieder. Nicht einen Augenblick zweifelte sie daran, dass er ein guter Vater w├Ąre. Umso mehr an ihren F├Ąhigkeiten als Mutter. Und als treue Gef├Ąhrtin.
Es gab keinen Ausweg. Ana streckte die Finger nach dem Getr├Ąnk aus. Dann - urpl├Âtzlich - stie├č sie es mit Wucht von der Theke. Das Glas zerschellte auf dem Boden, w├Ąhrend sich sein Inhalt und damit Anas gesamtes hart verdientes Geld der letzten Tage auf den Dielen ergoss. Unkontrollierte Schluchzer sch├╝ttelten sie und sie lie├č sich vom Hocker gleiten. Mehr als ein paar finstere Blicke und etwas Gemurmel begleiteten sie nicht aus der Spelunke. An Orten wie diesen scherte sich niemand um Freud und Leid eines anderen. Ana stolperte hinaus in die Gasse und einige Schritte die Hauswand entlang, bis sie einfach daran hinunterrutschte und die Knie umklammerte. Sie hatte es nicht gekonnt. Sie hatte das kleine Herz, das unter ihrem eigenen zum Leben erwacht war nicht einfach zum Schweigen bringen k├Ânnen. Eine gef├╝hlte Ewigkeit sa├č sie so da und weinte. Einen zweiten Versuch, das stand fest, w├╝rde sie nicht unternehmen.

Reela fand sie.
"Ana?" Ihre Stimme klang aufgeregt. "Was hast du getan?"
Ein schwaches Kopfsch├╝ttel war Anas einzige Antwort.
"Komm her, schon gut." Reela ging neben ihr in die Knie und schloss sie in ihre Arme. "Es war die richtige Entscheidung, glaub mir."
In ihrer Verzweiflung suchte Ana Reelas Lippen, doch diese wich zur├╝ck.
"Nein, Ana. Du musst aufh├Âren, deine Seelenqualen in Extremen zu ers├Ąufen. Du trinkst und du fl├╝chtest dich in k├Ârperliches Empfinden, um dich nicht mit deinen Problemen besch├Ąftigen zu m├╝ssen. Merkst du nicht, dass du so niemals zu einer L├Âsung kommen wirst?"
"Nat├╝rlich tue ich das", entgegnete Ana schwach.
"Geh zu ihm."
"Was?"
"Du hast mich verstanden. Es ist offensichtlich, dass dir etwas an ihm liegt."
"Er ist einer wie jeder andere."
"Wir wissen beide, dass das nicht stimmt." Reela strich ihr die Haare aus dem Gesicht. "Wenn du darauf bestehst, dich selbst zu bel├╝gen, soll mir das Recht sein. Doch wenn es um micht geht, habe ich ein W├Ârtchen mitzurenden. Geh zu ihm."
Ana sparte sich eine Erwiderung. Stattdessen verst├Ąrkte sie den Druck ihrer Arme und lie├č all ihre Dankbarkeit in die Umarmung mit der kleinen Frau str├Âmen.

Am n├Ąchsten Morgen machte sie sich auf den Weg. Unsicherheit l├Ąhmte sie und die k├Ârperlichen Beschwerden waren nicht gerade hilfreich. Trotzdem ging sie auf direktem Wege zu Faraels Haus, bevor sie es sich doch noch anders ├╝berlegen konnte. Exakt denselben Weg war sie zuletzt mit ihm gemeinsam gegangen. Bevor... Eilig verwarf sie den Gedanken, trat ohne Umschweife an die T├╝r und klopfte an. Keine Reaktion. Sie klopfte erneut... Nichts. Ana r├╝ttelte an der T├╝r, sp├Ąhte durch ein Fenster, ging sogar ums Eck, doch alles wirkte verlassen.
"Was hast du gedacht? Dass er mit dem roten Teppich auf dich wartet, an einem reich gedeckten Tisch? Blumen in einer Vase?" Wie lang war sie nun fort? Sie wusste es nicht und dar├╝ber nachzudenken, strengte sie an. Vermutlich hatte er sie schon vergessen oder ersetzt oder hatte Obenza gar verlassen. Zugleich f├╝hlte sie, dass nichts davon der Fall war. Zwar hatte sie ihn nicht nach ihr suchen sehen, doch sie wusste, dass er es versucht hatte. Und war es nicht so gewesen, dass sie nicht gefunden werden wollte?
Eine Weile stand sie einfach vor seinem Haus. Zweifel nagten an ihr. War es falsch gewesen, her zu kommen? Die Kr├Ąmpfe im Bauch begannen erneut und Ana konnte nicht l├Ąnger stehen. Unentschlossen, was sie sonst tun sollte, trat sie wieder ans Haus heran und setzte sich an Ort und Stelle nieder. Es schien, sie h├Ątte ihr Leben nun endg├╝ltig gegen die Wand gefahren. Wen k├╝mmerte es schon, wenn sie hier und jetzt einfach starb? Terry... Ana w├╝nschte, ihr Bruder w├Ąre in der Stadt. Doch sie war auf sich allein gestellt. Noch schlimmer: sie war jetzt alleine f├╝r zwei Leben verantwortlich. Mit diesen frustrierenden Gedanken im Kopf erlag sie schlie├člich der Ersch├Âpfung und fiel in einen traumlosen Schlummer, aus dem sie bei jedem kleinen Ger├Ąusch hochschrak. So auch, als Schritte sich dem Haus n├Ąherten...
Whisk(e)y ist fl├╝ssiges Sonnenlicht
~ George Bernard Shaw ~

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Re: Regen in der W├╝ste

#3

Beitrag von Farael Dornenwind » Mi 27. Jun 2018, 22:31

Ana:
Tr├Ąge sah Ana in Faraels Gesicht. Sie hatte sich gefragt, wie sich das Wiedersehen anf├╝hlen w├╝rde, ob sie von Freude erf├╝llt w├Ąre oder am liebsten auf dem Absatz kehrt machen w├╝rde, weil die alte Panik wieder in ihr hochkochte. Nichts davon war der Fall. Sie war m├╝de, mehr nicht. "Hallo", fl├╝sterte sie und l├Ąchelte matt. "Ich habe geklopft, aber du warst nicht zu Hause." Eine schwachsinnige Anmerkung, doch Ana hatte den Drang ihr Herumlungern zu rechtfertigen. In Faraels Augen las sie Sorge und noch mehr... sie war nicht ganz sicher. Auf jeden Fall hatte er getrunken, sie roch es deutlich in seinem Atem, auch wenn seine Haltung nicht die eines Berauschten war. Ana lie├č zu, dass Farael ihr half, auf die Beine zu kommen. Da standen sie nun und musterten sich. Es war nur wenige Wochen her, dass Ana dieses Haus verlassen hatte, doch es kam ihr vor wie eine Ewigkeit. Andererseits schien es ihr, als kenne sie Farael schon viel l├Ąnger, sodass sich diese Verzerrung gewisserma├čen aufhob. "Wie geht es dir?", fragte sie schlie├člich, um etwas zu sagen. Sie f├╝hlte sich nicht bereit direkt mit dem Grund ihres Erscheinens herauszur├╝cken.

Farael:
Die ├ťberraschung war ganz seinerseits. F├╝r Farael blieb es unbegreiflich, Ana vor seinem Haus wiederzusehen und schlie├člich auch noch in dem Zustand, in dem sie zu diesem Zeitpunkt war. Augenblicklich sp├╝rte er, wie er zur├╝ckzufallen drohte. Wie sich Sorge um sie in seinen Geist schlich. Die Flamme, welche sie vor einem Monat gesch├╝rt hatte, begehrte in ihm auf und wollte ihm jede Vernunft berauben. Doch zugleich wusste er, was es bedeutet h├Ątte, sich diesen Mustern hinzugeben. Stattdessen k├Ąmpfte er dagegen an. Ihre Worte schienen belanglos. Sie dienten offenbar dazu, die unangenehme Ruhe zwischen ihnen zu f├╝llen, obwohl die Worte an sich nicht wirklich etwas zur Annehmlichkeit beitrugen. Im Gegenteil. Sie wirkten k├╝nstlich. Deswegen sch├╝ttelte Farael als Antwort nur mit dem Kopf. Mit steinerner Miene griff er nach ihrer Hand. Sie f├╝hlte sich so eiskalte wie ihre Wange an. Was hatte sie blo├č getrieben? Und warum sah sie so fertig aus? Fragen, denen Farael auf den Grund gehen wollte. Erst wenn er die Wahrheit kannte, wollte er entscheiden, was weiter geschieht. Doch vorerst konnte er nicht anders, als die Norkara an der Hand in sein Haus zu f├╝hren und sie zu seinem Sessel zu geleiten, damit sie es sich bequem machen konnte. Nebenbei entfachte er ein w├Ąrmendes Feuer im Kamin, setzte Tee auf und reichte Ana eine Decke. Dabei sprach er nicht. Gab keinen Laut von sich. Und auch wenn Ana etwas sagte, so antwortete er nicht. Noch wollte er nicht. Zuerst wollte er, dass die Ruhe zwischen ihnen einkehrt. Als schlie├člich der Tee fertig war, f├╝llte er diesen in zwei Tassen ab, s├╝├čte ihn mit Honig und reichte eine Portion des Getr├Ąnkes Ana. Darauf setzte er sich ihr gegen├╝ber und durchbrach die Stille, die er die letzten Minuten rigoros aufrechterhalten hatte: ÔÇ×Du siehst echt beschissen aus Ana, wei├čt du das?ÔÇť Mit seinem Blick tastete er ihren K├Ârper ab, ihre Gesichtsz├╝ge, untersuchte sie auf Verletzungen. Doch zugleich w├Ąrmte der dennoch kr├Ąnkliche Anblick sein Herz. ÔÇ×Du siehst so beschissen aus und bist dennoch die sch├Ânste Frau, die ich je gesehen habe. Wie machst du das?ÔÇť, entfuhr es ihm. Dabei war es ihm egal, ob die Worte un├╝berlegt waren oder nicht.

Ana:
Betreten folgte Ana Farael ins Haus. Vermutlich war es sein gutes Recht ihr nicht zu antworten. Ebenso schnell und grundlos wie sie verschwunden war, war sie nun wiederaufgetaucht. Ana stellte ein wenig ├╝berrascht fest, dass ihr dieser Gedanke erst jetzt kam. Vielleicht besser so... andernfalls w├Ąre sie m├Âglicherweise gar nicht gekommen. "Danke", fl├╝sterte sie, nahm die Decke entgegen und h├╝llte sich augenblicklich darin ein. W├Ąrme... "Es ist ganz sch├Ân kalt heute." Die Worte verpufften in der Luft wie der Dampf, der von dem erhitzten Wasser aufstieg. War Farael zornig? Ana war unsicher. Er wirkte angespannt, doch er hatte sie mit hineingenommen und er kochte ihr Tee, den sie dankend annahm. Mit geschlossenen Augen atmete sie den Duft des hei├čen Getr├Ąnks ein und genoss die W├Ąrme der Tasse an ihren H├Ąnden. "Hm?", horchte sie auf und sah, wie Farael sie musterte. Bei seinen n├Ąchsten Worten zog sich ihr Innerstes zusammen. In diesem Moment erwachten all die Gef├╝hle zum Leben. Die warme Zuneigung, die sie mit ihm geteilt hatte ebenso wie die Qual der letzten Wochen und all das gepaart mit furchtbaren Schuldgef├╝hlen. Tr├Ąnen schossen ihr in die Augen und eilig sah sie weg. Ihr Blick fiel auf die Kommode und da erblickte sie ihre Kleidung, offenbar gewaschen und ordentlich zusammengelegt. Das war zu viel f├╝r Ana. "Es tut mir so leid", presste sie noch hervor, dann konnte sie die Tr├Ąnen nicht l├Ąnger zur├╝ckhalten.

Farael:
Ein leises Seufzen entglitt Faraels Kehle. Innerlich zog sich alles zusammen, als er Ana weinen sah. Sie wirkte nicht wie eine Frau, die einfach weglief. Zumindest nicht in diesem Moment. Jeder Blick, den er in ihre Augen erhaschen konnte, war gef├╝llt mit Schuld und Reue. Jede ihrer Bewegungen wirkte unsicher und doch sa├č sie vor ihm. Trotz ihrer Tr├Ąnen voller St├Ąrke. Sie war wieder zur├╝ck und wer wei├č, was sie durch gemacht oder sich dabei gedacht hatte. Dennoch konnte er sie nicht einfach mit offenen Armen empfangen und so tun, als ob nie etwas gewesen w├Ąre. Jeden seiner Instinkte k├Ąmpfte er nieder. Farael durfte nicht einfach aufstehen und sie tr├Âsten. Ana wusste ganz offensichtlich, welchen Fehler sie begangen hatte und dennoch war sie ihm eine Erkl├Ąrung schuldig. ÔÇ×Beruhige dich. Ich bin nicht hier, um ├╝ber dich zu urteilenÔÇť, meinte Farael schlie├člich ruhig, jedoch eindringlich. Er wollte nicht, dass Ana dachte, sie w├╝rde in einem Verh├Âr sitzen. Noch weniger sollte sie sich unwohl f├╝hlen. Zwischen H├Ąrte und Liebe entstand ein Konflikt, den Farael kaum begreifen konnte. Sollte er ihr nicht doch einfach helfen und ihr verzeihen? Oder w├Ąre es besser, sie f├╝r sich allein zu lassen, damit sie begreifen konnte, was sie angestellt hatte? Nebenbei nahm er einen Schluck seines Tees, wobei er f├╝r einen Moment die Augen schloss und sich zur├╝cklehnte. Was sollte er nur tun? Seicht sch├╝ttelte er mit dem Kopf. Er war ein absoluter Idiot. ÔÇ×Wenn du willst, komm her zu mir. Und bring die Decke mitÔÇť, sprach er schlie├člich in einem ernsten Ton, doch den Hauch des Liebevollen konnte er nicht verbergen. Sachte stellte Farael seinen Tee auf den Tisch ab, setzte sich gerade auf und blickte Ana ruhig an. Dabei hielt er seine Arme offen. Entgegen seiner ersten Gedanken sollte Ana darin Zuflucht finden, auch wenn sie ihm weiterhin Rechenschaft schuldig war.

Ana:

Das Auf und Ab der Gef├╝hle, das sie die letzten Wochen schon begleitet hatte und das, wie sie nun wusste, in der Schwangerschaft begr├╝ndet lag, leistete auch nun wieder volle Arbeit. Niemals h├Ątte Ana sonst vor jemandem geweint, nicht auf diese Weise. Doch sie konnte nichts dagegen tun, sa├č regungslos da, ihren Emotionen erlegen. Eine entsetzlich lange Zeit passierte nichts. Ana f├╝hlte sich allein und blo├čgestellt, brachte aber auch kein weiteres Wort ├╝ber die Lippen und schaffte es nicht, auf Farael zuzugehen, der recht reserviert wirkte. Dann brach er denn Bann. Ana sah auf, erkannte W├Ąrme in seinem Blick, doch auch, dass er mit sich rang. Langsam stand sie auf und ging wie ein kleines Kind mit der Decke in der einen, der Tasse in der anderen Hand auf ihn zu. Sie lie├č sich in seine Umarmung sinken, legte den Kopf auf seiner Schulter ab und hoffte inst├Ąndig, die Tr├Ąnen w├╝rden versiegen. Schlie├člich f├╝hlte sie sich gesetzt genug, um zu sprechen. "Ich h├Ątte niemals weglaufen sollen... wenn ich gewusst h├Ątte...", sie brach ab und schluckte schwer. "Tut mir leid", wiederholte sie, "ich habe Panik gekriegt... ich..." Die Worte verlie├čen sie und sie besann sich ganz auf die W├Ąrme, die Faraels K├Ârper ausstrahlte und auf den festen Halt, den er bot.

