Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Bergung

Die souvagnische Brigg Choucas fährt unter dem Kommando von Kapitän Silvano de Mancini Patroullen auf der Azursee. Getrieben von den persönlichen Rachegelüsten seines Kapitäns fährt das Schiff mitunter auch inoffizielle Kurse.
Die Brigg Choucas fährt unter dem Kommando von Kapitän Silvano de Mancini Patroullen auf der Azursee. Getrieben von den persönlichen Rachegelüsten seines Kapitäns fährt das Schiff mitunter auch inoffizielle Kurse.
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Costantino Marchesi
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Bergung

#1

Beitrag von Costantino Marchesi » Fr 14. Sep 2018, 14:24

Bergung

Francois Grimard und Costantino Marchesi erreichten einige Stunden später den großherzoglichen Hof von Souvagne. Während Costantino leichten Schrittes über die Straße flanierte, dabei eine Rauchstange genoss und eine einseitige Unterhaltung führte, schritt der Medicus Francois mit hartem Schritt voran. Sein Schritt glich dem Ausdruck seines Gesichts. Aufmerksam schaute er sich unter seinem Dreispitz um und schob sich mit einem Finger die Brille auf der Nase zurecht.

In ausreichendem Abstand blieb er zum Tor des Hofes stehen und musterte Costantino, genannt Conni, aus dem Schatten seines Dreispitzes heraus. Marchesi blieb vor ihm stehen, schenkte ihm ein gekünzeltes Lächeln und stellte sich wie üblich in Pose.

Fran fragte sich wie so oft, womit er das verdient hatte.

"Mon Cher, Du bekommst noch Falten, wenn Du so ein Gesicht ziehst", sagte Conni leichthin, während er sein Haar richtete und glücklich seufzte.
"Die Bergung...", erklärte Fran, während Costantino dazu übergegangen war seine Lippen nachzuziehen.

"Sprich weiter Francois, ich höre Dir zu", bat Conni und kontrollierte sein Gesicht in einem kleinen Klapp-Handspiegel, während Fran ihn stechend über die Gläser seiner Brille musterte.
"Conni wir befinden uns in einer äußerst schwierigen Lage, würdest Du bitte damit aufhören? Benimm Dich unauffällig. Keinen Interessiert wie Du geschminkt bist, wenn Du im Schlafanzug herumläufst!", flüsterte Fran ernst.

Conni ließ den Spiegel vor Francois Gesicht mit einem Schmunzeln zuschnappen.

"Locker bleiben Mon Cher, Du bist viel zu angespannt. So fällst Du eher auf als ich. Vertrau mir Doc", erklärte Conni und schenkte dem Medicus ein strahlendes Lächeln.
"Bleibt mir etwas anderes übrig?", hakte Francois nach und für einen Sekundenbruchteil kräuselten sich seine Lippen ebenfalls zu einem Schmunzeln.

Gemeinsam passierten sie das Tor, wobei der vermeintlich Adlige Costantino passieren durfte, während Francois sein Anliegen kurz zu erläutern hatte.

"Verlieren wir kein Wort darüber. Wichtig ist, wir sind drin", sagte der Doc und schob mit einem Finger seine Brille zurück auf seine Nasenwurzel.
"Cest comme ca Mon Cher, so ist es mein Lieber. Die Baracken der Leibgarden sind rechts neben dem Palast, lass uns unauffällig durch den Garten schlendern. Dort "verlaufen" wir uns und biegen falsch ab", flüsterte Conni und hakte sich bei Fran ein.


****


Das ungleiche Paar schlenderte durch den Palastgarten und verlief sich wie geplant bei den Baracken. Die Luft wurde bereits merklich kühler und der Wind frischte auf. Eigentlich kein Wetter, bei dem man durch einen Park spazieren würde.