Farael:

Als sich Ana erhob, sp├╝rte Farael, wie sein Herz f├╝r einen kurzen Augenblick aussetzte. Hatte er es wirklich gewollt oder sprach nur das tiefe Gef├╝hl, welches er f├╝r Ana empfand? Verdammt, er hatte sich ihretwegen vor einer Stunde noch betrunken und nun hatte er sie wieder in seine Arme eingeladen. Ein weiteres Mal wurde er belehrt, dass Ana die erste Frau in seinem Leben war, die ihn zugleich verletzen und bezaubern konnte. Nicht einmal die sch├Ânste Liebschaft konnte es mit der Zuneigung aufnehmen, die er mit Ana teilte. Dieses Gef├╝hl wurde nur noch weiter verst├Ąrkt, als er ihren zarten K├Ârper auf seinem Scho├č sp├╝rte. Wie sie ihren Leib an seinen presste, ihren Kopf an seiner Schulter versankt und sich scheinbar in seiner Umarmung entspannte, gar beruhigte ÔÇô in dieser Handlung lag der Zauber inne, mit dem sie ihn belegt hatte. Behutsam zog er sie so weiter zu sich. Ein unb├Ąndiger Wunsch in ihm keimte auf, ihren kalten K├Ârper zu w├Ąrmen, die Sorgen aus ihrem Kopf zu vertreiben. So legte er seine Arme um sie, griff die Decke die mitgebracht hatte, um sie schlie├člich ├╝ber sie und sich zu ziehen. Nur ihre K├Âpfe ragten aus dem warmen Geflecht heraus. Ana Tee nahm Farael ihr ab, um ihn auf den Tisch zu stellen. Stattdessen wollte er sie so nah bei sich wissen, wie es ├╝berhaupt nur m├Âglich war. Ihre Atmung und Herzschlag sp├╝ren. Er wollte, dass sie lebte. So lehnte er seinen Kopf gegen ihren. Sanft wog er sie in seiner Umarmung. Auch wenn sein Gesicht weder ein L├Ącheln noch Freude ausstrahlte, beruhigte ihn allein der Gedanke, dass Ana nun wieder sicher war. ÔÇ×Wir alle machen Fehler. Manchmal wiederholen wir sie. Wichtig ist, dass du dich beruhigst und entspannst. Doch ich m├Âchte, dass du mir ehrlich und aufrichtig erz├Ąhlst, was passiert ist. Wenn du mir nicht vertraust, kann ich dir nicht vertrauen.ÔÇť

Ana:
Es tat gut. Die W├Ąrme, die N├Ąhe, der Halt, es tat einfach gut. Warum konnte es das nicht immer? Oder eher: Warum konnte sie nicht zulassen, dass es das immer tat? Ana wusste aber auch, dass sie diesem Moment nicht anhaften konnten. Erkl├Ąrungen mussten her. "Ich bin davongelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes", setzte sie m├╝hsam an. "Bindungen jagen mir Angst ein, dar├╝ber haben wir ja schon gesprochen. Es sind alte Muster, denen ich zu entfliehen versuche und gerade dadurch immer und immer wieder hinein gerate..." Sie pausierte einen Moment und legte sich die Worte zurecht. "Also habe ich getan, was ich immer tue - ich habe mich in den Exzess gest├╝rzt, um nicht mehr nachdenken zu m├╝ssen, um nicht l├Ąnger vergangene Entscheidungen abzuw├Ągen. Aber diese Mal ging es nicht. Ich kam nicht los von den Gr├╝beleien und au├čerdem... ging es mir nicht gut. Ich war krank." Ana wusste nicht, warum sie nicht direkt mit der Sprache rausr├╝ckte, doch wann immer sie die Worte aussprechen wollte, war es, als w├╝chse ihr ein riesiger Klo├č im Hals und lie├č es nicht zu. "Eine Wirtin half mir und schlie├člich kam ich bei einer... Bekannten unter." Wieder hielt sie inne. Nun war es an der Zeit zu erkl├Ąren, warum sie zur├╝ckgekommen war. Allerdings... wie mochte das auf Farael wirken? Sie kam nur zur├╝ck, weil sie ein Kind von ihm erwartete und es nicht alleine gro├čziehen konnte? War das der einzige Grund? Nein... oder doch? Die Gedanken begannen wieder wild zu kreisen und schn├╝rten Ana die Luft ab, sodass sie nicht weitersprechen konnte.

Farael:
Etwas stimmte nicht. Farael sp├╝rte es. Es versteckte sich mehr in ihren Worten, als sie zugeben wollte und doch konnte er es nicht genau herauskristallisieren, was es war. Letzten Endes wollte er Ana nicht zu einer Antwort zwingen, jedoch wollte er nicht auf seine Forderung verzichten. Dennoch w├Ąre es mehr als schlecht gewesen, w├Ąre er mit der T├╝r ins Haus gefallen. Einfach nur zu verlangen, so war es ihm bewusst, w├Ąre der sichere Weg f├╝r den Keil zwischen ihnen gewesen. Stattdessen h├Ârte er geduldig ihren Worten zu. Dabei wog er Ana weiterhin, streichelte sanft mit seiner Hand durch ihr Haar und gab ihr jede M├Âglichkeit, um sich zu fangen. Ihre Beschreibungen der vier Wochen wiegelte die Sorge Faraels trotzdem auf. Sie sprach von Exzessen, von Krankheit und einer Bekannten. Farael wusste, dass sie auch auf Frauen stand. Ob sie ihn betrogen hatte? Als ihm dieser Gedanke gekommen war, zog sich abermals alles in ihm zusammen. Trotz dessen, dass dem Gedanken jede Logik fehlte. Wie sollte sie ihn betr├╝gen, wenn sie kaum als ein Paar h├Ątten bezeichnet werden k├Ânnen. Darauf wollte er sich nicht st├╝rzen. Seine Eifersucht war unfair und obendrein unangebracht. Damit wollte er sie nicht konfrontieren. Also schluckte er dieses Gef├╝hl herunter und konzentrierte sich auf die anderen Aspekte. ÔÇ×Du warst krank?ÔÇť, hakte er nach. ÔÇ×Ich meine, du siehst noch immer kr├Ąnklich aus. Geht es dir denn besser?ÔÇť

Ana:
Und nun? Was sollte sie sagen? Es war ein Teufelskreis. Zum einen konnte Ana es nicht aussprechen, hatte sogar schon ├╝berlegt, es einfach nicht zu tun, zum anderen merkte sie, wie es mit jeder Minute, die verstrich merkw├╝rdiger werden w├╝rde, wenn es herausk├Ąme und das w├╝rde es bestimmt fr├╝her oder sp├Ąter. Sofern sie nicht f├╝r immer die Stadt verlie├č, f├╝gte sie halb im Scherz in Gedanken hinzu. "Mir geht es ein wenig besser. Es hilft, die Ursache zu kennen." Ana l├Âste sich ein wenig, damit sie Farael in die Augen sehen konnte. Ihr Herzschlag beschleunigte sich und das Blut dr├Âhnte ihr in den Ohren. Sie begann sogar zu schwitzen, so aufgeregt war sie. "Farael", begann sie, hielt aber noch einmal furchtsam inne. Gleichzeitig sp├╝rte sie, dass dies der richtige Augenblick war. Wenn sie es jetzt nicht sagte, w├╝rde sie den Mut nicht wiederfinden. "Ich bekomme ein Kind von dir." Tats├Ąchlich war es das erste Mal, dass sie die Worte auf diese Weise aussprach. Auch vor Reela und vor sich selbst hatte sie es nie so ausgedr├╝ckt. Auf einmal breitete sich ein warmes Gef├╝hl in ihrem Bauch aus. Sie trug ein junges Leben in sich! War das nicht ein Wunder? Ein ├╝berraschtes Lachen entfuhr ihr und sie nahm die Hand vor den Mund. Es war das allererste Mal, dass sie Freude dar├╝ber empfand.

Farael:
Zu aller erst beruhigte sich Faraels Sorge, als er h├Ârte, dass es Ana besser ging und sie auch die Ursache f├╝r die Krankheit kannte. Umso besser konnte man diese behandeln und nach ihrer Aussage musste sie das getan haben. Deshalb war er auch froh. Schlie├člich lag sie ihm doch am Herzen. Auch wenn er es am Anfang am liebsten weggeschoben h├Ątte. So schnell wie die Erleichterung gekommen war, wich sie pl├Âtzliches Unbehagen. Ana setzte sich pl├Âtzlich auf, blickte Farael direkt in die Augen und der Blick war ernster, als er es bei ihr jemals gesehen hatte. Sie wirkte trotz des Ernster, der in ihren Z├╝gen ruhte, ├Ąu├čerst nerv├Âs. Ihr ganzer K├Ârper schien zu zittern und auch ihre Atmung hatte sich beschleunigt. Was kam jetzt? Sie sprach seinen Namen aus. Die Zeit stand still. Irgendeine Hiobsbotschaft stand bevor. Die Sekunden vergingen in qu├Ąlender Ewigkeit. Die Nerven Faraels wurden bis aufs Zerrei├čen gespannt. Dann sagte Ana einen Satz, der das komplette Leben Faraels auf den Kopf stellen sollte. Augenblicklich entglitten ihm alle Gesichtsz├╝ge. ÔÇ×├ähm ÔÇŽ ich ÔÇŽÔÇť, stammelte er hervor. Sein Kopf war pl├Âtzlich eine g├Ąhnende Leere, in der diese Nachricht widerhallte. Farael ahnte, dass dies nicht der Grund gewesen sein konnte, dass sie geflohen war. Die Leere wurde schlie├člich von einer Flut unterschiedlichster Gedanken heimgesucht. Doch eines blieb gewiss: Er hielt Ana weiterhin so liebevoll, wie er sie in seiner Umarmung empfangen hatte. ÔÇ×Das ist ÔÇŽ ├Ąhm ÔÇŽÔÇť Irritiert sch├╝ttelte Farael mit dem Kopf. Ein Kind? Von ihm? Wie konnte das denn passieren?! Doch schnell kamen ihm die Erinnerungen ihrer letzten gemeinsamen Nacht zur├╝ck. Behutsam zog er einer seiner H├Ąnde zur├╝ck. Die Freude die Ana gerade eben ausgedr├╝ckt hatte, f├╝hlte sich seltsam zusammen. Fast wie von allein glitt seine Hand hinab, zum Saum ihres Oberteils, ehe sie sich einen Weg zu Anas Bauch bahnte. Dort lie├č er schlie├člich seine Handfl├Ąche ruhen. Darunter sp├╝rte er ihren mittlerweile warmen K├Ârper. ÔÇ×Ich ÔÇŽ ├Ąhm ÔÇŽ ich will nicht undankbar klingen, oder ÔÇŽ oder dir nicht glauben. Doch ÔÇŽ bist du dir ganz sicher, dass ich der Vater bin?ÔÇť Innerlich wusste er es. Er sp├╝rte es. Es konnte nicht anders sein. Ihre gemeinsame Vereinigung war so voller Zuneigung und Hingabe gewesen, dass dabei ein Kind entstehen musste. Ardemia hatte es sicherlich gewollt.

Ana:
Erst als sie Faraels verdatterten Gesichtsausdruck und sein Wringen um Worte sah, wurde Ana bewusst, wie ungeheuerlich diese Nachricht eigentlich war. Sie lie├č ihm die Zeit, die er brauchte, war selbst recht dankbar f├╝r den Moment, sich zu sammeln. Immerhin war es nicht selbstverst├Ąndlich, dass sie diese Neuigkeit ├╝berhaupt ├╝berbringen konnte oder h├Ątte sie das kleine Leben nicht erst tags zuvor beinahe ausgel├Âscht? Das durfte er nicht erfahren. Was w├╝rde er von ihr halten? Faraels Geste riss sie aus ihren Gedanken und sie schmunzelte. Dann stellte er die unvermeidliche Frage und das L├Ącheln verblasste. Ana war hin und hergerissen. Sie war verletzt, dass er im Prinzip davon ausging, dass sie andere M├Ąnner gehabt hatte, im selben Augenblick war sie besch├Ąmt und w├╝tend auf sich selbst, dass sie so denken konnte, wo er doch mehr als Recht hatte, das zu hinterfragen. Auch ├Ąrgerte sich, dass ihr das Entsetzen wohl ins Gesicht geschrieben stand, wo sie doch h├Ątte positive Zuversicht ausstrahlen sollen. "Ich bin mir sicher", sagte sie trotzdem, konnte damit aber nicht alle Zweifel aus seinem Gesicht wischen. Er wusste es. Er wusste, dass sie ihn gewisserma├čen betrogen hatte. Ana flehte, er m├Âge ihr glauben, dass es sein Spross war, der in ihr wuchs.

Farael:
Die Stille hing ├╝ber sie, w├Ąhrend Farael auf seine Antwort wartete. Selbstverst├Ąndlich war seine Frage ungeheuerlich, er wusste es und konnte die Auswirkung seiner Worte an ihrem schwindenden L├Ącheln erkennen. Letzten Endes wollte er nur Gewissheit. Doch ob er sich allein auf ihre Worte verlassen konnte? Wieder drang sich die Angst, aber auch die Zweifel auf. Noch immer wollte er sie nicht verletzen. Farael wollte nur die Wahrheit erfahren. Es war sein gutes Recht. Wer wollte schon ein Kind gro├čziehen, welches nicht von ihm stammt? Bei seiner Geschichte konnte so ziemlich jede h├╝bsche Frau vor seiner T├╝r stehen und behaupten, dass er mit ihr ein Kind gezeugt h├Ątte. Und auch wenn Ana eine unsichere Frau ist, die weglief und ihn zur├╝cklie├č, konnte er ihr das nicht zutrauen. Ihre n├Ąchsten Worte, die seine Frage positiv beantwortete, untermalten seine Gedanken gekonnt. Ana konnte nicht l├╝gen. Ihr aufrichtiger Blick, trotz ihrer Schw├Ąche, st├Ąrkte seine Gedanken zu ihr. Wenn er sich vorstellte, wie er kurz zuvor noch ├╝ber sie gedacht hatte, wirkte der Moment nahezu unwirklich. Seine H├Ąnde behielt er dennoch an ihrem K├Ârper. Mit der Rechten begann er nun, zart ihren Bauch zu streicheln, w├Ąhrend die Linke sie sanft zu ihm zog. Genau in einen liebevollen Kuss hinein, der nicht lang w├Ąhrte, doch als Antwort auf ihre Erwiderung reichen sollte. Trotzdem explodierte sein Herz, als sich ihre Lippen trafen. Es f├╝hlte sich so richtig an, auch wenn Ana ihm so viele Schmerzen und den Kummer bereitet hatte. Ihre zarten Lippen waren Entsch├Ądigung und Belohnung zugleich. Auch wenn er noch nichts mit der Situation anzufangen wusste, so wollte er sich zumindest einen Anteil einfordern. Und dies war Ana selbst. Als sie sich schlie├člich voneinander l├Âsten, war der steinerne Gesichtsausdruck Faraels zu einem warmen L├Ącheln geworden. ÔÇ×Ich m├Âchte, dass du hierbleibst. Bei mir. In Sicherheit. Mit unserem KindÔÇť, sagte er sanft, aber bestimmend. ÔÇ×Auch wenn ich es nicht fassen kann, welches Wunder soeben durch meine T├╝r gekommen ist, und ich bei Weitem daf├╝r nicht bereit bin, muss ich dennoch die Verantwortung daf├╝r ├╝bernehmen. Du auch.ÔÇť Farael biss sich auf seine Unterlippe. Sollte er es ihr sagen? Vermutlich hatte sie es zu diesem Zeitpunkt schon geahnt. ÔÇ×Auch wenn wir uns nur ein paar Tage kennen. Also, tats├Ąchlich ein paar Tage. So muss ichÔÇŽÔÇť Augenblicklich sp├╝rte Farael, wie die Hitze in seinen Kopf schoss. ÔÇ×Ich liebe dich Ana. Du bist einzigartig.ÔÇť Kurz sch├╝ttelte er den Kopf. ÔÇ×Das ÔÇŽ das muss jetzt nicht hei├čen, dass du es erwidern musst! Einfach nur ÔÇŽ dass du es wei├čt. Bleibe hier. Bei mir. Und wenn es nicht f├╝r mich ist, dann f├╝r unser Kind.ÔÇť Pl├Âtzlich wich er mit seinem Blick aus. Abermals stotterte er etwas hervor: ÔÇ×Ich ÔÇŽ ich meine ÔÇŽ du bist die Erste, f├╝r die ich sowas empfinde. Naja, jetzt wanderst du mit unserem Spross in dir durch meine T├╝r. Das ist einfach unglaublich. Habe ich dir eigentlich schon einmal gesagt, wie sch├Ân du eigentlich bist?ÔÇť Ein unsicheres Lachen ert├Ânte aus Faraels Mund, wobei er schlie├člich unschuldig mit den Schultern zuckte und l├Ąchelte.