Während sich Francois argwöhnisch umschaute und die Gegend sicherte, wollte Conni den hochgewachsenen Doc gerade als Räuberleiter nutzen, als einige Adlige um die Ecke gebogen kamen. Zum Glück hatte sich die Gruppe fröhlich unterhalten, so dass die beiden sie rechtzeitig bemerkt hatten.

Conni ließ sich sofort fallen und packte dem Doc am Stehkragen. Er drückte ihn hart gegen die Barackenwand und küsste ihn voller Inbrunst, so dass die Adligen grinsend und kopfschüttelnd weiterliefen. Sollten sie denken was sie wollten, ihre Gesichter hatte niemand gesehen, es würde sie keiner der Gruppe wiedererkennen. Jedenfalls nicht um sie einwandfrei zu identifizieren. Als die Gruppe verschwunden war, ließ Conni Fran sofort los.

Costantino lugte um die Ecke, ob die Adeligen auch schön brav weiter ihrer Wege zogen. Fran schob sich blinzelnd und nach Luft schnappend den Dreispitz wieder zu Recht, löste sich etwas wacklig von der Wand und wischte sich angewidert den Lippenstift vom Mund.

„Was hat Silvano bezüglich der Bergung gesagt?“, hakte Francois leise nach.
„Bergungsgut sind zwei Schädel, ein Teppich und Bücher in einer unbekannten Sprache. Ansonsten jeden verdächtigen Plörren einsacken. Es darf nichts zurückbleiben was den Maat in Misskredit bringen könnte“, antwortete Conni.

„Unglaublich…“, warf der Doc leise ein.
„Was glaubst Du nicht Mon Cher?“, fragte Conni freundlich.

„Wir sichern einen Teppich?“, hakte Fran nach und schaute die Baracken hinauf.
„Wir sichern einen Teppich“, bestätigte Costantino und folgte Frans Blick.

„Wie groß ist der Lappen? Hoffentlich ein Wandteppich oder ein Tischläufer“, grübelte Fran.
„Ein fliegender Teppich wäre nicht schlecht gewesen“, grinste Conni amüsiert und stieg über die Schultern des Docs lautlos in die Baracken ein.


****


So sehr sich Francois sonst über Conni ärgern konnte, vor allem über die Art alles etwas zu leicht zu nehmen, hier war er froh um die Fähigkeiten seines Kollegen. Sie schlichen, versteckten sich und passten so die Wachen ab, dass sie genau vorbeihuschten wenn die Wache gerade passiert hatte.

Das musste Fran Conni lassen, der Mann der sonst wie ein Pfau im Pyjama auftrat konnte eins werden mit den Schatten.

Nach einer Suche die für Frans Nervenkostüm eine Spur zu lang dauerte fanden sie endlich das Quartier des Maat dem sich beistehen sollten. Während er im dunklen Flur Schmiere stand, knackte Conni mit einigen Haarnadeln und einem Dietrich lautlos die Tür. Ein kaum hörbares Klicken verriet seinen Erfolg. Costantino öffnete die Tür, schob Fran hinein und folgte sofort. Hinter sich schloss er die Tür wieder und verriegelte von innen.

Costantino und Fran schauten sich in dem kleinen Quartier um. Die beiden menschlichen Schädel stachen einem sofort ins Auge. Conni zog einen wasserfesten Beutel aus seiner weiten Hosentasche und verstaute die beiden Schädel vorsichtig darin. Viel gab es in Roberes Quartier nicht zu sehen.

Der Teppich war ein kleiner Wandteppich, der eine winzig, wunderschöne Küstenlandlandschaft zeigte. Eine wetter- und windgepeitschte See, schroffe Felsen und ein Häuschen in einer Conni unbekannten Bauform.

Vorsichtig nahm Conni den Teppich an sich und schaute sich ausgiebig die dargestellte Landschaft an. Dort würde es ihm auch gefallen. Vermutlich jedem an Bord der Choucas, denn sie alle waren gleichgültig ihrer Optik Seemänner. Sie liebten die See, ihr Schiff und ferne Länder. Vorsichtig rollte er den kleinen Teppich zusammen und verstaute ihn im Beutel, gemeinsam mit den Schädeln.