Ana:
Farael ging nicht weiter darauf ein und Ana fielen mehrere Steine vom Herzen. Verdiente sie eine derart gute Behandlung ├╝berhaupt? Sei es drum... das war momentan nicht wichtig. Noch immer lag Faraels Hand auf ihrem Bauch. Sie versuchte sich vorzustellen, was wohl in ihm vorging. Noch war ├Ąu├čerlich nichts zu erkennen, doch allein die Vorstellung, dass sich unter seiner Hand etwas regte, war nicht von dieser Welt. Irgendwo verbargen sich all die Zweifel, doch im Hier und Jetzt konnte Ana sich entspannen und sich ├╝ber Faraels Reaktion freuen. Auch als er ihr seine Gef├╝hle gestand, warf sie das nicht aus der Bahn. Sie nickte sanft und l├Ąchelte. "Das werde ich, wenn du mich erneut in deinem Heim willkommen hei├čen m├Âchtest. Und was den Rest betrifft... ich mag dich wirklich gerne, mehr kann und m├Âchte ich jetzt nicht sagen." Stattdessen strich sie ihm ├╝ber die Wange und k├╝sste ihn wieder. Vor Jahren hatte sie sich geschworen, die W├Ârter "ich liebe dich" nie wieder in den Mund zu nehmen. Dass Farael es nicht einforderte, rechnete sie ihm hoch an. Um ihm trotzdem etwas zur├╝ckzugeben, versuchte sie ihre Zuneigung in den Kuss zu packen. Sie wollte ihn nicht kr├Ąnken und ihm auch nicht weh tun, falls sie das durch ihr Verschwinden nicht schon hatte. Langsam l├Âste sie sich von ihm. "Ich wei├č, das h├Ârt ihr M├Ąnner nicht gern", schmunzelte sie, "aber du bist ganz sch├Ân goldig." Sie wuselte ihm durch das Haar, wie er es immer so gerne bei ihr getan hatte.

Farael:
Mit dem gr├Â├čten Genuss lie├č sich Farael in den Kuss ziehen, wobei er augenblicklich die Lider schloss. In jeder einzelnen Bewegung sp├╝rte er die Zuneigung Anas, welche er zu keinem Moment anzweifelte. Zwar waren ihre ausweichenden Worte auf sein Gest├Ąndnis schwierig zu begreifen, schlie├člich hatte er diese Worte das erste Mal in seinem Leben zu einer Frau gesagt. Doch ahnte er, wieso sie es nicht erwidern konnte oder wollte.

Also genoss Farael in vollen Z├╝gen die Zuneigung des Kusses, in Verbindung mit ihrer liebevollen Leidenschaft. Selbst als sie sich wieder voneinander l├Âsten, schmeckte er weiterhin ihre Lippen und die elektrisierende Wirkung dieser Geste verblieb auf seinen eigenen. Immer mehr wurde ihm bewusst, dass er Ana nicht b├Âse gesinnt war. Vor allem, weil sie nun seinen Spross in ihrem Bauch trug. Ein Fakt, der f├╝r Farael noch immer schwer zu begreifen oder gar zu verstehen war. Innerlich sagte er sich vorher, dass der wahre Schock und die damit verbundene Flut an Sorgen noch einsetzen sollte. Momentan lebte er aber im Augenblick. F├╝r ihn war das alles, was tats├Ąchlich z├Ąhlte.

Drum brachte der Kommentar Anas ihn auch zum Lachen, zumal sie ihm mit ihrer Geste seine fr├╝heren Vergehen zur├╝ckzahlte. ÔÇ×Ach, aus dem richtigen Mund gesprochen, kann man auch mal eine Ausnahme machenÔÇť, grinste er sie frech an, worauf er zwinkerte. Seine H├Ąnde nahm er nun schlichtweg auf ihre H├╝ften. Dabei konnte er seinen Blick nicht von dem ihren fernhalten. Trotz ihrer gemeinsamen Zweisamkeit und der Freude ├╝ber das Wiedersehen, sah er Ana die Ersch├Âpfung der letzten Tage, sowie ihren geschw├Ąchten Zustand an. Auch er wurde allm├Ąhlich m├╝de. Dennoch wollte er wach bleiben. In einer Ecke seines Raumes waren einige gerettete Dokumente aus dem S├Âldnerlager, die er durchgehen wollte.

ÔÇ×Du siehst wirklich fertig aus, wei├čt du das?ÔÇť, fragte er ein weiteres Mal, auch wenn er keine Antwort darauf erwartete. Pr├╝fend tastete Farael das Gesicht Anas mit seinen Augen ab. Behutsam hob er seine Rechte, wischte einige Haarstr├Ąhnen, welche ihr ins Gesicht hingen, beiseite, worauf er ihre Wange streichelte. ÔÇ×Wie w├Ąre es, wenn du dich ein wenig ausruhst. Du kannst es dir im Bett schon einmal gem├╝tlich machen, ich habe noch ein wenig zu tun. Falls du etwas Frisches davor anziehen magst, liegen deine sauberen Sachen auf der KommodeÔÇť, sein Blick richtete sich auf ihren Oberk├Ârper, ÔÇ×oder in der Kommode sind ein paar meiner sauberen Hemden.ÔÇť Den letzten Teil seiner Aussage quittierte er mit einem breiten Grinsen. Ana konnte offenbar mit allem bei ihm durchkommen und je l├Ąnger sie in seiner N├Ąhe war, desto bewusster wurde ihm das.

Ana:
"Danke f├╝r das Kompliment", feixte Ana, obwohl er nat├╝rlich Recht hatte und ihr jede Sehne, jeder Muskel schmerzte. Die Ersch├Âpfung hatte aber auch etwas Gutes: sie bet├Ąubte den Strudel ihrer Gedanken. Die Ereignisse der letzten Tage und Stunden waren noch lange nicht aufgearbeitet, das wusste sie. Ein wenig kam es ihr vor wie die Ruhe vor dem Sturm. Irgendwann musste doch der Schock einsetzen, dass sie beinahe ein fr├╝hes Leben genommen h├Ątte, die Zweifel, ob es richtig gewesen war, zu Farael zu gehen, vielleicht auch schlechtes Gewissen... Ob Farael der Fels in der Brandung sein k├Ânnte, wenn es so weit war? Sie verlangte unausgesprochen so viel von ihm... Mehr als ein dankbares L├Ącheln brachte sie bei dieser Erkenntnis und seinem Angebot der frischen Kleidung trotzdem nicht zustande. "Tut mir leid wegen diesem...", sagte sie und deutete auf das verdreckte Hemd. "Ich kann es morgen waschen." Sie zog es sich ├╝ber den Kopf. F├╝r Scham war es nun wirklich zu sp├Ąt. Mit entbl├Â├čtem Oberk├Ârper ging sie zur Kommode und strich ├╝ber die akurat einger├Ąumten Hemden, suchte sich eines aus und zog es ├╝ber. Dann entledigte sie sich ihrer Hose und begab sich zum Bett.

Farael:
Mehr als ein Abwinken war das schmutzige Hemd f├╝r Farael nicht wert. Letzten Endes war es nur Schmutz, den man herauswaschen konnte, womit die Sache auch erledigt war. Ihm kam der Gedanke, dass es viel sch├Âner war, dass sie das Hemd ├╝berhaupt anbehalten hatte. Doch mit diesem, f├╝r ihn kitschigem, Gedanken, wollte er sich erst einmal zur├╝ckhalten. Ana hatte eine klare Linie gezogen und einen klaren Standpunkt bezogen. Zudem war sie ersch├Âpft, was Farael selbstverst├Ąndlich sehen und sp├╝ren konnte. Vor ein paar Minuten hatte er noch Angst gehabt, dass sie ihm erfrieren w├╝rde, so kalt wie sich ihre Haut angef├╝hlt hatte.

Was ihm wiederum mehr ├╝berraschte, war das Entbl├Â├čen Anas noch auf seinem Scho├č. Sie machte sich offenbar keine Gedanken mehr darum. Entgegen jeder seiner Erwartungen kroch aber keine Lust in ihm hoch. Im Gegenteil. Sein Bauch f├╝llte sich vielleicht mit W├Ąrme, aber war es doch mehr das erneute Vertrauen, welches Ana Farael entgegenbrachte. Er nahm seine H├Ąnde von ihr und lie├č sie sich erheben. Sein Blick folgte ihr, schon rein aus dem Verlangen zu wissen, welches Hemd sie greifen wollte. Wobei die Antwort auf diese Frage ihm ein Grinsen auf die Lippen zauberte.

W├Ąhrend sich Ana umkleidete, erhob sich auch Farael, wobei er sein Schwert und die R├╝stung ablegte. Diese Dinge verstaute an ihre angestammten Pl├Ątze, wobei sich Ana zeitgleich unter der Decke verkroch. Behutsam setzte er sich auf die Bettkante und schaute mit einem warmen L├Ącheln auf sie herab. Mit seiner Rechten griff er einer ihre H├Ąnde. "Ruhe dich aus und schlafe gut. Ich w├╝rde mich dann nachher zu dir legen. Ist das in Ordnung?" Sanft lie├č er seinen Daumen ├╝ber ihren Handr├╝cken streicheln, w├Ąhrend er seine Worte sprach. Ihm war klar, dass er Ana viele Freiheiten geben und sie dennoch an sich binden musste, damit so ein Debakel nicht noch einmal passierte.

Ana:
Wie gut tat es in einem bequemen Bett zu liegen! H├Ątte Ana an G├Âtter geglaubt, h├Ątte sie ihnen daf├╝r gedankt. Die Decke umschmiegte ihre nackten Beine und ihr Kopf sank angenehm in das Kissen. Ausruhen war wirklich dringend n├Âtig.
"Wenn du Platz findest... ich mache gern den Seestern." Um ihre Worte zu unterstreichen, streckte Ana alle viere von sich und grinste. Tats├Ąchlich hatte sich schon der ein oder andere Bettgenosse ├╝ber ihren Platzbedarf beschwert. Farael nicht, fiel ihr in diesem Moment auf und als sei es eine Neuigkeit, war sie erstaunt festzustellen, dass sie hier schon mehr als einmal geschlafen hatte. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Sie lie├č den Blick durch den kleinen Raum schweifen. K├Ânnte sie sich hier zu Hause f├╝hlen? Warum eigentlich nicht? Es war ein sch├Ânes Haus und Farael war ordentlich und sauber und er k├╝mmerte sich liebevoll um sie. Warum fiel es ihr so unfassbar schwer, die Sache einfach locker anzugehen? Sie seufzte. Farael sa├č noch immer bei ihr. "Musst du noch viel machen?", fragte sie ihn schon etwas schl├Ąfrig. Sie hatte gar nicht nachgefragt, wie es um Faraels Arbeit stand. Vielleicht hatte er einen neuen Auftrag oder es war mit dem S├Âldnerlager bergauf gegangen. Auch dieser Gedanke versetzte ihr einen Stich. Sie hatte versprochen zu helfen und war nach dem ersten Arbeitstag schon verschwunden. Zeit zu schlafen, dachte sie. Schlafen und die Gedanken endg├╝ltig ausschalten.

Farael:
Wieder einmal brachte Ana Farael zum Grinsen, als sie sich selbst als Seestern bezeichnete. Dabei dachte er f├╝r einen kurzen Moment dar├╝ber nach, ob dies tats├Ąchlich der Wahrheit entsprach. Wirklich mitbekommen hatte er es nicht, aber als er dar├╝ber nachdachte merkte er, wie breit sie sich f├╝r diesen schlanken K├Ârper gern machte. Wenn er es genau bedachte, w├╝rde sie locker in die kleinsten Ritzen passen. Der innere Anf├╝hrer in ihm meinte anschlie├čend, dass sie mit der richtigen Ausbildung sicherlich eine gute Spionin w├Ąre. Doch diese Art von Gedanken vertrieb er schnell wieder aus seinem Kopf. Niemals h├Ątte Farael zugelassen, dass sich Ana in diesem Augenblick in Gefahr begab. Sie musste schlie├člich f├╝r zwei Leben sorgen, nicht nur f├╝r sich selbst.
Statt sich also weiter mit diesem Gedanken zu besch├Ąftigen, zupfte Farael die Decke ├╝ber Ana zurecht, ehe er ihr in die Augen blickte. ÔÇ×Nur ein paar alte Dokumente durchgehen, die noch von der alten Verwaltung des S├Âldnerlagers stammen. Nichts Besonders und sollte auch nicht zu viel Zeit beanspruchenÔÇť, erz├Ąhlte er l├Ąchelnd, doch Ana war in diesem Moment bereits weggenickt. Ihre Brust hob und senkte sich in einem langsamen Rhythmus. Farael konnte ihr f├Ârmlich ansehen, wie sie immer tiefer in ihren Schlaf entglitt. Dabei wollte er sie auch nicht weiter st├Âren, weshalb er sich vorsichtig von dem Bett erhob, eine Ledertasche neben der Kommode griff und mit dieser zum Tisch nahe dem brennenden Kamin ging. Leise zog er sich den Stuhl zurecht, wie er ihn braucht, ehe die Tasche auf dem Tisch entleerte. Zum Vorschein kamen zahlreiche Dokumente, die von den Flammen unversehrt geblieben waren und das Interesse Faraels erweckt hatten.
Anfangs sortierte er sie nach seiner groben Einsch├Ątzung, in welche Kategorie sie geh├Ârten. Finanzen, Pl├Ąne, Berichte von und ├╝ber S├Âldner. Aber auch ein Register freier S├Âldner, die sich in Obenza aufhielten und sich ohne Festanstellung regelm├Ą├čig an Auftr├Ągen bediente. Das wohl interessanteste St├╝ck der gesamten Sammlung. Fraglich blieb darauf nur, ob er diese S├Âldner finden konnte. Einige von ihnen waren sicherlich gewillt, an einem wachsenden Lager teilzuhaben ÔÇô inklusive der Beute.

So vergingen Minuten wie im Fluge. Hin und wieder wagte Farael einen Blick auf Ana, die sich bewegte, mal etwas im Schlaf murmelte und auch die komplette Fl├Ąche des Bettes auf eine Art ausnutzte, die selbst Farael noch nie gesehen hatte. ÔÇ×Ja, ein Seestern, in der TatÔÇť, murmelte er vor sich, ohne dass er das breite Grinsen hatte weglassen k├Ânnen.
Seine eigenen Augen wurden mittlerweile tr├╝ge und die Konzentration lie├č nach. Es war sp├Ąt und bei einem Blick aus dem Fenster verriet der Stand des Mondes, dass es Mitternacht war. Ein herzhaftes G├Ąhnen entfuhr Farael, w├Ąhrend er sich aufrichtete und streckte. Seine Glieder waren vom krummen Sitzen steif geworden. Er brauchte dringend einen besseren Stuhl, vielleicht gar einen Schreibtisch. Bei dieser Idee blickte er auf und tastete mit seinem Blick sein Haus ab. Viel Platz f├╝r eine solche Anschaffung war nicht, geschweige denn das Geld um sich diese leisten zu k├Ânnen. Gerade noch fiel sein Blick auf einem tats├Ąchlich ger├Ąumigen Platz unter dem Fenster, welches auf die Stra├če gerichtet war.

Pl├Âtzlich erkannte er durch das Glas ein paar Augen, die unter einer dunklen Kapuze hervorblitzten!

Die Person schien zu erkennen, dass Farael sie gesehen hatte. Ruckartig zog sie sich vom Fenster weg und verschwand nach rechts. Darauf konnte Farael nur einen Instinkt reagieren lassen. Auch wenn er nicht lautlos war, so bem├╝hte er sich, so leise wie m├Âglich zu seinem Schwert zu hasten, darauf zur T├╝r und diese mit einem Ruck aufzuziehen. Noch in der selben Bewegung zog er sein Schwert. Hastige Schritten hallten in der Entfernung von den W├Ąnden ab. An einer der weiter entfernten H├Ąuser ersp├Ąhte Farael einen Umhang, der im Wind um eine Ecke verschwand. Kurz darauf erstarben die Schritte. Farael wusste, dass es keinen Sinn ergeben h├Ątte, diese Person zu verfolgen. Der Vorsprung war viel zu gro├č. Auch wenn ihm die Situation gar nicht gefiel, hatte er keine andere Wahl gehabt. Stattdessen sammelte er seine in der Hast weggeworfene Schwertscheide wieder ein, verstaute sein Schwert darin und ging schlie├člich zur├╝ck ins Haus. Hinter sich schloss und verriegelte er die T├╝r.
Kaum hatte Farael sein Schwert an den angestammten Platz gestellt, verwunderte es ihn umso mehr, dass Ana bei dem Tumult nicht wachgeworden war. Noch immer lag sie da, vor sich hin murmelnd und in Seelenruhe, als ob nie etwas passiert w├Ąre. Doch zugleich stieg ein kalter Schauer in Faraels R├╝cken. Eine solche Begegnung konnte er ganz und gar nicht gebrauchen. Doch vorerst konnte er nicht daran ├Ąndern. Dennoch nahm er sich am n├Ąchsten Tag vor, die Nachbarn zu fragen. Vielleicht hatte jemand von diesen etwas gesehen.

Doch nun galt es, sich der M├╝digkeit hinzugeben, die ihn zuvor gepackte hatte. Allerdings nicht ohne zuvor die Vorh├Ąnge zuzuziehen und noch einmal die T├╝r zu ├╝berpr├╝fen. Nachdem dieser geringe Schutz stand, konnte sich Farael immerhin beruhigen. Erst in diesem Moment merkte er, wie schnell sein Herz schlug und es einen langsameren Rhythmus anstrebte. Farael atmete noch einmal tief durch. Sicherlich nur ein Spinner, der gern in die Fenster fremder Leute glotzte.
Nach einigen Momenten der Ruhe, begann Farael sich bis auf die Unterhose zu entkleiden. Mit Anas Leib an seiner Seite wurde es erfahrungsgem├Ą├č sehr warm im Bett. Fein s├Ąuberlich legte er seine Kleidung zusammen und stellte sich schlie├člich vor das Bett. Ana hatte zu keinem Moment ├╝bertrieben. Sie lag quer, mit ausgestreckten Gliedma├čen. Beinahe als ob sie nicht wollte, dass Farael ihr Gesellschaft leisten sollte. Doch nat├╝rlich wusste er, dass Ana seine Gesellschaft wollte. Also schob er sie sanft und liebevoll zugleich etwas zusammen, stieg ├╝ber sie hinweg und krabbelte zu ihr unter die Decke. Aus Gewohnheit schmiegte er sich direkt an ihrem R├╝cken, sp├╝rte die W├Ąrme Anas Leib an seinem gesamten K├Ârper. Mit seinem Armen umschlang er sie, worauf sie im Schlaf nach seinen Armen griff und sie nach ihrer Bequemlichkeit zurecht zog.

Mit diesem Bild und der W├Ąrme, die Farael sp├╝rte, schlief er mit einem L├Ącheln auf den Lippen einÔÇŽ

Ana:
Bauchschmerzen weckten Ana. Sie rollte sich so eng zusammen, wie sie konnte, doch es half nichts. An schlafen war nicht mehr zu denken. Sie ├Âffnete die Augen einen Spalt breit. Es war noch nicht richtig hell. Sachte hob sie Faraels Arm an und drehte sich zu ihm um. Die Wunden seiner Verletzung waren gut verheilt, doch noch immer sichtbar. Sie erinnerten Ana daran, dass er ein gef├Ąhrliches Leben f├╝hrte, auch wenn er gerade vollkommen friedlich da lag. Ein neuer, st├Ąrkerer Schub schn├╝rte ihren Leib zusammen und nahm ihr die Luft zum Atmen. Ana st├Âhnte auf und schl├╝pfte vorsichtig aus der Decke. Zwar wusste sie nicht, was sie tun sollte, um die Schmerzen zu lindern, doch liegen bleiben konnte sie nicht mehr. Mit auf den Leib gepressten Armen ging sie kreuz und quer durch den kleinen Raum und versuchte ruhig zu atmen. Es gelang ihr nicht. Stattdessen versuchte sie sich abzulenken, indem sie Faraels Aufzeichnungen betrachtete, was aufgrund ihrer fehlenden Lesekenntnisse allerdings ein schwacher Versuch war. Schlie├člich gab sie auf und lie├č sich an der Wand hinunterrutschen, zog die Beine so fest es ging zu sich heran und wiegte sich hin und her. "Du tust mir weh", fl├╝sterte sie ihrem Bauch zu. "Ein kleiner K├Ąmpfer, hm?" Wie als Antwort, l├Ąhmte sie der n├Ąchste Krampf. Ein Jammern entfuhr ihr. W├Ąhrend sie noch ├╝berlegte, ob sie Farael wecken sollte, um ihn nach schmerzlindernden Kr├Ąutern zu fragen, begann der Alb von selbst sich zu regen.

Farael:

Die dunkle Gestalt, diese unheimlichen Augen, sie verfolgten Farael in seine Tr├Ąume. Immer wieder sah er sie vor seinem Fenster, wie sie ihn anblickten und jedes Mal, wenn er sich regte, verschwanden sie, um nicht gefangen zu werden. Doch kaum g├Ânnte er sich die Ruhe, kamen sie wieder und suchten ihn wieder heim. Dieses Spiel ging Minuten lang, zog sich schlie├člich zu Stunden, in dem sie ihm im Schlaf qu├Ąlten.

Doch ein Wimmern war die Rettung aus Faraels Albtr├Ąumen, jedoch auch ein weiterer Grund zur Sorge. Er sp├╝rte Ana nicht mehr neben sich, ihre W├Ąrme fehlte und nur der Rest ihrer K├Ârperw├Ąrme, welche noch am Laken haftete, zeugte von ihrer Anwesenheit. Dann wieder ein Jammern und Farael schlug sofort die Augen auf. Das Licht im Raum blendete ihn, doch seine Augen gew├Âhnten sich schnell an das Licht. Doch der Anblick, der ihm beschert wurde, gab ihm nur weiteren Grund zur Besorgnis.
Ana hockte zusammengekr├╝mmt an der Wand, hielt sich den Bauch und ihren Gesichtsz├╝gen nach, schien sie entsetzliche Schmerzen zu haben. Augenblicklich erhob sich Farael aus dem Bett und eilte zu Ana her├╝ber. ÔÇ×Was ist los?ÔÇť, fragte er hastig, verschlafen und doch besorgt zugleich. Ihre Miene und wie sie sich den Bauch hielt gaben jedoch Antwort genug. ÔÇ×Nicht reden. Komm her.ÔÇť Ohne auf eine Reaktion ihrerseits zu warten, schlang er je einen Arm unter ihren Kniekehlen, aber auch um ihre Schultern. Sie hatte keine ├Ąu├čerliche Verletzung, nichts was darauf hindeutete. Zwar hatten Faraels Zeit als S├Âldner ihn so einiges gelehrt, wie man Schmerzen ertrug und Wunden notd├╝rftig behandelte, doch ein Arzt war er nicht. Sicher war er sich aber allemal, dass der Boden kein geeigneter Ort war, um die Schmerzen auszuhalten. ÔÇ×Warum weckst du mich denn nicht?ÔÇť, brummelte er hervor, w├Ąhrend er die Norkara anhob und zum Bett bugsierte.
ÔÇ×Ich bin kein ArztÔÇť, stellte er unn├Âtigerweise fest, was jedoch auch eine Rechtfertigung f├╝r einen eventuellen Fehler sein sollte. Dennoch versuchte er, wie jemand zu handeln, der wusste was er tat. Hoffentlich lag er mit seinem Wissen nicht ganz daneben. ÔÇ×Du musst dich entspannen. Du darfst nicht so stark verkrampfen.ÔÇť Vorsichtig, aber dennoch bestimmend l├Âste er ihren kalten Griff und schob sie auf den R├╝cken. Dabei wieder mit sanften Druck an, dass sie sich lang machen und mit jeder M├Âglichkeit, entgegen jedes Krampfes entspannen sollte. ÔÇ×Ganz ruhig. Verkrampfe dich nicht zus├Ątzlich, Reiterin.ÔÇť
Eilig schritt er von dannen und holte die Reste des Tees, die sie am Abend stehen gelassen hatten. Er war vielleicht kalt und schmeckte nicht mehr so gut, seine entspannende Wirkung trug, so hoffte Farael, dennoch zur Schmerzlinderung bei. Ehe er ihr den Tee gab, legte Farael ihre Arme auf seine Schulter, ihre H├Ąnde sollten diese greifen k├Ânnen. ÔÇ×Krall dich fest, so stark wie du kannst und willst. Nebenbei versuche zu trinken, hier.ÔÇť Behutsam hob er ihren Kopf und hob die Tasse mit dem Tee an ihre Lippen.

Ana:
Ana lie├č zu, dass Farael sie hochhob und zum Bett brachte, sie lie├č zu - wenn auch wiederwillig, dass er ihre Arme l├Âste und sie lang ausstreckte und versuchte seinem Rat Folge zu leisten. Im ersten Moment war die ausgestreckte Lage schlimm, doch schnell merkte Ana, dass sie nun viel besser gegen den Schmerz atmen konnte. Dankbar nahm sie einen Schluck Tee. Es tat gut, die Kraft von Faraels Armen zu sp├╝ren. Sie trank erneut und merkte erleichtert, dass die Kr├Ąmpfe nachlie├čen. "Danke", fl├╝sterte sie. "Ich hoffe, dem Baby geht es gut. Ich wei├č nicht, ob das normal ist", sprach sie schlie├člich eine Sorge aus, derer sie sich bis dato gar nicht richtig bewusst gewesen war. Vorsichtig stellte sie die leere Tasse Tee ab und anstelle sich in seine Arme zu krallen, legte sie ihm die H├Ąnde auf den R├╝cken und dr├╝ckte ihn zu sich heran. Eben war ihr noch hei├č gewesen, nun fr├Âstelte sie und die W├Ąrme von Faraels K├Ârper schien ihr gerade recht. "Darf ich mich ein wenig auf dich legen?", fragte sie kleinlaut, weil es ihr unangenehm war. Gleichzeitig war sie sich aber sicher, dass die ausgestreckte Haltung in Verbindung mit Faraels W├Ąrme und etwas sanftem Druck, die Kr├Ąmpfe entg├╝ltig w├╝rden beseitigen k├Ânnen. Farael folgte ihrer Bitte und seufzend schmiegte Ana ihre Wange an seine Brust. Ihre H├Ąnde schob sie unter seinen R├╝cken und zog sich an ihn heran. Entspannung macht sich breit und sie schloss eine Weile die Augen.
"Bist du noch lange wach gewesen?", fragte sie schlie├člich. Farael hatte trotz seiner Alarmbereitschaft m├╝de auf sie gewirkt.

Farael:

Mit Freude beobachtete Farael, wie die Schmerzen Anas nachlie├čen und sie selbst auch immer entspannter wirkte. Ihre Worte, ihr Dank, erf├╝llte sein Herz mit W├Ąrme. Das Bed├╝rfnis sie zu pflegen wuchs immer weiter in ihm heran. F├╝hlte man sich so als Vater? Dieses Gef├╝hl, dass man sich zu der Mutter des eigenen Kindes so stark hingezogen f├╝hlte und wortw├Ârtlich alles f├╝r sie tun w├╝rde? Auch wenn er diese Frage nicht beantworten konnte, so wusste Farael, dass er selbst auf diese Weise empfand. ÔÇ×Hey, ich bin f├╝r dich daÔÇť, erwiderte er auf ihren Dank, auch wenn ihre n├Ąchsten Worte ein unsicheres Kribbeln in seinem Bauch ausl├Âste. Genau wie sie, wusste er nicht, ob diese Schmerzen normal waren. Oder ob mit dem Kind alles in Ordnung war. Seine Sorge ebbte nicht ab. Farael war sich sicher, dass er Ana zu einem Heiler bringen musste. Zumindest um sicher zu gehen.
Schlie├člich sp├╝rte er Ana Arme auf seinem R├╝cken, worauf er sich bereitwillig zu ihr ziehen lie├č. Sanft legte er sich auf sie ab, ihr kompletter K├Ârper war schwei├čnass und eiskalt. Die Schmerzen und Kr├Ąmpfe mussten extrem gewesen sein. Drum haderte er nicht, als Ana ihn bat, sich auf ihn legen zu d├╝rfen. Mit einem Nicken beantwortete er ihr Frage, legte sich auf den R├╝cken neben sie, worauf er ihr schlanken K├Ârper auf seinem sp├╝rte. Zeitgleich f├╝hlte er jede einzelne Bewegung Ana, er ahnte ihren Herzschlag und empfand ihre Atmung als wertvolles Geschenk.
Liebevoll gab Farael Ana einen Kuss auf ihr Haupt, ehe er die Decke griff und ├╝ber sich und Ana zog. Darauf legte er seine Arme um sie und zog sie noch n├Ąher und fester an sich, als sie eh schon auf ihm lag. Ihre Frage jedoch kam ├╝berraschend. Farael schluckte. Sollte er Ana von seiner Begegnung erz├Ąhlen? Seine Entscheidung stand allerdings schnell fest. ÔÇ×Nein, ich war nicht mehr lang wachÔÇť, log er, einzig und allein f├╝r ihren Schutz. Sie zu beunruhigen brachte gar nichts.
Um von diesem Thema abzulenken, welches in seiner Hoffnung mit der Notl├╝ge abgespeist war, fokussierte er sich ganz auf das Gef├╝hl zu Ana. Wie sie auf ihm lag und wie er sie sp├╝ren konnte. ÔÇ×Ich wei├č, du h├Ârst es von mir vielleicht zu oft, aber du bist wundersch├Ân. Beinahe bin ich mir sicher, dass unser Kind eines der sch├Ânsten Gesch├Âpfe sein wird, das Asamura je gesehen hat.ÔÇť

Ana:

Wenn er nicht mehr lange wach war, dann hat er zumindest nicht gut geschlafen, dachte Ana und fragte sich, ob sie sich vielleicht wirklich zu breit gemacht hatte. Um etwas in der Art zu erwidern, f├╝hlte sie sich aber zu tr├Ąge und belie├č es deshalb dabei.
Seine Worte lie├čen Ana schmunzeln. Ja - wie w├╝rde es wohl aussehen? Immer, wenn sie dar├╝ber nachgedacht hatte, und das war inmitten der Zweifel der letzten Wochen nicht oft gewesen, hatte sie sich schlicht eine Miniversion von Farael vorgestellt. "Hoffentlich kommt es eher nach dir, zumindest von seinem Charakter her", sagte sie leise und f├╝gte dann, als sie merkte, wie verbittert das klingen musste, sanfter hinzu: "Meinst du, es wird spitze ├ľhrchen haben?" Der Gedanke lie├č sie abermals l├Ącheln. Alles w├╝rde ganz klein sein, die H├Ąnde und F├╝├če, Nase, Mund und Ohren... Und w├╝rde es eher ein Junge werden oder ein M├Ądchen? Irgendwie rechnete Ana mit einem Buben, doch das lag vermutlich daran, dass sie das Kleine mit Farael in Verbindung brachte. "Ach, ich wei├č nicht, ob ich eine gute Mutter sein werde... Ich habe nie gedacht, dass ich jemals ein Kind haben werde." Wobei das nicht ganz stimmte. In der Anfangszeit ihrer Ehe hatte sie selbstverst├Ąndlich dar├╝ber nachgedacht, immerhin geh├Ârte es dazu. Allerdings geh├Ârten auch andere Dinge dazu. Treue zum Beispiel. Ana kniff die Augen zusammen, um die Schatten der Vergangenheit zu verjagen. Hoffentlich w├╝rde sie es irgendwann schaffen, sie hinter sich zu lassen.

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Re: Regen in der W├╝ste

#4

Beitrag von Farael Dornenwind » Sa 30. Jun 2018, 01:21

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Re: Regen in der W├╝ste

#5

Beitrag von Farael Dornenwind » Mo 16. Jul 2018, 11:56

Farael:
Dieses schelmische Grinsen sah Farael nicht zum ersten Mal bei Ana und er wollte es gewusst haben, was es bedeutet hatte. Zumindest war jedes Mal, nachdem Ana ihren Mundwinkel auf diese Art verzogen hatte, in ihrem Kopf ein Plan entstanden, der in aufregende Abenteuer geendet hatte. Doch was sie sagte und wie sie es sagte, regte die Lust in Farael ein weiteres Mal an. Doch der Tag hatte bereits begonnen und sie konnten nicht warten, bis er wieder bereit war. So hatte er zumindest einen weiteren Grund sich auf den Abend zu freuen, auch wenn er sich nicht ganz sicher war, ob die Idee am Ende wirklich gut war. ÔÇ×Du wei├čt, ich nehme dich beim Wort. Wenn du heute Abend keine Peitsche oder Gerte zur Hand hast, w├╝rde ich sehr entt├Ąuscht seinÔÇť, feixte Farael, lie├č aber einen subtilen und ernsten Unterton mitschwingen. Einer der Momente, in denen ihm bewusstwurde, wie gern er mit Ana spielte. Sie tat es ebenso auf ihre Weise, drum nahm er sich das Recht heraus, es auch zu tun. Am Ende konnte sich Farael aber darauf verlassen, dass ihre gegenseitige Zuneigung immer eine Grundlage dieses Spiels war. F├╝r einige Augenblicke verharrte er schlie├člich mit ihr in der selben Position. Farael lie├č einer seiner H├Ąnde auf Anas Brust wandern, um dort ihren Herzschlag und ihren Atem zu sp├╝ren. Allein dieses Gef├╝hl, Ana lebend und sich regend neben sich zu sp├╝ren, lie├č seinen Mund sich zu einem L├Ącheln verformen. Leider mussten die sch├Ânsten Momente enden, sowie die schlimmsten Zeiten vorbeigingen. ÔÇ×Wir sollten aufstehenÔÇť, brachte Farael schlie├člich aus ├ťberzeugung und Antwort auf Anas Frage zugleich hervor. Gefolgt waren seine Worte, mit einer Ber├╝hrung seiner Lippen auf den ihren. Farael reckte Ana seine Zunge entgegen, lud sie zu einem verspielten Tanz ein und legte jede Zuneigung, die er f├╝r diese Frau empfand, in diesen Kuss hinein. Einige Momente vergingen und schlie├člich l├Âste er sich wieder, innerlich den Wunsch, sie ein weiteres Mal zu k├╝ssen. Doch der Alltag rief. Farael konnte sich nicht zu sehr hingeben, schlie├člich hatte er noch Aufgaben zu erledigen. Zuletzt erhob sich Farael, stieg aus dem Bett und streckte sich zu seiner vollen Gr├Â├če, ehe er sich seine Hose ├╝berzog. W├Ąhrend er auf den Weg zum Fenster ist, um die Vorh├Ąnge aufzuziehen, sprach er: ÔÇ×Soll ich dir eine Salbe auf deinen Hals tun? Das bet├Ąubt etwas und hilft, dass sich die Haut erholt. Hat Wunder bei deinem Biss gewirkt, der mir eine echt schicke Narbe einbrachte.ÔÇť Mit verschmitzten L├Ącheln, welches in ein warmes Lachen ├╝berschlug, schritt Farael bereits zu seiner Kommode, in der er die Salbe verwahrte.