Zur gleichen Zeit hatte der Doc die Bücher ebenfalls in einem wasserfesten Beutel eingepackt. Sie durchstöberten die kleine Stube noch nach anderen Nutzgegenständen, aber die Stube war wie die der meisten Männer die für ihren Beruf lebten, so gut wie leer und ohne jeden unnötigen Schnick Schnack.

Das was man tatsächlich benötigte trug man am Körper bei sich. Das Quartier war im Grunde nur Schlafstätte. Dieser Maat hatte es ebenso gehalten, bis auf die kleine Auswahl an Dingen, die für ihn eine enorme, persönliche Bedeutung haben mussten.


****


Auf dem gleichen Weg wie sie hineingekommen waren, kamen sie auch wieder heraus. Allerdings dauerte der Rückweg entschieden länger. So war es stets, denn so manches Manöver war in Ermangelung eines sicheren Rückweges gescheitert.

Francois und Costantino atmeten erleichtert auf, als sie den Palast samt großherzoglichen Hof hinter sich gelassen hatten. Mittlerweile war es später Abend und die Dämmerung war bereits heraufgezogen.

„Der Bauch der Choucas ist voller Waffen, Pulver und Kalk. Hat Vano vor auf einen Abstecher bei den Krokos vorbeizufahren?“, fragte Francois Conni, während sie gemächlich zurück Richtung Cantillion liefen.

So unterschiedlich die Charaktere an Bord auch waren, in einem herrschte Einigkeit, im Zusammenhalt. Sie waren ein bunt gemischter, verrückter Haufen und hielten zusammen wie Pech und Schwefel.

„Mon Cher, Du kennst Vano. Du weißt wie er reagiert, wenn er sich an etwas festgebissen hat. Und die Krokos haben zu viele von uns geholt, einschließlich seines Mannes. Mon Dieu, welch eine Romantik. Kanntest Du Davet? Was hältst Du von seinem neuen Mann?“, fragte Conni neugierig.
„Ja sie haben zu viele von uns geholt und sie hätten damals auch beinahe Vano geholt. Ich kannte Davet persönlich, ich hatte mit auf der Mouette gedient. Er und Vano waren seinerzeit ein unzertrennliches Duo Conni.

Nach Davets Tod dachten wir, dass Vano es nicht packt. Zuerst musste er selbst aus dem Meer gefischt werden, er war über Bord gegangen. Sacha der Kurze hat da den Großteil gestemmt. Scheinbar wollte Vano es nach Davets Tod nicht packen.

Eine ganze Zeit wurde er zwangsernährt, bis er sich wieder gefangen hatte. Einige Saufen bei Kummer, andere Fressen bis die Schwarte kracht, Vano hungert oder schmiedet Rachepläne. Letzteres ist mir lieber.

Davet und Boldiszar kann man nicht miteinander vergleichen. Absolut unterschiedliche Typen, aber beide erstklassige Männer. Was Dir Deine andere Frage schon beantwortet. Ich musste Vano letztens wegen seinem zerstörten Auge behandeln, Boldi stand ihm sofort bei. Ich denke dass mit den beiden passt, das ist rund. Du siehst doch wie sie miteinander umgehen“, sagte Fran.

„Rund ist immer gut. Aber etwas anderes läuft gerade nicht rund…“, warf Conni ein.
„Was läuft nicht rund?“, fragte Fran.

Conni zeigte runter zum Hafen.

„Die Choucas ist weg“, flüsterte Costantino.
„Wie weg?“, keuchte Fran und starrte hinab zum Hafen.

„Merde“, knurrte der Medicus.
„Gewaltige MERDE“, pflichtete Conni bei.

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