Ana:
Die Decke ein wenig h├Âher ziehend, drehte Ana sich auf die Seite, um Farael beobachten zu k├Ânnen. Vollkommen ungeniert lie├č sie den Blick an ihm hinab und wieder hinauf gleiten. "Ach, du hast daf├╝r extra eine Salbe im Haus?", entgegnete sie. "F├╝r all die bissigen Stuten, die hier ein und ausgehen? Oder f├╝r die gebissenen?" Sie schwang sich aus dem Bett und reckte ihm den Hals hin. Tats├Ąchlich brannten die Wunden stetig vor sich hin. "Da kann ich sehen, wie ich das bei meinem n├Ąchsten Auftritt versteckt kriege", dachte sie automatisch. Sie lie├č sich von Farael verarzten und strich ihm dabei ├╝ber den Bauch, da sie der Versuchung nicht widerstehen konnte.
"Wei├čt du, ich f├╝hle mich fit genug, um auch etwas Sinnvolles zu tun", sagte sie schlie├člich. "Ich k├Ânnte Besorgungen machen, falls du etwas brauchst und mich nach Arbeit f├╝r heute Abend umsehen." Ihr Unterleib hatte vollkommen Ruhe gegeben und Ana konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, den ganzen Tag herumzuliegen, w├Ąhrend Farael arbeitete. Au├čerdem musste sie ja wohl irgendetwas beschaffen, dass einer Peitsche nahekam, sonst ging ihr dieser Hengst am Ende noch durch.

Farael:
Aus einem unbestimmten Grund wusste Farael, dass Ana sich verarzten lassen und zugleich ein paar freche Spr├╝che klopfen w├╝rde. Er hatte seine Kommode erreicht und die Salbe hervorgeholt, da stand Ana in ihrer vollen Pracht bereits vor ihm. Dabei machte Farael keinerlei Anstalten, den Anblick nicht offensichtlich zu genie├čen. Wenn sie das tat, wollte er es auch tun d├╝rfen. Bei dem Gedanken schlich ihm ein L├Ącheln auf die Lippen. Vorsichtig neigte er Anas Kopf zur Seite, um die empfindliche Stelle offen zu legen und mit der Behandlung beginnen zu k├Ânnen. ÔÇ×Ach, wei├čt duÔÇť, begann er, w├Ąhrend er sich die Stelle seines Bisses anschaute. ÔÇ×Noch niemand hatte es gewagt, mich so zu behandeln wie du es bisher getan hast. Fast alle haben einfach nur mit mir schlafen wollen, weil sie scharf auf was auch immer waren. Einige haben es versucht, mich zu z├Ąhmen, doch es war nicht mehr als billige Anmache.ÔÇť Farael stellte fest, dass sein Biss ihre Haut durchbrochen und Ana ungewollt hatte bluten lassen. ÔÇ×Du bist die Erste, die wei├č, wie man es macht und das gef├Ąllt mir. Obendrein gehst du darauf ein, was ich mir w├╝nsche. Das finde ich wirklich sch├Ân.ÔÇť Auf seinen Lippen zeichnete sich ein L├Ącheln ab. W├Ąhrenddessen hatte er sich ein Tuch genommen und die Wunde sauber getupft. ÔÇ×Du bist einzigartig, wie ich dir bereits sagte. Und nun wirst du wohl immer eine Erinnerung von mir auf deiner Haut tragen. Entschuldige noch einmal.ÔÇť Der Biss war tiefer als angenommen und Farael war verwundert, dass Ana sich kaum darunter geregt oder gewehrt hatte. Der Blutfluss war jedoch schon versiegt, weshalb es reichte, wenn Farael die Salbe auf die Wunde auftrug. Unter den Ber├╝hrungen Anas kam er nicht umher, seine Bauchmuskeln anzuspannen, ganz in dem Wissen, wie es ihr zu gefallen schien. ÔÇ×Das wird eine Narbe bleiben und ich kann nicht sagen, dass ich nicht stolz drauf binÔÇť, gab Farael schlie├člich grinsend zu, als er einen Schritt von Ana wegtrat. Tats├Ąchlich klopfte sein Herz etwas, als er daran dachte, Ana das zur├╝ckgegeben zu haben, was sie ihm einst gab. Auch wenn es wohl eine sehr ungew├Âhnliche Geste war, so hatte sie doch ihre ganz eigene Sch├Ânheit inne. Und wieder einmal musste Farael feststellen, dass Ana ihm den Kopf verdreht hatte.
Schlie├člich schloss der das Gl├Ąschen mit der Salbe und packte das Tuch zu der schmutzigen W├Ąsche. Dabei lauschte er den Worten Anas, welche bereits den Tag durchzuplanen schien. ÔÇ×Momentan brauche ich nichts, aber wenn du ein paar M├╝nzen f├╝r die Kasse beitragen magst, w├╝rde mich das sehr freuenÔÇť, erwiderte er l├Ąchelnd, w├Ąhrend er frische Sachen f├╝r sich zusammensuchte. ÔÇ×Tats├Ąchlich habe ich heute nicht all zu viel vor. Ich will nur kurz zum Lager, um noch einmal die Dokumente zu sichten. Danach bin ich wieder hier. Vermutlich ein wenig trainieren, damit ich nicht au├čer Form gerate.ÔÇť Nachdem Farael sich die frische Kleidung zurechtgelegt hatte, trat er ein weiteres Mal an Ana heran, blickte ihr direkt in die Augen. ÔÇ×Ich bin stolz auf dich, dass du wieder bist. Obendrein noch dankbar, dass du dich mir anvertraust, aber auch meine wohl ungew├Âhnlichen W├╝nsche ernst nimmst.ÔÇť Wie gern er Ana in diesem Moment gek├╝sst h├Ątte, doch er wollte sich zur├╝ckhalten. Schlie├člich wusste Farael, dass die Norkara ihren Freiraum manchmal brauchte. ÔÇ×Vielen DankÔÇť, wiederholte er, ehe er ihr kurz ├╝ber die Wange strich und sich schlie├člich anzukleiden begann.

Ana:
"Kann ich mir gar nicht vorstellen auf was sie da scharf h├Ątten sein k├Ânnen..." Ana biss sich auf die Lippe und packte Faraels Hosenbund, zuckte dann aber zusammen, als seine Finger ihre Wunde ber├╝hrten. "Stolz", fragte sie verwundert. "So markiert ihr Hengste also eure Stuten?" Sie musste lachen, da sie es ja nicht anders mit ihm gemacht hatte. "Aber ich muss sagen, es passt zu meinem wilden Piratenimage."
Sie nahm sich vor, die Male zur Sicherheit trotzdem heimlich in Faraels Spiegel zu kontrollieren, wenn sich die M├Âglichkeit bot. Sollte sie darauf angesprochen werden, sei es aus Interesse oder wissendem Zuspruch, wollte sie wissen, wovon sie sprach.

"In Ordnung. Arbeit bedeutet bei mir aber abends... au├čer meiner Musik habe ich nicht viel, wof├╝r man mich bezahl. Zumindest nichts, das ich bereit bin zu geben." Den Tag ├╝ber w├╝rde sie herumfragen und bis abends hoffentlich etwas gefunden haben. Auch Ana begann nun sich anzuziehen. Sie griff nach ihrer eigenen Kleidung, die Farael so ordentlich zusammengelegt hatte, dass sie schmunzeln musste. Was hatte der Anblick ihrer Sachen w├Ąhrend ihrer Abwesenheit wohl in ihm bewirkt? Hatte es seine Hoffnung aufrechterhalten, sie k├Ânnte zur├╝ckkommen? Hatte es ihn geschmerzt? Immerhin hatte er ihr gestanden, dass er sie liebte. Die Wochen ohne sie mussten nicht einfach f├╝r ihn gewesen sein. Trotzdem trug er ihr nichts nach. Im Gegenteil: er hatte sie aufgenommen und sofort wieder f├╝r sie gesorgt, hatte liebevoll das Bett mit ihr geteilt und bedankte sich nun sogar bei ihr. Was f├╝r ein Mann... Auf einmal hatte Ana ein schlechtes Gewissen. "Nein", sagte sie. "Ich danke dir."

Farael:

Allm├Ąhlich verschwand Faraels K├Ârper immer mehr in seiner R├╝stung und seine Waffen fanden ihren angestammten Platz an seiner Seite. Nichts zeugte von den Abenteuern, die er vor einer Stunde erlebt hatte, geschweige denn die Momente, welche er mit Ana geteilt hatte. ├ťberraschend waren die Worte, die ihren Mund verlie├čen. Etwas wie Dank hatte Farael nicht erwartet. Nicht, weil er Ana f├╝r jemanden hielt, der absolut undankbar war, sondern weil er in seinem Ermessen nichts tat, wof├╝r sie ihm danken musste. War es vielleicht dieses Gef├╝hl in seinem Bauch, dass er in ihrer N├Ąhe versp├╝rte? Jenes Gef├╝hl, welches ihm jedes Mal den Kopf verdrehte, wenn er in Ana Augen blickte? Fr├╝her noch hatte er M├Ąnner mit einem Schmunzeln gestraft, die von ihren Frauen Sprache, von ihrer Liebe und ihren Kindern. Doch nun stand das perfekte Beispiel vor ihm, wie es sich tats├Ąchlich anf├╝hlte.
Anfangs wollte er etwas sagen, um ihren Dank abzuwimmeln, ihr zu zeigen, was er dachte. Doch zeitgleich meldete sich sein Verstand. Denn das, was er in diesem Moment und den Abend zuvor getan hatte, war ein gro├čes Risiko und obendrein noch eine naive Reaktion gewesen. Also verwarf er seinen Plan, ihren Dank abzulehnen. Im selben Augenblick zog ein belohnendes Kribbeln durch seinen Bauch, als ob sein K├Ârper und sein Geist ihn daf├╝r belohnten, nicht gegen jeden Instinkt zu handeln. ÔÇ×Ich habe es wirklich gern getan Ana. Doch wenn wir Zeit haben, m├Âchte ich gern mehr von dir erfahren. Genau wissen, warum du bist, wer du bist. Nat├╝rlich will ich dich nicht zwingen, aber ÔÇŽ aber ich w├╝sste gern, wer die Mutter meines Kindes genau ist. St├╝ck f├╝r St├╝ck, nicht alles auf einmal. Ist das in Ordnung f├╝r dich?ÔÇť

Ana:
Mutter meines Kindes... wie das klang. Merkw├╝rdig. Surreal. Und sch├Ân. Ana hing diesem Gedanken noch nach, w├Ąren Faraels Frage zwischen ihnen schwebte. "Hm?", machte sie in dem Augenblick, in dem das Gesagte in ihrem Bewusstsein ankam. "Wer ich bin? Aber das wei├čt du doch", winkte sie ab. "Eine versoffene, diebische Piratin, unstet wie das Meer aber geschickt an der Laute." Sie grinste schwach. Worauf wollte Farael hinaus? Sie erinnerte sich, wie freim├╝tig er ihr von den Sorgen um seine Mutter und seine Familiensituation erz├Ąhlt hatte. Auch von der schwarzen Kompanie hatte er etwas preisgegeben. Aber im Grunde kannten sie sich kaum. Das waren vermutlich keine guten Voraussetzungen f├╝r werdende Eltern. Was wird er wohl sagen, wenn er von deinen endlosen Bettgeschichten h├Ârt?, fragte sie sich selbst bitter. Oder von deiner gescheiterten Ehe? Dem Mann, der sterben musste, weil er sie geliebt hatte? Wollte Farael so etwas ├╝berhaupt wissen? Oder vermutete er eine aufregende und bewegte Geschichte, die sie als tapfere Heldin zu dem geformt hatte, was sie war? Ana schluckte. Etwas in ihr war der Meinung, Farael hatte ein Recht alles zu erfahren. Wenn du mir nicht vertraust, kann ich dir nicht vertrauen.... das hatte er ihr gesagt. Darunter fiel vermutlich auch, zu vertrauen, dass er sie auch dann noch mochte, wenn er alles ├╝ber sie wusste. Aber ob sie das konnte, das wusste sie nicht.

Farael:
Lediglich ein Seufzen fuhr aus Faraels Kehle, als er die Antwort Anas h├Ârte. Zwar fragte er sich, warum er etwas Anderes als eine solche Antwort erwartet hatte, doch r├Ąumte er sich auch das Recht ein, eine ehrliche Antwort auf diese Frage zu bekommen. Selbst nach ihren Worten, die nur einen schwachen Witz darstellten, war Farael keineswegs beruhigt oder gar zufrieden. Farael konnte es Ana f├Ârmlich ansehen, wie es in ihre brodelte, ratterte und arbeitete. Sie dachte nach und nicht zu knapp. F├╝r ihn war es offensichtlich, dass sie innere D├Ąmonen mit sich herumtrug, die sie zu gern begraben wollte. Einerseits kr├Ąnkte es ihn, dass sie ihm nicht offen und ehrlich die Dinge preisgab, die er wissen wollte. Andererseits hatte Farael Ana bereits so weit einsch├Ątzen k├Ânnen, dass einer ihrer Aussagen tats├Ąchlich zutraf. ÔÇ×Unstet wie das Meer, das bist du tats├ĄchlichÔÇť, dachte er sich, doch sprach er diesen Gedanken nicht aus. Letzten Endes konnte er nur darauf hoffen, dass sich das Meer beruhigen und seine Geheimnisse offenbaren w├╝rde, doch dieser Weg sollte ein langer sein, wie er in diesem Moment zu sp├╝ren bekam. Hatte sie Angst? Vielleicht konnte er ihr diese nehmen? Doch wovor hatte sie Angst? Dass er sie nicht mehr lieben k├Ânne, nachdem sie ihm alles preisgegeben h├Ątte? Sein Plan, mehr aus ihre herauszubekommen, sollte schwieriger werden, als er gedacht hatte. ÔÇ×Ich nehme dich so, wie du jetzt bist. So mag und, vielleicht willst du es nicht h├Âren, liebe ich dich. Erz├Ąhle mir, wer du wirklich bist, wenn du bereit dazu bist. Doch auf lange Sicht m├Âchte ich es wissen. Nicht nur f├╝r unser gemeinsames Heil, sondern auch das unseres Kindes.ÔÇť Aus einem Reflex heraus trat Farael nach seinen Worten an Ana heran und gab ihr einen liebevollen Kuss auf die Stirn. Es f├╝hlte sich richtig an, auf diese Weise zu reagieren, auch wenn sein Inneres neugierig und f├╝rchterlich ├Ąngstlich zugleich war. ÔÇ×Nichts kann schlimmer sein, als die Vorstellungen, die in meinem Kopf sein k├Ânnten. Vertraue mirÔÇť, betonte er sanft, lie├č die Worte zwischen ihnen schweben.

Ana:
Irgendwie fand Ana es unfair, dass Farael das Kind erw├Ąhnte. Was sollte es dem Kleinen nutzen, wenn Anas Vergangenheit ausgegraben wurde? Recht schnell wurde der ├ärger aber durch eigene Ma├čregelung verdr├Ąngt. Wenn sie ehrlich war, war das Einzige, das sie st├Ârte, ihr eigenes Wesen oder das, wozu es f├Ąhig war. Alles andere war Schein. Erst, wenn sie selbst alles zur├╝cklassen konnte, konnte sie guten Gewissens behaupten, es sei kein Teil mehr von ihr. Faraels n├Ąchste Worte weckten ihre Neugierde. Obwohl ihr die Frage unangebracht schien, nachdem sie sich aus seiner herausgewunden hatte, waren die Worte schnell gesprochen. "Was stellst du dir denn vor?" Sie hatte das Gef├╝hl, Farael h├Ątte schon l├Ąngst fortgemusst, um seine Aufgaben zu abzuarbeiten wie geplant, doch die Neugierde nagte an ihr.

Farael:
Etwas seltsam war es schon, dass Ana keineswegs auf seine gesagten Worte einging und obendrein noch eine ├Ąu├čerst komische Frage stellte. Wirklich wissen, was Farael davon h├Ątte halten sollen, konnte er nicht. Doch ihre Augen wirkten wach, neugierig und so fokussierte sich Farael auf die Gedanken, um sie wachzurufen. Wenn auch ungern, was ihm sofort ein flaues Gef├╝hl im Magen bescherte. ÔÇ×Nun, wer wei├č wen du in deiner Vergangenheit ans Bein gepisst hast. Vielleicht sind ja hinter die Auftragsm├Ârder her, die jederzeit nach deinem Leben trachten? Oder aber du verbirgst, dass du eigentlich eine Vampirin bist, wobei ich zugeben m├╝sste, nicht viel ├╝ber diese zu wissen. Oder jemand oder etwas aus deiner Vergangenheit, etwas, was nicht begreifbar ist, trachtet die nach deinem Wohlergehen. Was wei├č ich. Das Schlimmste was passieren k├Ânnte, ist, dass dir etwas zust├Â├čt, ohne, dass ich dagegen etwas tun kann, verstehst du?ÔÇť

Ana:
Ehe sie sich versah, musste Ana lachen. "Oh, entschuldige", f├╝gte sie eilig an, wohlwissend wie unpassend es war. Die Mischung aus ├ťberraschung, Erleichterung und Zuneigung hatte ihr aber nichts anderes ├╝briggelassen. Farael... er dachte nur an ihr Wohlergehen, sorgte sich um sie, f├╝rchtete sie w├╝rde verfolgt. Dabei war das einzige, das ihr auf den Fersen war, ihr eigener dunkler Schatten. Sie nahm sein Gesicht in beide H├Ąnde und sah ihm tief in die Augen. "Wieso bist du so gut zu mir?", fragte sie leise, dann seufzte sie. "Nichts von deinen Bef├╝rchtungen ist der Fall. Eigentlich gibt es wirklich nichts Spektakul├Ąres oder Besonderes in meiner Vergangenheit. Von Seeschlachten vielleicht einmal abgesehen. Ich werde dir davon erz├Ąhlen, in Ordnung? Aber nicht im Stehen und zwischen T├╝r und Angel."

Farael:
Sofort wanderte Faraels Augenbraue ein gutes St├╝ck nach oben, als Ana zu lachen begann. Zwar entschuldigte sie sich auf diese Geste hin, doch der Anblick war durchaus seltsam. Was gab es bei diesen Dingen zu lachen? Sein Misstrauen verpuffte jedoch schnell, als er die zarte Ber├╝hrung ihrer H├Ąnde an seinen Wangen sp├╝rte. Von ihnen ging W├Ąrme aus, die seinem Mund schlie├člich zu einem L├Ącheln werden lie├č. Ihren tiefen Blick erwiderte er, dabei legte er einer seiner H├Ąnde auf ihre Taille, die andere auf einer der ihren. ÔÇ×Das ist in Ordnung. Ich wollte dir nur sagen, dass ich es m├ÂchteÔÇť, erkl├Ąrte er sanft auf ihre Worte. Zwar sollte Farael in diesem Moment keinerlei Informationen ├╝ber ihre Vergangenheit erfahren, doch es war f├╝r ihn ein gro├čer Schritt, dass sie ihm diese zugestand. ÔÇ×Du bist mir wichtigÔÇť, hauchte er schlie├člich, als Antwort ihre Frage und Bekundung seiner Zuneigung zugleich. ÔÇ×Ich habe mich viel in den letzten vier Wochen um dich gesorgt.ÔÇť F├╝r keinen einzigen Augenblick verfehlten sich ihre Blicke. Farael bekam das Gef├╝hl, dass sich ihre Seelen trafen und miteinander austauschten, ohne auch nur ein einziges von sich zu geben. ÔÇ×Wenn du einen Auftrag zum Spielen hast, darf ich dir dann zuh├Âren?ÔÇť, wechselte er schlie├člich das Thema, ohne jedoch die Ber├╝hrungen zu unterbrechen. ÔÇ×Ich werde nicht lang weg sein und du k├Ânntest mir einfach Bescheid geben, wo du spielst, indem du kurz nach Hause kommst.ÔÇť

Ana:
Mit einem L├Ącheln zog Ana ihre H├Ąnde langsam zur├╝ck. Komischerweise versp├╝rte sie ein nerv├Âses Ziehen im Bauch, wenn sie daran dachte, vor Farael aufzutreten. "Ja... ja das kann ich machen", antwortete sie trotzdem. "Wenn ich etwas finde, vorausgesetzt... und wenn es eine anst├Ąndige Taverne ist, in die ich einen Leckerbissen wie dich einladen kann, ohne Sorge zu haben, dass du entf├╝hrt wirst." Ana zwinkerte die eigene Unsicherheit weg oder versuchte es zumindest. Sie wollte, dass Farael sie gut fand, dass er ihre Musik gut fand. Heute Abend w├╝rde sie sich besonders ins Zeug legen m├╝ssen. Hoffentlich w├╝rden die Schmerzen ausbleiben. Mit Kr├Ąmpfen im Bauch sang es sich schlecht. "Du...", setzte sie an. "Hast du eventuell Kr├Ąuter oder ├Ąhnliches im Haus, das ich notfalls gegen die Schmerzen nehmen kann? Ich w├╝rde mir selbst etwas besorgen, aber noch habe ich kein Geld..." Ana sp├╝rte wie sie err├Âte. Auch das war ihr komischerweise unangenehm. "... und leider kann ich gerade nichts trinken. Das w├╝rde auch helfen." Wieder fl├╝chtete sie sich in einen Scherz. Ana kam mit vielem zurecht, mit eigener Unsicherheit nicht. Vielleicht war das einer der Gr├╝nde, warum sie wenige so nahe an sich heranlie├č.

Farael:
├ťber die positive Antwort seitens Ana konnte sich Farael nur freuen. Zwar hatte er sie nur ein Mal singen h├Âren und doch war er davon so begeistert gewesen, dass er es sich als ein wundervolles Erlebnis vorstellte, wenn sie vor einem ganzen Publikum auftrat. Nat├╝rlich hatte es etwas Pers├Ânlicheres, wenn sie nur vor ihm sang, doch sie sollte sich nicht verstecken. Schlie├člich merkte er auch, dass sie nerv├Âs wurde, als sie von der Lokalit├Ąt und ├╝berhaupt von der M├Âglichkeit sprach. Langsam d├Ąmmerte es Farael, dass Ana meist mit lasziven oder scherzhaften Worten und Gesten ihre eigene Unsicherheit verbergen wollte. Zumindest dachte er es, wobei er es bereits mehrere Male hatte beobachten k├Ânnen. ÔÇ×Keine Sorge, ich habe mich schon in den ekelhaftesten Absteigen aufgehalten oder gar gen├Ąchtigt. Obendrein kann ich sowohl auf mich, als auch auf die aufpassenÔÇť, erwiderte er darauf zwinkernd. Es f├╝hlte sich ungewohnt befriedigend an, jemanden Schutz zu versprechen, ohne etwas daf├╝r zu erwarten. Herzensg├╝te oder Liebe kannten S├Âldner bekannterma├čen nicht und auch auf Farael hatte das bis vor kurzem noch zugetroffen. Drum sp├╝rte er im n├Ąchsten Moment bereits einen Knoten in seinem Bauch, als Ana ihm von ihrer misslichen Lage berichtete und ihm um Kr├Ąuter bat. Sofort legte er eine Hand an sein Kinn und blickte sich in seinem Haus um. Hatte er nicht noch irgendwo Kr├Ąuter? Nat├╝rlich! Blind wie er war, hatte er beim ├╝berfliegen die Kr├Ąuter, welche ├╝ber seinem Kamin hingen, komplett ├╝bersehen und sie auch vergessen. Von diesen rupfte er ein paar Bl├Ątter ab, wickelte sie zu einem kleinen B├╝ndel und verschn├╝rte dieses mit einer Schnur. ÔÇ×Die hat mir mal ein Heiler gegeben, um die Schmerzen von Kampfverletzungen zu linden. Das sollte auch f├╝r solche Schmerzen reichen. Denke ich.ÔÇť Behutsam legte Farael Ana das B├╝ndel in die Hand. Selbstverst├Ąndlich hatte er ihre R├Âte mitbekommen, weswegen er sich vor sie stellte und ein warmes L├Ącheln seine Lippen zieren lie├č. Sanft sprach er wenige Worte, die, wie er hoffte, ihre Unsicherheit lindern sollten: ÔÇ×Vergiss nicht, dass mein Zuhause nun auch dein Zuhause ist. Mein Schicksal ist nun auch deins. Genau so, wie deines meines ist. Nimm dir, was auch immer du brauchst. Bitte mich darum, woran es dir mangelt. Ich schaue, dass ich es dir erf├╝llen kann.ÔÇť Diese Worte waren so aufrichtig, wie die W├Ąrme seiner Seele, die durch seinen K├Ârper str├Âmte.

Ana:
Dankbar nahm Ana die Kr├Ąuter entgegen. Allein zu wissen, dass sie etwas tun konnte, w├╝rde sie sich besser f├╝hlen lassen. Genau das - dass sie sich besser f├╝hlte - musste auch Farael mit seinen folgenden Worten bezwecken. Er musste ihre Unsicherheit bemerkt haben. Also gab Ana sich alle M├╝he, die Reaktion zu zeigen, die die Worte verdienten, obwohl alles in ihr sich str├Ąubte. Sie versuchte es mit einem L├Ącheln, trat dann aber schnell an ihn heran und umarmte ihn, legte ihren Kopf auf seine Brust, dass er ihre verr├Ąterische Mimik nicht mehr sehen konnte. "Idiot, Idiot, Idiot!", schrie sich innerlich an, w├Ąhrend sie seinem Oberk├Ârper ein "Danke" zumurmelte. Er meint es wirklich ernst... Er liebt mich... Die Gedanken durchzogen ihren Kopf wie giftige Schlangen und wieder, obwohl sie sich vorgenommen hatte, sich nicht mehr davon beeindrucken zu lassen, f├╝hlte sie sich davon erdr├╝ckt. Sie ertappte sich bei dem Wunsch, Farael w├╝rde es nicht so oft aussprechen. Doch um so etwas konnte man jemanden wohl kaum bitten. Nachdem sie sich wieder einigerma├čen im Griff hatte, l├Âste sich Ana von Farael. "Danke", sagte sie noch einmal. "Dann steht dem Auftritt ja nichts mehr im Wege. Wenn mich jemand will."

Farael:
Pl├Âtzlich, nach Faraels Worten, wirkte Ana alles andere als zufrieden oder gl├╝cklich. Eher benommen oder diffus waren die Ausdr├╝cke, die er anfangs in ihrem Gesicht ablesen konnte. Umso mehr verwirrte es ihn, sie in diesem Moment zu beobachten, wo offensichtlich ganze Gef├╝hlswelten aufeinanderprallten und nichts mit sich anzufangen wussten. Doch bevor Farael auch nur ansatzweise dar├╝ber nachdenken konnte, schlossen ihre Arme sich um seinen K├Ârper, ihr Kopf legte sich auf seine Brust. Zuerst z├Âgerlich und anschlie├čend doch erwiderte er die Umarmung z├Ąrtlich, auch wenn sich diese ├Ąu├čerst seltsam anf├╝hlte. Hatte er zu viel gesagt? Sein Kopf schwamm vor Gedanken. Am liebsten h├Ątte er ihren Kopf ge├Âffnet und hineingesehen. Es war einer der Momente wo er sich w├╝nschte, ihre Gedanken h├Âren zu k├Ânnen und zu erfahren, was in ihr vorging. Nun war Farael an der Reihe, verunsichert zu sein, auch wenn er der Meinung war, es besser zu verbergen als die Norkara es tat. Gerade noch rechtzeitig. Im n├Ąchsten Augenblick l├Âste sie sich wieder von ihm worauf sie ihre Blicke tauschten. ÔÇ×Gern Ana. Wobei ich mir eben nicht vorstellen kann, wer dich nicht haben wollte, um ehrlich zu seinÔÇť, lachte er schlie├člich und knuffte seine Geliebte gegen die Schulter. Darauf wandte er sich der T├╝r zu und ├Âffnete diese. Doch bevor er vorausging, hielt er in der T├╝r inne. Seine Miene f├╝hlte sich gesetzt an. Ernst. Wieder richtete er seinen Blick auf Ana. ÔÇ×Wenn dir etwas zu viel ist, sag es mir. Ich bin kein Mann aus Zucker und die Dinge in dich hineinzufressen hilft uns beiden nicht weiter.ÔÇť Woher auch immer diese Worte kamen, doch ihn lie├č die Vorstellung nicht los, dass er zu viel gesagt hatte. ÔÇ×Jetzt komm, wir haben einen langen Tag vor uns. Lass uns ein St├╝ck zusammen gehen, bevor sich unsere Wege trennen.ÔÇť Mit ausgestreckter Hand blickte Farael Ana freundlich entgegen. Ganz zum Trotz seiner vorherigen Aussage.

Ana:
"Barden und Vaganten gibt es leider mehr als genug", seufzte sie und sah sich instinktiv nach ihrem Lautenkasten um, bis ihr einfiel, dass sie ihn bei Reela gelassen hatte; f├╝r den Fall, dass Farael sie nicht aufnehmen w├╝rde oder nicht zu Hause w├Ąre. Bei seinen Worten sah sie auf. Er verstand es immer sie zu durchschauen. Eine F├Ąhigkeit, die sich selbst so gerne zugesprochen hatte - selbst ein Mysterium zu bleiben und die anderen zu lesen wie ein Buch. Einen Unterschied gab es aber doch. Er meinte es ehrlich mit ihr, sie hatte derartige Situationen immer zu ihrem Vorteil genutzt. "Ich... es tut mir leid. Der Gedanke, mir ein Zuhause mit jemandem zu teilen und... es ist ungewohnt f├╝r mich. Ich brauche einfach ein bisschen Zeit, mich damit anzufreunden." Ana war dankbar, dass Farael ihr so viel entgegenkam. Wie viel er wohl schon bei ihr gut hatte? Eine Menge... Sie nahm seine Hand und folgte ihm aus dem Haus. "In Ordnung. Gehen wir ein St├╝ck." Anas Gedanken schwirrten zu einem Fr├╝hst├╝ck und sie merkte, wie ihr Magen knurrte. Jetzt eine Fleischpastete... oder ein St├╝ck Honigbrot... vielleicht einfach beides durcheinander. Irgendwie traute sie sich aber nicht fragen, ob Farael auch etwas fr├╝hst├╝cken wollte. Sie w├╝rde abwarten, was er vorhatte und sich notfalls eine Kleinigkeit stibitzen, nachdem sie sich getrennt hatten.

Farael:
Instinktiv verschr├Ąnkten sich Faraels Finger mit Anas. Nachdem sie aus dem Haus getreten waren, schloss er hinter sich die T├╝r ab. Der Abstecher zum S├Âldnerlager sollte nicht lang dauern. Damit sollte Ana nicht vor verschlossener T├╝r stehen, wenn sie zur├╝ckkehrte. In diesem Moment fiel ihm ein, dass er, sofern das n├Âtige Kleingeld vorhanden war, ein zweiten Schl├╝ssel anfertigen lie├č. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte kein Bedarf danach bestanden. Die Worte um ihre Entschuldigung kommentierte er nicht weiter. Er sah er ihr an, wie sehr sie mit sich zu k├Ąmpfen schien. Und auch wenn es schwer war, es anzusehen, so dachte er sich, dass es das Beste war. Wenn Anas harte Schale br├Âckelte und sich ihr wahrer Kern offenbarte, sollte sie sich von dem befreien k├Ânnen, was sie an ├ängsten mit sich herumtrug. So glaubte es Farael. Auf sie einzureden w├Ąre jedoch ├╝beraus dumm gewesen und h├Ątte sie unn├Âtig in die Ecke gedr├Ąngt. So schwieg er auch, mit ihr an seiner Seite, und schlenderte mit ihr in Richtung S├Âldnerlager. Doch kurz vor der gro├čen Eisenbr├╝cke hielt er mit ihr schlie├člich inne. Dabei lie├č er ihre Hand los, trat direkt vor sie und blickte sie offen an. Seine H├Ąnde lie├č er auf ihren Schultern ruhen. ÔÇ×Ich kenne keinen Barden und keinen Vaganten, der so sch├Ân und talentiert ist, wie du es bist. Du wirst mit gro├čer Sicherheit Arbeit finden. Pass auf dich auf und gerate nicht in Schwierigkeiten.ÔÇť Aufmerksam blickte er in ihre Augen, w├Ąhrend ein weiteres Mal an diesem Tage, ein L├Ącheln seine Lippen umspielte.

Ana:
Gedankenverloren lie├č sich Ana von Farael f├╝hren. Die N├Ąhe zum Markt zeigte sich schnell durch verschiedenste Ger├╝che, f├╝r Obenza erstaunlich gut. Nachdem die K├╝hle der Nacht die Luft zumindest ein wenig gekl├Ąrt hatte, eroberten die D├Ąmpfe der Gark├╝chen und Backstuben f├╝r ein paar Stunden das Terrain. Das w├╝rde ihr n├Ąchstes Ziel sein. Ana ├╝berlegte gerade, ob sie noch weiter mit Farael gehen sollte, da hielt er an. "Warte es ab, du Schmeichler", entgegnete Ana wacker, "du hast bisher ja nur eine Kostprobe bekommen. Und ich und Schwierigkeiten...", sie lachte auf, "niemals! Ich werde zur├╝ck ins Haus kommen, wenn ich mehr wei├č. Pass auch auf dich auf. Rei├če keinen streunenden Banditinnen auf." Ana beugte sich vor und gab Farael einen Kuss auf die Wange. "Bis dann", fl├╝sterte sie und wandte sich ab, um sich ein Fr├╝hst├╝ck zu erschleichen.

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Re: Regen in der W├╝ste

#6

Beitrag von Farael Dornenwind » Fr 20. Jul 2018, 17:33

Ein sanftes Lachen drang aus Faraels Kehle, als Ana davon sprach, dass er keine Banditinnen aufrei├čen solle. "Als ob ich so etwas jemals tun w├╝rde", antwortete er ihr zwinkernd, ehe sie sich voneinander l├Âsten und sie ihm einen Kuss auf die Wange gab. "Keine Sorge, ich passe auf mich auf. Wir sehen uns dann sp├Ąter." Mit diesen Worten gingen sie auseinander. W├Ąhrend Ana in der Menschenmenge des Marktes verschwand, ahnte Farael schon, dass sie sich definitiv in Schwierigkeiten begeben w├╝rde. Seine Hoffnung beruhte auf ihre F├Ąhigkeiten, mit deren Hilfe sie sich zumindest nicht, bei welcher Tat auch immer, erwischt werden sollte. Ob seine Hoffnung erf├╝llt werden oder Ana wie Faraels Mutter in ein Loch geschmissen werden w├╝rde, sollte er am Abend des Tages sehen. Doch zun├Ąchst galt es, seine eigenen Pl├Ąne zu verfolgen.

Seine F├╝├če f├╝hrten Farael ├╝ber die gro├če Eisenbr├╝cke, das Wahrzeichen Obenzas schlechthin. Mit einem Nicken gr├╝├čte er die Wachen, die an jedem Ende der Br├╝cke die Bewohner im Blick behielt und jene aussortierte, die besser in den ├Ąrmeren Vierteln der Stadt bleiben sollten. Farael hatte sein Gl├╝ck und den verdienten Respekt, so dass er nie behelligt wurde, wenn er die Br├╝cke ├╝berquerte. Tats├Ąchlich war es f├╝r ihn immer ein Genuss, ├╝ber die riesige, st├Ąhlerne Konstruktion zu wandern. Zu seiner Rechten konnten er morgens den Sonnenaufgang bewundern. Die sanfte Brise des Meeres wusch die schmutzigen Ger├╝che der Stadt hinfort und hinterlie├č das salzige Kribbeln in der Nase, welches jedem Seemann und jeder Seefrau in ihrem Alltag begleitete. Manchmal beneidete er diese Geister. Sie konnten die Welt sehen, ├╝ber die Meere segeln und frei sein, wenn sie nicht gerade einer Armee angeh├Ârten oder auf Auftrag unterwegs waren. Sicherlich w├Ąre er nur zu gern einmal mit Ana ├╝ber die Meere gefahren, doch bot er mit gro├čer Sicherheit keinen sch├Ânen Anblick, wenn er die gesamte Zeit das Deck vollkotzte.

So in Gedanken versunken, h├Ątte Farael fast gar nicht mitbekommen, wie er die Oberstadt betrat und die Brise des Meeres durch die D├╝fte der G├Ąrten ersetzt wurde. Doch die Wogen der Blumen konnten nicht ├╝ber die Korruption hinwegt├Ąuschen, welche besonders in der Oberstadt vorherrschte. Die Reichen blieben reich, weil sie sich mit ihrem Geld jede Art des Schutzes kauften, die nur erdenklich war. Inklusive der Immunit├Ąt vor einem Richter. Letzten Endes war aber auch Farael ein Werkzeug dieser M├Ąnner. Als S├Âldner war man meist nicht w├Ąhlerisch und hinterfragte nicht viel, wenn die Summe stimmte. Etwas, was er schon lang versucht hatte abzulegen, doch der Bedarf des Geldes hatte stets dagegengesprochen. Jedes Mal, wenn er dar├╝ber nachdachte, bekam er schlechte Laune. Vieles w├Ąre ohne Geld einfacher gewesen, doch war es der Gang der Dinge. Ein Fakt, an den sich Farael anpassen musste.

Drum versuchte er sich so schnell wie m├Âglich durch dieses Viertel zu bewegen. Wachen und Bewohner lie├čen ihn zugleich ziehen. Sein Gesicht war nicht ganz unbekannt und zugleich respektiert, auch wenn die Blicke, vor allem die der alten Kameraden, voller Misstrauen waren. Instinktiv legte Farael einer seiner H├Ąnde auf den Knauf seines Schwertes. Jeder sollte unmissverst├Ąndlich wissen, dass er sich zu behaupten wusste und jede Provokation nicht unges├╝hnt bleiben sollte. Meistens zog diese Geste auch. Genau wie an diesem Tag, an dem er ein weiteres Mal unbehelligt die Oberstadt hinter sich lassen und schlussendlich auf das St├╝ck Land zwischen dem Viertel der Reichen und dem S├Âldnerlager treten konnte.

Die Atmosph├Ąre wechselte erneut. Das leise Getuschel der selbsternannten K├Ânige verstummte. Die V├Âgel waren deutlicher zu h├Âren, w├Ąhrend die Ger├╝che des Meeres und die der W├Ąlder im Norden aufeinandertrafen. Eine herrliche Mischung, die dem Tag eine frische Abwechslung verlieh. Der Anblick von Obenza weg war wundersch├Ân. Weite, unbebaute Landstriche. Dar einzige Makel prangte mitten auf einer sch├Ânen Fl├Ąche, auf der sicherlich einmal eine Weide gewesen war. Ein gro├čer schwarzer Fleck, welcher das S├Âldnerlager darstellte, ruinierte das Gesamtbild. Doch gingen die Pl├Ąne Faraels auf, sollte dort wieder ein pr├Ąchtiges Bollwerk der S├Âldner stehen. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg.

Als Farael dem Lager n├Ąherkam, schien alles so belassen, wie er es mit den S├Âldnern Sodo, Bolgur und Cherax hinterlassen hatte. Ganz zu seiner Freude, schien sich niemand die Aufr├Ąumarbeiten zum Anlass genommen zu haben, seine Zelte dort aufzuschlagen. Farael hatte bereits bef├╝rchtet, Obdachlose oder Streuner von diesem Ort wegscheuchen zu m├╝ssen. Jedoch war ebenso nichts von den S├Âldnern zu sehen, mit denen er gemeinsam aufger├Ąumt hatte. Ungew├Âhnlich war es schon, da sie die Erlaubnis hatten, sich im Lager niederzulassen. Die Ruhe die Farael dadurch gewann, bot im Gegenzug auch eine M├Âglichkeit, sich ungest├Ârt die Dokumente anzusehen.

Schnurstracks marschierte Farael auf das weitestgehend intakte Verwaltungsgeb├Ąude zu. Letzten Endes wollte er nicht mehr Zeit an diesem Ort verbringen, als es erst einmal n├Âtig war. Rein, neue Dokumente sichten und mitnehmen, worauf er sich auf den Heimweg machen konnte. Ruhigen Schrittes betrat er den Verwaltungstrakt. Ein langer Gang erstreckte sich vor ihm, welcher von den Sonnenstrahlen erhellt wurde, die durch die Fenster zu seiner Rechten schimmerten. Im Schein des Lichtes erkannte er den Staub, der durch den Raum zu gleiten schien. Auch wenn der Verwaltungstrakt intakt war, sauber machen musste dennoch jemand. Irgendwann mal. Definitiv aber nicht Farael. Es ├Ąrgert ihn schon immer genug, wenn er sein haus auf Vordermann bringen musste. Ana w├╝rde sicherlich noch ihre grauen Haare mit ihm bekommen, wenn sie sich an ihn gew├Âhnte. Unweigerlich musste Farael auf diesen Gedanken grinsen. Sie sollten noch viel Spa├č miteinander haben.

Die Schritte Faraels hallten durch den Gang. Seine Stiefel lie├čen bei jedem Tritt nach vorn einen Knall ert├Ânen der durch den gesamten Trakt zu hallen schien. Den Blick nach links gerichtet, suchte Farael die T├╝r des Archivs und wurde bald f├╝ndig. Als er jedoch die Hand auf die Klinke legte, ├╝berkam ihm pl├Âtzlich ein Kribbeln in seinem Bauch. Farael hielt inne. Sofort richtete er seinen Blick auf, blickte zu beiden Seiten in den Gang. Neben dem Tanz des Staubes war jedoch nichts zu sehen. Dennoch hatte er das Gef├╝hl, dass etwas nicht stimmte. Allerdings konnte das nicht sein. Auch wenn ihm sein Job gelehrt hatte, stets auf sein Bauchgef├╝hl zu h├Âren, sch├╝ttelte er mit dem Kopf und damit den Gedanken ab. Wer sollte schon an diesem Ort sein? F├╝r Pl├╝nderer gab es an diesem Ort nichts mehr. Schlie├člich dr├╝ckte er die Klinke herunter und trat in das Archiv ein.

Aktenschrank f├╝r Aktenschrank reihten sich in den Raum hinein. Sie standen still und stramm, wie die Soldaten zu morgendlichen Appell. Als Farael zuletzt in diesem Raum gewesen war, hatte er gedanklich die Lage potentiell wichtiger Dokumente und Akten kategorisiert. Nichts war schlimmer, als sich ein weiteres Mal durch die Papierberge und das System zu arbeiten. So konnte Farael einfach auf die Reihe der Schr├Ąnke zugehen, in dem die Objekte seiner Begierde waren, diese entnehmen und zum Schreibtisch bringen, der sich inmitten des Urwaldes aus Beh├Ąltnisses versteckte. Auf diesem breitete er die Dokumente auf und sah hinein.

Das erste und wichtigste St├╝ck, welches er f├╝r die Mitnahme beiseitelegte, war die Besitzurkunde f├╝r das S├Âldnerlager. Oder besser, die Besitzurkunde f├╝r den Grund und Boden, auf dem das Lager stand. Beziehungsweise dessen Ruinen. Dann folgten Schriftst├╝cke, die von der Kommunikation mit der Obrigkeit Obenzas zeugten. Nichts w├Ąre unpraktischer, als eine korrupte F├╝hrung der Stadt, die sich in die Gesch├Ąfte des Lagers einmischte. Aus diesem Grund wollte Farael sichergehen und wissen, wie die Stadt mit dem Lager bisher umgegangen war. Nicht, weil er sich vor der Obrigkeit f├╝rchtete, sondern weil er sie einsch├Ątzen wollte. Sei deinen Freunden nahe, deinen Feinden noch n├Ąher.

Pl├Âtzlich riss ein Scharren Farael auf seinen Gedanken. Sein Kopf schie├čt nach oben und er dreht sich um. Mit der Hand auf dem Schwert blickt er durch den Raum. Die Neugier war der Katze Tod. Entgegen dieser Erkenntnis zog Farael sein Schwert ein St├╝ck aus der Scheide und begann, nach rechts zu laufen. Er fixierte den Blick auf die Reihen an Schr├Ąnken und deren Durchg├Ąnge. Gang f├╝r Gang lief er langsam ab, doch fand auf dieser Seite des Raumes nichts. Augenblicklich kehrte das Bauchgef├╝hl zur├╝ck, welches Farael vor der T├╝r versp├╝rt hatte. Trappeln auf Holz. Dann ein weiteres Scharren. Farael wirbelte herum.

Gerade noch zog er sein Schwert und wirbelte herum, um seine Klinge zwischen sich und einem schwarzen Schatten zu bringen. Zwei Arme, die mit ihren H├Ąnden einen Dolch fest in der Hand hielten, schlugen gegen die flache Seite Faraels Schwertes. Die Spitze knapp vor der Nase Faraels. Instinktiv trat er den Angreifer von sich weg und verschaffte sich Raum. Dieser taumelte zur├╝ck, fing sich jedoch schnell und ging in eine niedrige Abwehrhaltung. Ohne Farael die M├Âglichkeit eines Gegenschlages zu lassen, preschte der Angreifer vor. Bevor Farael reagieren konnte, bohrte sich ein Ellenbogen in seine Magengrube. Eine Welle des Schmerzes lie├č seinen K├Ârper krampfen und ├ťbelkeit ├╝berkam ihn. Doch sah er das Blitzen, welches nachziehen sollte. Farael riss sein Schwert nach oben. Dann traf Metall auf Metall. Ein Klirren erf├╝llte den Raum. Sofort spannte Farael seine Beine an, sprang dem Angreifer mit der Schulter entgegen und traf diesen gegen die Brust. Ein Keuchen entfuhr der Gestalt. Ein weiteres Mal taumelte sie zur├╝ck, doch brauchte sie offensichtlich l├Ąnger, um sich zu erholen.

Darauf erhaschte Farael einen Blick auf sein Gegen├╝ber. Eine Gestalt, komplett in schwarzer R├╝stung geh├╝llt. Ihr Kopf war durch eine Kapuze vor Blicken gesch├╝tzt, der Mund und die Nase mit einem schwarzen Tuch bedeckt. Das war die Person, die er vor seinem Fenster gesehen hatte! Sofort klingelte etwas in ihm: die schwarze Kompanie! Den Moment der Stunde, die der Angreifer zur Ruhe nutzen musste, nutzte Farael f├╝r einen Gegenschlag. Sein Schwert in beide H├Ąnde nehmend, stach Farael gerade nach vorn. Doch der Attent├Ąter sprang zur├╝ck, entging knapp seinem Tod. Farael hatte ihn zur├╝ckgedr├Ąngt. Sein Schwert hob er mit beiden H├Ąnden rechts neben seinen Kopf und lie├č die Spitze auf den Angreifer zeigen. Nun war er in Angriffsposition.

Schlie├člich ging alles schnell. Farael t├Ąuschte einen weiteren Stich an. Die Gestalt wich zur Seite aus. Augenblicklich griff Farael mit der Linken in die Fehlsch├Ąrfe seines Schwertes. Mit einem Satz nach vorn, schlug er dem Attent├Ąter mit der Parierstange in den Halsbereich. Ein schriller Schrei erhellte den Raum. Die Gestalt verlor die Balance und landete mit dem Bauch voran auf dem Boden. Zeit zum Z├Âgern gab es nicht. Farael setzte nach. Mit einem kraftvollen Stich von oben, durchbohrte er den R├╝cken des Angreifers. Ein weiterer Schrei ert├Ânte. Dieser war eindeutig weiblich, hielt Farael jedoch nicht von der Vollf├╝hrung seines Todessto├čes ab. Sofort wurde der Schrei unterbrochen, als Farael mit dem rechten Fu├č in das Genick des Angreifers stammte. Ein entsetzliches Knacken ert├Ânte. Dann war es still.

Langsam trat Farael von der Leiche und entfernte die Klinge aus ihr. Mit dem Fu├č drehte er sie auf den R├╝cken, w├Ąhrend er sein Schwert verstaute. Sofort griff er zur Maskierung und zog sie vom Gesicht. Darunter kam ein durchaus h├╝bsches Gesicht hervor. Eine Almanin, wie Farael vermutete. Ihre Augen weit aufgerissen, der Mund offenstehend. Sie hatte sich ihren Job sicherlich einfacher vorgestellt. Farael hingegen seufzte. Sorgf├Ąltig tastete er den Leichnam ab, fand bei ihr jedoch nichts, was auf ihre Identit├Ąt oder Zugeh├Ârigkeit hinwies. Ihrer R├╝stung nach zur urteilen, musste sie eine Attent├Ąterin der schwarzen Legion sein. Doch es ergab keinerlei Sinn. Woher wussten sie, dass Farael an diesem Ort war. F├╝r einen Moment kam ihm der Kampf in einer der Gassen Obenzas in den Sinn, doch dort hatte er keine Zeugen der schwarzen Kompanie ├╝briggelassen. Farael beschloss, so schnell wie m├Âglich das Lager f├╝r das Erste zu verlassen. Die Leiche warf er achtlos aus dem Fenster heraus. Um die konnte er sich sp├Ąter noch k├╝mmern. Darauf sammelte er die Dokumente ein, die er hatte mitnehmen wollen und verlie├č auf k├╝rzestem Wege das Lager. Noch immer war ihm das Geschehene ein R├Ątsel. Eine dunkle Ahnung in ihm sagte, dass es wom├Âglich der Anfang von etwas Gr├Â├čerem war. Dieser Gedanke gefiel Farael nicht.

Der Weg zur├╝ck zu seinem Haus, kam Farael wesentlich k├╝rzer vor, als der Hinweg. Vermutlich lag es daran, dass er ein wenig gehetzt war. Immer wieder erwischte er sich dabei, sich misstrauisch umzusehen und seinen Gang zu beschleunigen, wenn er das Gef├╝hl bekam, jemand sei hinter ihm. Allein dieser Angriff hatte ihm Angst eingejagt. Nicht einmal seinetwegen, schlie├člich war er wehrhaft, doch was sollte geschehen, wenn man etwas ├╝ber Ana herausbekam? Zu diesem Zeitpunkt wusste Farael bereits, dass er sich niemals h├Ątte verzeihen k├Ânnen, wenn dieser etwas zugesto├čen w├Ąre. Ganz zu schweigen von dem Kind, welches sie in ihrem Leib trug. Er musste vorsichtig sein und die Lage beobachten. Eigentlich war er nicht der Mann daf├╝r, Fremden gegen├╝ber misstrauisch zu sein, doch der ├ťberfall hatte dieses Denken umgeworfen. Weder hatte er jemanden, den er in diesen Belangen zu Rate ziehen konnte, noch gab es Anhaltspunkte, woher die Attent├Ąterin gekommen war. Obendrein musste er Ana aus der gesamten Sache heraushalten. So konnte er das Risiko minimieren, dass sie in eine Sache mit hereingezogen w├╝rde, welche sie in keiner Weise betraf. So leid es ihm auch tat, doch musste Farael voraussichtlich bel├╝gen, um sie zu sch├╝tzen.

Mittlerweile war es kurz nach der Mittagsstunde, als Farael zur├╝ck an seinem Haus eintraf. Wie vermutet, war Ana noch nicht zur├╝ckgekehrt. Offenbar war sie entweder noch auf der Suche nach einer M├Âglichkeit des Auftritts, oder sie verhandelte in diesem Moment ihre Gage. ÔÇ×Oh Ana, wenn du nur w├╝sstestÔÇť, fl├╝sterte Farael vor sich her, als er an seine Geliebte dachte. W├Ąhrend sie sich einen Auftritt suchte, hatte Farael mit Auftragsm├Ârdern und seiner Vergangenheit zu tun, die ihn mehr als nur gedanklich einholte. Was sie dazu wohl sagen w├╝rde? Begeistert sollte sie wohl kaum sein, so viel stand fest. Auch wenn Farael sich vorgenommen hatte, ihr davon niemals zu erz├Ąhlen. Zugleich f├╝hlte es sich schlecht an, sie auf diese Art und Weise zu bel├╝gen. Allein der Gedanke brachte ihm Unwohlsein. War er es nicht, der ihr gepredigt hatte, dass sie sich einander anvertrauen k├Ânnen? Jeder hatte seine Geheimnisse. Im Falle von Ana war es nichts, was sie real bedrohte. Doch bei Faraels Geheimnissen?

In diesen d├╝steren Gedanken zu verschwinden, sollte keinesfalls die L├Âsung bleiben. Auch wenn er wusste, dass der Moment kommen sollte, an dem er es ihr sagen musste, wollte er es in diesem Augenblick verdr├Ąngen. Beinahe aus Affekt griff er zu einer seiner Flaschen Whisky und nahm einen kr├Ąftigen Schluck. Eigentlich war der edle Tropfen zu schade, um sich damit zu besaufen, doch es erf├╝llte seinen Zweck. Erst als er die Fl├╝ssigkeit brennen die Kehle hinabgleiten sp├╝rte, gelang es ihm, sich der Gedanken zu entledigen. In den Vordergrund trat sein Hunger, aber auch die Arbeiten und das Training, welches er sich vorgenommen hatte.

Zu allererst sch├Ąlte sich Farael aus seiner R├╝stung, legte die Waffen ab und sammelte die schmutzige Kleidung auf, die Ana und er im Haus hinterlassen hatten. In m├╝hevoller Arbeit wusch er diese und h├Ąngte sie zum Trocknen auf. Darauf folgte sein Training, eine Kombination aus verschiedensten Leibes├╝bungen, wie Liegest├╝tze, Ausfallschritte und Klimmz├╝ge badete seinen K├Ârper in Schwei├č. Als er sich selbst im Wasser der Zuber betrachtete, mit dem er sich waschen wollte, musste Farael grinsen. Zu gut wusste er, wie Ana es gefiel, wie er seinen K├Ârper formte. Nat├╝rlich war es ein Nebeneffekt des S├Âldnerdaseins, aber wenn das ein netter Bonus war, konnte man diesen durchaus mitnehmen. Und da die S├Âldnerarbeit ein wenig schleifte, musste er sich auf andere Art und Weise fit halten. Obendrein wusch er sich penibel und rasierte sich frisch, nur um schlie├člich im Haus auf D├Ârrfleisch und altem Brot herumzukauen. Doch es reichte. Ganz nebenbei ging er die Unterlagen durch, die er aus dem S├Âldnerlager mitgenommen hatte. So merkte Farael gar nicht, wie der Tag sich dem Ende neigte und die D├Ąmmerung einsetzt. Erst als Ana in das Haus zur├╝ckkehrte, sollte er aus seiner Konzentration gerissen werden.

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Re: Regen in der W├╝ste

#7

Beitrag von Schwarze Ana » So 2. Sep 2018, 11:26

Obenzas Markt stellte einen, wenn man es sich leisten konnte oder ein geschickter Dieb war, vor die Qual der Wahl. Die unz├Ąhligen Kulturen in der Stadt sorgten f├╝r ein breites Band an Waren und Speisen. Schon vormittags rauchten die ├ľfen und es roch nach gebratenem Fisch und Fleisch, Suppent├Âpfe schaukelten verf├╝hrerisch ├╝ber ihrer Glut und daneben gab es die gesamte Palette an kalten K├Âstlichkeiten. Geb├Ąck, Pasteten, K├Ąse und Wurst, Obst und Gem├╝se, N├╝sse, Trockenfr├╝chte und D├Ârrfleisch. Obwohl Ana der Magen krachte, konnte sie sich nicht recht entscheiden. Neben den Lebensmitteln studierte sie auch deren Verk├Ąufer genaustens. Sie achtete darauf, wer wohl gen├Ąhrt und betucht aussah, wer seine Kunden ├╝bers Ohr haute und wer grob mit seinen Handlangern umging. Dies waren ihre Opfer. Nach zwei Runden durch die engen Gassen des Marktplatzes hatte Ana sich entschieden. Sie ging nicht weit hinter einer Patrouille der Stadtwache, um sicher zu gehen, dass die Luft hinter ihr rein war und auf diese Weise kam sie schnell zu einem warmen Rosinenbrot und zwei saftigen Pfirsichen. Das sollte reichen. Das Gl├╝ck blieb ihr hold, als sie einen Taler auf dem Boden fand. Sie schnippte ihn in die Luft und bahnte sich den Weg zu einem Teeh├Ąndler, den sie gerne hatte.
"Ana!", gr├╝├čte er sie freundlich. "Du strahlst so!"
"Ich.. wirklich?" Ana sp├╝rte, wie sich ein Grinsen auf ihr Gesicht stahl, ohne, dass sie es h├Ątte verhindern k├Ânnen.
"Aber ja! Einem alten Recken wie mir kannst du in dieser Hinsicht vertrauen. Frisch verliebt?"
Das Grinsen verblasste.
"Schon gut, schon gut. Geht mich nichts an. Aber es steht dir." Er zwinkerte. "So... was kann ich f├╝r dich tun?"
"Hast du etwas Feines von den Rabeninseln f├╝r mich?"
"Ana...", er sah sie vorwurfsvoll an. "Was denkst du von mir? Selbstverst├Ąndlich!"
Zielstrebig ging er ein paar Schritte nach links und wies auf die Sch├Ąlchen, die haupts├Ąchlich dunkle, erdfarbene Tees enthielten. "Da h├Ątten wir Morgendunst, Kapit├Ąns Stolz, Meerestiefe..." Als er zu Ana aufsah, weiteten sich seine Augen.
"Was ist?"
"Bitte sag mir, dass du nichts angestellt hast... zwei M├Ąnner von der Wache kommen direkt auf uns zu... und bei ihnen ist ein dicker Kerl, der in deine Richtung zeigt und schimpft wie ein Rohrspatz."
Verdammt... "Ich glaube ich m├Âchte doch keinen Tee kaufen."
Ana wandte sich zur Seite, um im Gedr├Ąnge einer kleinen Marktgasse zu verschwinden, doch auch in dieser Richtung sah sie W├Ąchter, die wegen des Geschreis des H├Ąndlers schon aufmerksam die Menge absuchten. Ana fuhr herum. Der Weg zu ihrer Rechten war viel zu breit, um schnell in die Menge abzutauchen, doch was blieb ihr schon f├╝r eine Wahl?
"Das ist sie ganz sicher!", echauffierte sich der H├Ąndler. "Elendiges Pack! Bringt mich noch in den Ruin."
Viel zu nah, dachte Ana. Sie hatten sie schon fast erreicht und sie brauchte sich nicht umzusehen, um zu wissen, dass auch sich die anderen beiden W├Ąchter in Bewegung gesetzt hatten. Z├╝gigen Schrittes ging sie durch die lockere Menschenmenge. Wenn sie rannte, w├╝sste jeder hier, dass sie die Gesuchte war und was taten die Leute Obenzas nicht alles f├╝r ein bisschen Kupfer aus den Taschen der Stadtwache... Lautes Rattern von hinten k├╝ndigte ein Fuhrwerk an. Das konnte ihre Rettung sein.
"Vorsicht! Aus dem Weg! Platz machen!", br├╝llte der Wagenlenker in monotonem Singsang. Doch Ana dachte nicht daran. Sie hoffte, der Mann w├╝rde seine Pferde abrupt abbremsen m├╝ssen, sodass sein Karren ins Schlingern geriet und vielleicht sogar kenterte. In diesem Durcheinander konnte sie dann das Weite suchen.
"He! Weg da! He! Weibsbild!"
Etwas packte Ana am Arm und zog sie zur Seite.
"Was zum..."
Ana fand sich Angesicht zu Angesicht mit einem jungen Mann.
"Vorsicht, meine Sch├Âne. Beinahe w├Ąrt Ihr von einem Karren ├╝berrollt worden."
"Du Idiot!", fuhr Ana auf. "Das hatte ich vor!" Ihr Blick flog nach links, wo der dicke H├Ąndler mit vier W├Ąchtern auf sie zu eilte.
"Oh..." Die Erkenntnis stand ihrem vermeintlichen Retter ins Gesicht geschrieben. "Ich regle das", sagte er bestimmt. "Geht einfach weiter."
Ana zog die Augenbrauen zusammen, doch was blieb ihr schon ├╝brig? Schnell wandte sie sich ab.
"Sinbert?", rief der junge Mann da aus. "Du bist es! Wahrhaftig! Wie lang mag das her sein? Jahre!"
"Sie entkommt!", rief der aufgebrachte Sinbert.
"Na, na die Herren", beschwichtigte der Fremde und dann war Ana au├čer H├Ârweite. Schnellstm├Âglich stahl sie sich vom Marktplatz. Soweit k├Ąme es noch... wegen einem lausigen Brot und etwas Obst von der Stadtwache eingesperrt zu werden.
Ana beschloss, direkt mit der Arbeitssuche zu beginnen. Je fr├╝her, desto weniger Pl├Ątze w├Ąren schon vergeben und desto gr├Â├čer die Chance, den ein oder anderen Wirt davon zu ├╝berzeugen, dass er unbedingt Musik f├╝r sein Abendprogramm brauchte.
"Ich denke ein Dank w├Ąre angebracht."
Ana erstarrte mitten im Schritt.
"Keine Sorge. Ich habe keine b├Âsen Absichten."
Langsam drehte Ana sich um und sah zum zweiten Mal in das Gesicht des J├╝nglings, kaum ├Ąlter als 20. Seine Kleidung verriet seinen Wohlstand. Er trug elegante Stoffhosen, dazu ein Hemd und eine gr├╝ne Samtweste, in deren Brusttasche ein Taschentuch steckte.
"Wenn Sie von Sinbert gestohlen haben, sind wir auf der selben Seite. Und Sie haben doch von ihm gestohlen, oder nicht?"
Ana musterte ihn misstrauisch, w├Ąhrend er einfach weiter sprach.
"Was war es? Ein Weizenkorn? Sogar daf├╝r w├╝rde er einem Hungernden die Wache auf den Hals hetzen. Dabei w├╝rde das ein oder andere Korn weniger seine F├╝lle nicht schaden. Aber - wie unfreundlich von mir. Ich habe mich gar nicht vorgestellt. Eden von Graustein, sehr zu Ihren Diensten, ...?"
"Ana", entgegnete sie schlicht.
Der junge Mann musste neu in Obenza sein. Und wenn er nicht aufpasste, war er Kanonenfutter. Vermutlich ein Sohn reicher Eltern, dachte Ana.
"Ihr seid eine Norkara, nicht? Vom M├Âwenstamm?" Er l├Ąchelte. "Eure Kette verr├Ąt es und Eure T├Ątowierung. Mein Vater hat ein Handelsschiff. Wir wissen, wer auf dem Wasser sein Unwesen treibt." Verschmizt zwinkerte er Ana zu, die ihn ├╝berrascht ansah.
"Ihr seid nicht die erste, die mich untersch├Ątzt", fuhr er fort, als h├Ątte er ihre Gedanken gelesen. Obwohl er sehr von sich ├╝berzeugt schien, wirkte er sympathisch.
"Darf ich ein St├╝ck mit Euch gehen?"
Ana willigte ein, obwohl sie noch nicht sicher war, was er von ihr wollte. Sie w├╝rde vorsichtig sein.
Eden sprach ohne Punkt und Komma und Ana h├Ârte die meiste Zeit zu. Er wolle ein gro├čes Haus in Obenza erstehen, um sich ein eigenes Standbein aufzubauen. Endlich wollte er unabh├Ąngig von seinem Vater sein. Und so weiter und so fort. Trotzdem war es angenehm, ihm zu lauschen.
"Und Ihr?", fragte er schlie├člich aus heiterem Himmel. Noch immer siezte er sie h├Âflich. "Was treibt Ihr in dieser aufregenden Stadt?"
"Ich bin Musikerin."
"Oh tats├Ąchlich? Ich liebe Musik! Welcher Art ist Eure?"
"Ich spiele die Laute und singe dazu. Das Instrument habe ich selbst gebaut."
"Ganz fantastisch! Sagt, k├Ânnte ich einmal in den Genuss kommen, Euch zu lauschen? Wann spielt Ihr wieder?" Seine Augen glitzerten.
"Eigentlich suche ich gerade nach einer Taverne, die mich anheuert."
Er klatschte in die H├Ąnde. "Was f├╝r ein Zufall! Ich wohne im Gasthaus "Goldenes Rad" und gestern Abend war es dort so trist ohne musikalische Unterhaltung! Kommt mit mir! Ich kann Euch mit Sicherheit einen Auftritt verschaffen!"
V├Âllig verdattert folgte Ana dem aufgeweckten Eden in die besseren Viertel Obenzas. Der Wirt des Goldenen Rads war schnell ├╝berzeugt, nachdem Ana eine Kostprobe ihrer Musik zum Besten gegeben hatte und sie konnte ihr Gl├╝ck kaum fassen. Dass sie Farael hatte Bescheid geben wollen, war in der all der Aufregung und Vorfreude vergessen.
Whisk(e)y ist fl├╝ssiges Sonnenlicht
~ George Bernard Shaw ~

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